Meine Stellungnahme zur „Handkommunion“, DZM Februar 1990

DIE HANDKOMMUNION

Seitdem im Zuge der Reformen nach dem II. Vatikanischen Konzil in unseren Landen die Handkomm­union eingeführt wurde, sind viele gute, beste Gläubige zutiefst verletzt worden in ihrem religiösen Empfin­den. Es wurde ihnen etwas von oben diktiert, was sie nicht gesucht und nicht gewollt hatten. Und wenn ih­nen prinzipiell auch die alte Emp­fangsform (da und dort, mehr oder minder, oft sichtbar und spürbar wi­derwillig) zugestanden blieb, so fühl­ten sie sich doch durch das alsbaldi­ge nachgeberische, konformistische Tun der (immer erdrückender wer­denden) Mehrheit (des Klerus und des Volkes) in ihrer Opposition dage­gen als immer verlorenere Einzel­gänger und damit in einer zuneh­mend unangenehmen Lage.

Genau so wie die Liturgiereform überhaupt, ist die Handkommunion den Gläubigen auferlegt, aufgezwun­gen worden, ohne daß man ihren Willen eruiert, geschweige denn re­spektiert hätte. Die Mehrheit wollte dann aber keinen (anhaltenden) Widerstand leisten gegen ihre Prie­ster und Bischöfe und Katecheten und Lehrer und Mitchristen. Die Mehrheit paßte sich an, wie Wende­hälse, wie Sonnenblumen dem Son­nenstand, wie Schilf im Wind.

Und so wie es in den einzelnen Diö­zesen oder Bischofskonferenz-Gebie­ten ging, so ging und geht es in der Weltkirche. Der Vatikan und Italien hatten bis vor kurzem noch „macht­vollen“ bis „machtlosen“ Widerstand geleistet gegen die Handkommuni­on. Da und dort (in vereinzelten Pfarreien) sah man sie zwar schon lange praktiziert. Aber im allgemei­nen galt immer noch die Regel der Mundkommunion, wenn auch kaum mehr knienderweise und am Kom­munionbank. Nun aber ist auch die­se letzte „Bastion“ schon gefallen. Die italienische Bischofskonferenz hat letzten Sommer beschlossen, die Handkommunion (zwecks Einheit­lichkeit mit der Weltkirche) für ihr Gebiet ebenfalls einzuführen!

Und somit wird also jetzt auf der ganzen Welt, in der ganzen offiziel­len katholischen Kirche die Hand­kommunion legal, hochoffiziell und fast exklusiv praktiziert! All die vie­len Warnungen und Proteste von besten Gläubigen, von kompetente­sten Leuten haben also rein nichts gefruchtet. Und auch der Papst und seine berufenen Wächter gaben ein­mal mehr nach und sind wahrschein­lich im Grunde froh, daß die alten Formen immer mehr verschwinden; denn sie müssen als störend empfun­den werden inmitten all des übrigen Neuen!

Pfarrer Johann Grüner von Brei­tenstein, Österreich, hatte noch am 17.6.1989 folgenden Brief an den Heiligen Vater gesandt:

„Heiliger Vater! Ich habe gehört, daß die Bi­schöfe in Italien die Handkommuni­on einführen wollen. Ich möchte Sie herzlich bitten, diesen Unfug nicht zu gestatten. Unsere Erfahrungen mit der Handkommunion sind sehr ne­gativ. Die Handkommunion ist eine dauernde Quelle von Streit und Uneinigkeit. Sie zerstört Ehrfurcht und Glauben vor der Gegenwart Christi, und dreimal so viele Hostien­teilchen werden verstreut im Vergleich mit der direkten Mundkommunion mit Patene. Bitte, befehlen Sie der Sakramentenkongregation, den ge­fährlichen Unfug der Handkomm­union zu verbieten. Auf längere Sicht dient dies sicher mehr zur Einheit der Kirche, als alles laufen lassen. Herzliche Grüße und viel Kraft vom Heiligen Geist wünscht — Pfr. i.R. Johann Grüner.“

Diesem Brief lag auch der im Loreto-Boten veröffent­lichte Artikel „Die Handkommunion — eine Dummheit und Gedankenlo­sigkeit“ bei. Das Antwortschreiben vom Vatikanischen Staatssekretariat datiert mit 4. Juli 1989, unterzeich­net von Mons. C. Sepe, Assessor, war (für ihn) alles eher als befriedigend. Es hieß da u.a. wörtlich: „Zur Sache selbst sei angemerkt, daß der Be­schluß der italienischen Bischofs­konferenz nicht ohne Wissen des Heiligen Vaters erfolgt ist. Dies sei auch betont, um einer weiteren Legendenbildung vorzubeugen, der offensichtlich Sie selbst unterliegen, wenn Sie im Loreto-Boten schreiben: `Gegen den ausdrücklichen Willen von Paul VI. wurde dem Druck mancher modernistischer Schreier nachgege­ben‘ …“ Dies als Einschub aus dem von Kpl. Gottfried Melzer redigier­ten „Loreto-Boten“ Nr. 14! Wichtig ist hier, zur Kenntnis zu nehmen, daß also auch durch das Vatikani­sche Staatssekretariat ausdrücklich schriftlich bestätigt worden ist, daß  die Handkommunion mit Wissen und  Einverständnis des Papstes einge­führt wurde und wird!

So sind die wenigen verbliebenen Mutigen denn auch hierin auf sich selber abgestellt. Sie müssen fast alleine gegen den Strom schwimmen. Sie müssen ohne Unterstützung von oben und von links und rechts aus­kommen. Was tut’s? Jetzt zeigt sich eben, wer Widerstandskraft, wer Standvermögen, wer nicht Men­schenfurcht, sondern Gottesfurcht hat!

Soll man aber auch (heute noch) da die Mundkommunion „erzwingen“, und womöglich (gar) kniend, wo man damit den Ablauf der Kommunion­spendung als völliger Einzelgänger (auffällig) stören würde? Ich meine nein. Entweder paßt man sich lokal (notgedrungen) der von allen prakti­zierten Empfangsform an, oder man verzichtet (in diesem Rahmen) auf den Kommunionempfang. Wenn man das eine oder andere aber prinzipiell  nicht tun will, dann bleibt nur eins: man nimmt an solchen Gottesdien­sten nicht (mehr) teil. Und es ist auch klar, daß ein guter Katholik den Gottesdienst vorzieht, der nach seiner eigenen Überzeugung Gott mehr ehrt, ja den Gottesdienst mei­det, der Gott in irgendeiner Weise Unehre antut oder der Seele, den Seelen schadet! Und es ist somit auch klar, daß der Glückliche, der im Erreichbarkeitsbereich einer traditionellen (tridentini­schen) Meßfeier wohnt, an die­ser teilnimmt und nicht an einer „NOM“-Feier. Aber wer eine solche Gelegenheit nicht hat, oder nicht immer hat? Soll der zuhause blei­ben? Soll der auf den Kommunion­empfang verzichten und stattdessen den Rosenkranz beten? Soll der sich dann halt wenigstens geistigerweise mit den Meßopfern, den „guten, den traditionellen (tridentinischen)“ ver­einigen, um so die Früchte davon zu haben? Gewiß, sofern er selber, aus eigener Einsicht und fester Überzeu­gung, die „Novus-Ordo“-Messen für ungültig oder einfach nicht gottwohl­gefällig hält. Aber wenn er die Über­zeugung hat, daß die neuen Meßfei­ern, soweit sie den authentischen offiziellen Vorschriften entsprechen, gültig sind, Christus also sakramen­tal gegenwärtig ist, darf er sich von einer Teilnahme daran nicht einfach dispensieren! Wo ein gültiges Meß­opfer stattfindet, können und sollen die Gläubigen daran teilnehmen und wenn immer möglich und bei richti­ger innerer Disposition auch kom­munizieren. Oder anders ausge­drückt: wo ein Gläubiger eine Meß­feier für gültig hält, kann und soll er, sofern er die Gelegenheit dazu hat, an ihr teilnehmen und kom­munizieren. Mängel im Äußerlichen dürfen uns nicht (generell) davon abhalten, uns Jesus Christus sakra­mental zu nahen.

Ist aber die Handkommunion nicht (an sich) Sünde?

Nun erhielt ich da kürzlich ein Flugblatt einer Stelle in Heidelberg, die sich „Sanctus — Eucharistische Bewegung zur Verherrlichung Got­tes“ nennt. Dieses Flugblatt hat fol­genden Wortlaut (ich zitiere zur Gänze):

„Jesus Christus ist im erhabenen Sa­krament der heiligsten Eucharistie nach der Konsekration von Brot und Wein „als wahrer Gott und Mensch wahrhaft, wirk­lich und wesentlich unter der Gestalt jener sichtbaren Dinge gegenwärtig“ (Dogma).

Deshalb sind die Gläubigen „zu größ­ter Wertschätzung der heiligsten Eucha­ristie gehalten“ und müssen sie „mit höchster Anbetung verehren“ (Can. 898 CIC).

Dieses Gebot wird durch die seit 1969 in bestimmten Ländern neben der Mund­kommunion praktizierte Handkommuni­on schwer verletzt:

  1. Handkommunion ist sakrile­gisch, weil die ungeweihten Hände von Laien zum Ergreifen des Allerheiligsten nicht befugt sind. Das betont bereits Thomas v. Aquin, ein Heiliger und Kir­chenlehrer (Summa theologica III, 82, 3). Die neue Form des Kommunionempfangs widerspricht der gesamten Tradition der Kirche, nach der das aktive Zupacken mit den Händen, das ein Symbol der Macht ist, grundsätzlich nur Geweihten kraft ihrer durch das Weihesakrament empfangenen Vollmacht gestattet war.
  2. Handkommunion ist frevlerisch, weil bei ihr Hostienteilchen verunehrt werden, wenn man durch den unnötigen Kontakt mit den Händen des Kommuni­kanten Partikel erzeugt, zu Boden fallen läßt und zertritt. Da nach der Wandlung „der ganzen Brotsubstanz“ nichts mehr an Brot zurückbleibt, ist in jedem sich von der hl. Hostie lösenden Teilchen der ganze Christus gegenwärtig (Dogma). ­“Wer die eucharistischen Gestalten wegwirft … zieht sich die dem Apostoli­schen Stuhl vorbehaltene Exkommuni­kation als Tatstrafe zu“ (Can. 1367 CIC). Ebenso sind „Mittäter“ (Can. 1329 CIC) exkommuniziert.
  3. Handkommunion ist unverant­wortlich, weil sie das Beiseiteschaffen konsekrierter Hostien für satanische Praktiken viel zu leicht macht, zu Miß­bräuchen durch Kinder anregt und die letzte Hürde beseitigt, die bisher verhin­derte, daß man bei Messen anläßlich von Trauungen, Jubiläen, Beerdigungen usw. „im Kollektiv“ kommuniziert und sich das Gericht ißt (1 Kor 11,29).
  4. Handkommunion ist illegitim, weil sie in Sünde geboren wurde und schon deshalb nicht Gottes Willen ent­sprechen kann. Sie wurde zuerst im Ungehorsam „ohne vorherige Zustim­mung des Apostolischen Stuhles“ prakti­ziert.
  5. Handkommunion ist illegal, weil sie geduldet wird, obwohl Papst Paul VI. hierfür praktisch unerfüllbare Voraus­setzungen aufstellte (in: „Memoriale Domini„), um die man sich nicht küm­mert. Statt dessen verfolgt man Priester, die das Unrecht nicht mitmachen und Handkommunion verweigern.
  6. Handkommunion ist diabolisch, weil sie Spaltung, Unfriede und Zwie­tracht in der Kirche verursacht. Zwei verschiedene Kommunionriten in einer Gottesdienstgemeinde sind untragbar und in der Kirchengeschichte ohne Bei­spiel.
  7. Handkommunion ist anthropo­zentrisch, weil sie den Menschen mit seinen Wünschen in den Mittelpunkt stellt und nicht Gott. Heute bestimmen Laien, wie sie das Sakrament von Diako­nen, Priestern, Bischöfen und selbst vom Papst gespendet haben wollen. Die Her­de führt die Hirten.
  8. Handkommunion ist protestan­tisch, weil bei den Evangelischen alle zugreifen dürfen. Sie nehmen jedoch nicht den Leib Christi in die Hände, sondern nur Brot, weil sie mangels Weihesakra­ment keine Priester besitzen, die eine Konsekration vollziehen könnten. Ihre meist verheirateten „Bischöfe“ und Pa­storen stehen nicht in apostolischer Sukzession und sind nach eigenem Selbst­verständnis keine Geweihten, sondern vom Volk als Gemeindevorsteher gewähl­te Laien.
  9. Handkommunion ist häretisch, weil sie den Glauben an die Realpräsenz Gottes nicht bezeugt. Das zeigt sich be­sonders deutlich, wenn nicht kniend, sondern stehend kommuniziert und so­gar eine Kniebeuge vor dem Kommuni­onempfang unterlassen wird.
  10. Handkommunion ist apokalyp­tisch, weil es einen endzeitlichen „Greu­el der Verwüstung an heiliger Stätte“ (Mt 24,15) darstellt, „wie wir die heiligen Sakramente mit Füßen treten und die Strafe Gottes verachten, die immer nä­her kommt … Die Muttergottes hat aus­drücklich gesagt: ‚Wir nähern uns den letzten Tagen‘. Und sie hat es mir drei­mal wiederholt“ (Schwester Lucia, Fati­ma).

Zu diesen 10 Punkten möchte ich nun einiges sagen.

Ich glaube, wir sind uns alle einig: die Handkommunion hätte nicht  eingeführt werden sollen, ebensowe­nig wie die ganze (radikale) Litur­giereform. Wir haben nicht nach Reformen gerufen. Uns waren die alten, ehrwürdigen Riten mehr als nur recht. Uns waren sie heilig! Und für uns bleiben sie es. Und die neuen Riten sind für uns ebenso min­derwertig wie etwa die modernen Kirchenbauten im Vergleich zu den alten, ehrwürdigen Kathedralen und Dorfkirchen und Kapellen. Diejeni­gen, die die Handkommunion sozu­sagen ertrotzt haben und diejenigen, die diesem Drängen und Fordern und Vor-vollendete-Tatsachen-stellen nachgegeben haben, die Päpste und Bischöfe nämlich, sind (objektiv) die Schuldigen, daß wir heute dieses Debakel haben. Sie werden dafür Gott Rechenschaft abzulegen haben. Aber das Kirchenvolk läßt sich führen (und leider massenhaft auch verführen) von seinen Hirten. Daß die Hand­kommunion (in unserer Zeit, nach jahrhundertelanger Praxis der Mundkommunion) eingeführt wur­de, ist etwas Übles, je nachdem für die Verantwortlichen auch etwas (schwer) Sündhaftes. Aber einmal eingeführt, d.h. von höchster Stelle approbiert und angeordnet, kann sie für den einzelnen Gläubigen an sich nicht (mehr) sündhaft sein! Wenn man nur will, kann man nämlich „die Kommunion“, also unseren mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, mit Menschheit und Gottheit (un­sichtbar, aber wirklich) anwesenden Heiland, auch ehrfürchtig und „mit größter Wertschätzung“ und „mit höchster Anbetung“ (sakramental) in die Hand und sogar stehenderweise („in Prozession hinzutretend“) emp­fangen. Allerdings erfordert dies eben mehr Innerlichkeit. Die im Äußern abgehende Ehrfurcht und Wertschät­zung und Anbetung muß dann im Innern erbracht werden. Die innere, geistige Haltung ist aber auch die wesentliche. („Alle Herrlichkeit ist innerlich“!) Gewiß, wenn die innere Haltung eine solche der Ehrfurcht und Anbetung ist, dann drängt sie den betreffenden Menschen auch zu einer Veräußerlichung, „Materiali­sierung“ dieser unsichtbaren, inne­ren, geistigen Haltung. Wird diese Veräußerlichung aber durch die Umstände gehemmt oder verhindert, dann wird der „Anbeter im Geist und in der Wahrheit“ das, was er äußer­lich nicht tun kann, umso mehr in­nerlich tun!

Darum ist es falsch zu sagen: „Die Handkommunion (als solche, also jede Handkommunion) ist sakrile­gisch“. Ein „sacrilegium“ besagt eine unberechtigte, daher sündhafte Entweihung oder Verunehrung (vio­latio) gottgeweihter Sachen, Perso­nen oder Orte, wodurch sie sündhaft dem Dienste Gottes entzogen, Gott gleichsam geraubt werden. Ein Real-Sakrileg begeht, wer Sakramente, Sakramentalien, Heiligenreliquien oder -bilder, Worte der Hl. Schrift, geweihte Gefäße oder Gewänder, kirchlichen Besitz stiehlt bzw. raubt, mißbraucht oder böswillig zu profa­nen Zwecken verwendet. (Verglei­che dazu das Beispiel des nachfolgend geschilderten Hostien­raubes von Lungern/Schweiz!) Und vor allem erscheint die bewußte unwürdige Kommunion als Gottes­raub! Daß die Hände der Laien im Unterschied zu jenen der Priester „ungeweiht“ sind, ist kein theologi­scher Grund, daß sie den Leib des Herrn (ohne ein Sakrileg zu bege­hen) nicht berühren dürften. Auch die Zunge ist „ungeweiht“. Wenn der hl. Thomas von Aquin zu seiner Zeit (†1274) betonte, „daß die ungeweih­ten Hände von Laien zum Ergreifen des Allerheiligsten nicht befugt“ sei­en, so weil damals die kirchlichen Vorschriften die Handkommunion nicht (mehr) vorsahen. Und es ist nicht wahr, daß die Handkommuni­on „der gesamten Tradition der Kir­che widerspricht“. In dem auch für einen Traditionalisten unverdächti­gen „Lexikon für Theologie und Kir­che“ von 1934 steht folgendes unter dem Stichwort „Kommunion“: „… früher empfingen die Laien, in man­chen Gegenden auch die Frauen, die Kommunion ebenfalls am Altar kniend (noch im 6. Jahrh. stehend). Bis zum 9. Jahrh. erhielt der Emp­fänger die Brotsgestalt in die (in Gallien bei Frauen wenigstens seit dem 6. Jahrh. mit einem Tüchlein umwickelte) rechte Hand und führte sie selbst zum Mund. Das hl. Blut genoß man anfangs unmittelbar aus dem Kelch; seit dem 8. Jahrh. bis zum Aufhören der Kommunion unter beiden Gestalten (in den Zist.-Klö­stern teilweise bis ins 18. Jahrh.; beim päpstl. Amt noch heute) mittelst der Fistula.“

Die Handkommunion kann an sich  aber auch nicht „Frevel“ sein. Denn Frevel besagt Vermessenheit, Ver­wegenheit. Und „freveln“ heißt auch „gewalttätig sein“. Wer wollte be­haupten, daß ein jeder, der die Hand­kommunion (und schon gar unfrei­willig) praktiziert, vermessen, ver­wegen und gewalttätig sei? Gerade ein solcher wäre ein Frevler! Es ist klar, daß bei der Handkommunion mehr Hostienteilchen „abfallen“ (können), als bei der Mundkomm­union. Aber wenn dies nicht durch mutwillige Nachlässigkeit geschieht, kann man dieses Abfallen von klein­sten Teilchen doch nicht als ein „Weg­werfen eucharistischer Gestalten“ oder als „Verunehrung“ bezeichnen! Es stimmt allerdings, daß in jedem (sichtbaren, faßbaren, sumierbaren) Teilchen der konsekrierten Hostie(n) der ganze Christus gegenwärtig ist. Und darum ist mit höchster Sorgfalt mit diesen heiligen Gestalten umzu­gehen. Aber die Handkommunion kann so praktiziert werden (und muß es nach Vorschrift auch!), daß dieses erhöhte Risiko der Verunehrung von Hostienpartikeln minim bleibt.

Zu Punkt 3 ist anzumerken, daß die erwähnten satanischen Prakti­ken und die Mißbräuche durch Kin­der und Erwachsene selbstverständ­lich auch schon bei der Mundkomm­union möglich waren. Sicher fällt es jetzt einem Gottesräuber bei der Praxis der Handkommunion (noch) leichter, sein (diabolisches) Ziel zu erreichen. Aber das liegt weniger an der Handkommunion als solcher, als an der Kommunionspendung über­haupt, dem Umstand zwar, daß heutzutage (und schon vor dem Konzil!) ein jeder, auch ohne Beichte, auch ohne daß der Priester ihn (nur schon im entferntesten) kennt, je­derzeit kommunizieren kann!

Zu Punkt 4: Auch wenn etwas zuerst illegitim praktiziert wird, ist eine nachmalige Legitimierung je­derzeit möglich. Die Kirchenleitung hat das Recht, die Praxis der Hand­kommunion gutzuheißen, auch wenn sie sie früher nicht (mehr) dulden und nicht erneut einführen wollte. Aber klug und weise war es bestimmt nicht, sie bei der heute herrschenden Mentalität wieder einzuführen!

Zu Punkt 5: Die Handkommunion ist heute nicht mehr illegal. Sowohl Paul VI. wie auch Johannes Paul II. und die Bischöfe in ihren Diözesen haben sie ausdrücklich legalisiert! Auch das ist ihr gutes Recht. Aber sie haben kein Recht, die bisher prakti­zierte Form der Mundkommunion zu verbieten oder auch nur schon zu verdrängen! Sie hätten sorgfältigst Vorkehren treffen müssen, daß jene, die kniend und auf die Zunge kom­munizieren wollen, dies auch jeder­zeit würdig und ungestört und un­beargwöhnt tun können! Die Kom­munionbänke hätten nicht beseitigt werden dürfen!

Zu Punkt 6: Nicht die Handkom­munion als solche ist diabolisch, sondern die Einführung derselben, da, wo man sie gar nicht begehrt, sondern sogar ausdrücklich abge­lehnt hatte, die Erzwingung dersel­ben bei all jenen, die sich in ihrer Frömmigkeit verletzt fühlen (muß­ten)!

Zu Punkt 7: Die Herde führt (zwangsläufig) die Hirten, weil die Hirten keine Hirten mehr sind. Heute bestimmen Laien, weil Päpste, Bi­schöfe, Pfarrer (oft und in vielem) nicht mehr bestimmen wollen. Die Handkommunion ist aber nicht von der Herde gewünscht, erzwungen und bestimmt worden, sondern von (den) Hirten, die nur noch Gemeinde-„Vorsteher“ sind.

Zu Punkt 8: Die Handkommunion ist auch nicht protestantisch. Denn die Protestanten kommunizieren nicht. Und die Handkommunion gab es schon, bevor es überhaupt Prote­stanten gab. Und wenn heute ein normaler, durchschnittlicher katho­lischer Christ zur Kommunion geht, dann glaubt er (immer noch) an das Geheimnis, daß in der Hostie, die er empfängt, sein Herr und Heiland gegenwärtig ist mit Leib und Seele, mit Menschheit und Gottheit!

Zu Punkt 9: Die Handkommunion kann auch nicht als häretisch be­zeichnet werden. Denn das Kom­munizieren in einem katholischen  Gottesdienst an sich bezeugt (u.a.) auch (schon) den Glauben an die Realpräsenz Gottes.

Und schließlich, 10., ist die Hand­kommunion auch nicht apokalyp­tisch. Das Kommunizieren auf die Hand kann doch ums Himmels wil­len nicht als „Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte“ bezeichnet wer­den. Sonst hätte dieser ja schon in den ersten Jahrhunderten der Chri­stenheit stattgefunden! „Apokalyp­tisch“ ist aber (eher) diese heillose Verwirrung selbst der Besten. Die Guten und Besten selbst wissen nicht mehr ein und aus. Ja sie bekämpfen, zerfleischen sich gegenseitig oft aufs wüsteste! Der Greuel der Verwüstung herrscht zur Zeit, vor allem seit dem II. Vatikanischen Konzil, in der hei­ligen Kirche Gottes!

Wenn aber dieses Flugblatt recht hätte, dann wären 95% aller Katho­liken heute „Gottesräuber“, „Frev­ler“, „Häretiker“ und „Schänder“! Sie wären alle ipso facto exkommuni­ziert!

Mit solch extremen, super-übertrie­benen Verallgemeinerungen und Pauschal-Aburteilungen darf man das Böse nicht bekämpfen. Das ist im höchsten Maße kontraproduktiv! Der Verfasser dieses Flugblattes wollte gewiß etwas Gutes tun. Aber so kann man die Mundkommunion nicht verteidigen und die Handkommuni­on nicht verurteilen und bekämpfen.

Ich wiederhole: ich persönlich bin absolut für die Mundkommunion. Ich ziehe diese Art des Kommunionemp­fanges der Handkommunion himmel­weit vor. Aber dazu ist eine Verteufe­lung der neuen Praxis der Hand­kommunion nicht nötig. Ebenso zie­he ich die tridentinische Messe der Eucharistiefeier nach dem NOM himmelhoch vor. Aber ebensowenig brauche ich dazu diesen NOM für häretisch, für gotteslästerlich, für ungültig zu erklären. Ich weiß, es gibt die „konsequentesten“ aller Traditionalisten, die Sedisvakantisten. Da schreibt z.B. ein Pfarrer Oswald Baker:

„Für den wahren Katholiken sind gewiß einige Tatsachen nicht mehr zu leugnen, besonders jetzt, mit dem Vorteil der Rück­schau. Es ist von seinen Dokumenten und seinen Nachwirkungen her klar, daß das II. Vatikanum eine satanische Machen­schaft war, um die katholische Kirche zu zerstören. Dasselbe gilt von der Politik Pauls VI. Wir haben schon vom Umsturz katholischer Lehren durch das II. Vati­kanum gesprochen, z.B. Religionsfreiheit, Häresie, gemeinsame ‚Gottesdienste‘ und von der ’neuen Messe‘ Pauls VI. als einem  teuflischen, gotteslästerlichen Ersatz für die wahre Messe. Wir haben dargelegt, daß die Teilnahme an der ’neuen Messe‘ objektiv schwer sündhaft ist. Objektiv heißt: in sich selbst. Diejenigen, die an der neuen Messe guten Glaubens teilnehmen, (weil sie möglicherweise dazu von einem sog. ‚guten‘ Priester à la Ecône noch auf­gefordert worden sind,) sündigen nicht (oder nicht schwer, Anm. d. Red.). Wer jedoch an der neuen ‚Messe‘ teilgenom­men hat und bei einer anderen Gelegen­heit in eine tridentinische Messe geht, darf dort nicht zur Kommunion gehen. Katholiken dürfen keine Verbindung mit der konziliaren ‚Kirche‘ haben. Das Ziel des II. Vatikanums und Pauls VI. war die Zerstörung des katholischen Glaubens.“ („Einsicht“, August 1982, S. 65)

Solche Sedisvakantisten könnten die Verfasser dieses Flugblattes „Handkommunion ist Sünde“ sein? Wohl kaum! Denn für sie gibt es das Problem Hand- oder Mundkommuni­on gar nicht! Für sie ist ja die Messe, im Rahmen derer ja nur die Hand­kommunion gespendet wird, näm­lich die „NOM-Messe“, satanisch, got­teslästerlich und die Teilnahme daran schwer sündhaft! Ja Katholi­ken dürfen, nach ihnen, gar keine  Verbindung haben mit der konzilia­ren Kirche, sprich: mit Papst, Bi­schöfen und Amtskirchengeistlichen und mit den Gläubigen, die sich zu ihnen bekennen!!! Also stammt die­ses Flugblatt vermutlich eher von einem Nicht- Sedisvakantisten. Aber die gute Seele müßte sich bewußt werden, daß sie mit einer solchen Überzeugung auf dem direktesten Weg in den (extremen) Sedisvakan­tismus ist. Wenn ich das, was auf diesem Flugblatt geschrieben steht, für wahr hielte, gäbe es für mich jedenfalls kein Zögern mehr. Ich würde mich gleich auf die Seite der­jenigen schlagen, die sagen, daß der Papst nur ein Scheinpapst ist und daß die neue Messe ungültig und ein gotteslästerliches Plagiat ist, etc. etc. Denn ein wahrer Papst kann unmög­lich etwas Sakrilegisches, Frevleri­sches, Diabolisches, Häretisches vorschreiben oder nur schon (offi­ziell) dulden!

Seien wir also vorsichtig. Hüten wir uns vor Übertreibungen. Bleiben wir bei unseren heiligen Überzeu­gungen, bei unseren heiligen Riten und Praktiken. Pflegen und fördern wir sie, wo wir nur können! Aber verurteilen wir nicht, was wir in seinem Wesen nicht erkennen und erfassen (können). Wir haben ein sozusagen gottverbrieftes Recht auf die Mundkommunion. Wir dürfen uns, ohne uns zu versün­digen, dem Diktat der Hand­kommunion widersetzen. Aber wir haben kein Recht, das Min­dere, das Unvollkommene(re) zu verteufeln.

MERKSATZ: Die Handkommunion ist (an sich) nicht Sünde und nicht  sündhaft. Die Mundkommunion ist aber das Vollkommenere. Und für GOTT ist nur das Vollkommenere, das Bessere, das Bestmögliche gut genug! Darum sind wir gegen die Handkommunion. Darum entschied sich die Kirchenführung vor langer Zeit für die Mundkommunion.

Einverstanden bin ich hingegen mit der Argumentation und der Vorge­hensweise von P. Fridolin Außersdor­fer, OFM. Er schreibt zum Beispiel: „Nach verschiedenen Verlautbarun­gen ist es heute in bestimmten Län­dern (inzwischen praktisch in allen! Anm. d. Red.) jedem Christgläubi­gen möglich gemacht, die hl. Komm­union so zu empfangen, „wie er es persönlich vor seinem Gewissen ver­antworten kann“. — Es sei auch, sagt man, belanglos, in welcher Form das geschieht. Haben Sie, bitte, die Güte, in Ruhe zu überlegen, welche Ver­antwortung heute da auch auf dem Empfänger lastet! Bedenken Sie, bitte: Wer den hochheiligen Leib des Herrn auf seine Hand verlangt, der hilft mit, wird also mitschuldig: daß das Heiligste, was die katholische Kirche hat, immer mehr profaniert wird. Es ist ein allgemein gültiges, durch Erfahrung tausendmal bestätigtes Gesetz: Was jeder mit Händen und Fingern anfassen kann, verliert an Wertschätzung. Darum wurde und wird bei allen Religionen, was dort heiliggehalten werden soll, dem Zugriff der Masse entzogen. Nun hat die katholische Kirche „nichts Grö­ßeres, nichts Erhabeneres, nichts Wundervolleres, nichts Heiligeres als das Sakrament der heiligen Eucha­ristie. Denn in ihm ist enthalten die Quelle und der Urheber aller Heilig­keit: Christus, der Herr.“ Je mehr also heute Kommunikanten da „ihre Finger dran und drinnen haben können“, umso mehr wird das Heilig­ste in der Einschätzung des Men­schen nur mehr zu einer gewöhnli­chen Speise. Wer aber „den Leib des Herrn von gewöhnlicher Speise nicht unterscheidet, der ißt und trinkt sich das Gericht!“ (1 Kor. 11,29)

Im Jahre 1516 hat in Rüdinghau­sen ein Priester auf dem Verseh­gang über ein Feld eine hl. Wegzeh­rung verloren und nicht mehr finden können. Eine Schafherde, die darauf über die Wiese weidete, ging vollzäh­lig in die Knie und erst nach Herbei­holung eines Priesters, der die hl. Hostie verwahrte, konnte die Schaf­herde wieder auf die Beine gebracht werden!

Das Deckengemälde in der Kirche in Gottau in Ostpreußen zeigt ein Och­sengespann auf den Knien vor einer verlorengegangenen hl. Hostie. Auch hier mußte der Ortspfarrer herbei­geholt werden, um die hl. Hostie zu retten und um dem Ochsengspann das Weiterpflügen zu ermöglichen! Es ist auch eine bekannte Tatsache, daß der Bürgermeister von Padua nicht an die Realpräsenz der heili­gen Eucharistie glaubte und den hl. Antonius „mit seinem Brot“ verspot­tete. Der Aufforderung des Heiligen, mit dem Esel zu kommen, folgte das Stadtoberhaupt, indem er seinem Esel drei Tage lang kein Futter gab. Als der Esel, geführt von seinem Herrn, am Platze erschien, fiel auch der Esel, trotz des ihm vorgeworfe­nen Heues, vor dem von Antonius getragenen Allerheiligsten auf die Knie nieder und gab somit dem höch­sten Gut die Reverenz, die heute von so vielen, die sich Katholiken nen­nen, nicht mehr gezollt wird.

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Der Hostienraub von Lungern

Obwohl die Sakramentswald-Kapelle auf dem Gemeindegebiet von Giswil steht, ist sie doch mit der Geschichte der Pfarrei Lungern (Kanton Obwalden, Schweiz) eng verknüpft. Ihre Entstehung geht auf einen Kirchenraub in der alten Pfarrkirche Lun­gern zurück, deren Standort sich am Nord­eingang des Dorfes befand, wo heute noch der alte Turm steht.

Aus zuverlässigen Quellen zuschließen, dürfte sich der Kirchenraub im Jahre 1492 ereignet haben. Drei Männer schlichen sich nachts in die Pfarrkirche ein und erbrachen das Sakramentshäuschen, aus dem sie die kostbaren Gefäße mit den heiligen Hostien entwendeten. Hierauf flohen sie in das Waldgebiet ob der Alp Emmeti und schütteten dort, wo heute die Kapelle steht, die konsekrierten Hostien aus und setzten dann ihre Flucht fort ins Alpgebiet am Fuße des Giswilerstockes. Am „Fräkmünt“ konnte einer der Übeltäter gefaßt werden. (NB. Mit „Fräkmünt“ ist nicht die gleichnamige Alp am Pilatus gemeint. „Fräkmünt“ ist ein alter Name für den Giswilerstock.)

Der gefaßte Räuber gestand die Untat und mußte den Ort aufzeigen, wo sich die heiligen Hostien im Wald befanden. Für sein Verbrechen endete er am Galgen.

Prozessionsweise zog dann das Lunge­rervolk mit seinem Pfarrer zum aufge­zeigten Ort. Die Hostien wurden aufgeho­ben und in die Lungerer Pfarrkirche zu­rückgebracht. Dort, wo sie ausgeschüttet worden waren, sprudelte eine kristallkla­re Quelle, die bis heute nicht versiegte.

Am 25. August 1522 erteilte Nuntius Philonardi die Erlaubnis, über der Quelle eine Kapelle zu errichten als Sühneakt für das geschehene Verbrechen und zur fort­währenden Verehrung des allerheiligsten Altarsakramentes. Der Kanton Obwalden half mit, den Bau zu finanzieren. Im Jahre 1629 erlaubte der Bischof von Konstanz dem Pfarrer von Giswil, monatlich in der Sakramentskapelle die heilige Messe zu feiern, da viele Stiftungen errichtet wur­den.

Vom alten Altar von ca. 1522 haben sich noch zwei Flügel im Historischen Museum von Sarnen erhalten, welche den Einbruch in die Kirche Lungern, die Einkerkerung des einen Räubers, dessen Verhör und Hinrichtung darstellen. In der heutigen Kapelle findet sich ein von Franz Joseph Weyss 1789 gemaltes Altar­bild mit dem Allerheiligsten, das von St. Katharina von Alexandrien (Patronin der alten Pfarrkirche), Antonius von Padua und Bruder Klaus verehrt wird. Neben dem Altar befinden sich zahlreiche Votiv­tafelchen, die von wunderbaren Heilun­gen und Erhörungen berichten. An der Rückwand erzählen die vom gleichen Maler 1789 geschaffenen Tafeln in acht Szenen die Entstehungsgeschichte der Kapelle. In späterer Zeit wurde an der Westseite eine kleine Sakristei angebaut, worin sich auch ein Beichtstuhl befindet. In einem kellerartigen Raum unter der Kapelle sprudelt die Quelle hervor. Von hier nehmen die Leute Wasser gegen Krankheit von Mensch und Vieh mit sich nach Hause.

In den Jahren 1985/86 hat die Kirchge­meinde von Giswil die Kapelle einer Ge­samtrenovation unterzogen, so daß sie in ihrer alten Schönheit wieder hergestellt ist.

Beim Kath. Pfarramt, CH-6078 Lungern, ist ein 1988 herausgegebenes Broschür­chen mit dem Titel „Die Kapelle im Sakra­mentswald“ erhältlich. Bitte dort bestellen.