DER WANDEL JESU IN DER WELT – Nach den Visionen der Anna Katharina Emmerich

Das zweite Lehrjahr 32

Erstes Vierteljahr:

Von der Hochzeit zu Kana bis zum ersten Osterfest

(1. Januar bis 31. März 32)

Die Hochzeit zu Kana

Handels-Stadt Kana

Jan., Di. 1.

Die Zahl der Hochzeitsgäste hat sich bis über hundert erhöht. Der Herr hat die Festleitung übernommen. Er bestimmt, daß die Gäste täglich zweimal ins Freie hinausgehen, um sich zu belustigen. Er leitet alle Vergnügun­gen und würzt sie mit Lehre.

Mit freundlichem Ernst nimmt der Herr heute am Früchte-Spiel der Männer teil. Alle liegen an einem grünen Lustort unter Bäumen in einem Kreise auf der Erde, wer­fen allerlei Früchte nach gewissen Regeln, damit sie in bestimmte Gruben innerhalb des Kreises fallen sollen, was andere wieder zu verhindern suchen. Jesus sagt oft mit Lächeln ein weises Wort, das entweder alle bewundern und still gerührt aufnehmen, oder das einzelne nicht gleich verstehen und sich von Klügeren erklären lassen. Er hat die inneren Spielkreise und Gewinne geord­net und verteilt sie mit liebenswürdigen, oft ganz wunderbaren Bemerkungen.

Die jüngeren Gäste laufen und springen über Laubgehänge um Früchte. Die Frauen sitzen für sich und spielen auch mit Früch­ten. Die Braut sitzt immer zwischen der heiligen Jungfrau und des Bräutigams Tante. Abends (4.Thebet) lehrt Jesus in der Ge­setzesschule, wo alle versammelt sind, über die Freude erlaubter Belustigung, über ihre Bedeutung, ihr Maß, ihren Ernst, ihre Weis­heit. Auch redet Er von der Ehe, von Mann und Weib, von der Enthaltung und Keusch­heit und von der geistigen Ehe. Am Schluß der Lehre tritt das Brautpaar allein vor den Herrn, und Er belehrt sie einzeln.

Hierauf beginnt die Hochzeit mit einem Mahl und mit Tanz. Nach der Musik der Kinder, die dazwischen in Chören singen, tanzen nur Männer und Jungfrauen, und zwar nicht hüpfend und springend, sondern mehr in einem Wandeln in Reihen oder geschlossenen Kreisen, im Takt der Musik Hände, Kopf und Leib bewegend. Alle hal­ten kleine Tücher in der Hand, mit denen sie sich berühren, wenn geschlossene Paare oder Reihen gebildet werden.

Die künftigen Apostel tanzen nicht mit, wohl aber die anderen Jünger, wie Natha­nael Chased, Obed und Jonathan.

Mi. 2.

Am dritten Tage findet gegen neun Uhr morgens die Trauung statt. Braut und Bräu­tigam werden vom Elternhause zum Festhaus und von dort zur Synagoge in Prozession geleitet. Voran gehen sechs Knaben und sechs kleine Mädchen, die Kränze tragen, dann folgen größere Knaben und Mädchen in gleicher Zahl, die auf syrinxartigen Rohr­flöten und libyschen Querpfeifen blasen, auf kitharaähnlichen Saitenkasten mit dem Plektron schlagen und mit dem ägyptischen Systrum ähnlichen Ringhaltern klingeln. Die Braut begleiten zwölf Jungfrauen als Brautführerinnen (vgl. Theokrit, Idylle 18) und den Bräutigam zwölf junge Männer, unter ihnen mehrere Jünger, aber keine späteren Apostel.

Die Trauung vollzieht sich vor Priestern. Die zu wechselnden Ringe sind von der heiligen Jungfrau gestiftet und von Jesus gesegnet worden. An der Stelle des Sitzes des Ringes wird der Ringfinger vom Prie­ster mit einer Nadel geritzt, vom Bräutigam zwei, von der Braut ein Blutstropfen in einen Becher mit Wein getröpfelt, den beide austrinken. Zum Schluß werden Gaben an dabeistehende Arme verteilt. Der Herr emp­fängt das Brautpaar im Festhaus.

Vor dem Hochzeitsmahl belustigen sich die weiblichen Gäste wieder im Freien mit ab­wechselndem Aufschreiben von Buchstaben auf ein dreieckiges Täfelchen, auf dem ein Zeiger gedreht wird und je nach dem Still­stand verschiedene Gewinne erzielt.

Die Männer stehen im Festhaus um eine große runde Tischtafel, auf der ringsherum verschiedene Portionen von Blumen, Kräu­tern und Früchten liegen. Über allem die­sem drehen sie abwechselnd eine ebenso große runde Holzscheibe, am Rande mit einem kreisförmigen Ausschnitt versehen, welche je nach ihrem Stillstand die Portion als Gewinn erzielt, über der der Ausschnitt zu stehen kommt.

In diesem von Jesu geordnetem Spiel ist je­doch mehr als bloß Zufälliges enthalten, denn das Los, das jedem Spieler zufällt, hat tatsächlichen Bezug auf dessen Psyche, Eigenschaften, Tugenden und Fehler, und der Herr legt einem jeden sein Los nach der Zusammenstellung der Früchte aus. Hierbei fühlt jeder einzelne für sich den tiefen Blick Jesu in sein Inneres, aber den anderen bleibt dies in diskreter Weise ver­borgen, wenngleich alle durch jede Einzel­bemerkung des Herrn in allgemeiner Weise belehrt und gerührt werden. Es wiederholt sich also hier ein ähnlicher Vorgang, wie er sich vor einigen Tagen zwischen dem Herrn und Nathanael Chased abgespielt hat. Zugleich empfangen die Spielenden auch auf einem mystischen Wege durch den Ge­nuß der Früchte gewisse stärkende Gnaden, besonders der Bräutigam, und diese Vor­gänge kommen noch später im Kapitel der Mystik Jesu eingehender zur Sprache.

Nach dem Spiel im Lustgarten folgt das große Hochzeitsmahl. Der Raum des Fest­hauses ist durch zwei niedere Schirmwände, sodaß die zu Tisch liegenden Gäste sich sehen können, in drei Räume geteilt, in deren jedem eine schmale lange Tafel steht. Der Herr liegt im mittleren Raum oben an der Tafel, mit den Füßen gegen die ge­schmückte Feuerstelle zu. Mit Ihm am sel­ben Tisch speisen der Brautvater, die männ­lichen Verwandten Jesu und der Braut und auch Lazarus. An den Seitentafeln liegen die Jünger und andere Gäste. Die Frauen sitzen in dem Raum hinter der Feuerstelle, können aber alle Reden Jesu hören.

Der Bräutigam bedient bei Tisch, obwohl auch ein Speisemeister und einige Diener zugegen sind. Bei den Frauen bedient die Braut und einige Mägde.

Beim Auftreten des ersten Ganges wird auch ein Lamm vor den Herrn gesetzt. Als der Bräutigam dem Herrn das Kästchen mit den Zerlegmessern bringt, erinnert ihn Jesus leise an die Parabel von der Hochzeit, die Er vor zwanzig Jahren an Seinem Groß­jährigkeitsfest bei Tisch erzählt und dabei zu ihm gesagt hatte, Er werde auf seine Hochzeit kommen. Dieses werde mit dem heutigen Tage erfüllt.

Jede Handlung des Mahles begleitet dann der Herr mit einer Erklärung ihrer geistigen Bedeutung. Beim Zerlegen des Lammes spricht Er vom Trennen des Lammes von der Herde, vom Auserwähltwerden, nicht zu eigener Lust und Fortpflanzung, sondern um zu sterben; ferner vom Braten als von einem Ablegen der Roheit durch das Feuer der Reinigung; dann beim Zerlegen der ein­zelnen Glieder: so müßten die, welche dem Lamme folgen wollten, sich auch von den innigst fleischlich Verwandten trennen.

Als Er die einzelnen Stücke herumreicht und sie zu essen beginnen, sagt Er, also wie von den Seinigen getrennt und zerteilt das Lamm in ihnen allen eine gemeinsame Nah­rung werde, so müsse, wer dem Lamme folge, auch seiner Weide entsagen, seinen Leidenschaften absterben, von den Gliedern der Familie sich trennen und eine Nahrung und Speise der Vereinigung werden durch das Lamm und in Seinem himmlischen Vater.

Der zweite Gang des Mahles ist der von Jesus übernommene. Seine Mutter und Martha haben für alles gesorgt, abgesehen vom Wein, den Er, wie ihnen gesagt, Selbst besorgen will. Die Speisen werden auf den Seitentisch aufgetragen, der Herr tritt hin­zu, schneidet jedes Gericht an, legt Sich wieder zu Tisch und lehrt weiter.

Als die seligste Jungfrau sieht, daß der Wein fehlt, geht sie zum Herrn und erinnert Ihn an Seine Übernahme. Er hat gerade von Seinem himmlischen Vater gelehrt und nun erwidert Er: „Weib, bekümmere dich nicht, mache dir und Mir keine Sorge, Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“

Er sagt zu ihr Weib und nicht Mutter, weil Er in diesem Augenblicke in Seinem Messias­amt, als Sohn Gottes, eine mystische Hand­lung vor Seinen Jüngern und allen Ver­wandten ausüben will und in göttlicher Kraft anwesend ist; und weil Er in der heili­gen Jungfrau jetzt nur die neue Mutter der Menschen sieht, und in Sich Selbst nur den Menschensohn, ähnlich wie später bei Sei­nem dritten Wort am Kreuze, wo Er auch zu ihr Weib sagt (J. 19, 26).

Mit der noch nicht für Ihn gekommenen Stunde aber meint Er die Verwandlung der Substanz des Brotes und Weines in die Sub­stanz Seines Fleisches und Blutes beim letz­ten Abendmahl und die Hingabe Seiner menschlichen Natur am Kreuze, die Er von Maria empfangen.

Diese, von Seinem Blick innerlich erleuch­tet, ist nun nicht mehr um die Gäste be­sorgt; sie hat Ihn gebeten und sagt daher zu den Dienern: „Tut alles, was Er euch sagen wird“ (J. 2, 5).

Nach einiger Zeit erteilt Er den Dienern Befehle. Sie bringen die drei Wasser- und drei Weinkrüge zu Ihm und zeigen durch Neigen derselben, daß sie leer sind. Dann tragen sie die Krüge in das Kellergewölbe und pumpen sie am dortigen steinernen Wasserkasten voll Wasser und stellen sie oben am Schenktisch auf.

Der Herr geht hin, segnet die Krüge, legt Sich wieder zu Tisch und sagt: „Schenket ein und bringt dem Speisemeister einen Trunk!“ Dieser trinkt, geht zum Bräuti­gam und sagt, da er nicht weiß, daß Jesus die Besorgung dieses Weines übernommen: „Jedermann setzt zuerst den guten Wein vor und dann, wenn die Gäste trunken sind, den geringeren. Du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt.“

Nun trinken auch der Bräutigam und der Brautvater mit großem Erstaunen, und die Diener beteuern, daß sie nur Wasser ge­schöpft haben. Daraufhin trinken alle, und die ganze Gesellschaft wird still und mit Ehrfurcht erfüllt.

Der Herr aber lehrt im Anschluß hieran über die Welt, die den starken Wein zuerst gebe und die Berauschten betrüge; während das Reich, das Sein himmlischer Vater Ihm gegeben, das reine Wasser zum köstlichen Wein erhebe, und so auch müsse die Lauig­keit zum lebendigen Geiste und zum starken Eifer werden.

Als aber alle nicht nur durch die Erkennt­nis des geschehenen Wunders allein, sondern auch durch den Genuß dieses Weines, wie gestern durch das Essen der Früchte, eine innere wesentliche Stärkung und Verände­rung empfangen, spricht der Herr davon, daß sie noch größere Wunder sehen und eine noch weitere Veränderung und Stär­kung bis ans Ende empfangen würden, und Er deutet in Gleichnissen auf das euchari­stische Sakrament hin.

So weilt Er also hier zum ersten Male in Sei­ner Gemeinde und wirkt das erste Zeichen in derselben und für dieselbe zur Stärkung ihres Glaubens, weshalb auch der Evange­list Johannes dies als den Anfang Seiner Wunder bezeichnet und erzählt (J. 2,1-11) . Am Schluß des Mahles kommt der Bräuti­gam Nathanael zum Herrn und sagt Ihm unter vier Augen, wie er sich aller fleisch­lichen Begierde abgestorben fühle und gern mit seiner Braut in Enthaltung leben möchte, so sie es ihm gestatte. Und auch die Braut kommt zu Jesus allein und sagt das­selbe. Da ruft Er beide zusammen, spricht zu ihnen von der Ehe und der gottgefälligen Reinheit und von den hundertfältigen Früchten des Geistes, alles im Sinne von Zerstreuen und Sammeln, ähnlich wie am 30. September zu Luz. Beide knien vor Jesus nieder, legen das Gelübde der Ent­haltung ab, auf drei Jahre als Bruder und Schwester zu leben, und empfangen Seinen Segen.

Do. 3.

Der Herr lehrt im Festhaus. Alsdann reisen mehrere Jünger des Johannes und auch Lazarus und Martha ab. Am Abend, mit dem der vierte Tag der Hochzeit beginnt, werden Braut und Bräutigam in feierlichem Zuge in ihr Haus eingeführt. Hierbei wird ein Leuchter getragen mit brennenden Lich­tern, die einen Buchstaben darstellen. Kin­der gehen vor dem Zuge und tragen auf Bahnen aus Stoff eine offene und eine ge­schlossene Blumenkrone; sie zerpflücken dieselben vor dem Hause der Brautleute und streuen sie umher. Jesus befindet Sich bereits im Hause und segnet das Paar. Auch Priester sind zugegen; sie sind seit dem Wunder Jesu ganz bescheiden und lassen Ihn alles verrichten. Zum Unterschied von der griechischen Sitte ist diese Einführung, noch bloß Zeremonie: die Braut bleibt noch bei ihren Eltern bis zum Ende des Festes und der bevorstehenden zwei Fasttage.

Fr. 4.

Die meisten übrigen Gäste reisen ab, und abends lehrt der Herr in der Gesetzesschule von diesem Hochzeitsfest und der frommen Gesinnung des Brautpaares.

Sa. 5.

Der Herr lehrt noch zweimal in der Schule, und beim Hinausgehen werfen sich Leute vor Ihm nieder und bitten Ihn um Hilfe für Kranke. Er erweckt einen vom Turm zu Tode Gestürzten, befreit einen Besesse­nen und heilt einige Wassersüchtige und eine Blutflüssige. Die Wunder geschehen in Gegenwart der Priester; die Jünger sind nicht dabei. Nach Sabbatschluß wandert der Herr noch in der Nacht mit Seinen Jüngern gen Kapharnaum, vom Bräutigam, dessen Vater und mehreren anderen noch ein Stück Weges begleitet (J. 2, 12).

Kapharnaum

So. 6.

Der Herr hält die beiden Fasttage (zur Erinnerung an die am 10. Thebet 587 v. Chr. 6. begonnene Belagerung Jerusalems durch Nabuchodonosor, 4 Kön. 25, 1)

Mo. 7.

in Kapharnaum, lehrt in der Synagoge und heilt Kranke, die zweimal des Tages zu Ihm ge­bracht werden. Seine Jünger aus Bethsaida gehen nach Haus und kommen teils wieder. Jesus wandelt auch in der Umgegend um­her und lehrt; in den Zwischenzeiten weilt Er bei Seiner Mutter.

Die erste Bergpredigt bei Hanathon                          

Karte Nr. 10
Fahsel Emmerick Karte 10

Bad und Stadt Bethulia

Di. 8.

Er sendet Andreas, Saturnin, Aram, Themeni und Eustachius zur dritten Taufstelle bei Ono, die der Täufer am 24. Dezember ver­lassen hat, und begleitet sie erst ein Stück ihres Weges, um dann mit drei anderen Jüngern, Petri Halbbruder Jonathan, Sobes Tochter Sohn und einem Witwensohn, nach Bethulia zu gehen, wo Er lehrt und heilt.

Grenzstadt Hanathon

Mi. 9.

Er wandelt mit den drei Jüngern nach Hana­thon an der Nordgrenze des Stammgebietes Zabulon, läßt durch die Jünger die Ein­wohner zur morgigen Lehre auf dem west­lich ansteigenden Lehrberg einladen und übernachtet hier.

Lehrberg bei Hanathon

Do. 10.

Auf dem Berge steht ein steinerner Lehrstuhl, dessen geräumiger Platz mit einem großen Zeltdach gegen Sonne und Regen überspannt ist, welches nach jeder Lehre wieder mit hinabgetragen wird.

Der Herr lehrt hier von der Verschiedenheit des Geistes der Menschen, jedes Ortes, ja der einzelnen Familien; und von dem Geiste, den sie durch die Taufe empfangen, wo­durch sie in Buße, Genugtuung und Ver­söhnung untereinander vereint und alle mit dem himmlischen Vater verbunden werden (vgl. J. 17, 21) ; Er gibt auch die Zeichen an, woran sie erkennen, in welchem Grade sie diesen Geist empfangen haben, und erklärt auch schon einige Bitten des Vaterunsers, ohne es vorher noch ganz ausgesprochen zu haben.

Leviten-Stadt Bethanat

Die Lehre dauert von mittags bis abends, wo Er nach der Leviten-Stadt Bethanat hinabsteigt, ein Mahl nimmt und dort über­nachtet.

Der Blick auf die künftigen Apostel

Anhöhe zwischen Bethsaida und Jordan

Fr. 11.

Von Bethanat, wo noch fünf Johannesjünger zu Ihm gekommen sind, wandelt Er langsam südwärts und schaut mittags von der Anhöhe zwischen Bethsaida und dem Jordan-Einfluß auf den See, auf dem ge­rade Petrus, Johannes und Jakobus Major ihrem Fischergewerbe nachgehen.

„Wie können diese Männer da noch herum­fahren und fischen, nachdem sie Deine Lehre gehört, und gesehen, was Du getan? Sollen wir nicht hinab und sie rufen?“ fragen die Jünger. Doch der Herr befiehlt ihnen zu bleiben und sagt: „Ich habe sie noch nicht gerufen; sie haben ein großes Gewerbe, besonders Petrus, wovon viele Menschen leben. Ich habe ihnen gesagt, so zu tun und sich schon langsam darauf einzu­stellen, bis Ich sie rufe. Ich werde bis dahin noch vieles tun und auch noch zu Ostern nach Jerusalem gehen.“

Hierauf geht Er zu einer Häusergruppe an der Westseite der Anhöhe, wo Fischer und Landleute wohnen, und beruhigt auf Sein Wort hin Ihn umschreiende Besessene. Diese und noch an hundert Menschen folgen Ihm auf die Anhöhe, wo Er vor ihnen über die bösen Geister lehrt, wie diesen Widerstand zu leisten sei, und von der Besserung des Lebens. Zum Schluß befreit Er die Besesse­nen, die Ihm, überglücklich, danken und gar nicht wissen, wie ihnen vorher gewesen.

Kapharnaum

Von hier aus besucht Er kurz Seine Mutter und lehrt zum Sabbatanfang in der Syna­goge von Kapharnaum über die Dankbar­keit im Anschluß an eine Feier, die sich auf Tobias bezieht, der auch in dieser Ge­gend gewesen und Gutes getan, unter ande­rem auch Güter an die Schulen und Synagogen hinterlassen hatte.

S. 12.

Er lehrt wie gestern in Kapharnaum und weilt nach Sabbatschluß bei Seiner Mutter, unterhält Sich mit ihr bis in die Nacht, spricht von Seinem künftigen Wandel und den nächsten Geschehnissen, und auf welche Weise sie und die anderen Frauen später an Seinem Wirken teilnehmen werden. ­Im Hause Mariä lebt immer noch jene Die­nerin der hl. Anna, die schon in der Krip­penhöhle bei ihr war, nun aber schon so alt ist, daß Maria mehr ihr dient, als umgekehrt.

Reise zur dritten Taufstelle

Dekapolis-Stadt Hippos

Mo. 14.

Vor Anbruch des Tages tritt der Herr mit den acht Jüngern die Reise zur dritten Taufstelle an. Sie wandern um die Nord- und Ostseite des Sees und übernachten in Hippos.

Nasiräer-Stadt Jezrael

Di. 15.

Unterwegs wird Ihm nahe bei der Festungs-Stadt Gadara ein Besessener an Stricken nachgeführt, der sich losreißt und schreit: Jesus! Du Sohn Davids! Jesus! Wo willst Du hin? Du willst uns vertreiben, das darf nicht geschehen!“ Der Herr wendet Sich um, befiehlt dem bösen Geiste, zu schwei­gen und von diesem Menschen zu weichen, und gibt ihm auch an, wohin er entweichen solle.

Gegen Abend erreicht der Herr Jezrael, wo Er am 1. September gewesen, Sich heute aber nur kurz aufhält, vor der Gesetzesschule viele Leute öffentlich heilt und dann die Nacht hindurch weiter südwärts wandert. Unterdes hat Martha, die sich von Kana aus noch einige Zeit in Gennabris aufgehal­ten, dort von dem Reiseweg Jesu gehört und daraufhin ihre Schwester Magdalena auf deren Schloß aufgesucht, wie sie es sich am 27. September vorgenommen. Sie bringt es fertig, die erst Widersprechende mit sich nach Jezrael zu nehmen, um ihr dort den Herrn zu zeigen. Leider kommen beide zu spät, doch macht auf Magdalena tiefen Ein­druck, was sie im Hotel zu Jezrael von den soeben geschehenen Wunderheilungen Jesu aus dem Munde einiger Geheilter vernimmt.

Karte 11
Fahsel Emmerick Karte 11

Hirtenort Akrabis

Mi. 16.

In Akrabis (dem heutigen Akrabe) lehrt der Herr auf einem Lehrstuhl im Freien und übernachtet bei Hirten.

Josue-Stadt Hay

Do. 17.

Gegen Abend kommt Er in Hay an, einer einst von Josue (8, 28) gänzlich zerstörten Stadt, neben dessen Schutthaufen der Ort wieder neu, aber kleiner aufgebaut worden ist. Der Herr heilt hier und lehrt unter Anwesenheit von Pharisäern, von denen Ihn einige fragen, ob Er nicht Derselbe sei, der in Seinem zwölften Jahre in Jerusalem ge­lehrt. Sie legen es Ihm als Heuchelei aus, daß Er Sich damals am Tage vor der Tem­pellehre in einer Gesetzesschule unter die Schüler auf die Erde gelegt, mit diesen dis­putiert und dann die anwesenden Lehrer gefragt habe, als wolle Er von ihnen Unter­weisung wider die Reden Seiner Gegner er­halten, z. B. „was meint ihr dazu? unter­richtet uns! wann wird der Messias kom­men?“ Und so habe Er sie in allerlei Äuße­rungen gelockt und dann am Ende alles besser gewußt.

Jesu Wirken bei der Taufinsel

Dritte Taufstelle bei Ono

Fr. 18.

Am Vormittag kommt der Herr mit Seinen acht Begleitern bei der Taufstelle an. Andreas und viele Jünger sind Ihm schon eine Stunde weit entgegengegangen. Am Tauf­ort unterrichtet er sogleich die Täuflinge.

Holz-Ort Ono

Er sendet mehrere Jünger nach Ono voraus, Seine Ankunft zur Sabbatlehre zu verkün­den, und daß Er dort heilen werde. Dieser kleine alte Ort lebt von der Jordanfähre und vom Bau von Balkenrosten zur Über­fuhr.

Sa. 19.

Auch heute lehrt der Herr hier in der Gesetzesschule vor vielen Hörern von Seiner Fortführung der Lehre und des Werkes des Johannes, und daß Er deutlicher und wirk­samer vollende, wozu Johannes den Grund gelegt. Auch heilt Er wieder viele Kranke, die von allen Seiten herangebracht werden. Bei Seinem hiesigen Aufenthalt pflegt der Herr in einer Herberge zu speisen und zu übernachten, die dicht bei Ono, eine halbe Stunde vom Taufort entfernt liegt und von einem gewissenhaften Mann betreut wird.

Dritte Taufstelle bei Ono

So. 20.

Der Herr erteilt wieder am Taufort den Taufunterricht, während Andreas, Saturnin und andere abwechselnd taufen. Sie haben manches an der Taufinsel verändert.

In diesen Tagen findet sich drüben bei Jo­hannes oft Herodes Antipas ein, der jetzt zu Livias (Beth Haram), 8 km südwestlich, wohnt. Der Täufer behandelt ihn mit Ver­achtung als einen Ehebrecher, und Herodes fühlt auch die Berechtigung; aber Herodias, die frühere Frau seines Stiefbruders Hero­des ohne Land, die er geheiratet, ist ganz von Wut auf Johannes erfüllt. Dieser tauft jetzt fast keinen mehr, sondern lehrt nur und sendet alle über den Jordan hinüber zur Taufe Jesu.

Mo. 21.

Der Herr lehrt nahe beim Taufort auf einem erhöhten Lehrplatz, über den auch bei großer Hitze ein Zelt gespannt wird. Er spricht wieder von der Nähe des Reiches und vom Messias, den man nicht unter den Vornehmen, sondern unter den Geringen und Armen suchen soll. Seine Taufe nennt Er eine Abwaschung, die des Johannes eine Taufe zur Buße und spricht auch von einer Feuertaufe des Geistes, die noch kommen werde.

Wanderungen am Toten Meer

Ruinenort Hazezon-Thamar und Engaddi

Di. 22.

Mit mehreren Jüngern wandert Er zu den Ruinen von Hazezon-Thamar neben der Stadt Engaddi, wo einst vor dem Untergang von Sodom und Gomorrha an Stelle des Toten Meeres nur der Jordan inmitten fruchtbarer Gegend geflossen. Jetzt wohnen keine rechten Juden, sondern Sklaven aus durchziehenden Völkern hier, die diesen die Feldarbeit leisten müssen. Sie sind arm und vernachlässigt, schätzen Jesu Ankunft als eine unbegreifliche Gnade und nehmen den Herrn sehr liebevoll auf, der viele ihrer Kranken heilt.

Hirtental bei Bethlehem

Mi. 23.

Von Hazezon-Thamar und Engaddi wandert der Herr wieder durch ein Stück des Hirten­tales, wo Er am 4. Oktober gewesen. Unter­des sind Andreas und fünf andere Jünger, wie Jesus ihnen aufgetragen, vom Taufort nach Beth-Araba gegangen, um die Einwoh­ner zur kommenden Sabbatlehre des Herrn einzuladen und vorzubereiten.

Karawanen-Stadt Beth-Araba

Do. 24.

Vor Beth-Araba hausen in Höhlen viele nackt herumlaufende Besessene, die schreien, als Jesus naht. Er befiehlt ihnen, sich mit Laubschürzen zu bedecken, heilt sie und schickt ihnen dann aus Beth-Araba Leute mit Kleidern.

In Beth-Araba, wo Er schon einmal am 3. Oktober gewesen, wohnt Er mit den Jün­gern in einer jener Herbergen allein, deren es viele im Lande für reisende Lehrer gibt. Auch Lazarus, Joseph von Arimathäa und andere Bekannte aus Jerusalem kommen hier zu Ihm.

Fr. 25.

Der Herr lehrt in der Gesetzesschule und auf dem freien Platz auf einem steinernen Lehrstuhl und an allen Ecken und Wegen, denn es sind sehr viele Menschen hier, die die Schule nicht fassen kann. Die Jünger führen Kranke aller Art herbei und schaf­fen ihnen Raum in dem Gedränge. Lazarus und seine Begleiter schauen von der Ferne dem Wirken Jesu zu.

Bundesladen-Ort Bethagla

Sa. 26.

Am Schluß des Sabbats kommt der Herr auf Seinem Rückwege zur Taufstelle durch Bethagla und bei dem Bundesladen-Stein vorbei (Josue 3-4). Vor Betreten dieses historisch heiligen Ortes nehmen Jesus und Seine Begleiter ihr Gewand im Gürtel auf. Die jerusalemer Freunde kehren von hier nach Hause zurück.

Dritte Taufstelle bei Ono

So. 27.

Wegen Eintritt des ersten Festtages des Neumonds (29. Thebet) ist allgemeiner Ruhe­tag, und es wird nicht getauft. In Jerusalem haben die Angestellten arbeitsfreien Tag, und auf den Dächern der Synagogen werden an Stangen Fahnen ausgehängt, deren An­zahl von Knoten angibt, der wievielte Monat eingetreten sei. (Schluß des 29. Thebet und Beginn des 1. Sebath.)

Mo. 28.

Der Herr unterrichtet zwar Täuflinge, aber das Taufen unterbleibt auch heute, und zwar wegen des Gedenktages an den Tod des bösen Königs Alexander Janäus (vgl. Jos. Flav., Bell. Jud. I, 4) .

Hirtenort zwischen Bethagla und Bethlehem

Di. 29.

Der Herr wandelt mit Lazarus und Obed, die gestern abend eingetroffen, zwischen Bethagla und Ophra in Richtung auf Beth­lehem in einsamer Gegend. Lazarus erzählt vom Gerede der Pharisäer in Jerusalem und von den Berichten der auswärtigen Pharisäer an das Synedrium und von ihrer Neugierde betreffs Seines dortigen Erscheinens zum kommenden Osterfest. Doch der Herr beru­higt ihn mit Hinweis auf gewisse Stellen der Propheten, worin alles dies vorbedeutet sei. Auch tröstet Er ihn betreffs Magdalena mit dem Bemerken, es sei schon ein Funke des Heiles in sie gefallen, der sie ganz entzün­den werde.

Sie verweilen den Tag hindurch bei Hirten, wo man sie bewirtet, und der Herr eine Lehre hält und in einigen Hütten Kranke heilt.

Dritte Taufstelle bei Ono

Mi. 30.

Auf Umwegen wandeln der Herr, Lazarus und Obed zur Taufstelle zurück, von wo die beiden Freunde abends nach Jerusalem zurückkehren.

Jesus predigt und unterrichtet wieder auf dem Taufplatz, während die Jünger viele taufen.

Karte Nr. 12
Fahsel Emmerick Karte 12

Der barmherzige Samariter

Passage beim Wadi el-Kelt

Febr., Fr. 1.

Auf Seinem Wege über Bethagla nach Adummim besucht der Herr mit der Mehr­zahl der Jünger bei einer sehr engen und gefährlichen Passage, eine halbe Stunde vor Adummim, jenen steinernen Lehrstuhl, der die Stelle bezeichnet, wo lange vor Christus die Geschichte von dem Manne, der unter die Räuber gefallen und vom barmherzigen Samariter aufgehoben wurde (L. 10, 30), wirklich geschehen war. Jesus lehrt diese Geschichte auf dem Lehrstuhl vor den Jün­gern und den versammelten Bewohnern der Gegend.

Verbrecher-Freistätte Adummim

Zum Sabbatanfang erzählt Er in der Ge­setzesschule zu Adummim ein Gleichnis, das sich auf die Wohltat der hiesigen Frei­stätte für Verbrecher und Mörder bezieht, die hier vor der Todesstrafe Schutz finden und entweder bis zu ihrer Besserung beob­achtet oder nachher als Sklaven in Stein­brüchen und zu großen Bauarbeiten ver­wendet werden. Der Herr wendet dieses Gleichnis auf die Gnadenfrist auf dieser Erde an.

Sa. 2.

Außer den Sabbatlehren heilt Er mehrere Kranke, besonders Wassersüchtige, und kehrt nach Sabbatschluß mit den Jüngern zur Taufstelle zurück.

In der Umgegend der Taufstelle

Moabiter-Stadt Nebo

So. 3.

Der Herr folgt einer Einladung der Stadt Nebo, in der ein aus Ägyptern, Israeliten und Moabitern gemischtes Volk wohnt, das wegen eines Verbrechens der Vorfahren bei den Juden in Verachtung steht, und deren Angehörige sich nur an bestimmten Orten auswärts zeigen dürfen.

Als sie daher durch Boten den Herrn be­scheiden bitten, bei ihnen zu taufen, läßt Er die Jünger in Schläuchen Wasser aus dem Taufbrunnen mitnehmen und geht mit ihnen abends hinüber.

Mo. 4.

Auf einem Lehrstuhl unter freiem Himmel bereitet Er zu Nebo die Täuflinge vor. Es sind meist zarte Jünglinge und sehr alte Männer, die getauft werden. Viele weist Er aber auch ab, damit sie sich erst bessern. Er heilt mehrere Fieberkranke und Wasser­süchtige und segnet das Trinkwasser, das sich hier in Felsen sammelt, und trübe und salzig ist. Jesu Segen behebt diesen Fehler.

Zwischen Nebo und Jordanfähre

Di. 5.

Während des größten Teiles des Tages weilt der Herr mit den Jüngern auf dem eine Stunde langen Weg zwischen Nebo und der Überfahrtsstelle am Jordan und lehrt vor den Hütten und Zelten der Leute aus Nebo, die hier ihr Obst und den ausgepreßten Wein an die Vorüberreisenden verkaufen. Erst abends kommt Er mit den Jüngern in Seine am Taufort liegende Herberge zurück, die Ihm Lazarus gekauft hat.

Bauernhöfe in der Gegend von Ono

Mi. 6.

Er hält im Umkreis von Ono Lehrversammlungen bei einzelnen Bauernhöfen. Es sind viele gute Leute darunter, die, als Johannes noch hier taufte, die Volksmenge mit Lebens­mitteln versahen. Abends kehrt Er mit den Seinen zur Herberge zurück.

Do. 7.

Bei einem reichen Bauern, eine halbe Stunde von Ono, lehrt Er über eine Parabel vom Säen und Ernten (Mt.13, 3 u. 24) auf einem alten Lehrstuhl aus den Zeiten der Prophe­ten Elias und Elisäus, den der Bauer sehr schön hatte wiederherstellen lassen.

Unterdes brechen die Jünger am Taufort die Zelte ab, verpacken alle Geräte und ver­stauen alles in einem Schuppen, der von in der Nähe wohnenden Hütern bewacht wird.

Holz-Ort Ono

Fr. 8.

In Ono, wo Er schon am 18. und 19. Januar Fr. gewirkt, geht der Herr heute von Haus zu Haus und ermahnt die Leute zur üblichen Abgabe des Zehnten und zum Spenden von Almosen, die an dem am kommenden Sonn­tagabend eintretenden Fest der Baumfrüchte verabreicht werden. Abends feiert Er den Sabbat in der Synagoge.

Sa. 9.

Morgens und abends predigt Er in Ono vor überfülltem Hause über die Bedeutung des morgen beginnenden dreifachen Neujahrs­festes der Früchte, nämlich über den Ein­tritt des Saftes in die Bäume, die Darrei­chung des Zehnten von den Früchten und über den Dank für die Fruchtbarkeit.

So. 10.

Der Herr wohnt den Vorbereitungen zum Feste bei und predigt abends zum Beginn desselben.

Mo. 11.

Man ißt in der Stadt zum Feste viele Früchte und schenkt den Armen ganze Figuren von Früchten, auf Tafeln aufgetürmt. Der Herr nimmt heute noch an zwanzig neue Jünger auf und verläßt nach Schluß des Festes Ono mit ungefähr ebenso vielen Jüngern.

Adventsherbergen

Unterwegs besucht Er zuerst jene Advents­herberge, wo Maria und Joseph am fünften Abend vor Christi Geburt liebevoll aufge­nommen wurden (vgl. 2. Okt. 31), und kehrt dann zur Übernachtung in der weite­ren Herberge ein, wo man Seine Eltern am sechsten Abend vor Seiner Geburt so grob abgewiesen hatte, wo Ihn aber am 2. Oktober 31 der alte Grobian, durch Jesu Gleichnis bekehrt, in sein Haus gebeten, Er aber wei­tergegangen war. So läßt der gütige und gerechte Heiland keine gute Regung und Besserung unvergolten, indem Er jetzt von der letzten Einladung Gebrauch macht; ja Er heilt hier die noch lebende, aber schwer erkrankte alte Hausfrau.

Die erste Totenerweckung

Pharisäer- und Sadduzäer-Stadt Aruma

Di. 12.

Als der Herr durch Aruma zieht, wo Er schon am 23. Oktober gelehrt, erreicht Ihn ein Bote des Esseners Jairus aus Phasael, durch den Ihn derselbe an Seine ihm am 24. Oktober versprochene Hilfe erinnert. Die damals kranke Tochter ist jetzt gestor­ben.

Der Herr läßt Seine Jünger allein weiter­ziehen und bestellt sie auf übermorgen nach Jezrael. Er Selbst folgt dem Boten des Jairus nach Phasael.

Herodes-Stadt Phasael

Im Hause des Jairus läßt Er noch mehrere Leute des Ortes an die Totenbahre kommen, befiehlt die Loslösung der Grabbinden und Tücher, faßt die sechzehnjährige Tote bei der Hand und befiehlt ihr aufzustehen. Sie richtet sich in die Höhe und steht auf. Jesus hat sie jedoch nicht nur vom Tode des Lei­bes, sondern auch in der Seele erweckt. Bis­her liebte sie ihren gütigen Vater nicht und ärgerte sich über seinen Verkehr mit armen, verachteten Leuten; jetzt ist sie gebessert und kommt auch später zur Gemeinde der heiligen Frauen. Der Herr ermahnt noch alle Anwesenden, nichts von diesem Wun­der zu verkünden, und hat auch deswegen die Jünger nicht anwesend sein lassen. Es ist dies nicht die im Evangelium (Mk. 5, 35) erzählte Erweckung der Tochter des Syna­gogen-Vorstehers Jairus zu Kapharnaum, die sich zweimal, am 23. November und 6. De­zember 32 vollzieht.

Ostjordan-Ufer

Mi. 13.

Der Herr setzt östlich von Phasael über den Jordan, wandelt in Peräa nördlich, kommt bei Pella wieder auf die Westseite des Flus­ses und zieht gegen Jezrael. Durch diesen Umweg hat er Samaria vermieden.

Erste Erschütterung Magdalenas

Nasiräer-Stadt Jezrael

Do. 14.

In Jezrael, wo Er schon am 1. September gepredigt und erst kürzlich, vor einem Mo­nat, geheilt hat, lehrt Er unter großem Zu­lauf und wirkt viele Wunder. Alle Jünger aus Galiläa haben sich hier mit Seinen bis­herigen Begleitern getroffen.

Lazarus, Martha, Veronika und Johanna Chusa haben von Jerusalem aus Magdalena auf ihrem Schloß besucht und sie beredet, nochmals nach Jezrael zu reisen, um den wundervollen, weisen, wohlredendsten und schönsten Jesum, von dem das ganze Land rede, wenigstens zu sehen, wenn nicht zu hören.

Mit vielem Gepäck und Aufwand hat Magda­lena ihre Verwandten hierher begleitet. Vom Hotelfenster aus sieht sie den Herrn mit Seinen Jüngern durch die Straße wandern. Jesus schaut empor und blickt sie ernst an. Sie wird erschüttert, fühlt sich tief in der Seele getroffen, schämt sich plötzlich ihres Aufwandes, ihrer Eitelkeit, ein vornehmeres Hotel als das ihrer Verwandten aufgesucht zu haben, und eilt im überwältigenden Ge­fühl ihres inneren Elendes in das Hospital der Aussätzigen, um sich zu demütigen. Ihre Verwandten kommen zu ihr, beruhigen sie und reisen mit ihr nach Magdalum zurück, wo sie den nächsten Sabbat feiern.

Karte Nr. 13
Fahsel Emmerick Karte 13

Erster Andrang zu Kapharnaum

Kapharnaum

Fr. 15.

Der Herr trifft zum Sabbatanfang in Kapharnaum ein, besucht zuerst Seine Mutter, predigt in der Stadt und wohnt wieder in dem Hause, das dem Nathanael, dem Bräutigam von Kana, gehört. Alle Jünger sind hier versammelt.

Sa. 16.

Er lehrt bis zum Sabbatschluß. Von allen Seiten des Landes hat man Ihm viele Kranke herbeigetragen und Besessene zugeführt, und Er heilt öffentlich vor allen Jüngern und treibt Teufel aus unter ständig sich meh­rendem Gedränge.

Abgesandte von Sidon kommen und flehen Ihn an, dorthin zu kommen, doch sagt Er ab. Leute aus Caesarea Philippi laden Ihn sehnlich zu sich ein. Diese vertröstet Er auf weiteres (9. März 33).

So. 17.

Der Andrang hatte so sehr zugenommen, daß der Herr heute früh Kapharnaum mit eini­gen Jüngern verläßt und in das Gebirge un­gefähr eine Stunde nordöstlich entweicht, wo viele Schluchten sind, in denen Er Sich ab­sondert und betet. Die mitgegangenen Jün­ger gehen zu den Fischerwohnungen am See hinab, um von Jesus zu erzählen. An­dreas ist in Kapharnaum geblieben und lehrt und erzählt unter der versammelten Menge.

Abends trifft der Herr im Hause Seiner Mut­ter mit Lazarus und dessen Begleitung zu­sammen, tröstet sie über Magdalena und sagt unter anderem, Martha sei zu besorgt (vgl. L. 10, 38-42, jedoch nicht dasselbe) ; denn Magdalena hatte, zu Hause angekommen, erklärt, sie könne ihrem Stande nach sich nicht so gering kleiden wie die anderen Frauen. Sie wird noch einmal rückfällig wer­den, bevor sie sich nach ihrer Bekehrung am 13. November 32 erst zu Azanoth am 31. De­zember 32 endgültig bekehrt. Lazarus reist mit seiner Begleitung abends nach Jerusa­lem ab.

Mo. 18.

Bei Seiner heutigen Lehre widersprechen Ihm anwesende Pharisäer und fragen, was aus alledem werden solle; das ganze Land sei Seinetwegen in Aufruhr, und Er lehre öffentlich und breite Sich immer mehr aus. Der Herr weist sie ernsthaft zurück und er­klärt, Er werde noch öffentlicher zu lehren und zu wirken beginnen.

In der Nacht geht Er, von Nathanael Chased abgeholt, mit Andreas, Petrus, Jakobus Major, Johannes, Thaddäus, Simon und Jakobus Minor gen Gennabris.

Erste Wunderheilungen in Niedergaliläa

Redner- und Handels-Stadt Gennabris

Di. 19.

Nathanael Chased, der vor dem Nordtor wohnt, hat in der Stadt für den Herrn und dessen Begleitung Zimmer und Frühstück in einem Hotel bestellt, wo alle einkehren. Über Tag lehrt Jesus in Gennabris und heilt ganz wütende Besessene. Die Leute nehmen hier Seine Lehre kälter auf als oben am See, obschon sie nicht widersprechen. Nathanael Chased hat sein Amt, wie am 30. Dezember beschlossen, seinem Bruder übergeben und folgt von nun an dem Herrn nach.

Judith-Stadt Bethulia

Mi. 20.

Mit den künftigen Aposteln in Bethulia einziehend, wird der Herr von Besessenen auf der Straße angeschrien. Er bleibt auf dem Marktplatz bei einem Lehrstuhl stehen, sen­det einige Jünger zum Synagogen-Vorsteher, um die Schule von allen Seiten öffnen zu lassen, und schickt die anderen Jünger von Haus zu Haus, die Einwohner zur Lehre zu rufen. Er lehrt hier vom Weizenkorn, das in die Erde gesenkt und sterben müsse, um Frucht zu bringen (J.12,24-25). Der Herr übernachtet mit den Seinen im Hotel. Alle Seine bisherigen Jünger sind hier wieder mit Ihm zusammengekommen.

Lehrplatz bei Bethulia

Do. 21.

Wegen des Murrens der Pharisäer, die fürchten, Er werde in Bethulia den Sabbat halten, verläßt Er die Stadt und lehrt eine Vier­telstunde weiter im Freien auf einem stei­nernen Lehrstuhl. Nachmittags wandert Er gen Kisloth-Tabor, wohin Andreas und an­dere schon vorausgegangen sind, um Her­berge zu bestellen.

Seine Wunder und Lehren haben sich bereits in der ganzen Gegend herumgesprochen. Alles drängt sich nach den Orten, wo Er lehrt; und da es laut geworden, daß Er in Kisloth den Sabbat feiern werde, strömt alles dorthin. Wo Er erscheint, entsteht jetzt immer große Bewegung, man ruft Ihm ent­gegen, wirft sich vor Ihm nieder, drängt sich an Ihn heran, um Ihn zu berühren; und des­halb ist Er meist unvermutet und plötzlich in Seinem Kommen und Gehen, um Sich dem Gedränge zu entziehen. Oft trennt Er Sich auf dem Wege von Jüngern, sendet sie andere Wege und geht allein. In den Orten müssen sie Ihm in dem Gedränge oft Platz verschaffen. Einigen aber vergönnt Er auch Annäherung und Berührung, und gar man­cher wird dadurch still in sich gerührt, be­kehrt und geheilt.
Handels-Stadt Kisloth-Tabor

Abends kommt der Herr in Kisloth an, wo Er schon am 30. Juli und 6. September in der Gesetzesschule gelehrt hat. Wegen des starken Andranges haben die Jünger den Platz vor dem Hotel mit dicken Stricken, die durch Pfähle gezogen sind, eingezäunt.

In diesem Raume lehrt Jesus vor dem Hotel, und da Ihm hier die reichen Kaufleute aus der Stadt zuhören, spricht Er vom Reich­tum und den Gefahren der Gewinnsucht; ihr Stand sei noch gefährlicher als der der Zöllner, die sich eher bekehrten als sie, und dabei deutet Er auf die aus Kamelhaar ge­drehten Stricke, die Ihn von dem Andrang des Volkes trennen und sagt: „Ein solcher Strick geht eher durch ein Nadelöhr, als ein Reicher in das Himmelreich.“ (Mt. 19, 24). Die reichen Leute verteidigen sich, daß sie doch auch Almosen von ihrem Ge­winne gäben; Jesus aber erwidert ihnen, das Almosen, das sie vom Schweiß anderer Ar­men erpreßten, bringe ihnen keinen Segen. Sie bezahlen nämlich die armen Leute hier in ihren Seidenfärbereien sehr schlecht in ihrem Bestreben, die Konkurrenz von Tyrus zu drücken (vgl. Strabo, Geogr. XVI, 2, 23).

Fr. 22.

Morgens predigt Er in der großen Gesetzesschule der Leviten, in der alles mit großer Feierlichkeit verrichtet wird. Er lehrt von der Hoffahrt und dem Eigendünkel und sagt, Er heile hier heute deswegen nicht, weil sie sich auf ihre Stadt und Schule etwas einbildeten und glaubten, Er sei nur des­wegen hierher gekommen, statt einzusehen, Er komme wegen ihrer inneren Not zu ihnen, auf daß sie sich besserten.

Während Seiner Lehre unterrichtet Andreas im Vorgebäude die Kinder und erzählt dann draußen dem Volke, was er von Jesus gehört und gesehen.

Nach Schluß Seiner Lehre heilt der Herr im Vorhof, weil sie unschuldig sind, viele Kin­der, die Ihm die Mütter hergebracht haben und die an Convulsionen und anderem Elend leiden. Auch befreit Er mehrere Frauen, die Ihn fußfällig um Hilfe anflehen und ihre Schuld bekennen, von ihren inneren Versuchungen und einigen körperlichen Leiden. Abends predigt Er wieder in der Gesetzesschule und speist dann mit den Sei­nen im Hotel. Die künftigen Apostel und näheren Freunde liegen mit an Seiner Tafel, die Jünger speisen in den Nebenräumen oder bedienen bei Tisch.

Sa. 23.

Nach dem Gottesdienst heilt Er viele Kranke vor der Schule, geht auch zu vielen, die man nicht tragen kann, in die Privathäuser. Hier­bei leisten Ihm die Jünger Handreichungen, indem sie die Kranken tragen, führen, heben und Raum schaffen, Bestellungen und Bot­schaften ausrichten. Alle Auslagen der Rei­sen und Almosen gehen bis jetzt aus dem Vermögen des Lazarus, und Simeons Sohn Obed besorgt die Zahlungen.

Vor dem Abendgottesdienst hört Jesus meh­reren Frauen eine Art von Beichte in beson­ders hierzu eingerichteten Zellen in Häuschen rings um die Innenseite der Mauer des Vorhofs der Gesetzesschule.

Nach Sabbatschluß speist Er mit den Seinen bei einem Pharisäer, den Jesu Lehre sehr gerührt hat und der sich in der Folge vom Herrn ganz bekehren läßt.

So. 24.

Die Vornehmen der Stadt geben dem Herrn zu Ehren ein großes Mahl im öffentlichen Festhause. Er ist mit allen Jüngern zugegen und lehrt bei Tisch. Abends wandert Er weiter gen Jezrael.

Nasiräer-Stadt Jezrael

Mo. 25.

In Jezrael, wo Er schon dreimal gewesen, scheiden die verwandten und bethsaidischen Jünger, auch Andreas und Nathanael, von Ihm, um ihre Heimat zu besuchen. Er gibt ihnen als nächsten Treffpunkt Ulama für den 1. März an. Etwa fünfzehn jüngere Jünger bleiben bei ihm. Er predigt in der Gesetzesschule über Naboths Weinberg (3 Kön. 21).

Obst-Tal am Gilboa-Gebirge

Di. 26.

Unter einem Zelte spricht Er in einem reizenden Obst-Tal, anderthalb Stunden östlich von Jezrael, vor den Obstwächtern, Leuten aus Sichem, die hier eine Art Frondienst für die Obstfeld-Besitzer in Kisloth und Jezrael leisten. Er lehrt von der Sklaverei der Sünde, von der man sich losreißen müsse. Die Hörer sind unbeschreiblich erfreut und gerührt, daß Er zu ihnen gekommen und so liebevoll zu ihnen ist. Sie setzen Ihm und den Jüngern feigen- und dattelartige Früchte und mais- und durrhartige Pflanzen vor, von denen alle essen.

Am Nachmittag gehen einige Jünger nach Sunem voraus, um im Torhotel Herberge zu bestellen. Der Herr folgt abends nach, in­dem Er ungestört auf einer Seitenstraße wie­der durch Jezrael hindurchzieht. Abends feiern sie im Hotel den Schluß des 30. Se­bath und Beginn des 1. Adar.

Weber-Stadt Sunem

Mi. 27.

Das Gedränge um den Herrn ist in Sunem so groß, daß es schier einem Aufstand gleicht. Die Leute werfen sich nieder und rufen und jauchzen vom neuen Propheten, vom Gesandten Gottes. Viele von den Leu­ten meinen es gut, andere tun es aus Neu­gierde und des Lärmes halber.

Der Herr lehrt in der Gesetzesschule und besucht viele Privathäuser, um Kranke zu trösten und zu heilen.

Do. 28.

Früh morgens begibt Sich Jesus mit den Jüngern zum Lehrstuhl auf der Anhöhe im Stadtzentrum. Längs dem Wege am Hügel bis hinauf hat man viele Kranke auf Trag­betten aufgestellt. Unter vielem Gedränge und Geschrei bahnen die Jünger dem Herrn den Weg, der bereits manche heilt. Die flachen Dächer der umliegenden Häuser sind dicht besetzt von Menschen, die hinauf­gestiegen sind, um Jesu Wirken zu sehen und Seine Lehre zu hören.

Er spricht wieder sehr scharf wider die Hoffart und Prahlerei der Leute, daß sie, statt sich zu bekehren, Buße zu tun und die Gebote Gottes zu erfüllen, in eitlem Lär­men vom Propheten und Gesandten Gottes schreien; sie rechneten es sich als eine Ehre und als Folge ihres Verdienstes an, Er aber komme, auf daß sie ihre Fehler erkennen sollten.

Karte Nr. 14
Fahsel Emmerick Karte 14

Juristen-Stadt Ulama

Am Nachmittag entzieht Sich der Herr dem Gedränge und wandert gen Ulama. Dort haben sich schon die verwandten künftigen Apostel und die anderen Jünger, wie vor drei Tagen in Jezrael verabredet, eingefun­den; denn der Herr hat sie alle hierher be­schieden, um Seine Lehre zu hören und Ihm bei Seinen Heilungen behilflich zu sein.

Das Volk, auf Sein Kommen aufmerksam geworden, hat den Weg ausgekundschaftet, auf dem Er kommt, und zieht Ihm mit Zweigen und Tuchbahnen entgegen. Die Stadt­oberen halten die Ordnung aufrecht. Man streut Grünes auf den Weg und senkt kurz vor Ihm lange Zeugbahnen quer über den Weg, daß Er darüber schreiten kann.

Beim Einzug in die Stadt rufen Besessene hinter Ihm her alles aus, was Er sei. Auch im Hotel hat Er keine Ruhe; die Besessenen laufen herbei, toben und schreien; Er be­fiehlt ihnen zu schweigen und läßt sie hin­wegbringen.

März: Fr. 1.

Der Herr macht verschiedene Hausbesuche, wo Er heilt und tröstet, und predigt zum Sabbatanfang in der Gesetzesschule beson­ders von der Einfalt und von der Achtung gegen die Eltern; denn an beidem fehlt es hier. Auch brandmarkt Er den Dünkel man­cher Einwohner, die sich etwas auf die Juristenschule in ihrer Stadt einbilden und meinen, Er sei deswegen zu ihnen gekom­men.

Sa. 2.

Nach Sabbatschluß geben Ihm die Vornehmen ein Ehrenmahl im Festhaus. Wegen des allzu starken Gedränges in der Stadt heilt Er nicht, sondern bestellt die vielen Kran­ken auf morgen in den Lust- und Badeort, eine Viertelstunde vor der Stadt.

So. 3.

Auf dem freien Platz im Lustgarten hat man die Kranken in die ringsum liegenden Hallen und unter aufgerichteten Zelten untergebracht. Die Stadtoberen und Priester sorgen für Ordnung und die Jünger helfen hierbei.

Um neun Uhr morgens naht der Herr mit den übrigen Jüngern, und vor und hinter Ihm eine riesige Menschenmenge. Nachdem die Menge einigermaßen in Schranken ge­halten ist, geht Jesus von einem zum an­deren Kranken und heilt. Hierauf lehrt Er am Brunnen vom Lehrstuhl aus über Moses‘ Tod, zu dessen Gedenken übermorgen (den 7. Adar) ein Fasttag gehalten wird. Auch spricht Er vom Gelobten Lande und dessen Fruchtbarkeit, die nicht nur leiblich, sondern auch geistig zu verstehen sei wegen der Propheten und der Stimmen Gottes, deren Frucht das verheißene Heil und die Buße in denen sei, die es empfangen wollen.

Nach der Lehre besucht Er ein naheliegen­des Gebäude, wohin man die Besessenen ge­bracht. Er läßt sie in eine Reihe stellen, be­fiehlt ihnen, ruhig zu sein, und befreit sie alle durch bloßen Befehl. Einige werden davon wie ohnmächtig. Er ermahnt und be­lehrt auch hier die anwesenden Eltern und Angehörigen der Befreiten.

Mo. 4.

Er lehrt noch in der Gesetzesschule zu Ulama und verläßt gegen Mittag, nachdem bereits die Jünger vor Ihm abgereist, eben­falls unbemerkt die Stadt, wie Er das in ähnlichen Fällen so einzurichten weiß. Bald trifft Er mit den Seinen wieder zusammen, und sie ziehen, alle Städte umgehend und auch die Nacht hindurch, gen Kapharnaum.

Die ergreifende Predigt in Kapharnaum

Kapharnaum

Di. 5.

Früh morgens kommt Er im Hause Seiner Mutter an. Sie und die versammelten Frauen sind wegen des heutigen Gedenk- und Fast­tages verschleiert.

Der Herr spricht allein mit der heiligen Jungfrau. Sie weint angesichts der Ihm dro­henden Gefahr infolge des Aufsehens, das Seine Lehren und Wunder im Lande er­regen; denn zu ihr gelangt alles Murren und alle üble Nachrede derer, die sich scheuen, Jesu ins Angesicht zu sprechen. Er sagt ihr aber, Seine Zeit sei gekommen, und Er werde nun diese Gegend verlassen und nach Judäa hinabziehen, wo sie nach dem Oster­fest noch größeres Ärgernis an Ihm nehmen würden.

Er predigt in der Stadt, wo heute abend ein Dankfest für den erhaltenen Regen beginnt. Das Gotteshaus wird geschmückt, und auf dessen Dach eine besondere Musik auf einer Art von großem Dudelsack gemacht, an dem mehrere Leute mit Blasen, Bälgetreten und Klappen-Öffnen und  -Schließen beschäftigt sind.

Mi. 6.

Zum heutigen Fest hält der Herr eine überaus rührende Lehre vom Regen und von der Dürre im Anschluß an die sieben Sendun­gen des Dieners von seiten des Propheten Elias auf dem Karmel (3 Kön. 18, 41-45). Jene sieben Fragen und Sendungen legt Er auf die Zeiträume bis zur Erfüllung der Verheißung aus; das Erscheinen der Wolke vom Meere her deutet Er als ein Vorbild der gegenwärtigen Zeit, und den auf Eliä Gebet hin kommenden Regen als Vorbild der An­kunft des Messias, dessen Lehre sich aus­breiten und alles erquicken werde. Wen nun dürste, solle trinken, und wer sein Feld be­stellt habe, der werde Regen erhalten.

Dieses alles sagt Er so rührend und wunder­bar, daß alle Hörer weinen, auch die heilige Jungfrau, die von der Tribüne aus zuhört. Die Leute sind hier in Kapharnaum zur Zeit recht gut gestimmt, und der Herr nimmt oft mit den vertrauteren Jüngern Seine Mahlzeit in einem Hause ein, wo die Prie­ster beim Gotteshaus wohnen, und wo eine Art Gastfreiheit für die Lehrer herrscht, die beim Gottesdienst lehren.

Antritt der Reise nach Judäa

Abends entläßt der Herr Seine verwandten Jünger und die aus Bethsaida, da Er auf Seine morgige Reise gen Judäa nur etwa zwölf Jünger mitnehmen will, die aus Naza­reth, Jerusalem und von Johannes dem Täufer stammen.

Karawanen-Stadt Dothaim

Do. 7.

Die heilige Jungfrau begleitet mit ihren Freundinnen den Herrn bis Dothaim. Die Jünger sind dorthin vorausgegangen, um das Frühstück zu bestellen. Vor dem Ort kom­men dem Herrn etwa acht Männer und Priester entgegen und geleiten Ihn und die hei­ligen Frauen zur Gasthalle, wo alles zur Mahlzeit bereitet ist. Vor dem Eingang brei­ten sie Ihm zu Ehren einen Teppich, über den Er gehen muß, und waschen Ihm die Füße.

Die Frauen essen abgesondert hinter dem Herd, der Herr liegt mit den Jüngern zu Tisch. Die Priester aus der Stadt dienen stehend mit großer Liebe und Demut, und Jesus erzählt von Joseph, der hier in der Nähe am Brunnen verkauft ward (Gen. 37, 17-28).

Nach der Mahlzeit nimmt der Herr von Seiner Mutter allein abgesondert Abschied, wobei Er sie umarmt, wie immer beim Schei­den und Willkommen, wenn sie allein sind; sonst reicht Er ihr die Hand oder neigt Sich freundlich. Maria weint. Sie sieht noch sehr jung aus, ihre Gestalt ist schlank und groß; sie hat eine sehr hohe Stirn, eine längliche Nase, sehr große Augen, sanft nieder­geschlagen, einen sehr schönen roten Mund und eine angenehm bräunliche Farbe mit rötlich schimmernden Wangen.

Jesus bleibt noch länger lehrend in der Halle, und die Männer, die keine Bezah­lung für die Mahlzeit annehmen, begleiten Ihn bis zum historischen Josephs-Brunnen, der etwa eine halbe Stunde weit im Tale liegt. Er ist ganz umgebaut, und Jesus lehrt noch im Brunnenhause und segnet zum Schluß den Brunnen.

Pharisäer- und Sadduzäer-Stadt Sephoris

Gegen Abend kehrt der Herr mit Seinen Jüngern in Sephoris bei Seiner Großtante Maraha ein.

Fr. 8.

Er heilt hier nicht, sondern hält Sich sehr zurück und predigt nur zum Sabbatbeginn in der Gesetzesschule, deren Lehrer wie auch andere Ihm allerlei Übles nachreden, wie daß Er herumstreiche und nicht bei Seiner Mutter bleibe und alles besser wisse.

Sa. 9.

Er macht mehrere Hausbesuche in und außerhalb der Stadt, spricht ungemein liebe­voll mit bedrängten Familien, besucht die Essener und tröstet sie, die von vielen Bösen wegen ihrer Liebe zu Ihm geneckt und ver­leumdet werden. Seinen hier lebenden Vet­tern rät Er, Ihm jetzt nicht zu folgen, son­dern in der Stille Seine Freunde zu bleiben und Gutes zu wirken, bis Seine Laufbahn vollendet sei.

Nachts tobt ein großer Windsturm im Lande. Der Herr betet in Gemeinschaft mit anderen mit ausgebreiteten Armen um Abwendung der Gefahr. Hierbei hilft Er aus der Ferne den Knechten, die auf Petri, Andreä und Zebedäi Schiffen auf dem See vergeblich gegen den Sturm kämpfen.

Das Esther-Fest zu Nazareth

Nazareth

So. 10.

Mit einem Umweg über mancherlei einzelne Höfe, wo Er überall tröstet und lehrt, wan­delt Er mit den Jüngern nach Nazareth, wo Er bei bekannten Hotelbesitzern einkehrt und noch ohne Aufsehen einige gute Leute besucht.

Nachmittags besuchen Ihn einige Pharisäer, äußerlich leise und ganz bescheiden, inner­lich aber voll Grimm, und fragen, was Er nun vorhabe, und warum Er nicht bei Sei­ner Mutter bleibe. Jesus antwortet ernst und scharf. Abends predigt Er sehr ernsthaft in der Synagoge zum Beginn des Esther-Fast­tages (13. Adar), und nachts betet Er wie­der mit ausgebreiteten Armen und hilft aus der Ferne den Schiffern auf dem See Gene­zareth, über welchem erneut der Sturm wütet.

Mo. 11.

Heute suchen Ihn wieder jene drei reichen Jünglinge auf, die Er am 18. und 19. Sep­tember abgewiesen hatte. Sie knien förmlich vor Ihm nieder; aber Er weiß, daß sie ganz weltliche Absichten verfolgen. Sie wollen Ihm wie einem griechischen Philosophen folgen, um dann mit großer Gelehrtheit ihrer Vaterstadt Ehre zu machen. Auch ärgern sie sich, daß armer Leute Kinder aus Nazareth bei Ihm sind, und sie nicht.

Am Nachmittag lehrt der Herr in der Ge­setzesschule. Abends beginnt mit Anbruch des 14. Adar das große Freudenfest Purim (Loos vgl. Esth. 3, 7 u. 9, 24). Auf dem Dach der Synagoge steht eine große Trommel mit Saiten bespannt, auf die Kinder schlagen, und aus der sie Geschenke ziehen und dabei auf Harfen und Pfeifen musizieren.

Unterdes liegt der Herr im Hause des alten Esseners Eliud neben dessen Lager und redet, auf einen Arm gestützt, mit ihm bis spät in die Nacht. Der Mann ist dem Tode nahe und jetzt ganz in Gott. Das Gespräch hat ähnliche Mysterien zum Gegenstande wie am 12. und 20. September 31.

Di. 12.

Heute haben die Frauen und Jungfrauen zum Andenken an die Esther (Stern), durch deren Hilfe die Juden um 497 v. Chr. im persischen Reiche über ihre Feinde den Sieg errangen und zur Ruhe kamen, beson­dere Freiheiten und Rechte in der Synagoge, in der eine Art Mysterienspiel von Kin­dern und Jungfrauen aufgeführt wird. Die die Esther darstellende Jungfrau gibt zum Schluß den Priestern eine Ermahnung über ihre Hauptfehler, die das Jahr hindurch geschehen sind.

Hierauf wird abwechselnd aus dem Buche Esther vorgelesen, woran Sich auch Jesus beteiligt, während die Kinder jedesmal, wenn der Name Haman erwähnt wird, einen Hammer auf kleine Brettchen schlagen las­sen und dabei rufen: „Vertilgt werde sein Name“ (vgl. Esth. 9, 24).

Bei den großen Festmählern nimmt der Herr an dem der Priester im Festhaus teil. Alle Räume, Hallen und Tafeln sind mit Blumen und Früchten geschmückt, und die Leute machen sich gegenseitig Geschenke von Kleinodien, Talaren, Manipeln, Kopfschleiern und Gürteln. Jesus erhält auch einen Festrock mit Quasten, gibt ihn aber freundlich einem anderen. Auch die Armen werden reichlich beschenkt (Esther 9, 17 bis 22).

Mi. 13.

Morgens wandelt der Herr, von Seinen Jüngern umgeben, mit den Priestern in die fest­lich geschmückten Lust- und Lehrgärten vor der Stadt. Sie lesen wechselseitig aus Schrift­rollen über Esther vor. Scharen von Jüng­lingen stehen ringsherum, und die Jung­frauen hören aus einiger Entfernung zu.

Do. 14.

Nach dem Dankgottesdienst disputiert der Herr mit den Priestern über einige theo­logische Fragen.

Handels-Stadt Apheke

Nachmittags macht Er mit Seinen Jüngern einen Ausflug nach der Vaterstadt des künf­tigen Apostels Thomas, Apheke, von wo sie erst zum morgigen Sabbatbeginn zurück­kehren. Thomas ist zur Zeit schon nicht mehr dort.

Nazareth

15.-17. In Nazareth feiert Jesus den Sabbat und weilt in der Nacht vom Sonntag zum Mon­tag, zum letzten Male bei dem sterbenden Essener Eliud.

Auf der Reise nach Judäa

Samariter-Stadt Nazara

Mo. 18.

Morgens verläßt der Herr mit den Jüngern Nazareth. Die Priester geben Ihm das Ehren­geleit. Sie können alle nicht begreifen, wie Er bei so kurzer Abwesenheit zu so großer Gelehrsamkeit gekommen sei. Sie finden Seine Lehre unwidersprechlich, und meh­rere beneiden Ihn im Innern.

Jesus geht jetzt den Weg, den die heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten ein­geschlagen, und kommt durch den kleinen Ort Nazara, wo arme, wie Sklaven verachtete Samariter wohnen, und wo die heilige Familie vor dreißig Jahren, am 3. März, ein­gekehrt ist.

Der Herr kauft hier Brot, teilt es an die Armen aus, und es vermehrt sich dabei unter Seinen Händen. Doch entsteht des­wegen kein großer Auflauf. Auch wandert Jesus gleich weiter mit Richtung auf Lazari Landgut bei Ginäa, wo Seine Ankunft für heute angemeldet ist.

Lazari Landgut bei Ginäa

Unterwegs kommen Ihm Lazarus, Johannes Markus, Obed und vier Jünger entgegen. Nachts treffen alle auf dem Landgut ein, wo vom Verwalter alles zu ihrem Empfange vorbereitet ist. Das Gut liegt eine Viertel­stunde südlich von Ginäa und nicht weit vom ehemaligen Felde Jakobs auf einer Anhöhe und ist von schönen Obstgärten und Alleen umgeben. Hier ist die heilige Fami­lie auf ihrer Adventsreise am ersten Tage des Weges und elften Tage vor Christi Ge­burt zur Nacht eingekehrt.

Grenzstadt Ginäa

Di. 19.

Heute lehrt der Herr in der Gesetzesschule zu Ginäa, welches von Getreide-, Wein- und Obstbau lebt. Die Einwohner sind gute, fromme Leute, leben still und halten sich vom Verkehr mit den Samaritern fern. Nach der Lehre kehrt Jesus wieder zum Landgut zurück.

Mi. 20.

Abends mit Anbruch des 23. Adar feiert der Herr zu Ginäa den Beginn des Tempelweihfestes Zorobabels oder Serubabels, des Fürsten aus dem Hause Davids, der um 519 v. Chr. den Grundstein zum Tempel legte (1 Esdr. 3). Dieses Tempelweihfest wird nicht so feierlich begangen wie das der Mak­kabäer, welches vom 25. Kislev an sechs Tage lang gefeiert wird (vgl. 23.-29. Dez. 31). Doch werden auch dieses Mal in der Syna­goge, in den Häusern, auf den Straßen und Feldern viele Lichter und Feuer angezündet.

Do. 21.

Der Herr feiert den ganzen Tag das Fest in Ginäa mit und setzt abends nach Schluß desselben Seine Reise mit den Jüngern fort. Bei milder Nacht wandelt Er mit Seinen etwa achtzehn Begleitern im hellen Mond­schein über einen hohen Berg. Sie gehen zwei zu zwei auf engen Pfaden, Jesus in der Mitte des Zuges. Er steht oft still, redet oder betet. Es ist der Adventsweg Mariä und Josephs.

Karte Nr. 15.

Durch Samaria

Fr. 22.

Nachdem sie morgens etwas geruht und ge­gessen, begegnet ihnen bald darauf unter­wegs ein junger Mann aus Samaria (Seba­stije), wirft sich dem Herrn zu Füßen und beginnt mit den Worten: „Retter der Men­schen, der Du Judäa befreien und herstellen willst“, ein Gesuch um Aufnahme und um ein Amt bei Ihm. Jesus erwidert ihm ganz freundlich, wenn er wieder komme, werde Er ihm sagen, was er tun solle, es gefalle Ihm sein guter Wille und seine Demut.

Dieser Jüngling ist ein Waise, hat große Güter geerbt und vertritt ein Amt in Sama­ria. Er kommt am 29. Juli 33 noch einmal, und dann erst will ihm der Herr in Gegen­wart der Apostel sagen, was er tun soll, und das steht im Evangelium (Mt. 19, 16–22).

Terebinthe im Hain Moreh

Auf dem weiteren Wege kommen sie auch zu der Terebinthe im Hain Moreh, wo sich Abraham zuerst bei Sichem niederließ (Gen. 12, 6), in dem berühmten Talgrund Elon Moreh, und wo die heilige Jungfrau auf ihrer Adventsreise nachts so sehr fror, daß sie Gott um Hilfe anflehte, der sie er­hörte. (Siehe oben S. 19.)

Hirtenherberge bei Ephraim

Zum Sabbatanfang kommen sie in der Hir­tenherberge zwischen der Wüste Gibea und der Wüste Ephraim an, wo Maria mit den heiligen Frauen am 26. September über­nachtet hat. Die Hirten aus der Gegend versammeln sich, bringen Geschenke und Lebensmittel, richten die Herberge zum Betort ein und zünden zum Sabbat die Lampe an. Der Herr feiert mit den Seinen den Sabbat und lehrt bis in die Nacht.

Sa. 23.

Der Heiland bleibt in heiterer Stimmung mit den kindlich gesinnten Hirten zusam­men. Alle sind glücklich und gerührt von der Liebenswürdigkeit des Herrn. Nach dem Sabbat reisen die jerusalemer Jünger in ihre Heimatstadt, während Jesus mit den übrigen Jüngern nach Bethanien wandert.

Sein erstes Erscheinen in Jerusalem

Bethanien und Jerusalem

So. 24.

Der Herr bewohnt im Schloß zu Bethanien immer denselben Raum, der zu einem Ora­torium eingerichtet ist. Sein Schlafgemach befindet sich nebenan.

Vormittags meldet Martha die Ankunft Jesu im Hause des Johannes Markus an, der mit seiner Mutter Maria Markus vor der Stadt dem Ölberg gegenüber wohnt. Gegen Mittag sind alle Freunde und heiligen Frauen aus Jerusalem hier zu Tisch versammelt, und der Herr spricht von der Nähe des Reiches Gottes, vom Beruf der Jünger, von der Nach­folge und selbst dunkel von Seinem Leiden. In Jerusalem redet man schon hier und da, der neue Prophet von Nazareth sei in Betha­nien. Manche freuen sich auf Ihn, andere sind ärgerlich. Am Wege des Ölberges stehen hier und da Leute, auch Pharisäer, um Ihn zu hören, wenn Er vorüberkommt. Es redet Ihn aber keiner an, einige weichen scheu hinter die Hecke zurück und sehen Ihm nach. Sie sagen zueinander: „Das ist der Prophet von Nazareth, Josephs des Zimmer­manns Sohn.“

Mo. 25.

Er besucht Obed, den Sohn des verstorbenen Priesters Simeon in seinem Hause in der Nähe des Tempels und geht dann mit ihm zum früheren Hause seiner Eltern, wo Martha und die anderen Frauen Speisen hingesendet haben, und wo die neun jeru­salemer Jünger und einige andere Männer mit dem Herrn speisen, der wieder sehr liebevoll und ernst von der Nähe des Rei­ches Gottes spricht.

Er geht ganz ohne Scheu durch die Straßen Jerusalems und trägt einen langen weißen Rock, das Prophetenkleid. Oft erscheint Er, ohne sonderlich aufzufallen, und man ver­liert Ihn leicht aus den Augen. Manchmal aber ist Seine Erscheinung ganz außer­ordentlich; Sein Antlitz ist dann leuchtend und übernatürlich.

Bei Seiner Rückkehr nach Bethanien be­grüßen Ihn Saturnin und einige Johannes-Jünger im Schloß und erzählen vom Täu­fer, daß nicht mehr viele Täuflinge zu ihm kämen, aber Herodes viel mit ihm zu schaf­fen habe. Abends kommt auch Nikodemus auf das Schloß und hört die Lehre Jesu mit an.

Di. 26.

Der Herr weilt heute bei dem Pharisäer Simon, der in Bethanien ein vermietbares Festhaus mit Herberge besitzt. Er ist immer noch schwankend, hält es zwar mit Jesu Par­tei aus Freundschaft mit Lazarus, steht aber auch mit den Pharisäern gut.

Bei der von ihm veranstalteten großen Mahl­zeit lehrt der Herr vor dem ganzen Bekann­tenkreise von den Propheten und der Erfül­lung der Weissagungen und kommt auch auf die wunderbare Empfängnis des Täufers und auf die Vorkommnisse Seiner eigenen Kind­heitszeit zu sprechen und sagt unter ande­rem:

„Dreißig Jahre sind es, und wer denkt noch daran, außer wenigen frommen, einfältigen Menschen, daß drei Könige aus dem Mor­genland mit kindlichem Vertrauen Meinem Sterne folgten und kamen und suchten einen neugeborenen König der Juden und fanden ein armes Kind armer Leute. Drei Tage waren sie da! Wären sie zu einem vorneh­men Fürstenkinde gekommen, man hätte sie nicht so leicht vergessen.“ Er erwähnt aber nicht, daß Er dieses Kind sei.

Mi. 27.

Von Lazarus und Saturnin begleitet, besucht Er morgens in Bethanien die Häuser mehre­rer armen Kranken von der Arbeiterklasse, heilt unter ihnen Lahme, Wassersüchtige und Schwermütige und befiehlt den Geheil­ten, aus dem Hause zu gehen und sich in die Sonne zu setzen. In Bethanien entsteht des­wegen kein Auflauf; denn Lazarus, den man sehr hochachtet, trägt dazu bei, daß sich die Leute hier zurückhalten.

Abends findet mit Schluß des 29. Adar und mit dem Eintritt des ersten Nisan ein Fest in der Synagoge statt, welches offenbar mit dem Neumond zusammenhängt, denn es wird bei der Feier eine Art Mondscheibe be­leuchtet, die unter dem Gebet immer heller wird, indem ein Mann hinter ihr fortwäh­rend mehr Lichter anzündet.

Sein erstes Erscheinen im Tempel

Do. 28.

Mit Lazarus, Obed, Saturnin und anderen Jüngern wohnt der Herr heute zum ersten Mal Seines Hierseins dem Gottesdienst im herodianischen Tempel bei. Sein Erschei­nen im Tempel bringt unter den Anwesen­den eine eigentümliche Erschütterung her­vor. Doch keiner wagt es, mit dem anderen über seinen Eindruck zu sprechen; und dies ist eine göttliche Fügung, um dem Heiland die Zeit Seines Wirkens zu verlängern; denn würden sie sich gegenseitig bereden, würde die Erbitterung wachsen. Jetzt aber kämpft in manchen Haß und Grimm mit heiliger Rührung; während sich in anderen oder leise Wunsch regt, Ihn näher kennen zu lernen; und sie bemühen sich durch andere, mit Ihm bekannt zu werden.

Heute wurde im Gottesdienst ein Bock ge­opfert wegen der Nachlässigkeit der Fürsten (vgl. Thomas v. Aquin, S. theol. 1-11, q. 102, a. 3 ad 11) und gleichzeitig ward ein Fasttag wegen des Todes zweier Söhne Aarons gehalten (Lev. 10, 1-10).

Fr. 29.

Der Herr lehrt auf dem Lehrstuhl in der großen Halle von Lazari Schloß. Er spricht wieder aus Seiner Jugendzeit und sagt unter anderem: „Sind es jetzt nicht gerade zwan­zig Jahre her, da ein kleiner Bachir (=Jüng­ling) im Tempel so wunderbar mit den Schriftgelehrten disputierte, und daß sie so erbittert über ihn wurden?“ Und Er erzählt, was der kleine Bachir gelehrt hat.

Den Sabbatanfang feiert Er in der Gesetzesschule zu Bethanien.

Sa. 30.

Morgens geht Jesus mit Obed, der am Tempel Dienst hat, und den anderen jerusa­lemer Jüngern zur Sabbatfeier in den Tem­pel. Im weißen Kleid mit Gürtel und wei­ßem Mantel steht der Herr unter Seinen Freunden bei den anderen jungen Männern — sie stehen paarweise — und singt und betet aus Rollen die Wechselgesänge mit.

Wieder wird man befremdet und verwun­dert über Ihn, ohne doch mit Ihm zu reden; und trotz gesteigerter Gemütsbewegung vie­ler, spricht man nicht öffentlich untereinan­der von Ihm.

Ungefähr um zwei Uhr nachmittags begibt Sich Jesus mit Seinen Gefährten in das Tem­pelrestaurant am Vorhof Israels, wo bei einem Speisemeister ein kaltes Essen bestellt ist. Man kann alles dazu Nötige in den da­bei liegenden Räumen kaufen und bestel­len; und die Fremden genießen dieses Recht. Bei der Mahlzeit lehrt der Herr; und nach­dem die Männer weggegangen, essen auch die Frauen daselbst.

Jesus bleibt noch den ganzen Nachmittag im Tempel und kehrt erst gegen neun Uhr abends nach Bethanien zurück.

Unterdes befinden sich die heilige Jungfrau und die anderen Freundinnen seit gestern auf der Reise nach Jerusalem. Die galiläi­schen Jünger ziehen ihnen voraus, und Knechte mit Reisepaketen folgen ihnen nach.

So. 31.

Den ganzen Morgen weilt der Herr mit etwa zwanzig Jüngern im Tempel. Nachher lehrt Er im Hause des Johannes Markus und nimmt dann mit Lazarus an einer Mahlzeit bei dem Pharisäer Simon zu Bethanien teil.