MEMORIALE DOMINI – 29. Mai 1969 – über die Art und Weise der Kommunionspendung

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Instruktion
Memoriale Domini
Kongregation für den Gottesdienst
unseres Heiligen Vaters
Paul VI.
über die Art und Weise der Kommunionspendung
29. Mai 1969
(Offizieller lateinischer Text: AAS LXI [1969] 541-545; Enchiridion Vaticanum III)

(Quelle: Übersetzt aus dem Französischen, veröffentlicht in der AAS)

Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramtstexte dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).

Die nachfolgende Instruktion wurde den Bischofskonferenzen übersandt, damit sie diese einer aufmerksamen und vertieften Prüfung unterziehen. Sie wird jetzt veröffentlicht, auf dass alle Gründe und Umstände, die die Handlungsweise des Apostolischen Stuhles bestimmten, bekannt werden.

1 Indem sie das Gedächtnis des Herrn feiert, bezeugt die Kirche durch den Ritus selbst den Glauben und die Anbetung Christi, der im Opfer gegenwärtig ist und der denen, die am Eucharistischen Tisch teilnehmen, als Speise gegeben wird. Aus diesem Grunde ist die Kirche sehr daran interessiert, dass die Eucharistie auf die würdigste und fruchtbringendste Weise gefeiert und an ihr teilgenommen werde. Unverletzt bewahrt werde dabei jene, durch einen gewissen Fortschritt an uns heranreichende Überlieferung, deren Reichtümer in das Brauchtum und das Leben der Kirche übergegangen sind. Mit geschichtlichen Dokumenten ist es nämlich bewiesen, dass die Weise, die Heiligste Eucharistie zu feiern und zu genießen, vielfältig gewesen ist. Auch in unseren Zeiten sind in der Feier derselben Eucharistie nicht wenige noch leichte Änderungen eingeführt worden, was ihren Ritus betrifft, damit er den geistlichen und psychologischen Notwendigkeiten der heute lebenden Menschen angepasst werde.

2 Auch in der Disziplin, die den Empfang des göttlichen Sakramentes durch die Gläubigen regelt, sind Änderungen eingeführt worden. Zu solchen Änderungen, durch bestimmte Umstände veranlasst, gehört auch die Heilige Kommunion unter beiden Gestalten des Brotes und Weines, die – früher im lateinischen Ritus allgemein üblich – später in Vergessenheit geraten war. Damit war zur Zeit des Konzils von Trient überall eine Lage entstanden, die von demselben Konzil in der dogmatischen Lehre approbiert und verteidigt wurde als angepasst an die Bedingungen der damaligen Zeit.

3 Nachdem diese Weisen (des Empfanges der Heiligsten Eucharistie) erneuert worden sind und so das Zeichen des Eucharistischen Gastmahles und die auf jede Art erfolgende Erfüllung des Auftrages Christi klarer und lebendiger geworden ist, sowie aber auch die vollständige Teilhabe an der Eucharistischen Feier, die durch die Sakramentale Kommunion bezeichnet wird, ist hier und dort in den letzten Jahren der Wunsch entstanden, zu jenem Brauch zurückzukehren, nach welchem das Eucharistische Brot in die Hand des Gläubigen gelegt wird, das er dann selbst in den Mund legt, indem er die Kommunion empfängt.

4 Es geschah sogar, dass in bestimmten Gemeinschaften und Orten ein solcher Ritus vorgenommen wurde, obwohl vorher die Genehmigung des Apostolischen Stuhles nicht erbeten worden war und manches mal auch so, dass die Gläubigen dafür auf keine geeignete Weise vorbereitet worden waren.

5 Es trifft zwar zu, dass früher einmal die Gläubigen die göttliche Speise in die Hand nehmen und sich in den Mund legen durften, es trifft außerdem zu, dass in der ältesten Zeit, vom Ort wo die Messfeier (Sakrale Funktion ! ) stattfand, die Gläubigen das Allerheiligste, vor allem aus dem Grunde um Wegzehrung zu haben, wenn der Kampf für das Bekenntnis des Glaubens aufgenommen werden musste, mitnehmen konnten – a b e r  die Dokumente der Kirche und Kirchenväter bezeugen an zahlreichen Stellen die größte Ehrfurcht und die höchste Klugheit, die man der Heiligsten Eucharistie entgegenbrachte : Es soll „niemand… jenes Fleisch essen, ehe er es angebetet hat“ (Augustinus) und für den Empfang wird ermahnt „empfange es, was jedoch darüber, dass du daraus nichts verlierest“ (Cyrill von Jerusalem) „denn es ist der Leib Christi“ (Hippolyt).

6 Außerdem wurde die Verwaltung und die Sorge für den Leib und das Blut des Herrn auf ganz besondere Weise den Dienern des Heiligtums oder speziell beauftragten Menschen übergeben: „Nachdem derjenige, der den Vorsitz führt, die Gebete beendet und, dem gesamten Volk zugerufen hat, nehmen diejenigen, die bei uns Diakone genannt werden das Brot und den Wein und das Wasser, über die die Danksagung gesprochen wurde, und teilen sie jedem der Anwesenden zur Anteilnahme aus und bringen sie außerdem den Abwesenden“ (Justinus der Martyrer).

7 Aus diesem Grunde wurde die Aufgabe, die Heilige Eucharistie den Abwesenden zu bringen, von Anfang an ausschließlich den geweihten Amtsträgern übertragen, einerseits, damit den Bedürfnissen der Gläubigen auf sichere Weise entsprochen werde. In der nachfolgenden Zeit, nachdem die Wahrheit des eucharistischen Geheimnisses, seine Kraft sowie die Gegenwart Christi in ihm tiefer erforscht waren, auf Drängen sowohl des Sinnes der Ehrfurcht diesem Hochheiligen Sakrament gegenüber, als auch der Demut, mit welcher es umfangen werden muss, wurde die Gewohnheit eingeführt, dass der Amtsträger selbst den Partikel des konsekrierten Brotes auf die Zunge der Kommunizierenden legt.

8 Diese Weise der Kommunionausteilung muss unter Berücksichtigung der gesamten jetzigen Lage der Kirche bewahrt bleiben. Nicht nur, weil auf den überlieferten Brauch gestützt, sondern besonders deshalb, weil sie die Ehrfurcht der Christgläubigen der Eucharistie gegenüber zum Ausdruck bringt. Dieser Brauch ist in keiner Weise der Würde derjenigen abträglich, die einen so hohen Sakramente nahen: Er gehört zu jener Vorbereitung, die erforderlich ist, dass der Leib des Herrn auf die fruchtbarste Weise empfangen werde. Diese Ehrfurcht gebührt nicht dem gewöhnlichen Brot und Trank, sondern zeichnet die Kommunion des Leibes und Blutes des Herrn aus. Durch diese Kommunion „nimmt das Volk Gottes an den Gütern des österlichen Opfers teil, erneuert den Neuen, einmal in Christi Blut von Gott mit den Menschen geschlossenen Bund, der in Glaube und Hoffnung Vorzeichen und Vorläufer des endzeitlichen Mahles im Reiche des Vaters ist“ (AAS, 59/67).

9 Außerdem wird durch diesen Ritus, der als der überlieferte anzusehen ist, auf wirksame Weise sichergestellt, dass die Heilige Kommunion mit jener Ehrfurcht, Schönheit und Würde ausgeteilt wird, die ihr gebührt und dass jede Profanierung der eucharistischen Gestalten abgewehrt wird „ unter denen auf einzigartige Weise, der ganze und ungeteilte Christus als Gott und Mensch wesenhaft enthalten und gegenwärtig ist. „ (w.o.) Und schließlich wurde liebevolle Sorgfalt den Krumen des konsekrierten Brotes gegenüber angewandt, die die Kirche immer empfohlen hat: „Wenn du zulassest, dass etwas dir wegfällt, so halte dafür, als hättest du aus deinen eigenen Gliedern etwas verloren „ (Cyrill von Jerusalem).

10 Weil einige wenige Bischofskonferenzen und einige einzelne Bischöfe gewünscht haben, dass in ihren Gebieten der Brauch zugelassen werde, dass konsekrierte Brot in die Hände der Christgläubigen zu legen, hat der Heilige Vater angeordnet, dass a l l e Bischöfe der gesamten lateinischen Kirche befragt werden sollen, was sie von der Angebrachtheit der Einführung eines solchen Ritus halten. Eine Änderung nämlich in einer Sache von solcher Tragweite, die sich außerdem auf sehr alte, ehrwürdige Überlieferung stützt, berührt nicht nur die Disziplin, sondern bringt auch die Gefahr mit sich, dass aus der neuen Weise der Austeilung der Heiligen Kommunion die Ehrfurcht dem erhabenen Sakrament des Altares gegenüber verringert werden könnte, oder dass zu befürchten wäre, dass Sakrilegien geschehen oder aber, dass die rechte Lehre verfälscht wird. Aus diesem Grunde wurde den Bischöfen drei Fragen vorgelegt, auf die bis zum zwölften März dieses Jahres (1969) folgende Antworten gegeben wurden :

A : Ist dem Wunsche nach Ihrem Urteil zu entsprechen, außer der herkömmlichen Weise auch den Ritus die Heilige Kommunion in die Hand zu empfangen, zu gestatten ? Zustimmend : 567 ; Ablehnend 1233 : Zustimmend mit Vorbehalt : 315 ; Ungültig 20.

B : Sollten Experimente mit dem neuen Ritus in kleineren Gemeinschaften vorher erfolgen mit Zustimmung des Ortsordinarius? Zustimmend : 751 ; Ablehnend 1215 ; Ungültig 70.

C : Sind sie der Auffassung, dass die Gläubigen nach einer entsprechenden kathechetischen Vorbereitung den neuen Ritus gerne annehmen werden ? Zustimmend : 835 ; Ablehnend 1185; Ungültig 128.

11 Aus den eingegangenen Antworten ist also klar, dass die weit größere Mehrheit der Bischöfe der Auffassung ist, dass man die gegenwärtige Disziplin keinesfalls ändern soll. Sie sind sogar der Auffassung, dass eine Änderung Anstoß wäre, sowohl für den Sinn, als auch für die geistige Einstellung der Bischöfe und vieler Gläubiger.

12 Aus diesem Grunde sah der Heilige Vater – unter Beachtung der Bemerkungen und Ratschläge derer, die vom Heiligen Geist als Bischöfe eingesetzt sind, die Kirche zu leiten – unter Beachtung der Bedeutung der Sache und des Gewichtes der vorgebrachten Gründe – es als nicht angebracht an, die herkömmliche Weise der Austeilung der Heiligen Kommunion zu ändern. Aus diesem Grunde ermahnt der Heilige Stuhl die Bischöfe, die Priester und die Gläubigen mit allem Nachdruck, dem geltenden und erneut bestätigten Gesetz mit Eifer zu folgen : sei es, weil diese Entscheidung auf dem Urteil des größten Teiles des Katholischen Episkopates gründet, sei es, weil der gegenwärtige Ritus der heiligen Liturgie dies so vorsieht, sei es schließlich, weil das gemeinsame Wohl der Gesamtkirche zu berücksichtigen ist.

13 Wenn aber irgendwo der entgegengesetzte Brauch, nämlich, die Heilige Kommunion in die Hand zu legen, schon überhand genommen hat, wird der Apostolische Stuhl, um den Bischofskonferenzen in der Erfüllung ihres pastoralen Amtes zu helfen unter Berücksichtigung der gegenwärtigen erschwerten Lage der Dinge, diesen Bischofskonferenzen die Last und den Auftrag erteilen, die besonderen Umstände – wenn solche vorhanden sind – zu erwägen, jedoch unter der Bedingung, dass jede Gefahr, sei es der Verringerung der Ehrfurcht, sei es des Einreißens falscher Meinungen von der Heiligsten Eucharistie, abgewehrt wird und unter der Bedingung sorgfältiger Beseitigung auch der übrigen Unzukömmlichkeiten.

14 In solchen Fällen, um den neuen Brauch richtig zu ordnen, sollen die Beschlusskonferenzen nach kluger Prüfung die angebrachten Entscheidungen fällen, die in geheimer Abstimmung mit 2/3 Mehrheit zu beschließen sind. Diese Entscheidungen sind dann dem Heiligen Stuhl für die notwendige Bestätigung mit der genauen Angabe der Gründe, die zu ihnen geführt haben, zu unterbreiten. Der Heilige Stuhl wird jeden einzelnen Fall genau erwägen und wird auch in Verbindung nicht vergessen, die die Kirchen verschiedener Orte miteinander und auch die Verbindung, die die Einzelkirchen mit der Gesamtkirche haben: Um das gemeinsame Wohl und die gemeinsame Erbauung, sowie auch das Wachstum im Glauben und in der Frömmigkeit zu fördern, welche aus dem gegenseitigen Beispiel erfließt.

15 Diese Instruktion, zusammengestellt kraft besonderen Auftrages unseres Heiligen Vaters Papst Paul VI, wurde von ihm kraft seiner apostolischen Autorität am 28. Mai 1969 approbiert. Er hat ebenfalls bestimmt, dass sie durch die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen zur Kenntnis der Ordinarien gebracht wird.

Entgegengesetztes wird hiermit außer Kraft gesetzt.

Rom, den 29. Mai 1969

Benno, Kardinal Gut, Präfekt

Annibale Bugnini, Sekretär


Zweite Übersetzung
Instruktion
Memoriale Domini
Kongregation für den Gottesdienst
unseres Heiligen Vaters
Paul VI.
über die Art und Weise der Kommunionspendung
29. Mai 1969
(Offizieller lateinischer Text: AAS LXI [1969] 541-545)

(Quelle: Dokumente zur Erneuerung der Liturgie, S. 811-815 – Die fortlaufende Nummerierung folgt dem lateinischen Werk: „Enchiridion Documentorum Instaurationis Liturgicae“: Deutscher Text: KA Berlin 41 [1969] 60-62: siehe dazu Memoriale domini (verba)

Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramtstexte dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).

1892 Die Kirche bezeugt, wenn sie das Gedächtnis des Herrn feiert, im Ritus selbst ihren Glauben an Christus und ihre Anbetung. Er ist gegenwärtig im heiligen Opfer, er wird denen, die am eucharistischen Mahl teilnehmen, als Speise gereicht. Daher ist der Kirche an einer möglichst würdigen Feier der Eucharistie und an einer fruchtbaren Teilnahme an ihr sehr gelegen. Sie wahrt dabei unversehrt die sich bis in unsere Tage entfaltende Überlieferung, deren Reichtum sich in ihre Praxis und ihr Leben überträgt. Die Geschichte bestätigt, dass Feier und Empfang der hl. Eucharistie vielgestaltig waren. So sind auch jetzt nicht wenige und nicht unbedeutende Änderungen im Ritus der Eucharistiefeier vorgenommen worden, die den geistlichen und psychischen Erfordernissen des heutigen Menschen besser entsprechen. Wegen der gegebenen Verhältnisse wurde die Ordnung des Kommunionempfanges der Gläubigen erweitert durch Wiedereinführung der heiligen Kommunion unter beiden Gestalten; es war dies früher auch im lateinischen Ritus die übliche Form; sie kam jedoch allmählich außer Gebrauch. Das Konzil von Trient hat diesen vorgegebenen Befund dogmatisch anerkannt und als den damaligen Verhältnissen angemessen verteidigt.[1]

1893 Durch diese Wiedereinführung sind das Zeichen des eucharistischen Mahles und die vollständige Erfüllung der Weisung Christi durchsichtiger und lebendiger geworden. Diese reichere Teilnahme an der Eucharistiefeier hat zudem hier und dort im Laufe der vergangenen Jahre das Verlangen aufkommen lassen, zu jener Praxis zurückzukehren, dass das eucharistische Brot in die Hand der Gläubigen gelegt werde, die es dann sich selbst zum Munde führen. Mehr noch: Ohne vorherige Zustimmung des Apostolischen Stuhles wurde dieser Ritus in einigen Gemeinschaften und mancherorts vollzogen, derart sogar bisweilen, dass es an der erforderlichen Vorbereitung der Gläubigen fehlte.

1894 Freilich ist es wahr, dass einst, nach altem Brauch, den Gläubigen gestattet war, diese heilige Speise mit der Hand entgegenzunehmen und sich selbst zum Munde zu führen, ja, in noch früherer Zeit, das Allerheiligste vom Ort der Opferfeier mit nach Hause zu nehmen, vornehmlich um es als Wegzehrung zu genießen, falls sie um des Bekenntnisses ihres Glaubens willen ihr Leben einsetzen mussten.

Ausführlich bezeugen jedoch die kirchlichen Vorschriften und die Lehren der Väter die allergrößte Ehrfurcht und die höchste Vorsicht der heiligen Eucharistie gegenüber. Denn „niemand genießt dieses Fleisch, er habe es denn zuvor angebetet“[2] . Jeder wird ermahnt beim Empfange: „Nimm es entgegen! Aber achte darauf, dass dir nichts verlorengehe“[3]. „Denn es ist Christi Leib“[4].

Sorgsamer Dienst am Leib und Blut des Herrn war in ganz besonderer Weise den Geistlichen oder den eigens dafür bestellten Personen anvertraut: „Nach der Danksagung des Vorstehers und nachdem das ganze Volk zugestimmt hat, teilen die bei uns sogenannten Diakone an jeden der Anwesenden von dem Brot und dem Wein mit Wasser aus, über die die Danksagung gesprochen war, und bringen davon auch den Abwesenden“[5].

Bald wurde der Dienst, die heilige Eucharistie den Abwesenden zu bringen, allein den Geistlichen übertragen. So sollte beidem besser gedient sein: der dem Leib Christi schuldigen Ehrfurcht und der Situation der Gläubigen. Mit dem tieferen Eindringen in Wahrheit und Bedeutung des eucharistischen Mysteriums und die Gegenwart Christi in ihm und aus dem Gefühl für Ehrfurcht vor dem allerheiligsten Sakrament und für Demut beim Empfang desselben wurde es dann später üblich dass der Priester selbst einen Teil des konsekrierten Brotes auf die Zunge des Empfangenden legte.

1895 Diese Weise, die heilige Kommunion auszuteilen, soll – beim gegenwärtigen Stand der Kirche ganz allgemein betrachtet – erhalten bleiben. Sie gründet nicht nur auf dem mehrere Jahrhunderte geübten Brauch, sie ist auch Ausdruck der Ehrfurcht der Gläubigen vor der Eucharistie. Sie schmälert keineswegs die personale Würde dessen, der zu einem so bedeutenden Sakrament hinzutritt. Vielmehr dient sie auch der Vorbereitung, die ein möglichst segensreicher Empfang des Herrenleibes erfordert. [6]

Solche Ehrfurcht gilt nicht „gewöhnlichem Brot und gewöhnlichem Trank“[7], sondern der Kommunion des Leibes und Blutes des Herrn, durch die „das Volk Gottes an den Gütern des österlichen Opfers teilnimmt, den neuen Bund, den Gott ein für allemal im Blute Christi mit den Menschen geschlossen hat, erneuert und in Glaube und Hoffnung das endzeitliche Mahl im Reiche des Vaters im voraus zeichenhaft darstellt und bereits beginnt“ [8].

Diese herkömmliche Praxis gewährleistet auch zuverlässiger die erforderliche Ehrfurcht und die geziemende Würde bei der Spendung der heiligen Kommunion; sie hält die Gefahr der Verunehrung der eucharistischen Gestalten fern, unter denen „Christus in einzigartiger Weise ganz und unversehrt zugegen ist, Gott und Mensch, wesentlich und dauernd“[9]; sie fördert die Sorgfalt, mit der die Kirche stets die Fragmente des konsekrierten Brotes zu achten empfiehlt: „Denn was du zugrunde gehen lässt, sollst du so betrachten, als ginge dir eines deiner eigenen Glieder verloren“.[10]

1896 Da nun einige wenige Bischofskonferenzen und einzelne Bischöfe den Antrag gestellt haben, es möge in ihren Territorien die Handkommunion zugelassen werden, hat der Heilige Vater beschlossen, durch Umfrage bei den Bischöfen der lateinischen Kirche deren Ansicht zu ermitteln, ob es angezeigt sei, diese Form einzuführen. Eine altehrwürdige Überlieferung von solcher Bedeutung zu ändern, betrifft ja nicht nur die Disziplin. Es steht auch zu befürchten, dass die neue Form der Kommunionspendung Gefahren nach sich zieht: Minderung der Ehrfurcht vor dem allerheiligsten Altarssakrament, Profanierung eben dieses Sakramentes und Verfälschung der rechten Lehre.

1897 Es wurden daher den Bischöfen drei Fragen vorgelegt, auf die bis zum 12. März 1969 folgendermaßen geantwortet wurde:

1. Halten Sie es für richtig, dem Wunsche stattzugeben, dass außer der herkömmlichen Form auch die Handkommunion erlaubt sei?

zustimmend: 567

ablehnend: 1233

zustimmend mit Vorbehalt: 315 ungültige Stimmen: 20

2. Stimmen Sie dafür, dass dieser neue Ritus zuerst – mit Zustimmung des Ortsoberhirten – in kleinen Gemeinschaften erprobt werde?

zustimmend: 751

ablehnend: 1215

ungültige Stimmen: 70

3. Sind Sie der Ansicht, dass die Gläubigen nach guter katechetischer Vorbereitung diese neue Form gern aufgreifen? zustimmend: 835

ablehnend: 1185

ungültige Stimmen: 128

Nach den vorliegenden Antworten ist also offenkundig die weitaus größte Zahl der Bischöfe keineswegs der Ansicht, die gegenwärtige Praxis solle geändert werden. Ein Gefühl des Unbehagens, zumal im gottesdienstlichen Bereich, wäre bei diesen Bischöfen und sehr vielen Gläubigen die Folge, falls diese Änderung dennoch geschähe.

1898 In Anbetracht der Meinungsäußerung und Beratung seitens derer, die „der Heilige Geist bestellt hat zu Bischöfen“[11], um die (Orts-)Kirchen zu leiten, im Hinblick auf die Bedeutung der anstehenden Frage und auf das Gewicht der Argumente, schien es daher dem Heiligen Vater nicht angezeigt, die seit langem herkömmliche Form der Kommunionspendung zu ändern.

Bischöfe und Priester und die Gläubigen ermahnt daher der Apostolische Stuhl, der geltenden und erneut bestätigten Ordnung zu folgen. Dabei sollen sie beachten:

– die von der Mehrheit des katholischen Episkopates getroffene Entscheidung;

– die Form, deren sich der gegenwärtige Ritus in der heiligen Liturgie bedient;

– schließlich das Wohl der Kirche selbst.

1899 Um jedoch den Bischofskonferenzen zu helfen in der Erfüllung ihres Hirtendienstes, der bei den heutigen Verhältnissen oft genug allzu schwer ist, überträgt der Apostolische Stuhl dort, wo der entgegenstehende Brauch, die Handkommunion nämlich, bereits Eingang gefunden hat, diesen Konferenzen die schwere Last, gegebenenfalls die besonderen Umstände zu prüfen. Voraussetzung ist jedoch: Jegliche Gefahr einer Minderung der Ehrfurcht oder falscher Auffassungen über die allerheiligste Eucharistie ist abzuwenden. Überdies sollen auch etwaige andere Unzuträglichkeiten aus dem Wege geräumt werden.

In diesen Fällen sollen die Bischofskonferenzen zur Einführung einer guten Ordnung nach entsprechender Beratung nützliche Beschlüsse fassen. Diese sollen bei geheimer Abstimmung eine Zweidrittel-Mehrheit haben. Zwecks Bestätigung[12] werden sie diese Beschlüsse dem Heiligen Stuhl vorlegen unter Beifügung einer genauen Darstellung der Gründe, die sie zu dieser Beschlussfassung veranlasst haben.[13] Der Heilige Stuhl wird sodann die einzelnen Fälle einer sorgfältigen Prüfung unterziehen und dabei eingedenk sein der Verbundenheit, welche die Ortskirchen untereinander und jede für sich mit der Gesamtkirche eint, damit das gemeinsame Wohl und die gemeinsame Auferbauung gefördert werden zur Mehrung des Glaubens und der Liebe: Frucht des gegenseitigen guten Beispiels.

Diese Instruktion wurde gemäß besonderem Auftrag Papst Pauls VI. verfasst. Am 28. Mai 1969 wurde sie von ihm kraft apostolischer Autorität ordnungsgemäß approbiert. Er hat auch verfügt, dass sie durch die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen zur Kenntnis der Bischöfe gelange.

Rom, den 29. Mai 1969

Benno, Kardinal Gut, Präfekt

Annibale Bugnini, Sekretär

Pastorale Erwägungen für jene, die das Indult erbeten haben

(Quelle: Deutscher Text: eigene Übersetzung von Dokumente zur Erneuerung der Liturgie 1, S. 816-818; siehe dazu das Original französisch in: AAS LXI [1969] 546-547)

Das Schreiben mit der Genehmigung an die Bischofskonferenzen, die den Antrag auf Zulassung der Kommunionspendung in die Hand gestellt haben, enthält einige, die Instruktion ergänzende pastorale Erwägungen.

Der Brief, der in der jeweiligen Landessprache verfasst ist, wurde in französischer Sprache veröffentlicht.

1900 Als Antwort auf den von Ihrer Bischofskonferenz gestellten Antrag bezüglich der Genehmigung zur Austeilung der Kommunion in die Hand der Gläubigen möchte ich Ihnen die folgende Mitteilung machen:

Unter Hinweis auf die Aussagen der vorausgehenden Instruktion vom 29. Mai 1969 über die Aufrechterhaltung des traditionellen Brauches hat der Heilige Vater die Motive, die Sie zur Unterstützung Ihrer Bitte anführen, und die Ergebnisse der Abstimmung zu dieser Frage geprüft. Er gestattet, dass in dem Gebiet Ihrer Bischofskonferenz jeder Bischof nach seinem Ermessen und Gewissen die Einführung des neuen Ritus der Kommunionausteilung in seiner Diözese genehmigen darf und zwar unter der Bedingung, dass jede Möglichkeit der Überraschung auf seiten der Gläubigen und jegliche Gefahr der Ehrfurchtslosigkeit gegenüber der Eucharistie vermieden werden.

Um das zu erreichen, halte man sich an die folgenden Regeln:

1901 1. Die neue Art des Kommunizierens darf nicht derart aufgedrängt werden, dass der traditionelle Brauch ausgeschlossen wird. Es ist besonders wichtig, dass jeder Gläubige da, wo legitimerweise der neue Brauch erlaubt ist, die Möglichkeit erhält, die Kommunion in den Mund zu empfangen, auch wenn gleichzeitig andere Personen zur Kommunion gehen, die die Hostie in die Hand erhalten. Die beiden Arten des Kommunizierens können ja auch ohne Schwierigkeiten in derselben liturgischen Feier nebeneinander bestehen. Dies soll deshalb beachtet werden, damit niemand im neuen Ritus einen Grund für die Verletzung seiner eigenen spirituellen Empfindsamkeit gegenüber der Eucharistie sieht und damit dieses Sakrament, das ja seinem Wesen nach Quelle und Grund der Einheit ist, nicht ein Anlass für Zwistigkeiten unter den Gläubigen wird.

1902 2. Der Ritus der Handkommunion darf nicht ohne Vorsicht angewendet werden. Da es sich ja um eine menschliche Haltung handelt, ist sie auch an das Empfinden und an die Vorbereitung des Kommunizierenden gebunden. Es empfiehlt sich eine stufenweise Einführung, bei der mit qualifizierten und besser vorbereiteten Gruppen und Kreisen begonnen wird. Vor allem ist es notwendig, dieser Einführung eine angemessene Unterweisung vorausgehen zu lassen, damit die Gläubigen die Bedeutung der Geste genau verstehen und sie mit dem gegenüber dem Sakrament gebührenden Respekt ausführen. Bei dieser Unterweisung ist anzustreben, jeden möglichen Anschein einer Änderung im Glauben der Kirche an die eucharistische Gegenwart und auch jede Gefahr oder einfach die Möglichkeit einer Gefahr der Profanierung auszuschließen.

1903 3. Die dem Gläubigen angebotene Möglichkeit, das eucharistische Brot in die Hand zu empfangen und selber zum Munde zu führen, darf ihn nicht dazu verleiten, es als ein gewöhnliches Stück Brot oder irgendeine beliebige geweihte Sache anzusehen. Ganz im Gegenteil soll sie in ihm das Empfinden für seine Würde, Glied am mystischen Leib Christi zu sein, in den er durch die Taufe und die Gnade der Eucharistie eingegliedert ist, steigern und auch seinen Glauben an die große Wirklichkeit des Leibes und Blutes des Herrn, die er mit seinen Händen berührt, stärken. Seine Haltung des Respekts sei dem angemessen, was er vollzieht.

1904 4. Bezüglich des Vollzuges kann man sich an die Anweisungen der alten Tradition halten, die die Dienstfunktion des Priesters und Diakons herausstellte, wenn sie die Hostie in die Hand des Kommunizierenden legten. Es kann aber auch eine einfachere Art angewendet werden, indem der Gläubige selber die Hostie aus der heiligen Schale nimmt.[14] Auf jeden Fall soll der Gläubige die Hostie vor der Rückkehr zu seinem Platz verzehren. Die Hilfestellung des Dieners wird durch die übliche Formel „Der Leib Christi“ unterstrichen, auf die der Gläubige mit „Amen“ antwortet.

1905 5. Welche Form auch immer man wählt, so soll auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass keine Teilchen des eucharistischen Brotes fallengelassen oder verstreut werden; ebenso auf eine geziemende Sauberkeit der Hände und eine passende Ausübung der Gesten gemäß den Bräuchen der verschiedenen Völker.

1906 6. Bei Austeilung der Kommunion unter beiden Gestalten durch Eintauchen ist es auf keinen Fall erlaubt, die mit dem Blut des Herrn getränkte Hostie in die Hand des Gläubigen zu legen.

1907 7. Die Bischöfe, die die Einführung der neuen Art der Kommunion gestatten, werden gebeten, dieser Kongregation nach Ablauf von sechs Monaten einen Bericht über die Ergebnisse dieser Erlaubnis zu schicken.

Rom, den 29. Mai 1969

Benno, Kardinal Gut, Präfekt

Annibale Bugnini, Sekretär

Anmerkungen

  1. Vgl. Konzil von Trient, Sess. XXI, Lehre über die Kommunion unter beiden Gestalten und die Kommunion der Kinder: DS 1726-1727 (930); Sess. XXII, Dekret über die Erlaubnis des Kelches: DS 1760.
  2. Augustinus, Enarrationes in Psalmos 98,9: PL 37,1264.
  3. Cyrill von Jerusalem, Catecheses Mystagogicae 5,21: PO 33, 1126.
  4. Hippolyt, Traditio Apostolica 37: B. Botte. 1963, 84.
  5. Justin, Apologia I, 65: PO 6, 427.
  6. Vgl. Augustinus, Enarrationes in Psalmos 98,9: PL 37,1264 f.
  7. Vgl. Justin, Apologia r, 66: PO 6, 427; vgl. Irenäus, Adversus Haereses 1,4, c. 18, Nr. 5: PO 7, 1028 f.
  8. Ritenkongregation, Instruktion „Eucharisticum mysterium„, Nr. 3a: AAS 59 (1967) 541.
  9. Vgl. ebd., Nr. 9: AAS 59 (1967) 547.
  10. Cyrill von Jerusalem, Catecheses Mystagogicae 5, 21: PO 33, 1126.
  11. Vgl. Apg 20,28.
  12. Vgl. II. Vatikanum, Dekret „Christus dominus„, Art. 38,4: AAS 58 (1966) 693.
  13. a Auf die vorgelegte Frage, „ob die heilige Kommunion uneingeschränkt den Gläubigen in die Hand gereicht werden darf oder ob der Priester hierzu eines Indults bedarf, und ob die Vollmacht zur Erteilung eines solchen Indults beim Ordinarius oder bei der Bischofskonferenz jeder Nation liegt“, wird in N 8 (1972) 343 folgendermaßen geantwortet: Die in der Instruktion über die Art und Weise der Kommunionspendung „Memoriale Domini“ enthaltene Norm gilt ohne Einschränkung. Demnach kann weder der Ordinarius, erst recht kein Priester diesen Erlass übergehen.
  14. Seit dem 21. Juni 1973, an dem der Faszikel „De sacra Communione et de cultu mysterii eucharistici extra Missam“ veröffentlicht wurde, ist der Satz „Es kann aber … aus der heiligen Schale“ gestrichen (vgl. Eucharistiae sacramentum Nr. 3082).

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Quelle

INSTRUKTION Redemptionis sacramentum über einige Dinge bezüglich der heiligsten Eucharistie, die einzuhalten und zu vermeiden sind

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Kapitel IV

Die heilige Kommunion

1. Die Disposition für den Empfang der heiligen Kommunion

80. Die Eucharistie soll den Gläubigen gereicht werden auch «als Gegenmittel, durch das wir von der täglichen Schuld befreit und vor Todsünden bewahrt werden»,[160] wie in verschiedenen Teilen der Messe hervorgehoben wird. Der an den Anfang der Messe gesetzte Bußakt hat zum Ziel, alle darauf vorzubereiten, die heiligen Mysterien in rechter Weise zu feiern;[161] er hat jedoch «nicht die Wirkung des Bußsakramentes»[162] und kann nicht als Ersatz für das Bußsakrament im Hinblick auf die Vergebung schwerer Sünden betrachtet werden. Die Seelsorger müssen bei der katechetischen Unterweisung sorgfältig darauf achten, daß den Gläubigen die christliche Lehre zu dieser Frage vermittelt wird.

81. Nach kirchlicher Gewohnheit ist es darüber hinaus notwendig, daß sich jeder sehr gründlich prüfe,[163] damit keiner, der sich einer schweren Sünde bewußt ist, ohne vorherige sakramentale Beichte die Messe feiert oder den Leib des Herrn empfängt, außer es liegt ein schwerwiegender Grund vor und es besteht keine Gelegenheit zur Beichte; in diesem Fall muß er sich der Verpflichtung bewußt sein, einen Akt der vollkommenen Reue zu erwecken, der den Vorsatz mit ein schließt, sobald wie möglich zu beichten.[164]

82. Außerdem hat die Kirche «Normen erlassen, die den häufigen und fruchtbaren Zutritt der Gläubigen zum Tisch des Herrn fördern und die objektiven Bedingungen festlegen, unter denen von der Spendung der Kommunion abgesehen werden muß».[165]

83. Es ist sicherlich am besten, wenn alle, die an der Feier der heiligen Messe teilnehmen und die notwendigen Bedingungen erfüllen, die heilige Kommunion empfangen. Es kommt aber bisweilen vor, daß die Christgläubigen massenweise und ohne Unterscheidung zum heiligen Tisch hinzutreten. Es ist Aufgabe der Hirten, diesen Mißbrauch mit Klugheit und Festigkeit zu korrigieren.

84. Wenn die heilige Messe für eine große Menge gefeiert wird, beispielsweise in Großstädten, muß man darauf achten, daß nicht aus Unwissenheit auch Nichtkatholiken oder sogar Nichtchristen zur heiligen Kommunion hinzutreten, ohne daß dem Lehramt der Kirche in Bezug auf Lehre und Disziplin Rechnung getragen wird. Es obliegt den Hirten, die Anwesenden zu gegebener Zeit darauf hinzuweisen, daß Wahrheit und Ordnung streng zu beachten sind.

85. Katholische Spender spenden die Sakramente erlaubt nur katholischen Gläubigen; ebenso empfangen diese die Sakramente erlaubt nur von katholischen Spendern; zu beachten sind aber die Bestimmungen von can. 844 §§ 2, 3 und 4 sowie von can. 861 § 2.[166] Die Bedingungen, die von can. 844 § 4 festgesetzt sind und die in keiner Weise aufgehoben werden können,[167] können ferner nicht voneinander getrennt werden; deshalb ist es notwendig, daß sie immer alle zugleich verlangt werden.

86. Die Gläubigen sollen dringend dazu angehalten werden, außerhalb der Messe, vor allem zu den festgesetzten Zeiten, zum Bußsakrament hinzutreten, so daß sie es mit Ruhe und wirklichem Nutzen empfangen können und nicht von der tätigen Teilnahme an der Messe abgehalten werden. Jene, die täglich oder sehr oft kommunizieren, sollen angeleitet werden, ihren Möglichkeiten entsprechend in angemessenen Zeitabständen das Bußsakrament zu empfangen.[168]

87. Der Erstkommunion der Kinder muß immer eine sakramentale Beichte und Lossprechung vorausgehen.[169] Außerdem soll die Erstkommunion immer von einem Priester gereicht werden, und zwar nie außerhalb der Meßfeier. Von Ausnahmefällen abgesehen, ist es wenig passend, die Erstkommunion bei der Messe vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag zu spenden. Man soll vielmehr einen anderen Tag wählen, wie etwa den 2. – 6. Sonntag in der Osterzeit oder das Hochfest des Leibes und Blutes Christi oder einen Sonntag im Jahreskreis, denn der Sonntag wird mit Recht als Tag der Eucharistie betrachtet.[170] Zum Empfang der heiligen Eucharistie sollen keine Kinder hinzutreten, «die den Vernunftgebrauch noch nicht erlangt haben» oder nach dem Urteil des Pfarrers «nicht ausreichend darauf vorbereitet sind».[171] Wenn es aber vorkommt, daß ein Kind in einer Ausnahmesituation bezüglich seines Alters für den Empfang des Sakramentes als reif erachtet wird, soll ihm die Erstkommunion nicht verwehrt werden, wenn es nur hinreichend vorbereitet ist.

2. Die Spendung der heiligen Kommunion

88. Die Gläubigen sollen die sakramentale eucharistische Kommunion gewöhnlich während der Messe und zu dem im Ritus der Feier vorgeschriebenen Zeitpunkt empfangen, also direkt nach der Kommunion des zelebrierenden Priesters.[172] Es obliegt dem zelebrierenden Priester, eventuell unter Mithilfe anderer Priester oder Diakone, die Kommunion auszuteilen; er darf die Messe nicht fortsetzen, bevor die Kommunion der Gläubigen beendet ist. Nur dort, wo eine Notlage es erfordert, können außerordentliche Spender dem zelebrierenden Priester nach Maßgabe des Rechts helfen.[173]

89. Damit «die Kommunion auch dem Zeichen nach klarer als Teilnahme am Opfer erscheint, das gefeiert wird»,[174] ist es wünschenswert, daß die Gläubigen sie in Hostien empfangen, die in derselben Messe konsekriert wurden.[175]

90. «Die Gläubigen empfangen die Kommunion kniend oder stehend, wie es die Bischofskonferenz festgelegt hat», deren Beschluß vom Apostolischen Stuhl rekognosziert werden muß. «Wenn sie stehend kommunizieren, wird empfohlen, daß sie vor dem Empfang des Sakramentes eine angemessene Ehrerbietung erweisen, die von denselben Normen festzulegen ist».[176]

91. Bezüglich der Austeilung der heiligen Kommunion ist daran zu erinnern, daß «die geistlichen Amtsträger […] die Sakramente denen nicht verweigern» dürfen, «die zu gelegener Zeit darum bitten, in rechter Weise disponiert und rechtlich an ihrem Empfang nicht gehindert sind».[177] Jeder getaufte Katholik, der rechtlich nicht gehindert ist, muß deshalb zur heiligen Kommunion zugelassen werden. Es ist also nicht gestattet, einem Christgläubigen die heilige Kommunion beispielsweise nur deshalb zu verweigern, weil er die Eucharistie kniend oder stehend empfangen möchte.

92. Obwohl jeder Gläubige immer das Recht hat, nach seiner Wahl die heilige Kommunion mit dem Mund zu empfangen,[178] soll in den Gebieten, wo es die Bischofskonferenz erlaubt und der Apostolische Stuhl rekognosziert hat, auch demjenigen die heilige Hostie ausgeteilt werden, der das Sakrament mit der Hand empfangen möchte. Man soll aber sorgfältig darauf achten, daß der Kommunikant die Hostie sofort vor dem Spender konsumiert, damit niemand mit den eucharistischen Gestalten in der Hand weggeht. Wenn eine Gefahr der Profanierung besteht, darf die heilige Kommunion den Gläubigen nicht auf die Hand gegeben werden.[179]

93. Es ist notwendig, die kleine Patene für die Kommunion der Gläubigen beizuhalten, um die Gefahr zu vermeiden, daß die heilige Hostie oder einzelne Fragmente auf den Boden fallen.[180]

94. Es ist den Gläubigen nicht gestattet, die heilige Hostie oder den heiligen Kelch «selbst zu nehmen und noch weniger von Hand zu Hand unter sich weiterzugeben».[181] Außerdem ist in diesem Zusammenhang der Mißbrauch zu beseitigen, daß die Brautleute bei der Trauungsmesse sich gegenseitig die heilige Kommunion spenden.

95. Ein christgläubiger Laie, der «die heiligste Eucharistie schon empfangen hat, darf sie am selben Tag nur innerhalb einer Feier der Eucharistie, an der er teilnimmt, ein zweites Mal empfangen, unbeschadet der Vorschrift des can. 921 § 2».[182]

96. Zu verwerfen ist der Brauch, daß entgegen den Vorschriften der liturgischen Bücher während oder vor der Meßfeier nicht konsekrierte Hostien oder andere eßbare oder nicht eßbare Dinge nach Art der Kommunion ausgeteilt werden. Dieser Brauch entspricht nicht der Tradition des römischen Ritus und bringt die Gefahr mit sich, bei den Christgläubigen Verwirrung zu stiften bezüglich der Lehre der Kirche über die Eucharistie. Wenn an einigen Orten aufgrund einer Konzession die besondere Gewohnheit besteht, Brot zu segnen und nach der Messe auszuteilen, soll dieser Brauch durch eine gute Katechese sorgfältig erklärt werden. Es dürfen aber keine anderen ähnlichen Praktiken eingeführt und für den genannten Brauch auf keinen Fall nicht konsekrierte Hostien verwendet werden.

3. Die Kommunion der Priester

97. Sooft der Priester die heilige Messe zelebriert, muß er am Altar zu dem vom Meßbuch festgesetzten Zeitpunkt kommunizieren, die Konzelebranten aber, bevor sie zur Kommunionausteilung gehen. Niemals darf der zelebrierende oder konzelebrierende Priester bis zum Ende der Kommunion des Volkes warten, bevor er selbst kommuniziert.[183]

98. Die Kommunion der konzelebrierenden Priester hat gemäß den in den liturgischen Büchern vorgeschriebenen Normen zu erfolgen, wobei immer Hostien zu verwenden sind, die in derselben Messe konsekriert wurden,[184] und alle Konzelebranten die Kommunion stets unter beiden Gestalten empfangen müssen. Wenn ein Priester oder ein Diakon den Konzelebranten die heilige Hostie oder den Kelch reicht, ist darauf zu achten, daß er nichts sagt, also nicht die Worte ausspricht: «Der Leib Christi» oder «Das Blut Christi».

99. Die Kommunion unter beiden Gestalten ist «den Priestern, die selbst das Meßopfer nicht zelebrieren oder konzelebrieren können»,[185] immer gestattet.

4. Die Kommunion unter beiden Gestalten

100. Um den Gläubigen die Fülle der Zeichenhaftigkeit im eucharistischen Gastmahl klarer bewußt zu machen, werden in den Fällen, die in den liturgischen Büchern erwähnt sind, auch die christgläubigen Laien zur Kommunion unter beiden Gestalten zugelassen, wobei eine entsprechende Katechese über die dogmatischen Grundsätze, die vom Ökumenischen Konzil von Trient festgelegt wurden, vorausgehen und beständig weitergeführt werden muß.[186]

101. Damit den christgläubigen Laien die heilige Kommunion unter beiden Gestalten gespendet werden kann, sind die Umstände entsprechend zu berücksichtigen, über die in erster Linie die Diözesanbischöfe zu urteilen haben. Diese Art der Kommunionspendung ist gänzlich auszuschließen, wenn auch nur die geringste Gefahr der Profanierung der heiligen Gestalten besteht.[187] Für eine eingehendere Regelung haben die Bischofskonferenzen Normen zu erlassen, die vom Apostolischen Stuhl durch die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung rekognosziert werden müssen, vor allem im Hinblick auf «die Art, den Gläubigen die heilige Kommunion unter beiden Gestalten auszuteilen, sowie die Ausweitung dieser Befugnis».[188]

102. Der Kelch soll den christgläubigen Laien nicht gereicht werden, wo die Zahl der Kommunikanten so groß ist,[189] daß es schwierig wird, die für die Eucharistie notwendige Menge an Wein abzuschätzen und die Gefahr besteht, daß «am Ende der Feier eine Menge des Blutes Christi übrigbleibt, die über das rechte Maß hinausgeht, das konsumiert werden kann»;[190] ebenso nicht, wo der Zugang zum Kelch nur schwer geregelt werden kann oder wo eine entsprechende Menge an Wein erforderlich wird, deren sichere Herkunft und Qualität nur schwer festgestellt werden kann, oder wo keine angemessene Zahl an geistlichen Amtsträgern oder außerordentlichen Spendern der heiligen Kommunion mit geeigneter Ausbildung vorhanden ist, oder wo ein beträchtlicher Teil des Volkes aus verschiedenen Gründen beharrlich nicht zum Kelch hinzutreten will, so daß das Zeichen der Einheit in gewisser Weise verloren geht.

103. Die Normen des Römischen Meßbuches kennen die Regelung, daß in den Fällen, in denen die Kommunion unter beiden Gestalten ausgeteilt wird, «das Blut Christi direkt aus dem Kelch oder durch Eintauchen der Hostie oder mit einem Röhrchen oder mit einem Löffel getrunken werden kann».[191] Was die Kommunionspendung für die christgläubigen Laien betrifft, können die Bischöfe die Kommunion mit einem Röhrchen oder einem Löffel ausschließen, wo dies nicht örtlicher Brauch ist, wobei aber immer die Möglichkeit der Kommunionspendung durch Eintauchen der Hostie bestehen bleibt. Wenn diese Form zur Anwendung kommt, sollen allerdings Hostien verwendet werden, die nicht zu dünn und nicht zu klein sind, und der Kommunikant darf das Sakrament vom Priester nur mit dem Mund empfangen.[192]

104. Es ist dem Kommunikanten nicht erlaubt, selbst die Hostie in den Kelch einzutauchen oder die eingetauchte Hostie mit der Hand zu empfangen. Die Hostie, die eingetaucht wird, muß aus gültiger Materie bereitet und konsekriert sein; streng verboten ist die Verwendung von nicht konsekriertem Brot oder anderer Materie.

105. Wenn ein einziger Kelch zur Spendung der Kommunion unter beiden Gestalten an konzelebrierende Priester oder Christgläubige nicht ausreicht, steht dem nichts entgegen, daß der zelebrierende Priester mehrere Kelche verwendet.[193] Es ist nämlich daran zu erinnern, daß alle Priester, die die heilige Messe zelebrieren, zur Kommunion unter beiden Gestalten verpflichtet sind. Der Zeichenhaftigkeit wegen ist es zu begrüßen, daß ein größerer Kelch zusammen mit anderen kleineren Kelchen verwendet wird.

106. Es ist jedoch gänzlich zu vermeiden, daß das Blut Christi nach der Wandlung aus einem Gefäß in ein anderes gegossen wird, damit nichts passiert, was diesem so großen Mysterium unangemessen ist. Um das Blut des Herrn aufzunehmen, dürfen niemals Flaschen, Krüge oder andere Gefäße verwendet werden, die den festgesetzten Normen nicht voll entsprechen.

107. «Wer die eucharistischen Gestalten wegwirft oder in sakrilegischer Absicht entwendet oder zurückbehält, zieht sich» gemäß der von den Canones festgesetzten Norm «die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation als Tatstrafe zu; ein Kleriker kann außerdem mit einer weiteren Strafe belegt werden, die Entlassung aus dem Klerikerstand nicht ausgenommen».[194] Jedwede Handlung, durch welche die heiligen Gestalten mutwillig und schwerwiegend entehrt werden, muß diesem Fall zugerechnet werden. Wenn daher jemand gegen die genannten Normen handelt, indem er zum Beispiel die heiligen Gestalten in das Sacrarium oder an einen unwürdigen Ort oder auf den Boden wirft, zieht er sich die festgesetzten Strafen zu.[195] Darüber hinaus sollen alle daran denken, daß nach Abschluß der Spendung der heiligen Kommunion innerhalb der Meßfeier die Vorschriften des Römischen Meßbuches zu befolgen sind; was eventuell vom Blut Christi noch übrig ist, muß vom Priester oder, gemäß den Normen, von einem anderen Diener sofort gänzlich konsumiert werden; die konsekrierten Hostien, die übriggeblieben sind, müssen entweder am Altar vom Priester konsumiert oder an den für die Aufbewahrung der Eucharistie bestimmten Ort gebracht werden.[196]

(25. März 2004)

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[160] Ökum. Konzil v. Trient, Sessio XIII (11. Oktober 1551), Dekr. über das Sakrament der Eucharistie, Kap. 2: DS 1638; vgl. Sessio XXII (17. September 1562), Über das Meßopfer, Kap. 1-2: DS 1740, 1743; Hl. Kongr. für die Riten, Instr. Eucharisticum mysterium, Nr. 35: AAS 59 (1967) 560.

[161] Vgl. Missale Romanum, Ordo Missae, Nr. 4, 505.

[162] Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 51.

[163] Vgl. 1 Kor 11, 28.

[164] Vgl. Codex Iuris Canonici, can. 916; Ökum. Konzil v. Trient, Sessio XIII (11. Oktober 1551), Dekr. über das Sakrament der Eucharistie, Kap. 7: DS 1646-1647; Papst Johannes Paul II., Enzykl. Ecclesia de Eucharistia, Nr. 36: AAS 95 (2003) 457-458; Hl. Kongr. für die Riten, Instr. Eucharisticum mysterium, Nr. 35: AAS 59 (1967) 561.

[165] Papst Johannes Paul II., Enzykl. Ecclesia de Eucharistia, Nr. 42: AAS 95 (2003) 461.

[166] Vgl. Codex Iuris Canonici, can. 844 § 1; Papst Johannes Paul II., Enzykl. Ecclesia de Eucharistia, Nrn. 45-46: AAS 95 (2003) 463-464; vgl. auch Päpstl. Rat zur Förderung der Einheit der Christen, Direktorium zur Ausführung der Prinzipien und Normen über den Ökumenismus (25. März 1993), Nrn. 130-131: AAS 85 (1993) 1039-1119, hier 1089.

[167] Vgl. Papst Johannes Paul II., Enzykl. Ecclesia de Eucharistia, Nr. 46: AAS 95 (2003) 463-464.

[168] Vgl. Hl. Kongr. für die Riten, Instr. Eucharisticum mysterium, Nr. 35: AAS 59 (1967) 561.

[169] Vgl. Codex Iuris Canonici, can. 914; Hl. Kongr. für die Sakramentenordnung, Erklärung Sanctus Pontifex (24. Mai 1973): AAS 65 (1973) 410; Hl. Kongr. für die Sakramente und den Gottesdienst und Hl. Kongr. für den Klerus, Litt. ad Praesides Conf. Episcoporum In quibusdam (31. Mai 1977): Enchiridion Documentorum Instaurationis Liturgicae, II, Rom 1988, 142-144; Hl. Kongr. für die Sakramente und den Gottesdienst und Hl. Kongr. für den Klerus, Responsum ad propositum dubium (20. Mai 1977): AAS 69 (1977) 427.

[170] Vgl. Papst Johannes Paul II., Apostol. Schreiben Dies Domini (31. Mai 1998), Nrn. 31-34: AAS 90 (1998) 713-766, hier 731-734.

[171] Codex Iuris Canonici, can. 914.

[172] Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Konst. über die hl. Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 55.

[173] Vgl. Hl. Kongr. für die Riten, Instr. Eucharisticum mysterium, Nr. 31: AAS 59 (1967) 558; Päpstl. Kommission für die authentische Auslegung des Codex Iuris Canonici, Responsio ad propositum dubium (1. Juni 1988): AAS 80 (1988) 1373.

[174] Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 85.

[175] Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Konst. über die hl. Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 55; Hl. Kongr. für die Riten, Instr. Eucharisticum mysterium, Nr. 31: AAS 59 (1967) 558; Missale Romanum, Institutio Generalis, Nrn. 85, 157, 243.

[176] Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 160.

[177] Codex Iuris Canonici, can. 843 § 1; vgl. can. 915.

[178] Vgl. Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 161.

[179] Kongr. für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Dubium: Notitiae 35 (1999) 160-161.

[180] Vgl. Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 118.

[181] Ebd., Nr. 160.

[182] Codex Iuris Canonici, can. 917; vgl. Päpstl. Kommission für die authentische Auslegung des Codex Iuris Canonici, Responsio ad propositum dubium (11. Juli 1984): AAS 76 (1984) 746.

[183] Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Konst. über die hl. Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 55; Missale Romanum, Institutio Generalis, Nrn. 158-160; 243-244; 246.

[184] Vgl. Missale Romanum, Institutio Generalis, Nrn. 237-249; vgl. auch Nrn. 85, 157.

[185] Ebd., Nr. 283a.

[186] Vgl. Ökum. Konzil v. Trient, Sessio XXI (16. Juli 1562), Dekr. über die Kommunion, Kap. 1-3: DS 1725-1729; II. Vat. Ökum. Konzil, Konst. über die hl. Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 55; Missale Romanum, Institutio Generalis, Nrn. 282-283.

[187] Vgl. Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 283.

[188] Ebd.

[189] Vgl. Hl. Kongr. für den Gottesdienst, Instr. Sacramentali Communione (29. Juni 1970): AAS 62 (1970) 665; Instr. Liturgicae Instaurationes, Nr. 6a: AAS 62 (1970) 699.

[190] Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 285a.

[191] Ebd., Nr. 245.

[192] Vgl. ebd., Nrn. 285b u. 287.

[193] Vgl. ebd., Nrn. 207 u. 285a.

[194] Codex Iuris Canonici, can. 1367.

[195] Vgl. Päpstl. Rat für die Auslegung der Gesetzestexte, Responsio ad propositum dubium (3. Juli 1999): AAS 91 (1999) 918.

[196] Vgl. Missale Romanum, Institutio Generalis, Nrn. 163, 284.

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Quelle

Meine Stellungnahme zur „Handkommunion“, DZM Februar 1990

DIE HANDKOMMUNION

Seitdem im Zuge der Reformen nach dem II. Vatikanischen Konzil in unseren Landen die Handkomm­union eingeführt wurde, sind viele gute, beste Gläubige zutiefst verletzt worden in ihrem religiösen Empfin­den. Es wurde ihnen etwas von oben diktiert, was sie nicht gesucht und nicht gewollt hatten. Und wenn ih­nen prinzipiell auch die alte Emp­fangsform (da und dort, mehr oder minder, oft sichtbar und spürbar wi­derwillig) zugestanden blieb, so fühl­ten sie sich doch durch das alsbaldi­ge nachgeberische, konformistische Tun der (immer erdrückender wer­denden) Mehrheit (des Klerus und des Volkes) in ihrer Opposition dage­gen als immer verlorenere Einzel­gänger und damit in einer zuneh­mend unangenehmen Lage.

Genau so wie die Liturgiereform überhaupt, ist die Handkommunion den Gläubigen auferlegt, aufgezwun­gen worden, ohne daß man ihren Willen eruiert, geschweige denn re­spektiert hätte. Die Mehrheit wollte dann aber keinen (anhaltenden) Widerstand leisten gegen ihre Prie­ster und Bischöfe und Katecheten und Lehrer und Mitchristen. Die Mehrheit paßte sich an, wie Wende­hälse, wie Sonnenblumen dem Son­nenstand, wie Schilf im Wind.

Und so wie es in den einzelnen Diö­zesen oder Bischofskonferenz-Gebie­ten ging, so ging und geht es in der Weltkirche. Der Vatikan und Italien hatten bis vor kurzem noch „macht­vollen“ bis „machtlosen“ Widerstand geleistet gegen die Handkommuni­on. Da und dort (in vereinzelten Pfarreien) sah man sie zwar schon lange praktiziert. Aber im allgemei­nen galt immer noch die Regel der Mundkommunion, wenn auch kaum mehr knienderweise und am Kom­munionbank. Nun aber ist auch die­se letzte „Bastion“ schon gefallen. Die italienische Bischofskonferenz hat letzten Sommer beschlossen, die Handkommunion (zwecks Einheit­lichkeit mit der Weltkirche) für ihr Gebiet ebenfalls einzuführen!

Und somit wird also jetzt auf der ganzen Welt, in der ganzen offiziel­len katholischen Kirche die Hand­kommunion legal, hochoffiziell und fast exklusiv praktiziert! All die vie­len Warnungen und Proteste von besten Gläubigen, von kompetente­sten Leuten haben also rein nichts gefruchtet. Und auch der Papst und seine berufenen Wächter gaben ein­mal mehr nach und sind wahrschein­lich im Grunde froh, daß die alten Formen immer mehr verschwinden; denn sie müssen als störend empfun­den werden inmitten all des übrigen Neuen!

Pfarrer Johann Grüner von Brei­tenstein, Österreich, hatte noch am 17.6.1989 folgenden Brief an den Heiligen Vater gesandt:

„Heiliger Vater! Ich habe gehört, daß die Bi­schöfe in Italien die Handkommuni­on einführen wollen. Ich möchte Sie herzlich bitten, diesen Unfug nicht zu gestatten. Unsere Erfahrungen mit der Handkommunion sind sehr ne­gativ. Die Handkommunion ist eine dauernde Quelle von Streit und Uneinigkeit. Sie zerstört Ehrfurcht und Glauben vor der Gegenwart Christi, und dreimal so viele Hostien­teilchen werden verstreut im Vergleich mit der direkten Mundkommunion mit Patene. Bitte, befehlen Sie der Sakramentenkongregation, den ge­fährlichen Unfug der Handkomm­union zu verbieten. Auf längere Sicht dient dies sicher mehr zur Einheit der Kirche, als alles laufen lassen. Herzliche Grüße und viel Kraft vom Heiligen Geist wünscht — Pfr. i.R. Johann Grüner.“

Diesem Brief lag auch der im Loreto-Boten veröffent­lichte Artikel „Die Handkommunion — eine Dummheit und Gedankenlo­sigkeit“ bei. Das Antwortschreiben vom Vatikanischen Staatssekretariat datiert mit 4. Juli 1989, unterzeich­net von Mons. C. Sepe, Assessor, war (für ihn) alles eher als befriedigend. Es hieß da u.a. wörtlich: „Zur Sache selbst sei angemerkt, daß der Be­schluß der italienischen Bischofs­konferenz nicht ohne Wissen des Heiligen Vaters erfolgt ist. Dies sei auch betont, um einer weiteren Legendenbildung vorzubeugen, der offensichtlich Sie selbst unterliegen, wenn Sie im Loreto-Boten schreiben: `Gegen den ausdrücklichen Willen von Paul VI. wurde dem Druck mancher modernistischer Schreier nachgege­ben‘ …“ Dies als Einschub aus dem von Kpl. Gottfried Melzer redigier­ten „Loreto-Boten“ Nr. 14! Wichtig ist hier, zur Kenntnis zu nehmen, daß also auch durch das Vatikani­sche Staatssekretariat ausdrücklich schriftlich bestätigt worden ist, daß  die Handkommunion mit Wissen und  Einverständnis des Papstes einge­führt wurde und wird!

So sind die wenigen verbliebenen Mutigen denn auch hierin auf sich selber abgestellt. Sie müssen fast alleine gegen den Strom schwimmen. Sie müssen ohne Unterstützung von oben und von links und rechts aus­kommen. Was tut’s? Jetzt zeigt sich eben, wer Widerstandskraft, wer Standvermögen, wer nicht Men­schenfurcht, sondern Gottesfurcht hat!

Soll man aber auch (heute noch) da die Mundkommunion „erzwingen“, und womöglich (gar) kniend, wo man damit den Ablauf der Kommunion­spendung als völliger Einzelgänger (auffällig) stören würde? Ich meine nein. Entweder paßt man sich lokal (notgedrungen) der von allen prakti­zierten Empfangsform an, oder man verzichtet (in diesem Rahmen) auf den Kommunionempfang. Wenn man das eine oder andere aber prinzipiell  nicht tun will, dann bleibt nur eins: man nimmt an solchen Gottesdien­sten nicht (mehr) teil. Und es ist auch klar, daß ein guter Katholik den Gottesdienst vorzieht, der nach seiner eigenen Überzeugung Gott mehr ehrt, ja den Gottesdienst mei­det, der Gott in irgendeiner Weise Unehre antut oder der Seele, den Seelen schadet! Und es ist somit auch klar, daß der Glückliche, der im Erreichbarkeitsbereich einer traditionellen (tridentini­schen) Meßfeier wohnt, an die­ser teilnimmt und nicht an einer „NOM“-Feier. Aber wer eine solche Gelegenheit nicht hat, oder nicht immer hat? Soll der zuhause blei­ben? Soll der auf den Kommunion­empfang verzichten und stattdessen den Rosenkranz beten? Soll der sich dann halt wenigstens geistigerweise mit den Meßopfern, den „guten, den traditionellen (tridentinischen)“ ver­einigen, um so die Früchte davon zu haben? Gewiß, sofern er selber, aus eigener Einsicht und fester Überzeu­gung, die „Novus-Ordo“-Messen für ungültig oder einfach nicht gottwohl­gefällig hält. Aber wenn er die Über­zeugung hat, daß die neuen Meßfei­ern, soweit sie den authentischen offiziellen Vorschriften entsprechen, gültig sind, Christus also sakramen­tal gegenwärtig ist, darf er sich von einer Teilnahme daran nicht einfach dispensieren! Wo ein gültiges Meß­opfer stattfindet, können und sollen die Gläubigen daran teilnehmen und wenn immer möglich und bei richti­ger innerer Disposition auch kom­munizieren. Oder anders ausge­drückt: wo ein Gläubiger eine Meß­feier für gültig hält, kann und soll er, sofern er die Gelegenheit dazu hat, an ihr teilnehmen und kom­munizieren. Mängel im Äußerlichen dürfen uns nicht (generell) davon abhalten, uns Jesus Christus sakra­mental zu nahen.

Ist aber die Handkommunion nicht (an sich) Sünde?

Nun erhielt ich da kürzlich ein Flugblatt einer Stelle in Heidelberg, die sich „Sanctus — Eucharistische Bewegung zur Verherrlichung Got­tes“ nennt. Dieses Flugblatt hat fol­genden Wortlaut (ich zitiere zur Gänze):

„Jesus Christus ist im erhabenen Sa­krament der heiligsten Eucharistie nach der Konsekration von Brot und Wein „als wahrer Gott und Mensch wahrhaft, wirk­lich und wesentlich unter der Gestalt jener sichtbaren Dinge gegenwärtig“ (Dogma).

Deshalb sind die Gläubigen „zu größ­ter Wertschätzung der heiligsten Eucha­ristie gehalten“ und müssen sie „mit höchster Anbetung verehren“ (Can. 898 CIC).

Dieses Gebot wird durch die seit 1969 in bestimmten Ländern neben der Mund­kommunion praktizierte Handkommuni­on schwer verletzt:

  1. Handkommunion ist sakrile­gisch, weil die ungeweihten Hände von Laien zum Ergreifen des Allerheiligsten nicht befugt sind. Das betont bereits Thomas v. Aquin, ein Heiliger und Kir­chenlehrer (Summa theologica III, 82, 3). Die neue Form des Kommunionempfangs widerspricht der gesamten Tradition der Kirche, nach der das aktive Zupacken mit den Händen, das ein Symbol der Macht ist, grundsätzlich nur Geweihten kraft ihrer durch das Weihesakrament empfangenen Vollmacht gestattet war.
  2. Handkommunion ist frevlerisch, weil bei ihr Hostienteilchen verunehrt werden, wenn man durch den unnötigen Kontakt mit den Händen des Kommuni­kanten Partikel erzeugt, zu Boden fallen läßt und zertritt. Da nach der Wandlung „der ganzen Brotsubstanz“ nichts mehr an Brot zurückbleibt, ist in jedem sich von der hl. Hostie lösenden Teilchen der ganze Christus gegenwärtig (Dogma). ­“Wer die eucharistischen Gestalten wegwirft … zieht sich die dem Apostoli­schen Stuhl vorbehaltene Exkommuni­kation als Tatstrafe zu“ (Can. 1367 CIC). Ebenso sind „Mittäter“ (Can. 1329 CIC) exkommuniziert.
  3. Handkommunion ist unverant­wortlich, weil sie das Beiseiteschaffen konsekrierter Hostien für satanische Praktiken viel zu leicht macht, zu Miß­bräuchen durch Kinder anregt und die letzte Hürde beseitigt, die bisher verhin­derte, daß man bei Messen anläßlich von Trauungen, Jubiläen, Beerdigungen usw. „im Kollektiv“ kommuniziert und sich das Gericht ißt (1 Kor 11,29).
  4. Handkommunion ist illegitim, weil sie in Sünde geboren wurde und schon deshalb nicht Gottes Willen ent­sprechen kann. Sie wurde zuerst im Ungehorsam „ohne vorherige Zustim­mung des Apostolischen Stuhles“ prakti­ziert.
  5. Handkommunion ist illegal, weil sie geduldet wird, obwohl Papst Paul VI. hierfür praktisch unerfüllbare Voraus­setzungen aufstellte (in: „Memoriale Domini„), um die man sich nicht küm­mert. Statt dessen verfolgt man Priester, die das Unrecht nicht mitmachen und Handkommunion verweigern.
  6. Handkommunion ist diabolisch, weil sie Spaltung, Unfriede und Zwie­tracht in der Kirche verursacht. Zwei verschiedene Kommunionriten in einer Gottesdienstgemeinde sind untragbar und in der Kirchengeschichte ohne Bei­spiel.
  7. Handkommunion ist anthropo­zentrisch, weil sie den Menschen mit seinen Wünschen in den Mittelpunkt stellt und nicht Gott. Heute bestimmen Laien, wie sie das Sakrament von Diako­nen, Priestern, Bischöfen und selbst vom Papst gespendet haben wollen. Die Her­de führt die Hirten.
  8. Handkommunion ist protestan­tisch, weil bei den Evangelischen alle zugreifen dürfen. Sie nehmen jedoch nicht den Leib Christi in die Hände, sondern nur Brot, weil sie mangels Weihesakra­ment keine Priester besitzen, die eine Konsekration vollziehen könnten. Ihre meist verheirateten „Bischöfe“ und Pa­storen stehen nicht in apostolischer Sukzession und sind nach eigenem Selbst­verständnis keine Geweihten, sondern vom Volk als Gemeindevorsteher gewähl­te Laien.
  9. Handkommunion ist häretisch, weil sie den Glauben an die Realpräsenz Gottes nicht bezeugt. Das zeigt sich be­sonders deutlich, wenn nicht kniend, sondern stehend kommuniziert und so­gar eine Kniebeuge vor dem Kommuni­onempfang unterlassen wird.
  10. Handkommunion ist apokalyp­tisch, weil es einen endzeitlichen „Greu­el der Verwüstung an heiliger Stätte“ (Mt 24,15) darstellt, „wie wir die heiligen Sakramente mit Füßen treten und die Strafe Gottes verachten, die immer nä­her kommt … Die Muttergottes hat aus­drücklich gesagt: ‚Wir nähern uns den letzten Tagen‘. Und sie hat es mir drei­mal wiederholt“ (Schwester Lucia, Fati­ma).

Zu diesen 10 Punkten möchte ich nun einiges sagen.

Ich glaube, wir sind uns alle einig: die Handkommunion hätte nicht  eingeführt werden sollen, ebensowe­nig wie die ganze (radikale) Litur­giereform. Wir haben nicht nach Reformen gerufen. Uns waren die alten, ehrwürdigen Riten mehr als nur recht. Uns waren sie heilig! Und für uns bleiben sie es. Und die neuen Riten sind für uns ebenso min­derwertig wie etwa die modernen Kirchenbauten im Vergleich zu den alten, ehrwürdigen Kathedralen und Dorfkirchen und Kapellen. Diejeni­gen, die die Handkommunion sozu­sagen ertrotzt haben und diejenigen, die diesem Drängen und Fordern und Vor-vollendete-Tatsachen-stellen nachgegeben haben, die Päpste und Bischöfe nämlich, sind (objektiv) die Schuldigen, daß wir heute dieses Debakel haben. Sie werden dafür Gott Rechenschaft abzulegen haben. Aber das Kirchenvolk läßt sich führen (und leider massenhaft auch verführen) von seinen Hirten. Daß die Hand­kommunion (in unserer Zeit, nach jahrhundertelanger Praxis der Mundkommunion) eingeführt wur­de, ist etwas Übles, je nachdem für die Verantwortlichen auch etwas (schwer) Sündhaftes. Aber einmal eingeführt, d.h. von höchster Stelle approbiert und angeordnet, kann sie für den einzelnen Gläubigen an sich nicht (mehr) sündhaft sein! Wenn man nur will, kann man nämlich „die Kommunion“, also unseren mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, mit Menschheit und Gottheit (un­sichtbar, aber wirklich) anwesenden Heiland, auch ehrfürchtig und „mit größter Wertschätzung“ und „mit höchster Anbetung“ (sakramental) in die Hand und sogar stehenderweise („in Prozession hinzutretend“) emp­fangen. Allerdings erfordert dies eben mehr Innerlichkeit. Die im Äußern abgehende Ehrfurcht und Wertschät­zung und Anbetung muß dann im Innern erbracht werden. Die innere, geistige Haltung ist aber auch die wesentliche. („Alle Herrlichkeit ist innerlich“!) Gewiß, wenn die innere Haltung eine solche der Ehrfurcht und Anbetung ist, dann drängt sie den betreffenden Menschen auch zu einer Veräußerlichung, „Materiali­sierung“ dieser unsichtbaren, inne­ren, geistigen Haltung. Wird diese Veräußerlichung aber durch die Umstände gehemmt oder verhindert, dann wird der „Anbeter im Geist und in der Wahrheit“ das, was er äußer­lich nicht tun kann, umso mehr in­nerlich tun!

Darum ist es falsch zu sagen: „Die Handkommunion (als solche, also jede Handkommunion) ist sakrile­gisch“. Ein „sacrilegium“ besagt eine unberechtigte, daher sündhafte Entweihung oder Verunehrung (vio­latio) gottgeweihter Sachen, Perso­nen oder Orte, wodurch sie sündhaft dem Dienste Gottes entzogen, Gott gleichsam geraubt werden. Ein Real-Sakrileg begeht, wer Sakramente, Sakramentalien, Heiligenreliquien oder -bilder, Worte der Hl. Schrift, geweihte Gefäße oder Gewänder, kirchlichen Besitz stiehlt bzw. raubt, mißbraucht oder böswillig zu profa­nen Zwecken verwendet. (Verglei­che dazu das Beispiel des nachfolgend geschilderten Hostien­raubes von Lungern/Schweiz!) Und vor allem erscheint die bewußte unwürdige Kommunion als Gottes­raub! Daß die Hände der Laien im Unterschied zu jenen der Priester „ungeweiht“ sind, ist kein theologi­scher Grund, daß sie den Leib des Herrn (ohne ein Sakrileg zu bege­hen) nicht berühren dürften. Auch die Zunge ist „ungeweiht“. Wenn der hl. Thomas von Aquin zu seiner Zeit (†1274) betonte, „daß die ungeweih­ten Hände von Laien zum Ergreifen des Allerheiligsten nicht befugt“ sei­en, so weil damals die kirchlichen Vorschriften die Handkommunion nicht (mehr) vorsahen. Und es ist nicht wahr, daß die Handkommuni­on „der gesamten Tradition der Kir­che widerspricht“. In dem auch für einen Traditionalisten unverdächti­gen „Lexikon für Theologie und Kir­che“ von 1934 steht folgendes unter dem Stichwort „Kommunion“: „… früher empfingen die Laien, in man­chen Gegenden auch die Frauen, die Kommunion ebenfalls am Altar kniend (noch im 6. Jahrh. stehend). Bis zum 9. Jahrh. erhielt der Emp­fänger die Brotsgestalt in die (in Gallien bei Frauen wenigstens seit dem 6. Jahrh. mit einem Tüchlein umwickelte) rechte Hand und führte sie selbst zum Mund. Das hl. Blut genoß man anfangs unmittelbar aus dem Kelch; seit dem 8. Jahrh. bis zum Aufhören der Kommunion unter beiden Gestalten (in den Zist.-Klö­stern teilweise bis ins 18. Jahrh.; beim päpstl. Amt noch heute) mittelst der Fistula.“

Die Handkommunion kann an sich  aber auch nicht „Frevel“ sein. Denn Frevel besagt Vermessenheit, Ver­wegenheit. Und „freveln“ heißt auch „gewalttätig sein“. Wer wollte be­haupten, daß ein jeder, der die Hand­kommunion (und schon gar unfrei­willig) praktiziert, vermessen, ver­wegen und gewalttätig sei? Gerade ein solcher wäre ein Frevler! Es ist klar, daß bei der Handkommunion mehr Hostienteilchen „abfallen“ (können), als bei der Mundkomm­union. Aber wenn dies nicht durch mutwillige Nachlässigkeit geschieht, kann man dieses Abfallen von klein­sten Teilchen doch nicht als ein „Weg­werfen eucharistischer Gestalten“ oder als „Verunehrung“ bezeichnen! Es stimmt allerdings, daß in jedem (sichtbaren, faßbaren, sumierbaren) Teilchen der konsekrierten Hostie(n) der ganze Christus gegenwärtig ist. Und darum ist mit höchster Sorgfalt mit diesen heiligen Gestalten umzu­gehen. Aber die Handkommunion kann so praktiziert werden (und muß es nach Vorschrift auch!), daß dieses erhöhte Risiko der Verunehrung von Hostienpartikeln minim bleibt.

Zu Punkt 3 ist anzumerken, daß die erwähnten satanischen Prakti­ken und die Mißbräuche durch Kin­der und Erwachsene selbstverständ­lich auch schon bei der Mundkomm­union möglich waren. Sicher fällt es jetzt einem Gottesräuber bei der Praxis der Handkommunion (noch) leichter, sein (diabolisches) Ziel zu erreichen. Aber das liegt weniger an der Handkommunion als solcher, als an der Kommunionspendung über­haupt, dem Umstand zwar, daß heutzutage (und schon vor dem Konzil!) ein jeder, auch ohne Beichte, auch ohne daß der Priester ihn (nur schon im entferntesten) kennt, je­derzeit kommunizieren kann!

Zu Punkt 4: Auch wenn etwas zuerst illegitim praktiziert wird, ist eine nachmalige Legitimierung je­derzeit möglich. Die Kirchenleitung hat das Recht, die Praxis der Hand­kommunion gutzuheißen, auch wenn sie sie früher nicht (mehr) dulden und nicht erneut einführen wollte. Aber klug und weise war es bestimmt nicht, sie bei der heute herrschenden Mentalität wieder einzuführen!

Zu Punkt 5: Die Handkommunion ist heute nicht mehr illegal. Sowohl Paul VI. wie auch Johannes Paul II. und die Bischöfe in ihren Diözesen haben sie ausdrücklich legalisiert! Auch das ist ihr gutes Recht. Aber sie haben kein Recht, die bisher prakti­zierte Form der Mundkommunion zu verbieten oder auch nur schon zu verdrängen! Sie hätten sorgfältigst Vorkehren treffen müssen, daß jene, die kniend und auf die Zunge kom­munizieren wollen, dies auch jeder­zeit würdig und ungestört und un­beargwöhnt tun können! Die Kom­munionbänke hätten nicht beseitigt werden dürfen!

Zu Punkt 6: Nicht die Handkom­munion als solche ist diabolisch, sondern die Einführung derselben, da, wo man sie gar nicht begehrt, sondern sogar ausdrücklich abge­lehnt hatte, die Erzwingung dersel­ben bei all jenen, die sich in ihrer Frömmigkeit verletzt fühlen (muß­ten)!

Zu Punkt 7: Die Herde führt (zwangsläufig) die Hirten, weil die Hirten keine Hirten mehr sind. Heute bestimmen Laien, weil Päpste, Bi­schöfe, Pfarrer (oft und in vielem) nicht mehr bestimmen wollen. Die Handkommunion ist aber nicht von der Herde gewünscht, erzwungen und bestimmt worden, sondern von (den) Hirten, die nur noch Gemeinde-„Vorsteher“ sind.

Zu Punkt 8: Die Handkommunion ist auch nicht protestantisch. Denn die Protestanten kommunizieren nicht. Und die Handkommunion gab es schon, bevor es überhaupt Prote­stanten gab. Und wenn heute ein normaler, durchschnittlicher katho­lischer Christ zur Kommunion geht, dann glaubt er (immer noch) an das Geheimnis, daß in der Hostie, die er empfängt, sein Herr und Heiland gegenwärtig ist mit Leib und Seele, mit Menschheit und Gottheit!

Zu Punkt 9: Die Handkommunion kann auch nicht als häretisch be­zeichnet werden. Denn das Kom­munizieren in einem katholischen  Gottesdienst an sich bezeugt (u.a.) auch (schon) den Glauben an die Realpräsenz Gottes.

Und schließlich, 10., ist die Hand­kommunion auch nicht apokalyp­tisch. Das Kommunizieren auf die Hand kann doch ums Himmels wil­len nicht als „Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte“ bezeichnet wer­den. Sonst hätte dieser ja schon in den ersten Jahrhunderten der Chri­stenheit stattgefunden! „Apokalyp­tisch“ ist aber (eher) diese heillose Verwirrung selbst der Besten. Die Guten und Besten selbst wissen nicht mehr ein und aus. Ja sie bekämpfen, zerfleischen sich gegenseitig oft aufs wüsteste! Der Greuel der Verwüstung herrscht zur Zeit, vor allem seit dem II. Vatikanischen Konzil, in der hei­ligen Kirche Gottes!

Wenn aber dieses Flugblatt recht hätte, dann wären 95% aller Katho­liken heute „Gottesräuber“, „Frev­ler“, „Häretiker“ und „Schänder“! Sie wären alle ipso facto exkommuni­ziert!

Mit solch extremen, super-übertrie­benen Verallgemeinerungen und Pauschal-Aburteilungen darf man das Böse nicht bekämpfen. Das ist im höchsten Maße kontraproduktiv! Der Verfasser dieses Flugblattes wollte gewiß etwas Gutes tun. Aber so kann man die Mundkommunion nicht verteidigen und die Handkommuni­on nicht verurteilen und bekämpfen.

Ich wiederhole: ich persönlich bin absolut für die Mundkommunion. Ich ziehe diese Art des Kommunionemp­fanges der Handkommunion himmel­weit vor. Aber dazu ist eine Verteufe­lung der neuen Praxis der Hand­kommunion nicht nötig. Ebenso zie­he ich die tridentinische Messe der Eucharistiefeier nach dem NOM himmelhoch vor. Aber ebensowenig brauche ich dazu diesen NOM für häretisch, für gotteslästerlich, für ungültig zu erklären. Ich weiß, es gibt die „konsequentesten“ aller Traditionalisten, die Sedisvakantisten. Da schreibt z.B. ein Pfarrer Oswald Baker:

„Für den wahren Katholiken sind gewiß einige Tatsachen nicht mehr zu leugnen, besonders jetzt, mit dem Vorteil der Rück­schau. Es ist von seinen Dokumenten und seinen Nachwirkungen her klar, daß das II. Vatikanum eine satanische Machen­schaft war, um die katholische Kirche zu zerstören. Dasselbe gilt von der Politik Pauls VI. Wir haben schon vom Umsturz katholischer Lehren durch das II. Vati­kanum gesprochen, z.B. Religionsfreiheit, Häresie, gemeinsame ‚Gottesdienste‘ und von der ’neuen Messe‘ Pauls VI. als einem  teuflischen, gotteslästerlichen Ersatz für die wahre Messe. Wir haben dargelegt, daß die Teilnahme an der ’neuen Messe‘ objektiv schwer sündhaft ist. Objektiv heißt: in sich selbst. Diejenigen, die an der neuen Messe guten Glaubens teilnehmen, (weil sie möglicherweise dazu von einem sog. ‚guten‘ Priester à la Ecône noch auf­gefordert worden sind,) sündigen nicht (oder nicht schwer, Anm. d. Red.). Wer jedoch an der neuen ‚Messe‘ teilgenom­men hat und bei einer anderen Gelegen­heit in eine tridentinische Messe geht, darf dort nicht zur Kommunion gehen. Katholiken dürfen keine Verbindung mit der konziliaren ‚Kirche‘ haben. Das Ziel des II. Vatikanums und Pauls VI. war die Zerstörung des katholischen Glaubens.“ („Einsicht“, August 1982, S. 65)

Solche Sedisvakantisten könnten die Verfasser dieses Flugblattes „Handkommunion ist Sünde“ sein? Wohl kaum! Denn für sie gibt es das Problem Hand- oder Mundkommuni­on gar nicht! Für sie ist ja die Messe, im Rahmen derer ja nur die Hand­kommunion gespendet wird, näm­lich die „NOM-Messe“, satanisch, got­teslästerlich und die Teilnahme daran schwer sündhaft! Ja Katholi­ken dürfen, nach ihnen, gar keine  Verbindung haben mit der konzilia­ren Kirche, sprich: mit Papst, Bi­schöfen und Amtskirchengeistlichen und mit den Gläubigen, die sich zu ihnen bekennen!!! Also stammt die­ses Flugblatt vermutlich eher von einem Nicht- Sedisvakantisten. Aber die gute Seele müßte sich bewußt werden, daß sie mit einer solchen Überzeugung auf dem direktesten Weg in den (extremen) Sedisvakan­tismus ist. Wenn ich das, was auf diesem Flugblatt geschrieben steht, für wahr hielte, gäbe es für mich jedenfalls kein Zögern mehr. Ich würde mich gleich auf die Seite der­jenigen schlagen, die sagen, daß der Papst nur ein Scheinpapst ist und daß die neue Messe ungültig und ein gotteslästerliches Plagiat ist, etc. etc. Denn ein wahrer Papst kann unmög­lich etwas Sakrilegisches, Frevleri­sches, Diabolisches, Häretisches vorschreiben oder nur schon (offi­ziell) dulden!

Seien wir also vorsichtig. Hüten wir uns vor Übertreibungen. Bleiben wir bei unseren heiligen Überzeu­gungen, bei unseren heiligen Riten und Praktiken. Pflegen und fördern wir sie, wo wir nur können! Aber verurteilen wir nicht, was wir in seinem Wesen nicht erkennen und erfassen (können). Wir haben ein sozusagen gottverbrieftes Recht auf die Mundkommunion. Wir dürfen uns, ohne uns zu versün­digen, dem Diktat der Hand­kommunion widersetzen. Aber wir haben kein Recht, das Min­dere, das Unvollkommene(re) zu verteufeln.

MERKSATZ: Die Handkommunion ist (an sich) nicht Sünde und nicht  sündhaft. Die Mundkommunion ist aber das Vollkommenere. Und für GOTT ist nur das Vollkommenere, das Bessere, das Bestmögliche gut genug! Darum sind wir gegen die Handkommunion. Darum entschied sich die Kirchenführung vor langer Zeit für die Mundkommunion.

Einverstanden bin ich hingegen mit der Argumentation und der Vorge­hensweise von P. Fridolin Außersdor­fer, OFM. Er schreibt zum Beispiel: „Nach verschiedenen Verlautbarun­gen ist es heute in bestimmten Län­dern (inzwischen praktisch in allen! Anm. d. Red.) jedem Christgläubi­gen möglich gemacht, die hl. Komm­union so zu empfangen, „wie er es persönlich vor seinem Gewissen ver­antworten kann“. — Es sei auch, sagt man, belanglos, in welcher Form das geschieht. Haben Sie, bitte, die Güte, in Ruhe zu überlegen, welche Ver­antwortung heute da auch auf dem Empfänger lastet! Bedenken Sie, bitte: Wer den hochheiligen Leib des Herrn auf seine Hand verlangt, der hilft mit, wird also mitschuldig: daß das Heiligste, was die katholische Kirche hat, immer mehr profaniert wird. Es ist ein allgemein gültiges, durch Erfahrung tausendmal bestätigtes Gesetz: Was jeder mit Händen und Fingern anfassen kann, verliert an Wertschätzung. Darum wurde und wird bei allen Religionen, was dort heiliggehalten werden soll, dem Zugriff der Masse entzogen. Nun hat die katholische Kirche „nichts Grö­ßeres, nichts Erhabeneres, nichts Wundervolleres, nichts Heiligeres als das Sakrament der heiligen Eucha­ristie. Denn in ihm ist enthalten die Quelle und der Urheber aller Heilig­keit: Christus, der Herr.“ Je mehr also heute Kommunikanten da „ihre Finger dran und drinnen haben können“, umso mehr wird das Heilig­ste in der Einschätzung des Men­schen nur mehr zu einer gewöhnli­chen Speise. Wer aber „den Leib des Herrn von gewöhnlicher Speise nicht unterscheidet, der ißt und trinkt sich das Gericht!“ (1 Kor. 11,29)

Im Jahre 1516 hat in Rüdinghau­sen ein Priester auf dem Verseh­gang über ein Feld eine hl. Wegzeh­rung verloren und nicht mehr finden können. Eine Schafherde, die darauf über die Wiese weidete, ging vollzäh­lig in die Knie und erst nach Herbei­holung eines Priesters, der die hl. Hostie verwahrte, konnte die Schaf­herde wieder auf die Beine gebracht werden!

Das Deckengemälde in der Kirche in Gottau in Ostpreußen zeigt ein Och­sengespann auf den Knien vor einer verlorengegangenen hl. Hostie. Auch hier mußte der Ortspfarrer herbei­geholt werden, um die hl. Hostie zu retten und um dem Ochsengspann das Weiterpflügen zu ermöglichen! Es ist auch eine bekannte Tatsache, daß der Bürgermeister von Padua nicht an die Realpräsenz der heili­gen Eucharistie glaubte und den hl. Antonius „mit seinem Brot“ verspot­tete. Der Aufforderung des Heiligen, mit dem Esel zu kommen, folgte das Stadtoberhaupt, indem er seinem Esel drei Tage lang kein Futter gab. Als der Esel, geführt von seinem Herrn, am Platze erschien, fiel auch der Esel, trotz des ihm vorgeworfe­nen Heues, vor dem von Antonius getragenen Allerheiligsten auf die Knie nieder und gab somit dem höch­sten Gut die Reverenz, die heute von so vielen, die sich Katholiken nen­nen, nicht mehr gezollt wird.

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Der Hostienraub von Lungern

Obwohl die Sakramentswald-Kapelle auf dem Gemeindegebiet von Giswil steht, ist sie doch mit der Geschichte der Pfarrei Lungern (Kanton Obwalden, Schweiz) eng verknüpft. Ihre Entstehung geht auf einen Kirchenraub in der alten Pfarrkirche Lun­gern zurück, deren Standort sich am Nord­eingang des Dorfes befand, wo heute noch der alte Turm steht.

Aus zuverlässigen Quellen zuschließen, dürfte sich der Kirchenraub im Jahre 1492 ereignet haben. Drei Männer schlichen sich nachts in die Pfarrkirche ein und erbrachen das Sakramentshäuschen, aus dem sie die kostbaren Gefäße mit den heiligen Hostien entwendeten. Hierauf flohen sie in das Waldgebiet ob der Alp Emmeti und schütteten dort, wo heute die Kapelle steht, die konsekrierten Hostien aus und setzten dann ihre Flucht fort ins Alpgebiet am Fuße des Giswilerstockes. Am „Fräkmünt“ konnte einer der Übeltäter gefaßt werden. (NB. Mit „Fräkmünt“ ist nicht die gleichnamige Alp am Pilatus gemeint. „Fräkmünt“ ist ein alter Name für den Giswilerstock.)

Der gefaßte Räuber gestand die Untat und mußte den Ort aufzeigen, wo sich die heiligen Hostien im Wald befanden. Für sein Verbrechen endete er am Galgen.

Prozessionsweise zog dann das Lunge­rervolk mit seinem Pfarrer zum aufge­zeigten Ort. Die Hostien wurden aufgeho­ben und in die Lungerer Pfarrkirche zu­rückgebracht. Dort, wo sie ausgeschüttet worden waren, sprudelte eine kristallkla­re Quelle, die bis heute nicht versiegte.

Am 25. August 1522 erteilte Nuntius Philonardi die Erlaubnis, über der Quelle eine Kapelle zu errichten als Sühneakt für das geschehene Verbrechen und zur fort­währenden Verehrung des allerheiligsten Altarsakramentes. Der Kanton Obwalden half mit, den Bau zu finanzieren. Im Jahre 1629 erlaubte der Bischof von Konstanz dem Pfarrer von Giswil, monatlich in der Sakramentskapelle die heilige Messe zu feiern, da viele Stiftungen errichtet wur­den.

Vom alten Altar von ca. 1522 haben sich noch zwei Flügel im Historischen Museum von Sarnen erhalten, welche den Einbruch in die Kirche Lungern, die Einkerkerung des einen Räubers, dessen Verhör und Hinrichtung darstellen. In der heutigen Kapelle findet sich ein von Franz Joseph Weyss 1789 gemaltes Altar­bild mit dem Allerheiligsten, das von St. Katharina von Alexandrien (Patronin der alten Pfarrkirche), Antonius von Padua und Bruder Klaus verehrt wird. Neben dem Altar befinden sich zahlreiche Votiv­tafelchen, die von wunderbaren Heilun­gen und Erhörungen berichten. An der Rückwand erzählen die vom gleichen Maler 1789 geschaffenen Tafeln in acht Szenen die Entstehungsgeschichte der Kapelle. In späterer Zeit wurde an der Westseite eine kleine Sakristei angebaut, worin sich auch ein Beichtstuhl befindet. In einem kellerartigen Raum unter der Kapelle sprudelt die Quelle hervor. Von hier nehmen die Leute Wasser gegen Krankheit von Mensch und Vieh mit sich nach Hause.

In den Jahren 1985/86 hat die Kirchge­meinde von Giswil die Kapelle einer Ge­samtrenovation unterzogen, so daß sie in ihrer alten Schönheit wieder hergestellt ist.

Beim Kath. Pfarramt, CH-6078 Lungern, ist ein 1988 herausgegebenes Broschür­chen mit dem Titel „Die Kapelle im Sakra­mentswald“ erhältlich. Bitte dort bestellen.