PREDIGT VON PAPST FRANZISKUS ZUM HOCHFEST DER GOTTESMUTTER MARIA

Die erste Lesung hat uns das alte Segensgebet vorgestellt, das Gott dem Mose eingegeben hatte, damit er es Aaron und seinen Söhnen beibringe: »Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil« (Num 6,24-25). Es ist ganz besonders bedeutsam, diese Segensworte zu Beginn eines neuen Jahres wieder zu hören: Sie werden unseren Weg durch die Zeit, die sich vor uns auftut, begleiten. Es sind Worte der Kraft, des Mutes und der Hoffnung – nicht einer illusorischen Hoffnung, die sich auf zerbrechliche menschliche Versprechen gründet, und auch nicht einer einfältigen Hoffnung, die sich die Zukunft besser vorstellt, einfach weil sie Zukunft ist. Diese Hoffnung hat ihren Grund genau im Segen Gottes, einem Segen, der den bedeutendsten Wunsch enthält, den Wunsch der Kirche für jeden von uns, die Fülle des liebevollen Schutzes des Herrn und seiner vorsehenden Hilfe.

Der in diesem Segen enthaltene Wunsch hat sich vollkommen verwirklicht in einer Frau, in Maria, da sie dazu bestimmt war, die Mutter Gottes zu werden, und er hat sich in ihr früher als in jedem anderen Geschöpf verwirklicht.

Mutter Gottes! Das ist der wichtigste und wesentlichste Titel Marias. Es geht um eine Eigenschaft, um eine Rolle, die der Glaube des christlichen Volkes in seiner liebevollen und lauteren Frömmigkeit zur himmlischen Mutter von jeher wahrgenommen hat.

Denken wir an jenen großen Moment in der Geschichte der alten Kirche, an das Konzil von Ephesus, in dem die Gottesmutterschaft der Jungfrau Maria maßgebend definiert wurde. Die Wahrheit der Gottesmutterschaft Marias fand einen Widerhall in Rom, wo wenig später die Basilika Santa Maria Maggiore erbaut wurde, das erste marianische Heiligtum Roms und des gesamten Westens, in dem das Bild der Gottesmutter – der Theotokos – unter dem Titel Salus Populi Romani [Heil des römischen Volkes] verehrt wird. Es wird erzählt, dass die Bewohner von Ephesus sich während des Konzils an den Seiten des Portals der Basilika, in der sich die Bischöfe versammelten, zusammenfanden und »Mutter Gottes!« riefen. Indem die Gläubigen die offizielle Definition dieses Titels der Jungfrau Maria forderten, zeigten sie, dass sie ihre Gottesmutterschaft anerkannten. Es ist das spontane und ehrliche Verhalten der Kinder, die ihre Mutter gut kennen, weil sie sie mit unermesslicher Zärtlichkeit lieben. Es ist aber mehr: Es ist der sensus fidei des heiligen gläubigen Gottesvolkes, das sich niemals, in seiner Einheit niemals irrt.

Maria ist von jeher im Herzen, in der Frömmigkeit und vor allem im Glaubensweg des christlichen Volkes gegenwärtig. »Die Kirche schreitet in der Zeit voran … aber auf dieser Pilgerschaft … geht sie denselben Weg, den auch die Jungfrau Maria zurückgelegt hat« (Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris Mater, 2). Unser Glaubensweg ist der gleiche wie der von Maria, darum spüren wir, dass sie uns besonders nahe ist! In Bezug auf den Glauben, den Angelpunkt des christlichen Lebens, hat die Gottesmutter unsere Lage geteilt, hat sie dieselben, manchmal schwierigen und dunklen Wege gehen müssen wie wir, hat sie voranschreiten müssen auf dem »Pilgerweg des Glaubens« (Zweites Vatikanisches Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 58).

Unser Glaubensweg ist unlöslich mit dem Marias verbunden, seit der sterbende Jesus sie uns vom Kreuz herab zur Mutter gegeben hat mit den Worten: »Siehe, deine Mutter!« (Joh 19,27). Diese Worte haben die Bedeutung eines Testamentes und geben der Welt eine Mutter. Von jenem Augenblick an ist die Mutter Gottes auch unsere Mutter geworden! In der Stunde, in der der Glaube der Jünger durch viele Schwierigkeiten und Unsicherheiten brüchig wurde, vertraute Jesus sie derjenigen an, die die Erste war, die geglaubt hatte und deren Glaube niemals nachlassen sollte. Und die „Frau“ wird unsere Mutter in dem Moment, in dem sie ihren göttlichen Sohn verliert. Ihr verwundetes Herz weitet sich, um allen Menschen, guten und bösen, allen Raum zu geben, und liebt sie, wie Jesus sie geliebt hatte. Die Frau, die bei der Hochzeit von Kana in Galiläa ihre Mitwirkung im Glauben zur Offenbarung der Wunder Gottes in der Welt gegeben hatte, hält auf dem Kalvarienberg die Flamme des Glaubens an die Auferstehung ihres Sohnes brennend und vermittelt mit mütterlicher Liebe diesen Glauben den anderen. So wird Maria zur Quelle von Hoffnung und wahrer Freude!

Die Mutter des Erlösers geht uns voran und bestärkt uns ständig im Glauben, in der Berufung und in der Mission. Mit ihrem Beispiel der Demut und der Bereitschaft gegenüber dem Willen Gottes hilft sie uns, unseren Glauben umzusetzen in eine frohe und grenzenlose Verkündigung des Evangeliums. So wird unsere Mission fruchtbar sein, weil sie nach dem Vorbild der Mütterlichkeit Marias gebildet ist. Ihr vertrauen wir unseren Glaubensweg, unsere Herzenswünsche, unsere Nöte und die Bedürfnisse der ganzen Welt an, besonders den Hunger und den Durst nach Gerechtigkeit und Frieden und nach Gott. Und alle gemeinsam rufen wir sie an, und ich lade euch ein, sie dreimal anzurufen, indem wir die Brüder und Schwestern von Ephesus nachahmen und zu ihr „Mutter Gottes“ sagen. – Mutter Gottes! Mutter Gottes! Mutter Gottes! Amen.

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HEILIGE MESSE AM HOCHFEST DER GOTTESMUTTER MARIA  – XLVII. WELTFRIEDENSTAG
PREDIGT VON PAPST FRANZISKUS, Petersdom, Mittwoch, 1. Januar 2014

UNSERE LIEBE FRAU IN SPANISCH-AMERIKA

Nuestra Señora de Guadalupe

Nuestra Señora de Guadalupe (Mexico)

In seinem Spezialwerk über die Marienverehrung in Spanisch-Amerika: „Santa Maria en Indias“ (Amerika) bemerkt P. C. Bayle SJ. , daß das am meisten Cha­rakteristische für die spanische Eroberung, Kolonisation und Mis­sionierung in Westindien, Mittel-und Südamerika und auf den Phil­ippinen die Vehrung der Santa Virgen, der Immaculata und Got­tesmutter war. Ihren Einzug nahm die Marienverehrung sogleich mit dem großen Entdecker Christoph Kolumbus. Er hätte nicht der from­me und tiefgläubige Genuese sein müssen, wenn es nicht so wäre. Sein ganzes Leben stand sozusa­gen unter der Führung und dem Schutze der Stella Maris: Maria Meeresstern! Als er i.J. 1484 mit seinen atlantischen Plänen vom königlichen Hofe Johanns II von Lissabon zurückgewiesen wurde, war sein erster Gang zu U.L. Frau de la Rabida bei den Franziskanern bei Palos. Hier fand er Trost, Kraft und Hilfe. Im Heiligtum U.L. Frau de Guadalupe (Estremadura) un­terzeichnete Königin Isabella das Dekret, das dem Entdecker Ameri­kas zwei Karavellen im Hafen von Palos überwies. Die letzte Nacht brachte er im Gebete zu und emp­fing morgens mit seinen Mannschaf­ten Beicht und Kommunion, den Segen vom Opferaltar und die Me­daille U.L. Frau. Sein Flaggenschiff wurde um getauft von „Marigalante“ in „Santa Maria“. Die Fahnen des gekreuzigten Erlösers und der Santa Maria Imacolada werden ge­hißt. Während unter Tränen die Mannschaften ihr letztes Salve Re­gina singen und das Ave-Maria be­ten, schreibt der Admiral dreimal an den Kopf seines Tagebuches „Je­sus cum maria sit nobis in via!“ Jesus und Maria mögen uns beglei­ten auf allen Wegen! Es war am Vigiltage des großen Marienfestes Salus Populi, von Roms Santa Ma­ria Maggiore, als man in See stach. Die Fahrt war lang; man sang früh und spät alte spanische Marien­lieder, betete vor der Madonna im vorderen Steven die Kleinen Tag­zeiten der Muttergottes oder den Rosenkranz. Endlich, am 11. Okto­ber, kam Land in Sicht, und am hohen spanischen National-Mari­enfeste N.S. del Pilar donnerten die Kanonen vom Bord den ersten Gruß über den neu entdeckten ame­rikanischen Erdteil. Es war selbst­redend, daß die erste Insel (der Bahamasgruppe) den Namen des Erlösers erhielt, aber dann die zwei­te den der „Santa Maria, Immacu­lada Concepción“ und die dritte den der spanischen Majestäten. In den drei Monaten Aufenthaltes er­hielt noch manche Insel, Meeres­bucht usw. die Benennung nach Maria, so der Meerbusen von Kuba „Lago de N.S., Liebfrauensee“, ein Kap auf Haiti: Cabo de Estella del Mar. In den Aufenthalt in Westindi­en fiel auch die Adventszeit. Es wurde darum mit großer Freude die Novene der hl. Brigitta ge­halten, wie es in Spanien üblich war. Auf der Rückfahrt lehrte Ko­lumbus persönlich die mitgenom­menen Indianer das Ave-Maria. Als dann im Februar 1493 ein furchtba­rer Sturm Schiff und Mannschaft in den Grund zu werfen drohte, taten sie alle das Gelübde, daß einer von ihnen nach glücklicher Heimfahrt eine fünfpfündige Kerze nach Santa Maria de Guadalupe bringen soll­te. Das Los traf den Admiral selbst, der es auch einlöste. Ein zweiter sollte zum Dank nach Loreto pil­gern, für den Kolumbus alle Unko­sten bestritt. Bei einem zweiten wütenden Sturm gelobten alle, als Pilger im Bußkleid und in Prozes­sion zum ersten Heiligtum U.L. Frau zu pilgern. Als sie das Gelübde auf den Azoren erfüllten, mußte Maria sie gleich wieder aus der Gefan­genschaft des portugiesischen Gou­verneurs freimachen und ihre Schif­fe zurückbesorgen. Ein dritter ent­setzlicher Sturm begann am 3. März zu wüten und entlockte den Schif­fern das Gelöbdnis, daß nach wirk­licher Rettung einer, den das Los träfe, im Bußkleid zu U.L. Frau nach Cintas á Huelva pilgere. Wie­der traf das Los den Admiral, der es treulich erfüllte. Und alle erklär­ten sich bereit, am ersten Samstag nach der Heimkehr bei Wasser und Brot zu fasten. Das erste Gold Amerikas schickte die fromme Kö­nigin Isabella nach Rom zu U.L. Frau vom Schnee. Die ersten India­ner wurden getauft in Guadalupe bei U.L. Frau – Schon am 25. Sep­tember desselben Jahres 1493 un­ternahm Kolumbus seine zweite Fahrt über den Atlantik. Diesmal hieß sein Schiff „Gratia plena“ d.i. die Gnadenvolle. Viele neu entdeck­ten Orten gab er die Namen be­rühmter spanischer Wallfahrtsor­te: Montserrat, Guadalupe, Maria Rotonda usw. Ebenso hielt er es auf seiner dritten Fahrt 1498 mit Be­zeichnungen wie Assunción, Concepción usw. Vor seiner vierten Fahrt 1502 legte er alle seine Eh­rentitel zu Füßen Mariens in Guadalupe ab. In Ketten gelegt, wurde noch die schmerzensreiche Mutter Gottes sein Trost. Im armen Kleid des Heiligen von Assisi starb er zu Valladolid 1506. Die dortige Kirche U.L. Frau umschloß seine Gebeine, bis sie 1513 in einer Grot­te Santa Maria de las Cuevas im Karthäuserkloster zu Sevilla bei­gesetzt wurden. Unter Karl V. trug man sie feierlich in die prunkvolle Marienkathedrale zu Santo Domin­go auf Española. Der Dom wurde 1673 bei einem Erdbeben zerstört, die Gebeine gingen verloren, wur­den aber später wieder aufgefun­den und 1745 im Dome zu Habana beigesetzt, von wo sie 1899 aber­mals, aber diesmal im Triumpzuge in das prachtvolle Heiligtum der Unbefleckten Empfängnis zu Sevil­la übertragen wurden.

Marianische Spiritualität der Konquistadoren

Christoph Kolumbus leitete nur die schöne Gewohnheit aller spa­nischen Seefahrer, Eroberer und Kolonisatoren bezüglich ihrer Ein­stellung zu Maria ein. Oftmals sind es brutale und von Habsucht, Sinnlickeit und Stolz erfüllte Men­schen, denen man aber keineswegs eine tief im Herzen wurzelnde Ma­rienverehrung absprechen kann, und die sie dann auch durch die Tat beweisen. Vor der großen Fahrt über den Atlantik brachten viele die ganze Nacht in einem Heiligtum U.L. Frau im Gebete zu; man pilgerte zu einem der über hundert berühmten Marienbilder in Sevilla oder nach Guadalupe usw. Es war allgemeine Sitte, für die heiligste Jungfrau im Vorderschiff eine kapellenartige Kajüte mit ihrem Bilde einzurichten, damit Maria überall als erste die neuen Länder­striche in Besitz nehme. Das Bild wurde mit militärischen Ehren vor der Abfahrt ins Schiff gebracht. Vom hohen Mast flatterten die Chri­stus- und Marienfahnen. Auch führ­ten die Konquistadoren selbst in ihren Fahnen und Standarten meist das Muttergottesbild; so der Er­oberer Mexikos H. Cortes, dessen Standarte heute noch erhalten ist; Balboa, der seine Marienstandarte kniend in den von ihm entdeckten Pazifik senkte und ihn für Spanien und Maria in Besitz nahm. So die großen Eroberer von Perú, die Pizarros, von Chile Valdivia, von la Plata Mendoza und Alvaro Nuñez de Cabeza Vaca, die Eroberer von Flora Menendez 1580 und Mendoza 1680, Juan de Oñate von Neu-Mexi­ko, Thomas de Torre von Sonora usw., nicht zu vergessen die als besonders brutale Konquistadoren bekannten Pedrarias Davila, Nuño de Guzman und Carvajal. Die ge­bräuchlichste Formel der Besitzer­greifung lautete meist: Im Namen der heiligsten Dreifaltigkeit und der allerreinsten Jungfrau. Bei Bemal Diaz, dem Gefährten und Chronisten von Hernan Cortes, heißt es über dessen Spruch: „Wir danken Gott und seiner heiligen Mutter, daß sie uns Hilfe und Gna­de schenkten, daß wir diese Län­der gewannen, in denen es jetzt eine so große Christenheit gibt“ Bei Juan de Oñate beginnt die Be­sitzergreifung selbst mit den Wor­ten: „Im Namen der heiligsten Drei­faltigkeit und zu ihrer Ehre sowie zur Ehre der heiligsten und gebenedeitesten Mutter, der Jung­frau Maria, unserer Herrin, der Pfor­te des Himmels, der Arche des Bundes, in der das Manna des Him­mels, das Zepter der göttlichen Gerechtigkeit, der Arm Gottes und das Gesetz der Gnade und die Lie­be eingeschlossen waren als in der Muttergottes, die die Sonne, der Weg, die Führerin und Fürspreche­rin des Menschengeschlechtes ist usw.“ Pedrarias Davila rief ange­sichts der pazifischen Küste aus: „O Muttergottes! besänftige das Meer und mache uns würdig, unter deinem Schutze zu gehen, unter dem es dir gefiel, daß wir diese Länder und Meere entdeckten und daß wir diese Völker des Südens für unsern heiligen Glauben be­kehren“. Franz Pizarro gründete 1534 die schöne Stadt Cuzco in Perú auf den Trümmern der alten hochentwickelten Inkaresidenz. Wie bei so vielen spanischen Hidalgos geht brutale Grausamkeit gegen die Eingeborenen unter dem Vorwand der Vernichtung ihres Heidentums und Verbreitung des Christentums mit ehrlicher Gesin­nung gepaart. Das Dokument der Gründung lautet: „Ich, Franz Pizarro…, zur Vermehrung unsers heiligen Glaubens und besonders für die Bekehrung der eingeborenen Völker dieser weitentlegenen Län­der, unter Anrufung der Hilfe des allerheiligsten Erlösers Jesus Chri­stus … und unter der Fürsprache der gebenedeitesten Herrin Maria seiner glorreichen Mutter, damit durch ihre Vermittlung und Er­leuchtung alles dem größeren Lobe und Dienste unseres und ihres Gottes und Herrn diene, mache diese Gründung zu einer volkreichen spanischen Stadt, der großen Stadt Cuzco…“ (23. März 1534). Dann wird die Baustelle für die Kirche bestimmt, die den Namen U.L. Frau von der Himmelfahrt er­hält. Viele Städte erinnern noch heute in ihren Namen an den ma­rianischen Ursprung: wie Assun­ción, Concepción, N.S. de la Paz, La muy noble y muy Leal Ciudad de la Ss. Trinidad, Puerto de Santa Ma­ria de Buen Aire, Trujillo de N.S. de la Paz, N.S. de la Candelaria de Medellin usw. Pedro Sarmiento de Gamboa kann für sich in Anspruch nehmen, die erste Kirche tief im Süden Amerikas in der Magellan­straße unter dem Titel U.L. Frau de la Purificación errichet zu haben, damit in diesen Gegenden das Evan­gelium gepredigt werde. Zugleich nahm er als Patronin all dieser un­geheuren Landstrecken im Süden die allerseligste Jungfrau. – P. Bayle SJ. spricht in seinem schon ge­nannten Werke „Santa Maria en Indias“ von 500 Städten und Völ­kern in Spanisch-Amerika und den Philippinen, die in Alcedos Geo­graphischem Wörterbuche als ma­rianisch im Namen angeführt wer­den, meint aber, daß es kaum die Hälfte in Wirklichkeit erreiche. Dabei sind im 18. Jahrhundert, als Alcedo schrieb, wieder viele ver­schwunden, besonders, weil man nicht mehr die marianische Be­zeichnung zum ursprünglichen Na­men beifügte. Zu den Städte- und Volksnamen kommen noch zahllo­se marianische Bezeichnungen für Flüsse, Inseln, Meeresbuchten, Vor­gebirge (Kaps), Berge, von denen Alcedo nur 100 angibt, aber sehr lückenhaft. – Insbesondere sollten die zahlreichen Maria geweihten Kirchen und Kapellen das ganz Europa dreimal an Größe übertref­fende Land für Maria gewinnen helfen. Anfangs waren es gewiß oft einfache Hüttenbauten, z .B. in Columbia, wo der Konquistador Andreas de Venero allein 40 Orte und 400 Kirchen baute. Aber nicht lange, da entstanden bereits die im spanischen Kolonialstil errichteten Kirchen und Klöster mit ihrem in­neren Reichtum an prachtvollen Altären, Bildern und Malerten, die heute noch Staunen erregen.

Nicht bloß als Schiffspatronin fand das Marienbild seinen Ehrenplatz im Vordersteven, sondern es fuhr auch bald kein Schiff mehr aus den spanischen Häfen in die Neue Welt, das nicht eins oder viele der berühmten spanischen Gnaden­bilder in Kopien mit sich führte, um in Amerika und auf den Philip­pinen, Molukken usw. eine neue Stätte der Verehrung zu finden. So kam das berühmte philippinische Gnadenbild von Antipolo dorthin, nachdem das Original in Sevilla als N.S. de la Paz y Buen Viaje verehrt wurde. Manchmal nahmen die Er­oberer und Kolonisten die heimat­liche Madonna ihrer Jugend mit, um in der Neuen Welt ihre liebsten Erinnerungen daran aufzufrischen. Manche weniger gediegene Kopien fanden durch einheimische Künst­ler noch weitere Abweichungen vom Original und Zutaten, so daß die Galerie der spanischen Madonnen­bilder in Amerika unübersehbar ist. In Lima gab es am Ende des 16. Jahrhunderts eine Nuestra Señora de Atocha, de Montserrat, de Dolo­res, de Encarnación, del Carmen, del Patrocinio, de la Misericordia, del Prado, de Gracia, de la Peña de Francia und eine Virgen de los Desamparados (Schutzlosen). Auffallenderweise sind wie in Spanien selbst so auch in Amerika Nachbil­dungen der nationalen spanischen Señora del Pilar von Saragossa au­ßerordentlich selten, da man nur äußerst selten eine Kopierung dul­dete. Dagegen ist ganz Spanisch-Amerika usw. mit Altären und Bil­dern U.L. Frau de Guadalupe wie übersät. In ihrem spanischen Hei­ligtum in Estremadura zu Villuercas huldigten die meisten Konquista­doren vor und nach ihrer Fahrt der Beschützerin zu Wasser und zu Lande: Kolumbus, Balboa, Cortes, die Pizarros, Soto, Alvarado, Valdivia und sozusagen alle andern. Nicht nur große Altarbilder Mariens führte man ein. Sehr im Schwange war auch die Verteilung von Me­daillen und Skapulieren, weshalb zum Beispiel Cortes vor seiner Eroberungsfahrt nach Mexiko von Westindien aus ungeheure Mengen hiervon einschiffen ließ.

Wieviel Anteil an den bisher ge­schilderten marianischen Aktionen die Missionare hatten, läßt sich nicht leicht ausmachen.

Marianische Spiritualität der Missionare

Da die spanischen Missionare durchweg im Gefolge der Eroberer kamen, hatten sie natürlicherwei­se vielfach unter dem Haß gegen die brutalen Maßnahmen der Ein­dringlinge bei den Eingeborenen zu leiden. Trotzdem verbreitete sich die Marienverehrung in ganz Spa­nisch-Amerika mit ungeahnter Schnelligkeit Bald gab es Hunder­te von großen und kleinen Marien­heiligtümern. Die größten gerade für die Eingeborenen durch ihre vielfachen wunderbaren Gebets­erhörungen ausgezeichneten Wall­fahrtsorte, die sich auch bis heute erhalten haben, waren schon im 16. Jahrhundert: U.L. Frau de Guadalupe in Mexiko, Itzmal in Zentralamerika (Yucatán), Chiquinquirá in Columbia, Quinche in Ekuador und Copacabana in Hoch­peru. P. Bayle meint, daß gerade durch die Marienverehrung die In­dianer noch eher wirkliche Chri­sten wurden, bevor sie die spani­sche Kultur und Zivilisation in sich aufgenommen hatten. Karl V. be­fahl i.J. 1518, daß in allen ameri­kanischen Kirchen Kreuze und Marienbilder angebracht würden, und selbst wo es in den Arbeits­betrieben der Eingeborenen noch keine Kirche und eigentliche Ka­pelle gab, mußte doch ein bestimm­ter heiliger Raum geschaffen wer­den, wo das Morgen- und Abendlob der Gottesmutter in Gebet und Ge­sang erklang. Es gab bald unzähl­bare Kapellen, in denen pflichtgemäß jeden Samstag die Mutter­gottesmesse gefeiert wurde, wie aus den zahlreichen Verordnungen der Vizekönige usw. hervorgeht – Das beliebteste Gemeinschaftsgebet war überall der Rosenkranz, meist als abendliches Schlußgebet. Was von der Stadt Quito berichtet wird, dürfte ziemlich von allen Städten in deren Beginn gelten: „In jener Zeit gab es in Quito die fromme Gewohnheit, abends öffentlich den Rosenkranz zu beten, und zwar in­dem man fast alle Tage in Prozessi­on von einem Konvent und der Ka­thedrale auszog und durch die Stra­ßen ging.“ Nicht selten nahmen die Bischöfe und Präsidenten der Audiencia daran teil. Glänzend wurden überall die Marienfeste gefeiert. Nach den liturgischen Fei­ern schlossen sich auf offenem Kirchplatz die Festspiele ähnlich den spanischen Autodafes an. Die reiche Stadt Potosi feierte einmal 22 Tage lang die Unbefleckte Emp­fängnis Marias (1623) und verwen­dete dafür 5 Million en Pesos! Schier unzählbar sind auch die Mariani­schen Kongregationen und Bruder­schaften. Sowohl an Zahl wie an praktischer Bedeutung für das christliche Leben stellten sie von Anfang an das heute noch blühen­de Kongregationswesen in Schat­ten. In Lima gab es 1620 8 solche Kongregationen für Spanier, 6 für Indianer und 9 für Mulatten. In Quito leiteten Ende des 16. Jahr­hunderts die Jesuiten 6 männliche und 1 weibliche Kongregation. Schulen und Hospitäler hatten oft ihre eigenen Vereine. An den Universtitäten war es üblich, daß die Graduierten zuvor den Eid ab­legten, die Immaculata stets ver­teidigen zu wollen. Auch mußten sie 86 Pesos für den Marienkult einzahlen. Als in Mexiko der Bür­germeister 1524 eine Sammlung für die Armen gestattete, bedingte er die Kosten für eine große Ewige Lampe, die jede Nacht zu Ehren Mariens brennen sollte, aus. Spani­er wie Indianer übertrafen sich ge­genseitig an Opfern für die Bilder und Altäre Martens. Für eine riesi­ge Ewige Lampe vor U.L. Frau von Copacabana in Perú opferte Alonso Escoto de Tobar 1500 Silbermark.

Das Ave Maria eines Protestanten – (Eine wahre Geschichte)

Our Lady of Lourdes

ICH BIN DIE UNBEFLECKTE EMPFÄNGNIS

Ein kleiner sechsjähriger protestantischer Knabe hatte oft seine katholischen Kameraden das „Ave Maria“ beten gehört. Er liebte es so sehr, dass er es abschrieb, auswendig lernte und jeden Tag zu beten begann. „Schau, Mamma, was für ein wunderschönes Gebet“, sagte er zu seiner Mutter eines Tages.

„Sprich es nie mehr“, antwortete seine Mutter. „Es ist ein abergläubiges Gebet der Katholiken, die Idole anbeten und denken, Maria sei eine Göttin. Dabei ist sie doch eine Frau wie alle andern. Komm schon, nimm diese Bibel und lies darin. Sie enthält alles, was wir tun sollen und tun müssen.“ Von diesem Tage an hörte der kleine Knabe auf, sein tägliches „Ave Maria“ zu sagen und er nahm sich mehr Zeit, statt dessen die Bibel zu lesen.
Eines Tages, während er das Evangelium las, kam er auf den Abschnitt betreffend die Verkündigung des Engels an Unsere Liebe Frau. Voll Freude sprang der kleine Bub zu seiner Mutter und sagte: „Mamma, ich habe das „Ave Maria“ in der Bibel gefunden. Da heisst es: „Gegrüsst, Du Gnadenvolle, der Herr ist mit dir, gesegnet bist du unter allen Frauen.“ Warum nennst du es ein abergläubiges Gebet?“
Bei einer anderen Gelegenheit fand er jenen wunderschönen Gruss der heiligen Elisabeth an die Jungfrau Maria und das herrliche Lied MAGNIFICAT, in dem Maria vorhersagte, dass „alle Geschlechter sie Gesegnete heißen werden.“
Er sagte nichts mehr darüber zu seiner Mutter, aber begann, das „Ave Maria“ jeden Tag zu beten, wie vorher. Er fand Gefallen daran, diese bezaubernden Worte an die Mutter Jesu, unseres Erlösers, zu richten.
Als er vierzehn Jahre alt geworden war, hörte er eines Tages eine Diskussion über Unsere Liebe Frau unter den Mitgliedern seiner Familie. Ein jeder sagte, dass Maria eine ganz gewöhnliche Frau sei wie jede andere. Nachdem er sich ihre irrigen Vernünfteleien angehört hatte, konnte der Knabe es nicht mehr länger aushalten, und voll Missmut unterbrach er sie, indem er sprach:
„Maria ist nicht wie alle andern Kinder Adams, befleckt mit Sünde. Nein! Der Engel nannte sie VOLL DER GNADEN UND GESEGNET UNTER DEN FRAUEN. Maria ist die Mutter Jesu Christi und folglich Mutter Gottes. Es gibt keine höhere Würde, zu der ein Geschöpf erhoben werden kann. Das Evangelium sagt, dass alle Generationen sie als die Gesegnete verkünden würden und ihr versucht, sie zu verachten und auf sie herabzuschauen. Euer Geist ist nicht der Geist des Evangleiums oder der Bibel, von der ihr feierlich verkündet, dass sie das Fundament der christlichen Religon sei.“
So tief war der Eindruck, den die Rede des Knaben hinterliess, dass seine Mutter oftmals laut und traurig ausrief: „Oh mein Gott! Ich fürchte, dass dieser mein Sohn eines Tages zur katholischen Religion übertreten wird, der Relgion der Päpste!“ Und in der Tat, nicht sehr lange nachher, nachdem er ernsthafte Sutdien sowohl des Protestanismus als auch des Katholizismus gemacht hatte, fand der Knabe den letzteren als die einzig wahre Religion und umfing sie und wurde einer ihrer eifrigsten Apostel.
Eine Zeit nach seiner Bekehrung traf er seine verheiratete Schwester, die ihn schalt und entsetzt sagte: „Du hast keine Ahnung, wie sehr ich meine Kinder liebe. Aber sollte eines von ihnen das Verlangen habe, katholisch zu werden, würde ich eher sein Herz mit einem Messer durchbohren als ihm gestatten, die Religion der Päpste anzunehmen!“
Ihr Ärger und Wut waren so rasend wie jene des heiligen Paulus vor seiner Konversion. Jedoch, sie sollte ihr Gehabe ändern, wie es dem hl. Paulus auf seinem Weg nach Damsaskus ergangen ist. So geschah es, dass einer ihrer Söhne so gefährlich krank wurde, und dass die Ärzte die Hoffnung auf Genesung aufgaben. Ihr Bruder ging daraufhin auf sie zu und redete mit ihr liebevoll, indem er sagte: „Meine liebe Schwester, du wünschest sicherlich, dass Dein Kind geheilt werde. Nun denn, tue, was ich von dir verlange. Folge mir, lass uns ein „Ave Maria“ beten und Gott versprechen, dass du, wenn Dein Sohn gesund wird, ernsthaft die katholische Lehre studieren wirst, und solltest du zum Schlusse kommen, dass der Katholizismus die einzige wahre Religion ist, dass du sie annehmen wirst, was auch immer dies an Opfern kosten wird.“
Seine Schwester war anfänglich widerwillig, aber da sie so sehr die Genesung ihres Sohnes wünschte, nahm sie den Vorschlag ihres Bruders an und betete das „Ave Maria“ mit ihm zusammen. Am folgenden Tag war ihr Sohn vollstädig geheilt. Die Mutter erfüllte ihr Versprechen und sie studierte die katholische Lehre. Nach langer Vorbereitung empfing sie die Taufe zusammen mit ihrer ganzen Familie, und sie dankte ihrem Bruder, das er für sie ein Apostel war.
Die Geschichte wurde erzählt während einer Predigt gehalten von hochwürden Pater Tuckwell. „Bürder“, fuhr er fort, „der Knabe, der ein Katholik wurde und seine Schwester zum katholischen Glauben bekehrte, weihte sein ganzes Leben dem Dienste Gottes. Es ist der Priester, der zu Ihnen jetzt spricht! Was ich bin, verdanke ich Unserer Lieben Frau. Auch ihr, meine geliebten Brüder, seid auch ihr ganz hingegeben Unserer Lieben Frau und lasst nie einen Tag vergehen, ohne das schöne Gebet „Ave Maria“ und den Rosenkranz zu beten. Bittet sie, die Herzen der Potestanten zu erleuchten, die sich von der wahren Kirche Christi getrennt haben, die auf dem Felsen (Petrus) gebaut ist und ‚welche die Pforten der Hölle niemals überwältigen werden.‘