JOHANNES PAUL II.: „GLAUBE UND VERNUNFT – ERKENNE DICH SELBST“

Johannes Paul II. (2)

ENZYKLIKA

FIDES ET RATIO

VON PAPST JOHANNES PAUL II.

AN DIE BISCHÖFE DER KATHOLISCHEN KIRCHE

ÜBER DAS VERHÄLTNIS VON GLAUBE UND VERNUNFT

 

Ehrwürdige Brüder im Bischofsamt,
Gruß und Apostolischen Segen!

Glaube und Vernunft (Fides et ratio) sind wie die beiden Flügel, mit denen sich der menschliche Geist zur Betrachtung der Wahrheit erhebt. Das Streben, die Wahrheit zu erkennen und letztlich ihn selbst zu erkennen, hat Gott dem Menschen ins Herz gesenkt, damit er dadurch, daß er Ihn erkennt und liebt, auch zur vollen Wahrheit über sich selbst gelangen könne (vgl. Ex 33, 18; Ps 27 [26], 8-9;Ps 63 [62], 2-3; Joh 14, 8; 1 Joh 3, 2).

EINLEITUNG »ERKENNE DICH SELBST« [1-6]

1. Sowohl im Orient als auch im Abendland läßt sich ein Weg feststellen, der im Laufe der Jahrhunderte die Menschheit fortschreitend zur Begegnung mit der Wahrheit und zur Auseinandersetzung mit ihr geführt hat. Ein Weg, der sich — anders konnte es gar nicht sein — im Horizont des Selbstbewußtseins der menschlichen Person entfaltet hat: je mehr der Mensch die Wirklichkeit und die Welt erkennt, desto besser erkennt er sich selbst in seiner Einmaligkeit, während sich für ihn immer drängender die Frage nach dem Sinn der Dinge und seines eigenen Daseins stellt. Alles, was als Gegenstand unserer Erkenntnis erscheint, wird daher selbst Teil unseres Lebens. Am Architrav des Tempels von Delphi war die ermahnende Aufforderung: Erkenne dich selbst! eingemeißelt — als Zeugnis für eine Grundwahrheit, die als Mindestregel von jedem Menschen angenommen werden muß, der sich innerhalb der ganzen Schöpfung gerade dadurch als »Mensch« auszeichnen will, daß er sich selbst erkennt.

Im übrigen zeigt uns ein bloßer Blick auf die Geschichte des Altertums deutlich, daß in verschiedenen Gegenden der Erde, die von ganz unterschiedlichen Kulturen geprägt waren, zur selben Zeit dieselben Grundsatzfragen auftauchten, die den Gang des menschlichen Daseins kennzeichnen: Wer bin ich? Woher komme ich und wohin gehe ich? Warum gibt es das Böse? Was wird nach diesem Leben sein? Diese Fragen finden sich in Israels heiligen Schriften, sie tauchen aber auch in den Weden und ebenso in der Awesta auf; wir finden sie in den Schriften des Konfuzius und Lao-tse sowie in der Verkündigung der Tirthankara und bei Buddha. Sie zeigen sich auch in den Dichtungen des Homer und in den Tragödien von Euripides und Sophokles wie auch in den philosophischen Abhandlungen von Platon und Aristoteles. Es sind Fragen, die ihren gemeinsamen Ursprung in der Suche nach Sinn haben, die dem Menschen seit jeher auf der Seele brennt: von der Antwort auf diese Fragen hängt in der Tat die Richtung ab, die das Dasein prägen soll.

2. Die Kirche ist an diesem Weg der Suche nicht unbeteiligt und kann es auch gar nicht sein. Seit dem Ostertag, wo sie die letzte Wahrheit über das Leben des Menschen als Geschenk empfangen hat, ist sie zur Pilgerin auf den Straßen der Welt geworden, um zu verkünden, daß Jesus Christus »der Weg, die Wahrheit und das Leben« ist (Joh 14, 6). Unter den verschiedenen Diensten, die sie der Menschheit anzubieten hat, gibt es einen, der ihre Verantwortung in ganz besonderer Weise herausstellt: den Dienst an der Wahrheit.1 Diese Sendung macht einerseits die gläubige Gemeinde zur Teilhaberin an der gemeinsamen Bemühung, welche die Menschheit vollbringt, um die Wahrheit zu erreichen;2 andererseits verpflichtet sie sie dazu, sich um die Verkündigung der erworbenen Gewißheiten zu kümmern; dies freilich in dem Bewußtsein, daß jede erreichte Wahrheit immer nur eine Etappe auf dem Weg zu jener vollen Wahrheit ist, die in der letzten Offenbarung Gottes enthüllt werden wird: »Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen« (1 Kor 13, 12).

3. Der Mensch besitzt vielfältige Möglichkeiten, um den Fortschritt in der Wahrheitserkenntnis voranzutreiben und so sein Dasein immer menschlicher zu machen. Unter diesen ragt die Philosophie hervor, die unmittelbar dazu beiträgt, die Frage nach dem Sinn des Lebens zu stellen und die Antwort darauf zu entwerfen: sie stellt sich daher als eine der vornehmsten Aufgaben der Menschheit dar. Seiner etymologischen Herkunft aus dem Griechischen entsprechend bedeutet das Wort Philosophie »Liebe zur Weisheit«. Die Entstehung und Entfaltung der Philosophie fällt tatsächlich genau in die Zeit, als der Mensch begonnen hat, sich nach dem Grund der Dinge und nach ihrem Ziel zu fragen. Sie zeigt in verschiedenen Arten und Formen, daß das Streben nach Wahrheit zur Natur des Menschen gehört. Es ist eine seiner Vernunft angeborene Eigenschaft, sich nach dem Ursprung der Dinge zu fragen, auch wenn sich die nach und nach gegebenen Antworten in einen Horizont einfügen, der die Komplementarität der verschiedenen Kulturen, in denen der Mensch lebt, deutlich macht.

Die Tatsache, daß sich die Philosophie stark auf die Gestaltung und Entwicklung der Kulturen des Abendlandes auswirkte, darf uns nicht den Einfluß vergessen lassen, den sie auch auf die Daseinsvorstellungen ausgeübt hat, aus denen der Orient lebt. Jedes Volk besitzt nämlich seine ihm eigene Ur-Weisheit, die als echter Reichtum der Kulturen danach strebt, sich auch in rein philosophischen Formen auszudrücken und zur Reife zu gelangen. Wie sehr das zutrifft, beweist der Umstand, daß eine bis in unsere Tage gegenwärtige Grundform philosophischen Wissens sogar in den Postulaten nachweisbar ist, denen die verschiedenen nationalen und internationalen Gesetzgebungen bei der Regelung des gesellschaftlichen Lebens folgen.

4. Es muß allerdings betont werden, daß sich hinter einem einzigen Begriff verschiedene Bedeutungen verbergen. Daher erweist sich eine einleitende erläuternde Darstellung als notwendig. Angespornt von dem Streben, die letzte Wahrheit über das Dasein zu entdecken, versucht der Mensch jene universalen Kenntnisse zu erwerben, die es ihm erlauben, sich selbst besser zu begreifen und in seiner Selbstverwirklichung voranzukommen. Die grundlegenden Erkenntnisse entspringen dem Staunen, das durch die Betrachtung der Schöpfung in ihm geweckt wird: der Mensch wird von Staunen ergriffen, sobald er sich als eingebunden in die Welt und in Beziehung zu den anderen entdeckt, die ihm ähnlich sind und deren Schicksal er teilt. Hier beginnt der Weg, der ihn dann zur Entdeckung immer neuer Erkenntnishorizonte führen wird. Ohne das Staunen würde der Mensch in die Monotonie der Wiederholung verfallen und sehr bald zu einer wirklichen Existenz als Person unfähig werden.

Die dem menschlichen Geist eigentümliche Fähigkeit zum spekulativen Denken führt durch die philosophische Betätigung zur Ausbildung einer Form strengen Denkens und so, durch die logische Folgerichtigkeit der Aussagen und die Geschlossenheit der Inhalte, zum Aufbau eines systematischen Wissens. Dank dieses Prozesses wurden in verschiedenen kulturellen Umfeldern und in verschiedenen Epochen Ergebnisse erzielt, die zur Ausarbeitung echter Denksysteme geführt haben. Dadurch war man im Laufe der Geschichte immer wieder der Versuchung ausgesetzt, eine einzige Strömung mit dem gesamten philosophischen Denken gleichzusetzen. Ganz offenkundig tritt jedoch in diesen Fällen ein gewisser »philosophischer Hochmut« auf den Plan, der Anspruch darauf erhebt, die aus seiner eigenen Perspektive stammende, unvollkommene Sicht zur allgemeinen Lesart zu erheben. In Wirklichkeit muß jedes philosophische System, auch wenn es ohne jegliche Instrumentalisierung in seiner Ganzheit anerkannt wird, dem philosophischen Denken die Priorität zuerkennen, von dem es seinen Ausgang nimmt und dem es folgerichtig dienen soll.

So ist es möglich, trotz des Wandels der Zeiten und der Fortschritte des Wissens einen Kern philosophischer Erkenntnisse zu erkennen, die in der Geschichte des Denkens ständig präsent sind. Man denke, um nur ein Beispiel zu nennen, an die Prinzipien der Non-Kontradiktion, der Finalität, der Kausalität wie auch an die Auffassung von der Person als freiem und verständigem Subjekt und an ihre Fähigkeit, Gott, die Wahrheit und das Gute zu erkennen; man denke ferner an einige moralische Grundsätze, die allgemein geteilt werden. Diese und andere Themen weisen darauf hin, daß es abgesehen von den einzelnen Denkrichtungen eine Gesamtheit von Erkenntnissen gibt, in der man so etwas wie ein geistiges Erbe der Menschheit erkennen kann; gleichsam als befänden wir uns im Angesicht einer impliziten Philosophie, auf Grund der sich ein jeder bewußt ist, diese Prinzipien, wenngleich in undeutlicher, unreflektierter Form zu besitzen. Diese Erkenntnisse sollten, eben weil sie in irgendeiner Weise von allen geteilt werden, eine Art Bezugspunkt der verschiedenen philosophischen Schulen darstellen. Wenn es der Vernunft gelingt, die ersten und allgemeinen Prinzipien des Seins zu erfassen und zu formulieren und daraus in rechter Weise konsequente Schlußfolgerungen von logischer und deontologischer Bedeutung zu entwickeln, dann kann sie sich als eine richtige Vernunft oder, wie die antiken Denker sie nannten, als orthòs logos, recta ratio ausgeben.

5. Die Kirche ihrerseits kann nicht umhin, den Einsatz der Vernunft für das Erreichen von Zielen anzuerkennen, die das menschliche Dasein immer würdiger machen. Denn sie sieht in der Philosophie den Weg, um Grundwahrheiten zu erkennen, welche die Existenz des Menschen betreffen. Gleichzeitig betrachtet sie die Philosophie als unverzichtbare Hilfe, um das Glaubensverständnis zu vertiefen und die Wahrheit des Evangeliums allen, die sie noch nicht kennen, mitzuteilen.

Im Anschluß an ähnliche Initiativen meiner Vorgänger möchte daher auch ich den Blick auf diese besondere Betätigung der Vernunft richten. Dazu drängt mich die Beobachtung, daß vor allem in unserer Zeit die Suche nach der letzten Wahrheit oft getrübt erscheint. Die moderne Philosophie hat zweifellos das große Verdienst, ihre Aufmerksamkeit auf den Menschen konzentriert zu haben. Von daher hat eine mit Fragen beladene Vernunft ihr Streben nach immer mehr und immer tieferer Erkenntnis weiterentwickelt. So wurden komplexe Denksysteme aufgebaut, die in den verschiedenen Wissensbereichen Früchte getragen haben, da sie die Entfaltung von Kultur und Geschichte förderten. Die Anthropologie, die Logik, die Naturwissenschaften, die Geschichte, die Sprache…, gewissermaßen die Gesamtheit des Wissens wurde davon erfaßt. Die positiven Ergebnisse, die erzielt wurden, dürfen jedoch nicht zur Vernachlässigung der Tatsache verleiten, daß dieselbe Vernunft, mit einseitigen Forschungen über den Menschen als Subjekt beschäftigt, vergessen zu haben scheint, daß dieser Mensch immer auch dazu berufen ist, sich einer Wahrheit zuzuwenden, die ihn übersteigt. Ohne Beziehung zu dieser Wahrheit bleibt jeder vom eigenen Gutdünken abhängig, und seine Verfaßtheit als Person wird schließlich nach pragmatischen, im wesentlichen auf empirischen Angaben beruhenden Kriterien beurteilt, in der irrigen Überzeugung, alles müsse von der Technik beherrscht werden. So kam es, daß sich die Vernunft, anstatt die Spannung zur Wahrheit bestmöglich auszudrücken, unter der Last des vielen Wissens über sich selbst gebeugt hat und von Tag zu Tag unfähiger wurde, den Blick nach oben zu erheben, um das Wagnis einzugehen, zur Wahrheit des Seins zu gelangen. Die moderne Philosophie hat das Fragen nach dem Sein vernachlässigt und ihr Suchen auf die Kenntnis vom Menschen konzentriert. Anstatt von der dem Menschen eigenen Fähigkeit zur Wahrheitserkenntnis Gebrauch zu machen, hat sie es vorgezogen, deren Grenzen und Bedingtheiten herauszustellen.

Daraus enstanden verschiedene Formen von Agnostizismus und Relativismus, die schließlich zur Folge hatten, daß sich das philosophische Suchen im Fließsand eines allgemeinen Skeptizismus verlor. In jüngster Zeit haben dann verschiedene Lehren Bedeutung erlangt, die sogar jene Wahrheiten zu entwerten trachten, die erreicht zu haben für den Menschen eine Gewißheit war. Die legitime Pluralität von Denkpositionen ist einem indifferenten Pluralismus gewichen, der auf der Annahme fußt, alle Denkpositionen seien gleichwertig: Das ist eines der verbreitetsten Symptome für das Mißtrauen gegenüber der Wahrheit, das man in der heutigen Welt feststellen kann. Auch manche aus dem Orient stammende Lebensanschauungen entgehen nicht diesem Vorbehalt. In ihnen wird nämlich der Wahrheit ihr Exklusivcharakter abgesprochen. Dabei geht man von der Annahme aus, daß die Wahrheit in verschiedenen, ja sogar einander widersprechenden Lehren gleichermaßen in Erscheinung trete. In diesem Horizont ist alles auf Meinung reduziert. Man hat den Eindruck einer Bewegung, die sich wie eine Welle nach oben und nach unten bewegt: Während es dem philosophischen Denken einerseits gelungen ist, in den Weg einzumünden, der es immer näher an die menschliche Existenz und ihre Ausdrucksformen heranführt, ist es andererseits bestrebt, existentielle, hermeneutische oder linguistische Anschauungen zu entwickeln, die auf die radikale Frage nach der Wahrheit des Lebens als Person, des Seins und Gottes verzichten. Als Folge davon sind beim modernen Menschen, und das nicht nur bei einigen Philosophen, Haltungen eines verbreiteten Mißtrauens gegenüber den großartigen Erkenntnisfähigkeiten des Menschen zutage getreten. Mit falscher Bescheidenheit gibt man sich mit provisorischen Teilwahrheiten zufrieden, ohne überhaupt noch zu versuchen, radikale Fragen nach dem Sinn und letzten Grund des menschlichen, persönlichen und gesellschaftlichen Lebens zu stellen. Die Hoffnung, von der Philosophie endgültige Antworten auf diese Fragen zu erhalten, ist also geschwunden.

6. Ausgestattet mit der Kompetenz, die ihr als Verwahrerin der Offenbarung Jesu Christi erwächst, will nun die Kirche die Notwendigkeit des Nachdenkens über die Wahrheit neu bekräftigen. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, mich sowohl an die Mitbrüder im Bischofsamt zu wenden, mit denen ich die Sendung teile, »offen die Wahrheit« (2 Kor 4, 2) zu verkünden, als auch an die Theologen und Philosophen, deren Aufgabe die Erforschung der verschiedenen Aspekte der Wahrheit ist, sowie an alle Menschen, die sich auf der Suche befinden: Ich will sie teilhaben lassen an einigen Überlegungen hinsichtlich des Weges, der zur wahren Weisheit führt, damit jeder, der die Liebe zu ihr im Herzen trägt, den richtigen Weg einzuschlagen vermag, um sie zu erreichen und in ihr Ruhe in seiner Mühsal sowie geistige Freude zu finden.

Anstoß zu dieser Initiative ist für mich zunächst die vom II. Vatikanischen Konzil formulierte Erkenntnis, daß die Bischöfe »Zeugen der göttlichen und katholischen Wahrheit« sind.3 Die Wahrheit zu bezeugen ist also eine Aufgabe, die uns Bischöfen übertragen wurde; ihr können wir uns nicht versagen, ohne das Amt, das wir erhalten haben, zu vernachlässigen. Durch neuerliche Bekräftigung der Glaubenswahrheit können wir dem Menschen unserer Zeit wieder echtes Vertrauen in seine Erkenntnisfähigkeiten geben und der Philosophie eine Herausforderung bieten, damit sie ihre volle Würde wiedererlangen und entfalten kann.

Noch ein weiterer Beweggrund veranlaßt mich zur Abfassung dieser Überlegungen. In der EnzyklikaVeritatis splendor habe ich »einige fundamentale Wahrheiten der katholischen Lehre in Erinnerung« gerufen, »die im heutigen Kontext Gefahr laufen, verfälscht oder verneint zu werden«.4 Mit dem vorliegenden Schreiben möchte ich nun jenen Gedanken weiterführen und dabei die Aufmerksamkeit eben auf das Thema Wahrheit und auf ihr Fundament im Verhältnis zum Glauben konzentrieren. Denn man kann nicht leugnen, daß unsere Zeit mit ihren raschen und umfassenden Veränderungen vor allem die jungen Generationen, denen die Zukunft gehört und von denen sie abhängt, dem Gefühl aussetzt, ohne echte Bezugspunkte zu sein. Das Erfordernis eines Fundamentes, auf dem das Dasein des einzelnen und der Gesellschaft aufgebaut werden kann, macht sich vor allem dann in dringender Weise bemerkbar, wenn man die Bruchstückhaftigkeit von Angeboten feststellen muß, die unter Vortäuschung der Möglichkeit, zum wahren Sinn des Daseins zu gelangen, das Vergängliche zum Wert erheben. So kommt es, daß viele ihr Leben fast bis an den Rand des Abgrunds dahinschleppen, ohne zu wissen, worauf sie eigentlich zugehen. Das hängt auch damit zusammen, daß diejenigen, die dazu berufen waren, die Frucht ihres Nachdenkens in kulturellen Formen auszudrücken, den Blick von der Wahrheit abgewandt haben und der Mühe geduldigen Suchens nach dem, was gelebt zu werden verdient, den Erfolg im Unmittelbaren vorziehen. Die Philosophie, der die große Verantwortung zukommt, das Denken und die Kultur durch den fortwährenden Hinweis auf die Wahrheitssuche zu gestalten, muß mit aller Kraft ihre ursprüngliche Berufung zurückgewinnen. Deshalb habe ich nicht nur das Bedürfnis gefühlt, sondern es auch als meine Pflicht empfunden, mich zu diesem Thema zu äußern, damit die Menschheit an der Schwelle des dritten Jahrtausends christlicher Zeitrechnung sich der großartigen Fähigkeiten, die ihr gewährt wurden, deutlicher bewußt werde und sich mit neuem Mut für die Verwirklichung des Heilsplanes einsetze, in den ihre Geschichte eingebettet ist.
___

1) Das schrieb ich bereits in meiner ersten Enzyklika Redemptor hominis: »So sind wir also Teilhaber an dieser prophetischen Sendung Christi geworden, und aus der Kraft der gleichen Sendung dienen wir zusammen mit ihm der göttlichen Wahrheit in der Kirche. Die Verantwortung für eine solche Wahrheit bedeutet auch, sie zu lieben und möglichst genau zu verstehen zu suchen, damit sie uns selbst und den anderen in aller ihrer erlösenden Kraft, in ihrem hellen Glanz, in ihrer Tiefe und zugleich Einfachheit immer vertrauter wird«, Nr. 19: AAS 71 (1979), 306.
2) Vgl. II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 16.
3) Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium
4) Nr. 4: AAS 85 (1993), 1136.
_______

Quelle

Papst Benedikt XVI.: „Die christliche Liebe findet ihre Grundlage und ihre Form im Glauben“

ANSPRACHE VON PAPST BENEDIKT XVI.
AN DIE TEILNEHMER DER VOLLVERSAMMLUNG
DES PÄPSTLICHEN RATS „COR UNUM“

Konsistoriensaal
Samstag, 19. Januar 2013

 

Liebe Freunde!

Ich heiße euch aus Anlaß der Vollversammlung des Päpstlichen Rats Cor Unum mit Zuneigung und Freude willkommen. Ich danke eurem Präsidenten, Kardinal Robert Sarah, für seine Worte und grüße einen jeden von euch herzlich, wobei ich in diesen Gruß gedanklich all jene einschließe, die im karitativen Dienst der Kirche tätig sind. Mit dem kürzlichen Motu Proprio Intima Ecclesiae natura wollte ich den kirchlichen Sinn eurer Tätigkeit bekräftigen. Euer Zeugnis kann vielen Menschen, die Christi Liebe suchen, die »Tür des Glaubens« öffnen. So spiegelt in diesem Jahr des Glaubens das Thema »Nächstenliebe, neue Ethik und christliche Anthropologie«, mit dem ihr euch auseinandersetzt, die unabdingbare Verbindung zwischen Liebe und Wahrheit, oder wenn man so sagen will, zwischen Glaube und Liebe. Das ganze christliche Ethos bezieht in der Tat seinen Sinn aus dem Glauben, verstanden als eine »Begegnung« mit der Liebe Christi, die »unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt« (vgl. die Enzyklika Deus caritas est, 1). Die christliche Liebe findet ihre Grundlage und ihre Form im Glauben. Durch die Begegnung mit Gott und die Erfahrung seiner Liebe lernen wir es, »nicht mehr für uns selber zu leben, sondern für ihn und mit ihm für die anderen« (ibid., 33).

Ausgehend von diesem dynamischen Verhältnis zwischen Glaube und Liebe möchte ich über einen Punkt nachdenken, den ich als die prophetische Dimension bezeichnen möchte, die der Glaube der Liebe einflößt. Die gläubige Treue und Zustimmung zum Evangelium gibt in der Tat der Liebe ihre typisch christliche Form und ist deren unterscheidendes Prinzip. Der Christ, vor allem derjenige, der in karitativen Einrichtungen arbeitet, muß sich durch die Prinzipien des Glaubens leiten lassen, durch die wir auf »Gottes Gesichtspunkt « eingehen und in den Plan, den er für uns hat, einwilligen (vgl. Enzyklika Caritas in veritate, 1). Diese neue Sicht der Welt und des Menschen, die der Glaube ermöglicht, gibt uns auch das korrekte Kriterium, an dem die Ausdrucksformen der Nächstenliebe im aktuellen Kontext gemessen werden können.

Der Mensch war zu allen Zeiten dann, wenn er es versäumt hat, nach diesem Plan zu suchen, ein Opfer kultureller Versuchungen, die ihn schließlich zu ihrem Sklaven gemacht haben. In den vergangenen Jahrhunderten haben sich die Ideologien, die den Kult der Nation, der Rasse, der Gesellschaftsklassen verherrlichten, als wahre Götzendienste erwiesen; und dasselbe kann man auch vom ungezügelten Kapitalismus mit seinem Kult des Profits sagen, welcher Wirtschaftskrisen, soziale Ungerechtigkeit und Elend hervorgerufen hat. Heute breitet sich immer mehr die Einsicht aus, daß jeder Mensch eine unveräußerliche Würde besitzt und daß dieser Würde eine wechselseitige und voneinander abhängige Verantwortung geschuldet wird, zugunsten der wahren Kultur, der Kultur der Liebe.

Andererseits kennt leider auch unsere Zeit dunkle Wolken, die Gottes Plan überschatten. Ich beziehe mich hierbei vor allem auf eine tragische anthropologische Verkürzung, die den alten hedonistischen Materialismus erneut hervorholt, dem sich dann aber auch noch ein »technologischer Prometheismus« hinzugesellt. Aus der Verbindung zwischen einer materialistischen Sicht des Menschen und den Riesenschritten der technologischen Neuerungen entsteht eine in ihrem tiefsten Grunde atheistische Anthropologie. Diese nimmt an, daß der Mensch sich auf autonome Funktionen, der Geist auf das Gehirn, die Menschheitsgeschichte auf die Bestimmung zur Selbstverwirklichung reduziert. All dies unter Außerachtlassung Gottes, der im eigentlichen Sinne spirituellen Dimension und des jenseitigen Horizontes. Aus der Perspektive eines seiner Seele und folglich auch seiner persönlichen Beziehung zum Schöpfer beraubten Menschen wird das, was technisch möglich ist, moralisch legitim, jede Art von Experiment gilt als akzeptabel, jede Form einer demographischen Politik als erlaubt, jede Manipulation als gerechtfertigt. Die heimtückischste Gefahr, die dieser Denkströmung innewohnt, besteht in der Verabsolutierung des Menschen: der Mensch will ab-solutus sein, frei von jeder Bindung und von jeder natürlichen Vorgabe. Er gibt vor, unabhängig zu sein und denkt, daß sein Glück nur in der Selbstbehauptung bestehe. »Der Mensch bestreitet seine Natur (…) Es gibt nur noch den abstrakten Menschen, der sich dann so etwas wie seine Natur selber wählt« (Ansprache an die Römische Kurie, 21. Dezember 2012). Es handelt sich um eine radikale Leugnung des Geschöpf-Seins und der Kindschaft des Menschen, die in dramatischer Einsamkeit endet.

Der Glaube und ein gesundes christliches Unterscheidungsvermögen veranlassen uns, dieser ethischen Problematik und der Mentalität, die dieser zugrunde liegt, eine prophetische Aufmerksamkeit zu widmen. Die berechtigte Zusammenarbeit mit internationalen Instanzen auf dem Gebiet der Entwicklung und des menschlichen Fortschritts darf uns nicht dazu verführen, die Augen angesichts dieser irreleitenden Ideologien zu verschließen, und die Hirten der Kirche – die »die Säule und das Fundament der Wahrheit ist« (1 Tim 3,15) – haben die Pflicht, sowohl die katholischen Gläubigen als auch jeden anderen Menschen guten Willens und rechter Vernunft vor diesen Irrwegen zu warnen. Tatsächlich handelt es sich dabei um Abwege, die für den Menschen schädlich sind, auch wenn sie sich unter dem Vorzeichen eines vermeintlichen Fortschritts, vermeintlicher Rechte oder eines vorgeblichen Humanismus als gute Gesinnungen ausgeben. Welche Aufgabe wartet angesichts dieser anthropologischen Verkürzung auf jeden Christen, vor allem aber auf euch, die ihr karitativen Tätigkeiten nachgeht und folglich in direkter Verbindung steht mit vielen anderen sozialen Akteuren? Wir müssen mit Sicherheit eine kritische Wachsamkeit üben und bisweilen Finanzierungen und Kollaborationen ablehnen, die direkt oder indirekt Aktionen oder Projekte begünstigen, die in Widerspruch zur christlichen Anthropologie stehen. Die Kirche aber engagiert sich zweifellos immer, um den Menschen nach dem göttlichen Plan in seiner ganzheitlichen Würde und unter Achtung seiner zweifachen, sowohl vertikalen als auch horizontalen Dimension zu fördern. Hierauf erstrecken sich auch die Entwicklungsaktivitäten der kirchlichen Organismen.

In der Tat ist die christliche Sicht des Menschen ein großartiges ›Ja‹ zur Würde des Menschen, der zu inniger Gemeinschaft mit Gott berufen ist, zu einer kindlichen Gemeinschaft, demütig und vertrauensvoll. Der Mensch ist kein unabhängiges Individuum noch anonymes Element einer Kollektivität, sondern ein einzigartiger, unwiederholbarer Mensch, der seinem Wesen nach zur Beziehung mit anderen Menschen und zum Gemeinschaftsleben veranlagt ist. Daher bekräftigt die Kirche ihr großes ›Ja‹ zur Würde und Schönheit der Ehe als dem Ausdruck der treuen und fruchtbaren Verbindung zwischen Mann und Frau. Und ihr ›Nein‹ zu Philosophien wie etwa der »Gender«-Philosophie gründet auf der Tatsache, daß die Wechselseitigkeit von männlich und weiblich Ausdruck der Schönheit der Natur ist, die der Schöpfer gewollt hat.

Liebe Freunde, ich danke euch für euren Einsatz für den Menschen in der Treue zu seiner wahren Würde. Angesichts dieser epochalen Herausforderungen wissen wir, daß die Antwort in der Begegnung mit Christus besteht. In ihm kann der Mensch sein persönliches Wohl wie auch das Gemeinwohl vollkommen verwirklichen. Ich ermutige euch, freudig und großherzig voranzugehen, während ich euch von Herzen meinen Apostolischen Segen erteile.

Benedict_XVI_Blessing-2

 

Quelle

Prälat Prof. Dr. Georg May: DER GLAUBE – SÜNDEN GEGEN DEN GLAUBEN

Predigt vom 17.11.2013

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Geliebte im Herrn!

An den vergangenen Sonntagen haben wir uns Gedanken gemacht über den Glauben. Der Glaube ist eine so reichhaltige Wirklichkeit, dass man ihn von verschiedenen Seiten ansehen kann. Eine Defi­nition des Glaubens gibt der Brief an die Hebräer. Im 11. Kapitel im 1. Vers heißt es: „Der Glaube ist die Überzeugung von dem, was man nicht sieht; die Zuversicht auf das, was man erhofft.“ Der Glau­be ist sicher eine Hingabe an Gott, eine Übergabe an Christus, aber auch ein Fürwahrhalten.

In der jüngsten Zeit sind Irrlehrer aufgetreten, die das Fürwahrhalten aus dem Glauben entfernen wollen. Das ist eine schwere Verirrung. Der Glaube richtet sich auf das, was Gott in seiner Offenba­rung den Menschen zur Nachachtung vermittelt hat. Die Wahrheiten des Glaubens, die uns zum Für­wahrhalten dargeboten werden, sind das Lebensgesetz des Volkes Gottes und seiner Glieder. Gegen diese Wahrheiten kann man sich verfehlen. Es gibt Sünden gegen den Glauben. Das soll das Thema unserer heutigen Überlegungen sein. Die Sünden gegen den Glauben können Unterlassungssünden oder Begehungssünden sein. Unterlassungssünden liegen vor, wenn man sich um den Glauben nicht kümmert, wenn man schuldhaft unwissend ist in Glaubensdingen, oder wenn man es unterlässt, den Glaubensakt zu erwecken, wenn es notwendig ist, z.B. beim Glaubensbekenntnis, beim Sakramentenempfang. Die Begehungssünden richten sich gegen den Glauben als Handlung und als Anlage, und zwar gegen den Glauben, wie er in Satzwahrheiten ausgedrückt wird. Man kann den Glauben verlet­zen durch zu wenig und durch zu viel. Wir werden gleich die Fälle, in denen der Glaube durch zu we­nig verletzt wird, näher ins Auge fassen.

Zunächst einmal die Frage: Kann man auch zu viel glauben? Soweit sich der Glaube auf Gott rich­tet, ist ein Zuviel unmöglich. Man kann Gott nicht zu viel glauben. Aber es gibt eine Leichtgläubigkeit, d.h. eine Verfehlung in der Hinsicht, dass man für Glaubenswahrheiten hält, was keine Glaubens­wahrheiten sind. Leichtgläubigkeit ist heute nicht selten. Denken Sie an die vielen Menschen, die Er­scheinungen, Visionen, außergewöhnlichen Ereignissen und angeblichen Wundern nachjagen. Dieses heute oft feststellbare Haschen nach Privatoffenbarungen ist regelmäßig Leichtgläubigkeit und damit Missbrauch des Heiligen zur Sensation. Die Kirche will uns nicht bloß den Wunderglauben lehren, sie will auch dem Wunderaberglauben wehren. An dieser Stelle ein Wort zum Aberglauben. Aberglauben ist die „quasireligiöse Hinwendung“ zu irgendwelchen numinosen, unpersönlichen Mächten und Kräf­ten. Sie tritt auf in Form der Wahrsagerei, der Zauberei und des Wahnglaubens. Die Wahrsagerei hat ihre Wurzel in dem angeborenen Triebe des Menschen, die Zukunft zu enthüllen. Sie ist außeror­dentlich häufig. Es gibt Hunderte und Tausende, die mit diesen Lügengeweben der Wahrsagerei ihr Brot verdienen. Die Zauberei entspringt dem Verlangen nach müheloser, gottähnlicher Meisterung der Naturgewalten. Man meint sich irgendwelcher Kräfte bedienen zu können, um Wirkungen her­vorzurufen, die mit natürlichen Mitteln nicht zu erreichen sind. Der Wahn oder der religiöse Wahn drückt sich aus in Erlebnissen des Aaserwähltseins oder des Verfolgtseins oder des Berufenseins. Jeg­licher Aberglaube ist eine Trübung des hellen Gottesglaubens. Eine Trübung des Glaubens an die Heiligkeit, die Allmacht und die Vorsehung Gottes. Oft ist er gegen den Glauben als solchen gerichtet. Er verführt zur Tatenlosigkeit, weil man sich eben von irgendwelchen geheimen Mächten Unter­stützung oder Ersatz der eigenen Leistung erhofft. „Ihr sollt euch nicht an Zauberer wenden!“ heißt es 3. Buch Moses. Mit dem Schwinden der Religiosität breitet sich unwiderstehlich der Aberglaube aus. „Glaube, dem die Tür versagt, steigt als Aberglaub‘ ins Fenster. Wenn die Götter ihr verjagt, kommen die Gespenster“, hat Emanuel Geibel gedichtet.

Nun aber zu den Sünden gegen den Glauben. Die erste Sünde ist der Unglaube, also die Leugnung des Christentums als solchen, der volle Gegensatz zum christlichen Dogma: Heidentum, Judentum, Islam und die modernen atheistischen und unchristlichen Systeme. Der Unglaube ist die Sünde des alten Heidentums, das falsche Götter an die Stelle des wahren Gottes setzte. Aber auch die Sünde jener neuheidnischen Weltauffassungen, die alle Religionen und jede Gottheit leugnen, die die Welt mit Gott ineins setzen — das Universum, das All ist angeblich Gott: Pantheismus, Materialismus, abso­luter Skeptizismus. Die Heiden von heute sind nicht mehr wie die Heiden vor Christus jungfräulicher Boden, der auf die Saat des Wortes Gottes wartet. Sie sind wie Schutthaufen an den Rändern der Großstadt: in sich verkehrt, verschüttet, verbogen. Auch jene religiöse Entwicklungslehre, die alle religiösen Begriffe und Dogmen dem geschichtlichen Wechsel unterwirft — wie es ja weitgehend im Protestantismus der Fall ist —, also auch diese religiöse Entwicklungslehre ist eine Preisgabe des wah­ren Gottesglaubens. Keine Dogmen zugestehen, die immer gelten, heißt die christliche Religion ver­nichten. Zum Glauben — im christlichen Sinne — gehört mindestens die Anerkennung Jesu als des ab­soluten Wahrheitslehrers und Gottessohnes. Deswegen ist derjenige, der die Gottheit Christi leugnet, als Ungläubiger anzusehen. Die Gottheit Christi wird geleugnet — ich sage es mit Schmerz — von vie­len evangelischen Theologen; aber auch von einem katholischen, nämlich von Hans Küng. Das kirch­liche Gesetzbuch bezeichnet die Ablehnung des christlichen ‚Glaubens im Ganzen und auch die Ab­lehnung Christi als wahren Gottes als „Apostasie“, als Abfall. Der Glaube ist eine Gnade; der Unglaube ist eine unentschuldbare Sünde. Gott gibt jedem Menschen die hinreichende Gnade, zum Glauben zu kommen und im Glauben zu verharren. Den Glauben verliert niemand, es sei denn, er schüttelt ihn ab. Häufig — vielleicht in den meisten Fällen — ist es die Sittenlehre, die zum Abwerfen des Glaubens verführt. Wenn das Einmaleins und der Lehrsatz des Pythagoras die gleichen Forderun­gen an das sittliche Leben stellen würden wie die Glaubenssätze, sie würden genauso ungläubig aufge­nommen werden wie diese.

Die zweite Sünde gegen den Glauben ist die Häresie. Das ist ein griechisches Wort und heißt so viel wie „Auswahl“. Häresie nennt man die nach Empfang der Taufe erfolgte beharrliche Leugnung von Wahrheiten, die kraft göttlichen und katholischen Glaubens zu glauben sind, oder auch den Zwei­fel an einer solchen Glaubenswahrheit. Der Sündencharakter der Häresie besteht in der Auswahl: Man wählt sich aus dem christlichen Glaubenssystem etwas aus. Man mischt die Irrlehre in den christlichen Glauben. Das ist das Merkmal der zahllosen Sekten. Sie berufen sich alle auf die Heilige Schrift, aber keine von ihnen hat die ganze Heilige Schrift. Jede dieser Sekten hat ihre Lieblingstexte, auf die sie sich stützt, und vernachlässigt die anderen. Der große Theologe Joseph Lortz — der ja bei uns in Mainz gewirkt hat —, hat ein zweibändiges Werk über die Reformation in Deutschland geschrieben. In diesem Buche untersucht er auch den Glauben Luthers. Es sagt: „Luther war kein ‹Vollhörer› der Hei­ligen Schrift.“ Er hat die Schrift nur in Auswahl gelesen und gelten lassen in dem, was ihm entsprach. Und anderes hat er beiseitegelassen. „Er war kein Vollhörer“, sagt Joseph Lortz. Die Kirche hat im­mer die Preisgabe einer Wahrheit — also eines Dogmas — als Irrlehre und Irrglaube bezeichnet. Die Heilige Schrift spricht deutlich davon: „Aus unserer Mitte sind sie hervorgegangen, aber sie gehörten nicht zu uns. Hätten sie zu uns gehört, dann wären sie bei uns geblieben. So aber sollte offenbar wer­den, dass sie uns nicht angehörten.“ Die Kirche hat immer mit Schmerz und mit Trauer Menschen angesehen, die bei ihr waren, die sich dann von ihr gelöst haben durch Abfall zur Sekte.

Auch der freiwillige Glaubenszweifel hebt die Tugend des Glaubens auf, denn der Glaube ist nun einmal ein festes, zweifelloses Fürwahrhalten. Vorausgesetzt für den sündhaften Zweifel ist, dass man den Widerspruch des Denkens zur objektiven Norm und Pflicht des Glaubens subjektiv erkennt. We­sentlich verschieden vom Zweifel sind Schwierigkeiten im Glauben oder Versuchungen gegen den Glauben. Schwierigkeiten im Glauben sind normal, denn der Glaube verlangt von uns die Annahme von Wahrheiten, die eben nicht auf der Straße liegen. „Tausend Schwierigkeiten“, sagt der englische Kardinal Newman, „tausend Schwierigkeiten machen nicht einen einzigen Zweifel aus.“ Auch Versu­chungen gegen den Glauben sind kein Glaubenszweifel. Der böse Feind weiß, wo er die Gläubigen packen muss. Und er greift sie an, indem er sie versucht. Das Erste Vatikanische Konzil hat den Satz aufgestellt, dass es „für einen Christen, der einmal den Glauben angenommen hat mit Herz und Ver­stand, keinen objektiven Grund geben kann, keinen gerechten Grund geben kann, den Glauben zu ändern oder in Zweifel zu ziehen.“ Wer zweifelt, meine lieben Freunde, der verliert. „Unsere Zweifel sind unsere Verräter“, heißt es bei Shakespeare. Man fasst dieses Zweifeln gewöhnlich unter dem Namen „Skepsis“. Skepsis ist die Ansicht, dass die Wahrheit unerkennbar ist; man ist skeptisch. Ein sicheres Kriterium, um eine wahre Vorstellung von einer falschen erkennbar zu machen, ein sicheres Kriterium, so sagt der Skeptiker, gibt es nicht. Aber vergessen Sie nicht, der Satz „Nichts ist mit Ge­wissheit erkennbar“ gerät mit sich selbst in Widerspruch, denn wer diesen Satz vertritt, nimmt ja zu­mindest an, dass dieser Satz zutreffend ist — also die absolute Skepsis hebt sich selbst auf. Die Skepsis im Glauben macht die Seelen welk und alt. Sie weiß keine Antwort zu geben, sie bringt die Menschen um die Seligkeit des Glaubens.

Eine weitere Verfehlung ist der Indifferentismus, also die Gleichgültigkeit im Glauben. Sie kann praktisch oder theoretisch sein. Praktische Gleichgültigkeit liegt vor, wenn man träge ist in der Übung des Glaubens, im Gebet, im Besuch des Gottesdienstes. Oder auch gleichgültig gegen die Wahrheit des Glaubens, gegen die Interessen der Kirche, gegen das Heil der Seelen und die Ehre Gottes und seines Reiches. Solche Gleichgültigkeit ist — wie Sie wissen — außerordentlich häufig. Es fehlt an Le­bendigkeit des Glaubens, es fehlt an Ernst gegenüber den Verpflichtungen des Glaubens. Quellen der Indifferenz (des Indifferentismus) sind religiöse Unwissenheit, Vorurteile gegen die Kirche, weltlicher Sinn, Vernachlässigung der religiösen Übungen. Die Folge ist der allmähliche Verlust des Glaubens. Der theoretische Indifferentismus besteht darin, dass man sagt „alle religiösen Bekenntnisse sind gleich wahr oder auch gleich falsch“. Oder der Glaube habe für das sittliche Leben und das ewige Heil keine Bedeutung; Hauptsache dass man „etwas“ glaubt. Ja, meine lieben Freunde, wozu ist denn Gott vom Himmel herabgestiegen, wenn es gleichgültig ist, was man glaubt? Der theoretische Indifferen­tismus steht dem völligen Unglauben nahe. Schon im Alten Bunde war die religiöse Gleichgültigkeit bekannt. Denken Sie an den Propheten Elias, der das Volk fragte: „Wie lange wollt ihr auf beiden Seiten hinken? Wer ist der wahre Gott: der Gott Israels oder Baal?“. Das Christentum hat sich von Anfang an gegen Unentschiedenheit und Rückversicherung im Glauben gewehrt. „Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich“, sagt der Herr. Und Paulus fragt: „Was hat das Licht mit der Finsternis zu tun? Wie verträgt sich Gottes Tempel mit Götzenbildern?“ Im letzten Buch der Heiligen Schrift — in der Apokalypse — heißt es: „Ich kenne deine Werke. Du bist weder kalt noch warm. Wärest du doch kalt oder warm, aber weil du lau bist, will ich dich ausspucken aus meinem Munde!“ Der Laue, das ist der Skeptiker, das ist der Indifferente. Der Apostel von Berlin, Karl Sonnenschein, hat einmal in seinen sonntäglichen Notizen geschrieben: „Was ist größere Gefahr: Sekte, Freimaurertum, Apathie? Die Apathie ist es. Wahnsinnige Gleichgültigkeit gegen die religiösen Dinge.“ So Karl Sonnenschein.

Die Sünde gegen den Glauben ist deswegen besonders gravierend, weil eben mit ihr das ganze Ge­bäude des Christen einstürzt, denn der Glaube ist die Tragkraft seines Lebens. Und deswegen heißt es bei Markus: „Wer nicht glaubt, wird verdammt werden.“ Und bei Johannes: „Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet.“ Der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde in Saloniki: „Alle jene werden dem Gericht verfallen, die der Wahrheit keinen Glauben schenken.“ Und an die Gemeinde in Korinth schreibt er: „Der Zorn Gottes kommt über die Kinder des Unglaubens.“ Dieser Lehre entsprechend hat die Kirche, seit ältesten Zeiten, nach außen kundgegebene Häresie und Apostasie mit dem Aus­schluss aus ihrer Gnadengemeinschaft beantwortet — mit der Exkommunikation. „Einen ketzerischen Menschen weise zurecht und meide ihn, wenn du ihn zurechtgewiesen hast.“ „Wenn einer zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, nehmt ihn nicht in euer Haus auf und bietet ihm keinen Gruß.“

Die innere Betrachtung der Sünde des Unglaubens zeigt ihre sittliche Verwerflichkeit. Es handelt sich ja um die Preisgabe eines göttlichen Gutes, nämlich der höchsten Wahrheit. Es wird auch die Sünde deswegen so schwer, weil sie sich abwendet von der Wahrheit und Wahrhaftigkeit Gottes. Es geht ja nicht um Menschen. Es geht beim Unglauben um Gott. Die Sünde verletzt die Autorität Got­tes, die gebietende Macht des Schöpfers über die Menschenseele, und damit auch die Ehre Gottes.

Der Unglaube ist sodann eine Verfehlung gegen die wahre Selbstliebe: ein Herabsinken der Seele in Finsternis, aus der sie sich durch den Glauben erhoben hatte. Die Sünde steht auch im Gegensatz zu der kirchlichen Gemeinschaft, weil sie sich absondert. Sie zerreißt das Einheitsband der Kirche, das ja der Glaube ist. Und sie gefährdet die übernatürliche Heilswahrheit bei anderen, denn sie kann anste­ckend wirken, diese Sünde, sie kann ansteckend wirken. Und deswegen hat die Kirche auch immer mit ihren Waffen gegen sie gekämpft. Sie kennen alle den Kampfbegriff gegen die Kirche, das Wort „In­quisition“. Wenn es in Mainz einen Kenner der Inquisition gibt, dann bin ich das. Ich habe mich als Kirchenrechtler mit dieser Frage ausgiebig beschäftigt und habe, was mir erreichbar war, gelesen. Erst vor einigen Jahren hat Hermann Heimpel, in Göttingen, Protokolle einer Inquisition veröffentlicht ­ich habe sie besprochen. Die Inquisition, meine lieben Freunde, ist aus dem Grundsatz der Einheit von Staat und Kirche entstanden. Die Feinde der Kirche galten gleichzeitig als Feinde des Staates, und darum erfolgte ihre Bestrafung durch den Staat. Es gab Irrlehren, die gemeingefährlich für Kirche und Staat waren, Irrlehren, die den Bestand von Kirche und Staat infrage stellten. Ihre Vertreter waren die Anarchisten der damaligen Zeit. Ignaz Döllinger — also der Mann, der später mit der Kirche gebro­chen hat —, Ignaz Döllinger hat einmal geschrieben: „Die Katharer“ — also diese Sekte, die in Süd­frankreich und in Nordspanien sich ausbreitete — „die Katharer griffen Ehe, Familie und Eigentum an. Hätten sie gesiegt: ein allgemeiner Umsturz, ein Zurücksinken in die Barbarei und heidnische Zuchtlo­sigkeit wäre die Folge gewesen.“ So Ignaz Döllinger. Es war allgemeine Überzeugung, dass hartnäcki­ge Ketzer den Tod verdienen. Wenn man über andere relativ geringfügigere Vergehen wie Zauberei oder Brandstiftung die Todesstrafe verhängte, dann erst recht über die Ketzerei. Die hartnäckige Ket­zerei wurde als das schlimmste Vergehen angesehen. Und deswegen hat — man höre und staune — Kai­ser Friedrich II. — Kaiser Friedrich II.! — die Gesetze gegen die Ketzer erlassen, die den Feuertod fest­setzten. 1224, 1231 und 1238 hat Kaiser Friedrich die Gesetze über die Bestrafung der Ketzer erlassen. Seitdem wurde der Feuertod für den hartnäckigen Ketzer festgesetzt. Der Bestrafung ging die Untersuchung voraus. Das lateinische Wort dafür ist „inquisitio“. Inquisition heißt „Untersu­chung“. Der sie vornahm, musste im Recht und in der Theologie bewandert sein. Deswegen wurde sie mit Vorliebe den Dominikanern übertragen, denn das war der gebildetste Orden der damaligen Zeit. Die Aufgabe der Inquisitoren war, zu untersuchen, ob jemand ein Ketzer sei. Wenn das festgestellt wurde, hat man ihn zum Widerruf zu bringen versucht. Deswegen die gelehrten Männer. Sie haben ihn mit Gründen, mit Glaubensgründen, mit Verstandesgründen, zu widerlegen versucht. Und das ist in vielen, in sehr vielen Fällen gelungen. Und die so Wiedergewonnenen wurden entlassen. Die hart­näckigen Ketzer dagegen wurden als solche verurteilt. Es gab viele Urteile, die nur auf Gefängnis lau­teten, zeitweiliges Gefängnis: ein Jahr, zwei Jahre oder noch weniger. Es gab aber auch solche, die, weil sie hartnäckig und gemeingefährlich waren, der weltlichen Gewalt zur Bestrafung am Leben überwiesen wurden. Ich habe die Protokolle, die sich erhalten sind, gelesen. Sie zeigen, mit welcher Leidenschaft die kirchlichen Inquisitoren darum rangen, die Ketzer zu bekehren, und in wie vielen Fällen es ihnen auch gelungen ist. Deswegen lauteten die meisten Urteile auf Freispruch oder zeitwei­lige Haft. Die Übergabe an den weltlichen Arm zur Todesstrafe war selten. Die darüber verbreiteten Lügen sind keine Wahrheit. Man will hier der Kirche etwas auswischen. Die Inquisition wurde auch in protestantischen Staaten geübt. Man denke an die furchtbaren Verfolgungen der Katholiken in Eng­land. Jahrhundertelang wurden dort Menschen wegen ihres Glaubens hingerichtet, bis ins 19. Jahr­hundert. Und in Irland war es ebenso und in Frankreich während der Revolution. Diese Verfolgungen haben zahlreichere und grausamere Urteile gegen die Gläubigen zu verantworten als alle Urteile der Inquisition im Mittelalter.

Meine lieben Freunde, wir wollen uns am heutigen Tage besinnen, welcher Schatz unser Glaube ist. Gott verloren, d.h. alles verloren. Ohne Gott, alles Spott. Für uns muss gelten: Erstens: Verwerfe den Irrtum, aber liebe die Irrenden. Wir müssen für unseren Glauben stehen und dürfen ihn nicht verbie­gen. Aber wer ihn nicht teilt, hat Anspruch auf unsere ungeheuchelte Liebe. Die Liebe drängt uns, den Irrenden die Wahrheit zu bringen. Zweitens: Halte, was du hast. Meide die Gefahren für den Glauben. Stärke deinen Glauben, vertiefe deinen Glauben, lebe deinen Glauben, betätige deinen Glauben: im Gebet, im Gottesdienst, im Handeln aus dem Glauben. Drittens: Wache über die dir Anvertrauten. Versorge sie mit Schriften, die den Glauben aufbauen. Zeige ihnen, dass unser Glaube begründet ist, dass die Vernunft ihm nicht widerspricht. Suche in Glaubensgesprächen die Fragen zu beantworten, die andere haben, die Schwierigkeiten zu lösen, unter denen sie leiden. Ich sage, meine lieben Freunde, mit Victor Hugo: „Zu glauben ist schwierig, nicht zu glauben ist unmöglich.“

_______

Quelle: Glaubenswahrheit.org

„Der Glaube ist mehr als Gehorsam“ – HH Prof. DDDr. Albert Drexel

Worte des Heilandes

an HH Prof. Dr. Dr. Dr. Albert Drexel, (gestorben 9.3.1977)

aus

„Der Glaube ist mehr als Gehorsam“

 

 

„Was aber jetzt in der einen und wahren Kirche geschieht, ist nackter Unglaube der Priester, ist der Abfall von Gott, dem Schöpfer und Vater, unter der Maske Meines Namens. Meinen Namen gebrauchen sie, um zu täuschen; in Wahrheit täuschen sie sich selber: ihr Innerstes ist Schein, ihr Wort ist Trug, ihr Ende ist die Hölle.“

In der Nacht zum 4. April 1975, GMG, S. 115.

 

„Wie aber die Gestirne um so schöner leuchten, je dunkler die Nacht ist, so leuchtet auch die Tugend der Guten, der im Glauben Getreuen, der Beter inmitten einer Welt der Sünde, inmitten einer Menschheit, die ihrem Untergang entgegen geht, hell vor Gottes Antlitz. Ich segne sie alle mit dem Segen Meiner Liebe und Meiner ewigen Treue. Es begleite sie alle das Wort des heiligen Apostels Paulus: ‚Das ist ja unser Ruhm: das Zeugnis unseres Gewissens, daß wir im heiligen Streben und in redlicher Gesinnung zu Gott, nicht in natürlicher irdischer Weisheit in der Welt gewandelt sind, sondern in Gottes Gnade.‘ Ich habe einmal gesagt: ‚Ich kenne die Meinigen, und die Meinigen kennen Mich.‘ Dieses Wort reicht bis in das Jenseits der Ewigkeit.“

In der Nacht zum 7. März 1975, GMG, S. 113/114

 

„Alle aber, die Mir in der Liebe ihres Herzens verbunden sind und treu bleiben, werden aus der Kraft und in dem Licht und mit der Gnade des Heiligen Geistes die Kirche retten, ob sie groß oder klein sein wird. Habe Ich nicht in der Zeit Meines Wandels auf Erden gesagt: ‚Auf der breiten Straße des Verderbens wandeln viele, doch wenige nur gehen den schmalen und steilen Pfad zur Höhe?‘ „

In der Nacht zum 4. April 1975, GMG, S. 115.

 

„Die Prüfung, die seit dem Konzil über die Kirche hereingebrochen ist, wächst; ja schon hat sie sich an mehreren Orten zu einer inneren Verfolgung entwickelt.

Wäre Ich nicht in der Herrlichkeit und leidensunfähig, würde Mein Schmerz über das, was jetzt in Meiner einen und wahren Kirche geschieht, größer sein als der Schmerz, den Ich in den drei Stunden Meines Sterbens am Holz des Kreuzes ausgestanden habe.

Der Greuel der Verwüstung ist in diese Meine Kirche eingedrungen. Immer mehr Priester zweifeln an Meiner wahren Gegenwart in den Opfergaben von Brot und Wein. Ihnen wird das Opfer des Altares nur mehr zu einem bloßen ‚Mahl‘, wie sie sich selbst betrügend sagen.

Alsdann entheiligen sie den Tempel Gottes, indem sie die Zeichen des Heiligen und die Bilder der Heiligen aus ihm entfernen, indem sie das heiligste Geschehen am Altar durch weltliche Töne und Gebärden verunehren. Oder wieder andere zieren den geweihten Raum mit Bildern und Figuren, die die Sprache der Hölle sprechen.

Das Buch der Offenbarungen Gottes höhlen sie aus, indem sie sogar in ihrem Stolz nach eigenem Gutdünken und in ihrem frevlerischen Wagemut Meine Auferstehung leugnen.

Doch die Hirten sprechen nicht, und sie machen dadurch sich einer unheimlichen Verantwortung schuldig!

Das schmerzlichste aber ist, daß jene, die dem heiligen Glauben die Treue bewahren, und denen das mystische Opfer heilig ist, verfolgt werden – ‚um der Gerechtigkeit willen‘, wie Ich in der Bergpredigt gesagt habe. Daran mögen die Getreuen erkennen, in welcher Notlage sich die Kirche befindet. Wohl bin Ich mit diesen Getreuen und Ich kenne sie, die um der Wahrheit willen verfolgt werden. Zwar wird der Tag kommen, an dem die Lüge und das Unrecht vor der Welt offenbar werden, doch bis zu diesem Tage wird das Leid der Guten von unermeßlichem inneren Schmerze sein.

Dies soll ihr Trost und ihr Ruhm sein: sie gehen und stehen in Meiner Nachfolge. Es ist ihr Kreuzweg.“

In der Nacht zum 6. Juni 1975, GMG, S. 118/119.

 

„Zwar ist die Verwirrung und Zerstörung in Meiner einen und wahren Kirche noch nicht am Ende angelangt, aber die Treugebliebenen sind im Glauben und in der Liebe zu Mir und zu Meiner jungfräulichen Mutter Maria gewachsen und sie werden die Kirche retten. Darum mögen gerade diese Getreuen nicht verzagen, sondern vielmehr neuen Mut fassen, sich zusammenschließen und furchtlos den Glauben bekennen. Es mögen sich alle wahrhaft Guten untereinander verstehen und sich Beistand leisten; haben sie doch Meine Mutter, die auch ihre Mutter ist!“

In der Nacht zum 3. Januar 1975, GMG S. 109

 

„Wohl wird es für die Welt eine schwere, die schwerste Zukunft werden; schwerer noch für Meine eine und wahre Kirche.

Dieses Unheil kommt von dem dreifachen Abfall: von dem Abfall von Gott, von dem Abfall von Gottes Geboten, von dem Abfall von der Ordnung Gottes. Eine Welt ohne Gott, ohne Glauben an Gott, eine Welt, die Gottes unabänderliche Gebote und Verbote mißachtet, eine Welt, welche die Ordnung Gottes verläßt und zerstört, wie sie der Vater der Schöpfung in die Natur und in den Menschen hineingelegt hat: eine solche Welt geht unaufhaltsam dem Abgrund entgegen, einem Chaos.“

In der Nacht zum 7. Februar 1975, GMG, S. 110/111

(Veröffentlicht als Zitate in „Das Zeichen Mariens“, Oktober 1988)

 

Lesen Sie weiter in: “Der Glaube ist mehr als Gehorsam“, Born-Verlag, Olten