Papst bei der Generalaudienz: Bischöfe sollen dienen – Lob der Kollegialität

Eine Kirche, die nicht einig ist, ist nicht gesund – dies hat der Papst an diesem Mittwoch am Beispiel des Bischofsamtes ausgeführt. Die Mütterlichkeit der Kirche komme vor allem im Bischof zum Ausdruck, so Franziskus im neuesten Teil seiner Katechesen-Reihe über das Wesen der Kirche. Er ging von Mahnungen des Apostels Paulus an seinen Schüler, den Bischof Titus, über die „Tugenden“ eines Bischofs aus. Bischöfe sollten ein „lebendiges Zeichen der Anwesenheit des Herrn“ in den Glaubensgemeinschaften sein, formulierte der Papst.

„Wir verstehen also, dass es sich nicht um eine Position mit Prestige handelt oder um ein Ehrenamt. Das Bischofsamt ist keine Auszeichnung, sondern ein Dienst! Und so hat es Jesus gewollt. In der Kirche darf kein Platz sein für eine weltliche Mentalität, die sagt: ,Dieser Mann hat in der Kirche Karriere gemacht und ist Bischof geworden…‘ Nein, nein! Bischof sein heißt, immer die Augen auf Jesu Beispiel zu richten, der als guter Hirte nicht kam, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben für die Schafe hinzugeben.“

Das Bischofsamt suche und erbitte man nicht, man „kauft es nicht“, fuhr der Papst fort, sondern man empfange es in Demut, um zu dienen.

„Es ist traurig, wenn man einen Mann sieht, der dieses Amt sucht und viel unternimmt, um dorthin zu kommen – und der dann, wenn er es innehat, nicht dient, sondern sich aufplustert und nur für seine Eitelkeit lebt.“

Als Jesus seine Apostel berief, wählte er sie zusammen aus, erinnerte der Papst weiter: Er begriff sie als Familie, nicht separat. Das gelte auch heute, so Franziskus, der hier auch auf das Papstamt zu sprechen kam.

„Auch die Bischöfe bilden ein einziges Kollegium, rund um den Papst, der Hüter und Garant der tiefen Einheit ist, die Jesus und seinen Aposteln sehr am Herzen lag. Wie schön ist es, wenn die Bischöfe mit dem Papst diese Kollegialität ausdrücken und versuchen, mehr und mehr, mehr und mehr zu Dienern der Gläubigen zu werden, zu Dienern der Kirche! Wir haben dies vor kurzem bei der Synode zur Familie erlebt.“

Der Papst würdigte Bischöfe in anderen, weit entfernten Teilen der Welt, die sich trotz großer Entfernung und kultureller Unterschiede in Einheit fühlten mit der katholischen Weltkirche, die „in Christus“ einig sei. Und er betonte:

„Es gibt keine gesunde Kirche, wenn die Gläubigen, die Diakone und Pfarrer nicht mit dem Bischof vereint sind. Eine Kirche, die nicht mit dem Bischof einig ist, ist eine kranke Kirche! Jesus hat diese Einheit aller Gläubigen mit dem Bischof gewollt, auch der Diakone und Presbyter.“

Wir alle sind Sünder, fügte der Papst an. Und er bat um das Gebet der Gläubigen für ihre Bischöfe und den Bischof von Rom, damit sich diese den von Paulus formulierten Tugenden des Bischofs annäherten.

(rv 05.11.2014 pr)

Die Bischöfe und die Kirche

Die Kirche ist durch den Willen ihres Stifters hierarchisch. Die Gläubigen hören das Wort Gottes und empfangen das Leben der Gnade durch die Vermittlung von ausgewählten Menschen, die sie zum Heil führen sollen.

Obwohl die Kirche heute in der schlimmsten Krise ihrer Geschichte steckt, hat sie dennoch ihren hierarchischen Aufbau behalten1. Man kann also das Verhalten der Gläubigen verstehen: da sie von ihren Hirten verraten sind, suchen sie, wo die Hierarchie noch vorhanden ist. Es versteht sich, dass sie sich nicht mehr an den apostolischen Stuhl wenden können, da er vorläufig unbesetzt ist, dann aber bei anderen Bischöfen die Lehre und die Sakramente erbitten, die sie brauchen. «Ich werde bei euch sein alle Tage bis ans Ende der Welt» (Mt 28,20), spricht Christus zu seinen Aposteln. Dadurch sichert er ihnen zu, dass sie bis zum Ende der Welt wahre Nachfolger haben werden. O, möch­ten wir es doch bald erleben, dass sich jene katholischen Bischöfe erhe­ben, welche bisher so schwach, so zögernd und so säumig gewesen sind. Christus wird ihnen seinen Beistand nicht versagen, wenn sie nur bit­terlich beweinen — wie einst der hl. Petrus —, dass sie den Herrn verleug­net haben.

Trägt ein Bischof lediglich Verantwortung für seine Herde? Oder ist ihm eine Befugnis gegeben, mehr zu tun, als nur im Rahmen seines eigenen Bistums zu kämpfen? Oder, was kann einer noch tun, wenn er keinem Bistum vorsteht? Was kann ein Bischof noch zur Zeit einer Sedisvakanz tun? Die Antwort auf diese verschiedenen Fragen soll es möglich machen, dass man sich ein Urteil bilden kann. Wenn gegen­wärtig zahlreiche Verbindungen zu Bischöfen aufgenommen wurden, so müssen diese Unternehmungen auf dem Hintergrund der Antwort als lohnend angesehen werden. Was können und müssen wir von ihnen erwarten? Je nach der Antwort auf diese Fragen, können wir unsere Hoffnung, unser Beten und unser Tun auf sichere Sachbezüge grün­den2.

Was ist ein Bischof?

In einem früheren Beitrag wiesen wir auf die Notwendigkeit des Lehr­amtes für die Kirche hin: das Wort Christi — sollte es die Menschen in seiner Reinheit erreichen — muss unfehlbar durch die Apostel und ihre Nachfolger verkündet werden. Jesus Christus hat sich aber nicht damit begnügt zu predigen, sondern er hat auch gehandelt, um die Menschen von der Sünde zu erlösen und ihnen das Leben der Gnade mitzuteilen. Da der Mensch kein körperloser Geist ist, war es der Wille Christi, die unsichtbare Gnade, die er geben kann, wem er will, zunächst jenen zu schenken, die ihm körperlich nahetreten. So sieht man, wie er auf sei­nen Wanderungen durch Galiläa, Samaria, Judäa, die Zehnstädtege­gend und Phönizien zahlreiche Menschen anrührt und wie die seeli­schen Heilungen auch stets mit Körperheilungen einhergehen. Dafür bedient er sich sogar armseliger Mittel wie z. B. Teig (aus Speichel und Erde bereitet), womit er die Augen des Blinden von Silo bestreicht (Joh 9,6). Nach dem Willen des Erlösers sollte dieses unmittelbare, körperliche Tun niemals aufhören: die Hierarchie verlängert die Gegenwart Christi, seine Lehre und sein Handeln dadurch, dass sie da ist, die Lehre verkündet und die Sakramente spendet. Hier haben wir das unsichtbare Wirken der Gnade, welche uns durch die Vermittlung konkreter Menschen und, entsprechend der Schwäche der menschli­chen Natur, durch sinnfällige Zeichen gegeben wird.

Im grossen und ganzen haben wir hier die Begründung für das Beste­hen der katholischen Hierarchie: die Menschwerdung des Gottessoh­nes wird in der Zeit fortgesetzt durch die Predigt des Evangeliums, durch die Weitergabe des übernatürlichen Lebens und durch ein wirk­sames Hinführen der Menschen zur ewigen Glückseligkeit. Durch die Ausübung dieser drei Ämter nimmt die Kirche das Prophetenamt, das Priesteramt und das Königsamt des Messias wahr und zwar in seinem Namen und mit der unausgesetzten Hilfe des Heiligen Geistes ohne irgend eine Schwächung der Wirkmacht, im Gegenteil: «Wer an mich glaubt, wird auch die Werke tun, die ich vollbringe, ja er wird noch grössere tun, denn ich gehe zum Vater» (Joh 14,12).

Die Bischöfe, Nachfolger der Apostel

Wer sind denn die Männer, die mit dieser Macht ausgestattet sind? Wer bildet die Hierarchie? Zunächst im Verein mit dem hl. Petrus, ihrem Oberhaupt, der die Stelle Christi vertritt. Dann jene, denen sie ihre Vollmacht übertragen haben. Das sind die Bischöfe, die in Gemeinschaft stehen mit dem Nachfolger Petri auf dem Thron der Kirche in Rom und der auch der Stellvertreter Christi ist. Schliesslich jene, denen die Bischöfe einen Teil ihrer eigenen Vollmacht übertra­gen, zu ihrer eigenen Entlastung, wie Priester, Diakone, die niederen Weihegrade, und die mit ihrem Bischof geeint sind.

Die Bischöfe sind also vor allem die Nachfolger der Apostel; sie haben alle Vollmachten von ihnen erhalten mit Ausnahme derer, die nicht weitergegeben werden konnten, weil sie ihnen als bevorzugten Zeugen des Lebens und der Auferstehung Jesu persönlich zu eigen waren. Nach dem Tode des letzten Apostels ist die Offenbarung abgeschlos­sen, alle Sakramente sind verordnet und die Kirche hat ihren wesentli­chen Aufbau erhalten. Aber das Glaubensgut muss weitergegeben, erklärt und verteidigt werden; die Sakramente müssen bewahrt, vor Veränderungen geschützt und allen Menschen aller Orte und Zeiten zugänglich gemacht werden, die Gläubigen müssen auf dem Heilswege geleitet werden: in alledem besteht der Auftrag der Bischöfe und auf das alles erstreckt sich ihre furchtbare Verantwortung.

Haben Menschen die Fähigkeit, einen Auftrag dieser Art überhaupt zu erfüllen? Nein, das wäre nicht denkbar, wenn die Kirche nur eine menschliche Gesellschaft darstellte. Die Tatsache, dass sie trotz der Gegnerschaft der Welt nun schon während zwanzig Jahrhunderten standgehalten hat, ist geradezu als ein Wunder zu bezeichnen, zumal wenn man den Verrat von manchen und soviel menschlichen Schwä­chen innerhalb der Kirche in Rechnung stellt. Die Kirche wird somit zu einem leuchtenden Zeichen dafür, dass die christliche Offenbarung göttlichen Charakter hat. Vom Glauben her können wir verstehen, warum das so ist. Vom Glauben her wissen wir, dass die Kirche keine Gesellschaft wie die anderen ist, denn sie ist ein lebendiger Leib weit mehr und besser als jede andere Gesellschaft. Sie ist nämlich der mysti­sche Leib des Gottessohnes d. h. sie lebt aus dem Leben Gottes selbst. Dadurch wird sie in die vollkommene Einheit gesetzt, denn in ihr ist jegliches Leben, jegliche Sendung und jegliche Vollmacht ein Ausfluss, Weitergabe des Lebens, der Sendung und der Gewalt Jesu Christi, alles Dinge, die er selbst vom Vater erhalten hat. Die allumfassende Kirche hat auf Erden viele Teilkirchen gegründet und jede von ihr schenkt einem Teil von Gläubigen das göttliche Leben. Aber Jesus Christus lebt und handelt im ganzen wie auch im kleinsten Teil: «Da er unsichtbar ist, hat er sich der ganzen Kirche ganz geschenkt und die Kirche gibt ihn jedem einzelnen Teile ganz … Die Teilkirchen beste­hen ja nur durch die Gesamtkirche. Alles in allem haben die Teilkir­chen als bestimmtes Volk das göttliche Geschenk zu eigen, welches der gesamten neuen Menschheit zuerst in der Gesamtkirche zuteil wurde»4.

Mit dem heiligen Petrus Damianus kann man sogar sagen: «In jedem Gläubigen muss eine kleine Kirche gesehen werden: denn, wenn das Geheimnis des Sakramentes der Einheit sichergestellt ist, empfängt ein einziger Mensch alle Sakramente für die Erlösung der Menschen, wel­che der Gesamtkirche von Gott geschenkt worden sind»5.

Die Bischofsgnaden

Bischöfe sind also nicht Gesandte wie andere. Was sie einer begrenzten Gruppe von Menschen mitteilen, «das ist das ungeteilte Gewand Chri­sti, ein für allemal, vollständig … das Gewand, wodurch Jesus die Ein­heit der Kirche darstellte »6. Damit diese Menschen keiner Irreführung seitens der Bischöfe unterliegen müssen, hat unser Herr alles getan, damit den Bischöfen zu ihrer Pflichterfüllung nichts fehle.

Sie haben die Gewähr, in der Weitergabe des offenbarten Wortes (Lehramt) ungeteilt mit der Lehre Jesu Christi verbunden zu bleiben. Denn Christus spricht noch in der Kirche «durch die Einsetzung eines Stellvertreters, der sein ständiges Sprachrohr sein soll, Hüter und unfehlbarer Verkünder seines Wortes. Alle Bischöfe scharen sich um ihn, sie vereinigen sich mit ihm und erlangen durch ihn die Fähigkeit, mit ihm und durch ihn das eine allgemeine Lehramt der gesamten Kir­che zu bilden. Die Bischöfe kommen aus diesem Kollegium, um ihren Teilkirchen das empfangene Wort zu überbringen: und so wird das Lehramt Christi, das sich stets in seinem Stellvertreter zeigt, stufen­weise bis zur untersten Rangstufe wirksam sein»7.

Was das priesterliche Wirken betrifft, «verleiht Jesus Christus als Hoherpriester den Bischöfen die Fülle dieser heiligenden Gewalt. Dem Bischof steht es zu, die Taufe zu spenden, die hl. Eucharistie zu feiern. Es ist seine Aufgabe, die neuen Geschöpfe durch die Taufe ins Leben zu rufen und in der Firmung zu vollenden; es ist seine Aufgabe, das eucharistische Opfer darzubringen und sein Volk daraus zu spei­sen. Er lässt in der Busse die Sünde nach. Wenn auch die Brautleute beim Ehesakrament sich selber die Gnade spenden, so tun sie es nur kraft der Taufe, welche sie von ihm empfangen haben. So wirkt Jesus Christus durch den Bischof alle Heiligung in der Kirche. Ihrerseits set­zen die Bischöfe den untergeordneten Rang der Priester für sein heili­gendes Wirken ein»8.

Was die Leitungsfunktion betrifft, «so leiten die Bischöfe, in allem mit Christus verbunden, mit ihm und unter ihm die Gesamtkriche. Aber, wie wir es vorhin bei der Besprechung über das Lehramt darlegten, ist Christus ihr Oberhaupt sichtbar geworden, indem er sich in seinem Stellvertreter an ihre Spitze stellt; dieser vertritt Christus in allen Ange­legenheiten voll und ganz. Dieser Stellvertreter hört nicht auf, seine volle und höchste Gewalt als Oberhaupt in seinem Namen auszuüben. Jesus Christus hat zu ihm gesagt: <Weide meine Lämmer, weide meine Schafe> (Joh 21,15-17). Das Bischofskollegium sieht stets durch ihn sein einziges Oberhaupt, es weiss immer, wo die Quelle der ihm eige­nen Amtsgewalt und wo das göttliche Oberhaupt Jesus Christus stets in Erscheinung tritt, da er in seinem Stellvertreter als seinem Organ stets sichtbar ist»9. Die Bischöfe, die mit der einzigen Amtsgewalt des Papstes in Verbindung stehen und unter seiner Abhängigkeit, erlassen infolgedessen Gesetze, sprechen Richtersprüche aus, erteilen Befehle und verhängen Kirchenstrafen.

In der Gesamtkirche wie auch in ihren Teilkirchen spricht, heiligt und befiehlt also der Heiland durch die Bischöfe, die mit dem Papst geeint sind. Über den Bischöfen steht kein anderer als Jesus Christus. Als Bischof ist der Papst nicht mehr als die anderen Bischöfe, denn «das Bischofsamt lässt in seinen Gliedern keine Unterordnung zu, und der Bischof von Rom ist nicht mehr Bischof als der Bischof irgendeiner unbedeutenden Stadt»10. «Die vom Papst ausgeübte Gewalt geht durch ihre Natur und ihren Rechtstitel über jene der Bischöfe hinaus, denn diese Gewalt ist die Gewalt Jesu Christi selber, als Haupt, Ursprung und Herr der Bischöfe»11. «Der Stellvertreter Jesu Christi teilt die gleiche Gewalt mit Jesus Christus, oder besser die gesamte Gewalt Jesu Christi, ohne dass sie aufgeteilt oder bemessen mitgeteilt würde»12. Aus diesem Grunde regiert er die Gesamtkirche im ganzen wie auch in den einzelnen Teilen, setzt er auch die Lehre der Wahrheit ohne Unterlass fort.

Der Bischof und seine Teilkirche

Aus dem bisher Gesagten geht hervor, dass der Ortsbischof, der mit seinen Brüdern im Bischofsamt mit dem Papste geeint die Hierarchie für die Gesamtkirche darstellt, auch für eine begrenzte Gruppe von Gläubigen Christus mit all seinen Vollmachten darstellt. So gibt er die­sen in einer sogenannten Teilkriche13 versammelten Gläubigen die Möglichkeit, auch Kirche zu sein, lebendige und tätige Gegenwart des Gottessohnes. Mit wenigen Worten bestimmt der hl. Cyprian die Teil­kirche und die Beziehungen, wodurch sie unzertrennlich mit dem Bischof geeint ist: «So solltst du wissen, dass es in der Kirche einen Bischof gibt und dass die Kirche im Bischof vorhanden ist. Wenn jemand nicht mit dem Bischof ist, so ist er nicht in der Kirche. Jene sind die Kirche, die das Volk sind und mit dem Priester geeint sind, und die Herde, die dem Hirten anhängt»14. Nebenbei bemerkt: an der Tatsa­che, dass man sich daran gewöhnt hat, in einem Bischof nur noch einen Verwaltungsvollstrecker der päpstlichen Gewalt zu sehen, können wir ermessen, wie sehr das Christentum gesunken ist.

Überall aber, wo die Kirche ist, ist auch die ganze Kirche zugegen, weil in ihr der ganze Christus zugegen ist. So wie auch der sakramentale Christus nicht geteilt wird, wenn die eucharistischen Gestalten geteilt werden, so wird auch die Gesamtkirche nicht herabgemindert, wenn sie sich in Teilkirchen kundtut. Ja, «diese einzelne Kirche und diese Braut des Bischofs wird noch die Kirche und die Braut Jesu Christi sein; sie ist in ihrem Bischof unzertrennlich mit Christus geeint, sie geht ja nur aus Jesus Christus hervor und sieht ihn im Bischof, der sie beruft, zum Leben erweckt und ihrer Leitung vorsteht»15.

Als erstes ist der Bischof Lehrer der Teilkirche. «Der Glaube des Bischofs, der das Wort des Lebens als erster erhalten hat, wird den Glauben seiner Kirche prägen dadurch, dass er ihr dieses Wort vermit­telt. Der Glaube des Bischofs ist also ein lehrender Glaube und der Glaube des Volkes hat zum Gegenstand, was ihm gelehrt worden ist»16.

Der Bischof ist sodann jener, der seine Teilkirche heiligt. Er ist es, der die Sakramente als hauptsächlicher und ordentlicher Ausspender aus­teilt. Der hl. Cyprian sagte: «Wir sind es, die wir durch die Gnade Got­tes dem dürstenden Gottesvolke das Wasser der Heiles geben; wir bestimmen darüber, was der Lebensbrunn gibt»17.

Schliesslich ist er auch der Oberhirte seiner Teilkirche: «Die Bischöfe haben das Recht und die Pflicht, ihr Bistum in geistigen und zeitlichen Dingen mit der Gesetzes-, Richter- und Strafgewalt zu regieren und zwar nach Massgabe der heiligen Kanones»18. Der Bischof hat also die Gewalt, Gesetze und Verordnungen zu erlassen, Streitfälle oder Vergehen zu richten, seine Beschlüsse auszuführen und die Schuldigen zu bestrafen, «ja sogar die Pflichtvergessenen und die Widerspenstigen aus der Kirche auszuschliessen»19.

Das ganze Wirken der Geistlichkeit, der örtlichen Hierarchie, die der Bischof einbezieht, wickelt sich in seiner Abhängigkeit ab, in seinem Namen und mit seiner stillschweigenden oder vorausgesetzten Zustimmung. «Die Priester predigen, ja, aber im Namen des Bischofs. Wenn sie am Altare allein zelebrieren, so handeln sie hier an seiner Stelle, sprechen die alten Texte, und die erteilten Absolutionen gelten nur aufgrund einer delegierten Vollmacht»20. «Nur jene Eucharistie ist legitim und hat Bestand, welche sich unter dem Vorsitz des Bischofs oder dessen, der das Amt hat, vollzieht», sagte der hl. Ignatius21. In früheren Zeiten spendete er die Taufe und heute sollte man von ihm die Erwachsenentaufe spenden lassen.

Es stimmt schon, dass wir die zentrale Stellung des Bischofs in unserm religiösen Leben ein wenig aus den Augen verloren haben, umstände­halber. Es ist ja schon lange her, dass unsere Bischöfe ihre Kirchen im Stich gelassen haben. Wir müssen uns gut der grundsätzlichen Unvoll­kommenheit einer Situation bewusst sein, in der einige Priester in Bereichen, wo es ihnen möglich ist, nicht nur die Fahnenflucht der Bischöfe, sondern sogar des Papstes ergänzen und ersetzen müssen. Wir müssen uns des durchaus provisorischen Zustandes von allem, was wir in dieser Situation aufbauen, bewusst sein, auch wenn dieser Zustand noch lange anhalten sollte. Sonst könnte sich bei uns eine falsche Vorstel­lung über die Kirche einnisten, wo dann die Hierarchie nur noch zweit­rangig wäre. Wenn man diese Bedingungen nicht beachtete, dann würden unter dem Schutz der Gesetzlosigkeit nur die allzu verbreiteten Verhal­tensweisen um sich greifen, wovon der Endpunkt notwendig zwingend das Schisma sein muss.

Der Bischof und die Gesamtkirche

Der Bischof ist nicht nur das Oberhaupt einer Teilkirche. Übrigens ist er es nur, weil er vorerst mit den übrigen Bischöfen und unter der sichtbaren Leitung des Papstes die Gesamtkirche bildet; und das ist ihm von Christus verliehen worden. Das Wirken der Bischöfe «geht von der Gesamtkirche auf die Teilkirche über»22. Dies bezieht sich ganz und gar auf die Gesamtkirche, ausserhalb derselben hätte es kei­nen Sinn.

Es kommt vor, dass ein Bischof keine seelsorgerliche bischöfliche Ver­antwortung über Gläubige hat. So die Titularbischöfe, die man früher Bischöfe in partibus infidelium nannte, d. h. sie bekleideten ihr Amt für eine frühere Teilkirche, welche dem Angriff des Unglaubens zum Opfer fiel und die augenblicklich in ihrer Person zusammengefasst ist. Sie erfüllen eine Aufgabe als Nuntius oder als apostolischer Delegier­ter, als Teilhaber an der Regierung des Papstes oder noch als Koad­jutor, Weihbischof, apostolischer Vikar oder Würdenträger als Teilha­ber am Amte eines anderen Bischofs. Welches nun auch ihre Aufgabe sei, sind die Titularbischöfe wesentlich Bischöfe. Sie sind ja alle Nach­folger der Apostel und dem Rang der Bischöfe für immer zugeordnet. An alle richten sich die Worte Christi: «Geht hin und lehret alle Völ­ker» (Mt 28,19). «Wer auf euch hört, hört auf mich; wer euch verachtet, verachtet mich» (Lk 10,16). – «Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch» (Joh 20,21). «Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf» (Mt 10,40). Die Kirche hängt von ihnen allen ab; sie ist in ihnen allen enthalten; als Bischofsordnung in Verbindung mit dem Ober­haupt, vertreten sie alle die Gesamtkirche. Ihre gegenseitige Gleich­heit beruht wesentlich auf ihrem Bischofsamt. Hingegen sind sie ungleich, weil sie für besondere Bereiche zugeteilt wurden, aufgrund des Willens Christi, der durch den Bischof von Rom, seinen Stellver­treter zum Ausdruck kommt; denn er vertraut ja dem einen einen Teil der Herde und dem anderen eine andere Aufgabe an, die sich aus einer Machtbefugnis oder der eines bischöflichen Mitbruders ergibt.

Das Bischofsamt besteht also in erster Linie im Hinblick auf die Gesamtkirche, bevor es für eine Teilkirche oder für eine Sonder­aufgabe da ist. Dies wurde sehr gut mit dem althergebrachten Aus­druck «hierarchische Gemeinschaft» bezeichnet. «Dieser Ausdruck wurde allgemein seit dem hohen Altertum verwendet; er bedeutet, dass der empfangene Rang rechtmässig ist und dass der Amtsinhaber in die gesetzmässige Hierarchie eingeführt ist und folglich in den Dienst der Gesamtkirche. Durch die Gemeinschaft in seinem Rang oder durch die hierarchische Gemeinschaft wird der Geistliche, der Bischof, der Priester oder Diener als solcher von der Gesamtkirche angenommen Er ist Bischof, Priester, Diener der katholischen Kirche; er kann überall von ihr eingesetzt werden. Mit ihrer Zustimmung kann er überall jene Aufgaben erfüllen, die dem Rang seines Amtes entspre­chen, erlaubterweise und gesetzlicherweise jene Amtshandlungen set­zen, die sonst nur im Grunde durch den Weiherang gültig wären»23.

Die Zugehörigkeit jedes einzelnen Bischofs zur Gesamtkirche wie auch jedes einzelnen Christen wird im Ausdruck Gemeinschaft mit Rom angedeutet. Die Einheit mit dem Stellvertreter Christi drückt nämlich die Einheit der Kirche in einer anderen Weise aus. Und das Wort «katholisch» drückt ebenfalls den gleichen Universalismus aus.

Wenn aber jeder einzelne Christ der Gesamtkirche angehört, so hat der Bischof aber ihr gegenüber einen Platz inne, der nicht nur der eines einfachen Christen ist. Die Bischofsordnung, der er angehört, stellt die Nachfolge des Apostelkollegiums dar. Durch den Willen Christi wird der Bischof in die Leitung der ganzen Kirche einbezogen. Man beachte es wohl: das heisst nicht, dass er mit den anderen Bischöfen einen Anteil an der Macht hätte, die der römische Papst allein innehat. Um die Hirten und die Gläubigen im Gewissen zu verpflichten, bedarf der Papst für seine Beschlüsse nicht der Zustimmung der Bischofsordnung. Um seine Jurisdiktionsgewalt auszuüben, braucht er nicht die Vermittlung der Bischöfe; darum wird sie unmittelbar genannt24. Das heisst aber, dass die Bischöfe ihr Amt ständig innehaben, wenn sie auch vom Papst ihre Jurisdiktion über einen Teil der Herde erlangen und wenn sie auch gewissermassen ihre Delegierten sind. Die Bischöfe üben eine Leitungsfunktion göttlichen Rechts aus, da sie aufgrund des göttlichen Aufbaus der Kirche und ihres bischöflichen Amtes an der Regierung der Kirche beteiligt sind. Hingegen ist ein päpstlicher Legat trotz der Tatsache, dass er an der Leitung der Kirche beteiligt ist, nur Legat auf­grund einer provisorischen Delegation, die aus dem kirchlichen Recht und dem Willen eines Menschen (des Papstes) hervorgeht.

Dieser Anteil der Bischöfe an der Leitung der Gesamtkirche wird in den ökumenischen Konzilien klar erkennbar. Hier trifft all das zu, was wir darüber gesagt haben: seitens der Bischöfe gibt es da keine Über­spielung der päpstlichen Vollmachten. Im Gegenteil! Jede Vollmacht kommt vom Oberhaupt der Kirche: ihm kommt es zu, ein Konzil ein­zuberufen und dessen Vorsitz persönlich oder durch seinen Legaten zu führen. Vor allem muss er die Beschlüsse bestätigen25. «Die Handlung des Oberhauptes ist unbedingt das Wichtigste. D. h. die Konzilstexte müssen für die Gültigkeit unbedingt seine eigenen Akte werden durch einen gewissen inneren Einfluss, der von seiner eigenen und wichtig­sten Gewalt ausgeht»26.

Alle Bischöfe können aufgrund ihres Bischofsamtes rechtens daran teilnehmen, obschon in Wirklichkeit nicht immer alle dabei sind. In ihrer Amtsgewalt als Richter in Glaubens- und Sittensachen sind alle gleich, welche auch ihre eigene Würde sei.

Die Teilhabe der Bischöfe an der Leitung der Gesamtkirche zeigt sich auch ausserhalb des Konzils. Denn «die Bischöfe, die in der Welt ver­streut sind, hören nicht auf, wenn auch auf eine weniger sichtbare Weise, an der Leitung der Gesamtkirche, der katholischen Kirche mit­zuwirken. In ihr üben sie das Lehramt und die Disziplinargewalt aus, welche sich uns zunächst in den Konzilsversammlungen gezeigt hat»27. Das nennt man das allgemeine ordentliche Lehramt der Kirche, wel­ches ebenfalls in Abhängigkeit des Stellvertreters Jesu Christi aus­geübt wird. Der Papst verleiht diesem Lehramt durch seine stillschwei­gende Annahme oder durch seine ausdrückliche Anerkennung seine eigene Autorität und Unfehlbarkeit.

So verhielt es sich seinerzeit mit den Heiligsprechungen. «Eine Heilig­sprechung wurde häufig in einer Teilkirche begonnen (sie hatte den Wert einer Seligsprechung) und wurde dann durch die Zustimmung der Gesamtkirche vollendet: d. h. die gesamten Bischöfe in Gemein­schaft mit ihrem Oberhaupt; mit der Bestätigung ihrer Urteile erhalten sie von ihm Autorität und Unfehlbarkeit»28. «So hat die Tätigkeit der Bischöfe, die in der Welt verstreut sind, aufgrund des Geheimnisses und des Wesens der Hierarchie dieselbe Natur und dieselbe Stärke wie das versammelte Konzil»29.

Die Teilhabe der Bischöfe an der Leitung der Gesamtkirche zeigt sich noch im aussergewöhnlichen Handeln in aussergewöhnlichen Situa­tionen. Es ist ein aussergewöhnliches Handeln, das den von Christus gewollten Rahmen nicht überschreitet und der den grundlegenden Gesetzen der Hierarchie unterworfen bleibt. Dom Gréa schreibt dar­über: «Hier wollen wir an erster Stelle von der Autorität sprechen, wel­che die Apostel, ihre Schüler und ihre Nachfolger, die Bischöfe der ersten Zeit entfaltet haben, um das Evangelium überall zu verkünden und die Kirche einzupflanzen und dann die aussergewöhnlichen Handlungen, die späterhin von den Bischöfen ohne Scheu unternom­men wurden, um den dringenden Nöten des christlichen Volkes zu begegnen und Kirchen unter Anwendung einer fast apostolischen Gewalt wieder aufzurichten, nachdem sie durch Ungläubige und Häretiker in äusserste Gefahr geraten waren»30. Wenn solches Vorge­hen zur Seltenheit geworden ist, dann kommt das daher, dass örtliche Hierarchien sehr schnell eingesetzt wurden; dann hat «der hl. Stuhl sich zu normalen Zeiten das ganze Missionswerk vorbehalten, zum Wohl des Apostolates ausserhalb der Kirche und um das Wirken der Missionare wirksamer und geordneter zu gestalten»31. Das Gemein­wohl der Kirche forderte somit eine Begrenzung der Aufgaben des ein­zelnen Bischofs. Wenn also ein Bischof unter gewöhnlichen Umstän­den die vom Papst begrenzten Befugnisse überschritte, würde er eine schwere Sünde begehen. Demgegenüber ist es natürlich ein klarer Fall, dass die Gewalt der Bischöfe in verworrenen Zeiten wieder für die allge­meine Verbreitung des Evangeliums entfaltet werden muss, — weil ja diese unveränderliche Gewalt grundsätzlich dem Bischofsamt wesentlich ist ­«entweder durch den ausdrücklichen Willen des römischen Oberhirten, oder auf grund der aussergewöhnlichen Umstände und Nöte, die gewiss seine Zustimmung voraussetzen liessen, wenn die Möglichkeit nicht bestünde, Rat bei ihm einzuholen)». 32Die Anwendung all dieser Regeln auf unsere Situation ist leicht und kann in seinem Prinzip nicht ange­fochten werden. Weniger schlimme Situationen in der Geschichte haben heiligmässige Bischöfe in einem Wirken dieser Art berühmt werden lassen: «Es versteht sich, dass beim Fehlen von Einzeloberhir­ten das, was allgemein ist in den Vollmachten der Hierarchie allein übrig bleibt, und dass die Gesamtkirche durch die allgemeinen Befug­nisse ihrer Hierarchie und ihrer Bischofsordnung sozusagen die Stelle der Teilkirchen einnimmt und den Seelen unmittelbar zu Hilfe eilt … Im 4. Jahrhundert besuchte der hl. Eusebius von Samosat die von den Arianern zerstörten Ostkirchen und weihte für sie rechtgläubige Ober­hirten, ohne dass er eine besondere Jurisdiktion über diese Kirchen gehabt hätte … Als er vernommen hatte, dass viele Kirchen keinen Hirten mehr hatten, bereiste er als Soldat verkleidet und mit einem Helm auf dem Kopf Syrien, Phönizien und Palästina und weihte dort Priester und Diakone, auch spendete er dort die anderen kirchlichen Weihen. Wenn er rechtgläubige Bischöfe antraf, stellte er sie als Ober­hirten an die Spitze der Kirchen, die verwaist waren»33. Sicherlich lies­sen sich zu anderen dramatischen Zeiten der Kirchengeschichte ähnli­che Beispiele finden.

Darum brauchte man sich nicht zu wundern, als man sah, wie Mgr. Lefebvre, einfacher Bischof in partibus, die ganze Welt durchquerte, um Priester zu weihen und die Firmung zu spenden. Jene, die katho­lisch bleiben wollten, erkannten in den Umständen eine breite Recht­fertigung für dieses Tun. Leider sollte aber das Verhalten des Prä­laten immer unverständlicher und ärgerniserregender werden: er
behauptete nämlich deutlich, er wolle die Autorität eines wahren Nachfolgers des hl. Petrus anerkennen in dem, dessen Befehle und Verbote er jedoch mit Füssen tritt. Dann wurden die verdächtigsten Theorien über die päpstliche Unfehlbarkeit von seiner Umgebung vorgebracht, um zu versuchen, diesen Widerspruch auf Kosten der katholischen Lehre zu rechtfertigen. Und je mehr Mgr. Lefebvre dem Oberhaupt der neuen Kirche eine Stütze in der Lehre gab, desto mehr offenbarten seine Handlungen gefährliche Tendenzen zur Autokepha­lie34

Das traurige Beispiel von Mgr. Lefebvre — gebe Gott, dass er sich wie­der fange — sollte nicht abschreckend wirken. Das eine sollte aber im Bewusstsein von allen haften bleiben: Unter keinem Vorwand dürfen wir jemals von einem Bischof annehmen, was er geheim, ohne sichere Lehre und im praktischen Laxismus tun würde. Die Kirche kann nicht wieder aufkommen durch Bischöfe, die nicht wissen, was sie tun dürfen und können oder die es mit schlechtem Gewissen tun.

Was können wir heute von den Bischöfen erwarten?

Von welchen Bischöfen ist hier die Rede? Es handelt sich vor allem um solche, die feststellen, dass in der Religion vom II. vatikanischen Konzil etwas nicht in Ordnung ist; es handelt sich um solche Bischöfe, die den katholischen Glauben in ihrem Herzen nicht mutwillig preis­gegeben haben.

Was können sie tun, was sollten sie tun? Zunächst sich weigern, im Vatikanum II die katholische Lehre zu erkennen und in den Inhabern des apostolischen Stuhles von Paul VI. bis Johannes Paul II. recht­mässige Nachfolger des hl. Petrus anzuerkennen.

Dann sollten sie wieder die ganze katholische Wahrheit bekennen und den Irrtum zurückweisen, weil ja niemand aus ihnen von kleineren oder grösseren Kompromissen mit der neuen Religion ganz frei zu sein scheint, oder wenigstens, weil sie zu lange geschwiegen haben. »0 Christ, erkenne deine Würde»35! Wieviel mehr könnte man sagen: «O Bischöfe, erkennet euere Würde!» zu den Nachfolgern der Apostel und von soviel Bischöfen, die ihr Blut vergossen haben oder die ihr Leben Tag für Tag bis zur Erschöpfung eingesetzt haben, um für Chri­stus Zeugnis abzulegen. Wenn es für die treugläubigen Christen eine Pflicht ist, danach zu streben, wieder von Bischöfen geführt zu werden, so ist es für die Bischöfe eine noch grössere Pflicht, sich den Gläubigen zur Verfügung zu stellen, um die ihm anvertrauten Talente wieder fruchtbar zu machen, d.i. das Wort Göttes und die Gnade der Sakra­mente: «Mit der Fülle der Gaben wächst auch die Schwere der Abrechnung. Jeder sollte im empfangenen Geschenk einen Grund sehen, umso demütiger zu sein und sich um so rascher in den Dienst Gottes zu stellen, je besser er erkennt, über zahlreichere Verpflichtun­gen Rechenschaft ablegen zu müssen»36.

Wenn es schon für den einzelnen Christen eine Pflicht ist, den Glauben nach aussen hin zu bekennen, wieviel mehr trifft diese Pflicht auf die lehrende Kirche zu? Nach dem Glauben kommen die Sakramente und zunächst das grösste, die hl. Eucharistie: sollten sie unglücklicherweise das wahre heilige Messopfer preisgegeben haben, so sollten sie es wie­der feiern. Mögen sie sich an das Gebet aus den apostolischen Konsti­tutionen erinnern37! Es trifft auf einen jeden von ihnen zu. «Allmächti­ger Herr und Gott … möge er dir in der Süsse und Reinheit des Herzens ständig gefallen, damit er dir durch Christus das reine und unblutige, fehlerlose und tadellose Opfer darbringe, welches du als Geheimnis des Neuen Bundes zum süssen Wohlgeruch durch deinen heiligen Sohn Jesus Christus unseren Herrn und Heiland eingesetzt hast.» Mögen die Bischöfe aus diesem Opfer alle sakramentalen Gnaden her­vorquellen lassen, die die Gläubigen jetzt so notwendig brauchen. Ins­besondere die Firmgnade, die soviele Getaufte heute entbehren müs­sen. Auch die Weihegnaden, wodurch ihre Talente hundertfältige Frucht bringen, wenn sie einen Teil ihrer Gewalt Diakonen und Prie­stern zukommen lassen.

Schliesslich muss auch die Hierarchie der Gesamtkirche wiederherge­stellt werden, damit die zerstreute Herde wieder gesammelt werde und damit die Gläubigen wieder geleitet werden. Wer könnte leugnen, dass die gegenwärtige Situation derart ist, dass jeder Bischof gleich welchen Titels nicht nur zum Handeln ermächtigt ist, sondern sogar dazu ver­pflichtet ist, um den Katholiken zu Hilfe zu eilen, die bisher in der äus­sersten Gefahr allein stehen.

Indem sie vor der ganzen Kirche den Glauben lehren und die Sakra­mente spenden, werden diese Bischöfe keineswegs ihre Kompetenzen überschreiten und in keiner Weise gegen die Vorrechte des römischen Oberhirten verstossen. Werden sie doch im Bewusstsein handeln, dass ihr Tun Grenzen hat. Sie werden alles tun, wovon sie voraussetzen können, dass ein rechtmässiger Papst es ihnen befehlen würde, aber sonst nichts; so soll sich ja auch gleichwelcher Untergebener verhalten, wenn sein Vorgesetzter ausfällt und wenn die Dringlichkeit der Notlage dennoch zum Handeln zwingt.

Solange die Kirche keinen Papst hat, der an ihrer Spitze Christus ver­tritt, wird die Hierarchie gewiss niemals vollständig wiederhergestellt sein. So wie die Gläubigen und die Priester heute katholische Bischöfe suchen, so werden auch sie alles in Bewegung setzen müssen, damit die Kirche wieder einen Papst bekommt Wenn die Hierarchie wieder in ihrer Gesamtheit hergestellt ist, möge sie von ihrem Mittelpunkt aus ihr Licht über die ganze Welt ausstrahlen, so wie früher.

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1 Hier meinen wir die wahre Kirche: jene, die die Irrlehren vom II. Vatikanuni wis­sentlich übernommen haben, sind nicht mehr die Kirche.

2 Wir berufen uns hauptsächlich auf Erläuterungen zur Lehre von Dom Gréa: Die Kirche und ihr göttlicher Aufbau, Casterman, 1965. Dieses Buch wurde vor mehr als hundert Jahren geschrieben. Es ist noch immer grundlegend für dieses Thema.

3 Fortes in Fide Nr. 19: Die Intelligenz unter dem Gehorsam gegen Christus.
4 Dom Gréa, op.cit. S.79-80

5 hl. Petrus Damianus, Op. Dominus vobiscum, 10, P.L. 145,239

6 hl. Cyprian, über die Einheit der kath. Kirche, 5, P.L. 4,501

7 Dom Gréa, op. cit. S.91

8 Ebenda S.96

9 Ebenda S.99

10 S.142

11 5.142

12 Ebenda 5.143

13 «Die eng nebeneinanderliegenden Begriffe <Teilkirche> und <Diözese> müssen aus­einandergehalten werden: Die Diözese ist das abgegrenzte Gebiet, über das sich die Jurisdiktion eines Bischofssitzes erstreckt; die Gesamtheit der Kirchen, die von einem Bischof abhängen» (Dom Gréa, op. cit. S.372).

14 hl. Cyprian, Br. 79, P.L. 4, 406

15 Dom Grea, op. cit. S.290

16 Ebenda S.299

17 hl. Cyprian, Brief 73, 11,2

18 CIC, can 335 & 1

19 Dom Gréa, op. cit. S. 305

20 Paul Broutin s. j. Mysterium Ecclesiae, L’Orante, 1947, S. 166

21 Brief an die Bewohner von Smyrna, 8 P.G. 5,713

22 Dom Gréa, op. cit. S. 289

23 Ebenda S. 110-111

24 1. vatikanische Konzil, Konst. Pastor aeternus, Denz. 1827: »Wir lehren und erklä­ren… dass die Jurisdiktionsvollmacht des römischen Papstes, eine wirklich bischöfliche Vollmacht, unmittelbar ist. Die Hirten aller Rangordnungen und aller Riten und die Gläubigen, jeder einzelne oder alle zusammen unterliegen der Unter­werfungspflicht unter die Hierarchie und dem wahren Gehorsam».

25 Vgl. CIC can 222. In früheren Zeiten galt die Bestätigung als Ersatz für die Einberu­fung und die Anwesenheit des Papstes.

26 Dom Gréa op. cit. S. 203

27 Ebenda 5.224

28 Ebenda S.224-225, N.2

29 Ebenda S.225

30 Ebenda 5.226

31 Ebenda 5.235; siehe CIC, can 1350 § 2

32 Ebenda S.235

33 Ebenda 5.236 N. 8

34 Die «Bestimmungen in bezug auf die Vollmachten und die Befugnisse der Mitglie­der der Priesterbruderschaft des hl. Pius X.» vom 1. Mai 1980 stören sich nicht nur keineswegs an der Macht der Modernisten, sondern auch nicht an den noch unter dem letzten rechtmässigen Pontifikat geltenden Gesetze; es wird da einfachen Prie­stern die Vollmacht zur Spendung der Firmung erteilt, was nur mit der Zustimmung des hl. Stuhles geschehen darf. Es wird sich in betrügerischer Weise auf das Motu proprio Pastorale munus (30. November 1963) berufen.

35 hl. Leo, Papst, 1. Predigt über die Geburt des Herrn

36 hl. Gregor, Papst, 9. Homilie über das Evangelium

37 L. 8, C. 5. P.G. I, 1074

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Quelle: FORTES IN FIDE, Nr. 20, Jahrgang 1982, S. 51-65