Die „Botschaften an die Welt“ der ELIANE GAILLE

Eliane Gaille

Die Gläubigen erwarten — wie an anderer Stelle gesagt — mit Recht, daß ihnen in dieser Zeit der Finsternis, der Eklipse des (heilsam funktionierenden) kirchlichen Lehr- und Hirtenamtes, der Himmel zu Hilfe eilt. Und ich bin überzeugt, daß er das auch tut. Aber er tut es nicht auf die Weise, wie viele es erwarten und sich vorstellen. Nicht plakativ, nicht marktschreierisch, sondern diskret, sehr diskret, und heute noch mehr im Verborgenen denn je! Gemäß dem Evangelisten Matthäus (7,6) gilt für ihn erst recht — wenn schon für uns —: „Gebt das Heilige nicht den Hunden preis und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor! Sie könnten sie sonst mit ihren Füßen zertreten, sich umwen­den und euch zerreißen.“ Und es war schon immer so, daß wo Licht ist, auch Irrlichter sind. Gott hat uns in diese Welt gesetzt, um uns zu prüfen. Unser Glaube und unsere Liebe sollen er­probt werden. Wir müssen den guten Kampf kämpfen, den Lauf vollenden, den Siegespreis erobern. Wir können nicht erwarten, daß uns alle Weisung, aller Segen und alles Heil in den Schoß fällt. Hat unser Herr Jesus Christus auch den Hauptteil geleistet und er­bringt Er ihn auch immer weiter, wir  müssen fraglos den unseren tun. Und dazu gehört, daß wir die Lichter, die Geister unterscheiden, daß wir alles  prüfen und nur das Gute behalten!

Da ist nun gerade zu der Zeit, als Erzbischof Marcel Lefebvre sein Werk gründete und aufbaute, auch eine „Begnadete“ aufgetreten in Fryburg, in Freiburg im Üchtland in der Schweiz, also an dem Ort, wo die Priesterbru­derschaft St. Pius X. das Licht der Welt erblickte. Und offenbar sollte dieses „Sprachrohr des Himmels“ die durch den in der nachkonziliaren Amtskir­che grassierenden Modernismus ver­unsicherten und verführten Gläubi­gen dem Erzbischof und seiner Prie­sterbruderschaft zuführen (helfen). Und wie es in solchen Fällen eben geht: am Anfang weiß man nie recht, was man davon halten soll. Es sieht nicht unbedingt verdächtig aus. Die Sache könnte unter Umständen echt sein. So ist es sicher richtig, daß man vorerst offen dafür bleibt. Bis man eben An­haltspunkte hat für einen begründe­ten Verdacht auf Unechtheit. Falsch ist es sicher, einer solchen „Offenbarungs­quelle“ unkritisch, vorbehaltlos auf­nahmebereit gegenüberzustehen. Meistens wird es sich ja erst mit der Zeit herausstellen, ob das „Werkzeug“ genuin ist oder nicht.

Nun wollen wir „im Zeichen Ma­riens“ auch diese von dort in Fülle ergangenen „Botschaften“ (auszugs­weise) einmal einer näheren Betrach­tung unterziehen, und wir werden gleich sehen, daß es sich dabei unmög­lich um echte handeln kann. Die Wi­dersprüche sind derart, daß man sie nicht dem wahren Himmel anlasten darf und kann! Ich zitiere aus dem Büchlein „Botschaften an die Welt“ (1965-1975, neue Auflage, 144 S., Fon­dation Notre-Dame Reine de l’Uni­vers et de tous les coeurs, Fribourg, Case postale 1; CH-1628 Vuadens)

Am 3. September 1973 sprach (an­geblich) der „Herr“ zu Eliane Gaille: „Die Kirche ist auf eine schiefe Bahn gera­ten. Sie gleitet mehr und mehr abwärts. Die Zahl Meiner Diener, die Mir treu bleiben, die bereit sind, wirklich alles auf sich zu nehmen, sogar die Verfolgung, um in der Wahrheit und der Tradition zu bleiben, verringert sich von Tag zu Tag. Die Kirche steuert heute einen abweichle­rischen Kurs.“

Bis hierhin könnte man denken: o.k., das stimmt, dem ist so. Aber nun folgt gleich schon die erste Aussage, die nicht, die unmöglich von Jesus Chri­stus stammen kann: „So kann Ich sie nicht mehr als Meine Kirche anerken­nen…“. Und am 24. Februar 1974 heißt es dann schon ganz kategorisch und pauschal: „… Die offizielle Kirche ist nicht mehr Meine Kirche.“ Und am 10. Juni 1975: „…denn je mehr ihr vorwärts-schreitet, desto schwieriger wird eure Lage, eure Lage gegenüber euren Familien, ge­genüber euren Kindern, es sei denn, ihr versteht es, eure Kinder wirklich so zu erziehen, wie Ich das immer gelehrt habe.

Seid euch indessen aber klar bewußt, daß das eine gänzliche Absage an die Welt und eine völlige Verwerfung der offiziellen  Kirche bedeutet. Seid euch bewußt: wenn ihr aufrichtig gewillt seid, zu Mir und zu Meiner heiligsten Mutter zu stehen, dann dürft ihr mit der offiziellen Kirche überhaupt nichts mehr zu tun haben wollen.“

Da haben wir’s! Erkennt Ihr den Pferdefuß, den Teufelspfoten? Dieser „Herr“ der „Begnadeten“ hat also die ganze offizielle katholische Hierarchie, Papst Paul VI. und alle Kardinäle und alle Bischöfe und alle Priester weltweit bereits abgeschrieben, bereits verwor­fen! Oder etwa nicht? Doch, aber das Verrückte ist nun, daß er nicht etwa, wie man es logisch folgern würde, wie es denknotwendig wäre, den Papst (Paul VI.) mitsamt dieser offiziellen Kirche verwirft, sondern diesen Paul VI. im Gegenteil durchs Band in Schutz nimmt. So heißt es unterm 1. Oktober 1975: „… es wäre euch klar zum Bewußt­sein gekommen, wie verkehrt es ist, den  Papst zu kritisieren, dem Papst irgendeine  Schuld anzulasten. Nein. Er ist Mir treu, er ist treu der Tradition, er ist treu der Kirche der Jahrhunderte, der Kirche, wie sie immer war. Aber die andern, die unter ihm stehen, diese sind die wahrhaft  Schuldigen.“ Ein typisch satanisches Verführungsspiel in solcher Situation! Alle Untergebenen, alle Untergeord­neten, alle Abhängigen, alle Gehor­sampflichtigen werden (pauschal) be­schuldigt, und nur der Hauptverant­wortliche, der Generalbevollmächtig­te, der Unabhängige, der, der alle Fäden souverän in Händen hält, der Befehls­haber und Befehlende, wird freigespro­chen. Typisch die satanische Ungerech­tigkeit, die teuflische Umkehrung der Werte! Es ist ja dem höllischen Wider­sacher auch ein leichtes, den Einen „in Schutz zu nehmen“, da es den Gläubi­gen viel schwerer fällt, diesen Höch­sten, diesen Fernen, diesen Abgeschie­denen, diesen Unnahbaren schriftlich oder mündlich, persönlich oder durch Vermittler, zu befragen und ihn frei von allem positiven Vorurteil, frei von Emotionen, zu beurteilen. Aber es ist auch klar, daß der Widerpart Christi so handelt. Er kann die Frommen eben nur einigermaßen erfolgversprechend verführen, wenn er sie an ihren Schwachstellen packt. Eine davon ist der Papst. Wenn er als Erscheinender und/oder Botschaftengebender (als verkappter „Lichtengel“) so tut, als stehe er ganz hinter dem Papst, dann werden ihm die Unbedarften sicher viel eher Glauben schenken. Nur nicht den Papst beschuldigen, das taugt nichts für sein Verführungsspiel.

So klagt er am 14. Mai 1974: „…mein Stellvertreter auf Erden leidet heute so schwer, wie wenn er am Karfreitag ans Kreuz geheftet wäre. Er erleidet die Pas­sion Meiner Kirche, die Passion dessen, was Mir am allerteuersten ist. Niemand kann das verstehen außer Meiner heilig­sten Mutter und Ich, die ihm schützend zur Seite stehen… Eure Aufgabe ist es, dem Papste Mut zu machen, damit er unbeirrt und tapfer am überlieferten jahrhunder­tealten Glaubensgut und an der Tradition, wie sie in den Herzen des treukatholischen Volkes allezeit tief verankert war, fest­hält.“

Und er verteidigt Papst Paul VI. weiter: (9. Juli 1974) „Und ihr fragt euch noch, warum Mein heutiger Stellvertreter auf Erden seiner Aufgabe scheinbar nicht gerecht wird? Er ist ein Gefangener. Er ist  genau so gefesselt wie Petrus gefesselt war in der ersten frühchristlichen Zeit. Er ist  unfähig, auch nur die geringste freiwillige Bewegung auszuführen. Aber ihr bringt es einfach nicht fertig, das zu verstehen…“

Wahrhaftig, ich bringe dieses Kunst­stück nicht fertig. Wie sollte man ei­nen solchen Unsinn auch verstehen können! Papst Paul VI. ein Gefange­ner, wie ein Vogel in einem Käfig, wie Petrus an Ketten und mit Handschel­len! Weil man sich das eben zurecht nicht vorstellen kann, da ja Paul VI. während all dieser Zeit nachweisbar als freiester Mann redete und handelte (man konsultiere nur einmal z.B. den Osservatore Romano oder Bücher wie „Papst Paul VI., Wort und Weisung im Jahr 1974“), ist dann später (durch andere „Sprachrohre“ (derselben Quelle) dieser Legende von der Gefan­genschaft des Papstes noch die zweite Komponente hinzugefügt worden, jene des Vorhandenseins eines Dop­pelgängers.

Aber obschon er (der „Herr“) ihn (den gefangenen Paul VI.) doch auch nicht ganz ungeschoren davonkom­men lassen kann; denn er gibt immer­hin zu: „… Seine (Pauls VI.) Aufgabe besteht darin, zu leiden und das Marty­rium auf sich zu nehmen, um damit die Irrtümer wieder gutzumachen, die er sel­ber begangen oder die er nicht abgewehrt  hat, weil er zu entgegenkommend, zu frei­zügig sein wollte…“(11.12.73) und: „…Mein Stellvertreter auf Erden hat si­cherlich gewisse Fehler begangen. Aber er hat sich inzwischen von diesen Fehlern abgewandt und ist zurückgekehrt, auch wenn die Welt das nicht weiß…“(1.10.74) und wird beim Gedanken daran sogar selber ungeduldig: „… und vor allem würde sie Meinem Stellvertreter auf Erd­en Gnaden der Kraft und Entschlossenheit schenken, auf daß er den nötigen Mut faßt, sich endlich einmal klar und deutlich  auszusprechen…“ und räumt auch ein: “ … wenn euch manchmal seine Haltung fragwürdig erscheinen will, auch wenn ihr bisweilen ungeduldig werdet, weil der Papst nicht immer so im Sinne der Tradi­tion spricht, wie ihr es gerne haben  möchtet…“spricht er ihn dennoch ein­deutig schon zu seinen Lebzeiten hei­lig mit den Worten: „… Meinen Stellver­treter auf Erden, Paul VI., den ihr jetzt schon als Heiligen verehren dürft, als hei­ligen Martyrer; denn eines Tages wird er es ja auch werden.“ (Man beachte an dieser Stelle, daß der „Himmel“ hier das Martyrium Pauls VI. prophezeit hat (und zwar nicht ein geistiges, das hatte er ja nach dieser Offenbarungs­quelle die ganze Zeit auszustehen), und daß diese Prophezeiung nicht in Erfüllung gegangen ist!)

Dieser Inspirator Eliane Gaille‘ s hebt aber nicht nur den Papst auf die Altä­re, sondern gleichzeitig auch Erzbi­schof Lefebvre: „Ebenso Meinen sanft­mütigen Erzbischof Marcel, auch ihn dürft ihr als Heiligen betrachten und ihn als  solchen verehren. Niemand auf der ganzen Erde hat einen so großen Kampfesmut bewiesen, und dies mit einer solchen Stand­haftigkeit, mit einer so vollkommenen Beharrlichkeit, mit einer so tiefen Demut und mit einer so engelgleichen Sanftmut wie er.“ (19.8.1975) (Man vergleiche dies mit den Aussagen desselben „Him­mels“ an die „begnadete“ Justine Klotz, Glonn (Freising), patroniert von HH Pfarrer Karl Maria Harrer, München (der eine ganze Reihe von Schriften von ihr herausgegeben hat, namens „Gott spricht zur Seele“). In der Nacht vom 8. auf den 9.10.1976 will sie über „Bischof“ Lefebvre vernommen haben: „Er kann der Kirche mehr schaden als Hitler. … Es ist etwas in ihm, etwas sehr Böses!“ Einmal müssen wir also Erzbi­schof Lefebvre auf Weisung des „Himmels“ als Heiligen verehren und dann wieder, etwas mehr als 1 Jahr später, als jemand so Bösen wie die Pest fliehen, da er mehr schaden kann als Hitler! Herrlich, diese himmlische Harmonie, diese Einheit, nicht wahr? Halt ein richtes Abbild der „Einheit“, die derzeit in der postkonziliaren „hei­ligen“ Kirche herrscht!

Es leuchtet aber auch ein, daß Erzbi­schof Lefebvre als Heiliger verehrt werden soll; denn der „Herr“ verlangt, „am heiligen Opfer der tridentinischen Messe festzuhalten“ (2.2.1974) …“Ihr seid dazu gesandt, den Leuten in Erinnerung zu rufen, warum Ich gekommen bin und was Ich gelehrt habe, und daß es darum geht, treu an der Tradition und am heili­gen Opfer der tridentinischen Messe festzuhalten…“ Und: „… Ich habe nur eine Kirche gegründet und befinde Mich daher nur in einem einzigen Schiffe, nämlich in dem, das im Vollmaß ohne den geringsten Abstrich die gesamte, jahrhundertalte Tradition Meiner Kirche mit sich führt, das unerschütterlich am heiligen Opfer der tridentinischen Messe verankert ist,  das kein einziges Wort, kein Jota von ei­nem der heiligen Sakramente preisgibt.“

Aber eben, in diesem Schiff ist auch der Papst, obwohl der Papst gar nicht mehr an der tridentinischen Messe festhält, ja sie sogar verbietet. Desun­geachtet verlautet: „Nur wer sich in diesem Schiffe befindet und treu zu Mei­nem Stellvertreter hier auf Erden hält, nur der wird heil ans Ziel gelangen.“ (21.1.1975) „Ich will, daß ihr euch mehr und mehr an den hl. Vater anschließt, daß ihr ihm fest verbunden bleibt. Vergeßt nie, daß er Petrus ist, Petrus in eurem Schiffe. Weil er Petrus ist, seid ihr ihm gegenüber zur Treue verpflichtet.“

Wie soll man dies nur bewerkstelli­gen: an der heiligen Messe aller Zeiten festhalten und zugleich am Papst, der sie verbietet? Einige haben eben dies versucht. Und sie wurden dabei buch­stäblich zerrissen!

Laut Eliane Gaille sind Paul VI. und Erzbischof Lefebvre eins und heilig und gehören ins gleiche Boot. Denn: „Niemand darf heute verkennen, daß es zwei Kirchen gibt: Meine Kirche mit Mei­nem sanftmütigen Stellvertreter auf Erd­en, Paul VI., und die offizielle Kirche mit der gesamten Hierarchie unterhalb Mei­nem Stellvertreter. Diese offizielle Kirche muß ich aber verwerfen, weil auch sie Mich verwirft; denn alle diejenigen, die Meinen milden, gütigen Erzbischof Mar­cel verurteilt haben, geben sich darüber wohl keine Rechenschaft, daß sie damit Mich ein zweites Mal zum Kreuzestod verurteilt haben. Ich bin es, den sie hinaus­geworfen haben. Es hat gerade noch ge­fehlt, daß hochgestellte Mitglieder der kirchlichen Hierarchie Mich aus der Kir­che verjagt haben. Damit ist das Maß wirklich voll geworden.“ (10.6.1975)

Schon am Passionssonntag 1967 hatte es Eliane in Form eines zweiteiligen Geheimnisses erfahren: „Die Macht des Teufels ist so groß, daß er in die höchsten Bereiche der Hierarchie der Kirche einge­drungen ist … Wahrhaftig, es ist schreck­lich zu sehen, wie der Teufel Macht hat, daß die Kirche selbst, durch die Haltung vieler Priester, unter dem Einfluß einer falschen Autorität ist, welche, DER HEI­LIGE VATER AUSGENOMMEN, oft nicht mehr dieselbe ist, die vom Heiligen Geist angegeben ist.“

So sehen wir also: das Orakel von Fribourg nimmt kein Blatt vor den Mund. Es verurteilt die Liturgiereform, den Novus Ordo Missae aufs schärf­ste, den Papst Paul VI. höchstpersön­lich und feierlichst promulgiert hat, bei gleichzeitiger Heiligsprechung des Hauptverantwortlichen.

Wer nun, wie wir, aus einer Distanz von 15 Jahren weiß, wie dieser Paul VI. sich Erzbischof Lefebvre und der „tri­dentinischen Messe“ gegenüber ver­halten hat, der kann doch nicht mehr zweifeln, daß diese Eliane Gaille das Opfer teuflischer Inspirationen und Suggestionen und Gaukeleien gewe­sen ist. Es könnte aber selbst sein, daß der Teufel da nicht viel Anteil daran gehabt hat. Denn es ist durchaus auch möglich, daß dies alles nur das Rende­ment einer exaltierten Frau und ihrer ebenso exaltierten Umgebung gewe­sen ist.

Was können wir, was sollen wir daraus lernen? Begnadete, die nicht von strengen und bewährten (mög­lichst priesterlichen), theologisch und mystisch-aszetisch gebildeten Seelen­führern geleitet werden, sind für uns Gläubige keine verläßliche Informationsquelle für himmlische Weisun­gen. Da ist es tausendmal besser, ins stille Kämmerlein, wenn immer mög­lich vor den Tabernakel, zu gehen und dort um Erleuchtung zu beten und dann auf die eigene innere Stimme zu vertrauen, aber nie ohne gleichzeitige Orienierung am Lehrgute der heiligen Kirche aller Zeiten!

Paul O. Schenker

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Quelle: DZM März 1990, Seiten 7467 – 7469

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