Papst Franziskus an die Jugendlichen: Seid „Vorkämpfer im Dienen“

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Kreuzweggebet in Krakau

Papst Franziskus hat die Jugendlichen dazu aufgerufen, „Vorkämpfer im Dienen“ zu sein. Die Menschheit brauche heute junge Leute, die bereit seien, die ihr Leben nicht „halb“ leben wollten, sondern es „gegenleistungsfrei“ für den Dienst an den Ärmsten und Schwächsten geben, so der Papst im Anschluss an einen Kreuzweg der Teilnehmer des Weltjugendtags im Krakauer Błonia-Park.

Jesus selbst habe sein Leben am Kreuz hingegeben und fordere nun die Menschen auf, es ihm nachzutun: „Um diesen Auftrag zu erfüllen, weist er euch den Weg des persönlichen Engagements und der Selbsthingabe: Es ist der Weg des Kreuzes. Der Weg des Kreuzes ist der Weg des Glücks, Christus bis zum Äußersten nachzufolgen, in den oft dramatischen Umständen des Alltagslebens. Es ist der Weg, der keine Misserfolge, Ausgrenzungen oder Einsamkeiten fürchtet, weil er das Herz des Menschen mit der Fülle Jesu sättigt. Der Weg des Kreuzes ist der Weg des Lebens, der Weg im Stile Gottes – ein Weg, den Jesus uns auch auf den Pfaden einer manchmal gespaltenen, ungerechten und korrupten Welt gehen lässt.“

Angesichts des Bösen, das in der Welt existiere, angesichts von Hunger, Krieg, Terror und dem Tod Unschuldiger komme immer wieder die Frage auf: „Wo ist Gott?“ Die Antwort Jesu laute wie folgt: „Er ist in uns.“ Am Kreuz trage Jesus die physischen, moralischen und spirituellen Wunden der gesamten Menschheit. „Heute Abend umfasst Jesus – und wir mit ihm – mit besonderer Liebe unsere syrischen Brüder und Schwestern, die vor dem Krieg geflohen sind. Wir grüßen sie und nehmen sie mit geschwisterlicher Liebe und mit Sympathie auf“, hob Franziskus hervor.

Der Kreuzweg mit Jugendlichen aus der ganzen Welt bestand aus vierzehn Stationen zu jeweils einem Werk der Barmherzigkeit, etwa „Fremde beherbergen“, die „Kranken besuchen“ und die „Lästigen geduldig ertragen“. Jede Station wurde von einer christlichen Hilfseinrichtung begleitet, etwa der Gemeinschaft Sant’Egidio, den Missionarinnen der Barmherzigkeit, Hospizeinrichtungen und Obdachlosenhilfen.

Werke der Barmherzigkeit

Franziskus ging in seiner Ansprache auf die zwei verschiedenen Formen der Barmherzigkeit ein: Die leiblichen und der geistlichen Werke. Die leibliche Barmherzigkeit bestehe im Hungernde speisen, Durstigen zu trinken geben, Nackte bekleiden, Fremde beherbergen, Gefangene besuchen. „Dort finden wir unseren Gott, dort berühren wir den Herrn“, so Franziskus. Des Weiteren sollten die Gläubigen „geistliche Werke der Barmherzigkeit“ tätigen, indem sie Zweifelnde beraten, die Unwissenden lehren, die Sünder zurechtweisen, Beleidigungen verzeihen.

„Mit der Aufnahme des Ausgegrenzten, der leiblich verwundet ist, und mit der Aufnahme des Sünders, der seelisch verwundet ist, steht unsere Glaubwürdigkeit als Christen auf dem Spiel,“ so Franziskus. „Wenn jemand, der sich Christ nennt, nicht lebt, um zu dienen, dient er nicht für das Leben. Mit seinem Leben verleugnet er Jesus Christus.“

Und er entließ die Jugendlichen mit den Worten: „Liebe junge Freunde, an jenem Karfreitag kehrten viele Jünger traurig nach Hause zurück, andere zogen es vor, zu ihrem Haus auf dem Lande zu gehen, um das Kreuz zu vergessen. Ich frage euch: Wie wollt ihr heute Abend in eure Häuser, in Eure Herbergen zurückkehren? Wie wollt ihr heute Abend zur Begegnung mit euch selbst zurückkehren? Es liegt bei jedem von euch, auf die Herausforderung dieser Frage zu reagieren.“

(rv 29.07.2016 cz)

„Wir wollen uns nicht unser Bestes rauben lassen“

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Begrüßungszeremonie WJT 2016 / CCEW – Mazur, CC BY-NC-SA 2.0

Papstrede bei der Begrüßungszeremonie
im Jordan-Park — Volltext

Am heutigen Nachmittag [28. Juli 2016] nahm Papst Franziskus an der Begrüßungszeremonie im Krakauer Jordan Park teil. Nach einem bunten und musikalisch sehr gelungenen Spektakel, richtete der Papst eine Ansprache an die Jugendlichen, die wir hier in einer amtlichen Übersetzung aus dem Vatikan dokumentieren. Jorge Bergoglio war mit der Strassenbahn zur 21 Hektar großen und 1889 vom polnischen Philanthropen Henryk Jordan gegründeten Parkanlage am Westrand der Krakauer Altstadt gereist.

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Liebe junge Freunde, einen schönen guten Abend!

Endlich treffen wir uns! Danke für diesen herzlichen Empfang! Ich danke Kardinal Dziwisz, den Bischöfen, Priestern, Ordensleuten, Seminaristen und allen, die euch begleiten. Danke all denen, die es ermöglicht haben, dass wir heute hier sind, die sich „abgeschuftet“ haben, damit wir das Fest feiern können.

In diesem seinem Heimatland möchte ich besonders dem heiligen Johannes Paul II. danken, der diese Treffen ersonnen und gefördert hat. Vom Himmel aus begleitet er uns, da er so viele junge Menschen aus ganz verschiedenen Völkern, Kulturen und Sprachen mit dem gleichen Beweggrund vereint sieht: zu feiern, dass Jesus lebendig mitten unter uns ist. Und zu sagen, dass er lebt, bedeutet, unsere Bereitschaft zu erneuern, ihm zu folgen, unsere Bereitschaft, seine Nachfolge mit Leidenschaft zu leben. Was könnte eine bessere Gelegenheit sein, die Freundschaft mit Jesus zu erneuern, als die Freundschaft unter euch zu festigen! Was könnte eine bessere Art und Weise sein, unsere Freundschaft mit Jesus zu festigen, als sie mit den anderen zu teilen! Was könnte eine bessere Art und Weise sein, die Freude des Evangeliums zu erleben, als das Verlangen zu haben, seine Frohe Botschaft in so viele schmerzliche und schwierige Situationen zu übertragen!

Jesus ist es, der uns zu diesem 31. Weltjugendtag zusammengerufen hat; Jesus ist es, der uns sagt: »Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden« (Mt 5,7). Selig, die imstande sind zu verzeihen, die imstande sind, ein mitfühlendes Herz zu haben, die imstande sind, den anderen ihr Bestes zu geben.

Liebe junge Freunde, in diesen Tagen zieht Polen sein Festkleid an; in diesen Tagen möchte Polen das stets junge Gesicht der Barmherzigkeit sein. Von diesem Land aus wollen wir mit euch und auch vereint mit vielen Jugendlichen, die heute nicht hier sein können, uns aber über die verschiedenen Kommunikationsmittel begleiten, alle gemeinsam aus diesem Weltjugendtag ein echtes Jubiläumsfest machen.

In den Jahren meiner Zeit als Bischof habe ich etwas gelernt: Es gibt nichts Schöneres, als die frohe Bereitschaft, die Hingabe, die Leidenschaft und die Energie zu betrachten, mit der viele junge Menschen ihr Leben leben. Wenn Jesus das Herz eines jungen Mannes, eines jungen Mädchens anrührt, sind diese zu wirklich grandiosen Handlungen fähig. Es ist anregend, wenn man hört, wie sie ihre Träume, ihre Fragen mitteilen und ihre Bereitschaft, sich allen entgegenzustellen, die behaupten, es könne sich nichts ändern. Es ist ein Geschenk des Himmels, viele von euch sehen zu können, die ihr mit euren Diskussionen zu erreichen sucht, dass die Dinge anders werden. Es ist schön und es tröstet mein Herz, euch so rebellisch zu sehen. Die Kirche blickt heute auf euch und möchte von euch lernen, um wieder neu auf die Barmherzigkeit des himmlischen Vaters zu vertrauen, die ein stets junges Gesicht hat und nicht aufhört, uns einzuladen, Teil seines Reiches zu sein.

Da ich die Leidenschaft kenne, die ihr in die Mission legt, wage ich zu wiederholen: Die Barmherzigkeit hat immer ein junges Gesicht. Denn ein erbarmungsvolles Herz hat den Mut, aus seinen Bequemlichkeiten aufzubrechen; ein erbarmungsvolles Herz weiß den anderen entgegenzugehen und schafft es, alle zu umarmen. Ein erbarmungsvolles Herz versteht es, eine Zuflucht zu sein für diejenigen, die niemals ein Zuhause hatten oder die es verloren haben; es versteht, ein Daheim und eine Familie zu schaffen für diejenigen, die auswandern mussten; es ist zu zärtlicher Liebe und Mitgefühl fähig. Ein erbarmungsvolles Herz weiß sein Brot mit dem Hungrigen zu teilen; ein erbarmungsvolles Herz öffnet sich, um den Flüchtling und den Migranten aufzunehmen. Bei euch von Barmherzigkeit zu sprechen, heißt von Chance zu sprechen, von Zukunft, Engagement, Zuversicht, Offenheit, Gastfreundschaft, Mitgefühl und Träumen.

Ich möchte euch auch noch etwas anderes gestehen, das ich in diesen Jahren gelernt habe: Es schmerzt mich, wenn ich jungen Menschen begegne, die vorzeitig in „Pension“ gegangen zu sein scheinen. Es macht mir Sorgen, wenn ich junge Menschen sehe, die „das Handtuch geworfen haben“, bevor sie zum Wettkampf angetreten sind. Die sich „ergeben“ haben, ohne überhaupt begonnen zu haben, zu spielen. Die mit traurigem Gesicht umherziehen, als sei ihr Leben nichts wert. Es sind hauptsächlich gelangweilte… und langweilige Jugendliche. Es fällt schwer und wirft zugleich Fragen auf, wenn man junge Menschen sieht, die ihr Leben aufgeben, indem sie den „Rausch“ suchen oder dieses Abenteuer, sich auf dunklen Wegen in ihrem Element zu fühlen, die sie am Ende „bezahlen“… und teuer bezahlen. Es stimmt nachdenklich, wenn man junge Menschen sieht, die die schönen Jahre ihres Lebens und ihre Energie verlieren, indem sie Verkäufern falscher Vorspiegelungen nachlaufen (in meinem Heimatland würden wir sagen „Rauchverkäufern“), die euch um das Beste bringen, das ihr besitzt.

Daher, liebe Freunde, haben wir uns versammelt, um uns gegenseitig zu helfen, denn wir wollen uns nicht unser Bestes rauben lassen, wir wollen nicht zulassen, dass man uns mit falschen Vorspiegelungen um unsere Energien, unsere Freude und unsere Träume bringt.

Liebe Freunde, ich frage euch: Wollt ihr für euer Leben diesen entfremdenden Rausch, oder wollt ihr die Kraft spüren, die euch das Gefühl der Lebendigkeit und der Fülle vermittelt? Entfremdender Rausch oder Kraft der Gnade? Um erfüllt zu sein, um erneuerte Kraft zu besitzen, gibt es eine Antwort: Es ist nicht eine Sache, nicht ein Objekt, es ist eine Person und sie lebt, sie heißt Jesus Christus.

Jesus Christus ist es, der dem Leben wirkliche Leidenschaft verleihen kann, Jesus Christus ist es, der uns bewegt, uns nicht mit dem Geringen zu begnügen, sondern unser Bestes zu geben. Jesus Christus ist es, der uns anfragt, uns einlädt und uns hilft, jedes Mal wieder aufzustehen, wenn wir uns geschlagen geben. Jesus Christus ist es, der uns treibt, den Blick zu erheben und Großes zu erträumen.

Im Evangelium haben wir gehört, dass Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem in einem Haus Halt macht – dem von Martha, Maria und Lazarus –, das ihn beherbergt. Auf der Durchreise tritt er in ihr Haus ein, um bei ihnen zu sein; die beiden Frauen heißen den willkommen, von dem sie wissen, dass er Mitgefühl hat. Die vielen Beschäftigungen lassen uns sein wie Martha: aktiv, zerstreut, ständig hin und her eilend… doch oft sind wir auch wie Maria: Vor einer schönen Landschaft oder einem Video, das ein Freund uns aufs Handy schickt, verweilen wir nachdenklich und lauschend. Während dieses Weltjugendtags möchte Jesus in unser Haus eintreten. Er wird unsere Sorgen sehen, unsere Eile, wie er es bei Martha sah… und er wird hoffen, dass wir ihm zuhören wie Maria; dass wir mitten im Rummel den Mut haben, uns Ihm anzuvertrauen: Mögen es Tage für Jesus sein, die ganz dafür da sind, einander zuzuhören, Jesus zu empfangen in denen, die im gleichen Haus, in der gleichen Straße, in dem gleichen Verein oder in der gleichen Schule sind wie ich.

Und wer Jesus aufnimmt, lernt zu lieben wie Jesus. Dann fragt er uns, ob wir ein Leben in Fülle wollen: Willst du ein Leben in Fülle? Beginne damit, dich innerlich anrühren zu lassen! Denn das Glück keimt auf und erblüht in der Barmherzigkeit – das ist seine Antwort, das ist seine Einladung, seine Herausforderung, sein Abenteuer: die Barmherzigkeit. Die Barmherzigkeit hat immer ein junges Gesicht – wie das der Maria von Bethanien, die als Jüngerin Jesus zu Füßen sitzt und Gefallen daran findet, ihm zuzuhören, denn sie weiß, dass dort der Friede herrscht. Wie das Gesicht der Maria von Nazareth, die sich mit ihrem „Ja“ ins Abenteuer der Barmherzigkeit gestürzt hat; die von Generation zu Generation selig gepriesen und unser aller „Mutter der Barmherzigkeit“ genannt wird.

So bitten wir nun alle gemeinsam den Herrn: Stürze uns ins Abenteuer der Barmherzigkeit! Stürze uns in das Abenteuer, Brücken zu bauen und Mauern (Einzäunungen und Gitternetze) niederzureißen, stürze uns in das Abenteuer, dem Armen zu helfen, dem, der sich einsam und verlassen fühlt, dem, der keinen Sinn mehr im Leben findet. Dränge uns – wie Maria von Bethanien – in die Haltung des Hörens, dass wir denen zuhören, die wir nicht verstehen, denen, die aus anderen Kulturen und anderen Völkern kommen, und sogar denen, die wir fürchten, weil wir glauben, sie könnten uns schaden. Lass uns unseren Blick – wie Maria von Nazareth mit Elisabet – unseren alten Menschen zuwenden, um von ihrer Weisheit zu lernen.

Da sind wir, Herr! Sende uns aus, um deine barmherzige Liebe mit anderen zu teilen. Auf diesem Weltjugendtag wollen wir dich willkommen heißen. Wir wollen bekräftigen, dass das Leben erfüllt ist, wenn man es von der Barmherzigkeit aus lebt; dass dies das Bessere ist und dass es uns niemals genommen werden soll.

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Quelle

Der Papst in Jasna Gora: Klein, nah und konkret wie Maria

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Gebet während der Messe, Jasna Gora

Tschenstochau ist so etwas wie das geistliche Zentrum Polens, kein Papstbesuch kommt ohne einen Halt dort aus. Papst Franziskus war an diesem Donnerstag Morgen dort, zunächst um vor der berühmten Ikone der „Schwarzen Madonna“ zu beten und dem Bild – wie seine beiden Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. – eine goldene Rose zu schenken, Zeichen besonderer päpstlicher Verehrung.

Danach begab sich der Papst aus der Kapelle hinaus, um am Nationalheiligtum Jasna Gora – dem hellen Berg – eine Messe zu feiern. Es war ‚polnischste’ aller Programmpunkte der Papstreise, während Franziskus sonst entweder am Weltjugendtag teil nimmt oder auf kleinere Gruppen trifft, war diese Messe am Nationalheiligtum so etwas wie der Besuch am geistlichen Zentrum des Landes. Und so waren der Platz vor der Kirche samt den Straßen drum herum gut gefüllt bis übervoll.

In seiner – während der Übersetzung einige Male durch Applaus unterbrochenen – Predigt mahnte der Papst Bescheidenheit und Demut der Christen an. „Gott rettet uns, indem er klein, nah und konkret wird“, betonte Franziskus. „Er zieht es nämlich vor, sich im Kleinen zu bergen, im Gegensatz zum Menschen, der tendenziell immer noch Größeres besitzen will. Von der Macht, der Größe und der Augenfälligkeit angezogen zu sein, ist in tragischer Weise menschlich und eine große Versuchung, die sich überall einzuschleichen sucht. Sich an die anderen zu verschenken, die Distanzen aufzuheben, im Kleinen zu wohnen und konkret im Alltäglichen zu leben – das ist in vortrefflicher Weise göttlich.“

Deswegen habe sich Gott auch immer „bescheidene, verfügbare Menschen“ als sein Sprachrohr ausgesucht. Franziskus erinnerte an die vielen Polen darunter: „Denken wir an viele Söhne und Töchter eures Volkes: an die Märtyrer, die die wehrlose Kraft des Evangeliums haben aufleuchten lassen; an die einfachen und doch außergewöhnlichen Menschen, die inmitten großer Prüfungen die Liebe des Herrn zu bezeugen wussten; an die sanften und starken Verkünder der Barmherzigkeit wie der heilige Johannes Paul II. und die heilige Faustyna.“

Auch Maria sei klein, nah und konkret und deshalb zur „Gottesgebärerin“ auserkoren worden. „Sie ist weder Herrin noch Hauptdarstellerin, sondern Mutter und Dienerin“, betonte Franziskus. Als Familienmutter wolle sie uns gemeinsam bewahren. „Der Weg eures Volkes hat in der Einheit viele harte Momente überstanden. Möge die Mutter, die stark war unter dem Kreuz und ausdauernd im Gebet mit den Jüngern in der Erwartung des Heiligen Geistes, euch den Wunsch einflößen, über das Unrecht und die Verwundungen der Vergangenheit hinauszugehen und Gemeinschaft mit allen zu schaffen, ohne je der Versuchung nachzugeben, sich abzuschotten und sich aufzuzwingen.“

Der 1050. Jahrestag der Taufe Polens, der in diesem Jahr gefeiert wird, sei Anlass, Gott Dank zu sagen, fuhr Franziskus fort. „Er ist mit eurem Volk mitgegangen und hat es in vielen Situationen bei der Hand genommen und begleitet.“ Dazu sei auch die Kirche selbst immer berufen: zuhören, sich einbringen und Nähe zeigen. „So kommt das Evangelium auf schlüssigste Weise an und bringt reichste Frucht: durch positive Ausstrahlung, über die Transparenz des Lebens.“ Franziskus lud dazu ein, sich einen „von Maria verkörperten göttlichen Stil“ anzueignen, der schlicht darin bestehe, im Kleinen zu wirken und aus der Nähe zu begleiten, mit einfachem, offenem Herzen.

(rv 28.07.2016 cz)

Das detallierte Programm der Reise von Papst Franziskus nach Polen

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Logo WJT 2016 / © WJT 2016 – Krakau

Vom 27. bis 31. Juli: Begegnungen mit Regierungsvertretern und lokalem Klerus, Besuch von Heiligtümern, Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus in Auschwitz udn Birkenau, Teilnahme am Weltjugendtag

Papst Franziskus wird vom 27. bis zum 31. Juli Polen bereisen. Für den Papst ist es die erste Reise in das Heimatland des heiligen Johannes Paul II.. Dieser reiste insgesamt neun Mal in seine Heimat. Den letzten Besuch des Oberhauptes der katholischen Kirche erlebte Polen im Jahr 2006, als Benedikt XVI. vom 25. bis 28. Mai seine apostolische Reise in das Land unternahm.

Papst Franziskus wird am Mittwoch, dem 27. Juli, um 14.00 Uhr vom römischen Flughafen Fiumicino nach Krakau abfliegen. Die Ankunft wird um 16.00 Uhr erfolgen. Nach einer Willkommenszeremonie wird um 17.00 Uhr eine Begegnung mit den Vertretern der Regierung und des Öffentlichen Lebens sowie dem Diplomatischen Korps folgen. Für den Abend sind um 17.40 Uhr ein Höflichkeitsbesuch beim Staatspräsidenten Polens, Andrzej Duda, auf der Wawelburg, der ehemaligen Residenz der polnischen Könige, und um 18.30 Uhr ein Treffen mit den polnischen Bischöfen in der Kathedrale von Krakau angesetzt.

Der nächste Reisetag beginnt früh. Bereits um 7.40 Uhr wird Papst Franziskus mit dem Wagen zum Flughafen gebracht. Nach einem kurzen Aufenthalt im Kloster der Schwestern von der Heimsuchung Marias, im deutschsprachigen Raum auch als Salesianerinnen bekannt, wird der Papst um 8.30 Uhr mit Hubschrauber nach Tschechenstochau geflogen. Um 9.45 Uhr wird er im Kloster von Jasna Gora erwartet. Die Anfänge des Kloster gehen auf das Jahr 1382, als Mönche des ungarischen Paulinerordens sich dort niederließen, zurück. Das Kloster ist mit dem Gnadenbild der Schwarzen Madonna einer der bedeutendesten Wallfahrtsorte. In der Kapelle der Schwarzen Madonna wird Papst Franziskus zum Gebet verweilen. Sein Namen trägt das Gnadenbild wegen des dunklen Inkarnats der dargestellten Madonna. Der Überlieferung nach soll die Darstellung aus der Hand des Evangelisten Lukas stammen.

Nach diesem ersten Termin in Tschechenstochau wird Papst Franziskus um 10.30 Uhr die Heilige Messe zum 1050. Jahrestag der Taufe Polens auf dem Areal des Heiligtums in Tschechenstochau zelebrieren. Um 12.45 Uhr wird der Papst dann wieder per Hubschrauber nach Krakau zurückkehren, wo er um 17.30 Uhr den Tag mit einer Begrüßungszeremonie für die Jugendlichen im Jordan-Park beschließen wird.

Freitag, der 29. Juli, ist dem Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus und des Holocausts gewidmet. Um 8.45 Uhr wird Papst Franziskus mit dem Hubschrauber nach Oswięcim fliegen. Um 9.30 Uhr stehen ein Besuch in Auschwitz und um 10.30 Uhr ein Besuch des Vernichtungslagers Birkenau auf dem Programm. Danach wird der Papst nach Krakau zurückreisen.

Den Nachmittag wird Papst Franziskus mit Kindern und Jugendlichen verbringen. Um 16.30 Uhr wird er das Universitäts-Kinderkrankenhaus (UCH) besuchen. Um 18.00 Uhr wird der Papst mit Jugendlichen im Jordan-Park den Kreuzweg begehen.

Am Samstag, dem 30. Juli, wird Papst Franziskus morgens das Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit besuchen. 1891 wurde die St. Josef Kapelle erbaut, unter der sich ein Sarkophag mit den Reliquien der heiligen Faustyna befindet.

Um 9.00 Uhr wird der Papst die Pforte der Göttlichen Barmherzigkeit durchschreiten. Unmittelbar danach wird ein Versöhnungsritus einiger Jugendlicher in dem Heiligtum erfolgen.

Den Vormittag beschließt Papst Franziskus mit der Feier der Heiligen Messe mit polnischen Priestern, Ordensleuten und Seminaristen im Heiligtum Johannes Paul II.. Nach dem Mittagessen mit Jugendlichen im Palast des Erzbischofs sieht das offizielle Programm keine weiteren Termine am Nachmittag vor.

Am Abend wird Papst Franziskus um 19.00 Uhr auf dem Campus Misericordiae eintreffen und dort mit einigen Jugendlichen die Heilige Pforte durchschreiten. Danach werden sie gemeinsam eine Gebetswache halten.

Der letzte Reisetag beginnt um 10.00 Uhr mit der Feier der Heiligen Messe zum Weltjugendtag auf dem Campus Misericordiae. Daran wird sich das Angelusgebet anschließen.

Am späten Nachmittag wird Papst Franziskus den freiwilligen Helfern des Weltjugendtags, dem Organisationskomitee und Wohltätern in der Tauron Arena begegnen. Um 18.15 Uhr wird der Papst mit einer Abschiedszeremonie auf dem Flughafen verabschiedet. Seine Ankunft auf dem römsichen Flughafen Ciampino wird um 20.25 Uhr erwartet.

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Quelle

Botschaft von Papst Franziskus zum XXXI. Weltjugendtag 2016

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Unter Jugendlichen fühlt sich Papst Franziskus immer wohl. Auf unserem Bild ein Selfie mit Teilnehmern am Weltkongress von »Scholas Occurrentes«.

»Selig die Barmherzigen;
denn sie werden Erbarmen finden« (Mt 5,7)

Liebe junge Freunde,

wir haben die letzte Etappe auf unserem Pilgerweg nach Krakau erreicht, wo wir im Monat Juli des kommenden Jahres gemeinsam den XXXI. Weltjugendtag feiern werden. Auf unserem langen und anspruchsvollen Weg werden wir von den Worten Jesu aus der »Bergpredigt« geführt. Wir haben diese Strecke im Jahr 2014 begonnen, indem wir gemeinsam über die erste Seligpreisung nachgedacht haben: »Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich« (Mt 5,3). Für das Jahr 2015 war das Thema »Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen« (Mt 5,8). Im kommenden Jahr wollen wir uns von den Worten inspirieren lassen: »Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden« (Mt 5,7).

Das Jubiläum der Barmherzigkeit

1. Mit diesem Thema fügt sich der WJT in Krakau 2016 in das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ein, sodass es ein richtiges Jubiläum der Jugendlichen auf Weltebene wird. Es ist nicht das erste Mal, dass ein internationales Jugendtreffen mit einem Jubiläumsjahr zusammenfällt. Es war in der Tat während des Heiligen Jahres der Erlösung (1983/1984), dass der heilige Johannes Paul II. zum ersten Mal die Jugendlichen der ganzen Welt für den Palmsonntag zusammenrief. Danach war es während des Großen Jubiläums des Jahres 2000, dass sich über zwei Millionen Jugendliche aus etwa 165 Ländern in Rom zum XV. Weltjugendtag versammelt haben. Wie es in diesen beiden vorausgehenden Fällen geschah, so bin ich gewiss, dass das Jubiläum der Jugendlichen in Krakau eines der bedeutendsten Momente dieses Heiligen Jahres sein wird!

Einige von euch werden sich vielleicht fragen: Was für eine Bewandtnis hat es mit diesem Jubiläumsjahr, das in der Kirche gefeiert wird? Der biblische Text in Levitikus 25 hilft uns verstehen, was für das Volk Israel ein »Jubeljahr« bedeutete. Alle fünfzig Jahre hörten die Hebräer das Horn ertönen (jobel), das sie zusammenrief (jobil), um ein heiliges Jahr als eine Zeit der Versöhnung (jobal) für alle zu feiern. In dieser Zeit sollte man auf der Grundlage der Unentgeltlichkeit ein gutes Verhältnis zu Gott, dem Nächsten und der Schöpfung wiederfinden. Deswegen wurden unter anderem der Erlass der Schulden, eine besondere Hilfe für die in Elend Geratenen, die Besserung der Beziehungen unter den Personen und die Befreiung der Sklaven gefördert.

Jesus Christus ist gekommen, um eine immer währende Gnadenzeit des Herrn zu verkünden und zu verwirklichen, indem er den Armen die gute Nachricht, den Gefangenen die Entlassung, den Blinden das Augenlicht und den Zerschlagenen die Freiheit bringt (vgl. Lk 4,18-19). In Ihm, aber besonders in seinem Ostergeheimnis, findet der tiefste Sinn des Jubiläums seine vollkommene Erfüllung. Wenn die Kirche im Namen Christi ein Jubeljahr einberuft, dann sind wir alle eingeladen, eine außerordentliche Gnadenzeit zu leben. Die Kirche selbst ist aufgerufen, Zeichen der Gegenwart und Nähe Gottes im Überfluss anzubieten, in den Herzen die Fähigkeit zu wecken, auf das Wesentliche zu blicken. Dieses Heilige Jahr der Barmherzigkeit ist im Besonderen »die Zeit für die Kirche, den Sinn des Auftrags wieder neu zu entdecken, den der Herr ihr am Ostertag anvertraut hat: Zeichen und Werkzeug der Barmherzigkeit des Vaters zu sein« (Predigt bei der Ersten Vesper vom Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit, 11. April 2015).

Barmherzig wie der Vater

2. Das Motto dieses außerordentlichen Jubiläums lautet: »Barmherzig wie der Vater« (vgl. Misericordiae Vultus, 13), und mit ihm wird das Thema des kommenden WJT angestimmt. Versuchen wir daher besser zu verstehen, was die göttliche Barmherzigkeit bedeutet.

Das Alte Testament gebraucht verschiedene Begriffe, um von der Barmherzigkeit zu sprechen; die bedeutungsvollsten sind hesed und rahamim. Der erste Begriff, auf Gott angewandt, drückt seine unermüdliche Treue zum Bund mit seinem Volk aus, das er liebt und dem er immer wieder verzeiht. Der zweite, rahamim, kann als »Eingeweide« übersetzt werden und weist besonders auf den Mutterschoß hin; er lässt uns die Liebe Gottes zu seinem Volk verstehen, die wie die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind ist. So stellt es der Prophet Jesaja dar: »Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht« (Jes 49,15). Eine solche Liebe bringt mit sich, dass man in sich Raum für den anderen schafft, mit dem Nächsten fühlt, leidet und sich freut.

Im biblischen Konzept der Barmherzigkeit ist auch die Konkretheit einer Liebe eingeschlossen, die treu und unentgeltlich ist und verzeihen kann. In der folgenden Stelle bei Hosea haben wir ein sehr schönes Beispiel für die Liebe Gottes, die mit der Liebe eines Vaters zu seinem Kind verglichen wird: »Als Israel jung war, gewann ich ihn lieb, ich rief meinen Sohn aus Ägypten. Je mehr ich sie rief, desto mehr liefen sie von mir weg. […] Ich war es, der Efraim gehen lehrte, ich nahm ihn auf meine Arme. Sie aber haben nicht erkannt, dass ich sie heilen wollte. Mit menschlichen Fesseln zog ich sie an mich, mit den Ketten der Liebe. Ich war da für sie wie die, die den Säugling an ihre Wangen heben. Ich neigte mich ihm zu und gab ihm zu essen« (Hos 11,1-4). Trotz der verfehlten Haltung des Kindes, die eine Bestrafung verdienen würde, ist die Liebe des Vaters treu und vergibt immer einem Kind, das Reue zeigt. Wie wir sehen, ist in der Barmherzigkeit immer die Vergebung mit eingeschlossen; sie »ist nicht eine abstrakte Idee, sondern eine konkrete Wirklichkeit, durch die Er seine Liebe als die Liebe eines Vaters und einer Mutter offenbart, denen ihr Kind zutiefst am Herzen liegt. […] Sie kommt aus dem Innersten und ist tiefgehend, natürlich, bewegt von Zärtlichkeit und Mitleid, von Nachsicht und Vergebung« (Misericordiae Vultus, 6).

Im Neuen Testament hören wir von der göttlichen Barmherzigkeit (eleos) als Zusammenfassung des Werkes, zu dessen Verwirklichung Christus im Namen des Vaters in die Welt gekommen ist (vgl. Mt 9,13). Die Barmherzigkeit unseres Herrn offenbart sich vor allem, wenn Er sich dem menschlichen Elend zuwendet und sein Mitleid gegenüber demjenigen zeigt, der des Verständnisses, der Heilung und der Verzeihung bedarf. In Jesus spricht alles von Barmherzigkeit. Ja, Er selber ist die Barmherzigkeit.

Im 15. Kapitel des Lukasevangeliums finden wir drei Gleichnisse über die Barmherzigkeit: das vom verlorenen Schaf, das vom verlorenen Geldstück und jenes, das als das Gleichnis »vom verlorenen Sohn« bekannt ist. In diesen drei Gleichnissen beeindruckt uns die Freude Gottes, die Freude, die Er empfindet, wenn er einen Sünder wiederfindet und ihm vergibt. Ja, die Freude Gottes ist das Vergeben! Hier finden wir die Zusammenfassung des ganzen Evangeliums. »Jeder von uns ist jenes verlorene Schaf, jenes verlorene Geldstück; jeder von uns ist jener Sohn, der seine Freiheit vergeudet hat, falschen Götzen, Blendwerken des Glücks, gefolgt ist und alles verloren hat. Doch Gott vergisst uns nicht, der Vater verlässt uns nie. Er ist ein geduldiger Vater, er erwartet uns immer! Er respektiert unsere Freiheit, doch er bleibt immer treu. Und wenn wir zu ihm zurückkehren, nimmt er uns in seinem Haus wie Kinder auf, da er niemals aufhört, auch nicht einen Augenblick, uns voll Liebe zu erwarten. Und sein Herz feiert ein Fest für jedes Kind, das zurückkehrt. Es feiert ein Fest, weil es eine Freude ist. Gott hat diese Freude, wenn einer von uns Sündern zu ihm geht und um seine Vergebung bittet« (Angelus, 15. September 2013).

Die Barmherzigkeit Gottes ist sehr konkret und wir alle sind gerufen, diese Erfahrung in eigener Person zu machen. Als ich siebzehn Jahre alt war und einmal mit meinen Freunden ausgehen sollte, habe ich beschlossen, zuerst eine Kirche zu besuchen. Dort habe ich einen Priester getroffen, der mir ein besonderes Vertrauen eingeflößt hat, sodass ich den Wunsch verspürte, mein Herz in der Beichte zu öffnen. Diese Begegnung hat mein Leben verändert! Ich habe entdeckt, dass, wenn wir das Herz in Demut und Aufrichtigkeit öffnen, wir sehr konkret die Barmherzigkeit Gottes betrachten können. Ich hatte die Gewissheit, dass in der Person jenes Priesters Gott auf mich schon wartete, noch bevor ich den ersten Schritt tat, um die Kirche zu besuchen. Wir suchen ihn zwar, aber Er ist es, der uns immer zuvorkommt; er sucht uns immer und er findet uns zuerst. Es mag sein, dass einer von euch eine Last auf dem Herzen hat und denkt: Ich habe das gemacht, ich habe jenes gemacht … Fürchtet euch nicht! Er wartet auf euch! Er ist Vater: Er wartet immer auf uns! Wie schön ist es, im Sakrament der Versöhnung auf die barmherzige Umarmung des Vaters zu treffen, den Beichtstuhl als Ort der Barmherzigkeit zu entdecken, sich von dieser barmherzigen Liebe des Herrn berühren zu lassen, der uns immer verzeiht!

Und du, lieber junger Freund, liebe junge Freundin, hast du jemals diesen Blick unendlicher Liebe auf dir ruhen gespürt, die trotz aller deiner Sünden, Grenzen und deines Versagens dir weiter vertraut und deine Existenz voll Hoffnung betrachtet? Bist du dir deines Wertes vor Gott bewusst, der dir aus Liebe alles gegeben hat? Wie uns der heilige Paulus lehrt: »Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren« (Röm 5,8). Verstehen wir aber wirklich die Kraft dieser Worte?

Ich weiß, wie lieb euch allen das Kreuz der WJT ist – ein Geschenk des heiligen Johannes Paul II. –, das seit 1984 alle eure Welttreffen begleitet. Wie viele Veränderungen, wie viele wahre und wirkliche Bekehrungen sind im Leben von so vielen Jugendlichen durch die Begegnung mit diesem nackten Kreuz hervorgegangen! Vielleicht habt ihr euch die Frage gestellt: Woher kommt die außergewöhnliche Kraft dieses Kreuzes? Die Antwort ist diese: Das Kreuz ist das beredteste Zeichen von Gottes Barmherzigkeit! Es bezeugt uns, dass das Maß der Liebe Gottes zur Menschheit ein Lieben ohne Maß ist! Im Kreuz können wir die Barmherzigkeit Gottes berühren und uns von seiner Barmherzigkeit selbst berühren lassen! An dieser Stelle möchte ich an die Episode von den zwei Verbrechern erinnern, die neben Christus gekreuzigt worden waren. Einer von ihnen war überheblich, hat sich nicht als Sünder bekannt, hat den Herrn verhöhnt. Der andere hingegen bekennt, gefehlt zu haben, wendet sich an den Herrn und sagt zu ihm: »Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst«. Jesus schaut ihn mit unendlicher Barmherzigkeit an und antwortet ihm: »Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein« (vgl. Lk 23,32.39-43). Mit welchem von beiden identifizieren wir uns? Mit dem, der überheblich ist und seine Vergehen nicht anerkennt? Oder mit dem anderen, der zugibt, der göttlichen Barmherzigkeit zu bedürfen, und sie von ganzem Herzen erfleht? Im Herrn, der für uns sein Leben am Kreuz hingegeben hat, werden wir immer eine bedingungslose Liebe finden, die unser Leben als ein Gut betrachtet und uns immer wieder die Möglichkeit gibt, neu zu beginnen.

Die außergewöhnliche Freude, Werkzeug der Barmherzigkeit Gottes zu sein

3. Das Wort Gottes lehrt uns: »Geben ist seliger als nehmen« (Apg 20,35). Gerade deswegen preist die fünfte Seligpreisung die Barmherzigen selig. Wir wissen, dass der Herr uns zuerst geliebt hat. Aber wir werden nur dann wirklich selig und glücklich sein, wenn wir in die göttliche Logik des Geschenks, der unentgeltlichen Liebe eingehen, wenn wir entdecken, dass Gott uns unendlich geliebt hat, um uns fähig zu machen, wie Er zu lieben ohne Maß. Wie der heilige Johannes sagt: »Liebe Brüder, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe. […] Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat. Liebe Brüder, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben« (1 Joh 4,7-11).

Nachdem ich euch ganz kurzgefasst erklärt habe, wie der Herr seine Barmherzigkeit uns gegenüber ausübt, möchte ich euch nun vorschlagen, wie wir konkret Werkzeuge eben dieser Barmherzigkeit gegenüber unserem Nächsten sein können.

Da kommt mir das Beispiel des seligen Pier Giorgio Frassati in den Sinn. Er sagte: »Jesus besucht mich jeden Morgen in der Kommunion, ich vergelte es ihm in der mir möglichen ärmlichen Weise, indem ich die Armen besuche«. Pier Giorgio war ein junger Mann, der verstanden hatte, was es heißt, ein barmherziges Herz zu haben, das empfindsam ist gegenüber den am meisten Notleidenden. Ihnen gab er weit mehr als nur materielle Dinge; er gab sich selbst, er widmete Zeit, Worte und die Fähigkeit zuzuhören. Er diente den Armen mit großer Einfühlsamkeit, ohne sich jemals zur Schau zu stellen. Er lebte wirklich das Evangelium, das sagt: »Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut. Dein Almosen soll verborgen bleiben, und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten« (Mt 6,3-4). Denkt nur, am Tag vor seinem Tod, als er schwer krank war, gab er Anweisungen, wie seinen bedürftigen Freunden geholfen werden sollte. Bei seiner Beerdigung waren seine Familienangehörigen und Freunde verblüfft wegen der Anwesenheit so vieler ihnen unbekannter Armer, um die sich der junge Pier Giorgio gekümmert und denen er geholfen hatte.

Ich verbinde immer gerne die Seligpreisungen mit dem 25. Kapitel des Matthäusevangeliums, wo Jesus uns die Werke der Barmherzigkeit vorstellt und sagt, dass wir einst nach ihnen gerichtet werden. Deswegen lade ich euch ein, die Werke der leiblichen Barmherzigkeit neu zu entdecken: Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Nackte bekleiden, Fremde aufnehmen, Kranke pflegen, Gefangene besuchen, Tote begraben. Und vergessen wir nicht die geistigen Werke der Barmherzigkeit: Zweifelnden recht raten, Unwissende lehren, Sünder zurechtweisen, Betrübte trösten, Beleidigungen verzeihen, Lästige geduldig ertragen, für Lebende und Verstorbene zu Gott beten. Wie ihr seht, ist die Barmherzigkeit weder ein »Alles-Gutheißen« noch reine Gefühlsseligkeit. Hier bewahrheitet sich die Echtheit unseres Jüngerseins Christi, unsere Glaubwürdigkeit als Christen in der heutigen Welt.

Euch jungen Freunden, die ihr sehr konkret seid, möchte ich gerne für die ersten sieben Monate des Jahres 2016 vorschlagen, ein leibliches und ein geistiges Werk der Barmherzigkeit auszuwählen, das jeden Monat in die Tat umgesetzt wird. Lasst euch vom Gebet der heiligen Faustyna inspirieren, die eine demütige Apostelin der göttlichen Barmherzigkeit unserer Zeit ist:

»Hilf mir, o Herr, […]

dass meine Augen barmherzig schauen,

damit ich niemals nach äußerem Anschein verdächtige und richte, sondern wahrnehme, was schön ist in den Seelen meiner Nächsten, und ihnen zu Hilfe komme […]

dass mein Gehör barmherzig wird, damit ich mich den Bedürfnissen meiner Nächsten zuneige, dass meine Ohren nicht gleichgültig bleiben für Leid und Klage der Nächsten […]

dass meine Zunge barmherzig wird, dass ich niemals über meine Nächsten abfällig rede, sondern für jeden ein Wort des Trostes und der Vergebung habe […]

dass meine Hände barmherzig und voll guter Taten sind […]

dass meine Füße barmherzig sind, dass sie meinen Nächsten immer zu Hilfe eilen und die eigene Mattheit und Müdigkeit beherrschen […]

dass mein Herz barmherzig ist, auf dass ich alle Leiden der Nächsten empfinde« (Tagebuch, Nr. 163).

Die Botschaft der göttlichen Barmherzigkeit stellt somit ein sehr konkretes und herausforderndes Lebensprogramm dar, weil es Werke einbezieht. Eines der offensichtlichsten Werke der Barmherzigkeit, aber vielleicht auch eines das am schwierigsten durchzuführen ist, besteht darin, dem zu verzeihen, der mich beleidigt hat, der mir Böses getan hat, eben denen, die wir als unsere Feinde ansehen. »Wie schwer ist es anscheinend, immer und immer wieder zu verzeihen! Und doch ist die Vergebung das Instrument, das in unsere schwachen Hände gelegt wurde, um den Frieden des Herzens zu finden. Groll, Wut, Gewalt und Rache hinter uns zu lassen, ist die notwendige Voraussetzung für ein geglücktes Leben« (Misericordiae Vultus, 9).

Ich begegne so vielen jungen Menschen, die sagen, dass sie diese so geteilte Welt leid sind, in der Anhänger verschiedener Parteien zusammenstoßen, in der es so viele Kriege gibt und es sogar Leute gibt, die die eigene Religion als Rechtfertigung für die Gewalt benutzen. Wir müssen den Herrn bitten, er möge uns die Gnade schenken, mit dem barmherzig zu sein, der uns Böses tut. So wie Jesus, der am Kreuz für jene gebetet hat, die ihn gekreuzigt hatten: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun« (Lk 23,34). Der einzige Weg, um das Böse zu besiegen, ist die Barmherzigkeit. Die Gerechtigkeit ist notwendig, ja sehr, aber sie alleine genügt nicht. Gerechtigkeit und Barmherzigkeit müssen zusammen gehen. Wie möchte ich, dass wir uns alle in einem gemeinsamen, aus der Tiefe unserer Herzen kommenden Gebet vereinten, um zu bitten, dass der Herr Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt habe!

Krakau wartet auf uns!

4. Es fehlen noch wenige Monate bis zu unserem Treffen in Polen. Krakau, die Stadt des heiligen Johannes Paul II. und der heiligen Faustyna Kowalska, wartet mit offenen Armen und Herzen auf uns. Ich glaube, dass die göttliche Vorsehung uns geführt hat, gerade dort das Jubiläum der Jugend zu feiern, wo diese beiden großen Apostel der Barmherzigkeit unserer Tage gelebt haben. Johannes Paul II. hatte erfasst, dass dies die Zeit der Barmherzigkeit sei. Zu Beginn seines Pontifikats hat er die Enzyklika Dives in Misericordia geschrieben. Im Heiligen Jahr 2000 hat er Schwester Faustyna heilig gesprochen und auch das Fest der Göttlichen Barmherzigkeit für den zweiten Sonntag nach Ostern eingesetzt. Und im Jahr 2002 hat er persönlich in Krakau das Heiligtum des Barmherzigen Jesus eingeweiht, indem er die Welt der göttlichen Barmherzigkeit anvertraut hat mit dem Wunsch, dass diese Botschaft alle Einwohner der Erde erreiche und die Herzen mit Hoffnung erfülle: »Diesen Funken der Gnade Gottes müssen wir entfachen und dieses Feuer des Erbarmens an die Welt weitergeben. Im Erbarmen Gottes wird die Welt Frieden und der Mensch Glückseligkeit finden!« (Predigt bei der Weihe des Heiligtums der Göttlichen Barmherzigkeit in Krakau, 17. August 2002).

Liebe junge Freunde, der Barmherzige Jesus, der auf dem vom Volk Gottes im ihm geweihten Heiligtum in Krakau verehrten Bild dargestellt ist, erwartet euch. Er verlässt sich auf euch und rechnet mit euch! Er hat jedem und jeder von euch so viele wichtige Dinge zu sagen… Habt keine Angst, seine von unendlicher Liebe zu euch erfüllten Augen anzuschauen, und lasst euch von seinem barmherzigen Blick treffen, der bereit ist, jede eurer Sünden zu verzeihen; es ist ein Blick, der euer Leben zu verwandeln und die Wunden eurer Seele zu heilen vermag, ein Blick, der den tiefen Durst stillt, der sich in euren jungen Herzen befindet: der Durst nach Liebe, nach Frieden, nach Freude und wahrem Glück. Kommt zu Ihm und habt keine Angst! Kommt und sagt Ihm aus tiefstem Herzen: »Jesus, ich vertraue auf Dich!«. Lasst euch von seiner grenzenlosen Barmherzigkeit berühren, damit auch ihr durch die Werke, die Worte und das Gebet zu Aposteln der Barmherzigkeit werdet in unserer von Egoismus, Hass und so großer Verzweiflung verwundeten Welt.

Tragt die Flamme der barmherzigen Liebe Christi – von der der heilige Johannes Paul II. gesprochen hat – in das Umfeld eures alltäglichen Lebens und bis an die Grenzen der Erde. Auf dieser Sendung begleite ich euch mit meinen Wünschen und meinen Gebeten. Ich empfehle euch alle auf dieser letzten Wegstrecke der geistlichen Vorbereitung auf den kommenden WJT in Krakau der Jungfrau Maria, der Mutter der Barmherzigkeit, und segne euch alle von Herzen.

Aus dem Vatikan, am 15. August 2015 am Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel

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Quelle: Osservatore Romano 23/2016

Die Polnische Kirche ist mit Papst Franziskus verbunden

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Wawel-Kathedrale & Königsschloss / Wikimedia Commons – FotoCavallo, CC BY 3.0

Jorge Bergoglio wird anlässlich des Weltjugendtages im Sommer Krakau besuchen

Die polnischen Bischöfe beziehen sich häufig auf Papst Franziskus. Dies spiegelt sich sowohl in den Predigten und Hirtenbriefen als auch in den Stellungnahmen der Polnischen Bischofskonferenz wider. Dies ist ein Zeichen der persönlichen Verbundenheit mit dem Nachfolger Petri, der schon bald nach Polen kommen wird.

Beim Ad-limina-Besuch im Februar 2014 empfing Papst Franziskus die polnischen Bischöfe in Rom wie Brüder. Dieser herzliche Empfang hat die gegenseitigen Beziehungen noch mehr gestärkt. Man kann sagen, dass Polen eine der Nationen ist, an die sich der Heilige Vater am meisten wendet. Ein besonderes Geschenk wird der bevorstehende Besuch anlässlich des Weltjugendtages sein. Polen ist das erste Land in Europa, abgesehen von Italien, in dem Papst Franziskus einige Tage verbringen wird.

Die Menschen in Polen und das Land spielen also eine besondere Rolle beim Dienst von Papst Franziskus. In ähnlicher Weise beziehen sich die polnischen Bischöfe häufig auf die Lehre von Papst Franziskus. In den Dokumenten der Polnischen Bischofskonferenz des Jahres 2015 wurde Papst Franziskus über 70 mal erwähnt. In den vergangenen Jahren haben ihn die Bischöfe in allen Hirtenbriefen zitiert (von Anfang 2015 an waren dies insgesamt 11 Briefe). Er wurde auch in allen Stellungnahmen der Plenarversammlungen in den Jahren 2015 und 2016 erwähnt. Auf Papst Franziskus und seine Lehre nehmen der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanisław Gądecki, sowie der Primas von Polen, Erzbischof Wojciech Polak, häufig Bezug. Der gegenwärtige Papst wird auch in den Dokumenten der Kommissionen, Räte und Gruppen der Polnischen Bischofskonferenz oft zitiert, sowohl in denjenigen, die moralische Themen betreffen, wie auch soziale Probleme.

Als der Generalsekretär der Polnischen Bischofskonferenz, Bischof Artur Miziński, für die polnische Kirche eine Bilanz des 2015 zog, betonte er, dass die Polnische Bischofskonferenz sich im Geiste der Lehre von Papst Franziskus engagiere, um die Ehe und die Familie zu unterstützen und zu schützen, aber auch, um Werte, wie etwa die Menschenwürde, zu verteidigen.

Der Besuch von Papst Franziskus in Polen bietet eine weitere Gelegenheit, um seine Lehre aufmerksam zu hören und sie ins tägliche Leben umzusetzen. Die Worte des Papstes, die wir im Juli hören werden, werden für uns besonders wichtig sein, weil sie auf polnischer Erde im Jahr der Barmherzigkeit ausgesprochen werden.

Pfarrer Paweł Rytel-Andrianik ist Pressesprecher der Polnischen Bischofskonferenz

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Quelle 27. MAI 2016