DER WEG, DER ZUM LEBEN FÜHRT … (Das Tagebuch von Gaby) – Folge 09 (Schluss)

«Ich habe es euch gesagt: ‹Wer sein Leben retten will, wird es verlieren›, und ihr könnt auch nicht vor­geben, Mich zu lieben und Mir zu dienen, und (gleichzeitig) die Welt lieben und leben wie die Welt. Ihr müßt wählen: entweder ihr seid für Mich, und dann seid ihr gegen die Welt, oder ihr entscheidet euch für die Welt, und dann bekämpft ihr Mich.»

(Und weinend spricht Jesus weiter:)

«Wann endlich werdet ihr die unermeßliche Pein Meines Herzens verstehen? Warum lebt ihr stur wei­ter fern von Mir? Niemand indessen kann euch mehr lieben als Ich. Ich will euer Heil und nicht euern Un­tergang.»

[B 671] «Unsinnige Menschen, eure Verblendung und eure Taubheit werden euch in den Untergang führen. Schlaget also Gewinn aus Meiner Barmher­zigkeit, da euch heute die Chance gegeben ist; mor­gen wird es, Ich sage es euch, zu spät sein für euch.»

«Mögen sich all diese gleichgültigen, sorglosen und nachlässigen Hirten, die ihre Herde verlassen oder sich selbst überlassen, um hierhin und dorthin zu lau­fen, ohne daß das erforderlich oder zweckdienlich ist, in acht nehmen. Sie können ihre Verantwortung auf die Schultern des Nachbarn laden, aber sie mögen nicht vergessen, daß sie es sind, die Rechenschaft ab­zulegen haben werden über den Verlust der Herde, und nicht der Nachbar. Sie ziehen es vor, nach Lust und Laune zu handeln und ihre Begierden zu befrie­digen, anstatt allen Vergnügen zu entsagen, um, wie sie es tun sollten, die Pflichten zu erfüllen, die ihnen zufallen, und die Verantwortung zu tragen, [B 672] die Ich ihnen Selbst übertragen habe, indem Ich sie an die Spitze einer Herde gestellt habe.»

«All diese schlechten Hirten werden äußerst streng bestraft werden für ihre Nachlässigkeit und ihre Gleichgültigkeit. Es ist nicht verwunderlich, daß sich die Schafe verirren und sich manchmal tödlich ver­wunden, wenn der Hirte selbst es vorzieht, auf Aben­teuer aus zu sein, statt seine Schafe zu bewachen und zu lieben, die sich ihm völlig anvertrauen, um in den Schafstall zu gelangen.

«Mögen alle Priester auf der vollständigen Entsa­gung bestehen als dem alleinigen und einzigen Weg, der zu Mir führt. Vor allem sollen sich diese Priester, die sich weigern, diese Lehre zu praktizieren, beeilen, sie wieder aufzugreifen und danach zu leben; denn ihr müßt sie nicht nur predigen, sondern der Welt das Beispiel dafür geben, um dieser unbekümmerten und ichbezogenen Welt die furchtbaren Katastrophen zu ersparen, die sie zermalmen werden, wenn sie ihr Le­ben nicht ändert.»

[B 673] «Mögen alle jene, die durch den Mißbrauch ihrer Autorität auf irgendeine Art und Weise der Ausbreitung dieser Lehre von der Entsagung scha­den, indem sie der kleinen Zahl der treuen Diener das Schweigen aufzwingen, die trotz des Modernismus und der Evolution der Sitten dieses Jahrhunderts sich nicht fürchten, die Enthaltsamkeit zu verkünden, mögen alle jene, die ihre Autorität zum Schaden Meiner Lehre mißbrauchen, sich in acht nehmen, ihre Herzen erforschen und ihre Verantwortung wohl abwägen; denn Mein Strafgericht wird fürchterlich sein.»

«Wenn ihr Meine Lehre den Ideen und der Mentali­tät der Welt anzupassen sucht, seid ihr schlechte Die­ner.»

«Die Welt dieses Jahrhunderts, die nur daran denkt, zu genießen, sich zu befriedigen, indem sie alle Opfer und alle Abtötung meidet, möge sich nicht in trügeri­scher Hoffnung wiegen; [B 674] denn Ich werde in nichts Meine Lehre ändern, und selbst wenn dies den Ideen dieser modernen Welt entgegensteht, sage Ich euch doch, daß der Welt nichts anderes übrigbleibt, als sich anzupassen und sich der Lehre von der Ent­sagung, vom Gebet und der Buße zu unterwerfen, oder sie wird für immer, fern von Mir, untergehen.»

«Beeilt euch also alle, den Weg wieder unter die Füße zu nehmen, der euch zu mir führt; denn täuscht euch nicht darüber: man spottet Gottes nicht unge­straft; da Ich ja von aller Ewigkeit her eure verbor­gensten Gedanken kenne und die liebenden und auf­richtigen Diener, die sich nicht fürchten, für Mich alles zu ertragen, zu erkennen weiß und zu unterschei­den verstehe vom egoistischen Diener und Feigling, der nur sein Vergnügen sucht und der alles tut, um sich das geringste Opfer zu ersparen, während er be­hauptet, Mich zu lieben. Von dieser Paradeliebe be­darf Ich nichts; Ich will eine aufrichtige Liebe, die be­reit ist, für Mich alles zu opfern. Ich will alles oder gar nichts. Schreibt es gar gut auf den Grund eures Her­zens, [B 675] um es ja nie zu vergessen …»

* 161 *

[B 677] Ich sah Ihn am Rande meines Bettes sitzen, die Augen voller Tränen. Ich hatte meinen Tag mit schwe­rem Herzen verbracht, wegen eines Schmerzes, der mir von ich weiß nicht woher kam, seit ich Ihn beim Gottes­dienst hatte weinen sehen. Da konnte ich nicht anders als auch weinen. Ich sagte Ihm: «Herr, verzeih mir. Ich bin wirklich ungeschickt; statt Dich zu trösten, weine ich mit Dir.» Lächelnd hat Er gesagt:

«Deine Tränen sind Balsam für Mein Herz. Beun­ruhige dich also nicht wegen nichts. Liebe Mich; das ist alles, was Ich will.»

Ich habe Ihm gesagt: «Wenn Du viel von mir erwar­test, wirst Du besser tun, Dich vorzubereiten, mir die Kraft und den Mut zu geben; denn ganz allein wird es mir niemals gelingen; ich werde nichts tun können.»

«Was tut’s! Ich kann alles.»

Dann habe ich mich umgewandt, und ich habe ver­sucht, die Gedanken zu wechseln; da habe ich gehört:

[B 678] «Warum schaust du Mich nicht an?»

Wider Willen habe ich Ihn angeblickt. Sein von Trau­er erfülltes Antlitz dreht mir das Herz ganz um. Ich kann nicht sagen, was ich fühle. Man würde meinen, daß mir etwas das Herz zusammenpreßt. «0 Herr!», habe ich gesagt, «ich möchte wirklich aufhören, an all das zu denken. Das hat keinen Sinn. Das muß meine Einbildung sein.» Je mehr ich daran denke, desto weniger hat es einen vernünftigen Sinn, daß Er sich bei mir aufhält, die ich so viele Torheiten begangen habe, die ich nicht ein­mal die Geduld aufbringe, irgend etwas zu ertragen. Das ist gut für die Heiligen, dies, nicht für mich. Ich bin weit davon entfernt, eine Heilige zu sein. Ich habe Lust, mich mit all dem nicht mehr zu beschäftigen, indem ich (trotzdem) mein Möglichstes tue, um ein so heiligmäßi­ges Leben zu führen, wie es eben geht. Ich will nicht an­ders sein als die anderen, indem ich ungewöhnliche Din­ge vollbringe; denn das ist doch keineswegs normal!

«Ach, Herr! wie bin ich müde! Was wartest Du, um mich davon zu befreien?» Ich sage Ihm immer: «Wenn es ein Wahn ist, Herr, und wenn es Dir mißfällt, befreie mich davon, laß nicht zu, daß dies mich entferne von Dir.»

«Warum handelst du so mit Mir? Warum versuchst du, Mich aus deinen Gedanken und aus deinem Her­zen zu vertreiben? Ist das deine Art, Mich zu lieben? Ich verwandle dein Leben, Ich weiß es; aber du mußt selbst das akzeptieren. Ich wiederhole dir: warum versuchst du zu verstehen? Es wird dir nie gelingen. Laß dich führen und vergiß alles, was nicht Ich bin. Du schadest dir, wenn du zu wissen versuchst, was du nicht wissen sollst. Du fügst Mir großes Leid zu, Klei­ne, wenn du an Mir zweifelst.»

«Ich zweifle nicht an Dir, Herr; aber all dies hat keinen vernünftigen Sinn, es sind zweifellos Einbil­dungen.»

«Wenn du Mir mit deiner Einbildung Seelen zufüh­ren würdest, wäre es nicht der Mühe wert, daß du (damit) fortführest, aus Liebe zu Mir? Da ja das, was du schreibst, nicht gegen Mich ist, so ist es also für Mich, und wenn es für Mich ist, darfst du nichts tun, was der Ausbreitung von all dem schadet; denn sonst wärest du gegen Mich. Erleide Ich nicht genug Qua­len, ohne daß du, kleines Mädchen, Mir deren auch noch zufügst? Du willst Mir also nicht gehören und nicht Mich allein nur lieben?»

«Aber doch, Herr.»

«Warum widersetzest du dich dann? Ich habe es dir gesagt: ‹Überlaß dich gänzlich Mir.› Liebe Mich mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele [B 681] und allen deinen Kräften, und kümmere dich nicht um das Weitere.»

«Was kümmert es dich, was mit dir geschehen wird, was man von dir denken wird, solange du sicher bist, Mir zu gefallen; das ist alles, was zählen muß für dich, Mir wohlgefällig sein und für Mich allein leben, ist das so schwer? Ich, habe Ich dir nicht gezeigt, bis zu welchem Grad Ich dich liebe? Du bist die Unwürdig­ste, und dennoch bist du die am reichsten Beschenk­te. Ich weiß, daß du Meine Handlungsweise nicht ver­stehst. Du gibst nicht zu, daß Ich dich bis zur Torheit lieben kann und dich zu leiden bitte. Du wirst Mich nie verstehen können, da ihr nie mit Mir der gleichen Ansicht sein werdet.»

«Es gibt keine größere Torheit als die des Kreuzes; habe Ich Mich nicht dazu erniedrigt aus Liebe zu euch? Habe Ich euch nicht das Beispiel des Leidens und der totalen Entsagung in Meinem irdischen Le­ben gegeben? Wenn Ich, [B 682] der Herr, Mich die­sem Gesetz des Leidens unterziehen mußte, warum sollte es sich anders verhalten bei euch, die ihr nicht einmal würdig seid, für Mich zu leiden? Der Diener steht nicht über dem Meister, vergeßt das nicht.»

«Wenn ihr in all euern Leiden und euern Schmer­zen innehalten würdet, um mit allen Fasern eures Herzens an all das zu denken, was Ich für euch ertra­gen habe, um wieviel leichter würden euch eure Lei­den und weniger mühsam eure Schmerzen erschei­nen. Seid also nicht egoistisch und kleinlich mit Mir. Gebt Mir, ohne zu zählen. Ich werde es euch hundert­fältig zurückerstatten.»

«Bedauerst du deine Gedanken von vorhin, Klei­ne?»

«Ja, Herr, du weißt wohl, daß ich es nicht getan haben würde.»

[B 683] «Daß du es nur schon gedacht hast, hat Mir einen gar großen Schmerz zugefügt. Beraube Mich niemals, ohne triftigen Grund, des Glücks, das mir dein Beiwohnen der Messe am Morgen gibt, und vor allem des Glückes, das Ich empfinde, wenn Ich in dein Herz hinabsteige. Wohin würde Ich gehen, wenn Ich nicht mehr in deinem Herzen Zuflucht nehmen könnte? Diejenigen sind so rar, die Mich aufrichtig zu lieben begehren. Die Menge der Gleichgültigen nimmt je­den Tag zu. Man liebt Mich nicht; man verachtet Mich, man verschmäht Mich, und man flieht Mich.»

«Entartete Menschen und Feiglinge! Habe Ich euch nicht überreich beschenkt? Ihr verdankt Mir al­les, und was gebt ihr Mir dafür? Gleichgültigkeit und Verachtung.»

«Wie groß ist Mein Schmerz angesichts der Kälte der Menschen. Mein Herz ist überdrüssig und müde. Selbst die Meinen verstoßen Mich und finden Mich zu anspruchsvoll. Ich bin allein und von allen verlas­sen. Es gibt auf der Erde keine größere Einsamkeit als die Meinige.»

«In dieser großen Stadt voll von Leuten, die vorge­ben, Mich zu lieben, habe Ich Mühe, Seelen zu finden, die einwilligen, Mich aufrichtig zu lieben und zu lei­den, [B 684] um ihre Schuld zu sühnen und die Schuld derer, die sich weigern, dies zu tun, vor allem die Schuld Meiner Priester.»

«Indes, seht die sittlichkeitsgefährdenden Theater und die Vergnügungslokale, die sich zum Bersten fül­len, wegen Darbietungen, die Stunden dauern, wäh­rend man den Sonntagsgottesdienst ermüdend und zu lang findet.»

«Ich sage euch: nehmt euch in acht, eure Freuden und eure Vergnügen gehen zur Neige, und bald wer­det ihr weinen und stöhnen; doch es wird vielleicht zu spät sein. Entsagt also all diesen Vergnügen, die euch von Mir entfernen. Kehrt aufrichtig um zu Mir, er­weckt Reue, und Ich werde alles vergessen. Ich werde euch mit Mir nehmen, und ihr werdet dann die ganze Nichtigkeit (Gehaltlosigkeit) dieser Freuden einse­hen, die ihr heute vorzieht, wenn ihr die kleinste jener (Freuden) gekostet habt, die ihr bei Mir finden wer­det.»

«Macht Mein Opfer nicht unnütz [B 685] durch eure Weigerung, Mich zu hören. Profitiert von dieser Barmherzigkeit, die Ich euch anbiete; wartet nicht, bis es zu spät ist.»

«Beeilt euch; denn morgen wird es vielleicht zu spät sein. Meine Geduld erschöpft sich, und wenn ihr euch nicht ändert, werde Ich euch alle strafen. Nehmt euch in acht. Meine Rache wird schrecklich und er­barmungslos sein. Wartet nicht, bis sich Mein Herz für immer verschließt; denn dann wird es euch nichts nützen zu versuchen, Mich zu erweichen. Ich werde taub bleiben gegenüber euren Flehrufen und euren Tränen. Meine kleinen Kinder, zwingt Mich nicht, streng zu verfahren mit euch. Ich sage es euch, dies wird dann zu eurem ewigen Unglück sein, vergeßt es nicht.»

«Ich will euer Heil und nicht euer Verderben; nehmt also die erforderlichen Mittel, um zu Mir zu kommen. Nur die Buße, die Abtötung, die vollständi­ge Entsagung werden euch zu Mir führen. Die ande­ren Mittel sind eitel und unnütz.»

«Täuscht euch nicht darüber: ihr müßt dem glei­chen Weg folgen, dem Ich Selbst gefolgt bin.»

* 162 *

[B 686] Bezüglich eines Mädchens, das Mutter gewor­den ist und dem ich begegnet bin, hat Er mir gesagt:

«Selbst um den Preis eines unglücklichen Lebens habt ihr nicht das Recht, um das Gerede der anderen und die Demütigungen zu meiden, euch eurer Pflicht und eurer Verantwortung zu entziehen. Die Seele die­ses Kindes, das bald das Licht der Welt erblicken wird, ist kostbarer als alles andere; vergeßt es nicht. Wenn es das Licht erblickt, so wegen des menschli­chen Egoismus; treibt also diesen Egoismus nicht so weit, daß ihr diese Seele in fremde Hände gebt, unter dem Vorwand, euch ein unglückliches Leben zu er­sparen. Ihr habt die Schwäche gehabt, eine Dumm­heit zu begehen; habt also wenigstens den Mut, die­sen Fehler wiedergutzumachen, indem ihr euch be­müht, aus der Frucht eurer Schwäche ein Wesen zu bilden, das würdig ist, Kind Gottes genannt zu wer­den.»

«Mögen sich alle, die ihr Kind verlassen, wie wenn es ein Luxusobjekt wäre, vorsehen. Sie werden Mir gegenüber gestrenge Rechenschaft ablegen müssen. Wenn Mein Lohn für diejenigen unermeßlich groß ist, die sich damit belasten, diese verlassenen und versto­ßenen Kinder in Obhut zu nehmen, wird Meine Strafe schrecklich sein für die, die sie aus falscher Scham verlassen haben, [B 687] ohne sich um sie zu küm­mern.»

* 163 *

[19. Mai 1955] «Willst du Meine Herrlichkeit nicht tei­len?»

«Doch, Herr.»

«Warum versuchst du dann, das Leiden zu fliehen? Eines Tages werde Ich dich unter Meinen Mantel nehmen, und Ich werde dich mit Mir fortnehmen, da­hin, wo du nie mehr zu leiden haben wirst, und Ich werde alle deine Wünsche überreichlich erfüllen; doch dafür mußt du dich all dem unterziehen, was Ich von dir fordere. Suche also nicht, Mich zu fliehen; du könntest sonst nicht dorthin gelangen. Nichts und niemand wird dich je von Mir trennen können; denn jeden Tag ziehe Ich die Glieder der Kette, die dich mit Mir vereint, enger an.»

«Es ist zu spät, zurückzuweichen. Ich habe dir die Freiheit gelassen zu wählen; Ich habe dich nicht ge­fragt: [B 688] «Nimmst du dies an oder das, willst du auf dies oder das verzichten?»

«Nein, Ich habe dir gesagt: ‹Willst du alles anneh­men, was Ich dir schicken werde, und für Mich allem entsagen?› Du hast freiwillig angenommen; versuche nicht, dich zurückzuziehen, Kleine.»

«Ich verspreche dir kein rosiges Leben, Mein klei­nes Kind; du wirst viel leiden. Du leidest schon; Ich weiß es. Du wirst mehr zu leiden haben als die ande­ren, weil Ich dich mit einer besonderen und grenzen­losen Liebe liebe. Ich habe dir mehr gegeben; Ich ver­lange (darum) mehr von dir; ist das nicht mein Recht?»

«Laß dich also nicht einnehmen oder einschüch­tern von der List desjenigen, der versucht, dich damit zu Fall zu bringen, womit er sich selbst ins Verderben gestürzt hat – mit dem Stolz. [B 689] Was tut’s, wenn man über dich lacht, wenn sie dich als verrückt be­zeichnen. Was wirst du erst tun, wenn du das von dei­ner Umgebung erleiden mußt, wenn es dich jetzt schon plagt? Selbst wenn du von Sinnen wärst, warum dich ängstigen, welche Bedeutung hätte das für dich, da Ich dich doch so liebe, wie du bist?»

«Die Welt hält diejenigen für verrückt, die ihren Ideen und ihren Gesetzen zuwiderhandeln. Sind nicht diejenigen die Verrücktesten, die sich den Ge­setzen und den Ansprüchen der Welt unterwerfen, die schließlich nichts ist, da Ich sie in Meinen Händen halte und da Ich sie in einem Augenblick vernichten und zu Staub verwandeln könnte?»

«Unsinnige Menschen, wie groß ist eure Verblen­dung! Ihr könnt ja nicht einmal mehr den Wert der Schätze erkennen, die Ich euch anbiete, und zieht all dem «Schätze» vor, die der Zeit nicht werden stand­halten können.»

«Alles, worauf ihr euer Herz und eure Hoffnung setzt, wird euch eines Tages entrissen werden, an je­nem Tag, [B 690] da ihr sie wider Willen werdet verlas­sen müssen, da für euch die Stunde schlagen wird, in der ihr Rechenschaft geben müßt. Von welchem Nut­zen werden euch dann alle diese Nichtigkeiten sein, die ihr Mir in grober Beleidigung heute vorzieht, die die Ursache eures ewigen Unheils sein werden? Der Luxus, der Komfort, die Befriedigung aller eurer Begierden sind der Hauptgrund dafür, daß alle diese Seelen verlorengehen, und die Welt weigert sich, das zuzugeben.»

«Wie ist Mein Schmerz groß angesichts des Be­nehmens der Menschen! Schlimmer als alle Leiden ist jenes, das Mir das Betragen Meiner Priester verur­sacht; sie sogar verstoßen Mich. Der größte Teil Meiner Priester läßt sich mitreißen von diesem Sturm der Torheit, den Satan entfesselt in der Welt. Wenn die Priester es verstanden hätten, diesem Milieu des Vergnügens und der sinnlichen Befriedigung zu widerstehen, die das Gesetz und der Geist der Welt dieses Jahrhunderts ist, wären ihnen viele Unglücke erspart geblieben. [B 691] Ja, wenn Meine Priester den rauhen Weg der Vollkommenheit vorgezogen und diese Lehre, die die Meine ist, unterstützt hätten, wäre die Welt nicht so tief gesunken, und der Zerfall der Menschheit wäre nicht so groß. Ich hatte Mein Vertrauen in diese auserwählten Seelen gesetzt. Ich hatte sie in die Welt gestellt, um sie zu Mir zu führen. Statt dessen verlieren Meine Priester ihr Herz an Un­wichtiges, zögern sie, die Abtötung zu verkünden, aus Furcht, die Protestrufe der Welt zu hören und sich dagegenstellen zu müssen oder verlacht zu werden in diesem 20. Jahrhundert, in welchem die Genußsucht als Meisterin herrscht.»

«Gemäß der Welt muß man verrückt sein, wenn man die Entsagung predigt. Ich jedoch, Ich sage euch: so seid denn verrückt; denn bin Ich, Ich der Herr des Himmels und der Erde, nicht der erste, den die Welt zum Narren verurteilt hat, als Ich es annahm, Mich der Schande des Kreuzes zu unterziehen? Doch die Schande des Kreuzes ist zur größten Ehre und Verherrlichung aller Zeiten geworden, da Ich die Welt überwunden und da Ich ihr bewiesen habe, daß Mir selbst der Tod unterworfen war; denn Ich habe aus eigener Kraft über ihn triumphiert.»

«Ihr alle, ihr Priester, die ihr euch bis zu diesem Tag dieser Lehre von der gänzlichen Entsagung und Ent­haltung widersetzt habt, indem ihr sie selbst nicht ausgeübt oder indem ihr sie nicht verkündet habt, wie ihr es tun müßt, nehmt euch in acht. Schrecklich sind Meine Strafgerichte, und Ich sage euch: ihr werdet zermalmt werden von all diesen Seelen, die verloren­gegangen sein werden durch eure Weigerung, euch dem zu unterziehen, was Ich euch Selbst gelehrt habe.»

«Hört auf, Kompromisse zu machen und um eure kleinliche materielle Sicherheit und euer Wohl­ergehen zu bangen; entsagt allem, was nicht zu Mir führen kann. Verkündet es den anderen, indem ihr je­den Tag eures Lebens das Beispiel einer vollkomme­nen Losschälung von allen Gütern der Erde und vor allem auch von den erlaubten Vergnügen gebt. Beeilt euch, das Übel und das Unrecht wiedergutzumachen, das ihr Mir zugefügt habt.»

«Was euch angeht, die ihr beauftragt seid, die Prie­ster zu führen, welches auch euer Rang sei: wenn ihr nicht den notwendigen Mut aufbringt, alles zu prakti­zieren, was Ich euch gelehrt habe, nehmt euch dann in acht und hütet euch, die anderen davon abzuhalten und den treuen und aufrichtigen Herzen Meiner bei­spielhaften, aber leider so wenig zahlreichen Priester, die euren beißenden Spott nicht fürchten, wenn sie trotz allem die vollkommene Entsagung predigen und sie selbst vorleben, in irgendeiner Weise zu schaden.»

«Ich sage euch: nur sie leben in der Wahrheit und gefallen Meinem Herzen. Ihre Treue wird ihnen un­endliche Wonnen einbringen; ihr aber, [B 694] die ihr euch Vorgesetzte dieser Priester nennt, aufgrund eurer Intelligenz und eurer Kenntnisse, und die ihr eure Autorität dazu benutzt, um ihrer Lehre zu scha­den, euch sage Ich, euer Herr und euer Meister: nehmt euch in acht. Überprüft eure Entscheidungen, und sorgt dafür, daß Meine Lehre in Meinem Sinn verkündet wird und nicht entsprechend dem Ge­schmack der Welt und dem eurigen, sonst wehe euch.»

«Meine Rache wird fürchterlich sein, wenn ihr ih­nen den Mund verschließt; vergeßt nicht, daß ihr dann gegen Mich seid. Treibt die Verwegenheit nicht so weit, daß ihr gegen Mich kämpft; denn Ich werde euch in ein Nichts verwandeln. Die Zeit der Vergnü­gen ist zu Ende; die Stunde der Sühne hat geschlagen, und wenn die Welt dem Abgrund entkommen will, der auf sie lauert, muß sie sich allem unterwerfen, was Ich fordere, und diesen schauerlichen Marsch zu den Vergnügen stoppen, bei denen Meine Gesetze, Meine Liebe und Mein Herz mit Füßen getreten werden.»

[B 695] «Ich werde nicht noch mehr ertragen. Mei­ne Geduld hat die Grenzen erreicht; die Welt muß sich ändern, vor allem die Priester; denn Ich wieder­hole: die Welt wird sich nicht bessern, wenn ihr Prie­ster, die ihr damit beauftragt seid, sie zu führen, nicht das praktiziert, was ihr zu verkünden beauftragt seid.»

«Beeilt euch also, ihr Priester, nutzt all die Warnun­gen, die Ich euch zu eurem Vorteil gebe, und laßt Mir durch euer Verhalten und durch das Beispiel, das ihr der Welt durch euern vollständigen Verzicht auf alles, was nicht Ich bin, die Ehre zuteil werden, die Mir auf Erden zukommt.»

«Überlegt gut, Wort für Wort, alles, was Ich euch gesagt habe, und schlagt euren Gewinn daraus; denn wenn ihr diese Warnungen achtlos übergeht, werdet ihr auf immer verlorengehen …»

* 164 *

[B 698, 20. Mai 1955] Ich hatte meine Heilige Stunde von ein bis zwei Uhr (nachts) gehalten. Ich hatte alle Not der Welt, die Augen offen zu halten. Um halb zwei Uhr hat Er gesagt:

«Knie dich hin.»

Das habe ich dann gemacht. Von diesem Augenblick an, sage ich Ihnen, hatte ich keine Mühe mehr, wach zu bleiben. 0 Herr! Ich sah Ihn mit vor Sich gebundenen Händen, und es waren auch viele Priester da. Diese Leu­te lachten, [B 699] schwatzten und diskutierten. Man spuckte Ihm ins Angesicht; man schlug Ihn, und manchmal stieß man Ihn sogar so heftig, daß Er fast auf den Boden gefallen wäre. Er sagte nicht ein Wort, und Er hatte ein trauriges Gesicht; doch in Seinen Augen konnte man den Zorn sehen. Da habe ich in mir gehört:

«Sieh diese Masse von Gleichgültigen, die sich wie Entfesselte auf Mich stürzen. Was habe Ich ihnen ge­tan? Das einzige Verbrechen, das sie Mir anlasten können, ist, sie zu sehr geliebt zu haben, geliebt zu haben bis zur Torheit des Kreuzes. All die Leiden, die Ich ertrage, werden Mir zugefügt durch das, was ihr mit allzu großer Unverschämtheit ‹kleine Beleidi­gungen› nennt, und vor allem durch die Gleichgültig­keit, die Sorglosigkeit und die Nachlässigkeit der Welt, vor allem der Priester. Ich müßte Mich auf Meine Priester stützen und die Gewißheit haben können, wenigstens von diesen Seelen geliebt zu werden, [B 700] die Ich Selbst auserwählt habe; doch Ich kann nicht einmal auf die Treue und die Liebe Meiner Prie­ster zählen; denn heute unterscheidet sich ihr Wandel in nichts von jenem des Weltmenschen.»

«Ich mag noch so weinen, flehen, drohen; niemand hält inne. Ich finde nirgends Mitleid. Man denkt nur daran, sich zu befriedigen. Man verschmäht Mich; man verachtet Mich; Ich empfange von niemandem Mitgefühl; aber Ich sage euch: nicht umsonst werdet ihr Mein Herz gebrochen und gemartert und Meine Liebe verachtet haben. Ich werde Mich für euer ver­ächtliches Benehmen rächen, ihr Natterngezücht, und Ich werde euch in so gräßliche und bittere Leiden eintauchen, daß ihr bis in eure tiefsten Eingeweide hinein darunter leiden werdet. Ihr werdet weinen, ihr werdet schreien, und ihr werdet stöhnen; doch es wird zu spät sein. Ich werde euch nicht mehr hören kön­nen, weil ihr von Mir getrennt sein werdet durch die Mauer, die eure Gleichgültigkeit zwischen uns aufge­richtet haben wird.»

«Ich sage es euch: hört Mich. Ich verlange von euch einzig, Mich zu lieben; ist das so schwierig? Entsagt euch selbst, und tut alles aus Liebe zu Mir.»

Als er sagte:

«Du, du warst eine von diesen, es ist noch nicht so lange her!»

Da konnte ich die Tränen nicht zurückhalten, die ich im Herzen behielt, seit ich Ihn so gesehen hatte. Ich habe Ihm gesagt: «Verzeihung, Herr, für alle die Sünden meines Lebens. Verzeihung für die Sünden der Priester, Verzeihung für die Sünden der ganzen Welt.»

Ich wußte nicht mehr, was ich sagen sollte, und ich weinte immerzu; da hat Er gesagt:

«Weine nicht mehr, Kleine. Leg dich zu Bett. Du mußt dich nun ausruhen; denn die Stunde der großen Leiden hat noch nicht geschlagen für dich.»

Ich habe mich zu Bett gelegt; doch kaum lag ich, da hat Er gesprochen:

«Du, Mein kleines Kind, willst du den Schmerz Meines Herzens teilen?»

Ich habe gesagt: «Ja.» Und dann – was ich während ungefähr einer Minute empfand, das kann ich nicht sagen. Ich glaube, daß ich, wenn dies länger angedauert hätte, gestorben wäre. Es war, wie wenn man mir ein Messer in das Herz gepflanzt hätte. Es tat mir weh bis zum Rücken. Ich hatte den Eindruck, daß mein Herz nicht mehr schlage. Da habe ich gesagt: «Ich habe Angst, Herr!» Er sagte:

«Ducke dich in Meine Armhöhle, und denke an nichts anderes mehr als an die große Liebe, die Ich für dich hege; denn Ich liebe dich unendlich.»

Im selben Moment hat der Schmerz abgenommen und ist vollständig verschwunden. Und in meinem Her­zen war ein Friede und eine Freude, die ich nicht be­schreiben kann, und ich bin eingeschlafen [B 703] mit dem ganz klaren Empfinden, daß ich wirklich in Seinen Armen war. Wenn das nicht Verrücktheit ist, was ist es dann?

* 165 *

Auf dem Kreuzweg, am Freitag, bei der ersten Station, habe ich gehört:

«Vergiß nicht einen einzigen Augenblick die Lei­den, die Ich in Meiner Passion erduldet habe; es sind deine Sünden, die die Ursache davon sind.»

Es brauchte nicht mehr, um mir das Herz umzudre­hen. Ich mußte mich die ganze Zeit angestrengt zurück­halten, um nicht zu weinen, so sehr hatte ich ein wundes Herz; manchmal kamen mir so viele Tränen, [B 704] daß mir die Augen überliefen. Eines schönen Tages werde ich mich nicht mehr zurückhalten können, dann werde ich wohl hübsch aussehen. Was werde ich tun? Ich, die ich vorher nie geweint habe, überwältigt, so daß ich un­unterbrochen Tränen in den Augen habe.

* 166 *

[22. Mai 1955] Heute morgen, als ich von der Messe heimkehrte, schmerzte es mich überall, und ich fühlte mich müde, so daß ich zu mir sagte: «Mein Gott, wie bin ich müde!»

«Und Ich, glaubst du, daß Ich nicht müde bin, in Meinem Herzen diesen Überdruß mitzuschleppen, diese Pein und diesen Ekel, die Mir der Wandel der Menschen verursachen? Kannst du Mir nicht helfen und diese Müdigkeit mit Mir teilen?»

«Du wirst viel leiden, Mein kleines Kind, so viel, daß dein Körper, dein Herz und dein Geist zu einem Abgrund der Leiden werden; doch du darfst keine [B 705] Angst haben und nicht versuchen, dir vorzu­stellen, welches deine Leiden sein werden. Ich will, daß du dich völlig Mir anheimgibst, ohne Furcht, was es auch sei, was du zu ertragen haben wirst. Ich werde immer bei dir sein; du hast nichts zu befürchten.»

«Wenn alle diese Worte, die Ich dir anvertraut habe, sich zu verbreiten begonnen haben werden, werde Ich ein wenig warten, um die Haltung der Welt und vor allem der Priester angesichts dessen, was Ich ihnen gesagt habe, zu sehen. Wenn die Priester und die Welt sich nicht ändern, werde Ich strenger verfah­ren müssen mit der Welt dieses Jahrhunderts, und zwar ohne jede weitere Warnung; denn Meine Lang­mut hat jetzt ein Ende, und Mein Herz kann nicht noch mehr ertragen.»

[B 706] «Aber, Herr, wenn man sich weigern würde, diese Worte weitergeben zu lassen ?»

«Wehe jenen, die es wagen werden, gegen Mich zu kämpfen. Ich werde sie schon hier unten bestrafen mit schrecklichen Strafgerichten; denn es ist von le­benswichtiger Bedeutung, daß diese Schriften in der ganzen Welt verbreitet werden.»

«Ich wiederhole: es ist nötig, daß sich zuerst die Priester ändern und ihre Vergnügen beiseite lassen und gewisse (gar) ihre Laster. Man muß der Welt ent­sagen und allem, was dies einbegreifen mag. Denn wenn die Priester nicht erneut ein Leben des Opfers und des Verzichts führen, das sie eigentlich immer hätten führen müssen, ist es nutzlos, die Welt ändern zu wollen; es wird verlorene Zeit sein. Die Welt braucht das Beispiel, damit sie dazu gebracht werden kann, das zu tun, was sie tun muß.»

«Mögen alle Priester und jene, die damit beauftragt sind, sie zu leiten, die notwendigen Maßnahmen er­greifen, damit sich so rasch wie möglich radikale Veränderungen im Wandel der Priester einstellen. Ich will keine [B 707] Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit mehr und vor allem kein Sichgehenlassen in der Er­füllung ihres Dienstes.»

«Ich will Priester, die erfüllt sind von Eifer und Glut für das Heil der Seelen. Ich will, daß das Leben der Priester ein Leben des ständigen Verzichts und Op­fers sei, losgelöst von allen Gütern der Erde, und vor allem von allen Vergnügen, selbst von denjenigen, die euch am zulässigsten erscheinen.»

«Ihr seid Meine Stellvertreter auf Erden; vergeßt es nicht. Nicht dadurch, daß ihr zu den Gelagen, den Vorstellungen lauft und allen Arten von weltlichen Festen beiwohnt, könnt ihr Mich vertreten und Mir die Seelen zuführen. Im Gegenteil: indem ihr die Ver­gnügen der Welt flieht, und indem ihr der Welt zeigt, daß ihr nur eine einzige Liebe habt und nur ein einzi­ges Ziel im Leben kennt, Mich, euern Herrn und euern Meister, nur damit werdet ihr die Seelen für Mich gewinnen.»

[B 708] «Ich wiederhole: es ist dringend erforder­lich, daß die Welt sich ändert; denn die Zeit drängt, und ihr werdet Mir Rechenschaft abzulegen haben über euer ganzes Leben. Noch einmal: es ist Meine große Liebe zu euch Menschen, die Mich drängt, euch vor den Gefahren zu bewahren, von denen die Welt bedroht ist. Selbst wenn Ich euch streng und hart erscheine, wisset, daß es zum Wohle von euch allen und eines jeden ist, wenn Ich Mich unter diesem Zei­chen zeigen muß.»

«Die Welt ist verhärtet im Laster, in den Leiden­schaften und den Vergnügen aller Art. Es ist notwen­dig, daß sie von diesem Schlaf aufwacht; denn jeden Tag rückt sie weiter vor auf den Abgrund zu, der sich bald unter ihren Schritten auftun wird und der sie im ewigen Feuer verschlingen wird. Wachet also auf aus diesem todbringenden Schlaf. Fangt euch wieder und beeilt euch, Mir gegenüber aufrichtige Reue zu zei­gen und den ehrlichen Wunsch, Mich zu lieben und eure Verirrung durch das Opfer, die Buße und den Verzicht auf alles aus Liebe zu Mir wiedergutzuma­chen.»

[B 709] «Ich bin streng, aber unendlich gerecht; prüft eure Herzen, ihr alle, ihr herzlosen, ehebreche­rischen und betrügerischen Menschen, und seht, wel­che Ungerechtigkeit ihr Mir gegenüber begeht mit euerm schändlichen Wandel.»

«Ich habe euch aus dem Nichts hervorgeholt. Ich habe euch mit allem erfüllt. Wäre es nicht gerecht, daß ihr Mich liebt wegen allem was Ich für euch getan habe? Ihr verschmäht Mich; ihr verlacht Mich; ihr verachtet Mich; ihr hängt euer Herz an flüchtige Nichtigkeiten, und ihr habt die Stirn, Mir die Ge­schöpfe vorzuziehen.»

«Daß ihr ungerecht seid gegenüber Euresgleichen, ist ein großes Unrecht; daß ihr es Mir gegenüber seid, indem ihr Mich verachtet oder indem ihr mit einer beißenden Gleichgültigkeit mit Mir umgeht, ist ein Verbrechen, welches Ich nun lange genug ertragen habe. Ich kann nicht mehr länger schweigen; daher sage Ich euch: «Es ist genug. [B 710] Haltet einen Augenblick lang ein und überlegt alles wohl, was Ich euch in diesen Schriften gesagt habe; es ist zu euerm Besten und zu Meiner größeren Ehre.»

«Gebt Mir, was Mir gehört. Beeilt euch. Wartet nicht, bis es zu spät ist; denn morgen, vielleicht, wird es zu spät sein. Erinnert euch, daß Mein Werk ein Liebeswerk ist. Zeigt Mir ein bißchen Glaube und Liebe, und Ich werde euch alles geben. Vergeßt je­doch nicht, daß Ich jeden, selbst den geheimsten Ge­danken von euch kenne.»

«Versucht nicht, Mich zu täuschen, indem ihr Mir sagt, daß ihr Mich liebt, wenn doch eure Taten dem widersprechen, was ihr beteuert; denn dann wärt ihr Heuchler.»

[B 711] «Ich will die alle Tage eures Lebens gelebte Liebe. Ich will, daß ihr euch jeden Tag bemüht, Mich ein wenig mehr zu lieben als am Vortag. Erinnert euch stets, daß ihr, um Mich aufrichtig zu lieben, al­lem entsagen müßt. Ich liebe keine Halbheiten. Ich will alles oder gar nichts. Prägt es euch im Tiefsten eures Herzens gut ein, und tut nichts, was ihr nicht aus Liebe zu Mir tun könnt. Ihr werdet, wenn ihr so handelt, immer die Gewißheit haben, Mir wohlgefäl­lig und in Meiner Liebe zu sein.»

* 167 *

[24. Mai 1955] «Du sprichst nicht zu mir, Herr; hast Du mir nichts mehr zu sagen ?»

«Ich habe euch das Wesentliche gesagt. Alles, was Ich hinzufügen könnte, wären Ergänzungen, [B 714] die nicht (unbedingt) notwendig sind, um zu verste­hen, was Ich von euch allen fordere. Überdenkt alles gut, was Ich euch gesagt habe, und richtet euer Leben dementsprechend ein; wenn ihr dies tut, werdet ihr die Gewißheit haben, euch auf dem Weg zu befinden, der zu Mir führt.»

«Wirst du also nicht mehr zu mir sprechen? Wirst du mich ganz allein lassen ?»

«Warum beunruhigst und quälst du dich? Ich will sagen, daß ihr durch die Schriften, die Ich dir gegeben habe, leicht im Bilde sein könnt über Meine Gedan­ken hinsichtlich der Welt und der Priester dieses Jahrhunderts. Das will nicht heißen, daß Ich nicht mehr zu deinem Herzen sprechen werde, sondern daß Ich dir das Wichtigste und alles gesagt habe, was die Welt und die Priester absolut wissen mußten, um allen und jedem die Chance zu geben, sich wieder aufzufan­gen und [B 715] das Leben zu ändern, ehe es zu spät ist.»

«Wenn Ich Mich deiner bedient habe, der Unwür­digsten, so gerade, um der Welt die Größe Meiner Barmherzigkeit und Meiner Liebe zu euch allen zu zeigen, und daß Ich jenen, die aufrichtig im Tiefsten ihres Herzens den wahren Wunsch hegen, Mich zu lieben und Mir zu gefallen, nichts verweigern kann und daß Ich sie über ihre Wünsche hinaus mit Wohl­taten überhäufe; du, Kleine, du weißt etwas davon.»

«Es ist sehr wichtig und notwendig, daß man sich nach dem richte, was folgt: Ohne zu sagen, wer du bist, will Ich, daß die Welt weiß, was du bist und was du gewesen bist, bevor Ich Mich zu dir hinabgeneigt habe, und ehe Ich Mich von der Aufrichtigkeit und Offenheit deines Kinderherzens anziehen lassen habe, damit die verhärtetsten Sünder von Meiner großen Barmherzigkeit gerührt und befreit werden von der Furcht, die viele von ihnen daran hindert, sich Mir zu nahen.»

[B 716] «Ich will, daß sie sehr wohl und endgültig die große Liebe Meines Herzens für die Sünder verste­hen, ungeachtet des Abgrundes, in den sie sich hin­eingleiten ließen. Welches auch die Menge und die Größe eurer Sünden ist, fürchtet euch nicht; Ich wer­de euch verzeihen, und Ich werde sie alle vergessen, wenn Ich in euerm Herzen, in eurer Reue Aufrichtig­keit und den wahren Wunsch sehe, Mich zu lieben und durch die Buße, die Abtötung und den Verzicht auf alles, was nicht Ich bin, für die Verirrungen eures vergangenen Lebens Genugtuung zu leisten.»

«Doch vergeßt es nicht, daß Ich eure geringfügig­sten Gedanken kenne und daß Ich euer Herz durch­forsche bis in die kleinsten Winkel hinein. Versucht also nicht, Mich zu hintergehen und Meiner zu spot­ten; nichts ist Mir ein größerer Greuel als die Heuch­ler, die unter einer glänzenden Fassade in ihrem In­nern nur Fäulnis haben [B 717]. Ihr könnt die Men­schen betrügen, nicht aber Mich; ihr werdet Mich niemals irreführen.»

«Du sagst, daß du nicht mehr zu mir sprechen wirst, und Du sprichst doch. Ich werde das nie annehmen kön­nen, Herr. Das hat keinen vernünftigen Sinn. Warum verlangst Du so viel von mir?»

«Kleine Tochter, sage nicht: ‹Ich werde nicht kön­nen›; es wäre richtiger zu sagen, daß dein Stolz und deine hochmütige Natur nicht können; doch dein Herz, wird es Mir irgend etwas verweigern können? Ich kenne es so gut, und Ich liebe es so sehr, dieses Kinderherz, das Mir trotz des Widerstandes deiner schlechten Natur ganz gehört.»

«Nein, nein, ich werde nicht können. Du verlangst zuviel von mir; nimm Dir eine andere. Es gibt viele, die nach nichts anderem verlangen.»

«Wo könnte Ich ein größeres Nichts finden als dich? Dich habe Ich erwählt; dich will Ich. [B 718] Warum willst du Widerstand leisten und eigensinnig sein? Ich will, daß du deinen Stolz, deinen Hochmut und deinen Eigenwillen mit Füßen trittst und daß du dich ganz Meinem Willen und Meiner Liebe zu dir unterwirfst.»

«Als du (stets) dieselben Dummheiten wiederhol­test, als du Mein Herz mit Füßen tratst, um deine Ge­lüste und die der Männer zu befriedigen, habe Ich dir da gesagt: ‹Du fügst Mir zuviel Leid zu, Ich werde Mich nicht mehr mit dir befassen?› Wenn Ich es ge­tan haben würde, wärst du heute in den tiefsten Re­gionen des Abgrundes, fern von Mir für immer verlo­ren. Statt dessen, was habe Ich getan? Ich habe alles erduldet. Ich habe geweint. Ich habe unter den Schlä­gen ausgeharrt, ohne etwas zu sagen. Fern davon, dich zu verlassen und dich zu verstoßen, habe Ich Mich zu deiner großen Schwäche herabgeneigt. Ich habe Mitleid gehabt mit diesem kleinen Kind, das ver­loren war unter den Wölfen. Ich habe dich in Meine Arme geschlossen. Ich habe dich mit einer besonde­ren und unendlichen Liebe geliebt.»

[B 719] «Heute möchtest du, um deinen Stolz zu be­friedigen, dich Meinen Armen entwinden, um in die Mitte der reißenden, wilden Tiere zurückzukehren? Kleine Tochter! Ich habe es dir gesagt: Ich habe dich wieder zurückerobert, und nichts und niemand wird dich von Mir trennen können, weil Ich weiß, daß du trotz deines Widerstrebens und deines Stolzes nur einen Wunsch hast: Mir anzugehören und Mich zu lieben. Fürchte dich nicht, Kleine. Du wirst viel lei­den, aber Ich werde da sein, um dir zu helfen, alles zu ertragen. Du wirst in deinem Herzen schlimmere Lei­den ertragen als all die körperlichen Leiden; aber alle deine Leiden werden niemals die Leiden Meines Her­zens angesichts der Schandtaten und der Gleichgül­tigkeit der Menschen, vor allem Meiner Priester, er­reichen.»

[B 720] «Überlege wohl, und denke an nichts ande­res als an die große Liebe, die Ich für dich hege. Du mußt verstehen und begreifen, was Ich für dich getan habe, obschon du die Unwürdigste gewesen bist. Wenn du es ein wenig verstehen und begreifen wirst, wird dies deine Kraft sein, und es wird dir helfen, von Mir alles anzunehmen. Vergiß nicht, Mein kleines Kind: Ich verlange mehr von dir, weil Ich dir mehr ge­geben habe.»

«Warum dieser Schmerz deines Herzens, bei dem Gedanken, den Demütigungen und dem beißenden Spott der Menschen ausgesetzt zu sein?»

«Bald vielleicht wirst du glauben, Ich würde dich verlassen, weil du Mich nicht mehr bei dir fühlen wirst. Selbst wenn dich das verdrießt und dir weh tut, wirst du sehen, bis zu welchem Grade dir daran lag, ohne es zu wissen. Du wirst glauben, Ich sei fern; dein Herz wird dann Leiden und Ängste kennen, die schlimmer sind als [B 721] all die körperlichen Leiden, und niemand wird sie lindern oder dir wegnehmen können.»

«Das einzige, was dir helfen wird, das alles zu ertra­gen, ist die Gewißheit, daß Ich da sein werde, obwohl du Mich nicht mehr hören und Meine Gegenwart nicht mehr fühlen wirst. Du wirst von demjenigen ge­tröstet werden, dem Ich dich anvertraut habe; doch das Leid deines Herzens wird so groß sein, daß selbst er nicht in der Lage sein wird, dich von deinem Leid zu befreien; denn nichts und niemand wird Mich in einem Herzen ersetzen können, das ganz Mir gehört. Und nichts und niemand wird den Schmerz deines Herzens verringern können, angesichts Meiner Ab­wesenheit und Meines Schweigens. Du wirst dieses Leiden annehmen müssen, wie du alles von Mir an­nehmen mußt, zur Sühne für deine Sünden und die der Priester.»

«Selbst eingehüllt in Finsternisse, und selbst wenn du eingetaucht sein wirst in die Dunkelheit, so daß du nirgend den geringsten Schimmer wahrnimmst, will Ich, daß du den Zweifeln aller Art widerstehst, die dein Herz beschleichen werden und die Ursache großer Leiden für dich sein werden. Indem du Mir ein Vertrauen ohne Grenzen bewahrst und indem du die Versicherung hast, daß selbst, wenn Ich fern zu sein scheine, Ich doch immer ganz nah bei dir bin; verlaß dich nie auf dich selbst, sondern unterwirf dich Mir in allem. Vergiß nicht, daß du nichts bist und daß du nichts kannst, daß Ich aber alles vermag und daß Ich alles bin …»

* 168 *

[B 723] Selbst wenn ich nie zu Gott gelangen sollte, will ich Ihn dennoch auf Erden lieben und alles tun, was ich nur kann, um zu bewirken, daß die anderen Ihn lieben …

* 169 *

[B 724, 25. Mai 1955] Er war in der Bank und weinte. Ich habe Ihm gesagt: «Was hast Du, daß Du weinst, Herr? Habe ich Dir weh getan?»

«Wegen wem denkst du, weine Ich, wenn nicht we­gen dir?»

[B 725] «Was habe ich Dir denn getan ?»

«Dein Eigensinn und dein Widerstreben gegen Meinen Willen verursachen Mir einen Schmerz, den du nie wirst ermessen können. Je mehr Liebe Ich zu einer Seele habe, desto leichter ist es dieser Seele, Mich zu verwunden und Mir Leid zuzufügen. Teile diese Pein, die du Mir verursacht hast.»

«Nicht hier; ich kann nicht.» Ich fühlte, wie sich mein Herz zusammenschnürte, und ich sagte bei mir: «Ich will nicht weinen; ich werde nicht weinen, nein, nein.»

«Wann endlich wirst du dich dieser Furcht vor der Lächerlichkeit entledigen, die dich hindert, dich mit Mir zu vereinigen, wie Ich es will? An dir ist es, dich Meinem Willen zu unterwerfen, und nicht an Mir, den deinen zu tun. Ich habe es dir gesagt und oft wieder­holt: «Du wirst die Motive dessen, was Ich von dir ver­lange, nie verstehen können, weil deine Sicht nie die Meinige sein wird. Erinnere dich daran, und suche nicht zu verstehen; es ist dennoch leicht; laß dich führen von Mir. Was hast du zu befürchten? Du wirst vielleicht [B 726] von den Menschen verlacht werden; Ich aber, Ich liebe dich; was willst du mehr?»

«Ich verstehe sie nicht, Deine Weisen zu lieben, und ich liebe sie nicht sehr.»

«Du brauchst nicht zu verstehen oder zu schätzen, was Ich von dir verlange; du hast es nur zu tun aus Liebe zu Mir.»

«Bist Du erbost, Herr?»

«Kann man böse sein mit einem kleinen Kind, das nicht weiß, was es tut? Was wirst du tun, um diesen Schmerz, den du Mir gestern und heute morgen zuge­fügt hast, wiedergutzumachen und um Mich ihn ver­gessen zu lassen?»

«Was soll ich tun? Ich weiß nicht, was ich machen soll; Du bist so launisch.»

«Selbst wenn dem so wäre; habe Ich nicht das Recht, es zu sein? [B 727] Liebe Mich mehr. Ich will deine Liebe; das ist alles, was Ich will. Zeige Mir, daß du Mich liebst.»

«Indem ich was tue?»

«Indem du dich Mir ohne Rückhalt hingibst.»

«Wenn ich allein wäre, wäre es leichter.»

«Zweifellos leichter, aber weniger verdienstlich, bei weitem. Ich habe es dir gesagt: du wirst viel leiden, weil du in der Welt sein mußt, während es der Wunsch deines Herzens wäre, fern der Welt zu sein, um Mich leichter lieben zu können. Ich will indessen, daß du Mich in jedem Augenblick des Tages liebst, wie du es tun würdest, wenn du in einem Kloster wärest, und dies, obwohl du in der Welt bleibst und indem du dei­ne Pflicht erfüllst. Was deine Umgebung denken wird, [B 728] ist nicht von Belang; du brauchst im Hinblick auf deine Seele niemandem Rechenschaft zu geben, außer Mir und jenem, den Ich an deine Seite gestellt habe, damit er über dich wache.»

«Die anderen mögen dich lächerlich machen, dei­ner spotten, dich verhöhnen, weil sie dich nicht ver­stehen werden; nie jedoch, hörst du, darfst du dich weigern, das zu tun, was Ich will, aus Furcht davor, das Gerede der Welt zu werden. Niemand kann Mich lieben, wie Ich geliebt werden will von dir, ohne daß die anderen die Veränderung merken, die in dir vor­gehen wird, was deine Haltung gegenüber der Welt und den Dingen der Welt betrifft

Ich dachte bei mir: «Ach Herr! Wenn dies keine Ver­rücktheit ist, all dies, was ist es dann?» Da hat Er gesagt: «Liebe.»

* 170 *

(B 729] Als ich zu uns nach Hause zurückkehrte, hatte an der Straßenecke ein Auto angehalten, in welchem ein Priester und eine Frau waren. Sie ist ausgestiegen und zur Straßenbahn gegangen; er lief in der anderen Rich­tung weg. In mir habe ich dann gehört:

«Glaubst du, daß Ich deiner nicht bedarf zu Meiner Hilfe, um all das zu ertragen? Wirst du kein Mitleid haben mit Mir? Wirst du Mir dieses Joch nicht er­leichtern, das auf Meine Schultern drückt und Mein Herz erstickt, indem du alle Meine Leiden und Schmerzen teilst? Warum widerstehst du Mir, kleine Tochter? Was wirst du tun können ohne Mich? Ich will alles oder gar nichts.»

«Warum verlangst Du nicht etwas anderes von mir; ich will nicht weinen.»

«Du mußt auf alle deine Wünsche verzichten. Wa­rum willst du eigensinnig sein und (nur) das tun, was du willst? Es ist Mein Wille, den du tun mußt, und nicht der deine.»

Ich werde wohl bald gezwungen sein, mit «Maria Magdalena» zu unterschreiben, [B 730] wenn ich mich gehen lasse und weine

[359] Als ich den ganzen Ernst dieser Sache erwog und mit Verspätung für meine 6.30-Uhr-Messe aufstand, hat Er zu mir gesagt, als ich mich ankleidete:

«Notiere dir dies auf, um es nicht zu vergessen.»

«Höre, ich habe mich verspätet; ich habe (jetzt) keine Zeit.»

«Tue, was Ich dir sage.»

«Gut, dann zuerst.» Ich nahm Papier und versuchte gleichwohl, mich weiter anzukleiden. Ich war unfähig dazu. Ich dachte daran, daß es ernst war, und ich begann, es zu glauben. Da sprach Er:

[360] «Ja, dies ist sehr ernst und sehr wertvoll. Gunsterweise wie diese werden euch nie mehr ge­währt werden.»

«Selbst wenn Ich von neuem auf die Erde gekom­men wäre, hätte Ich euch nichts anderes sagen kön­nen. Ihr habt hier alle Meine Gedanken. Betrachtet das als aus dem Munde Gottes selbst kommend, und handelt dementsprechend.»

«Ihr alle des 20. Jahrhunderts, die ihr euch den an­deren, die euch vorausgegangen sind, überlegen wähnt mit eueren Kenntnissen und eurer Intelligenz, welches wird euer Urteilsspruch sein? Werdet ihr so handeln wie die Juden von damals ? Werdet ihr alles dies verneinen, und werdet ihr Mich von neuem kreu­zigen, oder werdet ihr glauben und euch Meinem Wil­len unterwerfen, der immer der gleiche war und sein wird, den jedoch euer Modernismus verfälscht hat, indem ihr ihn derart auslegt, daß er mit eurer Narren­liebe für alles das, was nicht Ich bin, übereinstimmt?»

«Überlegt es euch alle sehr wohl, vom Kleinsten bis zum Größten; denn die Stunde ist ernst und die Zeit ist kurz.»

Ende des 1. Bandes

(Weitere Bände sind vorgesehen.)

 

ANHANG

Lieber Leser,

Wenn Sie dieses Buch ganz gelesen haben, werden Sie sich zweifellos manche Frage stellen, und vielleicht auch die folgenden:

Vorerst: Ist es möglich, so viel in so kurzer Zeit (von nur ungefähr 90 Tagen) zu schreiben, und was mehr ist, ohne vorher überlegt und lange über den Gegenstand nachgedacht zu haben, da der ganze Text ohne No­tizen und Entwürfe, von der Feder weg geschrieben wurde? Auf diese Frage lautet die Antwort: Ja.

Dann: Ist es möglich, auf so einfache, klare und präzise Weise zu schreiben, wenn man nur Grundschulbildung hat und wenn man aus Ar­beiterkreisen kommt? Ich antworte: Ja, und die Echtheit (der Schriften) ist nachweisbar.

Schließlich: Wie ist es möglich, so ernsthafte Dinge in einem wahrhaft evangelischen Stil zu schreiben über eine Lehre, die gegenwärtig in der Welt keine gute Presse findet, die man praktisch seit Jahren nicht mehr vernimmt, die aber in einer Linie bleibt mit den Meistern der Mystik, den Kirchenlehrern, ohne (irgendwelche) theologische Irrtümer? Man kann die Antwort in den folgenden Worten finden, die «Gaby» hörte, als sie sich vorzustellen versuchte, wie es ihr habe gelingen können, alles dies zu schreiben:

«Warum versuchst du, ein (Phänomen) zu verstehen? Die größten Weisen werden nie dazu gelangen. Ich habe deinem Geist Fähigkeiten verliehen, die er normalerweise nicht besitzt. Es wäre leichter, das My­sterium der Heiligsten Dreifaltigkeit zu begreifen, als zu verstehen, was du bist»

Man wird vielleicht die Auffassung vertreten, daß zu viele Wiederho­lungen vorkommen. Darauf kann man die Antwort geben, die einer Per­son erteilt wurde, welche bereits die gleiche Bemerkung gemacht hatte:

«Es scheint, daß Ich in diesen Schriften die gleichen Dinge (zu oft) wiederhole. Ich glaube dennoch, daß Ich sie noch nicht genug wieder­holt habe, da man ja, wenn man die Zahl derjenigen sieht, die Meine Lehre befolgen, nie wird sagen können, daß genau das seit Jahrhunder­ten gelehrt wird.»

Und jenen, die glauben, daß dies, selbst wenn es wahr wäre, heutzuta­ge überholt ist, könnte man die Aufforderung entgegenhalten, erneut das zu lesen und darüber nachzudenken, was bereits gelesen wurde:

«Selbst für die Leute des 20. Jahrhunderts, denen das Ganze in alten Teilen widerstrebt, bleibt es bestehen: Ihr müßt danach trachten und streben, euch zu heiligen, und zwar jeden Tag mehr.»

Zweifellos werden auch viele Psychologen, Psychiater oder Psycho­analytiker versucht sein, dieses «Phänomen» auf natürliche Weise zu er­klären; aber es wird immer wahr bleiben, daß es Erlebtes, daß es reine Wahrheit, daß es echt ist.

Und wenn Sie diese Schrift so sehr zu fesseln vermochte, daß Sie sie bis zu Ende gelesen haben, so ist das schon ganz gut. Und wenn Sie in ihr Stoff zum Nachsinnen gefunden haben, so ist es noch viel besser. Schließlich aber, wenn die Schrift Sie dermaßen zu interessieren ver­mochte, daß sie Ihr Leben beeinflußt hat, und zwar in dem in ihr ange­zeigten Sinn, dann kann ich Ihnen versichern, daß Sie zu jenen gehören, die «den Weg» gefunden haben, «der zum (ewigen) Leben führt».

Haben Sie dieses Buch geschätzt? Nun denn, lesen Sie es noch einmal, diesmal aber, indem sie es betrachten. Und wenn Sie aus ihm Ihren per­sönlichen Gewinn gezogen haben, warum sollten Sie es nicht verbreiten, da ja die wahre Nächstenliebe darin besteht, den anderen Gutes zu tun, vor allem geistigerweise.

A. L., Priester

«Es hat Gott gefallen, die Gläubigen durch die Torheit Seiner Botschaft zu retten.» (1. Kor. 1,21)


 Einige Gebete von „G-A-B-Y“:


GEBET ZUM HEILIGSTEN HERZEN JESU

O mildes und erbarmungsreiches Herz Jesu, göttlicher König des Himmels und der Erde, der Du dennoch vom Menschen, Deinem eigenen Geschöpf, so verkannt wirst, ich werfe mich zu Deinen Füßen nieder, ich bete Dich an, ich preise Dich, ich sage Dir Dank für alle Menschen der Erde. Niedergedrückt unter der Last meiner Sünden und meiner Unwürdigkeit, flehe ich Dich an, Herz Jesu, Liebe meines Lebens, mir zu vergeben und Erbarmen zu haben mit diesem Nichts, das ich bin. Verzeihung, Herz Jesu, Verzeihung für meine Sünden und jene der ganzen Welt. Anbe­tungswürdiges Herz meines Jesus, Du, der Du das Licht meines Lebens bist, Du, dessen Milde und Liebe grenzenlos ist, ich bitte Dich, nicht auf meine Niedrigkeit und mein Nichts zu achten, sondern einzig auf die glühende Begierde, die ich habe, Dich zu lieben und Dir zu gefallen; und ich wage es, dich demütig zu bit­ten, mir Dein Herz zu öffnen und mich darin zu verbergen, um mich vor allen Wechselfällen der Welt zu bewahren. So verbor­gen im Tiefsten Deines göttlichen Herzens, werde ich vor allen Gefahren in Sicherheit sein, die mich von Dir entfernen könnten. O göttliches und majestätisches Herz Jesu, ich beschwöre Dich, mich vor dem Unglück zu bewahren, je von Dir getrennt zu werden; und um sicher zu gehen, daß Du mich niemals Deinem Herzen entweichen lassen wirst, bitte ich Dich, es hinter mir zu verschließen und mich Dir näher sein zu lassen im Himmel, da­mit ich Dich die ganze Ewigkeit lang in Vereinigung mit Maria und allen Heiligen anbeten und Deine Herrlichkeit besingen kann. AMEN.

AUFOPFERUNG

Mein Gott, ich opfere Dir mein Leben; mache damit, was Du willst. Nimm es, wann Du willst, wie Du willst. Ich nehme im vor­aus alles an, was Du mir schicken wirst: die Leiden, die Schmer­zen, die Entsagungen, die Du zur Genugtuung und Sühnung meiner unzähligen Sünden und der Sünden der Seelen, die Dir besonders geweiht sind, von mir fordern wirst, und dies als eine Wirkung Deiner großen und unermeßlichen Barmherzigkeit gegenüber dem Nichts, das ich bin. Ich opfere Dir alles auf in Vereinigung mit den Verdiensten Jesu Christi, meines Erlösers. AMEN.

APOSTOLISCHES GEBET

Ich bekenne vor Dir, Herr, daß ich nichts bin und daß ich ohne Dich nichts vermag. Ich danke Dir dafür, daß Du in Deiner gren­zenlosen Barmherzigkeit geruht hast, Deinen Blick auf dieses Nichts zu werfen, das ich bin. Mach, Herr, daß ich mir dieses Nichtsseins stets bewußt bleibe, damit Du, wenn Du Dich mei­ner bedienst, um Deine Absichten auszuführen, daraus alle Ehre und Verherrlichung erhältst. AMEN.

Nihil obstat: Saint-Hyacinthe, 15.7.1969, Armand Bail, ptre. Imprimatur: †Albert Sanchagrin, o.m.i., Bischof von Saint­-Hyacinthe, Kanada, 21.7.1969

_______

Quelle: „DER WEG, DER ZUM LEBEN FÜHRT – Das Tagebuch von Gaby, Band I – Offenbarungen JESU aus dem Jahre 1955 an eine kanadische Mutter und Hausfrau. Ein dramatischer Appell Gottes an die ganze Welt zur Umkehr, zur Buße und Sühne, ehe es zu spät ist … Eine erschütternde Warnung vor dem Schrecklichen, das unser harrt, wenn wir uns nicht alle endlich bekehren. – Für die kanadischen Herausgeber übersetzt von Paul O. Schenker, Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell

CHARISMEN, PRIVATOFFENBARUNGEN, WAS NÜTZEN SIE?

„Es gibt Christen, die keinen Geschmack an Mystischem, an Privat­offenbarunge haben. „Das Wort Gottes, das kirchliche Lehramt, diese zuverlässigen Quellen genügen mir!“ Hut aber vor denen, die das Wort Gottes hören und befolgen! Um es aber zu verstehen, wird es vom Prediger auf der Kanzel und in der Bibel erklärt. Privatof­fenbarungen wollen nicht das Wort Gottes ersetzen, sondern haben die Aufgabe, es zu beleuchten und zu seiner Befolgung anzuregen. P. Alois Mager, O.S.B., der doch auch etwas von Mystik verstanden hat, sagte bei Exerzitien: „Unser Glaube gründet nicht auf Privatof­fenbarungen, jedoch sind solche geeignet, das religiöse Leben neu zu befruchten, uns neue Antriebe zu geben, uns zu innigerer Liebe, zu größerer Treue und vor allem zu tieferer Demut anzuspornen. Und in dem Sinne hat auch der HL. Vater die Offenbarungen von Fatima übernommen“. Und er erzählte ein Beispiel vom heilsamen Einfluß begnadeter Seelen. Er sagte: „Die liturgische Bewegung wurde von Dom Guéranger (Solesmes) eingeleitet. Von da kam sie nach Beuron durch Abt Maurus und Abt Placidus Wolter. Und da ist es nun interessant, zu erfahren, daß Dom Guéranger zum liturgi­schen Beten nicht gebracht wurde durch die Pracht der Liturgie, die sich vor ihm entfaltete, auch nicht durch Studium, sondern durch seine Besuche bei den beiden Stigmatisierten: Palma d’Oria in Italien und Louise Lateau in Belgien*). Wenn er bei ihnen war und dort betete, so reagierten sie, die den Sinnen ganz entrückt waren, sofort darauf. Sie falteten die Hände, begannen zu leuchten, zu strahlen, und ähnliches mehr. Besonders stark geschah dies bei Louise. Und dies war immer besonders auffallend dann, wenn er liturgische Gebete sprach. Das hat ihn nachdenklich gemacht. Wenn das so ist, so sagte er sich, dann müssen die liturgischen Gebete einen ganz besonderen Wert haben. Und da hat er nun fleißig nachgeforscht und studiert und so kam er zu der liturgischen Erneuerung. Auch unser Vater Erzabt Placidus war bei Louise gewe­sen und hatte die gleichen Erfahrungen gemacht, wie er uns selbst noch erzählte. Auch auf ihn hatte das großen Eindruck gemacht, und er wurde dadurch in der Erkenntnis bestärkt, daß das eine große Mission sei, das liturgische Beten wieder ins Volk hineinzutragen.“

Ja, es ist schon so: Charismen, Privatoffenbarungen wirken sich auch heute noch sehr heilsam aus. Es ist darum unverantwortlich, ihren segensreichen Einfluß durch hochmütiges Verächtlichmachen und Ablehnen zu hemmen.

Wenn die Muttergottes sich nicht begnügt mit ihrer Erscheinung in ihrem Erdenwandel, sondern auch noch im 20. [und 21.] Jahrhundert er­scheint, so hat sie, welche der Sitz der Weisheit ist, dafür ihre guten Gründe, über die sie uns keine Rechenschaft ablegen muß. Ihr erbarmungsreiches, von Liebe erfülltes Mutterherz nimmt eben Rücksicht auf jene, denen ihre neuen Erscheinungen von Nutzen sind. Sie weiß, wie viel Bekehrungen dadurch erfolgen, wie viel Freude ihre lieben Kinder auf Erden daran haben…“

Univ.-Prof. Dr. Josef Dillersberger

*) Über diese beiden Stigmatisierten (Louise Lateau und Palma d’Oria) hat übrigens Dr. A. lmbert-Gourbeyre, Professor an der Schule für Medizin, Clermont-Ferrant, je einen detaillierten Zeugnis-Band geschrieben, die bei Victor Palme, Paris, 1873, erschienen sind.

DER WEG, DER ZUM LEBEN FÜHRT … (Das Tagebuch von Gaby) – Folge 08

* 142 *

[B 597] Da ich mich fragte, wie viele Personen es wohl sein mögen, die auf dem rechten Weg sind, da es mit den Priestern nun einmal so steht, habe ich in mir gehört:

[B 598] «Auf der Erde, in der Welt, finde Ich nicht ein Herz auf hundert, das Mir treu ist und Mich liebt, wie Ich es will. Ich habe euch alle eingeladen, an den gleichen Wonnen teilzunehmen, doch nur sehr weni­ge werden dahin gelangen; denn Ich finde nirgendwo Herzen, die bereit sind, alles zu opfern auf Erden, um in den Himmel zu kommen.»

«Denn täuscht euch darin nicht, Meine Kinder, nichts Unreines wird in das Reich Meines Vaters ein­gehen. Ihr müßt gereinigt sein von jeglicher Beflec­kung, und das einzige Mittel, euch reinzumachen, ist die Sühne im Leiden, in den Schmerzen und die Ent­sagung gegenüber allen Sünden, die ihr begangen habt, indem ihr es ablehntet, Meinen Willen zu tun. Ihr müßt auch, um bei Mir zugelassen zu werden, Mich auf Erden geliebt haben mit eurer ganzen Seele, mit allen euren Kräften, und euren Nächsten aus Lie­be zu Mir. Niemand wird diesem Gesetz der Liebe und der Nächstenliebe entgehen, und wenn ihr euch wei­gert, es zu beachten, werdet ihr alle [B 599] fern von Mir verloren gehen.»

* 143 *

Ich sage Ihnen, mein Pater, ich hätte nicht gedacht, daß es so schwierig sein würde, das Lippenstiftrot (die Schminke) wegzumachen. Ich habe das Gefühl, als ob jedermann mich anblickt. Ich fühle mich nicht wohl; es ist entsetzlich. Mir scheint, daß mir etwas fehlt; ich den­ke, daß es nicht schlimmer wäre, wie wenn ich eines schönen Morgens zur Messe ginge und vergäße, meine Strümpfe anzuziehen. Da habe ich gleich folgendes ge­hört:

«Arme kleine Tochter! Du siehst (nun), bis zu wel­chem Grad du an diesen Nichtigkeiten hängst! Du findest es hart, die Schminke zu opfern; was wird es wohl dann erst sein, wenn die Zeit der großen Opfer kommt?» …

[B 601] Es ist (doch) klar, ein Farbanstrich verschö­nert, und nicht nur die Häuser, nicht wahr?

* 144 *

[1. Mai 1955] «Die Zeiten gehen zu Ende, und Ich wer­de bald streng verfahren müssen gegen diese sündige Welt, die sich weigert, innezuhalten, um Mich anzu­hören. Wie ist Meine Traurigkeit groß angesichts al­ler dieser kalten und selbstzufriedenen Herzen! Wie viele gibt es unter ihnen, die an diesem Tag des Herrn innehalten, um aufrichtig an Mich zu denken, und das mit ihrem Herzen, mit Liebe tun? Ich fühle Mich ein­sam und fremd inmitten dieser frivolen (leichtferti­gen) Welt, die begierig nach allen Vergnügen jagt. Ich finde keinen Platz, Mich auszuruhen. Öffne Mir dein Herz, Kleine, und laß dich nicht ablenken durch diese Nichtigkeiten, die die Herzen von Mir fernhalten.»

* 145 *

[B 602] Ich war damit beschäftigt, »Steak» zu machen, und meine Pfanne hatte Feuer gefangen, und die Flam­me ist sehr hoch emporgestiegen. Er hat gesagt:

«Siehst du dich in die Flammen eingetaucht, die tausendmal glühender wären als diese, und doch, Kleine, wenn du nicht auf alles verzichtest um Mei­netwillen, wirst du ihnen nicht entgehen.»

* 146 *

[2. Mai 1955] Heute morgen schien mir, Ihn bei mir kniend zu sehen, das Gesicht in Seinen beiden Händen. Er weinte, und in meinem Herzen hörte ich:

«Sieh die Verlassenheit, in der Ich Mich befinde. Ich werde nirgends aufgenommen. Überall verleug­net man Mich, macht man Mich lächerlich, verhöhnt man Mich. Ich finde niemanden, der Mich liebt. Das Herz des Menschen ist egoistisch und hart; er sucht nur, was seinen Sinnen und seinem Stolz schmeichelt. [B 603] Nehmt euch indes in acht; denn wenn auch jede Sünde vergeben wird, bleibt doch nicht eine einzige Beleidigung ungestraft, die ihr Mir zugefügt haben werdet. Beeilet euch, aufrichtige Reue zu er­wecken und alle diese Sünden zu sühnen, wenn ihr für all eure Laster nicht schwerstens bestraft werden wollt.

Ich sah Ihn, als ich heimging zu uns, mit tränenüber­strömtem Angesicht. Ich sagte zu Ihm: «Warum weinst Du? Ich hab‘ das nicht gern, und ich weiß nicht, was ich tun soll, um Dich zu trösten.»

«Liebe mich, Kleine, und verlaß Mich nie, du, Mein kleines Kind. Selbst wenn du das zu hart findest und wenn du manchmal versucht bist, zurückzuweichen, verlaß Mich nie. Ich bedarf der Seelen so sehr, um Mich über diese groben Beleidigungen hinwegzutrö­sten, die Ich von den meisten Menschen empfange. Vor allem fürchte dich nicht, Ich werde dir stets diese Kraft geben, die dir fehlt, um Mir auf dem Erlösungs­weg zu folgen. [B 604] Hab Vertrauen, Kleine, was dir auch immer zustoßen mag, und selbst wenn du an ge­wissen Tagen meinst, daß Ich dich verlasse, so wird dem doch nie so sein; denn Ich werde immer da sein bei dir, um dir zu helfen, den Weg zu gehen, den zu beschreiten Ich dich gebeten habe, mit Mir, um Mir diese Seelen näherzubringen, die sich weigern, Mich zu lieben und sich selbst zu verleugnen. In Zukunft sollst du es ablehnen, an diese Orte zu gehen wie je­nen, zu dem du gestern gegangen bist (Grill-Party). Ich will dich da nicht sehen, nicht einen Augenblick, denn diese Orte sind die Schlupfwinkel aller Laster und aller Niedrigkeiten; schon wenn du sie nur mit deinen Füßen betreten würdest, könntest du deine Seele beschmutzen, die – vergiß es nie – Mir gehört.»

Ich weiß nicht, was es mir ausmacht, Ihn so zu sehen; es tut mir so weh, ich kann nicht beschreiben, wie ent­setzlich das ist. Wenn man mir gesagt hätte, alle meine Verwandten seien gestorben [B 605] und ich hätte nie­manden mehr, ich glaube, der Schmerz, den ich dabei empfunden haben würde, hätte sich nicht vergleichen lassen mit dem, den ich in diesem Moment fühle.

Ich wünschte so sehr, ich könnte es verhindern, daß Tränen aus Seinen Augen fließen, doch ich kann es nicht, und ich kann nicht umhin, auch zu weinen. Eben versuchte ich – da ich nicht weinen wollte – meine Ge­danken auf etwas anderes zu lenken. An Ihn denkend, begann ich dieses Lied zu singen, das wie folgt lautet: «Mein Herz weint für Dich, weint für Dich aus Liebe; wenn es eines Tages stirbt, wird es für dich gewesen sein.» Und durch Seine Tränen hindurch habe ich Ihn lä­cheln gesehen; aber ich glaube, daß mir dieses Lächeln noch mehr Schmerz verursacht hat als die Tränen, so traurig war Er. Ich scheine empfindsam zu sein; ich kann nicht anders als weinen, meine Augen sind stets wäßrig: Ich versuche, es zurückzuhalten, doch wider Willen flie­ßen die Tränen. Was geht mit mir vor? Vielleicht bin ich tatsächlich von Sinnen, Herr?

[B 606] Ich möchte Sie, mein Pater, so gerne hier bei mir haben in diesem Moment. Ich fühle mich einsam; nur Ihnen kann ich sagen, was ich empfinde. Was werde ich sagen, wenn man es merken sollte, daß ich weine? Es gibt nichts zu machen, solange ich Ihn mit diesem Ge­sicht vor mir habe, werde ich nicht anders können.

«Du Kleine, wirst du Mitleid haben mit diesem Mann der Schmerzen, der Ich bin? Wirst du Meine Leiden und Meine Schmerzen teilen wollen? Wirst du den Mut haben, Mir alles zu opfern? Wird dein Herz taub bleiben können auf den Anruf des Meinigen?»

«Ich will deine Liebe. Ich will fühlen, daß du Mir ganz gehörst, damit Ich in dein Herz kommen kann, um den Trost zu suchen, dessen Ich bedarf; denn obwohl Ich der Herr der Welt bin, wird kein einziges Menschenherz je einen Schmerz empfinden, der ver­gleichbar wäre mit dem, den Ich erleide angesichts der Undankbarkeit und der Achtlosigkeit der Men­schen, vor allem Meiner auserwählten Seelen, die sich Meiner bedienen, [B 607] um die Ausschweifun­gen ihres Herzens und ihres Lebens zu verdecken. Ich kann das nicht mehr länger ertragen; Mein Herz steht im Begriff, Sich zu empören. Ich habe genug gelit­ten.»

«Beeilt euch also, Mich zu lieben, wie Ich geliebt werden will. Schneidet aus eurem Herzen alles Über­schüssige heraus, und gebt Mir den Platz, der Mir ge­bührt.»

«Macht schnell, Meine kleinen Kinder. Früher als ihr glaubt, werdet ihr alle vor Mir erscheinen, und wenn ihr Mich auf Erden nicht geliebt habt, werde Ich euch für immer und ewig weit von Mir stoßen. Un­zählbar werden die Plätze sein, die leer bleiben in Meinem Reich, weil die Menschen in ihrer Verblen­dung ihr irdisches Glück demjenigen vorgezogen ha­ben werden, das Ich ihnen hätte geben können, wenn sie Mich geliebt hätten.»

[B 608] «Nichts verursacht Mir mehr Leiden als der Anblick der Seelen, für die Ich Mein Blut vergeblich vergossen habe. Jeden Tag mehrt sich die Zahl der sich auflehnenden Seelen, die begierig sind nach Freuden und Vergnügen aller Art, und ach! jeden Tag auch nimmt die Zahl der gerechten Seelen bedauer­lich ab, die den Wunsch hegen, Mir zu gefallen und alles zu opfern. Wie viele werden den Mut aufbringen, bis zum Ende durchzuhalten? Ich sage euch allen, die ihr keinen anderen Wunsch kennt, als Mir zu gefal­len: selbst wenn ihr überall um euch her die anderen zurückweichen und Mich verlassen seht, tut nicht desgleichen, und vertraut und hofft auf Mich, bis zum Ende. Dann werde Ich euch das Hundertfältige des­sen geben, was ihr für Mich getan haben werdet.»

«Traurigen Herzens sage Ich euch sogar: Wenn sich unter Meinen Priestern und denjenigen, die da­mit beauftragt sind, Meine Kirche zu leiten, welche befinden, die euch eine andere Lehre vortragen als die der Entsagung und des Opfers, [B 609] des Gebets und der Buße, hört nicht auf sie; denn ihre Lehre ist falsch, selbst wenn sie euch dem Anschein nach nicht schlecht erscheint.»

«Der Weg, der zu Mir führt, war immer ein harter und schwieriger Weg, und selbst wenn gewisse Mei­ner Priester, die einen leichteren Weg für sich selbst haben wollen, versuchen, Meine Lehre zu erleichtern, indem sie sie nicht so lehren, wie sie ist, indem sie ein Beispiel der Nachlässigkeit und der Gleichgültigkeit in ihrem Wandel und in ihrer Diensterfüllung geben, so sage Ich euch: vertraut euch ihnen nicht an. Sie sind schlechte Diener, die Ich für ihren Ungehorsam bestrafen werde; denn Ich habe sie als Meine Nach­folger ausgesandt, damit sie Meine Lehre so lehren, wie Ich sie Selbst gelehrt habe, ohne einen einzigen Abstrich zu machen, und nicht entsprechend ihrem Geschmack und ihrer Schwäche.»

[B 610] «Wehe allen diesen schlechten Priestern, die die Ursache des Verlustes einer so großen Zahl von Seelen sind, weil sie selbst der Beobachtung Mei­ner Gesetze ihren Eigensinn, ihre Bequemlichkeit, ihre Leidenschaften, ja sogar ihre Laster vorziehen. Da sie sie selbst nicht in die Tat umsetzen können, diese Lehre, die die Meine ist, schließen sie Kom­promisse für die andern. Ich habe es euch gesagt, und Ich wiederhole es für euch Menschen des 20. Jahrhunderts, die ihr nur eurer Befriedigung lebt: Ich werde nicht ein einziges Meiner Gesetze ändern, und wenn ihr sie nicht alle befolgt bis in ihre gering­sten Einzelheiten, werdet ihr alle zugrundegehen.»

«Ihr werdet bei allem [B 611], was ihr tut, niemals nach eurem Gutdünken handeln, euer Vergnügen und eure Befriedigung suchen können, und dabei vorgeben können, Mich zu lieben. Wer Mich aufrich­tig lieben will, muß all seinen Neigungen, seinen Wünschen entsagen und darf nie seine Befriedigung suchen, sondern muß alles tun und alles annehmen aus Liebe zu Mir. Nur wenn er so handelt, wird er bis zu Mir gelangen.»

«Von jetzt an bis zum Ende der Zeiten wird es viele falsche Propheten geben, die versuchen werden, euch zu überzeugen, daß sie es sind, die die wahre Lehre verkünden. Und ihr werdet solche falsche Propheten selbst unter den Meinen finden; das wird euren Weg noch schwieriger machen; denn der Zweifel wird in euer Herz eindringen. Aber seid sicher, daß wenn man euch nicht die Selbstverleugnung predigt, die Geduld in euern Prüfungen, die Erfüllung eurer Stan­despflichten, bis in die kleinsten Einzelheiten, und vor allem die Liebe zu Gott und euerm Nächsten aus Liebe zu Mir, dann lehrt man euch nicht die wahre Lehre.»

«Ich will, daß sich die Welt und vor allem die Prie­ster wohl darüber im Klaren sind, daß selbst wenn Ich es ihnen noch nicht fühlbar zeige, Ich ihren Wandel, ihr Benehmen verurteile. [B 612] Schlagt also Gewinn aus all diesen Warnungen, die Ich euch gebe. Das zeigt euch klar, daß Meine Liebe zu euch trotz euerm schlechten Benehmen Mir gegenüber den gerechten Zorn übersteigt, den die Flut der Schandtaten in Mir aufwühlt, die von der Erde zu Mir emporsteigt, wie eine Herausforderung an Meine unendliche Barm­herzigkeit.»

«Da Ich noch einmal geruhte, Mich zu euch berab­zuneigen und euch vor den unheilvollen Schicksals­schlägen zu warnen, die euer Anteil sein werden, wenn ihr euer Leben nicht ändert, so bitte Ich euch, macht keine tauben Ohren. Denn wenn ihr euch wei­gert, Mich heute zu hören, werde Ich euch euerm Schicksal überlassen, und die Gerechtigkeit wird die Stelle der Barmherzigkeit einnehmen. Dann wird Mein Gericht schrecklich und unerbittlich sein, und ihr werdet dagegen nichts tun können; denn es wird zu spät sein für euch.»

«Gehet denn in euch, solange noch Zeit ist dafür; denn Ich wiederhole es euch: die Zeit drängt, und bald werdet ihr über alles Rechenschaft abzulegen haben vor Meinem Vater. [B 613] Was werdet ihr Ihm vorzubringen haben, um eure Weigerung, Mich zu lieben, zu entschuldigen? Seht, Ich reiche euch die Arme, und Ich öffne euch Mein Herz, kommet zu Mir, und Ich werde alle eure Sünden vergessen im Aus­tausch gegen eine aufrichtige und totale Liebe. Mei­ne kleinen Kinder, Ich bitte euch darum, zwingt Mich also nicht, streng mit euch zu verfahren, die Ich euch so sehr liebhabe, trotz allem, was ihr euch Mir gegen­über habt zuschulden kommen lassen. Habt keine Furcht, es gibt keine Sünde, so groß sie auch sein möge, die Ich nicht nachlassen kann, wenn ihr Mir die aufrichtige Reue und den wahren Wunsch zeigt, aus euerm Leben eine Meiner Liebe dargebrachte im­merwährende Opfergabe zu machen.»

[B 614, 3. Mai 1955] «Ich will, daß diese Gedanken, die Ich dir übermittelt habe, sich überall in der Welt ausbreiten, damit alle darüber nachdenken und den Irrtum erkennen können, in dem die Welt versunken ist.»

«Alles was ihr in diesen Gedanken finden werdet, fordere Ich von jedem einzelnen Menschen, ungeach­tet seiner Klasse, seines Standes oder seiner Beru­fung. Wenn ihr nicht alles aufrichtig übt, was Ich von euch verlange, werdet ihr unwiederbringlich verlo­rengehen; denn rascher als ihr glaubt, werdet ihr vor Meinem Vater über die Werke eures Lebens Rechen­schaft ablegen müssen.»

«Beeilt euch also, Meine Kinder, die Zeit drängt. Nützt diese Gunst, die Ich euch erweise, alle und je­der, wer ihr auch seid, während Ich euch die Gele­genheit gebe, eure Sünden zu erkennen und sie auf­richtig zu bereuen.»

«Laßt hinter euch diese Vergnügen, selbst die harmlosen, und diese üblen Leidenschaften, die euch direkt in die Hölle bringen, und betretet den Weg der Buße, des Opfers und der Entsagung, der euch [B 615] mit Bestimmtheit zu Mir führen wird.»

«Vergeßt vor allem nicht, daß ihr nicht nur im Zu­sammenhang mit dem Verstoß gegen meine Gebote Opfer bringen müßt, sondern daß ihr vor allem auch auf das verzichten müßt, was euch erlaubt ist, wenn ihr zur Verminderung der Leiden beitragen wollt, die eine Folge eurer Sünden sind.»

Ich wollte das nicht schreiben, was Er mir sagte, da hat Er hinzugefügt:

«Wie kannst du vorgeben, Mich zu lieben, und da­bei dich weigern, Mir zu helfen, möglichst viele See­len an Mich zu ziehen, und allen Meine Gedanken und Meine Ansichten bekanntzugeben? Wenn du in dieser Weigerung verharrst, wirst du viele Seelen von Mir fernhalten; denn zahlreich sind die Seelen, die zu Mir zurückkehren werden aufgrund all dieser Schrif­ten, vor allem unter den Priestern.»

«Zu ihrem größeren Unglück werden es viele von ihnen leider ablehnen, an dies alles zu glauben; aber sie werde Ich ihrem Schicksal überlassen, [B 616] und wenn sie in das Grab der Schmerzen, des Stöhnens, der Leiden und der Tränen gesunken sein werden, wird ihnen der Verstand aufgehen, doch dann wird es für sie zu spät sein; denn es wird ihnen nicht mehr möglich sein, Mich zu lieben in dieser verfluchten Hölle, in der sie ewig wohnen werden. Und die größte Qual dieser Seelen wird es sein festzustellen, daß sie sich aus eigener Schuld ins Verderben gestürzt hat­ten, indem sie sich weigerten, auf Mich zu hören und Nutzen zu ziehen aus diesen Warnungen, die Ich ih­nen heute in Meiner unendlichen Barmherzigkeit und vor allem wegen Meiner großen Liebe zu den Sün­dern gebe.» …

* 147 *

[5. Mai 1955] «Mein Gott, ich verlasse mich in allem auf Dich, und Du hältst mich nicht wach!»

«Beim nächsten Mal wirst du dich hinknien. Du kannst jetzt schlafen, es ist 2 Uhr.»

[B 617] «Bist du nicht stolz auf dich? Ich jedenfalls bin es.»

«Du verlangst nicht viel»

«Ich verlange nie das Unmögliche; tue stets soviel wie eben möglich, und versuche nicht zu erfahren, ob es genug ist; Ich werde alles ergänzen, was dir abgeht. Liebe Mich, und sorge dich nicht um den Rest.»

* 148 *

Ich ging sehr schnell, als ich zu mir nach Hause zurück­kehrte, um beizeiten dort zu sein, Da hat Er mir gesagt:

«Willst du, daß Ich dir Flügel gebe, Kleine?»

«Ich bitte Dich nicht um gar soviel, Herr; doch gib, daß ich nicht zu spät ankomme», habe ich geantwortet.

* 149 *

[B 618] Ich war gegangen, um meine Heilige Stunde zu halten, aber ich konnte nicht persönlich beten, weil die Kirche voller Kinder war, die ganz laut beteten, und ich fragte mich, ob es Ihm gefalle, daß ich die gleichen Gebete spreche wie die kleinen Kinder.                    

«Das Gebet der Kinder ist (gerade) das Gebet, das Mir am teuersten ist. Dein Herz und deine kindliche Treuherzigkeit sind der Grund dafür, daß Ich dich so sehr liebe. Bist du nicht das kleinste und schwächste dieser Kinder? Versuche nicht, dein Herz zu ändern; du gefällst mir so.»

* 150 *

Ich dachte an das, was der Pater am Vortag hinsichtlich des Sparens gesagt hatte, und ich bat Ihn, mir sparen zu helfen, weil es notwendig sei.

«Ich würde Mich nicht gegen die materielle Absi­cherung erheben, wenn der Mensch in seiner Stumpf­sinnigkeit sich dieser Sicherheit, die ihm das Sparen bringt, nicht bediente, um sich von Mir zu entfernen, indem er sich in allem gänzlich auf sich selbst ver­läßt.»

«Übe das Sparen, nicht um dir dadurch eine Si­cherheit zu verschaffen, die dich vielleicht von Mir entfernen wird, sondern um den Armen und Elenden zu helfen, [B 619] die nicht nur nicht an die Zukunft denken (können), sondern nicht einmal für die Ge­genwart genug haben. Das Elend wäre nicht so groß in der heutigen Welt, wenn die Herzen nicht so egoi­stisch und so kleinlich wären, und wenn man sich nicht mit dem Vorwand, für die Zukunft vorzusorgen, weigern würde, jenen beizustehen, denen es am Not­wendigen in der Gegenwart fehlt. Täuscht euch je­doch darüber nicht; denn ihr werdet Rechenschaft abzulegen haben über all diesen überspannten, närri­schen Luxus und Komfort, dieweil euer Bruder nicht einmal ein Stück Brot hat, um seinen Hunger zu stil­len. Ihr lehnt es ab, den Überfluß herzugeben, wäh­rend ihr sogar das Notwendige mit denjenigen teilen müßtet, die nichts besitzen. Denkt wohl daran: ihr werdet nach dem Grad der Liebe und der Mildtätig­keit, die ihr eurem Nächsten aus Liebe zu Mir ge­schenkt haben werdet, gerichtet werden.»

* 151 *

[B 620, 7. Mai 1955] « Warst du erbost, Herr?»

«Glaubst du, daß Mein Zorn nicht zurecht besteht, Kleine? Überall wohin Ich blicke auf dieser Erde, sehe Ich nur erdverhaftete Herzen, so eingenommen von ihren Leidenschaften und von ihren Lastern, daß sie sich aufführen, als existierte Ich nicht. Nie haben sie auch nur einen Gedanken für Mich. Sie sind zu­frieden mit sich selbst, und wenn man sie handeln sieht, würde man glauben, sie seien für immer auf der Erde. Doch sie mögen sich vorsehen, alle die süchtig sind nach Genüssen, nach Vergnügen und selbst nach niedersten Lastern; denn Ich werde sie in ihrer Sünde überraschen; Ich werde sie schlagen, ohne Vorwar­nung, wie ein Donnerschlag, und in einem Nu werden sie Mir gegenüberstehen, ohne Mir eine einzige Ent­schuldigung vorbringen zu können. Denn wenn ihr euch vor Meinem Vater befinden werdet, [B 621] wird keine Zeit mehr dazu sein, eure Niedrigkeiten und eure Sünden zu entschuldigen oder zu verbergen; denn von aller Ewigkeit her kenne Ich euer Herz bis in die kleinsten Winkel hinein, und nicht einer eurer Gedanken ist Mir unbekannt.»

«Unsinnige Menschen, ihr glaubt, in Sicherheit zu sein, weil ihr dem Äußern nach in den Augen eurer Brüder als rechtschaffen und ehrbar geltet. Ihr ver­steckt euch, um euch euren Schändlichkeiten hinzu­geben; aber wenn auch eure Brüder nur eure Fassade kennen, so weiß Ich doch, was ihr wert seid, und ihr werdet Meiner Gerechtigkeit nicht entgehen können, die furchtbar sein wird. Ich wiederhole es euch: Mein Zorn ist groß, beeilt euch, Reue zu erwecken, wenn ihr nicht wollt, daß Mein Arm schwer auf euch la­ste; denn sonst wird es zu spät sein. An jenem Tag werden weder eure Klagen noch eure Flehrufe zu Mir empordringen können. Mein Herz [B 622] wird kalt sein wie Stein für euch; Ich werde euch dann das auf­tischen, was ihr Mir während eures irdischen Lebens aufgetischt habt: Haß, Verachtung, Gleichgültig­keit.»

«Es hat den Anschein, als ob auf der Erde große Frömmigkeit herrscht; aber wie viele leben aus die­sem Glauben, den sie zu besitzen scheinen, wenn man sie beten sieht? Die Gebete, das Lippengemurmel ge­fällt Mir nicht; es wäre besser für euch, weniger mit dem Mund zu beten, und dafür aus euerm ganzen Le­ben ein immerwährendes Gebet zu machen, indem ihr arbeitet, euren Nächsten und all die Widerwärtigkei­ten und die Leiden eures Lebens ertragt aus Liebe zu Mir, und vor allem, indem ihr die Vergnügen, die Ge­nüsse und die Befriedigungen all eurer Begierden flieht, und indem ihr euch selbst entsagt, um nur mehr für Mich zu leben.»

[B 623] »Mögen jene, die sagen: Schließlich ist das ja nichts Schlechtes, Gott verlangt nicht gar so viel, mögen sie sich in Acht nehmen und ihr Herz prüfen; denn ihre Gedanken sind falsch. Ich will kein halbes Maß; Ich fordere alles; denn vergeßt es nicht: Ich habe euch auf die Erde gesetzt, damit ihr an jedem Tag eures Lebens darnach strebt, die gleiche Heilig­keit zu erlangen wie Ich. Habe Ich es euch nicht ge­sagt in der Vergangenheit: ‹Seid vollkommen wie euer himmlischer Vater vollkommen ist›.»

«Selbst für die Genußsüchtigen des 20. Jahrhun­derts, denen das alles widerstrebt, gilt das noch im­mer. Ihr müßt versuchen, euch zu heiligen, und das jeden Tag mehr; denn, wenn ihr so heilig sein werdet, wie man heiliger nicht mehr sein kann, werdet ihr noch nicht einmal Mein Schatten sein. Vor allem ver­laßt euch nicht auf euch selbst; denn ihr würdet nie dahin gelangen. Lernt, euch Mir anzuvertrauen in al­lem, [B 624] selbst in den für euer Leben notwendigen materiellen Dingen, und ihr werdet niemals an irgend etwas Mangel leiden.»

«Zeigt Mir ein bißchen Glaube und Vertrauen, und Ich werde euch alles geben, dessen ihr bedürft, um zu Mir zu gelangen, das einzige, was euch interessieren soll hier unten. Denn alles übrige ist Nichtigkeit und ist nicht der Mühe wert, sich darüber aufzuhalten. Glaubt Mir, Meine Kinder, Ich bin der Weg der Wahrheit, und das ist der einzige Weg, der euch zum wahren Leben führen wird.»

«Wenn Ich schon alles fordere vom Weltmenschen, so fordere Ich noch mehr von den Priestern; denn sie habe Ich auserwählt aus den andern, um Meine Barke in den guten (richtigen) Hafen zu steuern. Sie müssen mit ihrem Wandel den anderen ein Beispiel geben, indem sie sich bis in die kleinsten Einzelheiten selbst an Meine geringsten Gesetze halten. Mögen alle diese Priester, die sich leidenschaftlich ereifern für den Sport, das Theater, das Auto, die Getränke, die Ge­schöpfe, endlich die Vergnügen, die Befriedigungen aller Art, die Verantwortung, die auf ihnen lastet, alles wohl überlegen und abwägen.»

[B 625] «Ich habe die Priester in die Welt hineinge­stellt, damit sie die Welt erleuchten und sie zu Mir führen, und nicht, damit sie sich auf die Stufe der Welt erniedrigen, indem sie nach allen Vergnügun­gen jagen. Ich sage euch: alles, was nicht dazu bei­trägt, euch Mir näherzubringen, entfernt euch von Mir. Meidet es also, und tut nichts, was ihr nicht tun könnt aus Liebe zu Mir. Ich habe euch das Leben ge­geben, die größte Wohltat, und Ich erhalte es euch alle Tage. Wie viele denken daran, Mir dafür zu dan­ken? Ich habe euch alles gegeben, und Ich empfange dafür nur Verachtung und Gleichgültigkeit und manchmal sogar Haß.»

[B 626] «Meine Barmherzigkeit ist unendlich; aber bald wird keine Zeit mehr sein für die Barmherzig­keit, und wenn ihr alle, wer ihr auch seid, euer Leben nicht bessert und nicht Buße tut zur Sühne für alle eure Sünden, werde Ich Meinen Zorn ausbrechen las­sen gegen den herzlosen, egoistischen und genuß­süchtigen Menschen, und die Oberfläche der Erde wird wie ein verzehrendes Feuer werden, und die Welt wird sich selbst vernichten.»

«Haltet also an, alle, um nachzusinnen und den Weg wieder unter die Füße zu nehmen, auf dem ihr gehen müßt, um Mir zu gefallen. Säumet nicht; denn morgen wird es vielleicht zu spät sein für euch.»

«Ich will, daß alles, was Ich dir sage, überall in der Welt verbreitet wird und alle Gesellschaftsklassen, ohne Ausnahme, erreicht.»

«Es ist nicht notwendig für dich, Kleine, daß du gern schreibst, was Ich dir sage. Alles, was Ich von dir verlange ist, es aus Liebe zu Mir zu tun. Denn Meine Ansichten sind nicht eure Ansichten, und das wird (auch) nie der Fall sein können. Alles, was Ich von dir verlangen werde, wird dir stets mißfallen; denn wenn Ich irgendeine Möglichkeit gesehen hätte, daß es dir gefallen könnte, und daß du es schließlich [B 627] aus Zuneigung tun würdest, hätte Ich dich nicht auser­wählt, um Meine Gedanken zu übermitteln, die dazu dienen werden, Mir die Seelen näherzubringen. Du wirst es immer als störend, widerwärtig empfinden, ge­zwungen zu sein, das niederzuschreiben, was Ich dir sage, weil es deine Freiheit einschränkt und dich auch mehr an Mich kettet. Gewohnt wie du es bist, nach allen deinen Launen zu handeln, ohne je irgend jemanden zu Rate zu ziehen, wird es für dich immer ein Leiden sein, dich unterwerfen zu müssen. Du wirst viel leiden, Kleine, doch du wirst nie den Grad der Schmerzen erreichen können, die Ich für dich in der Vergangenheit wegen deiner gänzlichen Nachlässig­keit, deiner Leichtfertigkeit und deiner Sorglosigkeit Mir gegenüber ertragen habe.»

«Denke gut über all das nach, Kleine, was Ich dir seit einem Jahr gegeben habe, denn, wenn Ich nicht eingegriffen hätte, wärst du (jetzt) noch keinen Schritt weitergekommen Was wäre aus dir geworden, Kleine? Du verdankst Mir alles, und vor allem vergiß nie, [B 628] daß Ich dir alles gegeben habe ohne ir­gendein Verdienst deinerseits; du warst die Unwür­digste von allen.»

«Vergiß es nicht: du bist nichts; aber aus diesem Nichts, das du bist, werde Ich eine größere Verherrli­chung ziehen.»

«Du verstehst nichts, Ich weiß, und du wirst niemals etwas verstehen. Denn der weiseste Mensch der Erde besitzt nicht ein Quentchen Meiner Intelligenz; das ist der Grund dafür, daß Meine Ansichten niemals übereinstimmen werden mit denjenigen der Men­schen. Ich verlange von euch nicht, Mich zu verste­hen, sondern Meinem Willen zu gehorchen, ohne zu verstehen, aus Liebe zu Mir. Das ist alles, was Ich will; Ich werde Ersatz bieten für alle eure Unfähigkeiten.»

«Der Mensch muß aus dem Stolz heraustreten, der ihn ins Verderben stürzt, und er muß anerkennen, daß er gänzlich von Mir abhängt; [B 629] denn ohne Mich könnt ihr nichts tun.»

«Für denjenigen, der euch mit Wohltaten und Ge­schenken überhäuft, habt ihr doch viel Hochschät­zung. Warum kennt ihr dann Mir gegenüber, der Ich euch alles gegeben habe, selbst den letzten Tropfen Meines Blutes, nur Verachtung und Gleichgültig­keit?»

«Warum wollt ihr euer Herz und eure Hoffnung auf den Menschen setzen, der nichts ist neben dem Schöpfer? Seid ihr so blind, daß ihr das Geschöpf vom Schöpfer nicht mehr unterscheiden könnt? Wehe euch dann, denn euer Los wird furchtbar sein, und ihr werdet vor Schrecken zittern. Wenn die Zeit für euch kommt, Rechenschaft abzulegen, werdet ihr nicht dem Menschen Rede und Antwort stehen müßen, den ihr Mir vorgezogen haben werdet, sondern Gott, den ihr euer ganzes Leben lang gering geschätzt, verach­tet und verhöhnt haben werdet, indem ihr euch wei­gertet, euch Meinen Gesetzen zu unterwerfen und Mich zu lieben, wie Ich geliebt werden will.»

«Sinnet nach, ihr alle, Meine Kinder, und seht, wie unendlich Meine Liebe zu euch ist, da Ich geruhe, Mich zu euch hinabzuneigen und euch vor dem Un­heil zu warnen, das über den Menschen schwebt, wenn ihr das Leben nicht ändert und wenn ihr Mir nicht den Platz gebt, der Mir zukommt in euerm Le­ben und in euern Herzen. Bleibet nicht taub gegen­über dem Anruf Meines Herzens, und nützt Meine Barmherzigkeit, solange noch Zeit dazu ist. Wartet nicht, bis eure Sünden Mich zwingen, mit euch streng zu verfahren; denn dann wird es zu spät sein für euch, umzukehren. Die Zeit der Barmherzigkeit wird für immer zu Ende sein, und die Gerechtigkeit wird an ihre Stelle treten. Denket wohl daran, Meine Kinder; denn es wird für die ganze Ewigkeit sein.»

* 152 *

[B 631, 8. Mai 1955] Ich war in der Kirche zu meinem Sonntagsbesuch; ich hatte meine Lippen geschminkt, denn nachher mußte ich zu meiner Mutter gehen. Er hat gesagt:

«Unter dem Anschein einer modernen Frau, die sich allen Kaprizen des Weltgeistes fügt, habe Ich Mühe, Mein kleines Kind zu erkennen.»

Er hatte ein trauriges und vorwurfsvolles Aussehen. Ich hätte fähig sein wollen, Seinem Blick zu entfliehen; mir war nicht wohl, und es tat mir weh, Ihm ein Leid an­getan zu haben. Ich wußte nicht, was ich sagen sollte. Ich habe begonnen, meinen Rosenkranz zu beten, und da ist plötzlich eine Frau von außerordentlicher Schönheit vor meinem Geist erschienen, und sie hat zu mir gesagt durch eine Art von Sprechen, im Innern meines Her­zens; – ich habe geglaubt zu hören):

«Du wirst dich Seinem Willen fügen müssen, da Er Seine Augen auf dich gerichtet hat; doch beruhige dich, Meine kleine Tochter, selbst die aus Liebe zu Ihm ertragenen größten Leiden [B 632] werden zu Freuden, die sich mit keinen anderen vergleichen las­sen.»

«Tröste Du Ihn; ich kann es nicht», habe ich der Hei­ligsten Jungfrau gesagt.

«Diesen Schmerz hast du ihm verursacht; du allein kannst ihn aus Seinem Herzen nehmen.»

* 153 *

Ich sagte nach der Kommunion: «Mein Gott, ich liebe Dich, doch mehre meine Liebe», da habe ich gehört:

«Weißt du, was du sagst, wenn du sprichst, du liebst Mich? Bist du sicher, daß du Mich liebst? So viele Leute versichern Mir, daß sie Mich lieben, und den­noch, schau sie an. Sie können sich nicht lösen von all ihrem Eigensinn, tun alles nach Wunsch und Laune, und wenn man von ihnen ein Opfer verlangt, finden sie das übertrieben; man müsse ja schließlich ent­sprechend den Erfordernissen des Zeitalters leben, die Sitten der Welt hätten sich fortentwickelt, und man müsse sich ihnen unterziehen, [B 633] selbst wenn sie Meinen Gesetzen und Meinen Wünschen entgegenstünden. Man macht Mir Glaubens- und Liebeserklärungen, die nur von den Lippen kommen. Das Herz jedoch ist zersplittert, offen für dies und das, für Lappalien, Bagatelle. Man verweichlicht sein Herz und seinen Geist, indem man sich jede Bequem­lichkeit gewährt, indem man all seine Begehrlichkei­ten befriedigt, und wenn die Zeit kommt, die Sünde zu meiden, die tödlich ist für die Seele, bringt man nicht den erforderlichen Mut auf, sich davon fernzuhalten, und man läßt sich hineinschlittern, bis es ein Dauer­zustand wird. Wenn ihr wüßtet, was eine einzige Tod­sünde zerstören kann in einer Seele! Kein einziges leibliches Übel kann dem Körper soviel schaden wie eine einzige Todsünde der Seele. Sie vergiftet sie mit einem Übel, das sie verschlingt und gänzlich aufzehrt, wenn ihr nicht den Mut habt, euch ihr zu entwinden und die erforderlichen Mittel anzuwenden, um euch davon fernzuhalten.»

[B 634] «Wenn ihr Mich nur hören und verstehen wolltet, daß Mich einzig Meine große Liebe zu euch allen dazu drängt, euch ein weiteres Mal vor den Gefahren und den Unheilsschlägen zu warnen, die über der Welt schweben, weil die moderne Welt sich wei­gert, Mir den Platz zu geben, der Mir gebührt. Man liebt Mich, wenn man daran denkt, oder wenn man anderswo nicht mehr lieben kann. Man gibt Mir die Reste. Ich will nichts von einer mittelmäßigen Liebe, ohne Wärme, die man kleinlich bemißt, aus Furcht, zuviel zu geben. Diese Liebe widert Mich an und macht Mich wütend; denn wenn ihr so handelt, spot­tet ihr Meiner und macht die große Liebe lächerlich, die Ich euch erwiesen habe, indem Ich starb, um euch zu retten.»

«Es nützt nichts, Mich mit schönen, unbedeuten­den Phrasen zu überhäufen; Ich will wahre, aufrichti­ge und gelebte Liebe. [B 635] Ich will, daß Ich in jeder eurer Taten einen Beweis der Liebe zu Mir erblicken kann. Blind wie ihr alle seid, lauft ihr in euern Unter­gang; denn alles, was ihr Mir auf Erden vorgezogen haben werdet, wird euch unheilbar verderben. Öffnet die Augen, bevor es zu spät ist, und ergreift diese Hand, die Ich euch reiche, um euch auf dem Weg zu leiten, der euch zum Leben führen wird. Alle diese Leidenschaften und diese sinnlichen Vergnügen, an die ihr euch verliert, werden euch ebenso sicher töten wie das tödlichste Gift. Ihr seid alle tot, und ihr wißt es nicht. Es gibt mehr lebende Kadaver auf der Erde als unter der Erde.»

«Wachet auf aus dieser Erstarrung, in der ihr euch befindet. Öffnet eure Ohren. Hört Mich, Ich sage es euch: die Zeit drängt. Beeilt euch, zu verstehen, wo euer Gut ist. [B 636] Kehrt aufrichtig um zu Mir, mit dem festen Wunsch, ein neues Leben zu beginnen, das gänzlich aus Liebe zu Mir besteht. Ich wiederhole es euch: um Mich zu lieben, wie Ich will, daß ihr Mich liebt, müßt ihr auf alles verzichten, was euch gefällt; ihr müßt euer Herz von allem losschälen, was nicht Ich bin. Ich wiederhole es euch: Ich will kein halbes Maß. Ich will euer ganzes Herz oder gar nichts.»

«Tut nie etwas zu eurem Vergnügen, sondern aus Liebe zu Mir, und was ihr nicht aus Liebe zu Mir tun könnt, tut es nicht. Vergeßt nicht, daß Mir die kalten und gleichgültigen Herzen, auch wenn sie Meine Ge­setze nicht (ausdrücklich) übertreten, ebenso sehr mißfallen, wie die Herzen derjenigen, die Meinen Ge­setzen keine Beachtung schenken.»

«Ich will Liebe. Ich bin der Einzige, der würdig ist, geliebt zu werden. Wann werdet ihr es zugeben?»

«Ich bin es überdrüssig, zu warten und Geduld zu üben. Kehrt um zu Mir. Gebt Mir diese Liebe, die Mir gehört. Nützt Meine Barmherzigkeit aus, solange noch Zeit ist dazu. [B 637] Früher als ihr glaubt, wer­det ihr vor Mir erscheinen müssen. Einzig die ein­dringlichen Bitten Meiner Mutter, die sich nicht da­mit abfinden kann, euch angesichts eures schuldhaf­ten Wandels, alle getroffen vom Blitzschlag Meines Zornes, der in Meinem Herzen aufsteigt, verlorenge­hen zu sehen, hindert Mich daran, euch unverzüglich zu bestrafen, wie ihr es verdientet. Aber Ich wiederho­le es: beeilt euch, die Zeit drängt. Mein von euern La­stern, euern Sünden, eurer Gleichgültigkeit und eurer Verachtung schmählich gekränktes Herz schreit nach Rache, und bald werde Ich Meinem Zorne freien Lauf lassen, und dann werdet ihr alle, ihr Menschen mit verdorbenem und betrügerischem Herzen, wün­schen, niemals geboren zu sein, so schrecklich wird Mein Zorn sein. Gebt acht, hütet euch. Verlaßt euch nicht auf die Länge der Zeit. Die Zeit ist kurz, und ohne daß ihr eine Handbewegung tun könnt, um es zu verhindern, [B 638] wird Mein rächender Arm auf euch niederfahren.»

«Ihr werdet euch beklagen, und ihr werdet stöhnen; doch es wird zu spät sein. Mein Herz wird sich für immer verschlossen haben, und die Gerechtigkeit wird an die Stelle der Barmherzigkeit getreten sein, die ihr heute zurückweist, verblendet wie ihr seid vom Stolz, dieser Krankheit, die die Herzen zerfrißt und so viele Seelen fern von Mir untergehen läßt.»

* 154 *

[10. Mai 1955] Als Antwort auf die gestellte Frage, ob der Prozentsatz bezüglich des Klerus, der früher angegeben wurde, sich auf die Diözese, auf das Land oder auf die ganze Welt beziehe:

«Auf welche Kategorie sich dies bezieht? Auf alle, vom Weltpriester bis zum Ordenspriester, vom Un­tergebenen bis zum Führer; mögen alle und jeder daraus Nutzen ziehen; denn ihr werdet nie genug hei­lig sein. Das wird dazu dienen, die einen vor den furchtbaren Strafgerichten zu warnen, die sie bedro­hen, wenn sie ihr Leben nicht ändern, und die Kalten und die Nachlässigen zu erwärmen, indem es sie ein­lädt, sich zu entsagen und Mich aufrichtig zu lieben, die anderen wird dies ermutigen, auszuharren [B 639] und sie daran hindern, aufzugeben, wenn sie manch­mal versucht wären dazu. Von allen und von einem jeden fordere Ich den totalen Verzicht auf die Welt und auf alles, was sie beinhaltet. In allem und überall muß Ich ihr einziges Ziel und ihre einzige Liebe sein. Alles was nicht zu Mir strebt, wird ihnen stets zum Schaden gereichen.»

* 155 *

Ich war in der Messe, und plötzlich ist die gleiche Person wie am Sonntag in meinem Geiste erschienen und hat die Gebärde gemacht, wie wenn sie mir die Wange lieb­koste, indem Sie sprach:

«Meine kleine Tochter.»

Zu mir habe ich gesagt: «Wie bist Du schön», und lä­chelnd hat Sie gesagt:

«Und Ich habe Meine Lippen nicht geschminkt, weißt du.»

[B 640] Ich wandte mich um, um zu sehen, was Er sa­gen würde. Er hat gelächelt und gesagt:

Ich bin nicht eifersüchtig auf Meine Mutter.» …

* 156 *

[12. Mai 1955] «Was tust du, um den Schmerz zu tilgen, den du Mir seit einigen Tagen mit deiner Ungläubigkeit, [B 642] mit deinem Mangel an Vertrauen und deiner Angst vor der Lächerlichkeit zufügst, die dich hindern, dich Mir völlig anheimzugeben? Was war­test du, Kleine, da Ich da bin? Was kannst du befürch­ten von der Welt? Niemand vermag etwas gegen dich; denn Ich werde über dich wachen. Man wird dich kri­tisieren, dich verlachen, dir Leid bereiten können; aber das hat wenig Gewicht, da Ich dich liebe und du Mich liebst. Die Welt, sie wird dich nicht lieben kön­nen. Denn wenn du geliebt und umschmeichelt wer­den willst von der Welt, wirst du darauf verzichten müssen, von Mir geliebt zu werden, denn du wirst niemals beides auf einen Nenner bringen können, die Welt und Mich. Wie das Feuer und das Wasser, der Tag und die Nacht sich nie vereinen werden, ebenso ist es mit der Welt und Mir. Es ist der Irrtum, in dem die Mehrheit der Welt befangen ist.»

«Man möchte Mich wohl lieben, jedoch anderseits will man der Welt und ihrem Geist nicht entsagen, [B 643] Der Weltgeist ist Mein größter Feind; denn er ist der Geist Satans. Dieser wird sich immer anstren­gen, euern Augen die Vergnügen, die Genüsse, die Befriedigungen aller Art vorzuspiegeln, mit dem al­leinigen und einzigen Zweck, euer Herz und euern Geist mit Beschlag zu belegen und euch so daran zu hindern, euch Mir zu nähern. Paßt auf, Meine Kinder, der Geist der Welt ist heuchlerisch und heimtückisch.

Unter der Lehre des Erlaubten bietet er euch den Prunk an, die Verschwendung, die Behaglichkeit und die Befriedigung aller eurer Lüste und aller eurer Wünsche; doch Ich, Ich sage euch: «Wenn ihr euer ganzes Leben hindurch euern Willen getan und euern Gelüsten gefrönt habt, werdet ihr nicht zu Mir gelan­gen; denn ihr könnt nicht euch in allem befriedigen und zugleich Meiner Liebe Genüge tun.»

«Wenn euch eine einzige Todsünde daran hindert, die Pforten des Himmels zu durchschreiten, wieviel mehr, so sage Ich euch, wird dann die Gleichgültig­keit [B 644] und die Anhänglichkeit an alles Geschaf­fene genügen, euch dieses Tor zu verschließen. Ihr müßt, um bei Mir zugelassen zu werden, alle Tage eures Lebens versuchen, euch von allem Geschaffe­nen loszuschälen und euch zu Mir zu erheben.»

«Demjenigen, der sein ganzes Leben lang alle An­strengungen unternommen haben wird, um sich von allem zu lösen, dem werde Ich, selbst wenn es ihm nur zur Hälfte gelungen ist, die Tore Meines Königrei­ches öffnen, da er jeden Tag sein Möglichstes getan haben wird.»

«Ich kenne eure Schwäche; fürchtet euch nicht, Meine Kinder, Ich werde nie mehr von euch verlan­gen, als ihr geben könnt. Indes, nehmt euch in Acht; denn Ich durchforsche die Herzen, und nichts ist Mir unbekannt. Was jenen betrifft, der sich – ohne Mich zu beleidigen – alle Behaglichkeiten gewährt, aus al­len Fleischesfreuden Profit geschlagen haben wird, selbst wenn sie gestattet sind (denn auch darin müßt ihr euch abtöten, da ihr euer Herz und euern Geist nicht erheben könnt, wenn ihr euerm Fleisch unter all ihren Spielarten die Befriedigung gewährt), demjeni­gen also, der sich sein ganzes Leben lang gesagt ha­ben wird: ‹Es ist doch schließlich nicht verboten; ich tue niemandem etwas Schlechtes, man muß doch le­ben, [B 645] wenn ich nur zur Messe gehe am Sonntag und an den Feiertagen, wenn ich nur meinen Zehnten bezahle und den Fürsorgewerken etwas gebe, bin ich ein guter Christ, und ich bin Gott ohne Zweifel wohl­gefällig›, wohlan, diesem und allen Seinesgleichen sage Ich: ‹Ihr seid Mir nicht wohlgefällig, ihr ekelt Mich an; denn alles, was ihr tut, tut ihr wie etwas, was ihr unter allen Umständen tun müßt, weil ihr sonst fürchten müßtet, bestraft zu werden.› Wo ist eure Lie­be zu Mir in euerm ganzen Leben? Sie existiert nicht, und Ich wiederhole es: ‹Wenn ihr Mich nicht mehr liebt als die, die zu euerm Lebenskreis gehören: Va­ter, Mutter, Brüder, Schwestern, gefallt ihr Mir nicht, und wenn ihr aus Liebe zu Mir nicht allen euern Be­friedigungen, euern Lüsten, euern Vergnügen entsa­gen könnt, mißfallt ihr Mir gewiß, und Ich werde euch fern von Mir verstoßen.› Denn, vergeßt es nicht: [B 646] ihr werdet nach der Liebe gerichtet werden, die ihr für Mich empfunden haben werdet.»

«Um Mir zu gefallen, müßt ihr Meinen Willen tun. Ihr müßt eure Standespflicht erfüllen; ihr müßt allem entsagen aus Liebe zu Mir.»

«Anstatt eure Zeit zu verlieren in Theatern, in Grill-Parties, auf unnützen Reisen, kurz bei Zerstreuungen, die euch die Welt bietet, wäre es besser für euch, eure Mußestunden und die Zeit, die ihr frei habt, damit auszufüllen, Kranke zu besuchen, das Los der Armen zu erleichtern, jene zu trösten, die leiden, und euern Eltern und euern Nächsten zu helfen, wenn sie in Schwierigkeiten sind.»

«Es gibt so viel Elend in der Welt, und so rar sind die freigebigen und selbstlosen Herzen, die bereit sind, ihre Zeit und ihr Geld zu opfern, um Linderung zu bringen. [B 647] Indes, Meine Kinder, ohne die Lie­be Gottes und die Nächstenliebe werdet ihr nicht in Mein Königreich eingehen. Ihr seid nicht auf der Erde, um euch zu befriedigen, sondern um euch zu heiligen, und ohne Entsagung und Selbstverleugnung ist keine Heiligung möglich. Ich fordere das von allen Menschen ohne Ausnahme, vom Ärmsten bis zum Reichsten, vom Unwissendsten bis zum größten Wei­sen, vom kleinen Diener bis zum größten König, der Erde. Meinen Priestern, vom einfachsten Vikar bis zum höchsten Würdenträger, sage Ich: daß ihr üben müßt, was Ich euch lehre, und zwar bis in die klein­sten Einzelheiten. Ich will, daß ihr der Welt das Bei­spiel der vollkommensten Nächstenliebe und Gottes-liebe gebt und vor allem aber der Entsagung gegen­über der Welt und ihrem Geist. Mögen alle diese Prie­ster, die sich nichts versagen, die sich in den Prunk und die Behaglichkeit einhüllen, in Acht nehmen; denn das Beispiel, das sie jenen geben, die um sie sind, ist unheilvoll für diese Seelen. Ich sage euch: [B 648] Ihr werdet Rechenschaft abzulegen haben über all diese Seelen, die verloren gehen werden, weil ihr nicht genug entsagt und weil ihr es vorgezogen haben wer­det, euch den Ansprüchen der Welt zu beugen, anstatt Meine Gesetze zu beachten.»

«Es genügt nicht, Meine Lehre von der Kanzel her­unterzudonnern und mit schönen Predigten das Gemüt zu rühren; ihr müßt sie vor allem dadurch lehren, daß ihr sie selber übt, jeden Tag eures Lebens.»

«Wie könnt ihr hoffen, daß die Welt die Nächsten­liebe praktiziert und den Verzicht auf die Güter der Erde, wenn ihr Priester, die ihr damit beauftragt seid, [B 649] Mich zu vertreten, euch die Erfüllung eurer eigenen Wünsche zugesteht, im Auto euch den Luxus unnützer Reisen leistet, euch leidenschaftlich für das Fernsehen begeistert, für das Radio, den Sport, kurz für alle Vergnügen, selbst für jene, die verboten sind?»

«Ihr entschuldigt euer Benehmen damit, daß ihr sagt, ihr wärt Menschen wie alle anderen. Ich jedoch sage euch: Ich will nicht, daß ihr wie die anderen seid; Ich habe euch aus den anderen erwählt, damit ihr anders werdet als die anderen, durch euer stren­ges, kasteites Leben, bar aller Verstellung und ent­blößt von allem, was euch nicht zu Mir führen kann.»

«Überlegt es gut. Mein Zorn ist groß angesichts des Wandels der Meinen. Wenn die Welt verlorengeht, wird es wegen eurer Weigerung sein, euch Meinem Willen zu unterwerfen. [B 650] Ihr werdet niemals et­was erhalten von der Welt, wenn ihr euch nicht selbst heiligt, und Ich sage euch, daß, wenn sich die Welt nicht ändert, sie für immer und ewig verlorengehen wird.»

«Laßt ab von den nutzlosen Festgelagen, während derer ihr nichts tut, was Mir nützlich wäre, und befaßt euch mit den Armen, den Schwachen, den Notleiden­den, vor allem mit jenen kranken Seelen, die allein niemals wieder ihren Weg finden könnten. Alle diese verirrten Seelen, die fern von Mir sind, warten auf den mildtätigen Arm, der ihnen hilft, wieder aufzustehen und den Weg wieder unter die Füße zu nehmen, der zu Mir führt. Hier ist eure größte Pflicht: alle verlore­nen Schafe, die da und dort dahinvegetieren, zu Mir zurückzuführen.»

«Beeilt euch also, das zu tun, was Ich von euch er­warte, und überlaßt den Toren, die nicht begreifen wollen, all die Vergnügen der Welt und all diese Nebensächlichkeiten, die das Herz und den Geist vergif­ten und sie von Mir entfernen.»

«Ich will daß ihr euch, wenn ihr auch auf der Erde, in der Welt, lebt, so verhaltet, als ob ihr nicht darin lebtet, indem ihr euch dessen, [B 651] was es in der Welt gibt, nur zu eurem Heil bedient.»

* 157 *

Für jene, welcher ich es angetragen hatte, sich von Ih­nen, mein Pater, führen zu lassen, hat Er mir gesagt:

«Wenn sie es vorzieht, den größten Schatz zu ver­passen, den es möglich ist auf Erden zu finden, anstatt den Mut zu haben, sich zu bücken und ihn aufzuhe­ben, so ist das ihre Sorge und nicht die deine. Gräme dich nicht, Kleine. Diejenigen, die die Gnade abwei­sen, wenn Ich sie ihnen auf so handgreifliche Weise anbiete, werden Mir dafür Rechenschaft ablegen müssen.»

«Was die Stunde betrifft, die mit Mir zu verbringen Ich dich gebeten habe, so füge dich in allem dem, was dir derjenige sagen wird, den Ich dir gegeben habe, auf daß er dich führe. Selbst wenn es dir scheint, daß du nicht die Kraft haben wirst, weil du müde bist, beunruhige dich also nicht, Kleine; Ich werde dir die­se Kraft geben: denn wenn Ich dich dir selbst überlie­ße, könntest du nicht einmal aufstehen.»

[B 652] «Suche nicht, deinen Zustand zu kennen; sei geduldig; warum die Eile, alles zu wissen? Was kümmert es dich zu erfahren, was mit dir geschehen wird, kleine Tochter; verlaß dich diesbezüglich auf Mich. Hast du dich nicht im voraus mit dem, was Ich dir schicken werde, und mit der Art Meiner Entschei­dung einverstanden erklärt? Du kannst jetzt nicht mehr zurückweichen, kleines Kind.»

«Vor allem, füge Mir nicht die Beleidigung zu, an Mir zu zweifeln. Wie wirst du die Schläge ertragen können, wenn du viel wirst leiden müssen, wenn du (jetzt) schon zweifelst, Meine kleine Tochter? Beun­ruhige dich also nicht, und suche nicht vergeblich nach dem Grund dieser großen Müdigkeit, die du manchmal in deinem ganzen Wesen fühlst; sie kommt von Mir. Hast du nicht angenommen, die Lei­den Meines von so vielen Leuten gemarterten, schmähten und verhöhnten Herzens zu teilen? Arme kleine Tochter, Ich gebe dir den kleinsten Teil Meiner Leiden. [B 653] Diese Müdigkeit deines Leibes ist ein wenig von der Meinen. Dieser Überdruß und dieser Ekel deines Herzens sind ein Partikelchen dessen, was Ich fühle angesichts der Haltung der Welt und vor allem der Priester Mir gegenüber.»

«Ich bin es satt, auf all diese Gleichgültigen und Sorglosen zu warten, die nur zu ihrem Vergnügen statt für Mich leben. Wirst du dich beklagen, wenn Ich von dir verlange, Meine Pein und Meine Leiden zu teilen? Ist es zuviel verlangt von dir; Kleine? Es gibt so wenige, die Mich wirklich lieben, und die be­reit sind, alles für Mich zu ertragen. Hast du schon vergessen, was du Mich an Tränen und Leiden geko­stet hast? Undankbare kleine Tochter, ich überhäufe dich mit Gunsterweisen, und statt Mir zu danken, be­klagst und beschwerst du dich; liebst du Mich also nicht?»

[B 654] «Vergiß nicht, daß dich das Leiden, das du für Mich erträgst, enger mit Mir verbindet. Ich will, daß du, selbst wenn du glauben wirst, daß Ich dich verlasse, weil Ich nicht mehr zu deinem Herzen spre­chen werde, selbst dann nicht einen Augenblick an Meine Gegenwart bei dir zweifelst. Ich werde immer da sein, selbst wenn es dir scheinen wird, daß Ich nicht da bin. Du wirst Tage großer Dunkelheit zu durchgehen haben; du wirst dich verloren fühlen. Der Zweifel wird dein Herz und deinen Geist niederdrücken; du wirst dich allein und von allen verlassen fühlen, und du wirst glauben, daß auch Ich dich verlasse. Dem wird jedoch nicht so sein, Mein kleines Kind; Ich werde dich nie verlassen; fürchte nichts. Liebe Mich mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und allen deinen Kräften. Die Liebe deines kindli­chen Herzens ist ein gar süßer Trost für Mein von den meisten Menschen und selbst von meinen auserwähl­ten Seelen verachtetes Herz.»

[B 655] «Ich will, daß sich alles, was Ich dir gesagt habe, in der Welt verbreite, vor allem, daß die Priester des ganzen Universums Kenntnis erhalten von den Schriften, die an sie gerichtet sind. Es ist dringend, daß die Priester das werden, was sie alle sein müssen: Heilige, um der Welt dieses Jahrhunderts die Kata­strophen zu ersparen, die sie völlig vernichten wer­den, wenn ihr alle und jeder in euerm Leben Mir nicht den Platz einräumt, der Mir zukommt. Benutzt diese Warnung, die Ich euch gebe, weil ihr alle Meinem Herzen teuer seid. Wer weiß, es ist vielleicht das letzte Mal, daß es euch gegeben ist, eure Missetaten einzu­sehen und euch in euerm Leben, durch Opfer, Gebet und [B 656] Selbstverleugnung zu bessern, ehe der Tag kommt, da ihr vor Mir erscheinen müßt. Denn in dem Augenblick, da ihr es am wenigsten erwarten werdet, werdet ihr vor Mir erscheinen müssen, und ihr werdet Mir gegenüber Rechenschaft über euer gan­zes Leben ablegen müssen. Was werdet ihr Mir anzu­bieten haben, Meine armen Kinder, wenn ihr euer Leben nicht ändert? Beeilt euch also, erweckt auf­richtige Reue, und liebt Mich, wie Ich geliebt werden will; denn Mein Werk ist ein Werk der Barmherzig­keit und Liebe, vergeßt das nicht. Wartet nicht, bis es zu spät ist; denn früher als ihr glaubt, wird anstelle der Barmherzigkeit, die Ich euch heute anbiete, die Ge­rechtigkeit treten. Nutzt sie also, Meine Barmherzig­keit, Meine Kinder; denn davon hängt euer ewiges Glück oder Unglück ab, entsprechend der Wahl, die ihr treffen werdet; denn ohne euch werde Ich nichts tun für euch.»

«Ihr seid frei; Ich will euch nicht zwingen, Mich zu lieben, sondern Ich will, daß ihr Mich aus euch selbst ohne Zwang liebt, weil Ich der Einzige bin, der würdig ist, in euerm Herzen und in euerm Leben zu herr­schen; vergeßt das nie.»

* 158 *

Bei der Messe, sonntags, als vom Marienmonat gespro­chen wurde, hat Er gesagt:

[B 657] «Wenn du dich ein bißchen dazu zwingen würdest, könntest du dann nicht kommen?»

Ich entschuldige mich; ich hatte vergessen, dies zu schreiben; was mir (nun) plötzlich wieder in den Sinn gekommen ist.

* 159 *

[14. Mai 1955] «… Wenn Ich die Leute betrachte, emp­finde Ich einen Ekel angesichts ihres Betragens; denn zu oft führen sie sich auf wie ausgebrochene (wilde) Tiere, die nur darauf sinnen, ihre niederen Instinkte zu befriedigen, ohne auf die Mittel zu achten, derer sie sich bedienen, um zu ihrem Ziel zu gelangen. Wenn man sie so handeln sieht, würde man meinen, sie besäßen keine Intelligenz (Vernunft).»

«Ich habe dem Menschen den Verstand gegeben, damit er sich seiner bedient, um seine Triebe zu be­herrschen, die sich nicht von denen des gewöhnlich­sten Tieres unterscheiden. Anstatt sich seines Ver­standes zu bedienen, zieht es der Mensch vor, sich zu erniedrigen, [B 658] indem er seine Sinne und seine Natur in allen Wünschen und Gelüsten befriedigt. Der Mensch hat den Sinn für seine Verantwortlichkeiten und seine Pflichten verloren. Er ist sogar soweit ge­kommen, daß er den Daseinsgrund Meiner Sakra­mente verfälscht.»

«Wenn Ich den Mann und die Frau in der Ehe ver­einigt habe, und wenn Ich die Ehe zur Würde eines Sakraments erhoben habe, so gewiß nicht, um dem Mann die Gelegenheit zu geben, sich in all seinen Leidenschaften zu befriedigen. Unsinnige, die ihr seid, selbst in der Ehe seid ihr nicht auf Erden, um euch zu befriedigen, sondern um euch zu heiligen. Nehmt es euch zu Herzen: Ich will von einem jeden von euch nichts anderes, als eure Heiligung in Eurer Berufung, welche die eure ist, und zwar mit den Mit­teln, die euch zu Gebote stehen.»

«Selbst in der Ehe dürft ihr nichts aus Neigung (Ge­schmack) oder zum Vergnügen tun. Wenn die Ver­einigung von Mann [B 659] und Frau aus Liebe zu Mir vollzogen würde und mit dem alleinigen Zweck, die Auserwählten zu vermehren, gäbe es auf der Erde nicht so viele unglückliche Kinder, die an allem Mangel leiden, zusammengepfercht in den Häusern des Elends, wo sie allen Gefahren und allen Lastern ausgesetzt sind.»

«Wehe euch allen, die ihr die Begierden eures Flei­sches nicht im Zaume halten könnt, und die ihr es vorzieht, eure niederen Instinkte zu befriedigen, ohne euch um die Folgen eurer Taten zu kümmern. Ihr müßt alle euer Fleisch abtöten, wenn ihr euch retten wollt; sonst werdet ihr alle zugrundegehen.»

[B 660] «Das muß aufhören, und die Welt muß sich ändern, sonst werde Ich Mich für eure Weigerung, Mich anzuhören, rächen. Höret auf, die Sakramente lächerlich zu machen, die euch nicht zur Zier zur Verfügung stehen, sondern um euch zu heiligen.»

«Das Bußsakrament, was macht ihr aus ihm? Die meisten bedienen sich dieses Sakraments wie der üb­rigen, oder dann, wenn man die Gewissensbisse nicht mehr aushalten kann. Man beichtet seine Sünden, ohne an das zu denken, was man sagt, und kaum ist man aus dem Beichtstuhl herausgetreten, fällt man wieder in die gleichen Laster zurück. Warum denn? Weil ihr alle Heuchler und Lügner seid; ihr habt in euerm Herzen nicht den geringsten Schimmer von Aufrichtigkeit und nicht den leisesten Wunsch, euch zu bessern, denn da, wo Ich Aufrichtigkeit sehe, gebe Ich stets die notwendige Kraft, dem Bösen zu wider­stehen und sich aus dem Griff der Laster zu befreien. Wehe euch! Wehe, Meine Kinder! Ihr habt alles, um euch zu retten, [B 661] um euch zu heiligen; Ich habe euch alles gegeben, und wenn ihr nicht dahin gelangt, tadelt niemand anderen als euch. Eure Verachtung der Sakramente wird euch teuer zu stehen kommen, macht euch darauf gefaßt.»

«Und die Eucharistie? Es ist in diesem Sakrament, in dem Ich am meisten Schmach und am meisten Be­leidigungen erfahre. In welcher Verfassung tritt man zu diesem heiligen Gastmahl herzu? Um dem Kir­chengebot zu genügen? Nein, sondern aus Routine; man muß doch tun wie jedermann. Man nimmt Mich auf in ein Herz, in dem Ich vom Gestank der Laster und der Sünden ersticke, die nicht getilgt sind, weil sie nicht bereut oder gebeichtet wurden, oder in gleichgültige Herzen, die nicht einen Augenblick in­nehalten, um an diese unendliche Gunst zu denken, die Ich ihnen erweise, [B 662] wenn Ich mich so tief erniedrige, daß Ich in ihre Herzen hinabsteige.»

«Wie viele dieser Herzen empfangen Mich mit Lie­be und Dankbarkeit? Die Welt denkt nicht genug darüber nach, was sie tut; das ist es, was sie ins Ver­derben treiben wird.»

«Man hat keine Zeit mehr, innezuhalten, um nach­zudenken und sein Herz zu durchforschen. Man hat gerade die Zeit, möglichst viele Genüsse zu verko­sten. Man empfindet einen schrecklichen Schmerz, wenn man ein Vergnügen oder eine «Party» verpaßt, doch Mir, der Ich verhöhnt, verachtet und verleugnet werde, welche Beachtung schenkt man Mir? Man kümmert sich nicht um Mich. Man behandelt Mich wie einen Gips- oder Wachs-Gott, der unempfindlich ist für alle Beleidigungen, die er erhält. Ich bin nicht unempfindlich. Mein Herz ist aus Fleisch wie das eure, und es leidet, seufzt und weint unter euern Schlägen. Doch seht euch vor: der Kelch fließt über; Ich kann nicht noch mehr ertragen. Mein Herz fühlt sich angewidert und ist erzürnt über euer Benehmen. Die Empörung wallt auf [B 663] in Mir, und Ich werde euch alle unerbittlich heimsuchen.»

«Einzig Meiner Mutter ist es gelungen, dieses ge­marterte Herz zu besänftigen und es dazu zu bringen, noch Geduld zu üben, indem Sie Mir sagte, daß die Welt sich bald ändern werde, daß Ich noch ein wenig abwarten solle, ehe Ich streng verfahre mit der herz­losen Welt, die sich lustig macht über Mich, indem sie Meine Gesetze ins Lächerliche zieht. Doch bald wird Mein Zorn ausbrechen; wehe dann euch allen, die ihr euch geweigert haben werdet, Mich zu hören.»

«Ich sage es euch: laßt ab von all euern Vergnügen, selbst von den harmlosen, entsagt euerm Eigensinn, euern Wünschen, euern Befriedigungen; tut Buße, kasteit euern Leib und euer Herz. Entsagt allen sinn­lichen Befriedigungen; denn wenn ihr nicht auf alles verzichtet zur Sühne für eure Sünden, und die Widerwärtigkeiten, die Mühsale, die Leiden nicht an­nehmt aus Liebe zu Mir, werde Ich nicht einmal den kleinen Finger rühren, um euch zu retten, und ohne Mich werdet ihr unrettbar verloren sein.»

«Beeilt euch, die Zeit drängt. Nutzt Meine Barmherzigkeit; denn Ich sage euch: Ich werde alle eure Sünden vergessen, im Tausch gegen eine auf­richtige Liebe und Reue. Profitiert also, Meine klei­nen Kinder, von dem, was Ich euch anbiete; denn dies ist vielleicht das letzte Mal, daß euch dieses Angebot gemacht wird. Die Zeit der Barmherzigkeit geht zu Ende. Es wird bald die Zeit der Rache und der Ge­rechtigkeit kommen.»

«Ich weiß nicht mehr, wohin Ich gehen soll, Ich, der Herr der Welt. Ich finde nirgends einen Zufluchtsort. Alle Herzen sind Mir verschlossen, oder man verwei­gert Mir den Zutritt, oder, wenn man Mich eintreten läßt, finde Ich einen kalten Ort, bar jeder Liebe. Im­mer stoße Ich auf Gleichgültigkeit, auf beißenden Spott, auf Verachtung, und sogar auf Haß. Siehst du, wie sehr Ich deines Herzens bedarf, kleine Tochter, um Mich darin zu verbergen und Mich vor all diesen Schlägen zu schützen, die die Welt Mir verabreicht?»

«Wenn Ich dein Herz habe, um Mich darin zu verbergen, werden Mir die Schläge weniger hart erscheinen, und die Beleidigungen weniger schmerz­lich. Du kannst es nicht abschlagen, Mich aufzuneh­men, du, Mein kleines Kind; Ich habe dir alles gege­ben; ist es nicht Gerechtigkeit heute, daß Ich alles von dir verlange? Ich brauche dich, Kleine. Ich brau­che so sehr Liebe, um die Verachtung auszugleichen, die Mir die Mehrheit der Menschen, selbst die auser­wählten Seelen, entgegenbringen. Ich kann Mich so­gar nicht einmal mehr auf die Herzen Meiner Priester verlassen, denn viele von ihnen sind ebenfalls vom Fieber dieses unglücklichen Jahrhunderts gepackt, eingenommen von allen Leidenschaften, von allen Lastern und allen Verbrechen.»

«Das größte Meiner Sakramente ist das der Prie­sterweihe. Im Grunde genommen sind es die Priester, die für die Mir am Nahestehendsten gehalten werden, weil sie Mich besser kennen. Was geschieht (aber) heute? Um die niedersten Leidenschaften ihres Her­zens zu befriedigen, zögern einige dieser Priester nicht, ihre Gelübde zu verleugnen, um sich allen Schandtaten hinzugeben. Erbärmliche Menschen! Ich werde euch unter Meinem Zorn zermalmen. Auf euch habe Ich Mein Vertrauen gesetzt; was tut ihr?»

[B 666] «Ihr nützt es aus, um Mich zu hintergehen. Mit eurer Feigheit und euerm schlechten Beispiel führt ihr die Welt in den Abgrund.»

«Haltet ein, es ist Zeit. Macht euch wieder auf den rauhen Weg, ohne jede menschliche Kompensation, auf den Weg, der der eure sein muß. Entsagt euch, ka­steit euch, und beeilt euch durch euer Beispiel und eure Ermahnungen die Herzen zu Mir zu führen.»

«Die Welt muß sich ändern, und zwar schnell; denn Meine Geduld erschöpft sich, und der Zorn wächst an in Meinem aufgrund der Unwürdigkeit und der Sorg­losigkeit jener erbitterten und verwundeten Herzen, die damit beauftragt sind, Mich der Welt bekanntzu­machen …».

* 160 *

[B 668, 16. Mai 1955] «Mögen alle diese Gleichgülti­gen, die glauben, daß weil sie ohne Sünde sind, sie nicht ein Mehrfaches zu leisten haben, um zu Mir zu gelangen, ihren Irrtum erkennen; denn wenn ihr Mich nicht aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und mit allen euern Kräften während eures Lebens geliebt habt, werdet ihr niemals bis zu Mir gelangen. Ihr müßt allem entsagen, um Mir zu gefallen und um Mich zu lieben, wie Ich geliebt werden will von allen und je­dem, wer ihr auch seid, und welches auch eure Lage und Stellung sei in der Welt.»

«Ich wiederhole es euch: die Gleichgültigen, die Unbekümmerten und die Nachlässigen sind Mir nicht wohlgefällig, und Ich werde sie fortstoßen von Mir, wenn die Stunde der Gerechtigkeit kommt. Ich werde geradeso streng und unerbittlich sein mit ihnen, wie Ich es sein werde mit den verhärtetsten Sündern.»

«Entschuldigt euch also nicht, indem ihr sagt, ihr hättet keine Sünde. Wer von euch hat sich keine ein­zige Sünde vorzuwerfen? Er muß (auch) dann sein Leben damit zubringen, Buße zu tun, um diese Sünde zu sühnen, wenn er nur eine einzige in seinem Leben begehen sollte; denn vergeßt es nicht: ihr müßt selbst die geringste der Beleidigungen sühnen, [B 669] die ihr Mir zufügt, ehe ihr eingehen könnt in die himmli­sche Wohnung.»

«Beeilt euch also; denn nur diejenigen können bei Mir Aufnahme finden, die ihr ganzes Leben darauf abgestellt haben, Mich zu lieben, indem sie auf ihre Neigungen verzichteten, auf ihre Launen und auf ih­ren Willen, indem sie aus Liebe zu Mir die Mühen, die Schmerzen, die Widerwärtigkeiten, die Demütigun­gen aller Art angenommen haben.»

«Ihr könnt euch nicht allen euern Leidenschaften hingeben, im Luxus und Komfort leben, gar oft, indem ihr die Armen und die Notleidenden verachtet, die an eure Türe klopfen, und hernach vorgeben, Mich zu lieben.»

«Ihr seid Heuchler; denn wenn ihr Mich liebtet, würdet ihr nicht einen einzigen Augenblick so leben können, wie es euch beliebt, und es zulassen, daß euerm Bruder das Notwendigste fehlt, ohne das er nicht existieren kann.»

«Welch ein äußerst betrübliches und herzzerrei­ßendes Schauspiel für Mein Herz, diese Seelen, die, ohne Halt zu finden, in den Abgrund stürzen, wo sie für immer und ewig fern sein werden von Mir. [B 670] Der größte Teil dieser Seelen lebte dennoch nicht im Zustand der (Tod-)Sünde, sondern sie waren von einer verächtlichen Gleichgültigkeit Mir gegenüber und haben es vorgezogen, ihr ganzes Leben lang ihre eigene Befriedigung zu suchen, statt all ihren Eigen­sinnigkeiten zu entsagen und jeden Tag zu versuchen, sich Mir zu nähern, durch Verzicht auf das irdische Glück.»

Fortsetzung folgt!

_______

Quelle: „DER WEG, DER ZUM LEBEN FÜHRT – Das Tagebuch von Gaby, Band I – Offenbarungen JESU aus dem Jahre 1955 an eine kanadische Mutter und Hausfrau. Ein dramatischer Appell Gottes an die ganze Welt zur Umkehr, zur Buße und Sühne, ehe es zu spät ist … Eine erschütternde Warnung vor dem Schrecklichen, das unser harrt, wenn wir uns nicht alle endlich bekehren. – Für die kanadischen Herausgeber übersetzt von Paul O. Schenker, Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell

DER WEG, DER ZUM LEBEN FÜHRT … (Das Tagebuch von Gaby) – Folge 07

* 127 *

[B 538] Bei der Kommunion sage ich immer: «Mein Gott, ich bete Dich an in Deiner Gegenwart in mir mit Deinem Leib, Deinem Blut und Deiner Gottheit.» Dann sagt Er:

«Bei dir, liebst du Ihn?»

Ich sage Ihnen, je weiter das geht, desto schlimmer wird es, finden Sie nicht? Ich dachte nachher: «Herr, all dies ist Torheit, befreie mich davon.» Er hat gesagt:

«Nichts gefällt Mir so sehr wie diese Art von Tor­heit. Wann endlich wirst du es verstehen?»

Das ist immer die Antwort, die Er mir gibt, wenn ich Ihm dies sage, und ich sage es Ihm oft. In meinen Gebe­ten am Abend sage ich Ihm immer Folgendes; [B 539] es sind nicht immer genau diese Worte, aber es bedeutet das gleiche: «Herr, ich verstehe nichts von dem, was mir geschieht; wenn es wahrhaft Du bist, der zu mir spricht, werde ich es nie begreifen, weil Du Dich bis zu mir hinabneigst; denn ich weiß, daß ich nichts wert bin. Und anderseits, wenn es Einbildung ist, wenn ich verrückt bin, bitte ich Dich darum, Herr, gestatte nicht, daß dies mich jemals von Dir entferne; denn Du weißt es: alles was ich will ist, Dich so zu lieben wie Du geliebt werden willst. Auf alle Fälle danke ich Dir für alles, was Du mir gibst, selbst für diese Torheit, wenn es eine ist, die mich Dich hören und sehen läßt; ich werde niemals all dessen würdig sein, was immer ich tue. Ich habe Dir als Gegen­gabe nichts anderes anzubieten als mein Herz, meinen Geist und mein Leben; mache damit, was Du willst. Ich bin bereit zu bezahlen, was Du entscheiden wirst; doch laß mich nie ganz allein; denn Du weißt um die Torhei­ten, deren ich fähig bin ohne Dich.»

«Ich verlasse mich also auf Deine Hilfe. Ehrlich ge­sagt, [B 540] ich fürchte sehr, daß Du es bist, der all das tut, Herr.»

«Das macht Mir nichts. Alles was Ich von dir ver­lange, ist Mich zu lieben und vereint zu bleiben mit Mir alle Augenblicke deines Lebens, und dies sowohl in der Freude wie im Schmerz; es wird öfter im Schmerze sein; doch mache dir deswegen keine Sorgen. Vor allem, versuche nicht zu verstehen, du wirst es nie können. Gib dich damit zufrieden, Mich zu lie­ben, und überlaß Mir den Rest; Ich werde dafür sor­gen. Erinnere dich, daß du nichts von dem verdienst, was Ich dir gebe. Es ist eine Wirkung Meiner Barm­herzigkeit und Meiner Liebe gegenüber dem Nichts, das du bist; vergiß es nie, Kleine.»

* 128 *

[22. April 1955] «Wo warst Du, Herr, gestern abend? Ich spürte Dich nicht bei mir.»

«Habe Ich dir nicht vorausgesagt, daß du Meine Gegenwart [B 541] nicht immer fühlen wirst; doch selbst in dieser Zeit bin Ich da und beobachte, wie du dich aufführst, wenn du Mich nicht fühlst. Unterlaß niemals etwas, was du tun mußt, unter dem Vorwand, daß du Mich nicht bei dir fühlst. Du mußt Vertrauen haben und wissen, daß Ich selbst dann, wenn Ich nicht zu dir spreche, immer da bin. Ich will nicht, daß du einen einzigen Augenblick daran zweifelst, kleine Tochter, verstehst du? Denn der Zweifel verletzt Mich zutiefst. Ich habe es dir gesagt: du wirst Tage großer Dunkelheit zu durchgehen haben, da du den Eindruck haben wirst, daß Ich dich verlasse; du wirst deswegen seelisch viel leiden; denn Meine Gegenwart wird für dich so notwendig werden, wie der Atem, den du brauchst, um zu leben. Aber laß in dieser Zeit nie den Mut sinken und gib den Zweifeln, die dein Herz befallen wollen, keinen Raum. Opfere Mir dieses dein Herzleiden auf; [B 542] denn das ist ein Teil der Süh­ne. Du denkst vielleicht nicht daran, aber die Stunde der Sühne hat geschlagen, und schon werden alle deine Leiden und sogar die geringsten Widerwärtig­keiten, die du zu ertragen haben wirst, in die Waag­schale der Sühnung gelegt. Ertrage alles für Mich, zur Sühne für die Sünden und für die der Priester, Klei­ne.»

«Indes, Kleine, wenn die Stunde der großen körper­lichen Leiden schlägt, wirst du diesen Seelen- und Herzensfrieden finden, der dann deine Stärke sein wird, um das zu ertragen, was du zu leiden haben wirst.»

«Mögen alle diese Leute, die vorgeben, für Mich nichts weiteres zu tun zu haben, weil sie ohne Sünde seien, aus ihrem Irrtum heraustreten, weil Ich die Gleichgültigen nicht liebe, die Mir – (auch) ohne Mich zu beleidigen – nichts opfern. Sie gestatten sich all ihre Launen, tun nur ihren Willen. Selbst wenn sie nichts [B 543] meinen Gesetzen Zuwiderlaufendes tun, gefallen sie Mir dennoch nicht, weil Ich weiß, daß Ich in ihren Herzen nichts bin.»

«Sie suchen, diese, die Hölle zu meiden, und gleichzeitig die Opfer und die Verzichte zu umgehen, die sie sich auferlegen müßten, um zu Mir zu gelan­gen. Wenn ihr nicht auf alle eure Neigungen, auf alle eure Befriedigungen, eure Vergnügen, eure Launen verzichtet, werdet ihr euch niemals bis zu Mir auf­schwingen können; denn alles, was ihr euch weigert, um Meinetwillen aufzugeben, selbst ohne böse (schlecht) zu sein, wird euch stets daran hindern, euch bis zu Mir zu erheben. Denn wenn ihr Mich lie­ben wollt, müßt ihr darauf verzichten, eure Wünsche zu befriedigen.»

«Wenn euer Herz und Geist ausgefüllt ist mit Baga­tellen, mit Nichtigkeiten, wenn ihr eure Liebe bald hierhin, bald dorthin verteilt, was wird euch für Mich verbleiben? [B 544] Ich werde Mich niemals zufrieden geben mit den Resten eurer Liebe. Ich will der Erst­bediente und der Erstgeliebte sein; denn vergeßt es nicht: die lauen und glutlosen Herzen werden nie in Mein Reich eingehen. Um bei Mir zugelassen zu wer­den, muß man Mich lieben, und um Mich zu lieben, müßt ihr euch von allem entledigen, was euer Herz und euern Geist behindert.»

«Möge derjenige, der ohne Sünde ist, sich vorse­hen; denn daß er ohne Sünde ist, ist für ihn noch keine Sicherung des Heils. Ich will Liebe; Ich liebe nicht die kalten und gleichgültigen Herzen. Eines Tages werde Ich es müde sein, auf diese Liebe zu warten, die ihr Mir schuldet, und Ich werde euch euch selbst über­lassen, euch alle, die ihr euch sicher glaubt, weil ihr ohne Sünde seid. Dann werdet ihr in Schändlichkei­ten fallen, die ihr vermieden hättet, wenn ihr nur für Mich diese Liebe gehabt hättet, die ihr Mir verwei­gert.»

[B 545] «Nehmt euch in Acht, seid nicht so einge­bildet, und betrachtet die Sünder nicht mit den Augen der Verachtung, weil ihr selbst nie gesündigt habt. Denn vergeßt niemals, daß Ich Mich über die verhär­tetsten Sünder mit mehr Liebe und Sorge neige als über jene, die Mich nie beleidigt haben, die Mich je­doch deswegen um nichts mehr lieben. Ich will Liebe. Tut alles aus Liebe zu Mir; nur so könnt ihr die Ge­wißheit haben, Mir zu gefallen und auf dem guten Weg zu sein, um zu Mir zu gelangen.»

«Begreift denn, solange noch Zeit ist! Wartet nicht zu, bis es zu spät ist für euch; denn alles auf Erden hat ein Ende; vergeßt es nicht, und hängt euch nicht an sie, wie wenn ihr für immer hier bleiben müßtet; denn ihr wärt sonst die Törichtesten. Ihr seid auf der Erde für kurze Zeit nur; wählt also den Weg, [B 546] der euch zum Leben führen wird, das ewig dauert, und dessen Quell Ich bin. Kommt also zu Mir, und gebt Mir diese Liebe, die Ich so sehr wünsche, und die Mich so viel gekostet hat.»

* 129 *

[23. April 1955] Ich hatte keine Zeit, etwas zu sagen; da hat Er gesprochen:

«Hast du nichts zu sagen? Ich weiß, was dein Pater gesagt hat. Schreibe dies: «Wenn dein Pater sich so quält, um zu wissen, wo er steht, verliert er eine kost­bare Zeit, die er dazu verwenden müßte, Mich mehr zu lieben. Er möge sich die Stelle des Evangeliums in Erinnerung rufen, wo von jener Frau die Rede ist, die sich peinigte, weil sie wissen wollte, wo ihre beiden Söhne im Himmel plaziert sein würden, und die mich bat, sie alle beide an Meine Seite zu nehmen, den einen zu Meiner Linken, den andern zu Meiner Rech­ten; was habe Ich ihr gesagt?»

[B 547] Ich, ich weiß nicht; er hat es nicht gesagt.

«Sucht also nicht zu wissen, was auf Erden zu wis­sen euch schaden würde. Solange er den Eindruck hat, daß er nicht vorankommt, möge er im Frieden bleiben; jedoch wenn er sich auf dem Gipfel der Voll­kommenheit angelangt wähnt, wird es Zeit für ihn sein, sich zu beunruhigen. Habe Ich es nicht gesagt: ‹Wer sich aus sich selbst die ersten Plätze zumißt, wird auf die letzten verwiesen werden.›»

«Ich wiederhole es euch, Meine kleinen Kinder, wenn ihr alle diese Schlichtheit des Herzens habt, werdet ihr alle Meine Anwesenheit fühlen; ihr er­schwert die Dinge selbst. Euer Glaube ist nicht groß genug, ebenso eure Liebe. Wenn ihr feststellen wer­det, daß es euch unmöglich ist, noch mehr Glaube und Liebe zu haben, als ihr schon besitzt, so sage Ich euch, daß es (selbst dann) nicht genug ist; denn ich sage euch: [B 548] ‹Wenn ihr glaubt, alles getan zu haben für Mich, werdet ihr (noch) mehr tun müssen; denn ihr werdet noch nichts getan haben.› Er möge sich selbst prüfen und sehen, ob er das, was er tut, nur für Mich tut. Was hat er zu befürchten; er ist in Mei­ner Liebe.»

«Ich will, daß ihr alles, was ihr tut, für Mich tut, und Ich will die einzige Beschäftigung eures Geistes und die einzige Liebe eures Herzens sein.»

«Ihr habt alle eure Kreuze zu tragen; doch, Meine armen Kinder, ihr seid es so gewohnt, nach euren Neigungen zu handeln, daß ihr, ohne es zu merken, möchtet, daß Ich selbst euer Kreuz nach eurem Ge­schmack mache.»

«Es ist ein Leiden für ihn, den Trost Meiner Ge­genwart nicht spürbar zu fühlen, wie es für dich härter sein wird, sie nicht mehr zu fühlen, wenn du dich ver­lassen fühlen wirst, und dies, weil du die Schwächste bist und weil dein Glaube weniger groß ist.»

[B 549] «Den vernünftigeren Kindern überträgt man manchmal mehr Verantwortung, ohne dafür jedoch eine Kompensation zu gewähren; das will (dann) nicht heißen, daß man sie deswegen weniger liebt; im Gegenteil: er möge darin einen Beweis Meines Ver­trauens und Meiner Liebe sehen. In all dem, was du geschrieben hast, kann er leicht das finden, was Ich von dir erwarte. Wenn Ich dich in seine Hände gege­ben habe, so deshalb, damit er dich führe und damit er selbst das finde, was Ich von dir will. Er möge also nichts befürchten, er ist sich dessen vielleicht nicht fühlbar bewußt, doch Ich zeige ihm immer, was er tun muß; denn, wer immer ihr auch seid, ihr könnt nichts tun ohne Mich; vergeßt es nie.»

«Er hat den Eindruck, sagt er, vor dem Nichts zu stehen, weil es ihm scheint, daß Ich ihn manchmal nicht höre, oder daß Ich nicht schätze, was er für Mich tut; [B 550] wäre das nicht ein Mangel an Glau­ben seinerseits?»

«Ist die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind, das 20 Jahre alt ist, weniger groß, weil sie sich um ein ganz Kleines zu kümmern hat? Indes, dem Anschein nach ist sie stets (nur) mit dem Kleinsten beschäftigt. Ver­steht ihr nicht? Ihr seid alle Meine Kinder, und wenn ihr Meine Gesetze beachtet und alles aus Liebe zu Mir tut, dann beunruhigt euch wegen nichts; beflei­ßigt euch vielmehr, jeden Tag ein wenig besser zu handeln und mehr zu geben; das ist alles, was ihr zu tun habt, um Mir zu gefallen.»

* 130 *

Als ich heute morgen auf dem Weg zur Kirche war, um der Messe beizuwohnen, hat Er mir gesagt:

[B 551] «Liebst du Mich?»

Ich habe gesagt: «Ja, Herr», und dann hat Er mir ge­sagt:

«Bist du sicher, daß du Mich liebst?»

Dann habe ich Ihm gesagt: «Zeige ich es Dir nicht?»

«So wenig, Kleine.»

«Was soll ich tun, Herr?»

«Liebe Mich mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit allen deinen Kräften, und besei­tige aus deinem Herzen alles, was dich – und wäre es auch noch so wenig – von Mir entfernen könnte.»

«Ach Herr! Wie bist Du doch (so) eigensinnig!»

«Kleine Tochter, vergiß nicht, daß Ich der Einzige bin, dessen Eigensinn du dich unterwerfen mußt.»

* 131 *

Da waren kleine Vögelchen auf dem Gehsteig, welche Federn sammelten; da hat Er, ich weiß nicht warum, ge­sagt:

«Sieh diese kleinen Vögelein, ihnen fehlt [B 552] nie etwas; was würde Ich nicht für dich tun, die Ich zärt­lich liebe?»

Ich verstehe nichts davon; Sie aber, mein Pater, Sie verstehen an meiner Statt, so ist es gleich.

* 132 *

[24. April 1955] «Ihr seid nicht auf der Erde, um mög­lichst viel Glück zu suchen, sondern im Gegenteil, um möglichst viel davon auszustreuen, um die Ernte da­von im anderen Leben einzubringen, welches dann aber für immer dauern wird, während euer Leben auf Erden vergänglich ist. Denkt wohl daran: ist es nicht besser für euch, auf das irdische Glück zu verzichten, wenn ihr das Glück haben möchtet, eines Tages Mei­ne Herrlichkeit zu teilen?»

«Diese Aussicht auf Verzicht und Opfer wird eurer menschlichen Natur, [B 553] die an das Genießen und alle Arten von Vergnügungen gewöhnt ist, stets zuwi­der sein. Ein von täglichen Verzichten erfülltes Leben ist nicht ein Leben, wie ihr es haben möchtet; doch vergeßt nicht, daß es das Meinen Wünschen entspre­chende Leben ist, wie ihr es leben müßt, und nicht gemäß den euren.»

* 133 *

Das kleine Mädchen, das gekommen war, um bei uns etwas zu essen zu holen, ist gestern gekommen, und ich wußte nicht, ob ich ihr etwas geben sollte. Im Innersten meines Herzens habe ich gehört:

«Ich bin es, den du in allen Armen erblicken mußt.»

Dann habe ich ihr für gestern etwas gegeben. In Zu­kunft werden Sie mir sagen, was ich tun soll. Nachdem sie fortgegangen war, fragte ich mich, ob sie wirklich in Not war; da hat Er gesagt:

[B 554] «Wenn du ein Liebeswerk vollbringst, dann kümmere dich nicht darum zu erfahren, ob ein wirk­licher Bedarf dafür besteht oder nicht; tue, wie wenn Ich es wäre, dem du gibst, und Ich werde dir die Mild­tätigkeit aus Liebe zu Mir hundertfältig vergelten. Denn wehe diesem schlechten Armen, der ein freige­biges und wohltätiges Herz mißbrauchen würde; sein Los wird kaum besser sein als das des Wohlhabenden, der sich weigert, seinen Überfluß mit den weniger Be­güterten zu teilen. Beunruhige dich also nicht deswe­gen; Mir steht es zu, die Herzen zu sondieren.»

Nachdem ich Ihren Brief gelesen hatte, glaubte ich zu hören:

«Möge dein Pater immer ausharren und niemals von dem Weg abweichen, den er jetzt geht. Was Mir vor allem bei Meinen Priestern gefällt, ist, daß sie möglichst viel Seelen zu Mir zurückbringen. Ist es nicht deshalb, daß Ich sie in Meiner Nachfolge ausge­sandt habe als Meine Stellvertreter in den Augen al­ler?»

«Was deinen Pater betrifft, möge er also alles daran setzen, was er geben kann, indem er sich bemüht, je­den Tag ein wenig mehr zu tun, [B 555] und was ihm fehlen wird, werde Ich ersetzen. Er möge darum im Frieden bleiben, solange er alles tut, was ich von ihm verlange, und das ist alles, was erforderlich ist, um Mir zu gefallen. Selbst wenn er scheinbar das Ergeb­nis aller seiner Bemühungen nicht sieht, möglichst viele Seelen zu Mir zurückzubringen, möge er sich nicht damit abquälen zu erfahren, ob er Mir gefällt. Sicher ist er Mir wohlgefällig, weil er aufrichtig ist in der Anstrengung, die er jeden Tag unternimmt, indem er versucht, Seelen an Mich zu ziehen. Selbst wenn dies keinerlei Resultat zeitigen sollte, wird er in Mei­nen Augen stets Gnade finden, weil er für Mich arbei­tet. Alles, was Ich von deinem Pater will, ist, daß er je­den Tag daran arbeitet, sich zu heiligen, indem er das übt, was Ich dir gesagt habe. Er möge es auf sich und auf die andern anwenden.»

[B 556] «Er möge sich auch bemühen, möglichst viele Seelen dazu zu bringen, sich durch die Sühnung ihrer eigenen Sünden aufzuopfern, und vor allem für die Heiligung der Priester und mehr noch für die Rückkehr dieser Priester, zu Mir, die Mich mit ihrem Wandel verstoßen, und auch für diese kalten und gleichgültigen Priester, die, weit entfernt, Mir Seelen zurückzugewinnen, nicht einmal den Versuch ma­chen, sich bis zu Mir zu erheben und Mich zu lieben, sondern sich im Luxus, im Komfort, in Vergnügungen aller Art einnisten und Mich verschmähen, um sich den Geschöpfen zuzuwenden.»

«Wenn ihr das unermeßliche Leid Meines Herzens kenntet angesichts dieses Schauspiels, das Mir diese Priester bieten, deren Sorglosigkeit und Nach­lässigkeit in ihren Pflichten dazu beiträgt, so viele Seelen von Mir fernzuhalten und zu verlieren. Es ist Zeit, daß das anders wird und daß das Licht der Welt seinen vollen Schein gibt, wenn verhindert werden soll, [B 557] daß die Welt in Trümmer fällt!»

«Arme Kinder, wenn ihr wüßtet, was heute über euern Häuptern schwebt; ihr würdet nicht einen ein­zigen Augenblick zögern; doch Ich werde euch nicht mehr sagen als dies.»

«Wenn ihr nicht Buße tut, wenn ihr nicht Abtötung übt und Verzicht, eilt die Welt in ihr Verderben.»

«Wenn die Priester vor allem nicht wieder ihre Po­sten einnehmen und den andern nicht das Beispiel zu all dem geben, was Ich euch lehre, wird eure Trostlo­sigkeit groß sein, um so größer, als sie ewig sein wird. Ich kann unter Meinen Priestern nicht genügend mit einem hingebungsvollen Herzen finden, die bereit sind, Mich zu lieben und Mir alles zu opfern. Deshalb irre Ich wie ein Bettler überall in der Welt umher, um diese Liebe bettelnd, die Ich von allen erhalten will, und die dennoch so rar ist.»

«Mein Herz ist es überdrüssig und müde, zu warten und zu suchen; denn es sind ihrer so wenige, die an­nehmen, was Ich will, [B 558] so daß dieses (Mein) Herz im Begriffe steht, sich zu verschließen, und ihr werdet dann anstelle des barmherzigen Gottes, der euch Seine Arme entgegenstreckt, einen richtenden und sich rächenden Gott sehen.»

«Wartet deshalb nicht zu, bis es zu spät ist, Meine kleinen Kinder; gebt Mir diese Liebe, die Mir ge­bührt; ist es denn so schwierig für euch, Mich zu lie­ben?»

«Habe Ich nicht alles getan, alles gegeben? Soll Mein Opfer für so viele Menschen nutzlos bleiben? Beeilt euch denn, Meine Kleinen; denn die Zeit ist jetzt (nur mehr) kurz, und die Gerechtigkeit wird an die Stelle der Barmherzigkeit treten. Denket daran, daß Ich das Heil aller Sünder will und nicht ihren Un­tergang, und daß alle kalten Herzen sich beeilen, sich am Feuer Meiner Liebe zu erwärmen; denn ihr werdet alle nach der Liebe gerichtet werden, die ihr Mir hier unten gegeben haben werdet.»

* 134 *

[B 559] Ich war zum Krankenhaus gegangen, um eine Frau zu besuchen, und als sie mir ihr Leiden klagte, drückte sie mir die Hände, und ich schaute sie entmutigt an. Ich wußte nicht, was ich tun sollte; da habe ich zu mir gesagt: «Herr, ist es wirklich notwendig, daß sie so sehr leidet; es scheint mir, daß sie genug ertragen hat? Hab Mitleid mit ihr, und, wenn es nötig ist, daß dies fortdaure, gib ihr dann den nötigen Mut, es zu ertragen, und vor allem, mach, daß sie daran denkt, daß sie es für Dich er­trägt; auf diese Weise wird es ihr zu etwas nützlich sein.»

Da – ach sagen Sie mir, daß ich von Sinnen bin, es wird mir nicht weh tun -, aber da habe ich anstelle des Gesichts dieser Frau das gleiche Antlitz gesehen wie in der Hostie dort in der Kapelle, nur in gewöhnlicher Größe, wie Sie und ich, [B 560] und welch ein Leiden war da auf diesem Gesicht, das schrecklich anzusehen war, so sehr war es entstellt! Er hatte die Augen geöff­net, und dieser Blick, nie werde ich ihn vergessen. Dies hat kaum einige Sekunden gedauert, gerade so lange, um es zu sehen, doch das genügte. Ich hatte alle Not der Welt, nicht zu weinen. Er hat mir gesagt:

«Du beklagst dich über ihre Leiden, und Ich, glaubst du, daß Ich nicht gelitten habe?»

Es ist nicht zu sagen, was ich während eines Augen­blickes fühlte. Es ist geradezu einfach heute; ich hatte nicht die Zeit, etwas an meinen Arbeiten zu tun.

Ich bin von 8.30 Uhr für bis 15 Uhr im Spital geblie­ben. Nun! Ich bin heute abend müder, wie wenn ich das Haus vom Keller bis zum Giebel gemalt hätte. Werden Sie mir heute sagen, daß dies genügt, daß ich nicht mehr an all das denken soll?

Es gibt Zeiten, da ich es fast wünschte, so sehr habe ich manchmal Angst. Ich fühle mich feige und mutlos angesichts des Leidens, das eines Tages mein Anteil sein wird. [B 561] Ich will nicht an all das denken; ich weiß, daß Er mir helfen wird; denn allein, glaube ich, wäre ich nicht einmal fähig, ein kleines Kopfweh zu ertragen.

Es ist unbegreiflich, daß Er mich nimmt, mich, die ich so wenig an das Opfer und das Leiden gewöhnt bin, während Er leicht andere hätte finden können, die ihr Leben damit verbracht haben, sich auf alle Weisen abzu­töten. Es scheint mir, daß diese viel besser getan hätten als ich. Im Grunde ist es Feigheit, all dies; ich möchte das Leiden fliehen; ich habe aber Rechnungen zu beglei­chen, und welche! Ich möchte Ihnen sagen können, daß ich stark bin, daß ich keine Angst habe; doch ich will Vertrauen haben in Ihn und Ihm mit Seiner Hilfe zeigen, daß ich Ihn mehr liebe als alles andere, und so für das Böse Wiedergutmachung leisten, das ich Ihm angetan und das die anderen Ihm zugefügt haben durch meine Schuld. Verzeihen Sie mir diese Schwäche. Danke.

* 135 *

[B 562, 27. April 1955] «Ist kein Platz für Mich diesen Morgen? Willst du Mich nicht?», hat Er mir gesagt.

«Du brauchst keinen Platz, Du bist ein Geist!», habe ich geantwortet.

«Wenn Ich nur ein Geist wäre, würdest du Mich (dann) sehen, selbst im Geiste? Wenn es irgendeine andere Person wäre, die um den Platz bäte, würdest du ihn ihr geben. Tue ebenso für Mich, Kleine.»

«Ich fühle mich lächerlich; die Leute werden mich für verrückt halten», habe ich gesagt.

«Immer die Leute der Welt. Wann endlich wirst du aufhören, dich um die Meinung der anderen zu küm­mern, und wirst du lernen, das zu tun, was man dich heißt, ohne zu verstehen zu geben, daß du dieses oder jenes auf andere Weise vorziehen würdest?»

«Gehorche, ohne zu verstehen, und liebe Mich, ohne zu verstehen zu suchen; dies wird hart sein für deinen Stolz, deinen Hochmut und deinen Willen; aber all das muß gebrochen werden, [B 563] um Mir zu gefallen und um in vollkommener Unterwerfung un­ter Meinen Willen zu leben. Wenn dir etwas mißfällt, selbst wenn es keine Sünde ist, wenn du sagst, was du denkst, schweige und beraube dich dieser Befriedi­gung, aus Liebe zu Mir; so wirst du dich leichter dar­an gewöhnen, Mir alles zu opfern.» …

* 136 *

[B 564] Da man mich gefragt hatte, was ich am Fernse­hen schaue, habe ich gesagt, daß ich keinerlei Sendung verfolge, daß ich für gewöhnlich nicht fernsehe. Und darauf mußte ich mir mit böser Miene sagen lassen: «Es ist nicht nötig, den Fortschritt zu verachten, um Christ zu sein; Sie sollten fernsehen, aber die Sendungen aus­wählen.» Nun, hier das Ergebnis dieser Gedanken. Ich habe vernommen:

«Wenn man auch, um Christ zu sein, den Fort­schritt nicht zu verachten braucht, so darf man sich seiner erst recht nicht bedienen, um sich von Mir zu entfernen; denn sonst werde Ich Mich gegen alle die­se Wissenschaft erheben, die euch daran hindert, Mich zu lieben. [B 565] Wenn der Mensch der Wissen­schaft, dem man alle diese modernen Erfindungen verdankt, zugäbe, daß seine Wissenschaft, seine Intel­ligenz und all sein Können von Mir stammen, könnte er nichts tun, was Mir entgegen stünde. Aber er bläht seinen Geist auf; er läßt sich vom Stolze leiten; denn je mehr er leisten kann, desto mehr glaubt er, sich Meiner entledigen zu können, da er im Gegenteil Mir danken müßte alle Tage für sein Leben; denn ob­schon es die meisten leugnen, all sein Können, sein Verstand und seine Wissenschaft kommen ihm von Mir.»

«Er müßte sich aller dieser Gaben bedienen, um Mich zu verherrlichen. Statt dessen verleugnet er Mich und verschmäht er Mich.»

«Sie mögen auf der Hut sein, alle diese Menschen mit starkem Kopf; denn sie werden nicht gerichtet werden nach ihrer Wissenschaft, sondern nach der Liebe, die sie Mir geschenkt und die sie ihrem Näch­sten [B 566] gewährt haben werden aus Liebe zu Mir.»

«Wozu werden ihnen dann alle diese Errungen­schaften nützlich sein, die die Ursache gewesen sein werden des Verlustes einer so großen Zahl von Seelen, wenn Ich in ihrem Leben keine Liebe und keine Nächstenliebe finde anläßlich der Rechnungsablage, der sich selbst diese Gelehrten eines Tages werden unterziehen müssen; denn all ihre Wissenschaft wird sie nicht ausnehmen vom Tod.»

«Alle diese modernen Erfindungen tun Mir ein un­ermeßliches Unrecht an; denn die Welt, statt sich dieses Modernen vernünftig zu bedienen, aufgrund des­sen Nützlichkeit, ohne sich ihm zu verschreiben, hängt ihr Herz daran und wird dessen Diener. Sie sind die Sklaven all dessen, und Mir verweigert man sogar die Liebe, die Mir gehört.»

Und Er hat mit noch größerem Nachdruck dies hin­zugefügt:

«Die Welt, ohne Ausnahme einer Klasse oder eines Milieus, muß Halt machen und diesen irrsinnigen Lauf zu den Vergnügungen, den Genüssen und den großen Sensationen stoppen; denn, wenn ihr nicht in­nehaltet, um nachzudenken, zu meditieren und zu be­ten, und vor allem um Verzicht zu leisten, werdet ihr [B 567] alle zugrundegehen.»

«Wenn man den Geist den ganzen lieben Tag lang ausgefüllt hat mit allen diesen Torheiten und Kindereien, die man am Radio und im Fernsehen hört und sieht, ist es nicht verwunderlich, daß man keinen Platz mehr hat für Mich und daß man diese Lehre vom Opfer und vom Verzicht zu hart findet, um sie ausüben zu können. Die Welt trägt viel Verantwor­tung, aber sie hat gewisse Entschuldigungen, die sie zwar nicht retten werden, jedoch bewirken, daß Ich (mit ihr) geduldiger bin.»

«Wenn man die Welt ändern will, muß man ihr das Beispiel zu dem geben, was man von ihr verlangt. Aber ach! Jene, welchen diese Verantwortung zufällt, entledigen sich ihrer, ohne sich darum zu kümmern; denn für viel zuviele Priester ist das Leben eine Ver­gnügungs-Party, von der das Opfer und die Abtötung ausgeschlossen sind. Ihr bittet Mich, Arbeiter in Mei­nen Weinberg zu senden? Ach! Viel zuviele, die be­reits in ihm sind, erfüllen weder ihre Pflicht, die Ich ihnen auferlegt habe, noch ihre Mission [B 568], mit der Ich sie betraut habe.»

«Die Priester müssen das Licht sein, auf das die Welt vertrauen muß, um zu Mir zu gelangen; wenn sie, durch ihren gleichgültigen Wandel und ihren Mangel an Verzicht und Liebe zu Mir, die Welt in die Irre führen, wer wird die Verantwortung tragen für alle diese Seelen, die durch ihr schlechtes Beispiel verlorengehen? Denn es sind diese schlechten Bei­spiele, die die Welt dazu gebracht haben zu denken, daß das Priestertum ein Beruf sei wie jeder andere und nichts weiter. Bei der Mentalität dieser Welt von heute, kann man da die Menschen rügen, wenn sie einen Beruf wählen, der gewinnbringender ist als die­ser, wenn doch alles, was man sucht, nur auf die Be­friedigung aller eigenen Wünsche in allem abzielt, und dies selbst bei den Priestern?»

[B 569] «Wenn sich gewisse in das Priestertum wa­gen, so ohne hinreichend von ihm überzeugt zu sein und leider allzu oft ohne Vorbereitung, ohne Liebe und ohne Opfergeist. Der Priester muß auf die Welt verzichten und auf all ihre Freuden; er muß Mich lie­ben, Mich, mehr als alles andere, und ohne Unterlaß daran arbeiten, Mir möglichst viele Seelen zuzufüh­ren. Und die beste Art, den Verzicht und das Opfer zu predigen, wird immer sein, mit Beispiel voranzuge­hen.»

«Meine Traurigkeit ist sehr groß, wenn Ich sehe, wie gewisse Meiner Priester handeln. Ich vermag kaum, sie von den anderen Menschen zu unterschei­den; denn ihr Wandel unterscheidet sich in nichts von dem der gewöhnlichen Menschen, die all ihren Lei­denschaften und ihren niederen Trieben überlassen sind. Sie versagen sich nichts, gewähren sich all ihre Begehrlichkeiten, und viele leben oft jahrelang im Sakrileg, ohne Gewissensbisse; denn sie haben sich bis zu einem solchen Maße gehen lassen, daß sie selbst nicht einmal mehr ihr Gewissen hören und zu der Auffassung gelangen, daß dies doch nicht so schlimm sei, und daß es immer noch Zeit sein werde, sich zu bessern und sich aufzuopfern.»

«Mögen sie sich vorsehen! Meine Barmher­zigkeit ist unendlich; aber sie war nie und wird nie blind sein. Ich weiß im Tiefsten ihres Herzens die Auf­richtigkeit, wenn sie vorhanden ist, und die Schwäche und den Krämergeist zu unterscheiden.»

«Die Lehre vom Verzicht, vom Gebet, von der Ab­tötung und der Buße war schon immer Meine Lehre, und sie wird es immer bleiben; ob ihr es wollt oder nicht: niemand wird sich retten ohne sie. Ich wieder­hole es euch: niemand wird je zu Mir gelangen kön­nen, wenn er es nicht annimmt, die gleichen Wege zu gehen wie Ich. Ihr müßt alles opfern, wenn ihr Mich wirklich lieben wollt; denn Ich will keine Halbheiten, und Ich werde nur die von allen irdischen Dingen ent­leerten Herzen ausfüllen.»

«Nicht in den Büchern lernt man zu verzich­ten und sich aufzuopfern, sondern vielmehr, indem ihr es übt alle Tage eures Lebens, bis in die kleinsten Einzelheiten. Erinnert euch jedoch, daß ihr allein nichts tun könnt; aber mit Mir werdet ihr Dinge ver­mögen, die euch alle überraschen werden. Ihr braucht Mir nur den aufrichtigen Wunsch zu zeigen, Mich zu lieben und nur für Mich zu leben, und Ich werde für alle eure Unfähigkeiten und für eure Schwächen Ersatz leisten.»

«Schenkt Mir Vertrauen, Meine Kinder; alles, was Ich von euch verlange ist: Mich zu lieben, und ihr könnt nicht vorgeben, Mich zu lieben und gleichzei­tig der Welt und ihren Trabanten dienen. Überlegt gut und rasch. Wartet nicht mehr; die Zeit drängt, und es kommt bald der Zeitpunkt, zu dem ihr Rechenschaft über eure Taten geben müßt.»

«Werde Ich in ihnen genügend Liebe zu Mir finden, um euch bei Mir zu behalten, oder werde Ich Mich gezwungen sehen, euch für immer von Mir zu versto­ßen? [B 572] An euch ist es, zu wählen. Trefft also eure Wahl, solange noch Zeit ist. Morgen wird es vielleicht zu spät sein.»

Ich fragte Ihn, ob ich fernsehen dürfe; Er hat gesagt:

«Das Fernsehen ist keine Schule für dich, die du Mich mehr als alles lieben willst. Man wird in ihm nie das lehren, was du üben mußt, und zwar alle Tage, Kleine. Du wirst auf alle deine Neigungen, deine Ge­lüste verzichten müssen. Ich habe es dir gesagt: Alles, was du nicht aus Liebe zu Mir tun kannst, op­fere es Mir; denn bei der Schwäche deiner Natur, die dazu neigt, ihre Wünsche zu befriedigen, könntest du dich an diese Sache hängen und dich so von Mir ent­fernen.»

* 137 *

[B 573, 29. April 1955] Gestern habe ich eine halbe Stun­de verpaßt; ich muß wohl eingeschlafen sein nach halb ein Uhr nachts; ich weiß nicht, zu welcher Zeit. Ich kann Ihnen, mein Pater, den Schmerz nicht sagen, den ich heute morgen fühlte, Ihm diesen Gefallen nicht gemacht zu haben. Ich mußte mich zurückhalten, um nicht den ganzen Vormittag zu weinen. Ich habe meinen Kreuz­weg gemacht heute morgen, und ich mußte Ihm sagen, er möge mich daran hindern zu weinen … Ich weiß nicht, ob der Tag vorübergeht ohne daß ich weine … Das erste, was Er mir beim Aufstehen heute morgen ge­sagt hat, war:

«Du grämst dich, Kleine, daß du nicht eine Stunde mit Mir wachen konntest. Du siehst, trotz deines Widerstandes, daß du Mich mehr liebst, als du glaubst. Dieser Schmerz ist nichts, verglichen mit dem, den du fühlen wirst, wenn du Mich lieben wirst, wie Ich es will; denn die Liebe, die du für Mich emp­finden wirst, wird wie ein Feuer sein, das dich gänz­lich verzehrt. [B 574] Und dann wird das, was dich, wenn du es tust, von Mir zu entfernen scheint, für dich eine Marter werden; doch du wirst alles ertragen müssen. Ich habe es dir gesagt: dein größtes Leiden wird sein, in der Welt leben zu müssen, während es der Wunsch deines Herzens wäre, fern von der Welt, abseits von all dem zu leben, was dich entfernen könnte von Mir.»

* 138 *

[B 575] Als ich mit dem Lippenstift meinen Mund schminkte, hat Er gesagt:

«Gehst du zu einem Maskenball? Warum diese Verstellung? Glaubst du, daß du ihrer bedarfst, um Mir zu gefallen, und ist es für deinen Gatten, für den du dies anwendest, am Morgen?»

«Du kannst die Freude nicht verneinen, die dein Herz empfindet, Mich bei dir zu fühlen, und dies un­geachtet deiner Natur, die sich weigert, es zuzugeben. Indes, Kleine, jene (Freude), die Ich dir dort oben vor­behalte, ist tausendundeinmal lieblicher; denn du wirst dir niemals vorstellen können, was Ich dir im Tausch für alle diese Opfer, für alle diese Leiden und Verzichte geben werde, die du annehmen müssen wirst, um Mich zu lieben, wie Ich es will.»

«Kannst du dir jetzt die Größe Meines Schmerzes und Meines Leidens ein wenig vorstellen, als Ich sah, wie du, die Ich so sehr liebte, deine Liebe und deine Aufmerksamkeit den Männern verschenktest, und mit welcher Unbekümmertheit du es tatest?»

«Wie viele Male habe Ich angesichts deiner [B 576] Gleichgültigkeit und deiner Sorglosigkeit geweint. Erkennst du die Größe Meiner Barmherzigkeit und Meiner Liebe dir gegenüber? Ich hätte dich leicht deiner Sünde überlassen und dir Mein Herz für immer verschließen können. Doch du warst so klein und so schwach, daß Ich Mich nicht dazu entschließen konn­te, dich der Gefangenschaft des Satans zu überlassen; denn trotz aller deiner Niedrigkeiten, hattest du auf­richtige Liebesregungen für Mich. Das ist es, was dich gerettet hat, kleine Tochter; denn da, wo es Aufrich­tigkeit gibt und wo Ich trotz allem sehe, dass jemand aufrichtig wünscht, zu Mir zurückzukehren, werde Ich Mich stets anziehen lassen. Ich konnte kein tiefe­res Nichts finden als dich, und dennoch, gerade du bist es, zu der ich Mich mehr hinabneige.»

«Vergiß nicht, daß es nicht deines Verdienstes we­gen ist, daß Ich dich erwählt habe, sondern wegen deiner Unwürdigkeit; jedoch, aus diesem Nichts, das du bist, werde Ich eine größere Ehre ziehen.»

* 139 *

[B 577] Als ich daran dachte, was gesagt worden war, habe ich dieses gehört:

«Seine Schlußfolgerung war nicht weit von der Wahrheit, was die Priester betrifft, die Mir gegenüber eine Gleichgültigkeit an den Tag legen, die Mich fast ebenso sehr verwundet wie die Verhärtung des Her­zens des größten Sünders. Denn Meine Priester sind von Mir auserwählte Seelen, die Mich bei allen wider­spiegeln sollten auf Erden. Aber ach! Für diese Ge­fühllosen bin Ich nichts anderes als Routine, obgleich Ich doch das Zentrum und das Ziel ihres Lebens sein müßte. Ich wiederhole es: die Gleichgültigkeit dieser Priester verwundet Mich mehr als alles, und wenn sie Mir diese Stellung nicht geben, die Ich in ihrem Her­zen und in ihrem Leben einnehmen muß, werde Ich sie verstoßen, fern von Mir, schon hier unten; denn Ich liebe ihre kalten Herzen nicht.»

[B 578] «Diese gefühllosen Priester sagen ihre Mes­se und beten ihr Brevier ohne jede Inbrunst, wie man eine Lektion heruntersagt, ohne das geringste Lie­beszeichen. Wie könnte es bei ihnen anders sein, da sie ihr Herz an Vergnügungen gehängt haben, die ­ohne (unbedingt) schlecht zu sein – für sie (dennoch) ein großes Übel sind, da sie dazu beitragen, sie von Mir zu entfernen? Für gewisse sind diese Vergnügun­gen das einzige Ziel ihres Lebens. Sie träumen nur von Sport, vom Auto, vom Reisen; kurz: sie hängen ihr Herz ausgerechnet an all das, worauf sie verzich­ten sollten.»

«Mein Herz blutet, da es gezwungen ist zuzugeben: über 60 Prozent Meiner Priester sind von dieser Art. 30 Prozent, und nicht 20, benehmen sich Mir gegen­über wie Judas, und ihr Betragen ist um so schlechter, als sie jeden Tag die gleiche Geste wiederholen. Bei der Messe am Morgen geben sie Mir [B 579] den Ju­daskuß, und den restlichen Tag verbringen sie in ver­botenen Vergnügen oder verlieren sich in Träumerei­en oder Begierden, die ihnen entgegenstehen, da sie, indem sie Mich erwählten, auf alle fleischlichen Ver­gnügen verzichtet hatten, und ohne die sie (nun) doch nicht mehr sein zu können glauben. Meine Pein ist unermeßlich angesichts des Schauspiels, das sie Mir geben.»

«Sie mögen sich beeilen, alle diese Priester, von ih­ren Lastern abzulassen, und sie mögen sich auch be­eilen, Mir eine aufrichtige und tiefe Reue zu zeigen für alle ihre Schandtaten. Sie mögen aufhören, mit der menschlichen Schwäche und mit der Barmher­zigkeit Meines Herzens zu spielen und sich Seiner zu bedienen, um die gleichen Torheiten und die gleichen Sünden zu wiederholen; denn sie können Mich nicht täuschen. Und wenn sie nicht dahin gelangen, ihr Le­ben zu ändern, so deswegen, weil ihre Rückkehr zu Mir [B 580] nie aufrichtig, sondern heuchlerisch und knauserig ist.»

«Es bleiben arg wenige, die Mir treu sind und die Mich aufrichtig lieben; kaum 10 Prozent; aber sie alle habe Ich in Meinem Herzen, und Ich werde sie nie­mals verlassen. Sie mögen also nie verzweifeln, trotz allem, was sie zu leiden haben werden wegen Mir. Sie mögen fortfahren, mit ganzem Herzen für Mich zu arbeiten, und vor allem, Mir die größtmögliche Zahl von Seelen zuzuführen.»

«Mögen sie sich nie beeinflussen lassen vom Betra­gen der anderen, und mögen sie sich sagen, daß sie niemals zuviel für Mich tun können, und sie mögen sich alle Tage befleißigen, Mich noch mehr zu lieben. Sie werden viel Ablenkung erfahren; aber Ich trage all dem nicht Rechnung. Alles, worauf Ich blicke, ist die Aufrichtigkeit ihres Herzens [B 581] und ihrer Wünsche und die Liebe, die Ich in jeder ihrer Hand­lungen sehe, die sie aus Liebe zu Mir vollbringen.»

«Sie mögen ihr volles Maß geben, und Ich, Ich wer­de alles ergänzen, was ihnen abgehen wird. Diese Priester sind die Freude und der Trost Meines täglich durch das Betragen der anderen verwundeten und gemarterten Herzens.»

«Mögen alle Gleichgültigen sich vorsehen; sie brauchen nur einen falschen Schritt zu tun, um in den Abgrund zu stürzen, und sie werden ihm nicht ent­weichen können, gerade weil sie im Herzen nicht die Liebe haben, die sie haben müßten für Mich, und die für sie eine Schutzwehr gegen die Wechselfälle des Lebens und der Welt wären, welche sie Mir vorzie­hen. Diese Welt führt sie in ihren Untergang; denn selbst wenn sie nicht in schwere Fehler verfallen, verwunden sie Mich tief, indem sie Mir die Schmach antun, Mir alle Arten von Nichtigkeiten vorzuzie­hen.»

«Sie mögen aus ihrem Irrtum heraustreten; denn, wenn sie glauben, [B 582] zu Mir kommen zu können, ohne Mich zu lieben, täuschen sie sich. Ohne Liebe werden sie sich nie zu Mir erheben können, und das, was sie stets hindern wird, sich zu Mir zu erheben, sind gerade diese Bagatellen, die sie Mir vorziehen; denn um Mich aufrichtig zu lieben, wie Ich geliebt werden will, müssen sie sich von alledem losschälen, Und wenn sie Mir diese Liebe verweigern, die sie Mir schulden, werde Ich sie für immer und ewig von Mir verstoßen, und sie werden nur sich selbst bezichtigen können; denn aus sich selbst werden sie ihr Schicksal gewählt haben, da sie, indem sie Mir die Welt vorzie­hen, Mir klar bedeuten, daß ihnen an Mir nichts liegt»

«Wie ist Meine Traurigkeit groß, und wie ist der Schmerz Meines Herzens unermeßlich angesichts der Undankbarkeit und der Härte der Herzen der Menschen! Ich habe dem Menschen alles gegeben, und um Mir seine Dankbarkeit zu beweisen, bedient er sich Meiner Wohltaten, um Mich zu beleidigen, Mich zu verspotten und Mich in den Schmutz zu zie­hen. Ich habe euch Meine Liebe gegeben, eine Liebe, [B 583] die nie jemals ihresgleichen finden wird. Diese Liebe, die Ich für euch alle hingegeben habe, ihr Menschen, hat Mich dazu gedrängt, bis zu euch hin­abzusteigen, damit ihr befähigt würdet, Mich zu lie­ben. Und wiederum ist es diese Liebe, die Mich ans Kreuz geführt hat, wo Ich Mein Blut bis zum letzten Tropfen vergossen habe, um die Schuld abzutragen, die ihr gegenüber Meinem Vater auf euch geladen hattet, indem ihr Meine Gesetze verachtetet. Als Ich dorthin zurückkehrte, woher Ich gekommen war, wollte Ich euch nicht allein lassen; auch da noch ist es Meine große Liebe zu euch, die Mich gedrängt hat, euch Meine Gegenwart im Sakrament der Euchari­stie zu hinterlassen; jeden Tag auf dem Altare opfere Ich Mich auf für euch alle, ihr Menschen ohne Herz, bar jeder Dankbarkeit; denn, was gebt ihr Mir als Ge­genleistung für all dies?»

[B 584] «Verachtung, Gleichgültigkeit und manch­mal sogar Haß. Arme Menschen! Wenn ihr die Größe dessen kenntet, was euch gegeben ist, ihr würdet euer Leben damit verbringen, Mir dafür zu danken.»

«Im Verlauf der Jahrhunderte habe Ich Mich gar vieler Mittel bedient, um euch an eure Pflichten zu erinnern und euch eure Irrtümer erkennen zu lassen, damit ihr euch wandeln und euer Leben bessern wür­det. Aber stets stoße Ich Mich an eurem Unverstand und an eurer ablehnenden Haltung.»

«Heute sage Ich euch ein weiteres Mal; Erweckt Reue und liebt Mich, solange ihr noch die Freiheit habt, es zu tun. Welches auch immer eure Niedrigkeit ist, eure Laster und selbst eure Verbrechen, gesteht eure Schuld ein, gebt eure Missetaten aufrichtig zu, und schenkt Mir die Liebe, auf die Ich ein Anrecht habe, da Ich euer Höchster Herr bin und der Einzige, dem ihr alles verdankt. Wer immer ihr seid, habt keine Furcht, Ich will nicht euren Untergang, sondern euer Heil; kommet zu Mir, vertrauet Mir eure Sünden an, und [B 585] Ich werde sie alle nachlassen, gegen einen Funken Liebe und Reue, den Ich in eurem Her­zen erblicke. Ich habe euch alles gegeben, und doch, Ich verlange so wenig von euch. Wartet nicht mehr zu! Die Geduld erschöpft sich, und der Zorn wächst an in Meinem von allen diesen groben Beleidigungen, die ihr Mir zufügt, verwundeten Herzen.»

«Laßt nicht Meinen Arm euch schlagen, ihr, die Ich so sehr liebe. Ich werde ihn nicht mehr lange zurück­halten können, diesen rächenden Arm, der euch eines Tages am Fuße der Mauer in die Enge treiben wird. Wenn ihr euch davor nicht in Acht nehmt, ach, dann wird es zu spät sein für euch.»

«Trotz eures Flehens, eures Weinens, eures Gebe­tes und eures Stöhnens werdet ihr, wenn ihr wartet, bis Mein Herz sich verschließt, es sein, die auf Gleich­gültigkeit stoßen. Denn wenn ihr zuwartet, bis der gerechte Zorn ausbricht, den eure Sünden, eure Ge­meinheiten und eure Gleichgültigkeit in Meinem Herzen aufbringen, wird es zu spät sein für euch, zu­rückzukehren. Bereut und bessert euer Leben, [B 586] solange noch Zeit dazu ist; wartet nicht mehr; denn Ich sage euch: morgen wird es vielleicht zu spät sein für euch, und ihr werdet vor Mir stehen, das Herz und die Hände leer von Liebe, die ihr Mir und den anderen aus Liebe zu Mir unbedingt schenken müßt, wenn ihr zugelassen werden wollt zu Mir.»

«Verliert nie aus den Augen, daß ihr ohne Mich nichts tun könnt; aber schenkt Mir Vertrauen, und Ich werde euch alles geben, was ihr braucht.»

«Ich kenne eure Schwäche; verlaßt euch also nie auf euch selbst, wer immer ihr seid; denn die Hoch­mütigen, die sich selbst genügen, verabscheue Ich, und Ich werde Mich niemals über sie neigen.»

«Gar oft habe Ich Meine Mutter gesandt, um Bot­schaften auf die Erde zu bringen. Sie hat gefleht und mit allem Nachdruck gefordert, [B 587] daß ihr Buße tut, und dies hat an eurem Wandel nichts geändert; das Böse nimmt immer mehr zu auf Erden, trotz aller dieser Warnungen. Es ist Meine Mutter, der ihr es verdankt, daß ihr noch nicht bestraft worden seid in euren Sünden; denn Sie allein ist es, die Meinen Arm in diesem Augenblick noch zurückhält und Mich daran hindert, euch zu züchtigen, wie ihr es verdient. Denket wohl daran, Meine Kinder, heute; Ich sage es euch nochmals Selber: ihr müßt alle euer Leben än­dern, Buße tun, euch opfern und Verzicht üben, aus Liebe zu Mir und zur Sühne für eure Sünden. Das Massaker Meines Herzens hat lange genug gedauert; Ich will geliebt werden, oder Ich werde euch alle euch selbst überlassen, und das wird (dann) zu eurem ewi­gen Unheil sein.»

«Mögen vor allem diese Priester es wohl verneh­men: Nehmet euren Platz auf Erden wieder ein; ver­breitet das Licht, dessen die Welt bedarf, um sich zu Mir zu wenden; gebt allen und allzeit das Beispiel [B 588] eines keuschen und reinen Lebens, leistet Ver­zicht auf alle Dinge und Geschöpfe der Erde. Liebet Mich mit einer so großen Liebe, daß sie euer ganzes Herz, euer Leben erleuchtet, und daß das Herz der anderen sich beim Kontakt mit euch für Mich ent­zündet.»

«Vergeßt nicht, daß es euch obliegt, die Welt zu führen. Durch eure (schlechten) Beispiele führt ihr sie in diesem Moment in ihren Untergang. Beeilt euch, eine Kehrtwende zu machen und wieder den Weg un­ter die Füße zu nehmen, den Ich euch Selber gewie­sen habe und der der einzige ist, der zu Mir führt.»

Er hat mir noch folgendes gesagt:

«Der Schmerz, den du in diesem Augenblick dar­über empfindest, daß du nicht mit Mir hast wachen können, ist nichts verglichen mit demjenigen, den du fühlen wirst, wenn du wirklich verstehen wirst, was du Mich gekostet hast, und was Ich alles für dich, Kleine, gelitten habe.»

[B 589] Ich glaubte, daß noch mehr verbliebe als das; doch das ist alles. Ich weiß nicht, wohin mich alles dies bringen wird; aber etwas gibt es, woran ich nicht zwei­feln kann, und das ist, daß ich ganz und gar nicht mehr dieselbe bin; ich erkenne mich nicht wieder. Wenn es nicht der Liebe Gott ist, der mich führt, wer ist es dann?

Ich möchte Ihnen, mein Pater, sagen, wie ich mich füh­le in diesem Moment, aber ich weiß nicht, wie ich es sa­gen soll. Ich werde Ihm sagen, Er möge seine Sache in Ordnung bringen, damit Sie nicht zuviel Anstände ha­ben. Ich bin bereit, dies alles zu übernehmen. Sie tun so vielen Leuten so viel Gutes, daß es wirklich traurig wäre, wenn man Sie daran hinderte. Er wird dies sicher be­werkstelligen, wie es sich gehört, da es ebenso sehr für Ihn und sogar vor allem für Ihn ist.

* 140 *

[B 590, 30. April 1955] Ich war ins Spital gegangen, um eine Frau zu besuchen, die in Übereinstimmung mit ih­rem Ehegatten sagte, daß sie niemals mehr Kinder ha­ben wollten, daß es wirklich Schluß damit sei. Da habe ich in mir vernommen:

«Du siehst die Undankbarkeit der Menschen. Eben erst habe Ich ihnen das wertvollste Geschenk ge­macht, das sie besitzen können, und anstatt Mir zu danken, nehmen sie sich vor, Mich in Zukunft zu be­leidigen.»

Ich holte das Kindlein in der Säuglingsabteilung. Da sprach Er:

«Es ist ein wenig von Mir, was du in diesem Augen­blick trägst.»

* 141 *

Anläßlich der Firmung hatte der Bischof gesagt, daß dieses Sakrament der Schlüssel sei, der uns den Himmel öffne.

«Ich habe dir diesen Schlüssel gegeben, Kleine. Verwahre ihn gut in deinem Herzen. Wenn du alles tust, was Ich von dir verlange, wirst du die Gewißheit haben, ihn nie zu verlieren. Dein eigenes Kreuz, Mein kleines Kind, besteht (nun) nicht mehr (bloß) aus Ohr­feigen und [B 591] kleinen Schmerzen; es ist jeden Tag ein wenig schwerer geworden; doch du darfst nie – auch nicht einen Augenblick lang – versuchen, es zu fliehen. Im Gegenteil: du mußt dich an dieses Kreuz festklammern, damit es dich bis zu Mir erhebt. Du darfst den bitteren Kelch nicht nur zur Hälfte aus­trinken, sondern bis zum letzten Tropfen, wie Ich es selbst getan habe.»

«Deshalb sage Ich dir, Kleine: Alles, was nicht dazu beiträgt, dich Mir nahezubringen, schneide es weg aus deinem Leben. Da Ich es bin, den du vorziehst, darfst du nie etwas anderes tun, als was dir helfen kann, dich Mir zu nähern.»

«Wir gehen dem Ende des 20. Jahrhunderts entge­gen, und Ich bin gezwungen, einmal mehr festzustel­len, wie in der Vergangenheit, daß dieses Volk Mich nur mit den Lippen ehrt und nicht mit dem Herzen. Alles in dieser modernen Welt ist nur Fassade, um die Fäulnis zu verdecken, die in den Herzen ist. [B 592] Das Herz der Weltmenschen ist verzettelt, hierhin und dahin, in alle Vergnügungsarten. Alles was man sucht, ist die Befriedigung in allen Dingen, und man verbringt sein Leben in der einzigen Sorge, sich mög­lichst viel Leiden zu ersparen, und wenn man sich ge­zwungen sieht zu leiden, dann tut man es, indem man gegen Mich murrt. Das ist keine Liebe, wie Ich sie will.»

«Ich sehe nirgends Aufrichtigkeit, oder so wenig nur, daß Ich sie kaum erkennen kann. Das Böse ver­deckt das Gute; die Herzen sind verhärtet; das ist der Grund, weshalb Ich eine letzte Anstrengung machen will, um die Welt aus der Finsternis zu erretten, die sie bedroht, wenn sie sich nicht ändert. Ich will, daß ihr alle sehr wohl wißt, daß, was ihr auch immer getan haben mögt und welches auch euer Elend und eure Sünden sind, Ich bereit bin, alles zu verzeihen, [B 593] wenn ihr nur den Teil dazu beitragen wollt, der euch zufällt.»

«Es gibt keine Sünde, die nicht verziehen werden wird, vorausgesetzt, daß ihr Mir ein aufrichtiges Ver­langen zeigt, Mich zu lieben und Sühne zu leisten. Ihr seid nicht auf der Erde zu euerm Vergnügen und zu eurer Behaglichkeit, sondern um euch alle ohne Aus­nahme einer Klasse oder eines Standes zu heiligen.

Und niemand kann sich heiligen, ohne auf alle Dinge zu verzichten, an denen er hängt, auch dann, wenn es sich um Dinge handelt, durch die Ich nicht beleidigt werde, denn gerade in solchen Fällen erwirbt er sich die meisten Verdienste.»

«Indem Ich dich erwählte, Kleine, wollte Ich allen zeigen, daß Ich nicht den Untergang des Sünders will, sondern sein Heil. Mögen die Sünder, wer sie auch seien, und welches auch der Abgrund sei, in dem sie sich befinden, die Gewißheit haben, daß Meine Liebe zu ihnen heute die gleiche ist wie die, die Ich in der Vergangenheit im Herzen hegte, und die Mich bis zur Torheit des Kreuzes, zum Loskauf aller Menschen, getrieben hatte. Macht denn Mein Opfer nicht un­nütz.»

[B 594] «Ich habe eure Schulden bezahlt; ihr seid frei, vergeßt es nicht, das Heil anzunehmen oder ab­zuweisen, das Ich euch zum Preise Meines Blutes erkauft habe. Erinnert euch, daß Mein Werk vor al­lem ein Werk der Liebe und nicht des Zwanges ist. Wenn Ich dich erwählte, um den Menschen zu sagen, was Ich an Gram und Groll im Herzen hege ange­sichts der Gleichgültigkeit des Menschen, zeige Ich deutlich, daß niemand zweifeln darf an Meiner Barmherzigkeit und an Meiner Liebe für die Men­schen; denn nirgends konnte Ich ein größeres Nichts finden als dich.»

«Ziehet denn Nutzen aus allen diesen Warnungen, die Ich euch gebe. Was Ich dir sage, gilt für alle; denn was Ich von dir verlangt habe, verlange Ich von allen Menschen, die eines Tages Meine Herrlichkeit teilen wollen. An euch ist es zu wählen. Macht es schnell und gut; denn es wird für die Ewigkeit sein, und diese Ewigkeit wird eine solche der Glückseligkeit oder des Unheils sein, entsprechend der Wahl, die ihr in eurem Leben getroffen haben werdet. Es gibt nur zwei Wege: den der Welt und den Meinigen. Versucht jedoch nicht, [B 595] die beiden zu versöhnen; das wird euch stets unmöglich sein; denn der Geist der Welt wird immer gegen Mich sein, und Ich, Ich werde immer gegen den Geist der Welt sein.»

«Vergeßt es nicht, Ich habe die Welt und ihre Ver­gnügen verdammt, und Ich werde nicht das geringste Meiner Gesetze in irgend etwas verändern. Niemals werde Ich Mich dem Eigensinn der Welt fügen, son­dern die Welt ist es, die sich Meinem Willen wird fü­gen müssen, oder sie wird zugrundegehen.» …

Fortsetzung folgt!

_______

Quelle: „DER WEG, DER ZUM LEBEN FÜHRT – Das Tagebuch von Gaby, Band I – Offenbarungen JESU aus dem Jahre 1955 an eine kanadische Mutter und Hausfrau. Ein dramatischer Appell Gottes an die ganze Welt zur Umkehr, zur Buße und Sühne, ehe es zu spät ist … Eine erschütternde Warnung vor dem Schrecklichen, das unser harrt, wenn wir uns nicht alle endlich bekehren. – Für die kanadischen Herausgeber übersetzt von Paul O. Schenker, Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell

„Ich habe Petrum als Hirten und Hüter aller meiner Schafe eingesetzt. Du aber bist ein Zerstreuer und Zerreißer dersel­ben.“

Mir ist dieser Tage ein Buch in die Hände gefallen mit dem Titel „Die Gerechtigkeit Gottes – Visionen der heiligen Brigitta von Schweden“, ausgewählt und zusammengestellt von Helmut Friedlmayer, entnommen aus „Leben und Offenbarungen der hl. Brigitta“. Neu bearbeitet, übersetzt und herausgegeben von Ludwig Claus. Regensburg 1856. 1992 als Broschüre herausgegeben vom Verlag „Pro Fide Catholica“.

Daraus zitiere ich folgenden für uns besonders wichtigen Abschnitt:

 

Worte des Schöpfers vor den himmlischen Heerscharen und der Braut; wie er über fünf Männer klagt, nämlich über den Papst und seine Geistlichen; von den bösen Laien und den Juden und Heiden; von der Hilfe, welche er seinen Freunden sendet, unter denen alle Menschen verstanden werden; von dem schrecklichen Urteile, das wider die Feinde gefällt worden:

Ich bin der Schöpfer aller Dinge. Ich bin vor dem Morgenstern vom Vater gezeugt und unzertrennlich im Vater, wie der Vater in mir, und ein Geist ist in beiden. Deshalb sind der Vater, der Sohn und der Geist ein Gott, nicht drei Götter. Ich bin’s, der ich dem Abraham eine ewige Herrschaft verheißen und durch Moses mein Volk aus Ägypten geführt habe. Ich bin derselbe, der in den Propheten geredet. Der Vater hat mich in den Leib der Jungfrau gesendet, sich aber nicht von mir getrennt, sondern ist unzertrennlich bei mir geblieben, auf daß der Mensch, der von Gott weicht, durch meine Liebe zu demselben zurückkehrt.

Jetzt aber, vor meinen anwesenden Heerscharen, die ihr freilich alles in mir seht und in mir wisset, jedoch zur Erkenntnis und Belehrung der hier anwesend stehenden Braut, welche das Geistliche nur durch Körperliches zu fassen vermag, beklage ich mich in eurer Gegenwart über die fünf Männer, welche hier vor uns stehen, weil sie mich vielfach beleidigen. Denn, wie ich einst im (alten) Gesetze unter dem Namen Israel das ganze israelitische Volk verstand, so verstehe ich unter jenen fünf Männern alle Menschen in der Welt. Der Erste ist der Herrscher der Kirche mit seinen Geistlichen; der Zweite sind die bösen Laien; der Dritte die Juden; der Vierte die Heiden und der Fünfte meine Freunde. Von dir, o Jude, nehme ich alle aus, welche heimlich Christen sind und mir in aufrichtiger Liebe, im rechten Glauben und mit vollkommenem Werke im Verborgenen dienen. Von dir aber, Heide, nehme ich alle aus, welche gern auf dem Wege meiner Gebote einherwandeln möchten, wenn sie wüßten wie, und wenn sie unterwiesen würden, die aber auch mit dem Werke verrichten, was sie vermögen und wissen. Diese werden keineswegs mit euch gerichtet.

So klage ich denn über dich, du Oberhaupt meiner Kirche, der du sitzest auf meinem Stuhle, den ich Petrus und seinen Nachfolgern übergeben habe, um darauf zu sitzen in dreifacher Würde mit dreifachem Ansehen; erstens, damit sie die Macht hätten, die Seelen zu binden und von der Sünde zu lösen; zweitens, damit sie den Büßenden den Himmel öffneten; drittens, um den Verfluchten und Verächtern den Himmel zu verschließen. Du aber, der du die Seelen lösen und mir vorstellen solltest, du bist wahrhaft der Mörder der Seelen. Denn ich habe Petrum als Hirten und Hüter aller meiner Schafe eingesetzt. Du aber bist ein Zerstreuer und Zerreißer dersel­ben. Du bist ärger als Luzifer. Denn er war neidisch auf mich und trachtete nach nichts weiter, als mich zu töten, um an meiner statt zu herrschen. Du bist aber um so schlimmer, weil du nicht nur mich tötest, indem du mich durch deine argen Werke von mir stoßest, sondern auch die Seelen tötest du durch dein arges Beispiel. Ich habe die Seelen mit meinem Blute losgekauft und dieselben dir als meine treuen Freunde anvertraut. Du aber übergibst sie wiederum dem Feinde, von welchem ich sie losgekauft habe. Du bist ungerechter als Pilatus, welcher außer mir niemanden zum Tode verurteilte. Du aber richtest nicht allein mich, als einen, der keine Herrschaft hat, und als einen Nichtswürdigen, sondern verurteilst auch unschuldige Seelen und läßt die Schuldigen frei. Du bist grausamer als Judas, welcher mich nur verkaufte, du aber verkaufst nicht mich allein, sondern die Seelen meiner Auserwählten um schnöden Gewinn und für einen leeren Namen. Du bist abscheulicher als die Juden. Diese kreuzigten nur meinen Leib, du aber kreuzigst und strafst die Seelen meiner Auserwählten, denen deine Bosheit und Übertretung bitterer ist, als jegliches Schwert. Und deshalb, weil du Luzifer ähnlich, ungerechter als Pilatus, grausamer als Judas und abscheulicher als die Juden, beklage ich mich mit Recht über dich.

_______

Siehe dazu:

DIE BARMHERZIGKEIT GOTTES IST UNAUSSCHÖPFBAR !

Gnadenbild Barmherziger Jesus„Wenn die Sünder Meine Barmher­zigkeit kennen würden, gingen sie nicht in so großer Zahl verloren. Sage den Sündern, daß sie sich nicht fürch­ten sollen, Mir näherzukommen, sprich zu ihnen von Meiner großen Barmherzigkeit. – Der Verlust jeder einzelnen Seele stürzt Mich in Todestrauer. Du tröstest Mich im­mer, wenn du für die Sünder betest. Gebet ist Mir am liebsten, und zwar um die Umkehr der Sünder; wisse, Meine Tochter, daß dieses Gebet im­mer erhört wird.“ (26.11.37)

„Meine Tochter, bist du der Mei­nung, daß du über Meine Barmher­zigkeit genug geschrieben hast? Das, was du aufgeschrieben hast, ist erst ein Tropfen im Vergleich mit dem Ozean. Ich bin lauter Liebe und Barm­herzigkeit. Es gibt kein Elend, das sich mit Meiner Barmherzigkeit mes­sen könnte. Sie kann von der Not nicht ausgeschöpft werden, denn bei jeder Gewährung wird sie noch grö­ßer. Die glücklichste Seele ist jene, die sich Meiner Barmherzigkeit an­vertraut, denn Ich Selbst kümmere Mich um sie.“

„Meine Sekretärin, schreibe, daß Ich Sündern gegenüber freigebiger bin, als Gerechten. Für sie bin Ich auf die Erde herabgekommen… für sie habe Ich Blut vergossen; sie sollen sich nicht fürchten, sich Mir zu nä­hern; sie brauchen Meine Barmher­zigkeit am nötigsten.“ (14.9.37)

„Tochter, Ich benötige ein mit Lie­be erfülltes Opfer, denn nur dieses hat Bestand vor Mir. Groß ist die an Mir begangene Schuld der Welt. Reine Seelen können sie mit Opfer abtra­gen, indem sie im Geiste Barmher­zigkeit tun.“ – „Ich weiß, Meine Toch­ter, daß du sie verstehst und alles, was in deiner Macht ist, tust – aber schreibe das auf für viele Seelen, die sich manchmal grämen, weil sie kei­ne materiellen Güter besitzen, durch die sie Barmherzigkeit ausüben könn­ten. Einen größeren Wert hat die Barmherzigkeit des Geistes, für die man weder eine Erlaubnis haben, noch einen Speicher besitzen muß. Sie ist allen Seelen zugänglich. Wenn die Seele nicht in irgendeiner Weise Barmherzigkeit übt, wird sie am Tage des Gerichts Meine Barmherzigkeit nicht erfahren. Wenn doch die See­len ewige Schätze ansammeln woll­ten, sie würden Meinem Urteil mit Barmherzigkeit zuvorkommen und nicht gerichtet werden.“ (1.10.37)

„Um drei Uhr flehe Meine Barm­herzigkeit an, besonders für die Sünder. Vertiefe dich wenigstens kurz in Mein Leiden, vor allem in Meine Verlassenheit während des Sterbens. Das ist die Stunde der gro­ßen Barmherzigkeit für die Welt. Ich erlaube dir, in Meine Todestrauer einzudringen. In dieser Stunde ver­sage Ich nichts der Seele, die Mich durch Mein Leiden bittet.“ (10.10.37)

„Dein eindeutiger Entschluß, heilig zu werden, ist Mir außerordentlich lieb. Ich segne dein Bemühen und werde dir zu deiner Heiligung Gele­genheit schaffen. Sei aufmerksam, damit dir keine der von Meiner Vor­sehung bereiteten Möglichkeiten zur Heiligung entgeht. Wenn es dir nicht gelingt, die gegebene Gelegenheit zu nutzen, sei nicht beunruhigt, son­dern falle in tiefer Demut vor Mir hin und versenke dich mit großem Ver­trauen ganz in Meine Barmherzig­keit. Auf diese Weise wirst du mehr gewinnen, als du verloren hast; denn einer demütigen Seele gibt man mehr, als sie selbst erbittet…“

„In allen Hostien bin Ich derselbe, aber nicht alle Seelen empfangen Mich mit einem so lebendigen Glau­ben wie du, Meine Tochter, und des­halb kann Ich in ihren Seelen nicht so wirken, wie in der deinen.“ – „Was du wirklich siehst, sehen diese See­len durch den Glauben. Wie lieb ist Mir ihr starker Glaube! Siehst du, auch wenn in Mir vermeintlich keine Spur von Leben ist, in Wirklichkeit ist es in seiner ganzen Fülle in jeder einzelnen Hostie enthalten. Aber damit Ich in der Seele wirken kann, muß sie den Glauben haben. 0 wie lieb ist Mir der lebendige Glaube.“ – „0, wie mir das wehtut, daß die See­len sich so wenig in der heiligen Kom­munion mit Mir verbinden. Ich war­te auf Seelen und sie sind Mir gegen­über gleichgültig. Ich liebe sie so zärt­lich und aufrichtig und sie glauben Mir nicht. Ich will sie mit Gnaden überhäufen – sie wollen sie nicht an­nehmen. Sie gehen mit Mir um, wie mit etwas Totem, aber Ich habe ein Herz voller Liebe und Barmherzig­keit. Damit du ein wenig Meinen Schmerz erkennst, stelle dir die zärt­lichste Mutter vor, die ihre Kinder sehr liebt, doch die Kinder verschmä­hen die Liebe der Mutter. Betrachte ihren Schmerz, niemand vermag sie zu trösten. Das ist ein blasses Bild und Abbild Meiner Liebe.“

„Schreibe, spreche über Meine Barmherzigkeit. Sage den Seelen, wo sie Trost suchen sollen – im Tribunal der Barmherzigkeit, dort gibt es die größten Wunder, die sich ununter­brochen wiederholen. Um dieses Wunder zu erreichen, bedarf es kei­ner weiten Pilgerfahrt, auch nicht äußerer Zeremonien, sondern es ge­nügt, zu Füßen Meines Stellvertre­ters gläubig hinzutreten und vor ihm sein Elend auszusprechen. Dann zeigt sich das Wunder der Barmher­zigkeit in seiner ganzen Fülle. Auch wenn die Seele wie eine verwesende Leiche wäre und eine Belebung, menschlich gesehen, ausgeschlossen und alles schon verloren – so ist es anders bei Gott. Das Wunder der Barmherzigkeit Gottes belebt die Seele vollends. Ihr Armseligen, die ihr das Wunder der Barmherzigkeit Gottes für euch nicht in Anspruch nehmt, ihr werdet vergeblich rufen, weil es dann zu spät sein wird.“ (24.12.37)

„Ich habe Mein Herz als lebendige Quelle der Barmherzigkeit geöffnet; mögen alle Seelen aus ihm Leben schöpfen; mögen alle Seelen dem Meer der Barmherzigkeit mit gro­ßem Vertrauen nahen. Die Sünder werden Rechtfertigung erfahren und die Gerechten Festigung im Guten. Wer sein Vertrauen in Meine Barm­herzigkeit gelegt hat, dessen Seele werde Ich in der Stunde des Todes mit Meinem Frieden erfüllen.“

„Meine Tochter, lasse nicht nach im Künden Meiner Barmherzigkeit. Dadurch bringst du Linderung Mei­nem Herzen, das im Feuer des Er­barmens für die Sünder brennt. Sage Meinen Priestern, daß verhärtete Sünder durch ihre Worte reumütig werden, wenn sie von Meiner uner­gründlichen Barmherzigkeit spre­chen, vom Erbarmen, das Ich für sie im Herzen habe. Jenen Priestern, die Meine Barmherzigkeit künden und rühmen, werde Ich sonderbare Macht geben, ihre Worte salben und die Herzen, zu denen sie sprechen, werde Ich bewegen.“

„Tochter, schreibe diese Worte auf: Alle Seelen, die Meine Barmherzig­keit rühmen, ihre Ehre ausbreiten und andere Seelen ermutern, Meiner Barmherzigkeit zu vertrauen, erfah­ren in ihrer Todesstunde kein Ent­setzen. Meine Barmherzigkeit wird sie in diesem letzten Kampf bechirmen… Meine Tochter, rege die Seelen an, das Rosenkranzgebet zur Barmher­zigkeit zu beten, das Ich dir gegeben habe. Mir gefällt es, ihnen durch die­ses Gebet alles zu schenken, worum sie Mich bitten. Die Seelen ver­stockter Sünder werde Ich mit Frie­den erfüllen, wenn sie dieses Gebet beten werden, und die Stunde ihres Todes wird glücklich sein. Schreibe für die betrübten Seelen: Wenn die Seele die Schwere ihrer Sünden sieht und erkennt, wenn sich vor ihren Augen der ganze Abgrund ihres Elends, in das sie sich gestürzt hat, ausbreitet, soll sie nicht verzweifeln, sondern sich mit Vertrauen in die Arme Meiner Barmherzigkeit wer­fen, wie ein Kind in die Arme seiner liebenden Mutter. Diese Seelen ha­ben ein Vorzugsrecht auf Mein mit­leidiges Herz, sie haben ein Vorrecht auf Meine Barmherzigkeit. Sage ih­nen, daß keine einzige Seele, die Meine Barmherzigkeit anrief, ent­täuscht oder beschämt worden ist. An einer Seele, die Meiner Güte ver­traut, habe Ich besonde­res Wohlgefallen. Schrei­be, wenn dieses Rosen­kranzgebet zur Barmher­zigkeit bei Sterbenden ge­betet wird, werde Ich zwi­schen Meinem Vater und dem Sterbenden nicht als gerechter Richter stehen, sondern als Barmherziger Erlöser.“ (28.1.38)

„Wisse, Meine Tochter, daß zwischen Mir und dir ein unergründlicher Ab­grund ist, der den Schöpfer vom Geschöpf trennt, doch dieser Abgrund wird durch Meine B armherzig­keit ausgeglichen. Ich er­hebe dich zu Mir nicht, weil Ich dich brauche, aber Ich beschenke dich lediglich aus Barmherzig­keit mit der Gnade der Vereinigung.“

„Sage den Seelen, sie sollen in ihrem eigenen Herzen keinen Damm gegen Meine Barmherzig­keit aufstellen, denn sie will in ihnen wirken. Mei­ne Barmherzigkeit wirkt in allen Herzen, die ihre Tür für sie öffnen. Wie der Sünder, so benötigt auch der Gerechte Meine Barmher­zigkeit. Die Bekehrung, wie auch das Ausharren in ihr, ist Gnade Mei­ner Barmherzigkeit.“

„Seelen, die nach Vollkommenheit streben, sollten Meine Barmherzig­keit besonders preisen, denn die Fül­le der Gnaden, die Ich ihnen erteile, fließt aus Meiner Barmherzigkeit. Ich wünsche, daß diese Seelen sich mit unbegrenztem Vertrauen auf Meine Barmherzigkeit auszeichnen. Ich Selbst befasse Mich mit der Heiligung solcher Seelen; Ich lasse ihnen alles zukommen, was sie zu ihrer Heilig­keit benötigen. Aus Meiner Barm­herzigkeit schöpft man Gnaden mit nur einem Gefäß – und das ist das Vertrauen. Je mehr eine Seele ver­traut, um so mehr bekomnmt sie. Seelen, die unbegrenzt vertrauen, sind Mir eine große Freude, denn in solche Seelen gieße Ich alle Meine Gnadenschätze. Es freut Mich, daß sie viel verlangen, denn es ist Mein Wunsch, viel zu geben, und zwar sehr viel. Es betrübt Mich dagegen, wenn die Seelen wenig verlangen und ihr Herz verengen.“

„Im Alten Testament habe Ich zu Meinem Volk Propheten mit Blitz und Donner gesandt. Heute sende ich dich zu der ganzen Menschheit mit Meiner Barmherzigkeit. Ich will die wunde Menschheit nicht strafen, sondern sie gesundmachen, sie an Mein barmherziges Herz drücken. Von Strafen mache Ich Gebrauch, wenn sie mich selbst dazu zwingen; Meine Hand greift nicht gern nach dem Schwert der Gerechtigkeit. Vor dem Tage der Gerechtigkeit sende Ich den Tag der Barmherzigkeit.“

_______

Zitate aus dem Werk „TAGEBUCH der Schwester Maria Faustyna Kowalska“ aus der Kongregation der Muttergottes der Barmherzigkeit. Deutsche Überset­zung von Dzienniczek. (Für die deut­sche Übersetzung verantwortlich: Dr. Stanislaw Swidzinski.) Buch, gebunden, 554 Seiten. mit Abbildungen.

„Das Tagebuch der Schwester Maria Faustyna Kowalska (25.8.­1905 – 5.10.1938), jener pol­nischen Mystikerin, die wie ein neuer Reflektor in der so alten Kirche das göttliche Attribut „Barmherzigkeit“ beleuchtet und der Welt neu vor Augen führt, liegt hier­mit erstmals in deutscher Sprache vor. Es enthüllt uns ausdrucksvoll und überzeu­gend die Unendlichkeit der Barmherzigkeit Gottes. Es lehrt nicht nur vom Barm­herzigsten Erlöser, sondern muntert auch auf, ihn zu verehren. Es weist praktisch auf verschiedene Arten die­ser Verehrung hin und illu­striertzugleich Fakten gött­licher Vermittlung und Er­hörung derer, die ihn in­ständig bitten. Das Tage­buch besitzt zudem die wert­volle Eigenschaft, ein kind­lich-einfaches Verhältnis zu Gott zu lehren und zeigt die Möglichkeit auf, in Verbin­dung mit dem stets Gegen­wärtigen zu leben. Es zeigt das Leben in Gottes Gegen­wart als Gnade, die jeder durch demütiges Vertrauen zu Gotterbitten kann. Nichts ist aktueller in unserer Zeit, in der Elend und Sünde, Krieg und Selbstvergottung, Terrorismus und Ab­treibung u.a. gigantische Ausmaße auf­weisen, als dieser Zeit, dieser Not, die unendliche Barmherzigkeit Gottes ge­genüberzustellen. Es ist – wie Sr. Faustyna selbst am 3.4.1938 auf einem Zettel schreibt – Gottes Wille, daß dies alles zum Trost an die Seelen weiter­gegeben wird. Allen Lesern möge das Tagebuch Sr. Faustynas, wie die Enzyklika „Dives in misericordia“ unter Nr. 2 sagt: …“die väterlich erbarmende Liebe Gottes näher bringen und (damit) zugleich zu einem inständigen Gebet der Kirche um Erbarmen werden.“

«Wisse, daß Ich nicht deinetwegen rede, sondern auch zum Heil aller Christen. Vernimm also, was Ich dir sage…»

Birgitta von SchwedenMan schreibt das Jahr 1303, als in der schwedischen Provinz Uppland auf dem Herrensitz des Landvogts Birger Persson die heilige Birgitta das Licht der Welt erblickt. Ungewöhnliche Zeichen sind der Geburt vor­ausgegangen: Birgittas Mutter Ingeborg, wie ihr Ehe­mann Birger aus hochadeligem Geschlecht, hatte noch während der Schwangerschaft eine Seereise unternom­men. Zwischen der schwedischen Küste und der Insel Ölend gerät sie bei heftigem Seegang in Lebensgefahr. Da erscheint ihr ein Engel und spricht: „Um des Guten willen, das du in deinem Schoß trägst, sollst du gerettet werden. Erziehe deine Tochter in der Furcht des Herrn, denn sie ist dir von Gott in besonderer Weise gegeben worden.“

Und tatsächlich übersteht Ingeborg die gefährliche Lage unbeschadet. Noch ein solches Vorzeichen, das auf die Geburt einer Heiligen hingewiesen haben soll, ist überliefert. Bengt, der Priester zu Rasbö, der in einer Juninacht 1303 für seine Herrin Ingeborg um eine günstige Niederkunft betet, vernimmt plötzlich eine Stimme: „Dem Birger wird heute nacht ein Kind gebo­ren, auf dessen Stimme die ganze Welt mit Bewunde­rung hören wird.“ Dieses Wort sollte sich allerdings erst Jahre später erfüllen.

In den ersten drei Lebensjahren nämlich bleibt Birgitta stumm. Der Legende nach soll sie plötzlich, ohne zu stammeln, klar und zusammenhängend gesprochen haben. Bereits mit sieben Jahren hat Birgitta ihre erste Vision: Eines morgens, gerade aus dem Schlaf erwachend, erblickt sie eine wunderschöne Dame, die in gleißendes Licht getaucht, eine Krone in der ausgestreckten Hand hält: „Komm!“, ergeht die Aufforderung an sie, „Willst du diese Krone?“ Als das Mädchen zustimmend nickt, wird ihr das Geschmeide auf den Kopf gesetzt. Ohne zu erschrecken, hat Birgitta in der lichtumstrahlten Frem­den die Gottesmutter Maria erkannt. Durch dieses Ereig­nis fühlt sich das Mädchen noch stärker als zuvor zum Gebet hingezogen.

In der Fastenzeit des Jahres 1314 hört Birgitta in der Hauskapelle des elterlichen Gutes Finsta die Predigt eines Dominikanerpaters über die Passion Jesu, die sie tief bewegt. In der folgenden Nacht sieht sie im Traum Christus am Kreuz und zwar so, als ob er gerade zu dieser Stunde gekreuzigt worden sei. „So wurde ich behan­delt“, soll ihr der Herr geklagt haben. Birgitta ist vom Mitleid überwältigt. „Wer wagte dies zu tun?“, fragt sie. „Die mich beleidigen und meine Liebe verges­sen“, lautet die Antwort. Von diesem Zeitpunkt an kann Birgitta nicht mehr ohne Tränen an die Passion Christi denken, wie es in der ältesten Lebensbeschreibung der Heiligen heißt.

Nach dem Tod der Mutter im folgenden Herbst wird die Elfjährige ihrer Tante und Taufpatin Katharina Bengtsdotter zur Erziehung anvertraut. Noch im Jahr 1314 muß Birgitta das Elternhaus verlassen und in das Schloß der Verwandten zu Aspanäs übersiedeln. Die jüngeren Geschwister Israel und Katharina bleiben dagegen beim Vater in Finsta. Als Birgitta 14 Jahre alt geworden ist, sucht Birger gemäß dem Brauch einen passenden Ehemann für sie. Seine Wahl fällt auf den achtzehnjährigen Adeligen Ulf Gudmarsson, der seit dem Tod seiner Mutter in der Zisterzienser-Abtei Alvastra aufgewachsen ist. Obwohl sie offenbar ein Leben in Einsamkeit und Stille der Ehe vorgezogen hätte, beugte sich Birgitta den Plänen des Vaters. Wie in einer alten Biographie über sie nachzulesen ist, wird Birgitta „nicht aus begehrlicher Lust, sondern des väterlichen Willens wegen“ vermählt.

Nach der Hochzeit im September 1316 hält Birgitta Einzug als Herrin auf dem Anwesen des Ehemannes. In der Chronik der Äbtissin Margaretha Clausdotter wird Ulf als ein „sehr guter, sehr frommer, rechtschaffener und gottesfürchtiger junger Mann beschrieben, der über­dies „recht erfahren in allen Dingen“ gewesen sei. Die jungen Eheleute verabreden, im ersten Jahr nach der Trauung Enthaltsamkeit zu üben. Sie treten dem dritten Orden des heiligen Franziskus bei und geloben einen strengen asketischen Lebensstil einzuhalten. Mit 18 Jahren bekommt Birgitta ihr erstes Kind. Aus der Ehe, die bis zum Tode Ulfs insgesamt 28 Jahre währen sollte, gehen vier Töchter und vier Söhne hervor: Marete, Karl, Birger, Benedikt, Gudmar, Ingeborg, Katharina und Cäcilie. Katharina, die wie ihre Mutter später ebenfalls heiliggesprochen wird, kommt 1331 zur Welt, kurze Zeit nachdem Ulf mit dem bedeutenden Amt eines Landvogts in der Provinz Nerike betraut worden ist.

Schon bald genießt Birgitta großes Ansehen wegen ihrer Frömmigkeit und eifrig praktizierten Nächstenliebe. Während der Ehezeit ist sie „bisweilen in wundersamer Weise im Geist entrückt“, heißt es in einer „Vita“ der Heiligen. Die schönsten Gebete vom Leiden Christi, vom Leben und von der Lobpreisung der Jungfrau Maria sollen ihr offenbart worden sein. Nach der Überlieferung spendet die Schloßherrin Almosen, außerdem unterhält sie ein Haus für Arme, die sie sogar persönlich umsorgt und in der Krankheit betreut. In der Heiligspre­chungsurkunde des Papstes Bonifaz IX. wird berichtet, daß Birgitta aus ihrem eigenen, nicht unbeträchtlichen Vermögen in mehreren Orten ihres Heimatlandes ver­fallene Hospitäler wieder herstellen ließ. Sie selbst führte ein Leben in Bescheidenheit. Besitz und Wohl­stand steht Birgitta kritisch gegenüber. Sie weiß um die Gefahr, daß Überfluß an irdischen Gütern „der Annähe­rung des Heiligen Geistes“ im Wege stehen könnte. Die Reichtümer der Welt dürften nicht als Zweck an sich gesehen werden – davon ist Birgitta überzeugt: „Sie gehören dir nur zum Bedürfnis des Lebensunterhalts, denn die Welt ist dazu gemacht, daß der Mensch … zu Gott zurückkehre“.

Bei den Dominikanermönchen in Skännige, mit de­nen sie regen Kontakt pflegt, lernt sie, ihre geistigen Fähigkeiten zu entdecken und auszubilden. In das Stu­dium der Heiligen Schrift wird sie von ihrem Beichtvater, dem Domherrn Matthias von Linköping, eingeführt. Die Beziehung zu diesem hochgebildeten Mann prägt ihre ganze intellektuelle und religiöse Entwicklung in ent­scheidendem Maße. Auf Birgittas Bitte hin übersetzt Magister Matthias die ersten fünf Bücher des alten Testaments, den sogenannten Pentateuch, ins Schwedi­sche. Dem 1350 in Stockholm gestorbenen Theologen verdankt Birgitta außerdem vielfältige Berührungen mit den spirituellen Strömungen der damaligen Zeit. In der Erklärung zum ersten Buch der „Offenbarungen“ wird Meister Matthias „doctor sponsern Christi“ genannt – derjenige, der Christi Braut belehren sollte.

Zwei Jahrzehnte lebt Birgitta bereits in Ulvasa, als sie 1335 vom schwedischen König Magnus II., einem Cousin, an den Hof nach Stockholm berufen wird. Der junge Herrscher suchte nämlich eine mütterliche Ratgeberin für seine unerfahrene, kindliche Gemahlin, die flämi­sche Grafentochter Blanca von Namur. Obwohl sie eine starke Abneigung gegen das höfische Leben hat, fügt sich Birgitta dem Wunsch des Verwandten. Im Alter von 32 Jahren übernimmt sie den Posten einer Oberhofmeisterin in der Hauptstadt. Notgedrungen muß sie die Zurückgezogenheit des häuslichen Sitzes aufge­ben und sich von ihren Kindern trennen. Nur Gudmar, ihren jüngsten Sohn, nimmt sie mit nach Stockholm.

Für den König bringt Birgitta ein wertvolles Gastgeschenk mit an den Hof, nämlich eine Abschrift jener ersten schwedischen Bibelüberstzung, die ihr Magister Matthias angefertigt hatte. Außerdem legt sie dem Monarchen eine Anzahl von Ratschlägen ans Herz, wie er den göttlichen Geboten gemäß leben und sein Reich gerecht regieren solle.

Das junge Herrscherpaar hegt trotz seiner Vorliebe für ausschweifende und unbeherrschte Lebensführung große Bewunderung für Birgittas tugendhaften Charak­ter. Ihrer Achtung und Verehrung geben Magnus und Blanca auch öffentlich Ausdruck, indem sie die Vertraute und Ratgeberin 1337 zur Taufpatin ihres erstgeborenen Sohnes Erik bestimmen. Mit Unbehagen muß Birgitta allerdings mit ansehen, daß sich der leichtfertige König immer mehr mit jungen Schmeichlern umgibt, die am Hof stetig an Einfluß gewinnen. Bestärkt von seiner Frau, vernachlässigt Magnus II. seine Regierungs­pflichten, um sich rauschenden Festen und anderen Vergnügen hinzugeben. So kommt es, daß sich Birgitta über dieses „Kind“ auf dem Königsthron, über dieses „Hasenherz“, über diesen „gekrönten Esel“ entrüstet und ihm ernsthaft ins Gewissen redet. Aber ihre Mah­nungen und gutgemeinten Ratschläge werden immer häufiger in den Wind geschlagen. Auch Blanca verläßt den guten Weg, den sie bis dahin einzuschlagen versucht hat. Über das zwischen Gut und Böse schwankende Verhalten der Königin erhält Birgitta manche Offenbarungen.

Mit eindringlichen Bitten und Mahnungen versucht Birgitta, auf die Königin einzuwirken. Doch ihre Bemü­hungen stellen sich als vergeblich heraus. Als Birgitta ihre Ohnmacht am Hof erkennt, widmet sie sich stärker als zuvor dem Gebet. Zu Beginn des Jahrs 1338 trifft sie ein anderer, noch größerer Kummer: Ihr Sohn Gudmar stirbt im Alter von 11 Jahren. Es wird berichtet, daß Birgitta und Ulf daraufhin nach Drontheim zum Grab des heiligen Königs und Märtyres Olaf pilgern, um für König Magnus und für das bedrohte Reich zu beten. Nach Stockholm zurückgekehrt, erweist sich die Fruchtlosigkeit ihrer Gegenwart dort ständig aufs neue. Darum be­schließen sie unter einem Vorwand, für einen längeren Zeitraum Urlaub zu nehmen.Tatsächlich wird es diesmal ein endgültiger Abschied vom Hof. Birgitta und Ulf brechen zu einer Wallfahrt nach Santiago de Compostela auf. Ziel ihrer beschwerlichen Pilgerreise ist das Grab des heiligen Jakobus, das im Mittelalter von Gläubigen aus allen Ländern Europas aufgesucht wird.

Die weite Strecke zur spanischen Westküste unter­nehmen sie, wie es damals üblich ist, zu Fuß und in schlichter Büßerkleidung. Auf der Pilgerfahrt kommen sie auch durch Köln, wo sie den Schrein der heiligen drei Könige besuchen. Während der Monate in Spanien verbreitet sich Birgittas Ruhm durch das ganze Land. Sie wird als Heilige betrachtet und verehrt. Auf dem Heim­weg erkrankt Ulf im französischen Ort Arras lebensge­fährlich. Birgitta, die vor Gott um sein Leben fleht, schaut in einer Vision Rom und Jerusalem. Der heilige Dionysius, der Apostel Frankreichs, verkündet ihr der Legende zufolge, sie werde diese herausragenden Stätten der Christenheit sehen, um Gott der Welt bekannt zu ma­chen. Zum Zeichen der Wahrheit dieser Voraussage werde Ulf wieder genesen. So geschieht es auch.

Ulf, der den Tod vorAugen, seine Fehler erkennt, faßt den Entschluß, als Novize in das schwedische Kloster Alvastra einzutreten. In einer Handschrift aus dem Jahr 1343 wird sein Name zum letzten Mal als der eines Landvogts erwähnt. Am Weihnachtsfest des gleichen Jahres empfängt er das Gewand der Zisterzienser. Sein Tod im Februar 1344 wird zum Wendepunkt in Birgittas Leben. Sie folgt dem Rat von Magister Matthias und bleibt, inzwischen 42jährig, zunächst in Alvastra, wo sie sich während Ulfs schwerer Krankheit dank der Großzügigkeit des Priors aufhalten konnte – denn ei­gentlich ist die Anwesenheit einer Frau in einem Männerkloster nicht gestattet. Gerrechinus, ein Mönch des Konvents von Alvastra, der an dieser Ausnahme­regelung heftigen Anstoß nimmt, wird angeblich durch eine Stimme belehrt: „Diese Frau ist eine Freundin Gottes und in dieses Kloster gekommen, damit sie unter dem Berg (Alvastra liegt am Fuße des Ombergs in Mittelschweden, Anm.) sammle, aus de­nen alle Völker – auch jenseits des Meeres und an der Welt Enden – Arznei empfangen sollen.“

Birgitta selbst spürt während ihres Aufenthalts in Alvastra die Ungewißheit, was ihre Zukunft betrifft. Doch der Klosteraufenthalt sollte auch seine guten Sei­ten haben, denn Birgitta wird jetzt auf ihre eigentliche Berufung, „Braut und Mittlerin Gottes“ zu sein, vorbe­reitet: Einerseits durch die Abgeschiedenheit von der Welt sowie durch stetige Übungen der Buße und der Frömmigkeit, andererseits durch viele innere Erleuchtungen, die ihr beim Betrachten des Lebens und der Passion Jesu und Marias zuteil werden. Es ist schon einige Zeit seit dem Tod des Ehemannes vergangen, als Birgitta in Ekstase eine leuchtende Wolke sieht, aus der eine Stimme zu ihr spricht: „Frau, höre mich!“

Demütig erklärt Birgitta darauf ihre Bereitschaft, und die Stimme fährt fort zu sprechen: „Ich bin der Schöpfer des Himmels, der Erde, des Meeres und von allem, was darin ist. Ich bin eins mit dem Vater und dem Heiligen Geiste, nicht wie die steiner­nen und goldenen Götter, wie man vor Zeiten sagte, auch nicht mehrere, wie man damals glaubte, sondern ein Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, dreifaltig in den Personen, einer dem Wesen nach, der alles erschafft, aber von niemandem erschaffen, unbeweglich und allmächtig, ohne Anfang und ohne Ende ist. Ich bin’s, der von der Jungfrau Maria geboren, seine Gottheit nicht einbüßte, sondern der Menschheit zugesellte, so daß ich in einer Person der wahre Sohn Gottes und der Sohn der Jungfrau bin. Ich bin’s, der am Kreuze gehangen hat, und gestor­ben und begraben wurde, ohne daß die Gottheit dabei versehrt wurde. Denn, obwohl ich, der Menschheit und dem Fleische nach, die ich, der Sohn allein, angenommen, gestorben bin, so lebte ich doch in der Gottheit, worin ich mit dem Vater und dem Heiligen Geiste ein Gott war. Ich bin eben derselbe, welcher von den Toten auf­erstanden und zum Himmel aufgefahren, und der ich auch jetzt mit dir durch meinen Geist rede. Ich habe dich erwählt und zu meiner Braut angenommen, um dir meine Geheimnisse zu zeigen, weil es mir also gefällt. Du bist auch gewissermaßen von Rechts wegen mein gewor­den, weil du im Tode deines Gemahls deinen Willen in meine Hände übergeben hast. Weil du auch nach seinem Tode gedacht und gebeten, wie du arm sein könntest bei mir. Auch hast du meinetwegen alles verlassen wollen und bist dadurch von Rechts wegen mein geworden. Für eine so große Liebe mußte ich dir meine Fürsorge widmen. Deshalb nehme ich dich zu meiner Braut an, zu meiner eigenen Lust, wie Gott eine solche an einer keuschen Seele haben darf …“

Als Birgitta aus Furcht, es könnte sich bei diesen Worten um eine Täuschung handeln, erschrickt, hört sie:

„Fürchte dich nicht, denn ich bin der Schöpfer aller Dinge, aber kein Betrüger. Wisse, daß ich nicht deinetwegen allein rede, sondern auch zum Heil aller Christen. Vernimm also, was ich dir sage: Du wirst meine Braut und mein Kanal sein. Du wirst Geistliches und geheimes Himmlisches hören und sehen, und mein Geist wird bei dir bleiben bis zu deinem Tod…“

Für alles, was Birgitta in der Folgezeit an außerge­wöhnlichen Eingebungen erfahren sollte, wird sie von Gott an ihren geistlichen Ratgeber, Magister Matthias, verwiesen. Auf dessen Weisungen solle sie gehorsam achten.

Matthias wiederum wird in Birgittas Vision mit dem Auftrag bedacht, er solle die göttlichen Worte in lateini­scher Sprache niederschreiben und sammeln.

Der Magister wird auf diese Weise gewürdigt, Mitwis­ser der an Birgitta ergangenen göttlichen Offenbarungen zu sein. Um für diese immer mehr aufgeschlossen zu werden, muß Birgitta zunächst eine harte Probe beste­hen. Ungewiß über das, was Gott mit ihr vorhat, und als Auswirkung ihrer strengen asketischen Lebensweise im Kloster, beginnt sie an Leib und Seele zu leiden. Hunger und Kälte setzen ihrer Gesundheit zu. Sie entwickelt eine derart starke Lust am Essen, daß sie kaum an etwas anderes zu denken vermag. Außerdem wird sie von bohrendem Zweifel befallen, ob die mystischen Mittei­lungen, die sie zuweilen erhält, nicht doch nur eine Täuschung des „bösen Feindes“ darstellen. Hin- und hergerissen zwischen körperlichem Elend und geistiger Not, verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand zuse­hends. Endlich kann Meister Matthias die abgemagerte Heilige dazu bewegen, wieder regelmäßige Mahlzeiten einzunehmen. So gelingt es Birgitta nach und nach, ihre Krise zu überwinden. Sie gewinnt die feste Überzeu­gung, daß ihre mystischen Erfahrungen tatsächlich echt sind. Befreit von zerstörerischen Gedankenspielen, öff­net sie sich einem neuen Leben.

Der erste Auftrag, den Birgitta vom „Wort“ erhält, ist der, an den königlichen Hof nach Stockholm zurückzukehren und nunmehr als von Gott gesandte Prophetin Magnus II. ins Gewissen zu reden. Wie befoh­len, tritt sie in Büßerkleidung vor den König und berich­tet inmitten der Hofleute folgende Vision, die sie über das Schicksal ihres Heimatlandes hatte: … „Als ich mich im Gebete befand, sah ich den Himmel ganz trüb, Sonne und Mond aber in hellster Klarheit leuchten, ihr Licht breitete sich auch über den Himmel hinaus. Als ich aufmerksam hinschaute, gewahrte ich, wie gute und böse Engel wider Sonne und Mond stritten, sie erhielten aber nicht eher die Oberhand, als bis ein großer und schrecklicher Drache am Himmel aufstieg, dem Sonne und Mond ihre Macht und Klarheit abtraten. Alsbald erblaßte die Sonne und wurde finster und der Mond entfloh hinter die Erde, und als ich auch die Erde schaute, erblickte ich dieselbe voll kriechender Tiere und Schlan­gen, welche die Oberfläche der Erde abfraßen und die Menschen mit ihren Schwänzen töteten, bis die Sonne in den Abgrund fiel und die Stätte des Mondes nicht mehr gefunden ward. Nach Verlauf von elf Jahren hörte ich, wie die Stimme Christi zu mir sprach: ‚Erinnere Dich, meine Braut, was ich Dir in der Stadt Stockholm von jener Verwirrung am Himmel gezeigt habe. Jetzt aber will ich Dir auslegen, was das bedeu­tet. Der verfinsterte Himmel, den ich Dir gezeigt habe, ist dieses Reich Schweden, denn dieses Reich, das wie ein himmlisches ruhig und gerecht sein sollte, wird jetzt vom Sturmwinde der Trübsale, von Ungerechtigkeiten hin und her geworfen und durch ein Übermaß von Abgaben zertreten. Das ist auch kein Wunder, denn der König und die Königin, welche wie Sonne und Mond glänzten, sind schwarz geworden wie Kohlen, weil sie ihre Sitten und ihren Willen umgewandelt haben; sie haben auch einen Menschen von einem Natternstamme erhoben, um meine Freunde und die Einfältigen zu Boden zu werfen. Deshalb wisse, wie dieser Drache zu Schanden und schneller stürzen wird, als er aufgestiegen war. Meine Freunde aber, von denen einige ein engelgleiches Leben führen, obwohl unter ihnen auch einige wie böse Engel von einem wüsten Wandel sind, werden erhöht und von ihren Trübsalen befreit werden. Die Sonne aber wird blaß werden, bis sie unter die Krone kommt, weil sie nicht hat in der Krone bleiben wollen, und es wird von ihr gesagt werden, daß nach dem Maße ihres früheren Glanzes ihre Finsternis gemehrt worden ist.‘.“

Der Sinn der apokalyptisch anmutenden Drohung wird am Hof zwar nicht verstanden, doch versetzen die eindringlichen Worte die Zuhörer in große Furcht. Den König weist Birgitta an, ungerechte Steuern, die schwer auf der Bevölkerung lasten, abzuschaffen. Sie bringt Magnus sogar dazu, öffentlich seine Schuld am Nieder­gang des Reiches einzugestehen. Es wird dabei deutlich, wie die mystische Begabung Birgittas in die Welt hinein wirksam wird: Nicht in eigenem Namen, sondern als „Mittlerin Jesu Christ“ tritt sie für die Armen und deren Rechte ein; die ekstatische Versenkung in Gott und das politische Handeln lassen sich bei ihr nicht trennen.

In Stockholm erhält Birgitta mehrere Offenbarungen, die sich auf das sittenlose Leben des hohen Klerus beziehen. Dies trägt ihr die Feindschaft mehrerer hoch­gestellter Persönlichkeiten ein. Als ihr Sohn Benedikt im Sterben liegt, verläßt Birgitta nach kurzem Aufenthalt die Hauptstadt und eilt nach Alvastra. Dort widmet sie sich nach dem Tod des jungen Mannes ganz dem Studi­um der Bibel, der Kontemplation und der Askese.

Im Frühjahr 1346 wird ihr in einer Vision aufgetra­gen, einen neuen Orden zu gründen, dessen Regeln ihr geoffenbart worden sein sollen. Jedes Kloster des nach ihr benannten Birgittenordens sollte aus einem Mönchs- und einem Nonnenkonvent bestehen mit je einem Haus, aber einer gemeinsamen Kirche, und 60 Ordensfrauen, 13 Mönchen, vier Diakonen und acht Laienbrüdern.

Um ihre Pläne venwirklichen zu können, bittet Birgitta sogleich ihren Cousin, König Magnus II., um großzügige Unterstützung. Dieser schenkt ihr daraufhin im Mai 1346 für die Klosterstiftung unter anderem das Königsgut Wadstena. Noch im gleichen Jahr wird der Grundstein gelegt. So entsteht das erste aller skandinavischen Klöster, das von einer einheimischen Persönlichkeit gegründet ist. Die Ordensregel wird schriftlich festgehal­ten und von den schwedischen Bischöfen offiziell bestä­tigt.

Die Arbeiten am Klosterbau haben gerade erst be­gonnen, als Birgitta ganz überraschend in einer Vision eine neue Weisung erhält. Gott soll ihr den Auftrag erteilt haben, nach Rom zu gehen, um dort mit dem Papst und dem Kaiser über den ersehnten Frieden für Europa und die Erneuerung der Kirche zu sprechen. Vor ihrer Abreise nach Italien muß Birgitta auf Wunsch des Königs, der einen Eroberungszug gegen Rußland plant, wieder nach Stockholm gehen. Am Hof beschwört sie ihren Verwand­ten, das als „Kreuzzug“ ausgegebene kriegerische Vor­haben fallen zu lassen. Doch Magnus hört nicht auf sie. Verärgert über ihre Mahnungen, behandelt er sie nur noch mit Verachtung und Spott. Als sich im Krieg gegen die Russen eine schwedische Niederlage abzeichnet, werden Birgittas Visionen immer erschreckender. Sie finden ihren Höhepunkt in der Prophezeiung der Pest, die tatsächlich weite Teile Europas heimsuchen sollte.

Obwohl der Weisung, nach Rom zu gehen, nichts mehr im Weg zu stehen scheint, hält sich Birgitta im Frühjahr 1349 noch in Schweden auf. Vermutlich hat der Ausbruch der Pest den Antritt der Reise hinausgescho­ben. Nach der Überlieferung ist Birgitta frühestens im Herbst desselben Jahres in Italien eingetroffen. Ihre Kinder hatte sie in der Heimat zurücklassen müssen. Nur mit einem kleinen Gefolge, zu dem auch ihre Beichtväter Prior Petrus Olafsson von Alvastra und Petrus Olafsson von Skännige zählten, war sie zu der beschwerlichen Pilgerfahrt quer durch Europa nach Italien aufgebro­chen.

Armut und Unordnung prägen in der Mitte des 14. Jahrhunderts das Bild der Metropole am Tiber. Während die unteren Schichten der Bevölkerung in menschenun­würdigen Unterkünften hausen müssen, führen die Großen der Stadt ein ausschweifendes Leben in ihren Palästen. Blutige Fehden gehören zur Tagesordnung. Selbst die hohen Würdenträger der Kirche schwelgen trotz der allgemeinen Not im Luxus, ihre eigenen religi­ösen Pflichten scheinen sie völlig vergessen zu haben. Viele Gotteshäuser sind bereits verfallen, und das geist­liche Haupt der Christenheit, der Papst, lebt in Avignon im Exil, wo es ganz unter der Kontrolle des französischen Königs steht. Auch Vetternwirtschaft und Korruption haben der Kirche schweren Schaden zugefügt. Das ist das Rom des Jahres 1350, über das Maria sich den „Offenbarungen“ zufolge so heftig beklagt: „… Nun aber kann ich von Rom sprechen wie der Prophet von Jerusalem. Vor Zeiten, spricht er, wohnte Gerechtigkeit darinnen und ihre Fürsten waren Friedensfürsten, nun aber ist sie in Schlacken gewandelt und ihre Fürsten sind Mörder. Ach, wenn du deine Tage erkennen möchtest, o Rom, so würdest du weinen und dich nicht freuen! Rom war vor alten Zeiten wie ein Tuch gefärbt in den schönsten Farben und gewebt aus den edelsten Faden. Auch seine Erde war mit rotem Blute gefärbt, d.h. mit dem Blut der Märtyrer, und zusammengewebt, d.h. vermischt mit den Gebeinen der Heiligen. Jetzt aber sind seine Tore verödet, weil die Verteidiger und Hüter dersel­ben sich hingeneigt haben zur Begehrlichkeit. Seine Mauern sind niedergeworfen und ohne Wache, weil man sich nicht kümmert um den Schaden der Seelen, sondern Geistlichkeit und Volk, welche die Mauern Gottes sein sollten, haben sich zerstreut, um dem Nutzen des Flei­sches obzuliegen. Die göttlichen Gefäße werden auf verächtliche Weise verkauft, weil die Sakramente Gottes für Geld und weltliche Gunst gespendet werden. Die Altäre aber sind ver­ödet, weil demjenigen, welcher umgeht mit den Gefäßen, die Hände leer von der Liebe Gottes und die Augen auf das Opfer gerichtet sind; ob sie nun auch Gott wahrhaftig in den Händen haben, ist ihr Herz doch leer von Gott, weil dasselbe mit weltlichen Eitelkeiten angefüllt ist. Das Allerheiligste aber, worin einst das Hochopfer vollzogen ward, bedeutet das Ver­langen nach dem göttlichen Genusse und An­schauen, wovon die Liebe aufsteigen sollte zu Gott und dem Nächsten, so wie der Duft der vollen Mäßigkeit und Tugend. Nun aber wird das Opfer im Vorhofe vollzogen, d.h. in der Welt; denn alle göttliche Liebe ist verkehrt in Unmäßigkeit und Eitelkeit der Welt. Eine solcher ist die Stadt Rom, welche du leiblich geschaut; denn viele Altäre sind verwüstet, das Opfer wird verzehrt in den Schenken. Diejenigen, wel­che opfern, liegen mehr der Welt ob, als Gott. Gleichwohl sollst du wissen, daß von der Zeit Petrus des Demütigen bis dahin, wo Bonifatius den Stuhl der Hoffart bestiegen, unzählige See­len hinaufgegangen sind gen Himmel. Auch jetzt noch ist Rom nicht ohne Freunde Gottes, welche, wofern sie Hilfe hätten, zum Herrn rufen wür­den und er würde sich ihrer erbarmen.

O Roma, Roma, deine Mauern sind zertrüm­mert, deshalb sind deine Tore ohne Wache; deine Gefäße werden verkauft, deshalb sind deine Altäre verödet; das lebendige Opfer und der Morgenweihrauch werden im Vorhof verbrannt und vom Allerheiligsten geht deshalb kein heili­ger, süßester Duft aus.“

Wie Birgitta und ihr Gefolge sind damals zahlreiche Pilger aus allen Teilen Europas in die Stadt geströmt, um in dem vom Papst ausgerufenen großen Jubeljahr 1350 die Vergebung ihrer Schuld zu erbitten. Das erste Jubeljahr hatte übrigens Papst Bonifaz VIII. 1300 ver­kündet. Er stützte sich auf die Tradition des Ablasses für Rompilger und gewährte denen Befreiung von der Sündenstrafe, die im Laufe des Jahres die Basiliken der Apostel aufsuchten und in Reue ihre Schuld bekannten. Seither waren 50 Jahre ins Land gegangen, Jahre des Leidens der Kirche.

Am Grab des Apostels Petrus bittet Birgitta um den Beistand des Heiligen für ihren göttlichen Auftrag. In einer Vision weist Petrus sie zunächst auf sein eigenes Versagen hin, verspricht ihr dann aber seine Hilfe und sagt: „Ich sage dir, wie man noch in deinen Tagen sagen wird: Es lebe der Statthalter Petri! Und du wirst ihn mit deinen Augen sehen; denn ich will den Berg der Lust durchgraben, und die darauf Sitzenden werden her­absteigen. Diejenigen aber, welche nicht gutwillig her­absteigen wollen, werden wider die Hoffnung aller gezwungen werden. Denn Gott will mit der Barmherzig­keit und Wahrheit erhöht werden.“

Freudig und mit einem Gefühl der Dankbarkeit und Zuversicht verläßt Birgitta die Basilika und beginnt nun, für die Kirche und ihren Neuaufbau zu arbeiten. Ihre Wartezeit ist damit vorüber. „Zwei Jahrzehnte lang sollte sie Steinchen um Steinchen für diesen Bau zusammentragen – und ihn doch nie vollendet sehen. Gott durch die … Gnaden der mystischen Vereinigung aufs innigste verbunden, gibt sie sich hin als Sühnopfer für die Laster der Vertreter der Kirche, so wie sie sich zuvor gab für Anliegen ihres Vaterlandes“, heißt es in der Lebensbeschreibung der Heiligen von Karola Adalsten.

Während ihres Aufenthalts in Rom wohnt Birgitta im Haus des Kardinals Hugo Roger Beaufort, des Bruders von Papst Clemens VI. Zu jener Zeit soll sie bereits Kranke, die ihre Hilfe erbaten, durch einfaches Auflegen der Hände geheilt haben. So ist der Fall einer norwegi­schen Pilgerin überliefert, die Birgitta der Legende nach auf der Straße mit einem Kreuzzeichen von ihren epileptischen Krämpfen befreit haben soll.

In Rom findet die Heilige dank ihrer adeligen Her­kunft schnell Kontakt zu den bedeutendsten Persönlich­keiten der Stadt. Für den päpstlichen Beauftragten Ponzio Perrotti, Bischof von Orvieto, etwa empfängt sie folgende Offenbarung: „Die Erde verbirgt diesem Prälaten den Himmel. Wie ein Tier gefangen wird durch den Köder in der Falle, so läßt er sich verführen durch die Verlockung des Reichtums bis er – vom Tode bedrängt – alles ohne Furcht zurücklassen wird.“

Der Prälat sollte einige Zeit später von den Römern vertrieben werden. In Avignon beendet er sein Leben. Birgitta, die ihre Voraussage erfüllt sieht, erwartet dar­auf den Vollzug des göttlichen Urteils über den Papst selbst. Er läßt nicht lange auf sich warten. In der Zwischenzeit erhält sie den Auftrag, Klöster, um deren Disziplin es mehr als schlecht bestellt ist, zu bekehren und zu erneuern. Als sie in einem Augenblick der Niedergeschlagenheit wegen der schwierigen Aufgabe an ihrer Sendung zweifelt, soll ihr Maria erschienen sein und sie gemahnt haben, sich ohne zu verzagen um die Rettung anderer zu bemühen: „Wisse, daß die Freun­de Gottes für jedes Wort und Werk, das sie um Gottes willen und für die Besserung der Seelen reden und tun, und für jede Stunde der Trübsal, welche sie um Gottes willen ertragen, gekrönt werden – mögen sie viele oder keinen bekehrt haben.“

In Italien trifft Birgitta ganz unerwartet ihre Tochter Katharina, die sich ebenfalls zu einer Pilgerreise aufge­macht hatte. Von nun an bleiben Mutter und Tochter zusammen, um in Roms Armenviertel Hungrige zu speisen und für die Besessenen um Heilung zu beten. Birgitta schreibt in prophetischer Manier an die Bischöfe eine Reihe von Belehrungen, die mit ihren anderen Offenbarungen schnell bekannt werden und die Adres­saten zur Umkehr bewegt haben sollen. Die teils an einzelne Bischöfe und teils an den gesamten Episkopat gerichteten Unterweisungen umfassen eine ausführli­che Tagesordnung und genau umschriebene Lebensregeln. Christus hatte sich bei ihr in einer Vision eindringlich über die Nachlässigkeit und Sittenlosigkeit des Klerus beklagt:

„Ich bin Gott, derselbe, welcher einst der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs genannt ward. Ich bin der Gott, welcher einst Moses das Gesetz gab.

Dieses Gesetz wird jetzt verworfen und vom Bösen verachtet. Denn es heißt, das Gesetz sei beschränkend, schwer und häßlich. Beschränkend nennen sie es, weil das Gesetz geboten, sich mit dem Notwendigen zu begnügen und das Überschüssige zu meiden; sie aber wol­len alles haben gegen die Vernunft, wie das unvernünftige Vieh über die Kräfte des Leibes. Darum ist es ihnen eng. Zweitens sagen sie, es sei schwer, weil das Gesetz sagt, man solle Freuden haben mit Vernunft und zu bestimmten Zeiten. Sie aber wollen vollere Freude haben, als ihnen nützlich und ihnen fest­gesetzt ist. Drittens sagen sie, daß es häßlich sei, weil das Gesetz die Demut zu lieben und Gott alles Gute zuzu­schreiben gebietet. Sie aber wollen mit den Gütern, welche von Gott gegeben worden, Hoffart treiben und sich überheben. Deshalb ist es ihnen häßlich … Die Priester handeln gegen mich wie Verräter. Denn sie zeigen mir ein freund­liches und sanftes Anlitz und führen mich an einen verborgenen Ort, um mich zu verraten. Die Priester zeigen mir dann ein freundliches Gesicht, wenn sie gut und einfältig zu sein scheinen; an den heimlichen Ort führen sie mich, wenn sie zum Altare gehen. Dann bin ich bereit, wie eine Braut oder wie ein Bräutigam allen ihren Willen zu tun, aber sie verraten mich. Erstens führen sie einen schweren Schlag auf mich, wenn der Gottes­dienst, den sie mir halten, ihnen lästig und beschwerlich ist; denn sie sprechen lieber hun­dert Worte für die Welt, als eines zu meiner Ehre. Sie würden lieber hundert Mark Goldes für die Welt, als einen Heller für mich geben. Sie würden hundert Mal lieber für den eigenen oder der Welt Nutzen arbeiten, als nur einmal für meine Ehre. Mit dieser Last erdrücken sie mich, ich bin wie tot aus ihren Herzen. Zweitens stechen sie mich, wie mit einem scharfen Eisen, welches mir in das Herz dringt, wenn der Prie­ster an den Altar tritt und denkt, daß er gesündigt, und Reue empfindet, aber den festen Willen hat, nach beendigtem Gottesdienste aufs neue zu sündigen, wobei er bei sich denkt: Die Sünde gereut mich wohl; allein ich will diejenige, mit der ich gesündigt habe, nicht von mir lassen, um es nicht mehr tun zu können. Diese stechen mich wie mit einem scharfen Eisen. Drittens wird mir der Atem gleichsam erstickt, wenn sie also bei sich denken: Es ist gut und ergötzlich, bei der Welt zu sein, es ist gut zu schwelgen, und ich kann mich nicht enthalten. Ich will meinen Willen tun in der Jugend; wenn ich aber alt geworden bin, dann will ich enthaltsam sein und mich bessern. … Siehe, solche Priester sind nicht meine Priester, sondern wirkliche Verräter. Denn sie verkaufen und verraten mich, wie Judas. Ich überschaue Heiden und Juden, erblicke darunter aber keine, die schlimmer wären, als jene, weil die Priester in derselben Sünde sind, durch wel­che Luzifer fiel. Nun melde ich dir auch ihr Gericht und wem sie gleichen. Ihr Gericht ist der Fluch …

Von Himmel und Erde und allen unvernünfti­gen Geschöpfen werden sie verflucht werden, denn diese gehorchen Gott und preisen ihn; jene aber verachteten denselben. Deshalb schwöre ich bei meiner Wahrheit (denn ich bin die Wahr­heit), daß, wenn sie also und in solcher Verfas­sung, worin sie sich jetzt befinden, sterben, sie nimmer meine Liebe, noch meine Kraft um­schließen wird, sondern sie ewiglich werden verdammt werden.“

Wegen der ausführlichen Belehrungen, die Birgitta während ihrer Entrückungen empfängt, wird sie bald von vielen Menschen um Rat angegangen. Ihr karitativer Einsatz hat zur Folge, daß das eigene Vermögen immer mehr zusammenschmilzt. Ein Geistlicher beginnt daher, ihre Ausgaben zu kontrollieren, um sie vor dem Ruin zu bewahren. Dennoch kann nicht verhindert werden, daß sie später als völlig mittellose Frau dasteht. Birgitta stellt ihr Leben in Rom ganz in den Dienst tatkräftiger Nächstenliebe sowie in den Dienst Jesu Christi, göttliche Botschaften zu übermitteln. Die Beziehung zu Gott ersetzt bei ihr nicht den Kontakt zu den Mitmenschen ­im Gegenteil. „Birgitta ist keine Einsiedler-Natur und verliert nie in ihrem langen Leben das Interesse an ihrer Umwelt; immer ist sie ein geistlicher Mittelpunkt“, schreibt Karola Ada Isten.

Um die politische Aufgabe Birgittas und ihr Handeln innerhalb der Kirche besser verstehen zu können, muß zunächst der geschichtliche Hintergrund etwas erhellt werden. Birgitta ist das Kind einer Zeit, in der sich ein entscheiden­der Umbruch vollzieht: Die Welt des Mittelal­ters ist in der Mitte des 14. Jahrhunderts bereits in Auflösung begriffen, das Geflecht der überkommenen sozialen und wirtschaftlichen Bindungen verliert zunehmend an Bedeutung; vor allem in den Städten wird gleichzeitig jedoch ein Aufbruch zu neuen Ufern spürbar ­das Zeitalter der Renaissance, die Rück­besinnung auf die Vorbilder und Werte der klassischen Antike, kündigt sich an. Das spätmittelalterliche Europa steckt in einer tie­fen Krise: Die Türken bedrohen die Grenzen des christlichen Abendlandes, dessen Einheit im Innern wiederum durch den 100jährigen Krieg zwischen England und Frankreich ent­scheidend geschwächt wird.

Birgitta muß erkennen, daß auch die Kirche von Auflösungserscheinungen erfaßt wird: Das Papsttum hat seine Selbständigkeit und seine universale Macht eingebüßt und ist in der Interessen-Politik des französischen Königs gefangen; augenfällig wird dies durch die bereits erwähnte Tatsa­che, daß der Papst nicht mehr in Rom, sondern im Exil in Avignon residiert. Ungeniert mischen sich weltliche Machtpolitiker in die internen Angelegenheiten der Kir­che ein. Hinzu kommt, daß auch geistliche Ämter gegen Geld an unwürdige Personen verschachert werden. Es kann daher kaum überraschen, daß manche Zeitgenos­sen Papst Clemens VI., der diese Händel zumindest duldet, geradezu als den Antichrist auf dem Heiligen Stuhl betrachten. In den „Offenbarungen“ sprechen Jesus und Maria im Hinblick auf den Stuhl Petri von einem „Stuhl der Hoffart“.

In der von seinem Oberhirten verlassenen Stadt Rom sind Recht und Gesetz praktisch außer Kraft gesetzt. Zwischen den führenden Adelsgeschelchtern toben er­bitterte Machtkämpfe. In dieser verworrenen Situation versucht Birgitta, als Schlichterin einzugreifen. Doch ihre Bemühungen stellen sich als vergeblich heraus. Ja, sie wird sogar zur Zielscheibe des Hasses. Prior Petrus, ihr Beichtvater, berichtet von einer beleidigenden De­monstration gegen die Heilige. Ursache der Anfeindungen sind ihre Offenbarungen über die Sünden der Römer und die strengen Strafen, die sie ihnen dafür androht. In bestimmter Kreisen wird Birgitta sogar als Hexe be­schimpft, die man verbrennen solle. In einer Vision verspricht ihr Jesus darauf, sie vor bedrohlichen Angrif­fen zu schützen.

Nach dem Tod von Papst Clemens Vl. 1352 in Avignon sieht es Birgitta als ihre erste Aufgabe an, dessen Nachfolger Innozenz VI. zur Rückkehr nach Rom zu bewegen. Über den neuen Papst soll Christus seiner entrückten „Mittlerin“ gesagt haben, dieser sei „von besserem Erz als seine Vorgänger“.

Doch Innozenz schafft es nicht, sich gegen seine mächtigen Kardinäle durchzusetzen, die an Avignon als dem neuen Mittelpunkt der Kirche festhalten. Die Lage ändert sich, als Urban V. 1362 den Thron Petri besteigt: Er verurteilt die schrecklichen Zustände in Italien, be­klagt die Sittenlosigkeit der Kleriker und verläßt schließ­lich das französische Exil. In Rom wird Urban von dem nach Italien gereisten deutschen Kaiser Karl IV. mit offenen Armen empfangen. Papsttum und Kaisertum, geistliches und weltliches Oberhaupt der Christenheit, scheinen nach ihrem dauerhaften Streit um die Vor­macht im Abendland wieder versöhnt zu sein. Birgitta glaubt sich bereits am Ziel ihrer Anstrengungen, doch die Freude darüber währt nicht lange. In einer Audienz, die ihr Karl IV. gewährt, enthüllt sie ihre Vision über die vier weltlichen „Kinder“ des Kaisers – die Sünden des Stolzes, der Vergnügungssucht, des Luxus und des Ämterkaufs – , die er durch die vier himmlischen „Töchter“ – die Tugenden der Demut, der Enthaltsam­keit, der Selbstverleugnung und der Liebe – ersetzen solle. Der Kaiser hat sich angeblich jedoch geweigert, dieser Weisung Folge zu leisten.

Birgitta teilt auch Papst Urban eine Reihe ihrer Offenbarungen mit, die von Mißständen innerhalb der Kirche und von der Notwendigkeit einer umfassenden Reform handeln. Doch einflußreiche Kardinäle, die die Rückkehr nach Avignon anstreben, setzen Birgittas Mit­teilungen vor Urban herab. Auch die vom Papst erbetene Approbation ihrer Ordensregel wird auf Drängen der hohen Geistlichkeit hinausgezögert. Erst später, im Jahr 1370, erklärt sich der Papst endlich bereit, wenigstens einen Teil der inzwischen überarbeiteten Regel anzuer­kennen. Dieser sollte der von Urban gewünschten Ordensregel des heiligen Augustinus als Ergänzung beigefügt werden. Birgitta erhält jedoch die Genehmi­gung, ein Nonnen- und Mönchskloster in Vadstena nach dieser erweiterten Augustinerregel zu errichten. Birgitta ist enttäuscht, hatte sie doch die vollständige Anerken­nung der ihr persönlich von Christus mitgeteilten Ordensregel erhalten wollen. Außerdem kann sie nicht verhindern, daß der Papst wieder nach Avignon geht, wo er nach seiner Ankunft sterben sollte, wie es Birgitta offenbart worden war.

In Rom muß die Heilige erfahren, daß sich auch in ihrer schwedischen Heimat – wie vorausgesagt – die Lage zugespitzt hat: nach dem Ausbruch der verheerenden Pestepidemie erweist sich die Unfähigkeit von König Magnus als verhängnisvoll. Die Teilung zwischen Schwe­den und Norwegen ist nicht mehr aufzuhalten. Es kommt sogar zu einem Bürgerkrieg, in dessen Verlauf sich Magnus und sein ältester Sohn Erik, der sich gegenüber seinem Bruder Haakon bei der Aufteilung der Macht zurückgesetzt fühlt, bekämpfen. Der König wird abge­setzt und gefangengenommen. Für ihn besteigt Herzog Albrecht von Necklenburg den schwedischen Thron. Nach einer siebenjährigen Haft ertrinkt Magnus auf einer Seefahrt vor der norwegischen Küste. Seine Frau Blanca war zuvor vergiftet worden. Birgittas Prophezei­ung über die Zukunft Schwedens hatte sich damit erfüllt.

Mit Sorge verfolgt Birgitta ein Jahrzehnt lang von Italien aus die Entwicklungen in ihrer Heimat, an denen sie trotz der weiten Entfernung ebenso tätigen Anteil nimmt wie an der Politik Roms und der Kirche. In allen Bereichen verfolgt sie das Anliegen, eine Einheit zwi­schen den göttlichen Geboten und der Ausformung des sozialen und politischen Lebens zu bewirken. Religion und Politik sind in dieser Weltsicht eng aufeinander bezogen. Vor Königen und Päpsten, Adeligen und Klerikern vertritt Birgitta die Grundzüge ihrer Politik, einer Politik der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe.

Während ihres Aufenthalts in Rom unternimmt die Heilige auf Christi Weisung hin zahlreiche Wallfahrten. Zwischen 1364 und 1367 besucht sie mehrere Pilgerstätten Italiens darunter Assisi, wo ihr der heilige Franziskus erschienen sein soll. Der Weg führt sie auch nach Ortona, wo sie die Reliquien des heiligen Thomas aufsucht. In Neapel redet sie der für ihre Dekadenz bekannten Königin Johanna ins Gewissen, doch ihre Mahnungen bleiben erfolglos.

In einer Vision im Mai 1371 teilt ihr Christus mit, sie solle sich auf eine Reise nach Jerusalem zu den heiligen Stätten vorbereiten.

Noch im Herbst macht sich Birgitta mit ihren Söhnen Karl und Birger sowie mit einer Schar von Getreuen auf den Weg. Nach einem längeren Zwischenaufenthalt in Süditalien schiffen sich die Pilger im März des folgenden Jahres in Neapel ein und landen schließlich in Cypern, um dort auf günstigeren Wind zu warten. Auf der Mittelmeerinsel wird Birgitta von Königin Eleonore emp­fangen, die mit ihr persönliche wie auch staatliche Probleme bespricht. Bei der Weiterreise ins Heilige Land gerät die Pilgergruppe zum wiederholten Mal in Lebens­gefahr: Ihr Schiff schlägt vor der Küste Palästinas leck und droht zu sinken. Das Gepäck wird über Bord geschwemmt, doch Birgitta und ihre Begleiter überleben das Unglück. Auf der Schiffspassage soll Birgitta sich fast ununterbrochen in Ekstase befunden haben. In einer langen Vision, die bis zur Ankunft in Palästina andauert, erlebt sie alle Einzelheiten des Gerichtsurteils über die Seele Kaiser Karls mit. In der Grabeskirche von Jerusalem erhält sie wiederum eine Offenbarung von der Passion Jesu.

Im Anschluß an die Ekstase ruft Birgitta zwei ihrer Begleiter, die Beichtväter Alfonso de Vadaterra und Prior Petrus, zu sich, um ihnen zu diktieren, was sie gesehen hatte. Von Jerusalem zogen die schwedischen Pilger über die Gebirgslandschaft von Judäa nach Bethlehem. Dort soll ihr die Gottesmutter alle Einzelhei­ten über die Geburt Jesu berichtet haben.

Vier Monate hält sich Birgitta in Palästina auf, dann kehrt sie über Zypern wieder nach Neapel zurück. Die Hafenstadt war in der Zwischenzeit von der Pest erfaßt worden. Von den Bürgern um Hilfe gerufen, läßt Birgitta in der Kathedrale ihre Offenbarungen über die Neapo­litaner verkünden. Sie haben die Sünden des Volkes und der Geistlichkeit sowie das drohende Strafgericht über die Stadt zum Inhalt. Im Frühjahr 1377 reist Birgitta nach Rom weiter, wo sie die letzten vier Monate ihres Lebens verbringt. Krankheit und Todesangst machen ihr zu schaffen. Angesichts der äußeren Erfolglosigkeit ihrer Bemühungen für Welt und Kirche wird Birgitta von der Furcht überwältigt, mit leeren Händen vor den Richterstuhl Gottes treten zu müssen. Da erscheint ihr der Überlieferung zufolge Maria, die zu ihr spricht: „Dies geschieht, damit du siehst, daß du ohne meinen Sohn nichts bist und kannst.“ Durch diese Worte findet Birgitta Trost und inneren Frieden; sie erkennt, daß sie nicht auf sich allein gestellt ist.

Nachdem sie von Christus selbst Worte des Trostes zugesprochen bekommen hat, stirbt Birgitta am 23. Juli 1373 im 71. Lebensjahr. Ihr Leib wird (mit Ausnah­me eines Armes) nach Vadstena überführt.Auf dem Weg nach Schweden erweisen der Heiligen zahlreiche Men­schen die letzte Ehre. Auf Betreiben ihrer Landsleute wird sie 1391 von Papst Bonifatius IX. heiliggesprochen.

Elmar zur Bonsen / Cornelia Glees

_______

Quelle: „DIE VISIONEN DER HL. BIRGITTA VON SCHWEDEN“, 224 Seiten, gebunden

Siehe ferner: