DER WEG, DER ZUM LEBEN FÜHRT – Aus dem Tagebuch von „Gaby“, Kanada

1-Christus Evangeliar Karl Gr

Nachgezeichnetes Christusbild aus dem Evangeliar Karls des Großen (781) – „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben …“

JESUS SPRICHT:

„Meine Barmherzigkeit ist unendlich; aber bald wird keine Zeit mehr sein für die Barmherzigkeit, und wenn ihr alle, wer ihr auch seid, euer Leben nicht bessert und nicht Buße tut zur Sühne für alle eure Sünden, werde Ich Meinen Zorn ausbrechen lassen gegen den herzlosen, egoistischen und genußsüchtigen Menschen, und die Oberfläche der Erde wird wie ein verzehrendes Feuer werden, und die Welt wird sich selbst vernichten.

Haltet also an, alle, um nachzusinnen und den Weg wieder unter die Füße zu nehmen, auf dem ihr gehen müßt, um Mir zu gefallen. Säumet nicht; denn morgen wird es vielleicht zu spät sein für euch.

Ich will, daß alles, was Ich dir sage, überall in der Welt verbreitet wird und alle Gesellschaftsklassen, ohne Ausnahme, erreicht…

Öffnet die Augen, bevor es zu spät ist, und ergreift diese Hand, die Ich euch reiche, um euch auf dem Weg zu leiten, der euch zum Leben führen wird. Alle diese Leidenschaften und diese sinnlichen Vergnügen, an die ihr euch verliert, werden euch ebenso sicher töten wie das tödlichste Gift. Ihr seid alle tot, und ihr wißt es nicht. Es gibt mehr lebende Kadaver auf der Erde als unter der Erde.

Wachet auf aus dieser Erstarrung, in der ihr euch befindet. Öffnet eure Ohren. Hört Mich, Ich sage es euch: die Zeit drängt. Beeilt euch, zu verstehen, wo euer Gut ist. Kehrt aufrichtig um zu Mir, mit dem festen Wunsch, ein neues Leben zu beginnen, das gänzlich aus Liebe zu Mir besteht…

Noch einmal: es ist Meine große Liebe zu euch Menschen, die Mich drängt, euch vor den Gefahren zu bewahren, von denen die Welt bedroht ist. Selbst wenn Ich euch streng und hart erscheine, wisset, daß es zum Wohle von euch allen und eines jeden ist, wenn Ich Mich unter diesem Zeichen zeigen muß. Die Welt ist verhärtet im Laster, in den Leidenschaften und den Vergnügen aller Art. Es ist notwendig, daß sie von diesem Schlaf aufwacht; denn jeden Tag rückt sie weiter vor auf den Abgrund zu, der sich bald unter ihren Schritten auftun wird und der sie im ewigen Feuer verschlingen wird. Wachet also auf aus diesem todbringenden Schlaf. Fangt euch wieder und beeilt euch, Mir gegenüber aufrichtige Reue zu zeigen und den ehrlichen Wunsch, Mich zu lieben und eure Verirrung durch das Opfer, die Buße und den Verzicht auf alles aus Liebe zu Mir wiedergutzumachen.“


„HALT! Ihr alle, die ihr den Vergnügen nachlauft und die Befriedigung all eurer Begierden sucht, die ihr aber trotzdem eines Tages in den Himmel kommen möchtet — haltet inne und denkt gut nach! Ich sage euch: ihr seid nicht auf dem richtigen Weg, ihr werdet niemals zu Mir kommen, wenn ihr diesem Weg folgt, denn der alleinige und einzige Weg, der euch zu Mir führt, ist der, den Ich euch allzeit gelehrt habe, und den Ich euch in diesen Botschaften in Erinnerung rufe, die Ich in Meiner unendlichen Barmherzigkeit der Unwürdigsten unter euch übermittelt habe, damit ihr alle, welches auch euer Elend, eure Niedrigkeit und eure Verbrechen seien, wohl wisset, daß Ich nicht euren Untergang will, sondern euer Heil. Ihr braucht Mir nur Aufrichtigkeit, Reumütigkeit und den wahren Wunsch zu zeigen, Mich zu lieben und Genugtuung zu leisten, und Ich werde euch alles verzeihen. Im Tausch gegen eure ehrliche Liebe werde Ich euch eine Ewigkeit seliger Wonnen schenken.“

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Quelle: Taschenbuch „DER WEG, DER ZUM LEBEN FÜHRT“ – Das Tagebuch von Gaby – 1 – für die kanadischen Herausgeber übersetzt von Paul O. Schenker – IMMACULATA-Verlag, CH-9050 Appenzell, 240 Seiten.

 

DER WANDEL JESU IN DER WELT – Nach den Visionen der Anna Katharina Emmerich

Zweites Vierteljahr:

Vom zweiten Osterfest bis zum Schluß des Lehrwandels in Galiläa

(1. April bis 30. Juni 33)

Beschluß der Verhaftung Jesu

Gartenstadt Bethanien

April: Di. 1.

Der Geheilte vom Teich Bethesda läuft, wie gestern, so auch heute nach Bethanien und wo sonst Sich Jesus blicken läßt, und erzählt überall den Pharisäern, daß Jesus es ge­wesen, der ihn geheilt; und die Pharisäer entschließen sich, Jesum, wenn es angehe, zu verhaften und beiseite zu schaffen.

Der Herr wandelt heute mehrmals mit den Freunden und Jüngern an den Ölberg. Magdalena und andere Frauen folgen in einiger Entfernung. Unterwegs brechen die Jünger bei reifen Kornfeldern Ähren ab und essen hier und da auch Früchte (vgl. unten 9. April 33). Jesus lehrt wieder vom Gebet und spricht auch von einem dauern­den Wandel in der Gegenwart Gottes.

Das Schlachten des Osterlammes im Tempel beginnt heute nicht schon um halb ein Uhr (wie bei der Kreuzigung Christi), sondern erst gegen drei Uhr werden die Trompeten geblasen, worauf das Volk in drei Gruppen zum Vorhof des Tempels zieht. Die Ge­schwindigkeit und Ordnung ist bewunde­rungswürdig. Alle stehen dicht aneinander, und doch hindert keiner den anderen; jeder hat seine Wege, zu kommen, zu schlachten und zu gehen. Für Lazarus schlachten die vier Männer, die diesmal die Hausväter vor­stellen: Lazarus, Heli von Hebron, Judas Barsabas und Heliachim, der Vetter Jesu.

Das Ostermahl bei Lazarus

Abends, mit Beginn des 15. Nisan, sind im Schlosse zu Bethanien alle geschürzt, wie zur Abreise (Exod. 12), haben neue San­dalen an den Füßen und Stäbe in der Hand. Zuerst singen sie: „Gebenedeit sei der Herr, Gott Israels“ und „Gelobt sei der Herr“, und stellen sich mit erhobenen Händen paar­weise gegen einander, indem sie heranwan­deln. An dem Tische Jesu und der Apostel macht Sein Verwandter Heli von Hebron den Hausvater, an der Tafel der Haus­genossen und Freunde Lazarus, an der der Jünger Heliachim und an einer vierten Ta­fel Judas Barsabas. Es nehmen 36 Jünger am Mahle teil.

Nach dem Gebet wird jedem Hausvater ein Becher mit Wein gebracht, den er segnet, trinkt und herumreicht. Dann wäscht er die Hände, zeigt das Osterlamm und teilt es aus. Alle essen sehr geschwind (wie vor der Ab­reise), schneiden von dem dichten Kraut ab, tauchen es in die Brühe und essen es. Un­terdes bricht der Hausvater einen von den Osterkuchen und legt ein Stückchen davon unter das Tischtuch. Alles dies geschieht im Stehen und unter Gebeten. Die Frauen stehen auch bei ihrer Mahlzeit, sind reise­mäßig gekleidet, singen auch Psalmen, zer­legen aber ihr Lamm nicht selber, sondern es wird ihnen von der anderen Tafel ge­schickt. In den Seitenhallen essen viele arme Leute, deren Mahlzeit Lazarus gespen­det hat, ihr Osterlamm, und sie werden alle beschenkt.

Der Herr hält während der Mahlzeit noch eine Lehre vom Weinstock, vom Veredeln des Weinstockes, vom Ausrotten des schlech­ten, vom Pflanzen edler Reben und vom Beschneiden derselben nach jedem Auf­schießen. Er nennt die Apostel und Jünger diese Reben, und den Menschensohn den wahren Weinstock (vgl. J. 15, 1-8), und sagt, daß sie in Ihm bleiben müßten; und wenn Er gekeltert sei, müßten sie fort und fort den wahren Weinstock, Ihn Selbst, ver­breiten und alle Weinberge damit anbauen. Sie sind bis spät in der Nacht zusammen und sehr gerührt und freudig.

Die Theophanie im Tempel

Jerusalem

Mi. 2.

Das Fest im Tempel beginnt heute sehr früh; er ist nach Mitternacht schon offen, alles ist voll Lampen. Die Leute kommen schon vor Tagesanbruch mit ihren Dankopfern, aller­lei Tieren und Vögeln, die zu kaufen sind, und diese werden von den Priestern in Emp­fang genommen und besichtigt; man bringt auch Geschenke an Geld, Stoffen, Mehl und Öl.

Jesus steht mit den Seinen unter der Menge des Volkes von Sonnenaufgang bis zur Zeit des sogenannten „Stillstandes“, das heißt der Pause mit den Opfern, die etwa um elf Uhr eintritt. Der Herr begibt Sich jetzt, da alle Zugänge wieder offen sind, zum großen Lehrstuhl im Porticus Salomonis. Es ziehen sich viele Menschen zusammen, auch Pha­risäer. Als Er zu lehren beginnt, treten Letztere heran und fragen, warum er das Osterlamm nicht mit ihnen im Tempel ge­gessen, und ob Er heute ein Dankopfer ge­bracht habe. Jesus weist sie an die Haus­väter, die es für Ihn entrichtet hatten. Sie aber bringen wieder vor, Seine Jünger hiel­ten die Gebräuche nicht, äßen mit unge­waschenen Händen und naschten Ähren und Früchte auf dem Weg; man sehe Ihn nie Opfer bringen; es seien sechs Tage zur Arbeit, der siebente zur Ruhe, und Er habe den Mann vom Teich am Sabbat geheilt und sei ein Sabbatschänder.

Doch der Herr setzt Seine Lehre fort und redet gegen sie vom wahren Opfer: der Menschensohn sei Selbst das Opfer, und sie schändeten das Opfer durch ihren Geiz und ihre Lästerung wider den Mitmenschen. Gott verlange keine Brandopfer, sondern bußfertige Herzen; ihr Opfer werde ein Ende nehmen, der Sabbat werde bestehen; aber um des Heiles der Menschen willen sei er da, und nicht die Menschen um des Sabbat willen.

Hierauf machen sie sich über die Parabel vom reichen Manne und armen Lazarus lustig, die der Herr vorgestern erzählt hatte, und fragen höhnisch, woher Er denn die Geschichte so genau wisse, nämlich was der Lazarus und Abraham und der reiche Mann gesprochen, und ob Er denn bei ihnen in Abrahams Schoß und in der Hölle ge­wesen sei; ob Er Sich denn nicht schäme, dem Volke solche Dinge aufzubinden. Da weist Jesus ihnen die echte Geschichtlich­keit, die Seiner Parabel zu Grunde liegt, nach und legt sie auf die Gesinnung Seiner Gegner aus (siehe oben S. 60).

Schließlich werden die Pharisäer so er­grimmt, daß sie gegen den Herrn vor­dringen, lärmen und nach den Tempel­wachen senden, um Ihn verhaften zu lassen. Da verfinstert sich draußen das Wetter, indem dunkle Wolken die Sonne verbergen, so daß es im Tempel auffallend dunkel wird. Und Jesus schaut empor, da das Getümmel groß wird, und ruft: „Vater, lege Zeugnis ab von Deinem Sohne!“ Und eine gellende Stimme schallt nach kurzem Donner durch die Halle: „Das ist mein ge­liebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!“ (vgl. unten 16. März 34).

Die Gegner Jesu werden ganz verwirrt und schauen erschrocken empor; die Jünger aber, die in einem Halbkreis hinter dem Herrn stehen, setzen sich in Bewegung, und Jesus geht zwischen ihnen ungehindert durch die sich öffnende Menge hindurch und verläßt den Tempel an der Westseite und die Stadt durch das Benjamin- oder Eck-Tor bei Lazari Haus (siehe das Bild vom herodia­nischen Tempel S. 64).

Die Jünger haben die Stimme nicht gehört, sondern nur den Donner, denn ihre Stunde war noch nicht gekommen; aber mehrere der zornigsten Pharisäer hörten sie. Als es nach dem Weggang des Herrn wieder hell wird, sprechen sie zwar nicht davon, eilen aber nach und senden Leute, um den Herrn zu verhaften. Er ist jedoch nicht mehr zu finden, und sie ärgern sich, daß sie sich überraschen ließen und Ihn nicht ange­halten hatten.

Festungs-Stadt Rama

Der Herr wandert mit den Jüngern um die Nordostecke der Stadt und bei Anathot vor­bei bis nach Rama und übernachtet im Hotel. Es sei noch bemerkt, daß Stephanus, der spätere Diakon und Märtyrer (Apg. 6-7), während dieser letzten Tage in Be­thanien mit mehreren jerusalemer Jüngern zusammengekommen ist und auch die Leh­ren Jesu mitangehört hat. Er ist Student der Exegese und hat bereits in jenen Tagen im Januar 33, als der Herr in Jerusalem weilte, die Bekanntschaft mit dem Jünger Johannes gemacht und seitdem viel mit Lazarus verkehrt.

Ackerbau-Stadt Thänat-Silo

Do. 3.

Frühmorgens verläßt Jesus Rama und wan­dert mit den Seinen bis Thänat-Silo, wo Er bereits am 20. Oktober 32 gut aufgenom­men, aber diesmal noch liebevoller und ver­traulicher empfangen wird als früher, wie überhaupt jetzt überall, da alle Pharisäer in Jerusalem weilen, und sich nun keiner scheut, sich dem Herrn zu nahen.

Wie schon gestern bei Rama, gehen auch hier die Leute in Prozessionen auf die reifen Kornfelder, schneiden Büschel von Getreide ab und tragen sie an Stangen in die Synagoge und Häuser. Der Herr lehrt hier und da auf dem Feld und in der Stadt. Er spricht immer noch sehr ernst von Seinem nahen Ende; doch ruft Er alle zu Sich, Trost zu suchen (vgl. Mt. 11, 28-30), und betont das Gott wohlgefällige Opfer eines reu­mütigen Herzens. Die Einwohner warnen Ihn, doch nicht durch Samaria zu gehen, weil, wie sie meinen, die Samariter den vom Pascha zurückkehrenden Pilgern allerlei Streiche zu spielen pflegten. Übrigens läßt Pilatus heute allen Galiläern verbieten, Jerusalem ohne seine Erlaubnis zu verlas­sen, sie würden sonst auf den Wegen von seinen Truppen niedergemacht werden.

Der krumme Pharisäer von Atharot

Sadduzäer-Hauptsitz Atharot

Fr. 4.

Von Thänat-Silo wandert der Herr bis Mit­tag nach Atharot, wo Ihm die Sadduzäer mit den Pharisäern am 4. August 32 einen Toten zum Heilen gebracht hatten. Jesus lehrt auf einem Hügel vor der Stadt, wohin Ihm nun wegen Abwesenheit Seiner da­maligen Gegner viele alte Leute, Kranke, Frauen und Kinder folgen. Er lehrt streng und doch zugleich liebevoll, warnt die armen Einwohner vor der Bosheit der Pharisäer, spricht noch deutlicher von Seiner Sen­dung, von Seinem himmlischen Vater, von Seiner nahen Verfolgung, von der Aufer­stehung der Toten, vom Gericht und von der Nachfolge und heilt zum Schluß die Kran­ken: Lahme, Blinde, Wassersüchtige und auch kranke Kinder.

Nach kurzer Erquickung im Hause eines alten, biederen Schullehrers vor Atharot, bei dem die Jünger dem Herrn Herberge besorgt haben, begibt Sich Jesus zum Sab­bathaus und liest die fälligen Perikopen über die Reinigung der Wöchnerinnen (Le­vit 12) ; über die Brotvermehrung der Ger­stenbrote und des Getreides durch Eliseus und über dessen Heilung des aussätzigen Naaman (4 Kön. 4, 42-5, 19).

Als Er bereits eine Zeitlang gelehrt, wendet Er Sich zur Tribüne, wo die Frauen stehen, und ruft eine Witwe zu sich, die von ihren Töchtern auf ihren Platz geführt worden war. Sie ist seit achtzehn Jahren in der Mitte des Leibes ganz gekrümmt und geht mit dem Oberleib so niedergebeugt zur Erde, daß sie fast auf den Händen gehen könnte. Die Töchter führen sie nun zum Herrn, und Er legt ihr Seine Hand auf den Rücken und spricht: „Weib, sei frei von deiner Krank­heit!“ Da richtet sich die Frau kerzen­gerade in die Höhe und ruft: „Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, der Wunder tut allein“ (Ps. 71, 18), und wirft sich vor Jesus nieder, und alle Anwesenden loben Gott. Der Synagogen-Vorsteher aber, der ebenfalls an einer Krümmung leidet, entrüstet sich, daß unter seiner Regierung am Sabbat solche Handlung geschieht, und wendet sich, da er Jesum nicht anzureden wagt, an die Hörerschaft und ruft: „Es gibt sechs Tage, an denen man arbeiten soll, an diesen kommt und laßt euch heilen, aber nicht am Sab­bat!“ — „Du Heuchler“, entgegnet der Herr, „bindet nicht ein jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? Sollte da nicht diese Tochter Abrahams, die der Satan jetzt bereits achtzehn Jahre gebunden gehalten hat, am Sabbat von dieser Fessel gelöst werden dürfen?“ Auf diese Worte hin brechen alle Hörer in Jubel aus und freuen sich über das geschehene Wunder (L. 13, 10-17). Und der gekrümmte Phari­säer erscheint allen ganz lächerlich, da er, statt selbst die günstige Gelegenheit wahrzu­nehmen, Jesum um Heilung seiner eigenen Krummheit anzugehen, sich über einen ver­meintlichen Sabbatbruch durch die Heilung einer Krümmung entrüstet.

Das Abstreifen der Ähren

Sa. 5.

Nachdem der Herr in Privathäusern der Stadt Kranke geheilt und Almosen an Arme verteilt hat, ist Er zum Mittagsmahl Gast der gestern geheilten Witwe, die heute viele Arme beköstigt und reichliche Spenden aus ihrem großen Vermögen austeilen läßt. Während des üblichen Sabbat-Spazierganges geschieht jenes Ährenrupfen seitens der Jünger auf den Getreidefeldern, welches einige Spitzel, die überall hin dem Herrn nachspüren, bis nach Dothan hin berichten, wo die Pharisäer diese Tat dem Herrn am kommenden Donnerstag vorwerfen werden (Mt. 12, 1-2).

Landgut Lazari bei Ginäa

Nach der Sabbatschluß-Lehre wandert Jesus mit den Seinen noch bis zum Landgut Lazari bei Ginäa und übernachtet hier, wie am 25. März dieses Jahres.

Karte Nr. 29
1-Fahsel Emmerick Karte 29

Handels-Stadt Hadad-Rimmon

So. 6.

Auf Seinem Wege nach Hadad-Rimmon spricht der Herr hier und da vor Hirten, empfiehlt ihnen besonders die Liebe gegen die Samariter und überhaupt gegen alle Menschen, legt auch die Parabel vom barm­herzigen Samariter aus (L. 10, 25) und heilt kranke arme Leute. Vor Hadad herbergt Er im Hotel und lehrt in der Stadt besonders von der Auferstehung der Toten, vom Ge­richt und von Gottes Barmherzigkeit.

Am heutigen Tage läßt Pilatus den Auf­rührer Judas Gaulonita mit vielen seiner Anhänger im Tempel durch Soldaten er­morden. Viele Unschuldige kommen dabei mit ums Leben. Auf diese Weise rächt sich Pilatus auch an Herodes Antipas für dessen Spitzbuberei des Turmeinsturzes kurz vor Herodes‘ Geburtstag, Anfang Januar dieses Jahres (vgl. L. 13, 4).

Mo. 7.

Jesus sendet die Apostel und Jünger bis auf wenige in die umliegenden Orte aus, um zu heilen und zu lehren. Er Selbst spricht wie­der in Hadad vor zahlreicher Hörerschar; denn ein großer Zug von Festteilnehmern hat Jerusalem einen Tag nach Ihm verlassen und ist Ihm hierher nachgezogen, um Ihn zu hören.

Die Verklärung auf dem Tabor

Handels-Stadt Kisloth-Tabor

Di. 8.

Auf dem Wege nach Kisloth-Tabor vereini­gen sich nach und nach wieder die gestern ausgesandten Jünger mit dem Herrn, und in Kisloth sammeln sich wieder Scharen von heimreisenden Pilgern um Seinen Lehrplatz.

Berg Tabor

Nachdem Er auch wie gestern viele geheilt hat, sendet Er nachmittags gegen drei Uhr die Jünger rechts und links um den Tabor-Berg und begibt Sich mit Petrus, Johannes und Jakobus Major auf den Berg, wo jene Verklärung Jesu (Mt. 17, 1-8) um Mitter­nacht stattfindet, die unten im Kapitel über die Mystik und die Wunder Jesu eingehend beschrieben wird.

Am Nordfuß des Tabor

Mi. 9.

Unten am Berge erwarten frühmorgens die Jünger den Herrn und sind von einer Gruppe von heimreisenden Osterpilgern um­ringt, die mit den Jüngern im Nachtlager zusammengetroffen und ihnen bis hierher gefolgt sind. Auch einige Schriftgelehrte sind dabei. Diese Leute sind in einem Wort­wechsel mit den Jüngern begriffen. Als man den Herrn erblickt, laufen Ihm alle ent­gegen, grüßen Ihn, aber erschrecken über Sein wunderbares Aussehen; denn gleich­sam der Tau Seiner Verklärung liegt noch auf Ihm. Auch erraten die Jünger aus dem Wesen der drei Apostel, die ernster und schüchterner als sonst Jesu folgen, daß etwas Wunderbares mit Ihm vorgegangen ist.

Als der Herr die Leute fragt, worüber sie gerade gestritten, tritt ein Bürger von Amthar hervor, jener Stadt (Rama oder Er Raine), wo die Geschichte mit dem armen Lazarus und dem reichen Prasser geschehen war, wirft sich vor Jesus auf die Knie und fleht Ihn an, Er möge seinem einzigen Sohne helfen; er habe den Jüngern, als sie in Amthar gewesen, jenen gebracht; sie hätten ihm aber nicht helfen können, und darüber hätten sie nun mit ihm und den Schrift­gelehrten gestritten. Und nun folgt die Hei­lung dieses mondsüchtigen und besessenen Knaben, welche unter den Synoptikern der hl. Markus (9, 14-27) am eingehendsten beschrieben hat.

Die Jüngerbelehrungen des Evangeliums

Auf dem Wege nach Dothaim

Nachdem der Herr noch einige Kranke ge­heilt, wandert Er gen Dothaim weiter, und zwar meist auf Nebenwegen, um das Zu­sammenlaufen des Volkes zu vermeiden, welches zur Zeit in Scharen von Jerusalem heimreist. Die Jünger marschieren in ge­trennten Gruppen, und Jesus ist bald allein, bald bei dieser, bald bei jener Gruppe.

Unterwegs fragen Ihn die drei Apostel, die Seiner Verklärung beigewohnt haben, be­treffs Seiner Worte von der Auferstehung des Menschensohnes und der von den Schriftgelehrten vorgetragenen Auferste­hung des Elias, die jener vorausgehen müsse; und Jesus gibt ihnen die uns im Evangelium (Mt. 17, 9-13; Mk. 9, 9-13) überlieferte Antwort.

Etwas weiter wendet sich auch jener Mann aus der Gegend von Aser-Michmethat an den Herrn, der Ihn bittet, zwischen ihm und seinem Bruder das Erbe zu teilen (L. 12, 13-14), und im Anschluß an Jesu vor der Habsucht warnender Antwort erfolgen nun alle jene ein ähnliches Thema behandelnden Ermahnungen des Herrn an seine Jünger, die sich bis über die nächsten Tage hin er­strecken und im 12. Kapitel des Lukasevan­geliums auf folgende Abschnitte verteilt sind:

Warnung vor dem Übermaß zeitlicher Sor­gen in Verbindung mit dem Gleichnis von den Vögeln des Himmels und den Lilien auf dem Felde (22-31) ; der freiwillige Ver­zicht auf irdischen Besitz, um einen unver­gänglichen Schatz im Himmel zu erwerben (32-34) ; Aufforderung zur Wachsamkeit und Treue gleich den Knechten, die der Herr bei seiner Heimkehr von der Hochzeit wachend findet (35-40) ; das Gleichnis vom Hausherrn und pflichtgetreuen Haus­verwalter als Antwort auf eine Frage Petri (41-46) ; ferner die Worte Jesu: „Wem viel anvertraut ist, von dem wird um so mehr verlangt“ (47-48), und: „Ich bin gekom­men, Feuer auf die Erde zu werfen . .. Mit einer Taufe muß Ich Mich taufen lassen, und wie bin Ich bedrückt, bis sie vollzogen ist“ (49-50), womit Er auf die volle Sen­dung des Hl. Geistes hinweist, dem als Be­dingung Sein eigener Sühnetod vorausgehen müsse. — Mit den weiteren Worten: „Glaubt ihr, Ich sei gekommen, Frieden zu bringen? Nein, sage Ich euch, sondern Zwiespalt!“ (50-53) fordert Er Seine Jünger zur be­dingungslosen Nachfolge und zum absoluten Freisein des Geistes und Leibes für Gott und das Apostelamt auf und deutet auch zugleich die Absicht Seines Wirkens an. nämlich die Scheidung der Geister (siehe unten S. 50).

Karawanen-Stadt Dothaim

Einige Jünger sind bereits nach Dothaim vorausgegangen, um im Hotel vor der Stadt Herberge zu bestellen. Nachdem der Herr, dort angekommen und Sich mit den Seinen erfrischt hat, gehen die Jünger mit Ihm bei­seite — denn es logieren im gleichen Hotel viele heimreisende Pharisäer und Schrift­gelehrte, die den Propheten aus Nazareth neugierig umdrängen — und fragen Ihn, warum es ihnen bei ihrem Versuch in Amthar damals nicht gelungen sei, jenen besessenen Knaben von heute morgen zu heilen, worüber man auch heute früh mit ihnen am Berge Tabor gestritten habe. Jesus führt ihre damalige Ohnmacht auf ihren zu geringen Glauben zurück und gibt den star­ken Glauben, der Berge zu versetzen ver­mag, das inständige Gebet und eigenes Fasten als die Kraftquellen an, die für solche Fälle die Macht zu heilen verschaffen (Mt. 17, 19-21). Im Anschluß hieran be­lehrt Er sie, wie man durch solche Mittel sich selbst stärke und dem Teufel zugleich seine Gewalt entziehe, und dann erklärt Er ihnen die verschiedenen Arten der Besesse­nen und ihrer Befreiung.

Am selben Abend treffen die Mutter Jesu und vier andere verwandte Frauen von Jeru­salem im Hotel ein, gefolgt von Dienern des Lazarus, die auf Eseln Vorräte für die Ge­meinde Jesu mit sich führen. Der Herr spricht mit den Frauen einiges und folgt dann der Einladung der Pharisäer zum Abendessen im Speisesaal. Seine Gegner be­nutzen dieses gemeinsame Mahl, um Jesu das Ährenrupfen Seiner Jünger vom ver­gangenen Samstag, wie überhaupt deren Unterlassungen sonstiger Vorschriften vor­zuwerfen, woraufhin der Herr auf David hinweist, der im Tempel die Schaubrote aß, da ihn hungerte (1 Kön. 21, 1), ferner auf die Handlungen der Priester im Tempel (Levit. 6, 8) und auf Seine eigene Herr­schaft als Menschensohn über den Sabbat (Mt. 12, 2-8).

Die Abweisung des gelehrten Jüngers

Kapharnaum

Do. 10.

Nachdem Jesus noch in Dothaim und der Umgegend gelehrt und mehrere zurück­kehrende Jünger empfangen hatte, wandert Er nachmittags auf dem geraden Wege nach Kapharnaum, wo die vom Fest Heimkehren­den der Sitte gemäß feierlich empfangen und begrüßt werden. Der Herr ist mit den Jüngern Ehrengast bei einer Mahlzeit der Pharisäer, und als sie sich zu Tisch legen wollen, bringt der Jünger Manahem von Koreä dem Herrn jenen gelehrten Jüngling von Jericho, den Jesus bereits am 21. März 32 abgewiesen hat. Dieser hat zwar sein Vermögen mit seinen Verwandten geteilt, aber doch einen Besitz für sich zurück­behalten und ist noch immer um seinen Unterhalt besorgt. Deshalb nimmt ihn der Herr nicht an, und jener geht unmutig von dannen.

Die Pharisäer entrüsten sich heftig hierüber, denn sie sind jenem Jünglinge gewogen, und werfen Jesu vor, Er spreche immer von Liebe und sei Selbst ganz ohne Liebe; Er spreche von unerträglichen Bürden der Pharisäer und lege Selbst unerträgliche Bür­den auf. Jener sei gelehrt, Er wolle aber nur Unwissende; das Notwendige erlaube Er nicht, das herkömmlich Verbotene lasse Er zu; und dann kommen sie abermals mit den Vorwürfen des Sabbatschändens, Ähren­abstreifens und Nichthändewaschens. Doch Jesus beschämt sie mit Seinen schlagfertigen Antworten.

Die Tempelsteuer

Petri Haus unweit vom See

Fr. 11.

Heute morgen ereignet sich im Hause Petri jene Aufforderung des Herrn an Petrus, seine Angel auszuwerfen, um im ersten ge­fangenen Fisch einen Stater zu finden und als Tempelsteuer abzugeben, die man soeben vom Herrn in Höhe einer Doppeldrachme verlangt hat (Mt. 17, 24-27). Petrus geht gläubig an seine Fischerstelle, läßt eine der dort feststehenden Angeln nieder, zieht sie auf, greift dem gefangenen Fisch ins Maul und findet eine länglichrunde, gelbliche Münze darin, die er nachher den Einwoh­nern für sich und Jesus bringt. Der Fisch ist so groß, daß die anwesenden Jünger alle am Mittag genügend zu essen haben.

Nach Tisch fragt der Herr die Jünger, wor­über sie gestern auf dem Wege von Dothaim hierher gestritten. Sie schweigen; denn der Streit ging um die Frage, wer der Größte unter ihnen sei. Jesus sieht ihre Gedanken, setzt Sich und sagt: „Wenn einer der Erste sein will, so sei er der Allerletzte und der Diener aller“ (Mk. 9, 33-35). Hierauf be­gibt Er Sich mit den Zwölfen und allen Jüngern nach Kapharnaum, wo heute eine Art Volksfest für die aus Jerusalem Zurück­gekehrten stattfindet.

Das Kind als Vorbild

Kapharnaum

Die Straßen und Häuser sind mit Blumen und grünen Kränzen geschmückt. Die Kin­der, Greise und Frauen und die Schulen gehen den Zurückgekehrten entgegen, die wie eine Prozession durch die Straßen zie­hen und die Häuser der Freunde und An­gesehenen besuchen. Die Pharisäer und viele andere ziehen ganz gesellig und freundlich mit Jesu und den Jüngern umher und tren­nen sich auch zuweilen wieder. Jesus lehrt auf dem ganzen Wege an verschiedenen Stellen, geht an die Häuser vieler Armen und Freunde, segnet die Kinder, die man Ihm bringt, und verteilt Geschenke.

Auf dem Marktplatz, an dessen einer Seite die alte, und an dessen anderer Seite die neue, von Cornelias erbaute Synagoge steht, begrüßt der Herr an den Hallen vor den Wohnhäusern die Schulkinder. Auch viele Mütter nahen sich mit kleineren Kindern. Er segnet und belehrt die um Ihn versam­melte Jugend und läßt den reichen, wie den armen Kindern einerlei Röckchen austeilen, welche die Pflegerinnen der Gemeinde be­sorgt haben und die von Frauen aus Jerusa­lem mitgebracht worden sind. Offenbar gab Er auch den Kindern reicher Eltern Röck­chen, weil die Kinder nach damaliger hellenistischer Mode ungenügend bekleidet waren. Auch erhalten sie Früchte, Schreib­tafeln und andere Geschenke.

Während dieses ausgeteilt wird, lehrt Jesus noch vor den Jüngern und dem Volke, und da die Jünger Ihn abermals fragen, wer der Größte im Himmelreich sei, ruft Er die wohlhabende Frau eines Kaufmannes, die mit ihrem vierjährigen Knaben in einiger Entfernung unter der Haustür steht, heran. Sie verschleiert sich und kommt mit dem Knaben herbei. Jesus nimmt ihr das Kind; sie tritt zurück. Er umarmt den Knaben, stellt ihn vor die Jünger in die Mitte und beginnt mit den Worten: „Wenn ihr euch nicht bekehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich ein­gehen“, jene Mahnreden, die den Inhalt des ganzen achtzehnten Kapitels im Evangelium des Matthäus bilden, also auch den Wehe-ruf über die Verführer von Kindern, die Aufforderung zur Selbstüberwindung, das Hören auf die Kirche, das Binden und Lösen auf Erden und im Himmel, die Ver­sammlung im Namen Jesu und schließlich das Gleichnis vom Könige, der mit seinen Knechten abrechnet. Dazwischen fällt die Anfrage des Apostels Johannes betreffs der Behandlung eines außerhalb ihrer Gemeinde stehenden Teufels-Austreibers (Mk. 9, 38 bis 40) und die Frage Petri, wie oft er dem Bruder verzeihen solle, wenn er sich gegen ihn verfehle (Mt. 18, 21-22). Und in bei­den Fällen predigt der Herr Duldsamkeit und Versöhnlichkeit.

Den vierjährigen Knaben aber segnet Er, umarmt ihn nochmals, läßt Sich Früchte und ein Röckchen geben, schenkt sie ihm, winkt die Mutter herbei, gibt ihr das Kind zurück und spricht zu ihr einige prophe­tische Worte über die Zukunft des Knaben, der später ein Jünger der Apostel wird und als Bischof und Märtyrer Ignatius stirbt.

Während des ganzen Weges Jesu folgte Ihm verschleiert jene Lea, die Frau eines bös-gesinnten Pharisäers aus Caesarea-Philippi und die Schwester des verstorbenen Mannes der Enue, der geheilten Blutflüssigen aus Caesarea-Philippi. Sie hatte am 8. Dezember 32 die Mutter Jesu selig gepriesen. Auch bei dieser Lehre Jesu steht sie unter den Hörern. Seit jenem ihrem spontanen Aus­ruf hat sie die merkwürdige Gnadengabe er­halten, immer wieder diesen Ausruf mit Jesu Antwort zu wiederholen, aber leise unter Tränen und mit einer rührenden Be­wegung der Hände, verbunden mit großem innerlichem Trost und mystisch-kontempla­tiver Erkenntnis des Wandels Jesu in der Welt. Zur Zeit ist sie zu den heiligen Frauen nach Kapharnaum gekommen und hat vieles von ihrem Vermögen an die Gemeinde Jesu geschenkt.

Als der Sabbat eintritt, begibt Sich der Herr vom Marktplatz in die Synagoge, liest die Lektion von der Reinigung der Aussätzigen (Lev. 13-14) und von der durch die Pro­phezeihung des Eliseus abgewendeten Hun­gersnot zu Samaria (4 Kön. 7, 1) und lehrt im Anschluß hieran.

Die Lehre von der Inkarnation

Fischer-Stadt Bethsaida

Sa. 12.

Nachmittags weilt der Herr in Bethsaida zum Empfang der teils von der Missions­reise, teils von ihrer Heimat zurückkehren­den Jünger. Einige kommen von jenseits aus der Dekapolis und Gergesa über den See an und sind sehr abgerissen und pflege­bedürftig. Sie werden am Ufer liebevoll um­armt und zum Haus des Andreas geführt, wo man ihnen die Füße wäscht, Bäder bereitet, sie neu einkleidet und speist. Es sind noch siebzig Jünger beisammen; aber es sind nun viele außer diesen in und um Jerusalem. Da nun Jesus bei ihrer Bedienung Selbst hilfreich Hand anlegt, bittet Ihn Petrus: „Herr, willst Du dienen? Laß uns dienen!“ Jesus entgegnet: „Wer einen Propheten auf­nimmt, weil er ein Prophet ist, wird Pro­phetenlohn empfangen. Wer einen Gerech­ten aufnimmt, weil er ein Gerechter ist, wird Gerechtenlohn empfangen. Wer einem von diesen Geringen nur einen Becher kal­ten Wassers zu trinken gibt, weil er Mein Jünger ist, wahrlich Ich sage euch, er wird gewiß nicht um seinen Lohn kommen!“ (Mt. 10, 41-42).

Im Anschluß hieran hält der Herr den Apo­steln einen sehr geheimnisvollen Vortrag, in welchem Er zum ersten Male erwähnt, daß Er nicht von einem Manne gezeugt sei, son­dern vom Hl. Geiste. Hierbei nennt Er Seine Mutter das reinste, heiligste, auserwählte Gefäß, nach welchem Jahrtausende in den Herzen aller Frommen mit den Zungen aller Propheten gebetet und geseufzt hätten. Dann legt Er ihnen das Zeugnis Seines himmlischen Vaters bei Seiner Taufe aus und spricht von der glücklichen und heiligen Zeit, seit Er auf Erden wandle, und wie die Verwandtschaft der Menschen mit Gott durch Ihn wiederhergestellt werde, wie die Macht der Dämonen durch Ihn gebrochen sei und wie alles durch diese Macht über die Menschen und die Natur gekommene Unheil durch innige Vereinigung mit Ihm im Glauben und in der Liebe in Seinem Namen könne zerbrochen werden. Er spricht sehr ernst und feierlich; sie verstehen nicht alles und sind erschüttert, weil Er nun auch von Seinem Leiden spricht, scheuen sich jedoch hierüber zu fragen (vgl. L. 9, 43b bis 45). Jene drei Apostel aber, die mit dem Herrn auf dem Tabor gewesen, sind seither immer sehr ernst und nachdenkend.

Alles dieses geschieht unter und nach dem Sabbat. Die nun an siebenzig versammelten Jünger herbergen teils im Lehrhause zu Kapharnaum, teils im Hause Petri vor der Stadt. Alle werden aus gemeinsamen Mit­teln, ähnlich wie Klosterleute, beköstigt.

Jesus unter den Landleuten

Nördliche Umgebung von Kapharnaum

So. 13.

Der Herr wandert mit Seinen Jüngern in Richtung auf den Lehrberg bei Hanathon ungefähr zwei Stunden weit bei den Korn schneidenden Bauern und Hirten umher und lehrt abwechselnd diese Erntearbeiter und die Jünger.

Die Schnitter belehrt Er in den Ruhepausen, indem Er sie fragt, wie viel sie gesät, wie viel sie geerntet hätten, wem das Getreide gehöre, wie ihr Boden beschaffen sei, wie sie ihn bearbeiten, und knüpft an alle diese einleitenden Fragen Gleichnisse vom Säen, vom Unkraut, vom Weizenkörnlein, vom Gericht und Verbrennen des Unkrautes.

Die Jünger wiederum unterrichtet Er, wie sie in ähnlicher Weise lehren sollten, und macht diesen pastoralen Unterricht für sie wieder zur aszetischen Lehre, indem Er die Ernte geistig auslegt, sie Seine Sämänner und Schnitter nennt und ihnen sagt, daß sie sich jetzt das Saatkorn sammeln müßten zu Schätzen künftiger Fruchtbarkeit, da Er nicht lange mehr bei ihnen sein werde. Als Ihn daraufhin die Jünger besorgt fragen, Er werde doch wohl noch bis Pfingsten bei ihnen bleiben, gibt Er zur Antwort: „Was sollte aus euch werden, wenn Ich nicht län­ger bliebe!“

Bei den Hirten knüpft der Herr die Ge­spräche durch Fragen an, wie: „Ist dieses deine eigene Herde? Sind dies Schafe meh­rerer Herden? Wie hütest du sie? Warum gehen deine Schafe verstreut?“ Und dann erzählt Er die Parabel vom verlorenen Schaf (Mt. 18, 12 ) und die vom guten Hir­ten (J. 10, 1). Zuletzt übernachtet Er mit den Seinen in einem Hirtenlager unter Lehre und Gebet.

Mo. 14.

Die Stadt Saphet zur Rechten, wandelt Jesus heute vormittag wie gestern durch die Täler und einsamen Gegenden, Hirten, Schnitter und die Jünger belehrend. Er durchgeht alle Pflichten eines guten Hirten, wendet sie auf Sich Selbst an, wie Er für Seine Schafe in den Tod gehe, und gibt dabei den Jüngern Anleitung, wie sie auf ähnliche Weise mit diesen verlassenen, einsamen Menschen reden und guten Samen bei ihnen ausstreuen müßten.

Die Gleichnisrede von der Ehe

Baumwoll-Stadt Leccum

Nachmittags kehren sie wieder gen Südosten zurück und in das Städtchen Leccum ein, wo die sechs Apostel bei ihrer ersten Aus­sendung am 15. Dezember 32 zuerst hin­gegangen waren. Hierhin sind jetzt gerade die Osterpilger zurückgekehrt und die Stra­ßen werden zur morgigen Bewillkommungs­f eier geschmückt.

Di. 15.

Ähnlich wie vor vier Tagen in Kapharnaum hält auch heute hier in Leccum der Herr, nachdem er in vielen Häusern alte Leute besucht und einige Kranke geheilt hat, auf dem Marktplatz eine große Lehre, und zwar zuerst an die anläßlich der Begrüßungs­feier versammelten Kinder, die Er liebkost und segnet, dann an die Jünglinge und Jungfrauen, die mit ihren Lehrern zugegen sind, und schließlich, nachdem die Jugend nach Hause gegangen, abwechselnd vor Gruppen von Männern und vor Gruppen von Frauen.

Hier spricht Er in allerlei Gleichnissen von der Ehe: Zuerst weist Er auf die mit vielem Bösen vermischte menschliche Natur hin. Wer seiner wilden Lust folge, der säe wilde Lust, und das Werk folge dem Urheber nach und klage ihn an. Nur durch Gebet und Ent­sagung werde dieses Böse ausgeschieden und unterworfen. Unser Leib sei ein Ebenbild des Schöpfers, und der Satan wolle es in uns zerstören. Das überflüssige bringe Sünde und Krankheit hervor, und es werde Miß­gestalt und Greuel. Enthaltsamkeit, Gebet und Zucht der Eltern habe die heiligen Männer und die Propheten hervorgebracht. Und alles dieses erklärt Er durch Vergleiche mit dem Säen des Getreides und dem Reini­gen des Ackers vom Unkraut und von den Steinen, mit dem Ruhen des Ackers in Frie­den und mit dem Segen Gottes auf einem Acker, der rechtmäßig erworben sei. Auch lehrt Er in ausführlichen Darstellungen vom Weinbau, vom Beschneiden der Reben als Beschneiden der wilden Triebe in uns, aus denen lauter Holz und Laub anstatt Trau­ben erwüchsen, das heißt, unnütze Kinder, die keinen Segen brächten, sondern Un­kraut, das edle Frucht ersticke; und dann spricht Er von den edlen Reben, von from­men Familien, von verbesserten Weinber­gen, von veredelten und bekehrten Ge­schlechtern, und erzählt von ihrem Stamm­vater Abraham, von dessen Heiligung und vom Bunde der Beschneidung, und wie dessen Nachkommen nun wieder verwildert seien durch ihre Unabhängigkeit und häu­fige Vermischung mit den Heiden; und Er endet mit dem Gleichnis jenes Weinberg­besitzers, der seinen Sohn sendet, und wie es diesem ergehen werde (Mt. 21, 37-39).

Alle Hörer sind sehr bewegt und viele wei­nen. Jesus aber behandelte deshalb hier dieses Thema, weil die Leute gar nicht über diese Dinge unterrichtet wurden und in der Ehe sehr zügellos lebten. Auch ging jetzt ihre österliche Zeit der Enthaltung mit der Rückkehr der Pilger zu Ende, und deshalb ermahnte Er sie zum weisen Gebrauch der Ehe in Zucht und Maß; doch viele verstehen Ihn nicht.

Jene aber, die doch innerlich zum Guten bewegt sind, klärt Er noch über die wesent­liche Wirkung und Kraft der guten Mei­nung auf, mit der Gott mitwirke, indem Er überreichlich zurückzahle, was man Ihm und den armen Nächsten durch guten Wil­len und uneigennützige Tat vom eigenen geistigen und materiellen Besitz hingegeben habe; Er sagt auch: Was sie sich selbst ab­brechen an Speise, an Trank und an über­flüssigem Wohlstand, das mögen sie ver­trauensvoll in die Hände Gottes geben mit der Bitte, Er möge es verlassenen Armen in der Ferne zukommen lassen. Der Vater im Himmel werde, einem treuen Haushalter gleich, ihr Gebet erhören, wenn sie, gleich­sam wie treue Knechte, dasjenige, was Er ihnen im Übermaß gegeben, denjenigen Armen mitteilten, die ihnen bekannt seien oder die sie liebend aufsuchten; und hier­bei führt Er ein Gleichnis an vom Palm­baum, der dem von ihm getrennten Ge­schlecht Nahrung und Gedeihen zuführe durch seine Liebe und Sehnsucht, ohne ihn zu berühren. Gegen Abend geht Er mit den Jüngern über den Jordan nach Bethsaida­Julias.

Universitäts-Stadt Bethsaida-Julias

Mi. 16.

Auch in dieser Stadt wird heute das Fest der Rückkehrenden gefeiert, und der Herr wandelt hier mit den Jüngern, einigen Phari­säern, Schriftgelehrten und Vornehmen der Stadt. Man erzählt von der Ermordung der Galiläer im Tempel, und Jesus antwortet den Erzählenden, wie es Lukas (13, 1-5) aufgeschrieben hat, und knüpft hieran das Gleichnis vom drei Jahre lang unfrucht­baren Feigenbaum an, den sein Besitzer umhauen lassen will, für den aber sein Win­zer noch ein Jahr Gewährung zum Auf­graben und Neudüngen erbittet (L. 13, 6 bis 9).

Am Fuß des Lehrberges der Seligkeiten

Do. 17.

Während des ganzen Tages wandelt der Herr mit den Seinen über die grünen Hügel zu Füßen des Lehrberges der Seligkeiten, wo Esel und Kamele weiden, und sich viele schöne Vögel und allerlei andere Tiere wie in einem angelegten Tiergarten aufhalten, und wo mehrere Quellen entspringen, und viele Fußpfade sich bis an den Hafen hin­schlängeln. Am Abend fahren sie über den Jordan und statten noch dem Fischerstädt­chen Bethsaida einen Besuch ab.

Das Pharisäer-Mahl des Evangeliums

Kapharnaum

Fr. 18.

Nachdem der Herr in der großen Synagoge im Anschluß an die Sabbatlektion vom jähr­lichen Versöhnungsopfer, vom Verbot des Blutessens und der Heiraten unter Blutsver­wandten (Levit. 16-19) und von den Sün­den der Stadt Jerusalem (Ezech. 22) gepre­digt hat, folgt Er einer Einladung zum Abendessen im Privathause eines vorneh­men Pharisäers nicht weit von der Villa des Hauptmanns Cornelius. Bei diesem Essen ereignet sich jene Heilung eines Wassersüch­tigen und die nachfolgenden Ermahnungen des Herrn, betreffs der Ehrenplätze und der wahren Gastfreundschaft, die der Evangelist Lukas (14, 1-14) überliefert hat. Der Gastgeber hatte nämlich außer Jesum nur seine Verwandten und Freunde eingeladen, und als der Herr sieht, daß diese Pharisäer die besten Plätze an der Tafel einnehmen, erzählt Er jenes Gleichnis von den Ehren­plätzen; denn sich zu erhöhen, erniedrige, sich zu verdemütigen aber erhöhe. Und hin­sichtlich der getroffenen Auswahl der Gäste sagt Er: „Wer seine Verwandten, Freunde und reichen Nachbarn zu Gast bitte, die ihn wieder einladen, der habe bereits seinen Lohn hinweg; wer aber Arme, Lahme, Blinde und sonst gebrechliche Menschen einlade, die es ihm nicht vergelten könnten, der werde bei der Auferstehung mit der Selig­keit belohnt werden.“ Und als einer der Gäste ausruft: „Ja, selig, wer im Reiche Gottes mitspeist!“ erzählt der Herr das Gleichnis vom großen Gastmahl, zu dem zu kommen sich die Eingeladenen verschieden-fach entschuldigen, worauf der Gastgeber die Armen und Krüppel holen läßt (L. 14, 15-24). Tatsächlich hatte Jesus durch die Jünger viele Arme zu dem Hause dieses Pharisäers rufen lassen, die jetzt zum Er­staunen der Gäste erscheinen. Doch Er fragt sie, ob sie dieses Abendessen besonders für Ihn arrangiert hätten. Und da sie Seine Frage bejahen, dankt Er und läßt nach der Sätti­gung alles übrige den Armen austeilen.

Zwischen Tiberias und Magdalum

Sa. 19.

Den üblichen Sabbatspaziergang unternimmt der Herr mit den Jüngern über das Gut des Serobabel in eine schöne, einsame Gegend zwischen Tiberias und Magdalum, und da große Volksscharen Ihm folgen, wendet Er Sich um und belehrt sie: Wer Ihm nach­folgen und Sein Jünger sein wolle, müsse Ihn mehr lieben als alle seine nächsten Ver­wandten, ja als sich selbst, und müsse Ihm sein Kreuz nachtragen (L. 14, 25-27). Wer einen Turm bauen wolle, müsse erst die Ko­sten überschlagen, sonst könne Er nicht vollenden und werde verlacht. Und wer in den Krieg ziehe, solle vorerst die Kraft des Gegners berechnen, und so die eigene nicht ausreiche, lieber um Frieden bitten. Sein Jünger aber zu werden, müsse man allem entsagen und Ihn mehr lieben als die Ver­wandten, ja sich selbst (L. 14, 28-33).

Die zweite große Bergpredigt bei Gabara

Zwischen Tiberias und Tarichäa

So. 20.

Bei seinem Lehrwandel in der Landschaft Genezareth zwischen Tiberias und Tarichäa, sendet der Herr eine große Anzahl Jünger aus, um das Volk zu einer Bergpredigt von mehreren Tagen auf dem Lehrberg bei Ga­bara einzuladen, die Er am kommenden Mittwoch beginnen wolle. Die älteren Jün­ger sendet Er hierbei in einen weiteren Um­kreis aus. Im ganzen brechen vierzig Jünger auf, und viele fahren über den See zu den Gergesenern, andere verteilen sich in die sogenannte Dekapolis (Distrikt der zehn Städte). Sie sollen alle einladen und so viel wie irgend möglich mitbringen; Er werde nicht mehr lange bei ihnen sein. Die zuletzt zurückgekehrten jüngeren Jünger behält Jesus bei sich, um sie zu unterrichten, ebenso auch die Apostel. Er übernachtet mit ihnen in dieser Gegend bei Hirten.

Fischsalzerei-Stadt Tarichäa

Mo. 21.

Als Sich der Herr der Vorstadt von Tari­chäa von Süden her nähert, kommt Er bei jenem Aussätzigenbezirk vorbei, wo Er am 18. August 32 fünf aussätzige Männer ge­heilt hatte. Diese haben Jesu Ankunft er­fahren und kommen Ihm nun hier entgegen, um Ihm nochmals zu danken. Andere Aus­sätzige aber, die seitdem hier weilen, rufen Ihn um Hilfe an, und Er heilt sie.

Als Er von hier aus auf der über den sumpfi­gen Arm des Sees führenden Brücke Sich dem schwarzen Steindamm nähert, der den See zum Ausfluß des Jordans von Tarichäa aus befestigt, bringt man Ihm viele Kranke entgegen, die Er sämtlich heilt. Auch von Dalmanutha, wo die ausgesandten Jünger bereits gestern angekommen, hat man Kranke auf Schiffen herübergefahren, de­nen Jesus jetzt ebenfalls hilft. Er über­nachtet mit den Seinen in einem Hotel der Vorstadt von Tarichäa.

Am Jordan südlich von Tarichäa

Di. 22.

Früh morgens besucht der Herr abgesonderte Krankenwohnungen eines Sanatoriums süd­lich von Tarichäa gegen den Jordan zu und heilt dort mehrere Kranke.

Jüngerherberge zwischen Gabara und Magdalum

Von allen Seiten ziehen bereits die Volks­scharen nach dem Lehrberg von Gabara, und viele Schiffe voll von Menschen kommen über den See. Sie haben ihre Zelte und allerlei Vorrat bei sich, auch Kranke, die in Körben auf Eseln nach Gabara getragen werden. Schon gestern Abend sind mehrere Jünger mit solchen Leuten teils in Gabara, teils bei dem Herrn in Tarichäa einge­troffen; und heute kommen die meisten der ausgesandten Jünger in Gabara an, ordnen die Leute in Lager und helfen ihnen in allem.

Jesus zieht mit den Aposteln und bei Ihm anwesenden Jüngern ebenfalls hinauf und kehrt in der geräumigen und von Pfählen gestützten Jüngerherberge zwischen dem Lehrberg und Magdalum ein, wo auch am 12. November 32 Magdalena eingekehrt war, als sie sich vor ihrer ersten Bekehrung auf dem Wege zu den heiligen Frauen nach Damna befand. Noch bevor der Herr diese Herberge erreicht, kommen Ihm Pharisäer entgegen und fragen, was das große Gelaufe und die ziehende Volksmenge bedeute; das ganze Land sei ja in Aufruhr! Jesus ant­wortet, sie mögen hinkommen und Seine Lehre morgen hören. Er habe das Volk ein­geladen, denn Er werde nicht mehr lange bei ihnen sein.

Während Jesus in der Jüngerherberge über­nachtet, treffen gegen Abend die heiligen Frauen in der Herberge zu Damna ein, um hier zu übernachten und am anderen Mor­gen die erstere Herberge aufzusuchen zwecks Besorgung der Kost für die Jünger.

Lehrberg bei Gabara

Mi. 23.

Gegen zehn Uhr vormittags trifft der Herr auf dem Lehrberg ein. Die Hörer liegen am Fuß und Anstieg des Berges unter Zelten, jede Landsmannschaft für sich; jede Gruppe hat ihr Lager mit einem Fruchtbogen aus Früchten ihrer Gegend geschmückt, der als Eingangstor dient; und eine Menge Tauben und Wachteln haben sich in den Lagern ein­gestellt, um die zerstreuten Brotkrumen auf­zulesen; sie sind so zutraulich, daß sie den Leuten aus den Händen fressen.

Die Jünger haben die Leute in der Weise ge­ordnet und bestimmt, wie sie nach und nach in ungefähr gleicher Anzahl zum Lehrplatz nach oben ziehen sollen, um die Lehre zu hören; denn es sind weit mehr, als der Um­kreis des Lehrstuhles fassen kann. Oben haben sich bereits viele Pharisäer, Saddu­zäer und Herodianer, Schriftgelehrte und Ortsvorstände eingefunden und den nähern Platz um den Lehrstuhl eingenommen. Sie haben sich teils oben bessere Sitze machen, teils eigene Stühle von Dienern hinauf­bringen lassen. Da aber der Herr bei Seiner Ankunft die Jünger dicht um den Lehrstuhl versammelt, ärgern sich die Pharisäer, daß jene vor ihnen stehen.

Jesus betet zuerst und hält dann eine kurze Ansprache an das Volk, in welcher Er die Hörer zur Ordnung und Aufmerksamkeit auffordert. Er werde sie nun lehren, wo­rüber sie bisher von anderen nicht unter­richtet worden seien, und was doch zu ihrem Heile sehr notwendig sei. Was sie aber viel­leicht nicht fassen könnten, das würden Seine Jünger ihnen nochmals erklären, die Er ihnen senden werde; denn Er Selbst werde nicht mehr lange unter ihnen weilen.

Hierauf beginnt Er laut, allen zum Gehör, die um Ihn versammelten Jünger zu be­lehren und sie vor den Pharisäern und fal­schen Propheten zu warnen; dann wendet Er Sich dem Volke zu und predigt über das Gebet und die Nächstenliebe (vgl. Mt. 5, 38-6, 8). Die Jünger führen die von ihnen gestern bestimmten Gruppen der Hörer ab­wechselnd hinweg und herzu. Die Pharisäer jedoch und andere Gelehrte fallen Jesu oft abwechselnd in die Rede mit allerlei Ein­rede und Widerspruch; aber Er achtet nicht darauf, sondern lehrt sehr streng gegen sie und warnt das Volk, so daß sich jene sehr ärgern.

Jesus heilt heute nicht, befiehlt aber, daß die müden Kranken auf ihren Betten unter die offenen Zelte abwechselnd in die Nähe gebracht werden, um Seine Lehren anzu­hören; und läßt allen Kranken sagen, sich bis zum Schluß Seiner Predigt zu gedulden. Er lehrt ununterbrochen bis zum Abend, ohne zu essen, während die Hörer abwech­selnd Speise nehmen.

Nach Schluß des ersten Teiles der Berg­predigt, steigt der Herr in die Ebene zu Sei­ner Herberge zurück, die früher zu Magda­lenas Besitz in Magdalum gehörte und beim kürzlichen Verkauf des Gutes (31. Dez. 32) für die Gemeinde Jesu zurückbehalten wurde. Lazarus und Martha, Dina und die Suphanitin, Maroni von Naim und Jesu Mutter und die anderen galiläischen Frauen sind hier mit vielem Vorrat von Speise, Stoffen zu Kleidern und fertigen Kleidern eingetroffen und haben ein einfaches Mahl für Jesus und die Jünger bereitet, und der Überrest wird an Bedürftige abgegeben.

Do. 24.

Der Herr setzt heute die Lehre auf dem Berge fort und spricht weiter vom Gebet, von der Nächstenliebe, der Wachsamkeit im Guten, vom Vertrauen auf Gottes Güte, und ermahnt die Hörer, sich nicht von den Be­drückern und Verleumdern irre machen zu lassen.

Die Pharisäer sind heute noch unruhiger als gestern. Sie haben sich in größerer An­zahl als gestern eingefunden und disputie­ren stark mit dem Herrn. Sie nennen Ihn einen Aufwiegler und Unruhestifter, der die Menschen aus ihrer Arbeit treibe, daß sie Ihm im Lande herum nachzögen. Sie hätten ihren Sabbat, ihre Festtage und ihre Lehre, es brauche Seiner Neuerungen nicht. Sie wiederholen ihre alten, längst und oft be­antworteten Vorwürfe und drohen zuletzt mit Herodes. Sie würden diesem Sein Trei­ben und Lehren melden; jener habe bereits ein Auge auf Ihn und werde Seinem Treiben ein Ende machen. Jesus antwortet ihnen derb und sagt, Er werde unbekümmert um Herodes lehren und heilen, bis Seine Sen­dung vollendet sei. Schließlich aber werden die Pharisäer so frech und ungestüm, daß sich das Volk herandrängt und die Leute sich stoßen und treten, so daß die Pharisäer sich mit großem Unwillen endlich hinweg­begeben.

Der Herr lehrt noch auf eine sehr rührende und lebendige Weise fort; und da viele der Hörer, die auf dem Rückwege von Jerusa­lem begriffen sind, und auch andere ihre Mundvorräte verzehrt hatten, läßt Jesus durch die älteren Jünger Brot, Honig und Fische unter sie verteilen, die von der Her­berge in vielen Körbchen heraufgebracht worden sind. Auch Kleider, Tuchstücke, Decken, Sandalen und kleine Röckchen für die Kinder werden an die Bedürftigen aus­geteilt. Die Austeilung an die Frauen besor­gen die helfenden Frauen der Gemeinde; die Jünger die Austeilung an die Männer.

Auffindung des Hauptes des Täufers

Unterdes unterrichtet Jesus die neu ange­kommenen Jünger. Und als die heiligen Frauen mit ihren Helferinnen zur Herberge zurückkehren, um das Abendessen zu be­reiten, hält Jesus noch eine Schlußrede an das Volk, verspricht ihm, Seine Jünger zu senden, da Er Sich jetzt eine Weile entfer­nen werde, verspricht für morgen die Hei­lung der Kranken, segnet die Hörer und entläßt sie. Dann bleibt Er noch lange mit den Jüngern oben allein, unterweist sie über den Charakter der Pharisäer, und wie sie sich ihnen gegenüber verhalten sollen, und kommt erst spät mit ihnen zur Herberge. Es findet ein allgemeines Mahl statt, bei welchem Lazarus von der Ermordung der Galiläer im Tempel erzählt, da jetzt viel da­von geredet wird.

Auch berichtet Lazarus von der Abreise der Frauen von Hebron und Jerusalem nach Machärus, um das Haupt des Johannes zu erhalten, da jetzt dort aufgeräumt und an der Festung gebaut werde. Doch weiß er noch nichts vom Erfolg dieser Reise. Tat­sächlich gelingt es den verkleideten Frauen, das Haupt zu finden, nachdem sie mehrere Tage vergebens gesucht haben, bis endlich die Kloake gereinigt wird. Als die Arbeiter zum Essen gegangen sind, lassen einige er­kaufte Leute die Frauen, darunter Johanna Chusa, in den Graben hinein und bleiben am Eingang zurück. Nach vielem Klettern sehen mehrere das Haupt auf einem vor­springenden Stein aufrecht auf dem Halse stehen. Sie hüllen es in ein Tuch, das sie ‚dar­über werfen, schieben es in einen Schlauch und eilen mit ihrem Schatze hinweg.

Lazarus und die heiligen Frauen nehmen heute abend noch von Jesus Abschied. Laza­rus war bei den öffentlichen Lehren Jesu nicht gegenwärtig gewesen, denn er hält sich seiner Beziehungen in Jerusalem wegen in der Öffentlichkeit etwas zurück.

Am Fuße des Lehrberges

Fr. 25.

Der Herr und die Apostel heilen am Morgen am Fuß des Lehrberges alle anwesenden Kranken; während die Jünger und Frauen noch den Rest der Nahrungsmittel und Sachen unter sie verteilen. Die Geheilten und ihre Freunde erfüllen die Luft mit ihren Dankespsalmen, und alle machen sich auf den Weg, um vor dem Sabbat noch ihre Wohnorte zu erreichen.

Karawanen-Ort Kapharoth

Der Herr hatte Jünger voraus nach Garisima geschickt, um Herberge zu bestellen, aber erst als alle Kranken geheilt sind, geht Er Selbst mit den übrigen auf einem Umweg dorthin und kehrt zuerst in dem kleinen Orte Kapharoth ein, wo Er mit einigen gut­gesinnten Pharisäern zusammentrifft, die von Jerusalem nach ihrem Heimatsort Gari­sima zurückkehren. Sie warnen Ihn unter anderem vor Herodes, weil sie in Jerusalem und unterwegs gehört haben, er wolle Ihn verhaften lassen und mit Ihm verfahren wie mit Johannes. Doch auch diesen sagt Jesus, daß Er ohne Furcht vor Herodes, dem Fuchs, tun werde wie bisher, wozu Ihn Sein Vater gesendet habe (vgl. L. 13, 31-33).

Winzer-Stadt Garisima

Nach kurzem Aufenthalt in Kapharoth wan­dert Er mit den Seinen weiter westlich gen Garisima. Die vorausgesandten Jünger kom­men Ihm schon eine Strecke Weges ent­gegen, und Er kehrt im Hotel vor dem Tore ein. Nachdem sie sich gewaschen und er­quickt haben, ziehen sie mit dem Meister zum Sabbathause, wo Jesus aus dem Buche Levitikus und aus Ezechiel lehrt. Er stößt hier auf keinen Widerspruch, und alle er­staunen über Seine Kenntnis des Gesetzes und Seine wunderbare Auslegung. Nach der Lehre speist Er mit den Seinen und einigen Verwandten aus der Gegend von Sephoris im Hotel und spricht bei Tisch von Seinem nahen Ende.

Sa. 26.

Ohne Störung hält der Herr den Sabbat in Garisima und unterrichtet die Jünger öffent­lich auf einem Hügel, der innerhalb des Ortes zwischen den zerstreuten Häusern und Weinbergen liegt. Hierbei lehrt Er die Gleichnisse vom verlorenen Schaf (L. 15, 3 bis 7), vom verlorenen Groschen (L. 15, 8 bis 10) und von den zehn Jungfrauen (Mt. 25, 1-13). Zum Sabbatschluß sind mit den Aposteln an hundert Jünger um Ihn ver­sammelt. Die beiden Söhne des in Dabrath bekannten Cyrinus (vgl. 9. u. 23. Nov. 32) sind schon auf dem Wege von Gabara hier­her mit Jesus zusammengekommen; und hier besuchen Ihn nun heute abend noch einige andere Juden aus Cypern, die sich auf der Rückreise von Jerusalem befinden. Mit Bewunderung haben sie die gestrige und heutige Lehre Jesu gehört und teilen jetzt dem Herrn mit, wie sehr sich die jüdische Kolonie auf Cypern nach der Anwesenheit Jesu bei ihnen sehne.

Die dritte Aussendung der Jünger

So. 27.

Da jetzt viele Jünger hier anwesend sind, die Jesu Lehre gestern nicht gehört haben, so geht Er vor ihnen auf demselben Lehr­hügel in der Stadt noch einmal das Thema von gestern durch. Unter diesen sind auch solche, die bisher nur als Boten zwischen Ihm und den älteren Jüngern gedient haben, und deshalb unterrichtet Er sie jetzt über dasjenige, was die übrigen Jünger bereits gehört haben.

Gebirge nordwestlich von Garisima

Nachmittags zieht der Herr mit ihnen allen nordwestlich ins Gebirge in eine sehr einsame Gegend (vermutlich die des heutigen Dschebl ed-Dedebe am Nordwestrand der Ebene von Beth-Netopha). Abseits in den Tälern (Wadi el Halzun und Wadi Abellin) grasen Herden von Eseln, Kamelen und Schafen. In dieser Einsamkeit bleiben sie über Nacht, und Jesus bringt die größte Zeit im Gebete zu und mit der Unterweisung der Jünger betreffs ihrer nächsten Aussendung. wobei Er manche ähnliche Anweisungen gibt, wie am 15. Dezember 32 und am 5. Januar 33. Immer zehn der Jünger haben einen Vorgesetzten.

Mo. 28.

Hier im Gebirge sendet der Herr heute früh sieben Apostel mit den ihnen unterstehen­den Jüngern aus. Er legt den Aposteln und mehreren alten und ersten Jüngern die Hände auf, die übrigen segnet Er nur. Er erfüllt sie dadurch mit neuer Kraft und Stärke; aber es ist dies noch keine Priester­weihe. Zum Schluß gibt Er einem Teil von ihnen als nächsten Treffpunkt mit Ihm den Hafenort von Hepha auf den 5. Juni an. Petrus zieht nach der Gegend von Joppe (Jepha), Johannes mehr östlich nach Judäa, und Thomas erhält seine Sendung nach dem Gebiet der Gergesener, wohin er mit einem Umweg über Asach zieht, welches eine Stunde westlich des Ortes liegt, wo Sich der Herr jetzt befindet.

Dieser wandert mit fünf Aposteln, deren jeder zehn Jünger unter sich hat, weiter nordwestlich und übernachtet, wie gestern, unter Baumlauben.

Die zweite Reise nach Ornithopolis

In der Nordschlucht des Dschebl Dschamble

Di. 29.

Als der Herr heute die hohle Nordschlucht des jetzigen Dschebl Dschamble zum Tal (des heutigen Wadi el Hubeschije) hinab­steigt, kommen Weghüter zu Ihm und bitten Ihn um Hilfe gegen gewisse, wie Eidechsen große, breitfüßige, fleckige Tiere. Jesus segnet daraufhin die Gegend und befiehlt jenen Tieren, die hier und da zum Vor­schein kommen, in einen nahen moorigen Sumpf zu laufen; und sie fliehen aus der ganzen Gegend dorthin.

Dann verteilt Er Seine Begleitung, verweilt mit wenigen Jüngern, immer abwärts wan­delnd, in dieser Schlucht und lehrt und er­mahnt hier und da vor den Höhlen der Ein­wohner.

Herberge jenseits des Leontes-Flusses

Gegen Mittag nähert Er Sich dem Leontes­Fluß, überquert ihn auf einer hohen Stein­brücke und kehrt jenseits in einer Herberge ein, wo Er mit den vormittags ausgesandten Jüngern wieder zusammentrifft.

Zuerst sendet Er hier mehrere Seiner Beglei­ter in die Städte des Landes Chabul aus und den Judas Ischarioth mit mehreren Jüngern nach Kana bei Sidon. Während die Jünger alles Geld und ihre Taschen dem Apostel, der ihnen je vorsteht, zum Bewahren geben müssen (vgl. Mt. 10, 10 u. Mk. 6, 8), und der nichts davon ausgibt; überreicht der Herr dem Judas allein eine Summe für sich. Er kennt dessen Geldgeiz und will ihn nicht der Versuchung überlassen, das Geld der anderen anzugreifen, obschon Judas zu prah­len pflegt, wie mäßig er sei und wie streng er das Gebot der Armut halten wolle. Als er jetzt das Geld empfängt, fragt er den Herrn, wie viel er täglich ausgeben dürfe. Jesus antwortet ihm, wer sich so streng ge­mäßigt fühle, der bedürfe keines Maßes noch Gebotes, der trage sein Gesetz in sich. Nach der Aussendung wendet Sich Jesus einer Ihm vor der Herberge ankommenden Prozession von Einwohnern zu, die in ihren Feierkleidern nahen, um dem berühmten Propheten den Ehrenempfang zu bereiten. Es sind Nachkommen eines alten, abgeson­derten Judenstammes, deren Mitglieder der Herr auch schon am 21. Februar 33 in Ornithopolis und tags darauf bei Sarepta getröstet hatte.

Nach der Fußwaschung und der Verabrei­chung des Imbisses spricht der Herr vor dem Eingang der Herberge vor diesen an zwei­hundert Menschen, die unter offenen Lau­ben und Veranden stehen. Hernach zieht Er mit den Hörern in ihre Synagoge und lehrt hier, und viele der eingeborenen Hei­den hören von draußen her zu.

Den übrigen Rest des Tages macht Er mit Seinen Begleitern viele Hausbesuche im Orte und der Umgegend und heilt mehrere kranke Juden und Heiden. Abends nimmt Er an der Ehrenmahlzeit teil, bei welcher die Juden alles aufwenden, um Ihm ihren Dank zu bezeigen, daß er nicht verschmäht habe, .auch zu ihnen, den verlorenen Scha­fen aus Israel, zu kommen und ihnen das Heil zu verkünden. Sie haben ihre Stamm­register in guter Ordnung und legen sie Jesu vor und sind tief gerührt, mit Ihm aus demselben Stamme hervorgegangen zu sein. Der Herr ist beim Mahl sehr fröhlich und herzlich, legt ihnen vieles aus Elias und Malachias aus und verspricht ihnen, sie von hier nach Judäa zu führen (vgl. 18. Juni 33). Jesus übernachtet hier mit Seiner Be­gleitung.

Judenort östlich von Ornithopolis

Mi. 30.

Auf Seinem heutigen Wege gen Ornithopolis trägt der Herr ein langes, weißes Reisekleid. Er und Seine Begleiter sind gegürtet und ge­schürzt. Gepäckstücke führen sie nicht mit sich, sondern sie tragen ihre Reisebedürf­nisse in dem weiten Busen ihres Kleides über dem Gürtel rund um den Leib. Einige haben Stäbe und Kopfbedeckungen. Jesus aber trägt niemals Stab und Hut; nur zu­weilen eine Art Kapuze, über den Kopf ge­zogen, die sonst um den Hals liegt.

Eine Stunde östlich von Ornithopolis kehren sie in jenem Judenort ein, den Er auf Seinem Wege am 20. Februar 33 kurz vor Ankunft in Ornithopolis zur Rechten liegen ließ, und der nicht mit jenem bei Sarepta zu verwechseln ist. Hier wird Er mit Seinen Be­gleitern — es sind jetzt nur noch Jakobus Minor, Barnabas, Mnason, Azor, die zwei Söhne des Cyrinus und ein cyprischer Jüng­ling, den diese Jesu zugeführt haben, bei Ihm — von den Männern, Frauen und Schulkindern sehr feierlich empfangen. Er lehrt in ihrer Synagoge, tröstet die Hörer und spricht hier alles von der Erfüllung der Propheten an Ihm sehr deutlich aus.

Das Gastmahl der Syrophönizierin

Villenort bei Ornithopolis

Von hier holt der am 18. Februar geheilte Verwandte der Syrophönizierin den Herrn und dessen Begleiter zum Ehrenmahl in der Villa der Fabrikbesitzerin ab, welche zwi­schen der Stadt und den Färbereien und Webereien liegt. Dieser ganze Grundbesitz selbst hat den Umfang einer kleinen Stadt. Der Herr durchschreitet die Fabrikanlagen, die großen Schnecken-Farmen am Meer, wo die Schnecken gefangen und gezogen wer­den, die man zur Herstellung der roten und violetten Farbe benutzt; ferner die Planta­gen, wo jene Pflanzen gebaut werden, welche die gelbe Farbe liefern, und die Plantagen von Stauden, die eine Baumwolle tragen, welche nicht einheimisch ist.

Innerhalb des Villenortes wird Jesus vor dem Eingang zur Hauptvilla von allen Haus­angestellten und vor dem Hause im Hof von der Syrophönizierin und deren Tochter emp­fangen. Er heilt noch einige Leute in den Nebengebäuden und nimmt dann am Mahle im großen Saale teil. Es geht alles nach gleicher, vornehmer, griechischer Sitte vor sich, wie bei Seinem letzten Besuch am 20. Februar 33.

Die Gerichte werden auf vielen kleinen Tischen, welche Tierköpfe an den Füßen haben, aufgesetzt, und alle diese kleinen, runden und eckigen Tische lassen sich zu einem großen Tische zusammensetzen. Die Gefäße sind fast alle aus Glas, welches aus vielen bunten, zusammen- und durch­einanderlaufenden Fäden wie zusammen­geschmolzen sind. Getrocknete Trauben werden, noch an Reben hängend, in Ge­fäßen von jenem bunten Glase aufgestellt. Eine andere Art von getrockneten Früchten wird, an den Stengeln wie an Bäumchen hergerichtet, aufgetragen; es sind Rohre mit langen, unten herzförmigen Blättern, über denen die traubenförmigen Früchte ganz weiß, wie verzuckert, sitzen. Man pflückt sie essend von den Stengeln; und die Rohr­bündel sind oben, in der Mitte und unten mit Gewürzkränzen verziert. Dann folgen wieder jene schon (am 20. Febr.) erwähn­ten Gerichte, die die Form von Fischen, Lämmern und Vögeln haben, aber von anderen Sachen gemacht sind.

Auch wird der Herr wieder von der Haus­tochter gesalbt, und die Mutter beschenkt Ihn diesmal mit kostbaren gefärbten Tuchen und Gürteln, sowie mit dreieckigen Stücken Goldes; während die Tochter zusammen­gekettete Goldstücke überreicht. Nach dem Mahle wandelt der Herr noch redend unter den anwesenden Gästen und sucht dann die Armen der Umgegend auf, beschenkt sie und heilt einige.

Die Meerfahrt nach Cypern

Hafenort nördlich von Ornithopolis

Gegen vier Uhr nachmittags entfernt Sich der Herr mit Seinen Gefährten in der Stille, und sie gehen nordwestlich zum Hafenort. In dem von den Juden bewohnten Teil des felsigen Ortes empfangen Ihn die einheimischen und die vom Osterfest heim­ziehenden, hierher vorausgegangenen cypri­schen Juden. Er lehrt im Sabbathause, und sehr viele Heiden stehen draußen und hören zu. Nachdem Er auch hier einige Kranke geheilt, nimmt Er noch spät abends an dem für Ihn bereiteten Ehrenmahl teil.

Beim Sternenschein begleiten Ihn alle an den Hafen, und sie schiffen sich ein. Es ist eine helle Nacht. Man fährt wie mit einer kleinen Flotte ab; ein großes Lastschiff enthält Gepäck und Waren und vieles Vieh, besonders viele Esel. Auf zehn Ruderschif­fen mit Segeln befinden sich die cyprischen Ostergäste und Jesus mit den Seinen und andere Gäste. Ungefähr fünf dieser Schiffe sind mit langen Stricken an den Seiten und vorne an dem Lastschiffe befestigt und ziehen es vorwärts. Die fünf übrigen segeln zu beiden Seiten. Alle diese Schiffe haben ebenfalls, wie Petri Schiff auf dem See, um den Mast erhöhte Ruderbänke und Ruhestellen darunter.

Auf einem dieser Schiffe steht der Herr an dem Mast und lehrt. Er segnet das Land und das Meer, als man die Bucht verläßt. Viele Fische folgen dem Zuge und darunter an acht Fuß lange mit wunderlichen Schnau­zen; sie spielen umher und strecken die Köpfe aus dem Wasser, als hörten sie zu.

Karte Nr. 30
1-Fahsel Emmerick Karte 30

Mittelländisches Meer

Mai, Do. 1.

Die Fahrt geht bei ganz ruhiger See und schönstem Wetter so schnell voran, daß die Schiffsleute begeistert ausrufen: „Welch‘ glückliche Fahrt! Das kommt von Dir, o Prophet!“ Doch Jesus gebietet ihnen, zu schweigen und dem allmächtigen Gott allein die Ehre zu geben, und predigt vom Wesen des wahren Gottes und der Nichtigkeit der heidnischen Götter, von der Nähe der Er­lösungszeit und der Heilsberufung der Hei­den.

Als späterhin einige seekrank werden, geht Er zu ihnen und heilt sie. Man ruft Ihn auch deswegen von den anderen Schiffen um Hilfe an, und Er heilt aus der Ferne. Zum Essen wirft man lange, braune und gelbe Streifen in kochendes Wasser, um sie zu erweichen, und bietet sie in Schalen mit Stielen herum, sowie Teller, in deren Gruben runde Kuchen und Kräuter liegen, über die man Brühe gießt.

Der Empfang in Salamis

Hafenstadt Salamis

Gegen Abend wird der Herr beim Lan­den von den einheimischen Juden mit wehenden Wimpeln, Kränzen auf Stangen und grünen Zweigen unter Gesang und Flötenspiel empfangen. Jonas wird von sei­nem alten Vater umarmt; und Cyrinus, die drei älteren Brüder des Barnabas und die Juden-Ältesten führen Jesum und die Sei­nen auf eine Terrasse, die mit Teppichen belegt ist, und bieten die übliche Erfri­schung mit Fußwaschung und kurzem Im­biß.

Hierauf geleitet man Jesum in das Juden­viertel, nördlich außerhalb der Stadt, wo Er auf erhöhtem Platz eine Begrüßungs­ansprache an die versammelte Menge hält. Auf dem Wege zur Synagoge und in deren Vorhof heilt Er einige Wassersüchtige auf ihren Tragbetten und übernachtet im gro­ßen Saal der Synagoge, an dessen Wänden einzelne Lager und darüber kleine Zelt­dächer herabgelassen werden.

Fr. 2.

Am nächsten Morgen heilt Er im dortigen Krankenhaus Wassersüchtige, Gichtige und Leute mit leichtem Aussatz. Dann lehrt Er auf einem öffentlichen Lehrplatz zuerst die Männer vom Manna-Sammeln in der Wüste und vom neuen Himmelsbrot der Lehre und Bekehrung, und gegen Mittag die Frauen, die auch Heidinnen mitgebracht, über den wahren Gott.

Zum Ehrenmahl holt man Ihn in Prozession mit singenden Kindern ab. Er zerlegt der Sitte gemäß ein Lamm, deren Teile bereits zerschnitten sind, nimmt bei Tisch Ehren­geschenke entgegen, die Ihm bekränzte Mädchen überreichen, empfängt von einem Kinde die Ehrensalbung und hört einem musizierenden Kinderchor zu. Durch die Jünger läßt Er Speisen von der Ehrentafel zu den Tischen der Armen tragen, geht dann Selbst von Tisch zu Tisch, überall lehrend und kurze Parabeln erzählend.

Nach dem Mahl führt man Ihn zu den Wasserleitungen und bittet Ihn um Hilfe gegen die Mängel des Wassers. Er gibt dies­bezügliche Anweisungen, bittet aber zu­gleich um die Anlegung eines neuen Behäl­ters, der zur Taufe dienen soll, die Er hier spenden zu lassen beabsichtigt.

Zum Sabbat-Anfang predigt Er in der Syna­goge. Auf den Außenterrassen lauschen viele Heiden Seinen Worten, die den Täufer als den Vorläufer des Messias schildern und alle Zeichen angeben, an denen die Hörer den Sprecher als den gekommenen Messias erkennen können. Man versteht Ihn hier auch und ist voll Ehrfurcht und frommer Scheu.

Abends macht Er noch Hausbesuche, zieht Sich dann mit den Seinen im Saal der Syna­goge zurück, steht aber nachts allein vom Lager auf, um bei einer Strauch- und Baum­gruppe einsam zum himmlischen Vater zu beten.

Im Hause des Cyrinus

Sa. 3.

Morgens lehrt Er drei bis vier Stunden in der überfüllten Synagoge, besucht wieder das Krankenhaus, speist als Ehrengast im Hause des Cyrinus, macht den Sabbat-Spaziergang zu den Wasserleitungen, gibt dort noch Weisungen für die Einrichtung des Taufbrunnens, ladet Seine Begleiter zur morgigen Lehre ein und segnet auf dem Rückwege jüdische Frauen mit Scharen von Kindern und auch heidnische Lehrerinnen, die mit getrennten Zügen von Mädchen und Knaben am Wege stehen.

In der Sabbat-Schlußlehre redet Er vom Gesetz und vom wahren Opfer, bereitet zu­gleich zur Taufe vor und ermahnt alle zur Buße, da die Zeit der Gnade nahe sei. Nach Ihm ergreift noch ein reisender Rabbiner von sehr würdigem Aussehen das Wort und legt zum Schluß ein so rührendes Zeugnis für Jesus ab, daß alle Anwesenden in Tränen ausbrechen. Jesus steht währenddessen im Kreise Seiner Jünger still und ruhig an der Seite.

Beim Nachtmahl im Hause des Juden-Älte­sten spricht man sehr lebhaft von den Ver­folgungen gegen den Messias; doch als je­mand, der auch gerade vom Osterfest aus Palästina zurückgekehrt ist, empört über die Gehässigkeiten der Pharisäer spricht, verweist ihm Jesus die harten Worte, ent­schuldigt die menschliche Schwäche und bringt das Gespräch auf einen anderen Gegenstand. Am Ende bietet man Ihm auf Cypern einen ruhigen Wohnort an, doch Er lehnt das Anerbieten gütig ab.

So. 4.

Nachdem Er vor Tagesanbruch wieder drau­ßen einsam gebetet, heilt Er am Morgen im Krankenhaus mehrere Insassen, bereitet sie am Brunnen im Hof zur Taufe vor und läßt sie, nachdem sie im Winkel des Gebäudes einzeln ihre Schuld bekannt haben, von den Jüngern am Brunnen taufen.

Hierauf besucht Er den neuen Taufbrunnen, erteilt den Arbeitern noch bestimmte An­weisungen und lehrt auf einem Hügel in der Nähe vor einer großen Menschenmenge, die sich angesammelt hat. Unter den Hörern befinden sich Kaufleute, Markthändler, Schnitter und viele Heiden aus Salamis. Er redet von Seiner Sendung, von Buße, Aus­söhnung und Taufe, von einigen Bitten des Vaterunsers und vom Gebet überhaupt.

Der römische Gouverneur

Noch während der Lehre erscheinen Ab­gesandte des römischen Gouverneurs bei den Juden-Ältesten und übermitteln eine Einladung Jesu zur Präfektur vor der Stadt. Jesus beendet erst Seine Lehre und begibt Sich dann mit zahlreichem Gefolge zum Stadttor an der anderen Seite von Salamis. Unterwegs schließen Sich Ihm viele Heiden an, und an einigen Straßenecken und unter Bogen haben sich heidnische Frauen mit Kindern, immer drei und drei hintereinan­der, aufgestellt und lassen jedesmal eine Frau oder ein Kind hervortreten, welche dem Herrn Büschchen von Gewürz oder kleine Büchsen mit Duftsalbe oder Figuren von Kuchen als Ehrengabe überreichen.

Der römische Gouverneur erwartet Jesum auf steinernem Sitz in der Vorhalle seines Palastes, steigt, als der Herr Sich naht, rasch aber würdevoll die große Freitreppe herab, reicht Jesu die mit einem Tuch umwickelte Hand, drückt das andere Ende des Tuches mit der anderen Hand auf die Hand Jesu, verbeugt sich etwas und führt Ihn zur Halle hinauf.

Oben angekommen, bietet er dem Herrn neben sich Platz, erzählt alles, was er über Jesus gehört und erkundigt sich eingehend, mit welcher Macht Er Sein Reich in Besitz zu nehmen gedenke, ob Er über bewaffnete Macht verfüge, ob Er unter den Juden von Cypern Leute sammeln wolle, und wie lange es noch dauern werde, bis Er Sich in Seiner Macht zeigen werde.

Alle diese Fragen stellt er mit höflichem Ernst und sichtbarer Rührung und Ehr­furcht vor Jesus. Dieser antwortet, wie immer vor Obrigkeiten, allgemein und un­bestimmt, z. B.: „Du sagst es.“ — „So glaubt man.“ — „Die Zeit der Verheißung erfüllt sich.“ — „Die Propheten haben es so ge­sagt.“ Doch betont Er, Sein Reich sei nicht von dieser Welt, die Könige der Welt brau­chen Krieger, Er sammle die Seelen der Menschen zum Reiche des Schöpfers Him­mels und der Erde. Auch läßt Er viele tiefe Aussprüche der Weisheit mit einfließen, so daß der Gouverneur ganz erstaunt ist über Jesu Worte und Dessen Wesen.

Hierauf werden Jesu Speise und Getränke gereicht, und der Römer begibt sich mit Ihm zum Brunnen gegenüber dem Palaste und macht auf dessen Heilkraft aufmerksam. Jesus redet im Anschluß hieran über die verschiedenen Heilquellen und Arten der Wasser, wie sie in Brunnen gefaßt und ver­wendet werden können, geht über auf die diesbezüglichen Lehren der Heiden und Juden und spricht dann vom Wasser der Taufe und von der Wiedergeburt der Men­schen durch den Glauben zur übernatür­lichen Kindschaft Gottes.

Die Rede Jesu ist inhaltlich ähnlich jener gegenüber der Samariterin am Brunnen Jakobs und beeindruckt den römischen Landvogt so sehr, daß er dem Wunsche Aus­druck verleiht, Jesum öfter zu sprechen. Auf Seinem Rückweg begrüßen deshalb viele Heiden Jesum noch ehrerbietiger als vorher.

Besuch bei Jona’s Vater

Gegen zwei Uhr erreicht der Herr das Haus des Vaters Seines Jüngers Jonas. Es ist hier eine viel ländlichere und einfachere Wirt­schaft, als jene, in denen Er bisher bewirtet wurde; denn es ist eine größere Familie von jener Art Essener, die sich verehelichen, aber fromm, einfach und sehr enthaltsam leben. Die Frauen sind Töchter des Alten, und zwar Witwen mit bereits erwachsenen Kindern, die auf demselben Grundstück le­ben. Sie bilden gleichsam eine kleine Esse­nergemeinde und leben vom Feldbau und von der Viehzucht, vom Weben und Spin­nen. Jesus speist hier in einer Art Garten mit langen Heckenlauben, und das Tischgespräch dreht sich um Johannes den Täufer und dessen Ermordung und auch um andere Propheten.

Von hier aus geht Jesus zum neuen Tauf­brunnen, erteilt den letzten Taufunterricht und läßt durch Barnabas, Jakobus Minor und Azor taufen. Diese haben in einem platten Ledergefäß Wasser von Jesu Taufstelle am Jordan mitgebracht, gießen davon ein wenig in die Becken und segnen das da­mit gemischte Wasser. Alle Täuflinge tragen weiße Mäntelchen um den Oberkörper.

Abends läßt der Herr noch weiter westlich in verschiedenen Gartengebäuden an dreißig Männer von Barnabas taufen, nachdem auch hier das Wasser gemischt und gesegnet wor­den ist.

Belehrung der Philosophen

Mo. 5.

Morgens hält Er auf dem Lehrplatz am Taufbrunnen eine große Lehre vor den Juden und versammelten Heiden. Er spricht von der Ernte im geistigen Sinne, von den Wohltaten Gottes, vom Undank der Men­schen und widerlegt zum Schluß den fal­schen Götterglauben.

In der eingelegten Pause, in der Jesus einige Bissen zu Sich nimmt und das Volk sich bespricht, nahen einige heidnische Philo­sophen, fragen Jesum über Punkte, die sie nicht verstanden haben und auch über manche Einzelheiten, die sie von ihren Vor­fahren als eine Aussage von Elias gehört haben, der hier gewesen. Jesus belehrt sie hierüber und setzt dann Seine Lehre fort. Im Anschluß an die Lehre läßt Er wieder taufen und geht dann zur Judenstadt.

Nachdem Er sich im Hotel vor der Juden­stadt erfrischt, besucht Er in derselben den ältesten Rabbiner in der Synagoge und geht mit ihm und anderen Rabbinern in Privat­häuser, um Kranke zu heilen. Unterwegs segnet Er die Kinder, die Ihm von den Müt­tern zugeführt werden.

Abends speist Er mit den Rabbinern als deren Ehrengast und lobt ihre Gewohnheit, die Armen und Erntearbeiter am Mahl teil­nehmen zu lassen; doch können sie sich ge­gen Ende des Tischgespräches nicht ent­halten, nach Art der Pharisäer in anzüg­lichen Redensarten mit Ihm zu disputieren.

Als Er mit den Jüngern wieder in der Her­berge ist, bittet Ihn ein Heide, draußen im Garten mit einer Götzenpriesterin zu spre­chen. Sie heißt Merkuria, hat Jesus gestern gesehen, auch von Magdalena gehört und bittet Ihn nun, ihr in ihrer seelischen Be­drängnis zu helfen. Jesus spricht streng gegen ihr unzüchtiges Leben, aber auch wieder so gütig, daß sie weinend und ganz erschüttert von dannen geht.

Di. 6.

Während die Jünger am Taufbrunnen tau­fen, lehrt der Herr dort und bei den Wasser­leitungen vor Scharen von Erntearbeitern, wobei Er an zwanzig Lahme und Gicht­kranke heilt.

Von zehn Uhr ab belehrt Er heidnische Phi­losophen auf ihre Fragen betreffs der Göt­terkulte, über das Wesen des Heidentums und über die Entstehung der falschen Götter.

Er schlägt eine Einladung seitens des römi­schen Landvogtes ab, schickt Barnabas zu dessen Verwandten nach der Stadt Chytroi voraus und belehrt die Erntearbeiter west­lich von Salamis auf den Feldern. Einige Lahme und Wassersüchtige heilt Er in ihren Hütten.

Mi. 7.

Morgens wandert der Herr wieder von Feld zu Feld, überall die Arbeiter belehrend. Gegen Mittag holt Ihn Barnabas in Gesell­schaft einiger junger Heiden ab, um mit Ihm nach Chytroi zu reisen.

Jüdische Herberge an der Heerstraße

Er kehrt auf der römischen Heerstraße in einer Herberge für jüdische Reisende ein, dicht bei dem Herberghaus der Heiden­karawanen, wo Er mit den anderen Jüngern zusammentrifft. Im Freien spricht Er mit heimkehrenden Arbeitern und belehrt abends die Mitglieder einer eben eingetrof­fenen arabischen Karawane.

Do. 8.

Er besucht Hirten in der Umgegend und lehrt wieder vor den Arabern der Karawane, welche in den hiesigen Bergwerksorten Kup­fer und anderes Metall eintauschen.

Herberge vor Chytroi

Nach vier Stunden erreicht Er die Herberge vor Chytroi, wo Ihn der Vater des Barnabas begrüßt.

Der Besuch bei den Bergwerken

Eisenbergwerke bei Chytroi

Fr. 9.

Des Morgens stattet der Herr den Eisenberg­werken bei Chytroi einen Besuch ab und spricht vor jüdischen und heidnischen Berg­werksleuten vom Goldschmied, der das Erz im Feuer reinigt, beruhigt einige Besessene in der Nähe, und läßt an der Grenze zweier Bergwerke bohren, um eine Grenzverletzung festzustellen. Hierbei lehrt Er vom Ärger­nis : „Es müssen zwar Ärgernisse kommen, wehe aber dem Menschen, durch welchen Ärgernis kommt“ (Mt. 18, 7) und vom Grundsatz der Moral: „Wie ihr wollt, daß euch die Leute tun, so tut auch ihr ihnen“ (L. 6, 31).

Metallindustrie-Stadt Chytroi

Vor der Stadt von den jüdischen Ältesten und zwei Philosophen empfangen, heilt Er auf dem Wege zum Synagogen-Vorsteher etwa zwanzig Kranke, kehrt im Hause des Vorstehers ein, wo Ihn mehrere Gelehrte und Anhänger der Sekte der Rechabiten begrüßen, und predigt in überfüllter Syna­goge über das tote und über das lebendige Opfer (Mt. 5, 23) und von den acht Selig- keiten (Mt. 5, 3). Viele Heiden hören draußen auf den Terrassen zu. Während die Gelehrten mit Ihm disputieren, ruft Ihn plötzlich ein alter gelähmter Rabbiner um Hilfe an, und Jesus heilt ihn auf der Stelle, worauf alle Hörer vor Freude laut jubeln.

Da Jesus bereits dem Vater des Barnabas zugesagt hat, ladet Er den Vorsteher und dessen Gäste ein, mit Ihm dorthin zum Mahle zu gehen. Der Speisemeister des Vor­stehers aber sammelt die Armen und Arbei­ter zu der Mahlzeit, die Jesus ihnen über­lassen hat.

Beim Mahl im Hause von Barnabas‘ Vater spricht der Herr noch weiter vom Opfer und dann von der Verheißung und von den Pro­pheten. Während des Essens bieten Grup­pen armer Kinder Jesu Körbe mit allerlei eßbaren Kräutern an. Er steht auf, leert ihre Körbe, füllt sie mit Speisen der Tafel und segnet sie. Jesus übernachtet mit den Seinen hier, während die Fremden in die Stadt zurückgehen.

Sa. 10.

Den ganzen Morgen spricht Jesus auf einem nahen Lehrhügel zuerst vor vielen Berg­leuten und Arbeitern vom Vaterunser und vom Scheiden des Erzes im Feuer, dann vor einer großen Menge Heiden vom wilden Sprossen der Bäume und des Weinstockes, vom einen Gott und von den Kindern Got­tes, und zuletzt vor einer großen Schar von Juden, die sich mit Heidenfamilien verhei­ratet hatten, von den gemischten Ehen und von der Verantwortung des jüdischen Teils.

Nachher heilt Er die Kranken, speist bei Barnabas und predigt zum Sabbat-Schluß wieder in der Synagoge. Zur Nacht speist Er bei den Lehrern und übernachtet bei ihnen.

Der Besuch im Bienenort

Bienenort bei Chytroi

So. 11.

Anläßlich eines Fasttages predigt der Herr morgens noch in der Synagoge und geht dann mit ungefähr hundert Begleitern, dar­unter Schriftgelehrte, Rechabiten und heid­nische Jünglinge, zum Hauptsitz der auf Cypern in großer Zahl ansässigen Bienen­züchter. Weit hinaus — der Morgensonne zu — stehen hier lange Reihen mannshoher weißer Bienenkörbe. Jeder Bienenstand hat ein Blumenfeld vor sich. Alles ist ein­gezäunt und sieht aus wie eine ganze Stadt.

Jesus ist hauptsächlich hierher gegangen, um ohne Störung und Andrang die Heiden und Juden belehren zu können, und Er tut dies den ganzen Tag über in den Gärten und Lauben des großen hiesigen Hotels. Er lehrt wieder vom Vaterunser, von den acht Selig­keiten und vor den Heiden von der Ent­stehung der falschen Götter, von der Abson­derung Abrahams und von der Hinordnung auf den Messias. Er und alle Begleiter über­nachten hier.

Mo. 12.

Vormittags setzt Jesus Seine Lehre im Bie­nenort fort, und die Hörer sind unterdes zu mehreren Hunderten angewachsen. Die Rechabiten disputieren mit Ihm viel über den Propheten Malachias, auf den sie große Stücke halten.

Nachmittags zieht Er mit den Seinen und mit vielen Gruppen von Hörern, unterwegs ab­wechselnd Teile von ihnen belehrend, zum elterlichen Hause des Barnabas, wo Er von dreißig bis vierzig heidnischen Frauen und Jungfrauen und etwa zehn jüdischen Mäd­chen unter Gesang und Flötenspiel mit Überreichung von Kränzen, Zweigen und Ehrengeschenken empfangen wird.

Metallindustrie-Stadt Chytroi

Di. 13.

Vormittags lehrt der Herr an einem Brunnen vor der Stadt Chytroi auf einem Lehrstuhl und bereitet die Hörer zur Taufe vor, und zwar die Juden und die Heiden abgesondert. Er spricht auch mit einigen Lehrern über die Beschneidung und sagt hierbei, man solle sie diesen Heiden nicht zumuten, es sei denn, daß sie es selbst verlangen. Jedoch könne es den Juden auch nicht von ihnen zugemutet werden, daß sie die Heiden in die Synagoge zulassen; man müsse Ärgernis ver­meiden und Gott danken, daß jene den Götzendienst verlassen und das Heil erwar­ten. Auch sei jenen anderer Verzicht und die Beschneidung des Herzens und aller Gelüste aufzuerlegen; und Er werde ihnen Lehre und Gebet abgesondert anordnen.

Jüdische Kolonie Mallep

Mi. 14.

Vom frühen Morgen an lehrt der Herr wie gestern, am Taufbrunnen, während die Jünger taufen. Gegen Mittag läßt Er den Taufbrunnen zudecken, nimmt einen klei­nen Imbiß und wandert dann mit den Seinen und etwa sieben getauften Philosophen aus Salamis nach dem Dorfe Mallep, einer von Juden erbauten Kolonie. Sie liegt auf einer Höhe am Abhange des Gebirges und man kann von hier aus das Meer sehen.

Als Sich der Herr dem Orte naht, ziehen Ihm die Lehrer des Sabbathauses, die Schul­kinder und vieles Volk bis vor das Tor ent­gegen. Alle sind festlich geschmückt, die Kinder spielen auf Flöten, singen Lieder und tragen Palmenzweige in den Händen. Jesus dankt und geht segnend durch die Reihen der Kinder hindurch. In der Vor­halle des Lehrerhauses wäscht man Ihm die Füße und reicht den Ehren-Imbiß. Unter­des hat man an zwanzig Lahme und Wasser­süchtige in die Straße vor dem Hause ge­bracht. Jesus geht zu ihnen hinaus, heilt sie und gebietet ihnen, Ihm zu dem Brunnen im Zentrum des Ortes zu folgen, wo Er die Ein­wohner über die Bitte um das tägliche Brot und über die Danksagung gegen Gott be­lehrt.

Hierauf predigt Er im Sabbathaus über die Bitte: „Zukomme uns dein Reich“, spricht vom Reiche Gottes in uns, von dessen Nähe, wer es nur ergreifen wolle, und wie es denen ergehen werde, die es von sich stoßen. Die Heiden, die sich ebenfalls eingestellt haben, hören von draußen durch die geöffneten Türen zu.

Abends ist der Herr Gast beim Mahl der Lehrer, die Ihn zum Schluß in eine eigene Herberge führen, die sie Ihm und Seinem Gefolge eingeräumt haben. Am heutigen Abend wird bereits mit der Neumondfeier begonnen, da der erste Tag des neuen Mo­nats Sivan diesmal auf den Sabbat fallen wird.

Die Heilung der blinden Knaben

Do. 15.

Den ganzen heutigen Tag wird im Orte nicht gearbeitet. Der Herr heilt erst vor der Her­berge und predigt dann im Sabbathaus vom Sämann und vom verschiedenen Ackerboden und dann auch vom Senfkorn, wie es so große Früchte trage. Er entnimmt dieses Gleichnis einer hier zu Lande wachsenden Staude, die aus einem sehr kleinen Kern einen beinahe mannshohen, armdicken Sten­gel treibt und sehr nützlich ist. Aus der ro­ten und schwarzen Frucht gewinnt man Leim, und aus den gelben und roten Blät­tern Farben, um gelb, rot und braun damit zu färben.

Mittags wohnt Jesus mit den Jüngern einer Mahlzeit des Ortsvorstandes bei. Es werden drei blinde Knaben von etwa zehn bis zwölf Jahren durch andere Kinder in den Eßsaal hereingeführt. Sie musizieren auf Flöten und auf einem noch anderen Instrument, welches sie vor dem Mund halten und mit den Fingern daran spielen, und welches einen summenden Ton von sich gibt. Auch singen sie mit angenehmen Stimmen da­zwischen. Ihre Augen stehen offen, und es ist, als haben sie den Star.

Jesus fragt sie, ob sie gern das Licht sehen möchten und fromm und fleißig auf ge­rechten Wegen wandeln wollen. Sie ant­worten ganz freudig: „Herr, so Du uns hel­fen willst! Herr, hilf uns, wir wollen tun, was Du befiehlst!“ — „Legt eure Pfeifen nieder“, befiehlt der Herr und stellt sie alle drei vor Sich. Dann führt Er Seine beiden Daumen zum Munde, fährt ihnen nach­einander mit den beiden Daumen zugleich von dem Augenwinkel nach den Schläfen über die Augen, hebt eine Schale mit Früch­ten vom Tische vor sie und fragt: „Seht ihr dies?“ Sie bejahen es, und Er segnet die Früchte und verteilt sie an die Geheilten. Diese aber staunen freudig und trunken um sich her, werfen sich vor Jesus nieder und weinen. Und die ganze Versammlung ist vol­ler Rührung, Freude und Verwunderung.

Die Knaben eilen nun mit ihren kleinen Führern aus dem Saale durch die Straßen in voller Freude zu ihren Eltern. Der ganze Ort kommt in Bewegung, und die Knaben kehren, gefolgt von den Kindern und von vielen anderen Menschen, zum Vorhofe des Saales zurück und schreiten von hier aus, auf ihren Instrumenten fröhliche Lieder spielend und singend, langsam zur Tafel heran, um dem Herrn zu danken. Da erhebt Sich Jesus und hält eine ergreifende Lehre über die Dankbarkeit, in welcher Er unter anderem sagt, der Dank sei ein Gebet, wel­ches neue Gnaden vorbereite, so gütig sei der himmlische Vater.

Nach der Mahlzeit wandelt Jesus mit den Jüngern und den heidnischen Philosophen durch die grünen, schattigen Auen weit um den Ort herum; Er Selbst lehrt vor den Philosophen, während die Jünger einzelne Gruppen belehren, die sich dem Spaziergang angeschlossen haben. Abends lehrt Er wie­der im Sabbathaus, und geht dann, wie bis­her, nachdem die Jünger sich zur Ruhe begeben, aus Seinem eigenen Schlafgemach der Herberge ins Freie, um an einem ein­samen Orte zu beten.

Fr. 16.

Nachdem der Herr, wie auch Seine älteren Jünger, in dem Orte umher in verschiedenen Häusern Trost, Almosen und Rat gespendet und geheilt hat, besucht Er die Eltern der drei gestern von Ihm geheilten Knaben. Es sind Araber aus der Gegend des Jethro (des Schwiegervaters des Moses, also aus Madian, Ex. 3, 1), die in einer Gruppe von mehreren Familien als Händler und Gelegenheits­arbeiter von. Land zu Land ziehen, wobei jene Knaben auf ihren Reisen mit Gesang und Flötenspiel etwas verdienen müssen. Jesus veranlaßt die Eltern, hier zu bleiben, die Knaben zur Schule zu schicken, und gibt ihnen Leute an, welche sich bereit erklärt haben, die Knaben bei sich aufzu­nehmen und zu erziehen.

Dorf Lafina

Nach Tisch macht Er einen Ausflug mit den Jüngern und den sieben getauften Philo­sophen, und spricht unterwegs über die Namen der heidnischen Götter und Heroen. Die Philosophen fragen Ihn auch über den sagenhaften weisen König Dschamschid aus, der Persepolis gegründet haben soll, den Persern vortreffliche Gesetze gab, Künste und Wissenschaften lehrte und viele Schätze des Erdbodens erschloß. Jesus belehrt sie über das Wahre und über das Erdichtete betreffs dieses weisen Königs und nennt ihn ein falsches Nebenbild des Königs Melchise­dech. Er spricht über diese historischen Dunkelheiten so klar und bestimmt, daß die Philosophen erstaunt ausrufen: „Meister, wie weise bist Du! Ist es doch, als habest Du in jenen Zeiten gelebt und kenntest alle diese Leute, wie sie sich selbst ikaum kann­ten!“

Zum Sabbat-Anfang predigt Er wieder in der Synagoge zu Mallep und setzt nach dem Gottesdienst das Gespräch mit den Philo­sophen fort.

Jesus und die Brautleute

Jüdische Kolonie Mallep

Sa. 17.

Vormittags setzt der Herr im Sabbathaus die gestrige Predigt über das Jubeljahr fort, in­dem Er über die Ackergesetzgebung spricht, wonach jedes siebente Jahr das Land unbe­arbeitet bleiben soll, damit von dem, was von selbst gewachsen ist, auch die Armen und die wilden Tiere des Feldes genießen können (Lev. 25, 3-7).

Hierauf zieht Er mit vielem Volk vor die Stadt zum Lehrplatz des Badegartens und lehrt am Brunnen über den Sündenfall, über die Entartung der Völker und über die Absonderung besserer Menschen und kommt, da sieben Bräutigame zugegen sind, auf die geheime Bedeutung der Ehe als einer Verbindung des Trösters von Israel mit seiner Gemeinde zu sprechen. Er endet mit einer Art Taufunterricht, an den sich die Bekenntnisse der einzelnen Täuflinge und die Taufen durch Jakobus Minor und Barnabas anschließen.

Den üblichen Sabbat-Spaziergang macht Er mit großer Begleitung ins Tal von Lafina, unterwegs alle belehrend, und beschließt den Sabbat wieder im Sabbathaus von Mal­lep.

Nach dem Abendmahl beantwortet Er durch eine lange Lehre bis in die Nacht hinein die Fragen einiger Philosophen: warum Gott die Sündflut ergehen ließ, und warum Gott so lange die Menschen auf den Tröster habe warten lassen (siehe oben Seite 18).

So. 18.

Er lehrt am Taufplatz viele Menschen, be­sonders die Brautleute über die Pflichten des Ehestandes. Beim Taufunterricht der Männer spricht Er über die mystischen Be­gebenheiten aus dem Leben des Propheten Elias.

Dorf Leppe

Nach der Taufe der Bräutigame folgt Er einer Einladung zur Festmahlzeit im Dorfe Leppe, westlich von Mallep. Sie findet im Hause des dortigen Rabbiners statt, dessen Tochter die Braut eines heidnischen Philo­sophen von Salamis ist, der dort Jesu Lehre gehört und die Beschneidung angenommen hat. Auch die in Mallep getauften Bräuti­game sind mit ihren Bräuten eingeladen und viele andere Gäste mehr. Jesus lehrt bei Tisch über die Heiligkeit der Ehe und kehrt mit den Seinen in der Dunkelheit nach Mallep zurück.

Jüdische Kolonie Mallep

Mo. 19.

Heute beteiligt sich der Herr an den Trau­ungsfeierlichkeiten, erteilt den Bräuten den Brautunterricht, wohnt den Trauungen bei, nimmt einen kurzen Imbiß im Festhaus, macht einen Spaziergang mit den Philo­sophen und lehrt abends in der Synagoge nochmals über die Bedeutung der Ehe.

Die Predigt zum Pingstfest

Di. 20.

Mit dem Jünger Mnason und den Philo­sophen macht Er einen Tagesausflug ins Land, lehrt in einzelnen Bauernhöfen, spricht vor Feldarbeitern und predigt schließlich vor großer Versammlung über das bevorstehende Pfingstfest. Da Er hier­bei von der Gesetzgebung auf Sinai spricht, so scheint das Pfingstfest bei den Juden die Erinnerung an die Gesetzgebung auf Sinai zu feiern, wie es auch Hieronymus (ep. ad. Fabiol.), Leo der Große (serm. 1 de Pentec. ), Maimonides (More Neboch. 3, 41) und Tho­mas von Aquin (S. theol. I—II, qu. 102, a, 4 ad 10) annehmen.

Mi. 21.

Morgens lehrt Jesus in Seiner Herberge vor Jüngern und vor heidnischen und jüdischen Gästen wieder über das Pfingstfest, über das Gesetz auf Sinai und über die Taufe. Als hierüber allerlei Streit und Disputieren ent­steht, und einige es gar nicht verstehen wol­len, sondert Jesus ungefähr fünfzig Hörer ab, die reif für Seine Lehre sind; die an­deren weist er hinweg, um sie ein andermal vorzubereiten.

Mit den Fünfzig geht Er zum Badegarten vor der Stadt und belehrt sie den ganzen Tag. Die Hochzeitsleute schicken Ihm Speisen in die Herberge, derer Er Sich abends bei Sei­ner Rückkehr bedient. In der Nacht schließt Er Sich dem Betgang ins Freie mit Fackeln an, sondert Sich aber dann zum einsamen Gebet von den übrigen ab.

Do. 22.

Vormittags beteiligt Er Sich an den Zere­monien des Pfingstfestes in der Synagoge, indem er an der Spitze der Rabbiner in den Gängen um die Synagoge wandelt und den Segen über Land und Meer und alle Gegenden ausspricht. In den Pausen fragt Er: „Habt ihr dies verstanden?“ Und dann legt Er ihnen die einzelnen Gebete aus. Hierauf erfolgt die Lesung vom Durchgang durchs Rote Meer bis zur Gesetzgebung auf Sinai am fünfzigsten (pentekoste) Tage nach dem Auszug aus Ägypten.

Nach dem Gottesdienst begleitet der Herr mit den Jüngern die nach Salamis zurück­kehrenden Heiden, ermahnt sie noch einmal, sich nicht mehr in ihren Götzendienst und in unnütze Spekulationen einzulassen, und weist ihnen als neuen Wohnsitz getrennte Gegenden zwischen Hebron und Gaza und bei Jericho an. Er empfiehlt ihnen, Lazarus, Johannes Markus, Zacharias Neffen und die Eltern des Manahem in Koreä zu be­suchen.

Abends empfängt Er einen Brief der Prie­sterin Merkuria, die anfragt, ob sie einem heidnischen Feste fernbleiben dürfe, was ohne großes Aufsehen nicht geschehen könne.

Die Ehebelehrungen

Fr. 23.

Jesus besucht mit den Jüngern Privathäuser, lehrt, tröstet und heilt, spricht mit Ehe­frauen über ihre Eheschwierigkeiten, be­sucht das städtische Krankenhaus, lehrt in der Männer- und dann in der Frauen-Abtei­lung und hält zum Sabbat-Beginn in der Synagoge eine große Strafpredigt, die auf die schlechten Ehemänner und die ein­gebildeten Gelehrten abzielt.

Er predigt vom törichten Hängen an mensch­licher Hilfe und Lust, von der unsinnigen Brunst der Geschlechter und vom schlimmen Einfluß auf die hieraus hervorgehenden Kinder. Dann wendet Er Sich gegen die Hoffart spitzfindiger Gelehrsamkeit, gegen den übertriebenen Glauben an die wissen­schaftliche Forschung und sagt zum Schluß, diejenigen, die wahren Trost und gesunde Unterweisung suchen, mögen Ihn morgen früh aufsuchen. Er betet für diese die ganze Nacht hindurch.

Sa. 24.

Schon am frühen Morgen stellen sich zahl­reiche Besucher in Seiner Herberge ein, darunter viele Gelehrte und Studenten der hiesigen Schule. Sie verlangen Anweisung, wie sie ihr Studium einrichten sollen. Auch viele geängstigte Menschen kommen, die in Grenzstreitigkeiten und kaufmännische Händel und Eheschwierigkeiten verwickelt sind. An die Letzteren hält Er zum Schluß eine gesonderte Ansprache über die unge­ordneten Zeugungen und über den Fluch, der sich auf die erzeugten Kinder auswirke. Alle sind tief erschüttert, viele bekennen einzeln ihre Vergehen und holen auf Seinen Rat hin ihre Ehepartner, worauf Jesus ganz wunderbare Aussöhnungen bewirkt. Auch gibt er praktische Anweisungen, wie die un­ehelichen Kinder zu behandeln seien.

Einer der Ehebrecher ladet Jesum ganz demütig zur Mahlzeit bei sich ein, und der Herr nimmt die Einladung an, stellt sich sogar mit den Jüngern ein, und die eben­falls eingeladenen Rabbiner sind ganz er­staunt über die Wirkungen, die Jesus hier und überall erzielt hat. Beim Mahle emp­fängt der Heiland die Ehrensalbung seitens der zwei Töchterchen des Hauses.

Zur Sabbatschluß-Lehre predigt Er noch einmal von der falschen Sucht nach den heidnischen Gütern und warnt vor den Mischehen aus sinnlichem Leichtsinn und irdischer Gewinnsucht. Er schildert die ge­sunde und einfache Lebensweise, die sich mit dem Segen Gottes verbindet.

Die Aufforderung zur Emigration

So. 25.

Den ganzen Tag über bis in die späte Nacht macht Jesus Hausbesuche und empfängt in Seiner Herberge Besuche. Überall veranlaßt Er die Juden, ihren Wohnsitz von Cypern nach Palästina zu verlegen, gibt diesbezügliche praktische Weisungen und prophezeit zukünftige Unglücksfälle, die auf Cypern stattfinden werden. (Offenbar bezieht sich dies auf die Ermordung des Barnabas durch den jüdischen Pöbel, auf den Aufstand der Juden unter Trajan, wobei Salamis zerstört wird, und auf das Erdbeben um 77 n. Chr.).

Abends bringt ein Jünger Jesu, der Vetter der Witwe von Naim, der eben von Palästina angekommen, Botschaft von den Freunden Jesu und der Lage der Umstände, der An­bringung von Kaiserbildern an den Aus­gängen des herodianischen Tempels, von der Zerstörung derselben durch weitere Anhän­ger des ermordeten Judas Gaulonita und dem darauf erfolgten blutigen Tumult zwi­schen Tempel und Burg Antonia.

Die Betreuung der Arbeiter

Bergmannsdorf bei Chytroi

Mo. 26.

Jesus wandert mit zwölf Jüngern auf Um­wegen in sieben Stunden zu einem Berg­mannsdorf bei Chytroi. Er ist durch die Familie des Barnabas hierher eingeladen. Unterwegs unterrichtet Er die Jünger im Hinblick auf Seine bisherigen Erlebnisse auf Cypern, begibt Sich nach ehrenvollem Empfang im Hotel zum schattigen Lehr­hügel in der Nähe und predigt vor großer Versammlung aller Arbeiter vom Glück des einfachen Lebens und der beruflichen Ar­beit und erzählt bis in die Nacht gleichnis­artige Geschichten.

Schon auf die gestrige Veranlassung Jesu und auch auf Seine heutigen Anweisungen hin, werden aus der Stadt Chytroi durch die vornehmen Bürger und Bergwerkbesitzer Liebesgaben zum Lehrplatz des Herrn her­beigeschafft. Das Volk hat sich in Reihen geordnet, und nun werden muldenweise Ge­treide ausgeteilt, große Brottafeln, Honig, Früchte, lederne Kleidungsstücke, Decken und Gerätschaften. Die Frauen erhalten Teppichzeug, Tücher und Sohlenfutter.

Während des Austeilens sind Jesus und die Jünger zugegen und lehren an verschiedenen Stellen vor kleinen Gruppen von Hörern. Zum Schluß hält Jesus eine Ansprache an alle Anwesenden auf dem Lehrhügel der Felshöhle und erzählt das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberge und vom barm­herzigen Samariter und lehrt vom täglichen Brot.

Beim anschließenden großen Mahl im Freien unter Lauben bedienen Jesus und die Jün­ger die Armen, und gleich darauf heilt Er mehrere Bergleute, die an Händen, Armen und Beinen Quetschungen und Verwundun­gen in den Bergwerken erhalten haben. Dann begibt Er Sich zu den Spielen der Kinder, an denen sich auch der Landessitte gemäß Männer und Frauen beteiligen. Nach­dem Er hier eine Weile zugeschaut, läßt Er Sich von einigen achtjährigen Knaben in der Umgegend herumführen und Sich von ihnen verschiedene Gruben zeigen. Sie erzählen etwas altklug alles, was sie wissen, und Jesus macht auf alles Anwendung, belehrt sie durch Rätselraten und erzählt ihnen Para­beln. Nach der Rückkehr belehrt Er noch im Kreise der Jünger die vornehmen Bürger und Bergwerkbesitzer.

Hafenort östlich von Kition

Mi. 28.

Am heutigen Tage begleitet Er den Jünger von Naim zum Hafenort bei Kition. Hier gibt ihm der Herr allerlei Aufträge mit an Seine heilige Mutter und die Apostel, segnet ihn vor dem Besteigen des Schiffes und kehrt mit Seinen Jüngern zum Bergmanns­ort zurück.

Der Besuch bei Mnasons Eltern

Hafenstadt Keryneia

Do. 29.

Frühmorgens verläßt Er mit den Jüngern das Bergmannsdorf bei Chytroi und kehrt gegen vier Uhr nachmittags bei der Familie Seines Jüngers Mnason, drei Viertelstunden vor Keryneia, ein. Der Vater des Mnason war früher reisender Kaufmann und hat sich dann hier ein Hotel für vorüberzie­hende Karawanen eingerichtet.

Fr. 30.

Morgens lehrt Jesus auf einem Lehrplatz beim Hotel vor einer Reisekarawane gegen den Wucher und die Handelsgier, sich an den Heiden zu bereichern. Beim gemein­samen Mahl dient Er bei Tisch und geht mehr lehrend umher, als daß Er Selbst zu Tische liegt.

Zum Sabbat begibt Er Sich mit der Familie des Mnason und den Jüngern in die Stadt Keryneia, wird am Eingang der Straße des Judenviertels von den Lehrern empfangen, ins Lehrhaus geführt, erfrischt und dann zur Synagoge geleitet, wo Er nach Lesung aus Exodus (1-4) und aus dem Propheten Oseas (1, 10-2, 21) eine heftige Strafrede gegen Unzucht und Abgötterei hält. Im Vor­hof heilt Er dann auf eine ganz neue Art die aufgebahrten Kranken, indem Er vorher das Bekenntnis ihres Glaubens erfragt, mit den Rabbinern über sie aus Rollen betet und die Jünger den Kranken die Hände auf­legen läßt. Vermutlich läßt der Heiland auf Cypern die Rabbiner deshalb auf diese Weise am Heilen teilnehmen, weil sie hier durchschnittlich gutwilliger sind als in Palä­stina und weil viele von ihnen unter den 570 Juden sind, die Er auf Cypern für Sich gewinnt.

Im Hause Mnasons wandelt Er nach dem Mahl noch mit den Lehrern auf und ab, sie unterrichtend.

Sa. 31.

Vormittags lehrt Er auf dem Lehrhügel vor etwa fünfzig Täuflingen und läßt dann tau­fen. Mnason ist sehr betrübt, daß sein Vater sich nicht taufen lassen will, obwohl er ihn schon gestern so gut über alles unterrichtet hat. Doch der Alte zuckt mit den Schultern, bewegt den Kopf und weigert sich mit aller­lei Scheingründen. Jesus tröstet Mnason, indem Er darauf hinweist, daß jener immer fromm gelebt habe und seine geistige Blindheit an einem anderen Ort beweinen und dort sehend werden würde.

Später tröstet Er noch eine Reihe von Frauen, die sich über ihre Ehemänner be­klagen, und befragt sie über ihr eigenes Betragen gegen die Männer, ermahnt sie zur Milde und Bescheidenheit, zum Fleiß und Ordnungssinn und warnt vor Klatscherei, Stichelei, Vorwürfen und Quengeleien.

Beim gemeinsamen Mahl mit den Täuf­lingen segnet Er die Speisen, bedient mit den Jüngern und erzählt Parabeln. Zum Sabbatschluß lehrt Er noch in der Synagoge zu Keryneia, nimmt Abschied und wandert mit den Jüngern geradewegs nach Mallep zurück.

Die Vorbereitungen zur Abreise

Jüdische Kolonie Mallep

Juni, So. 1.

In der Herberge verkündet Er den Be­suchern Seine nahe Abreise und gibt noch­mals Anweisungen zu ihrer Übersiedlung nach Palästina.

Mo. 2.

Frühmorgens besucht Jesus noch einige Bauerngüter östlich von Mallep, deren Be­sitzer Ihn zu sich gebeten. Dann lehrt Er dort auf einem Lehrhügel und heilt meh­rere Kranke, darunter ein blindes Kind. Daraufhin kehrt Er nach Mallep zurück und nimmt am großen Mahl im Festhause teil, wo Er die Armen speisen läßt. Zuletzt hält Er eine lange Lehre über das Wort „Amen“ bis in die Nacht hinein, und verläßt noch in derselben Nacht mit den Jüngern die Stadt, nachdem Er im Hotel alles be­zahlt und auch noch Geld für die Armen verteilt hat. Das Geld hatte der Jünger von Naim zu Ihm gebracht.

Hafenstadt Salamis

Di. 3.

Gegen zwei Uhr nachmittags kommt Er bei Salamis in dem Lehrhause an, wo Er bei Seiner Ankunft auf Cypern gewohnt hatte, unterrichtet noch einige vertraute Leute, verabschiedet Sich von Jonas Eltern und hat eine längere Unterredung mit dem römi­schen Gouverneur, der Ihm zwei heidnische Jünglinge vorstellt, die nach der Taufe ver­langen. Er unterrichtet sie gleich und läßt sie noch am selben Abend taufen.

Kurz vor Seiner Abreise von Salamis be­kehren sich noch der römische Gouverneur und die heidnische Priesterin Merkuria, deren Kinder Jesus segnet. Er spricht mit ihr von der Auswanderung und über ihren künftigen Aufenthalt. Schließlich begibt Er sich mit den Jüngern zum Halteplatz der Reise-Esel, die der Landvogt für Ihn bestellt hat. Auch Jesus reitet diesmal, und zwar wie die übrigen auf einem Quersitz mit Lehne. Der Gouverneur reitet mit.

Seehafen bei Kition

Mi. 4.

Bei der Morgendämmerung verabschiedet sich der Römer, um kein Aufsehen zu erre­gen, und nach zwei Stunden steigt Jesus mit den Seinen von den Eseln, läßt sie von den Dienern zurückführen und geht zu Fuß bis zum Seehafen, der östlich von Kition bei einem Salzberg ziemlich einsam in der Gegend liegt und nur aus der Hafenanlage und einem langen Gebäude besteht. In der Nähe zieht sich ein sehr langer Wall ent­lang, der oben mit Rasen und Gärten be­setzt ist. Jesus besucht noch die in der Nähe wohnenden Salzarbeiter in ihren ärmlichen Wohnungen, tröstet, heilt und teilt Ge­schenke aus, und geht auch noch bis zum Ende des Walles in einige Heiden-Woh­nungen, segnet die Kinder und erzählt den versammelten Heiden einige Parabeln vom Salz der Erde.

Nach einer Mahlzeit im Hafengebäude, von wo Er noch Speisen an die Armen schickt, fahren Er und die Seinen, eine Gesellschaft von siebenundzwanzig Mann, in drei Schif­fen von Cypern ab.

Als es schon dunkel ist, fährt das Schiff Jesu, welches vorausfährt, auf eine Sand­bank. Jesus befiehlt den Schiffern zurück­zufahren und gibt Anweisungen, wie man die beiden anderen ebenfalls festgefahrenen Schiffe, die bereits Fackeln als Notsignale auf den Mast gesteckt haben, mit Stricken ins Schlepptau nehmen und so in Fahrt be­kommen müsse. Er verweist dann den Schiffsleuten ihr Besserwissenwollen und spricht vom Eigenwillen und der Nachfolge.

Karte Nr. 31
1-Fahsel Emmerick Karte 31

Der Wandel durch Mittel-Galiläa

Landungshafen bei Hepha

Do. 5.

Gegen Abend erreichen die drei Schiffe die Bucht zwischen Akko (Ptolemais) und Hepha (Haipha), rudern aber wieder in die See zurück, da im Eingang der Bucht ein größeres Schiff mit mehreren kleineren in Kampf verwickelt ist. Es handelt sich um einen Privatstreit, der bereits in Cypern über die Schiffsladung entstanden ist. Das große Schiff siegt und verfolgt die kleineren. Als die Streitenden Jesu Schiffen näher kommen, erhebt Er die Hand und segnet in Richtung der Streitenden, worauf sie sich trennen und fortrudern.

Der Herr landet mit den Seinen östlich von Hepha, bei der Mündung des Kison (Nahr el Mukatta). Am Ufer umarmen mehrere Apostel und Jünger, etwa zwanzig an Zahl, Jesum und die Angekommenen, ziehen, als alles mit den Schiffen in Ordnung ist, eine halbe Stunde die Uferstraße entlang und lagern unter Bäumen, um sich an den Spei­sen zu erquicken, die die Apostel mitge­bracht haben.

Levitenstadt Misaël

Fr. 6.

Jesus umgeht mit den Seinen den Meer­busen, überschreitet in nordöstlicher Rich­tung den Belus-Fluß (Nahr Na’men) auf langer Brücke, steigt die Anhöhe hinan, hin­ter welcher der Sumpf Cendevia liegt und erreicht die Vorstadt von Misaël (ungefähr beim heutigen Mi’ar), wo die hl. Elisabeth ihre Jugend verlebt hat.

Ein Festzug der Einwohner mit vielen Kin­dern, die Palmenzweige tragen, kommt Ihm entgegen und begrüßt Ihn mit einem Liede. Den Empfang hat der reiche Simeon aus Amichores-Libnath (westlich bei Er-Rame), der unterdessen nach Misael gezogen ist, veranstaltet. Nach kurzer Erfrischung im Hotel speist der Herr mit neun Leviten, die Ihn besuchen.

Nachmittags lagert Er mit Seinen Jüngern im Lustpark nördlich der Vorstadt, läßt Sich von den Aposteln die letzte Meuterei zu Jerusalem und die Niederlage des Herodes in Arabien erzählen, gibt aber einen Ver­weis, als man darüber mit Schadenfreude spricht.

Dann erzählt Er eine Parabel von einem Fischer, der über das Meer fährt und 570 Fische fängt, und wie ein guter Fischer die Quellen verbessert und die guten Fische aus dem schlechten Wasser, wo die Raubfische sie verschlingen können, herausfischt und ihnen neue Brutteiche in einem besseren Wasser anlegt. Die mitgekommenen cy­prischen Männer weinen, da sie in dieser Parabel die ihnen von Jesus erwiesene Wohl­tat wiedererkennen. Sie sind hier, um wie­der zurückzureisen und die Überschiffung der anderen Emigranten zu besorgen.

Zum Sabbat-Beginn besucht Jesus die Schule im Vorort, wo Leviten den Gottesdienst be­sorgen, während Er über die fällige Lektion von den verschiedenen Opfern (Levit. 4 bis 7) und von Simson (Richt. 13) lehrt.

Die Ansiedler aus Cypern

Sa. 7.

Am Morgen predigt der Herr auf Bitten der Einwohner hin in der Synagoge der Vor­stadt, spricht dann im Lustpark mit den Leviten über die von Ihm veranlaßte Aus­wanderung der cyprischen Juden, die Er bekehrt hat, läßt Sich von den aus Ornitho­polis angekommenen Jüngern erzählen, wie schon viele Juden von dort nach Peräa jen­seits von Ramoth-Gilead übergesiedelt sind, und wie die Syrophönizierin der ehemaligen Priesterin Merkuria von Cypern mit einem ihrer Schiffe zur Flucht verhelfen will.

Nach einer Mahlzeit mit den Leviten folgt Er diesen zum Levitenhaus in die Stadt Misael, wo die hl. Elisabeth in ihrer Jugend gewohnt hat. Man unterhält sich über ihre Geburt (zwei Stunden von hier in der Ebene Jezrael), von ihrem Tempel dienst als Jung­frau und von ihrer Vermählung mit Zacha­rias in Judäa.

Nachdem Er mit den Leviten mehrere Kranke in Privathäusern besucht und ge­heilt hat, predigt Er in der Synagoge zu Misael über Simsons Taten als Vorbilder für das Wirken des Messias.

So. 8.

Frühmorgens gehen Judas, der gern Ge­schäfte besorgt, und Thomas, dessen Familie Flößholz im Hafen liegen hat und dort gut bekannt ist, und mehrere andere Jünger nach Hepha, um dort Vorkehrungen für die eintreffenden Emigranten aus Cypern zu treffen. Einige cyprische neue Jünger ziehen mit. Der Herr gibt ihnen bis auf die Brücke des Belusflusses das Geleite.

Synagogen-Ort südöstlich von Misael

Hierauf wandert Jesus mit den Leviten un­gefähr anderthalb Stunden südöstlich zu einer Gruppe von Bauernhäusern mit einer Synagoge und hält im nahen Tal auf einem grünen Lehrhügel eine große Lehre vor mehreren hundert Menschen, die aus Misael und der ganzen Umgegend dorthin einge­laden worden sind.

Elisabeths Wohnort und Synagogenort im Tal Zabulon

Mo. 9.

Von Misael aus besucht der Herr den Ort. wo Elisabeth in ihrer Jugend vorübergehend gewohnt hat. Hier wohnen noch Verwandte von Elisabeths und Josephs Seite. Jesus heilt hier einige Kranke und begibt Sich dann ins Tal Zabulon zum Synagogenort zwischen Sephoris und Nazareth, um einige der neuen Ansiedler von Ornithopolis in dieser Gegend zu verteilen.

Leviten-Stadt Thaanach

Di. 10.

Heute ‚erwartet man die Ankunft des Herrn in Thaanach. Die Synagogen-Vorsteher empfangen Ihn mit Fußwaschung und Im­biß. Er heilt einen kranken Pharisäer, der im Januar dieses Jahres als Mitglied der ge­gen Jesus eingesetzten Pharisäer-Kommis­sion besonders scharf wider Ihn geredet hatte und danach in eine schwere Krankheit ge­fallen war.

Als die Pharisäer ihren geheilten Kollegen in der Synagoge erblicken, wagen sie nichts gegen Jesum zu unternehmen, so daß er un­gestört lehren kann. Er spricht so deutlich vom Messias, daß sie wohl ahnen können, Er meine Sich Selbst.

Burgort Sion am Tabor

Mi. 11.

Nachdem Er noch in Thaanach den ehe­maligen Zimmermannshof Seines Nähr­vaters Joseph besucht und dort in kleiner Versammlung von der Arbeitsamkeit und dem Wucher gesprochen hat, wandert Er mittags drei Stunden weiter östlich nach Sion und lehrt in der Synagoge gegen die Pharisäer vom Auferlegen schwerer Bürden und Selbstnichthalten, von Druck und Herr­schaft und bringt die mit Ihm Disputieren­den zum Schweigen.

Do. 12.

Der Herr ist nach Sion gekommen, um in erster Linie die armen und gedrückten Men­schen zu trösten. Daher sucht Er heute mor­gen das untere, eng eingeschlossene Stadt­viertel auf und heilt hier mehrere Kranke in ihren Hütten, meistens Gichtkranke und Lahme. Die Pharisäer schicken alle Kran­ken in diesen halb verfallenen und vernach­lässigten Ort, wo sie kaum frische Luft schöpfen können. Jesus und die Jünger be­schenken hier die armen Leute mit allem, was sie bei sich haben an Geld, Tüchern und Zeugbahnen, denn sie selbst bedürfen nichts, da sie in Naim alles wieder erhalten können.

Im Kreis der heiligen Frauen

Landbau-Stadt Naim

Nachmittags wandert Jesus mit den Jüngern nach Naim. Bei einem Brunnen vor der Stadt kommen Ihm mehrere Jünger und Ein­wohner, auch der Jüngling Martialis, den Er am 18. November vom Tode erweckt hatte, entgegen. Nach der Fußwaschung und dem Imbiß und der Wechslung der Kleider und Sandalen, lehrt der Herr hier am Brunnen kurze Zeit und kehrt dann in Seine eigene Herberge ein, die Er in Naim besitzt. Sie ist in einem der Gebäude der Witwe Maroni eingerichtet.

Hierauf begibt Er Sich mit den Jüngern zum Wohnhause der Witwe selbst. Die Frauen Maroni, Martha, Magdalena, Vero­nika, Johanna Chusa und die Suphanitin Mara treten Ihm verschleiert in der Halle des inneren Hofes entgegen und werfen Sich vor Ihm nieder. Er begrüßt sie und be­gibt Sich mit ihnen in den Saal. Hier nehmen die Frauen auf Kissen und Teppichen auf einem erhöhten Gestell Platz und sprechen nicht eher mit Jesus, bis Er das Wort an sie richtet, und auch dann redet eine nach der anderen. Sie erzählen unter anderem von Jerusalem und von Herodes, daß er Jesu nachgestellt habe; und es kommt ab und zu vor, daß Jesus den Finger erhebt und ihnen die weltliche Sorge und das Richten über andere verbietet.

Der Herr Seinerseits erzählt von Cypern und von denen, die dort die Wahrheit er­kannt hatten. Mit besonderer Liebe spricht Er von dem römischen Gouverneur in Sa­lamis; und da die Frauen meinten, es sei doch besser, wenn dieser auch nicht länger dort bleibe, verneint dies der Herr, denn jener müsse dort noch vielen helfen bis zur Zeit, da Er Selbst Sein Werk vollendet habe und ein anderer dorthin komme, der statt dieses Gouverneurs ein Freund der Ge­meinde sein werde (offenbar Sergius Pau­lus, Apg. 13, 7-12). Zuletzt erzählt Jesus auch die Bekehrung der heidnischen Prie­sterin Merkuria, und die Frauen weinen vor Rührung über die ergreifende Schilderung Jesu.

Fr. 13.

Nachdem der Herr am Vormittag einige Leute in Naim besucht hat, begibt Er Sich in den Garten der Maroni, und die heiligen Frauen wandeln hier einzeln mit Ihm und empfangen Seine Ratschläge für ihr Innen­leben und für ihre Arbeiten im Dienste des Apostolates und der Gemeinde.

Wenn sie zusammen sind, nähen und wirken sie und bereiten allerhand zu für die Ge­meinde, was an die einzelnen Jünger­herbergen und Vorratskammern verteilt wird, von wo aus die Jünger und Apostel es wieder zu eigenem Gebrauch und zum Aus­teilen an die Armen in Empfang nehmen. Auch arbeiten die Frauen, wenn sie das Nötige fertig gestellt haben, für die armen Synagogen. Sie haben gewöhnlich ihre Die­nerinnen bei sich, die vorausgehen und fol­gen und die Sachen teils in schlauchartigen Ledertaschen, teils um den Gürtel unter dem Mantel tragen. Treffen die Frauen zu etwas längeren Aufenthalten, wie z. B. hier in Naim, zusammen, so gehen die Mägde weiter und warten in bestimmten Herbergen un­terwegs.

Zu Mittag speist Jesus in Seiner Herberge. Als Er zum Beginn des Sabbats die Synagoge besucht, besteigt Er nicht den Lehrstuhl, sondern stellt Sich mit den Jüngern dort auf, wo die reisenden Lehrer zu stehen pfle­gen. Die Rabbiner aber begrüßen Ihn und nötigen Ihn nach Verrichtung der litur­gischen Gebete, vor die aufgelegten Rollen zu treten und zu lesen. Jesus liest die fällige Lektion von der Weihe der Leviten, von der Wolkensäule, von der Wanderung in der Wüste und von der Bestrafung des Aaron und der Maria (Num. 8-13) ; und da bei der Lesung aus dem Propheten Zacharias (2, 10-4, 8) von der Erwählung der Hei­den und dem Messias die Rede ist, so knüpft Jesus hieran an und verkündet, daß die Hei­den im Reiche des Messias an die Stelle der verhärteten Juden treten würden. Dann lehrt Er vom Messias, daß sie Ihn nicht er­kennen würden, und Er ganz anders erschei­nen werde, als sie Ihn erwarten.

Nun erheben sich drei dicke Pharisäer, die auch bei jener Untersuchungskommission zu Kapharnaum (vgl. 30. Jan. 33) gewesen, beginnen zu streiten, beschuldigen den Herrn, den Pharisäer zu Thaanach nur ge­heilt zu haben, damit man Ihm dort durch die Finger sehe, und fordern Ihn schließlich auf, Sich ruhig zu verhalten und den Sabbat nicht durch Heilen zu stören, ja Sich über­haupt zurückzuziehen und die Unruhen zu vermeiden. Jesus entgegnet, Er werde tun, was Seines Amtes sei, wandeln und lehren, bis Seine Zeit erfüllt sei, und bringt sie und die anderen Gegner durch Seine weiteren Aussprüche zum Schweigen. Sie aber laden Ihn hier in Naim zu keiner Mahlzeit ein in ihrem heimlichen Ärger, weil Seine Lehre und Seine Liebe alle Armen, Elenden und Einfältigen, ja alle Laien zu Ihm hinreißen.

Sa. 14.

Am Morgen geht der Herr mit den Jüngern um die Stadt herum durch Alleen und über Felder spazieren, unterbrochen von kurzen Aufenthalten an schattigen Lustplätzen mit Terrassen. Er spricht mit ihnen sehr ernst und vertraut von Seiner Zukunft, ermahnt sie zur Treue, bittet sie, sich dann nicht an Ihm zu ärgern, und verspricht ihnen, daß auch Er sie nie mit Seiner Macht verlassen werde. Sein Leiden aber bezwecke auch, ihren Glauben zu prüfen. Alle sind sehr bewegt und weinen.

Hierauf begibt Er Sich mit ihnen zum Lust­park der Maroni, erzählt in einer Laube, in der sie um Ihn sitzen, und an deren Seiten die Frauen zuhören, wieder von Seinen Er­lebnissen auf Cypern und zuletzt von der Merkuria, die zur Syrophönizierin kommen wird, welche sieh ihrerseits bereits rüstet, Ornithopolis zu verlassen. Hierauf speist Er mit ihnen und stärkt alle geistig in ihrem Wandel der Nachfolge (L. 8, 1-3).

Nachher empfängt Er noch Besuche anderer guter Leute, die alle ihre Kümmernisse vor­tragen, denn sie werden von den Pharisäern sehr gedrückt und belastet. Er tröstet sie und läßt ihnen Geschenke verabreichen.

Auf dem Wege zur Synagoge gegen Sabbat­schluß heilt Er aufgebahrte Kranke, wor­über die hinzukommenden Pharisäer ein großes Geschrei erheben wegen Verletzung der Sabbatruhe. Er bezichtigt sie der Heu­chelei und Bedrückung der Armen, bringt sie zum Schweigen und predigt in der Syna­goge über das Murren und von den Zeiten des Messias, daß da viele Heiden zum Volke Gottes kommen werden.

Abends beginnt der neue Monat Thamuz.

Levitenstadt Rimon

So. 15.

Eine Stunde nordöstlich empfangen Ihn die Leviten an der Schule zu Rimon, wo Er zuerst die Jünglinge und Knaben belehrt und dann die Jungfrauen in ihrer Schule über die allgemeinen Pflichten aus dem Gesetz. Auf einem freien Platz vor der Schule spricht Er zu den Bewohnern des Ortes, die größtenteils Gärtner und Winzer sind, und zu Leuten, die Ihm von Naim hier­her nachgefolgt sind.

Bauernort Beth-Lechem

Nachdem Jesus noch in Rimon eine kurze Mahlzeit eingenommen, wandert Er, von den Leviten ein Stück Weges begleitet, nach Beth-Lechem, wo Er in den Bauernwohnungen mehrere Kranke heilt, tröstet und be­lehrt.

Gartenstadt Azanoth

In der Dämmerung erreicht Er die Jünger­herberge zu Azanoth, wo Ihn Freunde aus Kapharnaum erwarten und auf die übliche Empfangsart erquicken. Es sind Jairus und seine Tochter, die verwandte Frau der ge­heilten Enue und Lea zugegen. Er speist und lehrt dann im vertrauten Kreise bis in die späte Nacht.

Jüngerherberge bei Damna

Mo. 16.

Nachdem die Freunde nach Kapharnaum abgereist sind, und der Herr noch in der Synagoge von Azanoth und auf einem Lehr­hügel gelehrt und mehrere Kranke in Pri­vathäusern geheilt hat, wandert Er nachmit­tags zur Jüngerherberge bei Damna, wo Ihn Lazarus und die beiden Neffen Josephs von Arimathäa erwarten. Er umarmt bei der Begrüßung den Lazarus, was Er sonst nur gegenüber den älteren Aposteln und Jün­gern zu tun pflegt. Er spricht im Kreis die­ser Freunde von der Ansiedlung der cypri­schen Bekehrten und erwähnt hierbei die Apostel Jakobus Minor und Thaddäus, die augenblicklich in Gessur weilen, um die dort angekommenen sieben heidnischen Philosophen von Cypern zu empfangen und zu führen. Mit Lazarus bespricht Er noch lange allein die Unterbringung gewisser Leute von Cypern.

Letztes Wirken in Kapharnaum

Dorf Serobabel

Di. 17.

Mit Lazarus und den Jüngern besucht der Herr das Landgut und Dorf des königlichen Beamten Serobabel von Kapharnaum, wird in der hiesigen Jüngerherberge von einigen älteren Jüngern und Nathanael Kana bewill­kommnet, lehrt in der Dorfschule von der Ankunft des Messias und der Nähe des Reiches und fleht und ermahnt zur Bekeh­rung. In den umliegenden Häusern heilt Er Kranke und einige melancholische, stumme Besessene, speist mit den Gefährten in der Herberge, empfängt den Besuch von Sero­babel und vom Hauptmann Cornelius mit dessen geheiltem Knecht und macht mit ihnen einen Spaziergang in die naheliegende Tierschlucht.

Haus Mariä bei Kapharnaum

Von hier aus begibt Sich Jesus mit Seinen achtzehn Begleitern zum Hause Seiner Mut­ter, wo die Frauen von Naim bereits ein­getroffen sind. Diese gehen Ihm aber nicht entgegen, auch Maria nicht, sondern erwar­ten Ihn im Hause. Er tritt gereinigt und ab-geschürzt in den großen Raum, in welchem an einer Seite viele Kämmerchen abgezeltet sind. Maria tritt Ihm entgegen und reicht Ihm, das verschleierte Haupt demütig sen­kend, die Hand, da Er die Seinige bietet. Er begrüßt sie freundlich und ernst. Die an­deren Frauen stehen verschleiert etwas zu­rück in einem Halbkreis. Sie beugen sich tiefer, und der Herr begrüßt jene zuerst, die Er noch nicht zu Naim gesehen hatte.

Hernach speist Jesus mit Maria allein. Ein kleiner Tisch steht zwischen Ihnen. Er liegt an der einen Seite desselben, und Maria sitzt gegenüber. Es stehen Honig, ein Fisch, Brot, Kuchen und zwei kleine Krüge auf dem Tisch. Die anderen Frauen sind teils zu zwei und drei in den abgezelteten Kammern, teils in einer Seitenhalle mit der Mahlzeit der Jünger beschäftigt.

Jesus erzählt Seiner Mutter von Cypern und den gewonnenen Seelen. Sie freut sich still und fragt nicht viel. Nachher erzählt sie ein­zelne Erlebnisse aus der Zeit Seiner Ab­wesenheit und spricht, von mütterlicher Sorge erfüllt, von der Gefahr Seiner Zu­kunft. Er weist sie sanft zurück, sie solle die Absicht Gottes ruhig anbeten, Er müsse Seine Sendung erfüllen, bis Seine Zeit der Aufnahme zu Seinem Vater erfolge. Ab­wechselnd werden einige der heiligen Frauen zu diesem Gespräch gerufen und sitzen neben Maria, wenn der Herr lehrt und er­zählt.

Mi. 18.

Den ganzen Tag hindurch kommen viele Jünger und andere Leute aus der Gegend von Bethsaida, Kapharnaum und Julias zu Jesus, um Ihn zu begrüßen und mit Ihm zu sprechen. Einige Jünger, die von Judäa ge­kommen sind, melden die Ankunft von Schiffen mit zweihundert cyprischen Juden in Joppe. Barnabas und Mnason nehmen sie dort in Empfang. Johannes betreibt bei Juta und Hebron Vorkehrungen zur Unter­kunft dieser Cyprier. Die Essener überneh­men ihre Versorgung. Sie werden einstwei­len in Höhlen untergebracht, bis ihre Ver­teilung geordnet ist.

Lazarus, Johannes Markus und die Simeons­söhne reisen nach Judäa ab, um mit Hilfe der Syrophönizierin für die Ansiedlung der Juden von Ornithopolis, südlich von Ramoth-Galaad, Sorge zu tragen (siehe 29. April 33).

Die heute abend bis dreißig zählenden Jün­ger im Hause Mariä übernachten teils in Petri Haus, teils in Bethsaida und teils im Lehrhaus zu Kapharnaum.

Haus Petri vor Kapharnaum

Do. 19.

Vormittags besucht der Herr mit einigen Jüngern Petri Frau, Schwiegermutter und Tochter und heilt einige arme Kranke, die in den Seitengebäuden zur Pflege aufge­nommen sind.

Kapharnaum

Hierauf besucht Er in der Stadt den Tep­pichhändler am Marktplatz, vor dessen Haus Er am 11. April dieses Jahres den vierjähri­gen Knaben gesegnet und den Jüngern vor­gestellt hat. Er unterhält Sich mit den Kin­dern des Hauses und heilt einige von ihnen.

Aus diesen Kindern gehen später Jünger hervor, und einer von ihnen weilt in Caesa­rea, als Paulus dort gefangen gehalten wird (Apg. 23, 33 ff.).

DER WANDEL JESU IN DER WELT – Nach den Visionen der Anna Katharina Emmerich

Gartenbau-Stadt Dan (Lais)

Mit langen Schritten, weit vorgebeugt, durchwandert der Herr mit den Jüngern in Schlangenlinie die gebirgigen Pfade bis zur Gartenstadt Dan, unterwegs noch immer vom Gebet sprechend, wobei Er unter an­derem auch äußert, die Heiden beteten durchaus nicht bloß um zeitliche Güter, sondern viele von ihnen auch ernstlich um ewige Güter. Nach vier Stunden er­reichen sie Dan und kehren mitten in der Stadt in einer eigenen Herberge ein. Die Apostel und Jünger hatten diese wie auch die anderen Herbergen in dieser Gegend bei ihrer letzten Missionsreise eingerichtet. Zur Zeit sind, die Apostel mitgerechnet, etwa dreißig Jünger beim Herrn; die ande­ren sind in eigenen oder in Geschäften der Gemeinde zu Hause oder auf anderen Sen­dungen unterwegs.

Mo. 17.

Frühmorgens führen die Jünger, die schon einmal hier gewesen, und an die sich daher die Einwohner wenden, den Herrn zu ver­schiedenen Kranken und verteilen sich dann in die umliegende Gegend. Petrus, Johannes und Jakobus Major bleiben bei Jesus, der in den Häusern viele Wasser­süchtige, Schwermütige, Besessene, Aussät­zige und Lahme heilt.

Unter den Gärtnern und Tagelöhnern be­finden sich viele Leute mit geschwollenen Wangen und Gliedern, und auch Blinde. Die Blindheit rührt von einem kleinen In­sekt her, welches hier in großer Zahl her­umfliegt und die Arbeiter in die Augen sticht, worauf sie schnell erblinden. Jesus zeigt ihnen ein Kraut, das hier zu Land wächst, mit dessen Saft sie sich einreiben sollten, in Folge wovon das Insekt sie nicht stechen werde. Hierbei macht Er eine mora­lische Anwendung von dessen Bedeutung. Auch zeigt Er den Leuten ein anderes Insekt, das sie zerdrückt auf die Geschwulst legen sollten, womit sie sich in Zukunft selbst hel­fen könnten.

Die Heilung der Syrophönizierin

Während all dieser Heilungen, bei denen sich meist eine Gruppe von Menschen vor den Häusern in den Vorhöfen sammelt und dann den Herrn begleitet, zieht auch eine bejahrte, auf einer Seite gekrümmte heid­nische Dame aus Ornithopolis, die dort große Fabriken besitzt, ständig Jesu nach, hält sich demütig in einiger Entfernung und fleht Ihn zuweilen um Hilfe für ihre zu Hause an Besessenheit leidende Tochter an.

Ein Diener begleitet sie mit einem Pack ihres Gerätes. Sie war schon hier, als die Apostel neulich hier gewesen; und diese erinnern den Herrn mehrmals unter Tags an sie. Doch Er antwortet, es sei noch nicht Zeit, Er wolle das Aergernis nicht, Er wolle den Heiden nicht vor den Juden helfen.

Gegen drei Uhr nachmittags macht Jesus mit den drei Aposteln einen Besuch im Hause des hiesigen Juden-Ältesten, einem reichen, wohlgesinnten Nasiräer, der mit Lazarus und Nikodemus befreundet und ein heimlicher Anhänger Jesu ist und bereits viel zu den Gemeindealmosen und Jünger­herbergen beigesteuert hat. Er kann nicht mehr wegen Altersschwäche allein gehen und wird von seinen beiden Söhnen, die ebenfalls das Nasirats-Gelübde abgelegt haben, dem Herrn entgegengeführt; er weint vor Ehrfurcht und Freude, während die Söhne Jesu und den Aposteln die Füße waschen und einen Imbiß von Früchten und kleinen Broten reichen. Alle sind weiß ge­kleidet, auch die drei Töchter des Hauses, die ebenfalls im Gelübde sind.

Der Herr spricht hier sehr freundlich und vertraut, unter anderem auch von Seinen nächsten Wegen, und daß Er zu Ostern nicht öffentlich auf dem Feste in Jerusalem auf­treten werde. Er bleibt nicht lange im Hause, denn das Volk hat Seinen Aufenthalt auf­gespürt und sammelt sich auf der Straße und im Vorhof an. Jesus geht hinaus und heilt und lehrt mehrere Stunden im Vorhof, im Garten und zwischen den Terrassenmauern, welche die Gärten stützen.

Hier nähert sich wieder die Syrophönizierin aus Ornithopolis, und es folgt die Szene und Heilung ihrer Tochter, die wir bei Matthäus (15, 21-28) lesen. Als sie dann auf Jesu Frage, ob sie nicht auch selbst wolle geheilt werden, sich dessen nicht als würdig erachtet, legt ihr der Herr die eine Hand auf das Haupt, die andere in die Seite und spricht: „Richte dich auf! Es geschehe dir, wie du willst. Der Teufel ist von deiner Tochter ausgefahren.“ Da richtet sie sich in die Höhe — sie ist groß und schlank –, steht eine Weile regungslos, hebt dann die Hände in die Höhe und ruft: „O Herr, ich sehe meine Tochter ruhig und gesund im Bette liegen!“ Die Frau ist außer sich vor Freude, und Jesus begibt sich mit den Jüngern hinweg. Abends speist Er mit den Seinen noch bei dem Nasiräer, läßt dort durch die Jünger reichlich an die Armen austeilen und kehrt erst spät in Seine Her­berge zurück. Gestern und heute war Neu­mondsfest mit Beginn des neuen Monats Adar.

Di. 18.

Morgens heilt der Herr in einer offenen Säulenhalle, wo man sonst Markt zu halten pflegt. Hier heilt Er auch den gelähmten Arm und die Taubstummheit eines Ver­wandten der Syrophönizierin. Der Geheilte fängt an, prophetisch zu sprechen, wendet sich zu den umstehenden Heiden und Juden, nennt die einzelnen Orte und Wunder Jesu und ruft den Juden zu: „Die Speise, die ihr verwerft, ihr Kinder des Hauses, sammeln wir Verworfene auf und werden davon leben und dafür danken; und an der Frucht der Brosamen, die wir sammeln, wird ersetzt werden, was ihr an dem Brote des Himmels zugrunde gehen lasset!“ Er redet noch wei­ter so wunderbar und begeistert, daß eine große Bewegung im Volke entsteht, worauf Jesus mit Mühe aus der Stadt entweicht und Sich im Gebirge, westlich von Dan, mit den Aposteln und Jüngern trifft.

Gebirgshöhle bei Hunin

Steil klettern sie zu einer Höhle hinauf, in der für Reisende Bänke ausgehauen sind. Hier übernachtet Jesus und belehrt die Sei­nen über die verschiedenen äußeren For­men beim Heilen, über die Gebetsarten, spricht auch noch über die gestern Geheilte und betet mehrmals mit ihnen, während der Nacht aufstehend.

Mi. 19.

Vor der Höhle mit herrlicher Aussicht auf den Merom-See bis hinunter zum See Gene­zareth ruht der Herr mit Seinen Begleitern und unterrichtet sie über ihr Verhalten bei den nächsten Missionsreisen, ähnlich wie es bei Matthäus (10, 5-16) und Lukas (10, 4-11) kurz geschrieben steht.

Heidenbelehrung

Herberge am Leontes-Fluß

Gegen Mittag sehen sie vieles Volk sich ihrem Berge nähern, um denselben zu be­steigen, worauf sie aufbrechen und gen Ornithopolis weiter wandern, wohin die ge­heilte Syrophönizierin Jesum gestern ein­geladen hatte. Jenseits des Leontes-Flusses kehren sie in einer Herberge am Wege ein, die jene, die bereits hier durchgereist war, für den Herrn und die Seinen bestellt hat. Heiden kommen ihnen ehrerbietig entgegen, bedienen sie schüchtern und halten Jesum für einen sehr großen Propheten.

Lehrhügel zwischen Belfort und Ornithopolis

Do. 20.

Morgens begibt Sich der Herr zu einem Lehrhügel nicht weit von der Nachtherberge und einer heidnischen Stadt, und heilt dort mit den Jüngern die versammelten Kran­ken, unter denen sich Lahme, Ausgedörrte, Melancholische und Halbbesessene befin­den. Für die von Insekten herrührenden Geschwülste vieler läßt Er durch die Jünger eine bestimmte Pflanze bringen, die dort auf nacktem Felsen wächst, segnet die Blätter derselben und gießt Wasser darauf, das Er in einer Flasche bei Sich trägt, worauf die Jünger die Blätter den Geheilten mit der gekerbten Seite um die vorher kranke Stelle legen und festbinden.

Nachdem Jesus noch auf dem steinernen Lehrstuhl, der aus den Zeiten der Propheten stammt, über mehrere Stellen aus den Pro­pheten gelehrt und die Nichtigkeit der heidnischen Götzen geschildert hat, wandert Er mit den Seinen weiter gen Westen.

Jesu Besuch bei der Syrophönizierin

Hafenstadt Ornithopolis

Mit vielem Takt hat die Syrophönizierin, die in Ornithopolis Erb-Besitzerin mehrerer großer Webereien und Färbereien ist, alles für den Empfang Jesu bei den hiesigen Dia­spora-Juden vorbereitet und läßt alle Gast­dienste durch diese besorgen. Die ganze Stadt spricht bereits von den Heilungen Jesu zu Dan, und der auch hier prophetisch redende Geheilte hat dazu nicht wenig bei­getragen.

An zwanzig Juden, die Ältesten von Jünge­ren gestützt, der Lehrer mit allen Kindern, die Frauen und Mädchen verschleiert, nahen sich dem ankommenden Herrn. Die Heiden halten sich in respektvoller Entfernung und halten dem Zuge Jesu grüne Zweige ent­gegen. Ein Haus bei der Schule ist Ihm und den Jüngern eingeräumt und von der Syro­phönizierin mit schönen Teppichen und Lampen ausgestattet. Von den Juden wer­den ihnen die Füße gewaschen, ein Imibiß gereicht und andere Kleider und Sandalen gegeben, bis die ihrigen ausgeschüttelt, ge­strichen und gereinigt sind. Der Herr hält eine Ansprache vor den Juden und spricht dann mit den Vorstehern der Schule.

Nachher findet für alle ein prächtiges Mahl in einer offenen Halle statt, welches die Syrophönizierin samt allen Gefäßen, Spei­sen und Bedienungen verabreicht hat. Die Tische und Lagerbetten ringsum sind höher als die jüdischen; die Speisen werden in Form von Figuren aufgetragen, die allerlei Tiere, Bäume, Berge und Pyramiden dar­stellen; auch gibt es Blumen aus Backwerk, Vögel aus Fischfleisch, Fische aus Lamm­fleisch, Lämmer aus Mehl mit Honig, Ge­würzen und Früchten zu essen.

Der Herr speist mit den Aposteln und älte­sten Juden an der einen Tafel, an den an­deren speisen die Jünger mit den Männern und Jünglingen; die Frauen und Kinder essen an einer durch eine Scheidewand ge­trennten Tafel. Während des Mahles be­tritt die Syrophönizierin mit ihrer Tochter, gefolgt von Verwandten und vielen Dienern, die Halle. Die Tochter tritt verschleiert hin­ter den Herrn heran und bricht über seinem Haupt ein Fläschchen mit kostbarer Salbe und zieht sich mit der Mutter bescheiden etwas zurück, worauf die Diener alles bis­herige Geschmeide der Tochter, nebst kost­baren Steinen, Gefäßen, Figuren, Ambra, Goldbäumchen und Geldmünzen in zier­lichen Kästen und Schalen vor dem Herrn auf die Tafel setzen.

Nachdem die Syrophönizierin eine kurze Dankesansprache gehalten, antwortet Jesus mit großer Freundlichkeit und bittet um die Erlaubnis, von den Geschenken und Speisen Gebrauch für die Verteilung an arme Dia­spora-Juden machen zu dürfen.

In der Diaspora

Fr. 21.

Am Vormittag besucht der Herr die einzel­nen Judenfamilien — es sind auch andere aus der Umgegend gekommen — heilt einige, tröstet andere, versammelt dann alle in der Schule, lehrt sehr rührend, bereitet viele zur Taufe vor und läßt nach Tisch in einem Badegarten der Diaspora-Gemeinde etwa zwanzig Männer taufen, unter denen sich auch der geheilte Diener der Syro­phönizierin befindet.

Gegen Mittag ist der Herr mit den Jüngern Gast im Privathause der Syrophönizierin und spricht bei dieser Gelegenheit auch mit den eingeladenen heidnischen Freundinnen des Hauses und mit der Dienerschaft. Die Hausfrau bittet Jesum auch sehr inständig für die armen Leute in Sarepta, daß Er sie doch besuchen möge, und ebenso für andere Orte in der Gegend. „Sarepta“, so sagt sie unter anderem, „dessen arme Witwe mit dem Elias geteilt hat (vgl. oben 14. Juli 31), ist selbst eine arme Witwe und in Hungers­not, und Du als der größte Prophet erbarme Dich doch auch derselben. Mir aber, die selbst eine arme Witwe gewesen, der Du alles wieder gegeben, mögest Du darum verzei­hen, daß ich Dich auch für Sarepta an­flehe.“ Der Herr verspricht es ihr; und sie bittet Ihn noch, ihr den Ort anzugeben, wo sie für die Diaspora-Juden eine Synagoge erbauen lassen könne.

Vor Beginn des Sabbats lehrt Jesus noch einzelne Gruppen im Hof des Hauses, liest dann in der Schule der Juden in den Rollen aus Ezechiel (43, 10-27) von dem Altar des neuen Tempels und aus Moses (Ex. 27 bis 30) von Priesterkleidern, Priesterweihe und Opfern und lehrt, um die Hörer beson­ders zu trösten, über die Stelle, daß das Sprichwort nicht mehr gelten sollte in Israel : „Die Väter haben saure Trauben gegessen, und den Kindern sind die Zähne stumpf geworden“ (Ezech. 18, 2-3). Ein jeder, der sich an das verkündete Wort Gottes wende und Buße tue und sich taufen lasse, trage die Sünden der Väter nicht mehr. Und diese Worte Jesu erfreuen die Hörer ungemein. Abends besucht der Herr dann noch mit den Jüngern die Wohnungen Armer und Kran­ker an der Meeresküste.

Sa. 22.

Morgens weilt Jesus bei den Kindern in der Schule und läßt dann noch einige, worunter nur Knaben, taufen. Nachmittags macht Er Seinen Abschiedsbesuch bei der Syrophöni­zierin und unterrichtet dann die Jünger über ihre Ordnung und Pflichten auf ihrer jetzigen Sendung. Thomas, Thaddäus und Jakobus Minor gehen mit allen Jüngern, außer denen, die bei Jesus bleiben, nach Süden, in das Stammgebiet Aser hinab, während Er mit den übrigen neun Aposteln und Saturnin, Judas Barsabas und einem dritten Jünger nordwärts gen Sarepta zieht. Alle Juden und viele Heiden begleiten Ihn eine Strecke Weges. Sechzehn Juden gehen ganz mit.

Juden-Ansiedlung bei Sarepta

Dort, wo einst die Witwe von Sarepta Reiser sammelte, als Elias zu ihr kam (3 Kön. 17, 10), haben sich arme Juden angesiedelt und kommen jetzt dem Herrn mit Weib und Kindern freudig entgegen. Die Syrophöni­zierin hat schon Geschenke vorausgeschickt und die Ankunft Jesu angemeldet. Beim gemeinsamen Mahl lehrt der Herr, teilt schon Almosen aus und sendet Speisen an die Armen.

So. 23.

Die Apostel kaufen in der eine halbe Stunde entfernten Stadt Sarepta Brot und Kleider für die Armen, die Jesus in der Ansiedlung verteilen läßt.

Lehrhügel bei einem Heidenstädtchen

Nachdem der Herr noch die Leute gelehrt und getröstet hat, wandert Er mit den Seinen und sechzehn Männern aus Ornithopolis und aus der Ansiedlung bei Sarepta, ein paar Stunden östlich aufsteigend, und pre­digt in der Nähe eines Heidenstädtchens auf einem Lehrhügel vor den Heiden, die Ihn bereits erwartet haben. Dann zieht Er weiter und übernachtet in einer Herberge nahe einer anderen Stadt, wo Ihn Seine Be­gleiter aus den erwähnten Orten verlassen.

Leviten-Stadt Rechob

Mo. 24.

Der Herr überschreitet den Südfuß des Libanon und erreicht jenseits des Leontes­flusses die Leviten-Stadt Rechob, südwest­lich am Fuß des Hermon, etwa eine Stunde unterhalb von Baal-Hermon, welches mit seinen vielen Götzentempeln auf Rechob herabsieht.

Karte Nr. 27
1-Fahsel Emmerick Karte 27

Bei den Zöllnern von Gessur

Zöllner-Ort bei Gessur

Di. 25.

Von Rechob aus wandert der Herr etwa sie­ben Stunden weiter nordöstlich und kehrt bei den Zöllnern ein, die an der nach Damas­kus führenden Römerstraße, dicht vor der Garnisons-Stadt Gessur, wohnen. In Gessur wohnen viele Juden und Heiden, die den Lehren Jesu am Berge der Seligkeiten zu­gehört hatten, ebenso der sehr alte Groß­onkel des Bartholomäus mütterlicherseits, der ein Heide ist und hier sehr große Güter besitzt.

Mi. 26.

Der Herr lehrt im Quartier der Zöllner auf einer Terrasse, auf der sonst die durch­gehenden Wagen verpackt und verzollt wer­den. Alles Volk, Männer und Frauen, Hei­den und Juden hören zu. Nachher speist Er bei den Zöllnern mit vielen anderen, und es ist ein großes Aufsehen, als viele der Zöllner, durch Jesu Lehre bewegt, ihre Güter ordnen, um alles an die Armen auszu­teilen. Auch der Großonkel des Bartholo­mäus hat sich zur Lehre Jesu hinführen lassen, spricht mit den Aposteln, besonders mit seinem Großneffen, und ladet den Herrn auf morgen in sein Haus zur Mahl­zeit ein.

Garnisons-Stadt Gessur

Do. 27.

Prächtig auf heidnische Art mit auf dem Wege ausgebreiteten Teppichen wird Jesus in Gessur bei dem Großonkel des Bartholo­mäus empfangen und ebenso bewirtet. Vor dem Hause heilt Er im Vorhof einige Leute und hält eine Ansprache.

Zöllner-Ort vor Gessur

Abends lehrt Er wieder bei den Zöllnern und heilt noch einige Kranke.

Fr. 28.

Am Vormittag teilen die Zöllner den größ­ten Teil ihrer Reichtümer aus. Auf der Terrasse liegen große Getreidehaufen, die sie den Armen ausmessen. Auch geben sie Äcker und Gärten an arme Tagelöhner und Sklaven und ersetzen allen Schaden, den sie getan.

Die Apostel und Jünger sind in diesen Tagen in der Gegend verteilt, zu Maachati und bis Aram. Der Herr lehrt am Zollhaus, und Heiden und Juden hören zu. Auch kommen fremde Pharisäer zum Sabbat an und werfen hier Jesu vor, daß Er bei Zöll­nern herberge und mit ihnen und den Hei­den verkehre. Abends lehrt Er im Sabbat­haus und hat einigen Streit mit den Phari­säern. Die Zuhörer stehen auf den an allen Seiten aufsteigenden Stufen zum Lehrstuhl, der sich in der Mitte des viereckigen Rau­mes befindet; und von außen schaut eine große Menge Heiden durch die geöffneten Hallen hinein und hört still zu.

Garnisons-Stadt Gessur

März:
Sa. 1.

Am Vormittag werden der Großonkel des Bartholomäus und sechzehn andere alte Männer in einem Badegarten getauft. Das Wasser wird aus einem Brunnen der Stadt auf einen hochliegenden Kanal hinauf­gewunden und so durch diesen in den Gar­ten geleitet. Judas Barsabas tauft. Der ganze Garten ist festlich geschmückt, und alles wird sehr feierlich verrichtet; den Armen wird viel ausgeteilt.

Nachdem Jesus noch eine Mahlzeit bei dem Großonkel genommen, predigt Er zum Sab­batschluß in der Synagoge, nimmt dann an der Zollstätte von allem Volk Abschied, teilt den Armen noch Almosen aus und wandert, von vielen Menschen begleitet, erst südwest­lich und dann gen Osten.

Am Phiala-See

Fischerdorf am Phiala-See

Nach fünf Stunden kommt Er spät in einem Fischerdorf am Phiala-See an und kehrt bei dem Lehrer neben der Schule ein. Die Leute sind hier meist Juden.

So. 2.

Nachdem der Herr in der Schule gelehrt, besucht Er mit einzelnen Einwohnern und den Aposteln die um den See zerstreut liegenden Hirtenwohnungen. Johannes der Täufer hat sich hier in der Gegend einst aufgehalten.

Dekapolis-Stadt Nobah

Abends geht Jesus mit Johannes, Bartholo­mäus und einem Jünger südlich über die Höhe hinab, etwa drei Stunden bis Nobah, wo Heiden und Juden wohnen, und kehrt hier in einem Pharisäer-Hotel ein.

Mo. 3.

In der Frühe geht der Herr mit Bartholo­mäus und Johannes — die anderen Apostel und Jünger sind noch in der Gegend ver­streut — in einzelne kleine Orte und An­siedelungen auf ein paar Stunden Weges und lehrt und heilt, jedoch nur wenige, denn die meisten aus diesem Landstrich sind bereits am See Genezareth geheilt worden. Auch bereitet Jesus mehrere zur Taufe vor. Das Wasser ist in dieser Gegend schwarz und schlammig, weswegen man es in großen runden Steinbecken abklärt und dann in andere Becken ablaufen läßt. In diese gie­ßen die Apostel Wasser, das sie in Trink­gefäßen bei sich haben, und Jesus segnet das Wasser. Die Leute knien, den Kopf über­beugend, um das Gefäß, wo es klein ist; wo es aber groß ist, stehen sie darin.

Am Nachmittag kehrt der Herr nach Nobah zurück und durchquert das Heidenquartier, wo man Ihn sehr feierlich empfängt. Man zieht Ihm mit grünen und blühenden Zwei­gen entgegen und breitet vor Ihm viele Decken und Tuchbahnen aus, die die Leute quer über die Straße am Boden halten, und die Er mehrere Male überschreiten muß, da sie damit immer wieder vor Ihm hinlaufen. In der Judenstadt empfangen Ihn die Rab­biner, die Pharisäer sind, und Er lehrt ge­gen Abend mit Anbruch des 14. Adar zum Beginn des Purimfestes in der Synagoge.

Beim darauffolgenden großen Mahl im Festhause beginnen die Pharisäer, mit dem Herrn zu streiten, und sticheln gegen Ihn, daß Seine Jünger auf dem Wege gegessen und Ähren abgestreift hätten (denn heute ist Esther-Fasten zum Andenken an Esth. 4, 16). Hierauf erzählt Jesus die Parabeln von den Arbeitern im Weinberge (Mt. 20, 1-16) und vom reichen Prasser und armen Lazarus (L. 16, 19-31) und wirft den Pha­risäern vor, daß sie die Armen nicht, wie ge­bührend, eingeladen. Als sie sich mit ihren zu geringen Einkünften entschuldigen, fragt Er sie, ob sie dieses Mahl für Ihn arrangiert hätten, und legt, als sie es bejahen, an einem Kettchen fünf gelbe, dreieckige Stücke auf den Tisch und sagt, sie mögen dies den Armen zuwenden. Dann läßt Er durch die Jünger viele Arme herbeirufen, heißt sie an der Tafel sich niedersetzen, bedient und be­lehrt sie und teilt viele Speisen aus. Hier muß man wissen, daß zum Purimfest eine Tempelabgabe üblich war und sich auch die Leute gegenseitig zu beschenken pflegten.

Jesus beim Purim-Festspiel

Di. 4.

Am heutigen Purimfest geht der Herr, wie üblich, herum und liest ebenfalls mehreren alten Leuten die Estherrollen vor und heilt einige Kranke. Unterdes beginnen die Fest­spiele im Ort mit den Aufzügen der jungen Mädchen und Frauen, die heute bestimmte Rechte besitzen. Sie wählen bald die eine, bald die andere zur Königin und setzen sie wieder ab. Den Priestern schenken sie litur­gische Kleidungsstücke. Zuletzt wird eine Puppe mißhandelt und aufgehängt, und kleine Knaben klopfen dabei mit Hämmern auf Bretter und rufen Verwünschungen aus (gegen Haman, vgl. Esth. 7, 8-10). Abends ist Jesus wieder in der Synagoge und speist nachher mit den Jüngern allein.

Leviten-Stadt Gaulon

Mi. 5.

Obwohl heute noch gefeiert wird, darf man doch reisen, und Jesus wandert mit einigen Jüngern etwa vier Stunden nach Gaulon, wo Er sehr gut empfangen wird, einige Leute heilt und anschließend lehrt und taufen läßt.

Festung Regaba

Nach nur anderthalb Stunden wandert Er mit den Seinen weiter südlich bei Argob dicht vorüber und dann östlich bis vor Regaba, wo sie vor der Stadt im Grase ruhen und auf die Ankunft einer größeren Gruppe von Jüngern warten, die sich schon von Nobah aus nach verschiedenen Seiten hin verstreut hatte. Als wieder fünfzehn Jünger beisammen sind, begibt Sich der Herr mit ihnen in die zu Regaba für sie errichtete Herberge.

Do. 6.

Den ganzen Tag macht der Herr Besuche, tröstet, lehrt und stärkt den Glauben. Die meisten Leute, Juden wie Heiden, sind be­reits getauft, und die meisten Kranken schon früher am Berg der Seligkeiten geheilt.

Fr. 7.

Jesus wirkt heute wie gestern; aber es ver­sammelt sich eine ungeheure Menge Men­schen aus der ganzen Gegend zum Sabbath, und dazu kommt noch eine Karawane aus Arabien an. Diese Menschenmenge bringt sehr viele Lahme, Blinde, Stumme und an­dere Kranke heran und bedrängt den Herrn mit ihrem Ungestüm dermaßen, daß Er Sich nach der Synagogenpredigt aus der Stadt auf einen Berg in der Wildnis zurückzieht. Ein Teil der Jünger zieht mit Ihm, ein Teil bleibt zurück und versucht, die Menge des Volkes, so gut es geht, zu ordnen.

Lehrberg bei Regaba

Sa. 8.

Auf einem Berge bei Regaba spricht Jesus heute vor dem Volk, welches Ihm nachge­zogen ist, und lehrt vom Gebet des Herrn, vom Nichtprahlen und Öffentlichtun beim Gebet und von der Erhörung (ähnlich wie bei Mt. 6, 5-65). Auch heilt Er viele Kranke und kehrt dann nach Regaba zur Synagoge zurück. Unterwegs bitten Ihn einige Jünger, die bei der ganzen Erklärung des Vaterun­sers nicht zugegen gewesen: „Lehre uns doch auch beten, wie Du es die anderen gelehrt!“ und Er legt wieder das Vaterunser aus und warnt vor dem scheinheiligen Beten (vgl. L. 11, 1-4).

Der Herr spricht in diesen Tagen viel von schwerer Zukunft und sagt einmal, es nahe Seine Aufnahme. Vielleicht meint Er damit die Verklärung, und dann werde man Ihn überall verfolgen und Ihm nach dem Leben trachten. Vom Brot des Lebens hat Er aber seit dem 8. Februar nicht mehr gesprochen; denn diese Lehre hatte Er hauptsächlich ausgesprochen, um die Jünger zu prüfen und die schlechten auszuscheiden, damit Er sie nicht immer mit herumschleppen müsse.

Jesu Besuch bei Enue

Tetrarchen-Stadt Caesarea-Philippi

So. 9.

Gegen Mittag kommt der Herr mit den Sei­nen in Caesarea-Philippi an. Anfang März hatte Er die Stadt gemieden, wegen der An­wesenheit des Tetrarchen Philippus ; jetzt ist er verreist. Die Karawane von Regaba hat Jesu Ankunft bereits hier verkündet, und vor der Stadt empfangen Ihn am Brun­nen mit Fußwaschung und Imbiß die Ver­wandten der am 6. Dezember von Ihm ge­heilten Enue und andere gute Leute.

Auch hier kehrt der Herr in dem Hotel der Pharisäer dicht bei der Synagoge ein, und bald kommen Kranke und anderes Volk. Die Apostel heilen hier und da.

Mo. 10.

Jesus heilt und lehrt heute vor der Stadt auf einem Hügel. Es werden Kranke von allen Gegenden gebracht. Oft rufen sie auch: „Herr, befiehl einem Deiner Jünger, uns zu helfen!“ Abends speist Er mit den Phari­säern, und sie sticheln gegen Ihn, warum er mit lauter so geringen Leuten umherziehe und Sich nicht mit Gelehrten abgebe.

Unterwegs empfängt der Herr eine Ein­ladung von seiten der Verwandten der Enue, die Er für Morgen annimmt.

Di. 11.

Vor zahlreicher Hörerschaft setzt der Herr die gestrige Lehre auf der Anhöhe vor der Stadt fort, heilt dann mit den Jüngern viele Kranke und läßt an die Armen Almosen, Speisen und Kleider austeilen, für deren Herbeischaffung Enue, ihr noch heidnischer Onkel und die Jünger gesorgt haben.

Zur gleichen Zeit treffen die am 22. Fe­bruar nach Tyrus, ins Land Chabul und in das Stammgebiet Aser ausgesandten drei Apostel ein und auch fast alle anderen Jünger, die Jesus für heute Vormittag hier­her bestellt hatte. Alle begrüßen sich auf herzliche Weise, reichen sich die Hände und umarmen einander. Nach gegenseitiger Fußwaschung nehmen alle gleich an der Austeilung der Almosen und an den Hei­lungen teil.

Gegen Mittag begibt Sich der Herr mit allen den Seinigen, etwa sechzig an Zahl, in das Haus des Onkels der Enue, wo man sie feier­lich nach heidnischer Art mit ausgebreiteten Teppichen und mit Zweigen und Kränzen empfängt. Enue und ihre Tochter führen dem Herrn den alten Onkel entgegen.

Dieser möchte sich gern taufen lassen, hat aber Bedenken wegen der Beschneidung. Jesus wußte dies und ist deshalb persönlich erschienen; denn Er pflegt diese Frage nicht öffentlich zur Sprache zu bringen, sondern sagt heidnischen Taufanwärtern, welche die Beschneidung scheuen, privatim, es genüge, das zu glauben und zu üben, was sie von Ihm gehört. Auch den Aposteln gegenüber spricht Er Sich hierüber nicht aus, um sie nicht zu ärgern, weshalb Ihn auch die Pharisäer, die auf alles lauern, niemals deswegen beschul­digen, selbst später bei der Passion nicht.

Im schön beplatteten Innenhof des Hauses finden unter einem oben offenen, weißen Zelttuch zwischen Bäumen und Blumen­kränzen die Taufen statt. Jesus lehrt noch vorher und spricht mit den Täuflingen ver­traut allein. Sie bekennen Ihm ihr ganzes Herz und Leben und sprechen ihren Glauben aus, und Er vergibt ihnen ihre Sünden. Sodann werden sie aus dem Becken, dessen Wasser der Herr gesegnet hat, von Saturnin getauft.

Während der sich hieran anschließenden Mahlzeit, an der alle Jünger und alle Haus­freunde teilnehmen, tritt die einundzwanzig­jährige Tochter der Enue verschleiert hinter den Herrn, zerbricht über Seinem Haupt ein weißlich schimmerndes Gefäß, streicht die duftende Essenz mit beiden Händen links und rechts über Sein Haar und hinter den Ohren zum Nacken hin zusammen, faßt dann ihr langes Schleierende in einen Bün­del, fährt damit abtrocknend über Jesu Haupt und zieht sich bescheiden wieder zu­rück. Beim Essen lehrt Jesus, erzählt Gleich­nisse und läßt zum Schluß den Armen vor dem Hause Speisen hinaustragen.

Mi. 12.

Am Vormittag feiern die Heiden in Cae­sarea ein Fest, die Wohltat des Wassers be­treffend. Unter Beteiligung bekränzter Mädchen räuchern sie auf Dreifüßen auf dem Säulenplatz beim Stadtbrunnen inmit­ten allerlei Tempelgebäuden vor einem Götzenbild in Gestalt von drei oder vier mit dem Rücken aneinandersitzenden Men­schenfiguren.

Nach Schluß dieses Festes kommt der Herr hierher, bereitet mehrere Juden vor und läßt sie von den Jüngern taufen. Dann be­sucht Er noch mit einigen Jüngern das Haus der Enue, wo man Ihn stehend bewirtet und sich mit vieler Demut und Verehrung unter Tränen vom Herrn verabschiedet. Auch hat man unterdessen Brote, Getreide, Kleider und Decken vor das Stadttor gesendet, wo Jesus gleich darauf noch viele Arme der Stadt und der erwähnten Karawane versam­melt, diese und andere belehrt, einige heilt und schließlich jene Almosen an die Be­dürftigen verteilen läßt. Diesem Beispiele der Barmherzigkeit folgen jetzt auch noch andere fromme Juden und Neugetaufte, messen Getreide aus und verteilen Tücher, Decken und Mäntel.

In Seiner Herberge nötigen den Herrn noch einige Pharisäer auf ganz höfliche Art, ihnen noch Einiges in der Synagoge zu erklären. Er begibt Sich mit den Aposteln dorthin. Die Pharisäer stellen allerlei verfängliche Fra­gen über die Ehescheidung, die sie sich aus­gedacht; denn es gibt hier viele verworrene Ehestreitigkeiten, von denen Jesus bereits einige geschlichtet hat.

Zum Schluß stellen sie den Herrn zur Rede, warum Er einen jungen Mann nicht zum Jünger aufgenommen habe, der doch so in­ständig darum gebeten. Der Herr hatte näm­lich von jenem jungen Manne verlangt, Vater und Mutter zu verlassen und all‘ das Seinige den Armen zu geben (vgl. L. 14, 26 und 18, 22-23). Hier hatte er sich nun wie­derum bei Jesus gemeldet, wollte aber sein Vermögen behalten und verwalten, und der Herr hatte ihn abgewiesen. Daraufhin ver­klagte er Jesum bei den Pharisäern und steht nun unter diesen, bringt auch selbst allerhand unverdautes Zeug vor, was der Herr alles von ihm verlange, und ruft die Apostel zu Zeugen an. Diese schweigen ver­legen, da sie weder hierauf vorbereitet sind, noch genügend Bescheid wissen. Als nun die Pharisäer Jesu vorwerfen, Er mute Seinen Jüngern zu viel zu, ziehe nur mit unwissen­dem Volke umher, und dieser junge Mann sei Ihm zu gelehrt, darum habe Er ihn abge­wiesen, antwortet Er ihnen derb, deckt ihre Gesinnung auf und begibt Sich, von ihnen bespöttelt, hinweg auf die Reise.

Vor der Stadt unterrichtet Er die Apostel und Jünger, sendet sie gen Osten und Nord­osten in ziemlich ferne Orte bis gen Damas­kus und Arabien und wandert Selbst mit nur zwei Jüngern gen Süden.

Der Andrang in Gaulanitis

Leviten-Stadt Argob

Spät abends erreicht Er Argob und kehrt hier an der Synagoge bei Leviten ein.

Do. 13.

Vormittags spricht Er an einem öffentlichen Platz der Stadt, heilt hier einige Kranke, macht Hausbesuche bei kranken und alten Leuten und verläßt am Nachmittag, von einigen Einwohnern begleitet, den Ort.

Herberge am Hirtenort

Unterwegs hält Er Sich zwei Stunden in einer offenen Herberge eines Hirtenortes auf, wo auch zuweilen Karawanen lagern, die jährlich dreimal in solcher Richtung ziehen. Hier treffen vier Jünger aus Süden ein. Sie tragen einen Pack auf dem Rücken und einen auf der Brust, beide quer über den Schultern verbunden. Die beiden leich­ten Bastkörbe auf dem Rücken enthalten breite, gespaltene, gesalzene und getrock­nete Fische, und die Bündel auf der Brust zusammengelegte Brote und Gefäße mit Honigwaben. Sie kommen über Kapharnaum von den Freunden aus Jerusalem, und das hiesige Zusammentreffen mit dem Herrn ist von diesem verabredet worden.

Fr. 14.

Am frühen Morgen ist Jesus schon wieder von einer großen Menschenmenge umgeben, die Seine Lehre von den bösen Winzern (Mt. 21, 33) anhört, Ihn aber so stark um­drängt, daß Er Sich am Ende in die Wild­nis zurückzieht.

Attentatsversuch der Pharisäer

Burg von Regaba

Im Laufe des Nachmittags trifft Er in der Burg von Regaba ein, die eine Synagoge mit mehreren Reihen von Häusern umschließt. Eine ungeheure Menschenmenge und viele aus den Karawanen erwarten den Herrn. Auch sechs der ausgesandten Apostel tref­fen ein; ebenso viele Pharisäer, die von Kapharnaum herübergekommen sind, um den Herrn zu bespitzeln. Die Synagoge ist überfüllt und dicht umlagert. Jesus lehrt am Sabbat von der Einweihung der Priester­kleider (Ex. 28) und vom Bau des salomonischen Tempels (3 Kön. 6-7). Dann lehrt Er aus den Klageliedern Jeremiä und spricht davon, wie sie Ihn jetzt suchen und haben wollen, wie sie aber nach einiger Zeit Ihn alle verlassen, verspotten und mißhandeln würden.

Sa. 15.

Während des Tages heilt der Herr beson­ders viele Blinde und befreit, wie an den letzten Tagen, wieder mehrere Besessene. Abends disputieren in der Synagoge die Pharisäer mit Ihm heftig und werfen Ihm unter anderem wieder das Teufelsaustreiben durch Beelzebub vor (wie am 13. Dez. 32 u. 31. Jan. 33). Er jedoch nennt ihren Vater den Vater der Lüge (wie später im Septem­ber 32, vgl. J. 8, 44) und spricht davon, daß Gott keine blutigen Opfer verlange, kein Blut der Kälber, Lämmer und Böcke (Is. 1, 11), und prophezeit ihr Vergießen von un­schuldigem Blut als Ende ihres Dienstes; doch die an das geschlachtete Lamm glauben würden, würden durch dieses Opfer mit Gott versöhnt werden, die Mörder aber ver­dammt. Als sie Ihn daraufhin einen Sama­ritaner schimpfen (vgl. J. 8, 48), erzählt Er die Parabel vom barmherzigen Samariter (J. 12, 24) und vorn Weizenkorn, das auf steinigen Grund fiel (Mt. 13, 5), und warnt die Jünger vor den anwesenden Pharisäern. Ganz erbittert bringen diese wieder alle alten Vorwürfe vor, auch die Nichtannahme des reichen Jünglings von vorgestern, der Ihm wohl zu gelehrt sei, und werden so er­grimmt, daß Jesus und die Jünger sich ent­fernen und in die Wildnis eilen. Die Phari­säer aber lassen Leute mit Knüppeln auf Ihn lauern.

Wildnis südlich von Regaba

Nachts finden die Jünger den Herrn südlich von Regaba in einem der Weidetäler, die viele Schlupfwinkel bieten.

Eisenindustrie-Stadt Groß-Chorazin

So. 16.

Auf dem Wege nach Groß-Chorazin, wo Heiden und Juden wohnen und sich viele Eisenarbeiter aufhalten, erklärt Jesus den Seinen, warum Er jenen Jüngling nicht auf­nehme, und erreicht bald die Stadt. Eine große Menge Menschen folgen Ihm auch hierher, und die Einwohner haben bereits viele Kranke auf Jesu Weg durch die Stadt gebettet, die Er auf Seinem Gang zur Syna­goge heilt.

Mo. 17.

Unter heftigem Gezänk der Pharisäer lehrt Er im Sabbathaus, ähnlich wie gestern und vorgestern. Als Er Chorazin verläßt, folgen Ihm die Pharisäer nach und fordern eine nähere Erklärung. Er antwortet ihnen, daß sie diese jetzt nicht verstehen könnten. Im Gedränge führen die Jünger dem Herrn einen guten, frommen Hirten aus der Gegend zu, der taubstumm ist, und bitten, Er möge ihm die Hand auflegen. Jesus läßt ihn aus dem Gedränge wegführen; doch die Phari­säer folgen, und Er heilt jenen vor ihnen in der Weise, wie es der Evangelist Markus (7, 31-37) beschreibt, damit die Gegner sähen, daß Er kraft des Gebetes und Glau­bens an Seinen himmlischen Vater und nicht durch den Teufel heile.

Matthäi Zollstätte

Als der Andrang des Volkes immer größer wird — denn es ist noch eine Karawane an­gekommen —, begibt Sich der Herr zur Zoll­stätte des Matthäus; und da sich auch hier das Volk häuft, läßt Er ein paar Jünger bei der Menge und fährt mit den anderen Jün­gern auf den See hinaus.

Am Fuß des Berges der Seligkeiten

Sie landen etwas weiter nördlich und blei­ben bis zur Nacht am Fuß des Berges der Seligkeiten unter sich allein, und Jesus spricht vom Gehen nach Jerusalem und von Seiner nahen Aufnahme (Verklärung oder Passion?).

Fischerstadt Bethsaida

Nachts fahren sie über den Jordan und sprechen im Hause des Andreas zu Bethsaida mit Boten des Lazarus.

Schluß der sogenannten Bergpredigt

Bergrücken über Matthäi Zollstätte

Di. 18.

Auf dem Bergrücken über Matthäi Zoll­stätte haben sich viele Menschen versam­melt, darunter viele Heiden aus der Deka­polis und von Karawanen. Kranke werden auf Bahren und Eseln heraufgetragen. Nach­dem der Herr geheilt hat (Mt. 15, 29-31), lehrt Er vom dringenden Gebet mit dem Beispiel des seinen Vater um Brot bitten­den Kindes (Mt. 7, 7-11) und bemerkt hierbei, daß Er Heiden kenne, die ein sol­ches Vertrauen zu Gott hätten, daß sie um gar nichts flehten, sondern nur für alles Empfangene dankten; und Er fügt hinzu: „Wenn die Knechte und Fremdlinge solches Vertrauen haben, welches Vertrauen müs­sen da die Kinder des Vaters haben!“ Hier­auf spricht Er auch von der Danksagung für empfangene Heilung durch Besserung des Lebens und von der Strafe der Rück­fälligen, und daß diese sich in einem üble­ren Seelenzustand als vorher befänden.

Bald wird das Gedränge so groß, daß Er Sich wieder entfernt, nachdem Er für mor­gen eine große Lehre auf dem nordöstlich gelegenen Berge ankündigt. Am Abend be­ginnt der neue Monat Nisan, und Jesus über­nachtet mit den Seinen im ehemaligen Hause des Matthäus.

Lehrberg nordöstlich des Berges der Selig­keiten

Mi. 19.

Frühmorgens begibt Sich der Herr mit den Jüngern auf den Berg nordöstlich des Ber­ges der Seligkeiten. Das Volk zieht von allen Seiten heran; denn es lagerte verstreut in der ganzen Gegend, an Höhen und in Tälern, und forschte überall, wo Jesus Sich hin­begebe. Dieser heilt heute nicht, sondern lehrt von der siebenten und achten Selig­keit (Mt. 5, 9-10), indem Er das Thema vom 3. Februar 33, dem Tage Seiner Spei­sung der Fünftausend, fortsetzt. Gegen Abend fährt Er mit den Seinen im Schiffe Petri auf den See, landet aber nicht, da auch das Volk Ihm auf Schiffen folgt.

Lehrberg der Speisung der Viertausend

Do. 20.

Erst am Morgen geht der Herr an Land und steigt noch weiter nordöstlich hinauf als gestern. Auf einem von Reisenden kürz­lich benutzten Lagerplatz, einem länglichen viereckigen Felsenstück, lehrt Er nach An­sammlung der Menge den Anschluß an die acht Seligkeiten und beendet damit die soge­nannte Bergpredigt des Evangeliums (Mt. 5, 11-7, 29). Er spricht ungemein stark und rührend.

Die Speisung der Viertausend

Gegen Abend macht Jesus eine Pause und spricht mit Johannes, die Leute zögen Ihm nun schon drei Tage nach; Er werde sie jetzt auf lange verlassen, wolle sie aber nicht gern so hungernd gehen lassen. „Wir sind hier ganz in der Wildnis“, entgegnet Johan­nes, „es ist weit, um Brot zu holen; sollen wir ihnen Beeren und Früchte, die in der Gegend noch an Sträuchern und Bäumen hängen geblieben, sammeln?“ — „Frage die anderen, wieviel Brote sie haben“, ent­gegnet Jesus. „Sieben Brote und sieben kleine Fische“, lautet die Antwort. Da be­fiehlt der Herr, die leeren Brotkörbe der Leute heranzubringen und die Brote und Fische ( die armlang sind) auf die Steinbank zu legen.

Unterdes lehrt Er noch eine halbe Stunde lang, spricht sehr deutlich aus, daß Er der Messias sei, und Seine Verfolgung bald be­ginne. An jenem Tage aber würden diese Berge erschüttert werden und auch dieser Stein zerspringen — Er zeigt auf die Stein­bank—, wo Er die Wahrheit verkündet habe, die sie nicht angenommen. Dann ruft Er wieder, wie am 10. Dezember 32, Wehe über Kapharnaum, Chorazin und viele Orte der Gegend aus (Mt. 11, 20-24, vgl. später 2. Juli 33). Sie alle sollten am Tage Seiner Aufnahme fühlen, daß sie das Heil von sich gestoßen. Doch spricht Er auch vom Glück dieser Gegend, der Er das Brot des Lebens gebrochen; aber die Durchziehenden näh­men das Glück mit sich. „Die Kinder des Hauses werfen das Brot unter den Tisch, und die Fremden, die Hündlein, wie die Syrophönizierin (17. Febr. 33) gesprochen, sammeln die Brosamen auf, und sie werden ganze Flecken und Dörfer mit denselben er­quicken und entzünden.“ Dann nimmt Er Abschied von den Hörern, fleht sie nochmals an zur Buße und Bekehrung, schärft ihnen Seine Drohung ein und nennt diese Worte den Schluß Seiner Lehre hier. Viele weinen und wundern sich, verstehen aber manche Seiner Worte nicht.

Hierauf befiehlt Er ihnen, sich am Abhang zu lagern; und nun erfolgt die im Evan­gelium (Mt. 15, 32-29) erzählte Speisung der Viertausend, die sich in ähnlicher Weise vollzieht wie die wunderbare Spei­sung der Fünftausend am 3. Februar 33. Nachher werden sieben Körbe voll Brocken gesammelt und unter die armen Reisenden verteilt.

Schon am Mittag war eine große Anzahl von Pharisäern unter dem Volke bei Jesu Lehre gewesen, hatte sich aber wieder hin­ab in die Hirtentäler begeben. Jetzt gegen Abend ist wieder eine Gruppe von ihnen oben gewesen, hat einem Teil Seiner Dro­hungen und auch der Brotvermehrung bei­gewohnt und eilt jetzt schnell hinunter, um sich mit den anderen zu beraten, was man dem Herrn sagen solle, wenn Er herab­komme.

Unterdes entläßt Jesus oben das Volk. Man weint, dankt und preist Ihn mit lauter Stimme. Nur mit Mühe kann Er von den Ihn Umringenden loskommen. Er steigt mit den Jüngern zum See hinab; ehe Er aber oberhalb Matthäi Zollstätte das Schiff be­steigt, eilen die Pharisäer herbei, versperren Ihm höhnend den Weg und begehren, ein Wunderzeichen am Himmel von Ihm zu sehen. Jesus gibt ihnen die Antwort, die Matthäus (16, 1-4) überliefert hat, und nennt ihnen noch eine bestimmte Zahl von 53 Wochen, nach deren Ablauf ihnen das Zeichen des Jonas gegeben werden würde (vgl. Mt. 12, 40 u. 3. Aug. u. 12. Febr. 32). Dann läßt Er Sie stehen, geht mit den Aposteln an den See und besteigt mit ihnen das Schiff Petri.

Jüngerbelehrung auf dem See

Auf dem See Genezareth

Fr. 21.

Nachdem der Herr mit den Seinen auf dem Schiff nahe bei Magdala und Dalmanutha übernachtet hat, belehrt Er sie tagsüber bei langsamer Fahrt auf dem See gen Norden. Zuerst knüpft Er an ihr Bemerken, daß sie nur ein Brot bei sich haben, an, indem Er sie vor dem Sauerteige der Pharisäer und Sadduzäer warnt und über den geistigen Sinn Seiner Worte aufklärt (Mt. 16, 5-12). Dann spricht Er noch deutlicher als je aus, daß Er Christus der Messias sei; wie Er zu Jerusalem leiden werde; daß der nicht Sein Jünger sein könne, der nicht all das Seine und die Seinigen verlasse und Ihm nicht glaubend in Seiner Verfolgung nachfolge.

Als sie Ihn fragen, ob wohl Jener (vom 8. Dez. 32) zurückkehren werde, der seinen Vater erst habe begraben wollen, und ob Er ihn nicht aufnehmen wolle, denn er scheine ihnen dieses wohl zu verdienen, deckt Jesus ihnen den Charakter jenes Schriftgelehrten auf, und wie er am irdischen Gute hänge und erst die Erbschaft in Sicherheit bringen wollte. Da schnappt der eifrige Petrus mit der Erklärung vor: „Gott sei Dank! solche Gedanken habe ich nicht gehabt, da ich Dir folgte.“ Jesus aber gibt ihm einen Verweis und sagt, daß er dieses hätte verschweigen sollen, bis Er, der Herr, es ihm gesagt hätte.

Fischerstadt Bethsaida

Die ersten Stunden nach Mittag verbringen sie ungestört im Hause des Andreas zu Beth­saida, um sich zu erquicken. Das Volk weiß nicht, wo der Herr geblieben und hat sich zerstreut. Als aber Jesus das Haus verläßt, bringt man Ihm einen alten, blindgeborenen Einwohner von Bethsaida, den Er immer noch nicht geheilt hat. Jesus nimmt den Bit­tenden an der Hand mit hinaus vor den Ort und heilt ihn in der Weise, wie es Markus (8, 22-26) beschrieben hat.

Der Herr fährt mit den Seinen zum Ostufer hinüber; und auf dem Wege am Ostufer des Jordan begegnen Ihm die am 12. März aus­gesandten übrigen Apostel und Jünger nach ihrem Abstieg vom östlichen Lehrberge und schließen sich dem Herrn an. Jesus spricht auch hier von Seiner nahen Aufnahme, und die Apostel bitten Ihn, sie doch nicht mehr auszusenden, damit sie in der Not bei Ihm sein könnten.

Der Disput mit den Gelehrten

Universitäts-Stadt Bethsaida-Julias

Als sie sich zum Sabbat der Stadt Beth­saida nahen, kommen dem Herrn Einwohner freundlich entgegen — denn andere Sabbat­gänger hatten bereits Seine Ankunft in der Stadt gemeldet — und bieten der Gesell­schaft Jesu in einem Hotel Imbiß und Fuß­waschung. Auch Heiden, die hier zahlreich wohnen, begrüßen den Herrn aus respekt­voller Entfernung.

Zum Sabbat lehrt der Herr in der großen und überfüllten Synagoge der Stadt. Fast alle Lehrer der hiesigen Universität hören Ihm zu. Alles ist sehr erfreut, daß Jesus so unerwartet und zum ersten Male auch hier­her gekommen, die Laien von Herzen, die Schriftgelehrten mehr aus Eitelkeit, damit sie den Lehrer, um den so viel Lärm in der Gegend und besonders zu Kapharnaum sei, doch auch gehört und beurteilt hätten. Sie sind ganz höflich, aber kalt und vornehm wie Professoren, und disputieren auch mit dem Herrn, indem sie Ihm allerlei Fragen aus dem Gesetz und den Propheten vor­legen, doch ohne Bosheit und mehr aus Neu­gierde und um zugleich auch ihr Wissen vor dem Volke zu zeigen.

Nachdem Jesus die fällige Sabbatlektion gelesen und erklärt hat, hält Er einen Vor­trag über das vierte Gebot, wobei Er die Worte vom langen Leben auf Erden tief­sinnig auslegt und unter anderem sagt, ein Strom müsse versiegen, wenn seine Quelle verschüttet werde.

Am Abend ist der Herr Ehrengast bei einer sehr festlich gehaltenen Mahlzeit, bei der auch die Schulkinder an eigenen Tischen sitzen. Hier erzählt Jesus auch die Parabel von den Arbeitern im Weinberge und legt sie aus (Mt. 20, 1-16).

Sa. 22.

Nach der morgendlichen Lehre in der Syna­goge besucht der Herr die verschiedenen Schulen der Stadt. Gelegentlich Seines Sab­batspazierganges ziehen Ihm die Einwohner nach, halten Ihn an und fragen Ihn betreffs der rechten Lehre und nach der besten Lebensführung. Er antwortet ihnen offen, daß sie die Lehre nicht befolgen würden, wenn Er sie ihnen auch mitteile, und daß sie neugierig seien; Seine Lehre hätten sie ja schon oft in der Gegend gehört, oder ob sie eine andere hören wollten, da sie frag­ten. Er habe Seine Lehre gestern und auch heute früh verkündet.

Sie gehen aber mit Ihm zu ihren Gütern und führen Ihn schließlich auf die Bauplätze, wo Holz und Steine liegen. Als hier die Architekten von der neuen schönen Bauart sprechen, lehrt der Herr in Gleichnissen vom Bauen auf Sand und vom Bauen auf Felsen (Mt. 7, 24-26) und spricht vom Eckstein, den die Bauleute verwerfen würden (Mt. 21, 42 ), und vom Einstürzen ihres Baues (Mt. 7, 27). Auf dem Rückwege werden Ihm noch mehrere Kranke, Lahme, Wassersüchtige und ein paar blödsinnig Besessene an den Weg gebracht, und Er heilt dieselben.

Beim abendlichen Sabbatschluß disputieren noch die Pharisäer mit Ihm, aber hier ohne Bosheit, nur sehr kalt und vornehm tuend. Die heilige Jungfrau und ihre Freundinnen befinden sich schon seit mehreren Tagen in Bethanien.

Verleihung des Primates an Petrus

Gaulanitis-Flecken Sogane

So. 23.

Morgens ziemlich spät verläßt der Herr mit den Zwölfen und etwa dreißig Jüngern Julias und belehrt auf dem ganzen Wege, und oft verweilend, die Jünger und Apostel. Bei Seiner Ankunft in Sogane umdrängen Ihn die Einwohner und begehren Unter­richt; und Er lehrt und heilt bis gegen Abend.

Höhe südöstlich von Sogane

Dann geht Er mit den Seinen etwa eine Stunde südöstlich zurück auf eine Höhe, die oben mehrere Tiefen und Hügel bildet. Unterwegs läßt Er Sich von den Jüngern und Aposteln ihre Erlebnisse und Taten während ihrer letzten Reise erzählen. Hier­bei kommt auch der Eindruck zur Sprache, den der Herr in verschiedenen Orten hinter­lassen hat, durch die sie wieder gekommen waren. Jesus erklärt ihnen vieles, verweist und befiehlt manches, spricht dann wieder von der nächsten Reise zum Osterfest, der Annäherung Seiner Aufnahme und von dem baldigen Aufgang Seines Reiches, wie auch von dem Berufe eines jeden in demselben. Zum Schluß, da die Dunkelheit anbricht, legt Er ihnen nahe, jetzt zu speisen, dann aber ernstlich zu beten und hierauf zu ruhen, da Er ihnen morgen Ernstes und Wichtiges mitzuteilen habe. Mit diesen Wor­ten trennt Er Sich von ihnen, begibt Sich in die Einsamkeit und betet, liegend oder stehend, während des größten Teiles der Nacht, wie Er es immer vor heiligen Hand­lungen zu tun pflegt.

Mo. 24.

Noch vor Tagesanbruch gesellt Sich der Herr wieder zu ihnen, betet kurz mit ihnen, und als die Rede wieder auf einiges kommt, was sie gestern erzählt haben, fragt Er die Zwölfe und einige alte Jünger, die aber außerhalb des engeren Kreises stehen: „Was sagen denn die Menschen, wer Ich sei?“ Als sie mancherlei Meinungen berichten, die sie hier und da auf der Reise vernommen (Mt. 16, 13-14), und nun Seine Antwort hierauf erwarten, schweigt Er eine Weile, schaut sie sehr ernst an und fragt: „Ihr aber, für wen haltet ihr Mich?“ Keiner fühlt sich getrieben zu antworten; aber Petrus wird ganz voll Kraft und Feuer, tritt mit einem Fuß energisch in den Kreis und sagt, mit der Hand feierlich beteuernd und wie die Stimme aller, laut und kräftig: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes !“ Die anderen Apostel blicken sich und Petrus und den Herrn bestürzt und scheu an; selbst Johannes gibt sein Erschrecken merklich zu verstehen. Da antwortet der Herr mit einem großen Ernst, und Seine Stimme ist prophetisch stark und wie belebend, und Er scheint zu leuchten und wie vom Erdboden erhoben: „Selig bist du Simon, Jonas‘ Sohn! denn Fleisch und Blut haben dir dieses nicht offenbart, sondern mein Vater, der im Him­mel ist; und Ich sage dir: Du bist ein Fels, und auf diesen Fels will Ich Meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen; und Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben: was du auf Erden bindest, das soll im Himmel ge­bunden sein, und was du auf Erden lösest, das soll auch im Himmel gelöst sein!“ (Mt. 16, 15-20).

Unterdes ist die Sonne aufgegangen. Die anderen Apostel reden leise und erregt mit­einander; sie verstehen die Worte nicht ganz und meinen, Jesus wolle in Seinem Reiche dem Petrus das Hohepriesteramt geben. Doch Petrus fühlt die wahre Bedeu­tung der Worte; und der Herr sagt nun den Aposteln noch ganz deutlich heraus, daß Er der verheißene Messias sei, und wendet alle Stellen der Propheten auf Sich an und tritt mit den Worten: „Laßt uns nun auf das Fest nach Jerusalem gehen“, den Rückweg zur Jordanbrücke an.

Unterwegs spricht unter anderem Jakobus Major zu seinem Bruder Johannes davon, sie würden doch wahrscheinlich die näch­sten Stellen nach Petrus erhalten. Jesus aber ruft den Johannes zu Sich und verweist ihm leise, aber ernsthaft sein voriges Er­schrecken beim Bekenntnis des Petrus. Die­ser aber ist noch ganz voll von der Ver­heißung Jesu, meint in seinem Eifer, seine Arbeit beginne nun gleich; denn die Bedin­gung des Leidens Christi und der Sendung des Hl. Geistes sind ihm noch unbekannt. Also naht er sich jetzt dem Herrn und fragt betreffs mehrerer Fälle, vor allem betreffs der Zöllner und der öffentlichen Ehebrüche, ob er in diesen oder jenen Fällen auch Sün­den lösen könne. Jesus beruhigt ihn, er werde alles dieses noch deutlicher erfahren, es sei dieses anders, als er erwarte, denn es komme ein anderes Gesetz.

Dann beginnt der Herr, im Gehen oder wieder im Kreise der Seinen stehend, Ein­zelheiten Seines Gehens nach Jerusalem, der Nachstellungen Seiner Gegner, Seiner schließlichen Tötung und Auferstehung am dritten Tage zu verkünden (Mt. 16, 21). Petrus aber betrübt sich über das erwähnte Mißhandeln und Töten so sehr, daß er etwas später dem Herrn nacheilt, allein mit Ihm sprechend dagegen streitet und eifert, das könne nicht so weit kommen, das werde er nicht zugeben; er wolle eher sterben, als das dulden. Da wendet Sich Jesus sehr ernst­haft um und sagt leidenschaftlich: „Weg von Mir, Satan! du bist Mir zum Anstoß, du hast keinen Sinn für das, was Gottes ist, sondern für das, was Menschen planen!“

Dann geht Er rasch weiter, und Petrus bleibt erschrocken zurück und überlegt, wie Jesus in der Frühe gesagt, er habe nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Gottes Offenbarung Ihn als Christus verkündet, und wie Er ihn nun Satan nenne und einen, der die Leiden verhindernd nach Menschen Sinn und Be­gehren spreche. Und er vergleicht beides, wird demütiger und schaut bewundernder und glaubender dem Herrn nach und folgt.

Reise zum zweiten Osterfest

Bade-Ort Bethulia

Tagsüber vermeidet der Herr mit den Sei­nen die Berührung aller Städte und kommt in der Nacht in jenem Hotel am Badesee von Bethulia an, wo Er meist einzukehren pflegt, und wo Ihn jetzt, wie verabredet, bereits Lazarus mit einigen jerusalemischen Jüngern erwartet.

Noch in der Nacht berichtet Lazarus dem Herrn, Pilatus verlange nicht nur eine neue Abgabe vom Tempel, um dem Kaiser ein Standbild davon errichten zu lassen, son­dern er verlange auch, gewisse Opfer zur Ehre des Kaisers zu verrichten und dem­selben gewisse hochverehrende Namen öffentlich zuzugestehen. Gegen diese Ein­führung hätten die Juden einen Aufstand vorbereitet, und es solle eine große Anzahl Galiläer unter Anführung des Judas von Gamala aus Gaulanitis auftreten, der viel Anhang habe und öffentlich gegen die Knechtschaft und den Römer-Zins lehre. Jesus möge Sich daher am Feste zurück­halten, weil große Unruhe entstehen könne. Doch der Herr antwortet dem Lazarus, es sei Seine Zeit noch nicht, es werde Ihm noch nichts geschehen. Dieser Aufruhr werde nur ein Vorbild eines viel größeren Aufruhrs über ein Jahr sein, wo Seine Zeit komme, da der Menschensohn den Händen der Sünder überliefert werde.

Karte Nr. 28
1-Fahsel Emmerick Karte 28

Landgut Lazari bei Ginäa

Di. 25.

Frühmorgens sendet der Herr in Bethulia die Apostel und Jünger in getrennten Grup­pen auf verschiedene Wege und behält nur Simon Zelotes, Judas Thaddäus, Nathanael Chased und Judas Barsabas bei Sich; die anderen sollen teils am Jordan hinab, teils westlich von Garizim durch Ephraim zum Fest ziehen und noch einige Orte besuchen, wo sie noch nicht gewesen. Lazarus reist ebenfalls mit den jerusalemischen Jüngern ab, und Jesus verbietet ihnen, die Städte der Samariter zu besuchen, und gibt ihnen noch verschiedene Verhaltungsregeln. Er Selbst wandert mit den vier erwähnten Be­gleitern südwärts, hält Sich nur einmal kurz bei Hirten östlich vom Tabor auf und kommt nach raschem Marsch abends auf dem Land­gut Lazari bei Ginäa an, wo Er vor ungefähr acht Monaten (am 3. und 4. August 32) die Kinder belehrte, und übernachtet hier.

Leviten-Stadt Lebonah

Mi. 26.

Tagsüber wandert Er mit Seinen vier Be­gleitern weiter gen Süden und erreicht abends Lebonah, nicht die Burg Lebonah, sondern die Stadt. Hier erwarten Ihn viele Freunde, auch die Eltern des von Ihm am 11. Oktober 32 geheilten prophetischen Essenerjünglings von Koreä.

Pharisäer-Stadt Koreä

Do. 27.

Nachdem der Herr noch in Lebonah einige vertraute Leute in ihren Häusern geheilt hat, nehmen Ihn die Eltern des Manahem mit nach Koreä, ihrer Stadt. Auch hier heilt Er einige Aussätzige und andere Kranke ohne Aufsehen in ihren Häusern.

(Der 26. März 1823 war der Mittwoch vor dem Gründonnerstag; daher sind die Mit­teilungen an diesen Tagen, an denen Anna Katharina die ganze Passion mitzuleiden pflegte, so dürftig. Cl. Brentano.)

Sechster Besuch bei Lazarus

Hirtenherberge Lazari südlich von Ephron

Fr. 28.

Als Sich der Herr mit Seinen vier Beglei­tern dem einzeln gelegenen Hirtenhaus süd­lich von Ephron nähert, dessen Bewohner von Lazarus leben, und wo Er und Maria schon oft geherbergt haben, eilt Ihm Maria Magdalena entgegen und umarmt Seine Füße. Sie war mit der Witwe Salome, einer Verwandten Josephs, die schon lange in Bethanien bei Martha wohnt, dem Herrn bis hierher entgegengekommen, um Ihm eine Erquickung anzubieten. Nachdem Jesus ein wenig geruht und mit den beiden Frauen gesprochen, setzt Er Seinen Weg fort, wäh­rend die beiden Frauen auf einem anderen Wege folgen.

Lazari Herberge vor Bethanien

Eine Stunde vor Bethanien findet der Herr in der Jüngerherberge Lazari schon einen Teil der von Ihm am Dienstag ausgesandten Jünger zurück und andere treffen gerade noch ein.

Gartenstadt Bethanien

Jesus geht nicht durch Bethanien, sondern betritt von der Rückseite das Grundstück des Lazarus. Im Hof eilen Ihm weitere Jün­ger und alle Freunde des Hauses entgegen. Lazarus wäscht Ihm die Füße, und dann gehen sie durch die Gärten, wo Ihn die Frauen verschleiert begrüßen. In diesem Augenblick werden gerade vier Osterlämmer gebracht, die man von der Herde ausgeson­dert hat und auf einen abgezäunten Gras­platz führt. Die heiligste Jungfrau und Magdalena hatten Kränzchen gewunden, die nach damaliger Sitte den Osterlämmern um den Hals gehängt werden.

Im großen Saal des Schlosses feiert der Herr mit allen den Sabbat. Er ist sehr ernst, spricht einige sehr zu Herzen gehende Worte bei dieser Gelegenheit, liest hierauf die fäl­lige Lektion und lehrt darüber. Abends beim Mahl spricht Er noch vieles vom Oster­lamm und Seinem künftigen Leiden.

Die Unruhen haben heute nachmittag schon vor dem Sabbat zu Jerusalem begonnen, aber noch ohne Tätlichkeiten. Pontius Pila­tus sitzt auf einem hohen Platz auf einer Mauer der Burg Antonia und ist von Militär umringt. Alles Volk ist auf dem Forum ver­sammelt, und es werden ihm die neuen Ge­setze des Pilatus vorgelesen betreffs einer Steuer, am Tempel zu erlegen, bestimmt zu einer neuen Wasserleitung bis zum Forum und zum Tempel. Als die neuen Ehren­bezeugungen, Namen und Opfer für den römischen Kaiser Tiberius verkündet wer­den, entsteht großer Tumult, Geschrei und Gemurre unter dem Volk, besonders dort, wo die Galiläer stehen. Doch geht es noch gut ab. Pilatus läßt ihnen Bedenkzeit geben, warnt sie, und die Menge geht unter Murren auseinander. Die Herodianer haben, ohne daß man sie fassen kann, ihre aufwiegelnde Hand hier mit im Spiele und den Judas Gaulanita zugleich heimlich in der Hand.

Sa. 29.

Jesus lehrt morgens und abends zum Sabbat im Schloß und wandelt in den Gärten des Grundstückes mit den Freunden und Jün­gern. In allen wächst die Ehrfurcht und Bewunderung. In Magdalena kann, wie es scheint, die Reue und Liebe nicht mehr wachsen. Sie folgt Jesu überall, sitzt zu Seinen Füßen, steht und harrt überall auf Ihn, denkt nur an Ihn, sieht nur Ihn, und Jesus sagt ihr oft tröstende Worte.

Nach Sabbatschluß findet ein großes Mahl statt, an dem auch alle jerusalemischen guten Bekannten, sowie Heli aus Hebron, teilnehmen, jener Witwer von Elisabeths Schwester Enue, der beim letzten Abend­mahl Jesu Speisemeister und Hauswirt sein wird (vgl. Mk. 14, 14). Auch sein Sohn, der Levit Zacharias, der das Vaterhaus des Täufers bewohnt, ist mit seinen fünf Töchtern, die Essenerinnen sind, beim Mahle zugegen.

Beginn der Lehren im Tempel

Jerusalem

So. 30.

Gegen zehn Uhr morgens begibt Sich der Herr mit den Aposteln und etwa dreißig Jüngern über den Ölberg und durch die Vorstadt Ophel zum Tempel. Alle tragen braune Röcke von grober Wolle, wie die ärmeren Galiläer sie zu tragen pflegen. Nur Jesus trägt einen breiteren Gürtel, mit Buch­staben beschrieben. Er fällt diesmal nicht auf, denn es gehen viele Gruppen so geklei­deter Galiläer in der Stadt umher. Das Fest steht bevor, und es ziehen sich große Lager von Hütten und Zelten rings um die Stadt, und auf allen Straßen treffen noch Festteil­nehmer ein.

Jesus lehrt im Tempel vor Seinen Jüngern und einer großen Zahl Menschen wohl eine Stunde lang. Es sind mehrere Lehrstühle von Rednern besetzt, die lehren, und alles ist mit den Zurüstungen zum Fest so be­schäftigt und zugleich mit dem Aufruhr gegen Pilatus, der heute fortgesetzt worden ist, daß den Herrn kein vornehmerer Prie­ster angreift. Nur einige geringere Pharisäer treten an Ihn heran und fragen Ihn, wie Er es wage, Sich hier sehen zu lassen, und wie lange es mit Ihm noch dauern solle; man werde Ihm wohl das Handwerk bald legen. Jesus beschämt sie durch Seine Antwort, lehrt ungestört weiter und kehrt dann nach Bethanien zurück.

Am Nachmittag verschaffen sich die gali­läischen Anhänger des Judas Gaulanita, von den Herodianern aufgewiegelt, bei Pilatus Audienz und führen zügellose Reden. Pila­tus weiß schon alles und hat Spitzel und verkleidete Soldaten unter ihnen. Gleich darauf läßt er sie draußen plötzlich über­fallen und etwa fünfzig verhaften. Doch das Volk stürzt darauf zu, macht sie frei und zerstreut sich dann; und es kommen dabei etwa fünf unschuldige Juden und ein paar römische Soldaten ums Leben.

Abends gehen Jesus und Seine Freunde noch an den Ölberg.

Bethanien und Jerusalem

Mo. 31.

Als der Herr des Morgens wieder mit allen Jüngern zum Tempel geht, harren auf Ihn im Vorhof dort, wo Er vorüberkommt, schon Leute mit mehreren Kranken; denn Jesu Anwesenheit auf dem Fest hat sich bereits herumgesprochen. Schon unten an dem an­steigenden Berg bringt man Ihm einen was­sersüchtigen Mann auf einem Tragbett an den Weg. Jesus heilt ihn und oben am Tem­pel noch andere. Es ziehen Ihm daher viele Menschen nach.

Als Er beim Eintritt in den Tempel den von Ihm am 24. Januar am Teich Bethesda Ge­heilten wieder sieht, der augenblicklich als Tagelöhner beim Ausräumen des Tempel­raumes arbeitet, ruft Er ihm zu: „Siehe, du bist gesund geworden; sündige nicht mehr, damit dir künftig nicht noch Ärgeres wider­fahre!“ Dieser schaut auf, erkennt in Jesus seinen damaligen Helfer wieder und hat nun nichts Eiligeres zu tun, als den nächsten besten Pharisäern, die vorbei kommen, zu erzählen, daß Jesus es gewesen, der ihn geheilt (J. 5, 14-15) ; denn man hatte ihn, da er sehr bekannt ist, schon viel nach dem Namen seines Wundertäters gefragt. Damals hatten die Pharisäer sehr über jenen Sabbatbruch geschimpft, und nun finden sie eine geeignete neue Anklage wider den Herrn, sammeln sich um Seinen Lehrstuhl und unterbrechen den Vortrag durch Zwi­schenrufe in Form dieser Anklage.

Jesus redet weiter vom Osterlamm als dem Vorbild eines höchsten Opfers, das sich bald erfüllen werde. „Willst Du uns die Ehre antun, das Osterlamm mit uns zu essen?“ ruft einer der Gegner höhnisch dazwischen.

„Der Menschensohn wird Selbst das Opfer für eure Sünden sein“, antwortet der Herr.

Es weilt auch zur Zeit jener Schriftgelehrte in Jerusalem, den der Herr am 8. Dezember 32 abgewiesen hatte; und von diesem haben die Pharisäer hier jene Worte Jesu erfahren: „Laß die Toten die Toten begraben!“ Nun fragen sie den Herrn, was Er darunter ver­stehe, und wie denn ein Toter den anderen begraben könne. Jesus antwortet ihnen, wer Seiner Lehre nicht folge, nicht Buße tue und Seine Sendung nicht glaube, der habe kein Leben in sich und sei tot; und wer sein Hab und Gut mehr schätze als sein Heil, der folge Seiner Lehre nicht und glaube nicht an Ihn. Also sei jener auf dem Wege zum Tode, der sich erst mit seinem alten Vater um sein Erbe habe abfinden und den Vater auf Pension setzen wollen; er habe am toten Erbe gehangen, könne also kein Erbe Seines Reiches und des Lebens werden; und darum habe Er ihn gewarnt, er solle die Toten ihre Toten begraben lassen, sich selbst aber zum Leben hinwenden.

Hieran knüpft der Herr nun an und ver­weist ihnen ihre Habsucht strenge. Als Er aber seine Jünger, wie am 21. März, vor dem Sauerteig der Pharisäer warnt und die Parabel vom reichen Manne und armen Lazarus erzählt (L. 16, 19), werden die Pharisäer so erbittert, daß sie ein großes Getümmel erheben; und der Herr verliert Sich unter dem Volke und entweicht, sonst hätten sie Ihn festgenommen.

Gartenstadt Bethanien

Am Nachmittag beginnen im Schlosse Lazari die Vorbereitungen zum morgigen Paschafest mit dem üblichen Baden. Alle gehen paarweise abwechselnd in das Bad, Männer und Frauen nach verschiedenen Seiten der Gebäude. Der Herr geht allein dorthin.

Am Abend geht Lazarus zu einem der Brun­nen, bringt Wasser in einem Krug ins Haus, wo dieser verdeckt für morgen zur Bereitung der ungesäuerten Brote stehen bleibt; dann geht er mit einem Diener, der ihm leuchtet, in verschiedene Winkel der Gemächer und fegt, wie zu einer Zeremonie, ein wenig aus den Ecken, worauf die Knechte und Mägde alles fegen und reinigen und die Geschirre und Zubereitungsorte der Brote scheuern, was man das Ausfegen des Sauerteiges nennt (Exod. 12, 15).

DER WANDEL JESU IN DER WELT – Nach den Visionen der Anna Katharina Emmerich

Nach der Predigt speist Er mit den Phari­säern in dem öffentlichen Rabbiner-Hotel und hält eine strenge Strafrede, da sie den Jüngern das Nichtwaschen der Hände und die Vernachlässigung von allerlei Speise­beobachtungen vorwerfen, ganz ähnlich wie es bei Markus 7, 1 und Matthäus 15, 1 er­wähnt wird.

Sa. 21.

Morgens heilt der Herr der Reihe nach Taube, Blinde, Gichtbrüchige, Lahme und Kranke aller Art, die man Ihm in den Hof Seiner Wohnung gebracht hat; und zwar heilt Er heute mit Handauflegung, geweih­tem Öl und mit mehr Zeremonien als sonst, um die Jünger hierin zu unterrichten, und ermahnt dabei die Kranken entsprechend ihrer verschiedenen Gattung.

Als Ihn hierbei die jerusalemer Pharisäer und Sadduzäer stören und Ihm Sabbatstö­rung vorwerfen, wendet Er Sich zu ihnen und fragt, was sie wollten. Sie beginnen mit Ihm über Seine Lehre vom Vater zu dispu­tieren, sie wüßten doch, wessen Kind Er sei. Jesus antwortet, wie schon oft, wer den Wil­len des Vaters erfülle, sei der Sohn des­selben, wer nicht, habe kein Recht, hier zu richten, sondern müsse froh sein, nicht als anmaßender Fremdling aus dem Haus hin­ausgeworfen zu werden.

Als sie Ihn weiter bekritteln, schreibt Er zu ihrem Schrecken mit Buchstaben, die allein nur sie lesen können (wohl althebräisch, seit der Makkabäerzeit tote Sprache), ihre heimlichen Sünden und Verbrechen an die Wand des Hauses und fragt sie, ob sie woll­ten, daß dieses hier stehen bleibe und öffent­lich bekannt werde, oder ob sie Ihn ruhig wollten heilen lassen und es auslöschen. Da sind sie sehr erschrocken; Er kehrt zum Heilen zurück, und sie löschen die Buch­staben schnell aus und verschwinden. Sie hatten nämlich verschiedene Unterschla­gungen mit öffentlichen Stiftungsgeldern für Witwen und Waisen getrieben (vgl. Mt. 23, 14) und sie zu allerlei Bauten verwendet. Saphet ist reich an solchen Stiftun­gen, und doch gibt es viele Arme hier.

Abends predigt Jesus zum Sabbatschluß und übernachtet im selben Hotel mit den Jün­gern.

Die Jüngerschulung auf der Wanderreise

Leviten-Stadt Kirjathaim

So. 22.

Morgens heilt Er noch mit den Jüngern in der äußeren Umgebung von Saphet, während zwei Jünger nach Kirjathaim gehen, um Quartier zu besorgen. Gegen Mittag folgt Jesus, unterwegs lehrend und heilend und die Jünger zum Lehren verteilend, und sen­det einige dämonisch Besessene, die Ihn um Hilfe bitten, nach Kirjathaim, um dort auf Ihn zu warten und um vorerst innerlich Reue zu erwecken.

Eine halbe Stunde vor Kirjathaim empfan­gen Ihn am Badepark die Leviten nebst den Schullehrern mit den Kindern. Nach der üblichen Fußwaschung unterrichtet Er die Kinder und segnet sie. Auf dem Wege zur Stadt und Synagoge heilt Er Kranke aller Art, lehrt im Sabbathaus über die Seligkei­ten und von der Strafe der Leviten, die einst Hand an die Bundeslade gelegt (1 Kön. 6, 15, 19), und wie noch größere Strafe über jene kommen werde, die Hand an den Men­schensohn legen werden.

Jesus wohnt hier in Seiner eigenen, gemie­teten Herberge, die leer stand und von den Jüngern mit hierher gesendetem Gemeinde­geräte ausgerüstet wurde. Das Essen liefert eine städtische Krankenküche. Die Leviten speisen mit den Jüngern.

Mo. 23.

Der Herr besucht ein paar, mit Zacharias verwandte Familien, die sehr um den Täu­fer bekümmert sind, und die Er aufklärend und tröstend auf den Tod desselben vor­bereitet.

Nachdem Ihn draußen die gestern hierher gewiesenen Besessenen und auch viele an­dere Kranke um Heilung angesprochen, und Er mehrere geheilt, andere aber unter Auf­gabe von Fasten, Almosen und Beten als noch nicht reif abgewiesen hat, lehrt Er im Stadtpark, wo man Ihn gestern empfangen; während die Apostel geheilte Juden und von Kapharnaum aus hierherbestellte Heiden taufen, im ganzen an hundert Personen. Petrus und Jakobus Minor spenden die Taufe, die anderen legen die Hände auf.

Abends lehrt der Herr wieder in der Stadt von den acht Seligkeiten, vom falschen Trost der falschen Propheten, von der Erfüllung der wahren Prophetien und speist dann mit den Verwandten, die Leviten sind, und anderen Leviten in Seiner Herberge.

Zuckerrohr-Plantage bei Naasson

Di. 24.

Bei Seinem Fortgang von Kirjathaim wird Er von den Leviten und Schulkindern eben­so feierlich begleitet, wie bei Seinem Einzug. Weiter südlich lehrt Er auf der westlichen Höhe von Naasson bei einer Zuckerrohr-Plantage, die den Einwohnern von Kirja­thaim gehört; während sich die Jünger nach Naasson und den Nachbarorten verstreuen. Es ziehen streckenweise Scharen von Leuten mit Ihm, die aus Kapharnaum zurückkeh­ren, auch Heiden.

Grenzstadt Abram

Nachdem Er noch Hirten aufgesucht hat, kehrt Er im Hotel vor der Grenzstadt Abram ein, wo abends Thomas, Johannes und Na­thanael Chased wieder mit Ihm zusammen­treffen. Er lehrt noch vor vielen Leuten, die sich hier um Ihn versammelt haben. In Abram stoßen die Grenzen der drei Stam­mesgebiete Aser, Nephthali und Zabulon zusammen.

Mi. 25.

Morgens legt Ihm der Hotelinhaber einen Streit zur Entscheidung vor, der über einen nahen Brunnen zur Tränke des Viehes herrscht, und über den er die Aufsicht hat. Jesus schlägt vor, eine gleiche Anzahl Vieh von beiden Seiten gehen zu lassen, und von welcher Seite ungetrieben am meisten Vieh zum Brunnen eile, diese habe das größere Recht an dem Brunnen. Hieraus entwickelt Er eine tiefsinnige Lehre vom lebendigen Wasser, das Er ihnen geben wolle, und wel­ches jenen gehöre, die es am heftigsten be­gehren.

Als Er, von Einwohnern und Schullehrern draußen wie üblich empfangen, gegen zehn Uhr in Abram eingezogen ist und auf der Straße noch einige ausgezehrte alte Leute und einige dämonische Kranke geheilt hat, lehrt Er in der Pharisäer-Synagoge über die Seligkeiten und außerdem aus dem Prophe­ten Malachias über die Stellen vom Messias und vom neuen Opfer. In der hiesigen Sad­duzäer-Synagoge spricht Er nicht. Die Phari­säer betragen sich ganz ordentlich gegen Ihn.

Abends begibt Sich Jesus in die von Lazarus eingerichtete Herberge vor dem Südende der Stadt. Sie wird von Verwandten Jesu, ver­heirateten Essenern aus dem Tal Zabulon, verwaltet. Sie haben Kinder, sind Herden­besitzer und Eigentümer von Weiden in der Nähe von Jazer, bei dem Felde, wo einst Joachim vor Mariä Empfängnis gebetet hat.

Do. 26.

Frühmorgens kehren die Apostel und Jün­ger, die Jesus vor Kirjathaim ausgesandt hat, zurück, ebenso Andreas und Matthäus von den sechs früher Ausgesandten, an Stelle derer Thomas und Jakobus Minor nach Achzil am Meer bei Ecdippa gehen, wo die anderen jetzt sind. Die Zurückgekehrten erzählen dem Herrn ihre Erlebnisse und Taten, und die von ihnen mitgebrachten zwanzig bis dreißig Juden werden getauft.

Nachdem Jesus noch vielen Kranken und Trostbegierigen, die zur Herberge gekom­men, geholfen hat, schlichtet Er wieder einen Brunnenstreit, indem Er dem einen Kläger rät, an einer bestimmten Stelle auf dem anderen Feld einen neuen Brunnen zu bohren, der viel mehr und besseres Wasser geben werde.

In Abram selbst heilt Er in ein paar Häu­sern, belehrt und segnet an Straßenecken Kinder und predigt wieder in der Synagoge, wo Ihn die Pharisäer höflich behandeln.

Jesus und die Brautpaare

Fr. 27.

Morgens und einen Teil des Nachmittags macht Er mit den Aposteln und Jüngern Hausbesuche, damit sie von Ihm lernen, wie Er ermahnt, Streitigkeiten schlichtet und tröstet. In großen Familien belehrt Er diese allein, in kleineren werden durch die Jün­ger die Nachbarn hinzugerufen. Besonders werden Häuser besucht, wo Leute krank zu Bette liegen oder ganz alte wohnen, die nicht zur öffentlichen Lehre kommen kön­nen. Einige ganz alte Männer werden auch auf ihrem Lager getauft.

Auch erteilt Er in einem Hause vor zahlrei­cher Versammlung drei Paaren einen Braut­unterricht, spricht vom Gehorsam der Ehe­frau, und daß die Ehemänner in ihren Frauen die Verheißung Genesis 3, 15 ehren sollen, zumal jetzt die Erfüllung der Zeit nahe sei, wo die Gnade an die Stelle des Gesetzes trete, und der Gehorsam aus Ehr­furcht und Demut, und das Befehlen mit Liebe und Billigkeit geübt werden solle. Da Er auch die Ehescheidung verbietet, begin­nen die hierbei anwesenden Pharisäer nach der abendlichen Sabbatlesung in der Syna­goge darüber mit Ihm zu disputieren. Seine Lehre betreffs der Untertänigkeit der Ehe­frau ist ihnen zu gelind und betreffs der Scheidung zu streng. Obschon sie sich nicht überzeugen lassen, halten sie sich doch in den Schranken der Schicklichkeit.

Der Herr ist heute auch mit ein paar Jün­gern, gleichsam wie ein Zeuge, bei der Trau­ung der Ehepaare zugegen. Sie wird vor der Gesetzlade unter losgedeckter Kuppel der Synagoge vollzogen. Beide Teile lassen Blut aus dem Ringfinger in ein Glas Wein trop­fen, trinken es und wechseln die Ringe. Zum nachfolgenden Mahl, Tanz und Spiel im Festhause sind Jesus und die Jünger eben­falls eingeladen, wo auch sie wie die übrigen Gäste Geldgeschenke empfangen, aber dieselben nicht annehmen. Doch diese wer­den ihnen mit einigen Körben voll feiner Hochzeitsbrote wieder zur Herberge zurück­gesendet, worauf Jesus alles an die Armen austeilen läßt.

Beim Hochzeitsmahl legt Er die Parabel von den zehn weisen und törichten Jungfrauen (Mt. 25, 1) zuerst ganz häuslich und zeitlich und dann ganz geistlich aus, aber so, daß alles auf Charakter und Fehler der einzel­nen Brautleute paßt. Dasselbe tut Er spät abends bei den gesellschaftlichen Brettspie­len, bei denen Rätsel durch Löcher fallen, auf die sie geworfen werden. Nach dem Fest gibt man Ihm und den Seinen mit Fackeln das Geleite zur Herberge. Vom Donnerstag­abend bis zum heutigen Sabbatbeginn ist ein Fasttag gewesen; sie trinken nur und neh­men einen kleinen Imbiß (8. Thebet: Fasten wegen Uebersetzung der Thora aus der he­bräischen in die griechische Sprache zu Alexandrien).

Jesus in der Stickereifabrik

Sa. 28.

Nach der Morgenpredigt im Sabbathause be­sucht der Herr die Schulen der Knaben und Jünglinge, fragt und belehrt sie und nimmt dann bei mehreren Leuten Abschied.

Nach Tisch, zur Zeit des üblichen Sabbat­spazierganges, besucht Er mit zwei Jüngern eine Jungfrauenschule, die zugleich eine Art Stickereifabrik ist. Die Mädchen im Alter von sechs bis vierzehn Jahren sind heute schön geputzt; und die zwei Lehrer, die täglich dort das Gesetz lehren, sind in ihren Feierkleidern mit breiten Gürteln und Manipeln zugegen. Ungefähr zehn Witwen leiten die Anstalt und zeigen dem Herrn die Arbeitssäle mit den Zeugbahnen und den gemalten Musterständern, wobei die Mäd­chen ihre Arbeit vorführen. Nachher hält Er im Lehrsaal eine belehrende Ansprache, befragt die Kinder, die kleine Schriftrollen in der Hand haben und segnet die reihenweise zu Ihm Herantretenden. Zum Schluß überreichen sie Ihm ein Geschenk von Stof­fen und Gürteln, die in die Herberge ge­sandt, nachher an die Synagogen weiter­geschenkt werden.

In der Sabbatschluß-Predigt nimmt Jesus von allen Anwesenden Abschied und wie­derholt, was Er sie bisher gelehrt hät. Alle sind sehr gerührt und bitten Ihn, zu bleiben. Abends nimmt Er noch an der Hochzeits­feierlichkeit teil, wo wieder zur Musik der Kinder getanzt wird. Zum Schluß segnet Jesus die Versammlung und kehrt zur Her­berge zurück.

Gleich nach dem Sabbat sind zwei Apostel mit einer Botschaft nach Kapharnaum, zwei andere gen Cydessa abgereist; andere Jün­ger sind gen Dothaim vorausgegangen, sodaß Jesus nur Andreas und Matthäus und ein paar von den jüngsten neuen Jüngern bei Sich hat. Unterdes sind in Machärus schon viele Gäste zum Geburtstag des Hero­des eingetroffen, und es beginnen bereits die Feste. Johannes kann sich freier denn je im Schlosse bewegen; und jedermann denkt des­halb, er werde zum Geburtstag freigelassen.

Ackerbau- und Karawanen-Stadt Dothaim

So. 29.

Während ein Teil der Jünger nach Neph­thali, ein anderer südwestlich nach Araba gegangen ist, wandelt der Herr gen Dothaim. Unterwegs murmeln Ihn einmal mehrere halbnackte, wahnsinnige Menschen aus Bergwinkeln und Gebüschen an und rufen: „Du Sohn Gottes! Du bist der Sohn Gottes, Prophet! Prophet Jesus von Nazareth! Sohn Gottes!“ Er heilt sie nicht und gebietet ihnen zu schweigen.

Vor Dothaim ziehen Ihm viele Leute entge­gen, auch Pharisäer; doch sind die Menschen hier überhaupt etwas kalt gegen Ihn.

Die endgültige Bekehrung Magdalena’s

Mo. 30.

Der Herr trifft heute allerlei Vorbereitun­gen mit den Jüngern zu der großen Lehre, die Er morgen auf dem Lehrhügel bei Aza­noth halten will. Er wohnt hier in einer eige­nen Herberge, wo Er mit Lazarus, Martha und anderen Jüngern und Frauen aus Jeru­salem zusammentrifft. Martha reist von hier mit ihrer Magd nach Magdalum, um Mag­dalena zum Besuch der morgigen Bergpre­digt zu bewegen.

Mit Lazarus sind zwei Jünger aus Jerusalem mitgekommen, deren Väter Brüder von La­zari Mutter sind. Außerdem befinden sich drei Jugendgespielen Jesu aus Ägypten in seiner Begleitung, die Bethlehem und Betha­nien besucht haben und nun hier in Dot­haim Maria aufsuchen, um ihr Grüße ihrer Eltern zu bringen, die in Matarea die Woh­nung und den Brunnen der heiligen Familie als einen Ort der Erinnerung heilig halten. Jesus nimmt diese drei ägyptischen jungen Männer heute als Jünger auf, nachdem Er sie über die Beschwerden dieses Berufes auf­geklärt hat. Einer von ihnen heißt Cyrinus.

Lehrhügel hei Azanoth

Di. 31.

Auf dem Wege zum Lehrhügel trifft Jesus Seine Mutter und die heiligen Frauen, die von Damna zur Lehre hierher gereist sind. Es sind: Anna Cleophä, Susanna Alphäi, Su­sanna von Jerusalem, Veronika, Johanna Chusa, Maria Markus, Mara die Suphanitin, Dina aus Sichern und Maroni aus Naim.

Unterdes ist es Martha mit unsäglicher Ge­duld gelungen, Magdalena zur Abreise zu bewegen. Mit vielem Gepäck reiten sie und ihre ganze leichtfertige Hausgesellschaft der Freunde und Freundinnen auf Eseln, gefolgt vom Gesinde mit Packeseln, bis zum Grand-Hotel im Badeort Bethulia, übernachten hier und begeben sich am heutigen Morgen zum Lehrhügel, wo sie sich ein großes, offe­nes Zelt haben aufschlagen lassen, und pla­cieren sich auf Stühlchen, Kissen und Tep­pichen, allen zur Schau und vielen zum Ärger.

Nachdem der Herr viele Kranke geheilt, be­ginnt Er eine große und strenge Lehre. Er ruft unter anderem Wehe über die unbuß­fertigen Städte Chorazin, Bethsaida und Ka­pharnaum aus (Mt. 11, 20) ; auch bemerkt Er, die Königin von Saba sei von Mittag ge­kommen, Salomons Weisheit zu hören, aber hier sei mehr als Salomon. Des öfteren rufen unter Seiner Rede von verschiedenen Seiten her Kinder, die noch nie gesprochen haben, auf den Armen ihrer Mütter laut aus : „Jesus von Nazareth! Heiligster Prophet! Sohn Davids! Sohn Gottes!“ Dadurch werden viele Hörer, auch Magdalena, erschüttert (vgl. Mt. 21, 15).

Bei Seiner Äußerung, wenn der Teufel aus­getrieben und das Haus gefegt sei, kehre er mit sechs Gesellen zurück und treibe es ärger als zuvor (Mt. 12, 43), erschrickt Magdalena ernstlich. Als Er sich dann nach allen Seiten wendet und dem Teufel gebietet, von denen auszufahren, die sich nach Be­freiung sehnen; die aber mit ihm verbunden bleiben wollen, sollten ihn mit sich von dan­nen nehmen und diesen Ort verlassen, schreien die Besessenen: „Jesus, Du Sohn Gottes !“ Hier und da fallen Menschen in Ohnmacht, und Magdalena sinkt unter hef­tigen Krämpfen nieder. Ihre Freundinnen bestreichen sie mit Parfüm und wollen sie hinwegbringen, um bei dieser Gelegenheit selbst anständig fortzukommen.

Da nun das Volk umher ruft: „Halt ein, Mei­ster! halt ein, dieses Weib stirbt!“ antwortet Er: „Setzt sie auf einen Stuhl; der Tod, den sie jetzt stirbt, ist ein guter Tod, er wird sie lebendig machen!“ Nach einiger Zeit trifft sie wieder ein Wort Jesus, sie sinkt abermals in Krämpfen zusammen, und jedesmal er­hebt sich Lärm und ist Gedränge um sie. Aber sie setzt sich bald wieder auf ihren schönen Sitz und stellt sich, als habe sie eine gewöhnliche Ohnmacht erlitten.

Als sie das dritte Mal niederfällt, eilt Martha zu ihr. Sie kommt zu sich, weint heftig und will zu den Sitzen der hl. Frauen. Man bringt sie hinab nach Azanoth; Lazarus und Martha holen sie von dort zur Herberge der heiligen Frauen, die unterdes ankommen. Die welt­lich gesinnte Reisegesellschaft Magdalena’s aber macht sich eilends aus dem Staube.

Gartenstadt Azanoth

Nachdem Jesus noch oben auf dem Lehr­platz und dann unten in Azanoth Kranke geheilt hat, lehrt Er in der Gesetzesschule, wo sich auch Magdalena eingestellt hat. Er redet ihr sehr zu Gehör; und als Er sie durch­dringend anblickt, wird sie zum vierten Mal ohnmächtig, und es verläßt sie wie­derum ein böser Geist. Ihre Dienerinnen bringen sie hinaus, und Maria und Martha geleiten sie zur Herberge. Sie aber schreit, weint, läuft davon, rennt durch die Straßen, ruft den Leuten zu, sie sei eine Lasterhafte, eine Sünderin, ein Auswurf der Menschheit. Die Frauen haben größte Mühe, sie zu beru­higen; sie zerreißt ihre Kleider, zerzaust ihre Haare und hüllt sich ganz ein.

Später läuft sie zur Herberge Jesu, wirft sich Ihm zu Füßen, fleht um Rettung, und Er sagt, als die anwesenden Pharisäer und Jünger ihre Abweisung verlangen: „Lasset sie weinen und jammern, ihr wißt nicht, was mit ihr vorgeht!“ Dann tröstet Er sie, sie solle von Herzen bereuen, glauben und hof­fen; sie werde bald Ruhe gewinnen.

Martha und die Dienerinnen bringen sie wie­der zur Herberge, und Lazarus geht auf ihre Bitte hin sogleich nach Magdalum, um dort das Ihrige in Besitz zu nehmen und ihren dortigen Aufenthalt und alle ihre Verhält­nisse aufzulösen. Sie besitzt bei Azanoth und in der Gegend Feld und Weingüter, die Lazarus bereits seit einiger Zeit ihrer Ver­schwendung halber verwaltet hat.

Wegen des großen Gedränges in Azanoth geht Jesus in der Nacht mit den Jüngern heimlich ,gen Damna, um dort morgen Seine Lehre fortzusetzen.

Das dritte Lehrjahr 33

Erstes Vierteljahr :

Von der Bekehrung Magdalena’s bis zum zweiten Osterfest

(1. Januar bis 31. März 33)

Die Aufnahme der Magdalena

Lehrhügel bei der Leviten-Stadt Damna

Mi. 1.

Sobald des Herrn Fortgang von Azanoth be­kannt wird, ziehen von dort viele Hörer und alle, die Ihn in Azanoth aufsuchen wollten, zum Lehrhügel bei Damna. Morgens früh ziehen auch die heiligen Frauen mit Magda­lena dorthin und finden Jesum schon von vielen Menschen umgeben, die Hilfe suchen. Während Seiner Lehre treffen immer neue Scharen ein.

Er spricht erst von den Sünden der Unrei­nigkeit, dann aber von der Barmherzigkeit Gottes, der jetzigen Gnadenzeit und fleht beinahe zu den Menschen, diese Gnade an­zunehmen. Dreimal blickt Er in dieser Lehre Magdalena an, und dreimal sinkt sie nieder. Das dritte Mal bringen die Frauen sie hin­weg, und sie ist ganz wie vernichtet, bleich und abgezehrt und kaum mehr zu erkennen.

Jesus kommt nun auch zu ihr und tröstet die vor Ihm am Boden Liegende, die immer fragt: „Herr, ist noch Rettung für mich?“ Er vergibt ihr die Sünden, verspricht ihr die Gnade der Beständigkeit, segnet sie und spricht auch zu ihr von Seiner Mutter, die rein von aller Sünde sei, ja, preist sie hoch und als auserwählt und befiehlt Magdalena, sich ganz an Maria anzuschließen und allen Rat und Trost von ihr zu holen. Und als Er mit ihr wieder zu den Frauen kommt, sagt Er: „Sie war eine große Sünderin, aber sie wird auch das Muster aller Büßenden für alle Zeiten sein.“

Karte Nr. 25
1-Fahsel Emmerick Karte 25

Herberge der Johanneshöhle bei Gath-Hepher

Jesus heilt und lehrt noch und geht etwa um drei Uhr nachmittags mit den Jüngern zu einer westlich von Gath-Hepher gelegenen Herberge bei einer Höhle, die man Johan­neshöhle nennt.

Laßt die Kindlein zu Mir kommen!

Jonas-Stadt Gath-Hepher

Do. 2.

Als der Herr morgens Gath-Hepher, wo der Prophet Jonas geboren, naht, kommen Ihm die Vorsteher der Schulen und Pharisäer entgegen und machen Ihm allerlei Vorstel­lungen, die Ruhe der Stadt nicht zu stören und besonders das Zusammenlaufen und Rufen der Frauen und Kinder nicht zu dul­den; doch könne Er in der Synagoge ruhig lehren. Jesus erwidert, daß Er zu denen komme, die nach Ihm rufen und verlangen, und weist ihre Gleisnerei ab.

Doch bei der Nachricht von Jesu Ankunft hatten die Pharisäer bereits der Gemeinde befehlen lassen, die Frauen sollten nicht mit den Kindern auf der Straße erscheinen und nicht „Sohn Gottes“ und „Christus“ schreien, denn man wisse hier sehr wohl, woher Er sei und wer Seine Eltern seien. Die Kranken aber hatten sie nach ihrem Gut­dünken um die Synagoge gestellt.

Zu ihrem großen Ärger erfüllen nun doch die Mütter mit ihren Kindern um sich her und den Säuglingen auf den Armen die Stra­ßen. Die Kinder strecken Jesu die Hände entgegen und rufen: „Jesus von Nazareth! Sohn Davids! Sohn Gottes! Heiligster Pro­phet!“ Vergeblich versuchen die Pharisäer dieselben zurückzutreiben und verlassen ge­ärgert das Gefolge Jesu. Auch die Jünger wünschen, es möchte stiller und ungefährlicher hergehen, wollen die Kinder zurück­weisen und machen dem Herrn Vorstellun­gen. Doch Er verweist ihnen den Kleinmut und läßt die Kinder dicht um Sich (vgl. Mt. 19, 13-15).

Auch Säuglinge, die nie gesprochen, rufen Ihn einzeln aus zum Zeugnisse und zur rüh­renden Ueberzeugung des Volkes. Vor der Synagoge stellen sich die Kinder, Knaben und Mädchens gesondert, auf, und die Müt­ter mit den Säuglingen hinter sie. Jesus be­lehrt und segnet zuerst die Kinder, dann wendet Er Sich zu den Müttern und zu ihren Hausangestellten, von denen Er sagt, daß es auch ihre Kinder seien. Schließlich spricht Er zu den Jüngern von dem Wert der Kin­der vor Gott, ähnlich wie bei Mt. 18, 3. Den Pharisäern ist dieses sehr zum Verdruß.

Hierauf geht Er zu den Kranken, heilt meh­rere, lehrt dann in der Synagoge vom Pa­triarchen Joseph und spricht wieder von der Würde der Kinder, da die Pharisäer noch­mals von der heutigen Störung zu reden an­fangen.

Beim Verlassen des Sabbathauses fallen drei Frauen vor Ihm nieder und wollen mit Ihm allein sprechen. Er läßt es zu, und sie bitten Ihn um Hilfe für ihre Männer, die von un­reinen Geistern geplagt seien. Jesus ver­spricht ihnen, ihre Häuser zu besuchen. Doch erst besucht Er den verheirateten Esse­ner Simeon, den Sohn eines Pharisäers zu Dabrath, nimmt hier mit den Jüngern einen Steh-Imbiß und spricht mit Simeon, der das Seine zur Gemeinde Jesu geben will.

Dann geht Er in jene Häuser, wie verspro­chen, doch verhält sich die Sache anders: die Frauen waren selbst von Unreinheit an­gefochten und wollten die Schuld auf ihre Männer schieben. Jesus ermahnt sie zur Einigkeit und zum Gebet, Fasten und Almo­sengeben. In einigen Tagen, als der Sabbat vorüber ist, ziehen sie Ihm nach zu einer Bergpredigt südwestlich beim Tabor.

Erneute Stärkung der Apostel

Handels-Stadt Kisloth-Tabor

Auf dem Wege gen Kisloth unterrichtet Er die Apostel über das, was bevorstehe, und wie sie sich benehmen sollen, wenn Er mit ihnen in Judäa sein werde, wo man sie nicht so gut aufnehmen werde wie bisher. Zum Schluß gibt Er ihnen nochmals Seinen Segen als neue Stärkung und Füllung der Gnade. In Kisloth-Tabor übernachten sie.

Fr. 3.

Am Morgen besuchen Ihn Pharisäer aus Nazareth und laden Ihn ein — jene Phari­säer, welche Ihn das vorige Mal von dem Felsen hatten herabstürzen wollen, waren nicht mehr dort —: Er werde doch hoffent­lich, so sagen sie, in Seine Vaterstadt kom­men und auch dort Zeichen und Wunder tun. Sie seien alle begierig, Seine Lehren zu hören, und dann könne Er auch Seine kran­ken Landsleute heilen; sie bäten sich aber ein für allemal aus, daß Er am Sabbat nicht heile. Jesus erwidert, Er werde kommen und den Sabbat halten; sie würden sich aber an Ihm ärgern; und was das Heilen betreffe, wolle Er ihrem Willen folgen, ihnen selbst zum Schaden. Da kehren sie nach Nazareth zurück, und Jesus folgt später, unterwegs die Jünger belehrend, dorthin nach.

Nazareth

Als Er gegen Mittag Nazareth erreicht, kom­men Ihm viele Neugierige entgegen, aber auch gute Menschen, die den Ankommen­den die Füße waschen und einen Imbiß rei­chen.

Der Herr kehrt mit den Seinen bei der ver­witweten Mutter Seines Jugendfreundes und jetzigen Jüngers Jonadab ein. Dieser ist nicht mit jenem Jonadab zu verwechseln, der später bei der Kreuzigung dem Herrn ein Tuch darreicht, und dessen Vater — ein Verwandter des heiligen Joseph — die Ese­lin des Letzteren am sechsten Tage nach Christi Geburt in Pfandleihe nahm, sondern es ist jener Jüngling, der am 3. Juni 31 den Herrn mit Parmenas bis nach Hebron be­gleitete. Beide sind nachher eine Zeitlang etwas abwendig von Ihm geworden. Er braucht sie jetzt viel zu Botengängen.

Dann macht der Herr noch einige Kranken­besuche und heilt unterwegs einen lahm-geborenen Essenerjüngling nebst ein paar Blinden. Im ganzen heilt Er jedoch nur fünfzehn Personen, darunter Stumme, Taube und Wassersüchtige. An manchen aber, die Ihm unterwegs nur um des Pro­bierens oder der Eitelkeit halber entgegen­treten, geht Er vorüber, ebenso heilt Er die an der Synagoge Aufgestellten nicht. Die Sabbatlesung und Predigt über Gottes Ge­spräch mit Moses in Ägypten (Exod. 6) und über Ezechiel (28-29) gehen ohne Störung vor sich, und Jesus speist und übernachtet im Hause Jonadabs.

Sa. 4.

Morgens lehrt Jesus in der Synagoge, heilt aber niemanden mehr. Mittags lustwandelt Er mit den Jüngern und einigen guten Leu­ten auf der Straße Nazareth-Sephoris bis in einen nahegelegenen Ort, wie dies am Sabbat üblich ist. Unterwegs spricht Er vor einzelnen Gruppen von Menschen. Einige Haushaltungen, in denen Streit und Uneinig­keit herrscht, werfen sich vor dem Herrn nieder, und Er stiftet Frieden zwischen Mann und Weib und Nachbarn. Aber auch auf diesem Wege heilt Er nicht. Unterwegs nahen sich Ihm abermals, die zwei Jünglinge, die Er bereits am 18. und 19. September 31 und am 11. März und 17. August 32 abge­wiesen hat. Er fragt sie wieder, ob sie Haus und Eltern verlassen, ihr Gut den Armen geben, blind gehorchen und Verfolgung lei­den wollen; sie aber zucken die Schultern und entfernen sich.

Zum Schluß besucht Er noch das Haus Sei­ner Eltern, das unbewohnt, aber wohlgeord­net ist, und ebenso das Haus der Maria Heli, die sich wieder verheiratet hat und Hirten­wirtschaft betreibt.

Zusammenstoß mit den Pharisäern.

In der Abendpredigt nennt Er Gott Seinen himmlischen Vater und spricht von den Strafgerichten über Jerusalem. Hierauf er­teilt Er den Jüngern apostolische Weisun­gen und ermahnt sie zur Ausdauer und Treue in den bevorstehenden Verfolgungen (Mt. 10, 5-42).

Als aber die Pharisäer aus Seiner Lehre ent­nehmen, daß Er nicht in Nazareth bleiben und niemanden mehr heilen wolle, lassen sie ihrem Ärger freien Lauf und fragen sich hin und her: „Wer ist Er denn? Wer will Er denn sein? Wo hat Er Seine Lehre her? Ist Er doch von hier, Sein Vater war der Zimmermann und Seine Verwandten, Brü­der und Schwestern sind von hier!“ (Mt. 13, 53-56.) Mit letzteren meinen sie der dama­ligen Redensart gemäß Maria Heli und deren Kinder, also Seine Vettern und Cousinen.

Als der Herr auf diese Zwischenfragen nicht eingeht und die Jünger ruhig weiter belehrt, erhebt sich ein frecher Pharisäer aus der Gegend von Sephoris: „Wer bist Du denn? Hast Du vergessen, daß Du noch vor einigen Jahren kurz vor Deines Vaters Tod mit dem­selben in meinem Hause Holzwände gemacht hast?“ Da Jesus nicht antwortet, schreien sie: „Antworte! Ist das Sitte, würdigen Män­nern nicht zu antworten?“ — „Ja“, erwidert der Herr, „Ich habe damals dein Holz be­arbeitet und dich angeblickt und bedauert, daß Ich dich nicht von der harten Rinde deines Herzens würde befreien können, wie es sich nun als wahr erweist. Du wirst kei­nen Anteil an Meinem Reiche haben, wenn Ich dir gleich deine Kammer auf Erden bauen half. Nirgends gilt ein Prophet weni­ger als in Seiner Vaterstadt, in seinem Hause, bei seinen Verwandten (Mt. 13,57-58).

Sie ärgern sich aber auch über Seine an die Jünger gerichteten Worte, wie: „Ich sende euch wie die Lämmer unter die Wölfe. So­dom und Gomorrha soll es am Gerichtstage erträglicher ergehen als der Stadt, die euch nicht aufnimmt“ (Mt. 10, 15-16). „Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu brin­gen, sondern das Schwert“ (Mt. 10, 34) ; und ähnliches mehr, was bei Matthäus (10, 5-42) steht.

Auch nach dem Sabbat heilt Er nicht. Un­terwegs setzen noch einzelne Leute die Un­verschämtheit jenes Pharisäers fort und rufen Jesu zu :„Weißt Du noch dieses oder jenes?“ wo sie Ihn ehemals gesehen hatten. Auch sagen Ihm die Pharisäer, Er habe ja diesmal ein kleineres Gefolge als das erste Mal, und fragen, ob Er wieder bei den Esse­nern einkehren wolle. Sie konnten nämlich dieselben nicht leiden und ärgerten sich schon die letzten Male, daß Er dorthin ging. Trotzdem speist der Herr mit den Jüngern bei den Essenern; und gegen 10 Uhr nachts treffen hier Petrus, Matthäus und Jakobus Major von den Aposteln in Obergaliläa ein.

Gutsort am Nordwestfuß des Tabor

So. 5.

Um ein Uhr nachts verläßt Jesus Nazareth. Unterwegs kommen noch Einzelne zu Ihm, um Hilfe zu suchen. Er kehrt in jenem Gutshof am Tabor ein, wo Er am 22. Novem­ber den Gutsherrn vom Aussatz geheilt hat. Er besucht hier den Schullehrer, der manche Kranke, auf Jesu Ankunft rechnend, bei sich aufgenommen hat. Der Herr heilt gleich einen Stummen und spricht dann mit dem Knaben Samuel, der damals die Botschaft vom Gutsherrn so geschickt überbrachte und dereinst ein Jünger werden wird.

In der Morgendämmerung kommt der ge­heilte Gutsherr, bedankt sich und bittet für mehrere Aussätzige, denen er vor dem Orte eine Zelthütte erbauen ließ. Er gibt auch Teile seines Vermögens zu den Lehrreisen Jesu. Auf dem Wege zu jener Zelthütte heilt Jesus fünf Männer und Frauen vom Aus­satz infolge von Unzucht, heilt dann die vier oder fünf Aussätzigen in der Zelthütte und befiehlt ihnen, sich den Priestern in Nazareth vorzustellen.

Bei solchen Heilungen verweilt der Herr nicht lange; doch haben sie auch nie etwas Eiliges an sich, und es geht dabei alles wür­dig und mit Maß zu, aber bestimmt, ohne Überfluß der Worte, alles schlagend und treffend; in Trost und Ermahnung, Milde und Strenge genügend, jedoch in Geduld und Liebe ganz überfließend und trotzdem ohne Eile, stetig zum Ziele strebend. Man­chen geht Er entgegen, ja scheint vom Wege abbiegend, ihnen zuzueilen, wie ein lieben­der Menschenfreund, der retten will. Ande­ren weicht Er aus, läßt sie nachfolgen und länger flehen.

Zweite Aussendungsrede

Lehrberg südwestlich beim Tabor

Nachdem Er viele Kranke, auch aus Naza­reth, und Besessene geheilt hat, predigt Er auf steinernem Propheten-Lehrstuhl über die ersten vier Seligkeiten, über Buße und Ankunft des Reiches, erzählt einige Para­beln und bittet alle sehr rührend um An­nahme der Gnade, da es noch Zeit sei (Mt. 9, 35). Die Apostel hören zu, weil sie diese Lehre in ihrer Art auf ihrer nächsten Reise verbreiten sollen.

Um die Mittagszeit versammelt der Herr die Apostel und Jünger unten am Tabor um Sich und sendet sie, je zwei zu zwei, in drei Richtungen aus, südöstlich ins Jordantal, südwestlich durchs Aedron-Tal gen Dothan und südlich gen Jerusalem, und gibt ihnen die Anweisungen für ihr Verhalten (Mt. 9, 36-38; 10, 5-16).

Vor der Abreise segnet Er sie, gibt ihnen Anweisungen über Heilung und Exorzismus, segnet ihnen das Öl zum Gebrauch bei Hei­lung der Kranken und verabredet mit ihnen, wo sie Ihn wieder antreffen sollen, teils in Bethanien am 23., teils in Damna am 30. Januar. Den Petrus und Johannes nebst einigen Jüngern behält Er bei Sich.

Dann heilt Er noch mehrere Kranke, dar­unter die zwei Frauen aus Gath-Hepher, die Ihm hierher zur Bergpredigt gefolgt sind, entläßt das Volk und wandert mit den Sei­nen gen Sunem. Vor überschreiten des Kison-Flusses sucht Er noch einen zwanzig Jahre kranken Aussätzigen in seiner Zelt­hütte auf und schickt den Geheilten eben­falls nach Nazareth.

Kinderheilungen

Weber-Stadt Sunem

In der Dämmerung kehrt Er in Sunem, wo Er am 28. Februar 32 gepredigt, mit Petrus und Johannes bei einem Manne ein, der Ihn zu seinen kranken Kindern gerufen. Während Petrus und Johannes in die Stadt gehen, setzt Sich Jesus an das Bett des stum­men, lahmen und epileptischen Sohnes, haucht ihm in den Mund, richtet ihn auf, führt ihn in der Stube hin und her, führt ihn in eine andere Kammer, bereitet eine Salbe aus Speichel und fährt ihm mit den zwei ersten Fingern der Rechten unter die Zunge. Der Knabe ruft mit einer ungewohn­ten, quiekenden Stimme: „Ich höre! Ich kann sprechen!“ und die Eltern und Dienst­boten stürzen herein, umarmen ihn und weinen und schreien vor Freude.

Jesus spricht am Abend mit dem Vater allein, daß eine Schuld von seinem Vater auf ihm ruhe. Jener fragt, ob die Schuld denn bis ins vierte Glied werde gestraft wer­den, worauf der Herr erwidert, wenn er Buße tue und sühne, so könne er die Schuld tilgen.

Mo. 6.

Am Morgen heilt Jesus noch den anderen Sohn und die beiden Töchter Seines Wirtes vom Schwachsinn durch Handauflegung. Die Geheilten sind ganz verwundert und wie vom Traume erwacht; sie hatten vorher immer geglaubt, man wolle sie umbringen, und sich sehr vor dem Feuer gefürchtet.

Dem gestern abend geheilten Knaben hat der Herr ausnahmsweise gesagt, er solle hin­gehen und allen Menschen erzählen, was ihm geschehen sei. Die Folge davon ist ein großer Zusammenlauf von Menschen und Kranken, und Jesus lehrt auf der Straße und heilt und segnet viele Kinder.

Der Tod des Täufers

Ebene Jezrael

Den übrigen Tag und die ganze Nacht hin­durch wandelt der Herr mit Petrus und Johannes sehr schnell und ohne Aufenthalt über das Südende der Ebene Jezrael gen Samaria und teilt unterwegs den beiden mit, das Ende des Täufers sei nahe; man werde Ihm dann auch nachstellen, aber es sei noch nicht die Zeit, Sich preiszugeben; zunächst werde Er gen Hebron ziehen, um die Verwandten des Täufers zu trösten und einen Aufstand zu verhindern. Unterdes weilen Maria und die heiligen Frauen in Dothan beim reichen Issachar, den Jesus am 2. November 32 geheilt hat. Martha und ihre Helferinnen treten von dort wieder ihre Inspektionsreisen der Jüngerherber­gen an.

Adventshirtenhaus bei Sichem

Di. 7.

Am frühen Morgen begegnen Jesu südöst­lich von Samaria die drei ägyptischen Jüng­linge, die seit über einem Jahre in Hebron studierten, und die Jesus am 30. November 32 zu Dothaim als Jünger aufgenommen hatte, und außerdem der Sohn der Johanna Chusa. Er nimmt sie mit und kehrt im Advents­hirtenhaus vom 31. Juli 32 ein, wo alle früh­stücken und etwas ausruhen.

Hierauf lehrt Er vor Feldarbeitern an einem Brunnen die Gleichnisse vom Schatz im Acker (Mt. 13, 33) und von der verlorenen Drachme (L. 15, 8). Als man lacht, daß die Frau, um eine Drachme wieder zu finden, das ganze Haus ausfegte, da sie oft mehr verloren hätten und nicht solche Mühe aufwendeten, erklärt der Herr, was jene Drachme bedeute, und welche Tugend jenes Ausfegen sei, und sie lachen nicht mehr.

Ackerbau-Stadt Thänat-Silo

Die Einwohner von Thänat-Silo, wo der Herr schon am 21. und 22. Oktober gelehrt und geheilt hat, empfangen Ihn wieder sehr freundlich vor der Stadt, und wollen Ihm sogar neue Kleider schenken, was Er aber nicht annimmt.

Mi. 8.

Nachdem Er am Morgen in der Synagoge über das Gleichnis vom königlichen Hoch­zeitsmahl (Mt. 22, 1) gepredigt hat, erzäh­len Ihm von Jerusalem kommende Leute den vorgestrigen Einsturz der Mauer und des Turmes Siloe an der Südseite des Tem­pelberges, wobei auch achtzehn Herodianer­-Architekten mitverschüttet wurden (L. 13, 4), die im Auftrag des Herodes das Bau­unglück absichtlich herbeigeführt hatten, um gewisse Arbeiter umzubringen und um den Pilatus beim Volk mißliebig zu machen. Jesus bedauert alle unschuldig Verschütte­ten und äußert, jene achtzehn Architekten seien keine größeren Sünder als die Phari­säer und Sadduzäer und alle, die dem Reiche entgegenarbeiteten, und auch diese würden unter ihrem verräterischen Bau zugrunde gehen; und im Anschluß daran erzählt Er die Parabel vom unfruchtbaren Feigenbaum (L. 13, 6).

Hirtenherberge

Nachdem Er noch mehrere Kranke, dar­unter Blinde, geheilt, wandert Er mit Petrus und Johannes westlich um den Berg Gari­zim nach jener Herberge im Tale, wo Er am 30. Juli 32 eingekehrt war, und eilt, nach kurzer Rast, in raschem Marsche gen Anti­patris; während die vier, Ihn bis jetzt be­gleitenden Jünger geradeswegs nach Betho­ron reisen, wo sie übermorgen mit dein Herrn wieder zusammentreffen.

Hotel vor Antipatris

Unterwegs fragen Petrus und Johannes mehrmals, ob Er nicht in Aruma oder ande­ren Orten hier einkehren wolle. Jesus äußert aber, man würde Ihn nicht aufnehmen. Hierauf unterrichtet Er Petrus und Johan­nes im Gebet und erzählt das Gleichnis, wie ein Freund in der Nacht an die Tür seines Freundes pocht und ihn bittet, ihm drei Brote zu leihen (L. 11, 1-8). Am Abend kommen sie in eine sehr baumreiche Gegend vor Antipatris und übernachten daselbst in einem Hotel.

Unterdes wird Johannes der Täufer am heutigen Geburtstag des Herodes zu Machä­rus mit einer Handscheren-Maschine ent­hauptet (Mk. 6, 17-29). Das Haupt stößt Herodias durch die Abfall-Öffnung der Küche in den Graben, während zwei Sol­daten den Leib auf ein Steinlager im Ker­ker legen und mit einem Fell bedecken. Er wird bewacht, und der Tod des Täufers wird streng geheim gehalten.

Der Stadtpräfekt Ozias

Herodes-Neustadt Antipatris

Do. 9.

Morgens betritt Jesus mit Seiner Begleitung ohne Empfang die Stadt Antipatris und be­sucht den Stadtpräfekten Ozias, der Ihn gestern durch Boten um Hilfe für seine gelähmte vierzehnjährige Tochter Michol gebeten hat. Er heilt sie durch Ölsalbung, läßt der Geheilten Brot und ausgepreßte Weintrauben reichen, die Er zuvor gesegnet hat, und hält vor den versammelten Haus­genossen und Bekannten eine ermahnende Ansprache.

Unterdes haben sich im Vorhof viele Leute mit Kranken angesammelt, die Er heilt. In der Synagoge erwarten Ihn die Pharisäer und eine große Volksmenge, und Er erzählt das Gleichnis vom guten Hirten (J. 10, 1) und von den bösen Winzern (Mt. 21, 33).

Als Er das letztere mit den Worten beginnt: „Mein Vater hat einen Weinberg“, sehen sich die Pharisäer schon spöttelnd an; und als Er zum Schluß erzählt, wie jener nun seinen Sohn selbst schickt und sie diesen hinausstoßen und töten würden, lachen sie und fragen: „Wer ist Er? Was will Er? Wo hatte Sein Vater einen Weinberg? Er hat den Verstand verloren! Er ist ein Tor, da sieht man es ja!“ Noch beim Hinausgehen höhnen sie hinter Ihm her: „Er soll Sich nur in acht nehmen, daß Herodes Ihn nicht zu Johannes einsperrt, wenn Er so fort­fährt.“ Seine Wunder aber schreiben sie der Zauberei und dem Teufel zu.

Jesus heilt noch im Vorhof bei Ozias einige Kranke, ißt ein wenig und erhält Brote und Balsam mit auf den Weg.

Unterwegs begegnet Er einem Transport von Balken für den Schiffbau, von vielen Ochsen gezogen und von römischen Sol­daten begleitet. Auch werden Bäume in der Gegend gefällt und behauen, und vor sol­chen Arbeitern hält der Herr eine An­sprache.

Sara-Stadt Ozensara

Spät abends erreicht Er Ozensara und kehrt bei Ihm bekannten Leuten ein. Hier kamen auch vor vierundvierzig Jahren Joachim und Anna vorbei, als sie ihre dreijährige Tochter Maria zur Opferung im Tempel brachten. Jesus spricht vor vielen Leuten, die sich bei der Herberge versammelt haben, heilt einige und segnet kranke Kinder.

Am Tisch der Pharisäer

Pharisäer- und Leviten-Stadt Ober-Bethoron

Fr. 10.

Vor Ober-Bethoron, wo Er am 29. Juli ge­lehrt hat, kommen Ihm die vorgestern vor­ausgesandten vier Jünger entgegen. Sie sind unterwegs einzeln von Ort zu Ort in Hütten und zu Hirten gegangen und haben gefragt:

„Sind keine Kranken hier, auf daß wir sie heilen im Namen Jesu, unseres Meisters, und ihnen das umsonst geben, was Er uns umsonst gegeben?“ Und sie salbten die Kranken mit Öl, und diese genasen.

In der Synagoge legt der Herr die Sabbat­lektion unter manchen Einwürfen der Phari­säer aus. Sie laden Ihn jedoch zu einer Mahlzeit ein, und als Er ihnen zu lange ausbleibt, kommen sie, Ihn zu rufen, und äußern, es habe alles seine Zeit, auch das Heilen; der Sabbat gehöre Gott, es sei nun genug. Jesus erwidert: „Ich habe keine andere Zeit und kein anderes Maß als den Willen des himmlischen Vaters.“

Da sie von der Bekehrung der Dina, Mara und Magdalena gehört haben, lassen sie bei Tisch die Bemerkung fallen, man sage, es zögen schlechte Weiber mit Ihm herum (vgl. L. 8, 1-3) . Jesus entgegnet, so sie Ihn erkännten, würden sie anders spre­chen; Er sei gekommen, Sich der Sünder zu erbarmen. Er spricht auch von offenen Schäden, welche geheilt, den Menschen rein machen, und von inneren versteckten Ge­schwüren, wodurch rein Erscheinende inner­lich voll Schmutz seien.

Hierauf erzählt Er eine Parabel, die auf die Frage hinausläuft, ob der Schuldner besser sei, der demütig um Erlaß seiner großen Schuld fleht und dennoch alles treu ab­arbeiten will, oder jener, der auch alles schuldig ist, aber immer weiter praßt und so wenig zu zahlen gedenkt, daß er noch oben­drein den geständigen Schuldner schmäht. Und als sie den Jüngern das Unterlassen des Waschens vor Tisch vorwerfen, hält Er eine nachdrückliche Lehre über und gegen die Heuchelei und Scheinheiligkeit der Phari­säer, ähnlich wie am 20. März 34 (Mt. 23, 27).

Er übernachtet mit den hier versammelten Jüngern in derselben Levitenschule, in der vor vierundzwanzig Jahren Joachim und Anna übernachteten, als sie Maria zum Tempel brachten.

Sa. 11.

Der Herr lehrt und heilt wie gestern und hat nochmals mit den Streitigkeiten der Pharisäer zu tun. Unterdes feiern die Mut­ter Jesu und die heiligen Frauen, unter denen sich auch Magdalena befindet, auf ihrer Reise nach Bethanien in jenem Mich­mas den Sabbat, wo Maria und Joseph vor einundzwanzig Jahren den zwölfjährigen Jesus zuerst vermißten. Die heiligen Frauen gehen heute abend noch nach Bethanien. Magdalena hat aus Buße den ganzen Weg zu Fuß zurückgelegt und sich, des Wanderns ungewohnt, die Füße ganz blutig gelaufen.

Jeremias-Stadt Anathot

So. 12.

Der Herr umgeht alle Ortschaften, außer Anathot, der Geburtsstadt des Propheten Jeremias, wo Er heilt und lehrt.

Fünfter Besuch bei Lazarus

Gartenstadt Bethanien

Magdalena, die in Bethanien die Wohnung ihrer am 13. April 32 verstorbenen Schwe­ster, der kontemplativen Maria, bezogen hat, entfernt sich heimlich mit ihrer Dienerin, geht dem Herrn über eine Stunde weit ent­gegen, wirft sich Ihm zu Füßen und benetzt sie mit Tränen der Reue und des Dankes. Jesus reicht ihr die Hand, hebt sie auf und spricht freundlich mit ihr, auch von ihrer verstorbenen Schwester: Sie solle in deren Fußstapfen treten und büßen wie diese, ob­schon dieselbe nicht gesündigt habe. Magda­lena kehrt mit ihrer Dienerin auf einem anderen Wege zurück.

Jesus verteilt vor Bethanien Seine Jünger, die teils nach Jerusalem ziehen, und betritt mit Petrus und Johannes die Gärten des Lazarus, der Ihm entgegenkommt und ihnen wie gewöhnlich in der Halle die Füße wäscht und den Imbiß reicht.

Etwas später spricht Er mit Seiner Mutter allein vom Tode des Täufers, den sie durch eine innere Offenbarung weiß. Auch sagt Er ihr, binnen acht Tagen wieder nach Gali­läa zurückzukehren, ehe die galiläischen Gäste des Herodes aus Machärus dahin zu­rückkehren, um desto ungestörter zu reisen.

Im Arbeiter-Hospital

Am Südfuß des Ölberges

Mo. 13.

Morgens geht der Herr in Begleitung mehre­rer Leviten über den Ölberg von Osten her und sagt oben weinend zu den Leviten: „Wenn diese Stadt das Heil nicht annimmt, so wird der Tempel zerstört werden, wie jetzt der Turm Siloe, und eine sehr große Zahl wird unter ihm versinken“; sie sollten sich das neuliche Bauunglück zur Warnung und zum Vorbild nehmen (vgl. L.13,3-5).

Dann besucht Er am Südfuß des Ölberges das Arbeiter-Hospital, heilt erst mehrere Kranke und dann mehrere der bei dem Bau­unglück am Tempel Verwundeten, und zwar Kopfquetschungen durch Ölsalbungen und Drücken des Kopfes; zerschmetterte Hände, an denen Knochensplitter vorstehen, durch Zusammenschieben der Trümmer, durch Salben und Halten der Hand; zerbrochene Arme, in der Binde ruhend, durch Salben und in der Hand halten; die Wunden ver­lorener Glieder schließt Er.

Zuletzt hält Er eine Ansprache an alle, er­mahnt auch, dem Kaiser alle Abgaben ohne Murren zu zahlen; wer es nicht könne, den wolle Er gern an Lazarus empfehlen. Einige klagen, daß am Teich Bethesda schon lange keine Heilung stattgefunden (siehe 24. Januar 33).

Essener-Herberge unweit des Bethlehem-Tores

Gegen Mittag besucht Er mit Seiner Beglei­tung eine kleine Herberge, etwa eine Viertelstunde vor dem Bethlehem-Tor, in welcher Essener und andere fromme Menschen ein­zukehren pflegen. Hier waren auch Maria und Joseph an Jesu vierzigstem Lebenstage, da sie zur Darstellung reisten, eingekehrt. Auch Anna hatte hier, zur Krippe reisend, übernachtet, und ebenso Jesus in seinem zwölften Jahre, als er vor Michmas die rei­senden Eltern verließ und nach Jerusalem zurückkehrte.

Jetzt leben hier noch die damaligen Haus­kinder und ein alter Mann, der sich an alles erinnert. Sie erkennen Jesus nicht wieder und meinen, Er sei vielleicht der Täufer, von dem auch hier das Gerede geht, er sei jetzt freigelassen. Sie zeigen dem Herrn eine Windelpuppe, ebenso gekleidet, wie Ihn Maria zum Tempel trug, und in einer ähnlichen Krippe liegend. Es brennen Lich­ter und Lampen dabei. Sie sagen Ihm, Jesus von Nazareth, der große Prophet, vor drei­unddreißig Jahren in Bethlehem geboren, sei mit Seiner Mutter hier gewesen. Was von Gott komme, dürfe man ehren, und so feier­ten sie Seinen Geburtstag sechs Wochen lang, wie ja auch des Herodes Geburtstag gefeiert werde, der kein Prophet sei.

Als Jesus sich ihnen zu erkennen gibt, ist ihre Freude unbeschreiblich. Sie zeigen Ihm alle Orte im Haus und Garten, wo Maria und Joseph und Anna gewesen waren. Jesus belehrt und tröstet sie. Er läßt ihnen durch einen Jünger Münzen geben, und sie geben Ihm Brot, Honig und Früchte mit auf den Weg und geleiten Ihn noch eine gute Strecke gen Hebron.

In der Heimats-Stadt des Täufers

Des Täufers Geburts-Stadt Juta

In fünf Stunden erreicht Er das Haus des verstorbenen Zacharias, des Vaters des Täu­fers, welches jetzt von einem Vetter des Täufers, der auch Zacharias heißt, bewohnt und verwaltet wird. Es liegt eine Viertelstunde vor Juta als ein einzelner Hof auf einem Hügel abgesondert.

Dieser Vetter des Täufers ist ein unverhei­rateter Levite, der in seiner Jugend, als der Täufer in der Wüste war, bis zum Tode der heiligen Elisabeth immer wie ein Kind hier im Hause gewesen. Er weiß von ihren und Mariä Voreltern her gewisse Geheimnisse und hat dem späteren Evangelisten Lukas, der ihn vor kurzem noch in Jerusalem be­suchte, vieles von der heiligen Familie er­zählt (siehe L. 1, 3).

Nachdem der Herr von Seiner Mutter, den heiligen Frauen und Freundinnen von Jeru­salem, die bereits hier angekommen sind, begrüßt worden ist, geht Er nach Juta zur Synagoge. Es ist heute ein Fasttag, und abends beginnt der Sabbat eines örtlichen Festes zum Gedächtnis des Sieges Davids über den Aufstand Absaloms, den dieser in Hebron als seinem Geburtsort zuerst be­gonnen hatte (2 Kön. 15, 9-10). Jesus spricht in der überfüllten Synagoge von David und speist nachher mit den Leviten, die Ihm viel Liebe und Achtung erweisen.

Di. 14.

Der Herr und die galiläischen Jünger lehren und heilen verteilt in der Umgegend und dann in Juta selbst. Die allerseligste Jung­frau erzählt, wie schon auf ihrer Herreise so auch heute den heiligen Frauen vieles aus ihrer Jugend und von ihrem Besuche bei Elisabeth vor der Geburt Christi. Abends findet ein gemeinsames Mahl statt, wobei der Herr lehrt, und die Frauen vom ab­gesonderten Raume her zuhören.

Nachdem sich die Frauen bis auf die heilige Jungfrau zurückgezogen haben, geht der Herr mit ihr, Petrus und Johannes und den drei Söhnen der Maria Heli in die Geburts­stube des Täufers. Eine große seltsame Decke ist auf der Erde auseinandergerollt, und sie knien und sitzen um sie her. Jesus aber steht und spricht mit ihnen von der Heiligkeit und der Laufbahn des Täufers. Die heilige Jungfrau erzählt ihnen die Umstände, unter denen diese Decke angefertigt worden war. Sie hatte dieselbe bei ihrem Besuch in Juta mit Elisabeth zusammen vor der Geburt des Johannes angefertigt. Dann hebt sie den Rand der Decke vor sich empor und liest und erklärt den Anwesenden die von ihr eingenähten Sprüche und Prophe­zeiungen, welche auf das spätere Zusammen­treffen des Herrn mit Johannes hindeuten. Als die Rede schließlich auf die letzte Ver­haftung des Täufers kommt, ergreift der Herr das Wort und teilt den Anwesenden nach einer vorbereitenden Einleitung den Tod des Täufers mit. Große Betrübnis er­greift alle, Tränen benetzen die Decke; ganz überwältigt von Schmerz stürzt der Evange­list Johannes zu Boden und windet sich weinend. Jesus tröstet sie ernst und bereitet sie auf noch Härteres vor; dann gebietet Er ihnen, von der Nachricht zu schweigen, weil außer ihnen es bis jetzt nur die Täter wüßten.

Abrahams Familien-Grabhöhle Machpelah

Mi. 15.

Morgens lehrt der Herr bei dem Hain Mambre an der Höhle Machpelah, wo Abra­ham und die anderen Altväter begraben lie­gen, und heilt in der Gegend meistens Land­leute, die dort einzeln wohnen. Der Herr besucht auch mit den Jüngern die Höhle, die sie barfuß betreten. Am Grabe Abra­hams hält der Herr eine Ansprache.

Bundesladen- und Leviten-Städtchen Bethain

Hierauf besucht Er das Leviten-Städtchen Bethain, wo einst die Bundeslade fünfzehn Tage lang gestanden (2 Kön. 6, 12). Hier heilt Er einige Leute und lehrt von der Bundeslade des Zeugnisses und von David. Unterdes sind Maria und die galiläischen Frauen nach Hause abgereist. Maria hat die Decke der Elisabeth mit sich genommen. Auch Lazarus ist mit seinen Freunden nach Jerusalem zurückgekehrt, wo er sieben Tage Dienst am Tempel hat.

Wirken in Hebron

David-Stadt Hebron

Do. 16.

Zum heutigen Fest der Vertreibung der Sadduzäer aus dem Synedrium sind drei Triumphbogen in Hebron um die Synagoge gebaut, an denen Weinlaub, Ähren und allerlei Blumenkränze angebracht sind. Man zieht auch in einer Prozession durch die Straßen, und es werden Blumen gestreut; denn schon heute wird das Fest des morgen abend beginnenden Monats Sebath gefeiert und ebenso das Fest anläßlich des Eintre­tens des Saftes in die Bäume und des Rei­fens der vierjährigen Bäume. Das Saddu­zäer-Vertreibungsfest paßt gut zu dem Tage, da die Bäume aufleben, während jene die Auferstehung leugnen.

Der Herr lehrt in der Synagoge sehr stark wider die Sadduzäer und spricht von der Auferstehung der Toten. Auch Pharisäer aus Jerusalem sind zum Feste anwesend; sie streiten hier nicht mit Jesus, sondern be­nehmen sich höflich, da die Einwohner Hebrons sehr wohlgesinnt und gerecht sind.

Jesus heilt in Privathäusern und vor den Synagogen viele Kranke, meistens Arbeits­leute, Lahme, Ausgezehrte, Gichtbrüchige und einige Schwachsinnige und Angefoch­tene.

Fr. 17.

Der Herr heilt den ganzen Tag die herbei­gebrachten Kranken und lehrt von einem hohen Lehrstuhl herab, den man auf die Eingangsstufen zur Synagoge gesetzt hat, damit Ihn alle Einwohner und Festbesucher hören können. Auch Kranke liegen auf klei­nen Betten und sitzen auf Matten um den Lehrstuhl. Den ganzen Platz füllt die große Menge des Volkes.

Abends gibt der Herr zur Sabbatlektion eine Erklärung von der Auslösung der Erstgeburt, wobei Er einmal sagt: „Wenn Sonne und Mond sich verfinstern, bringt die Mutter das Kind zum Tempel zur Auslösung.“ Er wendet den Auszug aus Ägypten in der heutigen Lektion auf die Geburt des Menschen an; und es läßt sich vermuten, daß der obige Ausspruch auf die Darstellung Jesu im Tem­pel durch Maria hindeutet als Vorbild jener Stunde, in welcher der Erlöser durch Seine Hingabe in den Tod am Kreuze Sich Selbst als die vollgültige Auslösung dem himm­lischen Vater darbrachte.

Es widerspricht Ihm niemand. Alles ist sehr still und aufmerksam. Als Er zum Schluß vom Tode der Propheten und in Verbindung damit auf eine ganz eigene und rührende Weise von Johannes dem Täufer spricht, wird die Stille in der Synagoge immer grö­ßer. Alle sind sehr erschüttert; viele Leute weinen leise, und selbst die anwesenden Pha­risäer sind sehr bewegt. Mehrere Verwandte und Freunde des Täufers aber erhalten eine innere Erleuchtung, als sei Johannes wohl auch getötet, und sinken vor Betrübnis in Ohnmacht. Nachdem Jesus die Ohnmäch­tigen hat unterstützen lassen, setzt Er Seine Rede fort.

Nach der Predigt besucht der Herr eine hier in Hebron verheiratete Nichte Elisabeths, die ebenfalls in Ohnmacht gesunken war. Auch Maria und die heiligen Frauen waren vor ihrer Abreise mehrmals dort gewesen. Heute nun speist der Herr hier mit allen Seinen noch anwesenden Jüngern und Ver­wandten und erzählt auf ihre Fragen hin die näheren Umstände während und nach der Ermordung des Täufers. Er weint mit den Anwesenden und spricht innige Worte des Trostes.

Des Täufers Geburts-Stadt Juta

Sa. 18.

Nachdem Er vormittags in Juta gelehrt hat, heilt Er nachmittags in Begleitung von zehn Leviten in den Häusern der Umgegend. Nach der Sabbat-Schlußlehre kommt Joseph von Arimathäa zum Mahl der Leviten und ladet den Herrn nach Jerusalem ein, wo sich viele gute Kranke nach Ihm sehnen, die Joseph im Cönakulum versammeln will, damit Jesus sie heile. Er könne jetzt ruhig dort sein, weil Pilatus und Herodes über den eingestürzten Bau in Streit, und die jüdischen Obrigkeiten mit ihrer Aufmerksamkeit auf diesen Streit gerichtet seien. Jesus verspricht, zum Cöna­kulum zu kommen, bevor Er nach Galiläa zurückkehre.

So. 19.

Der Herr besucht heute das Grab des Zacha­rias nahe bei dessen Hause. Es ist beschlos­sen worden, daß des Johannes Leib von Ma­chärus abgeholt und hier begraben werden soll. Der Neffe und die Jünger räumen da­her in dem Grabgewölbe, und es ist rührend, zu sehen, wie Jesus dem Täufer ein Grab bereiten hilft. Hierbei erweist Er auch den Ueberresten des Zacharias Ehre. Elisabeth liegt nicht hier begraben, sondern bei der ersten Fluchthöhle, weiter südöstlich.

Auf Umwegen nach Jerusalem

Herberge vor Libnah

Als Jesus mit etwa zwanzig Freunden und Jüngern Juta verläßt, nehmen die Jünger Tücher, Binden, Spezereien und eine lederne Tragbahre auf einem Esel mit zwecks Ab­holung des Leibes des Täufers. Sie wan­dern in westlicher Richtung gen Libnah, um eine Begegnung mit Pilatus zu vermeiden, der gerade nach Apollonia unterwegs ist, um sich nach Rom einzuschiffen und dort über Herodes Klage zu führen. Abends kehren sie in der Herberge eines kleinen Ortes vor Libnah ein, von wo die Männer aus Juta und Hebron wieder heimkehren, und wo Leute aus Libnah den Herrn empfangen.

Mo. 20.

Im Verlaufe des Tages treffen Saturnin, Judas Barsabas und zwei andere Jünger, die aus Galiläa nach Machärus gereist sind, hier ein und berichten die Ermordung des Täu­fers. Abends treffen noch die Söhne der Maria Heli, die Neffen Josephs von Arima­thäa, die Söhne der Johanna Chusa und Veronika und der Neffe des Zacharias in der Herberge ein und ziehen dann mit dem Esel, der das nötige Gerät trägt, nach Machärus, welches jetzt, bereits von allen Gästen ver­lassen, bis auf wenige Soldaten ganz leer steht.

Priester- und Kreidekalk-Stadt Libnah

Di. 21.

Leviten holen den Herrn in der Herberge zu ihrer Stadt ab. Doch zieht Er bald weiter, da sich Pilatus bereits in Antipatris befindet.

Bergfestung Bethzur

Abends wird Er mit Seiner Begleitung in Bethzur freundlich empfangen. Lazarus und die anderen jerusalemer Freunde erwarten Ihn bereits in der Herberge bei der Syna­goge.

Mi. 22.

Die Vorsteher der Synagoge führen den Herrn selbst in die Häuser, wo Er schwer­kranke alte Leute heilt, unter anderen auch Wassersüchtige. Hierauf besucht Er die Schule und segnet eine große Anzahl von Kindern, zuerst die Knaben und dann die Mädchen.

Unterdes führen zu Machärus, das Herodes bereits verlassen, gutgesinnte Soldaten Vero­nika und die Jünger zum Leichnam des Täufers, den sie waschen und einbalsamie­ren. Das geronnene Blut am Boden sam­meln sie in Büchsen und ziehen nachts ohne Licht auf einsamen Pfaden mit ihrer teuren Last davon.

Lazari Privat-Herberge in der Wildnis

Do. 23.

Ungefähr eine Stunde vor Bethanien kom­men Martha, Magdalena und eine Witwe Salome, die schon lange in Bethanien bei Martha wohnt und durch Josephs Brüder mit der heiligen Familie verwandt ist, dem Herrn in der Herberge Lazari entgegen. Jesus lehrt hier noch bis zur Dämmerung und geht dann nach Bethanien.

Garten-Stadt Bethanien

Er speist und lehrt im Kreis der Freunde und Jünger bis in die Nacht und begibt Sich, als alle zur Ruhe gegangen, zum Ölberg, um dort wieder an einer einsamen Stelle zu beten. Diese Stelle ist nicht immer die im Garten Gethsemane gelegene.

Am Teich Bethesda

Jerusalem

Fr. 24.

Nachdem der Herr mit den Jüngern im Hause der Johanna Chusa vor Jerusalem eingekehrt ist, besucht Er gegen zehn Uhr morgens den Tempel und liest und lehrt das Gesetz an einem Lehrstuhl im Vorhof der Frauen. Man bewundert Seine Lehre und Weisheit, und niemand hindert Ihn oder macht Ihm Einwürfe; denn die Priester, die zugegen sind, kennen Ihn entweder kaum oder sind Ihm nicht entgegen; Seine Haupt­feinde, die Pharisäer und Sadduzäer, befin­den sich auf Erholungsreisen, da zur Zeit Pilatus abwesend ist, und sie nichts zu fürch­ten und nicht so viel zu hüten haben, wie bei seiner Anwesenheit.

Gegen drei Uhr nimmt Jesus im Hause der Johanna Chusa eine kleine Mahlzeit ein und begibt Sich dann mit einigen Jüngern an den Teich Bethesda. Als Er an das geschlossene Tor kommt, pocht Er an, und es öffnet sich vor Ihm.

Er geht an den Kranken vorüber, hinab zu den Gängen, die dem Teiche näher liegen und lehrt hier die Kranken, während die Jünger an die Ärmeren Kleider, Decken, Tücher und Brote austeilen. Den Kranken sind diese Liebesdienste etwas ganz neues.

Hierauf fragt Er mehrere, ob sie glaubten, daß Gott ihnen helfen könne, ob sie wünsch­ten, geheilt zu sein, und ob sie ihre Sün­den bereuen und sich taufen lassen woll­ten. Als Er ihnen aber teils Selber ihre Sün­den sagt, sind sie sehr erschüttert und fra­gen: „Meister, Du bist ein Prophet, Du bist wohl Johannes?“ — Der Herr antwortet in allgemeinen Ausdrücken, wer Er sei, und heilt mehrere, auch Blinde, während die Jünger in den anderen Gängen heilen. Alle aber müssen sich in dem Teich waschen. Zum Schluß befiehlt ihnen der Herr, still nach Hause zu gehen und nicht viel von den Heilungen zu reden bis nach dem Sabbat.

Beim Hinausgehen heilt Er am Ausgange einen schon achtunddreißig Jahre gelähm­ten Heckengärtner, der bereits als der un­heilbare Kranke in der Gegend bekannt ist. Der Geheilte nimmt sein zerlumptes Lager zusammen und geht gesund zum Teich hinab, wäscht sich und ist so eilig und freu­dig, daß er beinahe sein Bett vergessen hätte.

Der Sabbat hat bereits begonnen, und Jesus geht mit Johannes unbemerkt durch das Tor bei des Kranken Hütte hinaus. Der Geheilte weiß noch nicht, wer Derjenige ist, der ihn gesund gemacht hat. Erst später, am 31. März, trifft er den Herrn im Tempel wie­der (J. 5, 1-15).

Bei Sabbatanfang besucht Jesus mit den Jüngern eine Synagoge am Tempelberg, wo auch Nikodemus und die anderen Freunde den Sabbat halten. Er lehrt hier nicht, son­dern betet und hört die Lesungen mit an.

Später geht Er im Tempel bis zum großen Lehrstuhl und spricht zu den Leviten, die dort Öl auf die Lampen gießen, von hohen Dingen. Sie hören anfangs erstaunt zu, doch dann kommen andere und verweisen Ihm Seine Kühnheit, hier zu ungewöhnlicher Zeit und an ungewöhnlichen Stellen herum­zugehen und nennen Ihn verächtlich Gali­läer. Jesus antwortet sehr ernst, mit Hin­weis auf Sein Recht und auf das Haus Sei­nes Vaters, und hinterläßt beim Weggang in den eben noch Lachenden ein Gefühl des heimlichen Schreckens vor Ihm.

Gestern sind die Jünger mit Johannes‘ Leiche in einer Höhle bei Bethlehem ange­kommen und dort über Nacht geblieben. Heute wird der Leib des Täufers zu Juta be­graben.

Heilungen im Cönaculum

Sa. 25.

Vormittags heilen Jesus und die Apostel in den Seitengebäuden des Cönaculums, das, von einem großen Hofe eingeschlossen, am Berge Sion liegt und von Joseph von Ari­mathäa für seine Steinmetzarbeit gemietet ist. Der Heiland heilt ungestört Lahme, Blinde, Gichtbrüchige, Wassersüchtige und Leute mit verdorrten und verkrümmten Händen, Leute mit Geschwüren und auch viele beim Einsturz der Wasserleitung ver­letzte Männer. Dazwischen lehrt Er bald bei dieser, bald bei jener Gruppe; während die heiligen Frauen von Jerusalem zugegen sind, alle möglichen Liebesdienste ausüben und Gaben verteilen.

Nachmittags speist Er mit den Seinen im Cönaculum, und hierbei werden auch Spei­sen, die Jesus gesegnet hat, an die Kranken ausgeteilt. Hierauf begibt Er Sich zum Tem­pel, wo man Ihm am Lehrstuhl ohne Wider­spruch die verlangten Schriftrollen aushän­digt und Ihn ungestört die Sabbatlektion lesen und erklären läßt. Wie gestern, wird auch heute vom Durchzug durch das Rote Meer (Exodus 13, 17-15, 27) und von der Prophetin Debbora (Richt. 4, 4-5, 32) ge­lehrt und auch wieder ein diesbezüglicher Gesang gesungen. Nachher lehrt Jesus zu aller Menschen Erstaunen, und niemand wagt, Ihm zu widersprechen. Nur nachher fragen Ihn einige Pharisäer, wo Er studiert, wo Er das Recht zu lehren erhalten habe und wie Er Sich diese Freiheit herausneh­men könne. Doch Er antwortet so kräftig und ernst, daß sie nichts zu entgegnen wissen.

Jesu Aufenthalt wird dieses Mal in Jerusa­lem wenig bemerkt, da, wie gesagt, Seine Hauptfeinde nicht anwesend sind. Nur am Schluß Seiner heutigen Lehre beginnt man, in der Stadt hier und da wieder von Ihm zu reden. Zudem spricht fast alles vom kürz­lichen Einsturz des Baues, vom Neide zwi­schen Herodes und Pilatus und von des Letzteren Reise nach Rom. Da aber betreffs Jesu diesmal kein Streitfall am Tempel vor­kommt, so spricht man nicht viel von Ihm, sondern sagt nur hier und da, Jesus, der Galiläer, soll in der Stadt sein; und manche meinen hierzu, wenn Er nicht mit vielen Tausenden hier sei, werde Er nichts aus­richten.

Gartenstadt Bethanien

Abends speist der Herr mit den Jüngern und Freunden im Festhaus des Pharisäers Simon in Bethanien. Simon ist krank, sein Aussatz beginnt bereits in Form des Auf­tretens von roten Flecken. Jesus besucht ihn in seinem fernen Gemach. Später nimmt der Herr im Schlosse Lazari von den Frauen Abschied und läßt Sich noch nachts von den Jüngern, die von der Abholung des Leibes des Täufers von Juta ankommen, ihre Erlebnisse erzählen. Zwei Soldaten, die sich bekehrt haben, sind von Machärus mit­gekommen, und Lazarus erklärt sich bereit, für deren Unterkunft zu sorgen. Jesus sagt unter anderem zu den Jüngern: „Wir wol­len uns an einen einsamen Ort begeben, ausruhen und trauern, nicht um Johannis Tod, sondern darüber, daß dies so kommen mußte.“

Aber, wie wird Er ausruhen? Denn die Apo­stel und Jünger sind bereits von ihren Lehr­reisen nach Kapharnaum zu Maria zurück­gekehrt und eine ganz erstaunliche Volks­menge ist von allen Orten, wo jene gepre­digt hatten, und aus noch ferneren Gegen­den, aus Syrien und vom Lande Basan, her­angezogen; und die ganze Gegend um den Lehrberg der Seligkeiten hat sich mit Lagern von Ankömmlingen bedeckt, die auf Jesum warten.

Josephs Werkstatt bei Lebona

So. 26.

Nach einem ganztägigen Marsch von elf Stunden erreicht der Herr mit den sechs Aposteln und vielen Jüngern den samaritischen Ort Lebona. Hier besucht Er am Südfuß des Berges Garizim eine einstige Werkstatt des hl. Joseph, in welcher dieser vor seiner Vermählung mit Maria gearbeitet hatte. Die dort wohnende Levitenfamilie nimmt mit Freuden die unerwartete Reise­gesellschaft auf.

Grenz-Doppelstadt Aser-Michmethat

Mo. 27.

Am Nachmittag kehrt der Herr mit Seiner Begleitung in der Jüngerherberge bei Aser zur kurzen Ruhepause ein und geht dann noch abends bis zum Hotel vor dem Tore von Thirza.

Die Auslösung der Gefangenen

Obst- und Getreide-Stadt Thirza

Di. 28.

Am andern Morgen trifft Jesus am Stadt-Brunnen von Thirza mit fünf Jüngern zu­sammen, die von Nordosten herkommen. Zwei von ihnen berichten ihre Reise in der Dekapolis, die Jesus ihnen am 12. Dezem­ber 32 aufgetragen; die drei anderen er­zählen, daß alle nach Nord-Galiläa aus­gesandten Jünger wieder zurückgekehrt seien, und daß um Kapharnaum riesige Menschenmengen lagern und auf die Rück­kunft Jesu warten.

Hierauf besucht der Herr mit den Jüngern das in ein Krankenhaus und Gefängnis um­gewandelte Festungsschloß mitten in der Stadt, lehrt, heilt und tröstet in allen Zellen die Kranken, wobei die Jünger tragen hel­fen und auch selbst heilen. Auch befreit Er Besessene, heilt Aussätzige und läßt zum Schluß für die armen Kranken Kleider, Decken, Speisen und Getränke von den Jün­gern aus der weiter nördlich liegenden Jün­gerherberge bei Bezech holen. Auf diese Weise läßt Er die arg vernachlässigten Kran­ken, denn die Aufsicht ist hier nicht gut, an der Freude des Enorumfestes teilnehmen, welches heute in Thirza mit vielen Belusti­gungen gefeiert wird.

Doch der gütige Heiland denkt auch an die armen Gefangenen in den anderen Gebäu­den der Festung; und nun beginnt sein Be­such im Gefängnis und jene Auslösung der Gefangenen, die bereits oben (Seite 105) geschildert ist.

Unterdes hat sich in der ganzen Stadt das Gerücht von Jesu Taten verbreitet, denn viele Geheilte erscheinen und versammeln sich in der Synagoge, die sich schnell füllt; auch Pharisäer, Sadduzäer und heimliche Herodianer sind unter den Hörern. Bald er­scheint der Herr und predigt über das Enorum-Fest und dessen Bedeutung, lehrt von der fünften Seligkeit (Mt. 5, 7) : „Selig sind die Barmherzigen“ und erzählt die Parabeln vom verlorenen Sohn (L. 15, 11) und vom unbarmherzigen Knecht (Mt. 18, 23). Er erzählt auch von den Gefangenen und Kranken in der Festung und von ihrem Elende, wie sie vergessen und vernachlässigt seien, und wie andere sich mit dem berei­cherten, was zu deren Unterhalt ausgesetzt sei. Auch redet Er scharf gegen die Pfleger der Anstalten, von denen sich einige unter den anwesenden Pharisäern befinden, die mit stummem Grimm zuhören. Die Parabel vom verlorenen Sohn legt Er auf jene aus, die wegen Verbrechen gefangen sitzen und Reue haben, um sie mit den anwesenden Angehörigen auszusöhnen, und alle sind sehr gerührt. Die Parabel vom unbarmher­zigen Knecht aber legt Er auf jene aus, die die Gefangenen verschmachten ließen wegen kleiner Schuld, während ihnen selbst so große Schuld bis jetzt von Gott nach­gelassen worden sei.

Dann erfolgt im Gefängnis der Abschluß der Auslösung und die Freudenspeisung der Befreiten, wobei Jesus und die Jünger bei Tisch bedienen. So war das ganze große, sonst so finstere Gebäude auf einmal mit Freude erfüllt. Der Herr übernachtet mit den Seinen im Hotel vor Thirza.

Diese Ereignisse werden bald dem Herodes Antipas hinterbracht und bewegen ihn zu der Annahme, Johannes sei in Jesus wieder von den Toten auferstanden (Mt. 14, 1).

Kurort Bethulia

Mi. 29.

Das Gilboa-Gebirge links liegen lassend, wandert der Herr mit den Seinen durch das Tal bei Abez nordwärts und kehrt abends in einem der Hotels des Kurortes Bethulia ein. Auch einige Pharisäer von Thirza rei­sen in derselben Richtung, und zwar gen Kapharnaum, um dort gegen den Herrn zu arbeiten. Unterdes sind Johanna Chusa, Veronika und eine Verwandte des Täufers aus Hebron mit Knechten in Machärus an­gekommen, um nach dem Haupte des Täu­fers zu forschen. Man verspricht ihnen das­selbe, sobald die Kloake geöffnet und ab­gelassen sein wird.

Die Untersuchungs-Kommission

Herberge vor Damna

Do. 30.

Gegen Mittag erreicht Jesus die Herberge vor Damna, wo Er mit Seiner Mutter, deren Freundinnen und den sechs anderen Apo­steln und weiteren Jüngern zusammentrifft. Freude des Wiedersehens mischt sich jedoch mit Trauer über die Kunde von den nähe­ren Umständen von Johannis Tode. Alle schildern dann den großen Zulauf der Mas­sen um und in Kapharnaum, warnen den Herrn aber auch vor dem Treiben der Phari­säer.

Es sind durch die Ferienreisen in dieser Zeit nicht weniger als 64 Pharisäer aus allen Gegenden zusammengekommen. Schon auf der Herreise haben sie den berühmtesten Heilungen Jesu nach Art einer Unter­suchungs-Kommission nachgeforscht, auch die Witwe Maroni von Naim und ihren Sohn Martialis, dann den Sohn des römischen Hauptmanns Achias zu Gischala, den Sohn des Serobabel, den Knecht des Cornelius, und die Tochter des Jairus unter vielen Zeugen streng verhört und untersucht; und ihr Grimm wächst im gleichen Verhältnis zu den Beweisen der Echtheit der Wunder Jesu.

Erneuter Massenandrang in Kapharnaum

Von alledem, auch von dem Massenandrang in Kapharnaum eingeschüchtert, versuchen die Verwandten und Freunde nun, den Herrn vom Besuch Kapharnaums fernzuhal­ten und schlagen Ihm als Aufenthalt Naim, Hebron oder die Gegend des Ostjordan­landes vor; doch Jesus beruhigt sie und er­klärt, Er werde nach Kapharnaum gehen, heilen und lehren; und wenn Er den Fein­den gegenüberstehe, würden sie schweigen. Dann gibt Er noch den Jüngern Verhal­tungsmaßregeln für die nächste Zeit, speist mit den Seinen, und alle wandern noch spät­abends in getrennten Gruppen östlich über Serobabels Dorf nach dem Tal von Kaphar­naum zum Hause Mariä. Hier besucht Jairus noch in der Nacht den Herrn. Man hat ihn seines Amtes als Synagogenvorsteher ent­hoben, und er wird nun ganz ein Anhänger Jesu.

Kapharnaum

Fr. 31.

Kapharnaum ist überfüllt von Fremden, Kranken und Gesunden, Juden und Heiden. Alle umliegenden Täler und Höhen sind mit Lagern bedeckt. In allen unbebauten Trif­ten und Bergwinkeln grasen die Kamele und Esel der Karawanen. Auch jenseits des Sees sind die Täler und Höhen mit Menschen übersät, und alle warten auf Jesus. Es sind Leute aus allen Teilen Palästinas, auch aus Syrien, Arabien, Phönizien und sogar aus Cypern hier.

Die Massenheilung im Krankenhaus

Nachdem der Herr heute früh den Sero­babel und Cornelius und die Familie des Jairus besucht hat, begibt Er Sich in das städtische Krankenhaus, das mit Kranken überfüllt ist. Auch Heiden sind zugegen, die sonst nie hier gewesen. Die Menge ist so groß, daß die Jünger einzelne Gerüste ge­macht haben, um den einen Kranken höher als den anderen zu legen. Nicht allein der Herr wird überall von Bittenden umdrängt, auch die Apostel und Jünger werden überall angerufen und angebettelt: „Du bist ein Jünger des Propheten! Erbarme dich mein, hilf mir, bringe mich zu Ihm!“

Jesus, die Apostel und 24 Jünger lehren und heilen den ganzen Morgen; auch Be­sessene schreien den Herrn an und werden von Ihm befreit. Pharisäer sind nicht zu­gegen, aber doch manche Spitzel und Halb­gesinnte. Gegen Mittag begibt Sich der Herr in die Halle, wohin Ihm viele Geheilte und andere Menschen folgen, und Er beginnt mit der Lehre vom zuversichtlichen und beharr­lichen Gebet (L. 11, 9-13), mit dem An­fang des Vaterunsers (Mt. 6, 9), erzählt das Gleichnis vom ungerechten Richter (L. 18, 1-8) und erklärt wieder die acht Selig­keiten (Mt. 5, 3-10) ; während die Jünger teils mit Heilen fortfahren, teils bei der Lehre Jesu zugegen sind.

Maria hat mit ihren verwandten und ande­ren Frauen und mit den Söhnen von Josephs Brüdern aus Dabrath, Nazareth und aus dem Tale Zabulon in einem Vorgebäude des Krankenhauses Speisen für den Herrn und die Jünger bereitet; denn sie haben bei großer Anstrengung mehrere Tage keine ordentliche Mahlzeit genommen. Als Jesus auch gegen drei Uhr nachmittags nicht mit Seiner Lehre aufhört, tritt Maria mit ihren Verwandten an die dicht gedrängte Men­schenmenge heran; doch können sie unmög­lich zu Ihm herankommen; aber die Rede von ihrem Begehren, Er möge doch etwas Speise zu Sich nehmen, dringt bis zu einem der Spitzel in der Nähe Jesu hindurch. Da nun der Herr soeben mehrmals Seinen himmlischen Vater erwähnt hat, sagt dieser Mann, nicht ohne heimlichen Hohn zu Ihm: „Siehe, Deine Mutter und Deine Brüder stehen draußen und wünschen mit Dir zu sprechen!“ — Jesus sieht ihn an und er­widert: „Wer sind Meine Mutter und Meine Brüder?“, und Er drängt die zwölf Apostel in eine Gruppe zusammen, stellt die Jünger neben sie, streckt die Hand über sie aus und sagt, auf die Apostel zeigend: „Diese sind Meine Mutter“, und auf die Jünger zeigend: „Und diese sind meine Brüder!“ (Mt. 12, 46-50). Dann lehrt Er weiter, schickt aber die Jünger abwechselnd zum Essen.

Die Heilung der verdorrten Hand

Zum Sabbat-Anfang begibt Sich der Herr zur Synagoge. In der Vorhalle bittet Ihn ein Mann mit einer verdorrten Hand um Hilfe. Jesus heißt ihn warten. An Stricken herbei­geführte Besessene schreien Ihn an. Der Herr befiehlt ihnen, sich am Eingang des Sabbathauses niederzulegen und zu warten; und sie gehorchen. Mit Mühe gelangt Er durch die Menge draußen und drinnen zum Lehrstuhl und beginnt die Lesung von Jethro und Moses, von der Gesetzgebung (Exod. 18 bis 21) und von der Reinigung des Isaias mit der glühenden Kohle (Is. 6, 1-13).

Die anwesenden Pharisäer und Herodianer wagen wegen der vielen Jesum verehrenden Fremden nicht, Ihn ohne einen Schein­grund zu stören. Überhaupt leisten sie Ihm unter solchen Umständen nicht gern offenen Widerspruch, da Er sie durch Seine treffen­den Antworten vor allem Volk zu beschä­men pflegt; doch wenn Er fort ist, suchen sie auf alle Weise die Leute von Ihm ab­wendig zu machen und Lügen über Ihn aus­zusprengen.

Nun wissen sie um jenen Mann mit der ver­dorrten Hand, und Jesus beantwortet ihre versuchende Frage: „Ist es erlaubt, am Sab­bat zu heilen?“, mit einer unwiderleglichen Gegenfrage und mit der Heilung der ver­dorrten Hand (Mt. 12, 9) und gleich darauf mit der Heilung eines taubstummen Beses­senen, worauf Ihn die Pharisäer des Bundes mit dem Teufel bezichtigen (Mt. 9, 32-34). Doch Jesus verteidigt Sich mit dem Hinweis auf den guten Baum, der gute Früchte bringt (Mt. 12, 33-37; J. 8. 46). Als der Lärm der Feinde überlaut wird, entzieht Er Sich ihnen mit den Jüngern unter der Menge und geht auf Umwegen zum Hause Mariä, wo Er mit den Seinen speist und die Frauen tröstet. Er übernachtet mit den Aposteln und 24 Jün­gern im Hause Petri am Taufbrunnen.

Febr. Sa. 1.

Der Herr hat sich heute mit Seinen Apo­steln und Jüngern in das am Taufbrunnen befindliche Haus Petri zurückgezogen.

Petrus hat schon seit der letzten Berufung seine Haushaltung in sein Haus dicht vor der Stadt verlegt, und dieses Haus hier, weil es abgelegener liegt, der Zuflucht Jesu und der Jünger eingeräumt.

Während die in und um Kapharnaum lagern­den Fremden den Herrn vergeblich erwarten und suchen, läßt Er Sich von den Aposteln und Jüngern, die abgesondert, je zwei und zwei, wie sie am 15. Dezember ausgezogen waren, vor Ihn treten, ihre Erlebnisse auf den Missionsreisen erzählen (Mk. 6, 30), löst ihnen die Zweifel und Schwierigkeiten, die sie gelegentlich gehabt, und belehrt sie praktisch für die Zukunft. Die sechs gen Nordgaliläa mit ihren Jüngern gereisten Apostel sind bei der Bevölkerung auf weni­ger Widerstand gestoßen als die anderen gen Judäa Gezogenen. Die ersteren haben auch getauft, die anderen nicht.

In der Nacht nach dem Sabbat entfernen Sich Jesus und die Seinen möglichst unauf­fällig aus dem Hause Petri und begeben sich auf Umwegen und einzeln zur Schiffstelle Petri, schiffen sich ein und fahren zum Nordostufer hinüber. Doch man be­merkt ihre Abfahrt, und viele Menschen fahren ihnen nach oder eilen zu Fuß über die Jordanbrücke im Norden hinüber.

Karte Nr. 26
1-Fahsel Emmerick Karte 26

Die Rangerhebung der Apostel

Berg bei Matthäi Zollstätte

So. 2.

Am frühen Morgen sind sie bereits wieder von vielen Menschen umdrängt, denn auch die an diesem Ufer Lagernden haben den Herrn bemerkt. Er läßt durch die Jünger das Volk ordnen, lehrt wieder von den Seligkeiten und legt den Anfang des Vater­unsers aus. Nach und nach mehrt sich die Menge der Hörer, es kommen Leute aus allen umliegenden Städten und bringen Kranke und Besessene mit, und Jesus und die Jünger heilen sehr viele.

Gegen Mittag kommen auch die übrigen Jünger, die teils soeben in Kapharnaum eingetroffen waren, teils mit überfahren von Menschen beschäftigt gewesen sind. Am Nachmittag bestellt der Herr die Hörer auf Morgen zur Predigt auf dem Lehrberg bei Bethsaida-Julias, und begibt Sich mit den zwölf Aposteln nebst den zwei Soldaten aus Machärus und 72 Jüngern auf den näch­sten Berg an einen einsamen schattigen Ort, und wiederholt Ähnliches wie das bei der Aussendung am 5. Januar (Mt. 10, 9 ff.) Gesagte. Er redet auch vom Salz und Licht der Welt und Vieles, was bei Matthäus (10, 1-42) an apostolischen Unterweisun­gen geschrieben steht.

Das Hauptereignis des Tages jedoch ist, daß Er heute die Apostel in bestimmter Weise den Jüngern durch Rangerhöhung vorsetzt und ihnen sagt, daß sie dieselben senden und rufen sollen, wie Er sie sende und rufe. Auch unter den Jüngern richtet Er Rangunterschiede ein und setzt die älteren und unterrichteteren den jüngeren und neueren vor. Die Apostel stellt Er hierbei zu Zwei und Zwei, den Petrus und Johannes voran; die älteren Jünger stehen im Kreise um sie, und hinter diesen die neueren Jünger nach ihren Graden. Den Aposteln legt Er noch­mals zu dieser Rangerhöhung die Hände auf, die Jünger segnet Er nur. Alles dies geschieht mit großer Stille und Rührung, ohne daß jemand hierbei widerspricht oder eine ärgerliche Empfindung hat.

Unterdes ist es Abend geworden, und Jesus nimmt Andreas, Philippus, Johannes und Jakobus Minor mit Sich tiefer ins Gebirge, wo Er die Nacht mit ihnen zubringt. Zuerst betet Er allein, meist mit ausgebreiteten Armen zum Himmel schauend, dann beten alle gemeinschaftlich mit dazwischen ein­geschobenen Belehrungen seitens Jesu. Die anderen Apostel und Jünger übernachten auf den Schiffen und in einzelnen Garten­häusern am Ufer.

Die Speisung der Fünftausend

Lehrberg bei Bethsaida-Julias

Mo. 3.

In der Frühe ziehen die Scharen auf den Lehrberg bei Bethsaida-Julias, wo Jesus schon in der ersten Hälfte des Dezember die sogenannte Bergpredigt der Seligkeiten be­gonnen und mehrmals fortgesetzt hatte. Die Jünger ordnen das Volk in üblicher Weise. Der Herr erscheint bald und beginnt mit den Aposteln zu heilen und zu lehren. Auch werden viele Neuankömmlinge getauft, und zwar im Kreise kniend, durch Besprengung über je drei und drei mit Wasser, das in Schläuchen heraufgebracht worden ist.

Jesu Mutter und die heiligen Frauen sind auch gekommen und helfen den kranken Frauen und Kindern; sprechen aber nicht mit Jesus und kehren am Nachmittag nach Kapharnaum zurück. Den Inhalt der Lehre bilden die Seligkeiten, wobei Er heute bis zur sechsten (Mt. 5, 8) kommt, und einzelne Bitten des Vaterunsers (Mt. 6, 9). In der Zeit von vier bis sechs Uhr vollzieht sich die wunderbare Speisung der Fünftausend, die bei Markus (6, 35-44) und Johannes (6, 5-15) und im vorliegenden Buch unten im Kapitel über die Wunder Jesu eingehend beschrieben ist.

Bei Anbruch der Dämmerung fahren die Jünger auf Geheiß des Herrn mit den gefüll­ten zwölf Körben nach Bethsaida hinüber, um deren Inhalt drüben den Armen auszu­teilen, während Jesus etwas später mit den Aposteln zum Schiffe Petri hinabsteigt, dort die Menge entläßt, die Apostel und einige ältere Jünger abfahren heißt, und Sich Selbst in die Einsamkeit zurückzieht (Mt.14, 22-23), da Er voraus weiß, daß die durch die wunderbare Speisung begeisterte Menge Ihn zu ihrem Könige machen will (J. 6, 14 bis 15).

Der zweite Wandel auf dem See

Durch widrigen Wind werden die Apostel und die bei ihnen anwesenden Jünger in der Nacht auf dem See aufgehalten (Mt. 14, 24). Als die, alle zwei Stunden sich ab­lösenden, auf dem See üblichen Nacht­wachenschiffe, die mit ihren Fackeln an­deren Schiffen die Richtung anzugeben pflegen, mit der vierten Abwechslung (Mt. 14, 25) unterwegs sind, sehen ihre Insassen den Herrn über den See wandeln; und nun ereignet sich fast das gleiche wie in der Nacht vom 12. zum 13. Dezember (Mt. 14, 25-33), was näher weiter unten im Kapitel der Wunder Jesu zur Sprache kommt.

Zoll-Ort bei Dalmanutha

Di. 4.

Mit Sonnen-Aufgang nähert sich das Schiff Petri jenem Eisentransport- und Zoll-Ort, den der Evangelist Markus (8, 10) mit der „Gegend von Dalmanutha“ bezeichnet. Kleine Boote kommen dem Schiff entgegen, deren Insassen den Herrn bitten, zu ihnen zu kommen. Sie haben bereits bei Sichtung des Schiffes alle ihre Kranken in Bewegung gesetzt; und Jesus heilt mit den Jüngern in den Straßen des Zoll-Ortes und bis Mittag noch ein klein wenig weiter landeinwärts auf einem Hügel, verbunden mit einer Lehre von den acht Seligkeiten und vom Vater­unser.

Fischsalzerei-Stadt Tarichäa

Gegen Mittag fährt Er mit den Jüngern nach Tarichäa hinüber, wo Ihm alles Volk mit vielen Kranken zuströmt. Nach den Heilun­gen lehrt Er dasselbe wie am Vormittag, wobei auch Pharisäer, Sadduzäer und Hero­dianer zugegen sind. Als die Pharisäer be­ginnen, Ihm den Umgang mit Zöllnern, Sün­dern und schlechten Weibern, sowie die Ver­nachlässigung der Händewaschungen bei den Jüngern und das Heilen am Sabbat vorzu­werfen, nennt Er sie Füchse und wendet sich den im Hintergrund der Hörerschar stehenden Frauen zu, ruft deren Kinder zu Sich heran, belehrt diese, heilt einige von ihnen und stellt sie den Pharisäern vor mit dem Hinweis, daß sie werden müßten wie diese, wobei Er das Wesen und den Wert der Kinder hervorhebt, ähnlich wie am 11. April 33 und wie es Mt. 18, 2-5 ge­schrieben steht.

Gegen Abend fahren mehrere Jünger mit einem kleineren Schiff gen Kapharnaum, während der Herr mit den übrigen nord­östlich den See hinauffährt und unterwegs die Seinen des näheren über die vierte Bitte des Vaterunsers belehrt.

Die Lehre vom Lebensbrot

See-Ufer bei Matthäi Zollstätte

Mi. 5.

Frühmorgens landet Er zwischen Matthäi Zollstätte und Klein-Chorazin, nachdem Er mit den Jüngern auf dem Schiffe etwas wei­ter südlich am Ufer geschlafen hatte. Im Verlauf des Vormittags spricht Er vor etwa hundert Menschen aus dieser Gegend, die sich um Ihn versammelt haben, wiederum über das Vaterunser und fährt erst gegen Mittag nach Kapharnaum hinüber. Er hatte sich gestern besonders deshalb entfernt, um die Begeisterung jener Menge, die Ihn zum König ausrufen wollte, etwas verrauchen zu lassen.

Kapharnaum und Umgebung

Nach unbemerkter Landung trifft Sich Jesus im Hause Petri mit Lazarus, der mit Veroni­ka’s Sohn Amandor und anderen Bekannten angekommen ist, und der nun mit dem Herrn betreffs des Verkaufes von Magdalum und der Zahlung des Lösegeldes für die Gefan­genen von Thirza (28. Januar 33) spricht. Auch die reiche Witwe Maria Salome ist mitgekommen.

Hierauf begibt Er Sich zu einer bequemen Stelle südlich am Wege, der nach Bethsaida führt, wo Ihn mehrere von denen, die Ihn gestern und heute vergeblich gesucht, er­staunt fragen, wann Er herüber gekommen sei, worauf Er ihnen ihr Streben nach ver­gänglicher Speise vorhält und ihnen das Bemühen um Seine ewige Speise anemp­fiehlt. Hiermit beginnt Er die große Lehre vom eucharistischen Lebensbrot, die der Evangelist Johannes am Ende seines sechsten Kapitels kurz zusammengefaßt hat (6, 25 ff.). Doch sagt Er heute noch nicht, daß Er Selbst das Brot des Lebens sei. Die Apo­stel und stärkeren Jünger fragen hierbei nicht, denken nach und verstehen es teils oder lassen es sich nachher erklären.

Abends speist der Herr mit den Aposteln, mit Lazarus, Cornelius und Jairus im Hause des königlichen Beamten Serobabel. Bei Tisch ist viel von Johannes dem Täufer die Rede.

Die Scheidung der Jünger

Do. 6.

Jesus setzt die gestern begonnene Lehre vom Lebensbrot am selben Orte fort (J. 6, 35 bis 51). Ein paar tausend Menschen sind zugegen, die abwechselnd vor- und zurück­treten, um besser zu hören. Jesus wechselt öfter den Standort, wiederholt mit großer Liebe und Geduld mehrfach dieselbe Lehre und widerlegt oft dieselben Einwände. Von einem abgesonderten Orte aus hören auch viele verschleierte Frauen zu. Die Pharisäer gehen ab und zu, fragen und zischeln ihre Zweifel wieder unter dem Volke aus, ziehen sich schließlich lächelnd und die Schultern zuckend zurück und geben denen, die ohne­hin wankend sind, Blicke voll eiteln Hohnes. Es herrscht unter der Menge eine außer­ordentliche Spannung, ein Nachdenken und ein Disputieren, besonders über Jesu Worte vom „Ziehen des Vaters“, und vom „Auf­erwecken am Jüngsten Tage“.

Gewisse neu hinzugekommene, einseitige Johannesjünger, von eifriger oberflächlicher Art, durch die sich die bisherige Zahl der Jünger Jesu von 36 bis auf 72 erhöht hat, geraten in bedenkliche Zweifel und irrige Auffassungen.

Fr. 7.

Tagsüber spricht der Herr auf derselben Anhöhe über bestimmte Lehren aus der so­genannten Bergpredigt (Mt. 5, 1-13, 52) ; aber die allgemeine Spannung der Hörer ist betreffs des gestrigen Themas so groß, daß man Ihn bei der abendlichen Synagogenlehre mit Anfragen über das Lebensbrot unterbricht, worauf Er dieses Thema fort­setzt (J. 6, 52-59). Am Schluß sind alle sehr erregt, und die Pharisäer fahren fort, die Hörer wider den Herrn aufzuhetzen. Es dreht sich jetzt das Disputieren um die Frage: „Wie kann Er uns Sein Fleisch zu essen geben?“

Doch Jesus legt alles aus den Propheten, besonders aus Malachias aus und zeigt die Erfüllung desselben in Johannes dem Täu­fer; und als man Ihn fragt, wann Er ihnen denn diese Speise geben wolle, gibt Er den Zeitpunkt in einer Zahl von Wochen an, die, ausgerechnet, ein Jahr, sechs Wochen und etliche Tage ergeben. (Also Ende März 34).

Sa. 8.

Morgens und abends predigt der Herr in der Synagoge über die sechste und siebente Bitte des Vaterunsers (Mt. 6, 13) und über die erste Seligkeit: „Selig sind die Armen im Geiste“ (Mt. 5, 3). Hiermit verwirft Er nicht die Wissenschaft, sondern sagt nur, die, welche gelehrt seien, sollten es nicht wissen, ebenso wie die Reichen es nicht wissen sollten, daß sie reich seien. Da mur­ren wieder einige und erwidern, wenn man es nicht wisse, könne man auch weder das Wissen noch das Geld verwenden; worauf Er ihnen erklärt, was Demut vor Gott be­deute, von dem alle Weisheit und alle Güter stammen, und ohne welcher alle Weisheit und alles Geld ein Greuel sei.

Hierauf fragen sie Ihn wieder aus der gestri­gen Lehre vom Brot des Lebens und vom Essen Seines Fleisches und Trinken Seines Blutes, und als Er ihnen alles dies ganz be­stimmt sagt, murren selbst viele Seiner Jünger und sagen: „Diese Rede ist hart, wer kann das mitanhören?“ (J. 6, 60). Er er­widert, sie sollten sich nicht ärgern, es würden noch ganz andere Dinge kommen, man werde Ihn verfolgen, und sogar die Getreuesten würden Ihn verlassen und flie­hen. Da werde Er seinem Feinde in die Arme laufen (d. h. von Judas umarmt werden), und man werde Ihn töten; Er werde aber die Fliehenden nicht verlassen, Sein Geist werde bei ihnen sein. Und dann führt Er dasjenige aus, was Johannes im sechsten Ka­pitel (61-65) kurz berichtet.

Nun treten etwa dreißig Seiner neueren Jünger näher zu den Pharisäern und flü­stern und murren mit diesen (J. 6, 66) ; die Apostel und älteren Jünger aber scharen sich um Jesus, und Er lehrt noch laut, es sei gut, daß jene anderen sich offenbarten, wes Geistes Kinder sie seien, ehe sie größe­res Unheil verursachten.

Beim Verlassen der Synagoge versuchen die Pharisäer und die abtrünnigen Jünger, Ihn in eine weitere Disputation hineinzuziehen; doch die Apostel, die guten Jünger und Freunde umgeben Ihn, und Er entkommt der Zudringlichkeit der Gegner unter gro­ßem Lärm, Gedränge und Geschrei.

Der Herr begibt Sich mit den Seinen in ge­trennten Gruppen zur Nordhöhe der Stadt, trifft mit ihnen an verabredeter Stelle zu­sammen, belehrt sie noch über die Ärgernisse dieses Abends und fragt die Zwölfe, ob auch sie Ihn verlassen wollen. Da spricht Petrus für alle: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir glauben und wissen, daß Du der Heilige Gottes bist!“ Jesus erwidert ihnen: „Habe Ich nicht euch als die Zwölf auserwählt? Und doch ist einer von euch ein Teufel“, womit Er Judas Ischariot meint (J. 6, 67 bis 71).

Nachdem sie im Hause Petri am See gespeist, besucht der Herr noch Seine Mutter, die mit den anderen Frauen ebenfalls den letz­ten Lehren Jesu auf der Höhe und in der Synagoge beigewohnt hat. Maria betet, nach­dem der Herr sie spät verlassen, noch stehend in dieser Nacht, empfängt eine innere Anschauung der Mysterien Christi und wird dermaßen von Demut und Ehr­furcht überwältigt, daß sie ganz in Tränen zerfließt; doch hüllen sich diese ihre An­schauungen wiederum in dem Gefühle der mütterlichen Liebe zu dem göttlichen Sohne ein, ähnlich wie die Gestalt des Brotes den lebendigen Gott im Sakrament verhüllt.

Reise durch Mittel-Galiläa

Handels-Stadt Kana

So. 9.

Der Herr folgt mit den Aposteln und den treugebliebenen Jüngern einer Einladung seitens Nathanael von Kapharnaum (des damaligen Bräutigams von Kana), um dann von Kana aus mit den zwölf Aposteln und dreißig Jüngern eine Lehr-Reise durch Gali­läa zu unternehmen (J. 7, 1).

Nahe der Garnisons-Stadt Gischala

Mo. 10.

Auf dem Wege bei Gischala offenbart Er den Zwölfen ihre Gemütsveranlagung und innere Gesinnung und stellt sie dement­sprechend in drei Gruppen oder Reihen auf, und zwar in die erste den Petrus, Andreas, Johannes, Jakobus Major und Matthäus; in die zweite den Thaddäus, Bartholomäus und Jakobus Minor; in die dritte den Thomas, Simon, Philippus und Judas Ischariot.

Unter anderem sagt Er bei dieser Gelegen­heit wieder: „Einer von euch ist ein Teufel“ (wie J. 6, 71). Auch sagt Er ihnen hier alles, was sie denken und erwarten, und sie sind ganz erschüttert und bewegt davon. Judas Barsabas steht aber nahe bei den Aposteln und vor den sie umgebenden Jüngern, und so stellt Er ihn mit in die zweite Reihe und spricht auch von ihm.

Tyrer-Stadt Cydessa

Di. 11.

Der Herr besucht mit den Seinen Cydessa, wo viele Heiden von tyrischer Abkunft woh­nen. Pharisäer von der jerusalemischen Kommission (vgl. 30. Januar 33) haben Jesu heutige Ankunft vorher ausgekund­schaftet, und sind von Kapharnaum hier­her gekommen, um auf den Herrn zu lauern.

Mi. 12.

Es sind nur noch wenige Kranke in Cydessa, die aber Jesus noch heilt. Am Schluß Seines Lehrvortrages begehren die Schriftgelehrten und Pharisäer von Ihm ein Zeichen vom Himmel zur Bestätigung Seiner Sendung, worauf Er sie auf das Zeichen des Jonas hinweist und dessen Aufenthaltsdauer im Bauche des Walfisches als Vorbild für die Aufenthaltsdauer des Menschensohnes im Schoße der Erde erklärt (Mt. 12, 38-42).

Erneute Verleihung von Gnadengaben

Herberge nördlich von Nephthali

Auf der Weiterreise und in der Herberge nördlich von Nephthali unterrichtet Jesus die Jünger und Apostel, wie sie fortan in derselben Art und Weise wie Er Selbst hei­len und exorzisieren sollen, nämlich durch Händeauflegung und Salbung, und Er ver­leiht ihnen hierfür die Kraft und die gei­stige Gabe der Unterscheidung. Katharina Emmerich schaut hierbei Strahlen von verschiedener Farbe nach ihnen zustrahlen, je nach den Arten der Gabe und der Disposition der Empfänger. Sie aber bekennen: „Herr, wir fühlen eine Kraft in uns; Deine Worte sind Wahrheit und Leben“; und nun weiß jeder von ihnen, wie er in jedem Falle hei­len soll ohne Wählen; und sie tun dies in der Folge so, ohne nachzusinnen.

Tobias‘ Geburtsstadt Nephthali

Do. 13.

Während heute der Herr im Sabbathaus zu Nephthali lehrt, kommt jene militärische Abordnung von Herodes Antipas aus Hes­bon nach Kapharnaum, deren Erkundigung über Jesus weiter unten im Kapitel der Feinde und Gegner Jesu im Abschnitt „Herodes“ näher berichtet wird.

Elkasa am Jordan

Noch am selben Abend kommt der Herr mit den Seinen in Elkasa an, wo Juden und Hei­den wohnen und wohnt bei den Leuten, die Ihn mit hierher genommen haben. Die Sei­nen haben hier eine Jüngerherberge.

Verurteilung des Pharisäertums

Fr. 14.

Während Er morgens mehrere Kranke in Privathäusern heilt und hier und da lehrt, verteilen sich die Apostel in der Umgegend und heilen und lehren ebenfalls. In der abendlichen Sabbatlehre in der Synagoge redet Er die Apostel und Jünger, indem Er von Salomons Tempelbau spricht, als die Bauleute an, die auf dem Gebirge Zedern fällten und zimmerten, und spricht von der inneren Auszierung des Tempels. Viele Pharisäer, auch solche von Kapharnaum, hören zu und laden Ihn zu einer Mahlzeit im offenen Festhause ein.

Viele Menschen umstehen die Halle und hören, was der Herr beim Essen spricht. Auch werden auf Seinen Wunsch hin viele Arme gespeist. Als die Pharisäer aber be­merken, daß Seine Jünger bei Beginn des Essens nicht die Hände waschen, stellen sie Jesum zur Rede, warum jene nicht die Über­lieferungen ihrer Vorfahren hielten, worauf Er sie fragt, warum sie die Gesetze nicht hielten und über den Traditionen nicht Vater und Mutter ehrten, und wirft ihnen ihre Heuchelei und Äußerlichkeit mit ihren Reinigungen vor (Mk. 7, 1-13).

Als über diesen Streit das Mahl sein Ende erreicht, geht Er hinaus, ruft alles Volk zu­sammen, das sich herzudrängt, und sagt: „Hört Mich alle und versteht: Nichts geht von außen in den Menschen ein, was ihn verunreinigen kann, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das verunreinigt den Menschen. Wer Ohren hat zu hören, höre.“ (Mk. 7, 14-16.) Später erklärt Er den fragenden Jüngern und dem Petrus Sein vorhin angewandtes Gleichnis für die geistige Verunreinigung (Mt. 15, 12-20).

Sa. 15.

Am nächsten Tage setzt Er im Sabbathaus die gestrige Predigt fort und lehrt auch wie­der, wie überhaupt in der letzten Zeit, aus dem Propheten Malachias. Auch bereitet Er viele Juden und Heiden zur Taufe vor, die Er nach Tisch in ihren Stadtteilen besucht. An dem die Stadt teilenden Bache wird dann in einem Badegarten getauft.

Als bei der Sabbatschluß-Lehre die Phari­säer wieder anfangen, Ihm das unregel­mäßige Fasten der Jünger vorzuwerfen, macht Er jenen ihren Geiz und ihre Unbarm­herzigkeit zum Gegenvorwurf und sagt unter anderem: „Die Jünger essen nach vieler Arbeit, wenn sie und auch die anderen etwas haben. So die anderen aber hungern, geben sie das Ihrige für sie her, und Gott segnet es.“ Er führt dabei die Brotvermeh­rung an, wo jene dergleichen getan, und fragt die Pharisäer, ob sie auch so handelten. Dann verläßt Er mit den Seinen die Stadt und übernachtet mit ihnen weiter nordwest­lich in leeren Zelthütten heidnischer Lager, die hier gewesen.

Auf dem etwa dreistündigen Wege dorthin legt Er den Seinen das Vaterunser in geistlicher Weise aus und bemerkt, daß sie bis jetzt noch kein würdiges Gebet verrichtet hätten; und als sie sich dagegen entschul­digen wollen, sagt Er ihnen, sie hätten bis­her wie Esau um das Fett der Erde gebetet, sie sollten aber wie Jakob um den Tau des Himmels beten (vgl. Gen. 27, 28 u. 39) ; sie hätten nicht um geistliche Güter und den Segen der Erleuchtung, nicht um das Reich Gottes nach Gottes Willen gefleht, sondern wie sie es sich dächten und in Erwartung zeitlicher Versorgung.

Reise nach Nord-Galiläa

Leviten- und Frei-Stadt Kades-Nephthali

So. 16.

Auf dem Wege nach Kades-Nephthali zie­hen ab und zu Gruppen von Heiden und Juden aus den Grenzgebieten Galiläas mit dem Herrn, die teilweise von Seinen Lehren und Heilungen zu Kapharnaum heimkeh­ren. Er belehrt sie auf dem Marsche und heilt mehrere, und auch die Apostel heilen einzelne.

Der Herr passiert mit den Seinen einige Eisen-Bergwerke und die Stadt Kades und kehrt auf der anderen Seite in eine der hier liegenden Herbergen ein. Pharisäer folgen Ihm dorthin nach. Er disputiert mit ihnen kurze Zeit, nimmt mit den Seinen eine Er­frischung und wandert weiter nordwärts.

DER WANDEL JESU IN DER WELT – Nach den Visionen der Anna Katharina Emmerich

1-Fahsel Emmerick Kapharnaum

Nach dem Festmahl begibt Sich Jesus mit den Jüngern, als der Abend naht, zum Land­park der Maroni am Südende der Stadt. Der ganze Weg dorthin ist mit Kranken besetzt, die Er alle heilt, sodaß Er erst nach Einbruch der Dunkelheit in jenem Park an einem der Lusthäuser eintrifft, vor dessen Portikus zwischen hohen Palmen eine große Fackel brennt und das Innere des Saales beleuch­tet. Die Säulenreihen dieses Raumes sind hinter ihren Blumengehängen an der Rück­front und zu beiden Seiten des Pavillons durch Setzwände geschlossen worden. An­fangs lustwandelt der Herr mit der Abend­gesellschaft draußen bei der Fackel, nimmt dann am Früchte-Essen teil und hält schließ­lich in jenem geschlossenen Saale einen Lehr­vortrag, mit vielen gleichnisartigen Erzäh­lungen gewürzt und auch zuweilen unter­brochen durch Zwiegespräche mit Martialis, wobei wieder Worte fallen, die manchen der Anwesenden das eigene Innere, nur Jesus und dem jeweilig Gemeinten bekannt, auf­decken. Nach Mitternacht wird der Herr mit den Seinen von Fackeln tragenden Die­nern zum Stadthaus der Maroni zurück­geführt, wo sie in einem der geräumigen Nebengebäude übernachten.

Die Schlichtung des Ehezwistes

Di. 19.

Auf die Nachricht hin von Jesu Anwesenheit in Naim und auch auf Grund des gestrigen Wunders, dessen Kunde sich im weiten Um­kreis der Gegend verbreitet hat (L. 7, 17), sind bereits während der Nacht und auch heute früh von allen Seiten her Kranke her­beigebracht worden. Der Herr heilt einen Teil derselben des Morgens.

Die hiesigen Pharisäer aber, beschämt durch Jesu Wunder und ergrimmt, daß sie Ihm wegen Seiner Beliebtheit in ganz Naim nichts anhaben können, haben sich unter­des einen Anschlag ausgehegt, um Ihn in Versuchung zu führen und zu veranlassen, etwas in Scheidungssachen gegen das Gesetz auszusprechen, um Ihn dann als einen Irr­lehrer verklagen zu können. Auf ihr Betrei­ben hin erscheinen also vor dem Herrn, als Er noch mit dem Heilen der Kranken be­schäftigt ist, einige Frauen, führen Klage über ihre Ehemänner und bitten Ihn um Ausfertigung eines Scheidebriefes. Er ant­wortet: „Bringet Mir ein Gefäß mit Milch und ein Gefäß mit Wasser!“ Sie bringen beides, und Er gießt beide Flüssigkeiten zusammen und sagt: „Scheidet Mir dieses, daß es wieder Milch und Wasser allein sei, dann will Ich euch scheiden!“

Dann spricht Er von der Unauflöslichkeit der Ehe. Nur wegen der Verstocktheit der Menschen habe Moses die Scheidung erlaubt (vgl. Mt. 19, 8) ; ganz getrennt aber könn­ten die Ehegatten nie werden, denn sie seien ein Leib und ein Fleisch, und wenn sie gleich nicht zusammen lebten, müsse der Mann die Frau und die Kinder ernähren, und sie dürf­ten nicht wieder heiraten.

Hierauf geht Jesus mit ihnen in die Häu­ser ihrer Männer, redet zuerst mit diesen allein, dann mit beiden Teilen zusammen, beschuldigt beide Parteien, die Frauen aber mehr, und versöhnt sie miteinander.

Nachher heilt Er noch mehrere Blinde, in­dem Er Erde mit Speichel in Seiner Hand mischt und ihnen die Augen bestreicht (J. 9, 6, vermutlich erst im September 33).

Mittags verläßt der Herr mit den Jüngern Naim. Man bereitet ihnen unter Lobgesang und Entgegenhalten grüner Zweige einen Ehren-Abschied.

Zöllner-Vorstadt von Megiddo

Jenseits des Kison-Flusses spricht Er vor Saatarbeitern und kehrt abends im Hotel der neueren Vorstadt von Megiddo ein, wo Er noch vor dem Hause einen Lehrvortrag hält. Mit diesem Abend beginnt der erste Tag des Monats Kislev.

Mi. 20.

Die neuere Vorstadt von Megiddo besteht aus einer langen Reihe von Gebäuden am Fuß der Anhöhe, über welche sich die Han­delsstraße nach Akko hinzieht. Unter diesen Häusern befinden sich viele Hotels und Zöllnerwohnungen. Die Zöllner haben ge­stern Jesu Lehre gehört, besuchen Ihn heute und melden ihren Entschluß zur Buße und Taufe. Dies erfahren die Pharisäer von Megiddo und nehmen daran Anstoß.

Auch viele Kranke stellen sich im Hotel ein, und der Herr läßt sie durch die Jünger für den heutigen Abend auf den großen runden Rasenplatz am Eingang der Stadt bestellen, ordnet an, wie sie, je nach ihrer Gattung, an die Mauern und in die Hallen rings um den Platz gelegt werden sollen, und bestimmt gewisse Jünger zu dieser Arbeit.

Am Nachmittag zieht Jesus mit den übrigen Jüngern wieder auf das Feld östlich der Stadt in einen Talbusen hinaus und lehrt umherwandelnd die mit der Saat beschäf­tigten Arbeiter in Parabeln. Viele der mehr unterrichteten Jünger lehren ebenfalls und bereiten teils entfernte Gruppen vor, ehe der Herr zu ihnen kommt, teils erklären sie denen, die Er bereits verlassen hat, manches, was sie noch nicht recht verstanden haben; auch erzählen sie von den Wundern Jesu. Da die Arbeiter in dem heißen Lande oft mit der Arbeit innehalten, so lehrt der Herr in diesen Pausen, wenn sie sich niedersetzen, um eine Erquickung zu nehmen.

Die verkehrten Johannesjünger

Bei dieser Gelegenheit nahen sich vier rei­sende Johannesjünger mit Fellstreifen um den Nacken und Riemen um den Leib. Sie sind nicht vom Täufer gesendet, sondern sind eine Ausartung der Johannesjünger, die mit den Herodianern zusammenstecken und von diesen gesendet sind, um zu bespitzeln, was Jesus von Seinem Reiche lehre. Um fünf Uhr kommt noch eine zweite Gruppe von ihnen, sodaß es nun im ganzen zwölf Personen sind.

Als der Herr abends auf dem runden Rasen­platz die Kranken heilt, treten Ihm diese Johannesjünger mit einem gewissen Amts­eifer, wie eine Kommission, in den Weg und wollen Ihn anreden. Doch Er achtet nicht auf sie und fährt in Seinem Heilen fort. Als Er aber am entgegengesetzten Ende des Kreises angelangt ist, sprechen sie Ihn an: „Johannes der Täufer hat uns zu Dir ge­sendet und läßt Dich fragen: Bist Du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ Der Täufer hat aber nur zwei von ihnen wirklich gesandt, und Jesus antwortet ihnen, sie sollten dem Johannes die Wunder melden, die Er hier vor ihren Augen an den Kranken wirke (Mt. 11, 2 bis 6).

Als sie fortgegangen, und Er die Heilungen beendet hat, beginnt Er auf dem Platz zu lehren, spricht von der rechten Anwendung der empfangenen Wohltaten Gottes und schließt hieran Sein Zeugnis für Johannes an, nämlich daß dieser der Herold des Mes­sias sei, und zwar der größte, der je geboren, ja daß er der Elias sei, der da kommen solle (Mt. 11, 7-15). Im Hinblick aber auf die anwesenden Schriftgelehrten, die mit den Pharisäern an Seinem Umgang mit Zöllnern und Sündern, sowie an Seine und Seiner Jünger freiere Lebensweise Anstoß nehmen, beklagt Er Sich über dieses kindische Ge­schlecht, dem man es nie recht machen könne (Mt. 11, 16-19). Alles dies geschieht bereits bei Fackelschein.

Nachher speist Er im Hause eines Zöllners mit vier Zöllnern und allen Jüngern und lehrt hier noch im kleinen Kreise bis spät in die Nacht.

Die Belehrung der eigenen Jünger

Gutsort am Nordwestfuß des Tabor

Do. 21.

Mit vierundzwanzig Jüngern und den vier verdächtigen Johannesjüngern und einigen Zöllnern wandert der Herr von Megiddo in nordwestlicher Richtung über die Höhen durch das Tal von Nazareth dem Tabor ent­gegen und lehrt unterwegs von den Auf­gaben und der Berufung Seiner Jünger, von der Ablegung irdischer Sorgen und der Los­schälung von irdischen Gütern. Er bricht eine Blume am Wege ab und vergleicht sie mit der Pracht Salomons (Mt. 6, 28-29), ähnlich wie am 14. und 22. Oktober 32 und am kommenden 1. Juli 33. Es ist dieses Mal aber keine Lilie, sondern eine andere Art von Blume, die Er zum Vergleich heran­zieht.

Auch spricht Er so, daß jeder der künftigen Apostel seinen eigenen Charkter heraus­hören kann; auch Judas merkt dies. Der Heiland warnt sie, nicht nach Ämtern in Seinem Reiche begierig zu sein und sich dieses nicht irdisch vorzustellen; und dann warnt Er sie vor den falschen Propheten in Schaffellen (Mt. 7, 15-20) im Hinblick auf die anwesenden und gestern vorstellig gewordenen Johannesjünger.

Das Fell des Johannes hat sich nämlich bei ihnen in eine Art Stola von Schaffell, und dessen Lehre in eine Sektiererei verwandelt. Daher warnt Jesus die Seinen vor ihnen als den falschen Propheten, die in Schaffellen kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind.

So kommen sie gegen Abend zu einem Guts­ort am Nordwestfuß des Tabor. Die hier wohnenden Hirten, die gerade Baumwolle einsammeln, empfangen den Herrn, den sie von Seinen früheren Jahren her gut ken­nen, am Brunnen mit Fußwaschung und Imbiß, und Jesus lehrt in ihrer Gesetzes-schule und nachher beim gemeinsamen Mahl in der Herberge in Parabeln.

Das hiesige Gut gehört einem vornehmen Manne, der durch eine sündhafte Entglei­sung aussätzig geworden, seine Erkrankung aber nicht, wie vorgeschrieben, angemeldet hat. Er hat sich deshalb von seiner Frau getrennt, und die Behörde drückt ein Auge zu. Dieser schickt einen achtjährigen Skla­ven zum Herrn mit der Bitte um Heilung. Jesus lobt den kleinen Boten und verspricht Sein Kommen für morgen.

Fr. 22.

Morgens läßt der Herr die Jünger zurück, begibt sich zum Hause des Aussätzigen und heilt den Reuigen, der, nachdem er sich gebadet und neu eingekleidet hat, voller Freude zu seiner Gattin eilt und ihr die Hei­lung berichtet. Durch diese erfahren es einige tückische Leute des Ortes und melden die Heilung nach Kisloth-Tabor an die Pha­risäer und Schriftgelehrten, die nun wie eine Untersuchungskommission über den Geheil­ten herfallen, ihn untersuchen und aus der vorhergehenden Verheimlichung der Krank­heit einen öffentlichen Skandal machen, obwohl sie vorher dieselbe heimlich gedul­det hatten. Und dies geschieht alles aus Neid wider dien Herrn.

Vom Tabor aus wandert Jesus im raschen Marsch gen Kapharnaum und unterrichtet die Seinen unterwegs ähnlich wie gestern über das Aufgeben weltlicher Sorgen, über Vorsicht vor den Pharisäern und deres­gleichen, die Masken und Brillen trügen, die Schale ohne Kern pflegten, jedoch Liebe, Versöhnung und Barmherzigkeit ganz ver­nachlässigten. Auch belehrt Er sie über das rechte Beten in der Einsamkeit (Mt. 6, 5 bis 8).

Kurz vor Sabbateintritt treffen der Heide Cyrinus von Cypern und der Hauptmann Achias aus Gischala mit dem Zuge Jesu im Taubental (Wadi el Hammam) zusammen und wandern zwecks Taufe mit gen Kaphar­naum.

Jesus aber belehrt die Seinen auf dem Marsche noch weiter in Sachen des Gehor­sams und klugen Verkehrs mit den Men­schen und warnt sie vor solchen, die sich bei ihnen einschmeicheln und sie ausfragen wollen, um sie von Ihm abspenstig zu machen. Und dies spricht Er den begleiten­den falschen Johannesjüngern zu Gehör.

Die zwei aussätzigen Theologen

Beim Passieren der Gärten des Serobabel rufen Ihn am Wege zwei, durch ihre Aus­schweifungen mit Aussatz behaftete junge Schriftgelehrten um Hilfe an, die sich frü­her auch in der leichtfertigen Gesellschaft Magdalenas herumgetrieben und nun hier Wohnerlaubnis erhalten hatten. Jesus trägt den zwei Angestellten des Serobabel auf, die jene hierher an Seinen Weg gebracht, sie sollten die beiden Kranken in die obere Halle der Synagoge zu Kapharnaum zum Anhören Seiner Abendlehre bringen und dort sollten jene beten und bereuen, bis Er sie rufe.

Kapharnaum

Nachdem Sich der Herr und die Jünger die Füße gewaschen und die Kleider nieder­geschürzt haben, begeben sie sich in die Synagoge, wo bereits ein Lehrer am Geset­zespult sitzt und vorliest. Dieser steht auf und übergibt dem Herrn die Rollen, welcher nun über Jakobs Einholung durch Laban, dessen Kampf mit dem Engel, dessen Ver­söhnung mit Esau und über Dinas Verfüh­rung und dann aus dem Propheten Oseas lehrt. Anfangs lachen die Pharisäer höh­nisch, als sei der Herr unhöflich, Sich die Rollen geben zu lassen und den anderen ab­zulösen; dann aber werden sie durch Seine Worte verlegen und ernst. Unter den Hörern befinden sich auch die heiligen Frauen und Verwandten Jesu.

Als die Gegner nach Schluß der Lehre im Vorhof einen Disput mit dem Herrn be­ginnen wollen, ruft Dieser jene beiden Kran­ken von der Halle herab. Beim Fackelschein erkennen die Pharisäer dieselben an ihren roten Mänteln, die zu tragen ihnen vor­geschrieben waren. Beide sinken zitternd vor Jesus auf die Knie. Er aber legt die Hand auf sie, haucht ihnen ins Gesicht und sagt: „Eure Sünden sind euch vergeben“, und ermahnt sie zur Enthaltsamkeit und Bußtaufe und gebietet ihnen, ihre Schrift­gelehrtheit fahren zu lassen; Er wolle sie die Wahrheit und den Weg lehren (vgl. J.14, 6). Sie stehen auf, ihre Geschwüre trocknen, und die Rinden fallen ab. Sie danken unter Tränen und gehen mit Serobabels Dienern von dannen. Viele Gutgesinnte drängen sich um sie und loben ihre Buße und die wun­derbare Heilung.

Die Pharisäer aber schreien den Herrn an: „Wie darfst Du am Sabbat heilen? Wie kannst Du Sünden vergeben? — Er hat den Teufel, der Ihm hilft. Er ist ein Rasender. Wie Er herumrennt! Kaum hat Er hier sein Spektakel getrieben, so ist Er schon wieder zu Naim und erweckt Tote, dann zu Megiddo und dann gleich wieder hier! Das kann kein gerechter Mensch, der bei Sinnen ist; Er hat einen bösen, mächtigen Geist, der Ihm hilft. Wenn Herodes nur erst einmal mit Johannes fertig ist, wird die Reihe an Ihn kommen, falls Er Sich dann nicht aus dem Staube machen wird!“

Jesus aber geht durch sie hindurch; wäh­rend die Ihm angehörigen Frauen, die auf Ihn geharrt, über die Wutausbrüche der Gegner weinen. Auf einem Umweg kommt der Herr später zum Hause Seiner heiligen Mutter, tröstet und belehrt die Seinen und zieht Sich dann draußen zum nächtlichen Gebet in die Einsamkeit zurück.

Die erste Auferweckung der Jairus-Tochter

Sa. 23.

Frühmorgens sucht Petrus den Meister an dessen Gebetsort auf und meldet Ihm, daß der Synagogenvorsteher Jairus Ihn sehn­süchtig erwarte. Jesus läßt jenem bestellen, das Töchterchen sterbe noch nicht, und Er werde nachmittags zu ihm kommen.

Nachdem Er beim Hause Petri einige Kranke geheilt hat, erteilt Er gegen neun Uhr am Taufplatz, der mehr südlich im Tal von Kapharnaum liegt, von erhöhter Lehrstelle herab den Taufunterricht und läßt in dem umzäunten Garten, in dem sich ~ mehrere Badezisternen befinden, durch Andreas und Saturnin an fünfzig Personen taufen, wobei Johannes, Bartholomäus und Thomas als Paten die Hände auflegen.

Unter den Getauften befinden sich drei Jünglinge und ein alter Mann aus Sephoris, die mit Jesus verwandt sind. Auch der kleine Knabe ist dabei, den der Herr am 15. August 32 dort von der Stummheit ge­heilt hat. Ferner werden getauft: Cyrinus aus Cypern, der sich am 9. November zu Dabrath bekehrt hat, dann Achias aus Gischala mit seinem Söhnchen Jephte, der am 11. November 32 geheilt wurde, ferner Cornelius und sein geheilter Knecht, fünf Zöllner aus Megiddo, des Bartholomäus Neffe Joses und schließlich die beiden jun­gen, gestern geheilten Schriftgelehrten. Alle Täuflinge haben grauwollene Bußkleider an und ein viereckiges Totentuch über den Kopf hängen. Nach der Taufe erhalten sie lange, weiße Kleider. Die ganze Handlung dauert bis gegen zwei Uhr nachmittags.

Nach kurzem Imbiß mit den Jüngern begibt Sich der Herr zum Synagogenplatz in die Stadt und heilt dort mehrere Kranke. Hier naht sich Ihm der Synagogenvorsteher Jairus und bittet um Hilfe für seine im Sterben liegende Tochter Salome. Jesus geht mit ihm (Mk. 5, 21-24). Unterwegs melden Boten den unterdes eingetretenen Tod der Salome.

Vor dem Hause des Jairus, das an der Nord­seite Kapharnaums unweit dem Hause des Cornelius liegt, stehen Trauernde und Klage­weiber (der Sitte entsprechend engagierte Frauen. Nach dem Talmud soll auch der ärmste Israelit zur Totenklage um sein Weib wenigstens zwei Flötenspieler und ein Klage­weib bestellen). Der Herr hat von den Jün­gern nur den Petrus, Johannes und Jako­bus Major mitgenommen, ähnlich wie am 8. April 33 zur Verklärung auf dem Tabor.

Im Hofe sagt Jesus zu den Klagenden: „Warum jammert und weint ihr? Geht hin­weg, das Mädchen ist nicht tot, sondern es schläft nur.“ Da lachen jene spöttelnd. Jesus betritt die Stube der Salome. (Anna Katha­rina schaut an der rechten Seite der Leiche eine kleine, lichte Gestalt, die durch den Mund der Salome wieder eintritt. Vermut­lich hat die Seele noch nicht alle Kraft über den Leib verloren, weshalb der Herr vorher sagte: „Das Mädchen ist nicht tot, sondern schläft nur.)

Er faßt den Arm des Mädchens wie ein Arzt über der Hand und sagt: „Mägdlein, richte dich auf.“ Da richtet sie sich sitzend im Bett auf und steigt an der Hand Jesu vom Lager, und Er führt sie, die noch schwan­kend geht, in die Arme der Eltern, die der ganzen Handlung anfangs kalt und bang, dann mit Zittern und Beben zugesehen ha­ben und jetzt vor Freude ganz außer sich sind. Er befiehlt ihnen, dem Kinde etwas zu essen zu geben und keinen unnötigen Lärm von der Sache zu machen (Mk. 5, 35-43).

Auf dem Rückwege meint der Herr zu den Jüngern, jene Leute hätten zwar keinen rechten Glauben und keine aufrichtige Ge­sinnung, aber ihrer Tochter sei um ihrer selbst willen und zur Ehre des Reiches Got­tes vom Tode erweckt worden. Dieses sei ein unschuldiger Tod gewesen, sie müsse sich jedoch vor dem Tode der Seele hüten.

Nach Heilung vieler Kranker, die Ihn auf dem Stadtplatz erwarteten, predigt Er in der Synagoge zum Sabbatende. Nachher begin­nen die erbitterten Pharisäer wieder, Seine Wunder als Zauberwirkung anzugreifen und treffen Anstalten, Ihn zu verhaften. Doch Er verliert Sich unter der Menge und ver­läßt die Stadt durch die Gärten des Sero­babel. Auch die Jünger müssen sich ver­streuen.

Nachts sondert Sich der Herr wieder zum Gebet ab, um die Sünder zu bekehren, die Absichten der Gegner zu vereiteln und um den himmlischen Vater um Vollendung Sei­nes Werkes zu bitten.

Karte Nr. 23
1-Fahsel Emmerick Karte 23

Die erste Seepredigt

So. 24.

Heute veranstaltet Cornelius ein Fest, seines geheilten Knechtes wegen, und viele Heiden sind bei ihm zu Gast. Er hatte dem Herrn mitteilen lassen, daß er viele Brandopfer verschiedener Tiergattungen bringen lassen wolle; doch Jesus ließ ihm antworten, er solle lieber seine Feinde einladen und sich mit ihnen aussöhnen, seine Freunde aber belehren und die Armen erquicken.

Am Morgen weilen Jesus und viele Jünger am Taufplatz. Saturnin hat heute die Freude, seine zwei jüngeren Brüder und sei­nen Onkel aus Patras, die Heiden gewesen, zu taufen. Außerdem werden noch etwa zwölf Personen getauft. Die Juden in der Stadt bekümmern sich übrigens nicht um die Beschneidung der getauften Heiden; denn wenn diese nicht von selbst deshalb zu den Priestern kommen, so fragen sie aus Lauheit und Trägheit auch nicht danach.

Zu Mittag speist der Herr im Hause Mariä, spricht dort mit anwesenden Frauen, ver­tröstet einige Kranke auf Seine Rückkehr und lehrt dann am Seeufer vor zahlreicher Hörerschaft, unter der sich viele Heiden be­finden, die beim Fest des Cornelius Gäste gewesen. Als das Gedränge zu stark wird, besteigt der Herr mit einigen Jüngern Sein Schiff (L. 1, 5; vgl. 21. August 32). Die an­deren Jünger und mehrere Zöllner begeben sich auf das Schiff Petri, und Jesus erzählt von Seinem Schiff aus die Parabel vom Sä­mann (Mt. 13, 1-9) und vom Unkraut un­ter dem Weizen (Mt. 13, 24-30).

Hierauf läßt Jesus Sein Schiff an das des Petrus hängen, in welchem die Jünger ab­wechselnd rudern. Auf der erhöhten Steile am Mast sitzend, erklärt Er ihnen auf ihre Frage hin den Grund und Zweck der Gleich­nisreden im allgemeinen (Mt. 13, 10-15; siehe oben S. 58-60) und den Sinn des Sämannsgleichnisses im besonderen (Mt. 13, 18-23).

Die Berufung des Matthäus

Matthäi Zollstätte

Nach vier Uhr nachmittags landen sie zwi­schen dem Jordaneinfluß und dem Tal von Gerasa und kommen auf dem Wege am Ost­ufer beim heutigen El Mes’adije an der Straße vorbei, die zur Zollstätte des Mat­thäus hinführt. Als dieser den Herrn er­blickt, zieht er sich beschämt in das Zollhaus zurück. Doch Jesus ruft ihn, Sich nahend, heraus und spricht zu dem sich vor Ihm Niederwerfenden: „Matthäus, stehe auf und folge Mir nach!“ (Mt. 9, 9). Nach Begrü­ßung der Jünger eilt Matthäus freudig nach Hause, verkündet seiner Frau sein Glück, und auch sie will wie er alles verlassen und Jesu folgen.

Universitäts-Stadt Bethsaida-Julias

Abends spricht der Herr im Tal von Beth­saida – Julias vor Mitgliedern einer dort lagernden Heidenkarawane und übernachtet dann in einem Hotel zu Bethsaida-Julias.

Haus des Matthäus

Mo. 25.

Nach einer Morgenlehre bei der Heiden­karawane besucht Jesus das Haus des Mat­thäus, wo sich viele. Zöllner eingefunden haben. Unterwegs schließen sich einige. Pha­risäer und Johannesjünger an und stellen vor dem Hause an die Jünger Jesu die Frage: „Wie könnt ihr es dulden, daß Sich euer Meister immer mit Sündern und Zöll­nern so vertraut macht?“ — „Sagt es Ihm selber“, antworten jene. Doch sie entgeg­nen: „Mit einem Menschen, der immer Recht haben will, kann man nicht sprechen.“

Matthäus wäscht dem Herrn und Seinen Jüngern die Füße. Thaddäus, Simon, Jako­bus Minor und Joses Barsabas umarmen ihren Halbbruder Matthäus herzlich. Jesus spricht mit Matthäi Frau und segnet ihre Kinder. Sitzend legt Jesus dem vor Ihm knienden Matthäus die Hand auf, segnet ihn und verleiht ihm den neuen Namen Mat­thäus, denn vorher hießt er Levi. Dann be­ginnt das Mahl im Hause des Matthäus im Kreise der Zöllner, unterbrochen von dem Zwiegespräch Jesu mit den sich nahenden Pharisäern und Schriftgelehrten (L. 5, 29 bis 39), in welchem Jesus Seinen Umgang mit Zöllnern und Sündern verteidigt und Sein Außerachtlassen des Fastens begründet, denn ‚heute abend beginnt mit Anbruch des 6. Kislev bei strengen Juden ein Fasttag we­gen der Verbrennung der Bücher Jeremiä durch den König Joachim (Jer. 36, 22-23). Auch ist es bei den Juden, besonders in Judäa, nicht üblich, auf dem Wege Früchte abzupflücken, was der Herr Seinen Jüngern zu tun gestattet hatte (vgl. 5. April 33).

Jesus übernachtet im Hause Matthäi, wäh­rend die Jünger auf den Schiffen schlafen.

Letzte Berufung der vier ersten Apostel

In der Umgegend von Matthäi Haus

Di. 26.

Am Morgen ruft der Herr am Seeufer (dort, wo heute El Mes’adije liegt) dem Petrus und Andreas, die damit beschäftigt sind, das Netz auszuwerfen und hinauszufahren, zu: „Kommt und folget Mir, Ich will euch zu Menschenfischern machen!“ Ebenso beruft Er eine Strecke weiter beim Schiffe Zebedäi die beiden Brüder Jakobus Major und Jo­hannes (Mt. 4, 18-22). Sogleich entsendet Er die Berufenen ins Gebirge zu den dort nach der Taufe verlangenden Heiden; wäh­rend Er Selbst mit Saturnin und den übri­gen Jüngern zur Heidenkarawane bei Beth­saida-Julias wandert. Hier taufen Petrus und Andreas die gestern durch Jesus Vor­bereiteten, während der Herr in einem Ne­bental lehrt und durch Saturnin taufen läßt.

Die Stillung des Sturmes

Abends treffen sich alle im Hause des Mat­thäus. Doch als hier viele Fremde den Herrn bedrängen, besteigt Er mit den künftigen zwölf Aposteln das Schiff Petri und befiehlt, gen Tiberias zu fahren (Mt. 8, 18). Mitten auf dem See überrascht sie ein Unwetter, und der Herr stillt, aufgeweckt von den Sei­nen, den Sturm (Mt. 8, 23-27). Er ver­weist ihnen ihren geringen Glauben, da sie sich gefürchtet hatten, und befiehlt ihnen, gen Chorazin zurückzufahren; denn so heißt die Gegend von Matthäi Zollstätte we­gen der etwas weiter nordöstlich liegenden Stadt Groß-Chorazin, ähnlich wie jenseits die Gegend von Kapharnaum bis Gischala Landschaft Genezareth genannt wird.

Die vierte Bergpredigt

Lehrberg bei Groß-Chorazin

Mi. 27.

Als die beiden Schiffe vor Tag am Ufer ge­landet sind, liegen sie still, und der Herr und die Seinigen, an fünfzehn Personen, schlafen auf ihnen.

Nachher lehrt Jesus auf steinernem Lehr­stuhl vor ein paar tausend Zuhörern auf einem Bergrücken, etwa eine Stunde süd­westlich von Groß-Chorazin. Bei Beginn Seiner Lehre lärmen und rasen viele Beses­sene, die man herangeführt hat. Er befiehlt ihnen zu schweigen und sich auf die Erde zu legen. Sie folgen dem Befehl und verhal­ten sich ruhig, bis Er sie nach Beendigung der Lehre befreit.

Hierauf heilt Er Blinde, Lahme, Stumme und Aussätzige, auch einen Mann mit aus­gedörrtem Arm und verkrümmter Hand (nicht den hei Mt. 12, 10 Erwähnten, den Er erst am 7. Dezember 32 heilt).

Die vielen Kinder, die von Frauen mitge­bracht worden waren, läßt Er nach und nach zu Sich führen und segnet sie, durch sie hinwandelnd und über sie laut lehrend. Hierbei wendet Er ein Kind bei der Hand hin und her und lehrt, wie auch die Erwach­senen sich so ruhig und geduldig von Gott ohne Widerspruch müßten führen lassen (ähnlich wie bei Mt. 18, 2; vgl. 4. Februar und 11. April 33).

Auch viele heidnische Mitglieder von Kara­wanen und Juden aus Syrien und der Deka­polis sind zugegen. Der Herr ist ihnen hier entgegengekommen, damit der Andrang in Kapharnaum nicht zu stark werde.

Den ganzen übrigen Tag wird getauft; auch viele kleine Knaben befinden sich unter den Täuflingen. Das Wasser wird in Schläu­chen aus dem Tal Ed-Dalije heraufgebracht.

Abends erzählt Jesus im Hause des Mat­thäus den Jüngern noch die Parabel vom verborgenen Schatz (Mt. 13, 44), die Er auf die Heilssehnsucht der Heiden auslegt mit dem Hinweis, daß diese das Reich an sich reißen würden. Nach einem kurzen Mahl spricht Er noch mit einigen Jüngern des Gedränges wegen in einem Schiff, fährt aber nicht weit, sondern kehrt zurück und verbringt die Nacht abgesondert im Gebet.

Während die Jünger spät abends noch die Verwandten der Enue (siehe 6. Dezember 32) nach Bethsaida hinüber fahren, ver­klagen die verkehrten Johannesjünger in Kapharnaum den Herrn, daß Er dem Täu­fer nicht helfe, und daß Seine Jünger nicht fasteten.

Fischer-Stadt Bethsaida

Do. 28.

Morgens bringen die Jünger die Botschaft der Bitte der seligsten Jungfrau, ‚der Herr möge bald herüberkommen, da ihre Nichte Maria Kleophä im Hause Petri schwer er­krankt darniederliege, und überhaupt viele Kranke, selbst von Nazareth hergekommene, Ihn sehnlichst erwarteten.

Nachdem Jesus noch am Seeufer viele be­lehrt und geheilt hat, fährt Er nach Mittag mit allen Aposteln hinüber und kommt gegen vier Uhr in Bethsaida an, wo Ihn Maria und Maroni mit Martialis aus Naim nebst anderen begrüßen. Nach kurzem Imbiß lehrt und heilt Jesus vor dem Hause des Andreas bis in die Nacht viele versammelte Menschen.

Der Massenandrang um Kapharnaum

Fr. 29.

Es sind um diese Zeit an zwölftausend Fremde um Jesu willen in der Gegend. In allen Tälern und Winkeln grasen Esel und Kamele. Überall sind Lager aufgeschlagen. Kapharnaum wird seit Jesu Aufenthalt rei­cher und größer; es lassen sich viele Fami­lien hier nieder, und die vielen Fremden bringen Vermögen in die Stadt. Daher wird auch viel gebaut, sodaß die Häuser des Sero­babel und Cornelius bald mit der Stadt zu­sammenhängen werden.

Auch die Menge der Kranken ist ungemein groß. Das Haus des Petrus an der Stadt ist im Vorhof und in allen Anbauten und Schuppen voll von ihnen. Petri Frau und Knechte haben bereits Zelte und Lauben für die Kranken errichtet. Maria Cleophä liegt mit hohem Fieber im Hause. Jesus ist noch nicht zu ihr gekommen, sondern lehrt und heilt heute die Heiden in der Umgegend, darunter viele Griechen, auch aus Patras, der Vaterstadt Saturniris.

Nachmittags kommen ältere und vertrau­teste Jünger des Täufers von Machärus in Kapharnaum an, berufen die Vorsteher und die Kommission der Pharisäer in die Halle vor der Synagoge und überreichen eine Briefrolle des Täufers, die sein deutliches Zeugnis über Jesus enthält. Während der Lesung verkünden die Boten vor dem sich versammelnden Volke den Inhalt der gro­ßen Rede des Täufers, die jener vor Herodes und dem Volke zu Machärus gehalten. Unter dem Jubel der Menge müssen die Pharisäer weichen; sie sehen sich an, zucken mit den Schultern, schütteln mit den Köpfen und stellen sich ganz geneigt. Doch behaupten sie insofern ihre Autorität, als sie verkün­den, Jesu nichts in den Weg legen zu wollen, falls Er die Gesetze nicht verletze und die öffentliche Ruhe nicht störe; wohl sei Jesus wunderbar ausgerüstet, und Johannes sei ein guter Mann, wisse aber in seinem Gefängnis nicht alles Einzelne betreffs Jesu, und sei ja auch mit Diesem nie viel zusam­men gewesen.

Hierüber geht der Sabbat an, und alle be­geben sich zur Synagoge. Auch der Herr erscheint mit den Jüngern und lehrt von dem Verkauf Josephs (Gen. 37) ; und aus Amos (2, 6-3, 9) über die Drohungen gegen die Sünden Israels. Niemand stört Seine Rede; die Pharisäer hören mit gehei­mem Neid und abgedrungenem Staunen, die Menge aber mit ehrlicher Verwunderung zu.

Plötzlich entsteht ein fürchterliches Gebrüll im Raum; ein mitgebrachter Besessener be­kommt einen Anfall und will die Menschen um sich her mit den Zähnen zerreißen. Jesus wendet sich ihm zu und sagt: „Schweige! Bringet ihn hinaus!“ Der Mensch wird ganz ruhig, läßt sich abführen und legt sich vor der Synagoge auf die Erde, bis Jesus ihn nach Schluß der Lehre draußen befreit.

Hierauf speist und lehrt der Herr im zwei­ten Hause Petri, das mehr zum See hin liegt, im Kreise der Jünger und sondert Sich nachts wie gewöhnlich zum einsamen Gebet im Freien ab.

In derselben Nacht sind die Pharisäer bei­sammen und schlagen allerlei alte Schriften auf über die Propheten, besonders über Malachias, von dem man noch vieles weiß, und vergleichen deren Lehren, Wesen und Wandel mit denen des Herrn und müssen Ihm den Vorzug eingestehen und Seine Gaben bewundern, aber am Ende mäkeln sie doch über die Art Seines Lehrens.

Die Heilung der Maria Kleophä

Sa. 30.

Des Morgens spricht der Herr in der Syna­goge vor einer großen Menge Volkes. Unter­des wird Maria Kleophä so krank, daß die heiligste Jungfrau einen Boten sendet und Jesus um Hilfe bittet. Gegen Mittag begibt Er Sich zum Hause Petri dicht vor der Stadt, wo Ihn Seine Mutter, Maroni von Naim, die Söhne und die Brüder der kran­ken Maria Klephä mit Sehnsucht erwarten.

Der Heiland tritt an das Lager der Kranken, betet und legt die Hand auf sie. Sie ist vom Fieber ganz ermattet. Nun ergreift Er ihre Hand, sagt ihr, sie solle nicht mehr krank sein, und befiehlt, daß man ihr erst etwas zu trinken und dann zu essen reiche, wobei Er die Speise segnet, wie Er es fast bei allen Seinen Heilungen zu tun pflegt, und was den Charakter einer Hindeutung auf die heilige Eucharistie enthält.

Die Freude der Söhne, besonders des klei­nen achtjährigen Simeon ist unbeschreiblich groß, als die Mutter gesund das Lager ver­läßt und gleich mithilft, den anderen Kran­ken vor dem Hause zu dienen. Denn Jesus heilt bereits draußen lauter längst auf­gegebene und für unheilbar erklärte Kranke aller Art, ja Sterbensnahe, weit hergebracht, selbst aus Nazareth und darunter Jugend­bekannte von Ihm. Die Leute werden, wie tot zusammengesunken, von anderen auf dem Rücken zu Ihm hingetragen.

Hier kommen auch die Johannesjünger zum Herrn, die gestern von Machärus her ein­getroffen waren, und klagen sich an, daß sie unwillig über Ihn gewesen, weil Er Sich ihres Meisters in der Gefangenschaft nicht angenommen, und erzählen, wie sie beson­ders streng gefastet hätten, um Gott zu be­wegen, daß Er Ihn bewegen möge, ihren Meister zu befreien. Jesus tröstet sie und lobt den Täufer nochmals, wie am 20. No­vember 32, als den heiligsten Menschen. Nachher sprechen diese Johannesjünger noch mit den Jüngern Jesu und fragen, war­um Jesus denn nicht Selbst taufe; ihr Mei­ster habe sich doch so gewaltig damit ange­strengt. Jene geben zur Antwort, Johannes habe getauft, weil er der Täufer sei; Jesus aber heile, weil Er der Heiland sei; Johan­nes habe ja auch nicht geheilt.

Etwas später kommen auch Schriftgelehrte von Nazareth zum Herrn, sind ganz höflich und ersuchen Ihn, Er möge doch auch wie­der einmal Seine Vaterstadt besuchen; und es scheint, als wollten sie entschuldigen, was dort am 17. August geschehen. Jesus ant­wortet, daß nirgends ein Prophet weniger als in seiner Vaterstadt gelte, ein Ausspruch, den Er am kommenden 4. Januar bei Seinem erneuten Besuch in Nazareth einem frechen Pharisäer gegenüber wiederholen wird, und dieses steht dann im Evangelium.

Nach der Sabbatschlußlehre heilt Er beim Verlassen der Synagoge einen Blinden, der Seiner Predigt zugehört hatte. Abends speist Er im Hause Petri vor dem Tor, dessen Haushaltung Petri Frau besorgt, während das Haus am See von dessen Schwiegermut­ter und Stieftochter verwaltet wird. Bevor der Herr Sich zum einsamen Gebet entfernt, gestattet Er den Fischerjüngern auf ihre Bitte hin, zu ihren Schiffen zu gehen und die Nacht zu fischen; denn es ist zur Zeit ein großes Bedürfnis nach Fischen bei der erstaunlichen Menge der anwesenden Frem­den; auch sind immer viele Menschen am Ufer, die hinüberfahren wollen, wobei mit­zuhelfen der Herr den betreffenden Jün­gern erlaubt, damit sie unterwegs Gelegen­heit zu pastorellem Wirken wahrnähmen.

Die zweite Seepredigt

Dez. So. 1.

Vormittags teilt der Herr mit den Jüngern Gaben an Arme aus, welche die heiligen Frauen und wohlhabende Gönner gestiftet haben. Die Jünger schleppen Gewänder und Brote in Körben herbei. Der Herr reicht jedem Armen unter Belehrung Kleider, Decken, Brote und Münzen. Die nachts mit Fischfang beschäftigt gewesenen Jünger ver­kaufen ihre Beute an Fremde und fahren einige von ihnen über den See.

Nachmittags lehrt Jesus wieder am See bei Petri Schiffstelle, wie am 24. November 32. Als das Gedränge zu groß wird, ziehen die Fischerjünger auf Jesu Wink hin ein Schiff-lein heran (Mk. 3, 7). Unterdes nähert sich Ihm ein Schriftgelehrter namens Saraseth, aus Nazareth (vgl. 7. Dez. 32) und bietet sich Ihm zur Nachfolge an. Der Herr ant­wortet: „Die Füchse haben Höhlen, und die Vögel des Himmels Nester, aber der Men­schensohn hat keine Stätte, wohin er sein Haupt legen kann“ (Mt. 8, 19-20). (Mit den Füchsen deutet Jesus des Bittstellers listige, mit den Vögeln dessen stolze Gesin­nung an; und dessen irdischer Gewinnsucht setzt Er Seine freiwillige Armut entgegen. Die im Evangelium gleich folgende Abfuhr eines Jüngers erfolgt erst am 8. Dezem­ber 32.)

Dann erzählt Er vom Schiffe aus (L. 5, 1) den Hörern am Ufer mehrere Parabeln vom Reiche Gottes, darunter die vom Fischnetz (Mt. 13, 47) und vom Unkraut unter dem Weizen (Mt. 13, 24).

Der reiche Fischzug Petri

Als der Abend naht, veranlaßt der Herr den Petrus, seine Schiffe auf den See hinaus­fahren zu lassen und die Netze zum Fischen auszuwerfen (L. 5, 4-5) ; während Er Selbst das Volk entläßt und mit Saturnin, Amandor und einigen anderen Jüngern auf Seinem Schiff hinter Petri Schiff folgt, ihnen zuerst nochmals die Gleichnisse er­klärt und dann auf der Höhe des Sees an­gibt, wo sie die Netze auswerfen sollen. Hierauf fährt Er zur Anlände des Matthäus hinüber.

Unterdes ist es Nacht geworden, und am Rande der Schiffe Petri brennen gegen das Netz zu Fackeln. Sie fahren gegen den Jordan-Einfluß zu, aber vermögen das aus­geworfene Netz nicht emporzuziehen. Bei ihrem Fortrudern kommt das Netz end­lich aus der Tiefe auf Grund und wird so schwer, daß es hier und da reißt. Sie fahren mit kleinen Kähnen in den Netzumfang hinein, greifen die Fische mit Händen in kleinere Netze und Kästen, die schwimmend seitlich an den Schiffen hängen, und rufen das Schiff Zebedäi um Hilfe. Nach Erleich­terung des Netzes fahren sie vollends an Land, ziehen es heran und erschrecken nochmals über die Menge der Fische (L. 5, 6-7).

Jesus steht am Ufer, und Petrus wirft sich beschämt vor Ihm nieder: „Herr, geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch.“ — „Fürchte dich nicht, Petrus, von nun an sollst du Menschenfischer sein!“ (L. 5, 8 bis 10). Bei diesen Worten des Herrn ist es zwischen drei und vier Uhr und beginnt zu tagen.

Mo. 2.

Während die Jünger die Fische in Sicher­heit bringen und sich dann auf den Schiffen zur Ruhe begeben, steigt der Herr mit Satur­nin und Amandor auf den nahen Berg­rücken, unterrichtet beide im Gebet und entfernt Sich dann von ihnen in die Einsam­keit.

Die anderen Jünger verkaufen, überall das Wunder erzählend, einen Teil der Fische in den hiesigen Heidenlagern und bringen den Rest nach Kapharnaum hinüber, wo auch gegen Abend Jesus mit Saturnin und Amandor eintreffen. Bis in die Nacht heilt der Herr beim Hause Petri vor der Stadt viele ganz verlassene kranke Frauen und Männer und zieht Sich dann wie gewöhn­lich zum einsamen Gebet zurück.

Beginn der Bergpredigt der Seligkeiten

Lehrberg bei Bethsaida-Julias

Di. 3.

Morgens spricht der Herr vor den Jüngern, gibt ihnen eine kurze Übersicht und Zeit­angabe über Seine heute beginnende große Bergpredigt der Seligkeiten, die sich über vierzehn Tage erstrecken wird, erklärt ihnen in Beispielen und Parabeln, daß sie zum Salz der Erde bestimmt seien (Mt. 5, 13), beauftragt die Fischerjünger und Saturnin, heute im Tal von Kapharnaum zu taufen, darunter auch den erweckten Jüngling Mar­tialis von Naim, und fährt dann mit dreißig anderen Jüngern über das Nordende des Sees und kommt mit ihnen gegen zehn Uhr auf dem Lehrberg bei Bethsaida-Julias an.

Auf dem Berge ist kein Lehrstuhl, aber ein Hügel mit einem Wall umgeben und mit einem Zeltdach für Jesus überspannt. Er lehrt zuerst von den acht Seligkeiten über­haupt und legt dann die erste aus: „Selig sind die Armen im Geiste (d. h. jene die nicht den geistigen Stolz besitzen), denn ihrer ist das Himmelreich“ (Mt. 5, 3). Er erzählt manche Parabeln, spricht auch vom Messias und redet von der Bekehrung der Heiden mit Hinweis auf die Worte des Pro­pheten Aggäus (2, 8). „Ich erschütterte alle Völker, und es wird kommen der von allen Völkern Ersehnte.“

Auch viele Pharisäer sind auf eigenen Schiffen herübergekommen und hören mit Neid und Ärger zu. Kranke werden nicht geheilt, denn alle sind in den letzten Tagen vom Herrn geheilt worden. In den Pausen verzehren die Hörer ihre mitgebrachten Speisen. Auch Jesus und die Jünger haben Fische, Brot, Honig und kleine Krüge mit einem Saft oder Balsam, davon man ein Weniges unter das Wasser mischt.

Gegen Abend kehren die Hörer teils zu Fuß, teils zu Schiff in ihre Orte zurück; während Jesus mit den Jüngern eine Hirten­herberge nördlich im Jordantal aufsucht und dort noch die Seinen auf ihre zukünf­tige Bestimmung vorbereitet.

Mi. 4.

Heute beginnt der Herr mit der zweiten Seligpreisung: „Selig sind die Sanftmütigen (d. h. die nicht aus Ehrsucht irdische Ge­walt anwenden), denn sie werden das Land (d. h. den verherrlichten Leib und die ver­herrlichte Erde) besitzen (Mt. 5, 4). Maria, ihre Nichte Maria Kleophä, sowie Maroni aus Naim, zwei andere Frauen und alle Apostel hören der Lehre zu. Die heiligen Frauen gehen früher hinweg; und Jesus begibt Sich nach der Predigt mit den Apo­steln zum Seeufer und belehrt sie über ihren Beruf: „Ihr seid das Licht der Welt, die Stadt auf dem Berge“ (Mt. 5, 14-16), und spricht vom Erfüllen des Gesetzes als Zweck Seiner Sendung und von der irdi­schen Geltung desselben bis ins kleinste (Mt. 5, 17-20).

Fischerstadt Bethsaida

Als die Jünger hinüberfahren, bleibt Er mit zwei unbekannten Jüngern zurück, um sie noch im besonderen zu unterrichten, und fährt dann zur Fischerstadt Bethsaida hin­über und bleibt im Hause des Andreas, wo Er noch mit Seiner Mutter und den heiligen Frauen spricht, bevor diese morgen nach Kana abreisen. Es ist unter anderem die Rede von Magdalena’s Rückfall in ihre Aus­schweifung, und ob die Frauen jemanden zu ihr senden sollten. Jesus empfiehlt jedoch, Geduld zu haben.

Lehrberg bei Bethsaida-Julias

Do. 5.

Der Herr setzt Seine Lehre von der zweiten Seligkeit auf dem Lehrberge fort, erklärt auch vieles aus den Propheten und spricht nach der Predigt wieder vor den Jüngern über ihre künftigen Mühen und Verfol­gungen. Er übernachtet auf dem Schiffe Petri. Saturnin hat während dieses Tages wieder im Tal von Kapharnaum getauft, unter anderen auch viele Juden aus Achaia (seit 146 v. Chr. römische Provinz in Grie­chenland am Nordende des Peloponnes; Apg. 18, 27), deren Voreltern bei der baby­lonischen Gefangenschaft dorthin geflüchtet waren.

Fr. 6.

Nachdem der Herr auf dem Lehrberge über die dritte Seligpreisung gepredigt hat: „Selig sind die Trauernden (d. h. die auf weltliche Vergnügen aus höherer Rücksicht verzichten), denn sie werden getröstet wer­den (nämlich von Gott) (Mt. 5, 5), begibt Er Sich mit den Seinen, umdrängt von vielem Volke, zur Schiffslände des Matthäus hinab, wobei Ihn im Gedränge einige blut­flüssige Frauen heimlich berühren und so­gleich geheilt sind.

Jesus fährt mit einigen Jüngern in Seinem kleinen Schiff, welches bis zwanzig Mann faßt, im Schlepptau von Petri Schiff über den See (Mt. 9, 1), und unterwegs entladet sich ein Gewitter unter starkem Wind, so daß man die Segel streicht.

Die Heilung des Gichtbrüchigen

Kapharnaum

Bei der Landung vor dem Tal von Kaphar­naum ist eine große Menge am Ufer ver­sammelt, — denn viele Hörer sind bereits gelandet — und begrüßen den Herrn mit Jubelrufen. Er begibt Sich in das von Petrus am Südtor zum Lehren gemietete Haus. Als es bekannt wird, daß Jesus hier weilt, versammeln sich viele Menschen, auch die Pharisäer und Schriftgelehrten, im Hof dieses Hauses (Mk. 2, 1-2) und drängen sich um die offene Vorhalle, in der Jesus mit den Jüngern sitzt und lehrt. Schon vor­her hat Er viele Kranke geheilt und viele, die Ihn bloß anrührten (vgl. Mt. 14, 36) ; Mk. 6, 56).

Der Herr spricht bei dieser Seiner Lehre am Ende zu den Pharisäern: „Ihr habt ge­hört, daß zu den Alten gesagt worden, ihr sollt nicht töten“ (Mt. 5, 21-26), und er­klärt ihnen im Anschluß hieran Seine Auf­fassung vom Verzeihen und von der Fein­desliebe. Und sie sind gerade mitten im Disputieren, als über dem Saale auf dem Dach ein Getöse entsteht und durch die ge­wöhnliche Öffnung der Decke von vier Männern ein Gichtbrüchiger in seinem Bett unter den Rufen: „Herr, erbarme Dich eines armen Kranken!“ an zwei Stricken mitten in die Versammlung vor Jesu nieder­gelassen wird.

Die Leute hatten schon die ganze Zeit ver­gebens versucht, mit dem Kranken durch die Menge des Volkes durchzudringen, und waren schließlich auf den Treppen, die neben dem Hause angemauert sind, auf das Dach des Saales gestiegen, hatten sich Stricke geholt und oben den Lukendeckel los­gedrückt.

Alles schaut nun auf den Kranken, der herabgelassen wird. Die Pharisäer ärgern sich, es scheint ihnen dieses ein Unfug, eine Frechheit. Jesus aber freut Sich über den Glauben der Leute, tritt hinzu und sagt zu dem unbeweglichen Kranken: „Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir ver­geben!“ Diese Worte erhöhen den Ärger der Pharisäer und sie denken: „Das ist eine Gotteslästerung; wer, außer Gott, kann Sün­den vergeben?“ Jesus aber schaut ihre Ge­danken und sagt einem jeden ins Gesicht, was er gerade gedacht, fügt einen Ausspruch aus Isaias hinzu und fragt: „Warum habt ihr solche Gedanken in euren Herzen? Was ist leichter, zu dem Gichtbrüchigen sagen: Deine Sünden sind dir vergeben ­oder sagen: Steh auf, nimm dein Bett und wandle? Damit ihr aber wißt, daß der Men­schensohn auf Erden Macht habe, die Sün­den zu vergeben, so sage Ich dir“: — und hierbei wendet Er Sieh zu dem Kranken ­„Steh auf, nimm dein Bett und geh in dein Haus !“ Da steht der Mann sogleich gesund vor ihren Augen auf, rollt sein Bett auf, legt die Traglatten zusammen, nimmt das Bett unter den Arm und die Latten auf die Schultern und geht, von seinen Führern und Freunden begleitet, lobsingend hinweg, und alles Volk jubelt vor Freude, und viele sprechen: „So etwas haben wir noch nie ge­sehen!“ (Mk. 2, 3-12). Die Pharisäer aber sind unterdessen einzeln voll Grimm fortgeschlichen, und Jesus lehrt noch vor den Seinigen und dem Volke ungestört weiter.

Als es Sabbat wird, begibt Er Sich, von der Menge begleitet, zur Synagoge, liest die fäl­ligen Lektionen von der Traumauslegung Josephs im Kerker (Gen. 41, 1) und vom Urteil Salomons (3 Kön. 3, 16), legt beide aus und setzt dann einen Teil der soge­nannten Bergpredigt fort. Alles verläuft dieses Mal ohne Störung.

Die zweite Auferweckung der Jairus-Tochter

Unter den Hörern befindet sich der Syna­gogen-Vorsteher Jairus, voller Angst um seine am 23. November vom Herrn erweckte Tochter Salome, die erneut erkrankt zu Hause mit dem Tode ringt. Sobald Jesus das Sabbathaus verläßt, fleht Ihn Jairus um Hilfe an, und gleich darauf meldet ein Bote den Tod der Salome. Indem der Herr den Jairus tröstet, er solle nur vertrauen, und Sich diesem und dem Boten anschließt, zögert Er, wie in Gedanken, etwas in Seinen Schritten. Es ist schon dunkel, und die Jünger, Freunde und lauschenden Phari­säer drängen sich um Ihn.

Plötzlich bleibt Er stehen, schaut Sich zu den Jüngern um und fragt: „Wer hat Mich angerührt?“ — „Du fragst, wer Dich ange­rührt?“ erwidert Petrus, „das Volk drängt und drückt Dich, wie Du siehst.“ — „Doch, es hat Mich jemand angerührt, denn Ich fühlte ja, daß eine Kraft von Mir ausging“ (von der göttlichen mittelst der mensch­lichen Natur Christi). Er schaut umher, und indem etwas Raum um Ihn wird, kann sich die Witwe Enue aus Caesarea Philippi nicht mehr verbergen; denn sie war es, die sich dem Herrn in der Dunkelheit und im Ge­dränge unbemerkt genähert hat, sich zuletzt in die Knie setzte und, auf die eine Hand sich stützend, mit der anderen durch die Leute hindurch den Saum von Jesu Kleid berührte, worauf sie sich augenblicklich von ihrem Blutfluß geheilt fühlte. Jetzt, vom Herrn erblickt, naht sie sich verlegen und furchtsam, wirft sich vor Ihm nieder, be­kennt vor allem Volk ihre Erkrankung und augenblickliche Heilung und bittet, der Herr möge ihr verzeihen. „Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh hin in Frieden und sei frei von deinem Lei­den!“ (Mk. 5, 21-34). Und beglückt zieht Enue mit ihrer Begleitung von dannen.

Jesus geht nun in schnelleren Schritten mit Jairus, Petrus, Jakobus Major, Johannes, Matthäus und Saturnin zur Wohnung des ersteren. Im Vorhaus stehen wieder die Klageweiber, sie spotten aber dieses Mal nicht. Auch der Herr sagt heute nicht „sie schläft nur“. Er geht zwischen den Frauen hindurch; und des Jairus Mutter, Ehefrau und deren Schwester kommen Ihm weinend, verschleiert und in Trauerkleidern entgegen. Jesus läßt Sich im Garten ein Zweiglein ab­brechen, begibt Sich mit Petrus, Jakobus, Johannes und den Verwandten in den Raum, wo die Tote liegt, läßt Sich hier ein Becken mit Wasser reichen und besprengt die Tote mit dem geweihten Wasser, betet, nimmt sie bei der Hand und spricht: „Mägdlein, Ich sage dir, stehe auf!“ Sie schlägt die Augen auf, folgt dem Zuge Seiner Hand, richtet sich auf, steigt von ihrem Lager und wendet sich ihren Eltern zu, welche sie unter hefti­gem Weinen und Schluchzen empfangen und dann zu den Füßen Jesu sinken.

Der Herr sagt, man solle ihr Trauben und Brot zu essen ‚bringen; und während die Er­weckte ißt und spricht, ermahnt Er die Eltern ernstlich, die Barmherzigkeit Gottes dankbar anzunehmen, Eitelkeit und Weltlust ganz zu lassen und ihr Kind, welches zum zweitenmal zum Leben zurückgekehrt, nicht ferner zum Tode zu erziehen. Das Mägd­lein aber, welches nun vor Rührung in Trä­nen ausbricht, warnt Er, sie solle künftig nicht mehr den Trieben ihres sündlichen Blutes folgen, sondern vom Brote des Le­bens, dem Worte Gottes, essen.

Die Eltern sind nun wie verwandelt; Jairus verspricht, sich von allem loszumachen und Jesu Befehlen zu gehorchen; und auch die Frau und alle anderen, die jetzt hereinkom­men, versprechen, sich zu bessern. Unter­des haben sich vor dem Hause viele Men­schen versammelt, und Jesus legt dem Jairus nahe, kein unnötiges Geschrei und Gerede von der Auferweckung zu machen (Mk. 5, 35-43). Und um dem Volke auszuweichen, verläßt Er mit den fünf Jüngern durch das Hinterhaus das Grundstück.

Auf ihrem eiligen Rückwege durch die Dun­kelheit erschallt plötzlich hinter ihnen der Ruf: „Jesus, Du Sohn Davids, erbarme Dich unser!“ Der Herr geht einige Schritte wei­ter und biegt in das Haus eines vertrauten Mannes ein, welches in den Stadtwall ein­gebaut ist und auf der anderen Seite einen Ausgang aus der Stadt hat. Der Mann ist ein Wächter dieses Stadtteiles, und die Jün­ger kehren hier zuweilen ein. Da ruft es wiederum und ganz nahe: „Erbarme Dich unser, Sohn Davids!“ Jesus wendet Sich um, und vor Ihm stehen zwei Blinde, die Ihm bis hierher gefolgt sind. „Glaubt ihr, daß Ich dieses tun kann?“ — „Ja, Herr!“ ant­worten sie. Da zieht Er ein Fläschchen aus dem Gewande, gießt von dem Inhalt etwas in eine handtellerkleine Schale, die braun und nicht tief ist, tut etwas Erde hinzu, rührt sie mit dem Daumen und Zeigefinger der rechten Hand und berührt damit die Augen der beiden Blinden und spricht: „Es ge­schehe euch nach eurem Willen!“ Da tun sie langsam die Augen auf und sehen und fallen auf ihre Knie und danken. Obschon Er aber auch ihnen sagt, doch ja kein Ge­schrei davon zu machen, besonders um die Pharisäer nicht noch mehr zu ärgern, erzäh­len die beiden Geheilten ihr Glück gleich auf dem ganzen Wege; denn ihre Hilferufe vorhin hatten bereits Jesu Anwesenheit in dieser Gegend verraten, und das Volk hat sich abermals genähert (Mt. 9, 27-31).

Der besessene Pharisäer

Der Herr hat kaum ein wenig Ruhe gehabt, so treffen mehrere weitläufige Verwandte seitens Annä aus der Gegend von Sephoris vor dem Hause des Stadtwächters ein und zerren an Stricken einen von einem stum­men Teufel besessenen Mann in das Haus vor den Herrn. Jener ist wie rasend, als er hereinkommt, und fährt auf Jesum zu, als wollte er Ihm ins Gesicht speien. Doch der Herr winkt mit der Hand, und der Mann steht still. Es ist Joas, jener Pharisäer, der am 16. August 32 in der Synagoge des Villen­ortes im Zabulontal mit dem Herrn dispu­tiert hatte, und der sich dann bald darauf jener Pharisäer-Kommission angeschlossen hat, die den Herrn bespitzelt. Als Jesus dann am 19. November Naim verlassen hatte, stimmte Joas aus bloßer Schmeichelei gegenüber den anderen Pharisäern in die Lästerungen über Jesum ein, Er müsse einen Teufel haben und laufe wie ein Rasender im Lande herum. Und alsbald — jetzt vor vier­zehn Tagen — ward er selbst besessen und steht nun mit gebundenen Händen und mit Stricken um den Leib vor dem Herrn.

Jesus gebietet dem Teufel auszufahren. Da zuckt der Mensch zusammen, taumelt, sinkt vor Jesus auf die Knie, ist befreit und spricht, ‚bekennt seine Sünden und bittet um Vergebung. Jesus vergibt ihm und legt ihm als Buße eine Reihe von Fasttagen mit Ver­zicht auf das Essen von Knoblauch und eine bestimmte Verteilung von Almosen auf. Ueber diese Heilung wundert sich das Volk, denn es wird für sehr schwer gehalten, stumme Teufel auszutreiben. Doch die Pha­risäer in Kapharnaum sind ganz wütend, daß selbst einer aus ihrer Mitte Hilfe von Jesus erhalten hat und öffentlich seine Sünde bekannte, an der sie teilgenommen, und sie sagen: „Im Bunde mit dem obersten

der bösen Geister treibt Er die Geister aus“ (Mt. 9, 32-34). Jesus verläßt das Haus des. Wächters durch die hintere Tür mit den Jüngern und geht um die Westseite der Stadt zum Hause Petri vor dem Südtor und über­nachtet hier.

Sa. 7.

Morgens werden am Taufbrunnen im Tal mehrere Heiden und Juden getauft; dann lehrt Jesus in der Synagoge, besucht den Hauptmann Cornelius, wo Er alle Hausbe­wohner und Knechte belehrt, und spricht schließlich noch im Hause des Jairus, wo er besonders Salome nochmals ermahnt, die bald jenen Schriftgelehrten Saraseth aus Nazareth heiraten wird, dessen Gesuch um Aufnahme als Jünger der Herr am 1. De­zember 32 abgewiesen hatte.

Hierauf spricht Jesus in dem von Petrus ge­mieteten Hause in der Stadt gleich am Süd­tor vor den Jüngern über den Täufer, lobt ihn (ähnlich wie am 20. und 30. November 32) und verkündet auf ihr Befragen den baldigen Tod desselben.

Der Mann mit der verdorrten Hand

Als die Pharisäer bei Seiner Predigt zum Sabbatschluß die Synagoge früher verlassen, spricht Er zu den Jüngern noch vom Ehe­bruch und vom Ärgernis (Mt. 5, 27-30), von der Ehescheidung (Mt. 5, 31-32) und vom Schwören (Mt. 5, 33-37).

Unterdes kehren die Pharisäer mit einem Manne zurück, den sie in einem Winkel der Synagoge gefunden haben: „Meister, hier ist noch einer, willst Du ihn vielleicht auch noch heilen?“ — Jesus heißt ihn in die Mitte der Versammlung kommen und sagt zu ihm: „Die Sünden sind dir vergeben!“ — „Seine verdorrte Hand hat ihn aber nicht gehindert, zu sündigen“, höhnen die Phari­säer. Nun faßt der Herr die Hand, biegt die Finger gerade und sagt: „Gebrauche deine Hand!“ Da streckt der Mann die Hand aus und geht dankend von dannen. Jesus aber entschuldigt ihn gegen ihre Verleumdung, äußert Mitleid gegen seine Schwäche und nennt ihn einen gutherzigen Menschen (die Heilung Mt. 12, 9 erfolgt erst am 31. Jan. 33).

Die Pharisäer, beschämt und voll Gift, nen­nen Jesus einen Sabbatschänder und über­legen draußen mit Herodianern, wie sie Ihm zu Jerusalem auf dem Fest nachstellen könn­ten. Jesus speist und übernachtet wieder im Hause Petri.

Die Seligpreisung Mariä

So. 8.

Früh morgens wird wieder getauft. Dann heilt der Herr im Hause am Südtor und be­lehrt bis zum Nachmittag die Jünger vor allem Volk über den Inhalt Seiner Bergpre­digt. Unter den Hörern drängt sich auch die Schwägerin der vorgestern geheilten Enue, namens Lea, innerlich getrieben, laut ihre Verehrung gegen Jesum kundzutun.

Gerade als der Herr die Worte sagt: „Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen“ (Mt. 5, 8), betreten die seligste Jungfrau, Martha, Susanna von Jeru­salem, Dina und Susanna Alphäi den Hof der Lehrhalle. Da ruft Lea, indem sie Maria eintreten sieht, in einer Art Freudetrunken­heit mitten durch das Volk: „Seliger der Leib, der Dich getragen, und die Brüste, die Du gesogen hast!“ Jesus blickt sie ruhig an und sagt: „Ja selig vielmehr, die Gottes Wort hören und dasselbe bewahren!“ (L. 11, 27-28; und hierin ist ja Maria das Vor­bild).

Der Herr lehrt hierauf ruhig weiter. Lea aber naht sich Mariä, begrüßt sie und er­zählt ihr freudig die Genesung der Enue, ihres Bruders Witwe, und wie sie entschlos­sen sei, alles das Ihrige auch zur Gemeinde zu geben; Maria möge ihren Sohn doch bit­ten, daß Er ihren Mann bekehre. Dieser ist ein Pharisäer aus Caesarea-Philippi. Maria spricht ganz still und gelassen mit Lea, ahnt in ihrer Demut gar nicht die hohe Bedeutung dieses Ausrufes derselben und begibt sich mit den Frauen hinweg.

Die dritte Seepredigt.

Später predigt der Herr wieder vom Schiffe aus, und zwar über die Gleichnisse vom Reiche Gottes, nämlich von der selbstwach­senden Saat (Mk. 4, 26), vom Senfkorn (Mk. 4, 40) und vom Sauerteig (L. 13, 20). Als daraufhin ein Schriftgelehrter, der schon eine Zeitlang als Jünger mitgegangen ist, den Herrn fragt, ob Er denn noch nicht an­fangen wolle, Sein Reich und den Stuhl Davids in Besitz zu nehmen, da Er Seine Sendung ja schon genug bewiesen, weist ihn Jesus zurecht und befiehlt ihm die Nach­folge. Jener äußert, er wolle vorher zu Hause Abschied nehmen; da erwidert Jesus: „Keiner, der die Hand an den Pflug legt und zurückschaut, ist brauchbar für das Reich Gottes“ (L. 9, 61-62). Und als auch zu­gleich ein anderer Schriftgelehrter, der schon bei Sephoris zu Jesus gekommen, äußert, er möchte gern erst seinen Vater begraben, erwidert Er: „Laß die Toten ihre Toten begraben, du aber geh hin und ver­kündige das Reich Gottes“ (L. 9, 59-60) ; denn dessen Vater war nicht gestorben, son­dern es war dies eine Redensart für Teilung des Vermögens, Versorgung des Vaters und Sicherstellung des eigenen Erbgutes.

Bergrücken hei Groß-Chorazin

Abends lehrt Jesus noch auf dem Bergriik­ken, wo Er bereits am 27. November 32 ge­sprochen, vor dem Ihm nachfolgenden Volke und läßt durch die Jünger alles Brot und alle Fische, die sie noch bei sich haben, aus­teilen. Dann geht Er mit einigen Jüngern weiter ins Gebirge und verbringt die Nacht in einer Höhle bei Chorazin im Gebet.

Lehrberg bei Bethsaida-Julias

Mo. 9.

Heute setzt der Herr die Bergpredigt fort, erklärt die vierte Seligkeit: „Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden“ (Mt. 5, 6), und legt die Isaias-Stelle (42, 1) aus: „Siehe mein Knecht, dem ich beistehe, mei­nen Auserwählten, an dem ich mein Wohl­gefallen habe: ich ließ meinen Geist über ihn kommen, das Recht wird er den Völkern verkünden“ (vgl. Mt. 12, 15-21).

Unter den Hörern befinden sich auch römische Soldaten, aus verschiedenen Gar­nisonen der Gegend hergesandt, um über Jesu Lehre und Wesen Bericht zu erstatten; denn man hatte aus Gallien und anderen römischen Provinzen nach Rom um Nach­richt über den Propheten in Judäa geschrie­ben.

Nachmittags steigt Jesus mit den Jüngern ins südliche Tal Wadi ed-Dalije zu einer Quelle hinab, wo mit Hilfe der Martha, Susanna und anderen Frauen von den Jüngern Spei­sen bereitet werden. Die Menge lagert sich am Abhang und Jesus segnet die Körbe und teilt den Kommenden aus, wobei die Leute verwundert sprechen: „Es mehret sich in Seinen Händen.“ Die römischen Soldaten bitten auch um gesegnete Brote von den Jüngern, um sie als Wahrzeichen nach Rom zu senden, und Jesus befiehlt, ihnen von dem zu geben, was übrig bleibe.

Die erste Verleihung von Gnadengaben.

Nachher versammelt der Herr die zwölf Apostel an einem grünen Platz am Ostufer des Sees und erteilt ihnen die Macht, un­reine Geister auszutreiben (Mt. 10, 1-4). Er gibt ihnen diese Macht mit einem Segen und den anderen Jüngern die Gewalt, zu taufen und dabei die Hände aufzulegen. Alle weinen, und Jesus ist auch sehr bewegt.

Magdala und Umgegend

Dann fährt Er mit den Zwölfen und etwa fünf anderen Jüngern am Ostufer bei Hip­pos vorbei und landet nahe bei Magdala. Er befreit gleich einige heranlaufende Besessene, die Ihn anschreien, was Er hier wolle. Die Geheilten danken und eilen in den Ort Magdala, aus dem alsbald Leute mit anderen Besessenen heraus und zum Herrn kommen. Petrus, Andreas, Johannes, Jakobus und dessen Vettern folgen den Leuten in den Ort und heilen und exorzisieren in ihm. Draußen belehrt der Herr die Geheilten, heilt dann noch selbst in der Dämmerung und übernachtet mit den Jüngern auf dem Schiff.

Di. 10.

Nachdem Jesus wieder vor und und die Apostel in Magdala geheilt haben, steigt Er die östliche Anhöhe hinauf, wo Ihm zwei besessene vornehme Jünglinge von Gergesa entgegeneilen, die Er am 19. August 32 ab­gewiesen, als sie verlangten, Seine Jünger zu werden. Er heilt sie jetzt und trägt ihnen auf, ihre Heilung in Gergesa zu verkünden.

Nach Tisch spricht Er vor einer großen Menge Menschen in Gegenwart der Jünger über Buße, Nähe des Reiches und von dem Wert einer menschlichen Seele; und hier­bei fallen die Worte: „Wenn Sodoma und Gomorrha diese Dinge gehört und gesehen hätten, die hier in Galiläa geschehen, sie würden sich bekehrt haben“ (vgl. Mt. 11, 23). Dann fährt Er mit den Jüngern gen Seemitte, läßt wieder wenden und übernach­tet auf dem Schiffe, eine Stunde südlich von der Schlucht bei Magdala.

Die Besessenen von Gergesa

Distrikt und Stadt Gergesa

Mi. 11.

Im Distrikt Gergesa, der zehn Flecken um­faßt und nicht mit der palästinensischen Dekapolis zu verwechseln ist, vollzieht sich heute bei der Schlucht, südlich von Magdala, Jesu Exorzismus an den zwei besessenen Hei­den und die damit verbundene dämonische Besitzergreifung der an tausend in dieser Gegend gezüchteten Schweine, die sich in­folgedessen in den Sumpf oberhalb der Schlucht stürzen, den Wasserfall nieder-rasen und im Wirbelkessel am Seeufer er­saufen (Mk. 5, 1-20).

Die beiden Geheilten, Verwandte heidnischer Priester, eilen nach Gergesa und kehren, anständig gekleidet, zu dem Hügel zurück, wo sich unterdes viele Menschen angesam­melt haben und der Predigt Jesu lauschen. Eine Deputation von Oberen und heid­nischen Priestern aus Gergesa sucht Jesum auf, anerkennt Ihn als großen Magier und ersucht Ihn höflichst, die Gegend zu ver­lassen, damit nicht noch größerer Schaden als die Vernichtung der Schweineherde ent­stehe. Trotz der ernsten Belehrung des Herrn bleiben sie bei ihrem Begehren und kehren nach Gergesa zurück.

Hierauf bereitet der Herr noch viele Be­kehrte zur Taufe vor und trägt den beiden heute geheilten Jünglingen auf, in den zehn Orten der Gergesener zu predigen und die Leute zu Ihm zu rufen. Er segnet sie und verheißt ihnen die Gabe der Weissagung, wenn sie Seinen Willen erfüllten.

Nachdem die Apostel getauft haben, besucht der Herr abends mit ihnen den Synagogen-Vorsteher in Gergesa und speist mit ihm. Als die Stadtoberen jenen für allen Schaden an Besitz verantwortlich zu machen drohen, falls er Jesum nicht fortschicke, verläßt der Herr Gergesa und übernachtet in einem Hir­tenhause. Hier erklärt Er den Seinen, daß Er die Teufel habe in die Schweine fahren lassen, damit die übermütigen Heiden sähen, daß Er der Prophet der Juden sei, die diese hier so schmählich drückten und höhnten, und damit sie durch den Sachschaden auf die Gefahr ihrer Seelen aufmerksam wür­den. Den beiden besessenen Heiden aber habe Er deshalb befohlen, vorher eine große Kufe umzustürzen, weil deren Inhalt, eine Mischung von Traubensaft und Tollkraut, die Ursache gewesen, wodurch die Menschen dieser Gegend Anfälle teuflischer Besessen­heit bekämen.

Der erste Wandel auf dem See

Do. 12.

Tagsüber heilen die Apostel, und Jesus lehrt vor großer Versammlung. Abends entsen­det Er die beiden, letzten Dienstag geheilten jüdischen Jünglinge in die ganzen zehn Städte von Kedar bis hinauf nach Caesarea-Philippi, segnet sie und verheißt auch ihnen den prophetischen Geist, wie den beiden Heiden gestern. Wenn sie ihr Amt recht ver­sähen, würden sie stets wissen, wo Er sei, Strafgerichte verkünden und Kranke in Sei­nem Namen heilen.

Dann befiehlt Er den Jüngern, gen Bethsaida zu fahren, während Er Sich Selbst in die Wildnis zwischen Felsenhügeln zum ein­samen Gebet zurückzieht. Nachts erblicken die Jünger in der Mitte des Sees, Tiberias gegenüber, den Herrn über das Wasser zu ihnen wandeln. Es spielt sich nun etwas Ähnliches mit Petrus ab, wie es Matthäus 14, 22-33 berichtet, doch der von Matthäus, Markus und Johannes erzählte Wandel Jesu auf dem See geschieht erst in der Nacht vom 3. zum 4. Februar 33.

Die Jünger sehen die Gestalt auf dem Was­ser, erschrecken und wissen nicht, ob Er es sei oder Sein Geist, und schreien laut auf vor Furcht. Jesus sagt aber: „Fürchtet euch nicht, ich bin’s!“ Da ruft Petrus: „Herr, wenn Du es bist, so heiß mich auf dem Wasser zu Dir kommen!“ Als Jesus spricht: „Komm?“, steigt Petrus auf dem Leiterchen der Bordwand in seinem Eifer aus dem Schiff und eilt eine sehr kleine Strecke auf dem vom Winde bewegten Wasser wie auf ebenem Land zu Ihm. Er scheint darüber zu schweben, denn das bewegte Wasser hin­dert ihn nicht. Als er sich aber verwundert und mehr an das Wasser, den Wind und die Wellen als an das Wort Jesu denkt, gerät er in Angst und beginnt zu sinken, und mit diesem Gefühl ruft er: „Herr, rette mich!“, und sinkt beinahe bis an die Brust und streckt die Hand aus. Da ist Jesus bei ihm, faßt die Hand und sagt: „Du Kleingläubiger! warum zweifelst du?“ Sie steigen in das Schiff, und der Herr verweist ihm und den anderen ihre Furcht. Der Wind legt sich so­gleich, und sie fahren nach Bethsaida.

Kapharnaum und Umgebung

Fr. 13.

Gleich nach der Landung rufen Ihn zwei Blinde an, die sich, dem Sprichwort zu­wider, gegenseitig zu Ihm führen. Er heilt sie, wie auch Lahme und Stumme; und wo Er hinkommt, drängt sich das Volk mit Kranken zu Ihm. Viele rühren Ihn an und werden gesund (Mt. 14, 36). Man harrt überall auf Ihn, weil man weiß, daß Er zum Sabbat kommen werde. Er kann nicht ein­mal Zeit gewinnen zum Essen, und die Jün­ger legen Ihm nahe, zu ruhen und zu essen (Mk. 3, 20-21).

Der Tumult in Kapharnaum

Unweit Kapharnaum bringt man Ihm einen blinden und stummen Besessenen, den Er sogleich heilt, worüber das Volk erstaunt (Mt. 12, 22-23). Während Er noch im Hause am Südtor heilt und lehrt, herrscht in der Stadt großer Tumult; denn nachmit­tags sind mehrere Schiffe voll Gergesener Juden herübergekommen, die die Wunder­taten Jesu von den letzten Tagen erzählen. Die Pharisäer aber verbreiten überall, Jesus treibe die Teufel durch die Teufel aus (Mt. 12, 24). Doch die Leute und Bürger, von denen einige mit einer Art von Arm­brust (gastraphetes oder arcuballista) be­waffnet sind, lassen die Pharisäer hervor­rufen und dringen darauf, sie sollen auf­hören, Jesum zu schmähen, sie sollen Ihn anerkennen und zugestehen, daß nie solche Taten in Israel geschehen seien. Wenn sie von ihrem Widerstand nicht ablassen, so mögen sie Kapharnaum verlassen. Die Pha­risäer stellen sich ganz friedlich, doch tritt ein breiter, dicker Mann als Redner hervor und hält einen langen Vortrag über das Reich der bösen Geister, die Schwierigkeit hierüber besonnen zu urteilen, mit Hinweis auf die Unruhe, die aus dem Wirken Jesu hervorgehe, und mit Hinweis auf das heran­nahende Fest, welches Ruhe gebiete (das Tempelweihfest des 25. Kislev, das schon gestern abend begonnen wurde, da es mit dem heutigen Sabbat zusammenfällt). So gelingt es ihm, das Volk zum Auseinander­gehen zu bringen und manche Dummen zu überzeugen.

Zum Sabbat lehrt der Herr ungestört in der Synagoge aus der Geschichte Josephs (Gen. 44, 18-47, 17) und aus Ezechiel (37, 16 bis Ende). Auch aus Daniel erklärt Er Eini­ges. Aber der Pharisäer Gedanken wissend, und was sie dem Volk vorgeschwatzt haben, stellt Er sie hierüber zur Rede und sagt: „Jedes Reich, das in sich selbst uneins ist, wird zerstört“, und das Weitere, was Mat­thäus (12, 25-30) von dieser Selbstvertei­digung Jesu berichtet. Er übernachtet wie­der im Hause Petri.

Sa. 14.

Die Apostel taufen beim Hause Petri, und der Herr besucht mit einigen Jüngern nach­einander die Familien des Jairus, Cornelius und Serobabel. Beiden Letzteren gibt Er auf ihr Befragen den Rat, die Einladung zu des Herodes Geburtstag zum 8. Januar nicht anzunehmen, sondern sich zu entschuldigen. Hierauf besucht Er Seine Mutter, verkün­det Seine morgige Abreise und tröstet Mar­tha über den Rückfall Magdalena’s.

Vor Schluß des Sabbats predigt Er vor dem Volk im Haus am Südtor nochmals über „Selig sind die Armen im Geiste“ und wen­det die Lehre gegen die Pharisäer an. Die heiligen Frauen hören zu. Nachher unter­richtet Er die Jünger allein über ihre mor­gige Aussendung durch Ihn. Viele Jünger aber entläßt Er in ihre Heimats-Orte. Und alles dieses, sowie Seine eigene morgige Ab­reise, geschieht, um dem allzu starken Zu­sammenströmen der Menschen in Kaphar­naum entgegen zu arbeiten. Auch empfiehlt Er den vielen Gergesenern, wieder nach Hause zurückzukehren und zu Hause Seine Lehren zu befolgen; denn sie sind in der falschen Hoffnung hierher gekommen, Amtsstellen im vermeintlichen irdischen Reiche Jesu zu empfangen.

In der Sabbatschluß-Lehre setzt Er Seine Verteidigungsrede fort wider die Anschuldi­gung, Er treibe Teufel durch Teufel aus, und spricht über die Sünde wider den Hei­ligen Geist (Mt. 12, 31-37).

Die erste Aussendungsrede

Lehrberg bei Hanathon

So. 15.

Gegen zehn Uhr wandelt Er mit den zwölf Aposteln und etwa dreißig Jüngern und mehreren Volksgruppen in Richtung auf Saphet und Hanathon. Unterwegs bleibt Er oft stehen, belehrt bald diese, bald jene Gruppe und entläßt dann das Volk.

Gegen drei Uhr nachmittags besteigt Er mit den Seinen den Lehrberg bei Hanathon, wo Er am 10. Januar 32 gelehrt, und hält Seine erste große Aussendungsrede an die Apostel (Mt. 9, 36-10, 16). Diese tragen kleine Fläschchen mit Öl bei sich, und Er lehrt sie, dasselbe zu weihen und bei Heilungen zu gebrauchen. Nachher knien sie im Kreise um Ihn nieder, und Er betet und legt ihnen Seine Hände auf den Kopf. Die Jünger seg­net Er nur. Dann umarmen sie sich und scheiden, nachdem Er ihnen ihre Wegrich­tungen, die Botschaftssendungen durch Jün­ger zwischen Ihm und ihnen und schließlich den Treffpunkt der allgemeinen Zusammen­kunft mit Ihm angegeben hat.

Karte Nr. 24
1-Fahsel Emmerick Karte 24

Sechs Apostel: Petrus, Jakobus Minor, Johannes, Philippus, Thomas und Judas nebst zwölf Jüngern gehen mit Ihm; die anderen sechs Apostel wandern mit acht­zehn Jüngern in Richtung Nordosten gen Leccum. Am Fuß des Lehrberges wird der Herr wieder von Volksgruppen umringt, und Er übernachtet hier, wie vom 10. zum 11. Januar 32, in Bethanat (Mt. 11, 1).

Die Rundreise in Mittelgaliläa

Seiden- und Sandalen-Stadt Hukok

Mo. 16.

Am Brunnen vor der Vorstadt von Hukok erwarten Ihn ein Blinder und mehrere Lahme. Er heilt sie, und der geheilte Blinde läuft jubelnd in die Stadt. Alsbald holen die Einwohner, darunter der Synagogenvor­steher und der Schullehrer mit vielen Kin­dern, den Herrn in Prozession in die Vor­stadt ein, wo Er in der Gesetzesschule über einige Seligkeiten spricht und Parabeln er­zählt. Die Jünger hat Er beauftragt, Ihm hierbei gut zuzuhören, um in den umliegen­den Ortschaften und Häusern Seine Lehren und Parabeln zu wiederholen. Die Apostel verteilen sich daraufhin mit einzelnen Dün­gergruppen, heilen und lehren und treffen abends wieder mit dem Herrn zusammen. Alle übernachten in der Vorstadt beim Synagogenvorsteher.

Di. 17.

Nachdem Jesus morgens noch in der Vor­stadt gelehrt und geheilt hat, zieht Er mit­tags, von vielen Leuten begleitet, in Hukok selbst ein; und die Apostel und Jünger ver­teilen sich wieder paarweise in der Stadt und Umgegend.

Während sich die Synagoge mit Hörern füllt, heilt Jesus in zwei getrennten Hallen je kranke Männer und Frauen und mit letz­teren auch Kinder. Gesunde Kinder seg­net Er.

Im Sabbathaus lehrt Er vom Gebet und vom Messias, vom Anbeten Gottes im Geiste und in der Wahrheit (im Sinne vom Hl. Geiste und der menschgewordenen Wahrheit).

Als die Lehrer Ihn ganz freundlich fragen, Er solle doch deutlich sagen, ob Er denn der Messias, der Sohn Gottes sei, antwortet Er ausweichend: Wenn Er sage: „Ich bin es!“, so würden sie es nicht glauben und entgegnen, Er sei doch der Sohn Josephs und Mariä. Aber sie sollten nicht nach Sei­ner Herkunft fragen, sondern Seine Lehren und Handlungen betrachten: Wer den Willen des Vaters erfülle, der sei der Sohn des Vaters; denn der Sohn sei im Vater und der Vater im Sohne, und wer den Willen des Sohnes erfülle, erfülle den Willen des Vaters (vgl. Mt. 12, 50; J. 5, 30). Und Er spricht so schön hierüber, daß viele aus­rufen: „Herr, Du bist der Christus. Du bist die Wahrheit“, und sich niederwerfen und Ihn anbeten wollen. Er aber wiederholt: „Betet den Vater an im Geiste und in der Wahrheit!“ (vgl. J. 4, 24), und begibt sich wieder von der Stadt zum Vorort zurück, und zwar mit dem Vorsteher, bei dem Er mit den Jüngern speist und übernachtet.

Mi. 18.

Am Morgen lehrt der Herr noch in Hukok und legt die Parabel vom Sämann (Mt.13,1) und vom guten Hirten (J. 10, 1) aus; und so sollten seine Knechte und seiner Knechte Knechte handeln bis ans Ende der Tage; und wenn am Ende auch nur ein einziges Schaf gerettet würde, sei die Liebe doch erfreut. Dann schickt Er die Apostel und einige Jünger voraus und folgt gegen Mittag mit den übrigen Jüngern in Richtung auf Bethanat zurück.

Levitenstadt Bethanat

Etwa eine halbe Stunde vor Bethanat fleht Ihn ein von zwei feinen Knaben geführter Blinder, namens Ktesiphon, um Hilfe an. Jesus geht mit ihm zu einem Wasserquell, befiehlt ihm, sich die Augen zu waschen, und salbt dann dieselben, sowie auch die geschwürige Stirn und Schläfe mit Öl. Da sieht der Mann, die Geschwüre fallen ab, und er dankt; und Jesus segnet die beiden Knaben und sagt, sie würden dereinst das Wort Gottes verkünden (nicht zu verwech­seln mit J. 9, 7).

Vor Bethanat trifft Er mit den Aposteln und anderen Jüngern zusammen. Die Einwohner umjubeln den geheilten Ktesiphon. Jesus legt in der Synagoge, wie gestern, die Gleich­nisse vom Sämann und vom guten Hirten aus und speist und übernachtet im Hause der hiesigen Leviten bei der Synagoge, die hier wie in einem Kloster zusammenleben und Leute an andere Orte aussenden. Die Einwohner sind ganz gut und glücklich über Jesu Ankunft, und es wohnen keine Phari­säer hier.

Pharisäer-Stadt Galgala

Der Herr geht mit den Seinen bis gegen Abend um Saphet herum. Die Apostel zer­streuen sich in der Gegend und finden sich einige Male paarweise, andere Male zu meh­reren wieder bei Ihm ein. In Galgala legt Er in der Synagoge alle Stellen des Pro­pheten Malachias aus, die vom Messias, vom Vorläufer Johannes und vom neuen, reinen Opfer sprechen, und verkündet, daß diese Zeit jetzt gekommen sei. Er lehrt streng wider die Pharisäer, die hier wohnen.

Nahum-Stadt Elkese

Hierauf lehrt Er kurze Zeit gleich nordöst­lich in Elkese, der Geburtsstadt des Pro­pheten Nahum. Beim nahen Brunnenteich heilt Er im Aussätzigenhaus acht Kranke und befiehlt ihnen, sich vor den Priestern in Saphet zu zeigen. Auch spricht Er vor Hirten bei einer Kamelweide und dann vor Heiden, die bei einem Berge in Höhlen woh­nen. überall auf dem Wege bringt man Ihm Kranke, die Er heilt.

Gut der Nichte Elisabeths bei Bethan

Gegen Abend kehrt Er auf einem an die Mauer von Bethan angrenzenden Gutsbesitz der Nichte Elisabeths ein, die mit ihrem Mann und fünf Kindern der Vereinigung der verheirateten Essener angehört. Sie sprechen mit Ihm vom Täufer; denn er war bei ihnen gewesen, als er vor anderthalb Jahren von den Quellen des Jordan aus der Wildnis herabkam, und sie waren damals als einige von den ersten Pilgern zu seiner Taufe gezogen. Die beiden Söhne des Hauses beabsichtigen, demnächst zur Fischerei nach Kapharnaum zu gehen, doch Jesus erwidert, jene Fischer hätten eine andere Fischerei angefangen, und diese Jünglinge würden zu ihrer Zeit auch nachfolgen.

Bei einer gelegentlichen Bemerkung des Heilandes, daß die anderen Jünger jetzt in den Grenzen von Sidon und Tyrus predigen, und Er gen Juddäa gehen wolle, äußert Thomas den Mitbrüdern gegenüber, die nicht gern dorthin ziehen wollen, seine Freude hierüber, nun bald mit den dortigen Pharisäern disputieren zu können. Doch Jesus verweist ihm den übertriebenen Eifer und sagt ihm, er werde noch einst selbst nicht glauben wollen, was Thomas gar nicht begreifen kann.

Bethanats Tochter-Stadt Bethan

Fr. 20.

Morgens heilt und lehrt der Herr mit den Jüngern in Bethan und legt in der Gesetzes-schule die zweite Seligkeit aus. Als Er am Nachmittag die Jünger unterrichtet, wie sie lehren sollen, erscheinen Pharisäer von Saphet, um Ihn einzuladen, und greifen disputierend in den Unterricht ein, der gerade die Parabel vom Sämann (Mt. 13, 1) zum Gegenstand hat, und wollen das Bild vom steinigen Acker nicht begreifen. Jesus nimmt ihre Einladung nach Saphet an, be­merkt aber, Er wolle zwar wegen der ver­lorenen Schafe mitgehen, aber sie, die Sad­duzäer — denn es sind solche dabei ­würden sich an Ihm ärgern. Sie erwidern: „Rabbi, das laß unsere Sache sein!“

In der Universitäts-Stadt

Universitäts-Stadt Saphet

Von vielen Leuten begleitet, steigt Jesus nach Saphet hinauf und wird vor der Stadt von vielen guten Einwohnern festlich emp­fangen. Sie ziehen mit grünen Zweigen um Ihn her und singen. Man wäscht Ihm und den Jüngern die Füße und reicht einen Imbiß. Die große Synagoge ist überfüllt, denn es schließt heute das Lichterfest der

Tempelweihe und ist zugleich Neumonds-fest des ersten Thebet.

Thomas besucht hier an der Gesetzesschule seinen früheren Professor, einen Pharisäer, der sich wundert, ihn in dieser Gesellschaft zu sehen. Doch Thomas spricht eifrig von Jesu Taten und Lehren, bis er seinen alten Lehrer zum Schweigen bringt.

Unterdes sprechen die Pharisäer und Sad­duzäer, die sich hier von Jerusalem her ein­genistet haben und den einheimischen Phari­säern und Lehrern durch ihre Eigenmäch­tigkeit sehr zur Last fallen, sehr glattzüngig von Jesu Ruhm und Wundern, legen Ihm aber nahe, doch ja keine Unruhe hier zu erregen; denn sie haben sich bereits über den festlichen Empfang geärgert.

Indem nun Jesus vorerst, da der Sabbat noch nicht begonnen hat, in der Vorhalle der Synagoge vor allem Volk von der Störung und dem Ärgernis redet, die durch jene Pharisäer und Sadduzäer das Land erfüllen, erscheinen die sieben oder acht, von Ihm gestern geheilten Aussätzigen aus Elkese, um sich den Priestern vorzustellen. „Da seht ihr, wie Ich das Gesetz erfülle“, ruft Jesus, „Ich befahl diesen Leuten, vor euch zu erscheinen, was sie nicht einmal nötig hätten, da sie durch Gottes Befehl plötzlich und nicht durch menschliche Arznei rein geworden sind.“ Trotz ihres Ärgers müssen die erstaunten Pharisäer jene lossprechen, nachdem sie deren Brust beschaut haben.

Hierauf lehrt der Herr in der Synagoge außer der fälligen Sabbatlektion aus dem ersten Buche Moses und dem ersten Buche der Könige auch über die zehn Gebote und hebt verschiedene Punkte hervor, bei denen sich die Pharisäer und Sadduzäer heimlich betroffen fühlen. Hierbei verurteilt Er auch ihr „Gesetz von gestern“, wie Er es nennt, etwas ähnliches wie den heutigen Talmud, da sie hier in Julias besonders viel darauf halten und dergleichen studieren.

DER WANDEL JESU IN DER WELT – Nach den Visionen der Anna Katharina Emmerich

Krankenheilungen in der Nacht

Wegen der anwesenden Pharisäer sind die Bewohner von Aruma scheu und melden sich bei Tage nicht. Daher heilt der Herr nicht öffentlich; aber wie in der gestrigen Nacht, so wandelt Er auch in der heutigen Nacht, von ein paar Jüngern begleitet, durch die mondhellen Straßen zu einigen kleinen Pforten, wo Ihn Menschen demütig erwarten, um Ihn in den Hof zu den aufgebahrten Kranken zu führen, die Er ermahnt und heilt. Unter ihnen läßt Er auch eine blut­flüssige Frau Seinen Gürtel küssen und spricht dabei Worte, die so viel besagen wie: „Ich heile dich in der Intention, in der dieser Gürtel getragen wird, vom Anfange bis zum Ende.“ Anderen Kranken legt Er die Enden Seines Gürtels auf das Haupt. Dieser Gürtel ist ein langes, breites Tuch und wird bald breit, bald schmal zusammen­gelegt getragen, bald mit kurzen, bald mit lang herniederhängenden Enden, an denen Quasten befestigt sind.

Jüngerherberge bei Thänath-Silo

So. 20.

Nachdem Er morgens nochmals sehr ernst­haft wider die Pharisäer gesprochen hat, in­dem Er auf ihre Verteidigung der Heiligkeit der äußeren Gebräuche und Formen hin Beispiele von Heiden anführt, denen der Satan schließlich die leeren Formen ausge­füllt habe, wandert Er zu der von Lazarus eingerichteten Jüngerherberge bei Thänath­Silo, in jenem Tal vor Samaria, wo sich einst (Gen. 12, 6) Abraham bei der Terebinthe im Hain Moreh zuerst niedergelassen hatte, und übernachtet hier mit den Ihn beglei­tenden Jüngern.

Ackerbau-Stadt Thänath-Silo

Mo. 21.

Tagsüber wandelt der Herr durch die um­liegenden Felder und spricht vor Frauen und Männern, die an großen Getreidehaufen arbeiten, über das Gleichnis vom Sämann und dem verschiedenen Erdreich (Mt. 13, 3 ).

Abends beginnt mit Abschluß des letzten Monatstages, des 30. Tisri, und dem Anfang des 1. Marchesvan das Neumondsfest, zu welchem Jesus aus Seiner Herberge vor der Stadt von den Einwohnern abgeholt und in die Stadt eingeführt wird. Er lehrt im Sab­bathaus, speist mit den Gesetzeslehrern und übernachtet wieder in der Jüngerherberge.

Di. 22.

Nachdem Er in Thänath Kranke aller Art, besonders viele Lahme und Gichtleidende geheilt und auch viele kranke und gesunde Kinder gesegnet hat, zieht Er wieder in das Erntefeld hinaus, heilt auch hier viele Ar­beiter und nimmt unter einer noch stehen­den Laubhütte an einem Picknick teil, wel­ches Ihm die Einwohner von Thänath bereiten. Hierauf hält Er eine große Lehre, die sich besonders gegen die unnütze und übertriebene Lebenssorge richtet, wobei Er das Gleichnis von den Lilien auf dem Felde (Mt. 6, 25) erzählt und auch schon einige Seligpreisungen erklärt, die in der sogenann­ten Bergpredigt (Mt. 5, 3) die Einleitung bilden. Die Bewohner von Thänath sind in ihrem Ackerbau und Handel sehr erwerbs­tüchtig, und sie halten den Zehnten, den sie von der ganzen Gegend einzuziehen haben, oft lange zurück und wuchern damit. Phari­säer wohnen hier nicht.

Abrahams Terebinthe im Hain Moreh

Mi. 23.

Morgens heilt der Herr noch die vielen Kran­ken, die man aus der ganzen Umgegend in Thänath-Silo zusammengebracht hat. Gegen Mittag zieht Er, von Bewohnern begleitet, zum Brunnen Abrahams im Hain Moreh, wo jene Terebinthe (Elon im Hain des Moreh) steht, unter der einst in der neunten Nacht vor Christi Geburt die heilige Jungfrau auf ihrer Reise nach Bethlehem so sehr gefroren hatte und von Gott in ihrem diesbezüglichen Bittgebet erhört worden war. Hier spricht der Herr vor einer Schar von lernbegierigen Leuten, zumal samaritischen Arbeitern, die Ihn hier teils erwartet, teils bis hierher be­gleitet haben.

Beim Gutsbesitzer Obed

Grenz-Doppel-Stadt Aser-Michmethat

Gegen Abend besucht Er den Lustort vor der Doppel-Stadt Aser-Michmethat, die als Aser im südlichen Stammgebiet Ephraim und als Michmethat im nördlichen Stamm­gebiet Manasse liegt. Auch hier im Lustort liegt ein Brunnen Abrahams, und Jesus heilt hier erst Kranke und wird von den Bewoh­nern der Stadt liebevoll empfangen, kehrt aber dann in dem in der Nähe liegenden, großen Landgut des nach Weise eines Pa­triarchen Job lebenden Obed ein, der Ihn mit Seinen Jüngern sehr liebevoll aufnimmt.

Do. 24.

Am Morgen lehrt der Herr im Badegarten vor Michmethat am Brunnen Abrahams vor ungefähr vierhundert Menschen, die sich auf dem Rasen des treppenförmigen Abhanges um den Brunnen gelagert haben. Er spricht deutlich von der Ankunft des Reiches und Seiner Sendung, von Buße und Taufe, und bereitet auch einige der Hörer zur Taufe vor.

Hierauf wandelt Er mit Obed durch die die­sem gehörenden Felder zu einzelnen Häu­sern und belehrt und tröstet hier die älteren Angehörigen der Gutsarbeiter, die nicht zur Brunnenlehre hatten kommen können. Un­terwegs unterhält Er Sich mit Obed über Abraham, Jakob und Job; denn der reiche Obed, dessen Voreltern sich aus Juda hier angesiedelt hatten, lebt wie jene ganz be­wußt in Nachahmung jener alten Patriar­chen. Er allein hat achtzehn Kinder, von denen viele schon verheiratet sind und alle auf diesem seinem großen Landgut leben, oder in den Orten Aser und Michmethat. Ganz besonders aber verehrt Obed den Job und nimmt ihn sich in allem zum Muster.

Nachmittags wohnt der Herr einer großen Mahlzeit bei, die rund um Obeds Haus und in dem Hof unter Laubhütten unter Beteili­gung fast aller Einwohner von Michmethat und besonders aller Armen der Gegend stattfindet. Jesus geht von Tisch zu Tisch, segnet, lehrt, erzählt Parabeln und teilt liebevoll Speisen aus.

Gegen Abend besucht Er noch Kranke in Privathäusern, heilt sie und segnet unter­wegs auf den Straßen von Michmethat sehr viele Kinder, die Ihm die Mütter reihen­weise vorstellen. Bei Seiner Rückkehr im Hause Obeds segnet Er auch die Kinder der Familie und der weiteren Verwandten. Be­sonders viel redet Er mit einem siebenjähri­gen Sohne Obeds, der bei einem älteren Bruder wohnt und oft des Nachts auf dem Felde kniend betet. Nach Jesu Tod kommt dieser fromme Knabe zu den Jüngern Christi.

Fr. 25.

Früh morgens besucht der Herr mit den Jün­gern den nördlichen Teil des Ortes, Aser. Die hiesigen Pharisäer sind verärgert, daß Jesus zuerst Michmethat statt Aser aufge­sucht hat. Auch viele der Einwohner sind hoffärtig und stecken mit anderen Leuten zusammen, die Abgaben und Zölle für die Römer zu erheben haben, und wuchern mit diesen Geldern. Diese, sowie die Pharisäer lieben Jesus nicht; und doch wollte ihr Ehr­geiz, daß Er, der Gelehrte, zuerst bei ihnen einkehre und nicht bei ihren Nachbarn, auf die sie herabsehen. Jesus lehrt hier im Sab­bathause und heilt mehrere Kranke.

Mittags kehrt Er zum Brunnen vor Mich­methat zurück und nimmt erst im allgemei­nen, dann von einzelnen das Sündenbekennt­nis entgegen und läßt durch Saturnin und Judas Barsabas taufen. Nach der Taufe nimmt Jesus einen kleinen Imbiß ein und predigt dann zum Sabbatanfang wieder in Aser über die Vertilgung von Sodom und Gomorrha und über die Wundertaten des Propheten Elisäus. Mit dieser Seiner schar­fen Bußpredigt sind die Pharisäer nicht zu­frieden, zumal Er nachher beim Mahle mit ihnen davon spricht, daß sie zwar die Zöll­ner verachten, aber selbst den Wucher, nur versteckter und scheinheiliger, betreiben. Er übernachtet wieder bei Obed.

Sa. 26.

Morgens predigt der Herr wieder im Sabbat­hause zu Aser, und zwar von Abraham und Elisäus, und heilt dann noch viele Kranke, darunter auch dämonische und melancho­lische.

Am Nachmittag folgt Er einer Einladung seitens der Pharisäer zum Ehrenmahl im Stadthotel, ruft aber viele Arme und die Leute von Michmethat hinzu und läßt alles durch Seine Jünger bezahlen. Bei Tisch er­heben die Pharisäer heftigen Widerspruch gegen Ihn, und Er legt ihnen die Parabel vom ungerechten Schuldner (L. 16, 1) da­hin aus, daß sie den Armen die Abgaben abdrückten und den Römern vorlögen, sie könnten nicht bezahlen, um sich dann das übrige Geld einzustecken; auch daß sie höhere Abgaben aufschrieben und den Römern nur den dritten Teil gäben. Als sich die Betroffenen verteidigen wollen, sagt Er: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“ (Mk. 12, 17.) (Denselben Ausspruch tut Er später, am 19. März 34 noch einmal im Tempel.) Sie sind zuletzt ganz ergrimmt und sagen, was denn Ihn dies angehe.

Abends beginnt mit Anbruch des 6. Mar­chesvan der Fasttag zur Erinnerung an den jüdischen König Sedekias (dem Nabuchodo­nosor die Augen ausstechen ließ, nachdem er dessen Söhne hatte töten lassen; 4 Kön. 25, 7; Jerem. 52, 10-11).

So. 27.

Wie an Fasttagen üblich, gehen die Leute heute etwas spazieren. Der Herr schließt Sich ihnen hierbei an, besucht die Wein­berge, die hier zum zweiten Mal reifen, lehrt dann bei Hirten in der Gegend und predigt zum Schluß wieder am Brunnen vor Mich­methat über das Reich, das von den Juden zu den Heiden übergehen werde.

Als Obed nachher meint, die Heiden könn­ten durch solche Bemerkungen hoffärtig werden, weist Jesus darauf hin, daß jene ge­rade wegen der Demut den Vorzug erhalten würden, und warnt hierbei Obed und die Seinen vor dem Gefühl einer gewissen Ge­rechtigkeit und Selbstzufriedenheit, wozu sie in der Tat etwas hinneigen. Daher er­zählt Er ihnen die Parabel von den Talenten (Mt. 25, 14-30). Nachher belehrt Er auch die Frauen des Gutshofes in einem eigenen Park unter einer großen Laube, unter der Er ihnen die Parabel von den klugen und törichten Jungfrauen erzählt (Mt. 25, 1 bis 13).

Aufnahme des Bartholomäus und des Judas

Adventshirtenhaus bei Sichern

Mo. 28.

Des Morgens verläßt der Herr mit fünf Jün­gern Michmethat, unterrichtet unterwegs einige Hirten und kommt gegen Mittag in jenem Hirtenhause bei Sicheln an, wo Er am 31. Juli 32 mit Seiner Mutter zusammen­getroffen war. Es liegt auf dem Landgut des Patriarchen Joseph, dem Erbteil Jakobs (Gen. 48, 22). Der Wirt dieses Gutes und Hauses ist ein Pächter. Jesus lehrt hier zu­erst vor einer großen Volksversammlung und nimmt dann im Hirtenhause ein länd­liches Mahl ein.

Gerber-Stadt Meroz

Vom Adventshirtenhaus bei Sichern begibt Sich Jesus zum Gerberorte Meroz. Er wird von den armen Bürgern, die um Seine An­kunft wissen, sehr freudig empfangen. Sie kommen Ihm mit Kleidern und Sandalen entgegen, um sie Ihm und den Jüngern zu überreichen. Der Herr dankt und begibt Sich mit ihnen zum Hotel der Stadt, wo man Ihm die Füße wäscht und einen Imbiß reicht. Dann empfängt Er den Besuch der Pharisäer und lehrt noch am Abend im Sabbathaus vor vielem Volk über die Parabel vom faulen Knecht und dem vergrabenen Talente (Mt. 25, 14), mit dem Er die Einwohner von Meroz vergleicht, da sie als Söhne der Mägde nur ein Talent erhalten hätten, es aber, statt damit zu wuchern, vergraben hätten, weshalb sie jetzt, da Er nahe, sich beeilen sollten, noch etwas zu gewinnen. Auch hält Er ihnen ihre geringe Liebe zu den Nachbarn und ihren Haß gegen die Samariter vor. Die Pharisäer sind zwar mit Ihm nicht zufrieden, um so mehr aber das Volk, da es von jenen sehr gedrückt wird, und da der ganze Ort sonst nie einen Lehrer zu sehen bekommt.

Nach der Lehre geht Jesus mit Seinen Jün­gern zu der von Lazarus eingerichteten Jün­gerherberge bei einem Feldgut vor dem öst­lichen Tor von Meroz, welches dem Lazarus gehört. Hier kommen Bartholomäus Neph­thali, Simon Zelotes, Judas Thaddäus und Philippus zum Herrn, werden von Ihm freundlich empfangen, nehmen am Abend­mahl teil und bleiben zur Nacht hier.

Bartholomäus und Simon Zelotes empfehlen dem Herrn den Judas Ischariot als Jünger. Doch Jesus seufzt bei ihren Reden und scheint betrübt zu sein. Auf ihre Frage, warum, sagt Er: „Es ist jetzt nicht Zeit, da­von zu reden, sondern daran zu denken.“

Judas Ischariot ist vor kurzem in Cypern gewesen, und durch seine vielfachen Erzäh­lungen von den Wundern Jesu und von den Urteilen, die man über Ihn fälle wie, daß die einen Ihn den Sohn Davids, die anderen den Christus nennen, und daß die meisten Ihn für den größten aller Propheten halten, sind die dortigen Heiden und Juden, die schon vorher viel Wunderbares von Jesus gehört hatten, noch begieriger geworden, Ihn zu sehen. Cyrinus von Cypern hat dar­aufhin (vgl. 14. Oktober 32) einen heid­nischen Boten zu Jesus nach Ophra ge­schickt, und Judas ist zusammen mit letz­terem von Cypern nach Palästina zurück­gereist.

Als Judas erfährt, daß Jesus in die Gegend von Meroz kommen werde, wo er sehr be­kannt ist, besucht er den Bartholomäus in Dabbeseth, den er auch schon kennt, und ladet ihn ein, mit ihm nach Meroz zu reisen. Bartholomäus reist aber erst mit Judas Thad­däus nach Kapharnaum. Beide holen dort Philippus ab und dann in Tiberias den Simon Zelotes, treffen sich in Naim wieder mit Judas Ischariot und reisen alle nach Meroz, wo Judas aber in der Stadt in einem ihm bekannten Hause zurückbleibt, während die anderen Jesus in der Jüngerherberge auf­suchen.

Di. 29.

Morgens begibt sich der Herr mit den Jün­gern zum Stadtbrunnen von Meroz, wo die Kranken, besonders viele Wassersüchtige und Lahme, von denen Meroz voll ist, ver­sammelt worden sind. Mit Staunen, aber auch skeptisch und verärgert, schauen die Pharisäer den Wunderheilungen des Herrn zu und sehen die Geheilten lobsingend ihre Betten nach Hause tragen. Jesus lehrt und ermahnt und tröstet die Kranken und küm­mert sich um die Pharisäer nicht.

Gegen Mittag wandelt Jesus mit den Jüngern wieder zum östlichen Tore hinaus zur Jün­gerherberge. Unterwegs schreien Ihn einige ganz wütend Besessene an, die man aus ihrem Behälter losgelassen. Er befiehlt ihnen, zu schweigen, und heilt sie.

Von der Herberge begibt Er Sich zum Hause der Aussätzigen, heißt kurz davor die Jün­ger sich entfernen, ruft dann die Aussätzigen heraus, rührt sie an und befiehlt den Ge­heilten, sich den Priestern zur üblichen Begutachtung vorzustellen.

Als Er mit den Jüngern wieder zusammen­trifft, stellen Ihm Bartholomäus und Simon Zelotes den Judas Ischariot mit den Worten vor: „Meister, hier ist Judas, von dem wir Dir gesprochen haben.“ Jesus sieht ihn sehr freundlich und mit einer unbeschreiblichen Wehmut an, und Judas, sich verbeugend, sagt: „Meister, ich bitte, mich Teil an Dei­ner Lehre nehmen zu lassen.“ Jesus er­widert sanft und prophetisch: „Das kannst du nehmen, wenn du es keinem anderen überlassen willst.“ Hiermit weist Er offen­bar auf Matthias hin, der später an Judas‘ Stelle tritt, und auch auf das Verkaufen Jesu.

Im Weiterwandeln belehrt der Herr die Jün­ger und erreicht die Höhe des Berges zwi­schen Meroz und Atharot, auf dem Er für heute eine Lehrpredigt angesagt hat. Aus beiden Orten und der ganzen Umgegend sind die Hörer hier schon versammelt, unter ihnen auch Pharisäer. Jesus hält eine strenge Lehre vom Reich, von der Buße und von der Verlassenheit dieses Volkes, und er­mahnt es, sich aus der Trägheit aufzuraffen. Zum Schluß, am Abend, verkündet Er für morgen die Fortsetzung der Lehre, läßt noch das von den Jüngern mitgebrachte Geld un­ter die Armen verteilen und kehrt mit den Seinen zur Herberge zurück, wo Er beim Mahl und bis in die Nacht hinein vor den Jüngern lehrt.

Die Töchter der Witwe Lais

Mi. 30.

Die erste Hälfte des Tages verläuft mit der Fortsetzung der Bergpredigt und eingeschal­teter Pause, während der Er durch die Jün­ger die von diesen mitgebrachten Speisen, Brot, Honig und Fische, austeilen läßt. Gegen Ende lehrt Er wieder von dem vergrabe­nen Talent (Mt. 25, 14), wie vorgestern. Er schmäht heftig gegen die Pharisäer, die das arme Volk niederdrücken und in Un­wissenheit und Sünde stecken lassen. Es sind auch bekehrte Samariter hier oben, und Jesus hält den Pharisäern vor, warum sie jene hassen, warum sie sie nicht längst zur wahren Lehre zurückgeführt hätten. Die Pharisäer, darüber geärgert, fangen an, mit Ihm zu streiten und werfen Ihm vor, daß Er Seinen Jüngern zu viel Freiheit gestatte in bezug auf Fasten,Waschen, Reinigungen und Sabbatheiligungen und dem Vermeiden der Zöllner und Sektierer.

Der Herr antwortet ihnen mit Hinweis auf das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe (Mt. 22, 34) : Liebe Gott über Alles und deinen Nächsten wie dich selbst, und das verlange Er in erster Linie von Seinen Jün­gern. Dann kehrt Er zur Herberge zurück, unterwegs noch die längs des Weges auf­gebahrten Kranken heilend.

Bei dieser Gelegenheit ruft Ihn auch eine reiche heidnische Witwe aus Naim, mit Namen Lais, um Hilfe an für ihre beiden besessenen, unehelichen Töchter Sabia und Athalia. Erst nach mehrmaligem Anruf wen­det Sich Jesus der Bittenden zu und sagt zu ihr: „Gehe nach Hause; deine Töchter kom­men dir entgegen; aber reinige dich; denn es lasten die Sünden der Eltern auf diesen Kindern.“ — „Herr, ich beweine schon lange meine Schuld, was soll ich tun?“ — „Mache dich von ungerechtem Gute frei; bete, faste, gib Almosen und erbarme dich der Kran­ken“, ist die Antwort Jesu. Und Lais gelobt alles, zieht freudig von dannen und trifft eine Stunde vor Naim ihre beiden Töchter geheilt und von ihren Wärterinnen und Dienerinnen begleitet. Nachdem sie von Jesus vernommen, ziehen sie sogleich gen Meroz, um dem Herrn zu danken.

Gleich nach dieser Fernheilung treffen Ma-nahem und die beiden Neffen Josephs von Arimathäa, Aram und Themeni, aus Betha­nien beim Herrn ein. Zugleich trifft auch eine Einladung seitens der Pharisäer ein, die aber den Herrn fragen lassen, ob denn Seine Jünger, als ungebildete Laien, zur ein­geladenen Gesellschaft der Gelehrten pas­sen würden, was ein deutlicher Wink ist, sie in der Jüngerherberge zu lassen und allein zu kommen. Doch Jesus läßt ihnen antwor­ten, wer Ihn einlade, lade auch die Genossen Seines Hauses ein; wer diese nicht wolle, wolle auch Ihn nicht; woraufhin sie auch diese miteinladen. So geht denn Jesus mit den Seinen zur Stadt in das Festhaus und lehrt und erklärt Parabeln im Kreise der Jünger und Pharisäer.

Do. 31.

Morgens lehrt der Herr zuerst am Stadtbrun­nen in Meroz, wobei Er abermals den Pha­risäern die Vernachlässigung des Volkes vor­wirft, und setzt dann Seine Bergpredigt auf dem gestrigen Berge fort, indem Er noch­mals zum Abschied den Hörern eine Aus­legung von dem vergrabenen Talent (Mt. 25, 14) vorträgt und zum Schluß die Armen durch die Jünger speist und beschenkt.

Beim Herabsteigen vom Berge heilt Er noch einige Kranke und sagt einer Einladung von seiten Simons von Ischariot, eines Onkels des Judas, zu. Gleich darauf nahen sich Ihm die beiden geheilten Töchter der Lais, Sabia und Athalia, mit ihren Wärterinnen und Dienerinnen, werfen sich vor Ihm nieder und sprechen: „Herr, wir hielten uns nicht für würdig, Deine Worte zu hören, und harr­ten hier, Dir zu danken, wo Du uns von der Macht des Feindes befreit hast.“ Jesus be­fiehlt ihnen, aufzustehen und lobt die Ge­duld, Demut und Gläubigkeit ihrer Mutter, läßt Sich dann von den Jüngern Speise brin­gen, reicht ihnen und ihrer Begleitung ein­zeln je ein Stück Brot mit einem Stück Fisch darauf und hält ihnen eine tiefsinnige Lehre darüber, daß sie nun mit ihrer Mutter zu Seinem Hause und zur Gemeinschaft mit dem wahren himmlischen Vater gehörten.

Besuch beim Onkel des Judas Ischariot

Gerber-Ort Ischariot

Nov.: Fr. 1.

Des Morgens begibt Sich der Herr mit den Jüngern zu dem Gerber-Ort Ischariot, der aus etwa fünfundzwanzig Häusern besteht, die auf sumpfigem Gelände stehen. Dane­ben liegt ein schwarzes, schilfiges Wasser, das hier und da gestaut, Pfützen zum Ger­ben abgibt. Die meisten Häuser gehören zur Gerberei Simons, des Onkels Judas Ischa­riots.

Jesus ist der Einladung Simons gefolgt, da dieser ein aufrichtiger, braver Mann ist. Er begrüßt auch dessen Familie und nimmt einen kurzen Imbiß im Hause ein. Simon anempfiehlt dem Herrn noch einmal seinen Neffen.

Hierauf spricht Jesus vor allen Leuten des Ortes, die sich zur Lehre in einer Art Lust­garten auf dem Felde versammelt haben. Er erklärt ihnen die Parabel vom Sämann (Mt. 13, 1) und ermahnt sie, die Ihn zum großen Teil schon in den letzten Tagen auf dem Berge bei Meroz gehört haben, Seine Lehre einen guten Boden finden zu lassen. Auch heilt Er hier nicht, da die Kranken dieses Ortes schon bei Meroz von Ihm geheilt wor­den sind.

Holzindustrie- und Handels-Stadt Dothan

Nachmittags wandert der Herr, auf dem Wege von drei Haufen Menschen begleitet, mit denen Er abwechselnd geht, nach Do­than, wo Ihn die Pharisäer und Lehrer vor der Synagoge höflich empfangen und nach üblicher Fußwaschung und Imbiß -Verab­reichung in das Gotteshaus führen und Ihm die Gesetzesrollen überreichen. Er spricht vom Tode der Sara, von Abrahams zweiter Ehe mit Ketura (Gen. 23 u. 25) und von Salomons Weihe (3 Kön. 3, 5-15). Nach der Predigt begibt Er Sich zum Hotel vor der Stadt, wo Ihn Nathanael (der Bräuti­gam von Kana) und zwei Söhne des Kleophas und der Maria Heli (der älteren Schwe­ster Mariä) und einige andere Jünger er­warten, die zum Sabbat hierher gekommen sind, sodaß sich nun siebzehn Jünger beim Herrn befinden.

Die Aufnahme des Thomas

Sa. 2.

Nach der Morgenlehre geht der Herr durch die Straßen, und viele Bewohner flehen Ihn an den Türen an, worauf Er mit den Jün­gern in die Vorhöfe der Häuser geht und heilt. Andere Jünger werden hie und da angesprochen und bitten für die Leute. Auf diese Weise heilt Er viele und geht noch nachher in den Bezirk der Aussätzigen, um auch dort zu heilen.

Gegen Mittag besucht Er das Haus des rei­chen Holzhändlers Issachar. Dieser brave, fünfzigjährige Mann aus dem Stamme Levi ist ein alter Bekannter der heiligen Familie und hatte einst im März Maria und Joseph beherbergt, als beide zu Elisabeth nach Juta reisten, und ebenso auf ihrer Rückreise von dort nach Nazareth. Jetzt hat Issachar vor wenigen Tagen seines Bruders Witwe, die fünfundzwanzigjährige Salome, geheiratet, die eine Verwandte des heiligen Josephs ist und aus Bethlehem stammt. Über diese Ehe halten sich die Pharisäer von Dothan auf und verbreiten darüber üble Reden in der Stadt.

Der Herr wird von Salome und ihren Diene­rinnen empfangen und um Heilung des an Wassersucht darniederliegenden Issachar ge­beten. Jesus begibt Sich in das Kranken­zimmer und heilt Issachar und nimmt des­sen Einladung für das Abendessen und die Übernachtung an. In Seiner Sabbatschluß­Lehre spricht Er wieder über Abrahams Ehe mit Ketura und verteidigt die Ehe Issachars mit Salome wider die Pharisäer, indem Er die Gesetzlichkeit dieser Ehe beweist und das Motiv des pharisäischen Ärgernisses auf­deckt, nämlich ihre Hoffnung, den kinder­losen reichen Issachar zu beerben.

Nachdem Er dann noch bei Fackelschein Kranke vor der Synagoge und im Hause Issa­chars geheilt hat, nimmt Er am großen Abendessen Seines Wirtes teil, zu dem alle inDothan weilenden Jünger eingeladen sind. Hier ist auch der künftige Apostel Thomas aus Apheke zugegen, der zurzeit mit seinem rechten und einem Stiefbruder hier im Hause Issachars als guter Bekannter und Kaufmann wohnt. Ferner sind anwesend Jakobus Minor aus Kapharnaum und Natha­nael, genannt der kleine Kleophas, ein Sohn der Anna Kleophä, der Vortochter des Kleo­phas.

Beim Abendessen erzählt Issachar von der Mutter Jesu, wie sie in diesem Hause in sei­ner Jugend geherbergt und wie jung, schön und fromm sie war und wie viel älter Joseph im Vergleich zu ihr gewesen sei. Alle Jünger Jesu übernachten hier mit ihrem Meister.

So. 3.

Am Morgen geht der Herr mit den siebzehn Jüngern vor der Stadt in den Gärten ’spazie­ren. Hier naht sich Ihm Thomas und bittet um Aufnahme unter die Jünger: „Ich will Dir folgen und tun, was Du von mir ver­langst. Durch Deine Lehre und durch Deine Wunder, die ich nun gesehen, bin ich über­zeugt, daß Johannes und alle die, die ich von Deinen Jüngern kenne, wahr von Dir gesprochen haben. Bitte, laß mich teilneh­men an Deinem Reiche!“ — „Ich kenne dich“, erwidert der Herr, „und habe gewußt, daß du zu mir kommen wirst.“ — „Wie ist das möglich“, meint Thomas, „ich habe doch nie sonst daran gedacht, denn ich bin kein Freund von Absonderung und habe mich jetzt erst dazu entschlossen, da mich Deine Wunder überzeugt haben!“ — „Du sprichst wie Nathanael“, entgegnet der Herr, „du hältst dich für weise und redest töricht; soll der Gärtner nicht die Bäume des Gartens, der Winzer nicht seine Reben kennen, und soll er einen Weinberg bauen und die Knechte nicht kennen, die er hinsenden will?“ Und dann spricht Er eine Gleichnisrede vom Sammeln der Feigen an den Dor­nen (Mt. 7, 16).

Jesus und die Johannesjünger

Auf diesem Spaziergang sprechen den Herrn auch zwei vom Täufer gesandte Johannes-jünger an. Sie sollten sich von Jesu Wun­dertaten selbst überzeugen und dann Jesum bitten, doch öffentlich und klar auszuspre­chen, wer Er sei, und Sein Reich auf Erden zu gründen. Nachdem sich die beiden Johannesjünger in Meroz von der Wunder­kraft Jesu überzeugt haben, fügen sie nun vor dem Herrn ihrer Bestellung vom Täufer noch die Bitte hinzu, Jesus möge doch bald nach Machärus kommen und Johannes aus dem Kerker befreien. Johannes hoffe, durch Ihn aus dem Kerker befreit zu werden und sehne sich darnach; und dies würde doch ein nützlicheres Wunder sein als die Kranken­heilungen.

Der Herr sagt ihnen, Er wisse, daß sich Johannes sehne und hoffe, bald aus diesem Kerker befreit zu werden, und daß er auch daraus werde befreit werden; daß Er, Jesus, aber nach Machärus kommen solle und ihn befreien, daran denke Johannes nicht, der Seine Wege bereitet habe. Sie mögen dem Johannes verkünden, was sie gesehen, und daß Er, Jesus, Seine Sendung vollbringen werde (Mt. 11, 2-6; L. 7, 18-23).

Gegen Mittag begibt Sich der Herr zum stei­nernen Lehrstuhl, der sich auf dem Platze hinter Issachars Haus bei einem Brunnen befindet, den einst der Prophet Elisäus ge­segnet, und dessen Aufsicht zur Zeit dem Issachar anvertraut ist. Hier predigt Jesus vor großer Volksversammlung, die durch gestrige Einladungen seitens Issachars und der Jünger Jesu veranlaßt ward.

Der Herr spricht erst von der Erfüllung der Verheißung, von der Nähe des Reiches, der Buße und Bekehrung und von der Art, die Barmherzigkeit Gottes anzuflehen und die Gnaden und Wunderwirkungen zu empfan­gen. Dann erzählt Er, wie die Syrer einst den Propheten Elisäus in Dothan fangen woll­ten und auf sein Gebet hin mit Blindheit geschlagen wurden; wie jener dann die blin­den Syrer nach Samaria führte, sie wieder sehend machte und den König von Israel bat, sie nicht zu töten; und wie er ihnen ein Mahl bereiten ließ und sie zu ihrem Herrn entließ, der daraufhin von seiner Verfolgung Israels abließ (4 Kön. 6, 12-23). Und diese Geschichte legt ihnen Jesus auf den Men­schensohn und die Verfolgungen seitens der Pharisäer aus.

Als Er jedoch zuletzt vom Gebet und von den guten Werken, vom betenden Pharisäer und Zöllner predigt (L. 19, 9-14), fühlt sich zwar das Volk, welches hier von den Pharisäern und Sadduzäern gequält wird, sehr getröstet; aber jene werden erzürnt, und ihre Erbitterung steigert sich bis zum äußersten, als Jesus nach der Lehre dem Volke Speisen austeilen läßt. Sie drängen sich an den Herrn heran, als wollten sie Ihn gefangen nehmen, und bezichtigen Ihn der Sabbatentheiligung.

Doch Jesus tritt ihnen mutig entgegen, stellt sie um Sich herum und sagt dem Vorlaute­sten von ihnen: „Wenn du am Sabbat hier im Brunnen lägest, würdest du nicht verlan­gen, herausgezogen zu werden?“ Und so lehrt Er scharfsinnig fort, sodaß sie sich be­schämt einzeln zurückziehen. Darauf ver­abschiedet Sich der Herr von Issachar, der noch fleißig Gaben an die Armen und an die Jünger austeilt, entläßt (gleichsam auf kur­zen Urlaub) bis auf neun die übrigen Jün­ger und verläßt die Stadt Dothan in nord­westlicher Richtung.

Nachtherberge bei Sunem

Unterwegs die neuen Jünger, besonders Tho­mas, Simon Zelotes, Manahem und den sog. kleinen Kleophas, hinsichtlich der Bedin­gungen der wahren Nachfolge (Mt. 16, 24)

unterrichtend, kehrt Er mit ihnen zur Nacht in einer einsam liegenden Herberge nahe bei Sunem ein, speist mit den Seinen und be­gibt Sich, nachdem sich die Jünger zur Ruhe gelegt, allein in das Gebirge zum nächtlichen Gebet.

Vorstadt von Endor

Mo. 4.

Am Morgen kommen Einwohner von Sunem zum Herrn in die Herberge und bitten Ihn zu sich, damit Er ihre kranken Kinder heile. Doch Jesus ermahnt sie zur Geduld und wan­dert mit den Seinen bei zwei Brunnen Jakobs vorbei und durch ein dem Lazarus gehörendes Feld bis zur Vorstadt von Endor, bleibt hier bei einer Herberge, bis Seine Jünger die Bewohner zur Lehre gerufen ha­ben, und lehrt dann vor zahlreicher Ver­sammlung.

Auf Bitten der Leute hin besucht Er ein­zelne Häuser und heilt Kranke, die man aus Endor herausgebracht hat. Unter den Kran­ken befinden sich auch Heiden, von denen Er einen siebenjährigen Knaben vom stum­men Teufel befreit, und dessen Vater Er zur Taufe nach Ainon schickt.

Jesus und Seine Verwandten

Talherberge zwischen Abez und Gebirge Gilboa

Jesus betritt die Stadt Endor, wo Er am 15. September 31 mit Eliud gewesen, dieses Mal nicht, sondern begibt Sich zu einer Her­berge im Tal zwischen dem Nordabhang des Gilboa-Gebirges und der Stadt Abez. Hier erwarten Ihn mehrere alte Männer und Frauen, Verwandte von Anna, Joachim und Joseph, etwa fünfzehn an der Zahl, die sich alle hier getroffen haben, um den Herrn zu sprechen und um Ihm einige Orte als siche­ren Ruhesitz vorzuschlagen, damit Er nicht mehr den Verfolgungen seitens der Phari­säer und anderer Sekten ausgesetzt sei. Jesus setzt ihnen deutlich Seinen Ihm vom himmlischen Vater bestimmten Weg und Beruf auseinander, geht mit ihnen auf schattigen Wegen der Anhöhen spazieren und speist dann in der Talherberge mit ihnen, sie im­mer weiter in Seine Lehre vom neuen Reiche Gottes einführend. Diese alten, einfältigen frommen Leute taten Jesu diesen Antrag aus großer Liebe; sie waren geärgert durch die steten stichelnden Reden der Übelgesinn­ten, die ihnen zu Gehör kamen. Der Herr sprach viel und sehr kräftig und liebevoll mit ihnen, aber auf ganz andere Weise als mit dem Volk und den Jüngern.

Abends kommt noch ein studierter Schul­lehrersohn aus Abez zu Ihm und bittet um ein Amt. Jesus macht ihm klar, daß dies nicht angehe, da Seine Wissenschaft anderer Art sei und nichts mit weltlichen Absichten zu tun habe. Er aber klebe an der Erde.

Saulsbrunnen bei Abez

Di. 5.

Vormittags ist der Herr noch mit Seinen Verwandten zusammen, begleitet sie mit den Jüngern ein Stück Weges und wandert dann zum Saulsbrunnen (so genannt, weil Saul hier verwundet wurde [1 Kön. 31, 3] ) öst­lich von Abez, wo bei Seiner Ankunft die Wasser holenden Frauen von Abez in die Stadt laufen, um die Anwesenheit Jesu zu melden. Man empfängt Ihn am Brunnen mit Fußwaschung und Imbiß, es versammelt sich viel Volk, und der Herr hält eine Lehre.

Galaaditer-Ansiedlung Abez

Nach Beendigung der Lehre führt man den Herrn in die Stadt Abez, wo Ihm gleich am Tore und aus allen Häusern und Straßen­ecken Kinder, Knaben und Mädchen, ent­gegenkommen und mit Blumenkränzen und -gehängen um Ihn her wandeln. Den Jün­gern erscheint des Gedränges zu viel, und sie wollen die Kinder wegweisen. Doch der Herr sagt: „Geht ihr zurück und laßt diese Kinder heran!“ Da dringen die Kinder alle zu Ihm hin, und Er umfaßt sie, drückt sie an Sich und segnet sie. Die Väter und Müt­ter aber stehen in den Türen und auf den Galerien der Vorhöfe und freuen sich.

Nachdem der Herr im Sabbathaus gepredigt hat, speist Er unter einer noch stehenden Laubhütte unter Beteiligung vieler Einwoh­ner und heilt noch einige Kranke in Privat­häusern. Unterwegs schleichen sich unter der Menge auch einige verhüllte, blutflüssige Frauen an Jesus heran, küssen den Saum Seines Rockes und werden geheilt. An ande­ren Orten müssen solche Frauen sich ent­fernt halten, aber in kleineren Orten nimmt man es nicht so genau.

Saulsbrunnen bei Abez

Mi. 6.

Nachdem Er vormittags noch zu Abez in Pri­vathäusern Kranke geheilt, predigt Er gegen Mittag wieder am Saulsbrunnen, wo sich auch viele Leute der Umgegend versammelt haben. Hier kommt auch ein Bote von Kana zu Ihm, der im Auftrage des Vorgesetzten jenes Ortes um die Heilung dessen schwer­kranken Sohnes bittet. Derr Herr beruhigt ihn, er möge noch warten.

Gleich darauf kommen auch zwei Boten des Hauptmanns Cornelius von Kapharnaum, der Jesum schon durch die Jünger wegen sei­nes kranken Knechtes hatte bitten lassen, und wiederholen diese Bitte, da der Knecht sonst sterbe. Jesus erwidert, Er werde zu Seiner Zeit kommen, der Knecht sterbe noch nicht. Die Boten hören dann der Fortset­zung Seiner Lehre zu.

Besuch beim Verwandten Jesse

Karte Nr. 22
1-Fahsel Emmerick Karte 22

Hotel vor Dabrath

Am Nachmittag wandert Jesus mit den Jün­gern bis vor die Stadt Dabrath.

Der Herr bleibt im Hotel vor der Stadt und belehrt noch bis tief in die Nacht in der nächsten Umgebung.

Leviten- und römische Steuer-Stadt Dabrath

Do. 7.

Nachdem Er noch am Fuß des Tabor leh­rend gewandelt, betritt Er gegen Mittag Da­brath, wo Ihn sogleich die Volksmenge um­drängt. Er begibt Sich zum Hause Seines Verwandten Jesse, dessen Diener Ihm auf der großen Freitreppe des Säulenvorhofes entgegenkommen und Ihn hinaufführen.

Jesse ist der Sohn des Elia, eines älteren Bruders des heiligen Josephs. Er ist schon alt an Jahren, seine Frau lebt noch, und er hat drei Söhne und Töchter. Er ist Einneh­mer für die hiesigen Leviten und Besitzer einer Tuchfabrik und Kräuterpresserei. Es ist eine fromme Familie, und Jesus nimmt mit Seinen Jüngern Wohnung in diesem Hause. Jesse bittet den Herrn um Aufnahme seiner Söhne Kaleb und Aaron. Jesus ver­spricht, sie sollen mit Ihm gehen, wenn Er wieder in diese Gegend kommen werde.

Nachmittags heilt Jesus in der Stadt und predigt im Sabbathaus. Nachher halten die Pharisäer und Sadduzäer, da hier eine Art Consistorium ist, Rat, wie sie Jesu am besten widersprechen können. Spät abends wan­delt der Herr noch mit den Jüngern zur Süd­ostseite des Tabor, wo sich ein Gärtchen mit einer Höhle befindet, in der einst der Pro­phet Malachias gewohnt hat: Hierher hat Jesus eine Schar Menschen hinbestellt, die Er beim Mondenschein bis tief in die Nacht hinein belehrt.

Bekehrung einer Ehebrecherin

Fr. 8.

Morgens spricht Jesus im Hause des Jesse, heilt dann in der Stadt einige Kranke und lehrt gegen Mittag nach einer Mahlzeit auf dem Platz vor der Synagoge.

Bei dieser Gelegenheit nähert sich dem Herrn die reiche Witwe Noemi aus Dabrath. Sie hat ihren verstorbenen Gatten sehr be­trogen, im Ehebruch mit dem Geschäftsfüh­rer gelebt, demselben längst die Ehe versprochen, aber auch ihn bis jetzt mit vielen an­deren Liebhabern betrogen. Vor fünf Tagen hat sie Jesum in Dothan gehört, hört Ihn jetzt hier, bekehrt sich vollends und ver­sucht nun, zu Ihm vorzudringen. Die Phari­säer treten ihr in den Weg und ersuchen sie, nach Hause zu gehen. Doch sie bahnt sich ihren Weg, wirft sich Jesu zu Füßen und ruft: „Herr, ist noch Gnade und Vergebung für mich? Herr, ich kann so nicht mehr leben!“ Der Herr beruhigt sie, und sie be­kennt vor allen ihre Schuld: „Ich habe schwer an meinem Manne gesündigt. Ich habe auch den Mann betrogen, der jetzt mei­nem Hause vorsteht.“ Jedoch hören nicht alle diese Worte, denn Jesus ist abseits ge­treten, und es herrscht ein großer Lärm, den die Pharisäer verursachen.

Als Jesus zu ihr sagt: „Stehe auf, deine Sün­den sind dir vergeben!“, verlangt sie eine Buße. Der Herr bestellt sie auf ein anderes Mal; doch sie nimmt ihren Kopfputz mit Perlen, ihre Ringe, Armspangen und Hals­schnüre ab und reicht sie den Pharisäern, daß sie dieselben den Armen geben sollen, und verschleiert ihr Gesicht.

Mit Sabbatanfang begibt Sich Jesus in die Synagoge, und die ergrimmten Pharisäer und Sadduzäer folgen Ihm nach. Er legt die Ge­burt des Esau und Jakob auf Seine Zeit aus, spricht vom Segen Jakobs durch Isaak und redet so wahr und überzeugend, daß die Pharisäer nichts wider diese Seine Lehre vor­bringen können. Doch werfen sie Ihm vor, Er mache Sich Anhang, stifte Herbergen im ganzen Lande, dahin fließe viel Gut und Geld der reichen Witwen, das eigentlich der Synagoge und den Lehrern zugute kommen sollte, und so werde es nun auch mit der reichen Noemi gehen, und wie Er überhaupt dazu komme, ihr die Sünden vergeben zu können.

Spät abends lehrt Jesus noch im Hause des Jesse, wo Er wieder übernachtet.

Schulbesuch und Spiel der Frauen

Sa. 9.

Morgens besucht Er die Schule der Knaben und Mädchen, versammelt sie noch nachher im Hause des Jesse und ermahnt und segnet sie hier im Vorhof. Dann empfängt Er den Besuch der Noemi und ihres Verwalters, redet erst mit beiden einzeln und bespricht dann mit beiden die Verteilung des Vermö­gens für die Jüngerkasse und für die Armen. Von einer erneuten Heirat rät Er ihr ab.

Nach der Mahlzeit beteiligt Er Sich, während die Männer ihren üblichen Sabbat-Spazier­gang machen, am Sabbat-Spiel der Frauen im Hause des Jesse. Noemi und andere weib­liche Gäste sind zugegen, und Jesus schreibt mit einem Rohr vor jeder Frau ein Rätsel in den Sand, und jede muß ihre Antwort darauf schreiben. Er würzt das Spiel durch viele belehrende Parabeln vom Talent und Öl der Lampe, indem Er von Hingabe, Her­zensreinheit, Kinderzucht, Angestellten-Be­handlung lehrt und auch jeder einzelnen ihre verkehrten Neigungen entwickelt und die Vergehen andeutet, die beim letzten Laubhüttenfest vorgekommen sind. Alle sind sehr erschüttert, und viele bekennen dem Herrn nachher, abgesondert, ihre be­gangenen Sünden. Auch haben alle diese Frauen Gewürze, Konfekt und Duft-Essen­zen mitgebracht, die Jesus den Jüngern zur Austeilung an arme Kranke übergibt. Wei­terhin kommen noch andere Gaben für die Armen zusammen, denn jede Frau mußte für eine verkehrte Antwort im Spiel ein Ge­schenk für die Armen geben.

Bevor der Herr zum Sabbatschluß in die Synagoge geht, erscheinen Boten von den hiesigen Herodianern mit einer Einladung zu einem bestimmten Versammlungsort in der Stadt, sie wollten mit ihm sprechen. Doch Er sagt den Boten mit ernstem Ausdruck: „Saget diesen Heuchlern, sie sollen ihre zweizüngigen Mäuler in den Synagogen ge­gen Mich auftun, da will Ich ihnen und den anderen antworten.“

Hierauf lehrt Er zum Sabbatschluß noch­mals von Jakob und Esau, von Gnade und Gesetz, von Kindern und Knechten des Vaters und legt das Ziehen Isaaks von einem Ort zum anderen im Lande der Hungersnot und das Verstopfen der Brunnen durch die Philister (Gen. 26) auf Sein Lehramt und die Verfolgung seitens der Pharisäer aus. Dann lehrt Er die jetzige Erfüllung der Weissagung des Propheten Malachias (1, 11) und nennt ihnen die Wege, die Er bisher ge­wandelt sei, den Namen des Herrn zu ver­herrlichen, und verkündet dieses Sein Wan­deln bis zum Ziel und legt die Mahnworte des Malachias (1, 6) sehr scharf wider die Pharisäer und Sadduzäer aus, die sich be­schämt fühlen und nichts dagegen erwidern können.

Doch beim Verlassen der Synagogen ver­sperren sie Ihm im Vorhof den Weg, umge­ben Ihn in einer Halle und verlangen, Er solle ihnen Rede stehen, es sei nicht nötig, dem ungebildeten Volke alles zu Gehör zu sprechen. Auch stellen sie allerlei verfäng­liche Fragen, besonders über ihr Verhältnis zu den Römern, die hier zu Dabrath in Gar­nison liegen. Er bringt sie durch Seine Ant­worten zum Schweigen, und als sie Ihn zu­letzt schmeichelnd und drohend auffordern, Er solle Sein Herumziehen mit den Jüngern, Sein Lehren und Krankenheilen lassen, sonst würden sie Ihn als Ruhestörer und Aufwieg­ler verklagen und verfolgen, antwortet Er: „Bis zum Endziel werdet ihr die Jünger, die Unwissenden, die Sünder, die Armen und Kranken finden, wo immer ich wandeln werde, jene, die ihr unwissend, sündhaft, arm und krank lasset.“ Da verlassen sie mit Ihm die Synagoge zum Schein ganz höflich, aber innerlich voll Grimm und Verwunde­rung.

Spät abends spricht Er wieder am Nordost-Fuß des Tabor beim Mondenschein bis tief in die Nacht vor einer Versammlung Gut­gesinnter, die hier zu Seinen Füßen im Halbkreis sitzen, so wie Er es öfters nach einem schweren Tagewerk zu tun pflegt, um auch den ängstlichen Anhängern Gelegenheit zu geben, Ihn ungestört zu hören und unbe­obachtet ansprechen zu können.

Der Kaufmann von Cypern.

Als Er spät in der Nacht zum Hause des Jesse mit den Hörern zurückkehrt, nähert sich Ihm ein heidnischer Kaufmann aus Cypern, namens Cyrinus, der Jesu Lehre mitange­hört hat. Er wohnt in den Gebäuden des Jesse, mit dessen Kräuterpresserei er in Handelsbeziehungen steht. Aus Bescheiden­heit hat er sich bisher ganz zurückgehalten. Der Herr nimmt ihn mit Sich in die Halle des Hauses und legt Sich ihm gegenüber, wie Ostern 32 dem Nikodemus, und unter­richtet ihn über alles, was dieser mit großer Wißbegierde und Demut fragt. Es ist der gleiche, der Ihm nach Ophra einen Boten gesandt hat (vgl. 14. Okt. 32).

Sie sprechen über den Götzendienst, deren Nichtigkeit Cyrinus erkennt. Nur die Be­schneidung halte ihn vor dem übertritt zum Judentum ab, meint Cyrinus; und Jesus an­vertraut ihm das Wesen der ethischen Be­schneidung und ladet ihn zur Taufe nach Kapharnaum ein. Als Ihn Cyrinus fragt, warum Er dies nicht öffentlich vor den Hei­den lehre, erklärt ihm der Herr die einst­weilige notwendige Rücksichtnahme auf die Schwäche des Volkes und die Gefahr der Entstehung von Sekten, deutet aber die Nähe des Reiches an, da sich der Bund der fleisch­lichen Beschneidung erfüllen werde. Zu­letzt berichtet Cyrinus von der Sehnsucht vieler jüdischer Ansiedler auf Cypern nach Ihm, und erst mit Anbruch des Morgens en­det dieses Gespräch.

Römische Festungs-Stadt Gischala

So. 10.

Am Vormittag wandert der Herr mit den Jüngern nach dem Felde und Orte Gischala, einer Festung römischer Soldaten, die von Herodes besoldet werden. Die Juden woh­nen in einem Städtchen, eine Viertelstunde davor, bearbeiten hier Lederwerk für Mili­tär-Personen und -Pferde und sind teils Be­sitzer, teils Aufseher und Verwalter der fruchtbaren Umgebung.

Als die Einwohner, die gerade heute in den Gärten und auf den Feldern ein Ortsfest feiern, den Herrn zum Brunnen vor der Stadt ziehen sehen, kommen die Vorsteher und der Ortslehrer heran und begrüßen Ihn und die Jünger mit Fußwaschung und Ver­abreichung eines Imbisses, worauf Jesus am Brunnen in einer Parabel von der Ernte lehrt, da sich diese Gegend zurzeit in der zweiten Ernte von Trauben und allerlei Früchten befindet, jener Ernte, auf welche die Jünger am 31. August 32 hingewiesen hatten (J. 4, 35).

Nach der Lehre segnet Er die von den Müt­tern gebrachten Kinder, ebenso auch eine Gruppe heidnischer Kinder, die zum Orts­fest erschienen sind, welches dem Gedächt­nis der Befreiung von einem tyrannischen Manne zu Gischala gilt, der der eigentliche Stifter der Sekte der Sadduzäer gewesen sein soll, noch vor Sadoc und Antigonus Sochäus.

Hierauf kehrt Jesus im Hause des Synago­genvorstehers, eines braven und gelehrten Mannes, mit Seinen Jüngern ein, lehrt dort erst im Vorhof, heilt dann einige Kranke, die man dorthin bringt, und spricht schließ­lich im Kreise der Jünger von den drei Eife­rern, die aus Gischala hervorgehen sollten: erstens von jenem Stifter der Sadduzäer; zweitens von dem künftigen Bösewicht, Jo­hann von Gischala, der später hier in Gali­läa einen Aufruhr stiftet (Jos. Flav., Bell. Jud. II, 21, 1), Jerusalem zum Widerstand wider die Römer auffordert (IV, 3, 1) und schließlich von Titus zur lebenslänglichen Gefangenschaft verurteilt wird (VI, 9, 4) ; drittens von Saulus, dem späteren Apostel Paulus, der in Gischala geboren worden (Hieronymus, de viris illustr. V.: „Oppido Judaeae Giscalis fuit, quo a Romanis capto, cum parentibus suis Tarsum Ciliciae commi­gravit“. Siehe dazu die Note des Henricus Gravius zum Kommentar des Hieronymus über den Brief an Philemon, Fabricius, Bibliotheca eccles. I, p. 36), und der zur Zeit bereits mit seinen Eltern in Tarsus lebt. Die Eltern Pauli haben in Gischala eine Weberei-Fabrik besessen, und nach ihrer Auswanderung hat ein römischer Offizier, namens Achias, ihr Wohnhaus gepachtet und bezogen.

Der römische Hauptmann Achias

Mo. 11.

Morgens wandelt der Herr durch die Felder und Gärten, die voll von erntenden Men­schen sind. Es sammelt sich hier und da eine Gruppe um Ihn, und Er belehrt sie in kurzen Reden und Parabeln, die Er Gegen­ständen der Erntearbeit entnimmt.

Der oben erwähnte römische Hauptmann Achias sehnt sich wegen seines kranken sie­benjährigen Sohnes sehr nach der Hilfe Jesu, aber keiner der Einwohner will ihn bei dem Herrn anmelden, und auch die Jünger Jesu sind teils draußen auf dem Felde, teils nach Kapharnaum voraus. Achias sucht da­her selbst den Heiland auf den Feldern, findet Ihn, geht Ihm bescheiden nach und tritt, als Jesus Sich zu ihm wendet, sich ver­beugend vor Ihn und spricht: „Meister, ver­schmähe Deinen Knecht nicht und erbarme Dich meines kranken Söhnleins, das hier in meinem Hause liegt.“ Jesus erwidert: „Es geziemt sich, erst den Kindern des Hauses das Brot zu brechen, ehe man es den Frem­den gibt, die draußen stehen.“ (Ähnliche Worte spricht der Herr am 17. Februar 33 zur Syrophönizierin, Mt. 15, 24-26.) „Herr, ich glaube“, entgegnet Achias, „daß Du der Gesandte Gottes und die Erfüllung der Ver­heißung bist; ich glaube, daß Du mir helfen kannst, und weiß, daß Du gesprochen hast, die solches glauben, seien Kinder und nicht Fremde.“ Da sagt Jesus zu ihm: „Dein Glaube hat dir geholfen“, und geht mit einigen Jüngern in das Geburtshaus Pauli, wo Achias Ihm durch die Diener seinen Sohn im Bett in die Mitte des Hauses tragen läßt. Der Knabe Jephta ist stumm und ge­lähmt und schaut den Heiland mit seinen klugen Augen gläubig flehend an.

Jesus spricht erst mit den Eltern vom Heils-beruf der Heiden, der Nähe des Reiches und vom Eingehen ins Haus des Vaters durch die Taufe, nimmt dann den Knaben vom Lager in Seine Arme, legt ihm zwei Finger unter die Zunge und stellt ihn auf die Erde und führt ihn gegen Achias hin. Beide Eltern stürzen dem geheilten Kinde ent­gegen und umarmen es unter heftigen Trä­nen der Freude. Das Kind breitet die Arme um die Eltern und ruft: „Ach Vater, ach Mutter, ich kann gehen, ich kann wieder reden!“ — „Nehmt den Knaben hin“, sagt Jesus, „ihr wisset nicht, welch‘ ein Schatz euch mit ihm gegeben worden; euch ist er wieder gegeben und wird von euch gefor­dert werden!“ Dann segnet Er den Knaben und redet sehr lieblich mit ihm, der später ein fleißiger Jünger des Apostels Thomas wird. Den Achias empfiehlt der Herr noch an den königlichen Beamten Serobabel zu Kapharnaum und wandert hierauf weiter nach Gabara am Berge Hattin.

Die dritte Bergpredigt (bei Gabara)

Baumwoll-Stadt Gabara

Jesus wird in Gabara nicht besonders emp­fangen und begibt Sich sogleich in ein Hotel, wo Ihn Herodianer besuchen und über allerlei Fälle höflich ausfragen. Er beant­wortet ihre Schleicherei ganz frei und offen und lehrt auch in der Synagoge.

Unterdes haben die vorausgeschickten Jün­ger schon eifrig in der hiesigen Gegend die Leute zu der für übermorgen von Jesus be­stimmten Bergpredigt bei Gabara einge­laden. Auch Martha hat ihre Schwester Magdalena aufgesucht und sie nach langem Bemühen bewogen, zur angekündigten Lehre Jesu zu kommen.

Di. 12.

Von allen Orten der Umgegend ziehen Grup­pen von Menschen gen Gabara zur morgigen Berglehre. Auch Heiden von Cydessa und von Adama am Merom-See kommen. Alle bringen Proviant und Kranke mit. An sech­zig Jünger, Freunde und Verwandte Jesu versammeln sich hier. Magdalena und Mar­tha treffen mit den heiligen Frauen in der Herberge bei Damma zusammen.

Der Herr hat heute noch Gespräche mit Pharisäern und Herodianern im Hotel, lehrt und heilt dann in der Stadt und lust­wandelt den Rest des Tages mit Seinen Jüngern, sie belehrend und besonders für morgen praktisch unterrichtend.

Lehrberg bei Gabara

Mi. 13.

Magdalena mit ihrer Dienerin, Mara die Suphanitin, Dina von Sichern und Anna Kleophä begeben sich schon früh auf den Lehrberg. Die anderen heiligen Frauen blei­ben in der Herberge zu Damna zurück. Jesu Jünger sorgen bereits überall für Ord­nung, helfen bei der Lagerung der Kranken und verteilen die Hörer in Abteilungen, von denen die eine den Meister zuerst hören soll, die anderen später, da der mit einem Zelt­tuch überspannte Platz des steinernen Lehr­stuhls keine große Umgebung hat.

Gegen zehn Uhr kommt der Herr mit den übrigen Jüngern am Lehrplatz an, gefolgt von Pharisäern, Herodianern und Saddu­zäern. Diese stellen sich in einem Kreise an der einen Seite, die Jünger in einem Kreise an der anderen Seite des Lehrstuhles auf.

Die Lehre, die Jesus hält, ist eine der schärf­sten und gewaltigsten, die Er je gehalten. Ehe Er das Einleitungsgebet spricht, sagt Er gleich, man solle sich nicht an Ihm ärgern, wenn Er Gott Seinen Vater nenne, denn wer den Willen des Vaters im Himmel tue, der sei dessen Sohn; und dann beweist Er, daß Er diesen Willen erfülle. Hierauf betet Er laut zu Seinem Vater und beginnt eine strenge Bußpredigt nach Art der Propheten-lehre. Er führt alle Androhungen der Pro­pheten an und legt die Erfüllung derselben als Vorbilder für die jetzige Zeit und die nächste Zukunft dar.

Alles dies wiederholt Er mehrere Male, da die Hörergruppen wechseln. In den Zwi­schenpausen nehmen die Leute, und auch der Herr einmal eine kleine Erquickung zu sich. Man reicht Jesus einen Bissen und auch einen Trunk.

Nachdem Er gegen Ende auch die Jünger angesprochen, sie zur Treue und Ausdauer aufgefordert und ebenfalls streng zur Buße gerufen hat, wird Er wieder ganz voll Liebe und ruft alle Sünder zu Sich; ja, Er vergießt Tränen der Liebe. Er betet, Sein Vater möge die Herzen rühren, wenn nur ein Teil, nur einige, nur einer zu Ihm käme, auch mit aller Schuld belastet; wenn Er nur eine ein­zige Seele gewinnen könne, Er wolle alles für sie hingeben, Er wolle gern mit Seinem Leben für sie bezahlen. Er streckt die Hände gegen alle aus und ruft: „Kommet zu Mir, alle, die ihr mühselig und be­laden seid, Ich will euch erquicken“ (Mt. 11, 28). (Dieser Ausspruch folgt bei Matthäus auf die Gottpreisung Jesu, die Er am 18. November in Verbindung mit dem obigen Zuruf ausspricht, so daß wohl dieser spätere Zeitpunkt erst der Bibelstelle zu Grunde liegt, oder der 26. Juni 33, wo Mat­thäus bereits beim Herrn ist.)

Auch den Pharisäern und allen Seinen Gegnern streckt der Herr die Arme ent­gegen, wenn auch nur einer zu Ihm kommen wolle.

Die erste Bekehrung Magdalenas

Maria Magdalena hat anfangs wie eine vor­nehme, selbstsichere Dame bei den Frauen auf einem bequemen Sitz in einiger Ent­fernung an der Anhöhe gesessen. Wenig­stens gab sie sich diesen Anschein, denn sie war schon beschämt und bewegt heraufge­kommen. Anfangs sah sie umher unter der Menge; als aber Jesus erschien und lehrte, wurde ihr Blick und ihre Seele immer mehr von Ihm gefesselt. Sie wurde heftig von Seiner Bußrede, von Seiner Lasterschil­derung, von den Drohungen der Strafe er­schüttert; sie konnte nicht widerstehen, sie bebte und weinte unter ihrem Schleier.

Als der Herr nun jetzt so liebevoll und fle­hend den Sündern zuruft, zu Ihm zu kom­men, fühlen sich viele hingerissen, und es entsteht eine Bewegung im Hörerkreis; das Volk drängt sich näher heran; auch Magda­lena und die Frauen, auf ihre Veranlassung hin, nähern sich Ihm. Als Er aber sagt: „Und wenn es nur eine einzige Seele wäre, die zu mir kommt!“ will Magdalena zu Ihm, tut schon einen Schritt vorwärts, doch die anderen halten sie zurück und sagen: „Nach­her! Später!“

Unterdes ist es sechs Uhr geworden; die Sonne steht schon tief dem Berge im Rük­ken. Jesus betet, segnet und entläßt die Hörer. Von den Jüngern läßt Er für die Armen Speisen bei jenen kaufen, die über­flüssigen Proviant besitzen. Einige derselben geben freiwillig, andere verkaufen gern.

Ein anderer Teil der Jünger geht mit dem Herrn zu den vielen Kranken, die an einer Seite des Weges hinab an einer Buchtung des Berges gebettet sind. Die meisten Pha­risäer und dergleichen kehren, teils geärgert, teils gerührt, verwundert, teils ergrimmt, nach Gabara zurück; und der Pharisäer und Synagogenvorsteher Simon Zabulon erin­nert Jesum noch vorher, daß er Ihn zur Abendmahlzeit in seinem Hause eingeladen habe (L.7, 36). Jesus sagt, Er werde kom­men. Und so gehen jene einstweilen hinab und mäkeln und kritteln unterwegs so lange über den Herrn, Seine Lehre und Sein

Wesen, indem sich einer vor dem anderen schämt, seine Rührung merken zu lassen, bis sie bei ihrer Ankunft in Gabara wieder ganz in ihrer Selbstgerechtigkeit verhärtet sind.

Magdalena und die vier anderen Frauen folgen dem Herrn auf dem Fuß und ver­suchen, bei den kranken Frauen zu helfen, während Jesus zuerst die kranken Männer heilt. Als Er auch zu den kranken Frauen kommt, versucht Magdalena, sich bei jeder Gelegenheit dem Herrn zu nähern, doch Er wendet Sich immer hinweg.

Das Gastmahl der Pharisäer

In der Dämmerung steigt Jesus zur Stadt hinab. Den Jüngern, die dem Herrn das nahe Folgen Magdalenas mitteilen, sagt Er: „Laßt sie gehen, dies ist nicht eure Sache.“ Im Vorhof des Festhauses, wo die Pharisäer mit dem Abendessen auf Ihn warten, heilt Er erst noch die dort zusammengebrachten Kranken. Dem Simon Zabulon antwortet er: „Diese sind Meine Gäste, die Ich eingeladen, und Ich muß sie erst erquicken. Hast du aber Mich zum Mahl geladen, so hast du auch •diese eingeladen, und Ich werde erst zur Tafel kommen, wenn diesen geholfen ist, und Ich werde mit diesen kommen!“

Wohl oder übel richten die Pharisäer nun Tische für die geheilten Kranken und Armen her. Die Jünger führen dieselben zu Tisch, und es werden ihnen Lampen ange­zündet. Nachher kommt der Herr mit einem Teil der Jünger zur Ehrentafel. Es ist ein reichliches Mahl, und Er sendet oft von den Speisen an die Tische der Armen.

Als Er dann beim Essen lehrt, und die Pha­risäer gerade einen heftigen Disput mit Ihm beginnen, betritt Magdalena, das Haupt verschleiert, den Saal, geht hinter den Herrn, gießt Ihm den Inhalt eines kleinen weißen Fläschchens auf das Haupt und faßt das lange Ende ihres Schleiers zwischen beide Hände zusammengefaltet und streift einmal über das Haupt Jesu, als wolle sie die Haare glatt streichen und den Überfluß der Salbe damit abtrocknen. Diese Hand­lung geschieht schnell, und sie tritt einige Schritte zurück.

Das heftige Gespräch ist unterbrochen. Alles ist still und schaut auf das Weib und den Herrn. Wohlgeruch verbreitet sich. Jesus ist ruhig. Viele stecken die Köpfe zu­sammen, blicken unwillig auf Magdalena und flüstern. Da sagt Jesus zu Simon Zabu­lon, der besonders.geärgert scheint: „Ich weiß wohl, was du denkst, Simon! Du denkst, es sei nicht schicklich, daß Ich mir von diesem Weibe das Haupt salben lasse. Du denkst, sie ist eine Sünderin; aber du hast unrecht, denn sie hat aus Liebe getan, was du unterlassen hast. Du hast Mir die Ehre, die dem Gast gebührt, nicht erwiesen.“ Sich zu Magdalena wendend, sagt Er: „Gehe hin in Frieden, dir ist vieles vergeben!“ Sie geht, und Er spricht zur Gesellschaft von ihr, nennt sie ein gutes Weib, das viel Mit­leiden habe, und spricht vom Richten an­derer, vom Bekennen offener, bekannter Schuld, während man oft viel größere heim­liche in seinem Herzen trage. Er lehrt noch lange und geht sodann mit den Seinigen zur Herberge (L. 7, 36-50).

Noch in der Nacht gehen viele Jünger, die in der Nähe wohnen, auf kurze Zeit nach Hause, unter ihnen auch Petrus und An­dreas.

Gutsort des Serobabel

Do. 14.

Nachdem der Herr noch zu Gabara gelehrt und einzelne geheilt hat, geht Er, von den übrigen Jüngern und einigem Volk begleitet, zum Gutsort des königlichen Beamten Sero­babel, wo Er am 25. August 32 zwei Aus­sätzige geheilt hat. Diese kommen heute zu Ihm und danken Ihm für ihre Genesung, denn damals hielt Sich der Herr nicht lange hier auf.

Der Ort besteht aus einzelnen mit Mauern umgebenen Gärten, und die etwa fünfzig Wohnungen sind alle in die untermauerten Gartenhügelwände eingebaut. In ihnen wohnen die Gärtner, Dienstleute, Sklaven und Pächter des Serobabel, dem das ganze Grundstück nebst der Tierschlucht beim Tal von Kapharnaum gehört. In diesem Ort lehrt der Herr vor dem Verwalter, allen Angestellten und dem von Ihm am 8. August geheilten Sohne des Hauses; alle sind be­reits getauft. In jene Schlucht mit allerlei schönen Tieren und Anlagen begab Sich der Herr schon öfters und auch bei Seiner letz­ten Anwesenheit in Kapharnaum (25. Au­gust 32).

Der römische Hauptmann Cornelius

Kapharnaum

Nachdem Jesus noch im Gutsort Serobabeis einige Kranke geheilt und ein kurzes Mahl genommen hat, begibt Er Sich in der Däm­merung zum Hause Seiner heiligen Mutter (L. 7, 1), wo alle heiligen Frauen und auch Petrus und die Verwandten zum Abend­essen versammelt sind. Man warnt den Herrn wieder vor der Pharisäer-Kommis­sion zu Kapharnaum, die über Ihn sehr er­bittert sei, und wiederholt die Bitte, Er möge doch einstweilen östlich vom See lehren. Jesus beruhigt die Ängstlichen. Die heilige Jungfrau empfiehlt Ihm nochmals den Hauptmann Cornelius wegen seines kranken Knechtes; es sei dies ein sehr guter Mann, er habe als Heide den Juden aus Zuneigung eine Synagoge erbaut (vgl. L. 7, 5). Auch bittet sie Ihn, die kranke Tochter des Syna­gogen-Vorstehers Jairus zu heilen.

Fr. 15.

Morgens kommen dem Herrn auf Seinem Wege zum Hause des Cornelius die beiden Männer (jüdische Älteste [L. 7, 2-5] ) ent­gegen, die Ihn schon am 6. November 32 in Abez für Cornelius gebeten haben, und wiederholen ihre Bitte (Mt. 8, 5-7). Jesus schickt sie zu Cornelius voraus und folgt zum Nordtor und dann rechts oben den Weg zwischen Stadt und Mauer nach. Dicht bei der Hütte eines Aussätzigen, dem es vergönnt ist, hier zu wohnen, naht sich Cornelius. Sein Bote läuft dem Herrn entgegen und spricht: „Der Hauptmann läßt Dir sagen: Herr, ich bin nicht würdig, daß Du unter mein Dach kommst, sprich nur ein Wort, so wird mein Diener gesund“, und fügt das Gleichnis hinzu, welches bei Matthäus (8, 9) aufgezeichnet ist. Da wendet sich Jesus zu den Umstehenden und lobt den Glauben des Cornelius und heilt den Diener aus der Ferne (Mt. 8, 10-13). Der Bote ruft Jesu Worte, zu dem knienden Hauptmann eilend, diesem entgegen. Cornelius beugt sich zur Erde und eilt dann nach Hause.

Hierauf kehrt der Herr zur Hütte des Aus­sätzigen zurück, um an ihr vorüber in die Stadt zu gehen. Da tritt Ihm der Aussätzige entgegen, wird von Jesus geheilt und ver­kündet zu Kapharnaum seine Heilung (Mk. 1, 40-45).

Der Herr heilt darauf auf dem Brunnenplatz in Kapharnaum etwa eine Stunde lang die Kranken, die man dort zusammengebracht hat.

Unterdes untersuchen die Pharisäer den geheilten Aussätzigen sehr scharf und müs­sen ihn freisprechen, zanken aber doch mit ihm und stoßen ihn beinahe von sich. Der Herr aber zieht Sich um des Lärmes willen, der deswegen in der Stadt entsteht, aus Kapharnaum zurück (vgl. Mk. 1, 45).

Herberge im Taubental

Jesus trifft im Taubental in der offenen Herberge, unweit von Damna, mit der Witwe Maroni aus Naim, der Heidin Lais von Naim und deren beiden, von Ihm am 30. Oktober 32 geheilten Töchtern, Sabia und Athalia, zusammen. Sie bringen Geschenke für die Gemeinde zu jener Herberge, und Maroni bittet den Herrn hier um Heilung ihres todkranken zwölfjährigen Sohnes Martialis. (Siehe Verwandtentafel oben S. 38.) Jesus verspricht ihr Sein baldiges Kommen und redet mit den Frauen über deren künftige Arbeit in der Gemeinde.

Auch Bartholomäus mit Joses, dem Söhn­chen seiner verwitweten Schwester, ist hier angekommen, ebenso Thomas mit Jephta, dem geheilten Sohne des Hauptmanns Achias aus Gischala, und schließlich Judas Ischariot von Meroz. Jesus speist hier mit ihnen zusammen und kehrt dann zum Sabbat­anfang nach Kapharnaum zurück.

Die Heilungen in der Synagoge

Kapharnaum

In der Synagoge zu Kapharnaum sind alle Jünger Jesu und Verwandten und heiligen Frauen versammelt, auch Maria Heli, die in Japha (3 km südwestlich von Nazareth) wohnt, und ihre jüngere Schwester, die zur Zeit hei Jesu Mutter zu Besuch weilen.

Die Pharisäer und Sadduzäer haben sich verabredet, heute in der Synagoge Jesu ern­sten Widerstand zu leisten, einen Tumult zu erregen und Ihn bei dieser Gelegenheit zu verhaften. Doch als sie während Seiner Lehre eben losbrechen wollen, stürzt ein besessener Tuchweber, der seine Fesseln zerbrochen, während seine Wächter in der Synagoge sind, in das Sabbathaus, schreit den Herrn an und wird von Ihm geheilt (Mk. 1, 21-28).

Nach diesem Auftritt haben die Gegner Jesu allen Mut verloren, und Jesus lehrt unge­stört weiter aus Moses und aus dem Pro­pheten Hoseas und spricht wie einer, der Gewalt hat.

Abends weilt der Herr im Hause Mariä im Kreise der Seinen und bespricht mit ihnen Fragen der apostolischen Arbeit. Zur Zeit sind siebenunddreißig Frauen als Helferin­nen tätig. Bei Jesu Tode werden es siebenzig sein.

Sa. 16.

Morgens lehrt Jesus ungestört im Sabbat­haus. Die Pharisäer beschließen, alles nach Jerusalem zu melden und dann dort am Osterfest Seine Gegenwart im Tempel abzu­warten. Nach der Morgenlehre heilt der Herr viele Kranke in den Straßen der Stadt. Als Er bei einer großen Gruppe vorüber­geht, rufen Ihm die Kranken zu: „Herr, alle jene Schwerkranken heilst Du, uns heilst Du nicht!“ — „Warum streckt ihr nicht eure Hände nach Mir aus?“ — „Herr, hier sind unsere Hände!“ — „Ja, diese Hände streckt ihr wohl aus, aber die Hände eures Herzens kann Ich nicht fassen; ihr haltet sie zurück und geschlossen, denn ihr seid voll Finsternis.“ Darüber lehrt Er noch einiges; und mehrere, die sich bekehren, heilt Er; andere erhalten abermals Linde­rung; an noch anderen geht Er vorüber.

Der Sabbat-Spaziergang Jesu und Mariä

Zu Mittag speist Er mit den Seinen im Hause Mariä und macht den Sabbatspaziergang mit allen Jüngern und männlichen Ver­wandten gegen den See hin zum Lustgarten an der Südseite des Tales von Kapharnaum. Unterdes begibt sich die heilige Jungfrau mit den anderen bekannten Frauen, wor­unter sich Dina, Lais, Athalia, Sabia und Martha befinden, zur Anhöhe bei Bethsaida oberhalb des Aussätzigen-Hospitals. Dort lagert eine Heidenkarawane, deren weib­lichen Teil die heilige Jungfrau besucht, tröstet und belehrt. Sie beantwortet viele Fragen und erzählt manches von den Alt­vätern, von den Propheten und von Jesus. Etwas später lehrt der Herr vor einer gro­ßen Volksmenge an der Anhöhe der Gärten des Serobabel. Er spricht in Gleichnissen (Mt.13, 34-35). Nachher sagt Ihm Jakobus Major, sie, die Jünger, verstünden Ihn nicht, und warum Er nicht deutlicher rede. Jesus erwidert, Er werde ihnen alles erklären (vgl. Mk. 4, 34), aber wegen der Schwachen und Heiden dürfe das Reich Gottes nicht nackt dargestellt werden. Da diese jetzt schon davor zurückschrecken würden, weil es ihrer Versunkenheit zu schwer erscheine, so müßten sie es erst in der Hülle des Gleich­nisses kennen lernen, und es müsse wie ein Samenkorn in ihnen aufgehen, in welchem die Ähre verhüllt sei, und welches wieder selbst in die Erde eingesenkt werde.

Hierauf erklärt Er den Jüngern die Parabel vom Sämann (Mt. 13, 18-23) und vom Unkraut unter dem Weizen (Mt. 13, 36 bis 43), und spricht von der Gefahr, Weizen mit dem Unkraut auszureißen (Mt. 13, 24 bis 30). Und diese Gleichnisse erklärt Er ihnen mit Bezugnahme auf ihren Beruf, in der Ernte zu arbeiten, und spricht dann von der Nachfolge überhaupt, und daß sie bald alle mit Ihm wandeln würden, und Er ihnen alles erklären würde.

Der Tumult der Pharisäer

Nach der Sabbatschluß-Lehre beginnen die Pharisäer, im Vorhof der Synagoge wieder mit Ihm zu disputieren; und einige von ihnen, die beim Mahl zu Gabara am 13. No­vember 32 zugegen gewesen, werfen Ihm die Sündenvergebung an Magdalena vor. Woher Er wisse, daß ihr die Sünden vergeben seien, wie Er das könne. Dies sei eine Gottesläste­rung. Überhaupt versuchen sie, Ihn zu rei­zen, damit Er es ausspreche, Er sei kein Mensch, Er sei ein Gott. Jesus aber bringt sie durch Seine Antworten immer wieder zum Schweigen und macht ihre Versuche zu Schanden.

Schließlich erheben sie ein solches Geschrei und erregen einen solchen Tumult unter der Menge, daß Sich der Herr unter dem Auf­lauf der Menschen ihnen entzieht, sodaß sie nicht wissen, wohin Er gegangen. Er aber geht durch die Gartenschlucht hinter der Synagoge zu den Gärten des Serobabel und kommt auf einem Umweg zum Hause Mariä, bleibt hier einen Teil der Nacht, mit Seiner Mutter und den anderen Frauen redend, und läßt dem Petrus und vielen anderen Jüngern melden, sich mit Ihm am anderen Morgen jenseits des Tales oberhalb Petri Schiffsteile zu treffen, um mit Ihm nach Naim zu gehen. Dann zieht Er Sich zum Gebet an eine einsame Stelle der Umgegend zurück.

Ebene Jezrael

So. 17.

In drei großen Gruppen wandert der Herr morgens mit den künftigen Aposteln, vielen Jüngern und Bekannten aus Gabara und Kapharnaum nach der Ebene Jezrael. Der Herr geht meist in der mittleren Gruppe. Nach neun bis zehn Stunden kehren sie in einer Herberge bei Hirten ein, nachdem sie den Bach Kison überschritten haben. Unter­wegs lehrt Jesus viel, unter anderem auch, wie sie die falschen Lehrer von den wahren unterscheiden sollen (Mt. 7, 15-20).

Der Jüngling von Naim

Landbau-Stadt Naim

Mo. 18.

Der Herr hat gestern auf dem Wege zur Ebene Jezrael mit Absicht die Stadt Naim gemieden. Heute nähert Er Sich gegen neun Uhr morgens mit etwa dreißig Begleitern diesem Orte. Der Weg über die Hügel wird hier schmäler, und es wandelt eine Gruppe vor, eine nach, Jesus in der Mitte. Kurz vor dem Stadttore kommt ihnen ein Trauerzug entgegen. Vier Männer tragen den nach Art eines menschlichen Leibes geformten Sarg auf Querstangen zwischen sich (L. 7, 11 bis 12).

Jesus geht durch die Jünger hindurch, die sich in zwei Reihen an den Wegrand stellen, befiehlt den Trägern, still zu stehen, legt die Hand auf den Deckel des leichten Kastens und sagt: „Setzt den Sarg nieder!“ Die Männer setzen den Sarg nieder und tre­ten zur Seite. Der ganze Trauerzug bleibt stehen, und Jesus wendet sich den vier verschleierten Frauen zu, welche die Spitze des nachfolgenden Zuges bilden und spricht zu der einen der Frauen, die still vor sich hin weint: „Weine nicht, Weib!“ Es ist die in der ganzen Stadt wegen ihrer Freigebigkeit beliebte Witwe Maroni, die den Herrn ge­legentlich Seines Aufenthaltes zu Naim am 7. August 32 im Torhotel mit ihrer Freundin aufgesucht hatte, und die nun hier ihren jungen, einzigen Sohn zu Grabe trägt (L. 7, 13-14).

„Man bringe Mir Wasser und einen Zweig“, begehrt der Herr; und man bringt einem der Jünger ein kleines Kesselchen mit Wasser und bricht einen Ysopzweig im nächsten Gar­ten ab. „Öffnet den Sarg und wickelt die Binde los!“ spricht Jesus zu den Trägern; und während diese die Binde, den Leib des Toten mit den Händen unterstützend, auf­rollen, erhebt der Herr die Augen zum Him­mel und ruft: „Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß Du dies vor Weisen und Klugen verborgen, aber Ein­fähigen geoffenbart hast. Ja, Vater, so war es Dir wohlgefällig. Alles ist Mir von Mei­nem Vater übergeben worden, und niemand keimt den Sohn als nur der Vater, und nie­mand kennt den Vater als nur der Sohn, und wem der Sohn es offenbaren will.“ (Mt. 11, 25-27.)

Dann wendet Er Sich an die Menge der Um­stehenden: — denn auch viele Neugierige sind herbeigeeilt — und ruft:, „Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken. Nehmt Mein Joch auf euch und lernt von Mir, denn Ich bin sanftmütig und demütig von Herzen, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn Mein Joch ist sanft und Meine Bürde leicht!“ (Mt. 11, 28-30.)

Und bei den letzten Worten segnet Er das Wasser, taucht den Zweig hinein und be­sprengt die Menge rings umher; und die Leute werden inniger und gerührt, und es ist, als werde alles heller und reiner.

Zuletzt besprengt Jesus auch den Toten, macht mit der Hand ein Kreuz über ihn und spricht: „Jüngling, Ich sage dir, steh auf!“ Da richtet sich der Tote in sitzende Stellung und schaut, langsam sich nach allen Seiten wendend, verwundert rund um sich her. „Gebt ihm ein Kleid!“ meint Jesus; und sie legen dem Jüngling einen Mantel um. Dieser richtet sich nun stehend auf und fragt erstaunt: „Wie ist das? Wie komme ich hierher?“ Sie legen ihm die Sandalen an, da tritt er aus dem Kasten her­aus, und Jesus nimmt ihn bei der Hand und führt ihn der entgegeneilenden Mutter in die Arme (L. 7, 15) mit den Worten: „Hier hast du deinen Sohn zurück; aber Ich for­dere ihn von dir zurück, wiedergeboren in der Taufe“ (am 3. Dezember 32).

Maroni ist außer sich vor Freude, Staunen, Ehrfurcht, und es fallen weniger Worte des Dankes, als vielmehr nur Tränen und Um­armungen des wiedergeschenkten Kindes. Ringsum bricht die Menge in Jubel aus und folgt dem Rückzug zum Häuserkom­plex der wohlhabenden Witwe unter ab­wechselnden Lobgesängen: „Ein großer Prophet ist unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk heimgesucht“ (L. 7, 16). Auch Jesus schließt Sich mit den Jüngern dem Zuge an.

Kaum dort angekommen, mehren sich die Freunde und Bekannten von allen Seiten. Alles drängt sich, den Jüngling Martialis zu sehen. Dieser wird gebadet und legt sein weißes Festkleid mit weißer Schärpe an. Unterdes werden dem Herrn und den Jün­gern von Dienern des Hauses die Füße ge­waschen und der übliche Ehrenimbiß ge­reicht; während Maroni damit beschäftigt ist, durch ihre Hausmädchen Geschenke an die Armen auszuteilen, die sich zum Glück­wünschen im vordersten Atrium drängen. Es werden Kleider, Laken, Getreide, Brot, Lämmer, Vögel und Münzen verteilt; und Jesus lehrt inzwischen vor den einzelnen Gruppen der Bekannten im Säulenhof.

Alsbald läuft Martialis fröhlich hin und her, läßt sich besehen und teilt mit aus. Nun trifft auch seine Schulklasse mit dem Ordi­narius im Vorgarten des Hauses ein. Viele der Knaben sind ganz scheu, als sei Martialis vielleicht ein Geist; doch dieser läuft auf sie zu und schreckt sie mit scherzhaften Tönen, sodaß sie ängstlich zurückweichen. Aber an­dere lachen sie aus, spielen die Tapferen und schütteln dem wiedergewonnenen Ka­meraden kräftig die Hand.

Unterdes wird im Hauptgebäude und in des­sen hinteren Höfen das Festmahl gerüstet, zu dem alle eingeladen sind. Petrus als der Verwandte der Witwe — sie ist seines Schwiegervaters Nichte — ist besonders froh und vertraut im Hause und macht gewisser­maßen den Hausvater. Jesus aber nimmt Sich den wiedererweckten Knaben mehr­mals vor und belehrt ihn, den Anwesenden zum Gehör, mit Worten, durch welche sich viele der Hörer im Innern erkannt fühlen. Hier sei noch bemerkt, daß der Herr kurz vor dem heutigen Wunder unter anderem auch deshalb den Umkreis mit gesegnetem Wasser besprengte, um vorhandene schlechte Gesinnungen wie ein Hindernis zu beseiti­gen; denn die bösen Geister hatten eine Ge­walt über verschiedene Anwesende, die teils geärgert, teils neidisch, teils voll heimlicher Schadenfreude waren und meinten, Er werde den Toten wohl nicht erwecken kön­nen.

DER WANDEL JESU IN DER WELT – Nach den Visionen der Anna Katharina Emmerich

Jünger- und Heiden-Belehrung

Zöllner-Hotel bei Galaad

Mo. 19.

In Richtung gen Galaad wandernd, unter­richtet der Herr die vier Jünger in lauter Gleichnissen, von allerlei Ständen und Ge­werben, von jedem Busch, Stein und Baum hergenommen, und was sich so auf dem Wege darbietet. Auch erzählt Er von Elias, der sich an dem Bache Carith einst auf­gehalten (3 Kön. 17, 3-7), in dessen Nähe sie vorbeikommen.

Später weist Er auf die Sandalenfabrik von Dalmanutha, die sie links von sich in der Ferne sehen und wendet von ihr Gleich­nisse auf die Gesinnung der Nazarener an; sagend: „Ich bedarf ihrer Ehrung nicht, die schön gefärbt dasteht, wie die bunten Soh­len in jener Fabrik, und die nachher unter die Füße in den Kot getreten wird. Sie sind wie die Sandalenmacher von Dalmanutha, ihre eigenen Kinder verschmähen und ver­achten sie, und so sie in die Fremde gestoßen sind und irgend etwas gelernt haben von schönen grünen Sandalen, eine neue Mode, so lassen sie selbe wieder kommen aus Neu­gier und wollen dann prahlen mit den San­dalen, die wie diese Ehre mit Füßen getre­ten werden.“

Als sie Ihn fragen, wo Er denn wohnen wolle, ob Er in Kapharnaum ein Haus bauen wolle, antwortet Er, daß Er nicht auf Sand baue, und erwähnt eine andere Stadt, die Er bauen werde. Jedoch wolle Er gern ein eigenes Schiffchen haben, um auf dem See hin und her zu fahren, denn er wolle zu Wasser und zu Lande lehren.

Als sie in die Gegend von Galaad kommen, erzählt Er von Abraham und Loth, die auf ihrem Wege von Haran nach Sichern (Gen. 11, 31-12, 6) hindurchgezogen, und kehrt in der Nähe von Galaad (am heutigen Nahr el-Rukkad) im Zöllner-Hotel an der Handelsstraße Skythopolis – Damaskus ein. Er spricht vor den Gästen und Zöllnern über das Gleichnis von den bösen Winzern (Mt. 21, 33-44) und gibt deutlich zu ver­stehen, daß Er der Sohn sei, aber fügt auch hinzu, daß alle Jene Kinder des Vaters seien, die Dessen Willen täten, wodurch den Hörern die Sache wieder verhüllt wird. Einige derselben bekehren sich jedoch.

Zwischen Gamala und Gergesa

Di. 20.

Über die Berge an der Ostseite des Sees Genezareth wandelnd, begegnen ihnen zwi­schen Gamala und Gergesa Handelskara­wanen, die von Syrien nach Ägypten ziehen. Es haben sich diesen Zügen viele Leute an­geschlossen, um in Galiläa den neuen Pro­pheten zu hören. Von ihnen laufen einige zum Herrn herüber und fragen, ob der neue Prophet jetzt in Kapharnaum lehre. Er sagt ihnen, sie sollten sich an dem Bergabhang nördlich bei Gerasa lagern, der Prophet werde bald dahin kommen. Sie aber schauen Ihn verwundert an und sagen: „Herr, du bist auch ein Prophet!“ und Sein Blick macht sie nachdenklich, ob Er es nicht Selbst sei.

Industrie- und Handels-Stadt Gerasa

Abends kehrt Er im Hotel vor Gerasa ein. Es ist aber ein solches Gedränge von Reisen­den im Hause, daß Er Sich gleich absondert, während die Jünger noch mit den Heiden von dem neuen Propheten reden und sie aufklären.

Unterdes ist Martha mit Johanna Chusa und Veronika zur heiligen Jungfrau gereist und hat von Kana aus eine mit Maroni bekannte Witwe aus Naim mitgebracht, die die heilige Jungfrau um Fürbitte bei Jesus angeht, um von ihrer Besessenheit geheilt zu werden. Als der Bote mit dieser Fürbitte Mariä den Herrn auf dieser Reise erreicht, heilt Er jene Witwe aus der Ferne. Sie sinkt im selben Augenblick im Hause Mariä wie tot zur Erde, wird von den Frauen zu Bett ge­bracht, kommt wieder zu sich und steht ganz befreit wieder auf.

Mi. 21.

Indem Er langsam den gestern angegebenen Bergabhang auf Serpentinenwegen hinaufwandelt, belehrt Er die hier sich zu Seiner Lehre gelagerten Heiden in Form von Fra­gen und Antworten, z. B.: „Wo seid ihr her? Was bewegt euch zu der Reise? Was erwartet ihr von dem Propheten? — Selig sind die, die so weit und mühsam gereist kommen, das Heil zu suchen. Wehe aber jenen, unter denen es aufsteht, und die es nicht aufnehmen!“ Und dann erklärt Er die Weissagungen vom Messias, die Heilsberu­fung der Heiden und erzählt von dem Zuge der heiligen Drei Könige, die einigen von ihnen bekannt sind.

Es sind auch Leute aus der Gegend und Stadt her, wo der Gesandte des Königs Abgar von Edessa Anfang Mai 32 mit dem Bild durch­reiste und wo er entdeckte, daß auch das Tuch, womit Jesus Sich berührt, Sein Bild enthielt.

Die Hörer sind teils von Jesu Lehre ergrif­fen, teils aber auch enttäuscht, nämlich jene, die etwas ganz anderes von dem Pro­pheten erwartet hatten, das ihren Sinnen mehr schmeichelte.

Die unreine Schüssel

Zu Abend ist Jesus Gast bei einem Schrift­gelehrten, der vor der Stadt wohnt. Auch einige Pharisäer sind zugegen. Als der heid­nische Diener eine sehr schön dekorierte Schüssel mit Zuckerwerk auf den Tisch bringt, macht einer der Anwesenden einen großen Lärm darüber, daß an der Schüssel etwas Unreines sei, stößt den erschrockenen Diener grob zurück und beschimpft ihn. „Nicht die Schüssel“, bemerkt Jesus, „son­dem was darin ist, ist voll Unreinigkeit“ (vgl. L. 11, 39). — „Nein“, erwidert der Hausherr, „Du irrst, das Zuckerwerk ist ganz rein und köstlich.“ — „Doch, es ist sehr unrein, denn es ist nichts als aus Schweiß, Blut, Mark und Tränen der Witwen, Wai­sen und Armen zusammengeknetete Wol­lust“, entgegnet der Herr und hält ihnen eine scharfe Lektion über ihr Treiben und Verschwenden, über Geiz und Heuchelei.

Die Gäste sind erbittert, können nichts er­widern und verlassen gekränkt das Haus bis auf den Hausherrn, der immer noch den Herrn gleißnerisch umschmeichelt und nur etwas zu erlauern hofft, was er dem Syne­drium zu Kapharnaum gegen Ihn vorbrin­gen könnte.

Abends lehrt Er nochmals vor den Heiden am Bergabhange bis spät in die Dunkelheit bei Fackelschein. Jenen, die sich taufen las­sen und sich sogar hier im Lande nieder­lassen wollen, rät Er, mit der Taufe noch zu warten, bis sie besser belehrt seien, und vor­erst in die Gegend von Adama am Merom­-See zu ziehen, wo bereits von Ihm (im Juli 32) belehrte Heiden und gute Leute seien.

Nach Schluß der Lehre geht der Herr nord­westlich über den Berg nach der Stelle, wo Ihn Petri Knechte mit dem kleinen Schiff erwarten, das Petrus und Andreas mit ihren Leuten selbst für Ihn gezimmert haben. Es faßt etwa zehn Mann. Er landet etwas nörd­lich von Bethsaida, wo Ihn sechs der künf­tigen Apostel begrüßen und zum Hause Petri geleiten (Mt. 4, 13-16).

Die Untersuchungs-Kommission

Petri Haus

Im Hause Petri sind die heilige Jungfrau und die anderen Frauen versammelt. Der Herr speist in ihrer und der Jünger Mitte. Man warnt Ihn vor der in Kapharnaum ein­getroffenen Untersuchungs-Kommission von fünfzehn Pharisäern, der sich auch jener junge Mann aus Nazareth angeschlossen hat, der den Herrn schon mehrmals um Auf­nahme gebeten, und den Er noch das letzte Mal abgewiesen. Die Seinen bitten Ihn, doch ja nicht zum kommenden Sabbat in Kaphar­naum zu lehren, Er solle doch lieber wieder auf die andere Seite des Sees gehen. Bei solchen Gelegenheiten spricht jedoch Jesus kurz ablehnend ohne Auseinandersetzung.

Dem Petrus sagt Er noch, er solle für mor­gen seine Fischerei lassen und Ihm bei der Menschenfischerei helfen, bald werde Er ihn ganz abberufen.

Fischerstadt Bethsaida

Do. 22.

Petrus hat in seinem Hause viele Kranke aufgenommen, die der Herr heute morgen fast alle heilt. Auf dem Wege nach Beth­saida heilt Er ebenfalls die von den Jüngern bereits auf Seine Anordnung hin geordne­ten Kranken. Hierbei belehrt Er sie, und denen, die ihre Sünden bekennen wollen, nimmt Er das Bekenntnis an einem abgeson­derten Ort entgegen. Unter diesen sind auch viele Heiden, die Er zur Taufe oder zu den bekehrten Heiden in Adama am Merom-See weist. Auch in Bethsaida wimmelt es von Kranken und von Leuten, die Ihn hören wol­len. Er heilt und lehrt in verschiedenen Herbergen und auf den Straßen. Nachdem Er bei Andreas gespeist, kehrt Er zum Hause Petri zurück.

Kapharnaum

Fr. 23.

Er heilt noch viele Kranke in Bethsaida, speist im Hause Petri und heilt dann noch im Jüngerversammlungshaus vor Kaphar­naum, welches auch dem Petrus gehört.

Auf dem Wege zur Synagoge laufen Ihm die Besessenen, die man alle aus dem Hafthause losgelassen, entgegen und schreien Ihn an. Er befiehlt ihnen zu schweigen, und sie fol­gen Ihm, gänzlich vom bösen Geiste befreit und ruhig, zum Erstaunen aller Menschen zur Synagoge und hören Seiner Lehre zu (Mk. 1, 21-22).

Um Seinen Lehrstuhl sitzen die Pharisäer mit der Untersuchungs-Kommission der fünfzehn Neuangekommenen. Man behan­delt Ihn mit wirklicher Scheu und geheu­chelter Ehrfurcht, macht Ihm Platz, reicht Ihm die Rollen zur Verlesung der Lektion, und Er lehrt über Isaias 49, daß Gott Seines Volkes doch nicht vergessen werde, und legt alles auf Seine Zeit aus.

Die Pharisäer können Ihm kein Wort wider­sprechen, sie hören ganz still zu, nur zischeln sie sich in die Ohren und spötteln, um ihre Überlegenheit zu zeigen, sind aber doch unbewußt hingerissen von Seinen Worten, obschon sie zuweilen äußerlich vor sich herlächeln.

Zuletzt erzählt Er das Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Mt. 25, 14-30), aber in etwas veränderter Form, dem ver­räterischen jungen nazarenischen Schrift­gelehrten zu Gehör, der zwar innerlich be­schämt, aber nicht gebessert wird.

Vor der Synagoge heilt Er noch auf der Straße und dann im Hause Petri vor dem Tor, um hierauf bis in die Nacht im Kreise Seiner Jünger zu lehren. Am heutigen Abend wird in der Stadt der Schluß des Monats Ab und der Beginn des Monats Elul durch Heraushängen von Fahnen mit Kno­ten und Fruchtschnüren in denselben an­gezeigt. Die Zahl der Knoten gibt die neue Monatszahl an. Um Mitternacht sondert Sich Jesus ab und begibt Sich zum einsamen Ge­bet wieder auf einen der Zypressenhügel in der Nähe.

Er hat Gewalt über die unreinen Geister

Sa. 24.

Als der Herr morgens zur Synagoge kommt, ist sie von Menschen dicht umlagert, und Besessene schreien Ihm entgegen. Ein ganz besonders Rasender kommt gegen Ihn ge­rannt und schreit: „Was haben wir mit Dir, Jesus von Nazareth? Du kamst, uns zu ver­derben. Ich weiß, Du bist der Heilige Got­tes!“ Da befiehlt ihm Jesus zu schweigen und sagt: „Verstumme und fahre von ihm aus!“ Der unreine Geist zerrt ihn hin und her und fährt mit lautem Geschrei von ihm aus, und der Mensch wird ganz ruhig und wirft sich dem Herrn zu Füßen. Da sagen viele Leute und besonders die Jünger den Pharisäern zu Gehör, die sich darüber ärgern: „Was ist doch das für eine neue Lehre, wer mag Er sein? Er hat Gewalt über die unreinen Geister.“ (Mk. 1, 23 bis 27.) Ein ähnlicher Vorgang spielt sich später am 15. November 32 noch einmal ab.

Es ist eine so erstaunliche Menge von Volk und Kranken in und um der Synagoge, daß der Herr auf einer Stelle des Sabbat­hauses lehren muß, die nach innen und nach dem von Menschen vollen Vorhof sieht. Er lehrt lebhafter als sonst, wendet Sich beim Sprechen bald ins Innere des Hauses, bald heraus zur Menge draußen.

Er spricht wieder über Stellen aus Isaias und zählt die Kennzeichen des gekommenen Messias auf (vgl. Mt. 11, 5) : „Die Lahmen werden gehen, die Blinden sehen, Taube hören. Tun sie es etwa nicht? Was will diese Versammlung der Heiden zur Lehre?“ (und damit weist Er auf jene hin, die Er drüben bei Gerasa belehrt hat, und die jetzt hier­her gekommen sind, um Ihn weiter zu hören). „Was schreien die Besessenen? Warum fahren die Teufel aus? Warum loben die Genesenen Gott? Verfolgen Ihn die Bösen und Verderber nicht? Umgeben Ihn nicht die Spitzel? Aber sie werden den Sohn des Weinbergsherrn (Mt. 21, 39) hin­ausstoßen und erschlagen, und wie wird es ihnen ergehen? Wollt ihr das Heil nicht an­nehmen, so soll es doch nicht verloren sein, und ihr sollt es den Armen, Kranken, Sün­dern und Zöllnern, den Büßenden, den Hei­den selbst nicht wehren, zu denen es sich von euch abwenden wird!“ „Ihr anerkennt Johannes als einen Propheten, den sie ge­fangen haben: geht zu ihm in sein Gefäng­nis, fragt ihn, wessen Wege er bereitet hat und von wem er Zeugnis gibt!“

Die Sündenvergebung vom Lehrstuhl aus

Es schleppen aber während Seiner Lehre acht halbkranke Männer vier andere, an einer unreinen Krankheit leidende, vor­nehme Männer aus Kapharnaum zur Synagoge nach einer Stelle in den Vorhof, wo Jesus sie sehen, und sie Seine Worte hören können. Doch die Pharisäer, welche dies be­merken, reden laut über diese Unordnung. Jesus aber wendet Sich in dem Augenblick, da diese Kranken durch die Reden der Pharisäer erschrocken und traurig werden, zu ihnen hin, sieht sie liebevoll und ernst an und ruft ihnen zu: „Eure Sünden sind euch vergeben!“

Da brechen jene in Tränen aus; die Phari­säer aber murren mit großer Erbitterung: „Wie wagt Er das zu sagen? Wie kann Er Sünden vergeben?“ Doch Jesus ruft ihnen zu: „Folgt Mir hinab und seht,was Ich tue!“ Er steigt vom Lehrstuhl, geht durch die Menge zu jenen vier Kranken. Die Phari­säer erheben sich und folgen Ihm nach. Er stellt sie fern von den Kranken in eine Reihe: „Bleibt hier, denn sie sind euch ja unrein, Mir sind sie es nicht; denn ihre Sün­den sind ihnen vergeben.“ Und nun fragt Er: „Ist es schwerer, zu einem reumütigen Sün­der zu sagen: deine Sünden sind dir ver­geben, als dem Kranken zu sagen: stehe auf und trage dein Bett von dannen?“

Sie können nichts antworten, und Jesus geht zu den Kranken und legt einem nach dem anderen die Hände auf, betet über sie wenige Worte, hebt sie an den Händen empor und befiehlt ihnen, Gott zu danken, nicht mehr zu sündigen und ihre Betten hinwegzu­tragen.

Sie stehen alle vier von den Betten auf, und die anderen acht Halbkranken sind auch ganz rüstig und helfen jenen aus ihren Decken heraus. Diese aber schlagen ihre Betten zusammen, nehmen sie auf die Schulter, und alle zwölf gehen freudig unter dem Gesang: „Gelobt sei der Herr, Gott Israels, Er hat Großes an uns getan, Er hat Sich über Sein Volk erbarmt und uns durch Seinen Propheten geheilt“, durch die stau­nende und jauchzende Menge von dannen.

Die Pharisäer aber gehen voll Ärger und ganz beschämt ihrer Wege, ohne Abschied zu nehmen.

Der Herr begibt Sich ohne Verweilen mit den Jüngern zum Hause Petri bei Bethsaida, wohin man Ihn gerufen, da man meint, Petri Schwiegermutter, deren Krankheit sehr zugenommen, werde sterben. Er tritt an ihr Bett und heilt sie. Und sie steht auf und bedient gleich mit den anderen Frauen bei der folgenden Mahlzeit bei Tisch (L. 4, 38-39).

Petri Schiffstelle

Nach dem Essen geht der Herr am See bei Petri Schiffstelle mit den Jüngern spazie­ren, unterrichtet sie und spricht davon, daß sie bald diese Arbeit ganz liegen lassen und Ihm folgen werden.

Da wird es Petrus ganz bange, er wirft sich vor dem Herrn auf die Knie nieder und bittet Ihn, Er möge doch auf seine Unwis­senheit und Schwäche sehen und nicht ver­langen, daß er bei so wichtigen Dingen sein solle; er sei dessen nicht würdig und ver­möge nicht, andere zu unterrichten. Jesus erwidert, sie sollten keine weltliche Sorge haben, denn Der, der den Kranken Ge­sundheit verleihe, werde auch ihnen Nah­rung und Kraft zu ihren Verrichtungen geben.

Kapharnaum

Nachdem der Herr viele Kranke und Beses­sene vor der Stadt um Petri Haus geheilt (Mt. 8, 16-17), lehrt Er noch in der Syna­goge, entzieht Sich aber, da das Gedränge immer größer wird, unbemerkt der Menge und geht ohne alle Begleitung in jene Tier­schlucht, die sich südwärts von Kaphar­naum beim Schloßgut Serobabels bis zu dem kleinen Dorfe hinzieht, wo dessen Knechte und Arbeiter wohnen. Hier bleibt Er die Nacht hindurch einsam im Gebet.

Jesus unter den Kurgästen

Bad Bethulia

So. 25.

Frühmorgens finden Ihn dort noch im Ge­bet Petrus und die anderen Jünger und melden, daß noch viele Kranke auf Ihn warten. Er aber erwidert, sie sollten Ihm Parmenas, Saturnin, Tharzissus und Aristo­bolus in das Taubental (Wadi El-Hammam, westl. von Magdalum) nachsenden und ver­abschiedet Sich von ihnen (Mk. 1, 35-39).

Nachdem Er im Dorfe des Serobabel noch zwei aussätzige Männer geheilt hat, trifft Er Sich mit den vier Jüngern und wandelt mit ihnen, sie belehrend, nach dem Bade­see und Kurort von Bethulia. Die Bäder haben ein gemeinsames Becken und ringsum abgezeltete Eingänge zu Einzelbädern. Es gibt viele Hotels, auch kann man einzelne Häuser mit Gärten auf bestimmte Zeit mie­ten und hat alles übrige frei. Sehr viele vornehme und wohlhabende Leute aus Gali­läa und auch Judäa haben hier ihre Villen und Gärten, die sie in der schönen Jahres­zeit bewohnen.

Der See ist ungemein rein und spiegelklar bis auf den Grund. Er entsteht aus einem Wasser, das von Westen kommt und aus dem Badesee in das Tal von Magdalum fließt. Der See wimmelt von kleinen Lust­kähnen. Vor den Wohnungen, Bädern und um den See ziehen sich Verbindungswege, Alleen, schattige Laubengänge, breit aus­gespannte Bäume und Lauben; dazwischen liegen Wiesen mit hohem Gras, mit Obst- und Gewürzgärten und Tummelplätzen. Es ist jetzt hier die zweite Ernte.

Der Herr kehrt am Abend in einem Hotel für Durchreisende ein. Es sammeln sich bald allerlei Leute um Ihn, und Er lehrt vor dem Hoteleingang mit ungemeiner Sanft­mut und Milde. Es hören auch viele Frauen zu, unter denen einige leichtfertige aus Joto­pata gleich abreisen, ohne Ihn länger anzu­hören.

Mo. 26.

Morgens kommt eine Kurgesellschaft von Vornehmsten auf Kähnen über den See zum Hotel und ladet den Herrn höflichst ein, zu ihnen hinüberzukommen und vor ihnen zu sprechen. Er fährt mit hinüber, empfängt in einem Hotel ein Frühstück, lehrt vormittags in der Kühle der Bäume und nachmittags vor dem Hotel unter schat­tigen Baumlauben.

Die anwesenden Hörer sind meist gesittete und vermögende, auch wohlgesinnte Leute, die sehr heiter und gemütlich gestimmt sind; und da es hier keine Parteien gibt, so scheut sich keiner vor dem anderen, sich seinem Gefühle hinzugeben, so daß sich alle ganz wohlgesinnt, ehrerbietig und gesittet neu­gierig gegen den Herrn benehmen; und als sie Ihn erst einmal gehört haben, sind sie erquickt und erfreut.

Er spricht von der Reinigung durch das Wasser vom Bad, von der Vereinigung der Gesellschaft hier und ihrer Gleichheit und dem Gefühl der Vertrautheit unter ihnen, von dem Geheimnis des Wassers, von der Sündenabwaschung, vom Bad der Taufe, von Johannes, von der Vereinigung und Liebe unter den Getauften und Bekehrten. Außerdem entlehnt Er Gleichnisse von der schönen Jahreszeit, von der hiesigen Land­schaft und von allem, was die Hörer umgibt. Die Ihm zuhörenden Kreise wechseln auch ab, indem neue hinzukommen und die früheren ihnen Platz machen. Manche hören immer zu und sind ganz hingerissen von Seinen Worten.

Mittags treffen Andreas und Jakobus aus Kapharnaum ein und bereden sich mit dem Herrn betreffs des Taufens in Ainon, denn Er beabsichtigt, dort taufen zu lassen. Beide gehen gleich darauf wieder zurück.

Abends kommen noch einige leichtfertige Damen mit Männern aus Jotopata in die Nähe Jesu; hören aber Seiner Lehre nicht zu, sondern kehren gleich wieder nach Joto­pata zurück und erzählen dort, daß Jesus hier sei. Jotopata liegt, wie in einen Stein­bruch hineingebaut, ungefähr anderthalb Stunden östlich von hier und ist ein Haupt­sitz der Herodianer, einer über das ganze Land verbreiteten Vereinigung von meist klugen, aufgeklärten Leuten, die geheimen Oberen unterstehen und geheime Zeichen und Versammlungshäuser haben. Sie sind heimliche Feinde der Römer und arbeiten sehr vorsichtig an einer Rebellion für die Herodische Sache und glauben, Pharisäer wie Sadduzäer, zu ihren Zwecken zu führen und zu leiten. Äußerlich sind sie aus Vor­schrift sehr höflich und duldsam, haben aber eigentlich gar keine Religion, arbeiten jedoch unter deren Deckmantel auf ein weltliches, freies Reich hin. Herodes Anti­pas unterstützt sie.

Als die Synagoge zu Jotopata von Jesu Auf­enthalt in Bad Bethulia gehört, sendet sie noch spät abends ein paar Herodianer dort­hin, um Ihn nach Jotopata einzuladen. Der Herr gibt jedoch den sich höflich Ihm Nahenden keine bestimmte Zusage. Auch besuchen Ihn noch ein paar Johannesjünger und verwandte Jünger aus der Gegend von Hebron und einer Seiner Vettern aus Nieder­-Sephoris (vgl. 13. und 14. August 32). Er speist mit ihnen allein zu Abend.

Di. 27.

Morgens spricht der Herr noch vor einem Kreis von Badegästen, und im Hintergrunde stehen schüchtern einige gichtlahme Män­ner, die sich nie zu Jesus herangewagt hat­ten. Nachdem Er längere Zeit gelehrt hat, rufen einige der Hörer ganz gerührt: „Herr, wer Dich gehört, kann Dir nicht wider­stehen!“ — „Ihr habt viel von Mir reden hören und habt Mich jetzt selbst gehört, wer glaubt ihr, daß Ich sei?“ fragt Er sie. Einer antwortet: „Herr, Du bist ein Prophet“; ein anderer sagt: „Du bist mehr als ein Pro­phet; kein Prophet lehrt solches, keiner wirkt Deine Taten“; andere schweigen, und der Herr zeigt auf sie und sagt: „Diese haben recht“, denn Er weiß, was sie denken.

„Herr, Du kannst alles“, meint ein anderer; „ist es wahr, sie sagen, Du habest schon Tote erweckt, die Tochter Jairi zu Phasael?“ (12. Februar 32). — „Ja; doch was wißt ihr von Mir? Was sagt man euch Böses von Mir?“ — „Man klagt Dich an, daß Du am Sabbat Deine Werke nicht einstellst und die Kranken heilst.“ — „Seht da“, entgegnet der Herr und zeigt zum nahen Teich hin­über, „seht die schwachen Hirtenknaben und die jungen, zarten Lämmer! Wenn eines derselben in den Sumpf stürzte und blökte, würden die anderen nicht alle um­herstehen und traurig schreien? und die schwachen Knaben könnten nicht helfen, und der Sohn des Besitzers ginge vorüber am Sabbat und wäre gesandt, die Lämmer zu erhalten und zu weiden, würde er sich nicht des Lammes erbarmen und es aus dem Sumpfe ziehen?“ —

Da heben alle die Hände empor und rufen: „Ja, ja, Er würde es tun!“ — „Und so es kein Lamm wäre, so es die gefallenen Kin­der des himmlischen Vaters, so es eure Brü­der wären, ja ihr selbst: sollte der Sohn des himmlischen Vaters ihnen am Sabbat nicht helfen?“ — Und alle rufen wieder: „Ja, ja!“ — „Nun, seht diese eure kranken Brü­der“, und Er zeigt auf die fernstehenden Gichtkranken, „soll Ich ihnen helfen, wenn sie Mich am Sabbat um Hilfe anflehen?“ Sollten sie keine Verzeihung der Sünden haben, so sie am Sabbat bereuen, am Sabbat die Sünden bekennen und zum Vater im Himmel schreien?“ Da rufen alle: „Ja, ja!“

Und Jesus winkt sie heran, spricht einige Worte vom Glauben zu ihnen, betet und sagt: „Streckt eure Arme aus!“ Da strecken sie die kranken Arme gegen Ihn aus; Er fährt ihnen mit der Hand über den Arm, haucht auf ihre Hände nur einen Augen­blick, und sie fühlen sich geheilt und kön­nen ihre Glieder gebrauchen. Er sagt ihnen noch, sie sollten sich baden, und ermahnt sie, sich von gewissen Getränken zu enthalten. Sie werfen sich vor Ihm nieder, danken Ihm, und die ganze Gesellschaft ist voll Lob und Preis. Sie wollen Ihn nicht gehen las­sen, Er aber segnet sie, läßt Sich von ihnen ein Stück Weges begleiten und wandert gen Jotopata.

Bei den Herodianern

Herodianer-Sitz Jotopata

Nachmittags kehrt Er zu Jotopata in einem Hotel ein zwecks Erfrischung Seiner Jün­ger und schickt sie dann zum Vorsteher der Synagoge, um für ihren Meister die Schlüs­sel derselben zu begehren. Da eilt alles Volk zusammen, und die Schriftgelehrten und Herodianer sind voll Erwartung, Ihn in Seiner Lehre zu fangen.

Sie legen Ihm Fragen über die Zeitrechnung und die Erfüllung der Wochen Daniels vor (9, 24-27), und Er weist ihnen die ganze Erfüllung der Prophezeiung mit dem Ein­tritt dieser Zeit nach. Sie bitten Ihn heuch­lerisch, Er möge Sich doch in Seinen Leh­ren etwas mehr in acht nehmen, die jüdi­schen Gebräuche nicht verletzen und Sich durch die Gefangenschaft Johannes warnen lassen. Was Er aber von der Nähe des Messias sage, sei zwar ganz vortrefflich, aber sie könnten doch diesen Messias nirgends finden. So stellen sie sich, als hätten sie Seine allgemeinen Andeutungen nicht ver­standen, um Ihn zu einer deutlichen Be­zeugung Seiner Selbst zu verleiten und Ihn daraufhin anklagen zu können.

Der Herr aber stellt ihre Heuchelei an den Pranger, redet von den Schandtaten des Herodes und spricht die Geheimnisse der Herodianer laut vor allem Volke aus.

Diese werden ganz bleich, schweigen und verlassen nebst den Sadduzäern, die Er auch in Verbindung mit ihnen gebracht hat, ein­zeln die Synagoge.

Jesus predigt noch vor den Jüngern und dem Volke eine Zeitlang weiter. Viele sind gerührt, sagen, so habe noch keiner gespro­chen, und Er lehre besser als ihre Lehrer. Ein Teil des Volkes aber, von den Saddu­zäern und Herodianern aufgewiegelt, mur­ren und machen Tumult, so daß der Herr mit Seinen sieben Jüngern die Stadt ver­läßt und zwischen Bethulia und Gennabris südwärts geht.

Erntefeld Dothaim

Im Erntefeld von Dothaim kehrt Er bei Ihm bekannten guten Leuten in einem großen Bauernhause ein, wo auch die heiligen Frauen auf ihren Reisen nach Bethanien einzukehren pflegen, und wo immer Boten dann und wann von den Seinen Rast machen.

Der Täufer im Gefängnis

Mi. 28.

Von Feld zu Feld gehend, erzählt Er den Schnittern das Gleichnis vom Sämann (Mt. 13, 1) und Unkraut (Mt. 13, 24), hält eine Ansprache an alle, und läßt gegen Abend den Johannesjüngern zu Ainon durch Boten melden, sie mögen nach Machärus gehen und dort das Volk beruhigen, wel­ches stürmisch die Befreiung des Täufers verlangt. Es sind nämlich auch Täuflinge, die sich in Ainon in großer Zahl allmählich angehäuft hatten, von dort nach Machärus gezogen, und unterwegs hatten sich viele Leute ihnen angeschlossen. So ist es dort zu Unruhen gekommen. Die Wachen aber schlossen alle Zugänge, und Herodes stellte sich, als sei er nicht zu Hause.

Do. 29.

Der Herr ist gestern abend noch etwas näher gegen Gennabris in einem zweiten Bauern­hause eingekehrt und lehrt heute in dieser Gegend ähnlich wie gestern und spricht auch über das Gleichnis vom Senfkorn (Mt. 13, 31). Sein Gastgeber klagt Ihm über einen Nachbarn, der ihm seit langer Zeit allerlei Abbruch an seinem Felde getan. Der Herr geht mit ihm hin und läßt Sich das verlorene Stück Feld zeigen und fragt ihn, ob er noch so viel habe, sich und die Seinen zu ernähren. Als jener dies bejaht, sagt der Herr: „Dann hast du noch nichts verloren, denn es gebührt uns nichts, und wenn wir unser Auskommen haben, das Leben zu fristen, haben wir genug. Gib jenem Manne noch mehr dazu, als er verlangt, um seinen Hunger nach Gütern zu stillen. Alles, was du mit freudigem Sinne, um Frieden zu er­halten, hier verläßt, findest du in Meinem Reiche wieder. Jener handelt ja nach seiner Art richtig, denn er hat sein Reich auf der Erde. Lerne du von ihm, wie man sich ver­größern muß, aber strebe, dir Güter im Reiche Gottes zu erwerben.“ Und dann fügt der Herr noch ein Gleichnis hinzu von einem Flusse, der das Land diesseits abreißt und jenseits anlegt.

Er schickt heute noch einmal von hier aus Hirten nach Machärus mit der Auffor­derung an die Jünger des Johannes, das Volk dort zum Auseinandergehen zu be­wegen.

Um diese Zeit läßt auch Herodes den Täu­fer vor sich kommen, fragt ihn, was er von Jesus halte, der solchen Aufruhr in Galiläa mache, worauf Johannes so laut und begei­stert von Jesus spricht und ein so über­natürliches Wesen dabei hat, daß Herodes in die größte Angst gerät und sich zuletzt die Ohren zuhält. Schließlich sagt er: „Johannes, du weißt, daß ich dir wohl will, aber du redest aufruhrerregend gegen mich vor dem Volke, indem du meine Ehe ver­wirfst. So du deinen verkehrten Eifer mäßigst und vor dem Volke meine Verbin­dung anerkennst, will ich dich freilassen, und du magst hingehen und lehren und tau­fen.“ — „Ich kenne deine Gesinnung“, er­widert der Täufer, „und weiß, daß du das Recht erkennst und vor dem Gerichte zit­terst, aber du hast dich mit Schleppsäcken behängt und liegst in den Schlingen der Unzucht gefangen!“ Da läßt Herodes ihn schnell abführen und in einen anderen Kerker bringen, der keine Aussicht nach außen hat, so daß er nicht mehr vom Volk gehört werden kann.

Redner- und Handels-Stadt Gennabris

Fr. 30.

Morgens kommen Andreas, Jakobus und Johannes zum Herrn, um Ihn nach Genna­bris abzuholen. Er spricht aber vormittags noch vor Ackersleuten und besucht die Hüt­ten lahmer Arbeiter, heilt viele von ihnen und sendet sie zu ihrer Arbeitsstätte zurück.

Er kommt gerade zum Sabbatbeginn nach Gennabris, die Jünger waschen Ihm vor dem Sabbathaus die Füße. Viele Pharisäer, Schriftgelehrte, Sadduzäer und Herodianer sind bereits im überfüllten Gotteshaus ver­sammelt und empfangen den Herrn ohne Aufsehen mit geheuchelter Ehrfurcht.

Er liest aus Isaias, Kapitel 54-56, und zum Schluß aus dem Deuteronomium 1, von den Wohltaten Gottes und dem Segen und Fluch auf dem Garizim und Ebal-Berge, legt alles auf das Reich Gottes aus und setzt dem ver­kehrten, vergeblichen Eingehen durch die Seitentür das einzig rechte Eingehen durch die Brauttür entgegen, worunter Er Maria, die Kirche und die Taufe versteht (vgl. Mt. 7, 13).

Nach der Lehre führen sie Ihn zur Mahlzeit bei einem Pharisäer, wo sie auch nichts vor­bringen und ablauern können. Er erzählt bei Tisch die Parabel von einer Mahlzeit, wozu der Herr die Gäste einladet zu einer bestimmten Zeit, dann aber die Tür schlie­ßen läßt und keinen mehr hineinläßt (vgl. Mt. 25, 1).

Er übernachtet mit Seinen Jüngern im Hause des Pharisäers Dinotus, der mit An­dreas bekannt ist und im Anfang Juni 32 die verhafteten Jünger vor Gericht redlich verteidigt hat.

Herodes‘ Botschaft an Jesus

Heute läßt Herodes zu Machärus durch abgeschickte Beamte das Volk betreffs Johannes beruhigen, versammelt zur Be­ratung Pharisäer und Herodianer um sich und sendet acht aus diesen an Jesus ab, die Ihm ganz fein zu verstehen geben sollen, Sich doch nur in Obergaliläa aufzuhalten und sein Gebiet in Galiläa und vor allem Judäa zu meiden, und Sich das Schicksal des Johannes vor Augen zu halten.

Sa. 31.

Morgens lehrt Er wieder im Sabbathaus über das gestrige Thema, teilt aber neben­bei den anwesenden Spitzeln die Abreise der Kommission aus Machärus mit und fügt hinzu: „Wenn sie kommen, so sagt den Füchsen, sie mögen dem Fuchs (Herodes) melden, er brauche sich nicht um Mich zu ängstigen und könne sein Treiben fortsetzen (im Sinne von J. 13, 27: „Was du tun willst, tue bald“). Ich meinerseits werde Mich nicht an ihm stören, und lehren, wohin Ich ge­sandt bin, in jeder Gegend, auch zu Jerusa­lem, wenn es sein muß. Ich werde Meine Aufgabe vollenden und Meinem Vater im Himmel Rechenschaft davon geben“ (L. 13, 31-33).

Nachmittags geht der Herr mit den Jüngern spazieren. Vor dem Tor holt Andreas den Nathanael Chased aus seinem Haus her­unter, und dieser stellt dem Herrn seinen Vetter vor, dem er sein Geschäft übergeben hat, um mit Jesus mitreisen zu können. Bei der Rückkehr vom Spaziergang flehen etwa zwölf kranke Taglöhner den Herrn um Hilfe an. Sie hatten von Seinem gestrigen Heilen im Erntefeld von Dothaim gehört. Er ermahnt sie zur Geduld, doch die hinter Ihm folgenden Schriftgelehrten fahren sie an, hier am Sabbat keine Störung zu veran­lassen.

In Seiner Sabbatschlußlehre redet Er von der Sabbatheiligung (vgl. L. 41, 1) und ruft jene kranken Taglöhner, die draußen war­ten, in das Sabbathaus und heilt sie. Die erbitterten Schriftgelehrten aber kommen infolge des Jubels und der weiteren Predigt Jesu nicht mehr zur Vorbringung ihrer vorher ausgedachten Einwürfe, wie sehr sie auch vorher vor einander geprahlt hatten, Jesum zurechtzuweisen.

Wo sind denn die Armen?

Abends hat man den Herrn mit Seinen Jüngern zum großen Gastmahl im öffent­lichen Vergnügungspark anläßlich der Voll­endung der Ernte eingeladen. Der Herr er­scheint als Ehrengast, naht Sich der Tafel und spricht leise zu einem Pharisäer, der sich im voraus obenan gesetzt: „Wie kommst du an diesen Platz?“ — „Weil hier die löb­liche Gewohnheit ist, daß die Gelehrten und Vornehmeren obenan sitzen.“ Da sagt ihm Jesus, die, welche auf Erden die ersten Plätze einzunehmen streben, würden keinen Platz in dem Reiche Seines Vaters haben, und fügt noch mehr hinzu. Der Mann setzt sich darauf, innerlich ganz beschämt, weiter hinab, tut aber äußerlich so, als habe er dies aus eigenem Besserdünken getan. (Das Gleichnis von den Ehrenplätzen [L. 14, 7 bis 11] kommt erst am 18. April 33.)

Bei Tisch erklärt der Herr noch einiges vom Sabbat und erwähnt die Schriftstelle: „Brich dem Hungrigen dein Brot, Arme und Ob­dachlose führe in dein Haus“ (Is. 58, 7) und fügt hinzu: „Ist es nicht Gewohnheit dieses Festes als eines Dankfestes des Über­flusses, die Armen zu Gast zu ziehen und mit ihnen zu teilen. Ich wundere Mich, daß man dies hat fallen lassen. Wo sind denn die Armen? Ihr habt Mich eingeladen, obenan gesetzt und so zum Meister der Tafel ge­macht. So ruft denn die Leute herbei, die Ich geheilt, und alle übrigen Armen.“ Und da sie es nicht gleich tun, gehen die Jünger, rufen die Armen auf allen Straßen; und als sie kommen, räumt ihnen Jesus mit den Jüngern ihre Plätze ein. Die Schriftgelehr­ten aber machen sich nach und nach fort. Die Armen jedoch werden ganz glücklich, als Jesus und die Jünger ihnen von allen Speisen austeilen und den Rest mit auf den Weg geben (vgl. L. 14, 12-14).

Sept.: So. 1.

Morgens heilt Jesus im Hause Seines Gast­gebers Dinotus vor der Stadt eine große Menge Kranker, die alle aus Gennabris und Umgebung hierhergebracht werden.

Karte Nr. 20
1-Fahsel Emmerick Karte 20

Mittags wandelt Er durch die südlich gele­genen Täler, etwa zwei bis drei Stunden weit, und übernachtet in einem leeren Schnitterschuppen, nicht weit von Ulama zur Rechten.

Jesus unter den Schulkindern

Jugendschul-Stadt Abel-Mehola

Mo. 2.

Gegen zwei Uhr nachmittags setzen sich Jesus und die Jünger vor der Stadt Abel-Mehola, wo Er schon am 24. Dezember 31 kurz ge­heilt, auf einem Ruheplatz nieder, wie es die Wanderer in Palästina zu tun pflegen und dann gewöhnlich von gastfreien Leuten aus der Stadt in ihr Haus geholt werden.

Vorübergehende Leute, die den Herrn wie­dererkennen, melden es zu Hause, und bald kommt ein wohlhabender Landwirt aus der Stadt mit Dienern, bringt einen Imbiß und ladet sie zu sich ein. Er läßt auch gleich eine Mahlzeit herrichten und lädt schnell bekannte Pharisäer ein, um mit seinem Be­such zu prahlen und den Herrn von jenen ausforschen zu lassen.

Unterdes sammeln sich vor dem Haus und im Hofe alle beweglichen Kranken an. Der Hausherr will sie fortjagen, doch Jesus sagt: „Ich habe eine andere Speise, nach der Mich hungert“, setzt Sich nicht zu Tisch, sondern beginnt draußen die Kranken zu heilen und zu belehren. Alle diese Menschen jubeln und singen Loblieder. Die Pharisäer aber verschließen alle Öffnungen des Hauses, ärgern sich bei ihrem Essen und lauschen manchmal durch das Gitter. Da sie schließ­lich nach Hause gehen wollen, müssen sie durch den Hof, durch alle Kranken, Geheilten und Jubelnden hindurch, was ihnen ein rechter Stich ins Herz ist.

In der Abenddämmerung holen fünf Leviten den Herrn nebst den Jüngern zum Abend­essen und zum Übernachten ins Schulhaus. Der Herr verabschiedet Sich bei dem Land­wirt, der sich immer noch ganz freundlich stellt, mit Dank und gibt ihm noch eine kurze Lehre.

Di. 3.

Morgens besucht der Herr mit den Jüngern die nebenan liegende Knabenschule, zu­gleich ein Pensionat für aufgefundene, elternlose und aus der Sklaverei losgekaufte Judenkinder, männlichen und weiblichen Geschlechts. Auch Pharisäer und Sadduzäer haben als Lehrer an dieser Stiftung Anteil und erscheinen bald nach Jesu Eintritt. Die Knaben haben außer vom Propheten Elisäus heute etwas von Job (Hiob) auszurechnen und können mit diesen angewandten Rechen­aufgaben gar nicht fertig werden. Der Herr setzt Sich zu ihnen und schreibt ihnen alles in einigen Buchstaben mit kurzer Erklärung auf.

Im Anschluß hieran erzählt Er den erstaun­ten Knaben die ganze Lebensgeschichte des großen Stammführers Job, wie sie sich wirk­lich zugetragen hatte, angefangen von seiner Abstammung von Heber, seiner Jugendzeit im Kaukasus, seiner Reise zu den Hirten­königen in Ägypten bis zu seinem Leiden. Einige ihrer Lehrer hatten nämlich die Ge­schichte Job als eine Fabel erklärt, und nun erzählt ihnen Jesus alles so ins einzelne gehend wie jemand, der mit Job zusammen gelebt hat.

Zum Schluß spricht Er von der Bedeutung des Salzes (L.14,34-35) und erzählt ihnen Einzelheiten aus der Geschichte vom verlo­renen Sohne (L. 15, 11-32).

Nachher besucht Er die Schule der Mädchen und Jungfrauen. Diese sind mit einer Zeit­rechnung auf die Ankunft des Messias be­schäftigt, und alle ihre Rechnungen treffen auf die jetzige Zeit. Als sie so weit sind, tritt Jesus mit den Jüngern in ihren Saal, und dies macht einen erschütternden Eindruck. Er legt ihnen alles viel deutlicher aus und ermahnt sie, sich glücklich zu preisen, die Zeit zu erleben, nach der sich die Altväter und die Propheten so lange gesehnt.

Zum Schluß redet Er sehr deutlich vom Messias und erzählt ihnen die Geschichte von der verlorenen Drachme (L.15,8-10). Unterdes haben sich auch die Pharisäer ein­gestellt und ärgern sich, daß Er alles auf Sich bezieht und auslegt.

Abends macht Er mit allen Kindern einen Spaziergang vor die Stadt und belehrt sie abwechselnd, indem Er einmal mit der Kna­bengruppe geht und Sich dann wieder der nachfolgenden Mädchengruppe anschließt. Hierbei entnimmt Er aus der Natur der Landschaft allerlei Beispiele für Seine Be­lehrung, und nie haben sich die Kinder so glücklich gefühlt.

Mi. 4.

Morgens disputieren die Pharisäer und Sad­duzäer ganz hartnäckig mit dem Herrn im Sabbathause. Als sie einen an Armen und Händen lahmen Mann, der sich bis zur Tür geschlichen, hinausschieben wollen, stemmt sich jener gegen die Tür und blickt wehmütig nach dem Herrn. „Was verlangst du von Mir?“ ruft Jesus. „Herr, ich flehe, daß Du mich heilest, denn Du vermagst es, so Du willst.“ — „Dein Glaube hat dir geholfen, strecke deine Hände aus über das Volk“, entgegnete der Herr, und im selben Augen­blick ist der Mann aus der Entfernung ge­heilt, streckt seine Hände empor und lobt Gott hier und draußen.

Da sammeln sich noch mehr Kranke vor dem Hause, und der Herr heilt sie beim Hinaus­gehen.

Do. 5.

Morgens weilt Er wieder unter den Kindern in der Schule und ist zuletzt von den kleinen Mädchen umgeben, die dicht bei Ihm stehen und Ihn an der Hand und den Kleidern fassen. Die anwesenden Jünger sind etwas ver­legen und ängstlich; sie wünschen, Er möge hinweggehen, denn sie sind auf Grund der Landessitte der Auffassung, diese Vertrau­lichkeit mit den Kindern schicke sich nicht für einen Propheten und könnte Seinem Rufe schaden.

Der Herr aber kümmert Sich nicht um sie, und nachdem Er alle Kinder belehrt, die Er­wachsenen ermahnt und die Lehrer im Guten bestärkt hat, läßt Er durch einen Jün­ger kleine, aneinander befestigte Drachmen jedem einzelnen Mädchen zum Geschenk machen, segnet nachher alle Kinder zusam­men und verläßt den Ort.

Pflug- und Spaten-Fabrik Bezech

Unterwegs, weiter südwärts wandernd, spricht Er vor mehreren Versammlungen von Feldarbeitern und Hirten und kehrt nachmittags kurz vor Bezech in einer Her­berge ein, welche die erste der von Betha­nien aus für Ihn und die Jünger eingerich­teten Herbergen ist, die Er auf dieser Reise berührt. Der Pfleger kommt ihnen entgegen, erklärt in der Herberge alle Einrichtungen und bewirtet sie. Nach dem Essen besucht Er in Bezech die Häuser der Arbeiter, heilt bei ihnen Kranke und ladet alle für morgen zur Lehre ein.

Fr. 6.

In der Jüngerherberge haben sich viele Jün­ger aus Ainon und Jerusalem eingefunden, sodaß jetzt an dreißig Jünger bei Jesus sind. Unter diesen befinden sich auch Kleophas aus Emmaus, der ein Neffe des Schwagers Kleophas der heiligen Jungfrau ist, ferner Judas Barsabas, der mit Zacharias aus He­bron verwandt ist, und Matthäus, Joseph Barsabas und Simeon Justus, die drei Söhne der Maria Kleophä, der Nichte der heiligen Jungfrau. Alle diese Erwähnten sind aber vorerst nur Johannesjünger und schließen sich erst später endgültig dem Herrn an.

Morgens hält Jesus eine große Lehre auf einem Hügel mitten in Bezech, wo die Einwohner Ihm einen Lehrstuhl zubereitet ha­ben. Er spricht sehr mild und liebevoll und hält zuletzt noch eine rührende Ansprache an alle Kinder des Ortes und der Umgegend, die Er durch Jünger veranlaßt hat, zu Ihm zu kommen.

Er ermahnt die Knaben, ihren Feinden zu vergeben, nicht nach fremdem Eigentum zu verlangen, gern abzugeben, wenn ein ande­rer Knabe gern etwas von ihrem Spiel- und Schreibzeug haben möchte, und beschreibt ihnen auf kindliche Weise den Ort und Grad der ewigen Seligkeit für die auf Erden Frei­gebigen. Die Mädchen ermahnt Er unter an­derem, sich nicht um den Vorzug und die schönen Kleider zu beneiden; und allen zu­sammen legt Er Gehorsam, Elternliebe, Milde und Gottesfurcht ans Herz.

Diese Kinderbelehrung erteilt Er auch im Hinblick auf die Jünger, um sie auf diese Art Unterricht hinzulenken. Deshalb wen­det Er Sich zum Schluß auch an sie beson­ders, fordert sie zur Güte und Milde auf, aber auch andererseits zur Kraft und Männ­lichkeit im Ertragen der Anfeindungen sei­tens der Erwachsenen und zum kindlichen Vertrauen zum himmlischen Vater, von dem sie alles, jedoch von seiten der Welt nichts erwarten sollen.

Nachdem Er noch viele geheilt und in der Jüngerherberge gespeist, lehrt Er zum Sab­batanfang im Sabbathaus über die Stelle aus Isaias 51, 12 „Ich Selbst will euch trösten! Wer bist du, daß du dich fürchtest vor sterb­lichen Menschen, vor Menschenkindern, die wie Heu verdorren?“ Ja, Er legt das ganze Kapitel aus und deutet alles auf Sich, sodaß die anwesenden Pharisäer einander zuflü­stern: „Er gibt Sich für den Messias aus.“

Zum Schluß spricht Er aus dem Deuterono­mium 16-18 über die Richter und Amts­leute, über das Rechtsverdrehen und Beste­chen und trifft damit scharf die Pharisäer. Nachher heilt Er noch vor dem Gotteshaus viele Kranke.

Die Heidenkarawane

Sa. 7.

Von beiden Jordanufern ist eine große Men­schenmenge in Bezech zusammengeströmt. Auch von Ainon haben sich viele Täuflinge eingestellt, und eine Heidenkarawane hat vor dem Ort ihr Lager aufgeschlagen, alles, um Jesus hier zu hören.

Er spricht aus Isaias 51 und 52 und aus dem Deuteronomium 16-21 über Johannes und die Kennzeichen des Messias, ähnlich wie es Matthäus (11, 7-15) vom Ereignis am 20. November 32 berichtet. Auch ruft Er zum Schluß ähnlich wie an jenem kommen­den Tage (Mt. 11, 16-19), aber hier mit anderen Worten aus : „Johannes war einsam in der Wüste und ging zu niemand: das war euch nicht recht. Ich gehe von Ort zu Ort, lehre und heile, und das ist euch auch nicht recht! Was wollt ihr für einen Messias? Jeder will etwas anderes! Ihr seid wie die Kinder, die auf den Straßen laufen: jedes macht sich ein anderes Instrument, darauf zu blasen, der eine ein tiefes Horn von Bast, der andere eine hohe Rohrpfeife“; und nun zählt Er allerlei Kinderspielzeug her, und wie jedes Kind wolle, man solle in seinem Tone spielen, und jedem gefalle nur sein Spielwerk.

Zu den Krankenheilungen am Abend gibt es der Hilfe Begehrenden so viele, daß Jesus nicht ganz herumkommen kann. Die Jün­ger helfen Ihm mit Heben, Aufrichten und Loswickeln der Tücher, ja, Er legt dem Andreas, Johannes und Judas Barsabas Seine Hände auf den Kopf, nimmt dann ihre Hände in Seine Hand und befiehlt ihnen, einem Teil der Kranken in Seinem Namen dasselbe zu tun, was Er tue. Somit hat Er heute zum ersten Male drei von den Seinen die Gnadengabe des Wunderheilens mitge­teilt, jedoch nur vorübergehend.

Die anderen Jünger hat Er zur Heidenkara­wane geschickt, um deren Mitglieder zu un­terrichten. Abends speist Er mit allen Jüngern in Seiner Herberge und läßt einen gro­ßen Teil der Speisen, nachdem Er sie ge­segnet, zu den vor Bezech lagernden armen Heiden und auch zu anderen Armen brin­gen.

Zeltlager zwischen Sukkoth und Ainon

So. 8.

Nachdem der Herr noch vor der Herberge gelehrt und geheilt, wandert Er mit den Jün­gern, von der Heidenkarawane und vielen Menschen begleitet und unterwegs hier und da lehrend, weiter südwärts bei Zarthan vor­bei und setzt auf der großen Fähre nahe bei Salem über den Jordan und lagert zwischen Sukkoth und Ainon unter aufgeschlagenen Zelten. Den Rest des Tages lehrt und heilt Er vor denselben und übernachtet dann hier.

Mara, die Suphanitin

Tetrarchen-Stadt Ainon

Mo. 9.

Vor Ainon kommen die Pharisäer, unter ihnen auch Simon des Aussätzigen von Bethanien Sohn, dem Herrn und den Jün­gern entgegen, empfangen sie freundlich und ehrenvoll, bringen sie in ein Zelt, waschen ihnen die Füße, schütteln ihnen die Kleider aus und erquicken sie mit Honig und Brot und einem Becher. Dieser ganze Vorgang gehört zur damaligen Sitte eines Ehrenempfanges und wiederholt sich in ähnlicher Weise jetzt des öfteren auf der Rundreise Jesu durch Peräa; denn hier im Ostjordangebiet sind die Leute, selbst die Pharisäer, dem neuen Propheten aus Naza­reth vorurteilsloser und aufrichtiger zuge­tan als drüben.

Man führt den Herrn in die Stadt zu einem Hof mit weiter Säulenhalle, wo eine große Menge Kranker unter Zelten und Hallen aufgebahrt ist. Jesus hat den Pharisäern, da hier redlich gesinnte Leute unter ihnen sind, eine Vorzugsstelle eingeräumt, damit sie Seinen Heilungen gut beiwohnen können und die Ordnung aufrecht erhalten.

Während Er mit dem Heilen beschäftigt ist, versucht eine vornehm gekleidete Dame vergebens, durch die dicht stehenden Men­schen hindurch zum Herrn zu gelangen. Ja, die Pharisäer weisen sie barsch hinweg: „Weib, scher‘ dich nach Hause. Er wird Sich nicht mit dir befassen, du bist eine Ehebrecherin!“ Da stürzt sie ohnmächtig zu Boden und wird von umstehenden Frauen nach ihrer Wohnung getragen. Jesus weiß das wohl, will aber die Pharisäer hier nicht beschämen, und außerdem ist die Stunde jener Hilfeflehenden noch nicht gekommen. Wer ist sie?

Es ist Mara, die Suphanitin (Supha, ein Ort, der im hebräischen Text Num. 21, 14 er­wähnt wird und auf Grund dessen am Arnon-Fluß, östlich vom Toten Meer zu suchen ist). Ihr jüdischer Gatte hatte sie, da sie nacheinander vier Liebhaber gehabt, von denen sie drei Kinder besitzt, verstoßen. Sie ist reich und wohnt jetzt hier in Ainon im eigenen Hause. Sie ist besessen, aber von der Lehre des Täufers betreffs des Ehe­bruchs des Herodes tief erschüttert worden und sucht nun Jesu Hilfe.

Erste Taufstelle bei Ainon

Von den Jüngern, den Pharisäern und vie­lem Volk begleitet, begibt Sich der Herr mittags zur Taufstelle des Täufers, steigt auf den Lehrhügel, der mit einem nach allen Seiten offenen Zelttuch überspannt ist, hält eine große Lehre von der Barmherzigkeit Gottes, von Johannis Wirken und Gefangen­schaft und spricht noch deutlicher als in Bezech aus, daß Er der bezeugte Messias sei. Die Scharen des Volkes werden Ihm abwech­selnd zugeführt, um Seine Lehre zu hören. Dann teilt Er die Menge der Täuflinge in Gruppen und erteilt ihnen eine Art von Taufunterricht mit Fragen und von ihnen gegebenen Antworten und bestimmt dement­sprechend, welche zuerst und welche erst später nach weiterer Belehrung zu taufen seien.

Gegen 3 Uhr nachmittags führt man Ihn wieder zur Stadt, wo man Ihm ein großes Ehrenmahl veranstaltet hat. Doch Er geht nicht in die Festhalle, sondern sagt: „Ich habe einen anderen Hunger“, läßt Sich das Wohnhaus der Suphanitin zeigen, begibt Sich mit ein paar Jüngern dorthin, exor­zisiert die besessene Mara und vergibt der tief Reuigen ihre Vergehen.

Als ihre Kinder, ein zwölfjähriger Knabe und zwei neun- und siebenjährige Mädchen, die Stube betreten, spricht Jesus freundlich mit ihnen. „Dankt dem Propheten, Er hat mich geheilt“, sagt die Mutter. Sie fallen vor dem Herrn auf die Knie. Er segnet sie, führt sie einzeln nach ihrem Alter zur Mutter und legt ihre Hände in die Mutterhand zum Zei­chen, daß Er auch von ihnen einen Schimpf hinwegnimmt und sie zu ihren rechtmäßigen Kindern macht.

Zum Schluß tröstet Er Mara, sie werde noch mit ihrem Manne ausgesöhnt werden, gibt ihr Ratschläge für ihr künftiges Leben und begibt Sich dann zum Ehrenmahl in der Festhalle.

Gegen Mitte der Mahlzeit erscheinen die drei Kinder der Mara in Feierkleidern und stellen ihre Geschenke: drei Gefäße mit kostbaren Essenzen vor den Herrn auf die Tafel, worauf sich auch Mara verschleiert mit ihren Dienerinnen naht. Die Pharisäer schauen verdrießlich gegen sie und die Kin­der; doch Jesus ruft: „Nahe dich, Mara!“ Sie tritt demütig hinter ihre Kinder und gibt ihnen eine schimmernde Glasschale mit Gewürzen von Kräutern umgeben, welche jene ebenfalls auf die Tafel stellen.

Als die Pharisäer über diese Verschwendung murren, sagt der Herr: „Alle Gaben kom­men von Gott. Für Köstliches gibt der Dank das Köstlichste, was er hat. Verschwendung ist dies nicht; die Leute, die diese Gewürze sammeln und zubereiten, müssen auch leben.“ Und er befiehlt einem der Jünger, den Wert davon unter die Armen zu ver­teilen.

Nachdem Mara mit ihren Kindern den Saal verlassen, erzählt Jesus diesbezüglich das Gleichnis vom verlorenen Schaf (Mt. 18, 10-14) und teilt zum Schluß die Reste der Mahlzeit und andere Ihm zugeflossene Ga­ben an die Armen aus.

Abends belehrt Er noch vor Seiner gestrigen Zeltherberge die Heiden. Es sind Soldaten des Herodes zur Bespitzelung anwesend.

Beginn der Rundreise im Ostjordanlande

Jair-Stadt Kamon

Di. 10.

Er läßt Andreas, Jakobus und Johannes und einige andere Jünger zum Taufen bei Ainon zurück und begibt Sich mit etwa zwölf Jüngern, darunter auch die drei Söhne der Maria Kleophä, nach Kamon, wo der Rich­ter Jair begraben liegt (Rich. 10, 5). Der Herr lehrt und heilt hier.

Leviten-Stadt Mahanaim

Weiterwandernd, überschreitet Er den Jab­bok-Fluß und setzt Sich vor Mahanaim an den Brunnen, wo einst dem Jakob Engel begegneten (Gen. 32, 2). Bald nahen sich die Synagogenvorsteher und Stadtältesten mit Wasserbecken, Speise und Trank, berei­ten Ihm und den Jüngern den üblichen Ehrenempfang und führen Ihn in ihre Stadt, wo Er eine kurze Lehre vom Erzvater Jakob hält, was dieser hier herum alles erlebt habe.

Leviten- und Weber-Stadt Ramoth-Galaad

Ein Jünger geht südwärts nach Ramoth-­Galaad voraus, um Jesu Ankunft zu melden. Die Stadt liegt auf einer Bergterrasse, und dahinter liegt im Tal jener Teil der Stadt, den die Heiden bewohnen. Nach dem übli­chen Ehrenempfang in Ramoth heilt der Herr auf dem großen Platz des Ortes viele Kranke und lehrt zum Sabbat des begin­nenden Opfer-Festes der Tochter Jephte’s (Richt. 11, 39-40).

Abends sind Jesus und die Jünger Tischgäste bei den Leviten und übernachten in einem Hause bei der Synagoge. Hier in der Gegend befinden sich keine für die Jünger einge­richteten Herbergen; aber in Ainon, Kamon und Mahanaim waren die Herbergen im voraus von den Jüngern gemietet und die Anzahl der Gäste bestimmt.

Jesus beim Festspiel

Mi. 11.

Der Herr zieht nebst den Jüngern mit den Leviten vor die Ostseite der Stadt auf einen großen Platz im Freien, wo alle Anstalten zu dem heutigen (19. Elul) Gedächtnisfeste des Opfers der Tochter Jephte’s getroffen sind. Hier steht noch der Hügel mit dem Altar, auf dem die Jephtias geopfert worden war. Ihm gegenüber befindet sich ein Halb­kreis von Rasensitzen für die Jungfrauen und auch Sitze für die Leviten und Richter der Stadt.

Alles Volk und an der Spitze alle Jung­frauen von Ramoth und von vielen anderen Städten ziehen in langen Zügen zum Fest­platz, wo eine Art Mysterienspiel beginnt, bei dem eine weißgekleidete und ver­schleierte Jungfrau die Rolle der Jephtias spielt.

Auch Jesus ist bei diesem Feste beteiligt und stellt den obersten Richter oder Priester dar, spricht einige übliche Reden und geht dann zum eigenen freien Vortrag mit fol­genden einleitenden Worten über: „Jeph­tias, du hättest zu Hause Gott danken sollen für den Sieg, den Er dem Volke gegeben, aber du zogest, eitel und den Ruhm einer Heldentochter suchend, mit vielem Putz und großem Festgeräusch hinaus, vor den Töchtern des Landes prahlend.“

Nach dem Festspiel ziehen alle in einen nahegelegenen Vergnügungspark, wo unter Lauben und Zelten lange Tafeln zur Fest­mahlzeit zubereitet sind. Der Herr setzt Sich an die Tafel, an der die Armen gespeist wer­den, und erzählt mehrere spannende Para­beln.

Abends heilt Er in der Stadt viele Kranke und predigt dann zum Abschluß des Tages in dem Sabbathaus über den Verkauf des Joseph durch seine Brüder. Spät kommen noch Abgesandte aus der Heidenstadt im Tal zu Ihm und bitten bescheiden, ob sie nicht auch einen Anteil an dem großen Pro­pheten haben dürften. Jesus verspricht ihnen für morgen Seinen Besuch.

Im Quartier der Heiden

Do. 12.

In der Frühe begibt Sich der Herr mit Sei­nen Jüngern in das Quartier der Heiden, die Ihn mit großer Ehrerbietung am Eingange ihrer Straße empfangen. Nachdem Er auf dem Lehrplatz die Kranken geheilt, die man dorthin gebracht, besteigt Er den Lehrstuhl und spricht vor den Priestern und Philoso­phen, die Ihn eingeladen haben.

Diese wissen von dem Zuge der heiligen Drei Könige, und wie diese die Geburt des Königs der Juden aus den Sternen gesehen, denn sie haben eine ähnliche Weltanschauung, schauen auch nach den Sternen und besit­zen eine ähnliche Stufenpyramide als Stern­warte wie jene.

Der Herr lehrt hier anders als bei den Juden, denn Er spricht von der Schöpfung, vom Sündenfall, von den nacheinanderfolgenden Stufen der Heilsoffenbarung und zuletzt von einer Dreiheit in der Gottheit und von Drei, die Zeugnis geben: das Wasser, das Blut und der Geist, und daß diese Drei Eins seien (vgl. 1 J. 5, 7).

Auch sagt Er ihnen, daß die Juden das ge­lobte Land nicht ganz eingenommen hätten, daß viele Heiden darin übrig geblieben, und daß Er nun komme, das einzunehmen, was sie übrig gelassen, und es Seinem Reiche einzuverleiben, aber nicht mit dem Schwert, sondern mit der Liebe und der Gnade. Er rührt viele ganz ungemein und sendet sie nach Ainon zur Taufe. Sieben alte Männer aber läßt Er gleich hier von einem Seiner Jünger taufen. Nachher lehrt Er noch vor dem Volke und zum Schluß vor den heid­nischen Frauen.

Nachmittags spricht Er wieder in der Ober­stadt im Sabbathaus, und zwar von der Heils­berufung der Heiden, und daß viele dersel­ben vor den Kindern Israels in Seinem Reiche sitzen würden (Mt. 8, 11), und daß Er gekommen sei, die Heiden, die die Israe­liten nicht bezwungen hätten, mit dem gelob­ten Lande durch Gnade, Lehre und Taufe zu vereinigen.

Nachdem Er noch einer Mahlzeit der Levi­ten beigewohnt, wandert Er mit sieben Jün­gern und einigen Leuten aus Ramoth nord­wärts über den Jabbok-Fluß und dann über den Höhenzug El-Me’rad, Gerasa rechts lie­gen lassend, bis Arga, wo Er in einer offenen Herberge vor der Stadt an der großen Han­delsstraße einkehrt. Die Jünger haben Speise bei sich. Nachts sondert Er Sich zum einsamen Gebet im Freien ab.

Teppich-Stadt Arga

Fr. 13.

Wegen seiner großen Teppich-Fabrikation herrscht in Arga von alters her größte Rein­lichkeit. Zwischen der Stadt und den Stadt­mauern laufen viele Zeltgebäude hin, in denen Frauen an ausgespannten langen Bah­nen sitzen und arbeiten. Wie die meisten Städte hier zu Land, wo auch Heiden wohnen, ist Arga mit geraden, nicht engen Straßen und auf sternförmige Art gebaut. Die Einwohner haben keine eigenen Haus­haltungen, das heißt, sie bereiten die Spei­sen nicht zu Hause, sondern es gibt große Kochhäuser, wohin sie essen gehen oder sich die Speisen holen lassen. Man schläft hier auf den Dächern der Häuser unter Zelten.

Morgens begibt Sich der Herr mit den Jüngern zur Stadt und setzt Sich, wie üblich, an den Brunnen vor dem Tor. Doch schon kommen Ihm die Leviten und Ersten des Ortes entgegen, bereiten Ihm den Ehren­empfang und führen Ihn zur Predigt ins Sabbathaus. Er spricht unter anderem von der Anfertigung der Bundeslade, von dem Tisch der Schaubrote und anderen Kult­gegenständen; denn es wächst hier in der Gegend ein kostbares Holz, ungemein hart und zäh, das sich sehr fein, ja wie Bast aus­einanderspalten läßt und durch Bleichung und Trocknen unzerstörbar fest und sehr schön wird. Der betreffende Baum hat auch ein sehr feines Mark in sich, aber ein Säge­schnitt vertilgt schon die Markrinne, und es bleibt nichts als eine feine, rötliche Ader in der Mitte der innersten Bohlen. Dieses Holz nun verarbeiten die hiesigen Bewohner zu kleinen Tischen und allerlei eingelegten Tafeln, und aus ihren Werkstätten hatten sie für jene Kultgegenstände des Tempels freiwillige Spenden geliefert, die Jesus in Seiner heutigen Predigt als ein vorbildliches Opfer darstellt. Jesus ermahnt sie nun, jetzt, zur Zeit der Erfüllung auch ihre Herzen und Seelen durch Buße und Bekehrung zum Opfer darzubringen.

Nach der Predigt heilt Er auf dem Platz die versammelten Kranken, darunter viele Schwindsüchtige, und macht auch Kranken­besuche in Privathäusern. Zum Ehrenmahl mit den Leviten und anderen Gästen werden die Speisen von einem Kochhause in die Festhalle gebracht.

Zum Sabbatanfang spricht Er merkwürdi­gerweise über den Amorrhiterkönig Balak, der Israel durch den Propheten Balaam zu verderben suchte (Num. 22) und über die Erstechung des unzüchtigen Samri nebst der madianitischen Dirne durch Aarons Sohn Phinees (Num. 25), indem Er offenbar diese Geschichten als Gleichnisse für gewisse Ge­bote und Verbote aus den in der heutigen Sabbatlektion verlesenen Gesetzen Mosis (Deut. 21-26) benutzt.

Sa. 14.

Zwischen den beiden Sabbatpredigten folgt Jesus einer Einladung in das Hotel der Hei­den. Hier warten fünf heidnische Familien auf ihrer Durchreise auf den Anschluß an eine demnächst eintreffende Karawane. Diese 37 Leute wissen von den heiligen Drei Königen und haben den sehnlichen Wunsch, von Jesus unterrichtet und getauft zu wer­den, fürchten aber, bei einer Reise zur Tauf­stelle nach Ainon ihre Karawane zu versäu­men. Der liebevolle Heiland, der zu allem bereit ist, wenn Er die aufrichtige Heils­gesinnung erkennt, beantwortet im Hotel alle ihre Fragen, legt ihnen die Taufe aus und verspricht ihnen für morgen die Vornahme derselben.

So. 15.

Jesus ist wieder bei den Heiden von gestern, erteilt den letzten Taufunterricht und läßt die alle in Weiß Gekleideten von Saturnin und Judas Barsabas im Hotelgarten am Was­serbecken taufen. Ihre für die Kasse der Jünger gespendeten goldenen Spangen und Ohrgehänge läßt der Herr zu Geld machen und dasselbe an die Armen verteilen. Den Getauften weist Er auf ihre Frage, wo sie sich später niederlassen sollen, die geeigne­ten Orte an.

Das Gideonsfest

Öl-Stadt Azo

Nachdem Er nachmittags noch im Sabbat­haus gelehrt und mit den Leviten gespeist hat, wandert Er in Begleitung von Einwoh­nern aus Arga nach der kleinen Stadt Azo, die am Südabhang eines Berges liegt und viele Ölbäume aufweist, die auf Terrassen künstlich gepflanzt und an Spalieren gezo­gen werden.

Heute sind hier viele Menschen versammelt, denn am Abend beginnt mit Anbruch des 24. Elul die Gedächtnisfeier des Sieges Gi­deons, der hier von Azo aus mit den dreihundert Mann in das Lager der Madianiter ein­brach (Richt. 7, 19). Jesus wird von den Leviten vor dem Ort empfangen und zum Sabbathaus geführt. Er spricht hier über dieses historische Ereignis.

Mo. 16.

Früh morgens ziehen Jesus und die Jünger mit den Leviten zur historischen Eiche, von dessen Platz aus der Soldat des Gideon im Traume von dem nahen Berge das Gersten­brot ins Lager der Madianiter herabrollen sah (Richt. 7, 13). Hier werden alle Rollen von Gideon abgelesen und Sieges-Psalmen gesungen und von einem Leviten Feuer aus einem Rohr in das unter dem Rost des Altars liegende Holz geblasen (vermutlich zum Andenken daran, daß der Engel Gideons Opfer mit einem Stabe anzündete; Richt. 6, 21). Hierauf hält der Herr noch eine An­sprache an das versammelte Volk und läßt das übriggebliebene Opferfleisch an die Armen austeilen.

Nachmittags beteiligt Sich Jesus an einem Ausfluge ins südliche Tal, wo um eine kleine Quelle herum ein Vergnügungsort angelegt ist, und wo sich die Einwohner zum Fest ver­sammelt haben. Der Herr setzt Sich an die Tafel der Armen und erzählt die Parabel vom verlorenen Sohn und dem Kalb, das ihm der Vater schlachtet (L. 15, 11-32).

Der hiesigen Sitte gemäß übernachtet der Herr auf dem Dach des Sabbathauses unter einem Zelt.

Di. 17.

Nachdem Er noch im Sabbathaus gelehrt und viele Blinde, Schwindsüchtige und einige gutartig Besessene geheilt und mit den Levi­ten gespeist hat, wandert Er mit den Jüngern und dreißig Einheimischen über einen hohen Berg in ein Tal zu einem kleinen Fischsee, wo der Herr beim Picknick das Gleichnis vom Fischnetz (Mt. 13, 47) erzählt, während Er vorher unterwegs auf dem steinigen Berg­wege die Parabel vom Sämann und steini­gen Acker (Mt. 13, 1) vortrug. Nachher steigen einige Gäste der Gesellschaft in ein paar Kähne und fangen mit Harnen (Fangnetzen) Fische aus dem See, die auf Veran­lassung des Herrn hin von den hier Zurück­kehrenden den Armen in Azo mitgenommen werden.

Metallindustrie-Stadt Ephron

Mit Seinen Jüngern wandert der Herr gen Ephron. Vor der Stadt wird Er von den dortigen Leviten wie gewöhnlich empfangen und heilt gleich die hier in hölzernen Kästen liegenden Kranken.

Mi. 18.

Da die hiesigen Leviten der alten Sekte der Rechabiten angehören, verweist ihnen Jesus in Seiner Lehre die allzu große Strenge und Härte ihrer Meinungen und ermahnt auch das Volk, vielen ihrer Gebote nicht zu folgen. Im Anschluß hieran erwähnt Er auch jene Leviten bei Bethsames, welche die von den Philistern zurückgesandte Bundeslade neugierig angeschaut hatten und bestraft wurden (1 Kön. 6, 19).

Erz-Bergwerk bei Ephron

Do. 19.

Nachdem Er noch in Ephron Kranke ge­heilt hat, besucht Er das in der Nähe ge­legene Bergwerk, dessen Erz zu Ephron in Gießereien und Metallschmieden zu Töpfen, zu Rinnen und Röhren für Wasserleitungen verarbeitet wird. Der Herr spricht hier vor den Hüttenarbeitern und wandert dann mit den Jüngern gen Betharamphtha.

Die verstoßene Abigail

Dattel-Stadt Betharamphtha-Julias

Fr. 20.

Der Herr wird in der Stadt gut empfangen und bewirtet, und dies hat hier seine beson­dere Ursache: Oben auf dem Stadtberge liegt ein schönes Schloß mit Türmen und Gärten. In ihm wohnt die Jebusiterin Abi­gail, die von den Königen von Gessur ab­stammt und eine geschiedene Frau des Tetrarchen Philippus ist, der, ihrer müde, seine Stieftochter heiratete und Abigail hier auf dieses Schloß verbannte. Sie ist eine bejahrte, aber schöne und wohltätige Frau, hat von Jesus gehört und den lebhaften Wunsch, Ihn zu sehen und zu sprechen. Fürs erste sendet sie, von Seiner Ankunft benachrich­tigt, jetzt Gaben an die Juden herab zur Bewirtung Jesu und der Jünger.

Sa. 21.

Wie gestern, so predigt auch heute morgen der Herr über den Zehnten und die Erst­geburt (Deut. 26-29) und heilt viele kranke Juden. Abends beginnt mit Schluß des 29. Elul und Anbruch des 1. Tisri die Feier des bürgerlichen Neujahrsfestes (das liturgische Jahr beginnt mit dem 1. Nisan im März). Es wird von der Höhe der Syna­goge mit großen Posaunen geblasen, an denen mehrere Mündungen zusammenlau­fen (Fest der Trompeten).

So. 22.

Während des Festtages begibt Sich der Herr nebst einigen Seiner Jünger nach der Hei­denstadt auf einen öffentlichen mit Bäumen bepflanzten Lustplatz, der zwischen beiden Stadtquartieren liegt und der den gewöhn­lichen Treffpunkt der Juden und Heiden bei gemeinsamen Geschäften bildet. Hier­her hat heute morgen Abigail den Herrn zu einer Zusammenkunft mit ihr bitten las­sen; und selbst die Juden, denen sie viel Gutes erwiesen, befürworten das Gesuch.

In Begleitung ihrer fünf erwachsenen Töch­ter, vieler heidnischer Jungfrauen und an­derer Heiden, unter denen sich auch be­ständige Aufpasser befinden, empfängt Abi­gail den Herrn am Sprachort mit den übli­chen Ehrenbezeugungen, bittet um Ver­gebung, daß sie nach Seiner Belehrung ver­langt habe, und ladet Ihn zur Teilnahme an einem Feste ein, das sie Ihm bereitet habe. Der Herr ist sehr gütig gegen alle, nimmt die Einladung an, und Seine Worte wie Seine Erscheinung erschüttern Abigail tief, denn sie ist voll Kummer und halber Erkenntnis.

Sie begeben sich zur Ostseite der Stadt, nicht weit vom Tempel, zum heidnischen Vergnügungspark, wo auch die Heiden mit besonderer Pracht den heutigen Neumond feiern. Jesus lehrt lange, teils im Aufund­abwandeln, teils beim Mahl. Er spricht in allerlei Parabeln von Tieren, vom bestän­digen, oft so unnützen Arbeiten der Spinne, von der Geschäftigkeit der Ameisen und Wespen und stellt diese der schönen geord­neten Arbeit der Bienen gegenüber.

Das Mahl, woran Abigail zu Tische liegend teilnimmt, wird auf Jesu Veranlassung größtenteils an die Armen verteilt. Er lehrt noch nach dem Essen, und es bekehren sich viele Heiden und ziehen nach Ainon zur Taufe.

Abends steigt der Herr bei Fackelschein zum Schloß hinauf und spricht mit Abigail in einer Vorhalle unter Säulen. Es sind einige Beamte des Philippus bei ihr, die sie stets beobachten. Sie ist dadurch sehr be­hindert in allem, was sie tut, und gibt dem Herrn ihre Verlegenheit durch einen Blick zu verstehen, den sie auf diese Männer wirft. Sie fragt, ob sie mit Gott versöhnt werden könne; ein Punkt drücke sie unauf­hörlich, ihr an ihrem ersten rechten Manne begangener Ehebruch und dessen Tod. Jesus tröstet sie, ihre Sünden seien ihr ver­geben, sie solle in guten Werken fortfahren und harren und beten. Spät abends kehrt der Herr zur Judenstadt zurück und über­nachtet bei den Leviten.

Mo. 23.

Morgens früh heilt Er in der Mauerstraße zwischen Heiden- und Judenstadt, alle die armen kranken Heiden, die hier in elenden Mauerlöchern hausen, und läßt durch die Jünger Almosen austeilen. Nachher lehrt Er noch zum Abschied im Sabbathaus und spricht, da mit dem Neujahrsfest auch das Gedächtnis an Isaaks Opferung (Gen. 22) verbunden ist, über den wahren und wirk­lichen Isaak, was sie jedoch nicht verstehen.

Leviten- und Rechabiten-Stadt Abila

Bei Seiner Ankunft vor Abila kommen Ihm die hiesigen Leviten und Rechabiten entgegen und führen Ihn gleich ins Stadt­zentrum zum Brunnenhause des durch den Propheten Elias berühmten Bache Carith, wo ihn die Raben gespeist (3 Kön. 17, 3 bis 6). Auf diesem Platze, von dem alle Stra­ßen sternförmig ausgehen, findet die üb­liche Empfangszeremonie statt, und von hier zieht der Herr mit Seinen Begleitern zur Elias-Säule vor der Stadt.

Diese Säule ist zum Gedächtnis an Elias auf einer breiten Steinbrücke erbaut, die über den Bach Carith führt, und hat oben eine Rednerkanzel, zu der man im Innern der Säule hinaufsteigt. Die beiden Ufer des schmalen Baches sind treppenförmig für die Zuhörer eingerichtet und ganz mit Men­schen besetzt. Der Herr lehrt oben, nach allen Seiten Sich wendend.

Nach der Lehre findet in einem Vergnü­gungspark vor der Stadt noch ein Essen statt, bei dem viele Arme anwesend sind, denen jeder Gast zuerst etwas von seiner Portion vorlegen muß. Das Mahl endet mit dem abendlichen Anbruch des 3. Tisri als einem Sabbat, da morgen das Gedächtnis an die Ermordung des den Juden wohlgesinnten Statthalters des Nabuchodonosors, Godolias, gefeiert wird (4 Kön. 25, 24-25).

In der Taubstummen- und Blinden-Anstalt

Di. 24.

Morgens läßt Sich der Herr von den Leviten in das Hospital führen, in welchem Taub­stumm- und Blindengeborene gepflegt wer­den. Die Taubstummen sind ganz wie Kin­der, jeder hat ein Gärtchen, in welchem er spielt und pflanzt. Sie kommen alle um den Herrn herum, lächeln und zeigen mit den Fingern auf den Mund. Jesus schreibt mit dem Finger Zeichen in den Sand; sie schauen aufmerksam zu und zeigen bei jedem Wort, das Er schreibt, auf diesen oder jenen Gegenstand umher. Nachher legt Er ihnen die Finger in die Ohren und be­rührt sie mit dem Daumen und Zeigefinger unter der Zunge. Sie werden heftig bewegt, schauen um sich, sie hören, fangen an zu weinen, lallen und beginnen zu sprechen. Da werfen sie sich vor dem Herrn nieder und brechen nachher in ein sehr rührendes eintöniges Singen von wenigen Worten aus. Es lautet fast wie das wunderbar ergreifende Singen der heiligen Drei Könige auf ihrem Zuge gen Bethlehem.

Hierauf geht der Herr zu den blinden Män­nern, die still in einer Reihe stehen. Er betet, legt ihnen die zwei Daumen auf die Augen, und sie öffnen dieselben und sehen den Heiland und Erlöser und mischen ihren Lobgesang mit dem der geheilten Taub­stummen. Die ganze Stadt gerät in Freude und Jubel, als Jesus mit den Geheilten die Anstalt verläßt.

Auf Seinem Wege zur Lehrsäule wird Er in den Straßen von einer bewegten Menge umringt. Auf die Nachricht von Seinen Wundern läßt man auch mehrere Besessene los, die Ihm an einer Straßenecke entgegen­rennen und von Ihm befreit werden. Auf der Lehrsäule spricht Er wieder aus dem Leben des Propheten Elias und besucht dann noch mit den Leviten die Eliashöhle unter einem überhängenden Felsblock am östlichen Abhang des Tales, wo man Ihm die bemooste Steinbank zeigt, auf der Elias geruht hat.

Mi. 25.

Nach einer Lehre im Sabbathaus und eini­gen Heilungen, macht der Herr mit den Jüngern, Leviten und Rechabiten einen Ausflug in die westlich liegenden Wein­berge. Unterwegs fragen Ihn die Leviten über allerlei Stellen aus den Psalmen, die sich auf den Messias beziehen. Bei der Stelle: „Es sprach der Herr zu meinem Herrn“ (Ps. 9, 1) und der Stelle aus Isaias (63, 3) : „Die Kelter trat ich allein“, sagen sie: „Du bist gewiß der Nächste am Mes­sias.“ Jesus erklärt ihnen alles, und sie sitzen um einen Weinhügel herum und essen Weinbeeren. Als die Rechabiten nicht mitessen wollen, fordert sie der Herr zum Essen auf, sagend, wenn sie damit sündigten, solle die Schuld auf Ihn kommen. Da sie von diesem ihrem Gesetz sprechen, kommt auch die Rede darauf, daß der Prophet Jeremias es ihnen einmal auf Gottes Befehl geboten und sie es nicht getan (Jer. 35, 5 bis 10) ; jetzt befiehlt es ihnen aber Jesus, und sie tun es.

Nach ihrer Rückkehr findet noch eine Mahl­zeit statt, bei der die Armen gespeist werden; dann lehrt der Herr im Sabbathaus und übernachtet bei den Leviten auf dem Dach unter einem Zelt.

Die Angst der Schriftgelehrten

Festung und Synedrium-Stadt Gadara

Do. 26.

Nachdem Er noch im Sabbathaus gelehrt und viele Kranke geheilt hat, zieht Er mit den Leviten wieder in die Weinberge, kehrt aber nicht von dort wieder nach Abila zu­rück, sondern wandert mit Seinen Jüngern gen Gadara, wo Er abends vor dem jüdischen Stadtteil am Südtor von den hier als Syne­drium für diese Gegend residierenden Pha­risäern und Sadduzäern nebst einigen ande­ren galiläischen Jüngern, die Ihn hier erwar­teten, empfangen wird. Er wohnt im für Ihn und die Jünger bestellten Hotel, wo be­reits eine große Menge Lauben zum kom­menden Laubhüttenfest aufgeschlagen sind.

Fr. 27.

Auf Seinem Wege zur Synagogenlehre wol­len die den Herrn begleitenden Pharisäer und Sadduzäer, die sonst ganz gut gesinnt sind, die vor dem Sabbathaus versammelten Kranken und Besessenen wegweisen. Doch Jesus entgegnet freundlich, jene mögen doch bleiben, Er sei um ihretwillen gekommen; und hieraufhin heilt Er viele.

Unterdes beratschlagt das hiesige Syne­drium, ob sie Ihn lehren lassen sollen, da so viel Widerspruch gegen Ihn herrsche; sie ge­stehen es aber einstimmig zu; denn sie hat­ten andererseits auch sehr vorteilhaft von Ihm sprechen hören, besonders von der Fernheilung des Sohnes des Serobabel von Kapharnaum (8. August 32 ).

Während Er vormittags im Gotteshaus von der Einführung des phönizischen Baalsdien­stes in Israel durch den gottlosen König Achab und sein heidnisches Weib Jezabel, von deren Bau eines Baal-Tempels in Samaria und vom Einschreiten des Prophe­ten Elias spricht, predigt Er zum Sabbat­anfang von der Erneuerung des Bundes Got­tes mit Israel durch Moses, bevor er sein Amt dem Josue übergab, und legt wieder die Isaias-Stelle (63, 3), wie vorgestern, auf Sich aus. Abends beginnt das Fasten als Buße für die Anbetung des goldenen Kalbes (Exod. 32, 5-8).

Er lehrt so tief und ernst, daß die Schrift­gelehrten betroffen und erschüttert werden, ohne Ihn doch zu verstehen. Sie kommen noch in der Nacht zusammen, schlagen viele Rollen auf und sprechen hin und her; denn sie sind der Auffassung, Er müsse mit irgend­einem benachbarten Volke verbunden sein und werde nächstens mit einem großen Kriegsheer kommen, um Judäa zu erobern. Unterdes schläft Jesus im Hotel vor der Stadt, wo Er gestern eingekehrt ist.

Sa. 28.

Morgens heilt Er die Kranken, die man von der Stadt in die soeben errichteten Laubhüt­ten getragen hat. Als die Schriftgelehrten zu Ihm kommen, sagt Er zu ihnen: „Was seid ihr heute nacht so in Sorgen über Meine gestrige Lehre gewesen? Warum fürchtet ihr euch vor einem Kriegsheer, da doch Gott die Gerechten beschützt? Erfüllet das Gesetz und die Propheten! Warum fürchtet ihr euch?“ Und hierauf lehrt Er wie gestern wieder im Sabbathaus.

Die heidnische Priesterin

Mittags kommt eine heidnische Priesterin ganz scheu zu den Jüngern ins Hotel und fleht den Herrn an, ihr Kind zu heilen. Er geht nach Tische mit mehreren Jüngern in das Heidenquartier zum Hause jener Priesterin. Der Ehemann empfängt Ihn. Der Knabe liegt tot in seinem Bettkasten. „Laßt Mich mit dem Kinde allein und schickt Mir zwei Meiner Jünger herauf !“ Es kommen Judas Barsabas und Nathanael der Bräuti­gam. Jesus nimmt das Kind in Seine Arme und haucht es an. Es schlägt die Augen auf und regt sich. Der Herr stellt es vor Sich und befiehlt den beiden Jüngern, ihre Hände auf des Kindes Haupt zu legen und es zu segnen. Da wird das Kind gesund. Er bringt es zu den Eltern, die es umarmen und sich vor dem Herrn unter Tränen niederwer­fen, und die Frau ruft aus: „Groß ist der Herr, Gott Israels, Er ist über alle Götter! Mein Mann hat mir das schon gesagt, und ich will auch keinem anderen Gott mehr die­nen!“

Bald sammeln sich unten viele Heiden und bringen dem Herrn noch mehrere, meist konvulsivische Kinder, die Er alle heilt. Die Mütter klagen, daß sie so viel Unglück mit ihren Kleinen hätten, und die Priesterin sie nicht heilen könne. Er ruft dieselbe. Sie naht sich mit auf einmal abgewandtem Ge­sicht. „Ich will euch zeigen“, wendet Sich Jesus an die umstehenden Männer, „welche Weisheit ihr in dieser Frau und ihrer Kunst verehrt“, und sogleich befiehlt Er, ihre Gei­ster sollten sie verlassen. Die Frau stürzt in Zuckungen zu Boden, erhebt sich langsam, fällt vor dem Herrn auf die Knie und ist befreit.

Hierauf läßt Sich Jesus mit den Jüngern von ihr zum Erdgewölbe ihres Götzen führen und mehrere heidnische Priester herbei­rufen. Er sagt ihnen, sie möchten ihren Gott hervorrufen; und da sie ihn durch ein Hebel­werk aufsteigen lassen, bedauert Er sie, daß sie einen Gott haben, der sich nicht selbst helfen könne, und befiehlt der geheilten Priesterin, sie solle laut das Lob ihres Got­tes verkünden. Da geht es ihr wie dem Pro­pheten Balaam (Num. 23), sie sagt laut alle Greuel dieses Dienstes aus und verkündet die Wunder des Gottes Israels vor allem Volk. Die meisten Heiden sind tief ergriffen und beschämt, besonders die Priester, wenn auch einige Unwillen zeigen. Das Volk aber ist ganz auf Seiner Seite, und Er hält ihnen noch eine schöne Lehre, woraufhin sich viele be­kehren.

„Wo sollen wir uns hinwenden“, fragen Ihn die Heiden, deren Kinder Er vorhin geheilt, „denn wir wollen dem Götzendienst ent­sagen.“ Jesus spricht ihnen von der Taufe, und daß sie sich einstweilen ruhig verhalten und harren sollten; Er schildert ihnen Gott als einen Vater, dem man die bösen Gelüste opfern müsse, und der keiner anderen Opfer bedürfe als der der Herzen.

Abends beschließt Er mit einer Lehre den Sabbat, nimmt noch ein Mahl, und dann be­ginnt heute abend mit Anbruch des 8. Tisri der Fasttag wegen Anbetung des goldenen Kalbes, der diesmal um einen Tag weiter verschoben wird, da der Siebente mit dem Wochensabbat zusammenfällt.

Herberge am Wadi et-Taijibe

So. 29.

Nachdem der Herr noch morgens in Gadara gelehrt und geheilt und die Ihm für die Hei­lung ihrer Kinder nochmals dankenden Hei­den gesegnet hat, wandert Er mit etwa zwölf Jüngern südlich bis zu einer Herberge in der Gegend des Wadi et-Taijibe und spricht vor einzelnen Gruppen von Leuten, die in der Nähe mit Einsammeln von Früchten be­schäftigt sind.

Die Dankesprozession der Geheilten

Dekapolis-Stadt Dion

Mo. 30.

Gegen zehn Uhr vormittags kommt Er vor Dion an, wo Ihm die Priester und Vorgesetz­ten des Ortes unter einer der errichteten Laubhütten den üblichen Ehrenempfang be­reiten. Der Herr beginnt sogleich, die Kran­ken zu heilen, die man in den Laubhütten bis zur Stadt untergebracht hat. Die Jünger hel­fen und sorgen für Ordnung. Unter den Kranken sind Lahme, Stumme, Blinde, Was­sersüchtige und Gichtbrüchige. Einige stehen zwischen dreifüßigen Krücken, in die sie sich lehnen können, ohne die Füße zu gebrau­chen. Die kranken Frauen liegen und sitzen unter einer langen Reihe von Laubhütten unmittelbar am Tor. Mit allen redet Jesus liebevoll, ermahnt jeden Kranken einzeln und gibt Winke zur Besserung besonderer Fehler und zu bestimmten Genugtuungen. Er heilt und segnet auch mehrere Kinder, die Ihm von den Müttern gebracht werden.

Die Heilungen dauern bis nachmittags, und zum Schluß ziehen alle Geheilten lobsin­gend, ihre Betten und Krücken tragend, hei­ter und froh, von ihren freudigen Verwand­ten, Freunden und Dienern begleitet, in einer schönen Ordnung, wie sie geheilt wor­den, in die Stadt, und der Herr geht mit den Jüngern und Leviten in ihrer Mitte. Die Demut und der Ernst Jesu in solchen Fäl­len ist unaussprechlich. Die Kinder und Frauen ziehen voraus und alle singen den vierzigsten Psalm Davids: „Selig ist, der des Armen und Bedürftigen gedenket; am Tage des Unglücks wird ihn der Herr erretten.“ Nachdem alle im Sabbathaus Gott gedankt, findet ein öffentliches Mahl unter einer gro­ßen Laubhütte statt, und mit Anbruch des 10. Tisri begeben sich alle in Trauerkleidern ins Gotteshaus zum Beginn des großen Ver­söhnungstages (Levit. 16 und 23, 26-32).

Viertes Vierteljahr:

Von der Reise im Ostjordanlande bis zur endgültigen Bekehrung Magdalenas (1. Oktober bis 31. Dezember 32)

Das Versöhnungsfest und die Karaiten

Dekapolis-Stadt Dion

Okt.: Di. 1.

Am heutigen Versöhnungstage, an dem alle während des Jahres vorgekommenen Sünden und Verunreinigungen des ganzen Volkes vom Hohenpriester an bis hinab zum gering­sten Laien gesühnt und getilgt werden sollen, hält der Herr im Sabbathaus zu Dion Buß­predigten und spricht gegen die bloß kör­perliche Reinigung, die nicht die Seele bän­dige.

Karaiten-Stadt Jogbeha

Mi. 2.

Morgens lehrt Er noch in Dion. Als Er die Stadt verläßt, nahen sich Ihm aus dem Hei­denquartier sehr schüchtern einige Heiden, die von Seinen Heilungen zu Gadara am 27. September 32 gehört, und bringen Ihm ihre kranken Kinder. Er heilt sie und be­wegt die Eltern zum Entschluß, zur Taufe nach Ainon zu gehen.

Hierauf wandert Er südwärts bis zu dem kleinen vergessenen Ort Jogbeha, wo Er von den hier wohnenden Karaiten (siehe S. 75) freundlich empfangen und mit Honig und Brot, unter Asche gebacken, bewirtet wird. Er belehrt die Karaiten in allem und äußert den Wunsch, sie mögen sich in Judäa nieder­lassen. Sie hören Ihm ehrerbietig zu; denn sie erwarten den Messias und beten sehr nach ihm, aber sie stellen sich ihn als einen weltlichen Fürsten vor und halten Jesus für einen Propheten.

Do. 3.

Er lehrt zu Jogbeha am Vor- und Nachmit­tag, heilt unter den Kranken auch einige an hundert Jahre alte Leute und lobt die hier waltende Verehrung der Kinder gegen die Eltern, der Schüler gegen die Lehrer, sowie die Hochachtung der Erwachsenen vor dem Alter und die große Aufmerksamkeit, mit der man hier die Armen und Kranken in besonderen, wohlgeordneten Häusern pflegt.

Die Ehrung Jesu durch Mara

Karte Nr. 21
1-Fahsel Emmerick Karte 21

Tetrarchen-Stadt Ainon

Fr. 4.

Auf dem Wege von Sukkoth, wo Er nur über­nachtet hat, nach Ainon, spricht der Herr hier und da vor Karawanenlagern und vor Gruppen von Leuten, die zur Taufe nach Ainon ziehen. Die Strecken längs des Weges weisen viele Zelte auf und sind von schönen, grünen Feldern bedeckt. An diesen Tagen aber stehen am Wege auch lange Reihen von Laubhütten, an denen man noch mit den letzten Zurüstungen beschäftigt ist, da mit Schluß des Sabbats, morgen abend, das Laubhüttenfest beginnt.

Vor Ainon ist ein Ehrenzelt für Jesus auf­geschlagen, und von Mara, der Suphanitin, die Er hier am 9. September 32 geheilt, ein festlicher Empfang vorbereitet. Es sind die Angesehensten der Stadt und die Priester, sowie Mara mit ihren Kindern und Freun­dinnen zugegen. Die Männer empfangen den Herrn mit Fußwaschung und Imbiß ; Mara und die Frauen werfen sich verschleiert vor Ihm nieder. Er grüßt und segnet alle mit großer Freundlichkeit.

Die Einladung seitens Mara in ihr Haus nimmt Jesus an, und beim Zuge dorthin durch die Stadt tragen ihre und andere Kin­der vor, neben und hinter Ihm lange Blu­mengewinde mit wollenen Bändern. Mara erzählt Ihm, daß die Samariterin Dina aus Sichem sie besucht, und der Mann, mit dem jene gelebt, die Taufe bei Ainon empfangen habe. Mara kennt Dina von Damaskus her. In ihrem Hause zeigt Mara dem Heiland viele kostbare Priestergewänder, die sie für den Tempel angefertigt hat; denn sie ist zu solchen Arbeiten ungemein geschickt und zugleich geldlich vermögend. Der Herr gibt ihr den Rat, wieder zu ihrem Manne zu zie­hen und ihn vorerst durch Boten zu sich einzuladen.

Erste Taufstelle bei Ainon

Vom Haus der Mara begibt Er Sich zur ersten Taufstelle bei Ainon, wo Er am 10. September 32 Andreas, Jakobus und Johannes zum Taufen zurückgelassen, und lehrt am Taufplatz vom Lehrstuhl des Johan­nes des Täufers herab. Unter den Hörern stehen auch Lazarus, Joseph von Arimathäa, Veronika, Simeons Söhne und andere Jeru­salemer Jünger, die zu diesem Sabbat hier­her gereist sind. Sie bringen vom gefan­genen Täufer aus Machärunt die Botschaft an Jesus, Er möge doch nach Jerusalem ge­hen und offen vor aller Welt sagen, wer Er sei; denn er, der Täufer, könne Ihn nun nicht mehr verkünden.

Tetrarchen-Stadt Ainon

Zum Sabbatanfang predigt der Herr in der Synagoge zu Ainon von der Erschaffung der Welt, von den Wassern und dem Sündenfall und redet aus dem 42. bis 45. Kapitel des Isaias sehr erschütternd und deutlich über Sich und Seine Beziehungen zum Volke.

Nach der Predigt nimmt Er an dem von Mara gestifteten Ehrenmahl im öffentlichen Festhaus teil. An reichgeschmückten Tafeln liegen viele Gäste, und die Frauen sitzen ab­gesondert durch eine Scheidewand, so daß sie alle Worte Jesu hören können. Während des Essens stellt Mara mit ihren Kindern wieder wie am 9. September 32 kostbare Ge­würzschalen auf Jesu Tafel und gießt dies­mal eine Flasche wohlriechender Essenz über Jesu Haupt und wirft sich vor Ihm nie­der. Niemand tadelt sie, denn man liebt sie hier wegen ihrer großen Freigebigkeit. Der Herr erzählt bei Tisch mehrere Parabeln.

Sa. 5.

Nachdem Er morgens mehrere Kranke ge­heilt und im Sabbathaus gepredigt hat, lehrt Er noch öffentlich, damit Ihn auch die heid­nischen Täuflinge hören können, über die Parabel vom verlorenen Sohn (L. 15, 11).

Alles Volk ist versammelt, und Er spricht so lebendig und anschaulich, als sei Er Selbst der Vater, der den Sohn wieder aufnimmt. Er streckt Seine Arme aus und ruft: „Siehe, siehe, da kehrt er zurück, wir wollen ihm ein Fest feiern!“ Die Leute schauen hier und dort hin, als sei alles wirklich da, was Er sagt. Bei Erwähnung des Kalbes, das der Vater dem wiedergefundenen Sohne schlachten läßt, spricht Er anders, geheimnisvol­ler; es ist, als sage Er: Welche Liebe aber, wenn der himmlische Vater, um seine ver­lorenen Kinder zu retten, seinen eigenen Sohn als Schlachtopfer hingäbe! Alle Hörer werden von Freude und Nächstenliebe er­faßt, und diese Lehre hat zur Folge, daß man am kommenden Laubhüttenfest die Heiden hier sehr freundlich bewirtet.

Nach Tisch macht Jesus mit den Jüngern und vielen Leuten aus Ainon den Sabbat­spaziergang am Jordan längs der blumigen Wiesen und Zelten der Heiden. Alle spre­chen noch von dem verlorenen Sohne und sind froh und glücklich und voll Liebe zu­einander.

Das Laubhüttenfest zu Ainon

Nach Jesu Sabbatschluß-Lehre begeben sich alle vor die Stadt zum großen Beginn des Laubhüttenfestes bei Anbruch des 15. Tisri. Das Fest dauert sieben Tage (Levit. 23, 41) und gilt sowohl der Erinnerung an das Woh­nen der Israeliten in der Wüste unter Hüt­ten (Levit. 23, 43), als auch dem Dank und dem Abschluß der Obst-, Öl- und Weinernte und der Einsammlung aller Früchte des Landes überhaupt (Levit. 23, 39).

In der mittelsten der drei Reihen von Laub­hütten sitzen Jesus, die Jünger und die Prie­ster und Bürger der Stadt in vielen Gesell­schaften. In den Reihen links und rechts sitzen die Frauen und Schulkinder mit ihren Lehrern. Die Kinder ziehen auch, mit Krän­zen geschmückt, mit Flöten, Klingelwerk und Harfen um alle Tafeln umher und spie­len und singen. Auch die Heiden haben ihre Laubhütten und werden von den Juden bewirtet.

Der Herr geht hin und wieder an den Tischen entlang, spricht, setzt Sich auf kurze Zeit hinzu und läßt, wo etwas mangelt, durch die Jünger das Fehlende herbeitragen. Das Mahl dauert bis in die Nacht. Überall schimmern Lichter; und es ist ein wunderbar freudiges Geschwirre über die Gegend ver­breitet, von Gebet und Gesang unterbrochen.

Abraham-Stadt Sukkoth

So. 6.

Nachdem Er noch morgens in Ainon gelehrt und geheilt, wandelt der Herr mit den Jün­gern und vielen Einwohnern langsam den von Laubhütten und Karawanenzelten dicht eingefaßten Weg nach Sukkoth.

Die Buße der Ehebrecherin

Auf diesem Wege bringt Jesus mehrere Stun­den zu; denn überall wird Er begrüßt, steht still und lehrt, sodaß Er erst gegen fünf Uhr nachmittags über die Jabbok-Brücke nach Sukkoth kommt, wo Er sogleich die außer­ordentlich große und schöne Synagoge be­sucht und gerade zur hier stattfindenden großen Beichtandacht eintrifft.

Er wird am Eingang empfangen und stellt Sich dann an der einen Seite oben zu den Lehrern, von denen gerade einer lehrt. Da drängt sich plötzlich von den hinteren Beichtgittern der Frauen eine Dienerin, von ihrer Herrin gefolgt, zu den vorderen Plät­zen der Priester vor und ruft, als die dort stehenden Aufseher sie zurückdrängen wol­len: „Platz, macht Platz für meine Frau! Sie will opfern, sie will büßen, Platz für sie! Sie will ihre Seele reinigen!“ Die Frau wirft sich den Priestern zu Füßen. Sie weisen sie zurück, sie gehöre nicht hierher; jedoch ein junger Priester nimmt sie bei der Hand und sagt: „Ich will dich aussöhnen. Gehört auch dein Leib nicht hierher, so doch deine Seele, weil du bereust“, und wendet sich mit ihr gegen Jesus hin und sagt: „Rabbi, entscheide Du!“ — Er erwidert: „Ja, ihre Seele gehört hierher, lasse das Menschenkind büßen!“

Der Priester geht mit ihr in den Beichtstuhl. Darnach tritt sie wieder hervor, wirft sich zur Erde und ruft: „Wischet eure Füße an mir ab; denn ich bin eine Ehebrecherin“, und die Priester berühren sie mit den Fü­ßen. Es wird auch ihr Mann gerufen, der von nichts weiß und von Jesu Rede, der jetzt auf dem Lehrstuhl steht, sehr gerührt wird. Jesus spricht zu ihr: „Deine Sünden sind dir vergeben. Stehe auf, du Kind Gottes !“, und der Mann reicht seiner Frau die Hand. Ihre Hände werden sodann mit dem Schleier der Frau und dem Halstuch des Mannes zu­sammengebunden und nach einem Segen ge­löst. Die Frau war nach ihrer Aussöhnung ganz wie berauscht vor Freude. Sie brauchte ihren Buhlen nicht vor den Priestern zu nennen, und ihr Mann sollte ihn auch nicht kennen; es wurde ihm verboten, nach ihm zu fragen und ihr, ihn zu nennen. Der Mann war fromm und vergaß und verzieh von Herzen. –

Der Herr predigt dann noch sehr rührend über die Sünden der Vorfahren und unse­rem Anteil an denselben, wobei Er unter anderem äußert: „Eure Väter haben Wein­beeren gegessen, und euch sind die Zähne davon stumpf geworden.“ (Jer. 31, 30; Ezech. 18, 2.)

Am Schlusse des Gottesdienstes läßt Jesus die vor die Synagoge gebrachten Kranken durch die Jünger in die Gänge zwischen Kirche und Lehrerwohnungen bringen und heilt beim Lampenschimmer viele von ihnen. Bei der Laubhüttenmahlzeit auf dem großen Stadtplatz geht Jesus wieder von Tisch zu Tisch, auch zu den Tafeln der Frauen, wo Ihm die vorhin Ausgesöhnte herzlichst dankt und Ihn leise für ihren früheren Liebhaber bittet. Jesus beruhigt sie; Er wisse schon ihre Sorge, es werde alles zu seiner Zeit geschehen. Auf Seinem Wege zur Wohnung am Sabbathaus trifft Er Sich mit ihm, der sich Ihm zu Füßen wirft. Der Herr tröstet ihn, ermahnt ihn, nicht wieder zu fallen und gibt eine Geldbuße zu einem milden Zweck auf.

Der Abschied von Ainon

Erste Taufstelle bei Ainon

Mo. 7.

Morgens begibt Sich der Herr von Sukkoth wieder zum Taufplatz bei Ainon zur Lehre, heilt Kranke und macht Besuche in den Laubhütten umher und bei den Heiden. Hierauf wohnt Er den Taufen bei und emp­fängt von vielen das Sündenbekenntnis und spricht sie los. Er hat auch einigen älteren Jüngern, z. B. dem Andreas, diese Gewalt gegeben. Johannes der Evangelist tauft nicht, sondern ist Zeuge und Pate. Abends findet wieder das Laubhüttenmahl statt.

Tetrarchen-Stadt Ainon

Di. 8.

Nachdem Er morgens noch mit Mara in ihrem Hause gesprochen, die unterdes auch von Veronika, Johanna Chusa und Martha besucht worden ist, was Jesus veranlaßt hat, wird Er bei Seinem Auszug aus Ainon unter Gesang der Menge ein Stück Weges begleitet. Mara und viele andere Einwohner beschen­ken Ihn reichlich. Er läßt alle Geschenke auf einen Haufen legen und sogleich an die Armen verteilen. Vor der Stadt reichen Ihm Mara und andere Frauen mit ihren Kindern Kränze zum Abschied, wohl eine mit dem Laubhüttenfest verbundene Sitte.

Hirtenort Akrabis

Abends wird Er vor Akrabis, wo Er am 16. Januar 32 schon einmal gelehrt hat, feier­lich empfangen, da man bereits um Seine Ankunft wußte. Vor dem Tore bewirtet man Ihn am Platze der Laubhütten, und Er über­nachtet in einem der Karawanen-Hotels vor dem Tore.

Laubhüttenfest in Süd-Samaria

Mi. 9.

Am Vormittag wandelt der Herr rund um die Stadt von Osten nach Norden und We­sten. Vor jedem Tore hatte der demselben nächstgelegene Stadtteil seine Laubhütten errichtet. Jedesmal, wenn Jesus bei Seinem Rundgang an solchem Platz vor dem Tore ankommt und wieder fortgeht, empfangen und begleiten Ihn Knaben und Mädchen, die Blumengewinde um Ihn herum tragen. Es ist dies eine Sitte, denn mit solchen Krän­zen ziehen auch die einzelnen Torgemeinden bei den anderen zu Besuch, um einer Lehre oder einem Mahle beizuwohnen.

Auch Jesus hält jedesmal eine Lehre, be­sucht einzelne Laubhütten und heilt viele, auch kranke Frauen. Nachmittags geben die einheimischen Lehrer Ihm und den Jüngern ein mäßiges Mahl unter einer oben offenen Halle, worauf Er mit den Seinen weiter süd­westlich nach Siloh wandert.

Seminar-Stadt Siloh

Gegen Abend wird Er vor Siloh von den auf Ihn wartenden Einwohnern empfangen und in den Laubhütten bewirtet. Hierauf begibt Er Sich sogleich auf die abgesonderte Anhöhe in der Stadt, wo einst die Bundeslade ge­standen (Josue 18), und wo Er schon am 19. Dezember 31 mit den Schriftgelehrten gewesen, und lehrt dann im Freien auf einem steinernen Lehrstuhl vor versammeltem Volk. Er übernachtet mit den Seinen hier oben im Hotel des Sabbathauses.

Do. 10.

Am heutigen 19. Tisri ist hier ein besonde­res Ortsfest innerhalb der Laubhüttentage, an dem ein Lehrer auf dem Lehrstuhl ohne den mindesten Widerspruch eine große Strafrede halten darf; und Jesus ist haupt­sächlich hierher gekommen, um diese Lehre zu übernehmen. Alle Männer und Frauen und Kinder ziehen von ihren Laubhütten­bezirken in Prozessionen mit Laubgewinden zwischen jeder Abteilung, Klasse und Fami­lie zum Lehrstuhl hinauf, der mit Zelt­bahnen und Laub überspannt ist.

Der Herr lehrt bis mittags und spricht von aller Barmherzigkeit Gottes mit seinem Volk, von dessen Verfall und Schändlichkeit, von allen Strafgerichten über Jerusalem und von der jetzigen letzten Zeit der Gnade. Es ist eine ganz erschütternde Lehre, und alle hören still und erschrocken zu, denn Er er­wähnt sehr deutlich, daß Er es sei, der das Heil bringe, indem Er die Weissagungen alle bis auf diese Zeit auslegt. Die hiesigen Pha­risäer, die nicht viel wert sind, und die Ihn ähnlich wie jene zu Akrabis mit geheuchel­ter Ehrerbietung empfangen, schweigen mit Verwunderung und Erbitterung still; das Volk hingegen jubelt und stimmt Lob­gesänge an.

Abends findet ein Mahl mit den Pharisäern in den Laubhütten statt. Jesus aber entzieht Sich unauffällig dieser Gesellschaft und geht zu den Laubhütten der einfachen Bevölke­rung und tröstet und lehrt hier und da. Es kommen jetzt auch viele zu Ihm, die sich vorher aus Furcht vor den Pharisäern fern­gehalten hatten.

Die Heilung des blinden Manahem

Pharisäer-Stadt Koreä

Fr. 11.

Vor der Stadt Koreä kommen die Pharisäer dem Herrn zum Empfang entgegen und brin­gen Ihm einen schönen und großgewachse­nen, aber blindgeborenen Mann aus der Stadt mit, in der Absicht, Ihn mit diesem in Versuchung zu führen.

Dieser junge Mann, namens Manahem, be­sitzt die Gabe der Prophetie, ist ein treuer Hörer des Täufers und von ihm getauft und hat in Koreä oft viele Jünglinge um sich ver­sammelt, die er belehrt und denen er begei­stert von Jesus prophezeit hat. Die Pharisäer führen ihn nun dem Herrn zu, weil sie über­zeugt sind, daß Jesus ihm nicht werde hel­fen können, denn man hatte nie die Pupille in seinen Augen entdeckt.

Zum Erstaunen aller wendet sich der Blinde von selbst dem ihm nahenden Heiland zu und wirft sich vor Ihm nieder. Auf die Fra­gen des Herrn antwortet er klug, weissagt zugleich über die Jesu drohenden Verfolgungen und beschreibt eingehend die Gestalt und das Aussehen des Herrn. Dieser legt ihm hierauf die Hand an die Stirn, zeichnet mit dem Daumen ein Kreuz auf die geschlos­senen Augenlider und schiebt dieselben öff­nend in die Höhe mit den Worten: „Ich gebe dir ein doppeltes Licht, das des äußeren und des inneren Gesichtes.“

Da wirft der Blinde sein breites Leinentuch von Haupt und Schultern, schaut staunend und freudig umher und ruft aus: „Groß sind die Werke des Allmächtigen.“ Dann wirft er sich vor dem Herrn nieder, der ihn segnet. Die Pharisäer senken schweigend die Blicke zu Boden. Die Verwandten Manahems neh­men den Geheilten in ihre Mitte, und die Menge stimmt in den weiteren Psalmenge­sang des Manahem ein und zieht so, dem Herrn voran, in Koreä ein, wo Jesus noch viele, auch andere Blinde, heilt, die zwi­schen den Häusern und den Wällen der Stadt wohnen.

Abends spricht Jesus im Sabbathaus vom Ge­schlecht des Noe, vom Bau der Arche, vom Regenbogen, von den Erbarmungen Gottes nach Isaias (54 u. 55) und kommt schließ­lich auf das Mißverstehen der Schrift und die falsche Rechnung der Zeiten zu spre­chen, wobei Er alle Prophezeiungen und Er­füllungszeiten richtigstellt.

Sa. 12.

Zwischen den beiden Sabbatlehren heilt Er die in der großen Halle beim Gotteshaus zu­sammengebrachten Kranken und verteidigt beim Abendessen mit den Pharisäern nicht nur den Manahem, sondern auch den Pro­pheten Ezechiel, gegen deren Prozhezeiun­gen jene verschiedene Einwände erheben. Unterdes legt der sehend gewordene Mana­hem das Nasirats-Gelübde ab (siehe oben S. 75) und verkündet Gottes Lob in der Stadt. Mit Schluß des heutigen Sabbats (21. Tisri) findet das diesjährige Laubhüttenfest seinen Abschluß.

So. 13.

Morgens besucht der Herr, wie Er dem Manahem versprochen, dessen Eltern, die Essener sind. Sein Vater Syrus führt ihn dem Herrn mit der Bitte entgegen, ihn als Jünger aufzunehmen. Jesus nimmt ihn auf und sendet ihn mit dem Jünger Silas und einem anderen Jünger von Hebron nach Bethanien zu Lazarus, um letzterem eine Freude zu be­reiten, denn Lazarus kennt den Manahem von Jugend auf und schätzt seine mystische Begabung. Gegen Mittag wandert Jesus mit etwa noch sieben Jüngern — die anderen sind bereits in ihre Heimatorte abgereist ­gen Ophra weiter.

Handels-Stadt Ophra

Bei Seiner Ankunft vor Ophra gehen Män­ner, die an beiden Seiten der Straßen mit Sammeln von Weintrauben zum heutigen Abendfest beschäftigt sind, dem Herrn ent­gegen und führen Ihn in die Stadt zur Her­berge bei der Synagoge. Nachmittags besucht Jesus mehrere Häuser, in denen Er Kranke heilt und kleine Lehren erteilt.

Abends findet in der Gesetzesschule noch eine Art Schlußfeier (Assereth) als achter Tag der sieben Laubhüttentage statt. Es wird in allen Rollen gelesen und dann die Thora-Rolle herumgetragen, aus der jeder etwas liest. Hieran schließt sich noch ein Mahl im Festhause an, bei dem außer Lämmern noch die zum Laubhüttenfest verwendeten soge­nannten Esrog-Äpfel (auch Paradies- oder Patriarchen-Äpfel oder Äpfel der Persea ge­nannt) gegessen werden. Die Speisen wer­den von Sabbatdienern, die keine Juden sind, zugerichtet.

Ein Bote aus Cypern

Mo. 14.

Morgens geht der Herr von Haus zu Haus, die Leute mit wenigen Worten von der Er­werbgier und Habsucht abzumahnen — denn Ophra lebt von durchziehenden Kara­wanen und ist voll von Wirts- und Handels­häusern — und zur Synagogenlehre einzu­laden. Zugleich sagt Er allen eine Art Glückwunsch zum Festesschluß. Nachmit­tags tragen die Knaben alle Zweige der Laub­hütten auf einen Haufen zusammen, der an­gezündet wird, und wobei die Juden aus dem Aufsteigen der Flammen auf mancherlei Glück oder Unglück zu schließen pflegen.

Im Sabbathaus spricht der Herr hierauf vom Glück und Unglück Adams und Josues, lehrt von verkehrter Sorge im Gleichnis von den Vögeln des Himmels und den Lilien des Feldes (Mt. 6, 25-34) und erzählt von Da­niel und Job als Männern voller Geschäfte und doch ohne weltliche Sorge. Abends be­teiligt Er Sich an einem Mahl im Festhause, doch wird Er hier nicht umsonst verpflegt, denn die Jünger bezahlen alle Unkosten im Hotel.

Spät abends besucht Ihn noch ein Bote des reichen heidnischen Kaufmanns Cyrinus von Cypern, der durch Serobabel in Kaphar­naum den jetzigen Aufenthalt Jesu erfahren hat und von Machärus aus, wo er über den Täufer Erkundigung eingezogen, hier in Ophra angekommen ist. Jesus spricht bis tief in die Nacht mit ihm, und die Jünger müssen ihm in Seiner Gegenwart alles auf­schreiben, was er zu wissen verlangt.

Der Vorfahre jenes cyprischen Herrn ist ein ehemaliger König von Cypern gewesen, der viele Juden in der Verfolgung aufgenommen und sie sogar an seiner Tafel gespeist hatte. Dieses Werk der Barmherzigkeit trug ihm noch in seinem Nachkommen, Cyrinus, Früchte, sodaß dieser die Gnade hat, an Jesum Christum zu glauben. Er ladet den Herrn jetzt durch diesen seinen Boten nach Cypern ein, und Jesus wird auch im näch­sten Mai hinüberfahren. Der Bote reist noch nachts ab, um sein nach Cypern abge­hendes Schiff zu erreichen.

Felder westlich von Lebonah

Di. 15.

Von Ophra aus wandert der Herr mit den Seinen durch die Felder westlich von Lebonah, wo Er einzelne Bauernhöfe besucht und schließlich in jenem Bauern- und Hirtenhaus übernachtet, in welchem Maria und Joseph auf ihrer Adventsreise, am sie­benten Tage vor Christi Geburt, geherbergt hatten, und wo Jesus mit Seinen ermüdeten Jüngern am Abend des 29. Juli 32 einge­kehrt ist.

Wald Hareth

Mi. 16.

Nachdem Er noch andere Bauernhöfe öst­lich von Sichem besucht hat, durchquert Er gegen Mittag südöstlich den Wald Hareth. Vom Walde steigt Er über eine Höhe zu den Feldern hinab, auf denen Leute aus Salem mit Arbeit bei großen Getreidehaufen be­schäftigt sind. Er belehrt sie und geht dann mit ihnen noch tiefer nach Salem.

Melchisedech-Stadt Salem

Vor der Stadt empfangen Ihn andere Ein­wohner, führen Ihn und die Jünger in ein Haus, waschen ihnen die Füße, reichen ihnen andere Sandalen und Kleider, bis die ihrigen ausgeschüttelt und gestreckt sind, und bringen dann den Herrn und die Jünger zu ihrem Elisäus-Brunnen, wo sie einen Im­biß erhalten.

Doch schon sind hier und die Straßen ent­lang Kranke aufgebahrt, und der Herr be­ginnt Seinen Heilweg, ruhig von einem zum anderen gehend, und heilt bis gegen vier Uhr, worauf Er einem Mahl im Hotel beiwohnt und dann im Sabbathaus über Melchisedech und Malachias spricht, die sich einst hier auf­gehalten.

Unter Pharisäern und Schriftgelehrten

Die Bewohner von Salem sind weder arm noch reich und samt ihren Gesetzeslehrern wohlgesinnt und liebevoll gegeneinander. Doch kommen aus der Nähe oft Pharisäer hierher und belästigen die hiesigen Lehrer und die Gemeinde.

Do. 17.

Morgens besucht Jesus in der Ufergegend des Winkels, den der Wadi Far’a mit dem Jordan bildet, den Badeort bei den drei Fischteichen und lehrt wandelnd vor zahl­reicher Begleitung. Auch drüben am Ost­ufer des Jordan gehen Leute spazieren, und man kann dort die Stadt Ainon liegen sehen. Gegen Mittag begeben sich alle nach Salem zurück, und der Herr ist Gast bei einem Ehrenmahl im öffentlichen Festhaus, bei dem auch unter vielen Pharisäern aus Aruma ein Bruder Simons des Aussätzigen von Bethanien zugegen ist, einer der vornehm­sten Pharisäer von Aruma. Da jene fürchten, Jesus werde zu Salem den Sabbat feiern und sich dadurch noch mehr die Herzen der Bewohner gewinnen, ladet Ihn Simons Bru­der zu sich nach Aruma ein, was der Herr auch annimmt.

Pharisäer- und Sadduzäer-Stadt Aruma

Fr. 18.

Da Ihn die Pharisäer vor dem Tore von Aruma, wo Er schon am 23. Oktober 31 und am 12. Februar 32 gewesen, nicht empfan­gen, geht Er mit etwa sieben der unbekann­teren Jünger geschürzt durch das Stadttor ein. Nun empfangen Ihn einige wohlge­sinnte Bürger nach der Landessitte, wie man es Reisenden tut, die geschürzt zum Tor ein­gehen, denn die ungeschürzt Kommenden haben schon vor dem Tore Gastfreundschaft empfangen.

Nach dem Empfangsimbiß besucht der Herr das Priesterhaus bei der Synagoge, wo sich Simons Bruder mit mehreren anderen Pha­risäern und Sadduzäern befindet, die von Thebez und anderen Orten hierher gekom­men sind. Sie nehmen allerlei Schriftrollen mit sich und gehen mit dem Herrn zum Badebrunnen und Lustpark vor der Stadt und unterhalten sich über die Schriftstellen der heutigen Sabbatlesung, gleichsam als Vorbereitung auf die Predigt.

Sie sprechen höflich und glatt mit Jesus und bitten Ihn, heute abend zu lehren, aber ihnen doch ja nicht das Volk aufrührerisch zu ma­chen. Der Herr antwortet ehrlich und gerade heraus, Er werde lehren, was die Schrift ent­halte, nämlich die Wahrheit, und spricht auch von Wölfen in Schafskleidern (Mt. 7, 15).

Gegen drei Uhr speist Er im Hause von Simons Bruder und begrüßt hier dessen Frau und Kinder und die übrigen Gäste. Abends spricht Er im Sabbathaus über die hebräische Sprache, die Vorfahren Abra­hams und über dessen Berufung (Gen. 12).

Der Herr wohnt hier im Hause von Simons Bruder und empfängt den Besuch des Esse­ners Jairus aus Phasael, dessen Tochter Er am 12. Februar vom Tode auferweckt hatte.

Sa. 19.

Nachdem Er morgens im Sabbathaus wieder von Abrahams Berufung und aus Isaias gelehrt hat, besucht Er ein Altersheim, in welchem alte Männer und Witwen nach einer Art von Ordensregel leben, belehrt und tröstet sie, und wohnt dann einem Ehrenmahl in der Stadt bei, das bis zum Abend währt. Er pflegt bei solchen Mahl­zeiten nie viel zu essen, sondern geht von Tisch zu Tisch, lehrend und Gleichnisse er­zählend.

Nach heutigem Sabbatschluß beginnt mit Anbruch des 29. Tisri das Fest der Einwei­hung des salomonischen Tempels (3 Kön. 8, 65-66; nicht zu verwechseln mit dem Lich­terfest der Tempelweihe des Makkabäus vom 25. bis 30. Kislew). Der eigentliche Festtag war schon am Ende des Laubhütten­festes, wird aber heute hier nachgefeiert. Jesus predigt im Sabbathaus, in dessen Mitte eine Pyramide von Lichtern steht, über den Tempelbau Salomons. Auf Seine Androhung der kommenden Zerstörung des Tempels hin, entwickelt sich ein lebhafter Disput mit den Pharisäern. Doch der Herr hat ein Wesen, daß sie erschüttert werden und Ihn kaum anblicken können. Er spricht ähnlich vom Abbrechen des Tempels und Wiederaufbau desselben in drei Tagen, wie am 11. April 32, aber noch nicht so deutlich, wie kurz vor Seinem Leiden. Doch die Pharisäer fühlen das Geheimnisvolle Seiner Worte mit Schau­dern und Grimm. Sie murren und werden sehr unwillig. Jesus aber läßt Sich dadurch nicht stören und fährt sehr schön in Seiner Lehre fort, sodaß sie Ihm nicht widerspre­chen können und ganz wider ihren Willen innerlich überwältigt werden. Beim Heraus­gehen aus dem Sabbathaus reichen sie Ihm die Hände und scheinen äußerlich den Frie­den herstellen zu wollen. Jesus sagt noch ganz sanft einige ernste Worte und begibt Sich zum Hause von Simons Bruder.