„Wir töten Euch alle“

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IS Graffiti, Batnaya, Iraq / © KiN – KIRCHE IN NOT

IS Graffiti auf Deutsch in wiedererobertem Dorf in Irak gefunden

Verschiedene Fotos, die von Stephen Rasche, einem Anwalt der chaldäisch-katholische Erzdiözese von Erbil, an die internationale Hilfsorganisation KIRCHE IN NOT (ACN) geschickt wurden, dokumentieren die Präsenz von Extremisten aus europäischen Ländern unter der ISIS. Die Fotos zeigen Graffiti in deutscher Sprache und wurden in Batnaya – einer kleinen Stadt in der Ninive-Ebene, 15 km von Mosul entfernt – aufgenommen. Bei der Übernahme durch die Terroristen im August 2014 lebten dort nach Angaben des damals dort tätigen Priesters Fr. Steven Esam ca. 850 christliche Familien.

In den Inschriften werden die Christen als “Kreuzsklaven“ beschimpft und mit dem Tode bedroht. Und weiter steht dort: „Dieses Landes ist islamische Land,  ihr Schmuzigen, das Ihr gehört nicht dahin.“ [Fehler im Original] Und auf einer weiteren Inschrift steht: „Entweder gehst du raus, oder wir töten dich“.

Stephen Rasche schrieb an die päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT zu den Bildern: „Das Wichtigste ist das hohe Maß der Zerstörung zu zeigen, um zu verstehen, was es sich ereignet hat und wie gefährlich es noch ist, zurückzukehren. Außerdem möchte ich durch das Zeigen der Zerstörung und der Entweihung unserer heiligen Plätzen der Welt nahebringen, welche Angst und Furcht unsere eigene Leute gerade empfinden, wenn sie überlegen müssen, ob sie später zurückkehren wollen.“

Weitere Bilder wurden in der benachbarten Stadt Karamles (auch Karemlash, Karamlash, Karemles, Karemlish) rund 29 Kilometer südöstlich von Mosul aufgenommen. Die Bilder zeigen das brutale Vorgehen der Terroristen. Abgesehen von zertrümmerten und entweihten Kirchen, zerbrochenen und verstümmelten Statuen von Heiligen ist KIRCHE IN NOT besonders erschüttert über die Schändung des Grabes eines katholischen Priesters. Stephen  Rasche erklärt dazu: „Das Grab eines unseres Priesters wurde aufgegraben und der Leichnam herausgeholt, wir haben seine Gewänder und den Deckel des Sarges gefunden, aber vom Leichnam war keine Spur zu finden.“  Wie das katholische Hilfswerk erfahren hat, handelt es sich um den 2009 verstorbenen  Priester Salem Ganni, einen Verwandten des 2007 in Mosul erschossenen 34-jährigen Priesters Ragheed Ganni.

Seit 2014 hat KIRCHE IN NOT die Christen im Irak mit mehr als 20 Millionen Euro für Nothilfeprojekte, Schulausbildung, Nahrungsmittel und Lebensunterhalt für die Vertriebenen unterstützt.

(Quelle: Pressemitteilung KiN Österreich)

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Quelle

Bischof Hanke unterstützt Bürgerinitiative zum Schutz von Ehe und Familie

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Die europäische Bürgerinitiative „Vater, Mutter, Kind“ unterstützt der Bischof von Eichstätt, Gregor Maria Hanke. Das teilt der Pressedienst der Diözese mit.

Mit seiner Unterschrift schließe sich der Bischof der Forderung nach einer EU-Verordnung an, mit der Ehe und Familie geschützt werden sollen.

Bischof Hanke betonte, dass auf dem christlichen Menschenbild auch ein entsprechendes Verständnis von Ehe und Familie aufgebaut ist:

„Heute wird in der Europäischen Union viel über die Förderung von Ehe und Familie geredet, aber jeder versteht darunter etwas anderes. Die Bürgerinitiative „Vater, Mutter und Kind“ möchte Ehe und Familie europaweit so definieren, dass sie mit dem christlichen Menschenbild übereinstimmt: Ehe als Lebensbund von Mann und Frau, Familie als Gemeinschaft, die auf der Ehe basiert. Ich hoffe, dass viele Gläubige diese wichtige europäische Initiative unterstützen“.

Die Bürgerinitiative „Vater, Mutter, Kind“ lädt europaweit ein, sich in Unterschriftenlisten einzutragen und so für den Schutz der Ehe und Familie einzutreten.

Neben anderen Bischöfen gehört auch Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof von Wien und Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, zu den Unterstützern. Die Initative wirbt auch in den Sozialen Medien für Unterschriften und Unterstützung.

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Das internationale Hilfswerk Kirche in Not hat einen Video-Aufruf zur Initiative veröffentlicht:

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EICHSTÄTT , 26 October, 2016 / 5:53 PM (CNA Deutsch).-

Papst wünscht stärkere Präsenz der Frauen in den Gesellschaften des Nahen Ostens

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Irakische Christen, Ankawa / © KiN – KIRCHE IN NOT

Telegramm an den Erzbischof Francesco Cacucci von Bari, anlässlich der 2. Internationalen Konferenz der Frauen im Nahen Osten und im Mittelmeerraum

Papst Franziskus hat erneut für eine stärkere Präsenz der Frauen in der Gesellschaft des Mittleren Ostens plädiert. Seinen Appell sandte er ins italienische Bari an die Zweite Internationale Konferenz der Frauen im Nahen Osten und im Mittelmeerraum, die Mittwoch begonnen hat und bis Sonntag noch andauert. Die Veranstaltung steht unter dem Motto „Frauen stiften Frieden für eine Kultur der Begegnung und des Dialogs“ und wird von der Weltunion der Organisationen katholischer Frauen (WUCWO) und dem Internationalen Forum Katholische Aktion (FIAC) organisiert.

In einem Telegramm an den Erzbischof Francesco Cacucci von Bari, das Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin diesem sandte, spricht sich Franziskus dafür aus,“die Präsenz von Frauen und ihre Wirkung“ in den Regionen des Mittleren Ostens und des Mittelmeers zu intensivieren. Er ermutigt dazu, Gelegenheiten der Begegnung, der Erfahrung und des Dialogs zu suchen.

Der Papst wünscht zudem, dass das gemeinsame Engagement beim Aufbau einer Zukunft des Wohlstands und des Friedens reiche Früchte der menschlichen und sozialen Entwicklung hervorbringe und zur Versöhnung zwischen den Menschen und zu einer neuen Eintracht zwischen den Völkern beitrage.

Im Rahmen des außerordentlichen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit erinnerte er alle daran, großzügig die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit zu üben und wünschte der Initiative das Beste. Er begrüße herzlich alle Frauen, vor allem diejenigen, die aus dem Nahen Osten und aus Ländern kommen, die unter sozialen Konflikten, Armut und Diskriminierung leiden.

Schließlich wünschte der Papst ihnen, für ein fruchtbares Nachdenken das Licht des Heiligen Geistes und er gab allen Beteiligten seinen Apostolischen Segen.

Die erste derartige Konferenz wurde im Jahr 2013 in Amman (Jordanien) abgehalten. Der WUCWO-Präsidentin Maria Giovanna Ruggieri zufolge ging es darum, Frauen verschiedener Religionen und Kulturen anzuhören, die sich vielleicht allzu ruhig, täglich für Dialog, gegenseitige Fürsorge, Respekt und Versöhnung engagierten.

Frauen tragen einen Großteil der Verantwortung für die Erziehung der Kinder, betonte sie im Gespräch mit Radio Vatikan. In den kirchlichen Gemeinschaften hätten die Frauen eine große Verantwortung im Hinblick auf die Erziehung der Jugend, denn so könnten sie die Kultur beeinflussen und die nächste Generation zum Zusammenleben in der Vielfalt erziehen.

In diesem Jahr spricht eine jordanische Journalistin über ihren Einsatz für die Achtung der Vielfalt der Kulturen und Religionen. Eine Irakerin stellt ihre Initiative vor, mit der sie für die Menschenrechte kämpft und die Anhänger unterschiedlicher Konfessionen zusammenführt. Während der Konferenz wird es eine Zeit des ökumenischen Gebets für den Frieden in Syrien und im gesamten Nahen Osten in der Krypta der Basilika von San Nicola geben. (mk)

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Quelle

Syrien: „Ohne Bildung wächst die nächste IS-Generation heran“

Belgium, 10th to 12th October 2016: Brussels (European Union) Meeting with the Vice-president of the European Parliament Mr. Antonio Tajani and a group of MEPs heading the different political party groups. Present the children’s letters and pictures from Syria to the political leaders in Brussels. Over the last few days, more than one million Syrian children in over 2,000 schools across the country have signed an appeal for peace, written letters to political decision makers and made drawings. On the left: Metropolitan George Abdou Zakhem of Homs, Patriarch H.B. Gregorius III - Gregory III Laham Greek Melkite of Antioch, Syriac Orthodox Archbishop Selwanos Boutros Al-Neme, Fr. Dr. Andrzej Halemba Fr. Andrzej Halemba (Head of ACN’s Middle East department) and Mark von Riedemann und Marcela Szymanski (second row)

Belgium, 10th to 12th October 2016: Brussels (European Union)
Meeting with the Vice-president of the European Parliament Mr. Antonio Tajani and a group of MEPs heading the different political party groups.
Present the children’s letters and pictures from Syria to the political leaders in Brussels.
Over the last few days, more than one million Syrian children in over 2,000 schools across the country have signed an appeal for peace, written letters to political decision makers and made drawings.
On the left: Metropolitan George Abdou Zakhem of Homs, Patriarch H.B. Gregorius III – Gregory III Laham Greek Melkite of Antioch, Syriac Orthodox Archbishop Selwanos Boutros Al-Neme, Fr. Dr. Andrzej Halemba Fr. Andrzej Halemba (Head of ACN’s Middle East department) and Mark von Riedemann und Marcela Szymanski (second row)

Vergangene Woche haben hochrangige Kirchenvertreter aus Syrien Bilder und Botschaften von 1,2 Millionen syrischen Kindern an Spitzenvertreter der Europäischen Union und der Vereinten Nationen übergeben. Darin bittet die junge Generation die Weltgemeinschaft um ein Ende des Sterbens, mehr Sicherheit und bessere Bildungschancen. Die Bilder waren bei einem landesweiten Gebets- und Aktionstag unter dem Motto „Frieden für Kinder“ entstanden, der in mehreren syrischen Städten wie Homs, Aleppo und Damaskus durchgeführt wurde. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ hatte die Veranstaltung zusammen mit orthodoxen Kirchenvertretern initiiert.

Als „Botschafter der Kinder“ waren das Oberhaupt der melkitischen griechisch-katholischen Kirche, Patriarch Gregorius III. Laham, der Metropolit der griechisch-orthodoxen Kirche, George Abou-Zakhem, sowie der syrisch-orthodoxe Bischof Silvanos Petros Al-Nemeh zu Institutionen der Europäischen Union und der Vereinten Nationen gereist.

In Brüssel traf die Delegation unter anderem mit Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz zusammen. „Es wird nur dann Frieden in Syrien geben, wenn die Weltgemeinschaft sich endlich wieder an einen Tisch setzt. Nur so können Sicherheit und Stabilität wiederhergestellt werden. Aber Frieden kann nicht von außen befohlen werden, er muss in den Herzen beginnen – und das zu vermitteln, ist und bleibt die Aufgabe der Kirchen“, sagte Patriarch Gregorius beim Gespräch mit Schulz.

Dieser hob hervor, dass die EU mit großer Sorge die Situation in Syrien verfolge. „Es ist für uns wichtig, eine Innenansicht des Kriegsgeschehens und der Situation der Menschen in Syrien zu bekommen. Ihr Besuch hat bei allen Gesprächspartnern einen tiefen Eindruck hinterlassen.“ Schulz dankte den Kirchen für die humanitäre Hilfe und ihren Friedenseinsatz.

Am Sitz der Vereinten Nationen in Genf trafen die Bischöfe mit dem Hochkommissar für Menschenrechte, Prinz Zaid Al-Hussain, und dem Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, zusammen. Dabei lag der Fokus auf einer intensiveren Zusammenarbeit der Kirchen mit den UN-Institutionen vor Ort. „Die Vereinten Nationen brauchen die Kirchen als Friedensbotschafter, denn sie erreichen die Herzen der Menschen“, hob Grandi hervor.

Auf die hohe Bedeutung der Christen für die syrische Gesellschaft ging Metropolit George Abou-Zakhem ein. „Christen wird auch von den muslimischen Nachbarn großes Vertrauen entgegengebracht. Das erleben wir auch jetzt bei unseren Hilfsaktionen. Man kann sagen, dass wir der ,Kitt‘ der syrischen Gesellschaft sind.“ Aufgabe der Kirchen sei es, die Spaltungen der Kriegsparteien zu überwinden und so den Weg für Frieden zu bereiten. So geschehe es zum Beispiel in seiner Bischofsstadt Homs, wo man eng mit den Muslimen zusammenarbeite. Im Frühjahr und Sommer wurden Stadt und Region Homs von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ befreit. Viele Menschen kehrten jetzt in ihre Heimat zurück. Die Kirche unterstütze Christen wie Muslime gleichermaßen. „Wir erleben, wie das soziale Leben wieder zu blühen beginnt. Das muss auch für die anderen Regionen möglich werden“, sagte Abou-Zakhem.

Bischof Silvanos Petros Al-Nemeh fügte hinzu: „Die Präsenz der Christen überall im Land ist die Garantie dafür, dass die Einheit Syriens erhalten bleibt.“ Das wirksamste Mittel, den IS zu bekämpfen, sei Bildung. „Ohne Schulen wächst die nächste Generation des IS heran. Die Kirchen bauen überall im Land die Schulen wieder auf. Sie sind offen für jeden.“ Über 90 Prozent der Schüler in kirchlichen Schulen seien Muslime, „denn die Eltern schätzen die Qualität unserer Ausbildung und wollen, dass ihre Kinder gemeinsam mit Christen aufwachsen“, erklärte Al-Nemeh.

Derzeit können nach Informationen der Oxford Research Group mehr als zwei Millionen syrische Kinder aufgrund des Krieges keine Schule besuchen. „Die Kirchen sind in einigen Regionen die einzigen, die Unterricht organisieren und der notleidenden Bevölkerung effektiv helfen“, erklärte der Nahost-Experte von „Kirche in Not“, Andrzej Halemba. Auch viele Hilfsorganisationen hätten sich aus Sicherheitsbedenken aus den umkämpften Gebieten zurückgezogen. Umso wichtiger sei es deshalb, die kirchlichen Einrichtungen zu unterstützen, so Halemba. „Nur wenn wir vor Ort helfen, können wir verhindern, dass noch mehr Menschen flüchten müssen.“

„Kirche in Not“ hat seit Beginn des Syrienkriegs Hilfen in Höhe von 14,6 Millionen Euro geleistet. Damit werden unter anderem Lebensmittelpakete, Medikamente, Babynahrung und Wohnraum für kinderreiche Familien finanziert. Außerdem unterstützt das Hilfswerk den Wiederaufbau zerstörter Kirchen und Klöster sowie die Arbeit der christlichen Schulen.

Um weiter in der Kriegsregion helfen zu können, bittet das Hilfswerk um Spenden – online unter www.spendenhut.de oder an folgendes Spendenkonto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Syrien

(Quelle: Pressemitteilung KiN)

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Quelle

„Welt braucht Revolution gegen Gewalt“

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Pater Jacques Mourad / © KiN – KIRCHE IN NOT

Syrischer Ordensmann war fünf Monate Geisel des IS – und setzt sich dennoch für Versöhnung ein

Pater Jacques Mourad gehört der syrischen Ordensgemeinschaft „Mar Mousa al-habashi“ („Heiliger Moses von Abessinien“) an. Er war Prior des Kloster Mar Elian, einem Wallfahrtszentrum nahe der Stadt Karjatain. Im Mai 2015 wurde Mourad von Kämpfern des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) entführt. Sein Kloster wurde zu einem großen Teil zerstört. Das Schicksal von Jacques Mourad erlangte deutschlandweit Aufmerksamkeit, als ihn Schriftsteller Navid Kermani bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels im Oktober 2015 als „Freund“ und „Kämpfer für Versöhnung“ würdigte. Zu diesem Zeitpunkt war Mourad bereits frei. Heute hält er sich in Europa auf, „als Heimatloser unter Heimatlosen“, wie er selbst sagt. Er setzt alles daran, sein zerstörtes Kloster wiederaufzubauen und der notleidenden Bevölkerung zu helfen. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ unterstützt ihn dabei. Vor kurzem war er im deutschen Büro des Hilfswerks zu Gast. Berthold Pelster hat mit ihm über sein Schicksal und die aktuelle Situation in Syrien gesprochen.

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Pater Jacques, im Mai 2015 wurden Sie zusammen mit einem angehenden Mitbruder von der Terrormiliz IS entführt und in die Wüste verschleppt. Was war der Auslöser?

Mourad: Ich denke, es gab zwei Gründe für meine Entführung: Der IS wollte der Bevölkerung Angst einjagen, um so jeden Widerstand im Keim zu ersticken. Und ich habe als Prior in der Stadtgesellschaft von Karjatain eine wesentliche Rolle gespielt. Unser Kloster bedeutet den Bewohnern sehr viel, Christen und Muslimen. Die Menschen fühlen sich dort wie zu Hause. Und das stört den IS. Es ist für seine Anhänger eine Blasphemie, das dort das Grab des heiligen Elian verehrt wird. Als die Terrormiliz Karjatain erobert hat, haben sie als erstes den Friedhof zerstört. Das geschah an vielen anderen Orten in Syrien genauso.

Sie haben es angesprochen: Im August 2015 wurde die Stadt Karjatain vom IS erobert. Rund 250 Christen aus Ihrer Gemeinde wurden verschleppt….

Diese 250 Christen, das waren ganze Familien, Kinder, behinderte, alte und kranke Menschen… Darunter war auch eine krebskranke Frau. Wir haben den IS angefleht, ihr Medikamente zu besorgen. Aber das war umsonst. Die Frau starb. Das war Folter. Sie haben die Menschen nicht physisch gefoltert, aber psychisch. Die Terroristen wollten unseren Lebenswillen zerstören.

Wie wurden Sie in der Gefangenschaft behandelt?

Es gab sehr schwere Tage voller Gewalt, und dann wurde ich wieder in Ruhe gelassen. Aber Basis der andauernden psychischen Folter der IS-Schergen war der Satz: „Entweder du konvertierst zum Islam, oder wir schlagen dir den Kopf ab!“

Im Oktober 2015, nach über fünf Monaten, gelang Ihnen die Flucht. Wie haben Sie das geschafft?

Das war eigentlich ganz einfach: Wir waren mittlerweile nach Karjatain zurückgebracht worden. Ich habe einen muslimischen Freund dort gefragt, ob er mich mit seinem Motorrad in Sicherheit bringt. Und dann sind wir losgefahren, quer durch die Wüste. Es ist wie durch ein Wunder nichts passiert.

Und wie sieht es mit den anderen entführten Christen aus? Konnten sie auch ihre Freiheit zurückgewinnen?

Das war einer der Gründe, warum ich geflohen bin: Ich wollte eine Möglichkeit finden, den anderen Christen zur Flucht zu verhelfen. Und das haben wir geschafft. Drei Tage später haben wir 58 Personen befreien können. Nach und nach konnten alle christlichen Geiseln durch die Wüste fliehen – immer mit Hilfe von muslimischen Freunden und Nachbarn!

Anfang April 2016 wurde Karjatain schließlich vom IS befreit. Wie ist die Lage dort?

Die Stadt ist zwar vom IS befreit. Aber ein normaler Alltag ist dort noch immer unmöglich. Die meisten Häuser sind zerstört. Immerhin gibt es mittlerweile wieder Strom und Wasser. Dennoch sind die meisten Menschen noch nicht nach Karjatain zurückgekehrt. Die Angst, dass der IS zurückkommt, ist groß.

In welchem Zustand befindet sich Ihr Kloster Mar Elian?

Der alte Teil des Klosters ist fast völlig zerstört, auch die Kapelle, wo sich der Schrein des heiligen Elian befand. Auch die neueren Gebäude sind in einem furchtbaren Zustand. Wir haben sie erst in den letzten 15 Jahren mithilfe von „Kirche in Not“ gebaut. Es tut mir in der Seele weh, dass es so gekommen ist. Aber ich hoffe, dass wir nochmal von vorne anfangen können.

Der Krieg in Syrien geht unvermindert weiter. Friedensverhandlungen sind wiederholt gescheitert. Viele Menschen fliehen – unter ihnen auch Christen. Wie groß ist die Gefahr, dass das Christentum im Nahen Osten ausgelöscht wird?

Die Auslöschung ist längst Realität. Schon heute gibt es im Irak und in Syrien Gegenden, in denen keine Christen mehr leben. Danke an Deutschland und Europa, die mit Großzügigkeit und Liebe viele Flüchtlinge aufnehmen. Aber die Menschen fliehen nicht freiwillig. Sie haben keine andere Wahl. Das gilt besonders für die Christen in Syrien, denn wir sind eine kleine Minderheit. Die Gewalt, die in Syrien herrscht, ist unerträglich. Ich verstehe nicht, warum die anderen Staaten die Realität nicht sehen wollen und keine Entscheidung treffen. Die Welt muss endlich reagieren!

Wie sollte eine solche Reaktion aussehen?

Wenn die Welt es tatsächlich ernst meint und die Fanatiker stoppen will, dann muss sie aufhören, mit Saudi-Arabien Geschäfte zu machen. Denn von dort kommen das Geld und die Waffen für den IS. Die Bombardierungen bringen gar nichts. Seit Jahren bombardieren die USA und Russland Syrien und den Irak. Und was haben sie erreicht? Haben sie die Gewalt der Terroristen gestoppt? Überhaupt nicht!

Was kann die Weltgemeinschaft stattdessen tun?

Die Lösung kann nicht darin bestehen, diejenigen, die uns verfolgen, zu eliminieren. Der Dialog mit dem Islam ist die einzige Möglichkeit, die Extremisten zu stoppen. Das ist meine ganz persönliche Erfahrung. Wir, die Christen meiner Gemeinde, haben uns trotz der Gefahr entschlossen, keine Gewalt anzuwenden. Deshalb sind wir noch am Leben. Das hat uns ein Anführer des IS genauso gesagt: „Ihr ,Leute des Buches‘ [Bezeichnung im Koran für Juden und Christen; Anm. d. Red.]  wendet nicht einmal uns gegenüber Gewalt an.“ Das hat uns das Leben gerettet.

Der Beitrag der Christen in diesem Krieg sollte also Gewaltlosigkeit und Dialog sein?

Im Frühjahr dieses Jahres hatte ich bei einem Gottesdienst folgende Eingebung: Unsere Welt braucht eine Revolution gegen die Gewalt. Nur dann kann sie Frieden finden. Wir wollen Werkzeuge des Friedens sein. So haben wir es in Mar Elian getan – ohne Ansehen der Person oder Religion. Unsere Arbeit wäre nicht möglich geworden ohne unsere Freunde von „Kirche in Not“. Dank Ihrer Unterstützung konnten wir Menschen vor dem Tod bewahren. Wir konnten sie mit Medikamenten versorgen, ihre Häuser wiederaufbauen, Familien Lebensmittel zur Verfügung stellen. Ihre Hilfe ist ein wichtiges Hoffnungszeichen für uns.

„Kirche in Not“ hat seit Beginn des Syrienkriegs Projekte in Höhe von 14,6 Millionen Euro unterstützt, die der notleidenden Bevölkerung zugutekommen. Auch in den Nachbarländern, insbesondere im Irak, hilft „Kirche in Not“ in den Flüchtlingscamps beträchtlich, damit die Menschen eine Zukunft in ihrer Heimatregion haben. Um weiter der notleidenden Bevölkerung beistehen zu können, bittet das Hilfswerk um Spenden – online unter www.spendenhut.de oder an folgendes Spendenkonto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Syrien

(Quelle: KiN)

Wie es ist, verfolgter Christ zu sein: Diese Austellung zeigt es

Ein Teddybär, ein Hochschul-Diplom, eine Speisekarte – Gegenstände, die Christen besaßen, verliehen bekamen, berührten – bevor sie brutal wegen ihres Glaubens ermordet wurden. Im Jahr 2016.
Zu sehen sind diese stummen Zeugen in einer neuen Ausstellung, die Menschen hineinziehen will in die Erfahrung verfolgter Christen. Organisiert vom italienischen Zweig des Hilfswerks Kirche in Not, ist sie noch bis einschließlich 25. August in den Räumlichkeiten der Gemeinschaft „Comunione e Liberazione“ (Gemeinschaft und Begfreiung, CL) in Rimini zu sehen.
Eine Schaukel und ein kleines Kinder-Karrussell, sechs Pulte aus einer Universität, und ein Restaurant-Tisch stehen stellvertretend für die drei jüngsten Höhepunkte anti-christlicher Verfolgung: Der islamistische Selbstmordanschlag am Ostersonntag auf einen Park in Lahore, Pakiston, der 72 Menschen tötete und 280 verwundete; das islamistische Massaker an der Garissa Universität in Kenia am 2. April, bei dem 149 Christen umgebracht wurden, und der ebenfalls islamistische Anschlag am 1. Juli auf ein Café in Dhaka, Bangladesh.
Die Relikte dieser erlittenen Martyrien spielen eine zeichenhafte Rolle: Die Ausstellung zeigt den Teddybär eines der 30 Kinder, die in Lahore starben; das Hochschul-Diplom ist das von Muchire Shee – sie starb, bevor sie es erhalten konnte; die Speisekarte der „Holey Artisan Bakery“ in Dhaka, welche Opfer in der Hand hielten, bevor sie als Geiseln genommen, gefoltert und hingerichtet wurden.
Besucher der Ausstellung werden auch einen „Tunnel der Märtyrer“ durchqueren, einen dunklen Raum, der Bilder und Töne von neun Märtyrern unserer Zeit zeigen; darunter Pfarrer Jaques Hamel, der in Rouen von Islamisten ermordete Priester; Pater Andrea Santoro, der in der Türkei 2006 umgebrachte italienische Geistliche; Shabaz Bhatti, der als erster Christ pakistanischer Minister für Minderheiten wurde, aber zwei Jahre später wegen seiner Opposition am Blasphemie-Gesetz von einer Taliban-Splittergruppe ermordet wurde.

Welche Formen die Verfolgung von Christen in aller Welt annimmt, und zwar nicht nur durch radikalisierte Muslime: Das zeigen auch die „lebendigen Zeugnisse“ der Ausstellung. Sieben Zeugen der Verfolgung schildern die Situation in ihrem Land.

Monsignore Mtanios Haddad spricht über die Lage in Syrien; Professor Shaheed Mobeen erzählt von der Verfolgung von Christen in Pakistan; Pater Issa E. H. Abusafa beschreibt die Lage im Heiligen Land; und das Leid der Christen im Irak aus eigener Erfahrung schildert Pater Rebwar Basa.

Aus der Zentralafrikanischen Republik – die Papst Franziskus im November 2015 besuchte – kommt Pater Herman Tanguy; Pater Martino Serrano beschreibt den Friedensprozess in Kolumbien, während Pater Oleksandr Khalayin vom „vergessenen Konflikt“ in der Ukraine erzählt.

Gegenüber CNA betonte Pater Basa, wie wichtig es sei, die Ereignisse im Irak als das zu beschreiben, was sie sind: Ein Völkermord.

„Unsere Häuser wurden besetzt und mit dem [arabischen] ‚N‘ für Nazarener gekennzeichnet; unsere Kirchen wurden zu Moscheen gemacht, oder militärischen Unterkünften, oder gar zu Orten, an denen Frauen verkauft, vergewaltigt und wie Sklaven behandelt werden; viele unserer Gläubigen wurden angegriffen und getötet, oder entführt und gefoltert und befreit gegen ein sehr höhes Lösegeld; viele von uns wurden hingerichtet aus nur einem Grund: Weil sie ein Kreuz trugen.“

Letztlich handle es sich hier „um einen schwerwiegenden Versuch, alles zu vernichten, was uns mit unserem Land verbindet: Unsere Sprache, religiöse Identität, Gebetsorte, Immobilien, Traditionen, Kultur, Liturgie, Denkmäler, Manuskripte“.

Das päpstliche Hilfswerk Kirche in Not zeigt in der Ausstellung auch, wie es auf diese schrecklichen Zustände reagiert: Die Auslieferung der Kinderbibel etwa, mit einer Auflage von 52 Millionen Exemplaren, in 180 Sprachen (draunter die pakistanische Sprache Urdu sowie die zentralafrikanische Sprache Sango). Oder die Ausbildung von 11.000 Priesteramtskandidaten – von denen über ein Drittel Afrikaner sind. In Bangladesh baut das Hilfswerk eine Kirche, zusammen mit der Familie eines der Märtyrer, Simona Monti. Das Gotteshaus wird dem Erzengel Michael geweiht werden.

Die Gemeinschaft „Comunione e Liberazione“ wird in Rimini in diesem Jahr 106 Konferenzen abhalten, 14 Shows, 17 Ausstellungen und 22 Sportveranstaltungen. Weitere Informationen auf der Website.

Ägypten: Heisses Pflaster im Nahen Osten

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Ägypten: Heisses Pflaster im Nahen Osten

Pressemitteilung von Kirche in Not
(Schweiz/Fürstentum Lichtenstein) vom 3. August 2016

Der koptisch-katholische Bischof von Assiut, Kyrillos Kamal William Samaan, aus Ägypten besucht zwischen dem 6. und 14. August 2016 die Schweiz. Am Sonntag, 7. August feiert er die Gottesdienste im Wallfahrtsort Mariastein SO. Ansonsten feiert er in verschiedenen Pfarreien Gottesdienste und hält Vorträge über die Lage der Christen in Ägypten. Das Land am Nil erlebte in den vergangenen Jahren eine Zeit des Umbruchs und der Unsicherheit. Christen wurden oft Opfer wegen ihres Glaubens.

Das Christentum war im Gebiet des heutigen Ägyptens vor der Islamisierung im 7. Jahrhundert die dominierende Religion. Der Evangelist Markus soll um das Jahr 50 in Ägypten missioniert haben. Heute bezeichnen sich je nach Quellen zwischen 6% und 12% der Bevölkerung Ägyptens als Christen. Die meisten Christen gehören zur koptisch-orthodoxen Kirche, der ein Papst vorsteht. Seit 2012 ist dies Tawadros II. Die römisch-katholischen Christen machen weniger als 1% der Bevölkerung aus.

Christen bis anhin Bürger zweiter Klasse

Ägypten wurde zur Zeit Nassers nicht als religiöser, sondern als sozialistischer Nationalstaat definiert. Viele Ägypter emigrierten als Arbeitssuchende in den 1980er- und den 1990er-Jahren in das erdölreiche Saudi-Arabien, wo sie mit dem islamisch-wahabitischem Gedankengut in Kontakt kamen und es nach Ägypten brachten. Ägyptische Christen werden seither in der Gesellschaft verstärkt ausgegrenzt. In den Medien werden alle Nichtmuslime als „Kuffar“ (Ungläubige) bezeichnet. In der Politik sind wichtige strategische Schlüsselpositionen ausschließlich Muslimen vorbehalten.

Tote bei Übergriffen

Bei Übergriffen von Muslimen auf Christen gibt es immer wieder Tote. Bei einem Bombenanschlag auf eine Kirche in Alexandria kamen am Neujahrstag 2011 mindestens 21 Menschen ums Leben. Am 7. April 2013 war es am Sitz des koptisch-orthodoxen Patriarchen zu Übergriffen auf koptische Christen gekommen, die ihre tags zuvor in Khasus nahe Kairo ums Leben gekommenen Glaubensbrüder zu Grabe trugen. Unbekannte hatten die Trauernden mit Steinen und Molotow-Cocktails angegriffen. Zwischen Sommer 2012 und Sommer 2013 waren die Muslimbrüder mit Präsident Mohammed Mursi an der Macht. Die Christen hatten es unter ihnen besonders schwer – sie machten die Christen zu Fremden im eigenen Land. Seit der Präsidentschaft von Abd al-Fattah as-Sisi sieht es für die Christen wieder besser aus, so dürfen Kirchen wieder gebaut werden.

Bischof Kyrillos Samaan

Er wurde am 1. Oktober 1946 in Shanaynah, Ägypten, geboren und empfing am 10. Juni 1974 das Sakrament der Priesterweihe. Am 16. Mai 1990 wählte ich die Synode der koptischen katholische zum Bischof der Eparchie Assiut. Kyrillos Samaan spricht unter anderem sehr gut Deutsch und setzt sich sehr für den Dialog mit Christen und Muslimen in Ägypten ein. Gemäss Bischof Samaan hat sich die Situation der Christen in Ägypten unter Präsident Abd al-Fattah as-Sisi stark verbessert: „Heute ist dieses Gefühl der Bedrohung weg. Wir blicken mit Sisi positiv in die Zukunft.“

Die koptisch-katholische Kirche

Die koptisch-katholische Kirche gleicht der koptisch-orthodoxen Kirche des Landes in Liturgie und Spiritualität, steht aber in Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl in Rom. Derzeit gehören der Kirche, die über eine kleine Diaspora verfügt, etwa 200 000 Gläubige an. Sie sind in sieben Diözesen organisiert und werden von etwa 240 Priestern betreut. KIRCHE IN NOT unterstützt die katholische Kirche des Landes sowohl durch Stipendien für die Priesterausbildung als auch durch die Förderung pastoraler Projekte wie Sommerlager für Jugendliche. Jährlich werden für Projekte rund CHF 700 000 zur Verfügung gestellt.

KIRCHE IN NOT ist ein internationales katholisches Hilfswerk päpstlichen Rechts, das 1947 von Pater Werenfried van Straaten (Speckpater) als „Ostpriesterhilfe“ gegründet wurde. Es steht mit Hilfsaktionen, Informationstätigkeit und Gebet für bedrängte und Not leidende Christen in rund 140 Ländern ein. Seine Projekte sind ausschliesslich privat finanziert. Das Hilfswerk wird von der Schweizer Bischofskonferenz für Spenden empfohlen.

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Quelle