Das größte Seminar der Welt (1.200 Seminaristen) ist in Guadalajara. Es hat die Tore aufgeschlossen für die alte Liturgie

Das Seminar der Erzdiözese Guadalajara, dem Heiligen Josef geweiht, ist das größte der Welt.  Es umfasst mehr als 1.200 Seminaristen, die meisten davon Jung-Seminaristen. Ein kleines großes Volk verteilt auf sechs Häuser.

Am 2. Juni wurde in seinen Lokalitäten zum ersten Mal seit 40 Jahren eine Messe im alten Ritus gefeiert, vor 300 Jungmännern in Ausbildung. Deren Zelebrant war Pater Jonathan Romanoski der Priesterbruderschaft St. Petrus (FSSP), auch sie in exponentiellem Wachstum (Il Timone hat ihr einen Dienst gewidmet in der Nummer vom Juni 2012), die in verschiedenen Ländern die Liebe zur gregorianischen Liturgie verbreitet. Die Bruderschaft ist leider am Mittwoch von einer Tragödie heimgesucht worden: in Phoenix, in den USA, ist ein junger Priester von 28 Jahren ermordet worden im Verlaufe eines Raubüberfalls in der Pfarrei, und einer seiner Mitbrüder ist schwer verletzt worden.

Des jungen getöteten Priesters wurde gestern [12.6.] am Schluss des Römischen Symposiums über die Schönheit der Liturgie gedacht – ein argentinischer Priester, der anwesend war bei der Zusammenkunft, und der ziemlich verbunden ist mit Papst Franziskus, hat das Requiem aeternam angestimmt. (Anmerkung der Redaktion von Messa in Latino)

 

Quelle IL TIMONE

Öffentliche Bittschrift der glaubenstreuen katholischen Familien an Bischof Fellay

ÖFFENTLICHE BITTSCHIFT
DER GLAUBENSTREUEN KATHOLISCHEN FAMILIEN
AN
SEINE EXZELLENZ MONSIGNOR FELLAY
Generaloberer
der Priesterbruderschaft St. Pius X.

Copyright © by <Familles catholiques Fidèles de France>
Erste Auflage : Januar 2014
Verlag Sainte Jeanne d’Arc •Les Guillots • 18260 Villegenon

WIDMUNG

  • An Monseigneur Marcel Lefebve, dem wir fast alles verdanken…
  • Unseren Priestern und unseren treuen Ordensfrauen und -männern, welchen gegenüber wir jeden Tag zu Dank verpflichtet sind
  • und besonders jenen gegenüber, die sich gegenwärtig der Eingliederung in das modernistische Rom widersetzen;
  • Der vorausgehenden Generation, deren erste Kämpfe der Anfänge des Konzils für uns ein Beispiel bedeuten;
  • Den Familien Frankreichs, deren Gebete, Kämpfe und Opfer die Aufrechterhaltung des Glaubens in unserem armen Lande ermöglichen;
  • Den Müttern dieser Familien, welchen so viele Ehemänner, so viele Kinder und so viele Priester ihre täglichen Pflichterfüllung und ihre Treue verdanken;
  • Schließlich, trotz allem, an Monseigneur Fellay, damit er das Vertrauen wiederfinde in den von seinem Gründer gewiesenen Weg, damit er die Nächstenliebe wiederfinde, die Gerechtigkeit und den Sinn der Unterscheidung, und damit er hier mit Geduld und Milde die Not der glaubenstreuen katholischen Familien Frankreichs lese, sowie die Liebe, die sie ihren Priestern erweisen.

ÖFFENTLICHE BITTSCHRIFT

Exzellenz,

Wir sind die glaubenstreuen katholischen Familien Frankreichs.

Wir sind weder 37, noch 70, noch 7000. Wir sind einfach die glaubenstreuen katholischen Familien Frankreichs.

Wir wissen nur eines: unsere Zahl nimmt von Tag zu Tag ein wenig zu, ohne Aufsehen, ohne Lärm, aber in Stabilität. Wenn wir es uns überlegen, erachten wir es als witzig, es wissen zu wollen, wie viele wir sind.

In den Jahren 1960 bis 1970 hatte die Mehrheit der Katholiken den Fehler gemacht,  den modernistischen Bischöfen und Priestern keinen Widerstand zu leisten. Die große Krise der Kirche, die darauf folgte, findet darin einen kleinen Teil ihrer Erklärung. Während heute die Tradition die größten Gefahren läuft, muss sie darüber hinaus die Spannungen und Leiden erdulden, die der Ruhe ihrer Familie schadet. Wir wünschen deshalb, die Lehren der Geschichte zu berücksichtigen und dieses Mal nicht unsere Verpflichtungen zu versäumen.

In der Tat, das Kirchenrecht hält klar fest (entschuldigen Sie, wenn wir es vorziehen, jenes von 1917 zu zitieren): „Die Laien haben das Recht, vom Klerus, gemäß den Regeln der kirchlichen Disziplin, die geistlichen Güter und besonders die notwendigen Hilfe zum Heil zu empfangen.“ (Kan. 682).

Aber vielleicht ziehen Sie, wenn wir Ihren eigenen Äußerungen glauben, das Kirchenrecht von Johannes-Paul II. vor, das bestimmt: „Die Gläubigen haben das Recht und manchmal die Pflicht, den Hirten ihre Meinung über das, was das Wohl der Kirche betrifft kundzutun und es die andern Gläubigen wissen zu lassen“ (Kan. 212).

Nun aber scheinen uns diese Rechte aktuell in Gefahr zu geraten und wir möchten Ihnen unsere Position bekanntmachen.

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. ist ein Werk, das ab initio dazu konzipiert wurde, um der Kirche gute, wohl ausgebildet Priester (wieder) zu geben. Doch diese Rolle ist sehr schnell überholt gewesen durch die Größe der Aufgabe und die zu übernehmenden Stellvertretungen, so sehr hat das II. Vatikanum die Geister deformiert, unsere Religion geändert und den Glauben und dessen Ausübung ihrer Substanz entleert.

Heute kann übrigens kein normal gebildeter Katholik guten Glaubens die Religion seiner Eltern wiedererkennen in der „Lehre“, noch in den vom Vatikan geförderten und erlaubten Praktiken. Der Verfall nimmt zu und jedermann beunruhigt sich und betet.

Jedoch, es ist in diesem Kontext, dass Sie seit einigen Jahren gegen alle Erwartung einen persönlichen Krieg führen, um , – unter irgendeiner Form -, ein Abkommen zu erreichen mit diesen gleichen vatikanischen Autoritäten, die uns verfolgen und uns in eine andere Religion führen wollen.

Wir können es nicht mehr akzeptieren.

Ertragen Sie, Exzellenz, diesen schmerzvollen Ausruf: die FSSPX gehört nicht Ihnen!

Gott hat sich, um dieses Wunder, welches das Werk von Monseigneur Lefebvre darstellt, die Familien-Väter und -Mütter zu Dienste genommen!

Wir sind es, die diesem Werk die mehr-tägliche Mitwirkung unserer Gebete darbringen!

Wir sind es, die großherzig unsere Zeit und unser Geld beitragen!

Wir sind es, die Kampf um Kampf führen, einschließlich gegen uns selbst!

Wir sind es immer noch, die zum Erwerb unserer Priorate, unserer Kapellen, unserer Schulen wie auch ihrem Unterhalt beitragen!

Wir sind es, die öffentlich gegen die antichristlichen Machenschaften unserer Gesellschaft manifestieren!

In fine, Exzellenz, wir sind es, die in der Intimität unserer Familie und mit der Hilfe des Heiligen Geistes, unsere Kinder darauf vorbereiten, die Gnade der Berufung anzunehmen.

Wieviel Ansstrengungen, Opfer und Kämpfe dafür! … Ihre Priester – vor allem jene, die Sie verfolgen -, Ihre Ordensmänner und Ordensfrauen, – vor allem jene, die Sie manipulieren -: sie sind unsere Kinder, Monseigneur!

Darum beschwören wir Sie, hören Sie auf, über das Erbe Monseigneur Lefebvres zu disponieren wie wenn Sie der allein Betroffene wären!

Dies vorausgeschickt, wollen wir nun zum Kern der Sache kommen.

Es gibt heute in Ihren Taten, Ihren Reden oder Ihren Entscheidungen mehr als ein Element der Beschaffenheit, uns zu beunruhigen, ja uns zu schockieren, uns, die glaubenstreuen katholischen Familien Frankreichs. (1)

Ihr Handeln stimmt nicht mehr überein mit dem Geist der (wahren) Kirche, noch von Bischof Lefebvre!

Aber wohin ist Bischof Fellay von einst gelangt?! Jener, dessen Sanftmut und Großherzigkeit die Weisheit und Besonnenheit leuchten ließen?! Was ist mit Ihnen geschehen, Exzellenz?…

Was ist mit dieser Doppelzüngigkeit, diesen pubertären Arrangements mit der Wahrheit?!

Diese Herzenshärte, dieses Beharren im Irrtum, diese Widersprüche, diese Unfähigkeit, sich mit soliden antiliberalen Ratgebern zu umgeben?! Dieser Geist der Spaltung, der sich entwickeln konnte bis dahin, dass er das bischöfliche Kollegium zerbrochen hat, das dem Herzen Ihres Gründers äußerst teuer war (2) ?!

Was ist mit der Art des Behandelns unserer Priestersöhne, wenn sie sich nur gewagt haben, sich zu fragen: Ausspionieren der E-Mail-Konten, Vorgehen von der Schweiz aus bis in unsere französischen Priorate, Heuchler-Urteile, wiederholte Verbannungen, öffentliche Verspottungen, nicht zu rechtfertigende Versetzungen, willkürliche Verbote von Büchern die von diesen Priestern redigiert wurden (3) (4) ?…

Warum diese Machenschaften im Dunkeln, diese üblen Geschäftsverbindungen, diese unheimlichen Advokaten, diese Nähe mit gewissen Freimaurern?!

Und diese speichelleckerischen Höflinge, diese servilen, ganz Ihnen ergebenen Mitarbeiter und ohne jegliches Unterscheidungsvermögen… Schätzen Sie sie wirklich?!…

Und vor allem, aus welchem Grunde diese unverstädliche Anziehungskraft für alles, was glänzt in Rom, bis zur unglaublichsten Verblendung, bis zur Verleugnung selbst dessen, was aus uns glaubenstreue römische Katholiken macht! Wir, wir wollen diese römischen Häresien durch unsere Passivität nicht unterstützen!

Alles dies war nicht auf dem Programm, vor kurzem noch!

Wir seufzen, Monseigneur, wenn wir diese schrecklichen Unordnungen konstatieren!

Sie haben sich verrändert aus Gründen, die nun ihrem Gewissen allein zugehören.

Wir aber, die glaubenstreuen katholischen Familien Frankreichs, wir haben uns nicht geändert. Wir wollen uns nicht ändern!

Wir müssen es nun sagen, auch wenn es uns schwerfällt: wir haben kein Vertrauen mehr in Sie, noch – vor allem! in Ihre Berater, Exzellenz. Wir möchten, dass Sie den Streitwagen der Tradition nicht mehr anführen in den Tumulten unserer Welt in Unordnung. Ein Sinnspruch behauptet indes: „Man weiß, was man verliert, aber man weiß nicht, was man gewinnt“. Wir aber, die glaubenstreuen katholischen Familien Frankreichs werden willig dises zusätzliche Risiko auf uns nehmen… Mit der Hilfe von Monseigneur Lefebvre hoffen wir ohne Furcht, dass Ihr Nachfolger es verstehen wird, die Zügel dieses Werkes zu übernehmen mit den notwenigen Qualitäten.

Nichts Aufrührerisches, nichts Revolutionäres! Keinerlei Respektlosigkeit! Wir sind schlicht die Kinder des Landes, wo die Gläubigen die Kirchen zurückeroberten, die ihnen konfisziert wurden! Wir sind die Erben der Ältesten Tochter der Kirche! Wir sind die Söhne und Töchter der hl. Jeanne d’Arc und von Monseigneur Lefebvre! Unsere Kultur ist nicht jene der Neutralität und des Kompromisses, noch des Materialismus und des Liberalismus.

In dieser Eigenschaft ist es, dass wir gezwungen sind, uns Ihren Versuchen zu widersetzen, sich einem Vatikan in Unordnung anzuschließen! Und dass wir wünschen, den Operationen der Spaltungen, mit welchen Sie Ihr Ziel erreichen wollen, ein Ende zu setzen.

Und wenn wir nun ins Detail eintreten müssen, so, um diese zahlreichen Priester, die Sie schlecht behandeln zu beruhigen, zu unterstützen und zu verteidgen oder jene, noch zahlreicher, die recht denken, die aber in der Furcht Ihrer Rache leben wie auch ihrer materiellen Zukunft, die nur unter vorgehaltener Hand ernst reden.

Noch einmal, und trotz des formellen Anscheins: Es handelt sich hier nicht um eine Attacke ad hominem oder der Respektlosigkeit! Wir haben mehr Respekt für die Bischöfe, die legitim geweiht worden sind von Mgr Lefevre als für irgendeinen anderen Bischof auf der Welt. Wir haben auch ein lebendiges Bewusstsein der Schwierigkeiten Ihrer Aufgabe. Aber leider entsprechen Ihre Wahlen und Ihre Handlungen/Machenschaften nicht mehr den Absichten Ihres Gründers, noch den Bedürfnissen jener, die seine Erben bleiben. Sie säen eine tödliche Spaltung in unsere Geistes-Familie und bringen unseren Glauben und unsere Praktiken in Gefahr. Wir riskieren die Nachlässigkeit/Trägheit/Gleichgültigkeit, den verbitterten Eifer, die Entmutigung…

Ihre Berater lieben es, die Behauptung zu verbreiten, dass wir Gefahr laufen, uns einzuschließen, und sie werden nicht zögern, dieses Argument unserem Brief entgegenzuhalten.

Indes… Nein! Hundertmal nein: wir werden niemals eine „Kleine Kirche“ sein, noch eine Sekte! Als Römische Kathoiliken wollen wir zu dieser kleinen biblischen Zahl gehören, bei der der Glaube bleiben wird. Das ist unser einziger und aufrichtigster Ehrgeiz.

Deswegen sind wir Mgr Lefebre gefolgt. Und darum werden wir Ihnen nicht mehr folgen auf diesem Gebiet.

„Was wichtig ist, ist in der Kirche zu bleiben… In der Kirche, d.h. im katholischen Glauben von immer und im wahren Priestertum und in der wahren Messe und in den wahren Sakramenten, im Katechismus von immer, mit der Bibel von immer. Dies ist es, was uns interessiert. Dies ist es, was die Kirche ist. Öffentlich anerkannt zu sein, das ist zweitrangig.“ (Mgr. Lefebvre am 21. Dezember 1984)

Darum ist es auch, warum wir, die glaubenstreuen katholischen Familien von Frankreich, soviel wir nur können, den Priestern, den Ordensmänner und Ordensfrauen beistehen werden, die sich diesen Versuchen des Anschlusses widersetzen.

Man wird uns entgegenhalten, dass Sie nichts unterzeichnet haben. Wir wissen alle, dass es zweifellos vielmehr dank der Weigerung von Benedikt XVI. war, dass schließlich keinerlei Abkommen unterzeichnet worden ist von Ihnen. Ihre Berater selber verkünden jetzt gegenüber einigen Priestern oder einigen Gläubigen, dass dies geschehen wird (5). Ist es nicht gescheiter, unsere Opposition bekannt zu machen bevor es zu spät ist?…

Gewiss, nicht später als in dieser 3. Woche des Jahres haben Sie Pater Cacqueray versichert, dass Sie nichts ändern werden an der Führungslinie von Mgr. Lefebvre…  Aber während dieser gleichen Woche warnten Ihre Berater Priester in Frankreich, dass, da Rom kein vorausgehendes doktrinelles Abkommen mehr fordere, eine Unterzeichnung möglich sei… Alles dies ist nicht genug klar für die glaubenstreuen katholischen Familie Frankreichs! „Dass euer Ja ein Ja sei…“ jetzt muss das Vertrauen und die Harmonie wiederhergestellt werden, man muss verzeihen, ausästen und konsolidieren. Priester in Foyers senden, damit die Lampe dort nicht unter dem Scheffel bleibe. Solide, feste und treue Priore und Obere ernennen.

Auch muss die Bruderschaft des 21. Jahrhunderts vorbereitet werden! D.h. das Beispiel geben, kämpfen, um den Glauben und die heilige Glaubensausübung zu schützen und aufrechtzuerhalten, in Erwartung, dass die Heilige Vorsehung Mitleid habe und uns endlich die Regierenden und den Papst, den wir erwarten, gewähren.

Es wird auch nötig sein, fast bei Null anzufangen mit der Bildung der Gläubigen, neue Eliten konvertieren, den Geist des Widerstandes den Ordensfrauen neu einflößen (die ganz besonders erschüttert sind), die Bande der Nächstenliebe zwischen den Familien neu schaffen.

Schwere Aufgaben! Sehr konkrete und fern von aller providentialistischen Versuchung!…

Eine gewisse Zahl von Priestern in Frankreich (und in der Welt) haben sich (und ganz kürzlich noch) dem angeschlossen, was man nun „den Widerstand“ nennt.

Noch weitere geben schüchterne Zeichen. Sie mögen alle wahrhaft versichert sein der Unterstützung einer zunehmenden Zahl von Familien, die inskünftig ihre Gebete, ihre Opfer, ihre Arbeiten und ihre finanziellen Gaben ihnen zuwenden werden.

Ein letzter Punkt:

Die glaubenstreuen katholischen Familien Frankreichs bilden einen vielgestaltigen Einflussbereich voll im Wachsen.

Nebst ihrer Anhänglichkeit an Monseigneur Lefebvre haben sie das Gemeinsame, schockiert und erschrocken zu sein über das Abgleiten, das Sie anführen. Da sie keinerlei vertrauesnwürdiges Zeichen von Ihrer Seite erhalten und unter sich Ihre privaten oder öffentlichen Erklärungen mitteilen (eventuell widersprüchlich), verlieren sie das Vertrauen in Sie. Und sie wollen vor allem, zum Beispiel, nicht das Risiko auf sich nehmen, dass ein modernistischer Bischof zu einer kanonischen Visite ihrer Schulen schreitet, um den unheilvollen CEC [Catéchisme de l’Église Catholique] als einzigen Katechismus zu fordern (6) … Und dies wäre nur der Anfang!…

Sie organisieren sich also, diese Familien, auf informelle Art, aber in einer stets strafferen Weise.

Sie begegnen sich, sie tauschen Informationen aus, teilen einander die Predigten mit oder die vertraulichen Mitteilungen der Priester in ganz Frankreich. Sie identifizieren diese Letzteren gemäß ihrer Fähigkeit sich zu schützen, zu widerstehen oder im Gegenteil sich beeinfussen zu lassen oder sich in einem liberalen für sie gefährlichen Konformismus zu halten.

Auch diese Familien formieren sich. Sie arbeiten, um die anderen Familien zu alarmieren, die noch nicht genügend nachgedacht haben.

Gewisse geben sogar Drucksachen (Broschüren/Prospekte) heraus, um den Gläubigen zu erklären, was im Werk von Mgr Lefebre geschieht, um die Krise der Kirche zu erklären oder „die Krise in der Krise“ und um die Wichtigkeit des Christ-Königs in Erinnerung zu rufen (7).

Sie nehmen Kontakt auf mit ihren Prioren, ihren Kaplänen, ihren gewohnten Priestern und teilen Ihnen ihre Entschlossenheit mit.

Schließlich melden sie sich in wachsender Zahl bei den Priestern an, die in Betracht ziehen, dass sie Ihnen nicht mehr folgen können, um sie zu motivieren und gegebenenfalls zu beruhigen bezüglich ihres zukünftigen Lebensunterhalts.

Vor allem haben diese Familien viel gelernt! … Sie beobachten, mit welcher Härte Menzingen fähig ist, jene zu behandeln die sich Ihnen entgegenstellen. Sie haben die technologischen Mittel studiert oder die manchmal unmenschliche Brutalität, die Ihre Höflinge ins Werk setzen können, um Ihre Gegner  aufzustöbern und ihre Glaubewürdigkeit zu untergraben… Sie beherrschen nun die Kunst des Schweigens bis hinein in ihren Austausch.

Keine Vereine mehr! Kein kleiner Chef mehr!  Kein Ehrenrat mehr mit „repräsentativen Persönlichkeiten“! Kein „Komitee Gustave“ mehr, auch kein „Komiee Theodule“! Keine durchlässige Struktur mehr!…

Und alle zusammen haben wir die feste Absicht zu widerstehen, Exzellenz…

Alle zusammen haben wir sehr wohl die Absicht, zu kämpfen, um in Frankreich unsere Priester, unsere Ordensfrauen und vor allem unsere Kapellen und unsere Schulen zu erhalten!

Haben Sie es nötig, als Vergeltung sämtliche glaubenstreuen katholischen Familien Frankreichs der Kommmunion zu berauben? (8)

Es ist uns sehr schmerzlich, auf diese Weise an den Generalsuperior der Priesterbruderschaft St. Pius X. wenden zu müssen, seien Sie überzeugt davon! Aber wir wollen nicht das Risiko eingehen, uns vor vollendeter Tatsache zu befinden.

Wir wollen unsere Priester nicht mehr weinen sehen… Es handelt sich hier nicht darum, eine „Petition“ anzubringen oder zu „manifestieren“, was revolutionäre oder vulgäre Methoden sind, welchen wir nicht anhangen, es handelt sich für uns darum, Zeugnis zu geben von unserem Glauben und unserer Treue. „Sei wachsam und erhalte die Reste, die daran sind zu verderben“ (Apok. III, 2)…

Wir müssen darauf bestehen: wir wünschen nicht, uns den Modernisten unterworfen zu sehen, da wir uns sehr wohl bewusst sind, dass die Heiligste Vorsehung uns alles anerboten hat, wessen wir bedurften, in Erwartung, dass sie uns einen guten Papst und gute Regierende gibt…

Auf den fünf Kontinenten, in welchen das Werk von Mgr. Lefebvre eingepflanzt ist, sind das Unverständnis, aber auch die Angst und die Verbitterung ständig am Zunehmen. Und dies, sowohl bei den Priestern wie bei den Ordensleuten und in den Familien.

Es liegt deshalb auf der Hand, dass Sie Ihre Haltung mildern müssten.

So würden Sie, wenn Sie Ihre Assitenten, die Sie auf so miserable Weise beraten, streng sanktionieren, ein starkes Signal an die weltweite treue katholische Gemeinschaft aussenden.

Sie müssten auch alle diese Priester sanktionieren, die manchmal mit einer Brutalität übler Sorte zugunsten einer Vereinigung mit diesem modernistischen Rom kämpfen.

Über diesen Punkt scheint uns der Fall des Pater Pfluger ausschlaggebend, und wir wollen uns darüber aufhalten.

Wie können Sie diesem Priester die Freiheit belassen, so die Manipulation und die Desinformation der Priester und der Gläubigen zu organisieren?!

Wir haben hundert Beispiele! Wir könnten uns begnügen mit dem Skandal seiner Einkehr mit den Brüdern, um Weihnachten 2013 (9). Ist es annehmbar, dass er dabei die Franzosen verhöhnt „zu maurassisch“ und „zu kartesisch“ zu sein, um sich Rom anzuschließen?! Dass er einem jeden von unseren vier Bischöfen seine guten Punkte und seine schlechten Noten erteilt?! Dass er vor den Brüdern kritisiert und spöttelt über den Distriktoberen von Frankreich? Das ist unannehmbar, Exzellenz! Jedem Satz seiner Rede könnte widersprochen werden vom heiligen Thomas, vom heiligen Ignatius, vom heiligen Pius X., von Don Sarda… die keine Franzosen waren!

Könnte man sich unsererseits nicht fragen, ob der lutherische Einfluss die Tradition in den Kulturen der „angelsächsischen“ Abstammung korrumpiert?!… Es scheint uns, dass seit dem großen Nikolaus von Flüe die Deutsch-Schweizer nicht besonders berühmt sind in den Glaubenskämpfen, Irrtum vorbehalten…

Es ist nicht Pater Pinaud, den man mit „suspens a divinis“ bestrafen musste: es ist vielmehr P. Pfluger, der unzweifelhaft Ihr schlimmster Feind ist! Und mittlerweile raten wir ihm – mit Ihrem Segen – ein Abkommen für sich selbst mit Mgr. Felix Gmür (den er schon kennt), dem Bischof von Basel, von dem Menzingen abhängt, zu schließen, und dass er allein das Experiment mache im Leben einer modernistischen Pfarrei, bevor er uns seinen Bericht macht.

Auf alle Fälle ist dieser Priester nicht der Willkommene in unseren Kapellen in Frankreich, er soll darüber gut informiert werden: es ist keine Frage mehr, dass unsere Kinder sich von neuem in die Falle locken lassen durch seine skandalösen Predigten!

Natürlich, wir, die glaubenstreuen katolischen Familien Frankreichs, wir wünschen überdies, dass Sie um Entschuldigung bitten bei jenen, welche Sie misshandelt haben, dass Sie jenen verzeihen, die Ihnen Unrecht zugefügt hätten und dass Sie sich mit Mgr. Williamson aussöhnen.

Schließlich müssen Sie laut und stark, urbi und orbi verkünden, dass Sie diese Unterschrift nicht aushandeln wollen, da Sie dies hier und dort behaupten, ganz kürzlich noch gegenüber Pater de Caqueray. Wir wollen den Druck aller dieser Widersprüche nicht mehr erleiden, noch den Schmerz aller dieser Spaltungen!

Wir wollen die Sicherheit wiederfinden, welche uns Mgr Lefebvre bot.

Was auch immer Sie tun werden, ein wichtiges Kapitel der Geschichte der Tradition hat soeben begonnen:

Die treugläubigen Familien vereinen sich jetzt, um die heilige Glaubenshinterlage zu schützen und ihren Kindern das weiterzugeben, was sie von Monseigneur Lefebvre erhalten haben.

Am Ende des römischen Reiches, als Frankreich sich in die Finsternisse der schrecklichen Unruhen des IV./V.  Jahrhunderts eingetaucht sah, waren es die Familien, die dem Eindringling und den Häresien Widerstand leisteten, sich schlugen, organiserten und befestigten; indem sie sich zusammenschlossen und sogar Gruppen bildeten, die man die Mesnies nannte. Diese letzteren halfen sich gegenseitig und beschützten einige Priester und Ordensfrauen, die den Gewalttätigkeiten dieser Zeiten entkamen. Sie kämpften und wiederstanden, in der Unabhängigkeit, aber in der Liebe, bis zur Begünstigung der Hervortretens der katholischen königlichen Macht. Sie hatten den Glauben und das Glaubensleben aufrechterhalten, indem sie ihre Kinder und den Klerus schützten… Wir erleben scheinbar diese Zeiten von neuem… Die glaubenstreuen katholischen Familien Frankreichs werden ihre Rolle spielen, seien Sie dessen gewiss, Exzellenz: Der heilige Papst Pius X. hat es uns angekündigt (10)…

FUSSNOTEN: (Gewisse enthalten wichtige Informationen.)

1) Es ist nicht nötig, alles hier zu zitieren: die Presse und das Internet sind voll von Beweisen Ihrer Widersprüche. Sie sind nicht alle einer Anpassung Ihrer Rede gemäß Ihren Gesprächspartnern zuzuschreiben, sondern einer wirklichen Variation ihrer Beteuerungen. Wenn man schnell machen will, um sie zu entdecken, kann man sich damit begnügen, dieses gut verfasste, respektvolle und sehr aussagekräftige Dokument zu lesen,: „Offener Brief der 37 Priester der FSSPX an Mgr Fellay“: http://img90.xooimage.com/files/e/a/a/lettre_ouverte_de…r_fellay-3c5b0fd.pdf

2) Der Rauswurf des Bischofs Williamson hat wohl bewirkt, dass sich Mgr Lefebvre in seinem Grab umgedreht hat. Jedoch, kurz nach seinem Ausschluss wagten Sie bei der Versammlung der Priore Frankreichs dies zu beteuern: „Ich habe eine große Achtung für Mgr Williamson, ja sogar eine Bewunderung; er hat geniale Einfälle im Kampf gegen Vatikan II; es ist ein großer Verlust für die Bruderschaft, und er geschieht im schlimmsten Moment…“ (November 2012 in Paris). Diese doppelzüngige Sprache ist uns wahrhaftig nicht verständlich!

3) Pater Pivert ist ein guter treuer Priester der FSSPX, ein Ältester der ersten Stunde, von beispielhafter Würde und von immensem Wissen. Warum diesen guten Priester öffentlich verspotten und bedrohen wegen seines interessanten Werkes: „Unsere Beziehungen mit Rom“ [Nos rapports avec Rome]? Oder sogar Druck und Drohung der Absetzung auf seinen Oberen, Pater de Cacqueray, ausüben, dessen Denken immerhin richtig ist und der (für den Moment) unsere Unterstützung genießt… Aber auf der anderen Seite niemals gleich gehandelt zu haben gegen den unheimlichen Pater Cellier, dessen sämtliche Bücher und die verschiedenen Pseudonyme wahrhaftige Skandale sind, die uns beschämen! Allein schon diese Parteilichkeit genügt, um allen einen gewissen parteilichen Geist zu beweisen.

4) Ein „interner Brief“ von Ihrem Sekretär am 20. Dezember 2013 adressiert an die Oberen der Distrikte, der Seminare und der autonomen Häuser (aber vermutlich verfasst von einem der umstrittensten Priester Frankreichs, mit Assistenz eines durch seinen Liberalismus bekannten Gläubigen), hat es übernommen, das Werk von Pater Pivert zu kritisieren. Dies ist auf eine so unbeholfene, unehrliche und mit Kostenfolgen erfolgt, dass zahlreiche Priester sich darüber aufgeregt haben. Zu merken: dass sich der Distrikt Frankreichs wegen dieser ungeschickten Kritik erbosten, haben Sie Pater de Caqueray einen Brief geschickt, um sie zu relativieren! … Stets diese Doppelzüngigkeit, die unser Verständnis stört…

Zur Information: eine beachtenswerte „Kritik der Kritik“, verfasst von einigen Familien, ist nun in Frankreich im Umlauf. Zu bestellen beim Verlag [Éditions] Sainte Jeanne d’Arc.

5) Vor einigen Wochen beteuerte Pater Pfluger einem französischen Priester: „Noch vor dem Sommer, das ist gewiss, werden wir unterschrieben haben mit Rom“. Was unterschrieben haben? Wir, die treugläubigen katholischen Familien Frankreichs, wir möchten dies wissen!…

6) Wie dies übrigens den Ex-Priestern der FSSPX geschehen ist, welche sich dem modernistischen Rom angeschlossen und das Institut des Guten Hirten [du Bon Pasteur] gegründet haben. Auf eine kanonische Visite von Mgr Pozzo im Jahr 2012 hat er von ihnen namentlich eine bessere Zusammenarbeit mit den diözesanen Priestern und Bischöfen verlangt… Gewisse dieser Angeschlossenen gestehen hinter vorgehaltener Hand, dass sie einen Fehler gemacht haben, dass sie es bereuen, und uns gerade empfehlen, diesem Projekt zu widerstehen.

7) Einer Ihrer Assistenten, Pater Pfluger, antwortete einem englischsprachigen Gläubigen, der seine Studien der Lehre über Christus, den König, erwähnte: „Ah! Aber das interessiert uns nicht! Diese Doktrin betrifft nur die Franzosen!“ Hat dieser Pater die Enzyklika Quas primas Papst Pius XI. gelesen? Und die Enzyklika Summi pontificatus Papst Pius XII.? Hat er Mgr Lefebvre gelesen?

8) Denn in der Tat scheint diese Bedrohung in Mode zu kommen… Jedoch: 1) Sie ist nicht erlaubt; 2) Es handelt sich nicht darum, die FSSPX zu kritisieren, sondern jene, die versuchen, sie zu entstellen und sie dem modernistischen Rom einzugliedern; 3) Und in allen Fällen, die FSSPX ist ein Werk der Kirche, keine Sekte, und die Kritik ist in ihr nicht an sich unannehmbar!

9) Diese Serie von Ansprachen, gehalten in Flavigny im Rahmen einer Einkehr, ist schrecklich schockierend und zeigt sogar eine Anzahl wichtiger Häresien! Gewisse Brüder haben ihren Eltern gestanden, dass sie zutiefst destabilisiert wurden. Andere, sehr bedauerlicherweise, haben sich vollkommen desinformieren lassen. Der Obere des Distrikts in Frankreich wird gezwungen sein, die Schäden zu reparieren!

10) Was soll ich Euch nun sagen, Euch, geliebte Söhne Frankreichs, die ihr unter der Last der Verfolgung leidet? Das Volk, das ein Bündnis geschlossen hat mit Gott beim Taufbrunnen von Reims wird Reue erwecken und zu seiner ersten Berufung zurückkehren. Die Verdienste so vieler ihrer Söhne, welche die Wahrheit des Evangeliums in fast der ganzen Welt predigten und von welchen viele dies mit ihrem Blut besiegelt haben, die Gebete so vieler Heiliger, die brennend verlangen,  in der Himmlischen Glorie die vielgeliebten Brüder ihres Heimatlandes als ihre Gefährten zu haben, die großherzige Frömmigkeit so vieler ihrer Söhne, die, ohne sich aufzuhalten bei irgendeinem Opfer, für die Würde des Klerus und den Glanz des katholischen Kultes sorgen, und, über allem, das Wimmern so vieler kleiner Kinder, die, vor den Tabernakeln, indem sie ihre Seele in Ausdrücken ausschütten, die Gott selber auf ihre Lippen legt, gewiss auf diese Nation die göttlichen Barmherzigkeiten herabrufen werden. Die Vergehen werden nicht unbestraft bleiben, aber sie wird niemals untergehen, die Tochter so vieler Verdienste, so vieler Seufzer und so vieler Tränen. Ein Tag wird kommen, und wir hoffen, er sei nicht sehr fern, wo Frankreich, wie Saulus auf dem Weg nach Damaskus, von einem Himmlischen Licht eingehüllt werden und eine Stimme vernehmen wird, die ihr wiederholen wird: „Meine Tochter, warum verfolgst du Mich?“ Und, auf ihre Antwort: „Wer bist Du, Herr?“, wird die Stimme antworten: „Ich bin Jesus, den du verfolgst. Es wird dir schwer, dich dem Stachel zu widersetzen, weil du in deinem Eigensinn dich selbst zugrunde richtest.“ Und sie, zitternd, erstaunt, wird sagen: „Herr, was willst Du, dass ich tue?“ Und Er: „Steh auf, wasche dich von deinen Befleckungen, die dich entstellt haben, erwecke in deinem Innern die eingeschläferten Gefühle und den Pakt unseres Bundes, und geh, Älteste Tochter der Kirche, vorherbestimmte Nation, Gefäß der Auserwählung, geh und bring, wie in der Vergangenheit, Meinen Namen vor alle Völker und vor die Könige der Erde“. (Ansprache vom 29. November 1911)
Anlässlich der Seligsprechung von Jeanne d’Arc, sprach der heilige Pontifex auch diese folgenden Worte:
„Ich habe nicht nur die Hoffnung, ich habe die Gewissheit des vollen Triumphes… Ich bin befestigt in dieser Gewissheit durch den Schutz der Märtyrer, die ihr Blut für den Glauben gegeben haben, und durch die Fürsprache der Jeanne d’Arc, die, da sie im Herzen der Franzosen lebt, ebenfalls ohne Unterbruch im Himmel das Gebet wiederholt: Großer Gott, rette Frankreich!“

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Aus dem Französischen übersetzt von mir [POS]

Was der Rosenkranz vermag – Fatima – Portugal

Lucia-v-Fatima-Die-allerseeligste-Jungfrau

Aus einer Predigt von Pater Stefan Dreher, FSSP

Es ist bekannt, daß sich der Rosenkranz nach der An­sicht vieler und namentlich nach der Überzeugung des heiligen Papstes Pius V. als ein starker Helfer in der mittelalterlichen Türkennot erwiesen hat. Viel weniger wird dagegen beachtet, daß sich der Rosenkranz auch in unserer Zeit als der Retter eines ganzen Landes be­währt. Daß dies wirklich der Fall ist, zeigt ein Blick auf Portugal vor und nach dem Jahre 1917, vor und nach den Erscheinungen von Fatima.

1. Vor dem Jahre 1917 besaß Portugal den traurigen Ruf, unter den christlichen Staaten dasjenige Land zu sein, das in der Loslösung von allen religiösen und kirchlichen Bindungen am weitesten fortgeschritten war. Schon seit zwei Jahrhunderten bildete Portugal einen Hexenkessel, in dem Bürgerkrieg und Revolutionen bro­delten, Königtum und Freistaaterei sich ablösten und die katholische Kirche einmal mehr und einmal weniger, offen oder versteckt, ständig verfolgt wurde. Als dann im Jahre 1910 mit dem Sturz des Königtums die Frei­maurerei ans Ruder kam, brachen für die Kirche trost­lose Zeiten an. Manche Gotteshäuser wurden geschändet oder zerstört, Bischöfe ausgewiesen, die Klöster aufge­hoben und beschlagnahmt, die Pfarrer aus den Pfarr­häusern vertrieben. Der Religionsunterricht in den Schu­len war verboten, und die Kinder mußten bei öffentlichen Umzügen große Spruchbänder tragen mit der Aufschrift: „Weder Gott noch Religion“. Die Kirche war zum Kehricht geworden, und es schien, daß jener Freimaurer recht behalten sollte, der bereits im Jahre 1911 im stol­zen Vorgefühl des Sieges verkündete, die katholische Kirche in Portugal werde innerhalb zweier Generationen vollständig ausgeschaltet sein. Die Tatsache, daß das Land von 1911 bis 1916, in fünf Jahren, acht Staatsoberhäupter und vierundzwanzig Regierungen verbrauchte, sei nur am Rande vermerkt, zeigt aber mit aller Klarheit, daß Portugal immer hoffnungsloser und immer schneller der vollständigen Zerrüttung entgegenging. So war es vor 1917.

2. Mit dem Jahre 1917, nach den Erscheinungen zu Fatima, trat dann eine langsame, aber stetige Wendung zum Besseren ein. Schon zwei Jahre vorher hatte sich eine Vereinigung gebildet, die sich „Kreuzzug des Ro­senkranzes“ nannte, eine Vereinigung, deren Mitglieder durch ihr eifriges Rosenkranzgebet den Himmel durch die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau um die Ret­tung von Kirche und Vaterland bestürmen wollte. Und als dann Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz, wie sie sich selbst in Fatima nannte, bei allen sechs Erscheinun­gen zum täglichen Rosenkranzgebet eindringlich mahnte, da fand ihr Ruf im gläubigen Volke einen nachhaltigen Widerhall. Portugal wurde, so darf man wohl sagen, zu einem Lande des Rosenkranzes. Das Rosenkranzge­bet, das von 1917 ab in Fatima selbst sozusagen bei Tag und Nacht nicht mehr verstummte, wird seitdem land­auf und landab von Ungezählten ohne Unterlaß ver­richtet, und unter seinem Einfluß setzte eine Umwand­lung der Herzen ein. Portugal erlebte eine religiöse Auf­erstehung, die langsam auch auf das öffentliche Leben übergriff. Die kirchenfeindlichen Gesetze wurden nach und nach aufgehoben, die Ordensleute kehrten zurück. Die Berufe zum Priesterstand nahmen gewaltig zu. Die katholische Presse entwickelte sich zu hoher Blüte. Auf­sehenerregende Bekehrungen fanden statt. Mannhafte Katholiken übernahmen die Staatsführung. Die Kirche erhielt die volle Freiheit zurück. In Portugal, wo die katholische Kirche innerhalb zweier Generationen ver­schwinden sollte, ist sie heute im Volke fester denn je verwurzelt, während die Freimaurerei, ihre einst mächtige Gegnerin, zur Einflußlosigkeit verurteilt ist. Mit Recht schrieben die portugiesischen Bischöfe 1942 in einem gemeinsamen Hirtenbrief über Fatima: „Wer vor fünfundzwanzig Jahren die Augen geschlossen hätte und sie heute wieder öffnen würde, könnte Portugal nicht wiedererkennen, so tief und durchgreifend ist die Umwandlung, die durch die stille und unsichtbare Wirkkraft der Erscheinung der Königin des heiligen Rosenkranzes hervorgerufen wurde.“

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Anmerkung der Redaktion: Und wie steht es heute, was ist inzwischen – seit dem II. Vatikanischen Konzil – geschehen?

Le Courrier de Tychique N° 482 – Ein immenses Leiden!

LE COURRIER DE TYCHIQUE

Correspondance à adresser à
M. Jean Marc Chabanon
168, Route du Grobon – 01400 – Châtillon-sur-Chalaronne

N° 482

Sonntag, 19. Januar 2014, 2. Sonntag nach Epiphanie

Ein immenses Leiden !

Was nach menschlichem Ermessen unmöglich schien, ist im Begriffe, sich zu verwirklichen.

Unmöglich ist es den von Mgr. Lefebvre geweihten Priestern, seine Lehre zu verraten und auf seinen Kampf zu verzichten! Unmöglich für drei von ihm geweihte Bischöfe, dass einer von ihnen das lehrt, was Mgr. Lefebvre verurteilte und dass die zwei andern schweigsam bleiben und demnach Komplizen sind…  und übrigens den Ausschluss des vierten gutheißen wegen Treue gegenüber seinem Weihenden! Unmöglich auch, dass so viele Leiden, soviel schwere Arbeit, soviel Mut, soviel Großherzigkeit und oft soviel Tränen… so munter vergessen sind und verachtet. Unmöglich schließlich dass eine wilde Autorität wütend über eine Einheit herrschen kann, die sich noch mit dem Titel „Bruderschaft“ schmückt, während gewisse delikate Situationen ohne die geringsten Zeichen der Aufmerksamkeit, des Verständnissen, und um alles zu sagen… der christlichen Nächstenliebe behandelt werden! Und doch ist es ebendies, was zu geschehen im Begriffe ist, was den Untergang eines Gebäudes provoziert, das man für unsinkbar hielt.

Der Untergang…

Nur noch die Blinden können sich dessen nicht bewusst werden!  Gewisse freuen sich darüber: sie sind am Ränkespiel beteiligt seit Jahrzehnten. Am 16. September 1987 (also vor 27 Jahren!) schrieb mir Mgr Lefebvre: „Ich bin völlig einverstanden bezüglich dieser gefährlichen Infiltration. Ich spüre sehr wohl, dass eine heimtückische Aktion im Gange ist, um den Block der katholischen Tradition zu ruinieren“ (Handgeschriebener Brief: Faksimile S. 134 meines Buches). Die „heimtückische Aktion“ hat demnach ihr Ziel erreicht. Man muss es sehr bedauern, dass zu jener Zeit, als wir einige waren, welche „Achtung – der Wolf!“ riefen, wir uns heruntermachen ließen… und sogar auch viel später!… Wir wurden angeschaut als gefährliche Störenfriede! Ich habe schwer darunter gelitten im Jahr 2010!

Im Geiste von Mgr. Lefebvre, war die FSSPX der „Block der katholischen Tradition“. Dieser Block ist ruiniert!  In seiner Mitte vervielfachen sich die Verrate, die Verfolgungen, die Ausschaltung/Ausschlüsse und Versetzungen. Es vergeht keine Woche, ohne dass neue Fälle offenbar werden, so sehr, dass es schwierig wird, sie zu zählen! Und es ist nicht das Ende… Welch ein Elend! Welch ein Albtraum! Und hier, was Mgr. Fellay in Kansas City (11-13. Oktober 2013) erklärt hat: „Wenn man sieht, was sich jetzt ereignet, danken wir Gott, danken wir wahrlich Gott, uns bewahrt zu haben vor jeglicher Form eines Abkommens im vergangenen Jahr. (…) Stellt euch vor, dass gewisse Personen fortfahren zu behaupten, dass wir immer noch versuchen, mit Rom ein Abkommen zu bekommen… die Armen! Ich fordere sie auf, zu beweisen, was sie vorbringen“.  Man bleibt also verdutzt vor dem Schicksal, welches den Priestern vorbehalten ist, die eben genau gegen diese Wiedervereinigung sind! Wie kann der Generalobere der Brudrschaft „Gott danken, bewahrt worden zu sein vor jeglicher Art Abkommen“, wenn er in Wirklichkeit enttäuscht war, dass das Abkommen nicht unterzeichnet wurde! Hatte er nicht geschrieben, dass er „leider“ das Abkommen nicht unterzeichen konnte mangels eines Konsenses innerhalb der Bruderschaft?…

Leider!…

Jedoch!

Am Folgetag des 30. Juni 1988 – glorreichen Andenkens – begaben sich mehrere traditionalistische Priester nach Rom, um der konziliaren Kirche den Treueeid zu schwören, womit sie an Mgr. Lefebvre Verrat übten, dem die meisten ihr Priestertum verdankten. Am 5. und 6. Juli trafen sie den Papst und Kardinal Ratzinger – damals Präfekt der Glaubenskongregation – sowie Kardinal A. Meyer, den neuen Präsidenten der römischen Komission für die Bearbeitung der Fragen bezüglich der katholischen Tradition. Am 18. Juli gründeten sie in der Zisterzienserabtei Hauterive die „Petrusbruderschaft“, zu deren Generaloberer Pater Joseph Bisig gewählt wurde und die Patres Denis Coiffet (Frankreich) und Gebriel Bauman (Schweiz) zu seinen Assistenten. Mr. Fellay, damals Distriktoberer der Schweiz, war darob sehr betrübt. Er richtete einen Brief an die Schweizer Priester der FSSPX. Einer dieser Priester schickte mir eine Fotokopie… Davon einige Auszüge:

„Eine sehr traurige Nachricht ist mir gestern Abend zugegangen: zwei Schweizer Priester der Bruderschaft St. Pius X.  haben uns definitiv verlassen, und einer, der dritte, ist im Begriffe, ihnen nachzufolgen.  Sie haben nicht mehr und nicht weniger als die Absicht, die Bruderschaft „fortzuführen“, die sich, gemäß ihnen, aktuell ohne Kopf befindet (…)

„Wie man es erwarten konnte, Rom „schnürt das Paket“ in seiner Operation der Zurückgewinnung und der Teilung/Spaltung (…) Man verlangt von ihnen nur, das Protokoll vom 5. Mai zu unterschreiben und ihre Treue gegenüber dem Heiligen Stuhl zu erklären, mit der Anerkennung, dass Mgr Lefebvre im Schisma ist; man verspricht ihnen, in Kürze die  Bruderschaft St. Petrus zu errichten, die päpstlichen Rechts sein werde (die Unterstreichung ist von mir), deren Statuten nichts anderes als jene unserer Bruderschaft sein würden. (…)

„Trotz aller Lektionen der Vergangenheit haben sich unsere lieben und bedauerlichen obenerwähnten Mitbrüder in die Falle ziehen lassen, eine schöne Falle, muss man anerkennen, und unglücklich machen sie sich zu Instrumenten der Spaltung (…) Die Falle ist gut gelegt: trennt Euch von Mgr Lefebvre, dem ihr alles verdankt; wir gewähren euch, was ihr wünscht, aber unterwerft euch uns, die wir den Ökumenismus fördern, eine neue Sicht auf das Judentum und den Islam, die Menschenrechte und die neue Messe, die neuen Katechismen und das neue Kirchenrecht! Wer sieht nicht, auf was hinaus dieses neue Unternehmen schließlich läuft? Früher oder später wird es Konfrontation zwischen der römischen Autorität und den Mitgliedern der Petrusbruderschaft geben… und wer wird nachgeben?… Es ist nicht schwer es vorauszusagen… Es wird viele Tränen geben auf diesem Wege. (…)

Es ist ein bloßes und einfaches „Ausschneiden und Einfügen“ (copy and paste) alles dessen, was Mgr. Fellay selber vorgelegt/vorgeschlagen wurde! Hat er sich nicht daran erinnert?

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Aus dem Französischen übersetzt von mir [POS]

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Haben Sie an der UMFRAGE schon teilgenommen?

Pater Matthias Gaudron FSSPX versus Pater Engelbert Recktenwald FSSP

Ich drucke im Nachfolgenden einen Artikel aus dem Mitteilungsblatt der FSSPX (November 2013) ab, dem ich vollends zustimme.

Vieles verbindet mich gewiss in Dankbarkeit persönlich mit der Petrusbruderschaft, vor allem ihr pastorales Wirken auf St. Pelagiberg/TG (derzeit Pater Stefan Dreher) und in der Klosterkirche Wonnenstein, Niederteufen/AR bei St. Gallen (Patres des Distriktsitzes in Wigratzbad) und im Kleinen Kongresshaus in Gossau/SG (Pater Bernhard Kaufmann). Das heißt aber nicht, dass ich mit allem einverstanden bin, was Autoren der FSSP an theologischen Stellungnahmen u.a. auf dem „Portal zur katholischen Geisteswelt“ veröffentlicht haben. Vor allem Pater Dr. Martin Lugmayr hat sich schon „mit vollkommenem Unsinn“ ausgezeichnet.

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Tradition und Lehramt

Eine Antwort auf P. Recktenwald von P. Matthias Gaudron

Fortsetzung

Die Religionsfreiheit

Die Erklärung über die Religionsfreiheit Dignitatis humanae des II. Vatikanums lehrt in der Nr. 2 ein Recht aller Menschen auf Nichtbehinderung bei der privaten und öffentlichen Ausübung der Religion. Dieses Recht auf freie öffentliche Religionsausübung wird im „Katechismus der katholischen Kirche“ Nr. 2106 sogar als Naturrecht bezeichnet. Während nach der traditionellen Lehre der Kirche der Staat das Recht hatte, das öffentliche Auftreten einer Sekte oder falschen Religion einzuschränken oder zu verbieten, hat er dieses Recht nach dem II. Vatikanum nicht, sondern würde damit sogar gegen ein menschliches Grundrecht verstoßen. Genau hierin liegt der Widerspruch.

P. Recktenwald macht es sich sehr einfach, wenn er der Piusbruderschaft vorwirft, nur „eine Momentaufnahme der Lehrentwicklung aus dem 19. Jahrhundert“ als unaufgebbar festhalten zu wollen. In Wirklichkeit hat die Kirche ihre ganze Geschichte lang es als normal betrachtet, dass der Staat mit ihr zusammenarbeitet. Prof. Georg May schrieb darum 1993 in einer Rezension: „Mit der Erklärung ,Dignitatis humanx‘ desavouiert die Kirche [… ] ihre ganze Geschichte.“ In der Tat folgt aus der Erkhumanae der Religionsfreiheit und der Lehre des „Katechismus der katholischen Kirche“, dass die Kirche vom 4. Jahrhundert an das Menschenrecht auf Religionsfreiheit verletzt hat. Nachdem die Kirche unter Kaiser Konstantin die Freiheit erlangt hatte, hat sie nämlich versucht, die Irrlehrer auch mit Hilfe der staatlichen Gewalt zurückzudrängen. Die Kirchenväter waren einmütig der Meinung, dass die Staatsmänner die Kirche schützen und verteidigen sollten. Der Apostel Deutschlands, der hl. Bonifatius, hätte ohne die Hilfe der weltlichen Gewalt sein Missionswerk nicht in der Weise vollbringen kön­nen, wie er es faktisch getan hat. Es war erst Recht die allgemeine Lehre im Mittelalter, dass der christliche Fürst die Kirche schützen und fördern soll.

Zweifellos gab es Zeitbedingtes in den verschiedenen Formen, in denen sich die Zusammenarbeit von Kirche und Staat verwirklichte. Aber die neueren Päpste, wie Leo XIII. in Immortale Dei, Pius XI. in Quas primas oder Pius XII. in der Ansprache Ecco che gia un anno, haben gerade die nicht zeitbedingten Prinzipien des Verhältnisses von Kirche und Staat herausgearbeitet.

Hier wird nun wirklich die Unfehlbarkeit der Kirche berührt. Ist es möglich, dass die Kirche in einer so wichtigen Frage des Naturrechts fast ihre ganze Geschichte lang irrte und die christlichen Fürsten zu Unrechtstaten aufrief? Die konservativen Verteidiger der Religionsfreiheit scheuen diese KonsequenZ, die aber eine Forderung der Logik ist: Wenn die Erklärung über die ReligionsfrKonsequenz II. Vatikanums Recht hat, dann hat die Kirche ihre ganze Geschichte hindurch in dieser Frage wenigstens objektiv — subjektive Entschuldigungsgründe sind natürlich möglich — gegen die Gerechtigkeit gesündigt. P. Recktenwald ist bereit, die gesamte Kirchengeschichte ins Unrecht zu setzen, um eine „Erklärung“ des Konzils — wohl der geringste Autoritätsgrad, mit dem sich ein Konzil äußern kann — zu retten.

Das Mindeste, was man zugeben muss, ist doch, dass hier ein Problem besteht. Prof. Brunero Gherardini gab deshalb dem entsprechenden Kapitel seines Buches „Das Zweite Vatikanische Konzil — ein ausstehender Diskurs“ den Titel: „Das große Problem der Religionsfreiheit“. Dieses Problem zeigt sich auch in dem uneinheitlichen Bild, das die Befürworter der Reli­gionsfreiheit abgeben, wenn es um die Frage geht, ob die neue Lehre des Konzils einen Bruch mit der Vergangenheit der Kirche darstellt oder nicht, und wenn nicht, wie der scheinbare Widerspruch zu lösen ist. Während die einen diesen Bruch offen zugeben, wie z. B. Yves Congar, Courtnay Murray oder Hans Küng, behaupten andere entweder bruchlose Kontinuität oder versuchen die Lehre des 2. Vatikanums mit der Lehre der früheren Päpste zu harmonisieren, wie Basil Valuet oder Bertrand de Margerie. Der Opus Dei Theologe Martin Rhonheimer verwirft diese Vermittlungsversuche wieder und behauptet eine „Kontinuität der Reform“, d. h. einen Bruch bei gleichzeitiger Bewahrung der tieferen Prinzipien. Wieso gehen die Verteidiger der Religionsfreiheit so unterschiedliche Wege, wenn es hier kein Problem gibt?

Wenn P. Recktenwald gegen Ende seiner Ausführungen zudem nahe legt, die traditionelle Lehre würde die blutige Verfolgung Andersgläubiger gutheißen, ist das eine billige Polemik, wie man sie sonst nur von kirchenfeindlichen Journalisten kennt. Pius XII. hat Tausende von Juden gerettet und trotzdem die traditionelle Lehre über das Verhältnis von Kirche und Staat aufrechterhalten. Angesichts solcher haarsträubender Äußerungen fragt man sich, ob P. Recktenwald die traditionelle Lehre überhaupt verstanden hat.

Der Ökumenismus

Die neue positive Sicht der anderen Konfessionen und Religionen steht nicht nur im Gegensatz zu einer einzigen Enzyklika von 1928, wie P. Reckenwald verharmlosend meint, sondern im Widerspruch zur Heiligen Schrift und der gesamten Tradition der Kirche. Wo findet sich in der Heiligen Schrift ein Lob auf die positiven Elemente der heidnischen Religionen?

Schon die Apostel warnen vor den Irrlehrern, die in die christlichen Gemeinden einzudringen versuchten, und diese Warnung hat die Kirche ihre gesamte Geschichte hindurch fortgesetzt. Gegen das Argument, dass die Häretiker doch in vielen Punkten mit uns übereinstimmen, schrieb schon Augustinus: „In vielem sind sie mit mir, in wenigem sind sie nicht mit mir; aber wegen dieses Wenigen, in dem sie nicht mit mir einig gehen, nützt ihnen das Viele nichts, worin sie mit mir sind.“

Wenn es im Ökumenismusdekret Nr. 3 heißt: „Der Geist Christi hat sich gewürdigt, sie [gemeint sind die getrennten Kirchen und Gemeinschaften] als Mittel des Heils zu gebrauchen“, dann ist das eine Ungeheuerlichkeit. Die getrennten Gemeinschaften sind niemals Mittel des Heils. Wenn der Heilige Geist in Mitgliedern dieser Gemeinschaften wirkt und diese Menschen in der Gnade sind, dann nur, weil sie es nicht besser wissen und darum schuldlos an ihrer Trennung vom Leib der Kirche sind. Nach katholischer Lehre können diese Andersgläubigen zur Seele der wahren Kirche gehören. Hier handelt es sich aber immer nur um Einzelne, die nichtkatholischen Konfessionen als solche führen nicht zur wahren Kirche hin, sondern von ihr weg.

Noch weiter geht das Dokument Dialog und Mission des päpstlichen Sekretariats für die Nichtchristen vom 10. Juni 1984, also immerhin ein offizielles Dokument des Vatikans. Hier heißt es in Nr. 1, mit dem 2. Vatikanischen Konzil, habe „ein neuer Abschnitt“ in den Beziehungen der Kirche zu den Anhängern der anderen Religionen begonnen. Diese neue Haltung habe den Namen „Dialog“ erhalten (Nr. 3). Der Dialog bezeichne „nicht nur das Gespräch, sondern auch das Ganze der positiven und konstruktiven Beziehungen zwischen den Religionen, mit Personen und Gemeinschaften anderen Glaubens, um sich gegenseitig kennenzulernen und einander zu bereichern“. In Nr. 13 heißt es: „Dann ist da der Dialog, bei dem die Christen den Anhängern anderer religiöser Überlieferungen begegnen, um gemeinsam auf die Wahrheit zuzustreben(!) und bei Werken von gemeinsamem Interesse zusammenzuarbeiten.“ Wenn sich Gott also auch in anderen Religionen geoffenbart hat, wenn die Katholiken mit den Nichtchristen gemeinsam auf die Wahrheit zustreben und es hier eine gegenseitige Bereicherung gibt, dann hat die Kirche offenbar ihren Absolutheitsanspruch aufgegeben!

Der ganze Ökumenismus hat die Protestanten der katholischen Kirche nicht näher gebracht, sondern im Gegenteil die Katholiken protestantisiert. Auch unter Katholiken ist heute die Meinung weit verbreitet, es sei letztlich egal, welcher Konfession oder Religion man angehöre.

Oft genug wird zudem deutlich gesagt, dass es beim Ökumenismus nicht um die Rückkehr der Getrennten zur Kirche geht: Im ökumenischen Katechismus, zu dem Erzbischof Degenhardt ein Geleitwort schrieb und der auch von anderen katholischen Bischöfen hohes Lob erhielt, heißt es z. B.: „Ziel ist nicht Rückkehr, vielmehr Gemeinschaft von Schwesterkirchen; Einheit in versöhnter Verschiedenheit; Einheit der Kirchen — die Kirchen bleiben und eine Kirche werden.“ Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller bezeichnete am 11. Oktober 2011 die „Rückkehrökumene“ sogar als „abwegig“. Er ist heute Präfekt der Glaubenskongregation. Im selben Monat sprach auch der zum Erzbischof von Berlin berufene Bischof Rainer Maria Woelki davon, dass „die katholische Seite sich von einer Rückkehrökumene“ verabschiedet habe.

Die neue Messe

P. Recktenwald gibt zu, dass „die Liturgiereform auch von ökumenischen Motiven bestimmt“ war. Man kann das auch noch deutlicher ausdrücken. So stellt der neue Messritus von 1969 nach dem Urteil der Kardinäle Ottaviani und Bacci „sowohl im Ganzen wie in den Einzelheiten ein auffallendes Abrücken von der katholischen Theologie der hl. Messe dar“. Alle Änderungen sind darauf hingeordnet, den Gedanken an das Opfer zu unterdrücken und sich dafür einer Abendmahlfeier im protestantischen Sinn anzunähern.

Auch der Liturgiewissenschaftler Alcuin Reid sagte in einem Interview 2011: „Der Ordo Missae von 1969 […] ist eine Neuschöpfung des Consiliums. Er bewahrt zwar noch mehr, als man eigentlich bewahren wollte, denn Paul VI. lehnte das Ansinnen des Consiliums ab, den Römischen Kanon, das Orate Fratres sowie das Kreuzzeichen am Anfang der Messe abzuschaffen. […] Ich bin kein ‚Traditionalist‘. Ich bin katholisch. Außerdem bin ich Liturgiehistoriker. Und in dieser Eigenschaft kann ich sagen, dass es Anzeichen gibt, die darauf hindeuten, dass die für die Reform Verantwortlichen einen Bruch im Sinn hatten — sowohl in theologischer als auch in ritueller Hinsicht. Das, was durch die Tradition überliefert war, wollten sie nicht. Sie wollten das auch nicht weiterentwickeln. Sie wollten etwas Neues, etwas, das den ,modernen Menschen‘ der sechziger Jahre widerspiegelte und was dieser ihrer Meinung nach brauchte. Das ist eine historische Realität und kein kirchenpolitischer Standpunkt. Daher stimmen Liturgiker ,beider Seiten‘ darin überein, dass die Reform eine radikale und ein Bruch gewesen ist. Als Katholik betrachte ich das als ein erhebliches Problem, da es in der Liturgiegeschichte beispiellos dasteht und eben nicht das ist, wozu das Konzil — aus Achtung vor der liturgischen Tradition — aufgerufen hat.“

Es ist richtig, dass der neue Messritus nicht in sich häretisch ist, aber dass er unzählige Katho­liken in die Häresie geführt hat, ist unbestreitbar. Wie viele Katholiken glauben noch an das Opfer der Messe, die wirkliche Gegenwart Christi in der Eucharistie, die besondere Gewalt des Weihepriestertums? Zweifellos sind die schlechten Tendenzen des neuen Messritus in der Praxis noch verstärkt worden, aber zu behaupten, die Reformen hätten mit den schlechten Früchten nichts zu tun, heißt, die Augen vor der Realität verschließen.

Das Wort Christi vom Baum und seinen Früchten kann man sowohl auf das Konzil als auf die Liturgiereform anwenden: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Sammelt man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen? Jeder gute Baum bringt gute Früchte, ein schlechter Baum aber bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte tragen, und ein schlechter Baum trägt keine guten Früchte“ (Mt 7,16 ff). Im Gegensatz dazu behaupten die konservativen Verteidiger von Konzil und Liturgiereform ständig, dass die schlechten Früchte doch Früchte eines guten Baums seien.

Die Pflicht zum Widerstand

P. Recktenwald empört sich darüber, dass die Piusbruderschaft ihren Widerstand gegen die kirchlichen Autoritäten damit begründet, dies sei eine Notwendigkeit, um katholisch zu bleiben. Betrachten wir dazu ganz konkret, was es denn bedeutet hätte, wenn Erzbischof Lefebvre 1975 der Aufhebung der Priesterbruderschaft St. Pius X. Folge geleistet hätte. Er hätte sein Seminaristen an Seminare schicken müssen, in denen sie häretischen Vorlesungen ausgesetzt gewesen und in keiner Weise in ein priesterliches Leben des Gebets und Opfers eingeführt worden wären. Die Gläubigen, die angefangen hatten, sich um die Priorate und Kapellen der Priesterbruderschaft zu scharen, weil sie den Modernismus in ihren Pfarreien nicht mehr aushielten, hätte er damit im Stich gelassen. Es gab für ihn hier nicht nur ein Recht, sondern geradezu eine Pflicht zum Widerstand.

Noch heute ist es so, dass man wenigstens im europäischen und nordamerikanischen Raum keine Universität findet, in der man vollkommen katholische Vorlesungen hören kann. Bestenfalls gibt es den einen oder anderen Professor, auf den man sich verlassen kann. Ebenso ist es bis heute unmöglich, Menschen, die am katholischen Glauben interessiert sind, einfach an den für sie zuständigen Pfarrer zu verweisen, denn man muss damit rechnen, dass dieser Pfarrer überhaupt kein Interesse hat, jemanden für den katholischen Glauben zu gewinnen, und sich vielleicht selbst schon innerlich längst vom katholischen Glauben verabschiedet hat.

P. Recktenwald würde hierauf vielleicht antworten, inzwischen gebe es die Priesterseminare und Kapellen der Priesterbruderschaft St. Petrus, aber abgesehen davon, dass hier der Versuch gemacht wird, Unvereinbares zu vereinbaren, Tradition und Modernismus zu harmonisieren, die alte Messe zu feiern und gleichzeitig zu beteuern, dass man nichts gegen die neue Messe habe, ist die Petrusbruderschaft völlig auf das Wohlwollen der zum Teil modernistischen Autoritäten angewiesen. Viele Diözesen sind ihr daher verschlossen und ihre Seelsorge ist zahlreichen Schikanen und Behinderungen ausgeliefert. Proteste gegen unkatholische Ansprachen und Maßnahmen der Amtsträger sind von der Petrusbruderschaft naturgemäß fast nie zu hören — man würde sonst ihr Apostolat noch mehr einschränken.

Selbst Rom hat jahrelang ver­sucht, die Petrusbruderschaft und die anderen von der römischen Kommission Ecclesia Dei abhängigen Gemeinschaften zur neuen Messe zu führen. Das ging so weit, dass sich am 23. Juli 1999 der Generalobere der Petrusbruderschaft, P. Josef Bisig, und der Generalprior der Bruderschaft vom hl. Vinzenz Ferrier, P. Louis-Marie de Blignières, in einer Bittschrift an den Heiligen Stuhl wandten, in der sie schrieben, das Verhalten Roms sehe wie ein Wortbruch gegenüber den Zusagen von 1988 aus und werde Rom in den Augen der „Lefebvristen“ unglaubwürdig machen.

Im Jahr 2000 verbot der Präfekt der Kommission Ecclesia Dei, Kardinal Castrillón-Hoyos, dem Generalkapitel der Petrusbruderschaft die Wiederwahl von P. Bisig in das Amt des Generaloberen und setzte statt dessen einen Generaloberen ein, der wegen seiner liberalen Haltung nicht das Vertrauen der Mehrheit der Bruderschaft hatte.

Unter dem Pontifikat von Benedikt XVI. ging es der Petrusbruderschaft zweifellos besser, aber noch im Jahre 2006 bekannte der Direktor des Remnant, einer in den USA erscheinenden Zeitschrift, die auf der Linie der Petrusbruderschaft liegt, die Priesterbruderschaft St. Pius X. sei das Gegengewicht, das es den Ecclesia Dei-Gemeinschaften erlaube, zu existieren und sich zu entwickeln. Ohne die Priesterbruderschaft St. Pius X. hätten diese Gemeinschaften also nie das Recht erlangt, die überlieferte Liturgie zu feiern bzw. wären längst gezwungen worden, ganz auf die neue Messe einzuschwenken.

Wie es der Petrusbruderschaft unter dem neuen Pontifikat ergehen wird, kann noch niemand sagen. Noch unter Benedikt XVI. sprachen die Gegner der traditionellen Liturgie ganz offen davon, dass das Wohlwollen für die alte Messe nur eine vorübergehende Phase sei. Eine der ersten Amtshandlungen von Papst Franziskus bestand nun darin, den Volksaltar wieder in die Sixtinische Kapelle bringen zu lassen und wenn man Bilder von seinen Messen betrachtet, gewinnt man nicht den Eindruck, dass er ein Freund der tridentinischen Messe sein könnte. Vielleicht wird also die Petrusbruderschaft bald wieder froh sein, wenn sie ihre Existenzbe­rechtigung gegenüber den kirchlichen Autoritäten damit rechtfertigen kann, dass die Gläubigen sonst zur Piusbruderschaft laufen würden.

Die Petrusbruderschaft möge ihre Arbeit für den katholischen Glauben tun, aber sie möge ihre dauernden Angriffe gegen die Gemeinschaft unterlassen, aus der sie hervorgegangen ist und der sie bis heute einen guten Teil ihrer Wirkungsmöglichkeit verdankt.

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Hervorhebung des letzten Absatzes durch mich (POS)!