14 FRAGEN VON „STEPHAN“ – 14 KURZE ANTWORTEN VON MIR [POS]

(Vergleiche den Kommentar von „Stephan“ vom 13.05.2014 um 21:31)

1. Können Sie uns erklären, wie  das dann aussehen müsse bzw. wie sich die FSSPX nun gegenüber Bergoglio und Co. verhalten müsste, um Lefebvre „treu zu bleiben“?

Die FSSPX muss sich ihm gegenüber gleich verhalten wie sich Mgr. Lefebvre gegenüber Paul VI. und Johannes-Paul II. verhalten hat. D.h. sie muss ihn als gültigen, gültig gewählten, amtierenden Papst anerkennen. Sie muss mit ihm, bzw. mit seinen engsten Mitarbeitern Gespräche führen, (gar) wenn sie dazu eingeladen wird. Dabei muss sie auf den Grundsätzen und Postulaten beharren, die sie sich unter Erzbischof Lefebvre gegeben hat(te).

Die Führung der FSSPX hat sich grundsätzlich richtig verhalten unter Johannes-Paul II. und insbesondere unter Benedikt XVI. Das Mitwirken bei der Suche nach einem Abkommen mit Rom war/ist nicht falsch und muss weitergehen. Verhängnisvoll falsch aber war das Verhalten Bischof Fellay’s / Menzingens den eigenen Priestern (– ja teilweise auch den anderen 3 FSSPX-Bischöfen –) gegenüber, die ihre Bedenken zu einem größtenteils verschwiegenen, geheimgehaltenen Abkommen äußerten. Bischof Fellay müsste, um Remedur zu schaffen, die Ausgeschlossenen wieder einladen, in die FSSPX zurückzukehren. Und dazu müsste er sich bei ihnen und auch bei den betroffenen Gläubigen für das geschehene Unrecht entschuldigen.

2. Wie kann man „traditionstreu“ sein, wenn man doch Irrlehren und Positionen (z.B. die der Gallikaner und Jansenisten) vertritt, die von der Kirche bereits verurteilt und verworfen wurden.

Die FSSPX vertritt keine Irrlehren und Positionen, auch jene der Gallikaner und Jansenisten nicht, die von der Kirche bereits verurteilt und verworfen wurden.  Das ist eine unbegründete Behauptung, ein Fehlurteil – eine Fehlkonklusion aus falschen, falsch gesetzten und falsch verstandenen Prämissen.

3. Wie kann man „traditionstreu“ sein, wenn man ein Kirchenbild bzw. eine Haltung gegenüber dem Lehramt vertritt, welche von der Kirche bereits klar und deutlich als häretisch verworfen wurde? Die FSSPX vertritt selber modernistische Positionen und bereits verurteilte Irrlehren bezüglich des Lehramtes und der Ekklesiologie.

Die FSSPX vertritt offiziell keine modernistischen Positionen und lehrt keine bereits verurteilten Irrlehren, auch nicht bezüglich des Lehramtes und der Ekklesiologie.

4. Wenn eine Autorität unkatholische „Lehren“ verkündet, dann handelt es sich hierbei offenkundig NICHT um eine Autorität der röm.-kath. Kirche, gemäß dem folgenden katholischen Grundsatz: „Eine Autorität, welche den IRRTUM lehrt, sei es in guter oder in böser Absicht, IST ÜBERHAUPT KEINE AUTORITÄT mehr.“ (Dom Guéranger, zitiert nach Bischof de Castro Mayer) Die Haltung der FSSPX ist somit offenkundig widersprüchlich und unkatholisch.

Die Haltung der FSSPX ist (grundsätzlich) nicht (offenkundig) widersprüchlich und unkatholisch. Sie befindet sich in gewisser Hinsicht in einer widersprüchlichen und „unkatholischen“ Situation, für die sie nicht verantwortlich ist und die sie selber, aus sich heraus, nicht beheben kann, solange in Rom, im Vatikan, beim Papst, keine Klarheit, Widersprüchlichkeit, eine in vielem „unkatholisch scheinende Situation“ herrscht.

5. Warum nennt sie z.B. einen Bergoglio „Heiligen Vater“ bzw. betrachtet diesen Nicht-Katholiken als Papst bzw. Oberhaupt der röm.-kath. Kirche? Und warum wollen sich die Oberen der FSSPX denn mit der „Konzilskirche“ einigen, wenn es sich bei der „Konzilskirche“ gemäß den Oberen der FSSPX nicht um die von Jesus Christus gegründete röm.-kath. Kirche handeln würde?

Sie nennt ihn ganz natürlicherweise „Heiligen Vater“, „Oberhaupt der röm.-kath. Kirche“, weil sie Bergoglio (vorerst einmal) für den gültig gewählten Papst hält, den sie (vorerst einmal) nicht als „Nicht-Katholiken“ betrachtet. Und die Oberen der FSSPX wollen sich gar nicht mit der „Konzilskirche“ einigen, sondern mit der wahren röm.-kath. Kirche (zu der sie nie nicht gehörten), also mit jenen „Elementen“ in der „Konzilskirche“, die mental tatsächlich (noch) zur von Jesus Christus gegründeten röm.-kath., apostolischen Kirche gehören.

6. Sie verhandelt offenkundig mit Häretikern um einen Beitrtitt zu der Gemeinschaft dieser Häretiker und möchte nur nicht „öffentlich“ über die Häretiker „richten“? Übrigens, es geht nicht ums Richten, sondern es geht um die Feststellung, dass es sich bei den angeblichen „Hirten“ um Wölfe handelt. Würde die FSSPX ihre Hirtenaufgabe ernstnehmen, dann würde sie ihre Schafe nicht den Wölfen zuführen wollen.

Sie verhandelt eben nicht mit „offenkundigen Häretikern“, und sie verhandelt auch nicht um einen Beitritt zu der „Gemeinschaft dieser Häretiker“, sondern sie verhandelt (intentionell) mit kirchlichen Amtspersonen, die nicht offenkundige Häretiker, nicht Wölfe sind, und sie verhandelt (intentionell) um eine Anerkennung ihrer Zugehörigkeit zur von Jesus Christus gegründeten röm.-kath., apostolischen Kirche.

7. Warum appelliert die FSSPX an einen offensichtlichen Häretiker und will uns weismachen, dieser Häretiker sei der Stellvertreter Christi? Wie gesagt, es geht überhaupt nicht um einen Richterspruch über die Seele eines Menschen, sondern es geht um die Feststellung der äußeren Tatsachen. Und wenn sich äußerlich zeigt, dass man es mit Häretikern zu tun hat, dann muss man sich entsprechend verhalten. Die Lehre der Kirche hierzu ist eindeutig.

Sie appelliert nicht an einen „offensichtlichen Häretiker“. Der amtierende Papst ist für sie kein offensichtlicher, erwiesener, überführter Häretiker, und deshalb ist er für sie (noch) der Stellvertreter Christi. Ihn als offensichtlicher Häretiker zu bezeichnen und zu behandeln, ist ein vermessenes Richten über ihn in und vor der Öffentlichkeit und für die kirchliche Öffentlichkeit.

8. Es geht bei der in „Auctorem Fidei“ als häretisch verworfenen Behauptung um das Lehramt. Diese häretische Behauptung unter I.) wurde einst gegen das kirchliche Lehramt vorgebracht. Doch wenn die FSSPX behauptet, dass die angeblichen Autoritäten der röm.-kath. Kirche unkatholische Dinge lehren würden oder dass sie nicht katholisch denken könnten, weil sie ja modernistisch seien und deshalb die katholische Wahrheit nicht verstehen würden, dann trifft sich das mit der als Häresie verworfenen Behauptung. Denn das kirchliche Lehramt bzw. die entsprechenden Träger des Lehramtes können über die wahre Lehre der Kirche nicht im „Dunkeln“ bzw. im Unklaren sein. Denn, entweder sind die Autoritäten der „Konzilskirche das tatsächliche Lehramt der röm.-kath. Kirche, dann wären deren „Lehren“ keineswegs unkatholisch, dann kann es sich bei den V2-Autoritäten eben offenkundig NICHT um das kirchliche Lehramt handeln (und somit sind sie auch keine rechtmäßigen Autoritäten der röm.-kath. Kirche) Beides gleichzeitig geht nicht, das wäre wie eckige Eier.

Die (häretische) Behauptung in „Auctorem Fidei“ lautet: I. „Die Vorlage, welche behauptet, in diesen letzten Zeiten [die Apostolische Konstitution datiert von 27. August 1794!] habe sich eine allgemeine Dunkelheit über die wichtigeren Wahrheiten verbreitet, die sich auf die Religion beziehen und die Grundlage der Glaubens- und Sittenlehre Jesu Christi sind,

Das, was – nach Ihnen – die FSSPX behauptet, trifft sich eben nicht mit der als Häresie verworfenen Behauptung. Wenn sie – einmal unüberprüft angenommen – sagt, „die Autoritäten der röm.-kath. Kirche lehren unkatholische Dinge und können nicht katholisch denken, weil sie modernistisch seien und deshalb die katholische Wahrheit nicht verstehen“, dann muss man das so verstehen, dass sie das nicht von den, also von allen Autoritäten der röm.-kath. Kirche, also auch vom Papst, meint, sondern nur von gewissen (untergeordneten) Autoritäten.

9. Wer sich von der „Konzilskirche“ nicht wirklich lösen will, der hält freilich grundsätzlich an ihr fest. Wer sich von einer Todsünde über Jahrzehnte nicht lösen will, der hält grundsätzlich an dieser Todsünde fest. Und wer modernistische Positionen vertritt, der hält eben daran grundsätzlich fest. Außer natürlich wir erklären nun den gesunden Menschenverstand für abgeschafft…

Wenn man unter „Konzilskirche“ das Zusammenwirken jener Kräfte in/aus der röm.-kath., apostolischen Kirche versteht, die Feinde der wahren katholischen Kirche sind, dann löst man sich von diesen eo ipso als traditionsverbundene bekennende katholische Christen, bzw. gehört man ihr zu keiner Zeit an. Die FSSPX ist das Musterbeispiel einer katholischen Gemeinschaft, die nicht modernistische Positionen vertritt.

10.  Wer Irrlehren vertritt, der orientiert sich ganz sicher NICHT am gesicherten Glaubensdepositum. Wer mit der „Konzilskirche“ um einen Beitritt verhandelt, der scheint kein wirkliches Problem mit dem Zeitgeist zu haben.

Es ist offensichtlich, dass die FSSPX nicht allen (bis V2) verkündeten Lehren der röm.-kath. Kirche beistimmt.

Somit ist deutlich, dass die Haltung der FSSPX gegenüber Bergoglio und Co. NICHT katholisch ist, wenn Bergoglio und Co. tatsächlich Päpste (gewesen) seien.

Die FSSPX (zum Beispiel) orientiert sich ganz sicher am gesicherten Glaubensdepositum.  Sie stimmt allen (bis V2) verkündeten Lehren der röm.-kath. Kirche bei. Sie verhandelt nicht mit der „Konzilskirche“ um einen Beitritt, sondern sie verhandelt, wie gesagt, mit den amtierenden Autoritäten um eine Anerkennung ihrer sicheren, vollkommenen Zugehörigkeit zur wahren röm.-kath., apostolischen Kirche.

12. Wer nicht der Lehre der röm.-kath. [Kirche] im vollen Umfang treu ist, kann nicht von sich sagen, dieser Kirche tatsächlich anzuhängen. Wer immer nach der „Konzilskirche“ schielt und um eine Einigung mit dieser offenkundig häretischen Organisation sucht, der hängt ganz offensichtlich an ihr.

Die FSSPX ist der Lehre der röm.-kath. Kirche in ihrem ganzen Wollen und Wirken von Anfang an im vollen Umfang prinzipiell treu. Und sie schielt nicht nach der „Konzilskirche“ um eine Einigung mit ihr, sondern sie sucht schlicht die offizielle Anerkennung, dass sie zur wahren, einzigen, einigen katholischen Kirche gehört.

13. Nennen Sie uns doch bitte die (angeblichen) jetzigen Oberhirten der röm.-kath. Kirche.

Die jetzigen Oberhirten der röm.-kath. Kirche sind offiziell Papst Franziskus mit allen Oberhirten (Bischöfen, Kardinälen), die offiziell zur röm.-kath. Kirche gehören.

14. Erklären Sie uns doch einmal, wie man ein wahrer katholischer Christ sein könne, wenn man gar nicht der Lehre der Kirche in vollem Umfang anhängt, sondern sogar modernistische Standpunkte vertritt?

Selbstverständlich kann man kein wahrer katholischer Christ sein, wenn man gar nicht der Lehre der Kirche in vollem Umfang anhängt und sogar echt modernistische Standpunkte vertritt. Aber der FSSPX z.B. kann man nicht vorwerfen, sie hange der Lehre der Kirche nicht in vollem Umfange an oder sie vertrete gar modernistische Standpunkte. Das kann man jedenfalls nicht Erzbischof Lefebvre vorwerfen und jenen, die sich treu an ihn halten.

Die konsequenten Sedisvakantisten konstruieren ihre Anklagen und Urteile über die traditionsverbundenen Nicht-Sedisvakantisten zur Hauptsache rein aus einer Feststellung einer Nicht-(vollständigen-)Übereinstimmung von dogmatischen Aussagen mit dem (ihnen meist angedichteten) Denken, Reden, Schreiben und Verhalten von Gläubigen (Kleriker und Laien). Darin ähneln sie den pharisäischen Gesetzeslehrern, deren Standard-Kurz-Schluss lautet(e): „Wir haben ein Gesetz, und nach diesem muss er  [Christus!] sterben (muss er getötet werden)“. Übertragen auf diese Sedisvakantisten: „Wir haben ein Dogma, und wer dieses nicht be(ob)achtet, der ist  nicht katholisch, der ist ein Häretiker, ein Schismatiker, ein Apostat; mit dem können, dürfen wir nicht (mehr) verkehren, der sei im Banne! Der wahre christliche, katholische Glaube geht aber weit über das reine Beobachten der Dogmen hinaus. Das Wesentlichste davon ist das Beobachten des zweifachen Gebotes der Liebe, wie JESUS es auslegt und das nur ein einziges Gebot ist und die Erfüllung des Gesetzes darstellt:

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten“ (Mt 22, 37–40).

Siehe Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) 435/2055!

Erzbischof Marcel Lefebvre: aus dem Interview vom 30. Juni 1989 in Ecône

Das ist der Grund, warum man wollte, daß das Zweite Vatikanische Konzil ein pastora­les Konzil sei und nicht ein dogmatisches Konzil, weil man nicht an die Unfehlbarkeit glauben wollte. Man wollte keine endgültige Wahrheit. Die Wahrheit müsse leben und sich entwickeln. Sie könne sich eventuell ändern mit der Zeit, mit der Geschichte, mit der Wissenschaft usw. Die Unfehlbarkeit aber fixiert einen Satz, eine Wahrheit für immer, so daß sie sich nicht mehr ändern. Und daran wollen die Modernisten nicht glauben. Wir stehen auf der Seite der Unfehlbarkeit, nicht die konziliare Kirche. Die ist gegen die Unfehlbar­keit, das ist absolut sicher. Kardinal Ratzinger ist gegen die Unfehlbarkeit, der Papst ist in­folge seiner philosophischen Ausbildung gegen die Unfehlbarkeit. Man verstehe uns rich­tig, wir sind nicht gegen den Papst, insofern er alle unveränderlichen Gewalten des apos­tolischen Stuhles, des Stuhles Petri, repräsentiert, aber wir sind gegen den Papst, inso­fern er ein Modernist ist, der nicht an seine eigene Unfehlbarkeit glaubt, der den Ökume­nismus einführt. Und wir sind natürlich gegen die konziliare Kirche, die praktisch schisma­tisch ist, selbst wenn sie es nicht wahrhaben will. Praktisch ist sie eine dem Wesen nach exkommunizierte Kirche, weil sie eine modernistische Kirche ist. Aber sie exkommunizieren uns, weil wir katholisch bleiben wollen. Wir wollen aber mit dem katholischen Papst und mit der katholischen Kirche verbunden bleiben. Das ist der Unterschied.

Wir sind weder schismatisch noch exkommuniziert. Wir sind nicht gegen den Papst. Wir sind nicht gegen die katholische Kirche. Wir machen keine Parallelkirche. Das ist alles absurd. Wir sind das, was wir immer waren, Katholiken, die es weiterhin bleiben. Das ist alles. Man soll nicht Schwierigkeiten sehen, wo keine sind. Wir bilden keine „kleine Kir­che”, wie Paupert in seinem Buch schreibt. Kommt man an den Schluß seines Werkes, so kann einen das, was er da schreibt, das Fürchten lehren: „Ich weiß nicht mehr, was ich bin!”

Ist die FSSPX häretisch, schismatisch? – sind ihre Mitglieder Häretiker, Schismatiker?

Meine Antwort an den Kommentator „Stephan“ auf diese nachfolgende Präzisierung zum sog. “Mittelweg”:

Der “Mittelweg”, wie ich ihn hier meine, ist jener:

Die “Lehre” und die für die “Konziskirche” verbindlichen Verkündigungen seitens der V2-Häretiker als unkatholisch zurückzuweisen, während man die V2-Häretiker weiter als rechtmäßige Autoritäten der röm.-kath. Kirche betrachtet.

Die “Konzilskirche” der unkatholischen Lehrverkündigung zu bezichtigen, sie aber weiterhin als die von Jesus Christus gegründete röm.-kath. Kirche zu betrachten.

Doch was die Kirche zu so einer Haltung sagt, ist eindeutig:

“Wir haben daher nach Anrufung des Lichtes des Heiligen Geistes… zu verdammen und zu verwerfen für wert erachtet, so, wie Wir sie durch diese Unsere auf ewige Zeiten gültige Konstitution verdammen und verwerfen: Die Vorlage, welche behauptet, in diesen letzten Zeiten habe sich eine allgemeine Dunkelheit über die wichtigeren Wahrheiten verbreitet, die sich auf die Religion beziehen und die Grundlage der Glaubens- und Sittenlehre Jesu Christi sind, als HÄRETISCH.” (Apostolische Konstitution “Auctorem Fidei”, 1794)

Um aber an dieser Haltung gegen jedwede Kritik festzuhalten, wird sich dann zwangsläufig nicht mehr an die von der Kirche tatsächlich verkündete Lehre, insbesondere zur Ekklesiologie und zum Papst- bzw. Lehramt, gehalten. Anstelle der verbindlichen und klaren Lehre der Kirche treten sophistische Krücken und “Notstands”-Konstruktionen, die der Lehre der Kirche und dem Kirchenrecht nicht standhalten.

Der “Mittelweg” zeichnet sich dadurch aus, daß er einerseits die “Konzilskirche” als unkatholisch betrachtet und vorgibt, der katholischen Tradition treu bleiben zu wollen, aber gleichzeitig an derselben häretischen “Konzilskirche” (und auch gewissen modernistisch-”theologischen” Standpunkten) grundsätzlich festhalten will, anstatt letztendlich den folgerichtigen konsequenten Bruch mit einer solchen antikatholischen Organisation (welche von den antikatholischen Modernisten mittels des “2. Vatikanum” geschaffen wurde) zu tätigen, damit der wahre Glauben auch tatsächlich in seiner Reinheit bewahrt werden könne.

Der “Mittelweg” ist also keine Position zwischen zwei katholischen Möglichkeiten, sondern der “Mittelweg” orientiert sich dann doch stets an der Entwicklung der “Konzilskirche” und des Zeitgeistes. Somit scheint der “Mittelweg” (zumindest implizit) zwei Herren dienen zu wollen, wobei es sich nun zeigt, daß die Anhänglichkeit an die “Konzilskirche” bzw. eine rein irdische Institution sogar stärker zu sein scheint…

 

Ich „mystifiziere“ die FSSPX nicht, wenn ich sie verteidige gegenüber den – wie ich sie nenne – „konsequenten Sedisvakantisten“. Ich behaupte nur, dass die Priesterbruderschaft als solche, wie sie von Erzbischof Lefebvre gewollt und verwirklicht wurde, nicht „in die Irre führt“; ganz im Gegenteil, sie führt, solange und insofern sie ihrem Gründer treu bleibt, ihre Priester und Gläubigen traditionstreu zum ewigen Heil.
Sie geht insgesamt nicht den „Mittelweg“, den Sie meinen. Denn für sie gilt:

  • Sie weist die eindeutig unkatholischen, mit der Tradition nicht vereinbaren „Lehren“ und Praktiken der römischen Autoritäten zurück, und damit betrachtet sie jene Autoritäten, die diese vertreten und deren Anwendung einfordern, als nicht „rechtmäßig“ handelnd.
  • Sie betrachtet die sogenannte „Konzilskirche“ nicht als DIE katholische Kirche. Sie betrachtet jene „Autoritäten“, die in(mitten) der katholischen Kirche klar und nachweislich von der immerwährenden Lehre abweichen und wegführen, nicht als (weiterhin) der von Jesus Christus gegründeten röm.-kath. Kirche (innerlich) zugehörig.
  • Sie enthält sich dabei aber eines „richterlichen“ (äußeren, öffentlichen) Urteils über diese Autoritäten. Sie appelliert explizit und implizit an die höchste kirchliche Autorität, den Papst. Aber wenn und insoweit dieser selbst versagt, überlässt sie das Gericht GOTT, dem Haupte der Kirche, JESUS CHRISTUS, wissend, dass JEDE Autorität von Ihm, GOTT, kommt (Römer 13:1-2).
  • Sie ist nicht der Ansicht und behauptet nicht, dass „in diesen letzten Zeiten sich eine allgemeine Dunkelheit über die wichtigeren Wahrheiten verbreitet (habe), die sich auf die Religion beziehen und die Grundlage der Glaubens- und Sittenlehre Jesu Christi sind“ (und dass deshalb die Reformen des II. Vatikanums notwendig gewesen seien).
  • Sie hält nicht grundsätzlich „an der häretischen Konzilskirche und (auch nicht) an gewissen modernistisch-„theologischen“ Standpunkten fest.
  • Sie orientiert sich nicht an der Entwicklung der „Konzilskirche“ und am Zeitgeist, sondern sie orientiert sich am gesicherten Glaubensdepositum und am überzeitlichen Heilig-Geist-Gewirkten.
  • Sie ist nicht „anhänglich an der Konzilskirche“, sondern anhänglich an der römisch-katholischen, apostolischen Kirche und ihren Oberhirten soweit sie glaubenstreu sind.
  • Sie ist damit/folglich nicht häretisch und nicht schismatisch.
  • Und ihre Mitglieder sind keine Häretiker und keine Schismatiker, sondern wahre katholische Christen.
  • Es ist auch klar, dass es keine impliziten Häretiker gibt. Als Häretiker kann man nur jene bezeichnen, die eine Glaubenswahrheit explizit leugnen, bzw. eine Unwahrheit als Glaubenswahrheit lehren. Erzbischof Lefebvre hat sich niemals weder des einen noch des andern schuldig gemacht, und ebensowenig seine getreuen Anhänger.

Hierauf antwortete „Stephan“ (die fettgedruckten Einschübe sind meine Repliken):

Gesendet am 13.05.2014 um 21:31

In Ihrem Artikel gegen den von Ihnen so genannten “konsequenten Sedisvakantismus” vertreten Sie modernistische Positionen und weichen die Religion und den antimodernistischen Widerstand letztendlich im Sinne eines “gesellschaftsfähigen” Pragmatismus (in diesem Fall gegenüber einer offen antichristlichen bzw. satanischen Gesellschaft und Zeitgeist-”Kirche”) auf.

Aber nun zu Ihren gestrigen Aussagen:

1. Können Sie uns erklären, wie das dann aussehen müsse bzw. wie sich die FSSPX nun gegenüber Bergoglio und Co. verhalten müßte, um Lefebvre “treu zu bleiben”?

Sie muss sich gegenüber Franziskus (I.) gleich/ähnlich verhalten wie Erzb. Lefebvre sich gegenüber Paul VI. und Johannes Paul II. verhalten hat. Er hat die amtierenden Päpste nicht als Nicht-Päpste behandelt; er hat sich ihnen nur insoweit widersetzt, als sie sich ihren Vorgängern in wesentlichen Glaubensaspekten eklatant widersetzt haben.

2. Wie kann man “traditionstreu” sein, wenn man doch Irrlehren und Positionen (z.B. die der Gallikaner und Jansenisten) vertritt, die von der Kirche bereits verurteilt und verworfen wurden.

Erzb. Lefebvre vertrat keine einzige Irrlehre und Position der Gallikaner. Er wollte ausdrücklich nie autonom/unabhängig sein und handeln gegenüber dem amtierenden Papst. Und er vertrat auch keine einzige Irrlehre und „Position“ der Jansenisten. Welche denn?

3. Wie kann man “traditionstreu” sein, wenn man ein Kirchenbild bzw. eine Haltung gegenüber dem Lehramt vertritt, welche von der Kirche bereits klar und deutlich als häretisch verworfen wurde? Die FSSPX vertritt selber modernistische Positionen und bereits verurteilte Irrlehren bezüglich des Lehramtes und der Ekklesiologie.

Erzb. Lefebvre vertrat kein Kirchenbild und keine Haltung gegenüber dem Lehramt, welche von der Kirche bereits klar und deutlich als häretisch verworfen wurde. Und die FSSPX, sofern sie sich an Erzb. Lefebvre hielt/hält, vertrat/vertritt ebenfalls keine modernistische Positionen und bereits verurteilte Irrlehren bezüglich des Lehramtes und der Ekklesiologie.

4. Wenn eine Autorität unkatholische “Lehren” verkündet, dann handelt es sich hierbei offenkundig NICHT um eine Autorität der röm.-kath. Kirche, gemäß folgendem katholischen Grundsatz: “Eine Autorität, welche den IRRTUM lehrt, sei es in guter oder in böser Absicht, IST ÜBERHAUPT KEINE AUTORITÄT mehr.” (Dom Guéranger, zitiert nach Bischof de Castro Mayer) Die Haltung der FSSPX ist somit offenkundig widersprüchlich und unkatholisch.

Gewiss, aber dies muss präziser wie folgt ausgedrückt werden: „Eine Autorität, welche klar, beharrlich den Irrtum (Falsches/Glaubensgefährendes) lehrt, (sei es in guter oder in böser Absicht,) ist keine Autorität mehr (allerdings vorerst aber nur) in Bezug auf die betreffende Lehre oder Weisung. Und wenn diese Autorität die päpstliche ist, dann ist punkto Amtsverlust das Urteil der Kirche (bzw. GOTTES Eingreifen) abzuwarten.

5. Warum nennt sie z.B. einen Bergoglio “Heiligen Vater” bzw. betrachtet diesen Nicht-Katholiken als Papst bzw. Oberhaupt der röm.-kath. Kirche? Und warum wollen sich die Oberen der FSSPX denn mit der “Konzilskirche” einigen, wenn es sich bei der “Konzilskirche” gemäß der Oberen der FSSPX nicht um die von Jesus Christus gegründete röm.-kath. Kirche handeln würde?

Die FSSPX nennt (auch) Bergoglio „Heiliger Vater“, bzw. betrachtet ihn als Papst und Oberhaupt der röm.-kath. Kirche, weil er für sie tatsächlich immer (noch) Papst ist, und zwar solange er nicht offiziell seines Amtes enthoben wird/ist.

6. Sie verhandelt offenkundig mit Häretikern um einen Beitritt zu der Gemeinschaft dieser Häretiker und möchte nur nicht “öffentlich” über die Häretiker “richten”? Übrigens, es geht nicht ums Richten, sondern es geht um die Feststellung, daß es sich bei den angeblichen “Hirten” um Wölfe handelt. Würde die FSSPX ihre Hirtenaufgabe ernstnehmen, dann würde sie ihre Schafe nicht den Wölfen zuführen wollen.

Die Autoritäten, mit welchen sie verhandelt(e), sind/waren keine offenkundige „Häretiker“/“Wölfe“, keine Nicht-Autoritäten wegen offenkundiger Häresie, und sie sucht(e) nicht den Beitritt zur Gemeinschaft „dieser Häretiker/von Häretikern“, sondern sie kundschaftet(e) aus, ob die amtierenden kirchlichen römischen Autoritäten, mit welchen sie spricht/sprach, rechtgläubig/bzw. bekehrbar sind/waren, und sie sucht(e) stets nur die Zusammenarbeit mit den amtierenden Autoritäten, um ihr Apostolat, ihre Mission offiziell kirchlich anerkannt ausüben zu können.

Wie sieht die Kirche diese Problematik:

“The Catholic Church wages war against all heresies.” (St. Augustinus, De symbolo ad catechumenos)

“Men are not bound or able to read hearts; but when they SEE that someone is a HERETIC by his EXTERNAL WORKS, they judge him to be a heretic pure and simple and condemn him as a heretic.” (St. Robert Bellarmin, De Romano Pontifice, lib. IV)

“HERESY, being a deadly poison generated within the organism of the Church, MUST BE EJECTED if she is to live and perform her task of continuing Christ’s work of salvation.” (The Catholic Encyclopedia, 1914)

Es ist also eine offenkundig unkatholische Haltung, wenn man die Häresien der “Konzilskirche” und der entsprechenden “Autoritäten” immer mehr banalisiert und nicht die entsprechenden Schlüsse daraus zieht.

Sie banalisiert keine wirklichen Häresien, wessen auch immer. Und wenn sie tatsächliche Häresien festmacht, zieht sie entsprechende Schlüsse daraus für sich, für ihr Wirken.

7. Warum appelliert die FSSPX an einen offensichtlichen Häretiker und will uns weismachen, dieser Häretiker sei der Stellvertreter Christi? Wie gesagt, es geht überhaupt nicht um einen Richterspruch über die Seele eines Menschen, sondern es geht um die Feststellung der äußeren Tatsachen. Und wenn sich äußerlich zeigt, daß man es mit Häretikern zu tun hat, dann muß man sich entsprechend verhalten. Die Lehre der Kirche hierzu ist eindeutig:

Wenn sie an die höchste Autorität der Kirche appelliert, dann nicht “an einen offensichtlichen Häretiker”, sondern an das HEILIGE AMT dieser Autorität, das unter der Höchstaufsicht GOTTES, des HEILIGEN GEISTES steht.

“From the MOMENT that ONE SUFFICIENTLY KNOWS the existence of the RULE OF the FAITH in the Church and that, ON ANY POINT whatsoever, FOR WHATEVER MOTIVE AND IN WHATEVER FORM, one REFUSES to SUBMIT to it, FORMAL HERESY is COMPLETE.” (Michel, “Héresie, Héretique,” Dictionnaire de Théologie Catholique, 1909)

“It is proven with arguments from authority and from reason that the manifest HERETIC is IPSO FACTO deposed. The argument from authority is BASED ON ST. PAUL (Titus, c. 3), who orders that the HERETIC BE AVOIDED after two warnings, that is, after showing himself to be manifestly obstinate – which means BEFORE ANY EXCOMMUNICATION or judicial sentence. And this is what St. Jerome writes, adding that the other sinners are excluded from the Church by sentence of excommunication, but the HERETICS EXILE THEMSELVES and SEPERATE THEMSELVES by their own act from the BODY OF CHRIST.” (St. Robert Bellarmin, “De Romano Pontifice”)

„Noch weniger kann der römische Pontifex sich rühmen, denn er kann von Menschen gerichtet werden – oder besser, es kann gezeigt werden, daß er gerichtet ist, wenn er nämlich in Häresie fällt [quia potest ab hominibus judicari, vel potius judicatus ostendi, si videlicet evanescit in haeresim]. Denn wer nicht glaubt, ist schon gerichtet“ (Innozenz III., Sermo 4: In Consecratione, PL 218:670).

“He [the pope] would AUTOMATICALLY lose pontifical power, because, having become an unbeliever [factus infidelis], he put himself OUTSIDE of the Church BY HIS OWN WILL.” (Cardinal Billot, De Ecclesia Christi, 1927)

Die FSSPX mißachtet also diese kirchlichen Wahrheiten mit ihrer angeblich “demütigen” Haltung.

Nein, sie missachtet diese Wahrheiten nicht; denn ob der amtierende Papst „nicht glaubt“, ob er „in Häresie gefallen ist“, kann sie für sich zwar erwägen; aber sie kann ohne Bestätigung der Kirche als Ganzes nicht einfach davon ausgehen, dass dem wirklich so ist.

8. Es geht bei der in “Auctorem Fidei” als häretisch verworfenen Behauptung um das Lehramt. Diese häretische Behauptung (unter I.) wurde einst gegen das kirchliche Lehramt vorgebracht. Doch wenn die FSSPX behauptet, daß die angeblichen Autoritäten der röm.-kath. Kirche unkatholische Dinge lehren würden oder daß sie nicht katholisch denken könnten, weil sie ja modernistisch seien und deshalb die katholische Wahrheit nicht verstehen würden, dann trifft sich das mit der als Häresie verworfenen Behauptung. Denn das kirchliche Lehramt bzw. die entsprechenden Träger des Lehramtes können über die wahre Lehre der Kirche nicht im “Dunkeln” bzw. im Unklaren sein. Denn, entweder sind die Autoritäten der “Konzilskirche” das tatsächliche Lehramt der röm.-kath. Kirche, dann wären deren “Lehren” keineswegs unkatholisch. Oder aber – so wie es ja auch die FSSPX selber meint -diese “Lehren” sind tatsächlich unkatholisch, dann kann es sich bei den V2-Autoritäten eben offenkundig NICHT um das kirchliche Lehramt handeln (und somit sind sie auch keine rechtmäßigen Autoritäten der röm.-kath. Kirche). Beides gleichzeitig geht nicht, das wäre wie eckige Eier.

9. Wer sich von der “Konzilskirche” nicht wirklich lösen will, der hält freilich grundsätzlich an ihr fest. Wer sich von einer Todsünde über Jahrzehnte nicht lösen will, der hält grundsätzlich an dieser Todsünde fest. Und wer modernistische Positionen vertritt, der hält eben daran grundsätzlich fest. Außer natürlich wir erklären nun den gesunden Menschenverstand für abgeschafft…

Erzb. Lefebvre und seine FSSPX wollten und wollen sich von der sog. „Konzilskirche“, d.h. von jenen Gliedern in der Kirche, die durch irrige Lehre und Praxis, durch Modernismus die wahre Kirche verfälschen, wirklich lösen, niemals aber von den Gliedern in der Kirche, die die lebendige, heilige Kirche ausmachen.

10. Wer Irrlehren vertritt, der orientiert sich ganz sicher NICHT am gesicherten Glaubensdepositum. Wer mit der “Konzilskirche” um einen Beitritt verhandelt, der scheint kein wirkliches Problem mit dem Zeitgeist zu haben.

Erzb. Lefebvre und seine Getreuen vertreten keine Irrlehren. Sie wissen sich absolut gebunden an das gesicherte Glaubensdepositum. Sie verhandeln deshalb auch nicht mit offensichtlichen Kirchenfeinden um einen Beitritt zur „Konzilskirch“, sondern mit Autoritäten im Amt, um eine Anerkennung als Werk der wahren römisch-katholischen, apostolischen Kirche.

11. Was soll bitte ein “überzeitlichen Heilig-Geist-Gewirkten” sein?? Sind wir nun vollends bei den Pfingstlern und Charismatikern angekommen?

Ich hatte geschrieben: Sie orientiert sich nicht an der Entwicklung der „Konzilskirche“ und am Zeitgeist, sondern sie orientiert sich am gesicherten Glaubensdepositum und am überzeitlichen Heilig-Geist-Gewirkten, d.h. an all dem, was der Heilige Geist in den rund 2000 Jahren in der Kirche an Überzeitlichem (also nicht Zeitgebundenem, sondern Ewiggültigem) gewirkt hat.

Die Glaubensregel der röm.-kath. Kirche lautet dagegen folgendermaßen:

“The RULE OF FAITH. It seems timely to add here a few remarks on the rule of faith. This term signifies the standard or norm according to which each individual Christian must determine what is the material object of his faith. Protestants claim that the written Word of God, Holy Scripture, and that alone, is the one rule of faith. CATHOLICS, on the other hand, even though they, too, admit that our faith must be regulated in the final analysis by the Word of God — including tradition as well as Scripture — hold that the PROXIMATE and immediate RULE OF FAITH — that RULE to which EACH of the FAITHFUL and EACH GENERATION of the faithful MUST LOOK DIRECTLY — is the PREACHING of the CHURCH. And so, according to Catholics, there exists a twofold rule of faith: one remote and one proximate. The remote rule of faith is the Word of God (handed down in writing or orally), which was directly entrusted to the Church’s rulers that from it they might teach and guide the faithful. The proximate RULE OF FAITH, from which the faithful, one and ALL, ARE BOUND TO ACCEPT their faith and in accordance with which they are to regulate it, is the PREACHING of the ecclesiastical MAGISTERIUM” (Monsignor G. van Noort, Dogmatic Theology, Volume II)

Leo XIII. beantwortet in seiner Enzyklika “Sapientiae Christianae” die Frage, “woran man die Katholiken erkennt”, folgendermaßen: “Mit eindrucksvollen Worten erklärt der heilige Thomas von Aquin diese Wahrheit: … Wer also der Lehre der Kirche, die aus der in den heiligen Schriften offenbar gemachten Erstwahrheit hervorgeht, nicht als unfehlbarer, göttlicher Richtschnur anhängt, besitzt das Gehaben des Glaubens NICHT, sondern hält an dem, was des Glaubens ist, auf andere Weise fest als kraft des Glaubens … Es ist aber klar, dass der, welcher der Lehre der Kirche als unfehlbarer Glaubensrichtschnur anhängt, ALLEM BEISTIMMT, was die Kirche lehrt. Andernfalls, wenn er von der Lehre der Kirche das, was er will, festhält, und was er will, nicht festhält, hängt er nicht mehr der Lehre der Kirche als unfehlbarer Glaubensregel an, sondern seinem eigenen Wollen.“

Es ist offensichtlich, daß die FSSPX nicht allen (bis V2) verkündeten Lehren der röm.-kath. Kirche beistimmt. Beispiele sind bereits weiter oben genannt. Die Ausführungen von Tomás waren auch hinreichend.

Erzb. Lefebvre und seine Getreuen hängen der Lehre der Kirche, die aus der in den heiligen Schriften offenbar gemachten Erstwahrheit hervorgeht, als unfehlbarer, göttlicher Richtschnur an und stimmen allem bei, was die Kirche lehrt!

Beispielhaft sei hier noch eine Aussage von Pius IX. aufgelistet:

“Welchen Sinn hat es, den Lehrsatz der Suprematie St. Peters und seiner Nachfolger öffentlich zu verkündigen? Welchen Sinn hat es, immer und immer wieder den Glauben an die katholische Kirche und den Gehorsam zum Apostolischen Stuhl zu wiederholen, wenn die Handlungen diesen Worten entgegenstehen? Ist nicht Ungehorsam um so schändlicher, als Gehorsam Pflicht ist? Erstreckt sich die Autorität des Heiligen Stuhls nicht auf die Maßnahmen, die Wir verpflichtet gewesen sind zu ergreifen? Reicht es vielleicht aus, in Glaubensgemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl zu stehen, ohne gehorsam zu sein? So etwas kann es nicht geben, ohne daß der Katholische Glaube beschädigt wird! Tatsächlich, Ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne, geht es darum, die Macht des Heiligen Stuhls anzuerkennen, sogar über die Kirchen, nicht bloß darin, was den Glauben betrifft, sondern auch in dem, was zur Disziplin gehört. Wer das bestreiten würde, ist ein KETZER; wer das anerkennt, sich aber hartnäckig weigert zu folgen, ist des ANATHEMAS würdig!” (Pius IX. in “Quae in Patriarchatu”)

Somit ist deutlich, daß die Haltung der FSSPX gegenüber Bergoglio und Co. NICHT katholisch ist, wenn Bergoglio und Co. tatsächlich Päpste (gewesen) seien.

Ob „Bergoglio und Co.“ nicht katholisch ist, ob er nicht Papst ist, kann die FSSPX offen, unentschieden lassen. Sie ist dem Apostolischen Stuhl gehorsam, insoweit dieser von GOTT die Vollmacht hat, den Gehorsam zu fordern. Der intakte Glaube steht aber immer über dem Gehorsam.

12. Wer nicht der Lehre der röm.-kath. im vollen Umfang treu ist, kann nicht von sich sagen, dieser Kirche tatsächlich anzuhängen. Wer immer nach der “Konzilskirche” schielt und um eine Einigung mit dieser offenkundig häretischen Organisation sucht, der hängt ganz offensichtlich an ihr.

Erzbischof Lefebvre und Seine FSSPX waren/sind der Lehre der röm.-kath. Kirche im vollen Umfang treu. Und nur dieser Kirche, der wahren, hängen sie an. Sie schielt nicht nach der „Konzilskirche“

13. Nennen Sie uns doch bitte die (angeblichen) jetzigen Oberhirten der röm.-kath. Kirche.

Der derzeitige Obersthirte der röm.-kath. Kirche ist Franziskus I.

14. Erklären Sie uns doch einmal, wie man ein wahrer katholischer Christ sein könne, wenn man gar nicht der Lehre der Kirche in vollem Umfang anhängt, sondern sogar modernistische Standpunkte vertritt?

Erzbischof Lefebvre und Seine Getreuen hingen/hängen der Lehre der Kirche in vollem Umfang an und vertrat(en)/vertreten keine modernistischen Standpunkte. Punkt!


„ICH WERDE NIEMALS KOMPROMISSE MACHEN“

„Ich werde das annehmen, was von der richtigen Autorität stammt und mit der Wahrheit, den Lehren und Traditionen der Heiligen Mutter Kirche ist, und ich werde alles ablehnen, was nicht damit übereinstimmt“.

(Mgr. Lefebvre am 23. Januar 1979 – zitiert in seinem amerikanischen Organ „THE ANGELUS“ Nr. 2, 1979)

Erzbischof Marcel Lefebvre: GRUNDSATZERKLÄRUNG vom 21. Nov. 1974

Wir hängen mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele am katholi­schen Rom, der Hüterin des katholischen Glaubens und der für die Er­haltung dieses Glaubens notwendigen Traditionen, am Ewigen Rom, der Lehrerin der Weisheit und Wahrheit.

Wir lehnen es hingegen ab, und haben es immer abgelehnt, dem Rom der neo-modernistischen und neo-protestantischen Tendenz zu folgen, die klar im Zweiten Vatikanischen Konzil und nach dem Konzil in allen Reformen, die daraus hervorgingen, zum Durchbruch kam. Alle diese Reformen haben in der Tat dazu beigetragen und wirken weiter an der Zerstörung der Kirche, dem Ruin des Priestertums, an der Vernichtung des heiligen Meßopfers und der Sakramente, am Erlöschen des religiö­sen Lebens, am naturalistischen und teilhardistischen Unterricht an den Universitäten und Priesterseminaren und in der Katechese, einem Unterricht, der aus dem Liberalismus und dem Protestantismus hervor­gegangen ist und schon etliche Male vom Lehramt der Kirche feierlich verurteilt worden ist.

Keine Autorität, selbst nicht die höchste in der Hierarchie, kann uns zwingen, unseren Glauben, so wie er vom Lehramt der Kirche seit neunzehn Jahrhunderten klar formuliert und verkündet wurde, aufzu­geben oder zu schmälern.

Der hl. Paulus sagt: „Allein, wenn auch wir oder ein Engel vom Him­mel euch ein anderes Evangelium verkündete, als wir euch verkündet haben, der sei ausgestoßen!“ (Gal 1,8). Ist es nicht das, was uns der Hei­lige Vater heute ins Gedächtnis ruft? Und wenn zwischen seinen Worten und Taten sich ein gewisser Widerspruch ergab, so wie bei den Akten der Dikasterien¹, so wählen wir das, was immer gelehrt wurde, und wir stellen uns taub gegenüber den zerstörerischen Neuerungen in der Kir­che. Man kann nicht tiefgreifende Veränderungen auf dem Gebiet der „lex orandi“ (der Liturgie) vornehmen, ohne damit die „lex credendi“ (das Glaubensgesetz) zu verändern. Der neuen Messe entspricht ein neuer Katechismus, ein neues Priestertum, neue Seminare, neue Uni­versitäten, eine charismatische, pentekostalische Kirche, lauter Dinge, die der Rechtgläubigkeit und dem Lehramt aller Zeiten entgegengesetzt sind.

Da diese Reform vom Liberalismus und vom Modernismus ausgeht, ist sie völlig vergiftet. Sie stammt aus der Häresie und führt zur Häresie, selbst dann, wenn nicht alle ihre Akte direkt häretisch sind! Daher ist es jedem wachen und treuen Katholiken unmöglich, diese Reform anzunehmen und sich ihr, in welcher Weise auch immer, zu unterwer­fen.

Die einzige Haltung der Treue gegenüber der Kirche und der katholi­schen Lehre besteht um unseres Heiles willen in der kategorischen Weigerung der Annahme der Reform. Deshalb setzen wir unser Werk der priesterlichen Ausbildung fort ohne jegliche Bitterkeit, ohne Rebel­lion, ohne Groll unter dem Stern des Lehramts aller Zeiten, überzeugt, daß wir der heiligen katholischen Kirche, dem Papst und den zukünfti­gen Generationen keinen größeren Dienst erweisen können.

Daher halten wir an allem fest, was von der Kirche aller Zeiten und vor dem modernistischen Einfluß des Konzils geglaubt und im Glauben praktiziert wurde: in der Sittenlehre, im Kult, im Katechismusunter­richt, in der Priesterausbildung, in den kirchlichen Institutionen und in allem, was in den Büchern kodifiziert niedergelegt wurde. So warten wir darauf, daß das wahre Licht der Tradition die Finsternis zerstreue, wel­che den Himmel des Ewigen Rom verdunkelt.

Indem wir mit der Gnade Gottes und der Hilfe der allerseligsten Jungfrau Maria, des hl. Joseph und des hl. Papstes Pius X. so handeln, sind wir überzeugt, der römisch-katholischen Kirche sowie allen Nach­folgern Petri treu zu bleiben und so „fideles dispensatores mysteriorum Domini Nostri Jesu Christi in Spiritu Sancto“2 zu sein. Amen.

Rom, am 21. November 1974, dem Fest Mariä Opferung

† Marcel Lefebvre

_______

1 Die römischen Kurienkongregationen.

2 Getreue Verwalter der Geheimnisse Unseres Herrn Jesus Christus im Heiligen Geiste.

(Übersetzung von P. Gerhard Hermes S.A.C.)

Bemerkung

Diese Erklärung war, wie Erzbischof Lefebvre offenherzig zugab „im Zustand einer zweifellos sehr starken Entrüstung verfaßt“. Und doch definiert sie meisterhaft seine Position. Er wollte mit ihr zunächst nur gegenüber den mit der Überprüfung seines Werkes befaßten Kardinä­len seinen Standpunkt umreißen und gleichzeitig den damals schon über 130 Mitgliedern und 80 Anwärtern seines Institutes eine Art Ta­gesbefehl geben, der aber nicht zur Veröffentlichung bestimmt war.

Die Bewegung „Forts dans la Foi“ (Stark im Glauben) des Père Noël Barbara C.P.C.R., der mit dem Erzbischof Lefebvre nicht in allem eines Sinnes war, veröffentlichte allerdings Anfang Dezember 1974 diese Erklärung gegen den ausdrücklichen Wunsch Erzbischof Le­febvres, das nicht zu tun, in einem Flugblatt in 10 000 Exemplaren. An­dere Gruppen veröffentlichten sinnentstellende Auszüge aus der Erklä­rung. Daraufhin wurde im Januar 1975 auf Bitten Erzbischof Lefebvres in der Revue „Itinéraires“ der vollständige authentische Text der Erklä­rung veröffentlicht. Ihre englische Übersetzung erschien im Februar 1975 in den Zeitschriften „Approaches“ und „The Remnant“, die deut­sche im Juli 1975 in „Der Fels“.

_______

Quelle: „Damit die Kirche fortbestehe“, S. 74-76

Das Testament von Mgr. Lefebvre

Ich schließe, meine geliebten Brüder mit was ich — ein bisschen — ‹mein Testament› bezeichnen würde. ‹Testament›, das ist ein gar großes Wort, denn ich möchte, dass dies das Echo des Testaments Unseres Herrn sei: Novi et aeterni testamenti.

Lefebvre-Ordination-1977-b

Novi et aeterni testamenti, es ist der Priester, der diese Worte bei der Konsekration des Kostbaren Blutes rezitiert. Hic est calix sanguinis mei, novi et aeterni testamenti. Das Erbe, das Jesus Christus uns hinterlassen hat, ist sein Opfer, sein Blut, sein Kreuz. Und dies ist das Ferment der ganzen christlichen Zivilisation und dessen, was uns in den Himmel bringen muss. Deshalb sage ich euch: Zum Ruhme der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, aus Liebe zu unserem Herrn Jesus Christus, aus frommer Verehrung der Heiligsten Jungfrau Maria, aus Liebe zur Kirche, aus Liebe zum Papst, aus Liebe zu den Bischöfen, den Priestern, aller Gläubigen, zum Heile der Welt, zum Heile der Seelen, bewahret dieses Testament Unseres Herrn Jesus Christus! Bewahret das Opfer Unseres Herrn Jesus Christus! Bewahret die Messe von immer! Und dann werdet ihr sehen, wie die christliche Zivilisation wieder erblüht, die Zivilisation, die nicht für diese Welt ist, sondern eine Zivilisation ist, die zur katholischen Stadt führt, und diese katholische Stadt ist die katholische Stadt des Himmels, die sie vorbereitet. Sie ist für nichts anderes gemacht, die katholische Stadt hier auf Erden, sie ist für nichts anderes gemacht als für die katholische Stadt des Himmels.

Darum, indem wir das Blut Unseres Herrn Jesus Christus bewahren, sein Opfer bewahren, diese Messe bewahren, die Messe, die uns hinterlassen wurde von unseren Vorgängern, die Messe, die vererbt wurde seit den Aposteln bis heute – und in wenigen Augenblicken werde ich diese Worte über den Kelch meiner Priesterweihe sprechen, und wie wollt ihr, dass ich über den Kelch meiner Ordination andere Worte spreche als jene, die ich ausgesprochen habe vor fünfzig Jahren; es ist unmöglich, ich kann diese Worte nicht ändern – deshalb werden wir fortfahren die Worte der Konsekration zu sprechen wie es uns unsere Vorgänger gelehrt haben, wie die Päpste, die Bischöfe und die Priester, die unsere Erzieher waren, es uns gelehrt haben, damit Unser Herr Jesus Christus herrsche und damit die Seelen gerettet werden durch die Fürsprache unserer Guten Mutter des Himmels.

Mgr Marcel Lefebvre, Paris, 23. Sepember 1979

_______

Quelle: Credidimus Caritati

Aus dem Französischen übersetzt von mir [POS]

Mgr. Lefebvre: Muss man nach Rom gehen?

Mgr. Lefebvre, 1984

Mgr. Lefebvre, 1984

„Was mich betrifft, so schien es mir immer,  da wir uns auf die gesunde und treue Tradition der Kirche abstützen, dass es meine Pflicht war, nach Rom zu gehen, zu protestieren und alles zu machen, damit die Rückkehr zur Tradition eines Tages erfolge. Dann haben gewisse Mitglieder der Bruderschaft, leider, gemeint, dass man nicht mehr nach Rom gehen solle, dass man keine Kontakte mehr haben solle mit jenen, die sich gegenwärtig auf das Irrige zu bewegen, dass man alle jene verlassen müsse, die das II. Vatikanische Konzil und seine Folgeerscheinungen angenommen haben, und die infolgedessen, da die Bruderschaft weiterhin Kontakte mit Rom und mit dem Papst hatte, es vorgezogen haben, die Bruderschaft zu verlassen.

„Also, meine lieben Brüder, dies ist nie das gewesen, was die Bruderschaft getan hat, noch je das Beispiel, das ich geben zu müssen geglaubt habe. Im Gegenteil, ich höre nicht auf, nach Rom zu gehen; ich gehe weiterhin nach Rom und ich habe weiterhin Kontakte mit Kardinal Ratzinger, den Ihr gut kennt, mit dem Ziel, Rom zur Tradition zurückzubringen.

„Wenn ich annähme, dass wir keinen Papst mehr haben, warum [sollte man] dann nach Rom gehen? Wie aber dann [darauf] hoffen, die Kirche zur heiligen Tradition zurückbringen zu können?

„Denn es ist der Papst, der die Kirche zur Tradition zurückbringen muss; er ist es, der die Verantwortung trägt, und wenn er sich heute leider zu diesen Irrtümern von Vatikan II verführen lässt, ist dies kein Grund, ihn zu verlassen, ganz im Gegenteil! Wir müssen alle unsere Anstrengungen machen, um ihn dazu zu bringen, über die Ernsthaftigkeit der Situation nachzudenken, ihn zur Tradition zurückzuführen, und ihn bitten, die Kirche zurückzuführen auf den Weg, den sie während zwanzig Jahrhunderten befolgt hat.

„Gewisse werden mir zweifellos sagen, jene, die uns auf diese Weise verlassen: „Es ist zwecklos, ihr verliert eure Zeit“. Dies ist so, weil sie kein Vertrauen auf Gott haben; Gott kann alles, menschlich gesprochen ist dies wahr: es ist enttäuschend, aber der Liebe Gott kann alles und das Gebet kann alles erlangen. Und das ist der Grund, warum wir unser Gebet für den Papst verdoppeln müssen, damit der Liebe Gott ihn erleuchte, damit er endlich die Augen öffne, damit er die Katastrophen erkennt, die sich in der Kirche ausbreiten, damit sich endlich die Seminare füllen nach dem Vorbilde der unserigen, um von neuem Priester heranzubilden, welche die wahre Messe zelebrieren und den Ruhm des Lieben Gottes lobpreisen wie es Unser Herr getan hat am Kreuze, und das Kreuzesopfer weiterführen. Das ist es, warum ich nach Rom gehe, dies ist es, was die Bruderschaft ist, mein lieben Freunde.“

Mgr Lefebvre, Zaitzkofen, Predigt vom 26. Februar 1983

_______

Quelle: Credidimus Caritati

Aus dem Französischen übersetzt von mir [POS]

Erzbischof Marcel Lefebvre: „Ich ziehe eine höhere Weisheit vor: die Logik der Gottesliebe und der Klugheit“.

Wiedergabe eines Kommentars von „Agnes“:

Marcel Lefebvre – eine Biographie – 2. Ausgabe 2009, Seite 537:

“Wie kann es sein, da doch die Verheißungen des Beistandes unseres Herrn Jesus Christus für seinen Stellvertreter bestehen, daß dieser selbe Stellvertreter zur gleichen Zeit durch sich selbst oder durch andere den Galuben der Katholiken verderben kann?”
Manche sagen: Er verkündet Häresien, er hat die Religionsfreiheit promulgiert, er hat den Artikel 7 des NOM unterzeichnet. Nun kann aber ein Häretiker nicht Papst sein, folglich schuldet man ihm keinen Gehorsam. Das ist eine eingleisige und bequeme Logik, die auf einer theologischen Meinung gründt, welche erstzunehmende Verfasser theoretisch verfochten haben. Aber kann man im Konkreten die formelle Häresie des Papstes behaupten? Wer hätte dafür die notwenige Autorität? Wer würde dem Papst die notwendigen kanonischen Ermahnungen zukommen lassen, um dies festzustellen? Darüber hinaus versetzt diese Schlußfolgerung in der Praxis “die Kirche in eine unentwirrbare Lage. Wer würde uns sagen, wo der zukünftige Papst ist? Wie könnte er bestimmt werden, da es dann auch keine Kardinäle mehr gäbe”, da der Papst nicht Papst ist? “Dieser Geist ist ein schismatischer Geist”. Darüber hinaus ist “die Sichtbarkeit der Kirche für ihren Bestand viel zu notwendig, als daß Gott sie während Jahrzehnten ausfallen lassen könnte”. Der “theoretischen Logik” eines Pater Guérard des Lauriers* gegenüber zog Mgr. Lefebvre “eine höhere Weisheit vor: die Logik der Gottesliebe und der Kugheit”.

“Vielleicht wird eines Tages in dreißig oder vierzig Jahren eine Sitzung von Kardinälen – von einem zukünftigen Papst einberufen – die Regierung Pauls VI. untersuchen und ein Urteil fällen. Vielleicht werden sie sagen, daß Tatsachen vorliegen, die den Zeitgenossen hätten in die Augen springen müssen, Aussagen dieses Papstes, die der Tradition geradezu entgegengegesetzt sind.

Ich ziehe es bis jetzt vor, denjenigen als Papst anzusehen, der wenigstens auf dem Stuhl Petri sitzt. Und wenn man eines Tages auf ganz sichere Art und Weise entdeckt, daß dieser Papst nicht Papst war, dann habe ich trotz allem meine Pflicht erfüllt.

Außerhalb der Fälle, in denen er von seiner Gnadengabe der Unfehlbarkeit Gebrauch macht, kann der Papst irren. Warum sollten wir folglich Ärgernis nehmen und sagen: “Dann ist er kein Papst” – wie Arius an den Demütigungen unseres Herrn in seiner Passion Anstoß genommen hat, als dieser in seinem Leiden ausrief: ”Mein Gott, warum hast du mich verlassen?” und die Überlegung anstellte: “Folglich ist er nicht Gott!” Wir wissen nicht, bis zu welchem Punkt ein Papst – “mitgerissen von was für einem Geist auch immer, von was für einer Ausbildung, unter irgendeinem Druck stehend oder aus Nachlässigkeit” – die Kirche verleiten kann, den Glauben zu verlieren. Aber “wir stellen die Tatsachen fest. Ich ziehe es vor, von diesem Grundsatz auszugehen: Wir müssen unseren Glauben verteidigen, hier liegt unsere Pflicht ohne den geringsten Schatten eines Zweifels.”

_______

* Lauriers – Er war der Meinung, daß Paul VI. “in materieller, aber nicht in formeller Hinsicht Papst ist”.