Vatikan: „Amoris laetitia“ ist „authentisches Lehramt“

Kommunionsempfang auf dem Petersplatz

Was Papst Franziskus mehrfach betont hat, ist nun offiziell: Beim Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene gilt der Mittelweg, dass in Einzelfällen die Zulassung zu den Sakramenten der Versöhnung und der Eucharistie möglich ist. Ein entsprechender Brief des Papstes vom September 2016 und eine Orientierungshilfe wurden nun im Amtsblatt des Heiligen Stuhls veröffentlicht. Ein Zusatz von Kardinalsstaatsekretär Pietro Parolin weist die Texte ausdrücklich als „authentisches Lehramt“ aus.

Die beiden Dokumente, auf die sich Parolins „Reskript aus einer Audienz mit Seiner Heiligkeit“ bezieht, sind eine Orientierungshilfe zu dem nachsynodalen Schreiben „Amoris laetitia“, die Bischöfe aus der argentinischen Seelsorgeregion Buenos Aires am 5. September 2016 für ihre Kleriker publizierten, und der am selben Tag erfolgte Antwortbrief von Franziskus darauf an den Bischof der Diözese San Miguel, Sergio Alfredo Fenoy. Darin bestätigte der Papst die Auslegung von „Amoris laetitia“ durch die Bischöfe der Region. „Der Text ist sehr gut und erklärt genau die Bedeutung des achten Kapitels von ‚Amoris laetitia’“, heißt es in dem Brief des Papstes. „Es gibt keine anderen Interpretationen.“ In dem umstrittenen Kapitel geht es um das „Begleiten, Unterscheiden und Integrieren“ in schwierigen Lebenssituationen.

„Amoris laetitia“ löste einen innerkirchlichen Streit aus. Sein Gegenstand war die Fußnote 351 des Papstdokuments: Wiederverheiratete Geschiedene könnten unter Umständen auch die „Hilfe der Sakramente“ erhalten, heißt es dort. Das stehe im Widerspruch zur Lehre der Kirche, beanstandeten manche Ausleger, allen voran vier Kardinäle, die dem Papst ihre Zweifel („Dubia“) in Form eines Briefs zustellten. Nach der Lehre sei die Ehe unauflösbar und die Betroffenen lebten in einem fortgesetzten Stand der schweren Sünde.

Beide Dokumente, die Orientierungshilfe der argentinischen Bischöfe wie auch das Antwortschreiben des Papstes, finden sich seit wenigen Tagen in der Online-Ausgabe der „Acta Apostolicae Sedis“ vom Oktober 2016. Die gedruckte Ausgabe liegt noch nicht vor.

Durch Veröffentlichung in den AAS werden allgemeine kirchliche Gesetze promulgiert, treten also in Kraft. In den vatikanischen Akten stehen aber auch Reden, Briefe oder Berichte über Ereignisse. Je nach Gattung haben die Texte unterschiedliche Bedeutung.

In diesem Fall bemerkenswert ist ein „Reskript aus einer Audienz bei Seiner Heiligkeit“, unterzeichnet von Kardinalstaatssekretär Parolin. Ein Reskript ist eine Art Verwaltungsakt zur Regelung von Rechtsfragen in Einzelfällen. In der Materie, die bei der Audienz behandelt wurde, habe „der Papst entschieden, dass die vorgestellten beiden Dokumente durch Veröffentlichung auf der vatikanischen Website und in den ‚Acta Apostolicae Sedis‘ als authentisches Lehramt promulgiert werden“.

Dass das Datum des Reskripts von Kardinal Parolin in den AAS-Akten vom Oktober 2016 mit dem 5. Juni 2017 angegeben ist, ist nicht ungewöhnlich. Die Erstellung des Amtsblattes zieht sich über Monate hin; Texte müssen mehrfach kontrolliert, zum Teil übersetzt werden. So kann es dazu kommen, dass die gedruckten Akten des Jahres 2016 erst Anfang 2018 erscheinen.

In der Zwischenzeit können in der Online-Ausgabe Ergänzungen vorgenommen werden. Das späte Reskript vom Juni 2017 ist wohl auch ein Ergebnis der heftigen Debatte, in der das eigentliche Anliegen des Papstes bereits dutzendfach von Theologen erklärt worden ist.

(katholisch.de/kap 06.12.2017 gs)

Kardinal Burke: Die Verwirrung in der Kirche deutet darauf hin, dass wir vielleicht in der Endzeit angekommen sind.

 

30. November 2017 (LifeSiteNews) – Verwirrung und Irrtum in der katholischen Kirche bezüglich ihrer grundlegenden Lehre über Ehe und Familie sind so ernst, dass die Endzeit über uns gekommen sein könnte, sagte Kardinal Raymond Burke in einem neuen Interview.

Wenn die Grundlage des Sittengesetzes in der Kirche in Frage gestellt wird, sagte der Kardinal: „dann sind die ganze Ordnung des menschlichen Lebens und die Ordnung der Kirche selbst gefährdet.“

„Es gibt also ein Gefühl in der heutigen Welt, die auf dem Säkularismus mit einem vollständig anthropozentrischen Ansatz basiert“, fuhr Kardinal Burke fort, „durch das wir denken, dass wir unseren eigenen Sinn des Lebens und der Bedeutung der Familie und so weiter schaffen können; die Kirche selbst scheint verwirrt zu sein.“

„In diesem Sinne kann man das Gefühl haben, dass die Kirche den Anschein erweckt, nicht willens zu sein, den Geboten unseres Herrn zu gehorchen“, erklärte er. „Dann sind wir vielleicht in der Endzeit angekommen.“

Kardinal Burke bestätigte in einem Interview mit dem Herausgeber des Catholic Herald, Paolo Gambi, heute, dass „sehr ernste Fragen“ hinsichtlich der Dubia bestehen, die Papst Franziskus letztes Jahr zu seiner Exhortation Amoris Laetitia vorgelegt wuden.

Aber er bestand darauf, dass die Einzelheiten darüber, wie man eine formale Korrektur des Papstes vornimmt, noch nicht bestimmt sind.

Kardinal Burke ist seit langem für seine Verteidigung der kirchlichen Orthodoxie bekannt, und viele betrachten seine Entschlossenheit zu diesem Ziel angesichts scheinbar politischer Herunterspielungen und Spott als ein Beispiel für Mut und Treue zum Glauben.

Burke bestätigte im Interview mit Catholic Herald, dass er, obwohl er Kardinalpatron des Malteserordens bleibt, gegenwärtig keine Funktion innerhalb des Ordens hat und daher weder von der Organisation selbst noch von Papst Franziskus Mitteilungen bekommt.

Er bestätigte auch im Interview, dass es den Priestern freistehe, die außerordentliche Form der Messe seit Papst Benedikts XVI. Motu proprio Summorum Pontificum zu zelebrieren, indem sie darauf verweisen, dass sowohl die ordentliche Form als auch die außerordentliche Form der Liturgie in der Kirche als normal angesehen werde.

Gambi forderte den Kardinal auf, die jüngsten Kommentare zu präzisieren, die er über die gegenwärtige „realistisch scheinende Apokalyptik“ machte, weil „Verwirrung, Spaltung und Irrtum“ innerhalb der Kirche von „Hirten“ selbst auf höchster Ebene stammen.

Kardinal Burke erklärte, dass der Zugang zu Sakramenten für Menschen, die in sündigen Gemeinschaften leben, „eine Verletzung der Wahrheit“ sowohl betreffend die Unauflöslichkeit der Ehe als auch für die Heiligkeit der Eucharistie ist.

„Im gegenwärtigen Moment gibt es Verwirrung und Irrtum über die grundlegendsten Lehren der Kirche“, sagte Kardinal Burke, „zum Beispiel im Hinblick auf die Ehe und die Familie. Zum Beispiel ist die Vorstellung, dass Menschen, die in einer irregulären Vereinigung leben, die Sakramente empfangen könnten, eine Verletzung der Wahrheit sowohl in Bezug auf die Unauflöslichkeit der Ehe als auch auf die Heiligkeit der Eucharistie.“

Er zitierte den hl. Paulus und sagte: „Wir essen unsere Verurteilung“ (unser Gericht), wenn wir die Eucharistie auf unwürdige Weise empfangen.

„Jetzt geht die Verwirrung in der Kirche sogar noch weiter“, fügte Burke hinzu, „weil es heute Verwirrung darüber gibt, ob es überhaupt Akte gebe, die an sich böse sind, und das ist natürlich die Grundlage des Sittengesetzes“, die Ordnung der Kirche und des menschlichen Lebens.

Auf die Frage nach der jüngsten Behauptung der italienischen Bischofskonferenz, des Generalsekretärs Bischof Nunzio Galantino, dass die protestantische Reformation ein „Ereignis des Heiligen Geistes“ gewesen sei, antwortete Kardinal Burke: „Nun, ich sehe nicht, wie sie sagen können, dass die Spaltung der Kirche ein Akt des Heiligen Geistes sei. Es macht einfach keinen Sinn. “

Er verwarf auch die Rede von einer gemeinsamen Eucharistiefeier mit Lutheranern als „nicht möglich“ wegen der Unterschiede in der Lehre der Transsubstantiation (Wesensverwandlung).

„Wenn sich Katholiken an einer ökumenischen Eucharistie beteiligen, würden sie den katholischen Glauben aufgeben“, sagte Kardinal Burke. „Dies ist eine zutiefst falsche Ökumene, die dem Glauben und den Seelen schweren Schaden zufügen würde.“

Seine Antwort auf Gambi mit der Frage, was seine erste Handlung wäre, wenn er zum Papst gewählt würde, wäre: „Das Erste, was ein Papst tun sollte, ist einfach, das Glaubens-Bekenntnis zusammen mit der ganzen Kirche als Stellvertreter Christi auf Erden abzulegen.“

„Die meisten Päpste haben das getan“, fügte Kardinal Burke hinzu und schlug Papst Pius X. Enzyklika E Supremi als Beispiel vor.

„Auch Redemptor Hominis von Papst Johannes Paul II. Ist eine Art Glaubensbekenntnis“, betonte der Kardinal, „und erinnert daran, dass die Kirche der Leib Christi ist, dass die Kirche zu Christus gehört und dass wir alle in seinem Dienst gehorsam sind.“

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Quelle

Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

Birgit Kelle Gender Mainstreaming: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen

Ergänzungsheft I
zur Reihe „Wort des Bischofs“

Birgit Kelle

Gender Mainstreaming:
An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen 

Wort zum Tag der Menschenrechte

10. Dezember 2017

 

Mit einem Vorwort
von

Msgr. Dr. Vitus Huonder
Bischof von Chur

Wort zur Ehe und Familie 4 

Chur, 1. November 2017

Vorwort

Papst Franziskus schreibt in großer Sorge um eine gesunde gesellschaftliche Entwicklung: „Eine weitere Herausforderung ergibt sich aus verschiedenen Formen einer Ideologie, die gemeinhin ‘Gender’ genannt wird und die den Unterschied und die natürliche Aufeinander-Verwiesenheit von Mann und Frau leugnet. Sie stellt eine Gesellschaft ohne Geschlechterdifferenz in Aussicht und höhlt die anthropologische Grundlage der Familie aus. Diese Ideologie fördert die Erziehungs- pläne und eine Ausrichtung der Gesetzgebung, welche eine persönliche Identität und affektive Intimität fördern, die von der biologischen Verschiedenheit zwischen Mann und Frau radikal abgekoppelt sind“.1

Für den Heiligen Vater ist diese Entwicklung beunruhigend, und er fordert uns auf: „Verfallen wir nicht der Sünde, den Schöpfer ersetzen zu wollen!“2 Im Sinne dieses Aufrufs gelange ich heute an alle Menschen guten Willens, indem ich einer Frau die Stimme gebe, einer Ehefrau und Mutter. Ich habe Frau Birgit Kelle, die in Deutschland für ihre mutige publizistische Arbeit bekannt ist, gebeten, einen exklusiven Text für das Bistum Chur zum Tag der Menschenrechte 2017 zu verfassen. Ihre Ausführungen, gewonnen aus persönlicher

1 PAPST FRANZISKUS, Nachsynodales Apostolisches Schreiben Amoris Laetitia (19. März 2016), Nr. 56.

2 Ebd. Nr. 56.

Erfahrung, welche aus dem Leben einer starken Frau und Mutter kommen, sind beeindruckend. Es sind Worte, die mich als Bischof berühren.

Ich danke Frau Kelle für ihre Stellungnahme und hoffe, dass diese der Meinungsbildung, ja der Abwehr einer großen Gefahr für die Menschheit dient. Dabei möchte ich einen Blick auf die Gottesmutter, auf die Hilfe der Christen, werfen und ihrer Fürbitte die gesunde Entwicklung der Menschheit anvertrauen, damit wir begreifen, dass uns die Schöpfung vorausgeht und wir sie als Geschenk empfangen müssen, und dass wir unser Menschsein so behüten und akzeptieren und respektieren, wie es erschaffen worden ist 3.

+ Vitus Huonder, Bischof von Chur

 

3 Vgl. PAPST FRANZISKUS, Nachsynodales Apostolisches Schreiben Amoris Laetitia (19. März 2016), Nr. 56.

 

 

Gender Mainstreaming:

An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen

 

von Birgit Kelle

 

Wem beim Anblick eines leidenden Kindes nicht das Herz aufgeht, hat seine Menschlichkeit bereits eingebüßt. Kinder rühren unser Herz an. Instinktiv will man sie schützen, sich vor sie stellen, sie hüten, sie vor allem Bösen bewahren. Sei es vor Hunger und Kälte, oder auch nur vor den eingebildeten Monstern unter dem Kinderbettchen. Vor zwei Jahren rührte eine Fotografie halb Europa zu Herzen. Sie zeigte den kleinen Aylan Kurdi, mit drei Jahren auf der Flucht aus Syrien im Mittelmeer ertrunken. Diese Fotografie hat das Tor zu Europa damals noch ein Stück weit mehr aufgestoßen, als es sowieso schon offen stand. Das ist einerseits menschlich gut, zeigt aber auch anschaulich die Gefahr, wenn die Politik das «Wohl des Kindes» oder auch die «Rechte von Kindern» instrumentalisiert, um politische Entscheidungen zu rechtfertigen.

Oder um es deutlicher auszusprechen: Wenn die Definition des Kindeswohles  zum Spielball der Mächtigen wird, sind in der Regel viele Interessen im Spiel, und  oft sind es gar nicht jene der Kinder. Nicht umsonst versuchten alle totalitären politischen Ideen der vergangenen Jahrhunderte und alle diktatorischen Regimes weltweit, sich der Kinder eines Volkes zu bemächtigen. Man hat immer wieder versucht, einen Keil in die Familien zu treiben, Eltern und Kinder zu entzweien, Kinder von ihrem Glauben und der Kirche zu entfremden und sie so schnell wie möglich in staatlicher Obhut nach staatlichen Vorstellungen groß zu ziehen. Selbstverständlich geschah das nur zu ihrem «Wohl». Egal ob es sich Marxismus, Leninismus, Nationalsozialismus oder Kommunismus nannte. «Die Lufthoheit über den Kinderbetten gehört uns» – so formulierte es einst großherrlich ein bekannter deutscher Politiker, eingefärbt in sozialdemokratische Wolle. Der Staat sollte also definieren, was gut ist für Kinder, und nicht die Eltern. Wer mit den Rechten von Kindern argumentiert, steht in der öffentlichen Debatte moralisch wohlig warm auf der Seite der Guten. Wer Kindern etwas verweigert, auf der dunklen Seite der Macht. Schließlich wollen wir ja alle, dass sich Kinder frei entfalten, ihr ganzes Potenzial entdecken und ausleben und in ihrer Entwicklung nicht etwa behindert, sondern gefördert werden. Oder? So sicher wie das Amen in der Kirche ereilt uns alljährlich zum Weltkindertag die Debatte über die Verankerung von eigenen Kinderrechten in der Verfassung. So als wären Kinder nicht auch Menschen, und somit durch die universalen Menschenrechte bereits hinreichend berücksichtigt. Ein Schelm, wer Böses denkt, wenn der Staat ein eigenes «Schutzrecht» für die Kinder propagiert, neben den Eltern – und in Wahrheit im Zweifel gegen die Eltern.

Wie die Definition des «Kindeswohls» zu einem Instrument der Indoktrination von Kindern umgedeutet wird, zeigt sich nämlich gerade in allen europäischen Ländern, die unter dem Deckmantel von «Bildung»  die neue Ideologie des Gender Mainstreaming mit ihren unheiligen Beibooten, der «sexuellen Vielfalt», der «Gleichstellung der Geschlechter» und der «Bildung zu Toleranz» in unsere Klassenzimmer schleusen wollen. Da heißt es dann plötzlich, Kinder hätten ein eigenes Recht auf Sexualität, auch gegen den Willen ihrer Eltern. Ein Recht auf Wissen um diverse sexuelle Orientierungen bis hin zu Sexualpraktiken. Da sprießen zweifelhafte «Gender-Experten» aus dem Boden, mit Sexualkunde-Plänen schon für Kindergartenkinder. Hat nicht gar die WHO als weltweit tätige Gesundheitsorganisation definiert, dass man bei Kindern bereits ab vier Jahren (!) möglichst mit der sexuellen Bildung beginnen sollte? Längst existiert Lehrmaterial, das Kinder nicht etwa in ihrer gesunden Entwicklung als Mädchen und Jungen bestärken oder in ihrer Identitätsbildung festigen soll, sondern diese sogar explizit zerstören will. Wer sich nämlich eine Gender-Ideologie zu eigen macht, die im Unterschied zwischen Mann und Frau nicht etwa die wunderbare Schöpfung Gottes erkennt, sondern die Unterdrückung der Vielfalt von Geschlechtern, der hat den Boden der Realität schon lange verlassen. Wie Pilze sprießen derzeit Gender-Lehrstühle aus dem Boden, die ständig nicht nur neue «Geschlechter» schaffen, sondern statt Lösungen immer mehr Probleme. Längst hat sich eine Bewegung, die einst antrat, die Gleichberechtigung von Mann und Frau zu schaffen, zu Handlangern von Lobbyisten der so genannten «sexuellen Vielfalt» machen lassen. Nutzt es unseren Kindern, wenn wir in Zweifel ziehen, ob sie Junge oder Mädchen sind, wenn wir ihnen keine Moral, keinen Anstand auf den Weg geben, sondern sexuelle Freizügigkeit von Kindesbeinen an? Oder haben wir nicht gar als Eltern sogar die Pflicht, unsere Kinder vor solchen Einflüssen zu schützen? Weil sie unsere Kinder sind, und wir unsere Werte und unseren Glauben, un- sere Vorstellungen von Falsch und Richtig an sie weiterreichen wollen und im Sinn des Rechtes der Eltern auf Erziehung auch explizit dürfen?

«An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen» steht bei Matthäus (7,16). Deswegen dürfen wir nicht stehen bleiben bei den blumigen Formulierungen über Toleranz unter dem Regenbogen, die man uns zum Thema Gen- der vorsetzt. Wir sollten auf das schauen, was im Namen von «Gender» tatsächlich politisch umgesetzt  wird. Und da muss die Frage erlaubt sein, warum es eigentlich als Straftat gilt, wenn ein Erwachsener einem anderen Erwachsenen seine Sexualität ungefragt aufdrängt. Dann sprechen wir selbstverständlich von Belästigung und Nötigung. Wenn aber in den Kindergärten und Schulen Erwachsene den Kindern die Sexualität  von Erwachsenen aufdrängen in Wort und Bild, dann wird aus der Straftat plötzlich «kindliche Bildung».

Und dann gibt es da ja noch die guten Taten, die wir  als Gesellschaft gar nicht mehr leisten. Die Sünden, die wir durch unterlassene Hilfeleistung zulassen, während wir über Kinderrechte reden. Auch an diesen Unterlassungen sollten wir die Gesellschaft und ihre Ambitionen messen. Denn in welcher weltweiten Charta schützen wir eigentlich das Kinderrecht, geboren zu werden? Das Recht auf Leben von Anfang an? Wir schützen also das Recht von Vierjährigen, zu wissen, wie Kinder gezeugt werden, nicht aber ihr Recht auf die Welt zu kommen. Es ist noch freundlich, das als Zynismus zu bezeichnen. Wo ist das Recht von Kindern, nicht schon früh von ihren Eltern getrennt zu werden? Etwas, was wir im Namen von Tierschutz-Rechten jedenfalls Hundewelpen zugestehen. Es gibt kein Gesetz, dass Kinder davor schützt, zu jung von ihrer Mutter getrennt zu werden. Und wer schützt behinderte Kinder davor, im Mutterleib getötet zu werden, weil sie nicht den Ansprüchen einer perfekten Welt genügen? Wer schützt das Recht von Kindern, überhaupt bei ihren biologischen Eltern groß zu werden, bei Mutter und Vater, die es gezeugt haben und nicht in einer künstlich zusammengewürfelten modernen Familienkonstellation? Gerade  entsteht   nicht zuletzt im Namen von «Gender-Gerechtigkeit» eine neue Form von Kinderhandel, unter dem hübschen Pseudonym «Leihmutterschaft». Nur, dass die Mutter nicht geliehen wird, sondern ihr Bauch als Brutstätte ausgenutzt wird und das Kind danach an Fremde verkauft wird. Ein perfider Service, der gerne vor allem durch homosexuelle Paare genutzt wird, die naturgemäß kein Kind zeugen können. Aber durchaus bereit sind, eines zu kaufen.

Oh ja, Kinderrechte sind ein wichtiges Thema, und wir sollten sie schützen. Wir sollten mit dem elementarsten dieser Rechte anfangen: Das Recht der Kinder, überhaupt das Licht dieser wunderbaren Welt zu erblicken.

Zur Autorin:

Birgit Kelle, geboren 1975, verheiratet, Mutter von vier Kindern. Kolumnistin beim Meinungs- und Debattenportal «The European» und bei der Zeitung «WELT». Vorsitzende des Vereins «Frau 2000plus», Vorstandsmitglied des EU-Dachverbandes «New Women For Europe», Autorin der Bücher «Gendergaga» (adeo Verlag München, 2015) sowie «Muttertier – eine Ansage» (Fontis Verlag, Basel, 2017).

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Quelle

Die Moral von Amoris Laetitia ist nicht thomistisch

Pope Francis speaks at the Jesuits‘ 36th general congregation in Rome Oct. 24. Pope Francis, a Jesuit, met his Jesuit brothers after the election of a new superior but did not participate in the election. (CNS photo/Don Doll, S.J.) See POPE-JESUITS Oct. 24, 2016.

Der folgende Beitrag stammt von Richard A. Spinello, Associate Research Professor am Boston College und Mitglied der Adjunct Faculty am St. John’s Seminary in Boston. Der Beitrag erschien in der katholischen Onlinezeitschrift Crisis Magazine, einer der großen katholischen Internetportale der USA.

 

„In einer offiziellen Ansprache während seines jüngsten Besuchs in Kolumbien bat Papst Franziskus seine jesuitischen Brüder, seine umkämpfte Exhortation über die Ehe zu verteidigen, die nach wie vor von Unklarheiten und heftiger Unbestimmtheit heimgesucht werden. In seinem kurzen Diskurs hat der Papst auch Thomas von Aquin in dieses Unternehmen einbezogen, indem er auf die thomistischen Eigenschaften von Amoris Laetitia beharrte. Er legte dar, wie „die Moraltheologie von Amoris Laetitia thomistisch ist, die Moral des großen Thomas“ und stellte diese Moral der auf Kasuistik basierenden, strengeren Moraltheologie gegenüber. Und in einem ziemlich rauen Ton beschuldigte er diejenigen, die seine Exhortation kritisierten, eine „rein kasuistische“ Herangehensweise an die moralische Argumentation zu haben.

Dieselben umstrittenen Behauptungen machte der Papst auch in seiner Rede vor den Jesuiten, die zu ihrer 36. Generalversammlung zusammengekommen waren. Er schlug eine Moral vor, die auf Unterscheidungsvermögen basierte, und züchtigte seine Kritiker erneut für den Handel mit Kasuistiken. Wie sollen wir verstehen, was der Papst mit Kasuistik meint? Es ist schwierig, diese Frage präzise zu beantworten, da die Bedeutung des vom Papst Gemeinten nicht sehr klar ist. Er scheint zu behaupten, dass der Kasuist einer ist, der sich für die Anwendung bestimmter moralischer Normen auf konkrete Situationen einsetzt, ohne die Umstände und den Kontext zu berücksichtigen. Kardinal Barbarin von Lyon behauptete kürzlich in einer weiteren Rede, der Papst leugne ein moralisches System, das durch eine Dichotomie zwischen dem moralisch Zulässigen und dem Verbotenen aufgrund der „außerordentlichen Vielfalt der persönlichen Situationen“ geprägt sei: „Eine moralische oder pastorale Norm kann“ laut Kardinal Barbarin „niemals für jeden Einzelfall gelten“.

Es gibt jedoch wenig in Amoris Laetitia, das zu einem Vergleich mit Thomas von Aquin einlädt. Es gibt einige Zitate von Thomas, aber einige Referenzen, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden, rechtfertigen es nicht, die Schriften des Papstes als thomistisch inspiriert einzustufen. Die Moralphilosophie Thomas von Aquins beruht auf dem Naturrecht, das nur einmal in der ganzen Exhortation erwähnt wird. Darüber hinaus baut Amoris Laetitia nicht auf den Erkenntnissen von Veritas Splendor von Johannes Paul II. auf, die durchaus thomistisch sind. Diese Enzyklika wird in dem langen Dokument von Papst Franziskus nie erwähnt. In der Tat haben die liberalen Theologen Amoris Laetitia gerade deswegen gejubelt, weil sie das Naturrecht zugunsten eines „pastoraleren“ Ansatzes in moralischen Fragen ablehnt. Michael Shawn Winters vom National Catholic Reporter stellt mit Beifall fest, dass Amoris Laetitia eine große Verschiebung von der Naturrechtsbegründung darstellt, die von Thomas und von Johannes Paul II. in ihrer Behandlung der Sexualmoral favorisiert wird.

Thomas von Aquin behauptet unmissverständlich, dass kein menschliches Handeln von moralischer Bedeutung moralisch richtig sein kann, wenn das gewählte Objekt nicht dem moralischen Gesetz entspricht. Johannes Paul II. erklärte: „Einige Sünden sind aufgrund ihrer Materie an sich schon schwerwiegend und tödlich, d. h. es gibt Handlungen, die an sich und in sich, unabhängig von den Umständen, aufgrund ihres Gegenstands schwerwiegend falsch sind“ (Reconciliatio et Paenitenia, Abs. 17). Die bewusste Entscheidung, Unschuldige zu töten, ist immer falsch, unabhängig von der Situation oder den Umständen. Diese Überzeugung, die der von vielen liberalen Moraltheologen favorisierten proportionalistischen Ethik völlig fremd ist, wurde in Veritatis Splendor nachdrücklich bekräftigt, aber von dieser Argumentationslinie ist in Amoris Laetitia keine Spur zu finden. Stattdessen gibt es Andeutungen, dass es Ausnahmen von Normen geben müsse, die auf den konkreten Lebensumständen einer Person beruhen, denn es sei „reduktiv einfach zu überlegen, ob die Handlungen einer Person einem allgemeinen Gesetz oder einer Regel entsprechen oder nicht“ (Absatz 304).

Papst Franziskus und seine Unterstützer behaupten, dass sie dem hl. Thomas treu sind, wenn sie behaupten, „je mehr wir uns den Details zuwenden, desto häufiger begegnen wir der Ungewissheit“ (304). Aber für Thomas von Aquin könnte eine solche moralische Zweideutigkeit entstehen, wenn affirmative Normen auf dem Spiel stehen. Amoris Laetitia ignoriert völlig die essentielle thomistische Unterscheidung zwischen affirmativen Regeln (wie z.B. „man muss geliehene Dinge zurückgeben“), die immer, aber nicht in jeder Situation gelten, und bestimmten negativen Regeln („begehe keinen Ehebruch“), die ausnahmslos gültig sind. Obwohl wir nicht immer bestimmen können, was gemäß einem affirmativen Gebot getan werden sollte, können wir nach Thomas bestimmen, was nicht in Übereinstimmung mit negativen Vorschriften getan werden darf (Summa Theologica, II-II, q. 140, a. 1). Wenn es um einige negative Normen wie „begehen Sie keinen Ehebruch“ geht, gibt es niemals moralische Ungewissheit oder Verwirrung, egal wie tief wir in die Details eintauchen.

Es ist daher ziemlich schwierig zu argumentieren, dass diese Exhortation einen thomistischen Ansatz in der moralischen Argumentation widerspiegelt. Amoris Laetitia verkörpert einen anderen Denkstil, der Prinzipien, die uns zu menschlicher Erfüllung anleiten, kaum in den Vordergrund stellt. Aquinas hingegen verleiht Regeln und Gesetzen sowie Tugenden einen hohen Stellenwert. Und einige dieser Regeln oder moralischen Normen schließen bestimmte Handlungen prospektiv als wie immer falsch aus, aufgrund ihres Objekts und ohne Rücksicht auf persönliche Absichten oder mildernde Umstände.

Die Argumente der Mitarbeiter des Papstes unterstützen seine Aussagen über den thomistischen Stammbaum dieser Ermahnung wenig. Anfang Oktober fand am Boston College eine Konferenz über Amoris Laetitia statt, bei der der päpstliche Berater Pater Antonio Spadaro bekräftigte, dass der Papst nicht an eine Einheitsmoral glaubt. „Wir müssen abschließend feststellen“, verkündete Spadaro, „dass der Papst begreift, dass man nicht mehr von…[einer] Regel sprechen kann, die in jedem Fall unbedingt zu befolgen ist“, so Pater Spadaro weiter, „dass es nicht mehr möglich ist, Menschen auf der Grundlage einer Norm zu beurteilen, die über allem steht“. Aber Spadaro scheint zu argumentieren, dass moralische Normen oder Regeln nicht in jeder Situation eingehalten werden müssen. Folgt man der Argumentation von Pater Spadaro, so scheint es kaum eine Garantie gegen die Willkür subjektiver Meinungen zu geben. Diese Sichtweise, die sich in einigen Passagen von Amoris Laetitia zu manifestieren scheint, lässt sich kaum mit Thomas‘ prinzipientreuer Moralphilosophie vereinbaren.

Auch die Reflexionen des Erzbischofs Fernandez, der als Ghostwriter von Amoris Laetitia gilt, können die Affinität zwischen Amoris Laetitia und den Schriften des hl. Thomas von Aquin nicht bestätigen. In einem Artikel mit dem Titel „Kapitel VIII von Amoris Laetitia: Was nach dem Sturm übrig bleibt“ demonstriert Erzbischof Fernandez die Asymmetrie zwischen diesem Werk und der thomistischen Moral. Laut Fernandez stimmt der Papst mit Thomas über die Bedeutung allgemeiner moralischer Normen überein. Laut Amoris Laetitia „können diese Normen in ihrer Formulierung jedoch nicht für alle besonderen Situationen absolut vorsorgen“ (304). Erzbischof Fernandez bietet folgende Erklärung an: „Die absolute Norm an sich lässt keine Ausnahmen zu, aber das impliziert nicht, dass ihre prägnante Formulierung in jeder Hinsicht und ohne Nuancen in allen Situationen angewandt werden muss“. Er liefert dieses Beispiel, um sein Argument zu veranschaulichen: Das göttliche und natürliche Gesetz „Du sollst nicht töten“ lässt keine Ausnahmen zu. Aber was ist im Begriff „Töten“ enthalten? Ist Töten zur Selbstverteidigung bei dieser Norm ausgeschlossen? Niemand würde in Frage stellen, sagt Fernandez, dass die Gültigkeit der Frage, ob das Töten zur Selbstverteidigung unter den engen Kompass des negativen Gebotes „Du sollst nicht töten“ falle, also gibt es absolute moralische Normen, aber wir können sie nicht richtig formulieren, um alle Verstöße gegen diese Norm einzubeziehen, und deshalb müssen Ausnahmen erlaubt sein. Dasselbe gilt für die einfache moralische Norm, die Ehebruch verbietet. Nach Fernandez, ist es durchaus gerechtfertigt zu fragen, ob alle „Handlungen eines untreuen Zusammenlebens“ immer unter das negative Gebot fallen sollten, das ehebrecherisches Verhalten verbietet.

Allerdings bietet Fernandez eine verworrene und unzusammenhängende Rechtfertigung der verzerrten moralischen Logik von Kapitel Acht. Er unterscheidet nicht immer klar zwischen dem objektiven Status einer Handlung und der Frage der subjektiven Schuld des moralischen Handelnden, der diese Handlung ausführt. Er argumentiert auch, dass Normen, da sie nicht alle Situationen in ihrer Formulierung vorsehen können, nur die Quelle „objektiver Inspiration für den zutiefst persönlichen Prozess der Entscheidungsfindung“ sein können. Obwohl er das Gegenteil behauptet, steht diese Position in völligem Widerspruch zum Gedankengut von Thomas von Aquin und Johannes Paul II. Fernandez argumentiert, dass „die Ungewissheit in komplexen Situationen zunimmt“, weil allgemeine Normen nicht alle Besonderheiten berücksichtigen können. Eine solche Ungewissheit kann zwar in der Anwendung positiver Normen liegen, nicht aber in der Anwendung negativer Normen, die Lügen, Ehebruch oder das Töten von unschuldigem Leben verbieten. Es besteht keine Unsicherheit über die objektive Rechtswidrigkeit solcher Handlungen. Johannes Paul II. spricht eben diese Frage in Veritatis Splendor an, wo er moralischen Theorien verurteilt, die behaupten, „dass es niemals möglich sei, ein absolutes Verbot von bestimmten Verhaltensweisen zu formulieren, die in jeder Situation und in jeder Kultur im Konflikt stünden“ mit bestimmten Werten (Abs. 75).

Was Fernandez vorschlägt, hat keine Grundlage im Denken von Thomas von Aquin. Es ist auch völlig falsch, wenn er vorschlägt, dass bestimmte moralische Normen nicht so formuliert werden können, dass sie alle Situationen einschließen. Seine ungenaue Analyse lädt zu allen Arten von Ausnahmen von den Normen ein, die auf der Behauptung basieren, dass die Norm zu weit gefasst und zu allgemein sei, um jede einzelne Situation zu erfassen. Wie zeitgenössische Thomisten wie John Finnis jedoch hervorgehoben haben, gibt es keine Ausnahmen von der Norm gegen das Töten, wenn es zutreffend heißt: „Jede Handlung, die dazu bestimmt ist, einen unschuldigen Menschen zu töten, ist ernsthaft unmoralisch und niemals zu wählen“. Ebenso gibt es keine Ausnahmen vom Ehebruch, wenn er von oder mit einer verheirateten Person außerhalb der Ehe als Sexualbeziehung definiert wird. Wenn eine Person in einer gültigen Ehe lebt, dann gilt das Gebot des Herrn ohne Ausnahme unabhängig von den Umständen. Für Thomas, der geschickt Vernunft und Offenbarung in Einklang bringt, ist Ehebruch, der auf diese einfache, aber endgültige Weise definiert wird, an sich falsch, und der Ehebrecher sollte jede erdenkliche Anstrengung mit Hilfe der Gnade unternehmen, um sich aus diesem sündigen Zustand zu befreien (siehe De Malo, q. 15, a. 1). Dennoch ist dieser Gedanke nirgendwo in Amoris Laetitia zu finden.

Nach Aquinas sind diese ausnahmslosen negativen Normen wesentlich, da sie die konkreten Grenzen der Moral vorgeben. Das Problem mit Amoris Laetitia besteht darin, dass es diese eindeutigen Parameter des moralischen Verhaltens zugunsten einer flexiblen und geschmeidigen Moral mit porösen Rändern zu beseitigen scheint. Kardinal Barbarin rühmt sich daher, dass Papst Franziskus „die Lehre der Kirche von ihren gesetzgeberischen Zwängen befreit hat“, indem er angeblich das moralische Gesetz bewahrt und gleichzeitig die Notwendigkeit von Ausnahmen anerkannt hat. Diese außergewöhnlichen Umstände werden jedoch vom Gewissen wahrgenommen, das mit einer oberflächlichen Kultur zu kämpfen hat, in der die moralische Wahrheit leicht verdeckt wird. Das Endergebnis ist eine moralische Maßlosigkeit, die weit entfernt von den thomistischen Prinzipien ist.

Wer eine päpstliche Lehre lesen will, die wirklich die Lehre des „großen Thomas“ widerspiegelt, der sollte sich an Johannes Paul II. halten. Leider haben diejenigen, die auf die Unzulänglichkeiten von Amoris Laetitia aufmerksam machen und eine Rückholung von Johannes Pauls Werken empfehlen, um die verwirrenden Argumente der Verteidiger von Amoris Laetitia zu lösen, damit begonnen, einen hohen Preis für ihre Bemühungen zu zahlen. Die „Verfolgung der Orthodoxie“ wurde durch die Entlassung von Professor Josef Seifert und den kürzlichen Rücktritt von Pater Thomas Weinandy aus dem USCCB (US-Bischofskonferenz) sichtbar. Viele andere bekennen, dass sie Angst haben, sich zu äußern und ihre wahren Überzeugungen über die Fehler, die das achte Kapitel dieser Exhortation in Bedrängnis bringen, zu äußern. Sie sehen ein Establishment, das jede Opposition wegfegen will, und so werden selbst nachdenkliche Kritiker für ihre Meinungen verleumdet und diskreditiert. An die Stelle offener Debatten tritt ein Klima der Angst und Einschüchterung.

Das ultimative Problem ist, dass einige der Prämissen und Schlussfolgerungen von Kapitel 8 eine konzeptionelle Verwirrung darstellen. Diejenigen, wie Erzbischof Fernandez, die dieser Exhortation leidenschaftlich zu Hilfe eilen, geraten in ein Labyrinth aus Inkongruenzen und Ungenauigkeiten, während sie versuchen, ihre offensichtlichen moralischen Fehler zu verteidigen. Eine direkte Antwort auf die Fragen der Kardinäle der Dubia könnte die Verwirrung auflösen, aber das wird wahrscheinlich nicht passieren. Der Papst hat oft gesagt, dass er will, dass seine Veränderungen unumkehrbar sind. Aber wenn diese Veränderungen nicht fest im fruchtbaren Boden der Schrift und der katholischen Tradition verwurzelt sind, werden sie schließlich zugrunde gehen.“

Quelle: crisismagazine.com

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Quelle

ZURECHTWEISUNG WEGEN DER VERBREITUNG VON HÄRESIEN

 

Correctio filialis de haeresibus propagatis 

16. Juli 2017
Fest Unserer Lieben Frau auf dem Berg Karmel

 

Heiliger Vater,

mit tiefem Schmerz, aber bewegt von der Treue zu Unserem Herrn Jesus Christus, von der Liebe zur Kirche und zum Papsttum und von der kindlichen Hingabe zu Ihrer Person, sehen wir uns gezwungen, Ihnen gegenüber eine Zurechtweisung auszusprechen wegen der Verbreitung einiger Häresien durch das Apostolische Schreiben Amoris laetitia und anderer Worte, Handlungen und Unterlassungen Eurer Heiligkeit.

Es ist uns durch das Naturrecht, das Gesetz Christi und das Gesetz der Kirche, drei Dinge, die Eure Heiligkeit durch die Göttliche Vorsehung berufen sind, zu beschützen, erlaubt, diese Zurechtweisung vorzunehmen. Durch das Naturrecht: Denn so wie die Untergebenen der Natur gemäß die Pflicht haben, ihren Vorgesetzen in allen vom Gesetz vorgesehenen Dingen zu gehorchen, so haben sie das Recht, dass ihre Vorgesetzten danach regieren. Durch das Gesetz Christi: Denn Sein Geist hat den Apostel Paulus inspiriert, Petrus öffentlich zurechtzuweisen, als dieser nicht gemäß der Wahrheit des Evangeliums handelte (Gal 2). Der heilige Thomas von Aquin stellt fest, daß diese öffentliche Zurechtweisung eines Untergebenen gegenüber seinem Vorgesetzten legitim war aufgrund der unmittelbar drohenden Gefahr eines Ärgernisses für den Glauben (Summa Theologiae IIa IIae, 33, 4 ad 2), und die “Glosse des heiligen Augustinus” fügt hinzu, dass bei dieser Gelegenheit “Petrus selbst den Oberen das Beispiel gab, sich nicht darüber zu empören, von den Untergebenen zurechtgewiesen zu werden, wenn sie vom rechten Weg abweichen sollten“ (ibid). Auch das Gesetz der Kirche zwingt uns dazu, da es besagt, dass die „Gläubigen […] entsprechend ihrem Wissen, ihrer Zuständigkeit und ihrer hervorragenden Stellung das Recht (haben) und bisweilen sogar die Pflicht, ihre Meinung in dem, was das Wohl der Kirche angeht, den geistlichen Hirten mitzuteilen“ (Codex Iuris Canonici, Can. 212, § 2 und 3; Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium, Can. 15, § 3).

Der Kirche und der Welt wurde in Sachen Glauben und Moral Ärgernis gegeben durch die Veröffentlichung von Amoris laetitia und durch andere Handlungen, durch die Eure Heiligkeit die Tragweite und den Zweck dieses Dokuments ausreichend deutlich gemacht hat. In der Folge haben sich Häresien und andere Irrtümer in der Kirche ausgebreitet. Während einige Bischöfe und Kardinäle weiterhin die von Gott offenbarten Wahrheiten über die Ehe, das Moralgesetz und den Empfang der Sakramente verteidigt haben, haben andere diese Wahrheiten geleugnet und von Eurer Heiligkeit keinen Tadel erfahren, sondern eine Gunst. Umgekehrt haben jene Kardinäle, die Eurer Heiligkeit Dubia unterbreitet haben, damit durch diese in der Vergangenheit bewährte Methode die Wahrheit des Evangeliums leicht erfasst werden könne, keine Antwort erhalten, sondern Schweigen.

Heiliger Vater, das Petrusamt wurde Ihnen nicht anvertraut, damit Sie den Gläubigen seltsame Lehren auferlegen, sondern damit Sie als treuer Diener, das anvertraute Gut bis zur Wiederkunft des Herrn bewahren (Lk 12; 1 Tim 6). Wir stimmen bedingungslos der Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit zu, wie sie vom Ersten Vatikanischen Konzil definiert wurde, und stimmen deshalb der Erläuterung zu, die das Konzil selbst über dieses Charisma gab, die folgende Erklärung miteinschließt: „Denn Petri Nachfolgern ward der Heilige Geist nicht dazu verheißen, dass sie aus seiner Eingebung heraus neue Lehren verkündeten. Ihre Aufgabe ist vielmehr, die von den Aposteln überlieferte Offenbarung oder das anvertraute Glaubensgut unter dem Beistand des Heiligen Geistes gewissenhaft zu hüten und getreu auszulegen“ (Pastor Aeternus, 17). Aus diesem Grund hat Ihr Vorgänger, der selige Pius IX., die gemeinsame Erklärung der deutschen Bischöfe gelobt, die erklärte, dass „die Meinung, laut der der Papst ‚wegen seiner Unfehlbarkeit ein absoluter Souverän‘ ist, auf einem völlig falschen Verständnis des Dogmas von der päpstlichen Unfehlbarkeit beruht“1. Vergleichbar betonte beim Zweiten Vatikanischen Konzil die Theologische Kommission in Bezug auf die Dogmatische Konstitution über die Kirche, Lumen gentium, dass die Vollmachten des römischen Papstes auf viele Weise eingeschränkt sind2.

Dennoch werden jene Katholiken, die die Grenzen der päpstlichen Unfehlbarkeit nicht klar erfassen, durch die Worte und Handlungen Eurer Heiligkeit in einen von zwei katastrophalen Irrtümern getrieben: entweder machen sie sich die Häresien zu eigen, die nun verbreitet werden, oder sie werden im Bewusstsein, dass diese Lehren dem Wort Gottes widersprechen, an den Vorrechten der Päpste zweifeln oder sie leugnen. Andere Gläubige sind verleitet, die Gültigkeit des Amtsverzichts des emeritierten Papstes Benedikt XVI. zu bezweifeln. Auf diese Weise wird das Petrusamt, das der Kirche von Unserem Herrn Jesus Christus für das Wohl der Glaubenseinheit verliehen wurde, missbraucht, der Häresie und dem Schisma einen Weg zu öffnen. Mehr noch, indem sie feststellen, dass die jetzt von den Worten und Handlungen Eurer Heiligkeit ermutigten Praktiken nicht nur dem ewiggültigen Glauben und der Ordnung der Kirche widersprechen, sondern auch den lehramtlichen Erklärungen Ihrer Vorgänger, denken die Gläubigen über die Tatsache nach, dass die Erklärungen Eurer Heiligkeit nicht eine größere Autorität haben können als die der vorherigen Päpste. Auf diese Weise leidet das wahre päpstliche Lehramt an einer Wunde, die sich nicht so schnell wieder schließen könnte.

Wir glauben dennoch, dass Eure Heiligkeit über das Charisma der Unfehlbarkeit und der universalen Jurisdiktion über die Gläubigen Christi in dem von der Kirche definierten Sinn verfügt. In unserer Anklage gegen Amoris laetitia und andere Handlungen, Worte und Unterlassungen, die damit verbunden sind, bestreiten wir nicht die Existenz dieses päpstlichen Charismas oder seines Besitzes durch Eure Heiligkeit, da weder Amoris laetitia noch irgendeine der Behauptungen, die dazu beigetragen haben, die durch dieses Schreiben eingedrungenen Häresien zu verbreiten, durch diese Göttliche Garantie der Wahrheit gedeckt ist. Unsere Zurechtweisung ergibt sich zwingend aus der Treue zu den unfehlbaren päpstlichen Lehren, die mit einigen Aussagen Eurer Heiligkeit unvereinbar sind.

Als Untergebene haben wir nicht das Recht, jene Form der Zurechtweisung an Sie zu richten, mit der ein Vorgesetzter jenen, die ihm untergeben sind, mit Strafe droht oder eine solche verhängt (vgl. Summa Theologiae IIa IIae, 33,4). Wir sprechen Ihnen diese Zurechtweisung vielmehr zum Zweck aus, unsere katholischen Brüder zu schützen – und jene außerhalb der Kirche, denen der Schlüssel der Erkenntnis nicht weggenommen werden darf (vgl. Lk 11) – in der Hoffnung, einer weiteren Ausbreitung von Lehren vorzubeugen, die in sich dazu neigen, alle Sakramente zu profanieren und das Gesetz Gottes umzustürzen.

 

*   *   *

 

Wir wollen nun aufzeigen, wie einige Stellen von Amoris laetitia zusammen mit Handlungen, Worten und Unterlassungen Eurer Heiligkeit dazu dienen, sieben häretische Thesen zu verbreiten.3

Die Stellen von Amoris laetitia auf die wir uns beziehen, sind folgende:

AL 295: Auf dieser Linie schlug der heilige Johannes Paul II. das sogenannte »Gesetz der Gradualität« vor, denn er wusste: Der Mensch »kennt, liebt und vollbringt […] das sittlich Gute […] in einem stufenweisen Wachsen«.[323] Es ist keine „Gradualität des Gesetzes“, sondern eine Gradualität in der angemessenen Ausübung freier Handlungen von Menschen, die nicht in der Lage sind, die objektiven Anforderungen des Gesetzes zu verstehen, zu schätzen oder ganz zu erfüllen.

AL 296: »Zwei Arten von Logik […] durchziehen die gesamte Geschichte der Kirche: ausgrenzen und wiedereingliedern […] Der Weg der Kirche ist vom Jerusalemer Konzil an immer der Weg Jesu: der Weg der Barmherzigkeit und der Eingliederung […] Der Weg der Kirche ist der, niemanden auf ewig zu verurteilen.«

AL 297: Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums!

AL 298: Die Geschiedenen in einer neuen Verbindung, zum Beispiel, können sich in sehr unterschiedlichen Situationen befinden, die nicht katalogisiert oder in allzu starre Aussagen eingeschlossen werden dürfen, ohne einer angemessenen persönlichen und pastoralen Unterscheidung Raum zu geben. Es gibt den Fall einer zweiten, im Laufe der Zeit gefestigten Verbindung, mit neuen Kindern, mit erwiesener Treue, großherziger Hingabe, christlichem Engagement, mit dem Bewusstsein der Irregularität der eigenen Situation und großer Schwierigkeit, diese zurückzudrehen, ohne im Gewissen zu spüren, dass man in neue Schuld fällt. Die Kirche weiß um Situationen, in denen »die beiden Partner aus ernsthaften Gründen – zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder – der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können«. [Anm. 329: Viele, welche die von der Kirche angebotene Möglichkeit, „wie Geschwister“ zusammenzuleben, kennen und akzeptieren, betonen, dass in diesen Situationen, wenn einige Ausdrucksformen der Intimität fehlen, »nicht selten die Treue in Gefahr geraten und das Kind in Mitleidenschaft gezogen werden (kann).«] Es gibt auch den Fall derer, die große Anstrengungen unternommen haben, um die erste Ehe zu retten, und darunter gelitten haben, zu Unrecht verlassen worden zu sein, oder den Fall derer, die »eine neue Verbindung eingegangen [sind] im Hinblick auf die Erziehung der Kinder und […] manchmal die subjektive Gewissensüberzeugung [haben], dass die frühere, unheilbar zerstörte Ehe niemals gültig war«. Etwas anderes ist jedoch eine neue Verbindung, die kurz nach einer Scheidung eingegangen wird, mit allen Folgen an Leiden und Verwirrung, welche die Kinder und ganze Familien in Mitleidenschaft ziehen, oder die Situation von jemandem, der wiederholt seinen familiären Verpflichtungen gegenüber versagt hat. Es muss ganz klar sein, dass dies nicht das Ideal ist, welches das Evangelium für Ehe und Familie vor Augen stellt. Die Synodenväter haben zum Ausdruck gebracht, dass die Hirten in ihrer Urteilsfindung immer »angemessen zu unterscheiden« haben, mit einem »differenzierten Blick« für »unterschiedliche Situationen«. Wir wissen, dass es keine Patentrezepte« gibt.

AL 299: Ich nehme die Bedenken vieler Synodenväter auf, die darauf hinweisen wollten, dass »Getaufte, die geschieden und zivil wiederverheiratet sind, […] auf die verschiedenen möglichen Weisen stärker in die Gemeinschaft integriert werden [müssen], wobei zu vermeiden ist, jedwelchen Anstoß zu erregen. Die Logik der Integration ist der Schlüssel ihrer pastoralen Begleitung, damit sie nicht nur wissen, dass sie zum Leib Christi, der die Kirche ist, gehören, sondern dies als freudige und fruchtbare Erfahrung erleben können. Sie sind Getaufte, sie sind Brüder und Schwestern, der Heilige Geist gießt Gaben und Charismen zum Wohl aller auf sie aus. […] Sie sollen sich nicht nur als nicht exkommuniziert fühlen, sondern können als lebendige Glieder der Kirche leben und reifen, indem sie diese wie eine Mutter empfinden, die sie immer aufnimmt, sich liebevoll um sie kümmert und sie auf dem Weg des Lebens und des Evangeliums ermutigt.«

AL 300: Und da »der Grad der Verantwortung […] nicht in allen Fällen gleich [ist]«, müsste diese Unterscheidung anerkennen, dass die Konsequenzen oder Wirkungen einer Norm nicht notwendig immer dieselben sein müssen. [336: Auch nicht auf dem Gebiet der Sakramentenordnung, da die Unterscheidung erkennen kann, dass in einer besonderen Situation keine schwere Schuld vorliegt.].

AL 301: Daher ist es nicht mehr möglich zu behaupten, dass alle, die in irgendeiner sogenannten „irregulären“ Situation leben, sich in einem Zustand der Todsünde befinden und die heiligmachende Gnade verloren haben. Die Einschränkungen haben nicht nur mit einer eventuellen Unkenntnis der Norm zu tun. Ein Mensch kann, obwohl er die Norm genau kennt, große Schwierigkeiten haben »im Verstehen der Werte, um die es in der sittlichen Norm geht«, oder er kann sich in einer konkreten Lage befinden, die ihm nicht erlaubt, anders zu handeln und andere Entscheidungen zu treffen, ohne eine neue Schuld auf sich zu laden.

AL 303: Doch dieses Gewissen kann nicht nur erkennen, dass eine Situation objektiv nicht den generellen Anforderungen des Evangeliums entspricht. Es kann auch aufrichtig und ehrlich das erkennen, was vorerst die großherzige Antwort ist, die man Gott geben kann, und mit einer gewissen moralischen Sicherheit entdecken, dass dies die Hingabe ist, die Gott selbst inmitten der konkreten Vielschichtigkeit der Begrenzungen fordert, auch wenn sie noch nicht völlig dem objektiven Ideal entspricht.

AL 304: Ich bitte nachdrücklich darum, dass wir uns an etwas erinnern, das der heilige Thomas von Aquin lehrt, und dass wir lernen, es in die pastorale Unterscheidung aufzunehmen: »Obgleich es im Bereich des Allgemeinen eine gewisse Notwendigkeit gibt, unterläuft desto eher ein Fehler, je mehr man in den Bereich des Spezifischen absteigt […] Im Bereich des Handelns […] liegt hinsichtlich des Spezifischen nicht für alle dieselbe praktische Wahrheit oder Richtigkeit vor, sondern nur hinsichtlich des Allgemeinen; und bei denen, für die hinsichtlich des Spezifischen dieselbe Richtigkeit vorliegt, ist sie nicht allen in gleicher Weise bekannt […] Es kommt also umso häufiger zu Fehlern, je mehr man in die spezifischen Einzelheiten absteigt.« Es ist wahr, dass die allgemeinen Normen ein Gut darstellen, das man niemals außer Acht lassen oder vernachlässigen darf, doch in ihren Formulierungen können sie unmöglich alle Sondersituationen umfassen.

AL 305: Aufgrund der Bedingtheiten oder mildernder Faktoren ist es möglich, dass man mitten in einer objektiven Situation der Sünde – die nicht subjektiv schuldhaft ist oder es zumindest nicht völlig ist – in der Gnade Gottes leben kann, dass man lieben kann und dass man auch im Leben der Gnade und der Liebe wachsen kann, wenn man dazu die Hilfe der Kirche bekommt. [351: In gewissen Fällen könnte es auch die Hilfe der Sakramente sein. Deshalb »erinnere ich [die Priester] daran, dass der Beichtstuhl keine Folterkammer sein darf, sondern ein Ort der Barmherzigkeit des Herrn«. Gleichermaßen betone ich, dass die Eucharistie »nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen« ist.].

AL 308: Ich verstehe diejenigen, die eine unerbittlichere Pastoral vorziehen, die keinen Anlass zu irgendeiner Verwirrung gibt. Doch ich glaube ehrlich, dass Jesus Christus eine Kirche möchte, die achtsam ist gegenüber dem Guten, das der Heilige Geist inmitten der Schwachheit und Hinfälligkeit verbreitet: eine Mutter, die klar ihre objektive Lehre zum Ausdruck bringt und zugleich »nicht auf das mögliche Gute [verzichtet], auch wenn [sie] Gefahr läuft, sich mit dem Schlamm der Straße zu beschmutzen«.

AL 311: Die Lehre der Moraltheologie dürfte nicht aufhören, diese Betrachtungen in sich aufzunehmen.

Die Worte, die Handlungen und die Unterlassungen Eurer Heiligkeit, auf die wir uns beziehen und die zusammen mit diesen Stellen von Amoris laetitia zur Verbreitung von Häresien in der Kirche beitragen, sind folgende:

  • Eure Heiligkeit hat sich geweigert, eine positive Antwort auf die Ihnen von den Kardinälen Burke, Caffarra, Brandmüller und Meisner vorgelegten Dubia zu geben, mit denen Sie respektvoll ersucht wurden, zu bestätigen, dass das Apostolische Schreiben Amoris laetitia nicht fünf Lehren des katholischen Glaubens abschafft.
  • Eure Heiligkeit hat in die Zusammensetzung der Relatio post disceptationem der Außerordentlichen Synode über die Familie eingegriffen. Die Relatio schlug vor, geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken die Kommunion durch Unterscheidung „von Fall zu Fall“ zu gewähren und sagte, dass die Hirten die „positiven Aspekte“ der Lebensstile, die von der Kirche als schwer sündhaft betrachtet werden, einschließlich der standesamtlichen Ehen nach der Scheidung und des vorehelichen Zusammenlebens, betonen sollten. Diese Vorschläge wurden aufgrund Ihres persönlichen Beharrens in die Relation aufgenommen, obwohl sie nicht die von der Synoden- Geschäftsordnung geforderte Zweidrittel-Mehrheit erreicht hatten, die notwendig sind, damit ein Vorschlag in die Relatio aufgenommen wird.
  • In einem Interview im April 2016 fragte ein Journalist Eure Heiligkeit, ob es konkrete Möglichkeiten für wiederverheiratete Geschiedene gibt, die es vor der Veröffentlichung von Amoris laetitia nicht gab, haben Sie geantwortet: „Ich könnte sagen: ‚Ja‘ und Punkt.“ Eure Heiligkeit hat dann erklärt, dass auf die Frage des Journalisten Kardinal Schönborn in einer Vorstellung von Amoris laetitia geantwortet habe. Kardinal Schönborn hat bei jener Vorstellung behauptet:

Meine große Freude an diesem Dokument ist, dass es konsequent die künstliche, äußerliche, fein säuberliche Trennung von „regulär“ und „irregulär“ überwindet und alle unter den gemeinsamen Anspruch des Evangeliums stellt, gemäß dem Wort des Hl. Paulus: „Er hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen, um sich aller zu erbarmen“ (Röm 11,32). […] Natürlich wird die Frage gestellt: und was sagt der Papst über den Zugang zu den Sakramenten für Personen, die in „irregulären“ Situationen leben? Schon Papst Benedikt hatte gesagt, dass keine „einfache Rezepte“ (AL 298, Anm. 333) existieren. Und Papst Franziskus erinnert noch einmal an die   Notwendigkeit, die Situationen gut zu unterscheiden in der Linie von „Familiaris consortio“ (Nr. 84) von Papst Johannes Paul II. (AL 298). „Die Unterscheidung muss dazu verhelfen, die möglichen Wege der Antwort auf Gott und des Wachstums inmitten der Begrenzungen zu finden. In dem Glauben, dass alles weiß oder schwarz ist, versperren wir manchmal den Weg der Gnade und des Wachstums und nehmen den Mut für Wege der Heiligung, die Gott verherrlichen“ (AL 305). Und Papst Franziskus erinnert an ein so wichtiges Wort, das er in Evangelii Gaudium 44 geschrieben hatte: „Ein kleiner Schritt inmitten großer menschlicher Begrenzungen kann Gott wohlgefälliger sein als das äußerlich korrekte Leben dessen, der seine Tage verbringt, ohne auf nennenswerte Schwierigkeiten zu stoßen“ (AL 304). Im Sinne dieser „via caritatis“ (AL 306) sagt der Papst dann schlicht und einfach in einer Fußnote (351), dass auch die Hilfe der Sakramente in gewissen Fällen gegeben werden kann, wenn „irreguläre“ Situationen vorliegen.4

Eure Heiligkeit hat diese Erklärung erweitert, indem Sie versichert haben, dass Amoris laetitia den in der Diözese von Kardinal Schönborn praktizierten Ansatz gegenüber den wiederverheirateten Geschiedenen, wo diesen der Kommunionempfang erlaubt ist, unterstützt.

— Am 5. September 2016 haben die Bischöfe der Kirchenprovinz Buenos Aires eine Erklärung zur Umsetzung von Amoris laetitia veröffentlicht, in der sie behaupten:

6) En otras circunstancias más complejas, y cuando no se pudo obtener una declaración de nulidad, la opción mencionada puede no ser de hecho factible. No obstante, igualmente es posible un camino de discernimiento. Si se llega a reconocer que, en un caso concreto, hay limitaciones que atenúan la responsabilidad y la culpabilidad (cf. 301–302), particularmente cuando una persona considere que caería en una ulterior falta dañando a los hijos de la nueva unión, Amoris laetítía abre la posibilidad del acceso a los sacramentos de la Reconciliación y la Eucaristía (cf. notas 336 y 351). Estos a su vez disponen a la persona a seguir madurando y creciendo con la fuerza de la gracia. […]

9) Puede ser conveniente que un eventual acceso a los sacramentos se realice de manera reservada, sobre todo cuando se prevean situaciones conflictivas. Pero al mismo tiempo no hay que dejar de acompañar a la comunidad para que crezca en un espíritu de comprensión y de acogida, sin que ello implique crear confusiones en la enseñanza de la Iglesia acerca del matrimonio indisoluble. La comunidad es instrumento de la misericordia que es «inmerecida, incondicional y gratuita» (297).

10) El discernimiento no se cierra, porque «es dinámico y debe permanecer siempre abierto a nuevas etapas de crecimiento y a nuevas decisiones que permitan realizar el ideal de manera más plena» (303), según la «ley de gradualidad» (295) y confiando en la ayuda de la gracia.

6) In anderen, komplexeren Situationen und wenn es nicht möglich war, eine Nichtigkeitserklärung der Ehe zu erhalten, ist die soeben genannte Option in der Tat nicht gangbar. Dessen ungeachtet ist dennoch ein Weg der Unterscheidung möglich. Wenn man so weit kommt, zu erkennen, dass es in einem bestimmten Fall persönliche Grenzen gibt, die die Verantwortung und das Bewusstsein vermindern (vgl. 301–302), besonders wenn eine Person berücksichtigt, in weitere Fehler zu fallen und die Kinder dieser neuen Verbindung zu schädigen, öffnet Amoris laetitia die Möglichkeit zu den Sakramenten der Versöhnung und der Eucharistie zugelassen zu werden (vgl. Anm. 336 und 351). Diese ihrerseits werden die Person veranlassen, den Reifungsprozess fortzusetzen und mit der Kraft der Gnade zu reifen. […]

9) Es kann zweckmäßig sein, dass eine eventuelle Zulassung zu den Sakramenten auf diskrete Weise erfolgt, vor allem dann, wenn man Situationen der Uneinigkeit annehmen kann. Gleichzeitig ist nicht aufzuhören, die Gemeinschaft zu begleiten, um ihr zu helfen im Geist des Verständnisses und der Aufnahme zu wachsen, indem genau darauf geachtet wird, keine Verwirrung bezüglich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe zu schaffen. Die Gemeinschaft ist ein Instrument der Barmherzigkeit, die „unverdient, bedingungslos und gegenleistungsfrei“ ist (297).

10) Die Unterscheidung endet nicht, weil sie „dynamisch ist und immer offen bleiben muss für neue Phasen des Wachstums und für neue Entscheidungen, die erlauben, das Ideal auf vollkommenere Weise zu verwirklichen“ (303), gemäß dem „Gesetz der Gradualität“ (295) und auf die Hilfe der Gnade vertraut.

 

Hier wird behauptet, dass man laut Amoris laetitia keine Verwirrung bezüglich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe schaffen soll, dass die wiederverheirateten Geschiedenen die Sakramente empfangen dürfen und dass das Verbleiben in diesem Stand damit vereinbar ist, die Hilfe der Gnade zu empfangen. Eure Heiligkeit hat einen offiziellen Brief an Bischof Sergio Alfredo Fenoy von San Miguel, Delegierter der Pastoralregion Buenos Aires, geschrieben, der dasselbe Datum wie das Schreiben der argentinischen Bischöfe trägt, in dem Sie erklären, daß die Bischöfe der Kirchenprovinz Buenos Aires die „einzige mögliche Interpretation von Amoris laetitia“ gegeben haben.

 

«Querido hermano:

Recibí el escrito de la Región Pastoral Buenos Aires «Criterios básicos para la aplicación del capítulo VIII de Amoris laetítia». Muchas gracias por habérmelo enviado; y los felicito por el trabajo que se han tomado: un verdadero ejemplo de acompañamiento a los sacerdotes… y todos sabemos cuánto es necesaria esta cercanía del obíspo con su clero y del clero con el obispo. El prójimo «más prójimo» del obispo es el sacerdote, y el mandamiento de amar al prójimo como a sí mismo comienza para nosotros obispos precisamente con nuestros curas.

El escrito es muy bueno y explícita cabalmente el sentido del capitulo VIII de Amoris Laetitia. No hay otras interpretaciones».

Lieber Bruder,

ich habe das Dokument der Pastoralregion Buenos Aires „Kriterien für die Anwendung des VIII. Kapitels von Amoris laetitia“ erhalten. Vielen Dank für die Übermittlung. Ich gratuliere zur geleisteten Arbeit: ein wirkliches Beispiel der Begleitung der Priester … und alle wissen wir, wie notwendig diese Nähe des Bischofs zu seinem Klerus und des Klerus zu seinem Bischof ist. Der Nächste „Allernächste“ des Bischofs ist der Priester, und das Gebot, den Nächsten zu lieben wie sich selbst, beginnt für uns Bischöfe genau mit unseren Priestern. Der Text ist sehr gut und bringt das Kapitel VIII von Amoris laetitia genau zum Ausdruck. Es gibt keine anderen Interpretationen. Ich bin mir sicher, dass er sehr gut tun wird. Möge der Herr diese Anstrengung der pastoralen Liebe vergelten.5

  • Eure Heiligkeit hat Erzbischof Vincenzo Paglia zum Vorsitzenden der Päpstlichen Akademie für das Leben und zum Großkanzler des Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie Als Leiter des Päpstlichen Rates für die Familie war Erzbischof Paglia für die Veröffentlichung eines Buches, Famiglia e Chiesa, un legame indissolubile (Libreria Editrice Vaticana, 2015), verantwortlich, das die Vorträge von drei Seminaren enthält, die von seinem Dikasterium zum Thema „Ehe: Glaube, Sakramente, Ordnung“; „Familie, eheliche Liebe und Generation“ und „Die verletzte Familie und die irregulären Verbindungen: welche pastorale Haltung“ abgehalten wurden. Dieses Buch und die Seminare zielen darauf ab, die Vorschläge der Familiensynode voranzubringen und die Gewährung der Kommunion an die geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken zu fördern.
  • Unter der Autorität Eurer Heiligkeit sind die Richtlinien der Diözese Rom erstellt worden, die in einigen Umständen den Empfang der Eucharistie durch Katholiken erlauben, die staatlich geschieden und standesamtlich wiederverheiratet sind und die mit ihrem Partner more uxorio zusammenleben.
  • Eure Heiligkeit hat Bischof Kevin Farrel zum Präfekten des neuen Dikasterium für Laien, Familie und Leben ernannt und zum Kardinal gemacht. Kardinal Farrel hat seine Unterstützung für den Vorschlag von Kardinal Schönborn gezeigt, dass die wiederverheirateten Geschiedenen die Kommunion empfangen sollen. Er hat erklärt, dass der Empfang der Kommunion durch wiederverheiratete Geschiedene ein „Prozess der Unterscheidung und des Gewissens“ 6
  • Am 17. Januar 2017 veröffentlichte der Osservatore Romano, die offizielle Tageszeitung des Heiligen Stuhls, die vom Erzbischof von Malta und dem Bischof von Gozo erstellten Richtlinien für den Empfang der Eucharistie durch Personen, die in einer ehebrecherischen Beziehung leben. Diese Richtlinien haben den sakrilegischen Empfang der Eucharistie durch einige Personen in dieser Situation erlaubt, in dem behaupten, dass es in einigen Fällen für diese Personen unmöglich ist, die Enthaltsamkeit zu praktizieren und schädlich ist, die Keuschheit leben zu wollen. Der Osservatore Romano äußerte keine Kritik an diesen Richtlinien, die er lediglich als Ausübung des Lehramtes und der bischöflichen Autorität darstellte. Diese Veröffentlichung ist ein offizieller Akt des Heiligen Stuhls, der von Eurer Heiligkeit nicht korrigiert wurde.

 

 

Correctio

 

His verbis, actis, et omissionibus, et in iis sententiis libelli Amoris Laetitia quas supra diximus, Sanctitas Vestra sustentavit recte aut oblique, et in Ecclesia (quali quantaque intelligentia nescimus nec iudicare audemus) propositiones has sequentes, cum munere publico tum actu privato, propagavit, falsas profecto et haereticas:

  1. “Homo iustificatus iis caret viribus quibus, Dei gratia adiutus, mandata obiectiva legis divinae impleat; quasi quidvis ex Dei mandatis sit iustificatis impossibile; seu quasi Dei gratia, cum in homine iustificationem efficit, non semper et sua natura conversionem efficiat ab omni peccato gravi; seu quasi non sit sufficiens ut hominem ab omni peccato gravi convertat”.
  2. “Christifidelis qui, divortium civile a sponsa legitima consecutus, matrimonium civile (sponsa vivente) cum alia contraxit; quique cum ea more uxorio vivit; quique cum plena intelligentia naturae actus sui et voluntatis propriae pleno ad actum consensu eligit in hoc rerum statu manere: non necessarie mortaliter peccare dicendus est, et gratiam sanctificantem accipere et in caritate crescere potest”.
  3. “Christifidelis qui alicuius mandati divini plenam scientiam possidet et deliberata voluntate in re gravi eam violare eligit, non semper per talem actum graviter peccat”.
  4. “Homo potest, dum divinae prohibitioni obtemperat, contra Deum ea ipsa obtemperatione peccare”.
  5. “Conscientia recte ac vere iudicare potest actus venereos aliquando probos et honestos esse aut licite rogari posse aut etiam a Deo mandari, inter eos qui matrimonium civile contraxerunt quamquam sponsus cum alia in matrimonio sacramentali iam coniunctus est”.
  6. “Principia moralia et veritas moralis quae in divina Revelatione et in lege naturali continentur non comprehendunt prohibitiones qualibus genera quaedam actionis absolute vetantur utpote quae propter obiectum suum semper graviter illicita sint”.
  7. “Haec est voluntas Domini nostri Iesu Christi, ut Ecclesia disciplinam suam perantiquam abiciat negandi  Eucharistiam  et  Absolutionem  iis  qui,  divortium  civile  consecuti  et matrimonium civile ingressi, contritionem et propositum firmum sese emendandi ab ea in qua vivunt vitae conditione noluerunt patefacere”.7

Alle diese Thesen widersprechen von Gott offenbarten Wahrheiten, die Katholiken durch Zustimmung zum Göttlichen Glauben zu glauben haben. Sie wurden bereits in der Petition zu Amoris laetitia als Häresien identifiziert, die von 45 katholischen Gelehrten den Kardinälen und den Patriarchen der Ostkirchen übermittelt wurde.8

Für das Wohl der Seelen ist es nötig, dass sie erneut von der kirchlichen Autorität verurteilt werden. Mit der Auflistung dieser sieben Thesen wollen wir keine vollständige Liste aller Häresien und Irrtümer vorlegen, die der Leser bei einer objektiven Lektüre von Amoris laetitia, gemäß seinem natürlichen und offensichtlichen Sinn, feststellen würde, da sie durch das Dokument behauptet, nahegelegt oder in begünstigt werden. Vielmehr beziehen wir uns auf jene sieben Thesen, die Eure Heiligkeit durch Worte, Taten und Unterlassungen – wie bereits dargelegt – effektiv unterstützt und verbreitet, und dadurch einen große und unmittelbare Gefahr für die Seelen verursacht hat.

Deshalb wenden wir uns in dieser kritischen Stunde an die cathedra veritatis, die Römische Kirche, die durch das Göttliche Gesetz Vorrang vor allen Kirchen hat und deren loyale Söhne wir sind und immer sein wollen. Respektvoll beharren wir darauf, dass Eure Heiligkeit öffentlich diese Thesen zurückweist und so den Auftrag erfüllt, den Unser Herr Jesus Christus dem Petrus und durch ihn allen seinen Nachfolgern übertragen hat bis zum Ende der Welt: „Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder“ (Lk 22,32).

Respektvoll bitten wir um Euren Apostolischen Segen und versichern Sie unserer kindlichen Ergebenheit in Unserem Herrn und unseres Gebets für das Wohl der Kirche.

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Erklärung 

Um unsere Correctio zu erklären und eine Verteidigung gegen die Ausbreitung der Irrtümer zu verfassen, möchten wir die Aufmerksamkeit auf zwei generelle Quellen des Irrtums lenken, die uns Vehikel der Häresien scheinen, die wir angeführt haben. Wir sprechen vor allem von einem falschen Verständnis der göttlichen Offenbarung, die generell mit dem Namen Modernismus bezeichnet wird, aber auch von den Lehren Martin Luthers.

A.  Das Problem des Modernismus 

Das katholische Verständnis der göttlichen Offenbarung wird von zeitgenössischen Theologen häufig geleugnet und diese Leugnung hat bezüglich der Natur der göttlichen Offenbarung und des Glaubens zu einer grassierenden Verwirrung unter den Katholiken geführt. Um jedes Missverständnis zu vermeiden, das aufgrund dieser Verwirrung entstehen könnte, und um zu rechtfertigen, was wir bezüglich der Verbreitung von Häresien in der Kirche behaupten, werden wir das katholische Verständnis der göttlichen Offenbarung und des Glaubens, das wir diesem Dokument zugrunde gelegt haben, beschreiben.

Diese Beschreibung ist auch notwendig, um auf die Stellen in Amoris laetitia zu antworten, in denen gesagt wird, dass man den Lehren Christi und des kirchlichen Lehramtes zu folgen habe. Diese Stellen sind folgende: „Selbstverständlich ist in der Kirche eine Einheit der Lehre und der Praxis notwendig“ (AL, 3). „In Treue zur Lehre Christi betrachten wir die Wirklichkeit der heutigen Familie in ihrer ganzen Komplexität“ (AL, 32). „In diesem Sinn gilt es, die Enzyklika Humanae vitae (vgl. 10–14) und das Apostolische Schreiben Familiaris consortio (vgl. 14, 28–35) wiederzuentdecken“ (AL, 222). „Die Worte des Meisters (vgl. Mt 22,30) und die des heiligen Paulus (vgl. 1 Kor 7,29 – über die Ehe sind – nicht zufällig – in die letzte und endgültige Dimension unseres Lebens eingefügt, die wir wiedergewinnen müssen“ (AL 325). Diese Stellen könnten als Versicherung gesehen werden, dass nichts in Amoris laetitia zur Verbreitung von Irrtümern beiträgt, die der katholischen Lehre widersprechen. Eine Beschreibung der wahren Natur der Zustimmung zur katholischen Lehre ist daher nützlich, um unsere Position zu erklären: Amoris laetitia trägt wirklich dazu bei, diese Irrtümer zu verbreiten.

Folgende Wahrheiten, die von der Heiligen Schrift, der heiligen Tradition, dem universalen Konsens der Väter und des Lehramtes der Kirche gelehrt werden, bieten die Zusammenfassung der katholischen Lehre über den Glauben, die göttliche Offenbarung, die Unterweisung durch das unfehlbare Lehramt und die Häresie:

  1. Die Evangelien von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, deren historischer Charakter von der Kirche ohne Zögern behauptet wird, vermitteln getreu, was Jesus Christus während seines Lebens unter den Menschen wirklich für ihr ewiges Seelenheil bis zum Tag seiner Himmelfahrt getan und gelehrt 9
  2. Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Folglich sind alle seine Lehren von Gott 10
  3. Alle Propositionen, die im katholischen Glauben enthalten sind, sind von Gott mitgeteilte Wahrheiten.11
  4. Indem wir zustimmend an diese Wahrheiten glauben, also mit einem Akt der göttlichen Tugend des Glaubens, glauben wir dem Zeugnis dessen, der spricht. Das göttliche Glaubensbekenntnis ist eine besondere Form der generellen intellektuellen Aktivität, indem wir an eine Proposition glauben, weil sie von dem behauptet wird, der spricht, und weil der, der spricht bezüglich der Behauptung, die er äußert, für glaubwürdig gehalten wird. Im göttlichen Glaubensbekenntnis glaubt man Gott, der spricht, und Ihm wird geglaubt, weil Er Gott ist und daher glaubwürdig.12
  5. An das göttliche Zeugnis zu glauben, unterscheidet sich vom Glauben an das Zeugnis der Menschen, die nicht göttlich sind, weil Gott allwissend und vollkommen gut ist. Folglich kann Er weder lügen noch betrügen. Daher ist es unmöglich, dass das göttliche Zeugnis falsch ist. Weil die Wahrheiten des katholischen Glaubens uns von Gott mitgeteilt sind, ist die gläubige Zustimmung zu ihnen eine Gewissheit. Ein katholischer Gläubiger hat keinen vernünftigen Grund, auch nur eine dieser Wahrheit zu bezweifeln oder nicht an sie zu 13
  6. Die menschliche Vernunft kann von sich aus die Wahrheit des katholischen Glaubens durch die öffentliche Evidenz des göttlichen Ursprungs der Katholischen Kirche erkennen, aber eine solche Überlegung kann keinen Glaubensakt hervorbringen. Die göttliche Tugend des Glaubens und der Glaubensakt können nur durch die göttliche Gnade hervorgebracht Ein Mensch, der diese Tugend besitzt, der aber aus freien Stücken und bewusst entscheidet, nicht an eine Wahrheit des katholischen Glaubens zu glauben, begeht eine Todsünde und verliert das ewige Leben.14
  7. Die Wahrheit einer Proposition besteht darin, von dem, was ist, auszusagen, daß es ist; scholastisch ausgedrückt handelt es sich um eine adaequatio rei et intellectus. Jede Wahrheit ist eine solche, unabhängig davon, von wem oder wann oder unter welchen Umständen sie als solche erfasst Keine Wahrheit kann einer anderen Wahrheit widersprechen.15
  8. Der katholische Glaube behandelt die ganze Wahrheit von Gott nicht erschöpfend, da allein der göttliche Intellekt das göttliche Sein vollständig erfassen Dennoch ist jede Wahrheit des katholischen Glaubens völlig und ganz wahr; die Merkmale der Wirklichkeit, die von dieser Wahrheit formuliert werden, entsprechen genau jenen, die diese Wahrheiten selbst darstellen. Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Inhalt der Glaubenslehre und den Dingen, so wie sie sind.16
  9. Das göttliche Sprechen, das die Wahrheiten des katholischen Glaubens mitteilt, ist in menschlicher Sprache ausgedrückt. Der inspirierte hebräische und griechische Text der Heiligen Schriften ist selbst in allen seinen Teilen durch Gott ausgedrückt. Es handelt sich nicht um eine bloße Zusammenfassung durch Menschen oder um eine Interpretation der Göttlichen Offenbarung, und kein Teil ist in seiner Bedeutung nur auf menschliche Ursachen zurückzuführen. Indem wir an die Lehre der Heiligen Schrift glauben, glauben wir direkt Gott selbst. Wir glauben dem, was Gott sagt, indem wir uns auf das Zeugnis von jemand anderem stützen, einer nicht-göttlichen Person oder Menschen im allgemeinen.17
  10. Wenn die Kirche unfehlbar lehrt, dass eine Proposition ein göttlich offenbarter Teil des katholischen Glaubens ist und mit Glaubenszustimmung zu glauben ist, glauben die Katholiken, die dieser Lehre ihre Zustimmung geben, an das, was Gott mitgeteilt hat, und sie glauben daran aufgrund der Tatsache, dass Er es gesagt 18
  11. Die Sprachen, in denen die Göttliche Offenbarung ausgedrückt ist, und die Kulturen und die Geschichte, die diesen Sprachen Form gegeben haben, schränken weder etwas von der in ihnen ausgedrückten Göttlichen Offenbarung ein noch verzerren sie etwas oder fügen etwas hinzu. Kein Teil oder Aspekt der Heiligen Schrift oder der unfehlbaren Lehre der Kirche ist, was den Inhalt der Göttlichen Offenbarung betrifft, nur das Produkt der Sprache oder der historischen Umstände, in denen sie ausgedrückt wurden, und nicht des Handelns Gottes, der die Wahrheit mitteilt. Daher kann kein Teil des Inhaltes der kirchlichen Lehre abgeändert oder abgelehnt werden, weil er ein Produkt der historischen Umstände und nicht der Göttlichen Offenbarung wäre.19
  12. Die lehramtliche Unterweisung der Kirche nach dem Tod des letzten Apostels muss als ein Ganzes verstanden und geglaubt werden. Es ist nicht in ein Lehramt der Vergangenheit und ein gegenwärtiges oder „lebendiges“ Lehramt aufgespalten, das eine vorherige lehramtliche Aussage nach Belieben ändern könnte.20
  13. Der Papst, der die höchste Autorität der Kirche besitzt, ist selbst – nach göttlichem und kirchlichem Gesetz – nicht von der Autorität der Kirche ausgenommen. Er ist daran gebunden, die endgültige Lehre seiner Vorgänger im Papstamt zu akzeptieren und zu vertreten.21
  14. Eine häretische These ist eine Proposition, die einer göttlich offenbarten und im katholischen Glauben enthaltenen Wahrheit, widerspricht22.
  15. Die Sünde der Häresie wird von einer Person begangen, die über die göttliche Tugend des Glaubens verfügt, sich aber willentlich und bewusst entscheidet, nicht an eine katholische Glaubenswahrheit zu glauben oder sie zu bezweifeln. Diese Person begeht eine Todsünde und verliert das ewige Leben. Das Urteil der Kirche über die persönliche Sünde der Häresie wird allein vom Priester im Bußsakrament ausgeübt.23
  16. Das Verbrechen der Häresie wird gemäß Kirchenrecht begangen, wenn ein Katholik:

a) öffentlich eine oder mehrere Wahrheiten des katholischen Glaubens bezweifelt oder leugnet, oder öffentlich seine Zustimmung zu einer oder mehreren katholischen Glaubenswahrheiten verweigert, aber nicht alle diese Wahrheiten bezweifelt oder leugnet, oder die Existenz der christlichen Offenbarung leugnet;

b) in seiner Leugnung hartnäckig ist. „Hartnäckig“ meint, dass die fragliche Person weiterhin öffentlich eine oder mehrere katholische Glaubenswahrheiten bezweifelt oder leugnet, nachdem sie von der zuständigen kirchlichen Autorität ermahnt wurde, dass ihr Zweifel oder ihre Leugnung die Ablehnung einer Glaubenswahrheit bedeutet, dass sie ihren Zweifel oder ihre Leugnung aufgeben muss, und die betreffende Wahrheit von dieser Person selbst öffentlich als von Gott geoffenbart zu bekennen ist24.

(Diese Beschreibungen der persönlichen Sünde der Häresie und des Verbrechens der Häresie gemäß dem Kirchenrecht werden einzig mit dem Zweck dargestellt, sie vom Gegenstand unserer Zurechtweisung auszuschließen. Unsere Sorge ist es allein, die durch Worte, Taten und Unterlassungen Eurer Heiligkeit verbreiteten häretischen Thesen aufzuzeigen. Wir haben weder die Zuständigkeit noch die Absicht, die kanonische Frage der Häresie aufzugreifen.)

B.  Der Einfluss Martin Luthers

Zweitens sind wir durch unser Gewissen gezwungen, auf eine beispiellose Sympathie Eurer Heiligkeit für Martin Luther sowie auf eine Ähnlichkeit zwischen den Ideen Luthers über das Gesetz, die Rechtfertigung und die Ehe und jenen, die von Eurer Heiligkeit in Amoris laetitia und anderswo gelehrt und begünstigt werden, hinzuweisen.25 Das ist notwendig, damit unsere Anklage gegen die sieben häretischen Thesen, die in diesem Dokument aufgelistet sind, vollständig ist. Wir wollen zeigen, wenn auch nur auf zusammenfassende Weise, daß es sich dabei nicht um isolierte Irrtümer handelt, sondern daß sie Teil eines häretischen Systems sind. Die Katholiken müssen nicht nur vor den sieben Irrtümern gewarnt werden, sondern auch vor diesem häretischen System als solchem, nicht zuletzt aufgrund des Lobes, das Eure Heiligkeit dem Mann gezollt hat, von dem es herrührt.

Auf einer Pressekonferenz vom 26. Juni 2016 sagte Eure Heiligkeit:

„Ich glaube, dass die Absichten Martin Luthers nicht falsch waren: Er war ein Reformer. Vielleicht waren einige Methoden nicht die richtigen, aber in jener Zeit… wenn wir zum Beispiel die Geschichte von Pastor lesen [vgl. Ludwig von Pastor, Geschichte der Päpste seit dem Ausgang des Mittelalters], sehen wir, dass die Kirche wirklich kein nachahmenswertes Vorbild war: Es gab Korruption in der Kirche, es gab Weltlichkeit, Anhänglichkeit ans Geld und an die Macht. Dagegen hat er protestiert. Außerdem war er intelligent; er hat einen Schritt vorwärts getan und sich für sein Tun gerechtfertigt. Und heute sind wir – Lutheraner und Katholiken, mit allen Protestanten – einig über die Rechtfertigungslehre: In diesem so wichtigen Punkt hatte er sich nicht geirrt.“26

In einer Predigt in der lutherischen Kathedrale von Lund in Schweden, am 31. Oktober 2016, erklärte Eure Heiligkeit:

„Wir Katholiken und Lutheraner haben begonnen, auf dem Weg der Versöhnung voranzugehen. Jetzt haben wir im Rahmen des gemeinsamen Gedenkens der Reformation von 1517 eine neue Chance, einen gemeinsamen Weg aufzunehmen, der sich in den letzten 50 Jahren im ökumenischen Dialog zwischen dem Lutherischen Weltbund und der Katholischen Kirche gebildet hat. Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurden. Wir haben die Gelegenheit, einen entscheidenden Moment unserer Geschichte wiedergutzumachen, indem wir Kontroversen und Missverständnisse überwinden, die oft verhindert haben, dass wir einander verstehen konnten.

Jesus sagt uns, dass der Vater der Winzer ist (vgl. Joh 14,1), der den Weinstock pflegt und beschneidet, damit er mehr Frucht bringt (vgl. V. 2). Der Vater ist ständig um unsere Beziehung zu Jesus besorgt, um zu sehen, ob wir wirklich mit ihm eng verbunden sind (vgl. V. 4). Er schaut auf uns, und sein liebevoller Blick ermutigt uns, unsere Vergangenheit aufzuarbeiten und in der Gegenwart dafür zu arbeiten, dass jene Zukunft der Einheit, die er so ersehnt, Wirklichkeit wird.

Auch wir müssen liebevoll und ehrlich unsere Vergangenheit betrachten, Fehler eingestehen und um Vergebung bitten. Allein Gott ist der Richter. Mit der gleichen Ehrlichkeit und Liebe muss man zugeben, dass unsere Spaltung von dem ursprünglichen Empfinden des Gottesvolkes, das sich von Natur aus nach Einheit sehnt, weggeführt hat und in der Geschichte mehr durch Vertreter weltlicher Macht aufrecht erhalten wurde, als durch den Willen des gläubigen Volkes, das immer und überall der sicheren und liebevoll- sanften Führung durch seinen Guten Hirten bedarf. Allerdings gab es auf beiden Seiten den ehrlichen Willen, den wahren Glauben zu bekennen und zu verteidigen, doch wir sind uns auch bewusst, dass wir uns in uns selbst verschanzt haben aus Furcht oder Vorurteilen gegenüber dem Glauben, den die anderen mit einer anderen Akzentuierung und in einer anderen Sprache bekennen. […]

Die geistliche Erfahrung Martin Luthers hinterfragt uns und erinnert uns daran, dass wir ohne Gott nichts vollbringen können. „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ – das ist die Frage, die Luther ständig umtrieb. Tatsächlich ist die Frage nach der rechten Gottesbeziehung die entscheidende Frage des Lebens. Bekanntlich begegnete Luther diesem barmherzigen Gott in der Frohen Botschaft vom menschgewordenen, gestorbenen und auferstandenen Jesus Christus. Mit dem Grundsatz „Allein aus Gnade“ werden wir daran erinnert, dass Gott immer die Initiative ergreift und jeder menschlichen Antwort zuvorkommt, und zugleich, dass er versucht, diese Antwort auszulösen. Daher bringt die Rechtfertigungslehre das Wesen des menschlichen Daseins vor Gott zum Ausdruck.“27.

Eure Heiligkeit hat nicht nur behauptet, daß Martin Luther sich in Sachen Rechtfertigung nicht geirrt hat, sondern im engen Gleichklang mit dessen Sichtweise auch mehrfach erklärt, daß unsere Sünden der Ort sind, an dem wir Christus begegnen (in der Homilie vom 4. September 2014 und vom 18. September 2014), indem Sie Ihren Standpunkt mit dem heiligen Paulus rechtfertigten, der in Wirklichkeit sich „höchstens“ seiner „Schwachheit“ rühmen wollte („astheneíais“, vgl. 2 Kor 12,5.9), damit die Kraft Christi auf ihn herabkomme, aber nicht seiner Sünden.28 In einer Rede vor Mitgliedern von Comunione e Liberazione am 7. März 2015 sagte Eure Heiligkeit:

„Der bevorzugte Ort der Begegnung ist die zärtliche Geste der Barmherzigkeit Jesu Christi gegenüber meiner Sünde. Und daher habt ihr mich manchmal sagen gehört, dass der Platz, der bevorzugte Ort der Begegnung mit Jesus Christus meine Sünde ist“.29

Zudem lesen wir in Amoris laetitia, zusätzlich zu anderen Thesen, die in einem Schreiben an alle Kardinäle und Patriarchen der orientalischen Kirchen aufgelistet und als häretisch, falsch oder zweideutig qualifiziert sind, auch folgendes:

„Dennoch ist es nicht angebracht, unterschiedliche Ebenen miteinander zu vermischen: Man sollte nicht zwei begrenzten Menschen die gewaltige Last aufladen, in vollkommener Weise die Vereinigung nachzubilden, die zwischen Christus und seiner Kirche besteht, denn die Ehe als Zeichen beinhaltet einen ‚dynamischen Prozess von Stufe zu Stufe entsprechend der fortschreitenden Hereinnahme der Gaben Gottes‘ (AL 122).“

So wie es wahr ist, daß das sakramentale Siegel der Ehe einen dynamischen Prozeß in Richtung Heiligkeit impliziert, so ist auch wahr, daß das sakramentale Zeichen mit Hilfe der Gnade im Brautpaar vollkommen die Verbindung Christi mit der Kirche abbildet. Es geht also nicht darum, zwei begrenzten Menschen eine „gewaltige Last“ aufzuerlegen, sondern vielmehr darum, das Wirken des Sakraments und der Gnade zu erkennen (res et sacramentum).

Auf befremdliche Art und Weise stellen wir in verschiedenen weiteren Teilen dieses Apostolischen Schreibens eine Nähe zur Herabsetzung der Ehe durch Luther fest. Für den deutschen Revolutionär  ist  das  katholische  Verständnis  des  Sakramentes  ex  opere  operato,  das  er  für „mechanisch“ hielt, inakzeptabel. Obwohl er die Unterscheidung zwischen signum et res beibehielt, wandte er diese nach 1520 mit der Veröffentlichung der Schrift Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche nicht mehr auf die Ehe an. Luther leugnet, daß die Ehe sakramental ist, mit der Begründung, daß an keiner Stelle der Bibel zu lesen sei, daß der Mann, der eine Frau heiratet, die Gnade Gottes empfängt und ebensowenig, daß die Institution Ehe von Gott als Zeichen von irgendetwas errichtet wurde. Luther war der Meinung, daß die Ehe nur ein Symbol sei, denn obwohl sie die Verbindung Christi mit der Kirche abbilden könnte, seien solche Figuren und Allegorien keine Sakramente im eigentlichen Sinn des Wortes (cf. Luther’s Works [LW] 36,92). Aus diesem Grund gehört für Luther die Ehe – deren eigentlicher Zweck die Zeugung von Kindern und deren auf Gott ausgerichtete Erziehung ist (vgl. LW 44,11–12) – zur Ordnung der Schöpfung und nicht zu jener des Heils (vgl. LW 45,18); und sie wurde nur zu dem Zweck gegeben, das Feuer der Begierde zu löschen, und als Bastion gegen die Sünde (vgl. LW 3, Gen 16,4).

Darüber hinaus ist sich Luther ausgehend von seiner persönlichen Sichtweise der durch die Sünde korrumpierten menschlichen Natur bewußt, daß der Mensch nicht immer bereit ist, das Gesetz Gottes zu befolgen. Daher ist er überzeugt, daß Gott auf zweifache Weise das Menschengeschlecht leitet, der eine zweifache moralische Sicht der Ehe und der Scheidung entspricht. Deshalb ist die Scheidung von Luther im Falle des Ehebruches generell zugelassen, aber nur für die nicht- geistlichen Menschen.

Seine Überlegung gründet auf der Annahme, daß es zwei Formen der göttlichen Lenkung in dieser Welt gibt: eine geistliche und eine weltliche. Mit der geistlichen Lenkung leitet der Heilige Geist die Christen und die Gerechten durch das Evangelium Christi. Mit der weltlichen Lenkung hält Gott die Nicht-Christen und Bösen zurück, um den äußeren Frieden zu bewahren (vgl. LW 45,91). Es gibt daher auch zwei Gesetze, die das Moralleben regeln: eines ist geistlich, für jene, die unter dem Einfluss des Heiligen Geistes leben, das andere weltlich, für jene, denen es nicht gelingt, das geistliche Gesetz zu halten (vgl. LW 45,88–93). Diese doppelte Sicht der Moral hat Luther mit Bezug auf Mt 5,32 auf den Ehebruch angewandt. Deshalb dürfen sich Christen wegen Ehebruchs nicht scheiden lassen (geistliches Gesetz); die Scheidung existiert aber und wurde von Moses erlaubt wegen der Sünde (weltliches Gesetz). Die Scheidungserlaubnis wird als eine von Gott den fleischlichen Menschen gesetzte Grenze gesehen, um ihr schlechtes Verhalten einzudämmen, und um die davor zu bewahren, aufgrund ihrer Bosheit Schlimmeres zu begehen (vgl. LW 45,31).

Wie könnte man darin nicht eine sehr große Ähnlichkeit mit dem erkennen, was von Eurer Heiligkeit in Amoris laetitia gesagt wird? Einerseits wird die Ehe scheinbar als Sakrament geschützt, während andererseits die Scheidung und die darauf folgende standesamtliche Ehe „barmherzig“ als status quo betrachtet werden, der – wenn auch nur „pastoral“ – in das Leben der Kirche zu integrieren ist, womit offen dem Wort Unseres Herrn widersprochen wird. Luther wurde bei der Anerkennung einer Zweitverbindung davon geleitet, daß er die Begierde mit der Sünde gleichsetzte und die Ehe als Abhilfe für die Begierde betrachtete. In Wahrheit ist die Begierde in sich keine Sünde, wie gleichermaßen eine zweite Verbindung zu Lebzeiten des Partners kein Status, sondern ein Verlust der Wahrheit ist.

Doch wird der Selbstwiderspruch Luthers, der durch seine doppelte Sicht der Ehe entsteht – die in sich als etwas gesehen wird, das im eigentlichen Sinn dem Gesetz und nicht dem Evangelium angehört –, durch den Vorrang des Glaubens scheinbar überwunden: ein „herzliches Vertrauen“, das erlaube, Gott subjektiv anzuhangen. Er ist der Ansicht, daß der Glaube den Menschen in dem Maß rechtfertigt, in dem sich die strafende Gerechtigkeit in Barmherzigkeit zurückzieht und permanent in Liebe verwandelt, die vergibt. Das wird, laut Luther, durch einen „fröhlichen Wechsel“ möglich, durch den der Sünder zu Christus sagen kann: „Du bist meine Gerechtigkeit, so wie ich Deine Sünde bin“ (LW 48,12; vgl. auch 31,351; 25,188). Durch diesen „fröhlichen Wechsel“ wird Christus zum einzigen Sünder und wir sind durch die Annahme des Wortes im Glauben gerechtfertigt.

Auf Ihrer Pilgerreise nach Fatima zum Beginn dieses von der Vorsehung bestimmten Hundertjahrjubiläums hat Eure Heiligkeit klar die lutherische Sicht des Glaubens und der Rechtfertigung angedeutet, indem Sie am 12. Mai 2017 folgendes erklärten:

„Man tut Gott und seiner Gnade Unrecht, wenn man an erster Stelle sagt, dass die Sünden durch sein Gericht bestraft werden, ohne voranzustellen – wie es das Evangelium deutlich macht –, dass er sie in seiner Barmherzigkeit vergibt! Wir müssen die Barmherzigkeit dem Gericht überordnen. Jedenfalls geschieht das Gericht Gottes immer im Licht seines Erbarmens. Natürlich leugnet die Barmherzigkeit Gottes die Gerechtigkeit nicht; denn Jesus hat die Folgen unserer Sünde mit der gerechten Strafe auf sich genommen. Er leugnet die Sünde nicht, er hat sie vielmehr am Kreuz für uns bezahlt. Und so sind wir im Glauben, der uns mit dem Kreuz Christi verbindet, von unseren Sünden frei. Legen wir jede Form von Angst und Furcht ab, denn das ziemt sich nicht für jemanden, der geliebt wird (vgl.1 Joh 4,18).“30

Das Evangelium lehrt aber weder, daß alle Sünden de facto vergeben werden, noch, daß Christus allein das „Gericht“ oder die Gerechtigkeit Gottes erfahren hat, während dem Rest der Menschheit allein die Barmherzigkeit zukommt. Während es ein „stellvertretendes Leiden“ Unseres Herren zur Sühne für die Sünden gibt, gibt es aber keine „stellvertretende Strafe“, da Christus „für uns zur Sünde gemacht wurde“ (vgl. 2 Kor 5,21), und nicht zum Sünder. Wegen der göttlichen Liebe und nicht als Gegenstand des Zornes Gottes hat Christus das höchste Opfer des Heils gebracht, um uns mit Gott zu versöhnen, indem er nur die Folgen unserer Sünden auf sich nahm (vgl. Gal 3,13). Deshalb genügt es nicht, daß wir darauf vertrauen, daß unsere Sünden durch eine vermutete stellvertretende Bestrafung getilgt wurden, damit wir gerechtfertigt sind; unsere Rechtfertigung besteht darin, daß wir Unserem Heiland gleich werden, was durch den Glauben geschieht, der in der Liebe wirksam ist (vgl. Gal 5,6).

Heiliger Vater, erlauben Sie uns zum Abschluß, unser Staunen und unseren Schmerz zum Ausdruck zu bringen wegen zweier Ereignisse, die sich im Herzen der Kirche zugetragen haben und ebenfalls die Gunst bezeugen, die der deutsche Häresiarch unter Ihrem Pontifikat genießt. Am 15. Januar 2016 wurde einer Gruppe finnischer Lutheraner im Rahmen der Zelebration einer Heiligen Messe im Petersdom die heilige Kommunion gespendet. Am 13. Oktober 2016 hat Eure Heiligkeit eine Begegnung von Katholiken und Lutheranern in der Sala Nervi im Vatikan angeführt, bei der eine Statue von Martin Luther aufgestellt wurde.

 

© Der deutschsprachige Text ist eine autorisierte Fassung von http://www.correctiofilialis.org
und wurde von katholisch-bleiben.de erstellt.

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Quelle [mit sämtlichen Fußnoten]: http://www.correctiofilialis.org/wp-content/uploads/2017/09/Correctio-filialis_Deutsch_1.pdf

Rückblick: Bischof Athanasius Schneider über die Familiensynode


Das folgende Interview mit Msgr. Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese der Allerheiligsten Jungfrau Maria in Astana, Kasachstan, erschien in der polnischen Zeitschrift „Polonia Christiana“.

1.    Exzellenz, was ist Ihre Meinung zur jüngsten Synode über die Familie? Was ist deren Botschaft für die Familie?

Während der Synode gab es Augenblicke offensichtlicher Manipulation seitens einiger Prälaten, die Schlüsselpositionen in der Redaktion und Leitung der Synode einnahmen. Der Zwischenbericht (Relatio post disceptationem) war eindeutig ein vorgefertigter Text ohne Bezug zu den tatsächlichen Aussagen der Synodenväter. In den Abschnitten über Homosexualität, Sexualität und „wiederverheiratete Geschiedene“ und deren Zulassung zu den Sakramenten vertrat der Text eine radikale, neuheidnische Ideologie.

Das ist das erste Mal in der Kirchengeschichte, dass ein solcher heterodoxer Text als Dokument einer offiziellen Versammlung katholischer Bischöfe unter der Leitung eines Papstes veröffentlicht wurde, unbeschadet der Tatsache dass der Text nur einen vorläufigen Charakter besaß. Dank sei Gott und den Gebeten der Gläubigen auf der ganzen Welt, dass eine konsistente Anzahl von Synodenvätern diese Agenda entschlossen abgelehnt hat, die den korrupten und heidnischen Mainstream unserer Zeit widerspiegelt, der weltweit durch politischen Druck und durch die fast allmächtigen offiziellen Massenmedien durchgesetzt wird, die den Prinzipien der weltweiten Gender-Ideologie-Partei loyal sind.

Eine solches, wenn auch nur vorläufiges Synodendokument ist eine wirkliche Schande und ein Hinweis auf das Ausmaß, in dem der Geist der antichristlichen Welt in so wichtige Ebenen des Lebens der Kirche eingedrungen ist. Dieses Dokument wird für künftige Generationen und für die Historiker ein schwarzer Flecken sein, der die Ehre des Apostolischen Stuhls beschmutzt hat. Glücklicherweise ist die Schlussbotschaft der Synodenväter ein echt katholisches Dokument, das die göttliche Wahrheit über die Familie ausdrückt, ohne über die tieferen Wurzeln der Probleme zu schweigen, das heißt, über die Realität der Sünde. Es gibt wirklich Mut und Trost für katholische Familien.

Einige Zitate: „Wir denken an die vom Leben auferlegten Lasten und Leiden, die durch ein Kind mit besonderen Bedürfnissen entstehen kann, durch schwere Krankheit, durch die Schwierigkeiten des Alters oder durch den Tod eines geliebten Menschen. Wir bewundern die Treue so vieler Familien, die diese Leiden mit Mut, Glauben und Liebe ertragen. Sie sehen sie nicht als eine ihnen auferlegte Last, sondern als etwas, in dem sie sich selber geben und die Leiden Christi in der Schwachheit des Fleisches sehen. […] Die eheliche Liebe, die einzigartig und unauflöslich ist, hält trotz vieler Schwierigkeiten durch. Sie ist eines der schönsten und zugleich am weitesten verbreiteten Wunder. Diese Liebe breitet sich durch Fruchtbarkeit und Zeugung aus. Sie umfasst nicht nur die Zeugung von Kindern, sondern auch die Gabe des göttlichen Lebens in der Taufe, die religiöse Unterweisung und die Ausbildung der Kinder. […] Die Anwesenheit der Familie von Jesus, Maria und Joseph in deren bescheidenem Haus schwebt über euch“.

2.   Wer eine Änderung der kirchlichen Lehre zu moralischen Fragen (z.B. Zulassung „wiederverheirateter Geschiedener“ zur Heiligen Kommunion oder eine Form der Zulassung homosexueller Lebensgemeinschaften) erwartet hat, wurde wahrscheinlich durch die Schluss-Relatio enttäuscht. Existiert aber nicht die Gefahr, dass eine Infragestellung und Diskussion von Dingen, die für die Lehre der Kirche grundlegend sind, zukünftig die Türen für schwere Missbräuche und für ähnliche Versuche einer Revision der kirchlichen Lehre öffnen können?

Ein göttliches Gebot, in unserem Fall das sechste Gebot, die absolute Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe, ein von Gott bestimmte Regel, bedeutet, dass jene, die sich im Zustand schwerer Sünde befinden, nicht zur Heiligen Kommunion zugelassen werden können. Das wird durch den heiligen Paulus in seinem durch den Heiligen Geist inspirierten Brief in 1. Korinther 11,27-30 gelehrt. Darüber kann man nicht abstimmen, so wie man niemals über die Gottheit Christi abstimmen könnte.

Eine Person, die in einem unauflöslichen sakramentalen Eheband lebt und ungeachtet dessen eine dauerhafte eheähnliche Lebensgemeinschaft mit einer anderen Person unterhält, ist durch göttliches Gesetz vom Empfang der Heiligen Kommunion ausgeschlossen. Diese Person durch eine öffentliche kirchliche Erklärung zuzulassen, würde auf verwerfliche Weise eine Leugnung der Unauflöslichkeit der christlichen Ehe legitimieren und gleichzeitig das sechste Gebot Gottes leugnen: „Du sollst  nicht ehebrechen“.

Keine menschliche Institution, nicht einmal der Papst oder ein Konzil, besitzen die Autorität und Kompetenz, eines der zehn Gebote oder die göttlichen Worte Christi auf irgendeine, auch nicht geringe oder indirekte Weise aufzuheben: „Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen“ (Math 19,6). Ungeachtet dieser leuchtenden Wahrheit, die immer und gleichbleibend –– weil unveränderlich – durch alle Zeiten vom kirchlichen Lehramt bis in unsere Tage, zum Beispiel in „Familiaris consortio“ von Johannes Paul II, im Katechismus der Katholischen Kirche und von Papst Benedikt XVI. gelehrt wurde, hat man auf der Synode über die Frage der Zulassung sogenannt „wiederverheirateter Geschiedener“ zur Heiligen Kommunion abgestimmt. Diese Tatsache ist schwerwiegend und verrät eine Haltung der klerikalen Arroganz gegenüber der göttlichen Wahrheit des Wortes Gottes. Der Versuch, über die göttliche Wahrheit und über das göttliche Wort abzustimmen, ist jener unwürdig, die als Vertreter des Lehramtes das Depositum fidei als gute und treue Verwalter (vgl. Math 24,45) eifrig weitergeben müssen.

Durch die Zulassung „wiederverheirateter Geschiedener“ zur Heiligen Kommunion etablieren diese Bischöfe nach eigenem Gutdünken eine neue Tradition und übertreten damit das Gebot Gottes. Christus hat die Pharisäer und Schriftgelehrten deswegen einmal getadelt (vgl. Mt 15,3). Noch schwerwiegender ist die Tatsache, dass diese Bischöfe versuchen, ihre Untreue gegenüber dem Worte Christi durch Argumente wie „pastorale Notwendigkeit“, „Barmherzigkeit“, „Offenheit für den Heiligen Geist“ zu legitimieren. Außerdem haben sie keine Angst und keine Skrupel, die  wahre Bedeutung dieser Wörter in einem gnostischen Sinn zu entstellen, indem sie zugleich jene, die ihnen widerstehen und die unveränderlichen göttlichen Gebote und die nicht vom Menschen gemachte Tradition verteidigen, als starr, skrupelhaft oder traditionalistisch etikettieren. Während der großen arianischen Krise des 4. Jahrhunderts wurden die Verteidiger der Gottheit des Gottessohnes auch als „unnachgiebig“ oder als „Traditionalisten“ bezeichnet. Der heilige Athanasius wurde  sogar  von Papst Liberius exkommuniziert. Liberius begründete das mit dem  Argument, dass Athanasius mit den orientalischen Bischöfen, die meist Ketzer oder Halbketzer waren, nicht in Gemeinschaft war. Basilius der Große erklärte in dieser Situation folgendes: „Nur eine Sünde wird heute hart bestraft: die aufmerksame Beachtung der Überlieferungen unserer Väter. Aus diesem Grund werden die Guten aus ihren Positionen verdrängt und in die Wüste geschickt“ (Ep. 243).

Die Bischöfe, welche die heilige Kommunion für „wiederverheiratete Geschiedene“ befürworten, sind die neuen Pharisäer und Schriftgelehrten, weil sie das Gebot Gottes vernachlässigen. Sie fördern die Tatsache, dass aus dem Leib und dem Herzen der „wiederverheirateten Geschiedenen“ noch mehr „Ehebruch hervorgeht“ (Mt 15,19), weil sie eine äußerlich „saubere“ Lösung wollen und in den Augen derer, welche die Macht haben (die Massenmedien, die öffentliche Meinung), „sauber“ dastehen wollen. Wenn sie allerdings vor dem Richterstuhl Christi erscheinen, werden sie sicherlich zu ihrer Bestürzung diese Worte Christi hören: „Was zählst du meine Satzungen auf, was redest du von meinem Bund, da du doch Zucht hasst und meine Worte hinter dich wirfst? … mit Ehebrechern hältst du Gemeinschaft“ (Ps 50/49,16-18).

Der Schlussbericht der Synode enthält leider auch den Absatz mit der Abstimmung über eine Zulassung „wiederverheirateter Geschiedener“ zur Heiligen Kommunion. Auch wenn er die erforderlichen zwei Drittel der Stimmen nicht erreichte, bleibt die Sorge und erstaunliche Tatsache, dass die absolute Mehrheit der anwesenden Bischöfe zugunsten einer  Zulassung „wiederverheirateter Geschiedener“ zur Heiligen Kommunion abgestimmt hat, ein trauriges Spiegelbild der geistlichen Qualität des katholischen Episkopats in unseren Tagen. Darüber hinaus ist traurig, dass dieser Absatz, der die erforderliche qualitative Mehrheit nicht erreichte, in der Schluss-Relatio verblieben ist und für eine weitere Diskussion an alle Diözesen gesendet wird. Das wird die dogmatische Verwirrung bei  Priestern und Gläubigen sicherlich nur erhöhen, weil in der Luft ist, dass göttliche Gebote und die göttlichen Worte Christi und des Apostels Paulus menschlicher Entscheidungsfindung unterworfen werden. Ein Kardinal, der offen und nachdrücklich eine Zulassung „wiederverheirateter  Geschiedener“ zur Heiligen Kommunion und sogar die schändlichen Aussagen des Zwischenberichtes über homosexuelle „Paare“ unterstützte, zeigte sich mit dem Schlussbericht unzufrieden und erklärte frech: „Das Glas ist halb voll“ und im Bild bleibend meinte er, dass man daran arbeiten müsse, damit das Glas im nächsten Jahr auf der Synode ganz voll sei. Wir müssen aber fest glauben, dass Gott die Pläne der Unehrlichkeit, der Untreue und des Verrats zunichte machen wird. Christus hält unfehlbar das Ruder des Bootes seiner Kirche inmitten eines so großen Sturms. Wir glauben und vertrauen dem wahrhaftigen Herrscher der Kirche, unserem Herrn Jesus Christus, der die Wahrheit ist.

3.   Wir erleben derzeit eine massive Aggression gegen die Familie. Diese Aggression wird im Bereich der Wissenschaft von  einer enormen Verwirrung bezüglich des Menschen und der menschlichen Identität begleitet. Leider gibt es Vertreter der kirchlichen Hierarchie, die bei der Erörterung dieser Fragen Meinungen äußern, die der Lehre des Herrn widersprechen. Wie sollen wir mit den Menschen, die Opfer dieser Verwirrung werden, sprechen, um ihren Glauben zu stärken  und sie zum Heil zu führen?

In dieser außerordentlich schwierigen Zeit reinigt Christus unseren katholischen Glauben, damit die Kirche durch diese Prüfung heller leuchte und wirklich Licht und Salz für die fade neuheidnischen Welt sei dank der Treue und dem reinen, einfachen Glauben zunächst der Gläubigen, der Kleinen in der Kirche, der „Ecclesia docta“ (der lernenden Kirche), die in unseren Tagen die „Ecclesia docens“ stärken wird (die lehrende Kirche,  das heißt, das Lehramt) so wie während der großen Glaubenskrise im vierten Jahrhundert, zu welcher der selige Kardinal John Henry Newman schreibt: „Das ist eine sehr bemerkenswerte Tatsache, die aber eine Moral enthält. Vielleicht wurde sie zugelassen, um der Kirche, die genau in dieser Zeit aus ihrem Zustand der Verfolgung hervorkam, die große Lehre des Evangeliums einzuprägen, dass nicht die Weisen und Mächtigen, sondern die Unbedeutenden, die Ungelernten und die Schwachen die wahre Stärke der Kirche darstellen. Das Heidentum wurde vor allem von den einfachen Gläubigen gestürzt. Die Gläubigen haben unter der Leitung des Athanasius und der ägyptischen Bischöfe, und an einigen Orten unterstützt von ihren Bischöfen und Priestern, den schlimmsten Häresien widerstanden und sie aus dem heiligen Bereich ausgemerzt. … In dieser Zeit der immensen Verwirrung wurde das Dogma der Göttlichkeit unseres Herrn verkündet, durchgesetzt, bewahrt. Menschlich gesprochen wurde sie weit mehr von der „Ecclesia docta“ als von der „Ecclesia docens“ bewahrt. Die Gesamtheit der Bischöfe war ihrer Aufgabe untreu geworden, während die Gesamtheit der Laien treu zur Taufe stand. Bald erklärte der Papst, bald ein Patriarch, ein Metropolit oder sonst ein wichtiger Bischof oder ein Generalkonzil, was man nicht hätte sagen sollen, oder sie taten, was die offenbarte Wahrheit verdunkelte und kompromittierte. Auf der anderen Seite war das christliche Volk unter der Leitung der Vorsehung die kirchliche Stärke eines Athanasius, Hilarius, Eusebius von Vercelli und anderer großer und einsamer Bekenner, die ohne die Gläubigen  gescheitert wären“ (Arianer des vierten Jahrhunderts, 466).

Wir müssen gewöhnliche Katholiken ermutigen, dem gelernten Katechismus, den klaren Worten Christi im Evangelium und dem ihnen überlieferten Glauben ihrer Väter und Vorväter treu zu bleiben. Wir müssen Studienzirkel und Vorträge über die beständige Lehre der Kirche zu Fragen der Ehe und Keuschheit organisieren und dazu vor allem junge Menschen und Ehepaare einladen. Wir müssen die große Schönheit eines Lebens in Keuschheit, die große Schönheit der christlichen Ehe und Familie, den großen Wert des Kreuzes und des Opfers in unserem Leben aufzeigen. Wir müssen das Beispiel der Heiligen sowie beispielhafter Personen darstellen, die zeigten, dass sie, obwohl sie die gleichen Versuchungen des Fleisches, die gleiche Feindseligkeit und den gleichen Spott der heidnischen Welt erlitten, dennoch mit der Gnade Christi ein glückliches Leben in Keuschheit, in einer christlichen Ehe oder in der Familie führten. Der Glaube, der reine und integrale katholische und apostolische Glauben, wird die Welt überwinden (vgl 1. Joh 5,4).

Wir müssen Gruppen von Jugendlichen mit reinen Herzen,  Familiengruppen und Gruppen katholischer Ehepaare, die ihren Eheversprechen verpflichtet sind, gründen und fördern. Wir müssen Kreise organisieren, die zerbrochenen Familien und alleinerziehenden Müttern moralisch und materiell helfen, Gruppen, die mit Gebet und Rat getrennte Paare unterstützen, Gruppen und Personen, die „wiederverheirateten Geschiedenen“ helfen, einen Prozess der ernsthaften Umkehr zu ermöglichen, indem sie in Demut ihre sündhafte Lage erkennen und mit der Gnade Gottes die Sünden verlassen, die das Gebot Gottes und die Heiligkeit des Sakraments der Ehe verletzen. Wir müssen Gruppen schaffen, die Personen mit homosexuellen Tendenzen sorgsam unterstützen, den Pfad der christlichen Bekehrung zu gehen, den glücklichen und schönen Pfad eines keuschen Lebens und ihnen  schließlich in diskreter Weise eine psychologische Heilung anbieten. Wir müssen unseren Zeitgenossen in der neuheidnischen Welt die befreiende Gute Nachricht der Lehre Jesu Christi vor Augen führen und predigen, dass das Gebot Gottes, auch das sechste Gebot, weise und schön ist: „Das Gesetz des Herrn ist vollkommen. Es erquickt die Seele: das Zeugnis des Herrn  ist zuverlässig.  Es macht  den  Einfältigen weise. Die  Satzung des Herrn sind richtig, sie erfreuen das Herz: das Gebot des Herrn ist lauter, es erleuchtet die Augen „(Ps 19/18,7-8).

4.   Während der Synode, bemängelten Erzbischof Gądecki von Posen und einigen andere bedeutende Prälaten öffentlich, dass die Ergebnisse der Diskussionen von der immerwährenden Lehre der Kirche abwichen. Gibt es eine Hoffnung, dass es inmitten dieser Verwirrung ein Erwachen der Mitglieder des Klerus und jener Gläubigen geben wird, die sich bisher nicht bewusst waren, dass es  im Inneren der Kirche Leute gibt, welche die Lehre des Herrn untergraben?

Es gereicht dem polnischen Katholizismus sicherlich zur Ehre, dass der Präsident des katholischen Episkopats, Seine Exzellenz Erzbischof Gądecki mit Klarheit und Mut die Wahrheit Christi über die Ehe und die menschliche Sexualität verteidigt hat. Dadurch offenbarte er sich als ein wahrer geistlicher Sohn von Johannes Paul II. Kardinal George Pell bezeichnete die liberale Sex-Agenda und die angebliche barmherzig und seelsorgerische Forderung nach einer Zulassung „wiederverheirateter Geschiedener“ zur heiligen Kommunion während der Synode sehr treffend als Spitze des Eisbergs und eine Art Trojanisches Pferd in der Kirche.

Dass es mitten im Schoß der Kirche Leute gibt, welche die Lehre des Herrn untergraben, wurde für die ganze Welt dank des Internets und der Arbeit einiger katholischer Journalisten offensichtlich, denen nicht gleichgültig war, was mit dem katholischen Glauben geschieht, der für sie ein Schatz Christi ist. Ich war erfreut, dass einige katholische Journalisten und Internet-Blogger sich als gute Soldaten Christi benahmen und die öffentliche Aufmerksamkeit auf die klerikale Agenda einer Unterminierung der beständigen Lehre unseres Herrn hinlenkten. Kardinäle, Bischöfe, Priester, katholische Familien, katholische Jugendliche müssen klar sagen: Ich weigere mich, mich dem neuheidnischen Geist dieser Welt anzupassen, auch wenn dieser Geist von einigen Bischöfen und Kardinälen verbreitet wird. Ich werde deren trügerische und abwegige Instrumentalisierung der heiligen Barmherzigkeit Gottes und deren Behauptung eines „neuen Pfingsten“ nicht akzeptieren. Ich weigere mich, die Statue des Götzen der Gender-Ideologie, der Zweitehe und des Konkubinat zu beweihräuchern. Auch wenn mein Bischof das machen würde, ich werde es nicht tun. Mit der Gnade Gottes werde ich lieber leiden als die ganze Wahrheit Christi über die menschliche Sexualität und die Ehe zu verraten.

Die Zeugen werden die Welt überzeugen, nicht die Lehrer, sagt Paul VI. in „Evangelii nuntiandi„. Die Kirche und die Welt brauchen dringend unerschrockene und ehrliche Zeugen der ganzen Wahrheit der Gebote und des Willens Gottes und der ganzen Wahrheit der Worte Christi über die Ehe. Moderne klerikale Pharisäer und Schriftgelehrte, jene Bischöfe und Kardinäle, welche die neuheidnischen Götzen der Gender-Ideologie und des Konkubinats beweihräuchern, werden niemanden   überzeugen, an Christus zu glauben oder bereit zu sein, das Leben für  Christus hinzugeben. Es ist tatsächlich so: „Veritas Domini manet in aeternum“ (Ps 116: „Die Wahrheit des Herrn bleibt auf ewig“) und „Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“ (Hebr 13,8) und „die Wahrheit wird euch frei machen“ (Joh 8,32). Dieser letzte Satz war eines der Lieblings-Bibelzitate von Johannes Paul II., des Papstes der Familie. Wir können hinzufügen: Die geoffenbarte und unveränderlich überlieferte göttliche Wahrheit über die menschliche Sexualität und die Ehe wird den Seelen innerhalb und außerhalb der Kirche wahre Freiheit zu bringen. Inmitten einer Krise der Kirche und des schlechten moralischen und dogmatischen Beispiels einiger Bischöfe seiner Zeit tröstete der heilige Augustinus die einfachen Gläubigen mit den Worten: „Was auch immer wir Bischöfe sein mögen, Ihr seid sicher, die ihr Gott zum Vater und seine Kirche zur Mutter habt“ (Contra litteras Petiliani III, 9, 10).

+ Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese der Allerheiligsten Jungfrau Maria zu Astana, Kasachstan.

 

Dieses Interview wurde im Magazin “Polonia Christiana” publiziert. Die Fragen stelle Frau Dr. Isabella Parowicz. Die deutsche Übersetzung wurde von Bischof Schneider durchgesehen.

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Quelle

Kardinal Janis Pujats, Lettland, fordert eine „Klarstellung“ von Amoris Laetitia: „Die dem Text zugrunde liegende Mentalität ist zu liberal“

Übersetzung aus dem Englischen von mir [POS]

ROM, 22. November 2017 (LifeSiteNews) – Eine Woche nachdem Kardinal Raymond Burke Papst Franziskus um Klarheit bezüglich der Morallehre und der sakramentalen Praxis der Kirche gebeten hatte, hat sich ein anderer Kardinal geäußert: „Eine Klarstellung ist in Ordnung.“

Kardinal Janis Pujats, emeritierter Erzbischof von Riga in Lettland und emeritierter Präsident der örtlichen Bischofskonferenz, sagte kürzlich in einem Interview mit La Fede Quotidiana, dass sich die Debatte über Amoris Laetitia schließlich lösen lassen werde, eines jedoch klar sei: „Die dem Text zugrunde liegende Mentalität ist zu liberal. Heute sehe ich einen gewissen Laxismus in der katholischen Moral und vor allem bezüglich der nicht verhandelbaren Werte und Prinzipien.“

Auf die Frage, ob es möglich sei, den geschiedenen und zivil Wiederverheirateten, die more uxorio (mit sexuellen Beziehungen) leben, die Heilige Kommunion zu geben, sagte Kardinal Pujats: „Wir müssen diesen Menschen sicherlich unsere Sorge und pastorale Aufmerksamkeit schenken“, aber „sie können keine sakramentale Kommunion empfangen.“

„Sie sind nicht [kirchen-]rechtsgültig ehelich vereint und befinden sich daher in einem Zustand der Todsünde. Das ist alles Teil der Lehre über die Sakramente“, sagte er.

Auf die Frage, ob seine Position „zu streng“ sei, fragte der lettische Kardinal: „Was heißt das? Die Lehre der Kirche ändert sich nicht und niemand ist dazu befugt, sie zu ändern. Es ist alles im Evangelium festgeschrieben und muss akzeptiert werden.“

„Heute ist zum Wohl der Kirche und des Gottesvolkes eine Aufklärung im Einklang mit den Geboten des Evangeliums und dem ständigen Lehramt der Kirche notwendig“, fuhr der 87-jährige Kardinal fort. „Niemand sollte Angst vor doktrinärer Klarheit haben. Wenn etwas schadet, ist es die Unsicherheit verbunden mit Zweideutigkeit und Verwirrung.“

„Wir müssen den Mut haben, die Sprache der Wahrheit klar und ohne Angst auszusprechen und nicht der Welt zu gefallen, weil wir sonst nach und nach Gefahr laufen, in einen schweren Irrtum zu verfallen. Wir müssen die ewige Doktrin über Ehe und Familie immer wieder bekräftigen“, sagte er.

Anfang dieses Jahres hat auch Kardinal Pujats seinen Namen einer „Erklärung der Treue zur unveränderlichen Lehre der Kirche über die Ehe“ hinzugefügt.

Zur Aussage der polnischen Bischöfe befragt, dass Amoris Laetitia in Übereinstimmung mit der Lehre des hl. Johannes Paul II. gelesen werden müsse, sagte der lettische Kardinal: „Ich glaube, dass die Lehre des hl. Johannes Paul II. klar und richtig ist. Sie kann sich nicht ändern oder geändert werden. Wie gesagt, sie ist nicht veränderbar und ich denke, dass (das Ersuchen um) eine Klärung ist in Ordnung ist.“

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