„Bambino Gesù“ bereit, Charlie Gard aufzunehmen

Charlie Gard / Quelle: © Charliesfight.Org

Erklärung von Mariella Enoc und Anteilnahme von Papst Franziskus

Die Präsidentin des Kinderkrankenhauses „Bambino Gesù“ in Rom, Mariella Enoc, erklärte, dass der Schutz des menschlichen Lebens ein Liebesdienst sei, den Gott jedem Menschen anvertraue. Daher habe sie mit dem „Great Ormond Street Hospital“ in London überprüfen lassen, ob eine Verlegung des kleinen Charlie nach Rom möglich sei, so Mariella Enoc. Charlie Gard wird im „Great Ormond Street Hospital“ behandelt. „Wir wissen, dass der Fall verzweifelt ist, und dass, soweit vorliegt, keine wirksamen Therapien existieren. Wir sind den Eltern im Gebet nah und, wenn es ihr Wunsch ist, bereit, ihr Kind bei uns für die Zeit aufzunehmen, die ihm zum Leben bleibt.“

Am 27. Juni 2017 wurde bekanntgegeben, dass die Behandlung des kleinen Jungen im Krankenhaus abgebrochen werde, weil keinerlei Heilungschancen nach Auffassung der Ärzte bestünden. Eine Beschwerde der Eltern wurde vom Gerichtshof für Menschenrechte abgewiesen.

Greg Burke, Direktor des Pressesaals, ließ am Sonntag, dem 2. Juli 2017 verlautbaren, dass Papst Franziskus mit Anteilnahme das Schicksal des kleinen Charlie Gard verfolge. Papst Franziskus sprach den Eltern des kleinen Jungen seine Nähe aus und versicherte sie seiner Gebete. Der Papst äußerte die Hoffnung, dass dem Wunsch der Eltern gefolgt werde, ihren kleinen Sohn bis zum Ende zu umsorgen und zu begleiten.

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Quelle

Was können wir der Gender-Ideologie entgegensetzen?

Reichstag / Wikimedia Commons – Lars Steffens, CC BY-SA 2.0

Impuls zum 13. Sonntag im Jahreskreis,
Lesejahr A — 2. Juli 2017

Ein entscheidendes Merkmal der neuen Ideologie, die die westliche Welt im Griff hält, ist ihre glatte Weichheit. Klingt es nicht ansprechend das Wort von der „Ehe für alle“? Ist es nicht mehr als nur gerecht, dass ein so wertvolles Gut wie die Ehe für jedermann zur Verfügung stehen soll?

Die Ideologien, die nach dem „Tod Gottes“ Europa und Nordamerika beherrschten, waren mit jeweils einem harten Zwangsstaat verbunden. Sowohl der Marxismus-Kommunismus im Osten wie die Nazi-Ideologie in Deutschland hatten die Menschen hart im Griff.

Die Gender-Ideologie, viel klüger als ihre Vorgängerinnen, macht es auf die sanfte Tour, aber im Griff hat sie die Menschen auch. Größtenteils mit semantischen Mitteln. Erstaunlich, wie viele Dinge heute mit anderen Namen belegt werden als früher, und in der Regel mit geschickteren Namen. Früher wurde man bei der Behörde abgefertigt, heute wird man bedient. Wer mit der Bahn fährt, ist immer wieder gerührt davon, dass man im Lautsprecher sehr zuvorkommend angesprochen wird, und der Sprecher sich für jede größere oder kleinere Unannehmichkeit entschuldigt. Oder: niemand wird von Krüppeln oder Verrückten sprechen, es sind geistig oder körperlich Behinderte.

Ist das etwas Schlimmes? Nein, im Gegenteil, unsere öffentliche Kommunikation hat sicher in den letzten Jahrzehnten dazu gelernt. Aber gerade durch die Kommunikation, die uns die Medien präsentieren, wird uns seit Jahren, ohne dass wir es merken, auch Gift in mancherlei Form eingeflößt. Man hat so lange, und gleichzeitig so besonnen und ruhig, für die Freigabe der Abtreibung plädiert, dass in wenigen Jahrzehnten eine echte „Umwertung der Werte“ im Sinne Friedrich Nietzsches stattgefunden hat. Danach kam die verständnisvolle Einstellung zur Euthanasie, von der wir Deutschland eigentlich noch üble Erinnerungen haben sollten – aus der vorhergehenden Ideologie.

All diese neuen „Erkenntnisse“ hätte man im kommunistischen Russland oder in Nazideutschland den Menschen mit dem Holzhammer eingebläut, was erfahrungsgemäß längst nicht so wirksam ist. Mit den sanften Mitteln einer angepassten Sprache (George Orwell nannte das „Neusprech“) wird auch die absurdeste Auffassung akzeptiert. Man muss sie nur häufig genug, wie bei der Werbung, wiederholen.

Konkret wird mit edlen Begriffen hantiert, wie Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Wer wird denn so unbarmherzig sein und von einem jungen Mädchen verlangen, dass sie ihr Kind austrägt, da ihre Karriere dadurch infrage gestellt sein wird. Auch bei der aktiven Sterbehilfe wird mit der Barmherzigkeit Schindluder getrieben: „Der arme Kranke, muss man ihn denn so leiden lassen?“. Bei der sog. Ehe für alle: „Ist es nicht ungerecht, den Homosexuellen das vorzuenthalten, was die Heterosexuellen haben?“ Die Abstimmung im Deutschen Bundestag ist folgerichtig genauso ausgefallen wie das Referendum in Irland vor einigen Monaten, wo sich sogar eine gewisse Euphorie ausbreitete, weil man es der katholischen Kirche mal gezeigt hatte.

Und da liegt der eigentlich Grund dafür, dass denjenigen, die die überlieferten Werte hochhalten, die Felle wegschwimmen. Seit dem 18. Jahrhundert hat sich Europa von Gott verabschiedet, zuerst die Intellektuellen und heute auch die breite Bevölkerung. Und wenn Gott keine Rolle spielt (höchstens noch für die „religiösen Bedürfnisse“ der Menschen), dann gibt es auch keinen Grund, die Bibel oder das überlieferte Lehramt der Kirche ernst zu nehmen.

Allerdings gab es bis jetzt immerhin einen gewissen Nachklang an die Lehre der Kirche im so genannten Naturrecht oder Naturgesetz. Bei den Juristen spielt es gelegentlich noch eine Rolle, indem sie sagen, es muss doch Werte geben, die von der Mehrheitsmeinung der Menschen  und vom positiven Recht unabhängig sind. So jedenfalls hat es der emeritierte Papst Benedikt XVI. seinerzeit im Deutschen Bundestag in Erinnerung gerufen. Aber machen wir uns nichts vor: das Naturrecht ist im Kern nur begründbar, wenn Gott der Schöpfer eine Rolle spielt. Wenn er ausgespielt hat, gibt es in der Tat keinen Grund, warum man gegen den demokratischen Willen der Mehrheit nicht auch wesentliche Dinge der Weltanschauung und der Moral verändern kann.

Dass jahrhundertelang die Ehe von Mann und Frau als größte Selbstverständlichkeit gegolten hat, auch bei Leuten, die nicht gläubig sind, hängt mit dem Gottesglauben – nicht nur dem christlichen – zusammen. Wir sehen es gerade heute, dass alle politischen Begründungen dafür, die Ehe von Mann und Frau höher zu bewerten als andere Verbindungen, weggepustet werden.

Bei vielen bleibt allerdings ein seltsames Gefühl, wenn er sieht, wie ein Mann einem Mann, eine Frau einer Frau das Jawort gibt. Aber man wird sich daran gewöhnen.

Diejenigen aber, die den christlichen Glauben in seiner kraftvollen, nicht angepassten Form, hochhalten, und die daher den Wunsch haben, anderen die absoluten Wahrheiten des Christentums weiterzugeben, müssen erschrecken. Denn was hier geschieht, ist nicht nur eine der sinnfreien Kapriolen der Tagespolitik, hier wird dem Schöpfer mitten ins Gesicht geschlagen. Im Ton der Gender-Mentalität wird aber auch hier ruhig und sachlich argumentiert: „Da Gott nicht existiert, gibt es auch keine vorgegebene Schöpfungsordnung. Wir nehmen das selbst in die Hand.“

Die deutschen Bischöfe haben dankenswerterweise Protest angemeldet, aber noch oder schon das Zentralkomité der Deutschen Katholiken (eine von niemandem gewählte Institution) lässt verlauten: „Sie [die eingetragenen Partnerschaften] sind gut und fruchtbar für unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben,“ so Thomas Sternberg, der Vorsitzende des ZK.

Der hl. Paulus bringt einen ernsten Ton in die Debatte: „Irret euch nicht; Gott lässt seiner nicht spotten! Denn was der Mensch sät, das wird er ernten (Gal. 6,7)

Dennoch, zwar könnte man angesichts der Lage pessimistisch werden. Das aber will Gott nicht. Genau wie die vorher gegangenen Ideologien wird auch Gender einmal auf dem Kehrichthaufen der Geschichte landen.

Angesagt ist Widerstand statt Mitläufertum. Und vor allem Gebet. Schwester Lucia von Fatima sagte einmal, in unserer Zeit geht der Kampf vor allem um die Familie. Konsequenz für uns: die Familie – im überkommenen Sinne natürlich – stärken, junge Leute ermutigen, die Lehren der Kirche, vor allem Familiaris Consortio und Humanae Vitae, zu studieren, sich klar zu machen, nur in der Ehe von Mann und Frau erfahren Kinder die Schönheit der Schöpfung. Und eben nicht mit den Wölfen zu heulen. Damit spätere Generationen uns nicht, wie unseren Großvätern sagen können: „Wieso habt ihr damals dafür gestimmt?“

Der Trost schlechthin: in Fatima sagt die Gottesmutter „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz siegen!“

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.  Der Fe-Medienverlag hat einige ZENIT-Beiträge vom Autor als Buch mit dem Titel „Der Stein, den die Bauleute verwarfen“ herausgebracht.

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Brief des Prälaten des Opus Dei Fernando Ocariz über die Bedeutung der Familie

Die Familie ist der Ort, wo die Liebe geboren wird. Familien sind heute vielfältigen Herausforderungen ausgesetzt. In seinem Brief schlägt der Prälat des Opus Dei vor, den Familien professionell zu helfen.

Ihr Lieben, Gott schütze Euch!

Wie der letzte Generalkongress in Erinnerung gerufen hat[1], nimmt die Familie in den letzten Jahrzehnten einen besonderen Platz innerhalb der Prioritäten der Kirche und daher auch der Prälatur ein. Mit diesen Zeilen möchte ich noch einmal kurz auf dieses überaus dringende und notwendige Apostolat eingehen.

Es ist nicht zu übersehen, dass heute viele Menschen das, was dem Plan Gottes für die Verbindung von Mann und Frau entspricht, als ein Modell unter anderen ansehen und es sogar als ein Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten in Frage stellen. Geben wir trotzdem die Hoffnung nicht auf, im Gegenteil: das Licht der Wahrheit ist hinsichtlich der Familie dem Menschen von Gott ins Herz geschrieben und wird sich daher heute und immer einen Weg mitten durch die Stürme bahnen.

Jede Familie, die den wirkkräftigen Wunsch hat, Einigkeit zu bewahren, „übergibt die Regie der Welt wieder dem Bund des Mannes und der Frau mit Gott“[2]. Hier kommen mir Worte des hl. Josefmaria in den Sinn: „Die Sendung des Christen: das Böse im Überfluss des Guten ersticken! Es genügt weder, nur die Übel anzuprangern, noch, sich hinter einem Wall von Negationen zu verschanzen. – Vielmehr lebt der Christ aus dem Ja zum Wahren und Rechten, weil jugendliche Zuversicht, Freude und Frieden ihn prägen. Er will allen mit Verständnis begegnen: denen, die Christus nachfolgen, denen, die Ihn verlassen haben, und denen, die Ihn noch nicht kennen. Freilich bedeutet Verstehen weder Kapitulation noch Indifferenz, sondern Tätigwerden.“[3] Verlieren wir nicht Energie und Gelassenheit dadurch, dass wir die Schwierigkeiten, die so viele Familien und die Institution Familie selbst durchmachen, beklagen. Versuchen wir vielmehr, die christliche Familie starkmütig und professionell zu verteidigen und zu fördern als etwas, das nicht nur uns, sondern Gott selbst und den kommenden Generationen gehört.

Familie und Ehe sind ein Weg der Heiligkeit. „Du lachst, weil ich dir sage, dass du ›Berufung zur Ehe‹ hast? – Du hast sie, jawohl, Berufung.“[4] Eine Berufung zur Heiligkeit, das heißt zum Glücklichsein. Die Familie ist der Ort, wo die Liebe geboren wird; es ist der erste Ort, an dem die Liebe Gottes in unser Leben tritt, und zwar weit über das hinaus, was wir selbst tun oder unterlassen können. „Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1 Joh 4, 19). Vaterschaft und Mutterschaft sagen uns, wer wir sind: ein Geschenk Gottes, eine Frucht der Liebe. Mitten in den vielfältigen Problemen, die im Leben einer Familie auftauchen können, spornt uns das Wissen, dass wir selbst und die anderen ein Gottesgeschenk sind, dazu an, sie mehr zu lieben. Und die Gesellschaft ist stets angewiesen auf diese bedingungslose Liebe.

Mehr als in früheren Epochen macht sich heutzutage auf allen Ebenen die Notwendigkeit bemerkbar, den Familien in schwierigen Situationen beizustehen. Man wird nicht mit dem Wissen geboren, was es bedeutet, Vater oder Mutter, Ehemann oder Ehefrau zu sein – man muss es lernen und anderen Eheleuten helfen, in diese Aufgaben hineinzuwachsen: Familien, die anderen Familien helfen! Mit der Erfahrung, die das Familienleben mit sich bringt, kann man sich auf dem unendlichen Feld des Werkes der Barmherzigkeit, die Unwissenden zu lehren, wirksam einsetzen. Und das, ohne „Lektionen zu erteilen“, sondern mit aller Natürlichkeit. Wie viel kann man tun, um die zukünftigen Ehepaare gut vorzubereiten und den frisch Verheirateten oder denen, die eine schwierige Situation durchmachen, zur Seite zu stehen! Außerdem kann die Familie in Schwierigkeiten einmal eine von euch sein; dann ist der Augenblick gekommen, euer Herz zu öffnen und euch helfen zu lassen, mit derselben Einfachheit, mit der ihr andere unterstützt habt.

Denkt auch darüber nach, wie ihr den Paaren in den sogenannten „irregulären“ Situationen helfen könnt. Papst Franziskus hat erneut bekräftigt, dass die Lehre der Kirche nicht geändert wird[5]; es ist jedoch eine dringende Aufgabe, sich diesen Brüdern und Schwestern mit einem großen Herzen zu widmen, sie ganz aus der Nähe mit einem aufnehmenden und unterscheidenden Blick zu begleiten, der es ihnen erleichtert, mit Gottes Gnade diese Situation zu meistern.

Achtet einmal auf das Gespräch Jesu mit der Samariterin (vgl. Joh 4, 1-45). Jene Frau, die doch fern von Gott war, fing an zu beten, ohne sich dessen bewusst zu sein, denn sie begann, mit Gott zu sprechen, der die Begegnung herbeigeführt hatte und sie nach und nach dahin führte, die Wahrheit über ihr Leben zu bekennen. Die Samariterin bleibt jedoch nicht allein mit ihrer Wunde, sie spürt gleichzeitig, dass der „Gott allen Trostes, der uns in all unserer Not tröstet“ (2 Kor 1, 3-4), seinen liebevollen Blick auf sie richtet. Gott ruft uns, trotz unserer persönlichen Unzulänglichkeit und Fehlerhaftigkeit, für alle jene Menschen Vermittler seiner Nähe und seines Trostes zu sein.

In jedem Fall ist es wichtig, frühzeitig anzufangen: „Jemanden lieben zu lernen ist nicht etwas, das man improvisiert (…). In Wirklichkeit bereitet sich jeder Mensch von seiner Geburt an auf die Ehe vor.“[6] Ich erinnere euch daran, dass in der Arbeit mit jungen Leuten von der Schönheit der apostolischen Ehelosigkeit gesprochen werden soll, ebenso aber von der Berufung, eine christliche Familie zu gründen, wobei man die verschiedenen Aspekte der Verlobungszeit und der Ehe kreativ zur Sprache bringen muss[7], etwa durch Zeugnisse von Familien; Elternbildungskurse für Ledige, Vorträge, Filme oder bewährte Schriften; Veranstaltungen für Eltern in den Schulen; Mitarbeit in den Pfarreien; ein Freizeit- und Unterhaltungsangebot, das der Ursprung zukünftiger christlicher Ehen sein kann, usw.

Alle, die auf direkte Weise an dieser Bildungsarbeit beteiligt sind, mögen bedenken, dass jede Ehe und Familie, die besser wird, einen Vervielfältigungseffekt in der Gesellschaft hat. Eine attraktive christliche Familie wirkt ansteckend: „Mit dem Zeugnis des eigenen Lebens und auch mit Worten sprechen die Familien zu den anderen von Jesus, sie vermitteln den Glauben, wecken die Sehnsucht nach Gott und zeigen die Schönheit des Evangeliums.“[8]

Empfehlen wir dem stillen und fruchtbaren Wirken des Heiligen Geistes diese immense Aufgabe der Familie, die wir mit Gelassenheit angehen sollten.

In Liebe segnet Euch

Euer Vater

Rom, 4. Juni 2017, Hochfest Pfingsten


[1] Vgl. Hirtenbrief, 14.2.2017, Nr. 21 u. 31

[2] Papst Franziskus, Audienz, 2.9.2015

[3] Hl. Josefmaria, Die Spur des Sämanns, Nr. 864

[4] Hl. Josefmaria, Der Weg, Nr. 27

[5] Vgl. Papst Franziskus, Ap. Schreiben Amoris laetitia (19.3.2016), Nr. 300

[6] Papst Franziskus, Amoris laetitia, Nr. 208

[7] Vgl. Hirtenbrief, 14.2.2017, Nr. 25

[8] Papst Franziskus, Amoris laetitia, Nr. 184

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Quelle

Schönstätter wird Vatikan-Sekretär für Laien, Familie, Leben

Pater Alexandre Awi Mello – RV

Papst Franziskus hat den brasilianischen Schönstatt-Priester Alexandre Awi Mello zum Sekretär der Vatikanbehörde für Laien, Familie und Leben gemacht. Das teilte der Vatikan am Mittwoch mit. Der 46-jährige erhält damit den zweitwichtigsten Posten in der neu geschaffenen Großbehörde unter Leitung von Kardinal Kevin J. Farrell. Ernennungen an dem Vatikan-Ministerium standen bereits länger aus, die Behörde ging im vergangenen September an den Start. Untersekretäre hat der Papst noch keine ernannt. Laut Statuten kann der Sekretär der Laien-Behörde Laie sein, dieser Freiraum wurde mit Mellos Ernennung nicht ausgeschöpft.

Mello war bisher Direktor der Schönstatt-Bewegung in seinem Heimatland. Der 1971 in Rio de Janeiro Geborene studierte Philosophie und Theologie an der Päpstlichen Universität von Santiago de Chile und erwarb im Jahr 2000 einen akademischen Abschluss an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar. Derzeit beendet er eine Doktorarbeit zu Mariologie an der US-amerikanischen Dayton-Universität.

2001 wurde er als Mitglied der Schönstatt-Bewegung zum Priester geweiht. Von 2002 bis 2009 und ab 2012 übernahm Mello diverse Lehraufträge an katholischen Universitäten in Brasilien. 2007 arbeitete er mit dem Redaktions-Sekretariat der Generalkonferenz des lateinamerikanischen Episkopats in Aparecida zusammen. Eine prägende Erfahrung war für ihn die Zusammenarbeit mit dem damaligen Kardinal Jorge Mario Bergoglio – dem heutigen Papst Franziskus.

Bei der Schönstatt Bewegung war Mello auch für die Jugendarbeit zuständig. Mello ist Direktor der Zeitschrift „Tabor“ und veröffentlichte in Fachzeitschriften mehrere Artikel zu den Themen Seelsorge und Katechese.

Die Schönstatt-Bewegung ist eine weltweit in mehr als 40 Ländern vertretene katholische geistliche Gemeinschaft. Gegründet wurde sie 1914 vom Pallottinerpater Josef Kentenich (1885-1968) in Schönstatt, einem Stadtteil des rheinland-pfälzischen Vallendar. Im Zentrum der Gemeinschaft stehen die Verehrung der Gottesmutter Maria, eine intensive Frömmigkeit im Alltagsleben und eine engagierte Weitergabe des katholischen Glaubens in der Gesellschaft.

(kna 31.05.2017 pr)

Bischof Vitus Huonder: Themenschwerpunkte bis 2019

Liebe Mitbrüder im bischöflichen, priesterlichen und diakonalen Dienst
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge

Wie in meinem Interview mit der “Luzerner Zeitung” vom 4. Mai 2017 angekündigt, möchte ich die beiden Jahre, um die Papst Franziskus meinen Dienst als Diözesanbischof verlängert hat, nutzen, um einige pastorale Themen aufzugreifen, die mir vordringlich scheinen. Ich habe sie mittlerweile im Bischofsrat zur Diskussion gestellt und möchte sie Ihnen nun vorstellen, verbunden mit der Bitte, sie sich zu eigen zu machen und bei ihrer Bearbeitung sowie Umsetzung behilflich zu sein.

1. Erarbeitung von diözesanen Standards für die Ehevorbereitung

Das vordringlichste Anliegen, geradezu ein Gebot der Stunde, scheint mir die Ehevorbereitung zu sein. Wer den Bund der Ehe eingeht, geht ihn, wie man zu sagen pflegt, “für’s Leben” ein. Deshalb ist es wichtig, dass dies nicht unüberlegt oder unvorbereitet geschieht, sondern wohlbedacht und gut informiert, getragen von der Kirche und ihrer Glaubenslehre. Gerade die vielen Krisen, welche es bekanntlich heute in Ehen gibt, und die nicht selten zu einer zivilen Ehescheidung führen, müssen uns Ansporn sein, in der Pastoral einen Schwerpunkt bei der Vorbereitung auf den Empfang dieses Sakraments zu setzen.

Das Anliegen einer erneuerten, verbesserten, den heutigen Erfordernissen angemessenen Ehevorbereitung ist zuletzt von Papst Franziskus betont worden. Im Nachsynodalen Apostolischen Schreiben “Amoris Laetitia” (205-211) ruft der Papst dazu auf, diesem Aspekt der Seelsorge Beachtung zu schenken. Und er lädt die einzelnen Ortskirchen, also die Diözesen, ein, tätig zu werden: “Es gibt verschiedene legitime Weisen, die unmittelbare Vorbereitung auf die Ehe zu gestalten, und jede Ortskirche soll unterscheiden, was für sie das Beste ist” (207).

Die Verhältnisse sind nicht nur unter den einzelnen Ortskirchen unterschiedlich. Auch innerhalb unserer Ortskirche gibt es aufgrund der sozialen Verschiedenheiten sowie der geschichtlichen, demographischen und konfessionellen Prägungen beträchtliche Unterschiede. Es kann deshalb für uns nicht darum gehen, einen einzigen Ehevorbereitungskurs zu entwerfen. Was aber dennoch getan werden kann und getan werden muss, ist die Erarbeitung von Standards für die Ehevorbereitung, die von allen gewahrt werden müssen, die sich in diesem pastoralen Feld engagieren.

Ich habe deshalb den Aufrag gegeben an den Verantwortlichen für die Jugendpastoral, Weihbischof Marian Eleganti, und an den Pastoralamtsleiter, Bischofsvikar Christoph Casetti, ein entsprechendes Konzept auszuarbeiten zu Handen des Bischofsrats. In einer späteren Phase sollen dann auch der Priesterrat und der Rat der Laientheologinnen, Laientheologen und Diakone konsultiert werden. Ziel muss es sein, den Eheleuten wirklich das mitzugeben, was sie auf ihrem gemeinsamen Weg benötigen, um das Sakrament der Ehe in seiner Fülle, dauerhaft und fruchtbar zu leben, zum Aufbau der Kirche und im Dienst an der Welt.

2. Weiterbearbeitung der Frage Bistumseinteilung

Die von der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich im 2012 an mich herangetragene Frage, ob man das Bistum Chur aufteilen solle, hat bekanntlich viel Aufsehen erregt. Ich habe das Anliegen aufgenommen und eine breit angelegte Konsultation durchgeführt. Auf dieser Basis haben später Gespräche stattgefunden, unter anderem mit den Vertretern der kantonalen staatskirchenrechtlichen Körperschaften (“Biberbrugger Konferenz”). Die Tatsache, dass schliesslich der Tag näher kam, an dem ich dem Papst meine Demission anbieten würde, hat möglicherweise dazu geführt, dass das Thema dann geruht hat. Nun, da wir wieder für zwei Jahre Planungssicherheit haben, möchte ich das Thema Bistumseinteilung nochmals aufgreifen und mit der “Biberbrugger Konferenz” weiter diskutieren. Ich habe deshalb Generalvikar Martin Grichting und Bischofsvikar Joseph M. Bonnemain gebeten, ein Schreiben aufzusetzen, um das Gespräch wieder in Gang zu bringen.

3. “Gender-Ideologie”

Seit längerem beschäftigt mich das Thema der “Gender-Ideologie”. Ich habe dazu im Jahr 2013 ein Wort des Bischofs (http://www.bistum-chur.ch/startseite/gender-die-tiefe-unwahrheit-einer-theorie-wort-des-bischofs-zum-tag-der-menschenrechte-vom-10-dezember-2013-2/) verfasst. Die deutlichen und mit meiner Haltung übereinstimmenden Aussagen von Papst Franziskus zu diesem Thema zeigen, dass das Thema weiterhin aktuell ist. Die Stellungnahmen von Papst Franziskus zeigen, wie man vom Standpunkt des Christentums diese Ideologie beurteilen soll. Auch Franziskus bezeichnet in “Amoris Laetitia” “Gender” ausdrücklich als “Ideologie” (56). Er betont, dass sie die anthropologischen Grundlagen der Familie aushöhle. Und er sieht die Gefahr, dass diese Ideologie Erziehungspläne und Gesetzgebungen unterwandert. Sie unterwandert leider auch die katholische Kirche, wie man dem in der Schweiz veröffentlichen Werk “Familienvielfalt” entnehmen kann. “Verfallen wir nicht der Sünde, den Schöpfer ersetzen zu wollen”, ruft uns demgegenüber Papst Franziskus in “Amoris Laetita” (56) zu.

In seiner Ansprache an die polnischen Bischöfe im Jahr 2016 (http://m.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2016/july/documents/papa-francesco_20160727_polonia-vescovi.html) hat der Papst “Gender” sogar als “ideologischen Kolonialismus” bezeichnet.  Er zitiert Papst Benedikt XVI., welcher zu ihm gesagt hat: “Heiligkeit, dies ist die Zeit der Sünde gegen den Schöpfergott”. Und in einer Generalaudienz im April 2015 hatte Franziskus bereits gesagt, die Beseitigung der Geschlechterdifferenz sei “das Problem, nicht die Lösung” (https://w2.vatican.va/content/francesco/de/audiences/2015/documents/papa-francesco_20150415_udienza-generale.html). In Georgien schliesslich bezeichnete Franziskus 2016 die Gender-Theorien als “grossen Feind der Ehe” und sagte: “Es gibt heute einen weltweiten Krieg, um die Ehe zu zerstören. Heute gibt es ideologische Kolonialismen, die zerstörerisch sind: Man zerstört nicht mit Waffen, sondern mit Ideen. Darum muss man sich gegen die ideologischen Kolonialismen verteidigen” (http://w2.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2016/october/documents/papa-francesco_20161001_georgia-sacerdoti-religiosi.html).

Ferner bleibt grundlegend für das Problem der “Gender-Ideologie” die Ansprache von Papst Benedikt dem XVI. vom 21. Dezember 2012 an die Römische Kurie, in welcher er die die “tiefe Unwahrheit” dieser Theorie aufgezeigt hat (http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/speeches/2012/december/documents/hf_ben-xvi_spe_20121221_auguri-curia.html).

Es geht hier, wie die Versuche zeigen, “Gender” in Erziehungsplänen und Gesetzen zu etablieren, keineswegs nur um eine akademische Debatte. Wir sind als Glieder der Kirche aufgerufen, hier unsere Stimme zu erheben. Denn es geht um den Menschen. Papst Benedikt XVI. hat dies eindringlich betont in der erwähnten Ansprache: “Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt. Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst. Und es wird sichtbar, daß dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst. Wer Gott verteidigt, verteidigt den Menschen”.

Ich habe deshalb Bischofsvikar Christoph Casetti den Auftrag gegeben, dieses Thema in die Diözesane Pastoralkonferenz einzubringen. Dieses Gremium dient ja als Koordinationsgremium der kantonalen Seelsorgeräte. Diese bitte ich, sich auf der Basis der Lehre der Päpste Benedikt XVI. und Franziskus mit dem Thema auseinanderzusetzen und ihrerseits Multiplikatoren in die Kantone hinein zu sein, damit die Kirche auch in unserem Bistum dieser verderblichen Ideologie etwas entgegenzusetzen hat.

4. Kirche und Politik

Ein Thema, das in den letzten Jahren immer wieder aktuell war, ist die Haltung der Kirche zu Fragen der Politik. Es gibt regelmässig Konflikte, wenn in Politik und Medien die Stimme der Kirche für (partei-)politische Anliegen instrumentalisiert wird. Wenn ich bedenke, wie viele Gläubige in den letzten Jahren ihren Austritt aus den staatskirchenrechtlichen Körperschaften erklärt haben, weil kirchliche Amtsträger die Kirche für tagespolitsche Anliegen missbraucht haben, dann müssten auch die Körperschaften an diesem Thema interessiert sein.

Wir müssen es zur Kenntnis nehmen: Es gibt eine sehr große Zahl von Fragen, zu denen man als Christ getrost und mit vernünftigen Argumenten dieser oder jener Meinung sein kann. Wie man eine gerechte Gesellschaft schafft, wie man mit der Energie und den verschiedenen Formen ihrer Erzeugung richtig umgeht, wie man die Natur effektiv schützt, wie man die wirtschaftlichen Lasten so verteilt, dass niemand verarmt, aber auch der Leistungswille des einzelnen nicht frustriert wird: Hier gibt es einen legitimen Pluralismus und gute Gründe für diese oder jene parteipolitische Haltung. Und es brüskiert viele Gläubige, bis hin zum ominösen “Austritt”, wenn sie von amtlichen Vertretern der Kirche als nicht ganz katholisch, irgendwie unmoralisch oder egoistisch hingestellt werden, nur weil sie zu bestimmten politischen Optionen andere Ansichten haben. Das II. Vatikanische Konzil hat in LG 37 ausdrücklich betont: “Die gerechte Freiheit, die allen im irdischen bürgerlichen Bereich zusteht, sollen die Hirten sorgfältig anerkennen“.

Diese Frage hat auch mit der Sendung der Laien zu tun, wie sie das II. Vatikanische Konzil gelehrt hat. Die Laien haben den Auftrag, mitten in der Welt das Reich Gottes auszubreiten, auf der Basis ihres christlich gebildeten Gewissens. Sie tun es nicht als amtliche Vertreter der Kirche. Genau darin besteht ihr Mündigkeit. So lange wir aber dazu neigen, die Kirche mit der Hierarchie zu identifizieren und dann zu bedauern, die Laien seien von der Mitwirkung an der kirchlichen Sendung ausgeschlossen, kommen wir nicht weiter, auch nicht zu einer Kirche, die hinausgeht, bis an die Ränder, von der Papst Franziskus immer wieder spricht. Es ist gerade Papst Franziskus, der diese Binnenfixierung bedauert hat in seinem Apostolischen Schreiben “Evangelii Gaudium”: “Auch wenn eine größere Teilnahme vieler an den Laiendiensten zu beobachten ist, wirkt sich dieser Einsatz nicht im Eindringen christlicher Werte in die soziale, politische und wirtschaftliche Welt aus. Er beschränkt sich vielmals auf innerkirchliche Aufgaben ohne ein wirkliches Engagement für die Anwendung des Evangeliums zur Verwandlung der Gesellschaft. Die Bildung der Laien und die Evangelisierung der beruflichen und intellektuellen Klassen stellen eine bedeutende pastorale Herausforderung dar” (102).

Ich habe deshalb Generalvikar Martin Grichting den Auftrag gegeben, mir Vorschläge für Initiativen zu machen, wie wir in diesen beiden Fragen eine positive Wende herbeiführen können. Das Thema ist wichtig. Ich erinnere dazu gerne an den französischen Philosophen Alexis de Tocqueville, der einmal gesagt hatte, die Religionsgemeinschaften, welche ihre Autorität über die religiösen Dinge hinaus ausdehnten, würden Gefahr laufen, in keiner Sache mehr Glauben zu finden.

Ich bin Ihnen dankbar, wenn Sie in den nächsten zwei Jahren mithelfen, bei der Behandlung und Umsetzung der hier angeführten vier Themen mitzuwirken. Sie werden Ihnen in den Räten des Bistums, aber auch in Anregungen für die Verkündigung und in der praktischen Seelsorge begegnen.

Gerne benütze ich die Gelegenheit, Sie zu ermutigen, sich von neuem in der Pastoral mit aller Kraft einzusetzen. Für alles, was Sie dort zum Aufbau des Reiches Gottes tun, danke ich Ihnen herzlich und grüsse Sie, verbunden mit meinem bischöflichen Segen, freundlich

+ Vitus Huonder
Bischof von Chur

Chur, 23. Mai 2017

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Internationaler Tag der Familien: Elternrecht auf Erziehung stärken

Teach / Pixabay CC0 – Wokandapix, Public Domain

ADF International: In einer freien Gesellschaft
erziehen die Eltern die Kinder und nicht der Staat

Die Vereinten Nationen begehen alljährlich den Internationalen Tag der Familien am 15. Mai. In diesem Jahr steht die wichtige Rolle aller Betreuenden in Familien im Zentrum, seien dies Eltern, Großeltern oder Geschwister, sowie die Bedeutung der elterlichen Erziehung zum Wohlergehen der Kinder. Paul Coleman, leitender Berater der Anwälteallianz ADF International, sagt dazu: „Kinder verdienen die liebende Fürsorge und den Schutz ihrer Eltern“. Aus Anlass des Internationalen Tags der Familien betone ADF International die besondere Rolle, die die Familie als grundlegende Einheit beim Aufbau einer Gesellschaft spiele. „Unglücklicherweise beobachten wir zunehmend, wie internationale Institutionen, Regierungen, und Gerichte die Familie eher unterminieren als sie zu beschützen“, beklagt Coleman.

Im vergangenen Monat brachte ADF International einen bekannten Fall, der die Familienrechte berührt, vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EuGMR). Die deutsche Familie Wunderlich versucht dort durchzusetzen, ihre Kinder zu Hause unterrichten zu dürfen. Am 29. August 2013 umstellten rund 40 Personen, Polizisten sowie Mitarbeiter des Jugendamtes Darmstadt das Haus der Familie und brachte die vier Kinder bis zum 19. September 2013 in einem Heim unter. Die rechtliche Situation der Familie ist seither nicht gesichert, weil „Homeschoolers“, Eltern, die ihre Kinder zu Hause unterrichten, teilweise sogar strafrechtlich verfolgt werden. Vor kurzem sicherte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte zu, überprüfen zu wollen, ob die Eingriffe der Behörden die Familienrechte verletzten, die durch Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention geschützt werden.

Petra und Dirk Wunderlich haben lediglich ihr Elternrecht ausgeübt, ihre Kinder in Übereinstimmung mit ihren philosophischen und religiösen Überzeugungen zu erziehen, wobei sie dachten, dass sie dies in häuslicher Umgebung besser tun könnten. Das internationale Recht schützt das Recht der Eltern, über die Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder zu bestimmen, Deutschland sollte dies achten“, sagte Robert Clarke, Direktor der Europäischen Anwaltschaft bei ADF International und führender Anwalt im Fall Wunderlich.

„Der Internationale Tag der Familien bietet eine gute Gelegenheit, um die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Familie zu lenken, und die Notwendigkeit, Familienrechte weltweit zu schützen. Lassen Sie uns nicht vergessen, dass in einer freien Gesellschaft die Eltern die Kinder erziehen und nicht der Staat“, fügte Coleman hinzu.

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Amoris Laetitia: Reiche Früchte und viel Arbeit

Erzbischof Vincenzo Paglia

Amoris Laetitia. Auch ein Jahr nach Erscheinen des nachsynodalen Schreibens zu Liebe und Familie klingt bei vielen bei der Nennung dieses Titels vor allem eines an: die Erinnerung an die Streitigkeiten, die die Behandlung irregulärer Familiensituationen in den Gemeinden betreffen. Doch Amoris Laetitia ist noch viel mehr. Daran erinnert Erzbischof Vincenzo Paglia, Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben und Großkanzler des Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. zum Studium von Ehe und Familie, gegenüber Radio Vatikan. „Reiche Früchte“ habe das nachsynodale Schreiben in dem Jahr seit seiner Herausgabe gebracht, doch „sehr vieles bleibt noch zu tun“, so die Bewertung des Kurienerzbischofs.

„Ein Jahr nach Erscheinen des Dokuments sind seine Früchte bemerkenswert, doch die Komplexität der Situationen verlangt noch nach Anpassungen, die die verschiedenen kulturellen Begebenheiten berücksichtigen. Es ist beispielsweise nötig, und das sehe ich eigentlich überall, die Vorbereitung auf die Ehe tiefgreifend zu überdenken – und ganz besonders die Begleitung junger Paare in den ersten Ehejahren, denn hier sind wir wirklich weit hinter den Anforderungen zurück.“

Amoris Laetitia verlange von den Ortskirchen einen radikalen Bewusstseinswandel, so die Bewertung des Erzbischofs. Denn die Kirche müsse selbst „Teil der Familie werden, den mütterlichen Blick schärfen, wenn sie verstehen, begleiten, unterscheiden und die Familien einschließen“ wolle. Sehr viel bleibe insbesondere hier noch zu tun:

„Wir sehen einerseits Familien, die in der Regel wenig mit Kirche zu tun haben, und andererseits Pfarrgemeinden, die in der Regel wenig familiär sind. Da muss man eine neue Allianz finden. Die Kirche von Amoris Laetitia ist eine Kirche, die die Liebe in ihrer Tiefe wieder entdecken muss.“

„Überhaupt kein Zweifel“ besteht nach Paglias Einschätzung an der Kirchenlehre in dem Dokument. Der Erzbischof bezog sich damit indirekt auf die sogenannten „dubia“, einen Brief von vier Kardinälen an den Papst, die dessen pastorale Sicht auf die Begleitung von Paaren in irregulären Familiensituationen ablehnen. Eher traditionsverbundene katholische Gläubige schlossen sich den „dubia“ an. Paglia erklärt, die Betonung der pastoralen Dimension bringe auch eine große Verantwortung für die Priester und Bischöfe mit sich.

„Sicher, das verlangt nach Priestern, die wieder Priester sind, also die der Unterscheidung fähig sind, aber die auch begleiten und zuhören können und die dazu in der Lage sind, auf behutsame Weise die Gläubigen zu integrieren – auch diejenigen, die besonders problematisch sind.“ Dies müsse mit Geduld und der Pädagogik Gottes geschehen, so die Einschätzung des Kurienerzbischofs, und vor allem sei dazu eine Teilhabe am Leben der Gemeinde nötig. „Und es ist von hier aus, dass man dann einen neuen Weg des Wachstums und der Umkehr einschlägt. Und hier liegt eine enorme Verantwortung. Ich könnte sagen: Die Priester müssen Priester sein, spirituelle Väter, und das müssen auch einige Laien sein. Man muss denen helfen, die Schwierigkeiten haben, wieder auf die Füße zu kommen und mit der Gnade Gottes voranzugehen.“

Ein Kapitel von Amoris Laetitia, das bei den Betrachtungen hingegen oftmals zu kurz komme, sei das Kapitel vier, in dem es nicht um eine romantische Betrachtung der familiären Liebe geht, unterstreicht Erzbischof Paglia. Doch für ihn sei es geradezu der „Grundpfeiler“ des gesamten Dokuments. Die Liebe, die Papst Franziskus hier ausbuchstabiere, sei eine Liebe, „die aufbaut, die geduldig ist, die aushält und verzeiht und die gegen alle Hoffnung hofft,“ so die Analyse des Erzbischofs, der sich im Vatikan schon seit langen Jahren mit dem Thema der Familie beschäftigt. „Aus diesem Grund ist es eine starke Liebe und nicht eine Liebe, die allein auf Gefühlen gründet: Das ist eines der großen Missverständnisse der heutigen Kultur.“

(rv 17.04.2017 cs)