MARIA GRAF-SUTTER — Beschreibungen über mein inneres Leben (10)

Foto von mir [POS] persönlich vom 21. März 2020

(Fortsetzung zu Folge 09)

Mein Gott und Heiland, wie weh muss es Deinem von Liebe überströmenden Erlöserherzen tun, wenn die Menschen so achtlos an Deinem Gotteshaus vorübergehen! Wie ein Magnet zieht’s mich an in der Nähe einer Kirche zu dem, den meine Seele geliebt von Jugend auf, weil Er in Seiner allen Begriff übersteigenden Liebe mich gerufen hat. O mein Erlöser, in Deiner Dich ganz hingebenden Liebe wartest Du im heiligsten Sakramente auf uns arme Sünder.

Herz-Jesu-Freitag im Februar. Wenn ich zurück denke an mein vergangenes Leben, finde ich an mir nichts als Schwäche und Sünde. Aber wunderbar sind Deine Wege, o Gott, und ohne Grenzen ist Deine Liebe und Barmherzigkeit!

Wieder hatten wir eine kranke Kuh, die der Arzt nicht mehr heilen konnte. Da sagte ich kurz dem Gatten, was ich erfahren hab, dass hier in unserem Haus und Stall der Teufel sich unterirdischer Strömungen und Wasserläufe bediene, um den Geschöpfen Gottes schaden zu können; dass die Gottesmutter hier einstehen wolle, wenn ihre Bitte erfüllt werde durch den täglichen Rosenkranz für die Bekehrung der Sünder. Er konnte nicht begreifen. Ich nahm den Rosenkranz in die Hand und betete still, wie Gott mir befohlen: „Wenn’s Dir zur Ehre und Verherrlichung und den Seelen zum Heile gereicht, gib mir den Fluch der Sünde zu erkennen, ich bitte Dich um Deiner heiligen Wunden willen.“ Und ich erkannte sogar die Art und den Weg der Strömungen. Mein Mann sagte, das glaube er erst, wenn bei 20 Grad Kälte der Stall trocken und warm sei. Denn es war den ganzen Winter feucht und kalt im Stall und auch in unserer Kammer, sodass bei großer Kälte das Wasser an den Wänden lief. Wir beteten jeden Tag den Rosenkranz. Nach kurzer Zeit wurde es wieder sehr kalt. Es war Ende Februar. Der Stall wurde so trocken, dass man an der früher nassen Wand die Zündhölzer anzünden konnte. In Haus und Keller, überall war es trocken und das Vieh fühlte sich warm und gesund.

Auch mein Mann verlor den immerwährenden Katarrh-Husten und bei der geringsten Erkältung seine ziehenden Schmerzen auf der Lungengegend. Ich sagte zu ihm, er dürfe zu niemandem etwas sagen von dem Vorgefallenen. Einerseits wurde ich gedrängt, diese Erlebnisse einem Priester zu sagen. Aber ich hatte Angst, es werde niemand mir solches Zeug glauben. Oft sagte ich zu Jesus: „Warum musste ich dies alles erfahren?“ O wie gern hätte ich alles jemand anderem übergeben. Aber oberstes Gebot war mir immer, wie schwer ich auch litt, zuerst meine Pflichten treu erfüllen.

Mein Gott, ich kanns fast nicht fassen, nicht verstehen, was Du Großes an uns getan hast. Weil Du, mein Gott, mich gerufen, habe ich, in Deiner heiligen Gegenwart mich wissend, Dich gebeten, den unterirdischen Wassern zu gebieten, dass es weiche und nicht länger uns schade. Und es ist so geschehen. Ich muss es täglich sehen, wie in unserer Kammer die Wände trocken, im Stall das Vieh sich wohl fühlt im trockenen Stall, wo sonst alles feucht gewesen.

Aber es ist so schwer, solches zu erfahren. Es macht mir bange und ich bekenne es meinem Beichtvater. Der sagte, Gott könne auch einmal außerordentlich eingreifen, dass es ähnlich sei einem Wunder. Aber ich soll Gott danken.

März. Erst recht bedrängt wurde meine Seele, denn ich hatte einfach Angst vor Außergewöhnlichem. Wenn ich es fast nicht fassen kann, wie werden dann jene glauben, denen ich helfen soll und die nichts solches erfahren haben? Wohin will ich mich wenden? Ich habe Angst, der Priester würde es fast für ein Wunder ansehen. Und ich eilte zu dem, der mir solches aufgetragen. „Mein Herr und Gott, was willst Du von mir armen Sünderin? Du weisest den Deinen ihre Pfade und leitest sie Deine Wege. Gib mir doch Deinen Willen zu erkennen und Deine Liebe, dass ich alles, auch das Schwere, für Dich ertrage und Deinen göttlichen Willen allzeit erfüllen kann! Ich bin ja Dein Werkzeug.“ Also betete ich vor dem ausgesetzten heiligsten Sakramente im Frauenkloster. Ich sagte zu meinem Erlöser: „wie kann ich Dir danken, O mein Jesus, für das alles, was Du mir Gutes getan, wie Du mich erhört hast? Das, was ich erfahren, Deine Allmacht und Liebe, ist zu groß, dass ich es fassen kann, und zu schwer. Siehe, mein Gott, ich finde keine Worte und sollte Dir danken, weil der Beichtvater, der zwischen mir und Dir steht, es mir befohlen hat. Jesus, um der Verdienste Deiner hl. Wunden willen erbarme Dich meiner! Mein Gott, ich bin nicht würdig, aus Deiner Hand dieses Unfassbare zu erfahren.“ Da vernahm ich die Worte: „Klein ist dieses Geschehen. Das größte Wunder geschieht, wenn ein Sünder sich bekehrt und den Weg zu mir findet.“ Ganz glücklich und getröstet übergab ich mich ganz Gottes Willen und Führung.

Am Fasnachtsdienstag Morgen hatte ich Gelegenheit, dem hl. Messopfer beizuwohnen und die hl. Kommunion zu empfangen. Ich konnte den Drang nicht loswerden, zu jener Frau zu gehen, die schon jahrelang leidend ist und von einer schweren Nervenkrankheit sich nicht erholen kann, weil sie auf solch unterirdischen Wasseradern liegt. Ich meine, so sicher zu sein, dass ich ihr helfen muss, dass diese Wasser ihr nicht länger schaden. Eine Abneigung im Herzen gegen dieses Tun ging ich doch dem Drang folgend zu ihr. Und ich fand auch Grad unter ihrem Bett die Wasserader. In tiefem Bangen, weil ich fürchtete, sie werde mir nicht glauben, sagte ich ihr, dass sie den Rosenkranz beten soll für die Rettung und Bekehrung meines Volkes. Sie glaubte mir und versprach mir mit Freuden zu beten.

Einige Tage nachher, als ich des Nachts betete für mein Volk, träumte mir nachher: ich befand mich in der Kirche, neben mir war ein offenes Grab, darin eine Gestalt sich hin und her bewegte. Dann kam sie heraus, ging langsam nach der Sakristei. Sie war gekleidet wie ein Priester und kam dann mit dem Kelch, wie ein anderer Priester, an den Altar und zelebrierte dreimal nacheinander die heilige Messe. Dann als er fertig war, ging er wieder nach der Sakristei. Beim Herauskommen begegnete er dem HH. Pfarrer. Diesem standen die Haare zu Berge und ganz weiß im Gesicht ging er rückwärts zurück, weil er so sehr erschrocken ist. Er ging wieder an mir vorbei und legte sich ins Grab. Ich erschrak gar nicht; denn mir war, als wisse ich, dass er bei Lebzeiten den armen Seelen drei heilige Messen nicht gelesen hat und, wenn sie gelesen seien, habe er Ruhe. Es sei der letzte verstorbene Pfarrer.

Mit verwundetem Herzen kniee ich in meinem Heiligtum, in meiner Kammer, wo mein Herr und Gott mich gerufen hat. Ich musste vernehmen, wie der Teufel der Unzucht in meinem Volke seelischen und körperlichen Schaden anrichtet. Es ist die himmelschreiende Sünde, die die Unschuld mit Füßen tritt und die Tempel des Heiligen Geistes zu Stätten des Grauens und des Todes macht. Ich umfange das Kreuz meines Erlösers, der auch für diese Seelen gestorben ist. Vor meiner Seele stand so deutlich das Furchtbare, das ich am Sonntag nach dem Tage Maria von der Erlösung der Gefangenen im September 1942 in der Morgenfrühe auf dem Wege zur hl. Messe geschaut habe. Als ich um den Rechböhlrank kam, sah ich von unserem Dorfe bis fast nach Weißbad alles mit einem gelben schmutzigen Wasser zugedeckt. In diesem Wasser waren so viele Menschen am Ertrinken. Viele waren bis zur Brust, andere bis zum Hals in der schmutzigen Flut; andere sanken grad unter, hoben noch die Arme aus dem Wasser, als rufen sie um Rettung; andere aber sanken unter, ohne sich retten zu wollen. Mir war, als sagte eine Stimme, für diese sollen wir beten.

Ich sah dieses Bild, das ich fast vergessen hatte, und musste denken: so sieht es aus unter meinem Volke! Es steht vor dem sittlichen Untergang und dieses Volk hat Gott mir übergeben. „Wie einst Judith, opfere und bete für Dein Volk!“ Ich umfing das Kreuz meines Erlösers und flehte um Rettung. Ich bete: „O mein Herr und Gott, habe Erbarmen mit uns nach Deiner unermesslichen Liebe und Barmherzigkeit! Schaue nicht auf unsere Sünden und Missetaten, sondern auf den Glauben Deiner Kirche und verschone uns! Mein Herr und Gott, wie Du der Stadt Ninive Dich erbarmtest, so erbarme Dich meines Volkes! Du hast das Gebet der Judith erhört. Erhören mein Flehen um der Verdienste Deiner hl. Wunden willen! Du willst ja nicht den Tod des Sünders, sondern ihre ewige Seligkeit in Dir. Mein Gott und Alles, nimm mich als das Werkzeug und mache mit mir, was Du willst, aber rette mein Volk!“

„Der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch ist schwach.“ Das muss auch ich erfahren, wenn ich des Nachts vom Schlaf mich erheben und beten soll, während andere ruhen. Trotzdem ich immer wieder den Vorsatz fasste, Jesus treu zu bleiben, und besonders jetzt in der Fastenzeit mir ein Opfer auferlegen wollte, übernahm mich der Schlaf. Und den ganzen Winter habe ich mit seltener Ausnahme, während andere schliefen, mit Jesus eine Stunde gewacht und gebetet und so viele Gnaden empfangen. Ich habe sechs Familien, die unter den Ausstrahlungen der unterirdischen Wasser gelitten haben, von diesem Übel durch das Gebet, das Jesus selbst mir gegeben, befreien dürfen. Und nun beten diese durch Prüfungen von der Gottesmutter Auserwählten täglich den Rosenkranz oder wenigstens einen Teil desselben für die Rettung meines Volkes.

Einmal kam mein Mann heim und sagte zu mir, eine befreundete Familie von uns habe auch Unglück im Stall und sie glauben, der Böse sei im Spiel, ich soll hingehen und ihnen sagen, was wir erfahren haben. Ich musste an die Verantwortung denken. Denn sicher hat Gott mir dieses nicht nur für uns anvertraut. So ging ich zu diesen Leuten; denn die Frau war meine Freundin. Sie erzählte mir, dass sie einem alten Fräuli begegnet sei und dieses hab so spassig geredet, darauf mussten sie schlachten. Nun das Fräuli sei eine Hexe und habe ihr geleidwerkt. Sie hab im Zorn dies Fräuli in die Hölle gewünscht. Sie hatten aber schon früher Unglück im Stall. Mir gab Gott zu erkennen, dass hier der Teufel nicht dieser Frau, sondern der geheimen Strahlungen sich bediene, um diesen Leuten zu schaden und zwar an der Seele, indem er sie zu Hass und Feindschaft führen wollte. Ich sagte ihr, was wir erfahren haben und dass auch hier dieses Fräuli unschuldig sei. Sie sollen auch den Rosenkranz für die Bekehrung der Sünder beten, dann werde die Muttergottes einstehen. Nach einigen Monaten sagten die Nachbarn von obigen Leuten, hier hab es gekehrt, nun haben sie Glück im Stall und schöne Schweine im Freien.

Es ließ mir nun keine Ruhe mehr, ich musste es dem Beichtvater sagen; denn ich wollte wissen, was die hl. Kirche davon hält. Ich will nichts tun, was gegen sie ist, lieber die Verdemütigung auf mich nehmen, wenn es Täuschung sein sollte. Ja, es war mir manchmal alles so zuwider, dass ich gewünscht hab, es wäre Täuschung, dann könnte ich alles hinlegen. So aber steht immer die große Verantwortung vor mir.

Es kommt die hl. Karwoche und ich nahm mir vor, aus Liebe zu Jesus jede Nacht zu wachen und zu beten für mein Volk. Aber trotz der größten Überwindung schlief ich ein. „Meister, was soll ich tun?“ Aber ich bekam keine Antwort. Jesus, der von Seinen Jüngern und Aposteln gegangen ist, ist auch von mir weggegangen. Soll ich noch länger des Nachts mich quälen, um für dieses Volk zu beten und den Schlaf zu opfern, da ich doch keine Beweise habe, dass sie sich bekehren? Oder hat nicht Gott mir Beweise gegeben, als ich in meinem Heiligtum, in meiner Kammer, wo Er, der Erlöser, zu seinem Geschöpf geredet und ich in Seiner Gegenwart erkannte, dass ein Christ, wenn er den Rosenkranz betet, innert neun Tagen von dem geheimen Schaden des Wassers befreit ist? Und von dem lauen Menschen, der lange keine Kirche mehr besuchte und mir nicht glaubte und auf den Rosenkranz nicht betete, hat Gott dieses Übel nicht weggenommen, trotzdem ich für ihn betete.

Kann es für eine Seele, die Gott in unendlicher Liebe an sich gezogen, noch Schmerzlicheres geben, als sich von Ihm so ganz verlassen zu fühlen? Es kam über mich wie Ölbergstunden, die Schuld so groß, so tief das Leid, bis ich zu Gott mich eingefunden. In Tränen der Reue suchte ich mich am hohen Donnerstag Seinem Stellvertreter, von dem Jesus sagte: „er steht zwischen mir und Dir“. Von ihm hoffte ich Rat und fand ihn nicht. Doch erlöst von Schuld und Not fand ich durch ihn den Weg zu Gott. „Wenn Du, mein Volk, mich verlässt, gehe ich hin, ein zweites Mal mich kreuzigen zu lassen!“ O unbegreifliche Gottesliebe!

Es sind Karfreitagsstunden, die ich nicht beschreiben kann. Ich stand bei meiner himmlischen Mutter unter dem Kreuze und hab mit ihr alles geopfert, um allen Mutter zu werden. Auch ich durfte am Ostermorgen Jesus, dem Auferstandenen, entgegengehen, um in der hl. Kommunion ganz eins mit Ihm zu werden. Jesus lebt in mir und ich in Ihm. Jesus ist Sieger über Sünde und Tod. Auch mein Volk wird vom geistigen Tode auferstehen. Darum hat Jesus am Kreuze Seine Mutter geheißen, uns, Seinen Erlösten, Mutter zu werden, dass sie mit einer alles übersteigenden Mutterliebe uns, ihre von Ihrem liebsten göttlichen Sohne anvertrauten Kinder, zu Ihm führen soll. Darum ist sie wiederholt vom Himmel auf dieses Tränental gekommen, um ihre Kinder zu warnen und zu führen. O dass sie doch auf die Stimme der Mutter hören und folgen würden.

(Fortsetzung folgt!)

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