Voderholzer: Die Weichen für den „Synodalen Weg“ sind falsch gestellt worden

Bischof Rudolf Voderholzer Foto: Julia Wächter

Nach Beschluss neuer Statuten des „Synodalen Prozesses“ kündigt der Regensburger Bischof eine kritische Begleitung an, sieht aber keine Voraussetzungen für einen echten Dialog

Von AC Wimmer

REGENSBURG , 25 September, 2019 / 10:45 PM (CNA Deutsch).-
Nach der Abstimmung der deutschen Bischöfe über neue Statuten für den „Synodalen Weg“ hat Bischof Rudolf Voderholzer diese als „falsche Weichenstellung“ bezeichnet und gewarnt, dass an der Wiege des Prozesses eine „Unaufrichtigkeit“ stehe.

Über 60 deutsche Bischöfe stimmten bei der heutigen Vollversammlung in Fulda über neue Statuten für den „Synodalen Weg“ ab, nachdem sowohl Papst Franziskus, sein Nuntius in Deutschland als auch der Vatikan vor einem deutschen „Sonderweg“ eindringlich gewarnt hatten.

Nach Informationen, die CNA vorliegen, stimmten die Bischöfe mit 51 Stimmen zu 12 für die überarbeiteten Statuten. 1 Bischof enthielt sich. Die offizielle Veröffentlichung wird für den morgigen Donnerstag erwartet.

Gemeinsam mit Kardinal Rainer Maria Woelki hatte Bischof Voderholzer einen Alternativ-Vorschlag unterbreitet, der den Erwartungen des Papstes sowie kirchenrechtlicher Bedenken Rechnung trug. Dieser fand jedoch keine Mehrheit unter den deutschen Bischöfen.

Neben dem fehlenden „Primat der Evangelisierung“, die der Papst forderte, stellt Voderholzer weitere Mängel an der nun verabschiedeten Form des Synodalen Wegs fest. So fehle es an den Grundlagen – etwa der Bejahung „der Prinzipien der katholischen Glaubensbegründung“ auf Schrift, Tradition, Lehramt und Konzilien – für einen zielführenden Austausch.

Sein Verdacht, dass es sich bei den am heutigen Mittwoch abgestimmten Statuten um eine „Instrumentalisierung des Missbrauchs“ handelt, „ist nicht ausgeräumt“, erklärt der Bischof in einer persönlichen Erklärung.

Der so aufgestellte Prozess könne daher letztlich nur mehr Frustration erzeugen, weshalb er auch gegen diese Statuten gestimmt habe.

„Ich möchte, dass zu Protokoll gegeben wird, dass es zumindest eine Minderheit von Bischöfen gibt [und aus der Perspektive der Geschichte, die einmal darauf schauen wird, dass es wenigstens eine Minderheit ‚gab‘], die von der Sorge erfüllt ist, dass die wahren Probleme nicht angegangen werden und durch das Wecken von bestimmten Erwartungen und Hoffnungen nur noch mehr Frustration erzeugt wird“, schreibt Voderholzer.

Der Bischof betont, dass er sich kritisch am „Synodalen Prozess“ beteiligen werde, auch wenn er nicht sehen könne, dass die Voraussetzungen für einen echten „Dialog“ gegeben sind.

Er habe „darüber hinaus allein zwei Mal vor dem heutigen Vorsitzenden der DBK feierlich versprochen, den katholischen Glauben unverkürzt zu vertreten und zu bezeugen: 2004 als Professor in Trier und 2013 bei der Bischofsweihe in Regensburg. Daran fühle ich mich gebunden und ich sehe dieses Versprechen gegenwärtig besonders herausgefordert“, so Voderholzer weiter.

Somit behält sich der bayerische Oberhirte vor, nach „den ersten Erfahrungen gegebenenfalls ganz auszusteigen“, falls die von Papst Franziskus angemahnten „Leitplanken“ nicht beachtet werden sollten:

„Primat der Evangelisierung, Sensus ecclesiae, Berücksichtigung der Einheit mit der Weltkirche (und damit Treue zur Lehre der Kirche).“

Er hoffe und bete, so Voderholzer abschließend, dass der Synodale Prozess trotz der falschen Weichenstellungen eine wahre Erneuerung der Kirche herbeizuführen hilft.

CNA Deutsch dokumentiert den vollen Wortlaut der Erklärung:

Persönliche Erklärung
von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer

zur Abstimmung in der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 25. September 2019 über das Statut des „Synodalen Prozesses“

Ich habe bei der Schlussabstimmung der Vollversammlung der DBK gegen die Satzung gestimmt. In einer vielstündigen Debatte wurden einige Verbesserungen im Detail erreicht. Aber ich habe mehrfach deutlich gemacht, dass mir die thematische Ausrichtung der Foren an der Realität der Glaubenskrise in unserem Land vorbeizugehen scheint. Das zeigt nicht zuletzt ein Blick auf die Situation der anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften in unserem Land.

Deswegen halte ich den von Kardinal Woelki und mir im Rahmen eines Alternativentwurfs gemachten Vorschlag, uns ausdrücklich mit Themen wie „Evangelisierung“, „Berufung der Laien“, „Katechese“, „Berufungspastoral“ etc. zu beschäftigen, für wesentlich besser, nicht zuletzt auch deshalb, weil damit die Weisungen von Papst Franziskus in seinem Brief ausdrücklich berücksichtigt werden und der „Primat der Evangelisierung“ ein durchgängiges Strukturprinzip des ganzen Entwurfes ist. Ich kann nur bedauern, dass dieser Alternativentwurf bei den Mitbrüdern keine Mehrheit gefunden hat.

Ich möchte, dass zu Protokoll gegeben wird, dass es zumindest eine Minderheit von Bischöfen gibt [und aus der Perspektive der Geschichte, die einmal darauf schauen wird, dass es wenigstens eine Minderheit „gab“], die von der Sorge erfüllt ist, dass die wahren Probleme nicht angegangen werden und durch das Wecken von bestimmten Erwartungen und Hoffnungen nur noch mehr Frustration erzeugt wird. Dass es kein Forum „Evangelisierung“ gibt, ist ebenso ein Mangel wie die Tatsache, dass es beim Thema „Laien“ von vorneherein nur um Partizipation geht, statt um eine Theologie einer in Taufe und Firmung gründenden Sendung in alle weltlichen Lebensbereiche hinein (vgl. die Rede vom „Weltcharakter“ der Berufung der Laien im Zweiten Vatikanischen Konzil), um nur zwei der Forumsthemen herauszugreifen.

Ich bin im Übrigen auch der Meinung – und ich habe das immer gesagt – dass an der Wiege des Synodalen Prozesses eine Unaufrichtigkeit steht. Aus den Fällen des sexuellen Missbrauchs den Schluss zu ziehen, dass es bei der Erneuerung um die genannten Themen „Ehelosigkeit“, „Machtmissbrauch“, „Frauen in der Kirche“ und „Sexualmoral“ gehen müsse, ist angesichts fehlender wissenschaftlicher Studien in anderen Institutionen, also ohne wirklichen „Institutionenvergleich“, nur als pseudowissenschaftlich anzusehen. Die wissenschaftliche Diskussion der MHG-Studie und auch der neuerlichen Studien von Prof. Dressing stehen noch aus. Mein Verdacht, dass es sich angesichts dieser Weichenstellungen um eine „Instrumentalisierung des Missbrauchs“ handelt, ist nicht ausgeräumt.

Wenn ich mit Nein gestimmt habe, heißt das nicht, dass ich mich dem Prozess grundsätzlich verschließe, sondern trotzdem mitzumachen und auch einzubringen gedenke. Ich werde mir nicht den Vorwurf machen lassen, den Dialog zu verweigern, zu dem uns Papst Franziskus ausdrücklich ermutigt hat. Ich erinnere aber daran, dass ich mir nicht viel erwarte, und zwar deshalb, weil ich nicht sehen kann, dass die Voraussetzungen für einen echten „Dialog“ gegeben sind. Es fehlt m.E. eine von allen Beteiligten anerkannte theologische Hermeneutik und die Bejahung der Prinzipien der katholischen Glaubensbegründung, die eine Berufung auf Schrift, Tradition, Lehramt und Konzilien etc. als stärkste Argumente gelten lässt.

Ich gehe davon aus, dass der Dialog angesichts meines Wahrheitsgewissens mich eher in die Situation bringen wird, Zeugnis zu geben und zu ermahnen, „sei es gelegen oder ungelegen“. Ich habe darüber hinaus allein zwei Mal vor dem heutigen Vorsitzenden der DBK feierlich versprochen, den katholischen Glauben unverkürzt zu vertreten und zu bezeugen: 2004 als Professor in Trier und 2013 bei der Bischofsweihe in Regensburg. Daran fühle ich mich gebunden und ich sehe dieses Versprechen gegenwärtig besonders herausgefordert.

Was den Synodalen Prozess betrifft, so behalte ich mir vor, nach den ersten Erfahrungen gegebenenfalls ganz auszusteigen. Kriterium ist die Beachtung der von Papst Franziskus angemahnten und in der Präambel der Satzung festgehaltenen „Leitplanken“: Primat der Evangelisierung, Sensus ecclesiae, Berücksichtigung der Einheit mit der Weltkirche (und damit Treue zur Lehre der Kirche). Ich hoffe und bete, dass der Synodale Prozess trotz der meines Erachtens falschen Weichenstellungen eine wahre Erneuerung der Kirche herbeizuführen hilft.

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