Die Konzilserklärung über die Religionsfreiheit – „Dignitatis Humanae“

Dignitatis Humanae“ will eine „Grundlegung der Religionsfreiheit, des Rechtes der Person und der Gemeinschaft auf gesellschaftliche und bürgerliche Freiheit in religiösen Belangen“ sein und es will diese Begründung auch „im Lichte der Offenbarung“ festigen.

Grundsätzlich falsch ist meines Erachtens aber schon einmal, dass die „Erklärung über die Religionsfreiheit“ voraussetzt, dass es nur noch den „laizistischen, säkularen Staat“ gibt, also den Staat, der getrennt ist von der Religion; denn nach Gottes Willen sollte Kirche und Staat idealerweise und immer (noch) möglichst weitgehend eine Einheit (einen Verbund) bilden (vgl. der vorchristliche Bund Gottes mit seinem auserwählten Volk und das Königtum Christi auf Erden).

„Dignitatis Humanae“ fußt auf falschen Prämissen und  ist  vom (neo-)modernistischen Geist durchseucht. Teile dieses Konzilsdokumentes sind zwar einigermaßen korrekt. Zum Beispiel Abschnitt 1 (Vorwort); treffend formuliert ist da der Passus: „Gott selbst hat dem Menschengeschlecht Kenntnis gegeben von dem Weg, auf dem die Menschen, ihm dienend, in Christus erlöst und selig werden können. Diese einzige wahre Religion, so glauben wir, ist verwirklicht in der katholischen, apostolischen Kirche, die von Jesus dem Herrn den Auftrag erhalten hat, sie unter allen Menschen zu verbreiten. Er sprach ja zu den Aposteln: ‚Gehet hin, und lehret alle Völker, taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe‘ (Mt 28,19-20). Alle Menschen sind ihrerseits verpflichtet, die Wahrheit, besonders in dem, was Gott und seine Kirche angeht, zu suchen und die erkannte Wahrheit aufzunehmen und zu bewahren.“ Gewiss, die „moralische Pflicht der Menschen und der Gesellschaften gegenüber der wahren Religion und der einzigen Kirche Christi“ berührt und bindet die Menschen in ihrem Gewissen, aber stimmt es, dass die Wahrheit anders nicht Anspruch erhebt als kraft der Wahrheit selbst, die sanft und zugleich stark den Geist durchdringt? Damit die Wahrheit die Menschen überhaupt in ihrem Gewissen berühren und binden kann, muss sie ihnen doch verkündet und gelehrt werden, muss sie also ihren Geist durchdringen. Und sie kann ihnen nur „beigebracht“ werden, wenn die Wahrheit frei, ohne Behinderung, verkündet und gelehrt werden kann. Die Unwahrheit und die Irrlehre aber behindern oder verunmöglichen sogar die Verkündigung und Lehre der Wahrheit. Die (meisten) Menschen, die in einer unwahren Religion aufwachsen und leben, suchen „die Wahrheit, besonders in dem, was Gott und seine Kirche angeht“ auch nicht. Sie halten ja ihre unwahre Religion für die wahre und die einzig wahre für die (eine) falsche. Religiöse Wahrheit und Unwahrheit dürfen also nicht auf die gleiche Stufe gestellt werden, dürfen somit (vom Anspruch der Wahrheit her) im öffentlichen Raum nicht die gleiche Freiheit genießen.

Im Abschnitt 4 finden wir die Passage: „Die Sozialnatur des Menschen erfordert aber, dass der Mensch innere Akte der Religion nach außen zum Ausdruck bringt, mit anderen in religiösen Dingen in Gemeinschaft steht und seine Religion gemeinschaftlich bekennt. Es geschieht also ein Unrecht gegen die menschliche Person und gegen die Ordnung selbst, in die die Menschen von Gott hineingestellt sind, wenn jemandem die freie Verwirklichung der Religion in der Gesellschaft verweigert wird, vorausgesetzt, dass die gerechte öffentliche Ordnung gewahrt bleibt“.

Erstens ist es falsch zu sagen, die Menschen seien von Gott „in die/eine Ordnung hineingestellt“. Es ist doch absurd zu behaupten, Gott habe uns in die herrschende Ordnung hineingestellt. Wir sind es, nicht Er, die es soweit gebracht haben, dass die meisten Menschen statt in eine gottgewollte Ordnung in eine gottfeindliche Unordnung hineingestellt werden. Zweitens ist auch hier „die gerechte öffentliche Ordnung“ nicht definiert. Gerecht ist eine öffentliche Ordnung nur dann, wenn sie den Gesetzen Gottes entspricht. Und drittens gibt es für (katholische) Christen nur eine (einzige) wahre Religion, nur eine Religion, die den Gesetzen Gottes entspricht [vgl. Abschnitt 1 DH: „Diese einzige wahre Religion, so glauben wir, ist verwirklicht in der katholischen, apostolischen Kirche, die von Jesus dem Herrn den Auftrag erhalten hat, sie unter allen Menschen zu verbreiten.“]. Mithin sind alle anderen sogenannten „Religionen“ unwahr; sie sind Bekenntnisse und gesellschaftliche Zusammenschlüsse, die dem Sein und Wollen und Wirken Gottes nicht entsprechen, sondern widersprechen; sie sind also ungerecht; sie können nicht dazu beitragen, „dass die gerechte öffentliche Ordnung gewahrt bleibt„.

Wenn also das Konzilsdokument die „freie Verwirklichung der Religion in der Gesellschaft“ schon allein davon abhängig macht, „dass die gerechte öffentliche Ordnung gewahrt bleibt“, um wieviel mehr gilt dann das bisher und von allem Anfang an von der katholischen Kirche immer bekannte und angewandte Prinzip: nur die Wahrheit hat ein Anrecht auf Freiheit; nur die wahre Religion mit dem wahren Sittengesetz kann zurecht den Anspruch auf freie Ausübung in der Gesellschaft erheben. Religiöse und moralische Irrlehre haben kein Anrecht, keinen Anspruch auf freie öffentliche Ausübung und Verbreitung. Es geschieht (also) kein Unrecht gegen die menschliche Person, wenn ihr die Verwirklichung von Widergöttlichem, von Gottsträflichem  in der Gesellschaft verweigert wird. Ihr wird ja überdies auch alles staatlich (gesellschaftlich), rein weltlich Gesetzeswidrige verweigert.

In Abschnitt 3 heißt es doch treffend: „Die höchste Norm des menschlichen Lebens ist das göttliche Gesetz selber, das ewige, objektive und universale, durch das Gott nach dem Ratschluss seiner Weisheit und Liebe die ganze Welt und die Wege der Menschengemeinschaft ordnet, leitet und regiert.“ Gott kann aber die Wege der Menschengemeinschaften nur ordnen, leiten und regieren, wenn oder insofern sie Seinem Widersacher nicht die Freiheit gewähren, Sein Ordnen, Leiten und Regieren zu stören und oder gar zu zerstören. Genau das aber tun die „Religionen“, die nicht von Gott sind, sondern (letztlich) von seinem Widerpart.

Gewiss „werden die (Grund-)Gebote des göttlichen Gesetzes vom Menschen (auch) durch die Vermittlung seines Gewissens erkannt und anerkannt“. Aber doch nur durch das von GOTT erleuchtete Gewissen und nicht durch das durch den Diabolos verfälschte, vergiftete, verfinsterte, abgestumpfte, verschüttete Gewissen. Der Mensch kann also – mindestens im öffentlichen Bereich – gezwungen werden, gegen sein irrendes Gewissen zu handeln und darf auch daran gehindert werden, gemäß seinem irregeführten Gewissen zu handeln. Und wer entscheidet, ob und inwieweit ein Gewissen gesund oder krank, gottesgesetz-konform oder gottesgesetz-widersprechend ist? Das Lehr- und Hirtenamt der Kirche Christi, der römisch-katholischen apostolischen Kirche, die autoritativ ihren Einfluss ausüben muss auf jede öffentliche Gesetzgebung.

Wie in unserem schon einleitend gesagt, ist es für Christen und namentlich für die Führerschaft der Christenheit völlig verfehlt, davon auszugehen, dass der „Staat“ weltanschauungsneutral zu sein hat. Der „Staat“ (der Staatsapparat) wird gebildet, verwaltet und geführt von Menschen. Und da GOTT der Schöpfer, Eigentümer, Erzieher, Lehrer und Richter aller Menschen ist, gibt es keine Menschen, die außerhalb Seiner Oberhoheit und Seines Einflusses stehen, die Ihm gegenüber „neutral“ sein können/dürfen, auch wenn sie im Dienste des Staates, also ihrer Mit-Menschen, ihre Funktion(en) ausüben. Der Wesenszweck der staatlichen Gewalt besteht nicht in der Sorge nur für das zeitliche Gemeinwohl, sondern in der Sorge für das umfassende Gemeinwohl mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, wobei das Gemeinwohl eben nicht auf ein zeitliches beschränkt werden kann. Das Wohl des Einzelnen wie das Gemein-Wohl umfasst immer das Gesamt-Wohl des Menschen: Leib und Seele, Zeit und Ewigkeit, Diesseits und Jenseits, Erde und Himmel. Jeder Staat, jede Gesellschaft besteht (ausschließlich) aus Menschen, die zum ewigen glückseligen Leben mit Gott berufen sind, und die – wenn sie dieses Ziel nicht anstreben und nicht erreichen – ein ewiges unseliges („un-wohles“, unheiles, unheiliges) Leben in Gottferne erleiden müssen. Der „Staat“ hat also die Aufgabe, mit seinen zeitlichen und irdischen Mitteln nebst der Ermöglichung eines geordneten, friedlichen, ersprießlichen Zusammenlebens das rechte, richtige, wahre religiöse (und sittliche) Leben der Bürger anzuerkennen, zu schützen, zu fördern, zu begünstigen und dementsprechend das falsche, irrige, schein- und anti-religiöse, gemein-schädliche Leben in der Öffentlichkeit möglichst zu verhindern und wenn nicht verhinderbar, höchstens (in Grenzen) zu tolerieren.

Die Sozialnatur des Menschen wie auch der Religion verlangt gewiss (religiöse) Gemeinschaft(en). Und den einzelnen Menschen kommt zwar die Freiheit als Freisein vom Zwang, „in religiösen Dingen“ (auch) nach ihrem irrigen Gewissen zu handeln, zu, aber nur persönlich und privat, nicht öffentlich. In Gemeinschaft und öffentlich zu agieren, darf ein nach Gottes Gesetzen konstituierter und geführter Staat jenen nicht gestatten, die Seine (Gottes) Gesetze und Gebote missachten und verachten. Das heißt: Gemeinschaften, die das ewige Heil behindern oder verhindern, steht nicht rechtens die Freiheit zu (wie es in DH Abschnitt 4 heißt), „sich gemäß ihren eigenen Normen zu leiten, der Gottheit in öffentlichem Kult Ehre zu erweisen, ihre Glieder durch Unterricht zu unterstützen und jene Einrichtungen zu fördern, in denen die Glieder zusammenarbeiten, um das eigene Leben nach ihren religösen Grundsätzen zu ordnen“; denn die „Gottheit“ falscher Religionen ist eben nicht die wirkliche, wahre Gottheit; sie ist immer eine (bloße) menschliche Einbildung, ein Phantasieprodukt, ein Zerrbild, ein Idol, ein Abgott, ein Götzenbild, und damit ist ein ihr geltender Kult nicht Verehrung „der Gottheit“, sondern Verunehrung des einzig wahren Gottes, ja letztlich (sträfliche) Gotteslästerung. In gleicher Weise steht solchen pseudoreligiösen Gemeinschaften auch nicht das Recht zu, „ihre eigenen Amtsträger auszuwählen, zu erziehen, zu ernennen und zu versetzen, mit religiösen Autoritäten und Gemeinschaften in anderen Teilen der Erde in Verbindung zu treten, religiöse Gebäude zu errichten und zweckentsprechende Güter zu erwerben und zu gebrauchen“. Und sie haben auch nicht das Recht, „keine Behinderung bei der öffentlichen Lehre und Bezeugung ihres Glaubens in Wort und Schrift zu erfahren“. Sie müssen nach Gottes Gesetz vielmehr mittels staaticher Vorschriften und Gesetze („durch Mittel der Gesetzgebung und durch verwaltungsrechtliche Maßnahmen“) daran gehindert werden.

Die Familie ist „eine Gesellschaft eigenen und ursprünglichen Rechtes“. Ihr steht tatsächlich das Recht zu, ihr häusliches religiöses Leben unter der Leitung der Eltern in Freiheit zu ordnen. Das gilt jedoch nur für die Familie, die diesen Namen verdient, die wirklich eine solche ist, nämlich eine Familie nach dem Willen und den Gesetzen Gottes, ihres Ursprungs. Eine Schein-Familie, eine Familie, die die göttlichen Kriterien nicht erfüllt, die den Anordnungen Gottes widerspricht, hat in einer gottgewollten und gottwohlgefälligen zivilen Ordnung kein eigenes und ursprüngliches Recht. Deren Eltern haben kein Recht, „die Art der religiösen Erziehung ihrer Kinder gemäß ihrer eigenen (irrigen) religiösen Überzeugung zu bestimmen, in Freiheit Schulen und andere Erziehungseinrichtungen zu wählen“. Und die Rechte solcher Eltern werden nicht verletzt, wenn deren Kinder „gezwungen werden, einen Schulunterricht zu besuchen, der der (irrigen) religiösen Überzeugung der Eltern nicht entspricht“; denn kein Mensch hat vor Gott das Recht, andere Menschen, auch die eigenen Kinder, zu verführen, vom Unterricht über die wahre Religion abzuhalten und auszuschließen.

Wie gesagt, es ist ein kapitaler Fehler, in einem christlichen, katholischen, vatikanischen, päpstlichen Dokument von „den Religionen“ zu sprechen, die im Kollektiv „der Religion“ zusammen gesehen und -beurteilt werden als ein Wert, ja Wertvolles, als ein Gut und Positivum, wie im Abschnitt 3: „Es geschieht also ein Unrecht gegen die menschliche Person und gegen die Ordnung selbst, in die die Menschen von Gott hineingestellt sind, wenn jemand(em) die freie Verwirklichung der Religion in der Gesellschaft verweigert wird…“ oder in Abschnitt 4: „Die Sozialnatur des Menschen wie auch der Religion selbst verlangt religiöse Gemeinschaften“ und: „Schließlich ist in der gesellschaftlichen Natur des Menschen und im Wesen der Religion selbst das Recht begründet, wonach Menschen aus ihrem eigenen religiösen Sinn sich frei versammeln oder Vereinigungen für Erziehung, Kultur, Caritas und soziales Leben schaffen können“.

Denn „im Wesen der Religion selbst“ ist ihre Einzigkeit begründet wie auch im Wesen Gottes Seine Einzigkeit begründet ist. Es gibt folglich nur eine einzige Religion, die wesentlich Religion ist, das heißt: übernatürlicher Lebensstrom von Gott zum Menschen und vom Menschen zu Gott. Und diese eine und einzige wahre Religion darf nicht auf ihre unwesentlichen, nurmenschlichen, bloßnatürlichen, irdischen Konstrukte und Pseudo- und Nachahmerprodukte herabgestuft und ihnen gleichgestellt werden. Die Menschen können „aus ihrem eigenen religiösen Sinn“ die Religion nicht schaffen; sie können sich ihr nur öffnen und sie annehmen und erfassen; denn sie ist eine Gnadengabe Gottes. Die einzig mögliche Religion setzt den einzig möglichen Gott voraus. Alle Bürger aller Staaten, und damit auch alle Regierenden und Verwaltenden, haben (also) die selben religiösen Pflichten und Rechte, „die aus der Treue der Menschen gegenüber Gott und seinem heiligen Willen hervorgehen“. Ihre „Menschenrechte“ sind nur dann „unverletzlich“, wenn sie den Gesetzen, dem Willen des einen, einzigen, wahren Gottes und Seiner Religion entsprechen. In einer richtigen, gerechten, gottkonformen Rechtsordnung des Staates kann deshalb zurecht immer nur der einen einzigen Religion und religiösen Gemeinschaft „spezielle bürgerliche Anerkennung gezollt werden“. „Gegen den Willen Gottes und gegen die geheiligten Rechte der Person und der Völkerfamilie gehandelt“ wird somit immer (vor allem) dann, „wenn auf irgendeine Weise Gewalt angewendet wird zur Zerstörung oder Behinderung der (einen und einzigen wahren, der christlichen) Religion, sei es im ganzen Menschengeschlecht oder in irgendeinem Lande oder in einer bestimmten Gemeinschaft“.

So wie es nur eine einzige wahre Religion gibt, die christliche, so gibt es auch nur ein einziges objektives gottgemäßes „Sittengesetz“, das christliche. Die „personale und soziale Verantwortung“, „Gerechtigkeit und Menschlichkeit“ definieren sich anhand dieses allgemeingültigen, universalen, göttlichen Sittengesetzes, das eingebettet ist in die eine und einzige wahre Religion. Der Gebrauch der personalen und sozialen Freiheit(en) innerhalb der menschlichen Gesellschaft ist deshalb den „umgrenzenden Normen“ dieses einen wahren Sittengesetzes unterworfen. Es steht also der christlichen Staatsgewalt, und nur ihr, zu, der bürgerlichen Gesellschaft (für die pflichtgemäße Wahrung der öffentlichen Sittlichkeit) den Schutz zu gewähren gegen Missbräuche, „die unter dem Vorwand der Religionsfreiheit vorkommen können“. Denn „Menschen, die die Dinge (nach eigener Entscheidung) im Licht der Wahrheit beurteilen, ihr Handeln verantwortungsbewusst ausrichten und bemüht sind, was immer wahr und gerecht ist, zu erstreben, ordnen sich gerne gemäß der wahren sittlichen Ordnung der (gerechten) gesetzlichen Autorität unter und leisten ihr bereitwillig den schuldigen Gehorsam.

Im Teil II des Konzilsdokuments über die Religionsfreiheit (Abschnitt 9) wird behauptet, dass „besonders die religiöse Freiheit in der Gesellschaft völlig im Einklang mit der Freiheit des christlichen Glaubensaktes“ sei, dass also die vom 2. Vaticanum definierte Religionsfreiheit „im Lichte der Offenbarung“ gesehen werden könne/müsse. Es wird zwar eingestanden, dass „die Offenbarung das Recht auf Freiheit von äußerem Zwang in religiösen Dingen nicht ausdrücklich lehrt“, aber dann doch versucht, diese neue „Lehre über die Religionsfreiheit“ auf „die allgemeinen Prinzipien“ „der Würde der menschlichen Person“ zu gründen. Die Lehre der katholischen Kirche war jedoch bis zum 2. vatikanischen Konzil immer die, dass nur die eine wahre göttliche Religion in der Öffentlichkeit (in der Gesellschaft, im Staate) ein Recht, einen Anspruch auf Freiheit, auf ungehinderte Entfaltung, Betätigung, auf uneingeschränkten Vollzug hat. Siehe päpstliche Dokumente, z.B. zum „Syllabus„, oder z.B.:

Über die Trennung von Kirche und Staat (Hl. Papst Pius X. „Vehementer Nos“):

„Der Grundsatz, dass Staat und Kirche getrennt werden müssten, ist fürwahr ein ganz falscher und im höchsten Grade verderblicher Grundsatz. – Denn wer sich auf den Boden der Annahme stellt, dass der Staat sich in keiner Weise um die Religion bekümmern dürfe, fügt zuvörderst Gott ein großes Unrecht zu, der ebenso Begründer und Erhalter der menschlichen Gesellschaft als des Lebens der einzelnen Menschen ist. Deshalb kann sich der Kult nicht auf das Gebiet des Privatlebens zurückziehen, sondern er muss ein öffentlicher sein. – Ferner liegt diesem Grundsatz deutlich genug die Leugnung des Übernatürlichen zu Grunde. Denn es werden hierbei die staatlichen Unternehmungen ganz allein nach den Aussichten für die Wohlfahrt dieses sterblichen Lebens bemessen, welche ja wohl die nächste Angelegenheit der bürgerlichen Gesellschaft ist; die höchste Angelegenheit der Bürger aber, die ewige Seligkeit, welche jenseits des kurzen Erdenlebens uns sich darbietet, vernachlässigt er vollständig als eine dem Staate fremde Sache. Und doch sollte das Staatswesen gemäß der ganzen Ordnung der wandelbaren irdischen Dinge für die Erreichung des absoluten, höchsten Gutes nicht hinderlich, sondern förderlich sein. – Sodann durchbricht er die von Gott mit höchster Weisheit getroffene Ordnung der menschlichen Dinge, welche ohne Zweifel die Eintracht zwischen der religiösen und der bürgerlichen Gesellschaft erheischt. Denn da beide, wiewohl auf getrenntem Gebiete für sich, doch eine Herrschaft über dieselben Menschen ausüben, so müssen sich oft die Verhältnisse so gestalten, dass Kenntnisnahme davon und Beurteilung auf beiden Seiten erforderlich wird. Wo nun der Staat mit der Kirche keine Beziehungen unterhält, da werden solche Verhältnisse leicht zum Anlass von für beide Seiten recht bittern Streitigkeiten, welche den Sinn für die Wahrheit zu großer Verwirrung der Gemüter trüben. – Das hat schließlich auch für den Staat sehr große Nachteile im Gefolge. Bei Zurücksetzung der Religion kann die bürgerliche Gesellschaft nicht blühen und fest bestehen bleiben. Jene ist der oberste Führerin und Lehrerin für den Menschen in Sachen der gewissenhaften Beobachtung von Recht und Pflicht.“

Christus hat selbstverständlich die Freiheit des Menschen in Erfüllung der Pflicht, dem Wort Gottes zu glauben, beachtet; aber eben: „dem Wort Gottes zu glauben“ und nicht: jedem beliebigen Wort zu glauben, das sich als „Wort Gottes“ ausgibt, es aber nicht ist, nicht sein kann, da es dem wahren Wort Gottes offensichtlich und nachweisbar widerspricht. Selbstverständlich soll der Mensch freiwillig durch seinen Glauben Gott anworten, soll also niemand gegen seinen Willen zur Annahme des Glaubens gezwungen werden dürfen. Doch es entspricht absolut nicht völlig der Wesensart des Glaubens, dass in religiösen Dingen jede Art von Zwang von seiten der Menschen ausgeschlossen ist. Denn als „religiöse Dinge“ gelten heute in der säkularen, laizistischen Gesellschaft durchaus auch Dinge, die religions(be)hindernd und -zerstörend sind. Alle Menschen sind von ihrem Erlöser Christus losgekauft und zur Annahme an Sohnes Statt berufen, mit vernunftgemäßen und freiem Glaubensgehorsam dem sich offenbarenden Gott anzuhangen und den christlichen Glauben in ihrer ganzen Lebensführung tatkräftig zu bekennen. Gott ruft alle Menschen zu Seinem Dienst im Geiste und in der Wahrheit; denn Er „will, dass alle Menschen selig werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4) und sie werden deshalb durch diesen Ruf im Gewissen verpflichtet, aber nicht gezwungen. Denn Er nimmt Rücksicht auf die Würde der von ihm geschaffenen menschlichen Person, die nach eigener Entscheidung in Freiheit leben soll. Aber diese Freiheit berechtigt weder die einzelne Person noch Interessensgemeinschaften (sogenannte Religionsgemeinschaften), die göttliche Religion und die göttlichen Sitten mittels ihrer Gegen-„Religion“, die Sitten mittels ihrer Un-Sitten in der Öffentlichkeit zu konkurrenzieren und zu verdrängen, d.h. „Unkraut zu säen“ und damit den „Weizen“ zu ersticken. Gewiss lehnte es Christus ab, ein politischer Messias zu sein, der äußere Machtmittel anwendet. Damit hat Er aber nicht gelehrt und nicht angeordnet, dass Seine Kirche keine Politik machen und keine äußeren Machtmittel haben und einsetzen dürfe. Die Kirche hatte in ihren Blütezeiten als „äußere Machtmittel“ die Machtmittel des mit ihr verbundenen christlichen Staates. Denn Christi Reich wird auch (wenn notwendig) mit dem „Schwert“ beschützt und kann (bleibend) nur gefestigt werden im Bezeugen und Hören der Wahrheit und in der Kraft der Liebe, in der Christus, am Kreuz erhöht, die Menschen an sich zieht, wenn Sein Reich von den Seinen wachsam, tatkräftig „befestigt“ wird und von Seinen Feinden nicht „erstickt“, verwüstet und zerstört wird (werden kann). Denn die göttliche Kraft des Wortes Gottes ist nur dann imstande, die gottwidrigen Mächte zu zerstören und die Menschen dahin zu führen, an Christus zu glauben und ihm zu gehorchen, wenn die staatliche Autorität eine von Gott legitimierte ist und somit die Menschen nicht dahin (ver-)führt, nicht an Christus zu glauben und ihm nicht zu gehorchen. Obwohl es bei Römer 13,1 ff heißt: „Jedermann unterwerfe sich der obrigkeitlichen Gewalt; denn es gibt keine Gewalt außer von Gott [es gibt keine Gewalt, die nicht von Gott stammt]; die bestehenden Gewalten aber sind von Gott angeordnet. Wer also sich der Gewalt widersetzt, der widersetzt sich der Anordnung Gottes; die sich aber dieser widersetzen, ziehen sich selbst ihr Strafgericht zu“, so gilt es zu bedenken, dass hier nur die rechtmäßige, von Gott (implizit) bevollmächtigte Gewalt gemeint sein kann, niemals aber die Gewalt im Dienste letztlich Seines Widersachers, des Satans. Ja, die Lehre der Kirche, dass niemand zum Glauben gezwungen werden darf, hat die Zeiten überdauert. Aber dass „in der bürgerlichen Gesellschaft in religiösen Dingen die Würde der Person des Menschen vor jedem menschlichen (also auch rechtsstaatlichen) Zwang geschützt werden müsse“, gehörte nie zur Lehre, die sie (die Kirche) von ihrem Meister und von den Aposteln empfangen hatte. Dem Geist des Evangeliums ist sie tatsächlich „wenig entsprechend“, ja ihr sogar entgegengesetzt.

Treffend sagt das Dokument indessen im Paragraph 13: „Im Rahmen alles dessen, was zum Wohl der Kirche, ja auch zum Wohl der irdischen Gesellschaft selbst gehört und was immer und überall gewahrt und gegen alles Unrecht zu verteidigen ist, steht sicherlich mit an erster Stelle, dass die Kirche eine so große Handlungsfreiheit genießt, wie sie die Sorge für das Heil der Menschen erfordert. In der Tat ist sie etwas Heiliges, diese Freiheit, mit der der eingeborene Sohn Gottes die Kirche beschenkt hat, die er sich in seinem Blute erwarb. Sie gehört in Wahrheit der Kirche so sehr zu eigen, dass, wer immer gegen sie streitet, gegen den Willen Gottes handelt. Die Freiheit der Kirche ist das grundlegende Prinzip in den Beziehungen zwischen der Kirche und den öffentlichen Gewalten sowie der gesamten bürgerlichen Ordnung.“ Und weiter: „In der menschlichen Gesellschaft und angesichts einer jeden öffentlichen Gewalt erhebt die Kirche Anspruch auf Freiheit als geistliche, von Christus dem Herrn gestiftete Autorität, die kraft göttlichen Auftrags die Pflicht hat, in die ganze Welt zu gehen, um das Evangelium allen Geschöpfen zu verkündigen.“ „Denn nach dem Willen Christi ist die katholische Kirche die Lehrerin der Wahrheit; ihre Aufgabe ist es, die Wahrheit, die Christus ist, zu verkündigen und authentisch zu lehren, zugleich auch die Prinzipien der sittlichen Ordnung, die aus dem Wesen des Menschen selbst hervorgehen, autoritativ zu erklären und zu bestätigen.“ „Denn der Jünger hat gegenüber Christus, dem Meister, die ernste Pflicht, die von ihm empfangene Wahrheit immer vollkommener kennenzulernen, in Treue zu verkünden und kraftvoll zu verteidigen (unter Ausschluss aller Mittel, die dem Geist des Evangeliums entgegengesetzt sind).“

Die Kirche kann aber nur in dem Maße das Evangelium allen Geschöpfen verkündigen und zum Wohl der irdischen Gesellschaft für alle die Lehrerin der Wahrheit sein und die Prinzipien der sittlichen Ordnung autoritativ erklären und zu deren Beobachtung und Einhaltung führen, als die öffentlichen Gewalten sowie die gesamte bürgerliche Ordnung sie durch ein Gewährenlassen derjenigen, die im Namen ihrer „Religion“ das Evangelium verleugnen und bekämpfen und die sittliche Ordnung untergraben, an ihrem heilsschädlichen Tun wirksam hindern.

Die „Religionsfreiheit“ im Sinne des Konzilsdokuments „Dignitatis Humanae“ ist also dem Geist des Evangeliums und der jahrtausendealten Lehre und Tradition der Kirche entgegengesetzt. Und die Früchte, die dieses Dokument seit dem 7. Dezember 1965 hervorgebracht hat, lassen dessen falschen Geist erkennen. Der Sauerteig des Evangeliums ist so im Geist der Menschen geschwunden und hat viel dazu beigetragen, dass die Menschen im Laufe der Zeit die Würde ihrer Person immer weniger erkannten. Und darum muss (spätestens) jetzt (wieder) die Überzeugung heranreifen, in religiösen Dingen müsse sie [die menschliche Person] in der bürgerlichen Gesellschaft vor jedem antichristlichen Einfluss geschützt werden. Also: keine Freiheit für „die Religionen„, sondern Freiheit nur für die Religion. Nur die Wahrheit macht frei. Jede Unwahrheit macht unfrei, setzt in Gefangenschaft, versklavt. Die Würde der menschlichen Person wird besonders durch „religiöse“ Unwahrheit verletzt, die verhindert, dass sie zur eigentlichen, ewigen, übernatürlichen, vollendeten Würde gelangen kann.

Paul Otto Schenker

12 Kommentare zu “Die Konzilserklärung über die Religionsfreiheit – „Dignitatis Humanae“

  1. “ Die „Religionsfreiheit“ im Sinne des Konzilsdokuments „Dignitatis Humanae“ ist also dem Geist des Evangeliums und der jahrtausendealten Lehre und Tradition der Kirche entgegengesetzt. “

    Und auch hier: HERZLICHSTEN Dank, POS, für dieses Bekenntnis!

    S.E. Lefebvre soll nicht umsonst gelebt und gewirkt haben. R.i.P.

  2. “ Die Würde der menschlichen Person wird besonders durch „religiöse“ Unwahrheit verletzt, die verhindert, dass sie zur eigentlichen, ewigen, übernatürlichen, vollendeten Würde gelangen kann. “

    XXXXX
    Politik und „dummes“ Volk geben sich die Hand:
    https://www.unzensuriert.at/content/76517-stegner-bei-spd-casting-die-menschen-haben-kein-problem-damit-islamisiert-zu-werden/
    Politik
    6. September 2019 / 12:27
    SPD
    Stegner bei SPD-Casting: „Menschen haben kein Problem damit, islamisiert zu werden“

  3. @Pierre,

    haben Sie von diesen geistig und moralisch total heruntergekommenen Zeit“genossen“ etwa noch
    irgend anderes erwartet ?

  4. http://kath.net/news/69033
    07 September 2019, 12:00
    Kardinal Sarah: Ämter für Frauen, Weihe von viri probati wäre Bruch

    XXXXX
    “ Die „Religionsfreiheit“ im Sinne des Konzilsdokuments „Dignitatis Humanae“ ist also dem Geist des Evangeliums und der jahrtausendealten Lehre und Tradition der Kirche entgegengesetzt. “

    S.g. Hr. Kardinal,

    Ihre Worte in Ehren, aber haben, resp. hatten wir nicht schon den Bruch mit und durch das Vatikanum II ??
    Frage ich mal so.
    Oder meinten Sie, Hr. Kardinal, dass (allein schon) „Dignitatis Humanae“ keinen Bruch darstellt?!

    Würden Sie dem nicht zustimmen können?

    Da können Sie weiter noch so eine gute katholische Gesinnung an den Tag legen wie Sie wollen, wenn Sie aber das EIGENTLICHE Übel nicht sehen können oder sehen WOLL(T)EN werden Ihre gutmeinenden Bemühungen wohl fruchtlos bleiben.

    Mit der Bitte um Kenntnisnahme. Danke.
    @Pierre

    PS: Möge Sie doch der (wahre) Hl. Geist erleuchten, der NICHT ein Geist des Widerspruches IST – wie Sie doch selbst bemerkten … !

    Hoffentlich geht Ihnen doch noch ein Licht auf, Hr. Kardinal.

  5. https://gloria.tv/article/7sWVYFZGytrQ37JXZg7SQSMdh
    HÄRESIEN DES 2. VATIKANISCHEN KONZILS & MEHR.

    Dignitatis humanae ist eine Erklärung des „Zweiten Vatikanischen Konzils“.
    Inhaltsverzeichnis

    1 Entstehung
    2 Abschaffung der katholischen Staatsreligion
    3 May und Bockenförde
    4 Religionsfreiheit im öffentlichen Bereich
    5 Irrtum = Wahrheit
    6 Entgegenstehende Lehre von Quanta cura
    7 Leo XIII.
    8 Toleranz
    9 Ideal des katholischen Staates
    10 Lehre von den zwei Gewalten
    11 Verweise
    12 Einzelnachweise
    

    Entstehung

    Dignitatis humanae wurde besonders von US-amerikanischen Konzilsvätern vorangetrieben, die von John Courtney Murray SJ instruiert wurden. Ziel war eingestandenermaßen die Harmonisierung der katholischen Lehre mit der freimaurerischen Lehre der US-Verfassung. Die Lehre von Dignitatis humanae ist noch in den 1950er Jahren von allen bedeutenden Theologen[1] als häretisch abgelehnt worden. Sie ist mit dem katholischen Glauben unvereinbar. Dignitatis humanae hingegen behauptet jedoch frech eine Lehrkontinuität.
    Abschaffung der katholischen Staatsreligion

    Kolumbien
    Italien
    Spanien
    u. v. m.
    

    May und Bockenförde

    Georg May schreibt: „Mit der Erklärung ‚Dignitatis humanae‘ desavouiert die Kirche … ihre ganze Geschichte“.[2] Der Staats- und Verfassungsrechtler, Ernst-Wolfgang Böckenförde, ehemals Richter des Bundesverfassungsgerichts, bestätigt, daß die überlieferte Lehre „die Anerkennung eines Rechts auf Religionsfreiheit im Ergebnis immer abgelehnt“ hat. Die Kirche „ging dabei vom Primat der Wahrheit gegenüber der Freiheit aus und von der These, daß dem Irrtum an sich kein Recht gegenüber der Wahrheit zukommen könnte“.[3] Wer davon überzeugt ist, daß der katholische Glaube göttlichen Ursprungs ist, daß er nicht irgendeine Religion unter vielen, sondern die eine wahre ist, der will diesem Glauben auch in der öffentlichen Ordnung die gebührende Vorrangstellung gegenüber allen anderen Weltanschauungen einräumen, denn nach dem göttlichen Gesetz haben sich nicht nur die Einzelnen, sondern auch die Gesellschaften zu richten.
    Religionsfreiheit im öffentlichen Bereich

    Nach Dignitatis humanae besitzt der Mensch von Natur aus auch ein Recht auf Religionsfreiheit im öffentlichen Bereich. Da es für das Recht auf Religionsfreiheit im öffentlichen Bereich gemäß Dignitatis humanae nicht von Bedeutung ist, ob es sich um die wahre Religion oder um eine falsche Religion handelt, gesteht die Konzilserklärung damit auch ein Recht auf uneingeschränkte öffentliche Verbreitung des Irrtums zu, das der Staat in jedem Fall sicherstellen muß, weil es „auf die Würde der menschlichen Person selbst gegründet“ ist.[4]
    Irrtum = Wahrheit

    Dabei bestreitet Dignitatis humanae nicht die überlieferte Lehre, wonach nur die Wahrheit nicht aber der Irrtum Rechte besitzt, erklärt aber gleichzeitig, daß der Irrende das Recht besitzt, vom Staat nicht daran gehindert zu werden, der Gesellschaft durch die von ihm öffentlich verbreiteten Irrtümer, Schaden zuzufügen. Die Vernunft lehrt uns dagegen, daß in einem Staat die soziale Ausübung des freien Willens durch das Gemeinwohl der Gesellschaft begrenzt sein muß. Zwar bestimmt nach DH 2 und DH 3 die „gerechte öffentliche Ordnung“, die gemäß DH 7 der „objektiven sittlichen Ordnung“ entspricht, die Grenze der Religionsfreiheit, doch die objektive Ordnung kann nicht darin bestehen, daß der Staat prinzipiell dazu verpflichtet ist, die Wahrheit genauso zu behandeln wie den Irrtum.
    Entgegenstehende Lehre von Quanta cura

    Der sel. Papst Pius IX. beklagt in seiner Enzyklika Quanta cura vom 8. Dezember 1864, daß manche „keine Bedenken“ tragen würden, „im Widerspruch mit der Heiligen Schrift, der Lehre der Kirche und der heiligen Väter zu behaupten“, daß „der beste Zustand der Gesellschaft“ der sei, nur „mit gesetzlich bestimmten Strafen die Verletzer der katholischen Religion im Zaume zu halten“, wenn dies „die öffentliche Sicherheit verlangt“. Genau das aber lehrt die Konzilserklärung. In DH 12 versucht sie sich dazu sogar auf die Heilige Schrift zu berufen.
    Leo XIII.

    Papst Leo XIII. verurteilt in seiner Enzyklika Libertas praestantissimum vom 20. Juni 1888 ausdrücklich diese „unterschiedslose Religionsfreiheit“, die als Naturrecht verteidigt wird. In der Enzyklika Immortale Dei vom 1. November 1885 erklärt Leo XIII., daß „die Kirche … jene Freiheit nicht gutheißen“ kann, „welche sich über die hochheiligen Gesetze Gottes stolz hinwegsetzt“ und die „Augustinus die Freiheit des Verderbens genannt“[5] hat „und der Apostel Petrus einen Deckmantel der Bosheit.“[6]

    Papst Gregor XVI. bezeichnet in seiner Enzyklika „Mirari vos“ vom 15. August 1832 die liberalen Freiheitsrechte, zu der auch die Religionsfreiheit zählt, als „Wahnsinn“. Die Kirche lehrt, daß wahre Freiheit an das Gute gebunden sein muß und damit auch an die Wahrheit, die das erste Gute darstellt, weil sie zeigt, was wahrhaft gut ist. Es kann kein Recht auf eine Freiheit geben, die nicht an das Gute gebunden ist.
    Toleranz

    Nicht übersehen werden darf, daß auch gemäß der überlieferten Lehre der Irrtum, der kein Recht auf Freiheit besitzt, toleriert werden kann, um z. B. den öffentlichen Frieden zu bewahren. Die praktische Klugheit als oberste aller Kardinaltugenden muß immer berücksichtigt werden. Die Grenze der öffentlichen Ausübung von Rechten ist immer eine Frage der klugen Ordnung und nie eine rein theoretisch-prinzipielle Frage. Der Kirchenhistoriker Klaus Schatz SJ erklärte am Beispiel der Verurteilungen durch „Quanta cura“, daß sich diese „nie gegen die Religionsfreiheit als politisch sinnvolle Ordnung in religiös gemischten Ländern“ richtete, sondern „gegen die Religionsfreiheit als Ideal und Menschenrecht“.[7]
    Ideal des katholischen Staates

    Bischof Bernard Tissier de Mallerais wies in seinem Vortrag vom 12. Mai 2009 in München darauf hin, daß „das Werk der Kirche“ nicht ausschließlich darin besteht, die Einzelnen zu bekehren, „sondern auch die Einrichtungen der Gesellschaft umzuwandeln“. Als Beispiel nennt er „die Umwandlung des heidnischen Römischen Reiches in eine christliche Gesellschaft“. Aus katholischer Sicht basiert der Idealstaat eben nicht auf der weltanschaulichen „Neutralität“, sondern auf der katholischen Religion.
    Lehre von den zwei Gewalten

    Der hl. Papst Gelasius († 496) erklärt: „Christus hat, eingedenk der menschlichen Schwäche, durch eine großartige Anordnung zum Heil der Seinigen weise abwägend, die Rechtsbereiche beider Gewalten in eigenständige Betätigungsfelder und wohlgetrennte Würden geschieden … So sollten die christlichen Kaiser für das ewige Leben der Bischöfe bedürfen, die Bischöfe dagegen im Bereich der irdischen Dinge nach den kaiserlichen Gesetzen leben.“

    Ein katholischer Staat gründet auf der katholischen Staatsreligion. Eine Staatsreligion ist eine „von einem Staat in seinem Territorium ausschließlich anerkannte oder zumindest bevorzugte Religion bzw. Konfession“ und ist von einer Staatskirche zu unterscheiden, die vom „Staat … direkt beeinflusst oder mit ihm identisch“ ist.[8]

    Die Staatsreligion verletzt also, im Gegensatz zum Staatskirchentum, die Lehre von den zwei Gewalten nicht. Eine Trennung von Kirche und Staat, so wie sie der Laizismus fordert, wurde immer selbstverständlich abgelehnt und z. B. vom hl. Pius X. in der Enzyklika „Vehementer nos“ vom 11. Februar 1906 explizit verurteilt.

    Noch 1964, also ein Jahr vor „Dignitatis humanae“, konnte Klaus Mörsdorf, Ordinarius für Kirchenrecht, sagen, daß der Kirche „der religiös neutrale Staat der Neuzeit … als nationale Apostasie“ erscheine (Lehrbuch des Kirchenrechts, S. 51). Das Ideal besteht darin, daß die beiden eigenständigen Gewalten in harmonischen Beziehungen zueinander stehen. Papst Pius XII. sagte 1955 in seiner Rede vor dem 10. Internationalen Historikerkongress, daß die Kirche „die Einheit des Volkes in der wahren Religion und die Einmütigkeit des Handelns zwischen ihr und dem Staat als ideal betrachtet“.

    Ein katholischer Staat erleichtert es den Menschen katholisch zu leben und zu sterben und so das ewige Heil zu erlangen. Da ein jeder Staat seine Grundlagen schützen muß, wird der katholische Staat die katholische Religion schützen und die anderen Religionen in ihrer öffentlichen Freiheit wenigstens einschränken. Seit „Dignitatis humanae“ darf sich ein Staat nicht mehr zur katholischen Religion bekennen. Es war der Vatikan, der nach dem Konzil u. a. die kolumbianische und die italienische Regierung mit Berufung auf „Dignitatis humanae“ aufforderte, die katholische Staatsreligion abzuschaffen. Aus http://monarchieliga.de/index.php?title=Dignitatis_humanae

    XXXXX
    Niemand ist gewillt das Kinde mit dem Bade auszuschütten (wahrer Papst/ Scheinpapst). Selbstjustiz ist nicht angebracht.
    Mögen spätere Gerichte darüber beurteilen, entscheiden und verurteilen das OFFENSICHTLICHE Fehlverhalten von Päpsten mit und seit dem Vatikanum II.

    Dennoch, mit einem gesundem Menschenverstand geht KLAR hervor dass es eine gravierende UNSTIMMIGKEIT(EN) gibt zur regulären jahrhundertelangen Lehre der Kirche. Und DAS kann im Gewissen niemand übergehen oder so tun als ob nichts passiert wäre. Dann müssten wir uns selbst belügen und natürlich auch Gott.
    Jeder der die Wahrheit liebt wird diese auch VERTEIDIGEN!

    Wahrheit und Gerechtigkeit werden letzten Endes IMMER siegen.

  6. Der Gegensatz dazu, ganz aktuell:

    https://gloria.tv/article/jhsndWJigRKr1yf4VTHNwJuUV
    Franziskus warnt die Bischöfe Madagaskars vor jungen „starren“ Priestern

    In diesem Zusammenhang warnte er auch vor jungen Priestern, die „zu starr“ [das heißt: fromm und ernsthaft] sind. Franziskus streute den Verdacht, dass hinter einem solchen Verhalten „schwerwiegende Probleme“ stehen würden.

    XXXXX
    Wie man sieht, was katholisch ist wird subtil verteufelt.

  7. DEI VERBUM 8: „Diese apostolische Überlieferung kennt in der Kirche unter dem Beistand des Heiligen Geistes einen Fortschritt: es wächst das Verständnis der überlieferten Dinge und Worte durch das Nachsinnen und Studium der Gläubigen, die sie in ihrem Herzen erwägen (vgl. Lk 2,19.51), durch innere Einsicht, die aus geistlicher Erfahrung stammt, durch die Verkündigung derer, die mit der Nachfolge im Bischofsamt das sichere Charisma der Wahrheit empfangen haben;…“ <– „Das erste Vatikanische Konzil besagt: es gibt zwei Quellen des Glaubens; die Heilige Schrift und die Tradition! Das Zweite Vatikanische Konzil besagt stattdessen: Tradition entwickelt unter den Einfluss des Studiums der Gläubigen und deren religiöser Erfahrungen!
    Wir brauchen plötzlich keine Heilige Schrift mehr, wir brauchen auch plötzlich keine Päpste mehr, die uns die uns die Heilige Schrift auslegen, auch nicht dass was uns der eine und andere Papst hinterlassen hat.“ (Zitat siehe oben!). = EINSCHMUGGELUNG des Laientums als Keimzelle des Fortschritts in die Kirche (= Pius X., Pascendi Domini Gregis!).

    XXXXX
    – Einschmuggelung und Verwässerung –
    Und dient diese postvatikanische Hermeneutik, als eine Art Rechtfertigungsinstrument nicht hervorragend dazu, falsche Ansichten des VII als plausibel erklärend, einzuschleusen oder richtige zu relativieren?
    https://poschenker.wordpress.com/2016/07/04/ii-vatikanum-die-hermeneutik-der-reform-in-der-kontinuitaet/

  8. Aus http://fsspx.de/de/die-konzilsirrt%C3%BCmer :
    IV. Über die falschen natürlichen Menschenrechte

    Die Erklärung Dignitatis humanae bekräftigt das Bestehen eines falschen natürlichen Rechtes in Sachen Religion. Bis anhin anerkannte die Tradition der Kirche den Nichtkatholiken einstimmig das natürliche Recht zu, nicht durch die zivilen Gewalten dazu gezwungen zu werden (der Absicht nach im inneren Bereich und der Ausübung im äußeren Bereich), der einzigen und wahren Religion anzugehören, und bei gewissen Umständen legitimierte sie eine gewisse Toleranz in der Ausübung der falschen Religionen im äußeren öffentlichen Bereich. Vatikanum II erkennt zusätzlich jedem Menschen das natürliche Recht zu, dass er im äußeren Bereich von den zivilen Gewalten nicht an der Ausübung einer falschen Religion gehindert werden darf und gibt vor, dieses natürliche Recht des Ausschlusses jeglichen Zwanges von Seiten der gesellschaftlichen Autoritäten als Zivilrecht anzuerkennen. Die einzigen rechtlichen Grenzen dieses Gesetzes wären demnach jene der rein zivilen und profanen Ordnung der Gesellschaft. Das Konzil macht es somit den zivilen Regierungen zur Pflicht, niemanden aus religiösen Gründen zu behindern und eine rechtliche Gleichheit zwischen der wahren und den falschen Religionen zu schaffen.

    Diese neue Gesellschaftslehre steht im Widerspruch zu den Lehren von Gregor XVI. in Mirari vos und denjenigen von Pius IX. in Quanta cura. Sie gründet auf einer falschen Auffassung von der menschlichen Würde, die nur den ontologischen und nicht den moralischen Standpunkt betrachtet. Als Folge lehrt die Pastoralkonstitution Gaudium et spes das Prinzip der „Autonomie der zeitlichen Dinge“ (GS 36), d. h. die Verneinung des sozialen Königtums Christi, das indes von Pius XI. in Quas primas vertreten wird, und öffnet schlussendlich der Unabhängigkeit der zeitlichen Gesellschaft in Bezug auf Gottes Gebote die Tür.

    XXXXX
    Ja, alles ist noch aktuell. Man sieht, der Hl. Geist kann nicht ein Geist des Widerspruches sein.

  9. Aus https://gloria.tv/track/cLoZEDmu7h861Z9dCwnRmYUoh
    Priester für morgen – Teil 1 (in HD)

    @CSc schreibt:
    2. Apr. 2012
    an @ CD

    Das, was Sie da zitieren, stammt tatsächlich aus der Enzyklika „Mirari vos“. Diese Enzyklika wurde aber von Papst Gregor XVI. und nicht von Papst Pius XI. verfasst.

    Die von Ihnen zitierten Worte sind jedenfalls korrekt. Aber wie müssen wir sie verstehen? Hat der liebe Gott dem Heiligen Vater eine Willkürgewalt gegeben? Nein, es ist eine Schutzgewalt! Als das I. Vatikanum den Jurisdiktionsprimat und die Unfehlbarkeit des Papstes als Dogma definierte, da waren es sowohl die kulturkämpferischen Angriffe von außen als auch die innerkatholischen Papalisten, die diese Dogmen verzerrten und so darstellten, als würde der Papst einfachhin alles vermögen. Der Papst besitzt die Gewaltenfülle zum Schutze der Heiligen Überlieferung, denn so lehrt das I. Vatikanum: „Den Nachfolgern des Petrus wurde der Heilige Geist nämlich nicht verheißen, damit sie durch seine Offenbarung eine neue Lehre ans Licht brächten, sondern damit sie mit seinem Beistand die durch die Apostel überlieferte Offenbarung bzw. die Hinterlassenschaft des Glaubens heilig bewahrten und getreu auslegten“ (DH 3070).

    Es kann nur eine organische Fortentwicklung, eine Entfaltung, eine Vertiefung der Lehre geben, aber keinen Bruch und nichts Neues. „Mirari vos“ bezeichnet die liberalen Freiheitsrechte, darunter die vom II. Vatikanum in „Dignitatis humanae“ propagierte Religionsfreiheit als „Wahnsinn“. Die Lehren dieser wahrhaft katholischen Enzyklika stehen jenen des II. Vatikanums diametral entgegen und verurteilen sie deshalb. In „Mirari vos“ lesen wir auch: „Erwägt in Eurem Sinn, dass durch jede Neuerung die gesamte Kirche getroffen wird. Nach den Worten des heiligen Papstes Agatho, darf von dem, was nach der Ordnung bestimmt wurde, nichts vermindert, geändert oder hinzugefügt werden, sondern es ist vielmehr darauf zu achten, dass alles nach Wort und Sinn unverletzt bewahrt wird.“ Dagegen wollen gewisse Neuerer „die Grundlagen zu neuen, rein menschlichen Einrichtungen“ legen „und versuchen zu erreichen, was [der hl. Kirchenvater] Cyprian immer verabscheut hat, und zwar die Kirche, die eine göttliche Angelegenheit ist, zu einer menschlichen Sache werden zu lassen.“

    XXXXX
    Wie sollte es da noch Zweifel und Unstimmigkeiten geben dass das wikliche Übel die veränderte Lehre des VII ist?
    Für uns noch wahren Gläubigen ist es verständlich dass P. Franziskus nie das hohe Ideal des Priestertums vor Augen hat – nur und v.a. noch eine soziale humane Refomversion.

  10. https://kurier.at/politik/inland/evangelische-kirche-bringt-karfreitagsregelung-vor-hoechstgericht/400616804
    Evangelische Kirche bringt Karfreitagsregelung vor Höchstgericht

    „Grundrechte einer Minderheit kommen unter die Räder“, meint Synodenpräsident Krömer. Verfassungsgerichtshof soll Gesetz prüfen.

    Der Streit um die Karfreitagsregelung geht in die nächste Runde: Die evangelischen Kirchen, Methodisten und Altkatholiken haben laut Kleine Zeitung beim Verfassungsgerichtshof einen Antrag zur Gesetzesprüfung eingebracht.

    Die türkis-blaue Regierung hatte ja den Karfreitag als gesetzlichen Feiertag für die religiöse Minderheit gekippt, seither kann sich jeder Arbeitnehmer einen „persönlichen Feiertag“ aus seinem Urlaubskontingent nehmen.

    Durch die neue Regelung werde „massiv und unmittelbar“ in die Religionsfreiheit eingegriffen, die in der Verfassung geschützt ist, sagt der evangelische Synodenpräsident und Rechtsanwalt Peter Krömer. Er und einige Experten, die mit einbezogen wurden, sehen eine „Verfassungswidrigkeit in mehreren Punkten“.
    Weiterhin für Gespräche offen

    „Wir fordern weiterhin den Karfreitag als Feiertag für alle oder einen zusätzlichen persönlichen Feiertag und bemühen ums um den Dialog dazu“, erinnert der Synodenpräsident. Ziel sei eine Lösung „mit der alle gut leben können“. Er hofft auf konstruktive Gespräche mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften, Parteien und Sozialpartnern kommen. Dann würde er den Individualantrag wieder zurückziehen.

    Krömer gegenüber der Kleinen Zeitung: „Wir wollen nicht die Tür zu Gesprächen zuschlagen.“

    Aus seiner Sicht würde nicht nur das Recht auf gemeinsame Religionsausübung, sondern auch das auf dem Gleichheitsgrundsatz fußende Verbot gegen Diskriminierung und die Grundsatzbestimmung über den religiösen Minderheitenschutz verletzt. „Rechte, die durch die Verfassung geschützt sind, und Grundrechte von Minderheiten sind hier unter die Räder gekommen.“

    XXXXX
    Nun, da haben wir den Schlamassel!
    Rechte werde eingefordert die aus göttlicher Sicht N I E bestehen können!!!!!!!!!!!!

    Und wer oder was hat uns das eingebrockt?

    Das Vatikanum II – wie wir eh schon wissen!

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