Aber zuerst müssen wir dem Willen Gottes gehorsam sein

22 Dezember 2018, 12:30

Es ist klar, dass diese Verbrechen instrumentalisiert werden, um eine andere Agenda zu befördern –

Ein Gastbeitrag von Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Rom (kath.net/LifeSiteNews.com )
Die Gretchenfrage ist heute, ob wir die Kirche als Werk Gottes, also mit der DNA Christi ausgestattet und darum als wesenhaft heilig glauben (vgl. LG 8) oder als ein historisches Gebilde sehen, das die Mächtigen in der kirchlichen Bürokratie nach ihren subjektiven, oft sehr dürftigen Vorstellungen umformen können. Diese meinen, die Kirche upzudaten, in Wirklichkeit liefern sie die Kirche der Bedeutungslosigkeit aus, wie Beispiele in und außerhalb der katholischen Kirche zur Genüge beweisen. Wer hat Bischöfen die Vollmacht gegeben, sich eine Kirche nach ihrem Bild und Gleichnis zu schaffen? Und warum sollte irgend jemand seine Hoffnung im Leben und Sterben auf diese seichten Daseinsdeutungen setzen, die wenig mehr mit dem Evangelium und dem Glaubensbekenntnis zu tun haben, das wir bei unserer Taufe ablegten.

Diese Kirchenführer sollten einmal nachlesen, was sie bei der Bischofsweihe bekannt und versprochen haben. Es ist der geoffenbarte Glaube, der uns rechtfertigt und selig macht und nicht die Privatmeinung der „Diener des Wortes“ (Lk 1,2), die sie eigentlich sein sollten. Über die katholische Lehre in der Sexualethik kann und soll man diskutieren unter der Voraussetzung, dass man ihren Ursprung im heiligen Willen Gottes anerkennt. Aber zuerst müssen wir dem Willen Gottes gehorsam sein.

Was in biblischer Zeit als Sünde qualifiziert wurde, kann heute nicht zu einer Tugend umdefiniert werden. Und was das Handeln des „Neuen Menschen“ betrifft, „der nach Gottes Bild geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit“ (Eph 54,24), so kann aus dem Weiß der Gnade nicht das Schwarz der Sünde gemacht werden.

Paulus ermahnt in den Briefen an die künftigen bischöflichen Hirten, im Glauben und im Leben „an der gesunden Lehre“ festzuhalten. Ein Bischof hat nur dann Autorität, wenn er die Lehre der Kirche ganz und unverkürzt vorträgt. „Wenn einer etwas anderes lehrt und sich nicht an die gesunden Worte Jesu Christi, unseres Herrn, hält und an die Lehre, die unserer Frömmigkeit entspricht, der ist verblendet.“ (1 Tim 5,3).

Es ist schon erstaunlich, mit welch wütender Leidenschaft Menschen mit einer sittlich ungeordneten Lebenspraxis vor Allgemeinurteilen geschützt werden, während man die vielen Priester, die sich nichts zu schulden kommen lassen, der kollektiven Verachtung preisgibt. Dass sich Ideologen den Tatsachen verschließen, die nicht in ihr Weltbild pasen, ist bekannt. Die Aufarbeitung des Themas sexueller Missbrauch von Jugendlichen unter 18 Jahren und die notwendigen Maßnahmen der Prävention, können nicht an der Tatsache vorbeischauen, dass über 80% der Opfer sexuellen Missbrauchs Jungen und junge Männer sind.

Wenn sich ein Vorgesetzter an den ihm anvertrauten Seminaristen oder Novizen vergeht, dann ist das gegenseitige Einvernehmen keine Minderung, sondern ein perfide Steigerung der Sünde, weil zusätzlich auch das Gewissen eines für seine Taten verantwortlichen Untergebenen korrumpiert worden ist. Man hat ihn zu einem Komplizen der Sünde herabgewürdigt.

Zum Thema Gewaltenteilung: Wo es um menschliche Gewalt über Menschen geht, darf diese nie absolut sein wie beim Sonnenkönig. Sie muss aufgeteilt sein und sich wechselseitig kontrollieren. Die Vollmacht Christi wird den Bischöfen weitergegeben, die in seiner Autorität handeln. Gottes Autorität kann aber nicht aufgeteilt werden. Denn es ist der Apostel und in seiner Nachfolge die Bischöfe und teilhabend daran auch die Presbyter, die in seiner Person als Hirten, Lehrer und Priester handeln (LG 19; PO 2). Die Rede von der Gewaltenteilung in der Kirche verrät eine politisiertes Verständnis von Kirche und apostolischem Amt. Es gibt aber einen Machtmissbrauch, wenn Bischöfe als Arbeitgeber und Chefs der Verwaltung ihre Macht nach ihrem Gusto und ihren persönlichen Interessen (willkürliche Entlassung von Mitarbeitern; Promotion ihrer Schützlinge; unkontrolliertes Finanzgebaren; Kumpanei mit Medienvertretern) ausüben.

Im Generellen: die Homophilen spielen sich als die zu Unrecht Beschuldigten auf („den Homosexuellen wird die Schuld am Kindesmissbrauch in die Schuhe geschoben, wo es doch der Klerikalismus ist“), d.h. man will das sakramentale Priestertum mit der Missbrauchskrise aus den Angeln heben. Es ist klar, dass diese Verbrechen instrumentalisiert werden, um eine andere Agenda zu befördern.

Der Beitrag erschien ursprünglich bei https://www.lifesitenews.com

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Quelle

Siehe dazu auch:

Ein Kommentar zu “Aber zuerst müssen wir dem Willen Gottes gehorsam sein

  1. Ein wertvoller und aufklärenden Beitrag von Kardinal Müller. Beim Thema Gewaltentrennung würde ich gerne bei ihm nachfragen. Denn wenn es sich um profane Dinge handelt, kann ich mir eine Gewaltentrennung sehr wohl vorstellen.

    Zum Beispiel ist nicht einzusehen, weshalb Priester sich mit Kirchen-, Versammlungs- und Verwaltungsbauten zu befassen haben oder an diesen unzähligen und stundenlangen Sitzungen (teilweise Dorfvereine, ökumenische Plauderstündchen, teilweise unnötigen Studienarbeiten für den Doktortitel in kirchenfernen Disziplilnen) ohne direkten Bezug zu sakralen Bezügen teilnehmen muss. Dafür aber kaum Zeit einem Sterbenden sakramental beizustehen oder Religionsunterricht zu erteilen.

    Es muss beispielsweise genügen, dass die wichtigsten Vorschriften für sakrale Bauten in einem einheitlichen Anforderungskatalog bekannt und durch Spezialisten (das können Architektur- und Bausachverständige sein) beurteilt und überwacht werden. Ob da noch ein Priester ein Mitspracherechte oder sogar Veto einbringen sollte, müsste ganz klar abgegrenzt sein, ansonsten wir wieder eine Causa Limburg bekommen.

    Auch was gerichtliche Aufgaben anbetrifft, müssen sich bei Straftaten (Mord, Vergewaltigung, Kindesmissbrauch) die Priestertäter den öffentlichen Gerichten stellen (einzig in Unrechtsstaaten könnte eine andere Regelung gerechtfertigt sein). Jesus selbst war deutlich, gebt dem Kaiser was ihm gehört und gebt Gott was Gott gehört. Jesus hat sich deutlich von jeglicher Machteinmischung ferngehalten (obwohl er das selbstverständlich hätte tun können) und hat sich sogar dem jüdischen Gericht freiwillig gestellt.

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