PAPST BENEDIKT XVI. AM 13. MAI 2010 PREDIGT IM HEILIGTUM IN FATIMA

APOSTOLISCHE REISE NACH PORTUGAL
ANLÄSSLICH DES 10. JAHRESTAGES DER SELIGSPRECHUNG DER
HIRTENKINDER VON FATIMA, JACINTA UND FRANCISCO
(11.-14. MAI 2010)

HEILIGE MESSE

PREDIGT VON BENEDIKT XVI.

Heiligtum in Fatima
Donnerstag, 13. Mai 2010

(Video)

 

Liebe Pilger!

„Ihre Nachkommen werden bei allen Nationen bekannt sein […] Das sind die Nachkommen, die der Herr gesegnet hat“ (Jes 61,9). Diese Worte, mit denen die erste Lesung dieser Eucharistiefeier begonnen hat, finden ihre wunderbare Erfüllung in dieser gottesdienstlichen Gemeinschaft, die sich so andächtig zu Füßen der Gottesmutter versammelt hat. Liebe Schwestern und Brüder, auch ich bin als Pilger nach Fatima gekommen, zu diesem „Haus“, das Maria erwählt hat, um in unserem modernen Zeitalter zu uns zu sprechen. Ich bin nach Fatima gekommen, um mich an der Gegenwart Marias und ihrem mütterlichen Schutz zu erfreuen. Ich bin nach Fatima gekommen, weil die pilgernde Kirche, die ihr Sohn als Werkzeug der Evangelisierung und Sakrament des Heils stiften wollte, am heutigen Tag an diesem Ort zusammenströmt. Ich bin nach Fatima gekommen, um mit Maria und so vielen Pilgern für unsere Menschheit zu beten, die von Leid und Not geplagt wird. Und schließlich bin ich mit den gleichen Gefühlen nach Fatima gekommen, von denen auch die seligen Francisco, Jacinta und die Dienerin Gottes Lucia erfüllt waren, um der Gottesmutter vertrauensvoll zu bekennen, daß ich Jesus „liebe“, daß die Kirche und die Priester Jesus „lieben“ und ihren Blick fest auf ihn richten wollen. Zudem möchte ich zum Abschluß des Priesterjahres die Priester, die Männer und Frauen des geweihten Lebens, die Missionare und alle Menschen, die Gutes tun und so das Haus Gottes zu einem gastfreundlichen und angenehmen Ort werden lassen, dem mütterlichen Schutz Marias anempfehlen.

„Das sind die Nachkommen, die der Herr gesegnet hat…“ Eine vom Herrn gesegnete Nachkommenschaft bist du, geliebte Diözese Leira-Fatima, mit deinem Hirten Bischof Antonio Marto, dem ich für das Wort des Grußes danke, das er zu Beginn dieses Gottesdienstes an mich gerichtet hat, und für die Fürsorge, die er mir in diesem Heiligtum auch durch seine Mitarbeiter entgegenbringt. Ich grüße den Herrn Staatspräsidenten und alle weiteren Vertreter des öffentlichen Lebens, die im Dienst dieser ruhmreichen Nation stehen. Im Geiste schließe ich alle Diözesen Portugals, die hier durch ihre Bischöfe vertreten sind, in die Arme und vertraue alle Völker und Nationen der Erde dem Schutz des Himmels an. In Gott trage ich alle ihre Söhne und Töchter in meinem Herzen, vor allem jene, die Situationen der Not und Verlassenheit durchleben, und möchte ihnen jene große Hoffnung vermitteln, von der mein Herz erfüllt ist und die hier an diesem Ort gleichsam greifbar zu spüren ist. Diese unsere große Hoffnung möge Wurzeln fassen im Leben eines jeden von euch, liebe hier versammelte Pilger, sowie all jener, die durch die sozialen Kommunikationsmittel mit uns verbunden sind.

Ja, der Herr ist unsere große Hoffnung, er ist bei uns. In seiner barmherzigen Liebe gibt er seinem Volk eine Zukunft: eine Zukunft in Gemeinschaft mit ihm. Das Volk Gottes, das die Erfahrung der Barmherzigkeit und des Trostes Gottes gemacht hat, der es bei seiner beschwerlichen Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft nicht alleingelassen hat, ruft aus: „Von Herzen will ich mich freuen über den Herrn. Meine Seele soll jubeln über meinen Gott“ (Jes 61,10). Die erhabenste Tochter dieses Volkes ist die Jungfrau und Gottesmutter von Nazaret, die Begnadete, die über das Wirken Gottes in ihrem jungfräulichen Schoß erstaunt war. Und auch sie bringt eben diese Freude und Hoffnung im Gesang des Magnifikat zum Ausdruck: „Mein Geist jubelt über Gott meinen Retter“. Dabei sieht sie sich aber nicht als Privilegierte inmitten eines unfruchtbaren Volkes, sondern sie sagt ihnen vielmehr die süßen Freuden einer wunderbaren Gottesmutterschaft voraus, denn „er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten“ (Lk 1,47.50).

Beredtes Zeichen hierfür ist dieser heilige Ort. In sieben Jahren werdet ihr euch erneut hier einfinden zur Feier des hundertsten Jahrestages der ersten Erscheinung jener Frau, die „vom Himmel gekommen ist“ und als Lehrerin die Seherkinder in die innerste Erkenntnis der dreifaltigen Liebe einführt und sie dazu anleitet, sich an Gott als dem schönsten Gut ihres Lebens zu erfreuen. Durch diese gnadenvolle Erfahrung haben sie zur Liebe Gottes in Jesus gefunden, so daß Jacinta ausrufen konnte: „Es bereitet mir so große Freude, Jesus zu sagen, daß ich ihn liebe! Wenn ich es ihm mehrmals sage, dann habe ich den Eindruck, ich hätte ein Feuer in der Brust, das mich aber nicht verbrennt“. Und Francisco sagte: „Am meisten hat es mir gefallen, unseren Herrn in jenem Licht zu sehen, das unsere Mutter uns ins Herz gelegt hat. Ich habe Gott so lieb! (Memorias da Irmã Lúcia [Erinnerungen von Schwester Lucia], I, 40 und 127).

Brüder und Schwestern, wenn wir diese unschuldigen und tiefsinnigen mystischen Bekenntnisse der Hirtenkinder hören, könnte manch einer angesichts dessen, was sie gesehen haben, mit ein wenig Neid auf sie blicken oder mit der enttäuschten Resignation jener, denen dieses Glück nicht zuteil geworden ist, die aber trotzdem gerne sehen würden. Jenen Menschen sagt der Papst mit den Worten Jesu: „Ihr irrt euch, denn ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes“ (Mk 12,24). Die Heilige Schrift lädt uns zum Glauben ein: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20,29), doch Gott – der tiefer ist als unser eigenes Innerstes (vgl. hl. Augustinus, Bekenntnisse, III, 6,11) – hat die Macht, – vor allem durch die inneren Sinne – zu uns vorzudringen, so daß die Seele sanft berührt wird von einer Realität, die über das sinnlich Wahrnehmbare hinausgeht und sie befähigt, zum Nichtsinnlichen zu gelangen, zu dem, was den menschlichen Sinnen nicht zugänglich ist. Hierzu bedarf es einer inneren Wachheit des Herzens, die unter dem Druck der gewaltigen äußeren Wirklichkeiten und der die Seele erfüllenden Bilder und Gedanken meistens nicht gegeben ist (Theologischer Kommentar zur Botschaft von Fatima, 2000). Ja, Gott kann uns erreichen, indem er sich unserer inneren Schau darbietet.

Zudem ist jenes aus der Zukunft Gottes kommende Licht, von dem die Hirtenkinder erfüllt waren, dasselbe Licht, das sich gezeigt hat, als die Zeit erfüllt war, und das für alle gekommen ist: der menschgewordene Sohn Gottes. Daß er die Macht hat, auch die kältesten und traurigsten Herzen zu entflammen, sehen wir an den Emmausjüngern (vgl. Lk 24,32). Unsere Hoffnung hat daher eine reale Grundlage, denn sie beruht auf einem Ereignis, das in der Geschichte geschehen ist und sie zugleich übersteigt, nämlich Jesus von Nazaret. Die Begeisterung, die seine Weisheit und sein Heilswirken bei den Menschen seiner Zeit hervorrief, war so groß, daß – wie wir im Evangelium gehört haben – eine Frau aus der Menge rief: „Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat.“ Jesus aber erwiderte: „Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen“ (Lk 11,27.28). Doch wer nimmt sich die Zeit, sein Wort zu hören und sich von seiner Liebe ergreifen zu lassen? Wer wacht mit betendem Herzen in der Nacht des Zweifels und der Ungewißheit? Wer erwartet das Morgengrauen des neuen Tages, ohne dabei die Flamme des Glaubens verlöschen zu lassen? Der Glaube an Gott läßt den Menschen offen werden für eine sichere Hoffnung, die nicht enttäuscht; er gibt ihm ein festes Fundament, auf dem er sein Leben furchtlos aufbauen kann; er verlangt von ihm, daß er sich vertrauensvoll der göttlichen Liebe überantwortet, von der die Welt getragen wird.

„Ihre Nachkommen werden bei allen Nationen bekannt sein […] Das sind die Nachkommen, die der Herr gesegnet hat“ (Jes 61,9): Er hat sie gesegnet mit einer unerschütterlichen Hoffnung, aus der die Frucht einer Liebe hervorgeht, die sich für die anderen aufopfert, statt sie zu opfern; vielmehr gilt, was wir in der zweiten Lesung gehört haben: „Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand (1 Kor 13,7). Ein anspornendes Beispiel hierfür sind die Hirtenkinder, die ihr Leben für Gott hingegeben und es aus Liebe zu Gott mit ihren Nächsten geteilt haben. Die Gottesmutter hat ihnen geholfen, ihre Herzen der Universalität der Liebe zu öffnen. Vor allem die selige Jacinta war unermüdlich in ihrer Sorge um die Armen und in ihrem aufopferungsvollen Wirken für die Bekehrung der Sünder. Nur mit dieser von Brüderlichkeit und Anteilnahme beseelten Liebe wird es uns gelingen, die Zivilisation der Liebe und des Friedens aufzubauen.

Wer glaubt, daß die prophetische Mission Fatimas beendet sei, der irrt sich. Hier an diesem Ort wird jener Plan Gottes wieder lebendig, der die Menschheit seit frühesten Zeiten mit der Frage konfrontiert: „Wo ist dein Bruder Abel? […] Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden“ (Gen 4,9). Dem Menschen ist es gelungen, einen Kreislauf des Todes und des Schreckens zu entfesseln, den er nicht mehr zu durchbrechen vermag… In der Heiligen Schrift ist häufig davon die Rede, daß Gott nach Gerechten sucht, um die Stadt der Menschen zu retten, und ebendies tut er hier, in Fatima, wenn die Muttergottes die Frage stellt: „Wollt ihr euch Gott hingeben, um alle Leiden ertragen zu können, die er euch aufzubürden gedenkt, als Sühne für die Sünden, durch die er geschmäht wird, und als flehentliche Bitte um die Bekehrung der Sünder?“ (Memorias da Irmã Lúcia [Erinnerungen von Schwester Lucia], I, 162).

In Anbetracht einer Menschheitsfamilie, die bereit ist, ihre heiligsten Pflichten auf dem Altar kleinlicher Egoismen im Namen der Nation, Rasse, Ideologie, Gruppe oder des Individuums zu opfern, ist unsere gebenedeite Mutter vom Himmel herabgekommen, um all jenen, die sich ihr anvertrauen, voller Hingabe die göttliche Liebe ins Herz zu legen, die auch in ihrem Herzen brennt. Zu jener Zeit waren es nur drei Personen, deren Lebensbeispiel sich – insbesondere durch die Weitergabe der Wandermuttergottes – in zahllosen Gruppen auf der ganzen Erde verbreitet und vermehrt hat, die sich dem Anliegen brüderlicher Solidarität widmen. Möge in den sieben Jahren, die uns noch vom hundertsten Jahrestag der Erscheinungen trennen, der angekündigte Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit näherkommen.

Grußwort an die Kranken (am Ende der Eucharistiefeier)

Liebe kranke Brüder und Schwestern!

Bevor ich nun zu euch, die ihr hier versammelt seid, die Monstranz mit dem eucharistischen Jesus trage, möchte ich ein Wort der Ermutigung und Hoffnung an euch richten, in das ich alle Kranken einbeziehe, die sich uns über Radio und Fernsehen angeschlossen haben. Mein Gruß geht auch an all jene, die nicht über diese Möglichkeit verfügen, jedoch im Glauben und im Gebet auf tiefe geistige Weise mit uns verbunden sind:

Lieber Bruder, liebe Schwester, in den Augen Gottes bist du „so viel wert, daß er selbst Mensch wurde, um mit dem Menschen mit-leiden zu können, ganz real in Fleisch und Blut, wie es uns in der Passionsgeschichte Jesu gezeigt wird. Von da aus ist in alles menschliche Leiden ein Mitleidender, Mittragender hineingetreten; in jedem Leiden ist von da aus die con-solatio, der Trost der mitleidenden Liebe Gottes anwesend und damit der Stern der Hoffnung aufgegangen“ (Benedikt XVI., Enzyklika Spe salvi, 39). Mit dieser Hoffnung im Herzen kannst du aus dem Treibsand der Krankheit und des Todes herausfinden und auf dem festen Felsen der göttlichen Liebe stehen. Mit anderen Worten: Du kannst das Gefühl der Nutzlosigkeit des Leidens überwinden, das den Menschen in seinem Innersten verzehrt und aufgrund dessen er sich als Last für die anderen vorkommt. In Wirklichkeit dient das gemeinsam mit Jesus gelebte Leid jedoch dem Heil unserer Brüder und Schwestern.

Wie ist dies möglich? Die Quellen der göttlichen Macht entspringen eben gerade mitten unter unseren menschlichen Schwächen. Darin besteht das Paradoxon des Evangeliums. Daher hat es der göttliche Meister vorgezogen, anstatt die Gründe des Leidens eingehend zu erklären, einen jeden in seine Nachfolge zu rufen, indem er sagt: „Nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach!“ (vgl. Mk 8,34). Komm mit mir! Nimm durch dein Leiden an diesem Heilswerk in der Welt teil, das sich durch mein Leiden und durch mein Kreuz vollzieht. Wenn du dein Kreuz annimmst und dich im Geiste mit meinem Kreuz vereinst, wird sich vor deinen Augen nach und nach der heilbringende Sinn des Leidens enthüllen. Du wirst im Leiden inneren Frieden und sogar geistliche Freude finden.

Liebe kranke Menschen, nehmt diesen Ruf Jesu an, der im Allerheiligsten Sakrament an euch vorüberzieht. Vertraut ihm alle Widrigkeiten und Leiden, mit denen ihr konfrontiert seid, an, damit sie – gemäß seinem Heilsplan – zum Werkzeug der Erlösung für die ganze Welt werden. So werdet ihr zu Erlösern im Erlöser, wie ihr Söhne im Sohn seid. Unter dem Kreuz … steht die Mutter Jesu, unsere Mutter.

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Quelle

3 Kommentare zu “PAPST BENEDIKT XVI. AM 13. MAI 2010 PREDIGT IM HEILIGTUM IN FATIMA

  1. „Papst Benedikt im Heiligtum“
    Im „Heiligtum“? Vom stattgefundenen Gräuel der Verwüstung an Heiliger Stätte predigt er nicht. Was geschah denn im Jahre 2004 in Fatima „im Heiligtum“?

    Ein Hindu-Ritual wurde in der Capelinha in Fatima, abgehalten, in der Kapelle, die genau an jenem Ort steht, wo die Gottesmutter erschienen war. Für Ketzer bedeutungslos. Das Sakrileg fand mit dem „Segen“ des Rektors des Heiligtums, Luciano Guerra und des Bischofs von Leiria-Fatima, Serafim de Sousa Ferreira e Silva statt. „Papst“ Benedikt schweigt darüber!

    Tut Buße, weil ihr die Konzilssekte angreift

    Wie wir alle wissen, wurde das Dritte Geheimnis von Fatima bis heute nicht veröffentlicht. Doch Benedikt XVI. hat im Geheimnis Neues entdeckt: Eine neue Botschaft: „Der Angriff gegen den Papst und Kirche“.

    In seiner Sekte, gibt er offen zu, existiert auch die Sünde! Zum Glück gehören wir nicht dieser sündigen „Kirche“ an.
    „Und darum ist es für die Kirche zutiefst notwendig, daß sie neu lernt, Buße zu tun, die Reinigung anzunehmen..“, sagt er.

    Wenn jemand „Papst“ und „Kirche“ angegriffen hat, dann ist es die Muttergottes in Fatima selbst. Dann hat sie aber den falschen Papst und die falsche Kirche gemeint.

    „Wer glaubt, daß die prophetische Mission Fatimas beendet sei, der irrt sich“
    Dann hat er sich also geirrt, als er bei seiner Betrugsveröffentlichung des Dritten Geheimnisses verkünden ließ, dass Fatima der Vergangenheit angehört?

  2. 17 Oktober 2005, 14:18
    Fatima-Rektorat korrigiert Behauptungen der Piusbruderschaft

    Fatima-Rektor Luciano Guerra nimmt in einem Brief zur Wallfahrt der Hindus und zur „Sühnewallfahrt“ der Piusbruderschaft Stellung und spricht von „Akt der Feindschaft“ gegen den Bischof.
    Fatima (www.kath.net)
    „Ja, der Brief ist echt.“ Mit diesen Worten hat ein Vertreter des Fatima-Heiligtums gegenüber KATH.NET die Echtheit eines Briefes vom P. Luciano Guerra, dem Rektor des Fatima-Heiligtums, bestätigt und Berichte über eine Wallfahrt der schismatischen Priesterbruderschaft Pius X. zurechtgerückt. Die Bruderschaft pilgerte im August nach Fatima.

    Danach verbreitete sie in der Öffentlichkeit, dass sie von der Amtskirche „mit größten Störaktionen“ empfangen wurde. Auf der Homepage der Bruderschaft las man: „Staubsauger im Heiligtum, Absperrgitter, ,Gegengesang’ von Ordensfrauen am Mikrofon im Heiligtum und zu guter Letzt eine vollständig aufgedrehte Beschallungsanlage sollten die Tradition vertreiben. Doch alles Mühen der Modernisten um Unfreundlichkeit und ,Antiökumene’ war umsonst – die Wallfahrt war ein großer Erfolg.“ Die Gruppe behauptete weiters, die Wallfahrt sei angemeldet gewesen und mit dem Rektor des Heiligtums, Luciano Guerra, auf die Zeit von 13.30 bis 14.30 Uhr festgelegt worden.

    Rektor Guerra rückte nun in einem Brief die Tatsachen zurecht. Er habe einen Verantwortlichen der Bruderschaft informiert, dass das Fatima-Heiligtum keine Einwände gegen private Wallfahrten nach Fatima habe, dass aber alles, was einen „öffentlichen Akt“ habe, unabhängig von der Intention, die Zustimmung der Verantwortlichen des Heiligtums benötige.

    Der Rektor teilte auch mit, dass in Fatima zwischen 12.30 und 13.00 Uhr täglich die Heilige Messe gefeiert wird. Bereits um 14 Uhr folge eine Andachtsstunde zum Unbefleckten Herzen Mariens. Deswegen konnte man in der Mittagszeit nur „weniger als eine halbe Stunde“ bewilligen. Aus dem Brief von Guerra geht hervor, dass die Piusbruderschaft diese zeitliche Beschränkung offensichtlich nicht eingehalten hat.

    Sie nutzte auch die Zeit nach 14.00 Uhr im Heiligtum zum lauten Gebet. Guerra beauftragte gegen 14.00 Uhr die Schwestern, mit der Andachtsstunde zu beginnen, worauf hin es offensichtlich zu Unruhen kam. Ein Mann sprang über die Mauer vor dem Heiligtum und wollte das Mikrofon ausschalten, worauf zuerst Ordner kamen, die den Mann zurückbeförderten. Später kam die Polizei dazu.

    Der Rektor betonte in dem Brief weiters: “Wenn Sie kurz vor 14.00 Uhr das ganze still beendet hätten, dann wäre nichts Unerfreuliches passiert. Und wenn Sie uns an einen der drei vorhergehenden Tage kontaktiert hätten, dann wäre es möglich gewesen, dass Sie sogar an diesem Tag die Gebetsstunde um 14.00 durchführen hätte können.“

    Guerra bezeichnete die Wallfahrt als ein „Akt der Feindschaft“ gegen seine Person und gegen den Bischof von Fatima und kritisierte, dass die Bischöfe der Piusbruderschaft mit diesen nicht einmal das Gespräch suchten. Trotz der Provokationen in Pamphleten der Piusbruderschaft gegen ihn und das Fatima-Heiligtum zeigte sich der Rektor weiterhin gesprächsbereit: „Ich werde Sie auch in Zukunft als Brüder und sogar als Katholiken betrachten, obwohl Sie sich erklärtermaßen im Schisma befinden“, betonte er.

    In dem Brief nahm Rektor Guerra auch Stellung zu dem Besuch einer Gruppe Hindus in Fatima. „Ich nütze diese Gelegenheit, das Thema der Ökumene betreffend, das hier geäußert wurde, hier einige Dinge zu klären, die die Art und Weise anbelangen, wie wir die Gruppe der Hindus empfangen haben“, schreibt er.

    „Erstens fand ihr Besuch im April statt, am 19.04. 2004, nicht am 5. Mai, wie groß berichtet worden ist. Zweitens hatte der Besuch nichts mit dem Oktober 2003 Kongress zu tun. Der Geistliche der Hindus konnte nur ins Presbyterium gehen aufgrund der Freundlichkeit, die aus einem Missverständnis eines Wächters resultierte, der gewöhnt ist, üblicherweise alle Mitglieder des Klerus einzulassen, die ähnlich gekleidet sind.“ Der verantwortliche Hindu habe ihm später gestanden, dass ihr Geistlicher es nicht vorgehabt habe, ins Presbyterium hineinzugehen. „Ich glaube ihm“, schreibt Guerra. „Ich selbst war, da ich wusste, dass dies ein privater Besuch war, wenn auch der Besuch einer Gruppe, nicht daran interessiert, sie zu begeleiten. Als ich im letzten Moment einen unserer Kapläne hinschickte, dann nur, weil eine Fernsehstation angekündigt hatte, dabei sein zu wollen.“

    Dass die Hindus auf seine Schultern und jene des Bischofs ein Band legten, habe er als „Geste der Freundschaft“ verstanden, erklärte der Rektor außerdem. Dies sei „nicht geplant“ gewesen. „War es nötig, daraus ein sakrilegisches Drama zu machen?“, fragte er. In Zukunft werde es nötig sein, „mehr auf diese Dinge zu achten“, bekannte er.

    Die unangenehme Erfahrung vom August 2005 hätte man sich sparen können, „wenn Sie die Demut – erlauben Sie mir, dieses Wort zu benützen – gehabt hätten, uns zu kontaktieren, bevor Sie die Entscheidung trafen, Ihre Aktivität eine Stunde zu verschieben. Dies stellte die Rechtmäßigkeit unserer Autorität an diesem Ort in Frage.“

    Der Rektor sprach auch vom „übertriebenen Eifer einiger ihrer Gläubigen“. Es scheine sogar, „dass manche versuchten haben, die Heilige Kommunion in der Basilika zu spenden. Ich bin mir sicher, dass Sie solche Missbräuche abstreiten werden.“ Er versicherte in dem Brief, dass die Gruppe in Zukunft in Fatima willkommen sei.

    Nachdem die Bruderschaft Pius X. überzeugt sei, „dass die Verantwortlichen von Fatima bereit sind, diesen heiligen Ort gegenüber heidnischen Kulten zu öffnen, steht es Ihnen natürlich frei, ihre Gläubigen zur Buße zur Vergebung unserer Sünden aufzurufen“, schreibt der Rektor. „Ich hoffe jedenfalls, dass sie dies vorrangig in der Stille ihrer Herzen oder ihrer Schlafzimmer tun werden.“

    „Wenn es jedoch Ihre Intention ist, diejenigen öffentlich des Sakrilegs und der Blasphemie zu beschuldigen – mit einer Feindseligkeit, die der der alten Inquisitoren würdig ist -, die hier mit Autorität ausgestattet sind, wozu Sie in aller Freundlichkeit das Recht haben, dann müssen Sie verstehen, dass es höflicher oder barmherziger wäre (erlauben Sie mir das bisschen Ironie), das woanders als in Fatima zu tun.“

    Der Brief in englischer Originalsprache

  3. Clarification From the Rector of the Shrine of Fatima

    Fr. Luciano Guerra
    Rector, Shrine of Our Lady of Fatima, Portugal
    THE CHURCH OF THE MOST HOLY TRINITY WILL NOT BE AN „ECUMENICAL TEMPLE“

    1) The readers of „Voz da Fátima“ may remember a communiqué from the Rector of the Shrine, published in January of 2004, under the headline „FATIMA SHRINE OF ALL RELIGIONS?“.

    2) The movements which came out in opposition to our October Congress, as mentioned in that communiqué, then took advantage of the arrival of a group of Hindus, as reported in „Voz da Fátima“ of May 2004, in order to launch a massive new campaign which is anti-ecumenical in character and even against inter-religious dialogue.

    3) Because of the letters sent to us asking for explanations, and in order to reply to everyone quickly, we have written this short communiqué. Firstly it restates the well‑known principles which have already been set out, as to how we receive brothers of other confessions or religions; secondly, it focuses on the two questions now before us: the arrival of a group of Hindus and the destiny of the new Church of the Most Holy Trinity.

    4) The Hindu group wrote to us beforehand, saying that they would like „to reconstitute the visit made by Mr. Morari Bapur, which had preceded that of His Holiness Pope John Paul II“, in May of 1982.

    5) The Hindu priest and a translator whom he brought with him, went up to the image of Our Lady, while the remainder of the group stayed down below.

    6) The priest sang a prayer which lasted a few minutes. No gesture was made, no rite was performed, on or off the altar. The translator explained that he had asked „the Most Holy Mother that she would give wisdom and discernment to those who govern nations, so that the world could have peace, peace, peace“.

    7) We note that this intention of peace, being universal, is the same intention that, in our opinion, has brought to the Shrine other personalities who are not Catholic, such as for instance the Dalai Lama, the President of the Republic of India, and also the wives of President Clinton and President Arafat. Groups of non-Catholic Christians also come with the intention of asking for Church unity. Although not with great frequency, some high representatives of the Orthodox Churches have been welcomed in the Shrine. Recently some tens Anglican priests, accompanied by their bishop, held a spiritual retreat in one of the houses of the Shrine.

    8) After making their prayer in the Capelinha or Little Chapel of the Apparitions, the Hindu pilgrims were received, in a room, by the Bishop of Leiria-Fátima and by the Rector of the Shrine, to whom they said they had come out of devotion towards the „Most Holy Mother“. They did not speak about a similarity or transference between this name and any entity of their religion. Little credit, therefore, should be given to the comparisons mentioned by the media, whom we were unable to prepare, because it was late when we found out about their presence.

    9) As far as the Church of the Most Holy Trinity is concerned, which they persist in calling an „ecumenical temple“, we can state that this description, although susceptible of a catholic interpretation, does not originate from the Shrine. We do not intend — and we have never intended — to hold any celebrations in the church which is being built, that are not in accordance with the directives prescribed by the Catholic Church. The Shrine strives to be faithful to the message which God has entrusted to it and cannot help noticing the distinctly catholic character which the message inculcates, both in the apparitions of the Angel, which inspired us to choose the title for the future church, and in the apparitions of Our Lady, which contain dramatic references to the mediating role of the Pope and the Bishops, regarding the unity of the Church and for the peace of the world.

    10) In the hope that all brothers understand that we desire and pray for the union which is possible between all christians, all believers, and all men, we also raise our prayer to Our Lady of Fatima, that she may strengthen our will for unity and deliver us from all spirit of dissension and controversy.

    Shrine of Fatima, June 29, 2004, Solemnity of St. Peter and St. Paul,
    The Rector, Fr. Luciano Guerra.

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