PAPST BENEDIKT XVI. UND DER ISLAM

Wir müssen an den einen Gott glauben

Es ist unsere Berufung und Sendung, die Liebe, mit der uns Gott ohne jedes Verdienst so reich beschenkt, frei mit anderen zu teilen. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass Moslems und Christen unterschiedliche Zugänge zu den Dingen haben, die Gott betreffen. Dennoch können und müssen wir an den einen Gott glauben, der uns geschaffen hat und sich um jeden Menschen in jedem Winkel der Welt sorgt. Wir müssen durch unsere gegenseitige Achtung und Solidarität gemeinsam zeigen, dass wir uns selbst als Glieder einer Familie betrachten: der Familie, die Gott von der Schöpfung der Welt bis zum Ende der menschlichen Geschichte geliebt und um sich gesammelt hat.

Ansprache an die Teilnehmer des Katholisch/Muslimischen Forums, 6. November 2008

Die Würde jedes Menschen anerkennen

Es gibt ein grosses und weites Feld, auf dem wir bei der Verteidigung und Förderung der moralischen Werte, die Teil unseres gemeinsamen Erbes sind, miteinander tätig werden können. Erst wenn wir uns anschicken, die zentrale Stellung der menschlichen Person und der Würde jedes Menschen anzuerkennen, das Leben zu respektieren und zu verteidigen, das Geschenk Gottes und deshalb sowohl für Christen als auch für Moslems heilig ist – nur auf der Grundlage dieser Anerkennung können wir eine gemeinsame Basis für den Aufbau einer brüderlicheren Welt, in der Auseinandersetzungen und Differenzen friedvoll beigelegt werden und die vernichtende Macht der Ideologien neutralisiert wird.

Ansprache an die Teilnehmer des Katholisch/Muslimischen Forums, 6. November 2008

Als Gläubige erkannt werden

Gerade wegen der Bürde ihrer gemeinsamen Geschichte, die so oft von Missverständnis gekennzeichnet war, müssen Muslime und Christen bestrebt sein, als Gläubige erkannt und anerkannt zu werden, die treu beten, die bemüht sind, die Gebote des Allmächtigen zu halten und ihnen gemäss zu leben, die barmherzig und mitfühlend sind, die konsequent alles Wahre und Gute bezeugen, die stets den gemeinsamen Ursprung und die Würde aller Menschen bedenken, die der Höhepunkt des göttlichen Schöpfungsplans für die Welt und die Geschichte bleiben.

Ansprache beim Besuch der Al-Hussein-Bin-Talal-Moschee in Amman, 9. Mai 2009

Respektvoller Dialog weiterführen

Ich bete, dass Moslems und Christen bei der Weiterführung des bereits begonnen respektvollen Dialogs darüber nachdenken, wie das Einsein Gottes untrennbar mit der Einheit der Menschheitsfamilie verbunden ist. Mögen alle Angehörigen dieser Religionen, wenn sie sich Gottes liebevollem Plan für die Schöpfung fügen, wenn sie das Gesetz erforschen, das dem Kosmos eingeschrieben und dem Herz des Menschen eingeprägt ist, und wenn sie über das geheimnisvolle Geschenk der Selbstoffenbarung Gottes nachdenken, ihren Blick fest auf sein absolutes Gutsein richten und nie aus den Augen verlieren, wie diese Güte sich in den Gesichtern der Mitmenschen widerspiegelt.

Ansprache beim Großmufti – Esplanade der Moscheen in Jerusalem, 12. Mai 2009

Tiefes Bedauern

In diesem Augenblick möchte ich nur hinzufügen, dass ich die Reaktionen tief bedaure, die ein kurzer Abschnitt meiner Ansprache in der Universität Regensburg hervorgerufen hat, der als verletzend für die Empfindungen der muslimischen Gläubigen aufgefasst wurde, während es sich um das Zitat eines mittelalterlichen Textes handelte, der in keiner Weise meine persönliche Meinung wieder gibt. Gestern hat der Kardinalstaatssekretär dazu eine Erklärung veröffentlicht, in der er den wahren Sinn meiner Worte erläutert hat. Ich hoffe, dass dies dazu dient, die Gemüter zu beruhigen und die wahre Bedeutung meiner Ansprache zu verdeutlichen, die in ihrer Gesamtheit eine Einladung zum offenen und aufrichtigen Dialog in grosser gegenseitiger Achtung war und ist. Dies ist der Sinn der Ansprache.

Angelus, 17. September 2006

Nicht Religion und Gewalt, sondern Religion und Vernunft gehören zusammen

Eine besonders schöne Erfahrung war es an jenem Tag für mich, eine Vorlesung vor einer grossen Zuhörerschaft von Professoren und Studenten in der Universität von Regensburg zu halten, wo ich viele Jahre lang als Professor gelehrt habe. Voll Freude konnte ich noch einmal der universitären Welt begegnen, die während eines langen Abschnitts meines Lebens meine geistliche Heimat gewesen ist. Als Thema hatte ich die Frage des Verhältnisses von Glaube und Vernunft gewählt. Um die Zuhörerschaft in die Dramatik und die Aktualität des Themas einzuführen, habe ich einige Worte aus einem christlich-islamischen Dialog des 14. Jahrhunderts zitiert, mit denen der christliche Gesprächspartner – der byzantinische Kaiser Manuel II. Palaeologos – auf für uns unverständlich schroffe Art dem islamischen Gesprächspartner das Problem des Verhältnisses von Religion und Gewalt vorlegte. Dieses Zitat konnte leider Anlass geben zu Missverständnissen. Für den aufmerksamen Leser meines Textes ist es jedoch deutlich, dass ich mir die von dem mittelalterlichen Kaiser in diesem Dialog ausgesprochenen negativen Worte in keiner Weise zu eigen machen wollte und dass ihr polemischer Inhalt nicht meine persönliche Überzeugung zum Ausdruck bringt.
Meine Absicht war eine ganz andere: Ausgehend davon, was Manuel II. im folgenden positiv und mit sehr schönen Worten sagt über die Vernünftigkeit, die uns in der Weitergabe des Glaubens leiten muss, wollte ich erklären, dass nicht Religion und Gewalt, sondern Religion und Vernunft zusammengehören. Thema meines Vortrags war also- dem Auftrag der Universität entsprechend – das Verhältnis zwischen Glaube und Vernunft: Ich wollte zum Dialog des christlichen Glaubens mit der modernen Welt und zum Dialog aller Kulturen und Religionen einladen. Ich hoffe, dass in verschiedenen Augenblicken meines Besuchs – zum Beispiel, als ich in München unterstrichen habe, wie wichtig es ist, Ehrfurcht zu haben vor dem , was den anderen heilig ist – mein tiefer Respekt gegenüber den Weltreligionen deutlich geworden ist, besonders gegenüber den Muslimen, die „den alleinigen Gott anbeten“ und mit denen wir gemeinsam eintreten „für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen“ (Nostra aetate, 3). Ich vertraue also darauf, dass nach den Reaktionen des ersten Augenblicks meine Worte in der Universität von Regensburg Antrieb und Ermutigung zu einem positiven und auch selbstkritischen Dialog sowohl zwischen den Religionen als auch zwischen der modernen Vernunft und dem Glauben der Christen sein können.

Generalaudienz, 20. September 2006

Echter Dialog

In einer Welt, die vom Relativismus geprägt ist und allzu oft die Transzendenz aus der Universalität der Vernunft ausschließt, bedürfen wir dringend eines echten Dialogs zwischen den Religionen und zwischen den Kulturen, der uns helfen kann, alle Spannungen in einem Geist fruchtbarer Zusammenarbeit gemeinsam zu überwinden. Das von meinem Vorgänger Papst Johannes Paul II. begonnene Werk fortsetzend, wünsche ich daher zutiefst, dass die vertrauensvollen Beziehungen, die sich seit vielen Jahren zwischen Christen und Muslimen entwickelt haben, nicht nur fortbestehen, sondern sich in einem Geist des Aufrichtigen und respektvollen Dialogs weiterentwickeln; eines Dialogs, der auf eine immer wahrheitsgemäßer gegenseitige Kenntnis gründen muss, die mit Freude unsere gemeinsamen religiösen Werte anerkennt und die Unterschiede in loyaler Haltung respektiert.

Ansprache bei Begegnung mit den Botschaftern muslimischer Länder, 25. September 2006

Den Wert der religiösen Dimension des Daseins zeigen

Der interreligiöse und interkulturelle Dialog ist notwendig, um gemeinsam die von allen Menschen guten Willens so sehr ersehnte Welt des Friedens und der Brüderlichkeit zu erbauen. Diesbezüglich erwarten unsere Zeitgenossen von uns ein beredtes Zeugnis, um allen den Wert der religiösen Dimension des Daseins zu zeigen. Auch müssen Christen und Muslime in Treue zu den Lehren ihrer je eigenen religiösen Traditionen lernen zusammenzuarbeiten, wie das bereits in verschiedenen gemeinsamen Erfahrungen geschieht; das ist notwendig, um sich vor jeder Form von Intoleranz zu schützen und jeder Manifestation von Gewalt entgegenzutreten. Und wir, die religiösen Autoritäten und politisch Verantwortlichen, müssen sie in diesem Sinne leiten und ermutigen. Denn selbst wenn es „im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen“ (Erklärung Nostra aetate, 3).

Ansprache bei Begegnung mit den Botschaftern muslimischer Länder, 25. September 2006

Den Herausforderungen entgegentreten

Liebe Freunde, ich bin zutiefst davon überzeugt, dass es in der Situation, in der sich die Welt heute befindet, unerlässlich ist, dass sich Christen und Muslime gemeinsam einsetzen, um den zahlreichen Herausforderungen entgegenzutreten, vor denen die Menschheit steht, insbesondere was die Verteidigung und Förderung der Würde des Menschen sowie der sich aus ihr ableitenden Rechte betrifft. Während die Bedrohungen zunehmen, bekunden Christen und Muslime dadurch, dass sie die zentrale Bedeutung der menschlichen Person anerkennen und sich beharrlich dafür einsetzen, dass deren Leben stets geachtet wird, ihren Gehorsam gegenüber dem Schöpfer, der will, dass alle in der Würde leben, die er ihnen geschenkt hat

Ansprache bei Begegnung mit den Botschaftern muslimischer Länder, 25. September 2006

Die Stellung der Gemeinschaft der Glaubenden

Bei einem verstärkt zu führenden Dialog mit dem Islam werden wir vor Augen halten müssen, dass die islamische Welt heute mit grosser Dringlichkeit sich vor einer ganz ähnlichen Aufgabe findet, wie sie den Christen seit der Aufklärung auferlegt ist und vom II. Vatikanischen Konzil als Frucht eines langen Ringens für die katholische Kirche zu konkreten Lösungen geführt wurde. Es geht um die Stellung der Gemeinschaft der Glaubenden angesichts der Einsichten und Forderungen, die in der Aufklärung gewachsen sind. Einerseits gilt es, einer Diktatur der positivistischen Vernunft zu widersprechen, die Gott aus dem Leben der Gemeinschaft und aus den öffentlichen Ordnungen ausschliesst und dabei den Menschen seiner Massstäbe beraubt. Andererseits müssen die wahren Errungenschaften der Aufklärung, die Menschenrechte und dabei besonders die Freiheit des Glaubens und seiner Ausübung als wesentliche Elemente gerade auch für die Authentizität der Religion aufgenommen werden. Wie es in der christlichen Gemeinschaft ein langes Ringen um den rechten Standort des Glaubens diesen Einsichten gegenüber gab, das freilich nie ganz zu Ende ist, so steht auch die islamische Welt mit ihrer eigenen Überlieferung vor der Grossen Aufgabe, hier die Angemessenen Lösungen zu finden.

Weihnachtsempfang für die Römische Kurie, 22. Dezember 2006

Wir müssen an den einen Gott glauben

Es ist unsere Berufung und Sendung, die Liebe, mit der uns Gott ohne jedes Verdienst so reich beschenkt, frei mit anderen zu teilen. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass Moslems und Christen unterschiedliche Zugänge zu den Dingen haben, die Gott betreffen. Dennoch können und müssen wir an den einen Gott glauben, der uns geschaffen hat und sich um jeden Menschen in jedem Winkel der Welt sorgt. Wir müssen durch unsere gegenseitige Achtung und Solidarität gemeinsam zeigen, dass wir uns selbst als Glieder einer Familie betrachten: der Familie, die Gott von der Schöpfung der Welt bis zum Ende der menschlichen Geschichte geliebt und um sich gesammelt hat.

Ansprache an die Teilnehmer des Katholisch/Muslimischen Forums, 6. November 2008

Die Würde jedes Menschen anerkennen

Es gibt ein grosses und weites Feld, auf dem wir bei der Verteidigung und Förderung der moralischen Werte, die Teil unseres gemeinsamen Erbes sind, miteinander tätig werden können. Erst wenn wir uns anschicken, die zentrale Stellung der menschlichen Person und der Würde jedes Menschen anzuerkennen, das Leben zu respektieren und zu verteidigen, das Geschenk Gottes und deshalb sowohl für Christen als auch für Moslems heilig ist – nur auf der Grundlage dieser Anerkennung können wir eine gemeinsame Basis für den Aufbau einer brüderlicheren Welt, in der Auseinandersetzungen und Differenzen friedvoll beigelegt werden und die vernichtende Macht der Ideologien neutralisiert wird.

Ansprache an die Teilnehmer des Katholisch/Muslimischen Forums, 6. November 2008

_______

Quelle

4 Kommentare zu “PAPST BENEDIKT XVI. UND DER ISLAM

  1. Er ist es doch, dieser Bischof in Weiß, er ist es, der die Ostpolitik fortsetzte, er ist es, der Assisi fortsetzte, er ist es, der in der Blauen Moschee am 30. November 2006 in Istanbul die Hände vor den Bauch kreuzigte und die Schuhe auszog, um dann zu seinem „Einen-Wahren-Gott“ zu beten.
    Er war es, der die Worte der Gottesmutter unterschlug, von dem Blatt mit 25 Zeilen nichts mehr wußte, das die Worte im Dritten Geheimnis offenbarte,
    der mit einer hinterlistigen Interpretation die ganze katholische Christenheit verschaukelt, der der Königsherrherrschaft Christi widerstreitet, dem Konzil anhängt und nicht an die Auferstehung Christi glaubt.
    Und Bergoglio ist sein „würdiger“ Nachfolger.

    gloria.tv:
    Der ungarische Premierminister Viktor Orban sagte nach einem Treffen mit seinem belgischen Amtskollegen Charles Michel, dass ein Plan bestehe für die zwangsweise Ansiedlung von afrikanischen und muslimischen Migranten in den mitteleuropäischen Ländern. Nach diesem Plan soll diese Ansiedlung im Juni auf dem Gipfeltreffen der EU-Ministerpräsidenten in Brüssel beschlossen werden.

    Viktor Orban sagte: „Unser Partei-Präsidium der Fidesz (ungarische Regierungspartei) hat einen festen Standpunkt eingenommen: Wir können diese Erpressung nicht hinnehmen. Für uns gilt: Ungarn zuerst. Wir werden diejenigen bekämpfen, die die christliche Identität Ungarns und Europas verändern wollen“.

    Zu diesen Zerstörern des Christlichen Abendlandes gehören Eure Ketzerbischöfe in Weiß, die sich wegen Eurer Unterwerfung jetzt auch noch erkühnen, nicht nur die Zerstörung des Glaubens voranzutreiben, sondern äußerst bestrebt sind, das Christliche Abendland verschwinden zu lassen. Das wollt Ihr nicht kapieren, Ihr Engstirnigen!

  2. Wollte es eigentlich auf diese Seite bringen, um zum wiederholten Mal die Machenschaften dieses „Weißen Bischofs“ aufzudecken, die immer noch nicht angekommen sind.

    „Unser Gespür für den drohenden Untergang“, mitverantwortlich Joseph Ratzinger:

    https://www.katholisches.info/2017/01/papst-benedikt-xvi-und-fatima-und-einige-ungereimtheiten-2-teil/

    Papst Benedikt XVI. und Fatima – und einige Ungereimtheiten (2. Teil) *
    Im Anschluß an meinen Beitrag vom 3. Jänner Papst Benedikt XVI. und Fatima – und einige Ungereimtheiten (1. Teil) kommen wir nun zum Hauptteil der dreiteiligen Ausführungen, nämlich zu den ungereimten Äußerungen von Papst Benedikt selbst. Es ist schlimm, daß dieser (mit Datum vom 22. Februar 2007) ein Geleitwort für Kardinal Bertones Schwindelbuch Die Seherin von Fatima verfaßte. Am Schluß dieses Buches ist sein Theologischer Kommentar vom 26. Juni 2000 abgedruckt.

    Benedikt XVI. in modernistischer Diktion
    Dieses Geleitwort (das wir hier nicht näher betrachten), läßt die Fragen aufkommen:
    Klingt das wirklich nach den dramatischen Erlebnissen der Seherkinder und der Augenzeugen von 1917? Ist hier ein Gefühl für die Dringlichkeit und Dramatik spürbar? Und weil der Papst davon sprach, daß manche (nicht-vatikanoffizielle Fatima-) Interpretationen „mehr für Unruhe sorgten, statt zu Gebet und Buße aufzufordern“: Ist es nicht gerade die „Unruhe“, die zu Gebet und Buße animiert? Haben nicht die Propheten des Alten Bundes Unruhe gestiftet? Und wer bitte hat denn in den letzten Jahrzehnten aus der vatikanischen Bürokratie oder gar vom Stuhl Petri herunter wirklich zu ernsthaftem Gebet und spürbarer Buße im Geist Fatimas aufgerufen?
    Niemand.
    Denn die „Unglückspropheten“ waren schon von Papst Johannes XXIII. bei der Eröffnung des II. Vaticanums kritisiert und weitgehend kaltgestellt worden.
    Tragisch ist, daß Papst Benedikt das Buch von Kardinal Bertone und seinem Interviewer Giuseppe De Carli überhaupt eingeleitet hat. Er unterstützt damit die Lügen und Täuschungen der beiden Autoren.
    Leider hatte er schon 2000 genau in diese Richtung gearbeitet.
    Daher müssen wir einen Blick auf den „Theologischen Kommentar des damaligen Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal Joseph Ratzinger“ werfen.
    Der Theologische Kommentar von Kardinal Ratzinger vom Juni 2000 – ein Weginterpretation der Fatima-Botschaft
    Was genauso wie bei den Beiträgen von Kardinal Bertone und De Carli auffällt, ist die Tendenz zum Weginterpretieren der Botschaft (der Text des Kommentars findet sich online auf der Internetseite des Heiligen Stuhls; die Seitenzahlen im folgenden Text beziehen sich auf das im letzten Beitrag vorgestellte Buch von Kardinal Bertone).
    Neo-modernistische Umdeutungen von Botschaften Gottes durch den Glaubenspräfekten
    Das Sonnenwunder sahen 70.000 Menschen.

    Der Kardinal stellte es gleich am Beginn in den Raum, daß die Botschaft Mariens „vielleicht gar nur Spiegelungen der Innenwelt von Kindern, die in einem Milieu tiefer Frömmigkeit aufgewachsen, zugleich aber auch von den drohenden Gefahren ihrer Zeit aufgewühlt waren“ (205), gewesen sein könnten. Damit sät der nachmalige Papst Zweifel an der Verläßlichkeit des Zeugnisses von Sr. Lucia und natürlich auch an Faktum und Inhalt der Erscheinungen selbst.
    Kardinal Ratzinger erwähnte den flämischen Theologen Eduard Dhanis SJ als „herausragende[n] Kenner dieser Materie“ (209). Leider zeigt dieses „name-dropping“, daß die Prägung des jungen Theologen Joseph Ratzinger durch modernistische Theologen sehr tief gegangen war. Dhanis positiv zu erwähnen, ist völlig abwegig, da dieser die Gültigkeit der Botschaften (besonders Pontevedra und Tuy) bestritt, aber sich weigerte, mit Sr. Lucia auch nur zu sprechen. Er war theologisch ein Modernist und wissenschaftlich ein Kleingeist, der es nicht für nötig hielt, auf Entgegnungen einzugehen. Damals widersprachen ihm noch öffentlich Mitbrüder aus dem Jesuitenorden und andere Experten – ohne Erfolg.
    Dhanis war auch einer der Mitautoren des berüchtigten Holländischen Katechismus. Dieser unterminierte den Glauben. Der Katechismus wurde damals mit einer sechzigseitigen Ergänzung gedruckt, um die Wirkung dieses Machwerks abzumildern. Dhanis machte aber nach dem Tod von Pius XII. steile Karriere.
    Es bleibt unerfindlich, warum Kardinal Ratzinger diesen Mann ins Spiel brachte. Der offizielle Fatima-Experte der Kirche war nämlich bekanntlich P. Joaquin Alonso aus dem Claretinerorden. Dieser starb 1981, ohne von Bischof Alberto Cosme do Amaral von Leiria-Fatima die Erlaubnis zur Publikation seines 24-bändigen Buches über Fatima (fertiggestellt 1975) erhalten zu haben (offenbar auf Befehl des Vatikans).
    Im Lauf der Zeit hatte sich P. Alonso unter dem Druck der Fakten der Auffassung angenähert, das Dritte Geheimnis spreche über einen Glaubensabfall in der Hierarchie. Das wollte man damals in ebendieser Hierarchie natürlich nicht hören. Das hätte auch das Konzil delegitimiert – wenngleich dessen giftige Früchte auch damals schon sichtbar waren.
    Atemberaubend ist folgender Satz:
    „Wir können hinzufügen, dass Privatoffenbarungen häufig primär aus der Volksfrömmigkeit kommen und auf sie zurückwirken, ihr neue Impulse geben und neue Formen eröffnen“ (210).
    Wie kam der von manchen als „Mozart der Theologie“ titulierte spätere Papst auf eine solche Absurdität? Privatoffenbarungen kommen von Gott oder es sind keine Privatoffenbarungen! Sie kommen daher nicht „aus der Volksfrömmigkeit“. Jedes Kind versteht das! Das würde ja heißen, daß manche frommen Leute im Volk „Privatoffenbarungen“ erfinden würden.
    Es drängt sich die Frage auf: Glaubte der damalige Kardinal Ratzinger, daß Gott tatsächlich, im wörtlichen Sinn und ohne Ausflüchte, auch in nachapostolischer Zeit eine bestimmte Botschaft der Kirche mitteilt, oder nicht?
    Fromme Allgemeinplätze gegen konkrete Anweisungen Gottes
    Eine weitere Verharmlosung der „Privatoffenbarungen“, die ja meist dramatische Beklagungen des kirchlichen und weltlichen Zustandes und dringende Mahnungen zur radikalen Umkehr waren, liegt in folgender Aussage (im Zusammenhang mit dem II. Vaticanum und Lk 12, 56):
    „Die Zeichen der Zeit im Licht des Glaubens deuten heißt die Anwesenheit Christi in der jeweiligen Zeit erkennen“ (211f).
    Also das macht wirklich keinen Sinn. Es geht im Gegenteil darum, die Abwesenheit Christi in der jeweiligen Zeit zu erkennen, und zwar die von den Menschen, ggf. auch von der Kirchenhierarchie verschuldete Abwesenheit. Und sie zu revidieren! Sonst wären diese Offenbarungen sinnlos.
    Kardinal Ratzinger schrieb dann autobiographisch:
    „In einem Gespräch mit mir hat Schwester Lucia mir gesagt, ihr werde immer mehr deutlich, dass das Ziel der ganzen Erscheinungen gewesen sei, mehr in Glaube, Hoffnung und Liebe einzuüben – alles andere sei nur Hinführung dazu“ (217).
    Das ist angesichts der hochspezifischen Inhalte der Erscheinungen (Hölle, Sühne, Unbeflecktes Herz, Weihe Rußlands) im besten Fall eine fromme Plattitüde. Im schlimmsten Fall ist es eine bewußte Unwahrheit. Hat Sr. Lucia das wirklich so gesagt oder ist es eine sehr freie Paraphrase durch den damaligen Kardinal?
    Eine Vision ohne Erklärung der Seligen Jungfrau?
    Der Gipfel der Unglaubhaftigkeit ist aber folgende Passage:
    „Schwester Lucia hat dazu zunächst bemerkt, dass ihr das Gesicht [also die Vision des Dritten Geheimnisses, Anm.], aber nicht seine Auslegung geschenkt wurde. Die Auslegung komme nicht dem Seher, sondern der Kirche zu“ (216).
    José da Silva (1920–1957) mit dem Dritten Geheimnis (Umschlag), 1944.
    Daß die Kirche das Recht und die Pflicht hat, „Privatoffenbarungen“ zu prüfen, ist unbestritten. Man beachte aber hier die offenkundige Unwahrheit vom Fehlen der Auslegung: Die Seherkinder erhielten immer eine Schauung, der dann eine Erklärung Unserer Lieben Frau folgte. Aber bei dieser Vision mit dem ermordeten „in Weiß gekleideten Bischof“ soll es nicht so gewesen sein?
    Der jetzige authentische Interpret des Dritten Geheimnisses sei aber nach den Worten Kardinal Ratzingers in diesem Zusammenhang der damalige Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano, dem Sr. Lucia zugestimmt hätte.
    Das ist vollkommen unglaubhaft und Symptom eines Komplotts.
    Schon Papst Johannes XXIII. sprach von den „Worten“, die die Seherkinder von der Seligen Jungfrau erhalten hätten, als er sich auf das Dritte Geheimnis bezog.
    Wo sind die jetzt?

    Kardinal Ratzinger sagte in dem berühmten Interview mit dem Magazin Jesus der Paulinerschwestern am 11. November 1984, daß das Dritte Geheimnis von „Gefahren“ spricht, „die den Glauben und das Leben der Kirche, damit der Welt bedrohen“. Es beziehe sich auch auf die „Wichtigkeit der novissimi [Letzte Zeit bzw. Letzten Dinge]“.
    Davon ist in der Erklärung von 2000 nicht mehr die Rede.
    Jetzt ist nach den Worten der Kardinäle Ratzinger, Sodano und Bertone mit der Vision des Dritten Geheimnisses das Attentat auf Johannes Paul II. gemeint und Sr. Lucia habe dem zugestimmt.
    Lächerlich.
    Der Vatikan als Treibhaus von Mentalreservationen, Schwindel und Lügen – apokalyptische Zustände
    Was blieb von der Erklärung des damaligen Kardinals Ratzinger übrig? Was blieb im Bewußtsein der kirchlichen Öffentlichkeit hängen? Offenbar die Beschwichtigung, daß mit dem Attentat auf Johannes Paul II. am 13. Mai 1981 das Dritte Geheimnis erfüllt worden ist, daß der damalige Papst durch die Bußbereitschaft in der kirchlichen Hierarchie wundersam überlebt hat und daß die Bedeutung von Fatima jetzt in der Vergangenheit liegt. Und ansonsten sollen wir endlich keine lästigen Fragen mehr stellen.
    2010 sagte Papst Benedikt in Fatima aber, daß die „prophetische Mission Fatimas“ nicht beendet sei.
    Man fühlt sich zum Narren gehalten. Überhaupt sind alle oberhirtlichen Aussagen zu Fatima, die aus den letzten Jahrzehnten in Erinnerung sind, nicht dazu angetan, den Glauben zu fördern und Buße und Umkehr zu bewirken.
    Man kann erkennen, daß die Spekulationen angesichts der kirchlichen Bocksprünge geradezu zwangsläufig ins Kraut schießen müssen.
    Und in der Zwischenzeit versinkt die Welt in Chaos und Blutbad. Wird Gott noch lange zuschauen?
    Mark Fellows sprach in dem Enthüllungsbuch Fatima in Twilight (2003) von „our sense of impending doom“, „unserem Gespür für den drohenden Untergang“.
    Wenn man etwa die Filmproduktion betrachtet, die massenhaft apokalyptische Phantasien ins Bild setzt, wird einem ein weitverbreitetes kollektives Ahnen drohender katastrophischer Ereignisse nicht verborgen bleiben können.
    Schließlich sind sie im Neuen Testament vorhergesagt.
    Resümee: Die Apostasie in der Kirche forderte auch von Papst Benedikt ihren Tribut
    Da hier eine Botschaft des Himmels – eine „Privatoffenbarung“ mit Öffentlichkeitscharakter (70.000 Augenzeugen des Sonnenwunders) und an Kirche, Papst und Welt adressiert – verworfen und lügenhaft verzerrt dargestellt wurde, ist es kein Wunder, daß in der Kirche Verwirrung und Apostasie wüten.
    Da Papst Benedikt XVI. hier mitgemacht hat und auf keine Weise seine geistliche Vollmacht als Oberhirte der Kirche genutzt hat, den Status quo zu revidieren, ist es kein Wunder, daß sein Pontifikat, trotz guter Ansätze, so kläglich gescheitert ist.
    Solange es nicht zweifelsfrei erwiesen ist, daß es sich bei Papst Franziskus um einen Gegenpapst handelt, muß dieser Caligula auf dem Papstthron eben als Papst betrachtet werden – und als Strafe für eine Kirche, die die Warnungen des Himmels nicht hören wollte, sich am Konzil verheerenden Irrlehren auslieferte und die Märtyrerkirche des Sowjetblocks verriet. Die Strafe Gottes liegt somit in den selbstverschuldeten Folgen falscher Entscheidungen von Entscheidungsträgern, die es besser wissen müßten.
    Da die Kirche Licht der Völker sein soll, zieht die Verfinsterung der Kirche auch die gottlose Welt in Mitleidenschaft und Desorientierung – wie es in diesem Katastrophenpontifikat ja deutlich sichtbar ist. Ein Papst selbst rüttelt an der Lehre Gottes und unterminiert die Sakra-mente – ein noch vor drei Jahren nicht möglich gehaltener Alptraum. Die Bösen werden sich freuen.
    Gott überließ die Entscheidungsträger also ihren Verblendungen – und weite Teile des gläubigen Volkes ihrer Lauheit.
    Benedikt XVI. hätte es besser wissen müssen. Er ließ bei seinem Amtsantritt durchblicken, daß er um den moralischen Morast unter den Kardinälen und in der Kurie wußte. Er wußte auch um die „Wölfe“, um apostasierte Kirchenmänner, die ihm das Leben schwermachen würden. Der als Roman verhüllte Handlungsaufruf Malachi Martins an Papst Johannes Paul II. Windswept House (dt. Der letzte Papst) wird ihm bekannt gewesen sein. Dort ist von satanischen Ritualen im Vatikan, unter Beteiligung geweihter Männer, ausdrücklich die Rede.
    Papst Benedikt kam daher vielleicht zur Schlußfolgerung, daß nur ein Eingreifen Gottes die Kirche wiederherstellen kann. Da die Fatimabotschaft auch in den bekannten Teilen damit zu tun hat, wird sich dem Papst wohl im Gewissen die Aufforderung gestellt haben, diese Botschaft lehramtlich und disziplinär zu implementieren: Verbreitung des Bewußtseins von der Möglichkeit der Hölle, Aufruf zur radikalen Umkehr der Lebensführung, Verbreitung der Sühnesamstage und der Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens und Durchführung der Weihe Rußlands an ebendieses Unbefleckte Herz – wie vorgegeben. – Und dennoch hat er es nicht gemacht.
    Die Motive bleiben wie schon bei Pius XI. im Dunkeln. Aber natürlich wird die theologische Prägung Joseph Ratzingers, wie schon dargelegt, einen „Rückfall“ in „anti-ökumenisches“, „vorkonziliares“ und „mittelalterliches Denken“ verhindert haben. Die Erklärung vom Juni 2000 legt für diese Mentalität Zeugnis ab. Es sieht so aus, als wollte der Prophet, obgleich grundsätzlich guten Willens, partout nicht nach Ninive gehen. Daher setzte sich eine konspirative Clique durch und räumte ihn zugunsten eines revolutionären Programms aus den Weg.
    Und zudem sind wir seit dem 28. Februar 2013 in einer Situation, in der ein „in Weiß geklei-deter Bischof“ („Wir hatten die Ahnung, daß es der Heilige Vater war.“) nicht automatisch der regierende Papst ist. Somit ist also die Bühne für gegebenenfalls dramatische, ja apoka-lyptische Ereignisse bereitet. Wird man das Martyrium dieses Bischofs und seiner Gefolg-schaft als Sühneakt verstehen können? Diese Interpretation kann man in der Literatur lesen.3
    Papst em. Benedikt ist zugunsten seines eigenen Seelenfriedens und Seelenheils und zugunsten des Wohles und Heiles der Kirche aufgerufen, im hohen Alter sich klar und deutlich auszusprechen. Das betrifft die volle Wahrheit zu Fatima und zum Dritten Geheimnis und das betrifft alle Ungereimtheiten um Sr. Lucia. Es betrifft auch das Wüten des derzeitigen Papstes. Er ist aufgerufen, seinen Beitrag zu leisten, damit die Weihe Rußlands endlich durchgeführt und der Welt eine Zeit des Friedens geschenkt werden kann. Wenn das nicht geschieht – das mag man sich gar nicht ausdenken.
    *MMag. Wolfram Schrems, Wien, katholischer Theologe, Philosoph, Katechist

  3. Wer pauschal verurteilt differenziert eben gerade nicht!

    Ich bin keiner Monarchieliga, keiner Sedigruppe, keiner Bruderschaft, sondern alleine Gott gegenüber verpflichtet und dieser LIEBE GOTT will, dass wir wahrhaftig und gerecht sind!

    Pauschalverurteilungen sind mit der Gerechtigkeit UNVEREINBAR!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.