Rückblick: Bischof Athanasius Schneider über die Familiensynode


Das folgende Interview mit Msgr. Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese der Allerheiligsten Jungfrau Maria in Astana, Kasachstan, erschien in der polnischen Zeitschrift „Polonia Christiana“.

1.    Exzellenz, was ist Ihre Meinung zur jüngsten Synode über die Familie? Was ist deren Botschaft für die Familie?

Während der Synode gab es Augenblicke offensichtlicher Manipulation seitens einiger Prälaten, die Schlüsselpositionen in der Redaktion und Leitung der Synode einnahmen. Der Zwischenbericht (Relatio post disceptationem) war eindeutig ein vorgefertigter Text ohne Bezug zu den tatsächlichen Aussagen der Synodenväter. In den Abschnitten über Homosexualität, Sexualität und „wiederverheiratete Geschiedene“ und deren Zulassung zu den Sakramenten vertrat der Text eine radikale, neuheidnische Ideologie.

Das ist das erste Mal in der Kirchengeschichte, dass ein solcher heterodoxer Text als Dokument einer offiziellen Versammlung katholischer Bischöfe unter der Leitung eines Papstes veröffentlicht wurde, unbeschadet der Tatsache dass der Text nur einen vorläufigen Charakter besaß. Dank sei Gott und den Gebeten der Gläubigen auf der ganzen Welt, dass eine konsistente Anzahl von Synodenvätern diese Agenda entschlossen abgelehnt hat, die den korrupten und heidnischen Mainstream unserer Zeit widerspiegelt, der weltweit durch politischen Druck und durch die fast allmächtigen offiziellen Massenmedien durchgesetzt wird, die den Prinzipien der weltweiten Gender-Ideologie-Partei loyal sind.

Eine solches, wenn auch nur vorläufiges Synodendokument ist eine wirkliche Schande und ein Hinweis auf das Ausmaß, in dem der Geist der antichristlichen Welt in so wichtige Ebenen des Lebens der Kirche eingedrungen ist. Dieses Dokument wird für künftige Generationen und für die Historiker ein schwarzer Flecken sein, der die Ehre des Apostolischen Stuhls beschmutzt hat. Glücklicherweise ist die Schlussbotschaft der Synodenväter ein echt katholisches Dokument, das die göttliche Wahrheit über die Familie ausdrückt, ohne über die tieferen Wurzeln der Probleme zu schweigen, das heißt, über die Realität der Sünde. Es gibt wirklich Mut und Trost für katholische Familien.

Einige Zitate: „Wir denken an die vom Leben auferlegten Lasten und Leiden, die durch ein Kind mit besonderen Bedürfnissen entstehen kann, durch schwere Krankheit, durch die Schwierigkeiten des Alters oder durch den Tod eines geliebten Menschen. Wir bewundern die Treue so vieler Familien, die diese Leiden mit Mut, Glauben und Liebe ertragen. Sie sehen sie nicht als eine ihnen auferlegte Last, sondern als etwas, in dem sie sich selber geben und die Leiden Christi in der Schwachheit des Fleisches sehen. […] Die eheliche Liebe, die einzigartig und unauflöslich ist, hält trotz vieler Schwierigkeiten durch. Sie ist eines der schönsten und zugleich am weitesten verbreiteten Wunder. Diese Liebe breitet sich durch Fruchtbarkeit und Zeugung aus. Sie umfasst nicht nur die Zeugung von Kindern, sondern auch die Gabe des göttlichen Lebens in der Taufe, die religiöse Unterweisung und die Ausbildung der Kinder. […] Die Anwesenheit der Familie von Jesus, Maria und Joseph in deren bescheidenem Haus schwebt über euch“.

2.   Wer eine Änderung der kirchlichen Lehre zu moralischen Fragen (z.B. Zulassung „wiederverheirateter Geschiedener“ zur Heiligen Kommunion oder eine Form der Zulassung homosexueller Lebensgemeinschaften) erwartet hat, wurde wahrscheinlich durch die Schluss-Relatio enttäuscht. Existiert aber nicht die Gefahr, dass eine Infragestellung und Diskussion von Dingen, die für die Lehre der Kirche grundlegend sind, zukünftig die Türen für schwere Missbräuche und für ähnliche Versuche einer Revision der kirchlichen Lehre öffnen können?

Ein göttliches Gebot, in unserem Fall das sechste Gebot, die absolute Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe, ein von Gott bestimmte Regel, bedeutet, dass jene, die sich im Zustand schwerer Sünde befinden, nicht zur Heiligen Kommunion zugelassen werden können. Das wird durch den heiligen Paulus in seinem durch den Heiligen Geist inspirierten Brief in 1. Korinther 11,27-30 gelehrt. Darüber kann man nicht abstimmen, so wie man niemals über die Gottheit Christi abstimmen könnte.

Eine Person, die in einem unauflöslichen sakramentalen Eheband lebt und ungeachtet dessen eine dauerhafte eheähnliche Lebensgemeinschaft mit einer anderen Person unterhält, ist durch göttliches Gesetz vom Empfang der Heiligen Kommunion ausgeschlossen. Diese Person durch eine öffentliche kirchliche Erklärung zuzulassen, würde auf verwerfliche Weise eine Leugnung der Unauflöslichkeit der christlichen Ehe legitimieren und gleichzeitig das sechste Gebot Gottes leugnen: „Du sollst  nicht ehebrechen“.

Keine menschliche Institution, nicht einmal der Papst oder ein Konzil, besitzen die Autorität und Kompetenz, eines der zehn Gebote oder die göttlichen Worte Christi auf irgendeine, auch nicht geringe oder indirekte Weise aufzuheben: „Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen“ (Math 19,6). Ungeachtet dieser leuchtenden Wahrheit, die immer und gleichbleibend –– weil unveränderlich – durch alle Zeiten vom kirchlichen Lehramt bis in unsere Tage, zum Beispiel in „Familiaris consortio“ von Johannes Paul II, im Katechismus der Katholischen Kirche und von Papst Benedikt XVI. gelehrt wurde, hat man auf der Synode über die Frage der Zulassung sogenannt „wiederverheirateter Geschiedener“ zur Heiligen Kommunion abgestimmt. Diese Tatsache ist schwerwiegend und verrät eine Haltung der klerikalen Arroganz gegenüber der göttlichen Wahrheit des Wortes Gottes. Der Versuch, über die göttliche Wahrheit und über das göttliche Wort abzustimmen, ist jener unwürdig, die als Vertreter des Lehramtes das Depositum fidei als gute und treue Verwalter (vgl. Math 24,45) eifrig weitergeben müssen.

Durch die Zulassung „wiederverheirateter Geschiedener“ zur Heiligen Kommunion etablieren diese Bischöfe nach eigenem Gutdünken eine neue Tradition und übertreten damit das Gebot Gottes. Christus hat die Pharisäer und Schriftgelehrten deswegen einmal getadelt (vgl. Mt 15,3). Noch schwerwiegender ist die Tatsache, dass diese Bischöfe versuchen, ihre Untreue gegenüber dem Worte Christi durch Argumente wie „pastorale Notwendigkeit“, „Barmherzigkeit“, „Offenheit für den Heiligen Geist“ zu legitimieren. Außerdem haben sie keine Angst und keine Skrupel, die  wahre Bedeutung dieser Wörter in einem gnostischen Sinn zu entstellen, indem sie zugleich jene, die ihnen widerstehen und die unveränderlichen göttlichen Gebote und die nicht vom Menschen gemachte Tradition verteidigen, als starr, skrupelhaft oder traditionalistisch etikettieren. Während der großen arianischen Krise des 4. Jahrhunderts wurden die Verteidiger der Gottheit des Gottessohnes auch als „unnachgiebig“ oder als „Traditionalisten“ bezeichnet. Der heilige Athanasius wurde  sogar  von Papst Liberius exkommuniziert. Liberius begründete das mit dem  Argument, dass Athanasius mit den orientalischen Bischöfen, die meist Ketzer oder Halbketzer waren, nicht in Gemeinschaft war. Basilius der Große erklärte in dieser Situation folgendes: „Nur eine Sünde wird heute hart bestraft: die aufmerksame Beachtung der Überlieferungen unserer Väter. Aus diesem Grund werden die Guten aus ihren Positionen verdrängt und in die Wüste geschickt“ (Ep. 243).

Die Bischöfe, welche die heilige Kommunion für „wiederverheiratete Geschiedene“ befürworten, sind die neuen Pharisäer und Schriftgelehrten, weil sie das Gebot Gottes vernachlässigen. Sie fördern die Tatsache, dass aus dem Leib und dem Herzen der „wiederverheirateten Geschiedenen“ noch mehr „Ehebruch hervorgeht“ (Mt 15,19), weil sie eine äußerlich „saubere“ Lösung wollen und in den Augen derer, welche die Macht haben (die Massenmedien, die öffentliche Meinung), „sauber“ dastehen wollen. Wenn sie allerdings vor dem Richterstuhl Christi erscheinen, werden sie sicherlich zu ihrer Bestürzung diese Worte Christi hören: „Was zählst du meine Satzungen auf, was redest du von meinem Bund, da du doch Zucht hasst und meine Worte hinter dich wirfst? … mit Ehebrechern hältst du Gemeinschaft“ (Ps 50/49,16-18).

Der Schlussbericht der Synode enthält leider auch den Absatz mit der Abstimmung über eine Zulassung „wiederverheirateter Geschiedener“ zur Heiligen Kommunion. Auch wenn er die erforderlichen zwei Drittel der Stimmen nicht erreichte, bleibt die Sorge und erstaunliche Tatsache, dass die absolute Mehrheit der anwesenden Bischöfe zugunsten einer  Zulassung „wiederverheirateter Geschiedener“ zur Heiligen Kommunion abgestimmt hat, ein trauriges Spiegelbild der geistlichen Qualität des katholischen Episkopats in unseren Tagen. Darüber hinaus ist traurig, dass dieser Absatz, der die erforderliche qualitative Mehrheit nicht erreichte, in der Schluss-Relatio verblieben ist und für eine weitere Diskussion an alle Diözesen gesendet wird. Das wird die dogmatische Verwirrung bei  Priestern und Gläubigen sicherlich nur erhöhen, weil in der Luft ist, dass göttliche Gebote und die göttlichen Worte Christi und des Apostels Paulus menschlicher Entscheidungsfindung unterworfen werden. Ein Kardinal, der offen und nachdrücklich eine Zulassung „wiederverheirateter  Geschiedener“ zur Heiligen Kommunion und sogar die schändlichen Aussagen des Zwischenberichtes über homosexuelle „Paare“ unterstützte, zeigte sich mit dem Schlussbericht unzufrieden und erklärte frech: „Das Glas ist halb voll“ und im Bild bleibend meinte er, dass man daran arbeiten müsse, damit das Glas im nächsten Jahr auf der Synode ganz voll sei. Wir müssen aber fest glauben, dass Gott die Pläne der Unehrlichkeit, der Untreue und des Verrats zunichte machen wird. Christus hält unfehlbar das Ruder des Bootes seiner Kirche inmitten eines so großen Sturms. Wir glauben und vertrauen dem wahrhaftigen Herrscher der Kirche, unserem Herrn Jesus Christus, der die Wahrheit ist.

3.   Wir erleben derzeit eine massive Aggression gegen die Familie. Diese Aggression wird im Bereich der Wissenschaft von  einer enormen Verwirrung bezüglich des Menschen und der menschlichen Identität begleitet. Leider gibt es Vertreter der kirchlichen Hierarchie, die bei der Erörterung dieser Fragen Meinungen äußern, die der Lehre des Herrn widersprechen. Wie sollen wir mit den Menschen, die Opfer dieser Verwirrung werden, sprechen, um ihren Glauben zu stärken  und sie zum Heil zu führen?

In dieser außerordentlich schwierigen Zeit reinigt Christus unseren katholischen Glauben, damit die Kirche durch diese Prüfung heller leuchte und wirklich Licht und Salz für die fade neuheidnischen Welt sei dank der Treue und dem reinen, einfachen Glauben zunächst der Gläubigen, der Kleinen in der Kirche, der „Ecclesia docta“ (der lernenden Kirche), die in unseren Tagen die „Ecclesia docens“ stärken wird (die lehrende Kirche,  das heißt, das Lehramt) so wie während der großen Glaubenskrise im vierten Jahrhundert, zu welcher der selige Kardinal John Henry Newman schreibt: „Das ist eine sehr bemerkenswerte Tatsache, die aber eine Moral enthält. Vielleicht wurde sie zugelassen, um der Kirche, die genau in dieser Zeit aus ihrem Zustand der Verfolgung hervorkam, die große Lehre des Evangeliums einzuprägen, dass nicht die Weisen und Mächtigen, sondern die Unbedeutenden, die Ungelernten und die Schwachen die wahre Stärke der Kirche darstellen. Das Heidentum wurde vor allem von den einfachen Gläubigen gestürzt. Die Gläubigen haben unter der Leitung des Athanasius und der ägyptischen Bischöfe, und an einigen Orten unterstützt von ihren Bischöfen und Priestern, den schlimmsten Häresien widerstanden und sie aus dem heiligen Bereich ausgemerzt. … In dieser Zeit der immensen Verwirrung wurde das Dogma der Göttlichkeit unseres Herrn verkündet, durchgesetzt, bewahrt. Menschlich gesprochen wurde sie weit mehr von der „Ecclesia docta“ als von der „Ecclesia docens“ bewahrt. Die Gesamtheit der Bischöfe war ihrer Aufgabe untreu geworden, während die Gesamtheit der Laien treu zur Taufe stand. Bald erklärte der Papst, bald ein Patriarch, ein Metropolit oder sonst ein wichtiger Bischof oder ein Generalkonzil, was man nicht hätte sagen sollen, oder sie taten, was die offenbarte Wahrheit verdunkelte und kompromittierte. Auf der anderen Seite war das christliche Volk unter der Leitung der Vorsehung die kirchliche Stärke eines Athanasius, Hilarius, Eusebius von Vercelli und anderer großer und einsamer Bekenner, die ohne die Gläubigen  gescheitert wären“ (Arianer des vierten Jahrhunderts, 466).

Wir müssen gewöhnliche Katholiken ermutigen, dem gelernten Katechismus, den klaren Worten Christi im Evangelium und dem ihnen überlieferten Glauben ihrer Väter und Vorväter treu zu bleiben. Wir müssen Studienzirkel und Vorträge über die beständige Lehre der Kirche zu Fragen der Ehe und Keuschheit organisieren und dazu vor allem junge Menschen und Ehepaare einladen. Wir müssen die große Schönheit eines Lebens in Keuschheit, die große Schönheit der christlichen Ehe und Familie, den großen Wert des Kreuzes und des Opfers in unserem Leben aufzeigen. Wir müssen das Beispiel der Heiligen sowie beispielhafter Personen darstellen, die zeigten, dass sie, obwohl sie die gleichen Versuchungen des Fleisches, die gleiche Feindseligkeit und den gleichen Spott der heidnischen Welt erlitten, dennoch mit der Gnade Christi ein glückliches Leben in Keuschheit, in einer christlichen Ehe oder in der Familie führten. Der Glaube, der reine und integrale katholische und apostolische Glauben, wird die Welt überwinden (vgl 1. Joh 5,4).

Wir müssen Gruppen von Jugendlichen mit reinen Herzen,  Familiengruppen und Gruppen katholischer Ehepaare, die ihren Eheversprechen verpflichtet sind, gründen und fördern. Wir müssen Kreise organisieren, die zerbrochenen Familien und alleinerziehenden Müttern moralisch und materiell helfen, Gruppen, die mit Gebet und Rat getrennte Paare unterstützen, Gruppen und Personen, die „wiederverheirateten Geschiedenen“ helfen, einen Prozess der ernsthaften Umkehr zu ermöglichen, indem sie in Demut ihre sündhafte Lage erkennen und mit der Gnade Gottes die Sünden verlassen, die das Gebot Gottes und die Heiligkeit des Sakraments der Ehe verletzen. Wir müssen Gruppen schaffen, die Personen mit homosexuellen Tendenzen sorgsam unterstützen, den Pfad der christlichen Bekehrung zu gehen, den glücklichen und schönen Pfad eines keuschen Lebens und ihnen  schließlich in diskreter Weise eine psychologische Heilung anbieten. Wir müssen unseren Zeitgenossen in der neuheidnischen Welt die befreiende Gute Nachricht der Lehre Jesu Christi vor Augen führen und predigen, dass das Gebot Gottes, auch das sechste Gebot, weise und schön ist: „Das Gesetz des Herrn ist vollkommen. Es erquickt die Seele: das Zeugnis des Herrn  ist zuverlässig.  Es macht  den  Einfältigen weise. Die  Satzung des Herrn sind richtig, sie erfreuen das Herz: das Gebot des Herrn ist lauter, es erleuchtet die Augen „(Ps 19/18,7-8).

4.   Während der Synode, bemängelten Erzbischof Gądecki von Posen und einigen andere bedeutende Prälaten öffentlich, dass die Ergebnisse der Diskussionen von der immerwährenden Lehre der Kirche abwichen. Gibt es eine Hoffnung, dass es inmitten dieser Verwirrung ein Erwachen der Mitglieder des Klerus und jener Gläubigen geben wird, die sich bisher nicht bewusst waren, dass es  im Inneren der Kirche Leute gibt, welche die Lehre des Herrn untergraben?

Es gereicht dem polnischen Katholizismus sicherlich zur Ehre, dass der Präsident des katholischen Episkopats, Seine Exzellenz Erzbischof Gądecki mit Klarheit und Mut die Wahrheit Christi über die Ehe und die menschliche Sexualität verteidigt hat. Dadurch offenbarte er sich als ein wahrer geistlicher Sohn von Johannes Paul II. Kardinal George Pell bezeichnete die liberale Sex-Agenda und die angebliche barmherzig und seelsorgerische Forderung nach einer Zulassung „wiederverheirateter Geschiedener“ zur heiligen Kommunion während der Synode sehr treffend als Spitze des Eisbergs und eine Art Trojanisches Pferd in der Kirche.

Dass es mitten im Schoß der Kirche Leute gibt, welche die Lehre des Herrn untergraben, wurde für die ganze Welt dank des Internets und der Arbeit einiger katholischer Journalisten offensichtlich, denen nicht gleichgültig war, was mit dem katholischen Glauben geschieht, der für sie ein Schatz Christi ist. Ich war erfreut, dass einige katholische Journalisten und Internet-Blogger sich als gute Soldaten Christi benahmen und die öffentliche Aufmerksamkeit auf die klerikale Agenda einer Unterminierung der beständigen Lehre unseres Herrn hinlenkten. Kardinäle, Bischöfe, Priester, katholische Familien, katholische Jugendliche müssen klar sagen: Ich weigere mich, mich dem neuheidnischen Geist dieser Welt anzupassen, auch wenn dieser Geist von einigen Bischöfen und Kardinälen verbreitet wird. Ich werde deren trügerische und abwegige Instrumentalisierung der heiligen Barmherzigkeit Gottes und deren Behauptung eines „neuen Pfingsten“ nicht akzeptieren. Ich weigere mich, die Statue des Götzen der Gender-Ideologie, der Zweitehe und des Konkubinat zu beweihräuchern. Auch wenn mein Bischof das machen würde, ich werde es nicht tun. Mit der Gnade Gottes werde ich lieber leiden als die ganze Wahrheit Christi über die menschliche Sexualität und die Ehe zu verraten.

Die Zeugen werden die Welt überzeugen, nicht die Lehrer, sagt Paul VI. in „Evangelii nuntiandi„. Die Kirche und die Welt brauchen dringend unerschrockene und ehrliche Zeugen der ganzen Wahrheit der Gebote und des Willens Gottes und der ganzen Wahrheit der Worte Christi über die Ehe. Moderne klerikale Pharisäer und Schriftgelehrte, jene Bischöfe und Kardinäle, welche die neuheidnischen Götzen der Gender-Ideologie und des Konkubinats beweihräuchern, werden niemanden   überzeugen, an Christus zu glauben oder bereit zu sein, das Leben für  Christus hinzugeben. Es ist tatsächlich so: „Veritas Domini manet in aeternum“ (Ps 116: „Die Wahrheit des Herrn bleibt auf ewig“) und „Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“ (Hebr 13,8) und „die Wahrheit wird euch frei machen“ (Joh 8,32). Dieser letzte Satz war eines der Lieblings-Bibelzitate von Johannes Paul II., des Papstes der Familie. Wir können hinzufügen: Die geoffenbarte und unveränderlich überlieferte göttliche Wahrheit über die menschliche Sexualität und die Ehe wird den Seelen innerhalb und außerhalb der Kirche wahre Freiheit zu bringen. Inmitten einer Krise der Kirche und des schlechten moralischen und dogmatischen Beispiels einiger Bischöfe seiner Zeit tröstete der heilige Augustinus die einfachen Gläubigen mit den Worten: „Was auch immer wir Bischöfe sein mögen, Ihr seid sicher, die ihr Gott zum Vater und seine Kirche zur Mutter habt“ (Contra litteras Petiliani III, 9, 10).

+ Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese der Allerheiligsten Jungfrau Maria zu Astana, Kasachstan.

 

Dieses Interview wurde im Magazin “Polonia Christiana” publiziert. Die Fragen stelle Frau Dr. Isabella Parowicz. Die deutsche Übersetzung wurde von Bischof Schneider durchgesehen.

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Quelle

3 Kommentare zu “Rückblick: Bischof Athanasius Schneider über die Familiensynode

  1. „Dieses Dokument wird für künftige Generationen und für die Historiker ein schwarzer Flecken sein, der die Ehre des Apostolischen Stuhls beschmutzt hat.“

    Dieses Dokument [Amoris laetitia] muß jetzt – nicht erst künftige Generationen – aufhorchen lassen, dass dies nicht von und aus der katholischen Kirche stammt und damit auch nicht den „Apostolischen Stuhl“ beschmutzen kann.

    Viel wichtiger wäre zuerst zu untersuchen, ob es überhaupt „heilige Kommunionen“ bei diesen ungültigen Messen gibt. Also zuerst die DOGMATIK, dann die Moral!

    Was würde nun ein heiliger Athanasius tun? Was würde er mit einem Kardinal tun, der einerseits bekräftigt, dass keine Macht im Himmel und auf Erden das Ehesakrament ändern kann, weder ein Engel noch ein Papst, andererseits eine Erklärung abgibt, warum „Amoris laetitia“ in Bezug auf das Gewissen auch orthodox verstanden werden kann? Wenn jemand seine zweite Verbindung als reale Ehe vor Gott ansieht, kann dann ohne Verlassen dieser falschen Verbindung gelten, was der Kardinal sagt: „Die hier auftretende Spannung zwischen dem öffentlich-objektiven Status der ,zweiten‘ Ehe und der subjektiven Schuld kann möglicherweise unter den gegebenen Voraussetzungen den Weg zur heiligen Kommunion über die seelsorgerliche Beratung im ,Forum internum‘ und dem Bußsakrament eröffnen“? Der Empfang des Bußsakramentes setzt die Beendigung des Verhältnisses voraus.

  2. https://gloria.tv/article/vqxhRuguDahE2SLdDxFyrVThs
    Drei kasachische Bischöfe bieten Papst Franziskus die Stirn

    Die Anerkennung einer zweiten Verbindung „stellt eine wesentliche Veränderung der zweitausendjährigen sakramentalen Disziplin und Lehre der Kirche dar.“

    Die Bischöfe zitieren Aussagen von den Kirchenvätern bis zu den jüngeren Päpsten, die einstimmig feststellen, dass eine zweite Verbindung niemals legitim ist (http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/2018/01/bischof-athanasius-schneider-und.html)

    Das Fazit der drei Bischöfe lautet: „Es ist nicht zulässig, durch eine sakramentale Disziplin, welche sogenannte ‚geschiedene Wiederverheirateten‘ zur Kommunion zulässt, die Scheidung oder eine nicht-eheliche stabile sexuelle Beziehung direkt oder indirekt zu rechtfertigen, zu billigen oder zu legitimieren. Es handelt sich in diesem Fall um eine Disziplin, die der ganzen Traditionen des katholischen und apostolischen Glaubens fremd ist.“

    Das Fazit lautet vielmehr:
    Diese drei Bischöfe erheben sich über ihren Papst, widersprechen ihm und handeln somit direkt gegen das authentische Lehramt.
    Die Acta Apostolicae Sedis, das Amtsblatt des Heiligen Stuhls, veröffentlichte die Interpretation von Amoris Laetitia durch Papst Franziskus und erklärte Amoris Laetitia als „authentisches Lehramt“. Basta. Rom hat gesprochen – der Fall ist erledigt!

    Deswegen haben sich diese drei Bischöfe ihrem Papst im kindlichen Gehorsam zu fügen, denn sie erkennen alle Konzilspäpste als wahre Päpste der Katholischen Kirche an.
    Bischof Athanasius Schneider und die anderen zwei Bischöfe aus Kasachstan beziehen sich in ihrem Schreiben ja ganz treu auf die Lehrschreiben der Konzilspäpste und dem II. Vatikanischen Konzil:

    Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen gentium, 11
    vgl. Gaudium et spes, 47
    Gaudium et spes, 43
    Zweites Vatikanisches Konzil, Sacrosanctum Concilium, 59
    Katechismus der Katholischen Kirche, 1125
    Paul VI, Homilie vom 28. Oktober 1965
    Paul VI., Enzyklika Humanae Vitae, 29
    Johannes Paul II., Apostolische Exhortation Familiaris consortio, 33 ( drei Mal)
    Johannes Paul II., Apostolische Exhortation Reconciliatio et paenitentia, 34
    Johannes Paul II., Enzyklika Veritatis splendor, 96 ( zwei Mal)
    Päpstlicher Rat für die Gesetzestexte, Erklärung über die Zulassung der widerverheirateten Geschiedenen zur Heiligen Kommunion, 24. Juni 2000, n. 5
    vgl. Lumen gentium, 23
    Johannes Paul II., Apostolische Exhortation Reconciliatio et paenitentia, 17

    Sie beziehen sich ausdrücklich auf ihren Papst Johannes Paul II. – dem Heiligen und der Gültigkeit seiner Lehre und betonen, dass die nachfolgende Warnung von Johannes Paul II. aktuell und gültig bleibt:

    “Die Verwirrung, die in den Gewissen vieler Gläubigen durch unterschiedliche Meinungen und Lehren in Theologie, Verkündigung, Katechese und geistlicher Führung zu schwerwiegenden und heiklen Fragen der christlichen Moral geschaffen worden ist, führt auch dazu, das echte Sündenbewusstsein zu mindern und nahezu auszulöschen” (Apostolische Exhortation Reconciliatio et paenitenia, 18).

    Diese drei Bischöfe richten sich nicht mehr nach dem, was die wahren Päpste VOR dem Konzil verkündeten:

    Papst Pius IX., Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Pastor aeternus, Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes, 18. Juli 1870, Kapitel 3, 14: „Ist aber vom Heiligen Stuhl, dessen Autorität die höchste ist, ein richterlicher Spruch ergangen, hat kein Mensch das Recht, diesen noch einmal zur Verhandlung zu stellen oder sich als Richter darüber aufzuwerfen.“

    „Die Kirche ist in ihrer allgemeinen Disziplin unfehlbar… Wenn die Kirche in ihrer Disziplin etwas gegen den Glauben und die Moral, oder etwas, das zum Nachteil der Kirche oder zum Schaden der Gläubigen neigte, in ihrer Disziplin vorschreiben oder befehlen oder tolerieren würde, so würde sie sich von ihrer göttlichen Mission abwenden. Das wäre unmöglich.“(Jean Herrmann, Institutiones Theologiae Dogmaticae , Bd. 1 , 1908, S. 258)

    Es ist also nicht erlaubt (und war zu keiner Zeit erlaubt) nach einem erfolgten authentischen Lehrschreiben wie „Amoris Laetitia“ Zweifel bezüglich des lehramtlichen Inhaltes anzumelden. Das aber tun diese drei Bischöfe!
    Wenn ein Papst der Kirche ein Lehrschreiben vorlegt, handelt er von diesem Augenblick an als Oberster Hirte, der im Glauben niemals irren kann.

    Papst Pius IX., I. Vaticanum, Sess. III, Kapitel 3, ex cathedra: “Mit diesem göttlichen und katholischen Glauben muss man nun an all dem festhalten, was das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes enthält und die Kirche als von Gott geoffenbart zu glauben vorstellt, – sei es in feierlichem Lehrentscheid, sei es in Ausübung ihres gewöhnlichen allgemeinen Lehramtes.”

    Das alles also im Hinblick auf die Position der drei Bischöfe: Sie anerkennen sämtliche „Päpste“ nach dem Konzil als wahre Nachfolger des heiligen Petrus und Oberhäupter der Katholischen Kirche, unterwerfen sich ihnen aber nicht!

  3. Diese drei Bischöfe aus Kasachstan setzen sich auch über ihren Papst Benedikt XVI. hinweg, der schon vor fast sieben Jahren auf die Frage der Unauflöslichkeit der Ehe feststellte:
    http://www.pathsoflove.com/texts/ratzinger-indissolubility-marriage/

    „…aber es bleibt auch wahr, dass – um mit Origenes zu sprechen – im Gegensatz zu dem, was geschrieben steht und doch nicht ganz sinnlos ist können begrenzte Notlösungen in der konkreten pastoralen Praxis nicht völlig ausgeschlossen werden..
    Mit anderen Worten: Die Kirche kann keinesfalls das eine oder das andere wählen. Es kann an sich nur leben und lehren gemäß der Lehre des Evangeliums und des Apostels. Aber es kann die Grenzfälle nicht völlig ausschließen, um schlimmere Dinge zu vermeiden…“

    „Sie kann nicht aufhören den Glauben des Neuen Bundes zu predigen, aber sie muss oft genug ein konkretes Leben ein wenig unterhalb der Schwelle des biblischen Wortes beginnen. So kann sie in klaren Notsituationen begrenzte Ausnahmen zulassen, um Schlimmeres zu vermeiden.“

    „Dabei stellt sich jedoch die praktische Frage, ob wir in der heutigen Kirche eine solche Notsituation benennen können und eine Ausnahme beschreiben, die diese Kriterien erfüllt. Ich möchte mit aller gebotenen Vorsicht versuchen, einen konkreten Vorschlag zu formulieren, der in diesem Bereich zu liegen scheint. Wo eine Ehe vor langer Zeit und auf gegenseitig nicht wiedergutzumachende Weise zerbrach, und wo umgekehrt eine dadurch eingegangene Ehe sich als moralische Wirklichkeit über längere Zeit bewährt hat und besonders vom Geist des Glaubens erfüllt ist in der Erziehung der Kinder (damit die Zerstörung dieser zweiten Ehe eine moralische Größe zerstören und moralischen Schaden verursachen würde), sollte die Möglichkeit in einer außergerichtlichen Weise gewährt werden, basierend auf dem Zeugnis des Priesters und der Kirchenmitglieder, für die Aufnahme der Gemeinschaft in einer solchen zweiten Ehe. Eine solche Vereinbarung scheint mir aus zwei Gründen in Übereinstimmung mit der Tradition zu sein..“

    „Wenn in der zweiten Ehe moralische Verpflichtungen gegenüber den Kindern, gegenüber der Familie und so auch gegenüber der Frau entstanden sind und keine ähnlichen Verpflichtungen aus der ersten Ehe bestehen, und wenn aus moralischen Gründen die Aufgabe der zweiten Ehe unzulässig ist (!!!) und Abstinenz praktisch keine reale Möglichkeit darstellt (!!!)..“

    „..b) Das Erfordernis, dass sich eine zweite Ehe lange Zeit als moralische Größe bewährt habe und im Geiste des Glaubens gelebt worden sei, entspricht jener Art von Nachsicht, die in Basilius spürbar ist, wo nach langer Buße die Kommunion gewährt wird zum „Digamus“ (= derjenige, der in einer zweiten Ehe lebt), ohne die zweite Ehe zu beenden: im Vertrauen auf die Gnade Gottes, der die Buße nicht unbeantwortet lässt..“
    War also alles schon da unter dem Himmel der Konzilssekte! Was regt ihr euch auf?

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