Kardinal Burke spricht die „Dubia“ ein Jahr nach ihrer Veröffentlichung an – Fortsetzung und Schluss

Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

Hat der Papst nicht deutlich gemacht, wo er mit seinem Brief an die argentinischen Bischöfe steht, in dem er sagte, es gebe „keine andere Interpretation“ als die Richtlinien, die jene Bischöfe veröffentlicht haben – Richtlinien, die die Möglichkeit offen ließen, dass einige sexuell aktive unverheiratete Paare die Heilige Kommunion empfangen könnten?

(Einschub von mir [POS]:) Siehe hierzu diesen Artikel aus ACIPRENSA

Im Gegensatz zu dem, was einige behauptet haben, können wir den Brief des Papstes an die Bischöfe der Region Buenos Aires, der kurz vor dem Empfang der Dubia geschrieben wurde und die Kommentare zu den pastoralen Richtlinien der Bischöfe enthält, nicht als angemessene Antwort auf die gestellten Fragen betrachten. Einerseits können diese Richtlinien auf unterschiedliche Weise interpretiert werden; andererseits ist nicht klar, ob dieser Brief ein lehramtlicher Text ist, mit dem der Papst zur weltumfassenden Kirche als Nachfolger Petri sprechen wollte. Die Tatsache, dass der Brief zuerst bekannt wurde, weil er der Presse zugespielt worden war – und erst später vom Heiligen Stuhl veröffentlicht wurde – wirft einen berechtigten Zweifel an der Absicht des Heiligen Vaters auf, ihn an die universale Kirche zu richten. Darüber hinaus würde es sich als ziemlich erstaunlich herausstellen – und im Gegensatz zu dem explizit formulierten Wunsch von Papst Franziskus, die konkrete Anwendung von Amoris Laetitia den Bischöfen jedes Landes zu überlassen (Amoris Laetitia, 3) – dass er nun der ganzen universalen Kirche auferlegen wollte, was nur die konkreten Anweisungen für eine bestimmte Region sein können. Und sollten nicht die verschiedenen Dispositionen, die von verschiedenen Bischöfen in ihren Diözesen von Philadelphia bis Malta verkündet wurden, alle als ungültig angesehen werden? Eine Lehre, die hinsichtlich ihrer Autorität und ihres wirksamen Inhalts nicht hinreichend bestimmt ist, kann die Klarheit der ständigen Lehre der Kirche, die ohnehin immer normativ bleibt, nicht in Frage stellen.

Machen Sie sich auch Sorgen darüber, dass einige Bischofskonferenzen es gewissen wiederverheirateten Geschiedenen, die more uxorio (in sexuellen Beziehungen) leben, gestatten, die heilige Kommunion ohne festen Bekehrungswillen zu empfangen, die damit der früheren päpstlichen Lehre widersprechen, insbesondere der apostolischen Exhortation von Papst Johannes Paul II. in  Familiaris Consortio?

Ja, die Dubia oder Fragen bleiben offen. Diejenigen, die behaupten, dass die Disziplin, die von Familiaris Consortio 84 gelehrt wird, sich geändert habe, widersprechen einander, wenn es darum geht, die Gründe und die Konsequenzen zu erklären. Einige gehen sogar so weit zu sagen, dass die in einer neuen Vereinigung Geschiedenen, die weiter more uxorio leben, sich nicht in einem objektiven Zustand der Todsünde befinden (mit Zitat zur Unterstützung aus Amoris Laetitia, 303); andere leugnen diese Interpretation (mit Zitat zur Unterstützung aus Amoris Laetitia, 305), überlassen es aber ganz dem Gewissensurteil, die Kriterien für den Zugang zu den Sakramenten zu bestimmen. Es scheint, dass das Ziel der Dolmetscher darin besteht, in irgendeiner Weise zu einer Änderung der Disziplin zu gelangen, während die Gründe, die sie zu diesem Zweck anführen, keine Rolle spielen, und sie zeigen auch keine Bedenken darüber, wie sehr sie wesentliche Teile des Glaubensgutes in Gefahr bringen.

Welche greifbare Wirkung hat dieses Interpretations-Durcheinander gehabt?

Diese hermeneutische Verwirrung hat bereits zu einem traurigen Ergebnis geführt. In der Tat hat die Zweideutigkeit bezüglich eines konkreten Punktes der Familien-Pastoral einige dazu geführt, einen Paradigmawechsel in Bezug auf die gesamte moralische Praxis der Kirche vorzuschlagen, deren Grundlagen von Johannes Paul II. In seiner Enzyklika Veritatis Splendor autoritativ gelehrt wurden.

In der Tat ist ein Prozess in Gang gesetzt worden, der wesentliche Teile der Tradition umstößt. Was die christliche Moral betrifft, so behaupten einige, dass absolute moralische Normen relativiert werden müssten und dass ein subjektives, auf sich selbst bezogenes Gewissen einen – letztlich zweideutigen – Vorrang in Angelegenheiten haben muss, die die Moral berühren. Was also auf dem Spiel steht, ist nichts Geringeres als das Kerygma oder die grundlegenden Botschaft des Evangeliums. Wir sprechen davon, ob die Begegnung eines Menschen mit Christus durch die Gnade Gottes dem Pfad des christlichen Lebens Gestalt geben kann, damit er mit dem weisen Plan des Schöpfers in Einklang steht. Um zu verstehen, wie weitreichend diese vorgeschlagenen Änderungen sind, genügt es, darüber nachzudenken, was geschehen würde, wenn diese Argumentation auf andere Fälle angewendet würde, wie die eines Arztes, der Abtreibungen durchführt, eines Politikers, der einem Korruptionsring angehört, von einer leidenden Person, die beschließt, einen Antrag auf Beihilfe zum Selbstmord zu stellen …

Einige haben gesagt, die schädlichste Wirkung von all dem sei, dass es einen Angriff auf die Sakramente und die Moral-Lehre der Kirche darstelle. Wie ist das so?

Über die moralische Debatte hinaus erodiert der Sinn der kirchlichen sakramentalen Praxis zunehmend in der Kirche, besonders wenn es um die Sakramente der Buße und der Eucharistie geht. Das entscheidende Kriterium für die Zulassung zu den Sakramenten war immer die Kohärenz der Lebensweise einer Person mit den Lehren Jesu. Wenn stattdessen das entscheidende Kriterium nun das Fehlen einer subjektiven Schuld eines Menschen werden würde – wie einige Ausleger von Amoris Laetitia vorgeschlagen haben – würde dies nicht das Wesen der Sakramente verändern? In der Tat sind die Sakramente keine privaten Begegnungen mit Gott, noch sind sie Mittel der sozialen Integration in eine Gemeinschaft. Vielmehr sind sie sichtbare und wirksame Zeichen unserer Eingliederung in Christus und seine Kirche, in und durch die sich die Kirche öffentlich bekennt und ihren Glauben in die Tat umsetzt. Würde man also die subjektiv verminderte Schuld oder Schuldlosigkeit eines Menschen in das entscheidende Kriterium für die Zulassung der Sakramente verwandeln, so würde man die regula fidei, die Glaubensregel, gefährden, die die Sakramente nicht nur durch Worte verkünden und auslösen, sondern auch durch sichtbare Gesten. Wie könnte die Kirche weiterhin das universale Sakrament des Heils sein, wenn die Bedeutung der Sakramente von ihrem Inhalt entleert werden sollte?

Trotz Ihnen und vielen anderen, einschließlich mehr als 250 Akademikern und Priestern, die eine filial correction unterschrieben haben, haben Sie sehr ernsthafte Bedenken gegenüber den Auswirkungen dieser Passagen in Amoris Laetitia, und weil Sie bisher keine Antwort vom Heiligen Vater erhalten haben, machen Sie hier einen letzten Anpell an ihn?

Ja, aus diesen schwerwiegenden Gründen wende ich mich ein Jahr nach der Veröffentlichung der Dubia erneut an den Heiligen Vater und an die ganze Kirche und betone, wie dringend es ist, dass der Papst bei der Ausübung des Dienstes, den er vom Herrn erhalten hat, seine Brüder im Glauben bestärken sollte mit einer klaren Formulierung der Lehre sowohl über die christliche Moral als auch über die Bedeutung der sakramentalen Praxis der Kirche.

_______

Quelle

Ein Kommentar zu “Kardinal Burke spricht die „Dubia“ ein Jahr nach ihrer Veröffentlichung an – Fortsetzung und Schluss

  1. Pingback: Kardinal Janis Pujats, Lettland, fordert eine „Klarstellung“ von Amoris Laetitia: „Die dem Text zugrunde liegende Mentalität ist zu liberal“ | POSchenker

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.