VON DER ZAHL DER AUSERWÄHLTEN – 05

von José Ricart Torrens, Barcelona

Aus dem Französischen übersetzt von Prinziessin Maria-Christina von Habsburg

(5. Folge)

V. – ES IST BESSER, NUR VON DER LIEBE ZU PREDIGEN UND SIE ZU LEHREN, STATT DIE EWIGEN WAHRHEITEN DER SÜNDE UND DER HÖLLE ZU VERKÜNDEN.

Die christliche Lehre ist gänzlich auf die Liebe ausgerichtet. „Der Mensch wurde erschaffen“ infolge eines Gedankens der Liebe, mit dem endgütligen Zwecke, sich an Gott in einer Ek­stase der Erkennung und Liebe zu erfreuen. Gott hat ihn auf diese Erde gesetzt, damit er sich dieses Ziel durch die Liebe verdiene. („Wenn Mich jemand liebt, hält er Meine Gebote“). Nach der Erbsünde hat „Gott den Menschen dermaßen geliebt, dass Er ihm Seinen Eingeborenen Sohn gab“.

Man muss mit Liebe und Bewunderung die Menschwerdung — das Liebeswerk, das verborgene und öffentliche Leben Jesu, die Eucharistie und die Passion betrachten, die jegliche Liebe übertreffen; Er gab uns Seine Mutter; betrachten wir Seine Auf­erstehung, Seine Sakramente, Seine Kirche. Die Gaben des Heiligen Geistes kommen von Seinem Herzen… Wenn wir auf dieser Erde treu sind, beginnen wir ein Leben der Liebe in Er­wartung des ewigen Genusses der unendlichen Liebe.

Aber gerade um die göttliche Liebe verstehen zu können, muss man die Sünde hassen und auch die Hölle. Der heilige Paulus sagt uns: „Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass die Güte Gottes zur Buße dich leitet?“ (Röm. II, 4).

Kann die Sünde zugleich mit der göttlichen Liebe bestehen? Mit dem heiligen Johannes sind wir der gegenteiligen Meinung:

„Und daraus ersehen wir, dass wir ihn kennen, wenn wir seine Gebote halten.

Wer da sagt, er kenne ihn, und hält doch seine Gebote nicht, ist ein Lügner, und in diesem ist die Wahrheit nicht.

Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrhaftig die Liebe Gottes vollkommen und daran erkennen wir, dass wir in ihm sind.

Wer sagt, dass er in ihm bleibe, der muss auch wandeln, wie er gewandelt hat.“ (1. Joh. II, 3-6).

Und da wir in einer Welt leben, die mit Sünde vollständig überflutet ist, müssen wir lehren, was für ein furchtbares Übel die Sünde ist.

Um dies besser verständlich zu machen, werden wir zeigen, wie die unendliche Liebe die Sünde und die Torheit dessen, der sich von Gott abwendet, bestraft. Die Sünde, das ist der Anfang des Verlustes des Ewigen Glücks, der Verlust aller Liebe.

Pius XII. sagt uns: „Es hat nichts von seiner Zweckmäßigkeit eingebüßt, in unseren Tagen von den grundsätzlichen Glaubens­wahrheiten und den Letzten Dingen zu predigen; im Gegenteil, es ist dringender und notwendiger geworden, als jemals zuvor. Sogar von der Hölle zu predigen. Zweifellos muss man dieses Thema würdevoll und klug behandeln. Aber was den Inhalt die­ser Wahrheit betrifft, so hat die Kirche, vor Gott und vor den Menschen, die heilige Pflicht, sie zu verkünden, sie zu lehren, ohne irgendeine Verminderung, so wie sie von Christus geoffen­bart worden ist, und es gibt keinen Zeitumstand, der die Stren­ge dieser Verpflichtung zu mildern imstande wäre. Sie ist für jeden Priester verbindlich, dem das Amt anvertraut ist, ob or­dentlich oder außerordentlich, die Gläubigen zu lehren, zu warnen und zu leiten. Es ist wahr, dass an und für sich die Sehnsucht nach dem Himmel ein mehr vollkommener Grund ist, als die Furcht vor der ewigen Pein; aber es folgt daraus nicht, dass er auch für alle Menschen der wirksamste wäre, sie von der Sünde fernzuhalten und zu Gott zu bekehren.“ (1)

Es war auch Pius XII., der anlässlich des feierlichen Empfan­ges zu Ehren der katholischen Juristen Italiens am 6. Februar 1955 in Erinnerung rief, wie furchtbar die Hölle sei:

„Die Offenbarung und das Lehramt der Kirche stellen fest: Nach dem irdischen Leben werden diejenigen, welche mit einer Todsünde belastet sind, durch den Höchsten Herrn einem Gerichte unterzogen werden und eine Strafe erhalten, ohne Möglichkeit der Befreiung oder Verzeihung. Gott könnte so­gar im Jenseits eine solche Strafe erlassen: alles hängt von Seinem freien Willen ab; aber Er hat es niemals getan und wird es niemals tun. Es ist hier nicht am Platze zu diskutieren, ob man diese Tatsache auf Grund der natürlichen Vernunft genau beweisen kann; gewisse sind sicher, andere zweifeln daran. Aber sowohl die einen, als auch die anderen führen in ihren Argumenten ex ratione Erwägungen an, welche beweisen, dass eine solche Verfügung Gottes keiner Seiner Eigenschaften wi­derspricht, weder Seiner Gerechtigkeit, noch Seiner Weisheit, noch Seiner Barmherzigkeit, noch Seiner Güte; sie beweisen auch, dass sie außerdem nicht im Widerspruch mit der mensch­lichen Natur steht, wie sie durch den Schöpfer selbst erschaf­fen worden ist, nämlich mit ihrer absoluten, metaphysischen, auf Gott ausgerichteten Zweckbestimmung, mit der Begeiste­rung des menschlichen Willens für Gott, mit der körperlichen Willensfreiheit, die im Menschen verwurzelt und immer gegenwärtig ist. Alle diese Überlegungen lassen zweifellos beim Menschen, wenn er urteilt und sich nur auf seine eigene Ver­nunft verlässt, eine letzte Frage aufkommen, die sich nicht auf die Möglichkeit, sondern auf die Wirklichkeit eines der­maßen unbeugsamen Urteils des Höchsten Richters bezieht. Es wird sich daher niemand wundern, dass ein sehr bekannter Theologe am Anfang des XVII. Jahrhunderts schreiben konnte: „Quator sunt mysteria nostrae sanctissimae fidei maxime dif­ficilia creditu menti humanae: mysterium Trinitatis, Incarna­tionis, Eucharistiae et aeternitatis suppliciorum“ (2) Aber trotz allem bleibt die Tatsache der Unveränderlichkeit und der Ewigkeit dieses Urteils der Verwerfung und ihrer Durchführung undiskutabel. Die Streitigkeiten, zu denen ein kürzlich ver­öffentlichtes Buch Anlass gegeben hat, zeigen oft einen großen Mangel an Kenntnis der katholischen Lehre und gehen von fal­schen Voraussetzungen oder falsch interpretierten Vorbedin­gungen aus. In diesem Falle hat der Höchste Gesetzesgeber, indem Er von Seiner höchsten und absoluten Macht Gebrauch macht, die unwiderrufliche Gültigkeit Seines Urteils und seiner Durchführung festgelegt. Diese unbegrenzte Dauer ist daher das gültige Recht.“ (3)

VI. – DIESE LEHRE IST SEHR ENGHERZIG

Ein ehemaliger Exerzitienteilnehmer war seit mehreren Jah­ren nicht mehr zu den Exerzitien gekommen und wollte sie nicht nochmals mitmachen. Einer seiner Freunde drängte ihn:

„Warum willst du an den Exerzitien nicht mehr teilnehmen?“ Der andere sagte schließlich, nach flüchtigen Ausreden: … Man­gel an Zeit… die Familie… die Arbeit, etc.:

„Ich will nicht mehr wiederkommen, weil die „Geistlichen Übungen“ des heiligen Ignatius der enge Weg sind“.

Er hatte gut verstanden, was die Exerzitien verlangten. Man darf den Sünder nicht betrügen, indem man ihn glauben lässt, dass es einen anderen Weg zum Heile gibt, als „den schmalen Weg“.

Der heilige Ignatius lehrt in seinen ersten Regeln für die Scheidung der Geister, dass es dem bösen Geiste eigen sei, die Sünder zu beruhigen. Rufen wir uns, mit der heiligen Theresia vom Kinde Jesu in Erinnerung, dass: „man niemals zu viel Vertrauen zu Gott hat, Der so mächtig und barmherzig ist. Was man von Ihm erhält, steht im Verhältnis zu dem, was man sich von Ihm erhofft“.

Aber vergessen wir nicht, was uns der heilige Johannes lehrt:

„Den Verzagten aber, den Ungläubigen, den Greuelhaften, den Mördern, den Hurern, den Zauberern, den Götzendienern und allen Lügnern wird ihr Anteil werden im Pfuhle, der mit Feuer und Schwefel brennt, welches der andere Tod ist.“ (Apokalypse, XXI, 8).

Trotz aller Kritiken der Weltmenschen muss man auf diesem ewigen Thema bestehen. Im Leben des heiligen Antonius Maria Claret wird eine Bemerkung angeführt, die ein Jüngling im Zu­sammenhang mit einer Predigt des großen Missionars machte: „Er ist ein Prediger, wie die anderen: er sagt nur Dummheiten, um Kinder zu erschrecken.“ Dieser junge Mann bekehrte sich anschließend. Einmal bekehrt, teilte er die Ansicht vieler Priester über die Predigten des Heiligen: „Was Pater Claret sagt, kommt nicht von der Erde, sondern vom Himmel; weil wir gewöhnlichen Menschen nicht fähig sind, diesen Grad zu erreichen.“ „Pater Claret wird mehr erreichen, als alle Prediger von Barcelona zusammen.“

Der Rednerstil des heiligen Antonius Maria Claret stand im Kontrast zum leeren und schwulstigen Stil mancher seinerzei­tigen Redner. Das Gespräch des Heiligen mit Don Hermenegild Coll, dem sehr bekannten Prediger von Madrid, ist bekannt.

Der Letztere wurde nach einer Predigt von Glückwünschen überhäuft, außer von seiten Pater Clarets. Er sprach am nächsten Tage bei ihm vor, um nach dem Grunde seiner Einstellung zu fragen.

Pater Claret sagte zu ihm: „Sagen Sie mir, Don Hermene­gild, haben Sie manchmal vom Heile der Seelen und furcht­baren Unglück derjenigen, die sich verdammen, gepredigt?“

„Nein, Pater, ich habe noch nie von diesen Themen ge­predigt.“

„Haben Sie manchmal vom Tod, vom Gericht, von der Hölle, von der Notwendigkeit, sich zu bekehren, die Sünde zu meiden und Buße zu tun gesprochen?“

„Auch davon habe ich direkt und ausdrücklich in meinen Predigten nicht gesprochen.“

„Nun also, lieber Freund, ich werde ganz aufrichtig mit Ihnen reden, nachdem Sie mich darum ersucht haben. Ich liebe es nicht und kann die Handlungsweise mancher nicht gutheißen, die in ihren Predigten die großen christlichen Wahrheiten beiseitelassen und nur Themen behandeln, die für die Bekehrung der Seelen zu wenig wirksam sind. Und wenn ich diese Handlungsweise nicht billige, so ist es deswegen, weil ich denke, dass sie dem Herrn auch nicht gefallen würde“.

Der heilige Antonius Maria Claret, weil er ein Heiliger war, erlaubte sich nicht, in seiner Predigttätigkeit Zeit zu ver­lieren: er lehrte den sicheren und zuverlässigen Weg, der kein anderer ist, als die Einhaltung der göttlichen Gebote, wie sie das kirchliche Lehramt verkündet.

(Fortsetzung folgt)

ANMERKUNGEN:

(1) Pius XII., Ansprache an die Pfarrer und Fastenprediger von Rom, 23. März 1949.

(2) Lessius, De perfectionibus moribusque divinis, 1, XIII, cap. XXV.: „Es gibt vier Geheimnisse unseres heiligen Glaubens, an die zu glauben dem menschlichen Geiste sehr große Schwie­rigkeiten bereitet: Das Geheimnis der Dreifaltigkeit, der Mensch­werdung, der Eucharistie und der Ewigkeit der Höllenpein.“

(3) Pius XII., Ansprache an die Katholischen Juristen Italiens, 5. Februar 1955.

10 Kommentare zu “VON DER ZAHL DER AUSERWÄHLTEN – 05

  1. Und warum wird uns in der Konzilskirche ständig eingetrichtert, alle Religionen führten zu Gott.
    Johannes Paul II (der sog. Heilige) zweifelte sogar an, ob jemand in die Hölle käme.

  2. @Inquisitor

    Beweisen Sie anhand von Quellenangaben, dass „in der Konzilskirche ständig eingetrichtert wird, alle Religionen führten zu Gott“!

  3. @Inquisitor

    In „Nostra Aetate“ wird nirgends gesagt, „dass alle Religionen zu Gott führen“.

    Und das zweite Dokument enthält ein Gebet des Papstes (Johannes Paul II.) am „River Jordan“, an dessen Ende er noch hinzufügte:

    God bless you all! God bless Jordan!
    May Saint John Baptist protect Islam and all the people of Jordan, and all who partecipated in this celebration, a memorable celebration. I’m very grateful to all of you.

    Damit wurde auch nicht ausgesagt, „dass alle Religionen zu Gott führen“.

    Zugegeben, missverständlich – falsch interpretierbar ist: „May Saint John Baptist PROTECT ISLAM“!

  4. Zugegeben, missverständlich – falsch interpretierbar ist: „May Saint John Baptist PROTECT ISLAM“!

    Der Satz ist völlig eindeutig: es ist nicht heilsnotwendig, an Christus (zumindest für Muslime).

    Auch Nastra Aetate ist völlig eindeutig: die falschen Religionen sind keine Wege in die Hölle mehr.

  5. @Inquisitor

    Die Gebets-Bitte Johannes Pauls II. „May Saint John Baptist PROTECT ISLAM soll eben so verstanden werden, dass er mit „ISLAM“ nicht die „Religion“ Islam, sondern die Muslime, die Gläubigen des Islams, verstanden haben wollte. Und da er ihnen den heiligen Johannes den Täufer als Beschützer zuweist, ist ja zum Vornhinein garantiert, dass dieser am besten weiß wie er diese Aufgabe für jeden einzelnen Muslim bewerkstelligen kann.

  6. Wie kann die „Gebets-Bitte“ Johannes Paul II. „Möge der Heilige Johannes der Täufer den Islam beschützen“ nicht so verstanden werden, daß der der Heilige Johannes der Täufer den Islam beschützen möge? Das verstehe ich nicht.

  7. Verstehe ich auch nicht, @Ci-devant.

    Aber bitte, dann doch gleich: Der Hl. Johannes der Täufer sollte somit für die Bekehrung (!! lt. J.P.II.) aller Irrgläubigen zuständig sein, oder nicht. Und eigentlich sind wesentlich nur die Schutzengel zur Beschützung des Menschen (egal welcher Religion) zuständig.
    In der Aussage (s.o.) sollte notwendigerweise herüberkommen daß der Islam (aber auch alle anderen ausser der Katholischen Religion) eine FALSCHE Religion ist und sich alle Muslime (alle anderen Irrgläubigen) bekehrten sollten. DAS kann und wird sicherlich niemand missverstehen. Wer wollte aber heute noch so KLARTEXT reden? Lieber Bauchpinseln … niemanden verärgern … das geht doch nicht so hart zu reden.

  8. @Ci-devant

    „Islam“ bedeutet eigentlich „Hingabe an den einzigen Gott“. „May Saint John Baptist PROTECT ISLAM„ kann – könnte/muss – müsste (in diesem Falle betr. Papst Johannes Pauls II.) eigentlich so interpretiert werden: „Möge der hl. Johannes der Täufer die Hingabe an den einzigen Gott der Muslime – insofern es persönlich eine wahre Hingabe (mit gutem Willen) ist – schützen, d.h. zu einer solchen führen.

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