Papst an „neue“ Bischöfe: Dialog ist wichtiger als Befehlen

Papst Franziskus trifft die neuen Bischöfe der Weltkirche

Bischöfe sind nicht dazu da, um „selbstverständliche Dinge auszuposaunen“, sondern die Menschen zu Gott hinzuführen. Diese Mahnung schrieb der Papst an diesem Donnerstagvormittag den in den vergangenen Monaten neu geweihten Bischöfen der Weltkirche (mit Ausnahme des afrikanischen Kontinents) ins Stammbuch. Er traf sie im Vatikan, nachdem die „Jungbischöfe“ an der Päpstlichen Universität Regina Apostolorum am römischen Stadtrand mehrere Tage lang an einem gemeinsamen „Einführungsseminar“ teilgenommen hatten, das durch die Bischofskongregation und die Ostkirchen-Kongregation organisiert worden war.

Die Aufgabe des Bischofs sei, so der Papst, den Dialog aufzusuchen und nicht einfach, Befehle auszuteilen. Denn ein Bischof müsse die Gläubigen „zur Erfahrung Gottes hinführen, der die Menschen rettet“, so der Papst. In dieser Hinsicht müsse ein Bischof die Gläubigen unterstützen und sie auf diesem Weg begleiten. Das Vorbereitungsseminar in Rom hat mittlerweile Tradition; die Bischöfe sollen damit für die auf sie zukommenden Aufgaben vorbereitet und der Austausch und die Gemeinschaft der Bischöfe untereinander gefördert werden.

Zentral für das Bischofsamt: Das Ringen um Unterscheidung

In bester jesuitischer Manier deklinierte der Papst in seiner Ansprache an die Bischöfe verschiedene Aspekte der „Unterscheidung“ durch. Dieser für die ignatianische Spiritualität grundlegende Begriff bezieht sich auf das Bibelwort der Unterscheidung der Geister und stellt eine ständige Gewissensprüfung zur Ausbildung der eigenen Urteilskraft dar. Diese Fähigkeit zur Unterscheidung, so betonte Franziskus, sei eine authentische Gabe des Heiligen Geistes, die mit allen Kräften ersehnt und erbetet werden müsste. Auf diese Gabe, die der Heilige Geist über die Kirche bringe, müsse der gute Bischof jedoch mit dem Zuhören antworten, betonte der Papst. Im Dialog mit den ihm anvertrauten Priestern und Laien müsse der Bischof auch seinen eigenen Standpunkt immer wieder hinterfragen und gegebenenfalls ändern.

Der Dialog müsse, so die Mahnung des Papstes, immer „einschließen und geduldig“ sein: „Eine wesentliche Bedingung, um vorwärts zu kommen, ist die Aneignung der Geduld Gottes und die Anpassung an seine Zeiten, die niemals die unsrigen sind. Er lässt nicht einfach Feuer auf die Ungläubigen fallen, noch die Streitigkeiten unter den Menschen auflösen.“

Deshalb müsse sich ein Bischof jeweils an das Gewissen der Gläubigen wenden, in einem gemeinsamen Prozess des Wachsens im Unterscheidungsvermögen, der von dem Wunsch beseelt wird, Gottes Willen bestmöglich umzusetzen. Denn die Fähigkeit zur Unterscheidung sei keineswegs nur den „Weisen, Scharfsinnigen und Perfekten“ vorbehalten. „Im Gegenteil, Gott hütet sich vor den Überheblichen und zeigt sich den Bescheidenen. Der Hirte weiß, dass Gott der Weg ist und vertraut ihm; der Hirte kennt und zweifelt nie die Wahrheit Gottes an noch zweifelt er an dem Versprechen des geschenkten Lebens.“

Der Weg, den ein Bischof gehen muss, ist zwar von der Kirche vorgegeben, aber es braucht dennoch eine Öffnung. „Das bedeutet, dass man sich nicht auf Wiederholungen von Formeln beschränken kann, die ,wie hohe Wolken wenig Regen bringen´. Denn oft sind Menschen in einer Wirklichkeit gefangen, die sich nicht auf schwarz oder weiß reduzieren lässt.“ Gerade dort sei der Bischof gefordert, aufzeigen, dass das Leben aus vielen Schattierungen besteht.

Er denke dabei vor allem an die Jugend, Familien, Priester und Politiker. Diese bräuchten in der heutigen Zeit „Hirten im Glauben“. „Mögen sie in euch das standfeste Zeugnis des Wort Gottes suchen und finden, die das Licht auf und für den Weg zum Herrn ist“, schloss der Papst seine Rede.

(rv 14.09.2017 mg)

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