Athanasius Schneider: Das II. Vatikanische Konzil und seine Interpretation in Verbindung mit der aktuellen Kirchenkrise

„Wir müssen unseren Glauben erneuern und glauben, dass die Kirche in den sicheren Händen Christi ist, und dass Er immer eingreifen wird, um die Kirche in den Augenblicken zu erneuern, in denen das Boot der Kirche zu kentern scheint, wie es offensichtlich in unserer Zeit der Fall ist.“

Msgr. Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese der Heiligen Maria in Astana in Kasachstan, gehört zu den renommiertesten Bischöfen der Katholischen Kirche. Im folgenden Text analysiert er den Zusammenhang zwischen dem Zweiten Vatikanischen Konzil und seiner Interpretation und der aktuellen Kirchenkrise. Es ist der Text eines Oberhirten, der messerscharf analysiert und glasklar argumentiert, der vor allem aber die Lehre Jesu Christi verkündet und die Gläubigen im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe stärkt.

Die deutsche Fassung des bereits in anderen Sprachen veröffentlichten Textes wurde von Weihbischof Schneider zur Verfügung gestellt, und die Veröffentlichung von ihm autorisiert.

Das II. Vatikanische Konzil und seine Interpretation in Verbindung mit der aktuellen Kirchenkrise

von Msgr. Athanasius Schneider

Die aktuelle Situation einer präzedenzlosen Krise der Kirche ist mit der großen Krise im 4. Jahrhundert vergleichbar, als der Arianismus die überwältigende Mehrheit des Episkopates angesteckt und im Leben der Kirche eine dominierende Stellung eingenommen hatte.

Wir müssen versuchen, der jetzigen Situation einerseits mit Realismus zu begegnen und andererseits mit einem übernatürlichen Geist, mit einer tiefen Liebe zur Kirche, unserer Mutter, die wegen dieser ungeheuren und allgemeinen doktrinellen, liturgischen und pastoralen Verwirrung die Passion Christi erleidet.

Bischof Athanasius Schneider bei der Zelebration des hl. Meßopfers

Was die Haltung zum II. Vatikanischen Konzil angeht, müssen wir zwei Extreme vermeiden: die vollständige Ablehnung (wie es die Sedisvakantisten und ein Teil der FSSPX tun) und die „Unfehlbarmachung“ all dessen, was das Konzil gesagt hat.

Wir müssen unseren Glauben erneuern und glauben, dass die Kirche in den sicheren Händen Christi ist, und dass Er immer eingreifen wird, um die Kirche in den Augenblicken zu erneuern, in denen das Boot der Kirche zu kentern scheint, wie es offensichtlich in unserer Zeit der Fall ist.

Das II. Vatikanische Konzil war eine legitime Versammlung, dem die Päpste vorstanden, und wir müssen gegenüber diesem Konzil eine respektvolle Haltung haben. Allerdings bedeutet das nicht, dass es uns verboten ist, wohlbegründete Zweifel zum Ausdruck zu bringen oder respektvoll Verbesserungsvorschläge zu bestimmten Themen zu machen mit Berufung auf die gesamte Überlieferung der Kirche und auf das beständige Lehramt.

Traditionelle und beständige doktrinelle Äußerungen des Lehramts während einer jahrhundertelangen Periode haben Vorrang und bilden ein Kriterium, um die Genauigkeit späterer Aussagen des Lehramts nachzuprüfen.

Diejenigen Aussagen des II. Vaticanums, die zweideutig sind, müssen gemäß der gesamten Überlieferung und dem beständigen Lehramt der Kirche interpretiert werden.

In Zweifelsfällen haben die Aussagen des beständigen Lehramtes (frühere Konzile und Päpstliche Dokumente, deren Inhalt sich durch die Jahrhunderte als sichere und wiederholte Tradition  erwiesen hat) Vorrang gegenüber zweideutigen oder neuen Aussagen des II. Vatikanischen Konzils, die nur schwer mit bestimmten Aussagen des beständigen und vorherigen Lehramtes übereinstimmen (z. B. die Pflicht des Staates, Christus, den König aller menschlichen Gesellschaften, öffentlich zu verehren; der wahre Sinn der bischöflichen Kollegialität im Verhältnis zum Päpstlichen Primat und der Gesamtleitung der Kirche; die Schädlichkeit aller nichtkatholischen Religionen und ihre Gefährlichkeit für das ewige Seelenheil).

Das II. Vatikanische Konzil muss als das gesehen und akzeptiert werden, was es wirklich war: ein vorrangig pastorales Konzil. Dieses Konzil hatte nicht die Absicht, neue Lehren vorzulegen oder sie sogar in einer endgültigen Form vorzulegen. In seinen Aussagen hat das Konzil die beständige und traditionelle Lehre der Kirche weitgehend bestätigt.

Einige der neuen Aussagen des II. Vaticanums (z. B. Kollegialität, Religionsfreiheit, ökumenischer und religiöser Dialog, die Haltung gegenüber der Welt) haben keinen endgültigen Charakter und wenn sie offensichtlich oder tatsächlich mit den traditionellen und beständigen Aussagen des Lehramtes nicht übereinstimmen, müssen sie durch genauere Erklärungen und durch präzisere Ergänzungen lehrhafter Natur vervollständigt werden. Eine blinde Anwendung des Prinzips der „Hermeneutik der Kontinuität“ allein hilft auch nicht, weil dadurch zwanghafte Interpretationen geschaffen werden, die nicht überzeugen und nicht hilfreich sind, um zu einem klareren Verständnis der unwandelbaren Wahrheit des katholischen Glaubens und seiner konkreten Anwendung zu gelangen.

Es hat Fälle in der Geschichte gegeben, bei denen nicht-endgültige Aussagen gewisser ökumenischer Konzile später – dank einer gelassenen theologischen Debatte – verfeinert oder stillschweigend verbessert wurden (z. B. die Aussagen des Konzils von Florenz bezüglich der Materie des Weihesakraments, d.h. dass die Materie die Überreichung der Gegenstände wäre, wobei aber die sicherere und beständige Überlieferung sagte, dass die Auflegung der Hände des Bischofs genügen würde, eine Wahrheit, die zuletzt von Pius XII. im Jahre 1947 bestätigt wurde).

Wenn nach dem Konzil von Florenz die Theologen das Prinzip der „Hermeneutik der Kontinuität“ zu dieser konkreten Aussage des Konzils von Florenz (einer objektiv irrigen Aussage) blind angewendet hätten, und die These der Übergabe der Instrumente als Materie des Weihesakramentes als mit dem beständigen Lehramt übereinstimmend verteidigt hätten, wäre es wahrscheinlich nicht zum allgemeinen Konsens der Theologen gekommen bezüglich der Wahrheit, die besagt, dass nur die Handauflegung durch den Bischof die eigentliche Materie des Weihesakrament sei.

In der Kirche muss ein gelassenes Klima für eine doktrinelle Diskussion über jene Aussagen des II. Vaticanums geschaffen werden, die zweideutig sind oder die zu irrigen Interpretationen geführt haben. An einer solchen Diskussion ist nichts Skandalöses; im Gegenteil, sie wird ein Beitrag sein, um auf eine sicherere und vollständige Weise das Gut des unveränderlichen Glaubens der Kirche zu erhalten und zu erklären.

Man darf ein bestimmtes Konzil nicht überbetonen, indem man es absolut setzt und es de facto mit dem mündlichen (Heilige Überlieferung) oder dem geschrieben (Heilige Schrift) Wort Gottes gleichsetzt.

Das II. Vaticanum sagt selbst richtigerweise (vgl. Dei Verbum, 10), dass das Lehramt (Papst, Konzile, ordentliches und universales Lehramt) nicht über dem Wort Gottes steht, sondern unter ihm, ihm unterworfen und nur sein Diener ist (des mündlichen Wortes Gottes = Heilige Überlieferung und des geschriebenen Wortes Gottes = Heilige Schrift).

Von einem objektiven Standpunkt aus haben Aussagen des Lehramtes (Päpste und Konzile) definitiven Charakters mehr Wert und mehr Gewicht als Aussagen pastoralen Charakters, welche naturgemäß eine veränderliche und zeitliche Eigenschaft haben, die von geschichtlichen Umständen oder seelsorglichen Notwendigkeiten bestimmter Zeiten abhängen, wie es auf die meisten Aussagen des II. Vaticanums zutrifft.

Der originelle und wertvolle Beitrag des II. Vatikanischen Konzils besteht in der Lehre von der allgemeinen Berufung zur Heiligkeit aller Kirchenmitglieder (Kap. 5 von Lumen Gentium), in der Lehre über die zentrale Rolle unserer Lieben Frau im Leben der Kirche (Kap. 8 von Lumen Gentium), in der Lehre von der Wichtigkeit der Laien in der Erhaltung und Verteidigung des katholischen Glaubens und ihrer Pflicht, die zeitlichen Dinge zu evangelisieren und zu heiligen gemäß dem beständigen Sinn der Kirche (Kap. 4 von Lumen Gentium), in der Lehre vom Primat der Anbetung Gottes im Leben der Kirche und in der Feier der Liturgie (Sacrosanctum Concilium 2; 5–10). Den Rest kann man in gewisser Hinsicht als sekundär betrachten, der in der Zukunft wahrscheinlich vergessen wird, wie es auch mit nicht definitiven pastoralen und disziplinären Aussagen verschiedener ökumenischer Konzilen der Vergangenheit der Fall war.

Die folgenden Themen: die Allerseligste Jungfrau Maria, Heiligung des persönlichen Lebens der Gläubigem mit der Heiligung der Welt gemäß dem beständigen Sinn der Kirche und der Primat der Anbetung Gottes, sind die dringendsten Gesichtspunkte, die in unseren Tagen gelebt werden müssen. Hierin hat das II. Vaticanum eine prophetische Rolle, die – unglücklicherweise – bisher noch nicht befriedigend umgesetzt worden ist.

Anstatt diese vier Aspekte im Leben zu verwirklichen, hat ein erheblicher Teil der theologischen und administrativen „Nomenklatura“ im Leben der Kirche während der vergangenen 50 Jahre zweideutige doktrinelle, pastorale und liturgische Themen vorangetrieben und tut es noch, wodurch die ursprüngliche Absicht des Konzils verzerrt oder seine weniger klaren oder zweideutigen Aussagen missbraucht werden, um eine andere Kirche zu schaffen – eine Kirche relativistischen oder protestantischen Typs.

Wir erleben in unseren Tagen den Höhepunkt dieser Entwicklung.

Das Problem der aktuellen Krise der Kirche besteht teilweise in der Tatsache, dass einige Aussagen des II. Vaticanums, die objektiv zweideutig sind, oder jene wenigen Aussagen, die schwer mit der beständigen Lehrtradition der Kirche übereinstimmen, „unfehlbar“ erklärt worden sind. Auf diese Weise wurde eine gesunde Diskussion mit einer ausdrücklichen oder stillschweigenden Korrektur blockiert.

Zur selben Zeit wurde viel Mühe auf die Schaffung theologischer Aussagen verwandt, die im Gegensatz zur beständigen Überlieferung stehen (z. B. bzgl. der neuen Theorie von einem doppelten ordentlichen höchsten Subjekt in der Leitung der Kirche, d. h. der Papst allein und der gesamte Episkopat zusammen mit dem Papst; der Lehre von der Neutralität des Staates gegenüber der öffentlicher Anbetung, die er dem wahren Gott schuldet, der Jesus Christus ist, der König auch jeder menschlichen und politischen Gesellschaft; die Relativierung der Wahrheit, dass die katholische Kirche der einzige, von Gott gewollte und angeordnete Weg zum Heil ist).

Wir müssen uns von den Ketten der Verabsolutierung und der totalen Unfehlbarmachung des II. Vaticanums befreien. Wir müssen um ein Klima einer gelassenen und respektvollen Diskussion bitten: aus tiefer Liebe zur Kirche und zum unveränderlichen Glauben der Kirche heraus.

Wir können als ein positives Zeichen in dieser Richtung die Tatsache sehen, dass Papst Benedikt XVI. am 2. August 2012 ein Vorwort zu einem Band geschrieben hat, der sich in der Gesamtausgabe seiner Werke mit dem II. Vaticanum beschäftigt. In diesem Vorwort drückt Benedikt XVI. seinen Vorbehalt bzgl. bestimmter Inhalte in den Dokumenten Gaudium et spes und Nostra aetate aus. Aus dem Tenor dieser Worte Benedikts XVI. kann man sehen, dass gewisse konkrete Fehler in bestimmten Teilen dieser Dokumente durch die „Hermeneutik der Kontinuität“ nicht behebbar sind.

Eine volle und kanonisch ins Kirchenleben integrierte FSSPX könnte einen wertvollen Beitrag zu dieser Debatte beisteuern – wie es auch Erzbischof Marcel Lefebvre wünschte. Die volle kanonische Präsenz der FSSPX im heutigen Kirchenleben könnte ein allgemeines Klima einer konstruktiven Diskussion schaffen, damit das, was 2000 Jahre lang immer und überall und von allen Katholiken geglaubt wurde, auf eine klarere und sicherere Weise auch in unseren Tagen geglaubt werde und dadurch auch die wahre pastorale Absicht der Väter des II. Vatikanischen Konzils verwirklicht werde.

Die authentische pastorale Absicht zielt auf die ewige Rettung der Seelen ab – eine Seelenrettung, die nur durch die Verkündung des gesamten Willens Gottes erlangt werden wird (Apg. 20, 7). Die Zweideutigkeit in der Glaubenslehre und in ihrer konkreten Anwendung  (in der Liturgie und dem pastoralen Leben) würde die ewige Rettung der Seelen gefährden und folglich anti-pastoral sein, weil ja die Verkündung der Klarheit und Vollständigkeit des katholischen Glaubens und seine getreue Anwendung der ausdrückliche Wille Gottes ist.

Nur der vollkommene Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes, Der uns durch Christus, das menschgewordene Wort, und durch die Apostel den wahren Glauben offenbarte, den Glauben, der vom Lehramt beständig in demselben Sinn ausgelegt und verwirklicht wurde, wird die Rettung der Seelen bringen.

+ Athanasius Schneider

Weihbischof der Erzdiözese der Heiligen Maria in Astana, Kasachstan

Bild: MiL/fratresinunum.com (Screenshots)

_______

Quelle

11 Kommentare zu “Athanasius Schneider: Das II. Vatikanische Konzil und seine Interpretation in Verbindung mit der aktuellen Kirchenkrise

  1. Das nicht verbindliche Pastoralkonzil ist ein Märchen.

    Johannes XXIII. bezieht sich in seiner Eröffnungsrede mit der Beschreibung „pastoral“ nicht auf das „Konzil“, sondern allgemein auf „ein Lehramt, dessen Wesen vorwiegend pastoral ist“. Das Lehramt der Kirche ist aber unfehlbar (Papst Pius IX., I. Vaticanum, 3. Sitzung, Kapitel 3).

    Rede von Papst Johannes XXIII. zur Eröffnung des „2. Vatikanischen Konzils“ am 11. Oktober 1962: „Denn etwas anderes ist das Depositum Fidei oder die Wahrheiten, die in der zu verehrenden Lehre enthalten sind, und etwas anderes ist die Art und Weise, wie sie verkündet werden, freilich im gleichen Sinn und derselben Bedeutung. Hierauf ist viel Aufmerksamkeit zu verwenden; und, wenn es not tut, muß geduldig daran gearbeitet werden, das heißt, alle Gründe müssen erwogen werden, um die Fragen zu klären, wie es einem Lehramt entspricht, dessen Wesen vorwiegend pastoral ist.

    Herr Athanasius Schneider verschweigt offenbar in täuschender Absicht, daß sämtliche Konzilstexte von Paul VI. feierlich bestätigt und unterschrieben wurden. Paul VI. hat sie kraft seiner angeblichen Apostolischen Autorität bestätigt (approbiert), verfügt und erlassen („approbamus, decernimus ac statuimus“) und ihre Bekanntgabe (Promulgation) angeordnet („et quae ita synodaliter statuta sunt ad Dei gloriam promulgari iubemus“).

    Die Fußnote unter Lumen Gentium gehört nicht zu den promulgierten Texten des V2 und kann deshalb keine Verbindlichkeit besitzen. Aber selbst sie verlangt, daß das, was die „Heilige Synode“ „als Lehre des obersten kirchlichen Lehramtes“ bezeichnet, von allen und jedem Christgläubigen angenommen und festgehalten werden muß.

    Unter Berücksichtigung des konziliaren Verfahrens und der pastoralen Zielsetzung des gegenwärtigen Konzils definiert das Konzil nur das als für die Kirche verbindliche Glaubens- und Sittenlehre, was es selbst deutlich als solche erklärt. Was aber das Konzil sonst vorlegt, müssen alle und jeder der Christgläubigen als Lehre des obersten kirchlichen Lehramtes annehmen und festhalten entsprechend der Absicht der Heiligen Synode selbst, wie sie nach den Grundsätzen der theologischen Interpretation aus dem behandelten Gegenstand oder aus der Aussageweise sich ergibt.

    Wenn man Paul VI. als Papst anerkennt, geht also kein Weg daran vorbei, das Vatikanum II als verbindlich anzuerkennen.

    Außerdem befindet sich diese Fußnote allein unter LG, nicht unter den übrigen 15 Texten des V2. Selbst wenn es Paul VI. davon bewahrt hätte, Häresie zu approbieren und zu promulgieren, so hätte es diese Wirkung nur für LG.

    Wenn es heißt: „wie es […] aus der Aussageweise sich ergibt“, dann müssen wir schauen, was Paul VI. vor und nach jedem V2-Dokument feierlich erklärt, und stellen fest, daß Paul VI. „nach den Grundsätzen der theologischen Interpretation“, d.h. so wie es bereits früher in dogmatischen Dekreten üblich war, sein oberstes Lehramt, wenn er es denn gehabt hätte, tatsächlich wahrnimmt und die V2-Dokumente unfehlbar wären, wenn Paul VI. Papst gewesen wäre. Paul VI. erfüllt also die in dem Anhang genannten Bedingungen, somit ist diese theologische Erläuterung nicht angetan, die feierliche Form der Approbation und Promulgation der V2-Dokumente Pauls VI. zu neutralisieren, sondern im Gegenteil: sie bestätigt sie.

    Zuletzt darf nicht übersehen werden, daß die Erklärung deutlich sagt: „Was aber das Konzil sonst vorlegt, müssen alle und jeder der Christgläubigen als Lehre des obersten kirchlichen Lehramtes annehmen und festhalten entsprechend der Absicht der Heiligen Synode (Vaticanum II) selbst, wie sie nach den Grundsätzen der theologischen Interpretation aus dem behandelten Gegenstand oder aus der Aussageweise sich ergibt.

    Das V2-Pseudokonzil („Heiligen Synode“) lehrt an mehreren Stellen klare Häresie, aber erklärt dieselbe als Fortführung der „Lehre des obersten kirchlichen Lehramtes“.

    Beispiel: Häresie der Religionsfreiheit
    Vaticanum II, Dokument Dignitatis Humanae (Nr. 9): „Was das Vatikanische Konzil über das Recht des Menschen auf religiöse Freiheit erklärt, hat seine Grundlage in der Würde der Person, deren Forderungen die menschliche Vernunft durch die Erfahrung der Jahrhunderte vollständiger erkannt hat. Jedoch hat diese Lehre von der Freiheit ihre Wurzeln in der göttlichen Offenbarung, weshalb sie von Christen um so gewissenhafter beobachtet werden muß.

    Vaticanum II behauptet hier, diese Häresie habe „ihre Wurzeln in der göttlichen Offenbarung“ und deshalb müsse „sie von Christen um so gewissenhafter beobachtet werden“. Deshalb sind hier die Bedingungen der Erläuterung unter LG erfüllt, wornach es „aus dem behandelten Gegenstand oder aus der Aussageweise sich ergibt“, daß diese Häresie oberstes kirchliches Lehramt sei und als solches von allen Gläubigen akzeptiert werden muß.

    Vaticanum II, Dokument Dignitatis Humanae (Nr. 12): „Somit verfolgt die Kirche in Treue zur Wahrheit des Evangeliums den Weg Christi und der Apostel, wenn sie anerkennt und dafür eintritt, daß der Grundsatz der religiösen Freiheit der Würde des Menschen und der Offenbarung Gottes entspricht. Sie hat die Lehre, die sie von ihrem Meister und von den Aposteln empfangen hatte, im Laufe der Zeit bewahrt und weitergegeben.“

    Die Häresie von der Religionsfreiheit ist somit nach V2 „in Treue zur Wahrheit des Evangeliums“, verfolgt „den Weg den Weg Christi und der Apostel“ und „entspricht der Offenbarung Gottes“. Nach der Erklärung unter LG „müssen alle und jeder der Christgläubigen als Lehre des obersten kirchlichen Lehramtes annehmen und festhalten entsprechend der Absicht der Heiligen Synode [V2] selbst, wie sie nach den Grundsätzen der theologischen Interpretation aus dem behandelten Gegenstand oder aus der Aussageweise sich ergibt.“ Demnach entbindet die Erklärung nicht nur nicht von der Akzeptanz der Häresie, sondern verpflichtet sogar ausdrücklich dazu.

    Ich brauche diejenigen Stellen nicht zu zitieren, in denen wahre Päpste die Religionsfreiheit verurteilt haben. Herr Schneider wird sicher das Urteil Joseph Ratzingers als authentischen Interpreten des V2 anerkennen.

    Lassen wir also den abgefallenen Priester Joseph Ratzinger zu Wort kommen, Theologische Prinzipienlehre. Bausteine zur Fundamentaltheologie, München 1982, 398f.: „Wenn man nach einer Gesamtdiagnose für den Text [Vatikanum 2, Gaudium et Spes] sucht, könnte man sagen, daß er (in Verbindung mit den Texten über Religionsfreiheit und über die Weltreligionen) eine Revision des Syllabus Pius‘ IX., eine Art Gegensyllabus darstellt. […] Begnügen wir uns hier mit der Feststellung, daß der Text die Rolle eines Gegensyllabus spielt und insofern den Versuch einer offiziellen Versöhnung der Kirche mit der seit 1789 [Beginn der französischen Revolution] gewordenen neuen Zeit darstellt.“

    Ein paar Seiten weiter schreibt Ratzinger: „Die Aufgabe lautet daher nicht: Aufhebung des Konzils, sondern Entdeckung des wirklichen Konzils und Vertiefung seines wahren Wollens im Angesicht des jetzt Erfahrenen. Dies schließt ein, daß es keine Rückkehr zum Syllabus geben kann, der eine erste Markierung in der Auseinandersetzung mit dem Liberalismus und den heraufsteigenden Marxismus sein mochte, aber kein letztes Wort sein kann.“

    Nach Ratzingers höchstpersönlicher Interpretation stellt das V2 eine Revision der Lehre der Kirche dar. Wir stehen hier nicht nur vor formeller, sondern vor erklärter Häresie. Die V2-Gemeinschaft ist bestenfalls eine protestantische Sekte.

  2. Bedeutsam ist der Hinweis von Ci-devant:
    Das V2-Pseudokonzil („Heiligen Synode“) lehrt an mehreren Stellen klare Häresie, aber erklärt dieselbe als Fortführung der „Lehre des obersten kirchlichen Lehramtes“.
    Beispiel: Häresie der Religionsfreiheit
    Vaticanum II, Dokument Dignitatis Humanae (Nr. 9): „Was das Vatikanische Konzil über das Recht des Menschen auf religiöse Freiheit erklärt, hat seine Grundlage in der Würde der Person, deren Forderungen die menschliche Vernunft durch die Erfahrung der Jahrhunderte vollständiger erkannt hat. Jedoch hat diese Lehre von der Freiheit ihre Wurzeln in der göttlichen Offenbarung, weshalb sie von Christen um so gewissenhafter beobachtet werden muß.“
    Und widerlegt eindeutig das von Bischof Schneider Gesagte.

  3. „Die aktuelle Situation einer präzedenzlosen Krise der Kirche ist mit der großen Krise im 4. Jahrhundert vergleichbar, als der Arianismus die überwältigende Mehrheit des Episkopates angesteckt und im Leben der Kirche eine dominierende Stellung eingenommen hatte.“

    Die heutige aktuelle Situation ist mit der Zeit des Arianismus nicht vergleichbar, denn es geht heute um die Besetzung des Heiligen Stuhls durch Fremdmächte. Die Ursache liegt am FEHLEN eines wahren Hirten. Das war im 4. Jahrhundert eben nicht! Es geht auch nicht nur um eine Krise. Denn jede Krise ließe sich doch beheben. Es geht um viel mehr. Es geht um die Machtergreifung jener, die die Kirche immer als Feinde der Kirche angesehen hat. Dieses Übel will man nicht erkennen, so kann es auch nicht behoben werden. Das aber wäre der „übernatürliche Geist“!

    „Meine sehr lieben Freunde, da der Lehrstuhl des hl. Petrus, und die Stimmen der Autorität in Rom von antichristlichen Kräften besetzt sind, schreitet die Zerstörung der Königsherrschaft unseres HERRN rasch voran….durch das Verderben der hl. Messe, des strahlenden Ausdrucks des Triumphes unseres HERRN am Kreuz..“ (Erzbischof Lefebvre)

    Es geht um einen bewußt hervorgerufenen Angriff auf alles was katholisch ist, insbesondere auf das Papsttum. Dieser Angriff wurde von Kräften von langer Hand vorbereitet und hervorgerufen, die innerhalb der Kirche – jedoch selbst nicht mehr der Kirche zugehörig, weil abgefallen – verursacht wurde. Ein Bannspruch eines wahren Papstes über diese blieb aus.

    „Wir müssen versuchen, der jetzigen Situation einerseits mit Realismus zu begegnen und andererseits mit einem übernatürlichen Geist…“

    Wie sehr ist die Piusbruderschaft dieser Wirklichkeit begegnet und dennoch hat sie versagt. Es gab eben nicht diesen „übernatürlichen Geist“.

    Gerade wegen dieser Liebe zur Kirche müssen diese Gegner der Kirche entlarvt und entthront werden. Ein wahres Konzil wie überhaupt die Lehren der Katholischen Kirche haben keine Interpretation nötig. Das ist die Ausflucht der Verteidiger des Konzils. DENN SO WIE ES DIE KIRCHE LEHRT, SO WIE ES DASTEHT, IST ES AUCH ZU VERSTEHEN UND NICHT ANDERS.

    Ein Konzil unter dem Haupt eines wahren Papstes kann niemals einen Ketzerglauben enthalten. Es ist in allen Punkten rechtgläubig und bezieht sich auf die Lehre der Kirche. Das ist im II. Vatikanum nicht geschehen. Es enthält Abweichungen von der katholischen Lehre und ist deshalb insgesamt und vollkommen zu verwerfen. Es wird offenbar, dass dieses Konzil niemals unter dem Schutz eines wahren Nachfolgers Petri gestanden hat. So hat es die Kirche immer gelehrt und deswegen ist es unerlässlich, das gesamte Konzil vollkommen abzulehnen. Das ist die heilige Pflicht eines jeden Katholiken! Ein echter Katholik wird niemals und unter keinen Umständen eine Kirchenversammlung annehmen, die Irrlehren enthält. Für ihn ist es die Schlussfolgerung, dass dieses Konzil niemals unter der Leitung eines wahren Papstes erfolgt ist.

    „Das II. Vatikanische Konzil war eine legitime Versammlung, dem die Päpste vorstanden, und wir müssen gegenüber diesem Konzil eine respektvolle Haltung haben.“

    Dieses Konzil verdient KEINEN RESPEKT!
    Ein Konzil, wenn es auch kein Dogma verkündet hat, verlangt volle Zustimmung. Die Konzilssekte in „sicheren Händen Christi“? Das kommt einer Lästerung gleich. Und niemals darf so einem Konzil Respekt gezollt werden, das von Feinden der Kirche durchgesetzt und fortgeführt wurde. Das II. Vatikanische Konzil war keine legitime Kirchenversammlung, dem auch kein wahrer Papst vorgestanden ist. Nach Bischof Schneider sollen wir also diesem häretischen Ketzerkonzil Hochachtung und Ehrfurcht erweisen? Das ist Verrat an Christus, das ist ein anderes Evangelium!

    Ein wahres Konzil der Katholischen Kirche kann niemals im Nachhinein berichtigt und korrigiert oder uminterpretiert werden.

    „In Zweifelsfällen haben die Aussagen des beständigen Lehramtes.. Vorrang gegenüber zweideutigen oder neuen Aussagen des II. Vatikanischen Konzils, die nur schwer mit bestimmten Aussagen des beständigen und vorherigen Lehramtes übereinstimmen“

    Es ist völlig falsch zu behaupten: ein wahres Konzil enthalte „zweideutige“ und „neue“ Aussagen!

    „Diejenigen Aussagen des II. Vaticanums, die zweideutig sind, müssen gemäß der gesamten Überlieferung und dem beständigen Lehramt der Kirche interpretiert werden.“ Falsch!

    Konzilsbeschlüsse der Katholischen Kirche können weder zweifelhaft, noch zweideutig sein. Sie können keine „neuen“ Aussagen enthalten!
    Es wäre eine Zuwiderhandlung gegenüber den unwandelbaren Grundsätzen des ERSTEN Vatikanischen Konzils, das im vierten Kapitel seiner vierten Session festlegte:
    „Den Nachfolgern Petri ist der Heilige Geist nicht dazu verheißen worden, eine neue Lehre zu verkünden, sie sollen vielmehr mit Seinem Beistand die durch die Apostel überlieferte Offenbarung, das hinterlegte Glaubensgut, heilig bewahren und treu auslegen.“

    „Dieses Konzil hatte nicht die Absicht, neue Lehren vorzulegen..“ Hat es aber getan und Msgr. Schneider sagt das ja auch:
    „Einige der neuen Aussagen des II. Vaticanums …haben keinen endgültigen Charakter“

    Ein Konzil und seine Beschlüsse für Schneider keinen endgültigen Charakter?

    Es kann auch kein „gelassenes Klima“ gegenüber häretische Aussagen geben!

    Der Gründer jener Gemeinschaft, die Bischof Schneider so sehr dem abtrünnigen Rom eingegliedert sehen möchte, widerspricht auch S.E. Athanasius Schneider:

    „Weil wir aufgrund kritischer Argumente… berechtigt sind zu behaupten, daß der Geist, der auf diesem Konzil herrschte und der ihm so viele mehrdeutige und doppelsinnige und sogar GANZ OFFENKUNDIG IRRIGE TEXTE eingegeben hat, nicht der HEILIGE GEIST war, sondern der Geist der modernen Welt, der liberale, teilhardistische, modernistische Geist, der sich der Herrschaft Unseres Herrn JESUS CHRISTUS widersetzt….“

    „Ein Papst, der dieses Namens würdig und ein wahrer Nachfolger Petri ist, kann nicht erklären, er werde sich für die Anwendung des Konzils und seiner Reformen einsetzen. Allein schon dadurch bricht er nämlich mit all seinen Vorgängern und insbesondere mit dem Konzil von Trient.“ (Brief Msgr. Lefebvre an mehrere Kardinäle, 6.10.1978)

    Mgr Lefebvre versicherte, daß wir die Konzilskirche nicht benötigen, um uns eine wie immer geartete „Rechtmäßigkeit“ zu verleihen: „Mit welcher Kirche haben wir es zu tun – das möchte ich gerne wissen – mit der katholischen Kirche oder mit einer anderen Kirche, einer Gegenkirche, mit einer falschen Kirche?… Ich glaube wirklich, daß wir es mit einer falschen Kirche und nicht mit der katholischen Kirche zu tun haben.“ (18. Juni 1978)

    „Sie zwingen uns ihre Prinzipien auf … solange sie sich dieser Irrtümer des Liberalismus nicht entledigt haben, gibt es keine Mittel, sich mit ihnen zu verstehen, das ist nicht möglich.“

    „Wir müssen also wissen was wir wollen! DAS KONZIL und seine Folgen sind es, die die heilige Messe zerstört haben, die den Katechismus zerstört haben, die das Königtum unseres Herrn Jesus Christus über die bürgerlichen Gesellschaften zerstört haben. WIE KÖNNEN WIR ES ANNEHMEN?“ (Le Bourget, 1989)

    „DAS KONZIL HAT DER TRADITION DEN RÜCKEN GEKEHRT UND SICH VON DER VERGANGENHEIT DER KIRCHE ABGEWENDET UND IST DESHALB SCHISMATISCH..“ (Lefebvre gegenüber le Figaro, 4.8.1976)

    „Diese konziliare Kirche ist eine schismatische Kirche, weil sie mit der katholischen Kirche, mit der Kirche aller Zeiten gebrochen hat. Sie hat ihre neuen Dogmen, ihr neues Priestertum, ihre neuen Institutionen, ihren neuen Kult, die von der Kirche schon in gar manchen amtlichen und endgültigen Dokumenten verurteilt sind. […]“

  4. Ich vertrete schon seit langem dir These, daß das II. Vatikanum ein abgebrochenes Konzils ist, da sich die Sprache zahlreicher Stellen nicht mehr auf der Ebene des „Sacrosanctum Concilium“, also auf dem unfehlbaren außerordentlichen Lehramt der Heiligen Katholischen Kirche, sondern nur noch auf der Ebene einer „Synodus Sancta“, also dem ordentliche Lehramt der Kirche auf doktrineller Ebene bewegt. Der Bruch geschieht mit „Lumen Gentium“ – ich zitiere: „Lumen gentium cum sit Christus, haec SACROSANCATA SYBODUS, in Spiritu Sancto congregata, omnes homines claritate Eius, super faciem Ecclesiae resplendente, illuminare vehementer exoptat, omni creaturae Evangelium annuntiando (cf. Mc 16,15). Cum autem Ecclesia sit in Christo veluti sacramentum seu signum et instrumentum intimae cum Deo unionis totiusque generis humani unitatis, naturam missionemque suam universalem, praecedentium Conciliorum argumento instans, pressius fidelibus suis et mundo universo declarare intendit. Condiciones huius temporis huic Ecclesiae officio urgentiorem vim addunt, ut nempe homines cuncti, variis hodie vinculis socialibus, technicis, culturalibus arctius coniuncti, plenam etiam unitatem in Christo consequantur.“
    Das einzige verbindliche Dokument ist also „Sacrosanctum Concilium“ – und sonst nichts. Und diesem ist durch das MP Summorum Pontificum und seinem Nachfolgedekret „Ecclesiae unitatem“ sowie „Universae Ecclesiae“ zumindest teilweise die Derogation (89 d „Priam Hora supprimatur“) erteilt worden.
    Wie gesagt Nihil novi sub sole!

  5. „Der Bruch geschieht mit „Lumen Gentium“ –“

    Der Bruch geschah nicht erst mit „Lumen Gentium“; der Bruch vollzog sich mit „Dei Verbum“ also gleich zu Beginn des Konzils durch Roncalli und Wojtyla bestätigt dann 1978: „Die Kirche hat auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil ihr Wesen neu bestimmt“. (Wojtyla, Osterexerzitien 1978)! Ein radikaler Bruch also durch die bewußte „Neubestimmung“ der Glaubenswahrheiten, allem voran über die Kirche und Sakramente.
    Gleich zu Beginn sollte diese Veränderung sichtbar werden! -Es war die Hinwendung zum Protestantismus! Respekt also vor dem Protestantismus, fragen wir Exzellenz?

    Die Offenbarungskonstitution sollte nach dem Heiligen Offizium ursprünglich „DIE QUELLEN DER GÖTTLICHEN OFFENBARUNG“ lauten. Abgeändert wurde sie in protestantischer Manier in „Dei Verbum“ – die Schrift allein! Weg mit Tradition, mit dem Lehramt und der Überlieferung! Das war die Absicht des Konzils. Doch Bischof Schneider will uns glauben machen, daß das Konzil nicht beabsichtigte, neue Lehren zu schaffen. Welch eine Irreführung!
    Natürlich war bewußt beabsichtigt und Ratzinger leistete seinen Teil dazu, daß die neue Lehre des „subsistit in“ durchgesetzt werden konnte. Und so geschah es auch mit allen anderen Häresien: die neue Lehre war beabsichtigt!

  6. Christoph Rhein 28. Juli 2017 um 21:25: „Ich vertrete schon seit langem dir These, daß das II. Vatikanum ein abgebrochenes Konzils ist, da sich die Sprache zahlreicher Stellen nicht mehr auf der Ebene des „Sacrosanctum Concilium“ […] bewegt.“

    Sie müßten spezifizieren, was Sie mit „Sprache zahlreicher Stellen“ meinen. Ein Konzil steht und fällt mit der Bestätigung des Papstes. Und Paul VI., der ja ernsthaft vorgab, Papst zu sein, hat dies absolut in feierlicher und traditionsgemäßer Sprache getan. Da gibt es überhaupt keinen Zweifel. Da Sie ja überaus firm im Verständnis der lateinischen Kirchensprache sind, können Sie das selber leicht nachprüfen.

    Alle 16 „Konzils“-Texte sind von Paul VI. der Tradition gemäß in folgender Weise eingeleitet worden: „PAULUS EPISCOPUS SERVUS SERVORUM DEI UNA CUM SACROSANCTI CONCILII PATRIBUS AD PERPETUAM REI MEMORIAM (Paul, Bischof, Diener der Diener Gottes, in Einheit mit den Vätern des heiligen Konzils zum immerwährenden Gedächtnis).“

    Alle Konzilstexte sind von Paul VI. unter Anrufung seiner – wie er vorgab – von Christus übertragenen Apostolischen Autorität feierlich bestätigt und unterschrieben worden: „Haec omnia et singula quae in hac Declaratione edicta sunt, placuerunt Sacrosancti Concilii Patribus. Et Nos, Apostolica a Christo Nobis tradita potestate, illa, una cum Venerabilibus Patribus, in Spiritu Sancto approbamus, decernimus ac statuimus et quae ita synodaliter statuta sunt ad Dei gloriam promulgari iubemus.
    Romae, apud S. Petrum [Datum] Ego PAULUS Catholicae Ecclesiae Episcopus“
    http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/index.htm

    Die Dokumente des Pseudokonzils enthalten Lehren, die den Glauben und das sittliche Leben betreffen.

    Diese Lehren sind von der ganzen Kirche gläubig festzuhalten, denn Paul VI. hat sie kraft seiner Apostolischen Autorität bestätigt (approbiert), verfügt und erlassen („approbamus, decernimus ac statuimus“) und ihre Bekanntgabe (Promulgation) angeordnet („et quae ita synodaliter statuta sunt ad Dei gloriam promulgari iubemus“).

    Damit sind die Bedingungen für eine unfehlbare päpstliche Lehrentscheidung gemäß Papst Pius IX., Erstes Vatikanisches Konzil, 1870 erfüllt. Ein Papst ist unfehlbar, wenn er
    1. in Ausübung seines Amtes als Hirte und Lehrer aller Christen
    2. mit seiner höchsten Apostolischen Autorität erklärt, daß
    3. eine Lehre, die den Glauben oder das sittliche Leben betrifft,
    4. von der ganzen Kirche gläubig festzuhalten ist.

    Darüberhinaus hat Paul VI. zum Abschluß des sog. Konzils feierlich unter Anrufung seiner Apostolischen Autorität erklärt, daß alle Konstitutionen, Dekrete und Erklärungen des „Konzils“ von ihm approbiert und promulgiert worden sind. Alles müsse „von allen Gläubigen religiös befolgt“ werden. Zum Schluß erklärt er alles gegenteilige Bemühen von welcher Autorität auch immer, egal ob bewußt oder unbewußt, von nun an für null und nichtig.

    Ansprache Pauls VI. an die Konzilsväter zum Abschluß des „Zweiten Vatikanischen Ökumenischen Konzils“, 8. Dezember 1965: „Quandoquidem ergo omnia ad idem Sacrosanctum Oecumenicum Concilium spectantia, Deo adiuvante, in praesenti absoluta sunt, atque omnes Constitutiones, Decreta, Declarationes et Vota synodali deliberatione approbata riteque a Nobis promulgata, ipsum Concilium Oecumenicum, a Decessore Nostro f. r. Ioanne PP. XXIII die XXV mensis Decembris anno MCMLXI indictum, die autem XI mensis Octobris anno MCMLXII inchoatum, atque post eius piissimum obitum a Nobis continuatum, auctoritate Nostra Apostolica concludere decernimus atque statuimus ad omnes iuris effectus. Mandamus autem ac praecipimus, ut, quae synodaliter in Concilio statuta sunt, sancte et religiose ab omnibus Christifidelibus serventur ad Dei gloriam, ad Sanctae Matris Ecclesiae decus et ad hominum universorum tranquillitatem et pacem. Haec edicimus, statuimus, decernentes praesentes Litteras firmas, validas atque efficaces iugiter exstare ac permanere; suosque plenos atque integros effectus sortiri et obtinere; illisque, ad quos spectant seu spectare poterunt, nunc et in posterum plenissime suffragari; sicque rite iudicandum esse ac definiendum; irritumque ex nunc et inane fieri, si quidquam secus, super his, a quovis, auctoritate qualibet, scienter sive ignoranter attentari contigerit.“
    Englisch: http://www.vatican.va/holy_father/paul_vi/speeches/1965/documents/hf_p-vi_spe_19651208_epilogo-concilio-padri_en.html
    Es war bis vor kurzem auch noch in lateinischer Sprache auf der Vaticanseite abrufbar: http://www.vatican.va/holy_father/paul_vi/speeches/1965/documents/hf_p-vi_spe_19651208_epilogo-concilio-decreto_lt.html

  7. Das war ja die List des II. Vatikanums. Zuerst wurde der Anschein erweckt, daß es sich hier um ein ordentliches, pastorales Konzil handelt, daß die „Pastoral“ nur noch durch das Außerordentliche Lehramt eines Konzils zu retten gewesen sei. Diesen Anschein erweckten die Tituli Decreti. Und „Sacrosanctum Concilium hielt den Sprachgebrauch „Hoc Sacrosanctum Concilium“ auch im Text bei, also in der Materie.
    In den anderen Texten taucht – hier muß @Alexius korrigiert werden: „Dei Verbum“ ist knapp ein Jahr (18.November 1965) NACH „Lumen Gentium“ (21. November 1964 – exakt 100 Jahre nach „Quanta Cura“!) promulgiert worden. Und die promulgierte Form ist die entscheidende. – „Sacrosancta Syndus“ auf oder nur „Sancta Synodus“.
    Hier gerade liegt die „Perversion“ die „Diabolik“ des Konzils: FORM und MATERIE werden in ihrer logischen Folge, in ihrem metaphysischen Zusammenhang, vertauscht- geradezu umgedreht. Die Form muß bewahrt werden, damit nicht der Eindruck der FORMELLEN HÄRESIE entstehen kann. In der MATERIE dagegen erscheint eine Häresie nach der anderen – insgesamt 26 Häresien, angefangen von der Aufhebung der Prim bis zum Ökumenismus. Und das schlimme ist, Papst Paul VI und die allermeisten Konzilsväter meinen, sich auf die Tradition berufen zu können, ja sich auf die Tradition berufen zu MÜSSEN – obgleich man diese vollständig in ihrem Sinn mißversteht oder gar umdreht. Hätte das Konzil nur einmal die Worte gebraucht „Die Väter des Konzils von A (B, C, D …) und/oder Papst 1 (2, 3, 4) haben geirrt als sie folgendes sagten: „(Dogma, Doktrin)“. Wir aber sagen daß das NICHT STIMMT sondern Folgendes gilt „(Dogma, Doktrin)!““, so könnte man sich beruhigt zurücklehnen und die Sedisvakanz ausrufen und irgendein glaubenstreuen Bischof als Pontifex halten, oder einen Kardinal bitten, ein Konklave einzuberufen (das sind die Möglichkeiten gemäß „Cum ex apostolatus“!), und ohne Schisma einfach die Kirche mit der Wahl eines „Summus Pontifex“ fortbestehen lassen. Aber so leicht ist das alles nicht. Man lese bitte einmal die Predigt von S. E. Marcel Lefebrve zur Priesterweihe in Econe 1982 und man weiß, wie die Lage ist – seit 2000 Jahren, seit es die Heilige Katholische Kirche gibt.

  8. Viele Traditionalisten haben sich in eine unlogische und noch dazu schismatische Position treiben lassen. Wenn man die V2-Päpste anerkennt, muß man auch ihren Lehren folgen. Es ist ziemlich einfach. Man braucht nur etwas Mut zu verstehen. Sapere aude!

  9. @Alexius am 29. Juli 2017

    „Der Bruch vollzog sich mit Dei Verbum“
    Vergelt`s Gott, für diesen Kommentar!

    An dieser Stelle möchte ich mich einmal bei Ihnen, Alexius, für Ihre interessanten, sachkundig-erhellenden, kostbaren Beiträge, die ich außerordentlich schätze und verfolge, bedanken. Ich konstatiere, Sie sind ein Experte und sozusagen ein Lehrer, auf dem Gebiet: Kirchengeschichte, Katholische Kirche und Glaubenlehre. Wir leiden Mangel an wahrhaft katholischen (Priester-)Hirten. Aber manchmal leuchtet irgendwo ein Licht auf!
    Im Gebet verbunden
    in Jesus, Maria und Josef

  10. Geehrte(r) @Sarah, es gibt noch andere Kommentarschreiber, die bedeutend besser sind im Schreiben und die mich mit ihrer Ausdauer überflügeln.

    Doch ob ein Artikel bei vielen Lesern gut ankommt oder nicht ist unwesentlich. Wichtig allein ist die Verteidigung der Wahrheit und die Bereitschaft zum Kampf im Glauben. Das Seine tut der HERR. Schmerzlich ist es immer wieder sehen zu müssen, wie manche hartnäckig auf ihrem Standpunkt pochen, wenngleich er nicht mit der katholischen Lehre übereinstimmt und noch schmerzlicher, wenn jemand buchstäblich von einem Moment zum anderen seine bisherige gläubige Position radikal wechselt, nicht zum Positiven, sondern zum Negativen – und darin verharrt. Auch das gibt es.
    „Wer aber Sein Wort wahrt, in dem ist wahrhaft die Liebe vollendet. Daran erkennen wir, dass wir in IHM sind“ (1 Joh 2,5)
    Mit frohem Gruss im HERRN

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s