Kolumbien auf Weg zum Frieden: „Ein ideales Land errichten“

Nach der Entwaffnung: FARC-Rebellen demonstrieren Friedenswillen

Kolumbien bereitet sich auf Papst Franziskus vor: im September besucht das Kirchenoberhaupt das südamerikanische Land, das an einer wichtigen Schwelle seiner Geschichte steht. Denn erstmals seit Jahrzehnten hat Kolumbien eine echte Chance auf Frieden. Ein zentraler Teil des Abkommens mit der FARC, der ältesten und größten Guerrilla-Organisation im Land, gilt seit drei Wochen als vollständig umgesetzt, nämlich die Entwaffnung der Rebellen.

Die katholische Kirche, die in Kolumbien auf allen Seiten akzeptiert ist, engagierte sich stark in den Verhandlungen zum Abkommen und wird auch eine zentrale Rolle im Friedensprozess spielen, der dem Land bevorsteht. Gudrun Sailer sprach in Bogota mit dem neuen Vorsitzenden der kolumbianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Oscar Urbina Ortega von Villavicencio. Er sagte, die Bischöfe Kolumbiens hätten eine höchst engagierte Haltung, um dem Konflikt zwischen Regierung, Bevölkerung und Rebellen ein Ende zu setzen. Es gehe darum, „die Herzen der Kolumbianer zu versöhnen, damit wir ein ideales Land errichten können, in dem alle anfangen, miteinander voranzugehen wie echte Geschwister“. Besonders hob Urbina die Bedeutung einer „Pädagogik des Dialogs“ hervor. „Dialog schließt Wahrheit und die Akzeptanz des Unterschieds mit ein. Nur damit können wir die gemeinsamen Prozesse erzielen, die wir uns wünschen.“

Um ein friedliches Kolumbien zu erzielen, müsse sich auch die Kirche in Kolumbien selbst entwickeln, räumte Erzbischof Urbina ein. Alle Bistümer des Landes hätten je eigene Prozesse der Evangelisierung eingerichtet. „Aber die Evangelisierung in Kolumbien hat eine Konnotation, die sich Versöhnung nennt. Denn Versöhnung ist Heilung. Es geht um Versöhnung unserer selbst vor Gott, um Versöhnung mit den Brüdern und um Versöhnung mit der Schöpfung.“

Päpstlicher Anreiz: „Schließt Frieden, dann komme ich“

Kolumbien ist heute noch zu rund 80 Prozent katholisch. Das Versprechen von Papst Franziskus, das Land zu besuchen, sobald ein Friedensabkommen unterzeichnet sei, war nach Urbinas Worten ein großer Anreiz vor allem für das Volk, aber auch auf die Unterhändler, die in Havanna um ein Abkommen rangen. Franziskus hatte den Besuch just auf dem Weg nach Kuba in Aussicht gestellt, auf seiner Reise in die USA zum Weltfamilientreffen. „Da sagte er uns: ihr könnt nicht zurück“, erinnert sich Urbina. „Es gibt viel zu viele Opfer, als dass ihr euch in Debatten erschöpfen könnt, sagte uns der Papst. Ihr müsst jetzt den Weg zum Frieden gehen. Und macht es, indem ihr die Opfer respektiert und die Rechtsprechung, auf nationaler und internationaler Ebene. Und ja, das hat eine Rolle gespielt – in der Tat sind wir jetzt in dem Übergangsprozess, in dem wir sind.“

Das Kolumbien, das Franziskus im September vorfinden werde, sei gewissermaßen ein Land in einer Situation des Gebärens. „Fähig, ein neues Geschöpf zur Welt zu bringen. Der Papst muss dieses Neugeborene bestärken und sehen, dass es sich gut entwickelt im Licht des Evangeliums und seines Zeugnisses.“

Ausdrücklich würdigte Erzbischof Urbina im Gespräch mit Radio Vatikan die Rolle der katholischen Kirche in Deutschland für den Friedensprozess in Kolumbien. Namentlich das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat gewährte Mittel für zahlreiche Projekte, es half beispielsweise den Auftritt von 60 Opfervertretern in Havanna zu finanzieren; die Aussagen dieser Opfer auf allen Seiten des Konflikts hatte nach Einschätzung von Beobachtern maßgeblichen Anteil am Zustandekommen des Friedensvertrags.

(rv 19.07.2017 gs)

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