D: Requiem für Kardinal Meisner – Beisetzung im Dom

Meisners Sarg wird seine Mitra vorangetragen

Mit einem einfühlsamen Brief hat sich der emeritierte Papst Benedikt XVI. von seinem langjährigen Weggefährten Kardinal Joachim Meisner verabschiedet. Benedikts Privatsekretär und Präfekt des Päpstlichen Hauses, Erzbischof Georg Gänswein, verlas an diesem Samstag das Schreiben des emeritierten Papstes beim Pontifikalrequiem für den verstorbenen Alterzbischof von Köln. Dabei konnte Erzbischof Gänswein seine Rührung nicht unterdrücken.

Ein „leidenschaftlicher Hirte und Seelorger“

Er habe die Todesnachricht, die er telefonisch erhalten habe, zunächst nicht glauben wollen, so die Worte Benedikts XVI. Noch am Tag zuvor hätten sie miteinander gesprochen. „Aus seiner Stimme klang die Dankbarkeit dafür“, zitierte Gänswein aus dem Schreiben Benedikts, „dass er nun im Urlaub angelangt war, nachdem er am Sonntag zuvor noch an der Seligsprechung von Bischof Theophilius in Vilnius teilgenommen hatte. Die Liebe zu den Kirchen in Nachbarländern im Osten, die unter der kommunistischen Verfolgung gelitten hatten, wie die Dankbarkeit für das Standhalten in den Leiden jener Zeit hat ihn zeitlebens geprägt. Und so ist es wohl doch kein Zufall, dass sein letzter Besuch einem Bekenner des Glaubens in einem jener Länder gegolten hat.“

Die gelöste Heiterkeit, innere Freude und die Zuversicht, zu der der heimgegangene Kardinal zuletzt gefunden habe, hätten ihn besonders beeindruckt, so Benedikt XVI. „Wir wissen, dass es ihm, dem leidenschaftlichen Hirten und Seelsorger, schwerfiel, sein Amt zu lassen, und das in einer Zeit, in der die Kirche besonders dringend überzeugender Hirten bedarf, die der Diktatur des Zeitgeistes widerstehen und ganz entschieden aus dem Glauben leben und denken.“ Tiefe Freude habe dem Geistlichen die wachsende Bereitschaft auch junger Leute zu eucharistischer Anbetung und die Art, wie sie die Gnade des Beichtsakraments erlebten, bereitet. Die Anbetung sei auch 2005 beim Weltjugendtag in Köln – auch „gegen die Meinung so mancher Experten“ aus Pastoral und Theologie – ein zentrales Anliegen Meisners gewesen, betonte der emeritierte Papst. „So ist die Weile der eucharistischen Anbetung beim Kölner Weltjugendtag zu einem inneren Ereignis geworden, das nicht nur dem Kardinal unvergesslich blieb. Dieser Augenblick war ihm seither immer inwendig gegenwärtig und ein großes Licht für ihn selbst.“

„Als an seinem letzten Morgen“, las Erzbischof Gänswein sichtlich bewegt weiter, „Kardinal Meisner nicht zur Messe erschien, wurde er in seinem Zimmer tot aufgefunden. Das Brevier war seinen Händen entglitten. Er war betend gestorben. Im Blick auf den Herrn, im Gespräch mit dem Herrn. Die Art des Sterbens, die ihm geschenkt wurde, zeigt noch einmal auf, wie er gelebt hat: Im Blick auf den Herrn und im Gespräch mit ihm.“

„Unerschrockener Einsatz“  für den Glauben

Papst Franziskus wiederum hat den „unerschrockenen Einsatz“ des verstorbenen Kardinals für Kirche und Glauben gewürdigt. Im Rahmen der Exequien im Kölner Dom verlas der Apostolische Nuntius in Deutschland, Nikola Eterovic, ein entsprechendes Schreiben des Papstes. Darin würdigte Franziskus auch die Anstrengungen, mit denen der Kardinal gleichermaßen für Ost und West gewirkt habe.

Streitbar und kompromisslos

Mit Kardinal Meisner ist nur zwei Wochen nach Altbundeskanzler Kohl ein weiterer großer Deutscher und Europäer zu Grabe getragen worden. Nicht alle waren mit seiner oft kompromisslos anmutenden Haltung einverstanden – doch gerade sein aufrechtes Einstehen für Glaubenswahrheiten rang so manchem seiner Gegner doch großen Respekt ab. Dem wortgewaltigen Kardinal war es egal, wenn er deswegen aneckte; und das bewies der frühere Bischof des geteilten Berlins und Erzbischof von Köln bis zum Schluss, als er als einer von vier Kardinälen einen Zweifel-Brief an Papst Franziskus schickte.

Ein bewegtes Leben zwischen Ost und West

Am 25. Dezember 1933 wurde der spätere Erzbischof und Kardinal in Breslau als zweiter von vier Brüdern in die Familie eines Einzelhändlers geboren, dieser kam im Krieg um. Im Jahr 1945 gelingt der verbliebenen Familie die Flucht nach Thüringen. In Erfurt wird Meisner im Jahr 1962 zum Priester geweiht, ein gutes Jahrzehnt später erhält er am 17. Mai 1975 ebendort seine Bischofsweihe und ist als Weihbischof von Erfurt/Meinigen tätig. In diese Zeit fällt eine Episode, die Meisner sein Leben lang vor allem in den ehemaligen Ostblockstaaten hoch angerechnet wurde: In konspirativer und mutiger Aktion weihte er in seinem von der Stasi observierten Haus tschechoslowakische Geheimbischöfe. Papst Johannes Paul II. vertraut ihm ab dem 17. Mai 1980 das Bistum Berlin an, am 5. Januar 1983 erhebt er ihn zum Kardinal. Im Februar 1989, nur kurz vor dem Fall der Mauer, vertraut der Papst ihm mit dem Erzbistum Köln einen der wichtigsten Bischofssitze Europas an. Dort wird Kardinal Meisner bis zur Annahme seines Rücktrittsgesuches gut 2 Monate nach Erreichen seines 80. Geburtstages tätig sein. Am 5. Juli 2017 ereilt ihn während eines Urlaubes in Bad Füssing der Tod.

Prägende Persönlichkeit

Wie stark Kardinal Meisner den deutschen Katholizismus, aber auch den gesellschaftlichen und europäischen Diskurs geprägt hat, lässt sich an der illustren Gästeliste zu seiner Beerdigung ablesen. Aus Rom sind Kardinal Gerhard Ludwig Müller und Erzbischof Georg Gänswein angereist. Aus Prag kam Kardinal Dominik Duka, aus Meisners ehemaligen Bistum Berlin kam Erzbischof Heiner Koch. Ebenso anwesend waren der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof em. Robert Zollitsch von Freiburg, sowie der Münchner Alterzbischof Kardinal Wetter. Die Politik war unter anderen vertreten durch Nordrhein-Westfalens neu gewählten CDU-Ministerpräsidenten Armin Laschet.

„Delikate Mission in Berlin“

Meisners Nachfolger im Erzbistum Köln, Kardinal Woelki, leitete die Exequien. Konzelebranten waren der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sowie der Apostolische Nuntius Erzbischof Nikola Eterovic. Die Predigt hielt der langjährige Freund Meisners, Kardinal Peter Erdö aus Esztergom-Budapest und Primas von Ungarn. In seiner Ansprache erinnerte er sich an seine erste Begegnung mit Meisner, der damals noch in Erfurt tätig war. „Später hörte ich, dass er zum Bischof von Berlin ernannt worden war. Eine Aufgabe, die in der damaligen Zeit ganz außerordentlich war. Eine Diözese, die in Ost- und Westberlin gleichzeitig zuständig war, ein Bischof, der seinen pastoralen Dienst sogar in beiden Teilen der Stadt ausüben durfte. Es war eine ganz heikle Position, die viel Verständnis und Diplomatie von ihm verlangte. Bischof Meisner wurde dann in Kürze Kardinal und Vorsitzender der Berliner Bischofskonferenz. In dieser verantwortungsvollen Position hat er einen kaum zu überschätzenden Beitrag zur deutschen Wiedervereinigung geleistet.“

Auch Erdö würdigte Meisners unermüdlichen Einsatz für den Glauben und die Weltkirche, insbesondere im Ostteil Europas. Immer hätten ihm vor allem die Armen und Bedürftigen am Herzen gelegen, so Kardinal Erdö. „Sein christliches und soziales Zeugnis hat sich weit über die Grenzen der Erzdiözese Köln ausgewirkt. Seine pastorale Einstellung wurde durch Unmittelbarkeit, Offenheit für Kinder und Jugendliche, Arme und Fremde charakterisiert. Sein soziales Engagement für die Armen und Bedürftigen hat ihn sein ganzes Leben lang begleitet. Er hat aber auch die christliche Lehre und die Wahrheit leidenschaftlich gesucht und geliebt. Er hat viel Freude am Glauben und an der pastoralen Arbeit gefunden. In dieser Hinsicht kann man sogar sagen, dass er mit Papst Franziskus kongenial war.“

Bestattung in der Bischofsgruft

Die musikalische Begleitung des Pontifikalrequiems oblag den Kölner Dommusikern. Nach dem Gottesdienst im Kölner Dom wurde Meisners Sarg in die Bischofsgruft verbracht. Dort wird er seine letzte Ruhestätte unter zehn seiner hier beigesetzten Vorgängern finden, unter ihnen auch der beim Zweiten Vatikanischen Konzil in Erscheinung getretene und weit über Köln hinaus bekannte Kardinal Josef Frings (1887-1978). Damit sind in der Gruft noch fünf Grabstätten unbesetzt.

(rv/dr/erzbistum köln 15.07.2017 cs)

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