Kardinal Müller übt deutliche Kritik an Franziskus

Kurienkardinal Müller kritisiert die Art, wie ihm der Papst sein Aus als Präfekt der Glaubenskongregation mitteilte. Dennoch will sich Müller nicht vor den Karren bestimmter Bewegungen spannen lassen.

Vatikan | Passau – 05.07.2017

Deutliche Kritik an Papst Franziskus hat Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller geäußert. Der „Passauer Neuen Presse“ (Donnerstag) sagte er, Papst Franziskus habe ihm die Entscheidung über die Nichtverlängerung seiner Amtszeit als Präfekt der Glaubenskongregation am letzten Tag seines Mandats „innerhalb einer Minute mitgeteilt“, ohne Gründe zu nennen. „Diesen Stil kann ich nicht akzeptieren“, sagte Müller. Auch für den Umgang mit Mitarbeitern in Rom müsse die Soziallehre der Kirche gelten.

Auf die Frage nach seinem momentanen Verhältnis zum Papst verwies Müller auf Äußerungen von Franziskus selbst. Dieser habe gesagt, „dass das Verhältnis persönlich immer sehr gut war“. Dies könne er, Müller, bestätigen. „Das gilt auch heute noch.“ Der Papst habe diese Entscheidung getroffen, die ihm auch zustehe. „Ich werde darauf nicht mit irgendwelchen Aktionen antworten.“

Müller: Ich will Polarisierungen verhindern

Er wolle sich nicht „vor den Karren einer papstkritischen Bewegung spannen“ lassen, auch wenn manche daran dächten. „Ich habe als Kardinal weiterhin die Verantwortung, für die Einheit der Kirche zu sorgen und Polarisierungen so weit wie möglich zu verhindern.“

Eine neue konkrete Aufgabe hat Müller nach eigenem Bekunden noch nicht. Dem Papst bot er sich in dem Interview als Vermittler für ein Gespräch mit den drei noch lebenden Kardinälen an, die öffentlich Zweifel an der Ehelehre von Franziskus angemeldet hatten. Der vierte Unterzeichner eines entsprechenden Briefes, Kardinal Joachim Meisner, war am Mittwoch im niederbayerischen Bad Füssing gestorben.

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Die Nachricht machte am Freitagabend die Runde. Papst Franziskus verlängert die Amtszeit von Kardinal Müller als oberstem Glaubenshüter der Kirche nicht. Was hat zur Entscheidung des Papstes geführt?

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Müller sagte, er könnte ein solches Gespräch zwischen den drei Kardinälen und dem Papst moderieren, „weil ich die Kompetenz und auch das Verantwortungsbewusstsein dafür habe“. Der ehemalige Glaubenspräfekt sagte, ihm wäre lieber gewesen, wenn der Brief der Kardinäle mit ihren Zweifeln nicht öffentlich diskutiert worden wäre. Er selbst habe sich „nie auf die eine oder andere Seite geschlagen“, sondern sei immer loyal zum Papst gewesen und wolle es auch in Zukunft bleiben.

Die bisher vorgelegten Interpretationen zum päpstlichen Schreiben „Amoris laetitia“, unter anderem vom Wiener Kardinal Christoph Schönborn und von Kardinal Walter Kasper, bezeichnete Müller als „nicht überzeugend“. Ein großes Symposium „von wirklichen Fachleuten“ könnte aber dafür sorgen, dass der Spagat zwischen Lehre und Pastoral gelinge.

Müller sagte, er habe noch am Dienstagabend, und damit kurz vor dessen Tod – mit Kardinal Meisner telefoniert. „Er sagte mir, dass er sich gesundheitlich gut fühle, zeigte sich aber sehr besorgt über die Situation in der katholischen Kirche“, gibt Müller Meisner wider. Dass der Papst seine Amtszeit als Präfekt der Glaubenskongregation nicht verlängert habe, habe Meisner „persönlich bewegt und verletzt“. (KNA)

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Es gibt Unterschiede in den Ansichten von Papst Franziskus und Kardinal Gerhard Ludwig Müller zur Stellung der Kurie. Liegt in ihnen der Grund für das Aus Müllers als Präfekt der Glaubenskongregation?

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Quelle

Ein Kommentar zu “Kardinal Müller übt deutliche Kritik an Franziskus

  1. Es mag zwar sein, daß sich hier mehrere Ereignisse zeitlich überschneiden, Zufall ist das nicht. Der Tod S. Em. Joachim Meisner und die Desavouierung und Demission s. Em. Gerhard Ludwig Kardinal Müller sind Zeichen des endgültigen Offenbarwerdens der Person Bergoglio, Papst Franziskus. Es ist in diesem Zusammenhang wichtig zu erkennen, daß Papst Franziskus s. Em. Robert Cardinal Sarah zunächst im Amt läßt. Und hier wird noch eines klar ersichtlich. Zwischen Papst Franziskus und Benedikt XVI PP Em. gibt es keinen Bruch. Vier Punkte sind es, die hier zu erwähnen sind, die für Gerhard Ludwig Kardinal Müller zum Verhängnis geworden sind:
    1) Der Umgang mit dem Papst als Amt: S. Em. Müller hat sich zwar theologisch klar positioniert, in dem er durchaus offen für die aus „Cum ex apostolatus officio“ folgende These des ipso-facto-Amtsverlustes eines papa haereticus war, konkret diese aber in den Grenzfällen der nachkonziliaren „dubia“ nicht angewendet hat, oder die Anwendung erlaubt hat. Ob die Anwendung gültig gewesen wäre, darüber ist trefflich zu streiten, die „Anaphora von Mari und Addai“ zuzulassen ohne Verba Consecrationis Testamenti Novi oder die faktische Aufhebung der Exkommunikation bei Abtreibung, die zum status Ecclesiae gehört durch „Misericordia et Misera“ sind hier grenzwertig – auf alle Fälle haersim inducens!
    2) Das Aneinandervorbeiverhandeln zwischen dem Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X. und dem Papst auf der einen Seite, der Kommision „Ecclesia Dei“ und der Theologenkommission der FSSPX auf der anderen Seite, die eine schwere Loyalitätskrise in der Glaubenskongregation und dem Generalhaus der FSSPX sowie des Priesterseminars in Ec^one ausgelöst haben.
    3) Der leidliche Umgang mit „Amoris laetitia“, bei dem es Gerhard Ludwig Kardinal Müller an der selben Deutlichkeit, wie sie S. Em. Joachim Kardinal Meisner + gezeigt hat, und vor allen Dingen, als er leider zwischen der Loyalität und dem besseren Wissen lavieren wollte. Das hat der Fuchs Bergoglio, Papst Franziskus, schnell mitbekommen und sich gefragt, wie es denn um Müller wirklich bestellt ist. Ist Müller doch nur einer der unsicheren Kantonisten, die ihr Mäntelchen nach dem theologischen Wind hängen, die akademische Theologie betreiben, die für Franziskus nichts gilt.
    4) Und hier wird es sehr persönlich: Daß Papst em. Benedikt XVI seinem Bruder faktisch im Vatikan Asyl vor der sicheren Verfolgung der Vorgänge bei den Regensburger Domspatzen durch die Deutschen Justizbehörden gewährt und dies mit offener Unterstützung durch den amtierenden Papst Franziskus (Misericordia!) ist klar ein Affront gegen die Amtshoheit der Kongregation für die Glaubenslehre. Dieser ist die Verfolgung der Fälle von Kindesmißbrauch zugeordnet, sie hat die Amtsgewalt und übt sie ohne Ansehen der Person aus – so sollte es sein. Und nun mischt sich Papst Franziskus in genau diese Arbeit ein, entläßt die drei wichtigsten Untersuchungsprälaten und begnadigt zumindest einen Priester, der offen sich des Mißbrauch schuldig gemacht hat. Müller hatte hier ein Vorbild in der Arbeit, wie man das machen sollte, dern Fall des Mainzer Domkapellmeister Heinrich Hain und die Aufklärungsbereitschaft des damaligen Bischofs von Mainz Karl Lehmann, der radikal durchgegriffen hat und vollumfänglich auf staatlicher Seite mit dem Staat zusammengearbeitet hat. Wie er dann allerdings auf der kirchlichen Ebene den Fall behandelt hat, kann man als durchaus katastrophal bezeichnen. Aber – Gerhard Kardinal Müller hatte empfohlen, Georg Ratzinger für den Prozeß in Deutschland aus dem Asyl im Vatikan zu entlassen.
    Zwischen Müller und Franziskus konnte es nicht funktionieren. Müller ist wie Ratzinger und sein Lehrer Karl Lehmann akademischer Theologe Franziskus dagegen ist der Dorfpfarrer. Wenn nun jemand ohne das charisma epsicopale Papst ist, wie kann er sich dann ohne gegen die Nächstenliebe zu versündigen disziplinarisch in der Einen Heiligen Katholischen und Apostolischen Kirche durchgreifen? Eines ist jedenfalls klar: Die Priesterbruderschaft St. Pius X. wird ihr „Non Possumus“ bald erklären und Bischöfe weihen.

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