Franziskus bittet Katholische Aktion um mehr Nähe zum Volk

Das Mikrofon ist an: Papst Franziskus spricht mit Angehörigen der Katholischen Aktion

Papst Franziskus hat die internationale Katholische Aktion zu mehr Einsatz für die Evangelisierung aufgerufen. Bei einer Audienz im Vatikan an diesem Donnerstag sagte das Kirchenoberhaupt der traditionsreichen Laienbewegung, sie müsse mehr „im Volk“ sein und dürfe sich nicht in sich selbst einschließen. Es handle sich nicht um eine Frage der Außenwirkung und habe auch nichts mit Volksbeeinflussung zu tun, sondern sei eine Frage der Wahrhaftigkeit und des Charismas, sagte der Papst den Angehörigen der Katholischen Aktion. Franziskus hielt seine lange und immer wieder von Applaus unterbrochene Rede frei anhand eines sichtlich von ihm selbst vorbereiteten Entwurfs; Radio Vatikan war gehalten, aus den freien Einschüben nicht zu zitieren.

Sechs Unterpunkte umfasste der Redeentwurf des Papstes: Charisma, Engagement in der Evangelisierung, Handelnde, Zielgruppe,  Art und Weise sowie Zukunftsperspektiven. Im Wesentlichen bezog sich der Papst, wie er eingangs klarstellte, auf sein programmatisches Schreiben „Evangelii Gaudium“, das er in seiner auf Spanisch gehaltenen Rede in teils sehr konkreten Worten und Beispielen ausbuchstabierte.

Von den vier Säulen der Katholischen Aktion – Gebet, Glaubensbildung, Opfer und Apostolat – sei letzteres heute das Wichtigste, betonte der Papst. Apostolat brauche aber immer auch die anderen drei Elemente, sonst bleibe das Wirken fruchtlose. Franziskus riet der Katholischen Aktion, ihre Pläne der Glaubensbildung und ihre Formen des Apostolats neu auf die Mission auszurichten. „Gebt die alten Begründungen auf – dieses ,weil wir es immer so gemacht haben´“, heißt es in dem Redeentwurf. „Es gibt Dinge, die sehr gut und verdienstvoll gewesen sind, die aber heute außerhalb des Rahmens wären, wenn wir sie wiederholen wollten.“

Als Handelnde der Katholischen Aktion identifizierte Papst Franziskus „alle“ ihre Angehörigen. Er warnte vor der „perfektionistischen Versuchung der ewigen Vorbereitung auf die Mission“ und den „ewigen Analysen“, die bereits veraltet seien, wenn sie zu Ende gedacht sind. „Das Beispiel ist Jesus mit den Aposteln: Er schickte sie mit dem, was sie hatten. Danach versammelte er sie wieder um sich und half ihnen nachzudenken über das, was sie erlebt hatten.“

Aktionsfeld der Katholischen Aktion ist nach Aussage von Papst Franziskus jeder Winkel der Wirklichkeit: die politische Welt und das Berufsleben ebenso wie die Gefängnisse, die Krankenhäuser, die Straßen, Vororte und Fabriken. „Wenn das nicht so ist, wird es eine Institution der Exklusiven, die niemandem etwas sagt, nicht einmal der Kirche“, so der Papst. Und niemand dürfe als Empfänger ausgeschlossen werden. „Seid keine Zollstationen“, warnte Franziskus, „ihr sollt nicht restriktiver als die Kirche und nicht päpstlicher als der Papst sein. Öffnet die Türen, macht keine Eingangstests in christlicher Perfektion, denn so fördert ihr bloß ein heuchlerisches Pharisäsertum. Es braucht aktive Barmherzigkeit.“ Die Bewegung solle auch einen „Raum der Aufnahme und der christlichen Erfahrung“ für jene bereithalten, die sich aus persönlichen Gründen als „Christen zweiter Klasse“ fühlen.

Franziskus bat die Katholische Aktion um mehr Nähe zum Volk. „Ihr müsst die Katholische Aktion popularisieren“, erklärte der Papst und riet dazu, beispielsweise ein Stadtviertel zu empfangen. „Das Leben der Leute teilen und entdecken, was ihre Interessen und Sehnsüchte und Wunden sind, und was sie von uns brauchen. Das ist fundamental, um nicht in die Sterilität dessen zu verfallen, der Antworten gibt auf Fragen, die niemand gestellt hat. Die Arten der Evangelisierung kann man vom Schreibtisch her durchdenken, aber erst, nachdem man inmitten des Volkes war – nicht umgekehrt.“

Diese Form des Zugehens „wird euch Probleme machen“, räumte der Papst ein, „denn da werden Menschen dazugehören wollen, die anscheinend nicht die rechten Voraussetzungen mitbringen: Familien, bei denen die Eltern nicht in der Kirche geheiratet haben, Männer und Frauen, die mit einer schwierigen Vergangenheit oder Gegenwart kämpfen, oder orientierungslose Jugendliche.“ Sie alle zu begleiten, sei eine Herausforderung an die „kirchliche Mütterlichkeit“ der Katholischen Aktion. Doch dieses konkrete Volk müsse im Glauben herangebildet werden. „Mit diesem und für dieses Volk wird gebetet.“

(rv 27.04.2017 gs)

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