Wie eine Rückkehr ins Haus des Evangelisten Markus

Kairo / Wikimedia Commons – Raduasandei, Public Domain

Erinnerungen an Besuch Papst Johannes Pauls II. am Nil

Papst Franziskus reist am kommenden Freitag nach Ägypten. Der letzte Besuch eines Papstes dort fand im Februar 2000 statt. Im Vorbereitungsteam war damals der Deutsche Monsignore Joachim Schroedel. Fast zwanzig Jahre, bis August 2014, war der Geistliche im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz der Seelsorger der deutschsprachigen Katholiken in Ägypten, zuständig auch noch für acht weitere Länder. Der Monsignore aus dem Bistum Mainz unterstützt nun den Apostolischen Vikar in Alexandria, Bischof Zaki, in der Seelsorge für die Deutschsprachigen. ZENIT-Korrespondentin Michaela Koller befragte ihn nach seinen Erinnerungen an den Besuch Papst Johannes Pauls II. im Land am Nil:

Sie haben im Jahr 2000 den Papstbesuch Johannes Paul II. in Ägypten mit vorbereitet. Was war Ihre Aufgabe?

Msgr. Joachim Schroedel: Vor siebzehn Jahren bedeutete die Vorbereitung eines Papstbesuches vor allem die Kommunikation im Inneren des Landes. Es war immerhin der erste Besuch des Nachfolgers des Apostels Petrus in Ägypten. Hier galt es, nicht zuletzt auch den muslimischen Repräsentanten des Staates und hoher muslimischer Institutionen, Kenntnisse zu vermitteln. Logistisch waren die Probleme sicherlich geringer, denn der Heilige Vater hatte ja mit zwei Übernachtungen und drei Besuchstagen ein eher entzerrtes Programm. Zur Vorbereitung gehörte dann auch die konkrete Durchführung samt Berichterstattung für die Medien.

Wie war damals die Reaktion der Christen auf den Besuch? Sprachen sie mit einer Stimme oder reagierten sie je nach Konfession unterschiedlich?

Msgr. Joachim Schroedel: Alle Christen Ägyptens freuten sich! Und sehr viele Muslime sagten, es sei eine große Ehre, die der Papst auch ihnen erweisen würde. Natürlich freuten sich die etwa 200.000 Katholiken besonders. Immerhin kam ihr Haupt zu ihnen, um ihnen Mut zu machen. Die Beziehungen zwischen den orientalischen Kirchen und der Kirche Roms war damals eher distanziert. Doch hat auch der damals regierende Patriarch der koptisch-orthodoxen Kirche, Shenuda III., bei einem Empfang für die Ökumene Kairos bekannt: ‚Heiliger Vater, wir lieben Ägypten – und wir lieben Sie!‘ Und Johannes Paul II. hatte herzlich bekannt, er käme “nach Hause”, ins Haus des Evangelisten Markus, der ja ein Schüler des Petrus war.

Bemerkenswert war die Bezeichnung der Zehn Gebote als “moralisches Universalgesetz”, gültig zu jeder Zeit und an jedem Ort. Wissen Sie etwas über die muslimischen Reaktionen darauf?

Msgr. Joachim Schroedel: Der Heilige Vater hatte es hervorragend verstanden, auch die muslimische Mehrheit in seinen Besuch einzubeziehen, obwohl anders als beim Besuch von Franziskus, es nur einen “Höflichkeitsbesuch” beim Großscheich der Al Azhar gab. Die 10 Gebote als “Universalgesetz” zu bezeichnen, das für jeden Menschen gilt, war keine neue Theorie. Doch hat dieses Wort neu auch bei den Muslimen gewirkt. Ebenso bemerkenswert war, daß der Papst mehr auf den “Dialog der Kulturen” abhob als auf den “Dialog der Religionen”. Ich hoffe, daß Papst Franziskus auf der gleichen Ebene weiter denkt.

Welche längerfristigen Auswirkungen hatte der Besuch – besonders mit Blick auf die Ökumene und den interreligiösen Dialog?

Msgr. Joachim Schroedel: Nach siebzehn Jahren kann man sagen, die Beziehungen zwischen den Kirchen des Orients und des Okzidents haben sich wesentlich verbessert. Der katholische Patriarch, Ibrahim Sidraq, und der koptisch-orthodoxe Patriarch, Tawadros II., sind, so kann man es sehen, Freunde geworden. Beim kommenden Besuch des Papstes wird auch der griechisch-orthodoxe Patriarch Bartholomaios aus Konstantinopel anwesend sein – ein nochmals größeres Zeichen wachsender Ökumene. Die Gespräche mit den Muslimen werden weiter geführt. Doch sollte dabei wirklich der Ansatz Johannes Pauls II. vom Dialog der Kulturen voran getrieben werden.

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