Aus: Alfons Sarrach: SIEG DER SÜHNE – Wigratzbad: Marias Botschaft an den Menschen

Kapitel I

Sternstunde

 

Ungewöhnliche Begegnung

Es gibt im Leben eines jeden verantwortungsbewussten Journalisten Begegnungen, Ereignisse, die er erlebt, Berichte, die er schreibt, von denen er im Nachhinein sagen kann, dass es für ihn eine Sternstunde war. Persönlich habe ich Gelegen­heit gehabt, Bundespräsidenten, Bundeskanzler, Minister, Po­litiker aller Couleur, Wissenschaftler und Künstler jedweden Grades zu befragen.

Vier Tage vor dem berüchtigten 11. September 2001 haben sich bei einer Begegnung mit dem US-Armeeminister Thomas White in Fulda die Rollen auf seltsame Weise verkehrt. Ich war nicht, wie für einen Journalisten üblich, Fragender, sondern plötzlich Warnender geworden. Auf rätselhafte Weise konnte ich ihm den Terroranschlag auf Washington und New York ankündigen, die Gruppe benennen und das Land, von dem der Angriff ausgehen würde, und die neuartige Art der Waffe, die zum Einsatz kommen könnte. Meine Frage, ob sein Land darauf vorbereitet sei, beantwortete der Minister positiv und nannte es die asymmetrischen Gefahren. Aber es zeigte sich, die Supermacht Amerika war keineswegs vorbereitet.

Als mich jemand, der bei dem Gespräch dabei war, am 11. September am Vormittag anrief und empfahl, den Fernsehsen­der einzuschalten, war ich selber tief betroffen. Meine Ankün­digung gegenüber der US-Administration war überraschend schnell bittere Wirklichkeit geworden. Für die Weltmacht USA war es ein Schock. Für den Journalisten wurde diese Vorah­nung zu einer Sternstunde.

Mehr als zwanzig Jahre vorher, im September 1977 hatte Dr. Josef Stimpfle, seit 1963 Bischof von Augsburg, einflussreiche Persönlichkeiten zu einem Kongress nach Ottobeuren einge­laden, um der damals sich abzeichnenden Europamüdigkeit zu begegnen. Das weckte meine publizistische Neugier. Keine po­litische Partei, ein Oberhirte war es, der dem Gedanken an die Einheit Europas neue Impulse geben wollte. Deshalb bat ich ihn als leitender politischer Redakteur der „Esslinger Zeitung“ im März 1978 um ein Gespräch, um ihn zu seinen Motiven für diese Initiative zu befragen. Es wurde für den leidenschaftlich engagierten Publizisten eine ganz ungewöhnliche Begegnung, denn aus diesem Pressegespräch entwickelte sich eine per­sönliche Freundschaft, die bis zu seinem Tode anhielt.

Zu jener Zeit, als in Ottobeuren der Europakongress ab­lief, hatten meine Frau und ich aus Indien gerade unsere erste indische Tochter geholt und waren im Begriff, eine zweite und dritte hinzuzufügen. Wir hatten uns etwas dabei gedacht, als wir uns entschlossen, gerade indischen Mädchen ein Zuhau­se zu geben, Geborgenheit und Liebe, und ihnen ihre Iden­tität zu bewahren, ja zu pflegen.

1964 hatte ich mit einem kleinen Filmteam die Reise Pauls VI. zum Eucharistischen Kongress nach Bombay begleitet, der ersten Reise eines Papstes nach Übersee. Das Team nahm die Gelegenheit wahr, am Rande auch andere Eindrücke zu sam­meln, die ansonsten Kameraleuten kaum zugänglich waren. Dabei waren unserem Wagen eines Tages drei hungernde Kin­der nachgelaufen. Ich konnte ihre Gesichter nie vergessen. Sie verfolgten mich bis in die Träume hinein und wurden drei­zehn Jahre später zum Anstoß, drei Kinder aus diesem Lande zu adoptieren und ihnen ein Familienleben zu schenken.

Diese Haltung berührte den Bischof sehr. Sie bildete eine ge­meinsame Basis, auf der wir uns verstanden. Unseren Haupt­wohnsitz hatten wir in Fulda. Das nahm der Oberhirte wahr, um uns am Rande der Fuldaer Bischofskonferenz jedes Jahr zu besuchen und dabei das Wachstum der Mädchen zu verfolgen. Das tat er sogar noch nach seinem Rückzug in den Ruhestand.

Prophetische Mahnung

In dem umfangreichen Interview, das der Bischof mir sei­nerzeit gab, meinte er zur Situation unseres Kontinentes, die entscheidende Ursache für die gegenwärtige Krise Europas bestehe im Verlust seiner geistig-sittlichen Identität. Zu den Wurzeln des europäischen Selbstverständnisses gehöre vor al­lem der christliche Glaube, der allein eine umfassende, trag­fähige Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens und der Welt sowie deren Gestaltung geben könne.

Zu den wichtigsten Diensten, die das Abendland gegen­über der ganzen Welt geleistet habe, gehöre die Einsicht in das Wesen des Menschen, seine ursprünglichen Rechte, seine ihm von Gott geschenkte Freiheit und Verantwortung. Wegen dieser Personalität sei der Mensch „Ursprung, Träger und Ziel des gesellschaftlichen Lebens“. Kurz danach machte der neu gewählte amerikanische Präsident Jimmy Carter (1977-1981) in seiner Außenpolitik die Einhaltung der Menschenrechte zum Maßstab. Ein Hinweis, wie überreif dieses Problem ge­worden war, dem der Bischof von Augsburg einen Kongress gewidmet hatte.

Die Anfälligkeit junger Menschen für kollektive Leitbilder sei größtenteils – so meinte Dr. J. Stimpfle – eine Reaktion auf eine übertriebene Ichbezogenheit. Und diese habe ihre Wurzeln in der neuzeitlichen Forderung nach einer möglichst absoluten Unabhängigkeit für die Person. Dabei würden die Beziehungen zu und die Verantwortung für die Mitmenschen verkümmern.

Das ganze Interview war eine prophetische Mahnung, die sich heute mehr und mehr bestätigt. Es wurde später, zum 25. Bischofsjubiläum Stimpfles, in dem umfangreichen Band „Im Dienst am Evangelium“ übernommen.

In diesem befindet sich auch ein Kapitel zur Krise des Mari­anischen in der Gegenwart. „Die Erwartungen, die das Konzil mit dem marianischen Kapitel in der ,Dogmatischen Konstitu­tion über die Kirche‘ verband“, meinte der Augsburger Bischof, „haben sich nicht in befriedigender Weise erfüllt. Neben der Rücksicht auf das ökumenische Gespräch kamen Tendenzen zum Durchbruch, die nicht durchwegs mit dem katholischen Glaubensgut und einer gesunden Überlieferung in Überein­stimmung stehen, wie etwa die radikale Entmythologisierung des Neuen Testamentes und neuere Theorien über die Erbsün­de und die Auferstehung der Toten. Dabei sind die Glaubens­wahrheiten über Maria mitbetroffen, ja zum Teil restlos in Fra­ge gestellt. Es muss darauf hingewiesen werden, dass die ge­nannten Tendenzen und Theorien auch die Verehrung der Got­tesmutter in Glaube und Frömmigkeit bedrohen, denn in der sog. ,Zweiten Aufklärung‘ werden heutzutage nicht nur die Ge­lehrtenstuben, sondern mittels der Massenmedien auch das kleinste Dorf und jedes Haus von den Neuerungen erfasst.“

Die Sichtweise zu beiden Themen, einmal zu den christli­chen Wurzeln der Menschenrechte, wie sie zunehmend in der Politik herausgestellt werden und an Bedeutung gewinnen, und zum anderen das Gewicht der Lehre über Maria für den geistigen Fortschritt der Menschheit erklären die innere An­teilnahme Stimpfles an den Ereignissen in Wigratzbad zwi­schen den beiden Weltkriegen und danach. Verständlich, dass die Gespräche mit dem Bischof in unserem Hause sich oft um diese Problematik bewegten, insbesondere nachdem meine Bücher über den prophetischen Aufbruch von Medjugorje er­schienen waren, die er sorgfältig studiert hatte. Gelegentlich erwähnte er dabei Wigratzbad und die dortige Charismati­kerin Antonie Rädler. Er habe darüber auch vor Bischöfen in Rom gesprochen.

Begeistert verfolgte er den Werdegang unserer indischen Töchter, die bemüht waren, ihn jedes Mal zu überraschen. Einmal empfing ihn die jüngste Tochter, von der ältesten, die ein humanistisches Gymnasium besuchte, eingeübt, mit den ersten Versen des Prologs des Johannesevangeliums in Grie­chisch: „En arche en ho logos …“ (Am Anfang war das Wort …). Als sie mit ihren Zeilen zu Ende war, griff er die Stelle auf und führte den Text lückenlos auswendig zu Ende.

Ein anderes Mal rezitierte eine Tochter für ihn das Gedicht des großen Mystikers Johannes vom Kreuz „Das Lied der Lie­be“: „Wohin – Geliebter schwangst du? – Verlassen hab ich Seufzer nur gefunden. – Gleich einem Hirsch entsprangst du – und durftest mich verwunden, ich drang dir nach, ich rief – du bliebst entschwunden.“ Dies alles blieb nicht ohne tie­fen Eindruck auf ihn.

Dringende Bitte

Dennoch war ich überrascht, als er mich einige Monate vor seinem Tode schriftlich dringend bat, mich in besonderer Wei­se der Geschichte und Berufung von Wigratzbad zuzuwen­den und darüber ein Buch zu verfassen. Er glaube, so hieß es, meine literarische Art und die Richtung meines Denkens wür­den mich den Geist der Stätte erfassen lassen. Er lud mich nach Augsburg ein, um den Plan ausführlich zu besprechen. Beim Mittagessen wiederholte er noch einmal dieses sein Her­zensanliegen, dabei begannen ihm die Hände zu zittern, so sehr, dass ich erschrocken meine Hand beruhigend auf sei­nen Arm legen musste.

In diesem Augenblick hatte ich den Eindruck, dass er ins­geheim befürchtete, ich würde die Dringlichkeit seines Anliegens nicht ganz erfassen, weil ich zu sehr auf die Botschaf­ten von Medjugorje eingeschworen war. Er versprach, mich persönlich zur Gebetsstätte zu begleiten und mich in alles einzuführen. Leider kam es nicht mehr dazu. Vierzehn Tage später erlitt er in der Schweiz einen Schlaganfall und verstarb plötzlich. Erschüttert fragte ich bei seiner Schwester an, ob sie irgendwelche Unterlagen habe, aber in der Trauer um den Tod ihres Bruders ließ sie nichts von sich hören.

Nach vielen Jahren traf ich – scheinbar zufällig – Pfarrer Erich Maria Fink, einen der Herausgeber der Monatsschrift „KIRCHE heute“ und Seelsorger in Russland. Er versuchte mich ebenfalls für Wigratzbad zu interessieren. Dabei kam so ganz nebenbei das Vermächtnis des verstorbenen Bischofs von Augsburg zur Sprache. Von nun an ließ mich das Anliegen nicht mehr los. Der verstorbene, ganz ungewöhnliche Ober­hirte besaß ein feines Gespür für die Bedeutung des Charis­mas in unserer Zeit. Kaum im Amt, versagte er Antonie Rädler, der Begründerin der Stätte, nach eingehender Prüfung sei­ne Unterstützung nicht, was ihm bei der Zurückhaltung, ja Ab­lehnung seiner beiden Vorgänger und eines Teiles der Geist­lichkeit nicht wenig Mut abforderte. Offensichtlich war hier ein großes Charisma einem anderen großen begegnet.

Im Laufe des Jahres 2007 erreichte mich die Einladung von Thomas Maria Rimmel, Direktor der Gebetsstätte, auf dem Rosenkranzkongress 2008 in Wigratzbad ein paar Referate unter dem Titel „Mit Maria gegen die Irrlehren der Zeit“ zu übernehmen. Eine geistige Welt, die mich seit mehreren Jahr­zehnten beschäftigte.

Dem vorausgegangen war, dass bei mir im Jahre 2005 ein verschleppter bösartiger Blutkrebs festgestellt wurde. Die Ärz­te, allen voran Prof. H.G. Höffkes vom Klinikum in Fulda, machten mir gegenüber kein Geheimnis aus dem ernsten Zustand. Mit anderen Worten, ich stand an der Schwelle zur Ewigkeit, was mich, als es mir voll bewusst wurde, mit tiefer Freude erfüllte. Dieser Freude machte einige Wochen später eine Spontanheilung einen Strich durch die Rechnung. Sie ging auf den berühmten Ort Medjugorje in der Herzegowina zurück, den Menschen aus der ganzen Welt aufsuchen, aber auch viele – selbst in der Kirche – unversöhnlich ablehnen. Um meine Gesundung hatten dort Menschen gebetet. Inzwi­schen lag über die Heilung auch das von mir verfasste Buch vor, unter dem Titel „Jenseits des Scheins“.

In Wigratzbad sollte ich meine Gesundung vom Blutkrebs in einem weiteren Licht sehen, einige Tage den Puls dieses vom Gebet geprägten Ortes erleben. Alles seelische und kör­perliche Leid dieser Erde schien hier – wie in Lourdes – zu­sammenzukommen, sich mit den Strömen von Schmerz an­derer Länder zu vereinen. Auch mit der Architektur des Got­teshauses musste man erst vertraut werden, ihren Geist er­gründen, die Dimension ihrer Aussage erfassen.

Tiefster Sinn des Kreuzes

Beklommen betrat ich das Gotteshaus und kniete vor dem Allerheiligsten nieder. Dahinter ein gewaltiges Kreuz, von dem mein Blick sich nicht lösen konnte. Bischof Stimpfle hatte ver­sprochen, an meiner Seite zu sein, wenn ich den Fuß über die Schwelle dieser Kirche setzen sollte. Nun war ich allein, al­lein mit einer mir auferlegten schweren Bürde. Sein Nachfol­ger im Amt, Dr. Walter Mixa, einer der furchtlosen Mahner unter den Oberhirten Deutschlands, hatte mich ermuntert, die Arbeit in Angriff zu nehmen, als er erfuhr, auf wen diese Ini­tiative zurückging. Das konnte ein Gefühl innerer Verlassenheit nicht aufheben. Warum hat dieser große Oberhirte mich allein gelassen bei einer Aufgabe, die ihm so dringend am Her­zen lag? Diese Frage bohrte in mir. Dennoch war mir, als wür­de der verstorbene Bischof mir jetzt über die Schulter schauen und sagen: „Lange haben wir auf dich gewartet, endlich bist du da, aber wir sind mit dir, du bist keineswegs allein“.

Draußen war die Nacht hereingebrochen, es wurde kühl. Drinnen beteten Menschen aus allen Himmelsrichtungen. Hier und da konnte man sogar ein bekanntes Gesicht erken­nen, von weither gekommen. Jeder einer geheimnisvollen Stimme folgend. Was ich nicht ahnen konnte war, unter wel­chen schmerzdurchtränkten Begleitumständen ich meine Ar­beit durchführen sollte. Die Kirche war dem Gedanken der Sühne gewidmet, das ließ einiges erahnen, auch für mich. Ich wusste es von meinen anderen Büchern her. Sühne, ein unter den sich modern wähnenden Menschen unbeliebt geworde­nes Wort. Sühne, ein Akt, ohne den die Beziehungen zwi­schen Gott und den mit Schuld beladenen Menschen ein aussichtsloses Unterfangen bleiben müssten. Sühne, die es für die Menschheit, vor allem aber für die Kirche Jesu, neu zu entdecken gilt.

Es war eine Frau, auf die dieser Impuls zurückging. Es ist nicht das Große, das Eindrucksvolle, bei dem Gott ansetzt, sondern das Kleine, das Unscheinbare, von nichts anderem geführt als von der Gnade allein. Und diese unscheinbare Frau hat einen der gewaltigsten Gedanken in den Beziehungen zwi­schen Gott und den Menschen aufgegriffen, den Gedanken der Sühne, der im 20. Jahrhundert immer mehr und immer unverhohlener verdrängt und gar verhöhnt wird. Der sühnen­de Gott am Kreuze, Ausdruck unfassbarer Liebe, ist für viele sich selbst anbetende Menschen – und oft auch für Christen – unverständlich, ja geradezu eine Peinlichkeit geworden.

Aber Sühne ist die Wiederherstellung des Gleichgewichtes im Kosmos. Schon im sichtbaren Universum erkennen wir die Bedeutung des Gleichgewichtes, durch das ein gewaltiges Universum nicht im Chaos versinkt, sondern eine wunderbare Ausgewogenheit aufweist, die immer mehr aufrichtige Natur­wissenschaftler in Staunen versetzt. Diesen komplexen, sen­siblen Aufbau des Kosmos hat der Architekt Professor Gott­fried Böhm – bewusst oder unbewusst – in der Struktur des Gotteshauses von Wigratzbad wiedergeben wollen, in der nun schon seit Jahrzehnten Sühne geleistet wird für die gestörte Ordnung in der Welt des Menschen, in der Welt des Geistes.

Vergleichbares gilt für die für uns unsichtbare Welt jenseits der Materie. Luzifer, der Engel des Lichtes, ein großer Intellekt, lehnte sich einst gegen Gott auf, wollte es besser wissen als sein Schöpfer, versagte Ihm mit seinem „Non serviam“, „Ich werde nicht dienen“, die Gefolgschaft. Aber Michael, der Erzengel, stellte sich der Auflehnung entgegen und somit das Gleich­gewicht wieder her. „Keiner kann sein wie Gott!“ schleuderte er dem rebellierenden Engel entgegen und stürzte ihn in den Abgrund der Hölle, das heißt in die ewige Gottferne, ausge­schlossen vom Mitwirken am Heilswillen Gottes gegenüber der Schöpfung, in ewiger Selbstentfremdung von der Liebe.

Papst Benedikt XVI. hat am 12. September 2008 in Paris, auf seinem Weg nach Lourdes, in einer Ansprache einen fein­sinnigen Vergleich unserer Zeit mit den Zuständen im grie­chischen Korinth der Antike zur Zeit des Apostels Paulus ge­wagt, einer Stadt, die von moralischer Verkommenheit und materialistischem Sumpf geprägt war.

Es dürfte daher nicht abwegig sein, den Hochmut, die Selbstsicherheit unserer Zeit mit der großen Auseinanderset­zung unter den größten Geistern vor dem Angesichte Gottes zu vergleichen. Wer Ohren hat zu hören, dem wird in seiner Umgebung oft das „Non serviam“, das „Ich werde nicht die­nen“, das „Ohne mich“ gegenüber Gott, im Ohr klingen, fein und zart oder offen und brutal, zynisch bis zur Unerträglich­keit. Nicht nur bei sehr gebildeten Gehirnen, sondern über­raschenderweise bei ganz einfachen Gemütern.

Antonie Rädler, der jungen, einsamen Frau aus Wigratz­bad, ging es nicht, das schält sich bei eingehendem Studium ihres Lebens heraus, um neue Formen der Frömmigkeit, nicht einmal um Wiederbelebung vergessener Kulte. Sie hatte in­stinktiv, oder von der Gnade her erleuchtet, eine ganzheitliche Sicht der Dinge. Es ging um den Sieg der „demütigen Magd“, Mariens, über alle geistige Unordnung, über alle Häresien, über alle ideologischen Verirrungen der Gegenwart.

Aber im Gegensatz zum säkularen Denken gibt es im über­natürlichen Bereich keinen Sieg ohne Sühne. Das hat Maria bei allen Erscheinungen klargestellt, von der Rue du Bac über Lourdes und Fatima. Siegen im diesseitigen Denken heißt niederringen, in der Mentalität des Jenseits „sich hingeben“, „sich aufopfern“. Darin liegt der tiefste Sinn des Kreuzes, der Sieg des Kreuzes, der Sieg der Liebe.

Noch am Anfang der 70er Jahre glaubte ein hoher Wür­denträger, es handle sich bei der Charismatikerin Antonie um „Befriedigung ungesunder religiöser Bedürfnisse“. Aber reli­giöse Überspanntheit ist leicht daran zu erkennen, dass ein Hysteriker große Opfer scheut. In Wigratzbad haben wir es dagegen mit einem Opfergeist über mehrere Jahrzehnte zu tun, der tief beeindruckt. Wer war dieser Mensch, dieses Mäd­chen, diese Frau, der die Gnade zuteil wurde, ein Gespür für das Wesentliche der Entfremdung des Menschen von Gott in unserer Zeit zu entwickeln? Dem soll in dieser Arbeit nach­gegangen werden.

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Quelle: Eigener Scan aus meinem persönlichen Exemplar des im Titel genannten (neu nicht mehr erhältlichen) Buches

Siehe weiter:

 

Ein Kommentar zu “Aus: Alfons Sarrach: SIEG DER SÜHNE – Wigratzbad: Marias Botschaft an den Menschen

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