Schweiz: Benedikts Amtsverzicht zeigt menschliche Seite

Wurde und wird kontrovers diskutiert: Der Rücktritt von Papst Benedikt XVI.

Mit seinem Amtsverzicht vor vier Jahren hat der emeritierte Papst Benedikt XVI. nach Meinung des Historikers Volker Reinhardt die menschliche Seite des Papstamtes betont. „Natürlich kann das ein Schritt zu einem im weitesten Sinn befristeten Amtsverständnis sein“, sagte Reinhardt im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur KNA. „Das ist in der Geschichte der Päpste so nicht angelegt“, so der Professor für Allgemeine und Schweizer Geschichte der Neuzeit an der Universität Fribourg. Mit seinem neuen Buch „Pontifex“ legte Reinhardt auf knapp 1.000 Seiten eine umfassende Geschichte der Päpste von Petrus bis Franziskus vor.

Das Amt des Stellvertreters Christi auf Erden habe man sich zuvor „eigentlich nur unbefristet vorstellen“ können, so der Historiker. „Man ging davon aus, dass eine solche Mittleraufgabe zwischen Gott und dem Menschen nicht wie mit der Pensionierung eines Beamten enden könnte – eben weil dieses Amt weit über alles Menschliche, alles Irdische herausgehoben war.“ Das Papstamt habe allerdings in seiner Geschichte stets zwischen zwei Extremen geschwankt – „einem Papst, dem nicht Menschliches fremd ist, und einem asketischen, weltabgewandten“.

Den Römern sei ein menschlicher Papst immer viel lieber gewesen. „Sie hatten Angst vor zu ernsten Mönchen auf dem Thron“, so der Professor weiter. Als historische Präzedenzfälle für Papstrücktritte verwies Reinhardt einerseits auf Coelestin V. 1294, der sich „den vielfältigen, auch sehr weltlichen und monetären Aufgaben nicht gewachsen fühlte“. Auch dieser Rücktritt sei damals in der Öffentlichkeit sehr kontrovers diskutiert worden, so der Historiker. Vor allem die radikaleren Befürworter einer konsequenten Armut der Kirche seien davon ausgegangen, dass Coelestin V. zu diesem Schritt gedrängt oder gezwungen worden sei. „Aber dem ist sicher nicht so.“ Auch sei zu belegen, dass manche Päpste, die in sehr hohem Alter starben, in den letzten Monaten oder Jahren „de facto eigentlich gar nicht mehr regiert“ hätten. Dann seien meist Kardinalnepoten eingesprungen, also die wichtigsten Blutsverwandten des Papstes. Reinhardt sprach von „verschleierten Rücktritten“.

Was Franziskus‘ Rolle als „Papst-Revolutionär“ betrifft, so sei diese nicht neu. „Im Laufe der Geschichte haben sich diverse Rollenmuster herausgebildet, fast schon Drehbücher“, sagte Reinhardt. Eine „Klassikerrolle“ sei „der Papst gegen seinen seelenlosen, bürokratischen Apparat“. Der Papst gehe dabei bewusst auf Distanz zu den „administrativen, auch finanziellen Aufgaben und Machenschaften der Kurie“. Gleichwohl sei die Rolle von Papst Franziskus authentisch, „und sie passt zur Persönlichkeit dieses Papstes“, betonte Reinhardt. „Er hat sich diese Rolle nach seiner Neigung ausgesucht.“ Dass es historische Vorbilder gebe, könne „in keiner Weise Papst Franziskus als authentische Persönlichkeit infrage stellen“. Der Historiker verglich Franziskus mit Benedikt XIV. (1740-1758). Dieser sei ganz ähnlich aufgetreten, als „plaudernder Papst zum Anfassen“.

(kna 21.03.2017 mg)

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