Premiere: Eine ökumenische Doppel-Audienz

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Heinrich Bedford-Strohm beim Papst

Es war ein besonderer Moment für die Ökumene: Eine Delegation der evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) war an diesem Montag bei Papst Franziskus zu Gast – und der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, nahm ebenfalls an der Papstaudienz teil. Eine Premiere und ein Highlight des Jahres, in dem an den Beginn der Reformation vor fünfhundert Jahren erinnert wird.

Franziskus würdigte in seiner Ansprache die „langjährige Zusammenarbeit“ und „gereifte ökumenische Beziehung“ der deutschen Kirchen. „Ich wünsche Ihnen, dass Sie auf diesem segensreichen Weg des geschwisterlichen Miteinanders vorankommen und mutig und entschlossen auf eine immer vollkommenere Einheit hin fortschreiten. Wir haben die gleiche Taufe: Wir müssen zusammen gehen, ohne müde zu werden!“

Es sei „bedeutsam“, dass sich evangelische und katholische Christen im Jahr des Reformationsgedenkens vorgenommen hätten, „Christus erneut ins Zentrum ihrer Beziehungen zu stellen“, sagte der Papst. Martin Luthers Frage nach dem gnädigen Gott sei – damit zitierte er seinen Vorgänger Benedikt XVI. – „die tiefe Leidenschaft und Triebfeder“ von Luthers Denken und Handeln gewesen. „Was die Reformatoren beseelte und beunruhigte, war im Grunde der Wunsch, den Weg zu Christus zu weisen. Das muss uns auch heute am Herzen liegen, nachdem wir dank Gottes Hilfe wieder einen gemeinsamen Weg eingeschlagen haben.“

„Nicht grollend auf die Vergangenheit schauen“

Das Gedenkjahr biete die Chance, „einen weiteren Schritt vorwärts zu tun“, fuhr Franziskus fort. Statt „grollend auf die Vergangenheit zu schauen“, sollten die Kirchen „den Menschen unserer Zeit wieder die radikale Neuheit Jesu und die grenzenlose Barmherzigkeit Gottes vor Augen stellen“. Das sei doch „genau das, was die Reformatoren in ihrer Zeit anregen wollten“.

„Dass ihr Ruf zur Erneuerung Entwicklungen auslöste, die zu Spaltungen unter den Christen führten, war wirklich tragisch. Die Gläubigen erlebten einander nicht mehr als Brüder und Schwestern im Glauben, sondern als Gegner und Konkurrenten. Allzu lange haben sie Feindseligkeiten gehegt und sich in Kämpfe verbissen, die durch politische Interessen und durch Machtstreben genährt wurden…“

Zum Glück sei das heute vorbei, urteilte Papst Franziskus. Allerdings müsse man die schmerzhafte Vergangenheit „in Demut und mit Freimut angehen“; darum sei es richtig, dass die Kirchen bald einen Buß- und Versöhnungsgottesdienst feiern wollten, um die „Erinnerung zu heilen“.

„So werden Sie – Katholiken und Protestanten in Deutschland – betend auf den starken Ruf antworten können, den Sie im Ursprungsland der Reformation gemeinsam vernehmen: in Gott das Gedächtnis zu reinigen, um innerlich erneuert und vom Heiligen Geist ausgesandt, dem Menschen von heute Jesus zu bringen.“

Der Papst lobte die gemeinsamen Initiativen von EKD und katholischer Kirche in Deutschland im Jahr des Reformationsgedenkens. Dabei erwähnte er u.a. die gemeinsame Pilgerreise von Bischöfen verschiedener Konfessionen ins Heilige Land. „Mögen die Wiederentdeckung der gemeinsamen Glaubensquellen, die Heilung der Erinnerung in Gebet und Nächstenliebe sowie die praktische Zusammenarbeit bei der Verbreitung des Evangeliums und dem Dienst an den Mitmenschen Impulse sein, um noch rascher auf dem Weg voranzukommen!“

„Wir wissen die Gaben der Reformation zu schätzen“

Jahrzehnte des „ökumenischen Miteinanders“ in Deutschland haben nach Ansicht des Papstes eine „geistliche Verbundenheit gefestigt“. Das mache es heute möglich, „das beiderseitige Versagen an der Einheit im Kontext der Reformation und der nachfolgenden Entwicklungen heute gemeinsam zu beklagen“. „Zugleich wissen wir – in der Wirklichkeit der einen Taufe, die uns zu Brüdern und Schwestern macht, und im gemeinsamen Hören auf den Geist – in einer bereits versöhnten Verschiedenheit die geistlichen und theologischen Gaben zu schätzen, die wir von der Reformation empfangen haben.“

Versöhnte Verschiedenheit ist eine Formulierung des reformierten Theologen und Konzils-Beobachters Oscar Cullmann, die das Ziel einer christlichen Einheit beschreibt. Der Lutherische Weltbund hat sich die „versöhnte Verschiedenheit“ als ökumenisches Leitbild auf die Fahnen geschrieben, und Franziskus hat sich schon in seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires dazu bekannt.

Der Papst erinnerte an seine Teilnahme am Start des offiziellen Reformations-Gedenkjahres im schwedischen Lund Ende Oktober letzten Jahres. Er habe dort „für die Vergangenheit um Vergebung gebeten“, erinnerte er. „Für die Zukunft möchte ich unsere unwiderrufliche Verpflichtung bekräftigen, gemeinsam das Evangelium zu bezeugen und auf dem Weg zur vollen Einheit voranzuschreiten. Indem wir dies gemeinsam tun, kommt auch der Wunsch auf, neue Wege einzuschlagen. Immer mehr lernen wir, uns zu fragen: Können wir diese Initiative mit unseren Brüdern und Schwestern in Christus teilen? Können wir zusammen eine weitere Wegstrecke zurücklegen?“

„Dialog und Zusammenarbeit intensivieren“

Auf den Wunsch vieler Christen, vor allem konfessionsverschiedener Ehepaare, nach einer eucharistischen Gastfreundschaft (Interkommunion) ging Franziskus nicht ausdrücklich ein. Er erwähnte aber die „weiter bestehenden Differenzen in Fragen des Glaubens und der Ethik“, die eine „sichtbare Einheit“ immer noch blockierten – zum Frust vieler Gläubiger.

„Der Schmerz wird besonders von den Eheleuten empfunden, die verschiedenen Konfessionen angehören. Besonnen müssen wir uns mit inständigem Gebet und all unseren Kräften darum bemühen, die noch bestehenden Hindernisse zu überwinden durch eine Intensivierung des theologischen Dialogs und durch eine Stärkung der praktischen Zusammenarbeit unter uns,  vor allem im Dienst an denen, die am meisten leiden, und in der Fürsorge für die bedrohte Schöpfung.“

Zum Abschluss der Audienz betete der Papst mit seinen Besuchern aus Deutschland ein Vaterunser: auch das ein Zeichen dafür, was schon geht unter Christen verschiedener Konfessionen.

(rv 06.02.2017 sk)


Im Wortlaut:
Franziskus an deutsche ökumenische Delegation

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Radio Vatikan dokumentiert im vollen Wortlaut die Ansprache von Papst Franziskus an eine deutsche ökumenische Delegation, die anlässlich des Luther-Gedenkens nach Rom kommt.

Liebe Brüder und Schwestern,

mit Freude heiße ich Sie willkommen und begrüße Sie herzlich. Ich danke Herrn Landesbischof Bedford-Strohm für seine freundlichen Worte und freue mich über die Anwesenheit von Kardinal Marx: Dass der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz die Delegation der evangelischen Kirche in Deutschland begleitet, ist eine Frucht langjähriger Zusammenarbeit und Ausdruck einer im Laufe der Jahre gereiften ökumenischen Beziehung. Ich wünsche Ihnen, dass Sie auf diesem segensreichen Weg des geschwisterlichen Miteinanders vorankommen und mutig und entschlossen auf eine immer vollkommenere Einheit hin fortschreiten. Wir haben die gleiche Taufe: Wir müssen zusammen gehen, ohne müde zu werden!

Es ist bedeutsam, dass anlässlich des 500. Jahrestags der Reformation  evangelische und katholische Christen das gemeinsame Gedenken der geschichtsträchtigen Ereignisse der Vergangenheit zum Anlass nehmen, um Christus erneut ins Zentrum ihrer Beziehungen zu stellen. Gerade » die Frage nach Gott «, die Frage: » Wie kriege ich einen gnädigen Gott? «  war » die tiefe Leidenschaft und Triebfeder [des] Lebens und [des] ganzen Weges « von Martin Luther (Benedikt XVI., Begegnung mit den Vertretern der evangelischen Kirche in Deutschland, 23. September 2011). Was die Reformatoren beseelte und beunruhigte, war im Grunde der Wunsch, den Weg zu Christus zu weisen. Das muss uns auch heute am Herzen liegen, nachdem wir dank Gottes Hilfe wieder einen gemeinsamen Weg eingeschlagen haben. Dieses Gedenkjahr bietet uns die Gelegenheit, einen weiteren Schritt vorwärts zu tun, indem wir nicht grollend auf die Vergangenheit schauen, sondern im Sinne Christi und in der Gemeinschaft mit ihm, um den Menschen unserer Zeit wieder die radikale Neuheit Jesu und die grenzenlose Barmherzigkeit Gottes vor Augen zu stellen: genau das, was die Reformatoren in ihrer Zeit anregen wollten. Dass ihr Ruf zur Erneuerung Entwicklungen auslöste, die zu Spaltungen unter den Christen führten, war wirklich tragisch. Die Gläubigen erlebten einander nicht mehr als Brüder und Schwestern im Glauben, sondern als Gegner und Konkurrenten. Allzu lange haben sie Feindseligkeiten gehegt und sich in Kämpfe verbissen, die durch politische Interessen und durch Machtstreben genährt wurden, und scheuten bisweilen nicht einmal davor zurück, einander Gewalt anzutun, Bruder gegen Bruder. Heute hingegen sagen wir Gott Dank, dass wir endlich » alle Last […] abwerfen« und brüderlich » mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist, und dabei auf Jesus blicken « (Hebr 12,1-2).

Ich bin Ihnen dankbar, weil Sie vorhaben, mit diesem Blick gemeinsam in Demut und mit Freimut eine Vergangenheit anzugehen, die uns schmerzt, und in Kürze miteinander einen bedeutenden Akt der Buße und der Versöhnung zu vollziehen: einen ökumenischen Gottesdienst unter dem Leitwort „Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen“. So werden Sie – Katholiken und Protestanten in Deutschland – betend auf den starken Ruf antworten können, den Sie im Ursprungsland der Reformation gemeinsam vernehmen: in Gott das Gedächtnis zu reinigen, um innerlich erneuert und vom Heiligen Geist ausgesandt, dem Menschen von heute Jesus zu bringen. Mit diesem Zeichen und weiteren für dieses Jahr vorgesehenen Initiativen – der gemeinsamen Pilgerreise ins Heilige Land, der gemeinsamen Bibeltagung zur Vorstellung der neuen Bibelübersetzungen und dem ökumenischen Tag zum Thema der gesellschaftlichen Verantwortung der Christen – beabsichtigen Sie, dem Christusfest, das Sie anlässlich des Reformationsgedenkens gemeinsam feiern wollen, eine konkrete Gestalt zu verleihen. Mögen die Wiederentdeckung der gemeinsamen Glaubensquellen, die Heilung der Erinnerung in Gebet und Nächstenliebe sowie die praktische Zusammenarbeit bei der Verbreitung des Evangeliums und dem Dienst an den Mitmenschen Impulse sein, um noch rascher auf dem Weg voranzukommen.

Dank der geistlichen Verbundenheit, die sich in diesen Jahrzehnten des ökumenischen Miteinanders gefestigt hat, können wir das beiderseitige Versagen an der Einheit im Kontext der Reformation und der nachfolgenden Entwicklungen heute gemeinsam beklagen. Zugleich wissen wir – in der Wirklichkeit der einen Taufe, die uns zu Brüdern und Schwestern macht, und im gemeinsamen Hören auf den Geist – in einer bereits versöhnten Verschiedenheit die geistlichen und theologischen Gaben zu schätzen, die wir von der Reformation empfangen haben. In Lund habe ich am vergangenen 31. Oktober dem Herrn dafür gedankt und für die Vergangenheit um Vergebung gebeten. Für die Zukunft möchte ich unsere unwiderrufliche Verpflichtung bekräftigen, gemeinsam das Evangelium zu bezeugen und auf dem Weg zur vollen Einheit voranzuschreiten. Indem wir dies gemeinsam tun, kommt auch der Wunsch auf, neue Wege einzuschlagen. Immer mehr lernen wir, uns zu fragen: Können wir diese Initiative mit unseren Brüdern und Schwestern in Christus teilen? Können wir zusammen eine weitere Wegstrecke zurücklegen?

Die weiter bestehenden Differenzen in Fragen des Glaubens und der Ethik bleiben Herausforderungen auf dem Weg zur sichtbaren Einheit, nach der sich unsere Gläubigen sehnen. Der Schmerz wird besonders von den Eheleuten empfunden, die verschiedenen Konfessionen angehören. Besonnen müssen wir uns mit inständigem Gebet und all unseren Kräften darum bemühen, die noch bestehenden Hindernisse zu überwinden durch eine Intensivierung des theologischen Dialogs und durch eine Stärkung der praktischen Zusammenarbeit unter uns,  vor allem im Dienst an denen, die am meisten leiden, und in der Fürsorge für die bedrohte Schöpfung. In einer Zeit, in der die Menschheit durch tiefe Risse verwundet ist und neue Formen von Ausschließung und Ausgrenzung erfährt,  ruft die dringende Aufforderung Jesu zur Einheit (vgl. Joh 17,21) uns wie auch die gesamte Menschheitsfamilie auf den Plan. Auch daher ist unsere Verantwortung groß!

In der Hoffnung, dass diese Begegnung die Gemeinschaft zwischen uns weiter stärkt, bitte ich den Heiligen Geist, der Einheit schafft und erneuert, Sie auf Ihrem gemeinsamen Weg mit dem Trost, der von Gott kommt (vgl. 2 Kor 1,4), zu kräftigen und Ihnen seine prophetischen und kühnen Wege aufzuzeigen. Von Herzen rufe ich den Segen Gottes auf Sie alle und auf Ihre Gemeinschaften herab und bitte Sie, im Gebet an mich zu denken. Ich danke Ihnen sehr [und möchte Sie einladen, jetzt zusammen das Vaterunser zu sprechen].

(rv 06.02.2017 gs)

21 Kommentare zu “Premiere: Eine ökumenische Doppel-Audienz

  1. @Schlimmer als Luther: Anstatt ständig mit seinen ökumenischen Wahnvorstellungen wild um sich zu schlagen, täte dieser Frevler gut daran etwas mehr Barmherzigkeit gegenüber der ihm anvertrauten Herde an den Tag zu legen, will er nicht das man ihn schliesslich für den bösen Wolf hält. Auf alle Fälle trifft Professor de Matteis nachstehende Stellungnahme (von mir frei übersetzt den Nagel auf den Kopf:

    Bergoglio, Bösewicht oder ein zur Gewalt neigender Frevler?

    Roberto de Mattei

    Kein Argument hält gegenüber Tatsachen stand. Mit der selben Hand, die der Frevler Bergoglio gegenüber den Piusbrüdern ausgestreckt hält, schlägt er auf den Malteser Orden und die Franziskaner der Immaculata ein.

    Mit der bedingungslosen Kapitulation des Grossmeisters und der Rückkehr an die Macht Albrecht von Böselagers und der hinter ihm stehenden einflussreichen deutschen Gruppe wurde das Schicksal des Malteser Ordens besiegelt.

    Riccardo Casciola fasst in La Nuova Bussola quotidiana (auf deutsch: der neue tägliche Kompass) den Fall wie folgt zusammen. Die Wiedereinsetzung der für den Niedergang des Ordens verantwortlichen Person bei gleichzeitiger Entlassung der den Niedergang bekämpfenden Person. All dies erfolgte unter vollständiger Missachtung der Eigenständigkeit des Ordens. Diese Absicht Roms geht eindeutig hervor aus dem im Auftrage des Frevlers Bergoglio an die Mitglieder des Ordens gerichteten Schreibens Kardinal Staatssekretärs Parolin. Darin wird den Migliedern des Ordens der Berschluss Roms zur Kenntnis gebracht, den Orden der Überwachung Roms zu unterstellen. Logischerweise müssten die hundert Staaten, welche diplomatische Beziehungen zum Orden unterhalten, Letztere beenden und fortan direkt mit dem Vatikan verhandeln. Die vom Frevler Bergoglio bezeugte Verachtung für das Recht greift nunmehr sowohl auf das internationale wie auch auf das italienische Zivilrecht über.
    Mit einem von der Ordenskongregation mit der Billigung des Frevlers Bergoglio erlassenen Dekret wird dem Oberen der Immaculata Franziskaner, Pater Stefan Manelli jegliche Benützung öffentlicher Kommunikationsmittel untersagt. Ebenfalls untersagt ist ihm jeglicher öffentliche Auftritt und Teilnahme an Tagungen. Vor allem hat er innerhalb von zwei Wochen das gesamte von den zivilen Verbänden verwaltete Vermögen der Ordenskongregation zu übergeben. Diese Güter sind nicht im Besitze von Pater Mamelli sondern sind der Besitz vom Staate anerkannter Zivilverbände.
    Zum Vorfall meint Marco Tosatti: In der Kirche der Barmherzigkeit des Jahres 2017 fehlen lediglich die Stricke und eherne Maske und der Katalog ist vollständig.
    Doch nicht genug. Monsignor Ramon C. Arguelles, Erzbischof von Lipa auf den Philippinen erfuhr von seinem Rücktritt aus einer Pressemitteilung des Vatikans. Die Hintergründe dieses Vorgehens liegen nicht offen. Es wird jedoch vermutet, dass die kanonische Anerkennung einer Gruppe ehemaliger Immaculata Franziskaner der auslösende Faktor sein könnte. Diese Franziskaner hatten sich von ihrem Orden losgesagt, um sich in voller Freiheit und Unabhängigkeit auf das Priestertum vorzubereiten. Ein kaum wieder gut zu machendes Vergehen.
    Es drängt sich hier die Frage auf, ob der Frevler – um nicht zu sagen Bösewicht – Bergolgio ein zur Gewalt neigender Herrscher ist. Gewalt ist die Ausübung von Macht unter völliger Missachtung von Recht in der Verfolgung eigener Zwecke.
    Der Wusch Bischof Fellays die Rechtslage der Priesterbruderschaft mit einem Abkommen zu besiegeln, das in keiner Weise die Identität der Bruderschaft in Frage stellt, ist bestimmt ehrenwert, doch stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, gerade in einem Augenblick das eigene Schicksal in die Hände Roms zu legen, wo der Frevler Bergoglio kein Mittel scheut, um jene die dem katholischen Glauben treu bleiben wollen, zu bestrafen.

  2. @Ewiggestriger 6. Februar 2017 um 19:23

    “ Der Wusch Bischof Fellays die Rechtslage der Priesterbruderschaft mit einem Abkommen zu besiegeln, das in keiner Weise die Identität der Bruderschaft in Frage stellt, ist bestimmt ehrenwert, doch stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, gerade in einem Augenblick das eigene Schicksal in die Hände Roms zu legen, wo der Frevler Bergoglio kein Mittel scheut, um jene die dem katholischen Glauben treu bleiben wollen, zu bestrafen. “

    Frage ich mich auch … Sie haben sicherlich recht.

  3. @Ewiggestriger 6. Februar 2017 um 23:21

    “ Was dieser Frevler nicht alles von sich gibt “

    Sie sagen es. Was soll man an diesem OFFIZIELLEN Papst noch schönreden?!?

    Wenn sogar der Klerus schon gespalten ist … findet man da noch Worte!

  4. @Pierre: Leider ist es heute Abend spät und ich komme nicht mehr dazu Ihnen den ganzen Fall Lefebvre aufzurollen. Zum Fall der Neun. Als der Fall sich ereignegte, war der Erzbischof nicht mehr sondern Pater Schmidberger der Generalobere. Leider war der Erzbischof in der Romfrage gespalten. Ich werde es Ihnen an Hand von Texten beweisen, Doch nicht mehr heute Abend.

  5. @Ewiggestriger 6. Februar 2017 um 23:47

    Gerne. Danke.

    Würde sich heute Lefebvre R.i.P. bei den Neun entschuldigen damit sie wieder rehabilitiert wären? Ist den Neun wirklich eine Ungerechtigkeit widerfahren? Oder wie kann die Sache sonst gesehen werden? Oder war alles berechtigt?
    Das vorhandene Dokument http://www.monarchieliga.de/images/9/9a/Cekada-neun-gegen-lefebvre.pdf lässt doch tief blicken. Oder wurde Geschichtsverfälschung betrieben?!?

  6. @Ewiggestriger 6. Februar 2017 um 23:47

    “ Leider war der Erzbischof in der Romfrage gespalten. Ich werde es Ihnen an Hand von Texten beweisen. “

    Klar, so war es. Die Neune eben nicht. Daher dieser Eklat.
    Deswegen verstehe ich ja P.Abrahamovicz nicht warum er diesbezüglich noch dessen (Lefebvres) „alte“ FSSPX verteidigt?!
    Man sollte doch lieber die Kirche im Dorf lassen. Meine Meinung.

    Wenn Abrahmovicz besser Lefebvre gute Absichten unterstellt hätte ABER doch auch seine(n) Irrtum/Ansicht klar dargelegt hätte dann wäre die Sache schon verständlicher und sachneutraler/ objektiver.

  7. An POS et al.

    Aus http://kath.net/news/58438 :

    WELT: ‚Hört doch endlich auf mit der Ökumene!‘

    “ Kommentar zum Papsttreffen mit Bedford-Strohm: „Das Treffen protestantischer deutscher Bischöfe mit Papst Franziskus war belanglos. Die Kirchen sollten aufhören, die Schimäre einer Einheit heraufzubeschwören, die sie gar nicht ernsthaft anstreben. “ etc.

    Lesermeinungen:

    Ein @Hartmut8948 schreibt:
    Auf den Kopf getroffen
    Ja, dieser Kommentar trifft den Nagel auf den Kopf: Denn was können die Vertreter des deutschen Protestantismus nun tun? Sie können sich ein Foto auf ihren Schreib tisch stellen und sagen: wir waren in Rom beim Papst. Mehr auch nicht, und manche Aufgeregtheiten bei gestrigen Kommentaren bzgl. der Begrüßung durch den Hl. Vater hätte man sich getrost ersparen können.

    Ein @Lämmli schreibt:
    Katholisch oder protestantisch?
    Als katholische Religionslehrerin erlebe ich die Protestanten praktisch immer so, dass wir Katholiken ihnen entgegenkommen müssen. Das heisst die Sakramente werden so an den Rand gedrängt. Oft spüre ich auch einen gewissen Neid, auf uns Katholiken weil wir eben die Sakramente haben.
    Wir sind den Protestanten doch schon sehr entgegengekommen. z.Bsp.wird in unserer Region das Vater unser immer ohne „bewahre uns vor Verwirrung und Sünde und gib Frieden in unseren Tagen“ gebetet. Beten wir, dass es nicht so weiter geht! Gehen wir zu den Sakramenten! Nur so können wir Gegensteuer geben!

    Ein @Ulrich Motte schreibt:
    Eremitin: Einheit in Vielfalt
    Äußere Einheit bei inhaltlicher Vielfalt bis in zentralste Fragen und bis in höchste Ränge kennzeichnet die römisch-katholische Kirche (wie ja teils auch kathnet zeigt). Und man muß schon sehr wenig vom Weltprotestantismus verstehen, um (wie offenkundig manche EKD-Mitglider) anzunehmen, eine Einheitskirche aus EKD und „Rom“ brächte eine Welteinheitskirche…

    Eine @Eremitin schreibt:
    Einheit in Vielfalt ist Quatsch,
    Einheit kann nur eine Rückkehrökumene zur katholischen Kirche sein!!!!!!

    Ein @Laus Deo schreibt:
    Falsche Ansätze
    Eine Einheit kann nur in der katholischen Kirche bestehen. Alles andere wäre Verwässerung der Wahrheit!

  8. @Pierre: Die nichtbewältigte Vergangenheit
    Eine mangelnde Folgerichtigkeit
    Errichtet wurde die Piusbruderschaft als pia unio. Laut Kanon 707 § 1 des CIC von 1917 handelt es sich dabei um „eine Vereinigung von Gläubigen zur Übung irgendeines Werkes der Frömmigkeit und der Nächstenliebe. Bilden die Gläubigen eine organische Körperschaft heisst ihre Vereinigung Sodalitia . Tragen sie außerdem zur Förderung des öffentlichen Kultes bei werden sie Bruderschaften genannt. Daraus geht nicht hervor, dass die Bruderschaft kirchenrechtlich fähig sei, als Trägerin von Priesterseminaren oder als Verband zur Inkardination zu fungieren.“
    Zwischen dem Willen des Erzbischofs seine Priester weiterhin im vorkonziliaren Gedankengut heranzubildenund zu weihen und dem in der Gründungsurkunde festgelegten Selbstverständnis musste insofern eine Anspruchskonkurrenz entstehen, als der Erzbischof dazu genötigt war, sich über das kanonische Recht, das ihm eine solche Befugnis nicht einräumt, hinwegzusetzen. Damit gab er seinen Widersachern einen Vorwand gegen ihn vorzugehen.
    Am 6 Mai 1975 hat eine Kardinalskommission bestehend aus den Kardinälen Gabriel-Marie Garrone, John Wright und Arturo Tabera die Aufhebung der Piusbruderschaft beschlossen. Diese Aufhebung hat der Frevler Montini mit seinem Schreiben vom 29. Juni 1975 an den Erzbischof mit den Worten gutgeheissen: „Doch unser Schmerz ist noch lebhafter, da wir feststellen, dass die Entscheidung der zuständigen Behörde, obwohl sie sehr klar formuliert und man kann nicht anders sagen als: völlig gerechtfertigt ist, durch Ihre Weigerung, Ihren öffentlichen und beharrlichen gegen das ökumenische Zweite Vatikanische Konzil, die postkonziliaren Reformen und die auch den Papst bindenden Richtlinien einzustellen, dass diese Entscheidung noch Anlass zur Diskussion bietet und Sie sogar so weit bringt, nach einer juristischen Möglichkeit zu suchen, um sie zu entkräften.“ Mit dieser Erklärung war der Erzbischof vor die Wahl gestellt, sich entweder dem Frevler Montini unterzuordnen und in der Konzilssekte zu verbleiben oder dem Frevler Montini den Gehorsam zu versagen auf die Gefahr hin von der Konzilssekte ausgeschlossen zu werden. Weil dem Erzbischof das Fortbestehen seines Werkes wichtiger war als das Verbleiben in der Konzilssekte, versagte er dem Frevler Montini den Gehorsam, ohne jedoch daraus die erforderlichen Konsequenzen zu ziehen.
    In den Augen des Erzbischofs war der Frevler Montini zu Beginn seiner Auseinandersetzung mit ihm nach wie vor Papst. Gleichzeitig war er nicht bereit jenen Glauben, den ihm die Kirche von Jugend auf beigebracht und den er im Laufe seiner Studien vertieft hatte, nur deshalb preiszugeben, weil jene Person, die er für den Papst hielt, es von ihm forderte. Es blieb ihm also nichts Anderes übrig, als an zwei Registern zu ziehen, indem er so tat als ob keine Schließung seines Seminars von Rom angeordnet worden wäre und gleichzeitig bemühte er sich um die kanonische Anerkennung durch Rom. Der entsprechende Briefwechsel zwischen Paul VI und ihm macht es uns deutlich.
    Nachdem der Frevler Montini feststellen musste, dass der Erzbischof seiner Aufforderung keines Folge geleistet hatte und sogar in seinem Rundschreiben an die Gläubigen den Vorwurf an die beiden Frevlern Roncalli und Montini richtete, dem Liberalismus den Eingang in die Kirche Gottes verschafft zu haben, richtete der Frevler Montini am 8. September 1975 ein zweites Schreiben an den Erzbischof. Bezugnehmend auf eine frühere an den Erzbischof gerichtete Ermahnung stellt der Frevler Montini mit Erbitterung fest: „Seit diesem Datum warten Wir täglich auf ein Zeichen Ihrerseits, das Ihre Unterwerfung oder besser: Ihre Ergebenheit und vorbehaltlose Treue gegenüber dem Stellvertreter Christi bezeugen würde. Nichts ist eingetroffen. Es scheint als hätten Sie auf keine Ihrer Aktivitäten verzichtet, ja, als entwickelten Sie neue Pläne.“
    Der Erzbischof antwortete am 24. September 1975 mit einem Brief eine verschleierte Kritik an die Adresse des Frevlers Montini enthielt. Zu Beginn rechtfertigt der Bischof seine verspätete Antwort folgendermaßen: „Wenn meine Antwort auf den Brief eurer Heiligkeit spät erfolgt, so deshalb, weil es mir widerstrebte, einen öffentlichen Akt zu vollziehen, der möglicherweise den Eindruck erweckt hätte, ich nähme mir heraus. Mit dem Nachfolger Petri wie mit meinesgleichen zu verkehren. eine verschleierte Kritik an die Adresse des Frevlers Montini “ Dieser Satz ist deswegen verschleiert weil der Erzbischof , obschon dessen bewusst, nicht öffentlich eingestehen wollte, dass er sich mit seiner Weigerung dem Frevler Montini – den er damals noch für den Papst hielt – Folge zu leisten, sich das Recht genommen hatte, mit ihm wie mit seinesgleichen zu verkehren. Außerdem nimmt der Erzbischof sich nicht einmal die Mühe, seinen Standpunkt darzulegen sondern begnügt sich seine „vorbehaltlose Verbundenheit mit dem heiligen Stuhl und dem Stellvertreter Christi zum Ausdruck zu bringen. Gleichzeitig ruft er dem Frevler Montini in Erinnerung: „Seinen Stellvertreter hat Jesus Christus mit der Aufgabe betraut, seine Brüder im Glauben zu stärken, und von ihm fordert Er, darüber zu wachen, dass jeder Bischof gemäß den Worten des heiligen Paulus an Timotheus das Glaubensgut getreu bewahre.“
    Auf die vorhergehende Erklärung dürfte der Frevler Montin Bezug genommen haben als er im Konsistoriums vom 24. Mai 1976 die Haltung von Erzbischof Lefebvre mit der Begründung tadelte, dass er damit die Kirche deswegen in Verruf bringe, weil er „unter dem Vorwand den Glauben unversehrt halten zu wollen und die Kirche bewahren zu wollen“ es für besser halte, „sich ungehorsam zu verhalten und auf diese Weise der Kirche nicht zu gehorchen“ und sogar zu behaupten wage, „man sei, da der Glauben wegen den vom Konzil beschlossen Reformen und Orientierung in Gefahr sei, durch sie nicht gebunden und sogar verpflichtet ihnen den Gehorsam zu verweigern“. Nicht ohne bissige Ironie setzte der Frevler Montini fort mit der Bemerkung „diese Gruppe und nicht der Papst und das mit ihm in Einheit stehende Bischofskolleg sowie ein ökumenischen Konzil hätten also die Befugnis zu bestimmen, welche unter den unzähligen Traditionen als Glaubensregeln zu gelten hätten“. Er zieht daraus das nachfolgende Fazit: „eine solche Haltung erhebt sich zum Richter über den göttlichen Willen für den die Aufgabe die Gläubigen zu stärken dem heilige Petrus und seinen rechtmäßigen Nachfolgern zusteht.“
    Formaliter hatte der Frevler Montini das Recht durchaus auf seiner Seite, denn der Erzbischof hatte ohne Mandat gehandelt. Juristisch gesprochen liegt demnach Geschäftsführung ohne Auftrag vor. Eine Leistung wird vollbracht ohne dazu aufgefordert worden zu sein. Zwar erfolgte sie aus der Überzeugung für eine richtige Sache zu kämpfen. Daher konnte er nicht verstehen, weswegen jener Mann, den er zum damaligen Zeitpunkt für den Stellvertreter Christi hielt, ihm dabei den Beistand versagte.
    Beim Frevler Montini lagen die Dinge hingegen anders. Er betrachtete die neue Messordnung als sein Lebenswerk und da er sich für den rechtmäßig gewählten Stellvertreter Christi hielt, duldete er nicht, dass jemand sich anmass, sich seinen Anordnungen dadurch zu widersetzen, dass er sich auf Anordnungen früherer Päpste berief. Wer als unvoreingenommener Beobachter den Sachverhalt einer gründlichen Prüfung unterzieht, wird – dessen ungeachtet ob Montini lediglich Frevler oder tatsächlich Papst Paul VI war – zum Ergebnis gelangen, dass er sich als dem Problem nicht gewachsen erwies.
    Zweifelsohne hatte der Erzbischof ununterbrochen das kanonische Recht verletzt doch gleichzeitig hatte er damit auf folgende Lücke verwiesen, die es zu schließen galt: welche lehrmässige Autorität besitzt das zweite vatikanische Konzil, nachdem es nach dem Willen des Frevlers Roncalli keine Glaubenssätze definieren noch Irrtümer verurteilen sollte. Zwar machen Leute wie Congar geltend pastoral bedeute zwar undogmatisch aber insofern nicht lehrmässig unverbindlich, weil dahinter der Wille eines Papstes stehe.
    Leider war die Haltung des Erzbischofs alles andere als eindeutig wie sein Antwortschreiben an den Frevler Montini es bezeugt. In diesem Scheiben nennt der Erzbischof das gegen ihn verhängte Verbot die Weihen vom 29. Juni vorzunehmen“ ein grausamer Schlag, den ihn, seine Seminaristen und ihre Familien „am Vorabend ihrer Priesterweihe trifft, auf die sie sich fünf oder sechs Jahre vorbereitet haben.“ Im gleichen Atemzug erklärt er dem Frevler Montini gegenüber „Eure Heiligkeit kennt mich seit 1948 und weiß genau, welchen Glauben ich bekenne, es ist der Glaube Ihres „Credo“ und Sie weiß ebenso von meiner tiefen Unterwerfung dem Nachfolger Petri gegenüber, die ich in den Händen Eurer Heiligkeit erneuere.“
    Gleichzeitig rechtfertigt er seinen Ungehorsam mit den Worten: „die in den letzten Jahren in der Kirche verbreitete Unruhe und Verwirrung, die Eure Heiligkeit in Ihrer Rede im letzten Konsistorium anklagend nennt, ist gerade der Grund für die schweren Vorbehalte, die wir gegen eine gefährliche Anpassung der Kirche an die moderne Welt erheben.“
    Nichtsdestoweniger glaubt der Erzbischof die Angelegenheit „in voller Gemeinschaft des Denkens und Glaubens“ mit dem Frevler Montini zu stehen und die Angelegenheit mit Gottes Hilfe zu einem glücklichen Ende führen zu können. Dementsprechend bittet er den Frevler Montini um die Erlaubnis, einen Dialog mit Abgesandten zu führen die aus den Reihen der Kardinäle kommen sollten, die den Erzbischof seit langem kennen. Auch hier tut der Erzbischof so, als ob er es mit Seinesgleichen zu tun hätte.
    In seiner Predigt zu der vom Frevler Montini untersagten Priesterweihe ändert der Erzbischof insofern seinen Ton als er erklärt: „Aber gerade der Nachdruck, mit dem die römischen Abgesandten von uns die Änderung des Ritus verlangt haben, hat uns zu denken gegeben und uns in unserer Überzeugung bestärkt, dass dieser neue Messritus einen neuen Glauben ausdrückt, einen Glauben der nicht der unsere ist, einen Glauben der nicht der katholische Glaube ist. Diese neue Messe ist ein Symbol, ist der Ausdruck, ist das Bild eines neuen Glaubens, eines modernistischen Glaubens.“
    Dieser Text spricht von selbst und bedarf keiner weiteren Erläuterung. Im weiteren Verlauf seiner Predigt erklärt der Erzbischof diese Messe habe zur Zerstörung des Opferpriestertums geführt und zieht daraus das Fazit : „Mit einer solchen Religion haben wir nichts zu schaffen. Wir nehmen diese neue Religion nicht hin. Wir gehören jener Religion an, die immer gegolten hat. Wir bekennen uns zur katholischen Religion. Wir gehören nicht dieser universalen, dieser allgemeinen Religion an, wie man sie heute nennt. Das ist nicht mehr die katholische Religion. Wir haben nichts zu schaffen mit dieser liberalen, modernistischen Religion, die ihren eigenen, neuen Gottesdienst hat, ihre Priester, ihren Glauben, ihre Katechismen, ihre Bibel – die ökumenische Bibel. Wir anerkennen sie nicht, wir wollen die ökumenische Bibel nicht“ .
    Eine derartige Stellungnahme war eine an die Adresse des Frevlers Montini und der mit ihm verbundenen Würdenträger gerichtete Herausforderung, die nicht unbeantwortet bleiben konnte. Am 6. Juli 1976 erhielt der Erzbischof von Kardinal Sebastiano Baggio, dem Präfekten der heiligen Kongregation für die Bischöfe ein Mahnschreiben unter Androhung der „Suspension“ mit zehntägiger Erfüllungsfrist . Am Anfang des Schreibens drückt der Kardinal die Hoffnung aus, der Erzbischof möge „sein Gewissen als Bischof und Kirchenmitglied“ zurückgewinnen, seine Gesinnung ändern, „und die Gemeinsamkeit wiederherstellen,“ die er „vor kurzem wieder ganz unverhohlen gebrochen“ habe, „und zwar ausgerechnet am Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus.“
    In der Folge erklärt der Kardinal: „Ich möchte hier nicht die Frage der Nichtbeachtung der Bedingungen berühren, an die sich ein Bischof halten muss, der die Weihe ihm nicht unterstehender Personen vornimmt, für welche Nichtbeachtung das kirchliche Gesetzbuch in den Canones 2373, 2374 und 985 Nr. 7, angemessene Santkionen vorsieht.“
    Dem gegen den Erzbischof gerichteten Verfahren lagen insofern betrügerische Absichten zu Grunde, als Rom seine Verletzung des kanonischen Rechts zum Vorwand nahm um die Vernichtung seines Werkes anzusteuern. Sie wurde deswegen angestrebt, weil der Erzbischof mit seinem Festhalten an der katholischen Liturgie den Plan des Frevlers Montini, die katholische Messe endgültig aus dem kirchlichen Bereich zu verbannen, durchkreuzt hatte. Gleichzeitig liegt seitens des Erzbischofs ein Selbstbetrug vor, erwartet er doch von Leuten, die sein Werk zu zerstören beabsichtigen, die Anerkennung.
    Das Strafrecht definiert den Betrug als „Absicht, sich oder einen andern unrechtmäßig zu bereichern, jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen anderen am Vermögen schädigt. “
    Unrechtmäßig bereichern heißt sich Dinge aneignen, auf die man von Rechts wegen keinen Anspruch hat. Im Gegensatz zu den übrigen Verbrechen gegen das Eigentum wird keine Gewalt angewendet, sondern es werden Tatsachen entweder verschwiegen oder grundlos behauptet. Dadurch wird eine Drittperson veranlasst sich in einer Weise zu verhalten wie sie sich bei einer klaren Sicht der Dinge niemals tun würde. Dieser Definition lässt sich entnehmen, dass es beim Betrug darum geht, nicht entlarvt zu werden, was man mit einem Verfahren erreicht, das man „als ob“ bezeichnet.
    Beim Betrug ist somit das Opfer am Schaden insofern aktiv beteiligt, als es in die schädigende Handlung einwilligt. In die gegen ihn gerichtete Handlungen des modernistischen Roms hatte der Erzbischof dadurch eingewilligt, dass er das kanonische Recht völlig missachtete und auf diese Weise seinen Widersachern gestatte, das Vorgehen gegen ihn so darzustellen, als ob es ihnen um die Wiederherstellung von Recht und Ordnung ginge.
    Der Kardinal argumentiert juristisch einwandfrei. Gemäß ihrer Gründungsurkunde war die Piusbruderschaft eine „pia unio (fromme Vereinigung)“. Laut Kanon 707 § 1 des CIC von 1917 handelt es sich dabei um „eine Vereinigung von Gläubigen zur Übung irgendeines Werkes der Frömmigkeit und der Nächstenliebe. Bilden die Gläubigen eine organischen Körperschaft heisst ihre Vereinigung Sodalitia . Tragen sie außerdem zur Förderung des öffentlichen Kultes bei werden sie Bruderschaften genannt. Daraus geht nicht hervor, dass die Bruderschaft kirchenrechtlich fähig sei, als Trägerin von Priesterseminaren oder als Verband zur Inkardination zu fungieren.“
    Kardinal Baggio beschliesst sein Schreiben mit der Aufforderung an den Erzbischof, seine „Haltung zu ändern, den Heiligen Vater demütig um Verzeihung zu bitten und Wiedergutmachung für den geistlichen Schaden zu leisten, der den jungen Ordinierten zugefügt wurde, sowie für das dem Volk Gottes gegebene Ärgernis.“ Dann fügt er hinzu, dass für den Fall dass binnen zehn Tage beim Dikasterium kein Beweis vorliegen sollte, der eine Sinnesänderung seitens des Erzbischofs erkennen lässt, sein Dikasterium vom Papst ermächtigt worden sei, die vom Kanon 2331 § 1 vorgesehenen Strafen gegen den Erzbischof anzuwenden.
    Die Antwort des Erzbischofs liess nicht lange auf sich warten. In formeller Hinsicht kann man in ihr eine in diplomatischer Form an den Frevler Montini gerichtete Herausforderung erkennen. Gleich zu Beginn erklärt der Erzbischof seine dem Frevler Montini unterbreiteten Wünschen seien Gegenstand einer Kontroverse „zwischen dem heiligen Stuhl und zahlreichen katholischen Gläubigen.“
    Daran anknüpfend fordert er den Frevler Montini auf, seinen Willen zu manifestieren, „das Königreich Unseres Herrn Jesus Christus auf der Welt ausgebreitet zu sehen.“ Dafür müsse er mit folgenden Massnahmen Zeugnis ablegen:
    – Wiederherstellung des öffentlichen Rechts der Kirche,
    – der Liturgie ihre dogmatische Grundlage und hierarchische Gestalt zurückgeben so wie es „der durch den Gebrauch so vieler Jahrhunderte“ geheiligte römische Ritus vorschreibt,
    – die Vulgata wieder zu Ehren bringen,
    – den Katechismen ihr wahres Modell, nämlich das des Konzils von Trient, zurückgeben.“
    Vor allem verlangt er vom Frevler Montini, dass er von den falschen Idolen des modernen Menschen „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Demokratie“ abrücke und „das unglückselige Unternehmen eines Kompromisses mit den Ideen des modernen Menschen aufgeben, das seinen Anfang bereits vor dem Konzil in einem geheimen Einverständnis hoher kirchlicher und feimaurerischer Würdenträger gefunden“ habe, beende. Der Brief schliesst mit den Worten: „In dieser Richtung verharren heisst die Zerstörung der Kirche fortsetzen. Eure Heiligkeit wird verstehen, dass wir an einem so unheilvollen Konzept nicht mitwirken können, was wir jedoch mit der Zustimmung zur Schliessung unserer Seminare tun würden.
    Mit seiner Stellungnahme hatte der Erzbischof den Frevler Montini an einer empfindlichen Stelle getroffen und zum handeln herausgefordert. Dem Frevler Montini lag nämlich seit seiner Jugend die Erneuerung der Liturgie am Herzen . Dementsprechend machte Rom seine Drohung wahr und brachte mit seinem Schreiben vom 22. Juli selbigen Jahres dem Erzbischof zur Kenntnis, dass der Frevler Montini unter Berufung auf Canon 2227 § 1 des kanonischen Rechts gemäss welchem die gegen einen Bischof zu anzuwendenden Sanktionen dem Papst vorbehalten sind, die im Kanon 2279 §2°2 vorgesehene„ Suspensio a divinis“ über ihn verhängt und ihr sofortiges Inkraftreten angeordnet.
    Rückblickend und nahezu vier Jahrzehnten nach diesem Machtkampf wird man als unvoreingenommener Beobachter das Vorgehen des Frevlers Montini – obschon in formeller Hinsicht korrekt – als unglücklich bezeichnen müssen. Die Folgen seines Vorgehens waren insofern für seine Nachfolger eine Belastung als er damit ein Präjudiz für sie geschaffen hatte an welchem sie nicht mehr vorbeikommen konnten. Dies wohl ahnend hatte der Erzbischof beim Empfang des Schreibens erklärt: „sie stellt ein schwerwiegendes Problem dar und wird Ströme von Tinte fliessen lassen, selbst wenn ich schon vom Schauplatz der streitenden Kirche abgetreten sein werde“ . Vermutlich hätten seine beiden Nachfolger der Frevler Woytila (Johannes Paul II) und Benedikt XVI ohne ein solches Präjudiz mit dem Fall Piusbruderschaft etwas weniger Mühe.
    Seiner Sache sicher liess sich der Erzbischof von den gegen ihn angewendeten Massnahmen nicht beeindrucken. Auch scheute er sich nicht sie in aller Öffentlichkeit ins Lächerliche zu drehen. Auf die Frage worin besteht sie nun in Wirklichkeit“ antwortete er „sie beraubt mich des mit dem Priesteramt und umso mehr mit dem Bischofsamt unzertrennlich verbundenen Rechtes, die heilige Messe zu feiern, die Sakramente zu spenden und an einem geweihten Ort zu predigen, das heisst es ist mir verboten, die neue Messe zu feiern, die neuen Sakramente zu spenden und die neue Lehre zu predigen. Sein Fazit: Weil er alle diese Neuigkeiten ohnehin ablehne, sei der hervorgerufene Schaden äusserst gering.
    Aus der nachfolgenden Erklärung geht unmissverständlich hervor, dass für den Erzbischof die Zugehörigkeit zur Konzilssekte jene zur katholischen Kirche ausschliesst. Stolz verkündet er: „Wir sind suspendiert a divinis von der konziliaren Kirche und für die konziliare Kirche, der wir aber nicht angehören wollen.“Seine Ablehnung rechtfertigt er mit dem Hinweis: „Diese konziliare Kirche ist eine schismatische Kirche, weil sie mit der katholischen Kirche, mit der Kirche aller Zeiten gebrochen hat. Sie hat ihre Dogmen, ihr neues Priestertum, ihre neuen Institutionen, ihren neuen Kult, die von der Kirche schon in gar manchen amtlichen und endgültigen Dokumenten verurteilt sind.“
    Für den Erzbischof gibt es keinen anderen Grund den Irrlehren der Konzilssekte zuzustimmen als der von oben geforderte Gehorsam. Für ihn ist sie jedoch deswegen schismatisch, „weil sie ihre Gründung auf Prinzipien aufgebaut hat, die der katholischen Kirche entgegengesetzt sind; so zum Beispiel die neue Auffassung der Messe, wie sie in den Artikel 5 und 7 der Institutio generalis Missalis dargelegt ist, wo der Versammlung der Gläubigen eine Funktion zugeschrieben wird, die sie nie haben kann; ebenso das natürliche, das heisst das göttliche Recht jeder Person und jeder Personengruppe auf Religionsfreiheit.
    Der Frevler Montini hatte den Erzbischof völlig falsch eingeschätzt. Überzeugt, dass die eigene Autorität dazu ausreichte den Erzbischof in die Knie zu zwingen hatte er anstatt dessen eine Eskalation des Konfliktes der seinen Höhepunkt in der am 4. August 1976 vom Erzbischof gegenüber dem Vertreter der Zeitung „Le Figaro“ Erklärung erreichte, wo der Erzbischof durchblicken liess: „Wenn es uns als gewiss erscheint, dass der während zwanzig Jahrhunderten von der Kirche gelehrte Glaube keine Irrtümer enthält. Sind wir weniger gewiss dass der gegenwärtige Papst ein wahrer Papst ist. Die Irrlehre, das Schisma, und dementsprechend die Exkommunikation, die Ungültigkeit einer Wahl können gegebenenfalls zur Folge haben, dass der Papst niemals Papst war oder nicht mehr ist. “
    Eine solche Erklärung ist deswegen schwerwiegend, weil sie einerseits von einem Angehörigen der lehrenden Kirche abgegeben wurde. Sie schliesst die Möglichkeit nicht aus, dass der Frevler Montini (Paul VI) eine falsche ekklesiologische Identität vortäuscht und wir es dementsprechend mit einer der grossen Betrügereien der Kirchengeschichte zu tun haben. Die dahinter stehende Logik lösst sich folgendermassen zusammenfassen:
    1. Obersatz: Der Frevler Montini erhebt den Anspruch der Nachfolger des heiligen Petrus und somit auch der Stellvertreter Christi zu sein,
    2. Untersatz: Sein Verhalten lässt jedoch den Verdacht aufkommen, dass er es in Wirklichkeit nicht sein könnte,
    3. Schlussfolgerung: Sollte sich herausstellen, dass er es nicht ist, wäre in Anbetracht dessen dass er es zu sein vorgibt, der Tatbestand des Betruges erfüllt.
    Ob es der Erzbischof sich der Erzbischof der Tragweite seiner Erklärung bewusst war oder nicht ist vorerst belanglos, denn er musste damit rechnen, dass sie so verstanden wird, dass für ihn zwischen der Gesinnung und dem Werk des Frevlers Montini ein kausaler Zusammenhang besteht.
    Wirkungsgeschichtlich betrachtet ist eine solche Erklärung keineswegs ein Blitz aus heiter hellem Himmel, sondern das logische Ergebnis der bewussten Ablehnung der vom Frevlers Montini angeordneten Reformen. Kurz danach erschien nämlich eine Schrift des Erzbischofs unter dem Titel: Ich klage das Konzil an. Diese Schrift enthält folgende Aussage: Der Erzbischof tat es mit der Erklärung: „Nach und nach öffnen sich einem die Augen angesichts einer bestürzenden Verschwörung, von langer Hand vorbereitet. Diese Entdeckung dient dazu, sich zu fragen: Welche Rolle spielte der Papst bei diesem ganzen Unternehmen? Wie weit geht seine Verantwortung? Sie erscheint wahrhaft erdrückend, trotz des Wunsches, ihn an diesem entsetzlichen Verrat an der Kirche für unschuldig zu erklären“ Da seine Erklärung auch eine Anklage an die Adresse des Frevlers Montini miteinschliesst, war die Schlussfolgerung naheliegend, dass der Sitz Petri von einer Person eigenommen werde, die nicht identisch sei mit dem Amtsträger für den sie sich ausgibt.
    Mit seiner Erklärung stand der Erzbischof keineswegs alleine da. Bereits vier Jahrhunderte vor ihm hatte Papst Paul IV in seiner Konstitution cum ex apostolatu officio das Thema einer ungültigen Papstwahl aufgegriffen und sinngemäss folgendermassen dazu Stellung genommen : Sollte ein kirchlicher Würdenträger vor seiner Erhebung vom Glauben der Kirche abgewichen oder einer Irrlehre anheimgefallen sein, so ist selbst seine einstimmige Wahl durch das Kollegium der Kardinäle als nichtig (nulla), erfolglos (irrita) und vergeblich (inanis) zu halten. Wendet man auf die Erklärung des Papstes den Umkehrschluss an, so folgt daraus, dass es nach dem Verständnis dieses Papstes durchaus geschehen kann, dass eines Tages der Stuhl Petri von einer Person besetzt werde, die sich zwar als Papst ausgibt ohne es zu sein .
    Wie man auch immer über die Gültigkeit dieser Erklärung urteilen mag, es handelt sich um eine Willenserklärung eines als Papst erkannten Inhabers des Stuhles Petri. Ontologisch gesprochen liegt insofern eine Entäusserung vor, als man bei der erklärenden Person den Willen feststellen kann, Dritten Kenntnisse, die sie für wichtig hält, zur Kenntnis und sie in der Folge daran zu binden. Sie hat im Unterschied zur reinen Absicht (propositium) bindenden Charakter.
    Eine ausgiebige Auseinandersetzung mit dieser Erklärung erachten wir für unsere Untersuchung deswegen für unumgänglich, weil der Erzbischof in ihr eine solide juristische Grundlage für seinen Ungehorsam gegenüber dem Frevler Montini gefunden hätten. Auf diese Weise wären er und sein jetziger Nachfolger weniger Schwankungen als bisher ausgesetzt gewesen.
    Der Erzbischof hat sein Verhalten gegenüber dem Frevler Montini stets unter Berufung auf den in der Kirche herrschenden Notstand geltend gemacht. Das kanonische Recht definiert den Notstand „eine irgendwie, aber ohne eigenes Verschulden entstandene äussere Zwangslage, die den Bedrängten physisch oder moralisch zwingt, zur Abwendung der Gefahr dem Gesetz zuwider zu handeln.“ Die zu abwendende Gefahr ist die totale Apostasie in die eine einstmals katholische Gemeinschaft infolge einer mangelhaften Orientierung seitens ihrer Oberhirten immer mehr hinein zu geraten drohte. Dazu hatte er den Anweisungen des Oberhauptes der Konzilssekte zu widerstehen unter Inkaufnahme eines möglichen Ausschusses aus dieser Sekte, galt es doch Priester heranzubilden, die den zurückgeblieben Rechtgläubigen gültige Sakramente spenden und sie im katholischen Glauben unterweisen würden. All das galt es von Grund auf neu zu errichten, denn mit der Anordnung der neuen Liturgie durch den Frevler Montini wollte man die letzte Quelle katholischer Identität – die Liturgie des heiligen Pius V nämlich – aus dem Bewusstsein der Gläubigen verbannen.
    Juristisch gesprochen war das Handeln des Erzbischofs eine Geschäftsführung ohne Auftrag. Eine solche Regelung liegt vor, wenn „der Geschäftsführer zum Nutzen des Geschäftsherrn handelt“, obschon nicht in seinem Auftrag, aber auch nicht gegen ein von ihm erlassenes Verbot. In analoger Weise gilt diese Aussage für das Verhältnis zwischen übergeordneter und einer untergeordneten Instanz innerhalb der kirchlichen Hierarchie. Davon ausgehend, dass ein heiliger Pius X und seine Nachfolger einschliesslich Pius XII niemals die Ausbreitung des Modernismus innerhalb der ihnen anvertrauten Herde geduldet hätten, sah sich der Erzbischof unter Berufung auf diese Päpste zum handeln genötigt, was seinen Ungehorsam gegenüber dem Frevler Montini zur Folge hatte.
    So lange der Erzbischof sich dem Frevler Montini widersetzte ihn aber gleichzeitig als Papst anerkannt war sein Handeln in keiner Weise mit den Traditionen der katholischen Tradition übereinstimmend. Kirchliche Traditionen heissen die kraft apostolischer Vollmacht erlassenen und von der Kirche weitergegebenen Bestimmungen. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass der Zeitpunkt ihrer Entstehung ermittelbar ist. Nur göttliche Traditionen sind für den Gläubigen bindend. Sie haben das Wort Gottes zum Gegenstand und sind dementsprechend unmittelbar glaubend anzunehmen. Die übrigen Traditionen beruhen nichtsdestoweniger auf einer uns als übernatürlich geoffenbarten Vollmacht und Autorität und sind somit ebenfalls glaubend anzunehmen . Wer ihnen den Gehorsam verweigert, verwirft dadurch die in der Offenbarung festgehaltene Unfehlbarkeit der Kirche. Kraft dem Beistand des heiligen Geistes vermag diese Kirche festzulegen, welche Regeln in enger Verbindung mit den christlichen Sitten und dem Gott geschuldeten Kult stehen

  9. @PierreMit dem Rückgriff auf das in Frage kommende päpstliche Dokument wäre Erzbischof in der Lage gewesen, seinem Ungehorsam gegenüber dem Frevler Montini eine rechtliche Grundlage zu geben. Leider hat er diese Gelegenheit nicht wahrgenommen. Als nämlich der Frevler Montini sich unerwartet bereit zeigte, den Erzbischof zu empfangen und ihn anzuhören, vollzog Letzterer eine radikale Kehrtwende in dieser Sache.
    Nach dieser Kehrtwende war es dem Erzbischof nicht mehr möglich, seinen Widerstand gegen die vom Frevler Montini unter Berufung auf den Frevler Roncalli angeordneten Reformen mit einer soliden juristischen Basis zu begründen. Dadurch bewerkstelligte er eine erhebliche Abschwächung seines Widerstandes, Diese Haltung wird von seinen heutigen Nachfolgern weiterhin vertreten . Leider führt der heutige Nachfolger des Erzbischofs, Bischof Fellay unterstützt vom ehemaligen Generaloberen Pater Schmidberger seit der Wahl Ratzingers die gleiche Politik mit unterschiedlichen Nuancen fort. Sie lässt Schlimmes befürchten.
    Das Pontifikat der Frevler Roncalli und Montini im Lichte der Konstitution „cum ex apostolatu officio“ Pauls IV
    Die Frage die es zu beantworten gilt lautet, inwiefern inwiefern ist die zweideutige Haltung der Oberen der Piusbruderschaft die Folge der Nichtbeachtung der Konstitution Papst Pauls IV. Das päpstliche Dokument soll unter folgenden drei Gesichtspunkten untersucht werden:
    1. Seine Entstehung,
    2. Sein Inhalt,
    3. Seine Anwendbarkeit auf die Pontifikate der Frevler Roncalli, Montini und Woytila
    Zunächst gilt es festzuhalten, dass der Ausdruck Sedesvakantismus dem Tatbestand in keiner Weise gerecht wird, denn wörtlich genommen vermeint er die Nichtbesetzung des heiligen Stuhles. Dieser Sachverhalt trifft jedoch in keiner Weise zu, denn der heilige Stuhl wird seit Pius XII, dem letzten eindeutig katholischen Papst von Personen besetzt gehalten, die mit dem Anspruch auftreten, Nachfolger des heiligen Petrus und Stellvertreter Christi zu sein. Sollte der genannte Anspruch ungerechtfertigt sein, läge zwar objektiv gesehen ein Betrug vor, doch ist damit in keiner Weise bewiesen, dass die den Anspruch erhebende Person, deswegen auch ein Betrüger sei. Es könnte sich auch, um mit Max Scheler zu sprechen, um jenes Idol der Selbsterkenntnis handeln „dass innere Wahrnehmung im Gegensatz zur äusseren Wahrnehmung der Natur sich niemals täuschen könne“. Mit anderen Worten man kann bei den Frevlern Roncalli und Montini insofern eine lautere Gesinnung annehmen, als beide rechtmässig – dh.unter Beachtung der vorgeschriebenen Verfahrensregeln – gewählt wurden. Ihre Wahl wäre jedoch nichtsdestoweniger laut „cum ex apostolatu officio“ gerade wegen ihrer Gesinnung ungültig.
    Wendet man hier den Umkehrschluss an gelangt man zum Ergebnis, dass ein zweifacher Irrtum vorliegen muss und zwar sowohl seitens der Frevler Roncalli und Montini als auch seitens jener Wähler im Konklave von 1958 . Seitens der Frevler Roncalli und Montini weil bei ihnen keine katholische Gesinnung vorlag und seitens ihrer Wähler wegen den falschen an die beiden Frevler gestellten Erwartungen. In einem solchen Falle müsste man von Fehlbesetzung des heiligen Stuhles sprechen. Weil derartige Fehlbesetzungen mit den daraus entspringenden katastrophalen Folgen laut Papst Paul IV durchaus im Bereich des Möglichen liegen, ist eine Auseinandersetzung seiner Konstitution unerlässlich.
    Wie später beim heiligen Pius X spricht aus der Konstitution Pauls IV die Sorge des Oberhirten für die ihm anvertraute Herde . Sorge heisst nicht gleichgültig bleiben, was der Fall ist, wenn man sich von einer bestimmten Sache betroffen zeigt. Es war eine solche Betroffenheit die den Erzbischof dazu veranlasste, dem Frevler Montini zu widerstehen .
    Für den Papst beinhaltet die ihm anvertraute Aufgabe die Sorgfaltspflicht: „ständig wachsam zu sein und sehr sorgfältig Vorsorge zu treffen. Diese Vorsorge den Papst gilt wohl den Irrlehren, aber noch gefährlicher sind für ihn die dahinter stehenden Menschen. Diese Menschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich auf ihre eigene Weisheit stützen und sich verhängnisvoller als gewöhnlich gegen das Festhalten am rechten Glaubens erheben. Gegen solche Leute vorzugehen sieht sich der Papst deswegen genötigt, weil sie „mittels abergläubischer und frei erfundener Ausflüchte das Verständnis der Heiligen Schrift verdrehen sowie die Einheit der katholischen Kirche wie den nahtlosen Rock des Herrn zu zerreißen suchen“
    Die Argumentation des Papstes lässt sich ungefähr so zusammenfassen. Als Oberhirte ist er für das Seelenheil der ihm anvertrauten Herde verantwortlich. Dazu muss er in der Lage sein, Irrlehren – ein Gift für die Seelen der Gläubigen – von ihnen fern zu halten. Der Papst argumentiert als Jurist. Zwischen dem Seelenheil der Gläubigen und dem Fernhalten von Irrlehren besteht für ihn das Verhältnis angemessener Kausalität. Für den Papst sind aber Irrlehren keine abstrakten und im sphärischen Bereich sich bewegende Wesenheiten, sondern die Folge menschlicher Überheblichkeit. Keine schlechte Handlung ohne schlechten Willen sagt der heilige Augustinus. Die Überzeugung, dass die eigentliche Gefahr für das Seelenheil der Gläubigen die menschliche Überheblichkeit ist, hat das Vorgehen der kirchlichen Oberen bis zum Pontifikat des Frevlers Roncalli geprägt.
    Für den Papst ist die Sache deswegen ernst, weil der römische Pontifex als Stellvertreter Gottes und Jesu Christi oberster Gesetzgeber und Richter in Glaubens- und Sittenfragen und Herrscher über alle Völker ist, in dieser Welt keinem richterlichen Urteil unterliegt, ihm jedoch – sollte er vom Glauben abweichen – widersprochen werden darf. Bei näherem Hinschauen wird man feststellen, dass der Papst auf zwei Ebenen argumentiert. Einerseits ist der Papst eine Stiftung göttlichen Rechts und gleichzeitig ein historisches Subjekt. Als historisches Subjekt ist der Papst Träger der in Frage kommenden Stiftung ohne mit ihr identisch zu sein und wegen dieses Unterschiedes kann es geschehen, dass er nicht gemäss den Richtlinien der Stiftung dessen Träger er ist, handelt. Der Papst ist sich dessen bewusst, dass hier eine Gefahr lauert der entgegenzutreten ihm obliegt wie es die nachfolgenden Worte verdeutlichen. Er erklärt nämlich es gelte darauf bedacht zu sein, daß keine falschen Propheten oder andere, die weltliche Gewalt innehaben, die Seelen einfacher Menschen beklagenswert umgarnen und Unzählige, die in geistlichen und zeitlichen Angelegenheiten ihrer Sorge und Leitung anvertraut sind, mit sich ins Verderben und in den Untergang der Verdammnis ziehen.
    Für den Papst steht Übereinstimmung von Träger und Stiftung auf dem Spiel ohne welche den heiligen Stätten eine Verwüstung droht. Dagegen will er auf zweifache Weise vorgehen. Er will solchen Gefahren ausgesetzten Personen davon in Kenntnis setzen, dass er als erstes die von seinen Vorgängern getroffenen diesbezüglichen Bestimmungen bestätigt. Darunter fallen jene „der Exkommunikation, der Suspension, des Interdikts, der Amtsenthebung und aller anderen Urteilssätze, Zensuren und Strafen,“ sowie diejenigen,“ die durch ihre außergesetzlichen Schreiben festgelegt oder durch die heiligen Konzilien von der Kirche Gottes angenommen wurden oder durch die Erlasse und Bestimmungen der heiligen Väter oder durch die heiligen Richtlinien, Verfügungen und Apostolischen Verordnungen gegen Häretiker oder Schismatiker, jemals erlassen oder veröffentlicht wurden“. Von diesen Bestimmungen betroffen sind im Verständnis des Papstes alle diejenigen Würdenträger die bis jetzt vom katholischen Glauben abgewichen, in Häresie gefallen oder ins Schisma geraten sind oder derlei hervorgerufen oder verschuldet haben, wenn sie als solche erkannt sind, sich bekannt haben oder überführt wurden oder (was Gott in seiner Huld und Güte von allen abwenden wolle) fernerhin abweichen, in Häresie fallen, in ein Schisma geraten, derlei hervorrufen, verschulden oder die erfunden werden, daß sie abgewichen, in Häresie gefallen, in ein Schisma geraten sind, solches hervorgerufen oder verschuldet haben, oder die dies bekennen oder dessen überführt werden, – diese, so wollen und bestimmen wir, daß diese jeglichen Standes, Grades, Ranges, Berufes und vortrefflicher Würde, auch wenn sie in bischöflicher oder erzbischöflicher Würde stehen oder Patriarchen, Primaten oder eine andere größere kirchliche Würde besitzen, mit der Kardinalswürde versehen sind oder das Amt eines Legaten des Apostolischen Stuhles, wo immer auf Erden, ständig oder zeitlich begrenzt innehaben.
    Der Papst will aber auch vorbeugen bevor es zu spät ist und dies heisst die Entstehung eines Schadens durch geeignete Massnahmen verhindern. Dazu gilt es zu verhindern, dass Irrlehren sich den Zugang zum kirchlichen Bereich verschaffen.
    Offensichtlich wurden die geforderten Beugemassnahmen bei der Wahl des Frevlers Roncalli auf den Stuhl Petri nicht angewendet. Auf diese Weise gelangte ein von Wahnvorstellungen bessessener Optimist an die Spitze der Kirche und machte aus ihr die Konzilssekte . Wahnvorstellungen sind „pathologisch verfälschte Urteile“ mit folgenden Merkmalen:
    1. es liegt subjektive Gewissheit vor,
    2. sie lassen sich nicht durch Erfahrung und zwingende Schlüsse entkräften
    3. sie besitzen einen unmöglichen Inhalt.
    Die Haltung des Frevlers Roncalli war weder ein bedauernswerter Betriebsunfall noch eine Alterserscheinung sondern der Ausdruck eines Glaubens an den Menschen, den er von Jugend auf vertreten hat . Dass sein Mangel an Einsicht katastrophale Folgen für die Kirche haben würde, war schon damals voraussehbar wenn man bedenkt, dass die nachfolgende Erklärung ein Jahr nach Errichtung der Berliner Mauer und knappe sechs Jahre vor Ausbruch der 68 Kulturrevolution abgegeben wurde. Wie konnte jemand angesichts der damaligen geschichtlichen Situation in einer skandalösen Eröffnungsrede erklären dass: „die Kirche, erleuchtet vom Licht des Konzils, an geistlichen Gütern zunehmen und mit neuen Kräften von daher gestärkt unerschrocken in die Zukunft schauen wird. Denn durch eine angemessene Erneuerung und eine weise Organisation wechselseitiger Zusammenarbeit wird die Kirche erreichen, dass die Menschen, Familien und Völker sich mehr um die himmlischen Dinge sorgen.“
    Wenn er in der Folge jenen, die ihn davon abhalten wollen, seinen Wahnvorstellungen zu gehorchen seine Geringschätzung entgegenbringt, dann gehorcht er einer seinen Wahnvorstellungen entspringenden Logik. Es ist Anbetracht eines derartigen von Wahnvorstellungen geprägten Optimismus nicht erstaunlich, dass es für ihn in Zukunft keine Verurteilungen mehr geben darf und in diesem Sinne erklärt: „Die Kirche hat Irrtümern zu allen Zeiten widerstanden, oft hat sie sie verurteilt, manchmal mit grosser Strenge. Heute dagegen möchte die Braut Christi lieber das Heilmittel der Barmherzigkeit anwenden als die Waffe der Strenge. Sie glaubt, es sei den heutigen Notwendigkeiten angemessener, die Kraft ihrer Lehre ausgiebig zu erklären, als zu verurteilen. Das bedeutet nicht, dass es keine falschen Lehren und keine gefährlichen Meinungen gebe, die man vermeiden, die man vermeiden und zerstreuen muss. Aber diese widerstreiten so offensichtlich den rechten Grundsätzen der Ehrbarkeit, und sie haben so verheerende Früchte gezeigt, dass heute die Menschen von sich aus solche Lehren verurteilen. Das gilt besonders von jenen Sitten, die Gott und seine Gebote verachten, von bliden Vertrauen auf den technischen Fortschritt und auf einen Wohlstand, der sich ausschliesslich auf den Lebenskonfort stützt.“.
    Mit dieser Erklärung hat der Frevler insofern einen Bruch vollzogen, als er sich ausdrücklich weigert die von der modernen Welt ausgehenden Gefahren für die Kirche wahrzunehmen und Schutzdämme gegen sie zu errichten. Er glaubt auf den modernen Menschen zugehen zu müssen und mit auf ihn zugeschnittenen Argumenten auf den rechten Weg bringen zu können. Da dieser Glaube sein ganzes Pontifikat geprägt hat, ist Letzteres für den seinerzeit vollzogenen Bruch ausschlaggebend.
    Im Gegensatz zum Realismus Paul IV, der die von den Irrlehren ausgehenden Gefahren richtig eingeschätzt hatte, war der Frevler Roncalli von der natürlichen Neigung des Menschen zum Guten überzeugt. Der seither zu der Semantik der Konzilssekte gehörende Ausdruck Mensch guten Willens ist seine Erfindung. Auf diese Weise ging bei vielen Gläubigen der Sinn für das Besondere am katholischen Glaubensgut verloren.
    Sein von der gleichen frevelhaften Gesinnung geprägte Nachfolger Montini machte sich die Haltung seines Vorgängers zu eigen indem er in seiner Ansprache vom 7. Dezember 1965 zum Abschluss der Räubersynode die Konzilsväter dafür lobte, dass sie obschon vom gottlosen Humanismus herausgefordert, keine Verurteilungen ausgesprochen hätten und ihnen dabei die Parabel des barmherzigen Samariters als Leitbild gedient hätte. Eine Welle der Sympathie für diese Sache habe die Konzilsväter überwältigt und ihre Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse der Menschheit gelenkt. In Anbetracht dessen bittet der Frevler Montini die modernen Humanisten, ungeachtet ihrer mangelnden Beziehung zur Transzendenz, der Kirche zuzugestehen, dass auch sie ihren Kult des Menschen habe .
    Dann fährt er fort, « Wohlwollen und Bewunderung für den modernen Menschen und seine Welt habe sich über das Konzil ausgebreitet. Zwar verlangten Liebe zur Wahrheit und Nächstenliebe die Zurückweisung von Irrtümen,, für die Menschen die sie vertreten habe man dagegen Achtung und Wohlwollen. Niederdrückenden Diagnosen habe man ermutigende Therapien vorgezogen und an Stelle von unheilvollen Vorhersagen seien Botschaften des Vertrauens an die Adresse der Welt von heute vom Konzil ausgegangen: die Werte des modernen Menschen hätten nicht nur Achtung sondern auch Anerkennung gefunden und dessen Bemühungen seien unterstützt und abgesegnet worden.“
    Die vorhergehenden Worte wiederspiegeln den Willen des Frevlers Montini eine Versöhnung mit der an die französische Revolution anknüpfende Entwicklung zu erzielen. Daher wollte er nichts mehr von Abgrenzungen gegenüber der modernen Welt wissen.
    Die Folgen dieser Haltung sind insofern verheerend als sie die vollständige Aufhebung der Grenzlinie zwischen katholisch und nicht katholisch zur Folge hatten. Es kann daher niemanden wundern, dass niemand daran Anstoss nahm als der Frevler Montini wenige Monate später in flagranter Verletzung von Apostolicae Curae et Caritatis sowie Mortalium animos und zusammen mit dem Erzbischof von Canterbury, einem Laien und Freimaurer in der Basilika Sankt Paul-ausser-den-Mauern auftrat und mit ihm die dort versammelten Gläubigen segnete. Man hat versucht diese Abweichungen unter Berufung auf das Konzilsdekret Unitatis redintegratio zu rechtfertigen, doch in Wirklichkeit wird das subjektive Wohlwollen gegenüber den getrennten Gemeinschaften zur Glaubensregel erklärt . Das bedeutet ein Abrücken von der bis dahin geltenden Regel wonach der Einsicht der Vorrang vor dem stellungnehmenden Verhalten gebührt.
    Ganz anders sieht Paul IV die Sache. Er weiss sich nicht nur Gott, sondern ebenfalls gegenüber den ihm anvertrauten Gläubigen verantwortlich. Sie will er vor jenen Menschen in Schutz nehmen, die obschon sie für das Wohl der ihnen anvertrauten Gläubigen besorgt sein müssten, mit einem falschen Beispiel vorangehen. Davon bleiben im Verständnis des Papstes auch kirchliche Würdenträger nicht verschont . Weil solche Menschen sich bemühen Irrlehren einen Zugang zu den heiligen Stätten zu verschaffen, gilt es ihnen den Weg dorthin zu versperren. Dementsprechend sind Verurteilungen für ihn wegen ihrer abschreckenden Wirkung das geeignete Mittel. Für den Papst kann insofern kein abscheulicheres Verbrechen als die Verbreitung von Irrlehren im Inneren der Kirche begangen werden, als diejenigen die es begehen, damit auch die ihnen anvertrauten Völker ins Verderben mit hineinziehen. Aus Abscheu davor beschliesst er kraft der der ihm von Gott verliehenen Fülle Apostolischer Vollmacht und in Übereinstimmung und mit Zustimmung der Kardinäle, dass die bis dahin geltenden Urteilssätze, Zensuren und vorgenannten Strafen in einer Konstitution festzulegen, die für immer gelten soll und auf diese Weise jetzt und in Zukunft ihre Wirksamkeit behalten soll.
    Nach dem Willen des Papstes sollen von den in Frage kommenden Bestimmungen alle diejenigen erfasst werden,“die bis jetzt vom katholischen Glauben abgewichen, in Häresie gefallen oder ins Schisma geraten sind oder derlei hervorgerufen oder verschuldet haben, wenn sie als solche erkannt sind, sich bekannt haben oder überführt wurden“ . Davon betroffen sind sowohl kirchliche als auch weltliche Würdenträger “
    Die den vorhergehenden Aussagen zu Grunde liegende Logik führt unweigerlich dazu die Frage aufzuwerfen, ob Menschen die derartige den Glauben zerstörende Bestimmungen erlassen überhaupt dazu geeignet sein können, das Amt des obersten Gesetzgebers in der Kirche zu übernehmen. Bis hierher denken Erzbischof und Papst in gleicher Weise mit einem Unterschied. Wenn der Papst, als der oberste Gesetzgeber der Kirche mit seiner Bulle eine Schutzbestimmung erlässt, welche die Kirche vor einer Verwüstung bewahren soll, so übt er damit eine Befugnis aus, die er von Amts wegen besitzt. Hingegen lag beim Erzbischof eine Geschäftsführung ohne Auftrag vor. Sie konnte aber nur so lange Bestand haben, als seitens des Erzbischofs die Bereitschaft vorlag, sich an „cum ex apostolatu officio“ zu orientieren und jede Eigenwilligkeit zu vermeiden. Leider wählte der Erzbischof einen anderen Weg.
    Die Wende und ihre Hintergründe
    Nicht ein besonderes Wohlwollen für die Tradition hatte Rom zu diesem Schritt bewogen, sondern kühle Berechnung. Rom hatte die Schlüsselrolle des Erzbischofs im Kampfe gegen die vom Konzil angeordneten Erneuerungen erkannt und eingesehen, dass ihm weder mit Drohungen noch mit Strafmassnahmen in die Knie zwingen konnte und sogar zu befürchten war, der Frevler Montini als Betrüger entlarvt werden könnte. Wollte man ihn kalt stellen, musste man demnach zu neuen Mitteln greifen. Man täuschte Verhandlungsbereitschaft vor und zog gleichzeitig die Verhandlungen in die Länge und, wie wir noch sehen werden, instrumentalisierte dazu die liturgische Frage.

  10. @Pierre: Die Wende und ihre Hintergründe
    Nicht ein besonderes Wohlwollen für die Tradition hatte Rom zu diesem Schritt bewogen, sondern kühle Berechnung. Rom hatte die Schlüsselrolle des Erzbischofs im Kampfe gegen die vom Konzil angeordneten Erneuerungen erkannt und eingesehen, dass ihm weder mit Drohungen noch mit Strafmassnahmen in die Knie zwingen konnte und sogar zu befürchten war, der Frevler Montini als Betrüger entlarvt werden könnte. Wollte man ihn kalt stellen, musste man demnach zu neuen Mitteln greifen. Man täuschte Verhandlungsbereitschaft vor und zog gleichzeitig die Verhandlungen in die Länge und, wie wir noch sehen werden, instrumentalisierte dazu die liturgische Frage.
    Anlässlich des ersten und einzigen Zusammentreffens zwischen dem Erzbischof und dem Frevler Montini fiel der Satz: Uns eint eine gemeinsame Liebe zur Kirche. Hinter diesem Satz verbirgt sich ein realpolitischer Zynismus. Als Realpolitiker hatten sowohl der Frevler Montini als auch der Erzbischof eingesehen, dass sie in eine Situation geraten waren, die unweigerlich ins Schisma führen musste. Nachdem der Erzbischof erklärt hatte, man könne daran zweifeln, ob der Frevler Montini in Wirklichkeit der Papst sei, hatte nach einer solchen Erklärung der Frevler Montini keine andere Wahl Erklärung als entweder den Erzbischof und seine Anhänger mit dem Kirchenbann zu belegen und ein Schisma in Kauf zu nehmen oder ihn wenigstens anzuhören . Montini gab schliesslich dem Drängen seines engen Freundes Jean Guitton nach und empfing den Erzbischof. Man kann dem Erzbischof insofern den guten Glauben nicht absprechen, als er sich von der Anerkennung durch das modernistische Rom ein erfolgreicheres Wirken versprach. Auch war er sich bewusst, dass die Weiterführung seines Kampfes gegen den Frevler seine Gläubigen einer ungeheuren und langfristig gesehenen kaum tragbaren Belastung aussetzten würde. Daher glaubte er ungeachtet seiner früheren Erklärung die Gelegenheit einer Aussprache mit dem Frevler Montini ergreifen zu müssen. Damit war das Eis gebrochen: das modernistische Rom und die Tradition begannen miteinander zu reden.
    Als der Erzbischof nach nahezu zehn Jahre Verhandlungen mit Rom endlich zur richtigen Einsicht kam und sich dazu entschloss, gegen den Willen Roms Bischöfe zu weihen, um den Weiterbestand seines Werkes zu gewährleisten, gab er rückblickend auf seine Verhandlungen mit dem modernistischen Rom folgende Erklärung ab: „Und wenn wir an die Geschichte der Beziehungen Roms zu den Traditionalisten von 1965 bis zu unseren Tagen denken, müssen wir feststellen, dass hier eine unentwegte grausame Verfolgung vorliegt, um uns zur Unterwerfung unter das Konzil zu zwingen. Das jüngste Beispiel ist das Seminar „Mater Ecclesiae“ für die Überläufer von Ecône, die in weniger als zwei Jahren mit der konziliaren Revolution gleichgeschaltet wurden, entgegen allen Versprechungen! Das gegenwärtige konziliare und modernistische Rom wird nie die Existenz eines kraftvollen Zweiges der katholischen Kirche dulden können, der ihn durch seine Vitalität zum lebendigen Vorwurf wird. Man wird also noch einige Jahre warten müssen, bis Rom zu seiner tausendjährigen Tradition zurückfindet. Wir hingegen fahren fort, mit der Gnade Gottes den Beweis zu liefern, dass die Tradition die einzige Quelle der Heiligung und des Heiles der Seelen ist und die einzige Möglichkeit für die Kirche, wieder aufzublühen.“
    Für einen unvoreingenommenen Beobachter ist diese Erklärung insofern einseitig, als sie eine Unmöglichkeit im juristischen Sinne unberücksichtigt lässt. Rom hätte sich niemals leisten können, den vom Erzbischof verlangten Zugeständnissen statt zu geben, ohne gleichzeitig die beiden Pontifikaten der beiden Frevler Roncalli und Montini in Abrede zu stellen. Der Erzbischof verlangte nämlich nichts Geringeres als dass Rom ihn und seine Bruderschaft einerseits als Mitglieder der Konzilssekte anerkenne und andererseits ihnen das Recht zugestehe, den Glauben der Konzilssekte zu verwerfen um einzig und allein den katholischen Glauben innerhalb der Konzilssekte zu vertreten. Einen derartigen Anspruch musste der Frevler Woytila, dessen Doppelname darauf hinweist, dass er sich dem Gedankengut seiner beiden frevelhaften Vorgänger verpflichtet weiss, notwendigerweise zurückwseisen.
    Von Anfang an hatte der Erzbischof es übersehen, dass er sich damit in einen Widerspruch verfangen hatte. Jede Rechtsordnung unterliegt nämlich dem Gebot der Widerspruchsfreiheit . Sie erstreckt sich auf sämtliche Beziehungen zwischen Personen. Laut diesem Gebot kann, „wenn ein bestimmtes Verhalten gesetzlich verboten ist, nicht durch Rechtsgeschäft eine Pflicht zu diesem Verhalten begründet werden“. Wenn der Erzbischof den Verdacht hatte, dass der Frevler Montini (Paul VI) eine Identität, die er nicht hatte, vortäuschte, dann ist es ein Widerspruch und dementsprechend juristisch nicht haltbar, sich vom gleichen Frevler die Anerkennung zu erbitten. Tut man es dennoch so stellt er damit die eigene Glaubwürdigkeit aufs Spiel und setzt sich außerdem noch der Gefahr aus, manipuliert zu werden.
    Verfolgt man das Vorgehen des Erzbischofs gegenüber dem modernistischen Rom nach seiner Wende, so wird man leider feststellen müssen, dass es nicht frei von Widersprüchen ist. Daraus kann geschlossen werden, dass seine Persönlichkeit in der Romfrage gespalten war. Auf der einen Seite der kompromissloser Glaubenszeuge, auf der anderen Seite ein Diplomat von Kopf bis Fuß, der sich mit allen Kräften dagegen wehrte die Unmöglichkeit seines Vorhabens einzusehen und dementsprechend die Nachteile seines Festhaltens am unverfälschten Glauben in Kauf zu nehmen. Dieser Widerspruch hat von diesem Datum an, die Beziehungen zwischen der Piusbruderschaft und dem modernistischen Rom geprägt.
    Ein guter Diplomat ist jemand der die Kunst des Erfolges beherrscht. Dabei handelt es sich um die Fähigkeit das Verhalten anderer Personen in einem mehr oder weniger grossen Ausmass zu steuern. Dazu gilt es gewisse Regeln zu befolgen, wovon an erster Stelle die Beherrschung der Redekunst zu nennen wäre und an zweiter Stelle die Befähigung auf die Veranlagung der Person wahrzunehmen, die man beeinflussen möchte.
    Die Diplomatie hat aber auch ihren Preis. Sie verlangt, dass Dinge welche den Lauf der Dinge auf ungünstige Weise beeinflussen könnten, verschwiegen werden. Damit setzt man sich der Gefahr aus, Dinge die wichtig sind, bewusst nicht zu beachten . Eine davon war die Frage ob der Frevler Montini wirklich oder Scheinpapst sei. Zwar hielt es der Erzbischof weiterhin für möglich, dass der Frevler Montini kein Papst sei, doch vertrat er, von einer Ausnahme abgesehen, diese These nie mehr öffentlich .
    Diese Bereitschaft Dinge ausser Acht zu lassen, die diplomatisch nicht vertretbar sind, kann bereits aus der Predigt des Erzbischofs vom 29. August 1976 anlässlich des Pontifikalamtes in Lille herauslesen. Der Ton der Predigt ist weitaus versöhnlicher Ton zuvor. Zwar werden Missstände in der Konzilssekte beim Namen genannt, doch ihre Urheber verschont. Ohne dessen Namen zu nennen antwortet er auf die vom Frevler Montini gegen ihn vorgebrachte Beschuldigung, er sei der Anführer der Traditionalisten „ nicht ich habe mich Anführer der Traditionalisten genannt. Sie wissen, wer das vor kurzem in Rom unter feierlichen und denkwürdigen Umständen getan hat“ Leider lässt der Erzbischof mit seiner Aussage ein nicht unerhebliches Mass an Selbstkritik vermissen. Die von den beiden Frevlern Roncalli und Montini angeordneten Neuordnungen waren nicht überall auf Zustimmung gestossen. Doch bis dahin hatte kein Angehöriger der lehrenden Kirche mit seiner Autorität die gegen sie gerichtete Abneigung gedeckt. Mit seiner Weigerung sich den Anordnungen des Frevlers Montini unterzuordnen wurde der Erzbischof ohne es zu wollen zum Orientierungspol all jener Gläubigen, die es bisher nicht gewagt hatten, ihre Abneigung gegen die in Frage kommenden Neuordnungen öffentlich auszusprechen.
    Seine nachfolgenden Worte sind ein Meisterwerk diplomatischer Zweideutigkeit. Obschon er anerkennen müsste, dass er auf Grund seines Widerstandes – wenn auch ungewollt – zum Symbol aller glaubenstreuen Katholiken geworden sei, betrachtet er sich als einfacher Katholik, sicherlich Priester, sicherlich Bischof“, und wie alle Gläubige nicht bereit, die durch die Zerstörung des Glaubens und der Kirche entstandenen Ruinen einfach da stehen zu lassen. Daher erachte er es als seine Pflicht, „Priester auszubilden, wahre Priester, wie die Kirche sie braucht.“ Bereits diese Aussage beinhaltet, sofern man die ganze Vorgeschichte in Erwägung zieht, dass die Art und Weise wie die Konzilssekte ihre heutigen Priester ausbildet, sich nicht mit dem katholischen Gedankengut in Einklang bringen lässt. Diese Implikation will er als Diplomat nicht gelten lassen.
    Dagegen zeigt er sich darüber empört, dass Sanktionen deswegen gegen ihn ergriffen werden, weil er das tue, was er immer getan habe, „und ein Werk geschaffen habe“ , das seinem früheren Werk ähnlich sehe . Schliesslich gelangt er zur Schlussfolgerung: „Ich glaube im Gegenteil, ich wäre damals exkommuniziert worden, wenn ich meine Seminaristen so ausgebildet hätte, wie man sie jetzt in den neuen Seminaren ausbildet. Wenn ich damals den Katechismus, der heute in den Schulen gelehrt wird, unterrichtet hätte, hätte man mich einen Häretiker genannt. Und wenn ich damals die heilige Messe so gelesen hätte, wie man sie heute liest, wäre ich der Häresie verdächtig gewesen und man hätte mich aus der Kirche ausgeschlossen. „ Unbemerkt hat mit den vorhergehenden Worten der Erzbischof seine anfängliche Behauptung, er sei nicht der Anführer der Traditionalisten, widerlegt. Wichtig für ihn war jedoch, die Dinge so darzustellen, dass sie seine Beziehung zum Frevler Montini nicht belasten.
    In diesem Sinne erklärt er in der Folge: „Es geht um die Verteidigung unseres Glaubens. Aber wollen die Autoritäten Roms unseren Glauben gefährden? Ich möchte diese Autoritäten nicht verurteilen. Das heisst ich möchte sie nicht verurteilen. Ich möchte sie gewissermassen so verurteilen, wie früher das heilige Offizium ein Buch verurteilt und es auf den Index gesetzt hat.“
    Auch als er zum gemeinsamen Auftritt des Frevlers Montini mit dem Erzbischof von Canterbury in Sankt Paul ausser den Mauern zu sprechen kommt, wird er zwar seine Bestürzung über dieses Vorgehen zum Ausdruck bringen jedoch jede Schuldzuweisung vermeiden und erklären: „Wir sind daher wirklich bestürzt, wenn wir daran denken, dass man durch den Erzbischof von Canterbury, der nicht Priester ist und der Häretiker ist, wie alle Anglikaner, einen Segen erteilen liess. Die anglikanischen Weihen sind nicht gültig, Papst Leo XII hat es offiziell und endgültig erklärt,“ um wie folgt weiterzufahren: „Wenn man also bedenkt, dass er ein Häretiker ist, man ihn aber aufgefordert hat, mit dem heiligen Vater die Menge der Kardinäle und Bischöfe, die in der Basilika des heiligen Paulus anwesend waren, zu segnen ,ist das ein unbegreifliche Sache.“
    Obschon Gründe seelsorgerischer Art hinter seiner Entscheidung standen, sollte sein Entschluss in der Folge den Widerstand gegen die vom Konzil beschlossenen Reformen in erheblichem Masse abschwächen. Man kann daher mit dem heiligen Thomas erklären, dass die Neigung zum Guten zwar am Anfang der tugendhaften Handlung steht ohne mit ihr identisch zu sein und dass eine solche Neigung sogar in dem Ausmass gefährlich sein könne, würde der Mensch nicht durch Einsicht dazu gebracht, die richtigen Mittel zur Erreichung eines vorgegebenen Zieles auszuwählen.
    Es wäre verkehrt zu behaupten, der Erzbischof habe vor dem Frevler Montini kapituliert. Sein Bemühen um das Wohlwollen der beiden Frevler Montini und Woytila hat ihn nie dazu veranlasst, das wofür er kämpfte, nämlich das Opferpriestertum unseres Herrn Jesus Christus preis zu geben. Auch erreichte er, dass Rom sich fortan nicht mehr leisten konnte, den Fall Lefebvre und seiner Piusbruderschaft zu vernachlässigen.
    Der Auftritt des Erzbischofs vor dem Frevler Montini
    Am 10. September 1976 richtete der Erzbischof folgendes Schreiben an den Frevler Montini: „Mögen Eure Heiligkeit geruhen, die Versicherung meiner respektvollen Verehrung entgegen zu nehmen. Wenn gewisse Ausdrucksweisen in meinen Worten oder Schriften eurer Heiligkeit missfallen haben, so bedaure ich das lebhaft. Ich trage mich noch immer mit der Hoffnung, dass Eure Heiligkeit mir eine Audienz gewähren werden und versichere Sie meiner ehrbietigen, einem Sohn geziemenden Gesinnung. Das Bedauern, dass der Erzbischof in seinem Schreiben ausspricht, steht im schroffen Gegensatz zum anklägerischen Ton seiner früheren Stellungnahmen. Diese zweideutige Haltung ist in der Tat verwirrend. Nicht ganz Unrecht hatte der Frevler Montini als er gegenüber seinem Freund Jean Guitton, der ihm geraten hatte, den Erzbischof zu empfangen, erklärte, er zweifle an dessen Aufrichtigkeit und befürchte im Falle eines Stattgebens das Opfer seiner Unredlichkeit zu werden. Zur Entlastung des Erzbischofs gilt es zu berücksichtigen, dass er völlig alleine da stand nachdem die Hüter der Rechtgläubigkeit sich im Konklave von 1958 auf das Experiment eingelassen hatten, den Frevler Roncalli auf den Stuhl Petri zu wählen und ebenso die Warnung Kardinal Billots vor der Einberufung eines neuen Konzils in den Wind geschlagen hatten.
    Verfolgt man seinen Bericht über die erste Zusammenkunft mit dem Frevler Montini, wird man bedauerlichwerweise den Eindruck nicht los, dass ein Mann mit zwei Gesichtern am Werk ist. Indem er die in der Konzilssekte sich ausbreitenden Missstände nennt, verfährt er weiterhin nach Regel der Geschäftsführung ohne Auftrag aber gleichzeitig ihre Wirkung dadurch abschwächt dass er sich in einen Bittsteller verwandelt. Mit dieser Doppelbödigkeit schwächte er seine Glaubwürdigkeit erheblich ab und erlaubte es dem Frevler Montini verlorenen Boden zurückzugewinnen.
    Gegenüber dem Frevler Montini war der Erzbischof insofern im Nachteil, als er auf diese Begegnung in keiner Weise vorbereitet war. Immerhin hätte er genügend Realismus besitzen müssen, um mit einem gegen ihn aufgebrachten Frevler Montini zu rechnen. Gleich zu Beginn der Zusammenkunft erhebt der Frevler Montini folgende Anklage gegen den Erzbischof: „Sie verurteilen mich! Ich bin Modernist! Protestant! Das ist unzulässig! Sie dürfen es nicht fortsetzen! Sie verursachen einen Skandal in der Kirche!“
    Daraufhin überlässt er dem Erzbischof das Wort zu seiner Rechtfertigung. Wie bereits in Lille bestreitet der Erzbischof der Anführer der Traditionalisten zu sein. Auch hier scheint der Diplomat die Überhand gewonnen zu haben, den er gibt sich zu erkennen als „ein Katholik, ein Priester, ein Bischof unter Millionen Katholiken, unter tausenden Priestern und zweifellos anderen Bischöfen.“ Ihnen allen gemeinsam ist ein Gewissenskonflikt, denn einerseits möchte sie dem Frevler Montini – den sie als Papst anerkennen – uneingeschränkt unterworfen sein und seinen Anweisungen vorbehaltlos gehorchen. Gleichzeitig müssten sie jedoch feststellen, dass der heilige Stuhl seit dem Konzil eine Richtung eingeschlagen hat, die ihn von den Richtlinien seiner Vorgänger entfernt. Daran knüpft der Erzbischof die Frage „was sollen wir tun?“ Dem Frevler Montini gehorchen und sich jenen Päpsten, die den Glauben seiner Jugend geprägt haben, entfremden?
    Darauf geht der Erzbischof näher auf die im Inneren der Konzilssekte herrschenden Missstände ein und fügt hinzu, wer sich einmal für die Tradition entschieden habe, werde seinen Glauben nie wieder ändern. Diese Leute seien jedoch grossen Demütigungen ausgesetzt. Er verdeutlicht es an folgendem Beispiel gewisser Ordensfrauen, „die ihr Ordensleben bewahren wollen, die die Kinder so unterrichten wie es die Eltern haben wollen.“ Viele Eltern würden diesen Ordensfrauen ihre Kinder deswegen anvertrauen, weil sie bei ihnen eine katholische Erziehung erhalten würden. Weil diese Ordensfrauen ihr Ordenskleid beibehalten, das Gebet aller Zeiten verrichten und sich nach dem Katechismus aller Zeiten ausrichten würden, sei ihre Generaloberin abgesetzt worden. Fünfmal sei der Bischof mit der Forderung an sie herangetreten, nach ihrer Versetzung in den Laienstand das Ordenskleid abzulegen. Auf der anderen Seite aber würden „Ordensfrauen, die ihr Ordenskleid ablegen, die alle Eitelkeit der Welt annehmen, die keine Ordensregeln mehr beobachten, die nicht mehr beten, offiziell von den Episkopaten anerkannt“ ohne dass jemand ihnen den geringsten Vorwurf machen würde.
    Ahnlich ergehe es den Priestern. „Die guten Priester, die ihre Messe korrekt lesen, die beten im Beichtstuhl sitzen, die wahre Lehre predigen, die Kranken besuchen, die ihre Soutane tragen, die noch von ihrem Volk geliebte Priester sind, weil sie Messe aller Zeiten bewahren, die Messe ihrer Priesterweihe, weil sie den Katechismus aller Zeiten bewahren, die werden auf die Strasse gesetzt wie schändliche Verbrecher, sozusagen exkommuniziert“ . Schliesslich fordert er den Frevler Montini mit folgender Feststellung heraus: „Ich versuche Priester auszubilden, gute Priester, wie man sie einstens ausgebildet hat, es kommen viele Berufungen zu uns, diese jungen Leute werden von der Bevölkerung, die sie sieht, bewundert, in den Zügen, in der Untergrundbahn, überall grüsst man sie, beglückwünscht man sie zu ihrem Kleid, zu ihrer Haltung – und ich werde a divinis suspendiert! Aber die Bischöfe, die keine Seminaristen haben, die keine guten Priester mehr ausbilden, die keine jungen Priester mehr haben, die nichts mehr haben, oder die Seminare habenc, die keine guten Priester mehr ausbilden, denen sagt man nichts! Sie werden verstehen, dass der einfache Christ, der verlassene Christ das klar erkennt. Er hat sich entschieden, er wird sich nicht mehr rühren. Es ist aus. Es ist unerträglich.“
    Wer sich mit gegen sich aufgebrachten Menschen zu tun hat soll nach den Regeln der Rhetorik folgendes beachten:
    1. den Gemütszustand der aufgebrachten Person,
    2. wer die betreffende Person ist,
    3. den Grund des gegen einen gerichteten Unmutes.
    Überzeugt mit Konzil und Liturgiereform ein neues Zeitalter der Kirche eingeleitet zu haben erlebt, konnte der Frevler Montini nicht zulassen, dass ein Bischof im Ruhestand den von ihm mitgestalteten und mitgetragenen Neuanfang der Kirche nicht nur in Frage stellte, sondern geradezu für die heutigen Missstände verantwortlich machte. Notwendigerweise musste er die den von ihm angeordneten neuen Orientierungen als Angriff auf seine Person wahrnehmen. In Anbetracht dessen war das mutige Bekenntnis welches der Erzbischof dem Frevler Montini entgegenstellt völlig ungeeignet ihn umzustimmen. Es ist daher nur allzu verständlich, dass der Frevler dagegen Einspruch erhob, wobei es allerdings hervorzuheben gilt, dass er es nicht mit der erforderlichen Redlichkeit tat. Er unterbrach die Rede des Erzbischofs mit den Worten: „Das ist nicht wahr! Sie bilden keine guten Priester aus, weil Sie sie einen Eid gegen den Papst schwören lassen.“
    Die Absicht des Frevlers Montini lässt sich leicht durchblicken, er will den Erzbischof mit einer unvollständigen Erklärung verwirren, denn korrekterweise hätte er die Frage an ihn richten sollen: „weshalb lassen Sie Ihre Priester den von mir abgeschafften Antimodernisten Eid ablegen und nicht das von mir an dessen statt vorgeschriebene Credo des christlichen Volkes? Ich betrachte Ihre Entscheidung als einen gegen mich gerichteten Akt des Misstrauens wofür ich eine Rechtfertigung von Ihnen verlange.“
    Mit seiner unredlichen Behauptung hatte der Frevler Montini sein Ziel erreicht: er hatte den Erzbischof aus dem Konzept gebracht, denn anstatt auf die Sache einzugehen erniedrigte er sich zur Erklärung: „Wie? Einen Eid gegen den Papst? Ich einen Eid gegen de Papst! Ich trachte Ihnen im Gegenteil, die Ehrfurcht vor dem Papst, vor dem Nachfolger Petri beizubringen! Wir beten für den heiligen Vater. Nie werden Sie mir diesen Eid zeigen können, den sie gegen den Papst ablegen. Können Sie mir eine Kopie davon geben?“
    Leider konnte der Erzbischof keine andere Antwort geben, denn nachdem er sich zum Canossagang entschieden hatte als Bittsteller vor den Frevler Montini zu treten, verfügte er nicht über die Gestaltungsfreiheit, die er so lange besass, als er sein Tun als Geschäftsführung ohne Auftrag verstand. Damit hatte er sich der Willkür des Frevlers Montini ausgesetzt und konnte von ihm zu jeder Zeit dazu genötigt werden, Rechenschaft über das eigene Tun abzulegen.
    Kaum hatte der Erzbischof seine Rechtfertigung beendet holte der Frevler zum zweiten Gegenschlag aus und erklärte: „Nicht wahr, Sie verurteilen mich?“ um fortzufahren, „also was soll ich tun? Soll ich demissionieren und dann werden Sie an meinen Platz treten.“ Die juristisch korrekte Formulierung hätte lauten müssen: Mit ihren eigenwilligen Stellungnahmen benehmen Sie sich so, als ob es kein öffentlich anerkanntes Lehramt gäbe. Demnach bleibt mir nicht anderes übrig als zurückzutreten, damit sie an meinen Platz treten können.
    Konsequenterweise hätte der Erzbischof folgende Antwort geben müssen: So lange das öffentlich anerkannte Lehramt nicht den katholischen Glauben lehrt, bin ich verpflichtet mich so zu verhalten, als gäbe es kein öffentlich anerkanntes Lehramt. Doch der Erzbischof liess sich abermals verwirren und antwortete: „Aber Heiliger Vater, sagen Sie doch so etwas nicht! Nein, nein, nein, nein.“ In der Folge tat der Erzbischof etwas, das er nie hätte tun dürfen. Er flehte der Frevler Montini an, Priester die sich der katholischen Lehre verpflichtet wussten, einen Platz im Inneren der Konzilssekte zu gewähren. Nachstehend seine Worte: „Sie haben die Lösung des Problems in ihrer Hand. Sie brauchen den Bischöfen nur ein Wort zu sagen: Empfangen Sie brüderlich, verständnisvoll und mit Liebe alle diese Gruppen von Traditionalisten, alle die das Gebet von ehedem, die Sakramente von ehedem, den Katechismus von ehedem bewahren wollen. Nehmen Sie sie auf, geben Sie ihnen Orte für den Kult, einigen Sie sich mit ihnen so, dass sie beten können, dass sie mit Ihnen in Verbindung bleiben können, dass sie mit ihrem Bischof innerlich verbunden bleiben können. Sie müssten nur ein Wort an die Bischöfe richten und alles käme in Ordnung, wir hätten augenblicklich keine Probleme mehr. Die Dinge würden in Ordnung kommen. Und es wäre für mich mit meinem Seminar auch nicht mehr schwierig, die Bischöfe aufzusuchen und sie zu bitten, die Niederlassung meiner Priester in ihrer Diozöse zu erlauben. Alles würde sich normal regeln. Ich würde gerne mit einer Kommission in Beziehung treten, die sie aus der heiligen Kongregation für die Ordensleute ernennen könnten und die in mein Seminar kommen würde. Aber natürlich werden wir und wollen wir auch weiterhin unsere Erfahrung mit der Tradition machen. Ich möchte durchaus mit dem Heiligen Stuhl und mit den Heiligen Kongregationen wie in normale und offizielle Beziehungen treten. Ich wünsche mir nichts mehr als das.“
    Einmal mehr hatte der Diplomat die Oberhand über den Bekenner gewonnen. Als unvoreingenommener Beobachter kann man sich nur darüber wundern, mit welcher Schnelligkeit dieser Gesinnungswandel erfolgte. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn der Erzbischof berichtet er habe sich im Verlaufe des Gesprächs „sogar auf den Pluralismus bezogen“ und zum Frevler Montini gesagt, was würde es ausmachen, wenn man angesichts dieses heutigen Pluralismus auch jenen, die die Tradition bewahren wollen, zugestehen würde, sie auf die gleiche Ebene zu stellen.“ Fazit: Wer heute über das Vorgehen Bischof Fellays in Sachen Rom empört ist und es als Verrat am Erbe des Erzbischofs empfindet, sollte nicht aus den Augen verlieren, dass es ein und die selbe Politik ist, die der Erzbischof bis zum Entschluss gegen den Willen des Frevlers Woytila Bischöfe zu weihen, betrieben hat. Erst danach ging er gegenüber dem modernistischen Rom auf Distanz.
    Die Typologie eines Konfliktes
    Der Konflikt zwischen dem Frevler Montini und dem Erzbischof weist insofern typologische Züge auf, als zwei Persönlichkeiten, die beide für etwas einstehen, aufeinander prallen. Der Frevler Montini für die vom Frevler Roncalli angeordnete Neuorientierung der Kirche während der Erzbischof für eines der Wesenselemente der Kirche gerade stehen will: das Opferpriestertum.
    Wer als unvoreingenommener Beobachter den Konflikt von seinen Anfängen mitverfolgt hat, gelangt zur Einsicht, dass er eine Dynamik entwickelt hat, die weder der Frevler Montini noch der Erzbischof gewollt haben können. Im juristischen Sprachgebrauch heisst diese Dynamik Drittwirkung. Man versteht darunter die Wahrnehmung und Verarbeitung eines aus einem Konflikt gewonnen Eindruck durch nicht unmittelbar daran beteiligte Drittpersonen. Der Konflikt erhält auf diese Weise ein öffentliches Gepräge und nötigt die daran beteiligten Parteien sich so zu verhalten, dass ihr Tun wahrhaftig erscheint. Mit anderen Worten Gedanke und Rede und Handeln müssen – sollen sie Vertrauen stiften – miteinander im Einklang stehen.
    Der Frevler Montini hatte sich vom Augenblick seines Amtsantrittes an zu der vom Frevler Roncalli angeordneten Neuorientierung der Kirche bekannt und sich für deren Durchsetzung verantwortlich gehalten . Daher gab er dem Anliegen der Vollversammlung des französischen Episkopates statt und ordnete, als der Verdacht aufkam, dass man es in Econe mit der von ihm beschlossenen Liturgiereform nicht ernst nehme, eine Untersuchung der Tätigkeit des Seminars von Ecône an . Von diesem Augenblick an, entfalteten die Dinge eine eigene Dynamik.
    Dieser Dynamik war der Frevler Montini insofern nicht gewachsen, als er zwar wusste, dass die von ihm verordnete Liturgiereform vielerorts auf Ablehnung stossen würde, sich jedoch nicht vorstellen konnte, dass daraus ein Widerstand hervorgehen könnte. Diese Mangel an Voraussicht hinderte ihn daran, im Augenblick wo er sein Machwerk zur liturgischen Norm erhob, mit geeigneten Massnahmen einem sich abzeichnenden Ärgernis vorzubeugen. Mit einem Indult wie jenes kaum vierzig Jahre später von Benedikt XVI erlassene, wäre seinen Nachfolgern viel Ärger erspart geblieben.
    Wichtiger als die kanonische Anerkennung war für den Erzbischof die Erhaltung des Opferpriestertums. In einem 22. Oktober 1974 in Wien gehaltenen Vortrag legt er die Gründe dar, die zur Gründung seiner Bruderschaft geführt haben . Es geht um den Weiterbestand der Kirche angesichts der Gefahr, dass sie eines Tages keine Priester mehr haben könnte. Daher setzt sein Vortrag bei der Frage: Kann eine Kirche ohne Priester weiter bestehen an.
    Den Rückgang der Priesterberufungen führt er den vom Konzil beschlossenen Ökumenismus sowie auf die Liturgiereform des Frevlers Montini zurück. In diesem Zusammenhang erklärt er, man dürfe nicht vergessen, „dass die gesamte Liturgiereform in diesem Geist durchgeführt wurde: damit wir uns den Protestanten nähern, damit wir mit den Protestanten beten können, damit wir endlich diese Trennung beenden, die ein Ärgernis sei“ In seinem Vortrag vom 15. Februar 1975 in Florenz wird der Erzbischof diesen Gedanken wieder aufgreifen und weiterentwickeln. Darin wird er auf eine Ähnlichkeit zwischen dem Machwerk des Frevlers Montini und den rituellen Erneuerungen Luthers stossen. Das war ein direkter Angriff sowohl auf die ökumenische Empfindsamkeit als auch auf den dahinter stehenden Reformwillen des Frevlers Montini . Letzterem blieb somit nichts anderes übrig als nach der Regel zu verfahren, für jeden Gesetzgeber gilt, nämlich dass einmal gesetzte Normen nicht anders als verpflichtend für das eigene Gewissen sein können . Demnach konnte er nicht anders als den Erzbischof zur Ordnung zu rufen.
    Man kann bei aller Sympathie für den Erzbischof ihm den Vorwurf nicht ersparen, sich geweigert zu haben die Unmöglichkeit seines Vorhabens einzusehen. Das Fazit, welches er aus seinem ersten Gespräch mit dem Frevler Montini zieht, verdeutlicht es. Seine Weigerung, sich der vom Frevler Montini über ihn verhängten Suspension zu fügen, sei das logische Ergebnis seiner Weigerung sich weiteren willkürlichen und dementsprechend gesetzeswidrigen Anordnungen Roms zu fügen wie die von ihr beschlossene Aufhebung der Bruderschaft, das von ihr erlassene Verbot Priester zu weihen. Leider übersah der Erzbischof, dass bei ihm insofern ein Eventualvorsatz vorlag, als sich anmass Erlasse einer Autorität, die er – wenigstens nach aussen – für rechtmässig erklärt hatte, seinem Gutdünken zu unterwerfen. Also musste er damit rechnen von ihr zur Ordnung gerufen zu werden. Wenn er in der Folge Klage gegen Rom erhebt, unrechtmässig gegen ihn vorgegangen zu sein, weil es sich geweigert habe ein korrektes Gerichtsverfahren gegen ihn einzuleiten, so übersieht er, dass so lange er den Frevler Montini für den Papst hält, dessen Willenserklärungen in einer wichtigen Sache als Rechtssprechung anzuerkennen sind.
    Dieser Mangel an Einsicht wird immer mehr dazu führen, die Frevler auf dem Stuhle Petri zwar als rechtmässige Päpste anzuerkennen, ihnen aber gleichzeitig so gegenüberzutreten, als habe man es mit einem gleichwertigen Verhandlungspartner zu tun. Mit anderen Worten: Möglicherweise ohne es zu ahnen handelt der Erzbischof so, als sei er der Nachfolger der katholischen Päpste. Die nachfolgenden Erklärungen bringen es unmissverständlich zum Ausdruck.
    Ein Gedanke, den der Erzbischof immer wieder auftaucht, lautet: „Nicht wir sind die Schismatiker sondern ihr seid es“. Da seine diplomatische Gesinnung es ihm verbietet es offen zu sagen, bemüht er sich auf Schleichwegen zum Ziel zu gelangen. Zunächst räumt er ein, dass seine Beziehung zum modernistischen Rom für ihn ein Drama ist. An die Feststellung, dass er zwar normale Beziehungen zum heiligen Stuhl unterhalten möchte knüpft er die Frage an „aber wer hat die normalen Beziehungen abgebrochen?“ Mit dieser Frage lässt er durchblicken, dass Rom deswegen dafür die Verantwortung trägt, weil es sich auf dem Konzil von seiner Vergangenheit getrennt habe. Mit dieser Verabschiedung von der eigenen Geschichte habe Rom sich selber gegenüber eine regelwidrige Haltung eingenommen“ Dass der Erzbischof mit Rom den Frevler Montini meint zeigt der nachfolgende Satz wo der Erzbischof mit folgenden Worten seinen Ungehorsam Letzterem gegenüber rechtfertigt „In dem Masse, als sie sich von Ihren Vorgängern entfernen, können wir Ihnen nicht mehr folgen. Das ist klar. Nicht wir haben uns von unseren Vorfahren getrennt.“
    Anders denkt der Frevler Montini. Für ihn hat es keinen Bruch gegeben, denn es sei, wie er im Verlaufe eines Gesprächs mit seinem Freund Jean Guitton erklärt, nicht nur das Vergangene bewahrt“, dank Rückkehr zu den Quellen,“ die älteste und dem Ursprung am nächsten stehende Tradition entdeckt. Jahrhunderte lang und insbesondere am Konzil von Trient habe man einen Schleier über diese Tradition gelegt.“ Dieser Hinweis lässt darauf schliessen, dass die Kritik am liturgischen Verständnis des Konzils von Trient den kulturphilosophischen Hintergrund der Liturgiereform des Frevlers Montini bildet.
    Abschied von Trient
    Mit seinem genialen Blick für menschliche Grenzsituationen hat Friedrich Nietzsche die menschliche Triebhaftigkeit in eine apollinische und dionysische eingeteilt. Diese beiden Bilder verdeutlichen auf eindrückliche Weise zwei Strömungen innerhalb der menschlichen Gemeinschaft, eine bewahrende und eine nach vorne gerichtete. Apollinisch heisst für ihn “massvolle Begrenzung“, „Freiheit vor den wilderen Regungen“, „weisheitsvolle Ruhe“ aus denen die „Forderung des ‘Erkenne dich selbst’ und des ‘Nicht zu viel’“ hervorgehen. Ihre Merkmale waren ein gesundes Misstrauen gegenüber Neuerungen, die sich nicht bewährt hatten. Wer nämlich bewahren will, muss in der Lage sein sich zu begrenzen, darf sich nicht durch Wunschvorstellungen überwältigen lassen, sondern hat stets Ruhe abzuwägen. Diese Haltung hat die Haltung der kirchlichen Obrigkeit gegenüber Neuerungen bis zum Pontifikat des Frevlers Roncalli geprägt.
    Dionysisch ist hingegen das Verlangen im Ganzen aufzugehen. Es setzt voraus, dass man sich in der Welt behaupte und wer danach strebt, befindet sich in einem Zustand beständiger Unruhe und lässt sich mit Vorliebe auf Risiken ein. Er wird deshalb jedes Misstrauen als beeinträchtigend empfinden und in der Selbstüberhebung und Übermass ein Prinzip erkennen, das ihn vor der Erstarrung bewahrt. Gestalt angenommen hat die dionysische Triebhaftigkeit in der uns von der Mythologie überlieferten Figur des Menschenfreundes Prometheus.
    Prometheische Züge weisen sowohl das Pontifikat des Frevlers Roncalli als auch die daraus hervolrgegangene und vom Frevler Montini angeordnete Liturgiereform von ihren Grundlagen her auf. Dies soll deswegen am Beispiel der Kritik eines der führenden Vertreters der liturgischen Bewegung, Pater Josef Andreas Jungmann am liturgischen Verständnis des Konzils von Trient verdeutlichter werden, weil der Frevler Montini weitgehend dessen Gedanken übernommen hat. Nicht die Erhellung der Glaubensgeheimnisse, sondern das Verlangen des Menschen nach gemeinschaftlich geprägter Frömmigkeit steht bei ihm im Vordergrund. Sie ist das Wesensmerkmal der Kirche als einer Gemeinschaft betender Menschen. Als Vorbild dient ihm dabei die christliche Antike für die „Liturgie im wesentlichen ein Gemeinschaftsgottesdienst“ war, „bei dem das Amen des Volks nach einem Wort des heiligen Hyronimus wie ein himmlischer Donner erschallt“; Volk und Altar in enger Beziehung zueinander stehen, diese Beziehung „immer wieder durch Gruss und Gegengruss durch Anrede und Zustimmung sichergestellt“ und das Opfermahl der Gemeinde als der selbstverständliche Abschluss der Opferfeier betrachtet wird . Der feierliche Vollzug des kollektiven Subjektes Kirche hat nach Jungmann das goldene Zeitalter der Liturgie geprägt. Davon abgerückt sei man im Augenblick wo „der Priester sich mit dem Beginn der eigentlichen Opferfeier bewusst aus der Gemeinde herausgelöst, während das Volk nur mehr an Hand der allegorischen Deutung des sinnlich-sichtbaren Vorganges die Feier von Ferne verfolgt habe.“
    Verständlicherweise musste sich Jungmann mit seiner Auffassung am liturgischen Verständnis des Konzils von Trient deswegen stossen stossen, weil sie der Liturgie innewohnenden Dynamik Einhalt gebietet. In diesem Sinne nennt er eine folgenschwere Erneuerung die in der Eröffnungsbulle „QUO PRIMUM“ des heiligen Pius V enthaltene Verfügung, wonach das nach ihm genannte Messbuch „von nun an in allen Kirchen massgebend sein sollte und dass daran nichts geändert werden dürfe.“ Sie ist für ihn ein „Staudamm, von dem an die angesammelten Wassermassen nur mehr in festen Leitungen und in wohlgebauten Kanälen ihren Weg fortsetzen dürfen.“ Geradezu ironisch meint er dann, „mit einem Schlag sind alle eigenwilligen Um- und Seitenwege abgeschnitten, ist allen Überschwemmungen und Übermurmurungen gewehrt und ist ein regelmässiger und nutzbarer Fortgang gesichert. Aber est damit auch in Kauf genommen, dass das blühende Fusstal nun öde liegt und dass die Eigenkräfte der weiteren Entwicklung nur mehr in den bescheidenen Rinnsalen eines oft dürftigen Andachtswesen abseits des grossen Laufes sich sammeln und zu neuen Ausdrucksformen gelangen.“
    Ohne es ausdrücklich zu sagen erblickt Jungmann in der Bulle des heiligen Pius V das Zerstörungswerk jeder Gemeinschaft stiftenden Rhetorik ohne welche die Kirche sich aber die Gemeinschaft der Gefahr aussetzt, zu erstarren. Jungmann geht also davon aus, dass dem von der Kirche verkündeten Wort Gottes ursprünglich eine andere Funktion als heute zugewiesen wurde. Anstatt den Gläubigen die von unserem Erlöser vollbrachte Sühnehandlung ins Bewusstsein zu rufen und sie zur Anbetung anzutreiben, sollte es ihnen das Erlebnis vermitteln, dass Gott ihr Heil will und zugleich in ihnen das Verlangen erwecken, ihr Erlebnis anderen Gläubigen zu vermitteln. Auf den Gedanken Jungmanns wird der Frevler Montini in seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit 1958 zurückgreifen.
    Mit dem liturgischen Verständnis des Frevlers Montini wird sich der Erzbischof anlässlich seines in Florenz im Jahre 1975 gehaltenen Vortrages ausführlich auseinandersetzen. Eine Ähnlichkeit zwischen dem liturgischen Verständnis Luthers und jenem des Frevlers Montini stellt der Erzbischof vor allem im Fehlen jeden Unterscheidungsmerkmal zwischen Priester und Laien.“ Richtigerweise müsste es jedoch heissen, dass es sowohl Luther als auch dem Frevler Montini um die Wiederherstellung des von Pater Jungmann beschriebenen archaischen Zustandes der Liturgie geht. In diesem Zustande ist die Unterscheidung zwischen dem Priester und dem Laien rein funktional, und daher ist es nicht erstaunlich, dass Handlungen „welche bisher nur den Priestern vorbehalten waren,“ an Laien zu übertragen wurden. Der Priester selbst ist eben nicht mehr Opferpriester.
    Unter dem Einfluss Jungmanns steht das Hirtenschreiben des Frevlers Montini zur Fastenzeit 1958 welches sich mit der liturgischen Erziehung des Kirchenvolkes beschäftigt. Damit gemeint ist die Hinführung des Kirchenvolkes zur tätigen Teilnahme am Gottesdienst. Sie soll zum Eckpfeiler eines gelebten Katholizismus in einer Zeit zunehmender Säkularisierung werden . Dank ihr soll die Kirche ein tieferes Bewusstsein ihrer selbst gewinnen, um so besser geeignet zu sein, die Seelen zu Gott zu führen. Den Aussagen des Frevlers Montini lässt sich entnehmen, dass er eine Verlagerung vom kultischen zum didaktischen Verständnis der Liturgie anstrebt .

  11. @Pierre: Die vorhergehenden Texte erheben in keiner Weise den Anspruch Glaubensgewissheitgen zu verkünden, sondern sind ein Bemühen an Hand verschiedener Stellungnahme die Krise die sich immer mehr innerhalb der Bruderschaft ausbreitet, aus ihren Hintergründen zu erhellen.

  12. @Ewiggestriger 7. Februar 2017 um 13:16
    @Ewiggestriger 7. Februar 2017 um 13:23
    @Ewiggestriger 7. Februar 2017 um 13:25
    @Ewiggestriger 7. Februar 2017 um 13:29

    Herzlichsten DANK!!! für Ihre mühevolle und zeitintensive Arbeit!!!!!!

    Werde mich genüsslich analytisch durchkämpfen. 🙂 sobald ich mehr Zeit habe. Bis später.
    DANKE und ein grosses VERGELT`S Gott !!
    MfG

  13. @Ewiggestriger,

    habe diesen Text einmal gelesen und einen deutlicheren Einblick in die Gesinnung und das Verhalten S.E.Lefebvre erhalten. Nochmals DANKE.

    Nur eines vorweg: Mit und durch S.E.Lefebvre ist trotz allem eine früchtetragende liturgische Bewegung entstanden die Seinesgleichen sucht angesichts einer weltweiten Glaubenskrise. Das kann und muss mal festgehalten werden – trotz manch berechtigter/unberechtigter Kritik. Wer kann von sich behaupten dass er es besser gewusst oder gemacht hätte?!? Jetzt nach ca. 50 Jahren Abstand kann man leichter reden … liebe Besserwisser.

    Mögen sich die Spötter weiterhin über Lefebvre erheben und auslassen. Gott sieht auch diese Herzen und wer reinen Herzens ist wird sich wohl nichts vorzuwerfen haben – am Tage des jüngsten Gerichts.
    Wehe aber jenen die vor SELBSTGERECHTIGKEIT strotzen!

  14. POS, hatten Sie nicht gerade einen Kommentar abgegeben zu S.E.Lefebvre ( Einstellung vor 4 Jahren git noch immer )?

  15. @Pierre

    Meine Stellungnahme, mein Urteil zu Erzbischof Marcel Lefebvre vom 9. Februar 2013 (genau vor 4 Jahren!) gilt – was ihn persönlich betrifft – immer noch und wird für mich immer gültig bleiben! Was er für die katholische Kirche und ihren Glauben in der turbulenten nachkonzilaren Frühzeit bis zu seinem Tod getan, gewirkt, vollbracht hat, verdient eines jeden wahren Gläubigen Hochachtung. Ich bin heute aber überzeugt, dass er – hätte er weitergelebt – vor allem spätestens das Pontifikat von Benedikt XVI. ausgenützt hätte, um seine Priesterbruderschaft St. Pius X. kanonisch (wieder) zu integrieren, (auch) zu den Bedingungen, die Benedikt XVI. für die FSSPX zuletzt noch festgesetzt hatte.

  16. @POSchenker 9. Februar 2017 um 17:38

    Die Integration der Priesterbruderschaft St. Pius X. ist eine Frage der Zeit und trotzdem unter dem Papst Franziskus aus theologischer Sicht erschwert. Es wäre unter Benedikt XVI. möglich gewesen, wenn nicht dieser verstockte Holocaustleugnung Richard Williamson gewesen wäre.

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