Schreiben an die Bischöfe der katholischen Kirche über die Zusammenarbeit von Mann und Frau in der Kirche und in der Welt

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EINLEITUNG

1. Erfahren in der Menschlichkeit, ist die Kirche immer an den Belangen von Mann und Frau interessiert. In der letzten Zeit wurde viel über die Würde der Frau, über ihre Rechte und Pflichten in den verschiedenen Bereichen der bürgerlichen und der kirchlichen Gemeinschaft nachgedacht. Die Kirche, die besonders durch die Lehre von Johannes Paul II. zur Vertiefung dieses grundlegenden Themas beigetragen hat,1 wird heute von einigen Denkströmungen herausgefordert, deren Ideen oft nicht mit den genuinen Zielsetzungen der Förderung der Frau übereinstimmen.

Nach einer kurzen Darlegung und kritischen Bewertung verschiedener gegenwärtiger anthropologischer Auffassungen möchte das vorliegende Dokument Überlegungen über einige Voraussetzungen für ein rechtes Verständnis der aktiven Zusammenarbeit von Mann und Frau in der Kirche und in der Welt — bei ausdrücklicher Anerkennung ihrer Verschiedenheit — bieten. Diese Überlegungen sind inspiriert von den Lehraussagen der biblischen Anthropologie, die unerlässlich sind, um die Identität der menschlichen Person zu wahren. Sie wollen überdies Ausgangspunkt für einen Weg der Vertiefung innerhalb der Kirche und für den Aufbau eines Dialogs mit allen Männern und Frauen guten Willens sein, in der aufrichtigen Suche nach der Wahrheit und im gemeinsamen Bemühen um die Förderung von immer authentischeren Beziehungen.

 

I.
DAS PROBLEM

2. In den letzten Jahren haben sich in der Auseinandersetzung mit der Frauenfrage neue Tendenzen abgezeichnet. Eine erste Tendenz unterstreicht stark den Zustand der Unterordnung der Frau, um eine Haltung des Protestes hervorzurufen. So macht sich die Frau, um wirklich Frau zu sein, zum Gegner des Mannes. Auf die Missbräuche der Macht antwortet sie mit einer Strategie des Strebens nach Macht. Dieser Prozess führt zu einer Rivalität der Geschlechter, bei der die Identität und die Rolle des einen zum Nachteil des anderen gereichen. Die Folge davon ist eine Verwirrung in der Anthropologie, die Schaden bringt und ihre unmittelbarste und unheilvollste Auswirkung in der Struktur der Familie hat.

Im Sog dieser ersten Tendenz ergibt sich eine zweite. Um jegliche Überlegenheit des einen oder des anderen Geschlechts zu vermeiden, neigt man dazu, ihre Unterschiede zu beseitigen und als bloße Auswirkungen einer historisch-kulturellen Gegebenheit zu betrachten. Bei dieser Einebnung wird die leibliche Verschiedenheit, Geschlecht genannt, auf ein Minimum reduziert, während die streng kulturelle Dimension, Gender genannt, in höchstem Maß herausgestrichen und für vorrangig gehalten wird. Die Verschleierung der Verschiedenheit oder Dualität der Geschlechter bringt gewaltige Auswirkungen auf verschiedenen Ebenen mit sich. Diese Anthropologie, die Perspektiven für eine Gleichberechtigung der Frau fördern und sie von jedem biologischen Determinismus befreien wollte, inspiriert in Wirklichkeit Ideologien, die zum Beispiel die Infragestellung der Familie, zu der naturgemäß Eltern, also Vater und Mutter, gehören, die Gleichstellung der Homosexualität mit der Heterosexualität sowie ein neues Modell polymorpher Sexualität fördern.

3. Die unmittelbare Wurzel der genannten Tendenz findet sich im Kontext der Frauenfrage. Ihre tiefste Begründung muss aber im Versuch der menschlichen Person nach Befreiung von den eigenen biologischen Gegebenheiten gesucht werden.2 Gemäß dieser anthropologischen Perspektive hätte die menschliche Natur keine Merkmale an sich, die sich ihr in absoluter Weise auferlegen: Jede Person könnte und müsste sich nach eigenem Gutdünken formen, weil sie von jeder Vorausbestimmung auf Grund ihrer Wesenskonstitution frei wäre.

Diese Perspektive hat vielfältige Auswirkungen. Zum einen wird dadurch die Meinung bekräftigt, die Befreiung der Frau bringe eine Kritik an der Heiligen Schrift mit sich, die ein patriarchalisches Verständnis von Gott überliefere, das von einer wesentlich männlichen Kultur genährt sei. Zum anderen ist es gemäß dieser Tendenz unwichtig und bedeutungslos, dass der Sohn Gottes die menschliche Natur als Mann angenommen hat.

4. Angesichts dieser Denkströmungen spricht die Kirche hingegen, erleuchtet vom Glauben an Jesus Christus, von aktiver Zusammenarbeit von Mann und Frau bei ausdrücklicher Anerkennung ihrer Verschiedenheit.

Um die Grundlage, den Sinn und die Auswirkungen dieser Antwort besser zu verstehen, ist es angebracht, wenigstens kurz auf die Heilige Schrift zurückzugreifen, die auch reich ist an menschlicher Weisheit. In ihr wurde diese Antwort Schritt für Schritt dank des Eingreifens Gottes zum Wohl des Menschen offenbart.3

 

II.
DIE GRUNDAUSSAGEN
DER BIBLISCHEN ANTHROPOLOGIE

5. Eine erste Reihe biblischer Texte, die es zu untersuchen gilt, sind die ersten drei Kapitel der Genesis. Sie führen uns »in den Bereich jenes biblischen ”Anfangs“, wo die über den Menschen als ”Abbild und Gleichnis Gottes“ offenbarte Wahrheit die unveränderliche Grundlage der gesamten christlichen Anthropologie darstellt«.4

Der erste Text (Gen 1,1-2,4) beschreibt die Schöpfermacht des Wortes Gottes, die bewirkt, dass im ursprünglichen Chaos das eine vom anderen geschieden wird. So erscheinen Licht und Finsternis, Meer und Land, Tag und Nacht, Pflanzen und Bäume, Fische und Vögel, alle »nach ihrer Art«. Ausgehend von Verschiedenheiten, die zugleich neue Beziehungen verheißen, entsteht eine geordnete Welt. Dies ist der allgemeine Rahmen, in den die Erschaffung des Menschen eingeordnet ist. »Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich… Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie« (Gen 1,26-27). Der Mensch wird hier als ein Wesen beschrieben, das sich von seinem ersten Anfang an in der Beziehung von Mann und Frau artikuliert. Dieser geschlechtlich differenzierte Mensch wird ausdrücklich »Abbild Gottes« genannt.

6. Der zweite Schöpfungsbericht (Gen 2,4-25) bekräftigt in unzweideutiger Weise die Wichtigkeit der geschlechtlichen Verschiedenheit. Einmal von Gott geformt und in den Garten gesetzt, um ihn zu bebauen, macht jener, der noch mit dem allgemeinen Ausdruck Mensch beschrieben wird, die Erfahrung einer Einsamkeit, die von den anwesenden Tieren nicht ausgefüllt werden kann. Er braucht eine Hilfe, die ihm entspricht. Dieser Ausdruck bezeichnet hier nicht eine untergeordnete Rolle, sondern eine vitale Hilfe.5 Das Ziel besteht darin, es möglich zu machen, dass das Leben des Menschen nicht in einer fruchtlosen und am Ende tödlichen Beschäftigung nur mit sich selbst versinkt. Es ist notwendig, dass er mit einem anderen, auf seiner Ebene lebenden Wesen in Beziehung tritt. Nur die Frau, die aus demselben «Fleisch» geschaffen und von demselben Mysterium umhüllt ist, gibt dem Leben des Mannes eine Zukunft. Die Erschaffung der Frau durch Gott charakterisiert den Menschen auf seinsmäßiger Ebene als Wesen in Beziehung. In dieser Begegnung fällt auch das Wort, das den Mund des Mannes zum ersten Mal in einem Ausdruck des Staunens öffnet: »Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch« (Gen 2,23).

Der Heilige Vater hat mit Bezug auf diesen Text der Genesis geschrieben: »Die Frau ist ein anderes ”Ich“ im gemeinsamen Menschsein. Von Anfang an erscheinen sie [Mann und Frau] als ”Einheit von zweien“, und das bedeutet die Überwindung der ursprünglichen Einsamkeit, in welcher der Mensch ”keine Hilfe fand, die ihm entsprach“ (Gen 2,20). Handelt es sich hier nur um die ”Hilfe“ bei der Arbeit, beim ”Unterwerfen der Erde“ (vgl. Gen 1,28)? Mit Sicherheit handelt es sich um die Lebensgefährtin, mit der sich der Mann als mit seiner Frau verbinden kann, so dass er ”ein Fleisch“ mit ihr wird und deshalb ”Vater und Mutter verlässt“ (vgl. Gen 2,24)«.6

Die vitale Verschiedenheit ist auf die Gemeinschaft ausgerichtet und wird in friedlicher Weise gelebt, wie es im Thema des Nacktseins zum Ausdruck kommt. »Beide, Adam und Eva, waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander« (Gen 2,25). Der menschliche Leib, der vom Siegel der Männlichkeit bzw. der Weiblichkeit geprägt ist, »umfasst von ”Anfang“ an auch die Eigenschaft des ”Bräutlichen“, das heißt die Fähigkeit, der Liebe Ausdruck zu geben: jener Liebe, in welcher der Mensch als Person Geschenk wird und — durch dieses Geschenk — den eigentlichen Sinn seines Seins und seiner Existenz verwirklicht«.7 In der weiteren Auslegung dieser Verse der Genesis fährt der Heilige Vater fort: »In dieser seiner Besonderheit ist der Leib Ausdruck des Geistes und dazu gerufen, gerade im Mysterium der Schöpfung in der Gemeinschaft der Personen ”das Ebenbild Gottes“ zu sein«.8

In der gleichen bräutlichen Perspektive versteht man, in welchem Sinn der alte Bericht der Genesis erkennen lässt, wie die Frau in ihrem tiefsten und ursprünglichsten Sein »für den anderen« (vgl. 1 Kor 11,9) da ist. Diese Aussage will in keiner Weise eine Entfremdung heraufbeschwören. Sie bringt vielmehr einen grundlegenden Aspekt der Ähnlichkeit mit der heiligen Dreifaltigkeit zum Ausdruck, deren Personen sich durch das Kommen Christi als Gemeinschaft der gegenseitigen Liebe offenbaren. »In der ”Einheit der zwei“ sind Mann und Frau von Anfang an gerufen, nicht nur ”nebeneinander“ oder ”miteinander“, sondern auch einer für den anderen zu leben… Der Text von Gen 2,18-25 weist darauf hin, dass die Ehe die erste und gewissermaßen grundlegende Dimension dieser Berufung ist. Allerdings nicht die einzige. Die gesamte Geschichte des Menschen auf Erden vollzieht sich im Rahmen dieser Berufung. Aufgrund des Prinzips, dass in der interpersonalen ”Gemeinschaft“ einer ”für“ den anderen da ist, entwickelt sich in dieser Geschichte die Integration dessen, was ”männlich“ und was ”weiblich“ ist, in das von Gott gewollte Menschsein«.9

Die friedliche Schau am Ende des zweiten Schöpfungsberichts ist ein Echo jenes »sehr gut«, das im ersten Bericht die Erschaffung des ersten Menschenpaares abgeschlossen hat. Hier ist die Herzmitte des ursprünglichen Planes Gottes und der tiefsten Wahrheit über Mann und Frau, so wie Gott sie gewollt und geschaffen hat. Diese ursprünglichen Verfügungen des Schöpfers, wie sehr sie auch durch die Sünde entstellt und verdunkelt sind, können niemals zunichte gemacht werden.

7. Die Erbsünde verfälscht die Art, in welcher der Mann und die Frau das Wort Gottes aufnehmen und leben, sowie ihre Beziehung zum Schöpfer. Sofort nachdem Gott dem Menschen den Garten anvertraut hat, gibt er ihm ein positives (vgl. Gen 2,16) und dann ein negatives Gebot (vgl. Gen 2,17), in dem implizit die wesentliche Verschiedenheit zwischen Gott und Mensch ausgesagt wird. Verführt durch die Schlange, wird diese Verschiedenheit vom Mann und von der Frau bestritten. Als Folge davon wird auch die Art verzerrt, in der sie ihre geschlechtliche Verschiedenheit leben. Der Bericht der Genesis stellt so eine Beziehung von Ursache und Wirkung zwischen den beiden Verschiedenheiten her: Wenn der Mensch Gott als seinen Feind betrachtet, wird auch die Beziehung von Mann und Frau verdorben. Andererseits droht der Zugang zum Antlitz Gottes gefährdet zu werden, wenn die Beziehung von Mann und Frau entstellt wird.

In den Worten, die Gott nach dem Sündenfall an die Frau richtet, kommt in knapper, aber erschütternder Weise zum Ausdruck, welches Gepräge die Beziehungen zwischen Mann und Frau nun haben werden: »Du hast Verlangen nach deinem Mann; er aber wird über dich herrschen« (Gen 3,16). Häufig wird die Liebe durch die bloße Suche nach dem eigenen Ich entstellt, so dass eine Beziehung entsteht, in der die Liebe missachtet und getötet und durch das Joch der Herrschaft des einen Geschlechts über das andere ersetzt wird. Die Geschichte der Menschheit gibt diese Verhältnisse wieder, in denen sich offen die dreifache Begierde ausdrückt, an die der heilige Johannes erinnert, wenn er von der Begierde des Fleisches, der Begierde der Augen und der Hoffart der Welt spricht (vgl. 1 Joh 2,16). In dieser tragischen Situation gehen jene Gleichheit, Achtung und Liebe verloren, die für die Beziehung von Mann und Frau nach dem ursprünglichen Plan Gottes erforderlich sind.

8. Eine Durchsicht dieser grundlegenden Texte macht es möglich, einige Kernaussagen der biblischen Anthropologie zu bekräftigen.

Vor allem muss der personale Charakter des Menschen unterstrichen werden. »Der Mensch ist eine Person: das gilt in gleichem Maße für den Mann und für die Frau; denn beide sind nach dem Bild und Gleichnis des personhaften Gottes geschaffen«.10 Die gleiche Würde der Personen verwirklicht sich als physische, psychologische und ontologische Komplementarität, die eine auf Beziehung angelegte harmonische »Einheit in der Zweiheit« schafft. Nur die Sünde und die in der Kultur eingeschriebenen »Strukturen der Sünde« haben aus dieser Beziehung eine potentielle Konfliktsituation gemacht. Die biblische Anthropologie legt nahe, die Probleme im Zusammenhang mit der Verschiedenheit des Geschlechts auf öffentlicher und privater Ebene in einer Weise anzugehen, die von der gegenseitigen Beziehung und nicht von Konkurrenz oder Rache ausgeht.

Darüber hinaus ist zu unterstreichen, wie wichtig und sinnvoll die Verschiedenheit der Geschlechter als eine dem Mann und der Frau tief eingeschriebene Wirklichkeit ist. »Die Geschlechtlichkeit kennzeichnet Mann und Frau nicht nur auf der physischen, sondern auch auf der psychologischen und geistigen Ebene und prägt alle ihre Ausdrucksweisen«.11 Sie kann nicht auf einen unbedeutenden biologischen Aspekt reduziert werden, sondern »ist eine grundlegende Komponente der Persönlichkeit; sie ist eine ihrer Weisen zu sein, sich zu äußern, mit den anderen in Kontakt zu treten und die menschliche Liebe zu empfinden, auszudrücken und zu leben«.12 Diese Fähigkeit zu lieben, Abglanz und Bild Gottes, der die Liebe ist, äußert sich auch im bräutlichen Charakter des Leibes, in dem die Männlichkeit bzw. die Weiblichkeit der Person eingeschrieben ist.

Diese anthropologische Dimension der Geschlechtlichkeit kann nicht von der theologischen Dimension getrennt werden. Das menschliche Geschöpf in seiner Einheit von Seele und Leib ist von Anfang an durch die Beziehung zum anderen gekennzeichnet. Diese Beziehung ist immer gut und zugleich entstellt. Sie ist gut, von einer ursprünglichen Güte, die Gott vom ersten Augenblick der Schöpfung an kundgetan hat. Sie ist aber auch entstellt durch die Disharmonie zwischen Gott und Mensch, die mit der Sünde gekommen ist. Diese Verfälschung entspricht jedoch weder dem anfänglichen Plan Gottes über Mann und Frau noch der Wahrheit der Beziehung zwischen den Geschlechtern. Daraus ergibt sich, dass diese gute, aber verwundete Beziehung der Heilung bedarf.

Welche Wege der Heilung kann es geben? Würden die Probleme im Zusammenhang mit der Beziehung zwischen den Geschlechtern nur ausgehend von der durch die Sünde geprägten Situation betrachtet und analysiert, fiele das Denken notwendigerweise in die oben erwähnten Irrtümer zurück. Man muss deshalb die Logik der Sünde durchbrechen und einen Weg suchen, der es möglich macht, diese Logik aus dem Herzen des sündigen Menschen zu beseitigen. Einen klaren Hinweis in diesem Sinn enthält die göttliche Verheißung eines Retters, in welche die »Frau« und ihr »Nachwuchs« einbezogen sind (vgl. Gen 3,15). Diese Verheißung kennt vor ihrer Verwirklichung eine lange Vorbereitung in der Geschichte.

9. Ein erster Sieg über das Böse wird in der Geschichte des Noach geschildert, einem gerechten Mann, der von Gott geführt wird und mit seiner Familie und den verschiedenen Tierarten der Sintflut entkommt (vgl. Gen 6-9). Aber vor allem durch die göttliche Erwählung Abrahams und seiner Nachkommen (vgl. Gen 12,1ff.) wird die Hoffnung auf Heil bekräftigt. So beginnt Gott, sein Antlitz zu enthüllen, damit die Menschheit durch das auserwählte Volk den Weg der Ähnlichkeit mit ihm lerne: den Weg der Heiligkeit und damit der Verwandlung des Herzens. Unter den vielen Weisen, in denen sich Gott — gemäß einer langen und geduldigen Pädagogik — seinem Volk offenbart (vgl. Hebr 1,1), findet sich auch der regelmäßig wiederkehrende Hinweis auf das Thema des Bundes von Mann und Frau. Dies ist paradox, wenn man das Drama, an das die Genesis erinnert und das sich zur Zeit der Propheten auf sehr konkrete Weise wiederholt hat, sowie die Vermischung zwischen Sakralem und Sexualität in den Religionen rund um Israel in Betracht zieht. Dieser Symbolismus scheint aber unerlässlich, um die Weise zu verstehen, in der Gott sein Volk liebt: Er gibt sich als Bräutigam zu erkennen, der Israel, seine Braut, liebt.

Wenn Gott in dieser Beziehung als »eifersüchtiger Gott« (vgl. Ex 20,5; Nah 1,2) beschrieben und Israel als »ehebrecherische« Frau oder als »Dirne« (vgl. Hos 2,4-15; Ez 16,15-34) angeklagt wird, hat dies seinen Grund gerade in der durch das Prophetenwort bekräftigten Hoffnung, das neue Jerusalem als die vollkommen gewordene Braut zu sehen: »Wie der junge Mann sich mit der Jungfrau vermählt, so vermählt sich mit dir dein Erbauer. Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich« (Jes 62,5). Neu geschaffen in »Gerechtigkeit und Recht«, in »Liebe und Erbarmen« (Hos 2,21), wird jene, die sich abgewandt hat, um Leben und Glück bei falschen Göttern zu suchen, zu dem zurückkehren, der zu ihrem Herzen spricht. Sie wird singen »wie in den Tagen ihrer Jugend« (Hos 2,17), und sie wird hören, wie er verkündet: »Dein Schöpfer ist dein Gemahl« (Jes54,5). Hier kommt im Wesentlichen dasselbe zum Ausdruck wie an den Stellen, an denen das Buch Jesaja parallel zum Mysterium des Werkes, das Gott durch die männliche Gestalt des leidenden Knechts vollbringt, die weibliche Gestalt von Zion erwähnt, die geschmückt ist mit einer Transzendenz und Heiligkeit, die das Geschenk des für Israel bestimmten Heils ankündigen.

Im Gebrauch dieser Weise der Offenbarung ist das Hohelied zweifellos von herausragender Bedeutung. In den Worten einer ganz und gar menschlichen Liebe, welche die Schönheit der Leiber und das Glück der gegenseitigen Suche besingt, kommt auch die göttliche Liebe für sein Volk zum Ausdruck. Die Kirche ist deshalb nicht in die Irre gegangen, wenn sie in der kühnen Verbindung des ganz und gar Menschlichen mit dem ganz und gar Göttlichen durch die Verwendung derselben Ausdrücke das Mysterium ihrer Beziehung zu Christus erkannt hat.

Das ganze Alte Testament hindurch nimmt eine Heilsgeschichte Gestalt an, bei der sowohl männliche als auch weibliche Gestalten mitwirken. Die Begriffe von Bräutigam und Braut oder auch von Bund, durch die sich die Dynamik des Heils auszeichnet, haben gewiss eine offenkundig bildliche Dimension, sind aber doch viel mehr als bloße Metaphern. Das hochzeitliche Vokabular berührt nämlich das Wesen der Beziehung, die Gott mit seinem Volk aufbaut, auch wenn diese Beziehung über das hinausgeht, was mit der menschlichen Erfahrung der Hochzeit zum Ausdruck gebracht werden kann. Zugleich sind in der Art, in der etwa die Weissagungen des Jesaja männliche und weibliche Rollen bei der Ankündigung und Verheißung des Heilswerkes durch Gott miteinander verknüpfen, die konkreten Bedingungen der Erlösung im Spiel. Dieses Heil weist den Leser sowohl auf die männliche Gestalt des leidenden Knechts als auch auf die weibliche Gestalt von Zion hin. In den Weissagungen des Jesaja wechseln die Gestalt von Zion und jene des Gottesknechts einander ab, bevor sie am Ende des Buches in der geheimnisvollen Schau der Stadt Jerusalem gipfeln, die ein Volk an einem einzigen Tag gebiert (vgl. Jes 66,7-14): Prophetie der großen Neuheit, die Gott dabei ist zu verwirklichen (vgl. Jes 48,6-8).

10. Im Neuen Testament gehen alle diese Verheißungen in Erfüllung. Auf der einen Seite umfasst und verwandelt Maria, die auserwählte Tochter Zions, als Frau das Brautsein des Volkes Israel, das auf den Tag seines Heils wartet. Auf der anderen Seite kann man im Mannsein des Sohnes erkennen, wie Jesus in seiner Person all das aufnimmt, was der alttestamentliche Symbolismus auf die Liebe Gottes zu seinem Volk angewandt hatte, die als die Liebe eines Bräutigams zu seiner Braut beschrieben wird. Jesus und Maria, seine Mutter, sichern so nicht nur die Kontinuität des Alten Testaments mit dem Neuen, sondern ragen darüber hinaus, weil mit Jesus Christus »die ganze Neuheit«13 sichtbar wird, wie der heilige Irenäus sagt.

Dieser Aspekt wird besonders durch das Johannesevangelium herausgestrichen. Bei der Hochzeit in Kana zum Beispiel wird Jesus von seiner Mutter — die »Frau« genannt wird — gebeten, für das Zeichen des neuen Weines der zukünftigen Hochzeit mit der Menschheit zu sorgen (vgl. Joh 2,1-12). Diese messianische Hochzeit verwirklicht sich unter dem Kreuz, wo — wieder in Gegenwart der Mutter, die als »Frau« angesprochen wird — aus dem geöffneten Herzen des Gekreuzigten das Blut/der Wein des Neuen Bundes strömt (vgl. Joh19,25-27.34).14 Es ist deshalb nicht überraschend, dass Johannes der Täufer auf die Frage, wer er sei, sich »Freund des Bräutigams« nennt, der sich freut, wenn er die Stimme des Bräutigams hört, und der bei seinem Kommen zurücktreten muss: »Wer die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabei steht und ihn hört, freut sich über die Stimme des Bräutigams. Diese Freude ist nun für mich Wirklichkeit geworden. Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden« (Joh 3,29-30).15

In seinem apostolischen Wirken entfaltet Paulus den ganzen hochzeitlichen Sinn der Erlösung, wenn er das christliche Leben als hochzeitliches Mysterium begreift. Er schreibt an die von ihm gegründete Kirche von Korinth: »Ich liebe euch mit der Eifersucht Gottes; ich habe euch einem einzigen Mann verlobt, um euch als reine Jungfrau zu Christus zu führen« (2 Kor 11,2).

Im Brief an die Epheser wird die bräutliche Beziehung zwischen Christus und der Kirche aufgegriffen und ausführlich vertieft. Im Neuen Bund ist die geliebte Braut die Kirche. Im Brief an die Familien lehrt der Heilige Vater: »Diese Braut, von der der Epheserbrief spricht, vergegenwärtigt sich in jedem Getauften und ist wie eine Person, die vor dem Blick ihres Bräutigams erscheint: Er hat ”die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben… So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos“ (Eph 5,25-27)«.16

Bei der Betrachtung der Vereinigung von Mann und Frau, wie sie im Zusammenhang mit der Erschaffung der Welt beschrieben wird (vgl. Gen 2,24), ruft der Apostel aus: »Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche« (Eph 5,32). Die in der Kraft der Taufgnade gelebte Liebe von Mann und Frau wird nun zum Sakrament der Liebe Christi und der Kirche, zum Zeugnis für das Mysterium der Treue und der Einheit, aus dem die »neue Eva« geboren wird und von dem sie auf ihrem irdischen Pilgerweg lebt, während sie auf die Vollendung der ewigen Hochzeit wartet.

11. Die christlichen Eheleute, die in das Paschamysterium eingetaucht und zu lebendigen Zeichen der Liebe Christi und der Kirche gemacht wurden, sind in ihrem Herzen erneuert. Sie können die Beziehungen meiden, die von der Begierde und der Tendenz, den anderen zu beherrschen, geprägt sind, welche der Bruch mit Gott durch die Sünde im ersten Menschenpaar hinterlassen hatte. Die Güte der Liebe, nach der sich das verwundete menschliche Herz immerfort gesehnt hatte, offenbart sich durch sie mit neuen Akzenten und Möglichkeiten. In diesem Licht kann Jesus im Zusammenhang mit der Frage nach der Scheidung (vgl. Mt 19,3-9) an die Forderungen des Bundes zwischen Mann und Frau erinnern, wie Gott sie am Anfang stellte, also vor dem Einbruch der Sünde, der die nachfolgenden Anordnungen des mosaischen Gesetzes gerechtfertigt hatte. Dieses Wort Jesu will in keiner Weise eine starre, unbarmherzige Ordnung auferlegen, sondern ist in Wirklichkeit die Ankündigung einer »frohen Botschaft«, der Botschaft der Treue, die stärker ist als die Sünde. In der Kraft der Auferstehung ist der Sieg der Treue über die Schwächen, die erlittenen Verwundungen und die Sünden des Ehepaares möglich. In der Gnade Christi, der ihr Herz erneuert, werden Mann und Frau fähig, sich von der Sünde zu befreien und die Freude der gegenseitigen Hingabe zu erkennen.

12. »Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt. Es gibt nicht mehr… Mann und Frau«, schreibt der heilige Paulus an die Galater (3,27-28). Der Apostel erklärt hier nicht, dass die Unterscheidung von Mann und Frau hinfällig ist, von der er an anderer Stelle sagt, dass sie zum Plan Gottes gehört. Er will vielmehr sagen, dass in Christus die Rivalität, die Feindschaft und die Gewalt, welche die Beziehung von Mann und Frau entstellt haben, überwunden werden können und überwunden wurden. In diesem Sinn wird die Unterscheidung von Mann und Frau mehr als je zuvor bekräftigt, welche die biblische Offenbarung übrigens bis zum Ende begleitet. In der letzten Stunde der gegenwärtigen Geschichte erscheinen in der Offenbarung des Johannes «ein neuer Himmel« und »eine neue Erde« (Offb 21,1), und es taucht in der Vision die weibliche Gestalt der Stadt Jerusalem auf, »bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat« (Offb 21,2). Die Offenbarung schließt mit dem Wort des Geistes und der Braut, die um das Kommen des Bräutigams beten: »Komm, Herr Jesus!« (Offb 22,20).

Mannsein und Frausein sind so als ontologisch zur Schöpfung gehörend offenbart und deshalb dazu bestimmt, über die gegenwärtige Zeit hinaus Bestand zu haben, natürlich in einer verwandelten Form. Auf diese Weise charakterisieren sie die Liebe, die niemals aufhört (vgl. 1 Kor 13,8), wenngleich die zeitliche, irdische Ausdrucksweise der Geschlechtlichkeit in ihrer Hinordnung auf die durch Zeugung und Tod geprägten Lebensbedingungen vergänglich ist. Für diese Form der zukünftigen Verwirklichung des Mann- und Frauseins will die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen ein prophetisches Zeichen sein. Jene, die zölibatär leben, nehmen eine Wirklichkeit des Daseins vorweg, die jene eines Mannes bzw. einer Frau bleibt, aber nicht mehr den gegenwärtigen Begrenzungen der ehelichen Beziehung unterworfen sein wird (vgl. Mt 22,30). Für jene, die in der Ehe leben, ist dieser Stand zudem ein Hinweis und ein prophetisches Zeichen für die Vollendung, die ihre Beziehung in der Begegnung mit Gott von Angesicht zu Angesicht finden wird.

Mann und Frau sind von Beginn der Schöpfung an unterschieden und bleiben es in alle Ewigkeit. In das Paschamysterium Christi eingefügt, erfahren sie ihre Verschiedenheit nicht mehr als Ursache von Uneinigkeit, die durch Leugnung oder Einebnung überwunden werden müsste, sondern als Möglichkeit zur Zusammenarbeit, die in der gegenseitigen Achtung der Verschiedenheit zu verwirklichen ist. Von hier aus eröffnen sich neue Perspektiven für ein tieferes Verständnis der Würde der Frau und ihrer Rolle in der menschlichen Gesellschaft und in der Kirche.

 

III.
DIE AKTUALITÄT
DER FRAULICHEN WERTE
IM LEBEN DER GESELLSCHAFT

13. Unter den Grundwerten, die mit dem konkreten Leben der Frau verbunden sind, ist jener zu erwähnen, den man ihre »Fähigkeit für den anderen« genannt hat. Trotz der Tatsache, dass eine gewisse Strömung des Feminismus Ansprüche »für sie selber« einfordert, bewahrt die Frau doch die tiefgründige Intuition, dass das Beste ihres Lebens darin besteht, sich für das Wohl des anderen einzusetzen, für sein Wachstum, für seinen Schutz.

Diese Intuition ist mit ihrer physischen Fähigkeit verbunden, Leben zu schenken. Die gelebte oder potentielle Fähigkeit zur Mutterschaft ist eine Wirklichkeit, die die weibliche Persönlichkeit zutiefst prägt. Sie hilft ihr, sehr schnell Reife, Sinn für die Bedeutung des Lebens und die damit verbundene Verantwortung zu erlangen. Sie entfaltet in ihr den Sinn und die Ehrfurcht gegenüber dem Konkreten, das sich den Abstraktionen entgegenstellt, die für das Leben des Einzelnen und der Gesellschaft oft tödlich sind. Schließlich besitzt die Frau auch in den aussichtslosesten Situationen — Vergangenheit und Gegenwart sind dafür Zeugen — eine einzigartige Fähigkeit, in den Widerwärtigkeiten standzuhalten, in extremen Umständen das Leben noch möglich zu machen, einen festen Sinn für die Zukunft zu bewahren und durch Tränen an den Preis jedes Menschenlebens zu erinnern.

Auch wenn die Mutterschaft eine zentrale Bedeutung für die weibliche Identität hat, ist es aber nicht richtig, die Frau nur unter dem Aspekt der biologischen Fortpflanzung zu sehen. In dieser Hinsicht kann es schwerwiegende Übertreibungen geben, welche die biologische Fruchtbarkeit mit vitalistischen Ausdrücken verherrlichen und oft mit einer gefährlichen Abwertung der Frau verbunden sind. Die christliche Berufung zur Jungfräulichkeit, die gegenüber der alttestamentlichen Tradition und den Ansprüchen vieler menschlicher Gesellschaftssysteme eine echte Herausforderung ist, hat in dieser Hinsicht größte Bedeutung.17 Diese Berufung widerlegt radikal jeden Anspruch, die Frauen in ein bloß biologisches Schicksal einzuschließen. Wie die Jungfräulichkeit durch die leibliche Mutterschaft daran erinnert wird, dass zur christlichen Berufung immer die konkrete Selbsthingabe an den anderen gehört, so wird die leibliche Mutterschaft durch die Jungfräulichkeit an ihre wesentlich geistliche Dimension erinnert: Um dem anderen wirklich das Leben zu schenken, darf man sich nicht mit der physischen Zeugung begnügen. Dies bedeutet, dass es Formen der vollen Verwirklichung der Mutterschaft auch dort geben kann, wo keine physische Zeugung erfolgt.18

In dieser Perspektive wird die unersetzliche Rolle der Frau in allen Bereichen des familiären und gesellschaftlichen Lebens verständlich, bei denen es um die menschlichen Beziehungen und die Sorge um den anderen geht. Hier zeigt sich deutlich, was der Heilige Vater den Genius der Frau genannt hat.19 Dies beinhaltet vor allem, dass die Frauen aktiv und auch fest in der Familie, »der anfänglichen und in gewissem Sinn ”souveränen“ Gesellschaft«,20gegenwärtig sein sollen. Besonders hier wird nämlich das Antlitz eines Volkes geformt, hier eignen sich seine Glieder die grundlegenden Kenntnisse an. Sie lernen lieben, weil sie selber umsonst geliebt werden; sie lernen jede andere Person achten, weil sie selber geachtet werden; sie lernen das Antlitz Gottes kennen, weil sie dessen erste Offenbarung von einem Vater und einer Mutter erhalten, die ihnen ihre ganze Zuwendung schenken. Jedes Mal, wenn diese Grunderfahrungen fehlen, wird der ganzen Gesellschaft Gewalt angetan und bringt die Gesellschaft dann ihrerseits vielfältige Formen der Gewalt hervor. Dies beinhaltet darüber hinaus, dass die Frauen in der Welt der Arbeit und des gesellschaftlichen Lebens gegenwärtig sein und zu verantwortungsvollen Stellen Zugang haben sollen, die ihnen die Möglichkeit bieten, die Politik der Völker zu inspirieren und neue Lösungen für die wirtschaftlichen und sozialen Probleme anzuregen.

Man darf aber in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass die Überschneidung von zwei Tätigkeiten — Familie und Arbeit — bei der Frau andere Merkmale annimmt als beim Mann. Deshalb stellt sich die Aufgabe, die Gesetzgebung und die Organisation der Arbeit mit den Anforderungen der Sendung der Frau innerhalb der Familie zu harmonisieren. Hier geht es nicht nur um eine rechtliche, wirtschaftliche und organisatorische Frage, sondern vor allem um eine Frage der Mentalität, der Kultur und der Ach- tung. Erforderlich ist eine gerechte Wertschätzung der Arbeit, welche die Frau in der Familie leistet. So könnten die Frauen, die es freiwillig wünschen, ihre ganze Zeit der häuslichen Arbeit widmen, ohne sozial gebrandmarkt und wirtschaftlich bestraft zu werden. Jene hingegen, die auch andere Tätigkeiten verrichten möchten, könnten dies in einem angepassten Arbeitsrhythmus tun, ohne vor die Alternative gestellt zu werden, ihr Familienleben aufzugeben oder einer ständigen Stresssituation ausgesetzt zu sein, die weder dem persönlichen Gleichgewicht noch der Harmonie in der Familie förderlich ist. Johannes Paul II. hat darüber geschrieben: »Es wird einer Gesellschaft zur Ehre gereichen, wenn sie es der Mutter ermöglicht, sich ohne Behinderung ihrer freien Entscheidung, ohne psychologische oder praktische Diskriminierung und ohne Benachteiligung gegenüber ihren Kolleginnen der Pflege und Erziehung ihrer Kinder je nach den verschiedenen Bedürfnissen ihres Alters zu widmen«.21

14. Es ist jedoch angebracht, daran zu erinnern, dass die eben erwähnten fraulichen Werte vor allem menschliche Werte sind: Die menschliche Verfassung, sowohl des Mannes als auch der Frau, die als Abbild Gottes erschaffen wurden, ist nämlich eine und unteilbar. Nur weil die Frauen spontaner mit den genannten Werten übereinstimmen, können sie ein Aufruf und ein bevorzugtes Zeichen für diese Werte sein. Letztlich ist aber jeder Mensch, ob Mann oder Frau, dazu bestimmt, »für den anderen« da zu sein. In dieser Perspektive ist das, was man »Fraulichkeit« nennt, mehr als ein bloßes Attribut des weiblichen Geschlechts. Der Ausdruck beschreibt nämlich die grundlegende Fähigkeit des Menschen, für den anderen und dank des anderen zu leben.

Deshalb muss die Förderung der Frau innerhalb der Gesellschaft als eine Vermenschlichung verstanden und gewollt werden, welche durch die dank der Frauen neu entdeckten Werte Wirklichkeit wird. Jede Perspektive, die sich als Kampf der Geschlechter ausgeben möchte, ist nur Illusion und Gefahr: Sie würde in Situationen der Abkapselung und der Rivalität zwischen Männern und Frauen enden und eine Ichbezogenheit fördern, die von einem falschen Freiheitsverständnis genährt wird.

Unbeschadet der Bemühungen zur Förderung der Rechte, welche die Frauen in der Gesellschaft und in der Familie anstreben, wollen diese Anmerkungen eine Perspektive korrigieren, in der die Männer als Feinde betrachtet werden, die zu besiegen wären. Die Beziehung zwischen Mann und Frau kann ihre gerechte Ordnung nicht in einer Art misstrauischer, defensiver Gegnerschaft finden. Es ist notwendig, dass diese Beziehung im Frieden und im Glück der ungeteilten Liebe gelebt wird.

Auf einer mehr konkreten Ebene müssen die sozialpolitischen Maßnahmen — bezüglich der Erziehung, der Familie, der Arbeit, dem Zugang zu Dienstleistungen, der Mitwirkung am bürgerlichen Leben — auf der einen Seite jegliche ungerechte geschlechtliche Diskriminierung bekämpfen und auf der anderen Seite die Bestrebungen und Bedürfnisse eines jeden wahrzunehmen und zu erkennen wissen. Die Verteidigung und die Förderung der gleichen Würde und der gemeinsamen persönlichen Werte müssen mit der sorgsamen Anerkennung der gegenseitigen Verschiedenheit harmonisiert werden, wo dies von der Verwirklichung des eigenen Mann- oder Frauseins gefordert wird.

 

IV.
DIE AKTUALITÄT
DER FRAULICHEN WERTE
IM LEBEN DER KIRCHE

15. Was die Kirche betrifft, ist das Zeichen der Frau mehr denn je zentral und fruchtbar. Dies hängt mit der Identität zusammen, welche die Kirche von Gott erhalten und im Glauben angenommen hat. Diese »mystische«, grundlegende, seinshafte Identität muss man beim Nachdenken über die entsprechenden Rollen des Mannes und der Frau in der Kirche gegenwärtig halten.

Seit den ersten christlichen Generationen betrachtet sich die Kirche als Gemeinschaft, die von Christus gezeugt wurde und durch eine Beziehung der Liebe an ihn gebunden bleibt, deren vorzüglichster Ausdruck die hochzeitliche Erfahrung ist. Daraus ergibt sich, dass die erste Aufgabe der Kirche darin besteht, in der Gegenwart dieses Mysteriums der Liebe Gottes zu bleiben, das in Jesus Christus offenbar wurde, es zu betrachten und zu feiern. In dieser Hinsicht ist Maria in der Kirche der grundlegende Bezugspunkt. Man könnte mit einer Metapher sagen, dass Maria der Kirche den Spiegel reicht, in dem sie ihre eigene Identität erkennen soll, aber auch die Einstellungen des Herzens, die Haltungen und die Taten, die Gott von ihr erwartet.

Marias Dasein ist für die Kirche eine Einladung, ihr Sein im Hören und Aufnehmen des Wortes Gottes zu verankern. Der Glaube ist nämlich nicht so sehr die Suche des Menschen nach Gott, sondern vielmehr die Anerkennung des Menschen, dass Gott zu ihm kommt, ihn heimsucht und zu ihm spricht. Dieser Glaube, gemäß dem »für Gott nichts unmöglich ist« (vgl. Gen 18,14; Lk 1,37), lebt und wächst im demütigen, liebenden Gehorsam, mit dem die Kirche zum Vater sagen kann: »Mir geschehe, wie du es gesagt hast« (Lk 1,38). Der Glaube weist immerfort auf Jesus hin: »Was er euch sagt, das tut!« (Joh 2,5). Der Glaube geht mit Jesus den Weg bis unter das Kreuz. In der Stunde der tiefsten Finsternis harrt Maria mutig und getreu aus, weil sie mit einzigartiger Gewissheit auf das Wort Gottes vertraut.

Von Maria lernt die Kirche die Vertrautheit mit Christus. Maria, die das kleine Kind von Betlehem in ihren Händen getragen hat, lehrt die unendliche Demut Gottes erkennen. Sie, die den gemarterten, vom Kreuz abgenommenen Leib Jesu in ihre Arme genommen hat, zeigt der Kirche, wie sie sich aller Menschen annehmen soll, die in dieser Welt durch Gewalt und Sünde entstellt sind. Von Maria lernt die Kirche die Bedeutung der Macht der Liebe, wie Gott sie im Leben seines vielgeliebten Sohnes zeigt und offenbart: »Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind… und erhöht die Niedrigen« (Lk 1,51-52). Von Maria empfangen die Jünger Christi den Sinn und den Geschmack für den Lobpreis vor dem Werk der Hände Gottes: »Der Mächtige hat Großes an mir getan« (Lk1,49). Sie lernen, dass sie in der Welt sind, um das Andenken an diese »Großtaten« zu bewahren und den Tag des Herrn wachsam zu erwarten.

16. Auf Maria schauen und sie nachahmen, bedeutet aber nicht, die Kirche einer Passivität preiszugeben, die von einer überwundenen Auffassung der Weiblichkeit inspiriert ist, und sie einer Verwundbarkeit auszusetzen, die gefährlich ist in einer Welt, in der vor allem die Herrschaft und die Macht zählen. Der Weg Christi ist nämlich weder der Weg der Herrschaft (vgl. Phil 2,6) noch der Weg der Macht im weltlichen Sinn (vgl. Joh 18,36). Vom Sohn Gottes kann man lernen, dass diese »Passivität« in Wirklichkeit der Weg der Liebe ist, dass sie eine königliche Macht darstellt, die jede Gewalt besiegt, dass sie »Passion« ist, welche die Welt von Sünde und Tod erlöst und die Menschheit neu schafft. Der Gekreuzigte, der den Apostel Johannes seiner Mutter anvertraut, lädt seine Kirche ein, von Maria das Geheimnis jener Liebe zu lernen, die triumphiert.

Der Hinweis auf Maria und ihre Haltungen des Hörens, des Aufnehmens, der Demut, der Treue, des Lobpreises und der Erwartung verleiht der Kirche in keiner Weise eine Identität, die in einem zufälligen Modell der Weiblichkeit gründet, sondern stellt sie in die Kontinuität mit der geistlichen Geschichte Israels. In Jesus und durch Jesus werden diese Haltungen zur Berufung eines jeden Getauften. Unabhängig von den Verhältnissen, den Lebensständen, den verschiedenen Berufungen — mit oder ohne öffentliche Verantwortung — machen die genannten Haltungen einen wesentlichen Aspekt der Identität des christlichen Lebens aus. Auch wenn es sich dabei um Einstellungen handelt, die jeden Getauften prägen sollten, zeichnet sich die Frau dadurch aus, dass sie diese Haltungen mit besonderer Intensität und Natürlichkeit lebt. So erfüllen die Frauen eine Rolle von größter Wichtigkeit im kirchlichen Leben. Sie rufen allen Getauften diese Haltungen in Erinnerung und tragen auf einzigartige Weise dazu bei, das wahre Antlitz der Kirche, der Braut Christi und der Mutter der Gläubigen, zu offenbaren.

In dieser Perspektive wird auch verständlich, wie die Tatsache, dass die Priesterweihe ausschließlich Männern vorbehalten ist,22 die Frauen in keiner Weise daran hindert, zur Herzmitte des christlichen Lebens zu gelangen. Die Frauen sind berufen, unersetzliche Vorbilder und Zeugen dafür zu sein, wie die Kirche als Braut mit Liebe auf die Liebe des Bräutigams antworten muss.

 

SCHLUSS

17. In Jesus Christus ist alles neu gemacht worden (vgl. Offb 21,5). Es gibt aber keine Erneuerung in der Gnade ohne die Bekehrung der Herzen. Im Blick auf Jesus und im Bekenntnis, dass er der Herr ist, geht es darum, den Weg der Liebe zu erkennen, der die Sünde besiegt und den er seinen Jüngern weist.

So wird die Beziehung des Mannes zur Frau umgestaltet und die dreifache Begierde, von der der erste Johannesbrief spricht (vgl. 1 Joh 2,16), hat nicht mehr die Oberhand. Man muss das Zeugnis annehmen, das vom Leben der Frauen ausgeht und Werte offenbart, ohne die sich die Menschheit in Selbstgenügsamkeit, in Machtträumen und im Drama der Gewalt einsperren würde. Auch die Frau muss sich bekehren lassen und die einzigartigen, in der Liebe zum anderen so wirksamen Werte anerkennen, deren Trägerin sie als Frau ist. In beiden Fällen handelt es sich um die Bekehrung des Menschen zu Gott, so dass sowohl der Mann als auch die Frau Gott in Wahrheit anerkennen als ihre »Hilfe«, als Schöpfer, der voll Erbarmen ist, als Erlöser, der »die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn hingab« (Joh 3,16).

Eine solche Bekehrung kann es nicht ohne demütiges Gebet geben, um von Gott jenen klaren Blick zu erhalten, der sowohl die eigene Sünde als auch die heilende Gnade erkennt. In besonderer Weise muss man die Jungfrau Maria anrufen, die Frau nach dem Herzen Gottes, »gesegnet mehr als alle anderen Frauen« (vgl. Lk 1,42) und dazu auserwählt, den Menschen, Männern und Frauen, den Weg der Liebe zu offenbaren. Nur so kann in jedem Mann und in jeder Frau, nach der je eigenen Gnade, das »Abbild Gottes« sichtbar werden, jenes heilige Bild, mit dem sie ausgezeichnet sind (vgl. Gen 1,27). Nur so kann die Straße des Friedens und des Staunens wiedergefunden werden, welche die biblische Tradition in den Versen des Hohenliedes bezeugt, in denen die Leiber und die Herzen in denselben Jubel ausbrechen.

Die Kirche weiß um die Macht der Sünde, die in den Einzelnen und in den Gesellschaftssystemen am Werk ist und manchmal dazu führen könnte, die Hoffnung auf das Gutsein von Mann und Frau zu verlieren. Aber auf Grund ihres Glaubens an den gekreuzigten und auferstandenen Christus weiß sie noch mehr um die Kraft der Vergebung und der Hingabe trotz aller Wunden und Ungerechtigkeiten. Der Friede und das Staunen, auf die sie die Männer und Frauen von heute mit Vertrauen hinweist, sind der Friede und das Staunen, die im Garten der Auferstehung unsere Welt und die ganze Geschichte erleuchtet haben mit der Offenbarung: »Gott ist die Liebe« (1 Joh 4,8.16).

Papst Johannes Paul II. hat das vorliegende Schreiben, das in der Ordentlichen Versammlung dieser Kongregation beschlossen worden war, in der dem unterzeichneten Kardinalpräfekten gewährten Audienz approbiert und seine Veröffentlichung angeordnet.

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, am 31. Mai 2004, dem Fest Mariä Heimsuchung.

+ Joseph Card. Ratzinger
Präfekt

+ Angelo Amato, SDB
Titularerzbischof von Sila
Sekretär


1Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Familiaris consortio (22. November 1981): AAS 74 (1982) 81-191; Apostolisches Schreiben Mulieris dignitatem (15. August 1988): AAS 80 (1988) 1653-1729; Brief an die Familien (2. Februar 1994): AAS 86 (1994) 868-925; Brief an die Frauen (29. Juni 1995): AAS 87 (1995) 803-812; Katechesen über die menschliche Liebe (1979-1984): Insegnamenti II (1979) – VII (1984); Kongregation für das Katholische Bildungswesen, Orientierung zur Erziehung in der menschlichen Liebe. Hinweise zur geschlechtlichen Erziehung (1. November 1983): Ench. Vat. 9, 420-456; Päpstlicher Rat für die Familie, Menschliche Sexualität: Wahrheit und Bedeutung. Orientierungshilfen für die Erziehung in der Familie (8. Dezember 1995): Ench. Vat. 14, 2008-2077.

2Zur komplexen Frage des Gender vgl. auch Päpstlicher Rat für die Familie, Familie, Ehe und »de-facto« Lebensgemeinschaften (26. Juli 2000), 8: L’Osservatore Romano. Wochenausgabe in deutscher Sprache (22.Dezember 2000), 8.

3 Vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Fides et ratio (14. September 1998), 21: AAS 91 (1999) 22: »Diese Öffnung für das Geheimnis, die ihm [dem biblischen Menschen] von der Offenbarung zukam, war schließlich für ihn die Quelle einer wahren Erkenntnis, die seiner Vernunft das Eintauchen in die Räume des Unendlichen erlaubte, wodurch er bis dahin unverhoffte Verständnismöglichkeiten erhielt«.

4Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Mulieris dignitatem (15. August 1988), 6: AAS 80 (1988) 1662; vgl. hl. Irenäus, Adversus haereses, 5, 6, 1; 5, 16, 2-3: SC 153, 72-81; 216-221; hl. Gregor von Nyssa, De hominis opificio, 16: PG 44, 180; In Canticum homilia, 2: PG 44, 805-808; hl. Augustinus, Enarratio in Psalmum, 4, 8: CCL 38,17.

5Das hebräische Wort ezer, das mit Hilfe übersetzt wird, bezeichnet eine Hilfeleistung, die nur eine Person einer anderen Person gewährt. Der Ausdruck hat in keiner Weise den Beigeschmack des Minderwertigen oder Zweckdienlichen, wenn man bedenkt, dass auch Gott in seinem Verhältnis zum Menschen manchmal ezer genannt wird (vgl. Ex 18,4; Ps 10,14).

6 Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Mulieris dignitatem (15. August 1988), 6: AAS 80 (1988) 1664.

7 Johannes Paul II., Katechese Der Mensch als Person wird Geschenk in der Freiheit der Liebe (16. Januar 1980), 1: Insegnamenti III, 1 (1980) 148.

8Johannes Paul II., Katechese Die Begehrlichkeit des Leibes entstellt die Beziehungen zwischen Mann und Frau (23. Juli 1980), 1: Insegnamenti III, 2 (1980) 288.

9 Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Mulieris dignitatem (15. August 1988), 7: AAS 80 (1988) 1666.

10Ebd., 6: a.a.O. 1663.11 Kongregation für das Katholische Bildungswesen, Orientierung zur Erziehung in der menschlichen Liebe. Hinweise zur geschlechtlichen Erziehung (1. November 1983), 4: Ench. Vat. 9, 423.

12Ebd.

13 Hl. Irenäus, Adversus haereses, 4, 34, 1: SC 100, 846: »Omnem novitatem attulit semetipsum afferens«.

14 Die alte exegetische Tradition sieht in Maria zu Kana die »figura Synagogae« und die »inchoatio Ecclesiae«.

15 Das vierte Evangelium vertieft hier ein Thema, das schon bei den Synoptikern zu finden ist (vgl. Mt 9,15 und Parallelstellen). Zum Thema Jesus, der Bräutigam, vgl. Johannes Paul II., Brief an die Familien (2. Februar 1994), 18: AAS 86 (1994) 906-910.

16Johannes Paul II., Brief an die Familien (2. Februar 1994), 19: AAS 86 (1994) 911; vgl. Apostolisches Schreiben Mulieris dignitatem (15. August 1988), 23-25: AAS 80 (1988) 1708-1715.

17Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Familiaris consortio (22. November 1981), 16: AAS 74 (1982) 98-99.

18Ebd., 41: a.a.O. 132-133; Kongregation für die Glaubenslehre, Instruktion Donum vitae (22. Februar 1987), II, 8: AAS 80 (1988) 96-97.

19Vgl. Johannes Paul II., Brief an die Frauen (29. Juni 1995), 9-10: AAS 87 (1995) 809-810.

20Johannes Paul II., Brief an die Familien (2. Februar 1994), 17: AAS 86 (1994) 906.

21Enzyklika Laborem exercens (14. September 1981), 19: AAS 73 (1981) 627.

22Vgl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Ordinatio sacerdotalis (22. Mai 1994): AAS 86 (1994) 545-548; Kongregation für die Glaubenslehre, Antwort auf den Zweifel bezüglich der im Apostolischen Schreiben »Ordinatio sacerdotalis« vorgelegten Lehre (28. Oktober 1995): AAS 87 (1995) 1114.  

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Quelle

16 Kommentare zu “Schreiben an die Bischöfe der katholischen Kirche über die Zusammenarbeit von Mann und Frau in der Kirche und in der Welt

  1. Die Anpassung an den luziferianischen Zeitgeist macht es auch für die Frauen nicht besser. Denn darum geht es den „Demokraten“ auch gar nicht, sondern um die effektivere Ausbeutung beider Geschlechter und der Zerstörung der göttlichen Schöpfung an sich.

    Über die Frauenfrage hat Gott bereits gesprochen und entschieden, ein „Heiliger Vater“ Ratzinger kann das nicht umbiegen:

    „Wenn man wissen will, was die Frau ist, muß man den fragen, der sie geschaffen hat. Wer je über die Frauenfrage reden und schreiben will, muß die drei Kapitel der Schöpfungsgeschichte studieren. Sonst ist er in Gefahr, ein Schwätzer, ein Irrlehrer oder ein Revolutionär zu werden. Die Frauenfrage ist mit Moses definitiv und autoritativ gelöst für alle Zeiten, alle Länder, alle Stände, alle Kulturstufen. Man sagt, die Zeiten hätten sich geändert. Die geistige und wirtschaftliche Entwicklung habe die Frau hineingerissen in das öffentliche Leben. Die modernen Verhältnisse haben die Tätigkeit der Frau tatsächlich zum ungeheuren Schaden der Frau und der Familie geändert. Aber die modernen Verhältnisse haben das Wesen und den gottgeschaffenen Zweck der Frau nicht geändert. Gottes Wort ist ewig. Fels bleibt Fels! Gesetz bleibt Gesetz! Natur bleibt Natur! […] Die Frau soll auf Erden der Mittelpunkt wer­den, um den sich alles dreht. Die Erste statt der Zweiten! Damit nimmt die Revolution auf Erden ihren Anfang. Ihr Ursprung aber ist LUZIFERIANISCH. Der Feminismus ist luzi­ferianisch. Er geht auf Satan zurück.“ (Prälat Mäder)

    „Adam wurde zuerst gebildet, darnach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, das Weib aber wurde verführt und geriet in Übertretung; sie soll aber gerettet werden durch Kindergebären, wenn sie bleiben im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung samt der Zucht.“ (1. Tim 2,12)

    „Die Frauen seien ihren eigenen Männern untertan, als dem Herrn; denn der Mann ist des Weibes Haupt, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist; er ist des Leibes Retter. Wie nun die Kirche Christus untertan ist, so seien es auch die Frauen ihren eigenen Männern in allem.“ (Eph 5,22)

    Die „katholischen“ Schwätzer und Irreführer (im Dienste des luziferianischen Zeitgeistes) sagen, daß diese Aussagen nur historischen Wert hätten und heute nicht mehr gelten würde. Natürlich gilt für diese Schwätzer und Irreführer keinerlei Dogma, keinerlei Glaubenssatz, alles ist bei ihnen (inhaltlich) wandelbar, mal schneller, mal langsamer. Das ist eben das Wesen des Modernismus, ob nun in Pulli oder Anzug oder barocker Kasel.

    Pius XI. verkündet folgende definitive Entscheidung: „…den Aufbau der Familie und ihr von Gott selbst erlassenes und bekräftigtes Grundgesetz einfachhin umzukehren oder anzutasten, ist NIE und NIRGENDS erlaubt.“ (Casti connubii)

    Die Modernisten (ob „traditionell“ oder „progressiv“) sagen dann: ‚Ja er kann ja „Haupt“ bleiben, das bedeutet halt, daß er die Tür aufhalten und die Rechnung bezahlen darf.‘ Zumindest muss man ihnen ihren Humor zugute halten. Aber auch der neckischte Humor macht noch keinen Katholiken.

  2. Sehr gute und verständliche Darlegung von Joseph Ratzinger bzw. Papst Benedikt über das Thema Mann und Frau. Diese Klarheit und Deutlichkeit bringt einer der grössten Theologen unserer Zeit und das mit einem realistischen Blick auf die gegenwärtige schwierige Situation in Ehe und Familien.

    Wer den Text aufmerksam liest, kann sehr viel wertvolles für die Beziehung lernen und kann (wenn dazu berufen!) höhere Erkenntnis erwerben. Es lohnt sich den Text mit aufrichtigem Herzen zu lesen. Beim wiederholten Lesen entdeckt die wache Seele gelegentlich weitere Juwelen, die den anderen verborgen bleiben. Das kann die heilende und erfreuende Wirkung eines theologischen Textes von Papst Benedikt.

    Ich hoffe, Herr Schenker, Sie bringen weiterhin so grosse Texte diese grossen, von Gott mit so vielen Gnaden beschenkten Theologen. Es ist für die Evangelisierung in dieser Zeit von grosser Bedeutung.

  3. Ich kann mich nach der Lektüre dieses Schreibens leider der jubilierenden Bewertung meines Vorschreibers, Stefan1, nicht anschließen. Nach dem ich den Namen des Absenders (Ratzinger) sah, habe ich mit großem Interesse das Lesen begonnen. Bald setzte jedoch Ernüchterung ein.

    Ich gehe davon aus, das Stefan1 der sog. „traditionellen“ Katholiken-Szene zuzurechnen ist – warum sollte er auch sonst hier posten. Wo es mich dann umso mehr verwundert, soviel „Hurra!“ in seinem Beitrag zu finden.

    Ich möchte einfach ein paar Zitate aus dem Schreiben nehmen und die Gedanken wiedergeben, die mir sofort kamen – und die ich glücklicherweise zeitnah notieren konnte, um sie hier wiederzugeben und zur Diskussion zu stellen:

    „Sie entfaltet in ihr den Sinn und die Ehrfurcht gegenüber dem Konkreten, das sich den Abstraktionen entgegenstellt, die für das Leben des Einzelnen und der Gesellschaft oft tödlich sind.“

    Erscheint mir wie ein klares Bekenntnis zum Nominalismus.

    „Nur weil die Frauen spontaner mit den genannten Werten übereinstimmen, können sie ein Aufruf und ein bevorzugtes Zeichen für diese Werte sein.“

    Die eigentlichen menschlichen Werte sind also die weiblichen Werte. Wie es auch im Glauben scheinbar nur um menschliche Werte geht, denn göttliche Werte bezogen auf ein außenstehendes geistiges Wesen wären wieder eine Abstraktion (und eine solche endet oft tödlich, meint der Schreiber, siehe vorstehendes Zitat).

    „So wird die Beziehung des Mannes zur Frau umgestaltet und die dreifache Begierde, von der der erste Johannesbrief spricht (vgl. 1 Joh 2,16), hat nicht mehr die Oberhand.“

    Die Begierde des Fleisches, die Augenlust und die Hoffahrt der Welt sind im wesentlichen also die Probleme des Mannes. Nun, ein Gang durch eine x-beliebige Fußgängerzone müsste den geschätzten Schreiber eigentlich eines besseren belehren.

    „Man muss das Zeugnis annehmen, das vom Leben der Frauen ausgeht und Werte offenbart, ohne die sich die Menschheit in Selbstgenügsamkeit, in Machtträumen und im Drama der Gewalt einsperren würde. Auch die Frau muss sich bekehren lassen und die einzigartigen, in der Liebe zum anderen so wirksamen Werte anerkennen, deren Trägerin sie als Frau ist. In beiden Fällen handelt es sich um die Bekehrung des Menschen zu Gott,…“

    „Whow, whow, whow“ – würde ein Amerikaner hier vielleicht rufen und nach einer Atempause verlangen. Die Frau muss sich also zu Gott bekehren lassen, was im Kontext mit dem Schreiben (menschliche Werte sind weibliche Werte) lediglich bedeuten kann: sich ihrer eigenen Werte gewahr werden und sie annehmen und nicht männlichen Werten, die die Menschheit also in „Selbstgenügsamkeit, in Machtträume“ und in das „Drama der Gewalt“ führen, nacheifern. Der Mann muss sich also zur Frau bekehren, um eben jene Untugenden zu verlieren (hört, hört, ihr Männer). Dann wird alles gut.

    Man liest hier, was einem auch in der kirchlichen Erfahrungswelt begegnet:

    Es geht in der Religion offensichtlich nur noch um „menschliches Miteinander“. Nur noch Anthropologie im Sinne Rahners. Ein außerhalb der Welt stehender Gott hat keinen Platz mehr. Ist er doch eine der Abstraktionen, die laut Kardinal Ratzinger „oft tödlich sind“.

    Warum ist dann nur ständig von IHM die Rede? Als Feigenblatt für die Alten und die Dummen, die nicht in der Lage sind, Rahner zu verstehen?

  4. Paul Filter 5. Dezember 2017 um 20:25

    Nun, ich möchte Sie fragen, wohin Sie den in dieser Sache hingehen wollen? Was wäre dann Ihre Lösung?

    Zitat
    Die Begierde des Fleisches, die Augenlust und die Hoffahrt der Welt sind im wesentlichen also die Probleme des Mannes. Nun, ein Gang durch eine x-beliebige Fußgängerzone müsste den geschätzten Schreiber eigentlich eines besseren belehren.

    Weder Mann noch Frau leben ausreichend in ihrer eigenen Berufung zu Gott. Doch wirklich bei jeder Hoffahrt und Augenlust der Welt ist immer der Mann auch beteiligt. Egal ob Modeindustrie, Schmuck, Filmwelt (z.B. Harvey Weinstein mit seinen sexuellen Belästigungen), Kriegsproduktion, Forschung, Kloster usw. Der Einfluss von der männlichen Macht, Ego und gelegentlich Begierde auch auf die konkreten Lebensbereiche und der göttlichen Bestimmung der Frau sind enorm. Trotzdem ist natürlich auch die Frau im Negativen beteiligt (mehr oder weniger absichtlich).

    Das von Papst Benedikt beschriebene Ideal (Perfektion) eines gottfähigen Menschens muss höhere Ziele anstreben und ist bei Mann und Frau verschieden. Der Mann soll von der Frau lernen und umgekehrt. Der Mann achtet und respektiert den göttlichen Auftrag der Frau und ihre spezielle Wirkung, auch auf die Lebensbereiche des Mannes und umgekehrt auch die Frau. Wo ist das heute schon Realität?

    Zitat
    Der Mann muss sich also zur Frau bekehren, um eben jene Untugenden zu verlieren (hört, hört, ihr Männer). Dann wird alles gut.

    Mit zur Frau bekehren hat das nichts zu tun. Das ist polemisch und falsch verstanden. Der Mann ist niemals unterwürfig oder verliert seine Männlichkeit nur weil er auf den guten Rat einer guten Frau hört. Diese Potenzangst ist fehl am Platz.

    Der Mann soll die Frau in ihrer von Gott gewollten Verschiedenheit verstehen und respektieren und dort, wo die Frau in ihrer speziellen von Gott gewollten Berufung und Befähigung auch etwas zu sagen hat, auch zuhören und unterstützen, selbst wenn Mann es mit seinem Verstand nicht versteht oder glaubt es anders tun zu müssen. Ab und zu gab es Könige im Mittelalter, die auf den Rat ihrer heiligmässigen Frauen gehört haben und damit Erfolg hatten und auch nicht wenige, die wegen ihrem Eigensinn in den Abgrund gerieten. Schlechte Frauen mit schlechtem Rat gibt es auch. Darum verlasse sich der Mann auf eine gute Frau und höre immer auf ihren gut Rat ;o) und bemühe dich als Mann auch ein guter Ratgeber Deiner Frau zu sein. Also, so schwer kann es nicht sein, Papst Ratzinger zu verstehen.

    Papst Benedikt beschreibt ein Ideal und nicht die Realität (Wirklichkeit). Doch die Wirklichkeit ist aus religiöser Sicht beklagenswert. Zunächst bedarf es der Einsicht durch Mann und Frau, diese ist jedoch in einer zunehmend gottlosen Welt kaum vorhanden.

    Ich finde es ausgezeichnet, dass Papst Benedikt das göttliche Ideal in der realen Welt und im menschlich Konkreten (nicht einfach vergeistigt) aufzeigt, auch wenn es für den Menschen nur schwer zu erreichen ist und dabei oft im Profanen und menschlichen stecken bleibt. Es geht um den Weg und um das Bemühen. Das Ziel haben wir erst im Himmel.

  5. @Stefan1

    „Nun, ich möchte Sie fragen, wohin Sie den in dieser Sache hingehen wollen? Was wäre dann Ihre Lösung?“

    Das kann ich Ihnen genau sagen: eine vorurteilslose Betrachtung beider Geschlechter.

    Doch diese findet in der westlichen Welt so gut wie nie statt. Auch nicht bei Kardinal Ratzinger/Papa Emeritus oder bei Ihnen.

    Beide Geschlechter nehmen sich nicht viel. Keines ist besser oder schlechter als das andere. Insbesondere in der westlichen Welt gibt es aber einen grundsätzlichen Betrachtungsfehler: Die Frau wird als der im Grunde bessere Mensch angesehen. Man gesteht ihr zwar auch Verfehlungen zu, diese werden aber in der Regel als Folge des Einflusses von Männern abgetan (so wie sie in Ihrem vorstehenden Beitrag es tun) und dann, sozusagen hinten herum, den Männern untergeschoben.

    Man frage sich, wo das herrührt. Ich vermute einen nicht eingestandenen Mutter-Komplex dahinter. Die nicht erfolgte Abnabelung von der Mutter und der Welt des Weiblichen durch Übertritt in die Welt der Männer, bei „primitiven Völkern“ sehr häufig von einem einschneidenden Initiationsritus für die heranwachsenden Jungen begleitet, führt dazu, dass in jeder Frau die eigene Mutter gesehen wird. Und Mutti ist natürlich die Beste…

  6. @Stefan1

    „Weder Mann noch Frau leben ausreichend in ihrer eigenen Berufung zu Gott. Doch wirklich bei jeder Hoffahrt und Augenlust der Welt ist immer der Mann auch beteiligt. Egal ob Modeindustrie, Schmuck, Filmwelt (z.B. Harvey Weinstein mit seinen sexuellen Belästigungen), Kriegsproduktion, Forschung, Kloster usw. Der Einfluss von der männlichen Macht, Ego und gelegentlich Begierde auch auf die konkreten Lebensbereiche und der göttlichen Bestimmung der Frau sind enorm. Trotzdem ist natürlich auch die Frau im Negativen beteiligt (mehr oder weniger absichtlich).“

    Wie ich oben schrieb: für jeden Fehler der Frau wird der Mann indirekt beschuldigt und die Frau entschuldigt.

    Fenelon, der Erzbischof von Cambrai, wusste noch, dass man im Leben eines schlechten Mannes sehr häufig den Einfluss einer schlechten Frau entdecken könne, die ihn auf die schiefe Bahn gebracht oder negative Anlagen erst zum Ausbruch gebracht hat. Ein Wissen, welches heute verloren gegangen ist oder gar ins Gegenteil verkehrt wird.

    Sie tun genau das, was ich auch den die Ausführungen von Kardinal Ratzinger kritisiere: Sie stempeln „Macht“, „Ego“ und „Begierde“ zu männlichen Problemen. Man möchte geradezu fragen: Kennen Sie eigentlich Frauen? Haben Sie mit Frauen zu tun? „Macht“, „Ego“ und „Begierde“ regieren unter Frauen mindestens genauso wie unter Männern. Wobei ich „mindestens“ doppelt unterstreichen würde. Der weibliche Geltungsdrang und die weibliche Allmachtsfantasie kennen keine Grenzen. Sie können mir ruhig glauben: ich habe beruflich viel mit Frauen zu tun.

  7. @Stefan1

    „Mit zur Frau bekehren hat das nichts zu tun. Das ist polemisch und falsch verstanden. Der Mann ist niemals unterwürfig oder verliert seine Männlichkeit nur weil er auf den guten Rat einer guten Frau hört. Diese Potenzangst ist fehl am Platz.“

    Es ist immer gut, auf den Rat einer guten Frau zu hören. Das ist eine, wie man umgangssprachlich so schön sagt, „Binse“.

    Deswegen frage ich mich, warum Sie so etwas schreiben.

    Billige Polemik? Nein

    Wohl eher der Versuch, mit einem semantischen Trick die Sache zu drehen. Daher meine Frage:

    Ist jede Frau in Ihren Augen eine „gute Frau“?

  8. @PaulFilter

    Einiges von dem, was Sie schreiben, kann ich gut nachvollziehen. Ab und zu unterstellen Sie mir etwas, was ich nicht gesagt habe. Wenige Aspekte sehe ich anders. Die Differenzen:

    Zitat
    Die Frau wird als der im Grunde bessere Mensch angesehen. Man gesteht ihr zwar auch Verfehlungen zu, diese werden aber in der Regel als Folge des Einflusses von Männern abgetan (so wie sie in Ihrem vorstehenden Beitrag es tun) und dann, sozusagen hinten herum, den Männern untergeschoben.

    Weder (damals) Kardinal Ratzinger noch ich sehen die Frau als „bessere Menschen“ im Vergleich zum Mann. Hätten die Frauen im Durchschnitt die gleichen physischen Kräfte und wären kriegserfahren (die meisten Kriege wurden hauptsächlich von Männern angeordnet, geführt und erkämpft), so würden sie wahrscheinlich in Sachen Grausamkeit dem Manne in nichts nachstehen. Doch es fehlt in diesem Aspekt eindeutig an Evidenz. Frau und Mann können in jeweils ihrer eigenen und unterschiedlichen göttlichen (natürlichen) Berufung scheitern und schwer verfehlen. Das Mass der Schuld wird Gott letztendlich entscheiden und muss vom Menschen vor Gott alleine verantworten ohne Ausreden gegenüber dem Anderen (Mann oder Frau). Wenn z.B. ein Mann eine Frau vergewaltigt, so wird er für diese Tat vor Gott zur Rechenschaft gezogen und keinen Moment lang wird er die Frau beschuldigen können. Alleine Gott kann mildernde Umstände (z.B. Mitschuld der Frau) berücksichtigen. Doch das gilt für alle Sünden. Man übt heute schon in der persönlichen Beichte sich der persönlichen Schuld anzuklagen und zu bereuen.

    Das aber der Mann die spezielle Berufung der Frau behindert (gerade weil er normalerweise über das physische Gewaltsmonopol verfügen kann) ist ein nicht abzustreitender Fakt. Der Mann muss sich also bemühen und Rücksicht auf die normalerweise physisch schwächere Frau nehmen, damit diese auch ihrer Berufung gerecht werden und der Mann zu höherem Verständnis gelangen kann. Der Mann rebelliert oft (physisch) gegen die Frau und muss die Folgen oft auch physisch (z.B. durch Tod usw.) erfahren.

    Sichtbar wird diese Rebellion auch gegen die Anliegen der Mutter Gottes, die in Fatima und La Salette vor allem die von Männer dominierten schlechten Einflüsse (Niedergang in der kath. Kirche, Kriege usw.) anprangert, z.B. in der männlich geprägten Hierarchie in der Kirche, Wirtschaft und indirekt auch in der Politik. Auch wenn überall auch Frauen negativ beteiligt sind, so sind die Frauen schon zahlenmässig in diesen potenten Machtgebiete unterlegen und können schon deshalb weniger zur Verantwortung gezogen werden. Viele moderne Gesetze (Abtreibung, Euthanasie, Waffenexporte, Sklavenhandel, Ausbeutung von Arbeitskräften), Forschungen, Wirtschaftsgebaren, die in der überwiegenden Mehrheit von Männern (fast alle Diktatoren und Politiker) gemacht sind und die gesamte Menschheit beeinflussen, tangieren oft negativ die Berufung der Frau und letztendlich auch des Mannes, der Kinder und beeinflussen die Umwelt. Natürlich gibt es in allen Disziplinen auch sehr positive Entscheidungen, die naturgemäss mehrheitlich von den Männern kommen. Doch wie sieht die Welt heute aus? Sind wir zufrieden mit der Entwicklung aus christlicher Sicht?

    Zitat
    Der weibliche Geltungsdrang und die weibliche Allmachtsfantasie kennen keine Grenzen. Sie können mir ruhig glauben: ich habe beruflich viel mit Frauen zu tun.

    Das müssen Sie mal beschreiben. Doch zuletzt ist die Frage trotzdem, wer kann sich häufiger (weil auch die Macht) durchsetzen? Mann oder Frau? Statistische Tatsache ist, dass in den Chefetagen, in der Kirche und Politik mehr Männer als Frauen sitzen. Viele dieser zahlenmässig überlegenen, mächtigen Männer sind Agnostiker und Atheisten. Und alleine das zählt für die weltweiten Auswirkungen.

    Es tut mir leid, wenn Sie beruflich unter den Allmachtsfantasien der Frauen leiden müssen. Doch seien Sie nett und zuvorkommend (ritterlich) mit den Frauen, machen Sie keine unpassenden Komplimente, sondern unterstützen Sie jede auch nur kleinste Andeutung zur weiblichen Berufung (und die kommen erstaunlicherweise immer wieder zum Ausdruck) und Sie werden die Frauen noch ganz anders erfahren und nicht selten erleben, dass weltliche Vorstellungen oft nur aufgesetzt sind und vorgebracht werden um den „Männerphantasien“ zu entsprechen. Ich kenne sehr viel mehr Frauen, die ein erstaunlich gutes Gespür für ihre Berufung haben, wenn man (Mann) sie auch lässt und unterstützt. Ich könnte da sehr konkret werden.

    In den Gottesdiensten, bei Rosenkranzgeben und Andachten sind weit mehr Frauen anzutreffen als Männer. Ist ein seltsames Phänomen.

    Zitat
    Ist jede Frau in Ihren Augen eine „gute Frau“?

    Das habe ich mehrfach mit Nein beantwortet. Doch es ist niemals eine Rechtfertigung für den Mann auch „schlecht“ zu sein. Weil der Mann im Durchschnitt dank seiner physischen Überlegenheit die Gewalt über die wichtigsten Entscheide und Folgen auf der Welt hat, müsste er sich bemühen besser zu sein, weil er auch die grössere Verantwortung trägt.

  9. @ Stefan1

    Vielen Dank für Ihre Ausführungen, die ich interessiert gelesen habe. Bevor ich mit meiner Antwort beginne, will ich Ihnen gleich zu verstehen geben: ich muss Ihnen rundheraus in fast allem widersprechen.

    Bei der Lektüre Ihrer Gedanken fragte ich mich, in welchem Lebensalter Sie wohl stehen mögen. Bei einem jungen Mann würde man die Lebensfremdheit der Ausführungen mit seiner Unerfahrenheit entschuldigen und als eine Art jugendliche Naivität durchaus mit Sympathie zur Kenntnis nehmen.

    Aber bei einem älteren Mann, der vermutlich durchaus schon „Lebensstürme“ zu bestehen hatte?

    Da bleibt mir nur die Vermutung, dass dieser ältere Mann keinerlei wirkliche Erfahrung mit Frauen hat bzw. dass der dankbare Rückblick auf die Kindheitserfahrung mit der eigenen Mutter wie eine Art positiver Filter auf sein aktuelles Erleben von Frauen einwirkt und sich sein Verhältnis zum weiblichen Geschlecht seit Kindheit/Pubertät nicht weiterentwickelt hat.

    Bevor ich direkt auf Ihre Ausführungen eingehe, lassen Sie mich eine kleine Anekdote aus dem arbeitsalltäglichen Erleben erzählen:

    Zwei junge Frauen unterhalten sich in der Küche eines Büros. Fragt die eine die andere:

    „Sag mal, bis Du noch in der Kirche und zahlst Kirchensteuer?“

    Antwortet die andere:

    „Ja.“

    Darauf die Erste:

    „Glaubst Du etwa an den Unsinn?“

    Antwortet die Zweite:

    „Nein, natürlich nicht. Um das Geld, das für die Kirchensteuer drauf geht, tut es mir auch leid. Aber ich will in der Kirche heiraten. Das ist so schön romantisch. Eine richtige Hochzeit. Aber danach trete ich sofort aus. Danach gibt’s keinen Cent mehr von mir.“

    Ich wurde zufälliger, unfreiwilliger Zeuge dieses Gesprächs zweier sehr junger Damen, die seinerzeit für mich als Assistenzen arbeiteten.

    Warum habe ich diese Anekdote gewählt? Weil sie sehr schön exemplarisch das Wesen vieler Frauen – und ich möchte hier behaupten: der Masse – darstellt.

  10. @ Stefan1

    Nun aber zu Ihrem Text. Sie haben geschrieben:

    „Das aber der Mann die spezielle Berufung der Frau behindert (gerade weil er normalerweise über das physische Gewaltsmonopol verfügen kann) ist ein nicht abzustreitender Fakt. Der Mann muss sich also bemühen und Rücksicht auf die normalerweise physisch schwächere Frau nehmen, damit diese auch ihrer Berufung gerecht werden und der Mann zu höherem Verständnis gelangen kann. Der Mann rebelliert oft (physisch) gegen die Frau und muss die Folgen oft auch physisch (z.B. durch Tod usw.) erfahren.“

    Der Mann hindert also die „spezielle Berufung“ der Frau? Da drängen sich mir gleich zwei Fragen auf:

    Könnten Sie bitte knapp und präzise darstellen, was Ihrer Meinung nach die „spezielle Berufung“ der Frau ist?

    2.
    Wie behindert der Mann diese?

    Ich denke, wir sind uns einig, das Mann und Frau von Gott geschaffen worden sind. Als erstes der Ur-Mann, Adam und ihm zur Gehilfin, aus seiner Seite, die Ur-Frau, Eva. Der Mann ist physisch stärker als die Frau (in der Regel, Ausnahmen kommen jedoch häufiger vor, als man glauben mag). Gott hat den Mann so erschaffen.

    Also:

    Weil Gott den Mann physisch stärker als die Frau erschaffen hat, ist der Mann ein Hindernis für die Frau, zu ihrer Berufung zu kommen?

    Ist diese – behauptete – Berufung (was immer sie sei, ich bekomme hoffentlich eine Erläuterung von Ihnen) eine gottgegebene? Deren Hindernis der Mann schon allein mit seiner gottgegebenen physischen Erscheinung ist?

    Weiter geben Sie dann eine teilweise Erläuterung, in der Sie die Rücksichtnahme des physisch stärkeren Mannes auf die physisch schwächere Frau anmahnen. Soweit so gut, jedoch ist dies eine „Binse“. Oder ist es in Ihrer Erfahrungswelt die Regel, dass sich Männer mit physischer Gewalt gegen Frauen durchsetzen? In meinem Lebensbereich ist dies überhaupt nicht der Fall. Ich habe so etwas mein ganzes bisheriges Leben lang nirgendwo beobachtet und weiß auch (aufgrund Austausch in Sportverein oder Kneipe usw.) dass Gewalt gegen Frauen unter Männern verpönt ist. Zumindest prahlt kein Mann damit, dass er gegen seine Frau Gewalt angewendet hat. In dem Milieu, in dem Sie sich bewegen, mag dies anders sein. Das will ich keinesfalls klein- oder wegreden. Lassen Sie mich bitte an Ihren Erfahrungen diesbezüglich teilhaben.

  11. @ Stefan1

    Sie führen aus, dass der Mann Rücksicht auf die physisch schwächere Frau nehmen muss, damit er zu höherem Verständnis gelangen kann.

    Damit bestätigen Sie nun doch meine obigen Ausführungen vom 5. Dezember 2017, 20:25 Uhr, die Sie in Ihrem darauffolgenden Beitrag zurückgewiesen haben: Der Mann muss sich zur Frau bekehren. Ohne die Frau kann er nicht zu höherem Verständnis gelangen.

    War die Glückseligkeit des Paradieses also ein Zustand ohne höheres Verständnis. Müssen wir also der Schlange dankbar sein, dass sie das Weib überredete, dem Manne vom Apfel zu kosten zu geben?

    Bitte legen Sie dar, was Ihrer Meinung nach das „höhere Verständnis“ ist, dass der Mann nur von der Frau erlangen kann.

    Müssen wir also davon ausgehen, dass der Mann eine Art primitivere Lebensform als die Frau darstellt, da er durch sie zu „höherem Verständnis“ kommt? (Welches er offensichtlich ohne sie nicht hat.)

    Ist es nicht so, dass „höheres Verständnis“ von Gott und unserem Herrn Jesus Christus kommt? Kommt es – sozusagen „gechannelt“ – durch die Frau?

    Ich bitte diesbezüglich sehr um Aufklärung von Ihnen. Denn das „höhere Verständnis“ ist bisher offensichtlich, trotz vielfältigstem Umgang mit so einigen Frauen auf vielen Gebieten, an mir vorbeigegangen.

  12. @ Stefan1

    Sie führen aus, dass der Mann oft gegen die Frau rebelliert und dadurch negative Konsequenzen, wie den Tod erfahren müsse.

    Zuerst bleibt festzuhalten, was der Apostel Paulus im Ersten Brief an Timotheus in Kapitel 2 Vers 14 schreibt:

    „Und nicht Adam wurde verführt, sondern die Frau ließ sich verführen und übertrat das Gebot.“

    Rebellieren kann man nur gegen etwas Übergeordnetes, sei es zu Recht oder Unrecht „übergestülpt“. Wenn der Mann gegen die Frau nach Ihren Worten rebellieren könne und Sie dies dem Manne auch noch negativ auslegen, so muss es eine gottgewollte Überordnung der Frau über den Mann geben, gegen welche sich der Mann ungehorsamerweise auflehnt. Habe ich Sie hier richtig verstanden?

    1.
    Bitte klären Sie mich auf, inwiefern Ihrer Meinung nach die Frau dem Manne übergeordnet ist.

    2.
    Wie sieht die Rebellion des Mannes gegen die gottgewollte Dominanz der Frau tatsächlich Ihrer Meinung nach aus?

    3.
    Inwiefern erleidet der Mann dadurch den Tod?

    Bisher dachte ich immer, dass der Tod in die Welt kam, weil Eva sich von der Schlange verführen ließ und Adam Eva vertraute und das nahm und aß, was ihm die von Gott gegebene Gefährtin als schmackhafte Nahrung darbot. Das blinde Vertrauen auf die Frau und das Nichtwahrnehmen seiner Führungsverantwortung aufgrund dieses Vertrauens durch Adam wurde dem Menschengeschlecht zum Verhängnis. Ist diese biblische Auffassung falsch?

  13. @ Stefan1

    Zum Abschluss, der vorgerückten Stunde wegen, ein paar Gedanken kurz und knapp:

    Ich denke wir sind uns einig, dass die Hälfte der Bevölkerung aus Frauen besteht. In der Bundesrepublik Deutschland gilt ein allgemeines Wahlrecht. Das bedeutet, dass die Hälfte der Wähler weiblich sind. Des Weiteren ist bekannt, dass Männer eher dazu tendieren, konservative politische Meinungen zu vertreten, während Frauen „progressivere“ politische Kräfte in Wahlen bevorzugen. Nicht umsonst wettert der Medienapparat gegen die „alten weißen Männer“, die nicht mit in die neue bunte Gender- und „Ehe für Alle“-Welt marschieren wollen. Es mag Ihnen vielleicht entgangenen sein, aber es ist dabei nicht von Frauen die Rede.

    Warum schreibe ich dies? Sie sprachen die schlechten politischen Entscheidungen an. Die Entscheidungsträger seien fast alle männlich. (Ebenso sitzen in den Führungsetagen von Unternehmen fast ausschließlich Männer. Dies liegt aber nicht an den Männern, sondern vielmehr am Unwillen der Frauen, die Strapazen einer Führungsposition auf sich zu nehmen. Nähere Ausführungen dazu vielleicht morgen, wenn die Zeit reicht.) Nun sind diese Entscheidungsträger mindestens zur Hälfte von Frauen gewählt. Und Meinungsforschungsinstitute sind sich einig, dass „progressive“ Parteien eher von Frauen gewählt werden. Deswegen frage ich Sie auch hier:

    1.
    Ist z. Bsp. „Ehe für alle“ eine politische Entscheidung, die Sie unter die von Ihnen als negativ bezeichneten Entscheidungen fassen würden?

    2.
    Sind die Frauen, die beispielsweise im katholischen Polen zu Hunderttausenden im vergangenen Jahr gegen das neue Abtreibungsgesetz, das Abtreibung unter Strafe stellen will, demonstrierten und lauthals für ihr angeblich ihnen als Frauen zustehendes Recht, ihre ungeborenen Kinder im Mutterleib töten zu lassen, alles von Männern fehlgeleitete, unterdrückte Subjekte, die von Ihren Ehemännern zu diesen Demonstrationen geprügelt wurden? Wie passen diese Demonstrationen in Ihr Weltbild?

  14. @Paul Filter

    Bei Ihrem schönen Beispiel der zwei Frauen frage ich Sie, wo hier die Verantwortung der künftigen Ehemänner bleibt?

    Zitat
    Ist diese – behauptete – Berufung (was immer sie sei, ich bekomme hoffentlich eine Erläuterung von Ihnen) eine gottgegebene? Deren Hindernis der Mann schon allein mit seiner gottgegebenen physischen Erscheinung ist?

    Schauen Sie bei Benedikt ab und natürlich rede ich von der gottgewollten Bestimmung, welche einerseits generell (z.B. im Eheversprechen enthalten) und übrigens auch sehr unterschiedlich sowie persönlich und auch eine Frage des Zivilstandes ist.

    Zitat
    Weil Gott den Mann physisch stärker als die Frau erschaffen hat, ist der Mann ein Hindernis für die Frau, zu ihrer Berufung zu kommen?

    Ja, das war seit Jahrhunderten der Fall und gilt auch heute noch. Die überwiegende Mehrheit der weltlichen Machtmenschen (Diktatoren, CEOs, Politiker usw.) sind Männer und deshalb ist es logisch, dass sie meist egoistisch für ihre Interessen schauen und sich einen Deut über die göttlichen Anforderungen an die Berufung für die Frau noch ihre eigene kümmern wollen. Männer haben Weltkriege angezettelt und Millionen von Menschen umgebracht (s. z.B. Hitler, Stalin usw.) Hier schlägt Benedikt eine klare Fürsprache für die Rücksichtnahme auf die Verschiedenheit von Mann und Frau sowie die verschiedenen (gegenseitigen oder unabhängigen) Pflichten von Mann und Frau an, die nicht nur äusserst klug, sondern auch von grosser Erkenntnis über die göttlichen Dinge zeugt. Wollen Sie sich theologisch mit Papst Benedikt messen?

    Zitat
    Ohne die Frau kann er nicht zu höherem Verständnis gelangen.

    Nein, in der Ehe können das beide nicht, wenn sie sich nicht bemühen und sich profan geben wollen.

    Zitat
    War die Glückseligkeit des Paradieses also ein Zustand ohne höheres Verständnis.

    Nein, aber Adam und Eva waren im Paradies in einer Prüfungsphase, die sie beide mit Leichtigkeit (da ohne Erbsünde) hätten bestehen können und wären dabei an Erkenntnis gewachsen. Gott hätte Freude daran gehabt.

    Zitat
    Müssen wir also der Schlange dankbar sein, dass sie das Weib überredete, dem Manne vom Apfel zu kosten zu geben?

    Nein

    Zitat
    Bitte legen Sie dar, was Ihrer Meinung nach das „höhere Verständnis“ ist, dass der Mann nur von der Frau erlangen kann.

    Finden Sie es gemeinsam mit ihrer Ehefrau heraus und betrachten Sie nochmals Papst Benedikt:

    (…) …Hier ist die Herzmitte des ursprünglichen Planes Gottes und der tiefsten Wahrheit über Mann und Frau, so wie Gott sie gewollt und geschaffen hat. Diese ursprünglichen Verfügungen des Schöpfers, wie sehr sie auch durch die Sünde entstellt und verdunkelt sind, können niemals zunichte gemacht werden….(…)

    Unverheiratete (u.a. Priester, Nonnen, Laien) haben eine andere Bestimmung.

    Zitat
    Müssen wir also davon ausgehen, dass der Mann eine Art primitivere Lebensform als die Frau darstellt, da er durch sie zu „höherem Verständnis“ kommt? (Welches er offensichtlich ohne sie nicht hat.)

    Wo die Berufung zur Ehe besteht und diese auch als solche gemeinsam erkannt und gemeinsam gelebt wird (wie es Papst Benedikt aufzeigt), finden Mann und Frau auch zu ihrem höheren Verständnis über ihre Berufung.

    Unverheiratete haben das jeweils andere Geschlecht mit Anstand, Respekt und Achtung auf die jeweilige Berufung zu begegnen, auch wenn diese ihre nicht oder noch nicht gefunden haben. Es liegt nicht an uns zu urteilen.

    Zitat
    Ich bitte diesbezüglich sehr um Aufklärung von Ihnen. Denn das „höhere Verständnis“ ist bisher offensichtlich, trotz vielfältigstem Umgang mit so einigen Frauen auf vielen Gebieten, an mir vorbeigegangen.

    Die Frage ist, ob Sie verheiratet sind oder nicht. Wenn nicht, dann müssen Sie sich nicht um die göttliche Bestimmung der Eheleute kümmern. Ansonsten gilt Achtung vor dem anderen (Geschlecht) ohne wenn und aber.

    Zitat
    Ist z. Bsp. „Ehe für alle“ eine politische Entscheidung, die Sie unter die von Ihnen als negativ bezeichneten Entscheidungen fassen würden?

    Ja

    Zitat
    Sind die Frauen, die beispielsweise im katholischen Polen zu Hunderttausenden im vergangenen Jahr gegen das neue Abtreibungsgesetz, das Abtreibung unter Strafe stellen will, demonstrierten und lauthals für ihr angeblich ihnen als Frauen zustehendes Recht, ihre ungeborenen Kinder im Mutterleib töten zu lassen, alles von Männern fehlgeleitete, unterdrückte Subjekte, die von Ihren Ehemännern zu diesen Demonstrationen geprügelt wurden? Wie passen diese Demonstrationen in Ihr Weltbild?

    http://www.zeit.de/kultur/2016-09/abtreibungsverbot-polen-proteste-10nach8
    Die Verfassungsänderungen des Jahres 1989, durch die Polen seine nationale Souveränität wiedererlangte, erwiesen sich in vielen Bereichen als katastrophal für die Lage der Frauen. Frauen wurden häufiger arbeitslos, sie hatten oft in unrentablen Produktionszweigen gearbeitet, deren Abwicklung sie ohne soziale Absicherung zurückließ, und die Reformen des Pflegesystems liquidierten das viel genutzte System der Kurkliniken für Frauen.

    Wo sind hier die verantwortungsvollen Polenmänner? Wenn eine Frau in geordneter Ehe leben und Kinder haben kann, dann sähe es bestimmt besser aus. Die in Gesellschaft bestimmenden Männer hätten hier eine grosse Verantwortung und sind bei jeder Abtreibung in ausserehelichen Beziehungen mitschuldig. Egoistische Männer in der Politik und Wirtschaft haben auch in Polen zu prekären Verhältnisse im Beruf und Alltag gesorgt, so dass junge Familien ohne Doppelverdiensteinkommen nicht überleben können. Das führt zu unüberwindbare Lebensverhältnisse, die zu falschen Ergebnissen führen.

    Doch kurz gesagt, hat ein Mann kein legitimes noch göttliches Recht eine Frau ausserehelich zu schwängern und sich der Verantwortung zu entledigen. Er hat genauso eine Sorgfaltspflicht (Verantwortung für das Ungeborene) und wie Papst Benedikt sagt, eine Verantwortung für die Frau, dass auch sie ihre wahre Berufung finden kann. Ein junger Katholik geht eine solide eheliche Beziehung ein (die er sorgfältig prüft) und übernimmt Verantwortung bei einer Schwangerschaft. Wir haben uns zu bemühen. Solche Ehen gibt es auch heute noch. Er überlässt niemals seine schwangere Frau dem sozialen Schicksal, wie es nicht nur Polen leider allzu oft geschieht. Doch diejenigen Männer in Machtpositionen (Wirtschaft und Politik), die aus Gier und Ausbeutungssucht die junge Generation in prekäre wirtschaftliche und familiäre Verhältnisse gebracht haben und noch bringen werden, tragen eine sehr grosse Schuld (auch an den Abtreibungen). Dazu zählen auch die reichen Frauen, die aus Luxusgründen abtreiben und ihre Männer in ihrer ungezügelten Geilheit und Hedonismus mitmachen und bezahlen. Nicht weniger tragisch sind Abtreibungen als Folge einer Vergewaltigung durch den Mann. Sie werden nach dem Tod kaum ihre Mitschuld tragen wollen.

  15. @ Stefan1 13. Dezember 2017 um 01:52

    Sie gehen also davon aus, daß die beiden Frauen, die den christlichen Glauben ablehnen und nur wegen dem schönen Schein in der „Kirche“ „heiraten“ wollen, nicht selbständig diese Meinung vertreten? Für Sie ist deren Ablehnung der kirchlichen Lehre den Frauen also nicht zuzurechnen? Sie meinen, es liege allein in der Verantwortung der künftigen Ehemänner? Sie halten Frauen aber für ziemlich unterbelichtet, kann das sein?

    Sie können also nicht mit Ihren eigenen Worten die von Ihnen beschworene „gottgewollte Bestimmung“ der Frau darlegen?

    Gemäß Ihrer Darstellung gibt es Kriege und Millionen von Toten nur aufgrund von Eigeninteressen der Männer. Haben diese Männer denn alle keine Frauen bzw. würden den Frauen nichts vom „Gewinn“ zukommen lassen?
    Haben Frauen keinerlei Wünsche an Macht- und Wohlstandszuwachs? Komisch, daß so viele Frauen gerade auf die Mächtigen, die Populären und jene mit großem Geldbeutel stehen…

    Wie sollte man sich als Katholik theologisch mit einem Häretiker „messen“, der selber explizit bekundet, seinen Frieden mit der antichristlichen Revolution gemacht zu haben? Daß Sie da auf einer Linie sind, ist nicht verwunderlich.

    Wann geben sich Mann und Frau in der Ehe „profan“?

    Wenn es so leicht war für die gute Frau – die nach Ihren Darlegungen offensichtlich der bessere, höhere Mensch ist -, die Prüfung zu bestehen, warum hat sich Eva dann von der Schlange, von einem niedrigeren Geschöpf, verführen lassen?

    Sie können offensichtlich auch nicht beantworten, was denn Ihre Nebelwolke von dem „höhere Verständnis“ beinhalten soll. Als Antwort auf die Nachfrage bringen Sie lediglich eine weitere Nebelwolke…

    Dafür daß Sie meinen, es liege nicht „an uns zu urteilen“, urteilen Sie aber am laufenden Band über den Mann, und zwar nahezu ausschließlich negativ…

    Sind Sie eigentlich verheiratet? Oder warum kümmern Sie sich so um die Bestimmung der Eheleute?

    Die vielbeschworene „Achtung vor dem anderen Geschlecht“ ist bei Ihnen offensichtlich nur eine einseitige…

    Die „Ehe für alle“ ist für Sie eine negative Entscheidung? Wie kann das denn sein in der „erlösten Welt“? Für Sie ist die westliche Wertegemeinschaft doch das „Reich Christi“. Und die BRD wird von einer Frau regiert und die Frauen haben Wahlrecht. Wie kann es dann zu so einer negativen Entscheidung kommen, ohne daß nun alle Frauen dagegen protestieren (wie z.B. gegen ein Abtreibungsverbot)?

    Arbeitslosigkeit bei Frauen ist also eine Entschuldigung dafür, daß Millionen von Frauen gegen ein allgemeines Abtreibungsverbot demonstrieren?? Gemäß Ihren Darlegungen, rechtfertigt Geldmangel den willkürlichen Kindsmord.

    Männer haben sicher ihre Schuld an der allgemeinen politischen und sozialen Lage. Aber das erklärt keineswegs, warum Millionen von rasenden Frauen lauthals gegen ein Abtreibungsverbot durch die Strassen laufen. Dazu nötigt sie keiner. Und dies würden sie auch – trotz der häufig unangenehmen Situationen, in die viele gelangen – nicht tun, wenn sie allgemein in ihrem Wesen so wären, wie Sie es sich zurechtphantasieren und Ihr Häresie-„Papst“ den Menschen verkaufen will…

    Aber diesen Unsinn und Selbstbetrug nennen Sie dann zusätzlich auch noch blasphemisch „Glaube“…

    Alles in allem bleibt nur die Feststellung, daß Sie ein Peter Pan par excellence sind. Ihre „Welt“ hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Dankbar sind wir Prälat Mäder, der Ihresgleichen bereits als Schwätzer und Irrlehrer entlarvt hat. Aber die Gründe für die Krise der Kirche und des rasanten Niedergangs der „westlichen“ Nationen werden somit immer deutlicher.

  16. @Stephan 11. Januar 2018 um 11:09

    Ztat
    Sie können also nicht mit Ihren eigenen Worten die von Ihnen beschworene „gottgewollte Bestimmung“ der Frau darlegen?

    Nun, es ist ausreichend, offensichtlich beschrieben und klar, wer es erkennen mag. Wer es nicht erkennen kann, der soll es lassen oder ist dafür nicht bestimmt es zu wissen, weil er z. B. nicht verheiratet ist oder nicht zur Erkenntnis fähig ist. Auf jeden Fall hat sich ein Mann immer zuvorkommend und auf gleicher Ebene mit der Frau zu verhalten, weil er damit die Bestimmung der Frau (die er nicht zwingend kennen muss!) achten kann und auch muss. Unverheiratete Männer haben sich um Ihre eigene Berufung zu kümmern.

    Zitat
    Gemäß Ihrer Darstellung gibt es Kriege und Millionen von Toten nur aufgrund von Eigeninteressen der Männer. Haben diese Männer denn alle keine Frauen bzw. würden den Frauen nichts vom „Gewinn“ zukommen lassen?
    Haben Frauen keinerlei Wünsche an Macht- und Wohlstandszuwachs? Komisch, daß so viele Frauen gerade auf die Mächtigen, die Populären und jene mit großem Geldbeutel stehen…

    Kriege und Millionen von Toten gibt es fast ausschliesslich seit Menschengedenken durch Männer (Kain, Hitler, Stalin usw.). Die Schuld der Frau ist sekundär, wenn auch vorhanden. Haben diese Machtmenschen (die immerhin die beste Möglichkeiten hätten) jedoch die Berufung der Frauen, der Familien und des einfachen Menschen geachtet? Nein, ganz bestimmt nicht. Sie haben viel Unglück über Kinder, Familien und auch ihre Mütter gebracht.

    Zitat
    Wenn es so leicht war für die gute Frau – die nach Ihren Darlegungen offensichtlich der bessere, höhere Mensch ist -, die Prüfung zu bestehen, warum hat sich Eva dann von der Schlange, von einem niedrigeren Geschöpf, verführen lassen?

    Ich habe nicht gesagt, dass die Frau der bessere höhere Mensch ist. Das ist eine wiederholt falsche Unterstellung. Die Frau ist weder höher noch tiefer, sondern gleichwertig.

    Sie verstehen das göttliche Konzept des Paradieses für die Menschen nicht. Der Mensch wäre im Paradies immer Prüfungen ausgesetzt gewesen, die er aber aufgrund seiner göttlichen Fähigkeit und Makellosigkeit mit Leichtigkeit hätte bestehen können (und zwar Mann und Frau zusammen!). Es ist für Gott eine Genugtuung gewesen, ein Wesen (der Mensch) zu erschaffen, das über diese selbständige Fähigkeit verfügt ohne im ständigen sichtbaren Kontakt zu Gott sein oder gar ihn über jeden Schritt befragen zu müssen. Die Wahl zwischen gut und böse beinhaltet immer auch die Möglichkeit zu Scheitern. Das ist im Gegensatz zu den Engel (die nicht entscheiden können) ein grosses Privileg der göttlichen Menschen Konzeption. Selbst das Paradise war nicht das Endziel für den Menschen.

    Die Schuld besteht nicht darin allein, den verbotenen Apfel geholt und genossen zu haben, sondern im besonderen darin, dass sich beide versteckt und Adam seine Schuld (als Vorbild für Eva) vor Gott nicht sofort reuevoll eingesteht, sondern seine Schuld als Erster sofort der Eva zuhalten will (Adam hat sofort verstanden, dass er aus freiem Willen schuldig geworden ist und die Macht hatte, es Eva anzuhängen); Eva (trotz Einsicht) wiederum der Schlange. Beide haben also nicht sofort ihren Fehler eingestanden. Und die Folgen sind hart. Hätte jedoch Adam sofort seine Schuld eingestanden und Eva (aufgrund des guten Beispiels von Adam) wäre ihm gefolgt, dann hätte diese Geschichte einen anderen Verlauf.

    Zitat
    Arbeitslosigkeit bei Frauen ist also eine Entschuldigung dafür, daß Millionen von Frauen gegen ein allgemeines Abtreibungsverbot demonstrieren?? Gemäß Ihren Darlegungen, rechtfertigt Geldmangel den willkürlichen Kindsmord.

    Das hat nichts mit Rechtfertigung oder gar Schuldbefreiung zu tun. Die Last der Schuld ist dabei noch lange nicht so offensichtlich bei der Frau, wie Sie es einseitig sehen wollen. Seien Sie gewiss, dass diejenige (vorwiegend Männer), die Menschen aus Macht- und Geldgier in prekäre Situationen bringen, auch einen grossen Teil der Schuld dieser Frauen (und Männer) übernehmen müssen, die für die Abtreibung aus Not sind. Männer, die eine Frau schwängern, haben Verantwortung (auch für das Ungeborene vor Gott) zu übernehmen. Sie können sich nicht herausreden, dass die Frau abtreiben will oder sie zu wenig Geld verdienen. Ein Katholik heiratet und schwängert keine Frau, die ein Kind abtreiben will oder er finanziell sich keine Familie leisten kann, ansonsten macht er sich am Mord des Kindes mitschuldig (siehe Adam, der die Schuld an Eva anhängen wollte und damit den Zorn Gottes mit verschuldet hat). Von Vergewaltigung oder ausserehelichen Sexualkontakten halte sich ein Katholik fern; auch von Kindsmissbrauch (das auch zu Kindsmord führen kann!).

    Zitat
    Männer haben sicher ihre Schuld an der allgemeinen politischen und sozialen Lage.

    Späte Einsicht, bleiben sie dabei. Vielleicht sehen Sie eines Tages auch ein, dass die Männer die Hautschuld daran tragen. Männer sind oft Memmen und wollen bei der Schuldfrage gerne die Frau mit hineinziehen (siehe Adam). Bei der Schuldfrage steht jeder alleine mit seinen Fehlern vor Gott dem Richter, Mann oder Frau.

    Zitat
    (….) Und dies würden sie auch – trotz der häufig unangenehmen Situationen, in die viele gelangen – nicht tun, wenn sie allgemein in ihrem Wesen so wären, (…)

    Jetzt mal der Reihe nach. Wer hat mehrheitlich die Macht und die Möglichkeit zur Geldgier und Gesetzgebung in dieser Welt?
    Der Mann.

    Wer hindert mehrheitlich die Frau an ihrer göttlichen Berufung, weil der Mann zum Schutz der Frau sein müsste?
    Der Mann, weil er dafür verantwortlich ist und vor Gott dafür verantwortlich gemacht wird.

    Wer erlässt mehrheitlich keine Gesetze, die die Frau schützt und ihrer göttlichen Bestimmung hilft? Statt Abtreibungsverbot könnte auch ein Hilfegesetz bestehen, dass den schwangeren Frauen in prekären Situationen (finanziell) hilft, dass Kind zu bekommen und aufzuziehen (wenn der Mann, wie so oft, sich aus dem Staub gemacht hat).
    Der Mann (und zwar egal in welcher politischen Richtung, marxistisch oder kapitalistisch). Lebenssituationen können so prekär werden, dass der Mensch aus Verzweiflung keinen Ausweg mehr sieht. Der Mensch kann dann auch sündigen (z.B. Abtreibung), doch die Schuldfrage (wer wieviel davon übernehmen wird) vor Gott ist damit noch lange nicht geklärt.

    Wer hat die perversen Gesetze für die Ausbeutung der Erde, der Menschen und Tiere, die jeder göttlichen Ordnung spotten, mehrheitlich geschaffen?
    Der Mann.

    Wenn also der Mann, der die (physische Militär-) Macht auf dieser Welt hat, sich nicht nach der göttlichen Ordnung verhält (… und das tut er weltweit nicht) und die Frau in ihrer Berufung nicht achtet und unterstützt, dann sind die Folgen aus Unterdrückung oder Antizipation wie sie es eben sind und wie wir es beide real erkennen und monieren.

    In den allermeisten Fällen sind es zugegeben junge Frauen, die sich gegen das Abtreibungsverbot wehren. Es sind aber auch Männer dabei! In den Kirchen und auf den Märschen für das Leben sind dagegen sehr viel mehr Frauen (jung und alt!) unterwegs als Männer. Es gibt einige Frauen, die sich öffentlich mutig für die Ungeborenen einsetzen. Auch Männer jolen und spotten bei solchen TV-Anlässen gegen diese mutigen Frauen. Spontan kenne ich generell bei den Laien da mehr Frauen als Männer, die sich einsetzen. In den Gottesdiensten und bei Rosenkranzgebeten sind notorisch mehr Frauen als Männer anwesend. Das sollte Ihnen als gutes Vorbild zu denken geben. Diesen Frauen Mut zu machen, sie zu unterstützen in ihrer Berufung ist eines katholischen Mannes edles, ritterliches und heiligen Pflicht.

    Zitat von Prälat Mäder:
    Der Hochmut, die Selbstsucht des Geistes und des Willens, hat kein Verständnis für die göttliche Mathematik der Ehe «zwei gleich eins». Der Hochmut, sei es nun der Hochmut des Mannes oder der Hochmut der Frau, sucht nicht das gemeinsame Dritte, das Wohl des Ganzen, sondern Geltendmachung und Durchsetzung des Ich-Gedankens, des Ich-Willens, der Ich-Liebe. Er sinnt und strebt und lebt immer nur und ausschließlich in der ersten Person Einzahl. Darin liegt für ihn die ganze Grammatik des Ehelebens.
    Das ist das größte Ehehindernis, die radikale Unfähigkeit für ein edles, geordnetes, glückliches Familienleben ist die erste Hauptsünde: Der Hochmut, der Eigensinn, die Rechthaberei, die Herrschsucht. Der Eigenwille in allen seinen Abarten ist Separatist. Sein letztes Ziel ist Auflösung, Trennung, Scheidung. Zwei gleich zwei!

    Sind Sie so sicher, dass nicht Sie beim Prälat Mäder als Schwätzer gelten, der die göttliche Ordnung stur nicht erkennen will.

    Zitat
    Aber die Gründe für die Krise der Kirche und des rasanten Niedergangs der „westlichen“ Nationen werden somit immer deutlicher.

    Wenn der Mann, der die physische Macht (Militär und im Allgemeinen) auf dieser Welt hat, nicht umkehrt und seine Kraft für die wahre Berufung nach Gottes Absicht einsetzen beginnt, dann wird keine Besserung möglich werden und wir gehen den Weg des Verderbens.

    Der Mann trägt dann mehrheitlich die weltweite Schuldenlast aus seinem falschen Macht Gebrauches vor Gott und kann sein Versagen wie bei Adam nicht der Frau anhängen. Ein paar Memmen Männer werden es vergeblich versuchen, doch es wird ihnen nichts nützen.

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