Papst an Dominikaner: Nein zur Gesellschaft des Scheins

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Der Papst und die Dominikaner im Lateran

Papst Franziskus hat mit Mitgliedern des Dominikanerordens in der römischen Papstbasilika San Giovanni in Laterano das 800jährige Bestehen des Ordens gefeiert. In seiner Predigt ging der Papst auf den Gegensatz zwischen dem „Karneval der weltlichen Neugier“ und der Verherrlichung Gottes durch gute Werke ein.

„Es ist interessant zu sehen, dass sich die Apostel des Evangeliums schon damals, vor 2.000 Jahren, diesem Szenario gegenüber sahen, das sich in unseren Tagen – durch die Verführung des Relativismus – weiterentwickelt und globalisiert hat. Die Tendenz, nach Neuem zu suchen, die dem Menschen eigen ist, findet ihr ideales Ambiente in der Gesellschaft des Scheins, des Konsums, in der häufig Altes recycelt wird, Hauptsache es wirkt neu, anziehend, betörend. Auch die Wahrheit ist geschminkt. Wir bewegen uns in der sogenannten „flüssigen Gesellschaft“: ohne Fixpunkte, aus dem Koordinatensystem herausgefallen, ohne solide, stabile Bezugspunkte. In der Kultur des Ephimeren, des Wegwerfens nach Gebrauch.“

Der Begriff der „flüssigen Gesellschaft“ stammt von dem vor kurzem verstorbenen polnischen Denker Zygmunt Bauman; auch Benedikt XVI. ist bei seinem Venedig-Besuch im Mai 2011 auf diesen Punkt in Baumans Denken eingegangen. Dem weltlichen „Karneval“ stellte Franziskus an diesem Samstagabend ein klares Gegenszenario gegenüber. Dieses werde durch die Worte Jesu illustriert, man solle gute Werke vollbringen, um Gott zu verherrlichen und so bei ihm zu sein.

Am Schluss der Feier dankte der Generalobere der Dominikaner, Pater Bruno Cadoré, dem Papst und versicherte ihm das Gebet aller Angehörigen der dominikanischen Ordensfamilie. Am 21. Januar 1217 hatte der damalige Papst die Regel des sogenannten Predigerordens genehmigt.

(rv 21.01.2017 mg)


Papstpredigt an Dominikaner im vollen Wortlaut

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Papstmesse mit Dominikanern

Das Wort Gottes stellt uns heute zwei menschliche Szenarien vor Augen, die gegensätzlich sind: Auf der einen Seite den „Karneval“ der weltlichen Neugier, auf der anderen Seite die Verherrlichung des Vaters durch gute Werke. Und unser Leben spielt sich immer zwischen diesen beiden Szenarien ab. Sie gehören zu jeder Epoche, wie die Worte des hl. Paulus an Timotheus (vgl. 2 Tim 4,1-5) zeigen. Und auch der hl. Dominikus bewegte sich vor 800 Jahren zwischen diesen beiden Szenarien.

Paulus mahnt Timotheus, er müsse das Evangelium in einem Umfeld verkünden, wo die Menschen nach immer neuen „Meistern“, „Märchen“, Lehren und Ideologien suchen… (vgl. 2 Tim 4,3). Das ist der „Karneval“ der weltlichen Neugier, der Verführung. Darum instruiert der Apostel seinen Schüler auch mit durchaus starken Verben, etwa „insistieren“, „ermahnen“, „vorwerfen“ und „wachsam sein“, „Leiden ertragen“.

Es ist interessant zu sehen, dass sich die Apostel des Evangeliums schon damals, vor 2.000 Jahren, diesem Szenario gegenüber sahen, das sich in unseren Tagen – durch die Verführung des Relativismus – weiterentwickelt und globalisiert hat. Die Tendenz, nach Neuem zu suchen, die dem Menschen eigen ist, findet ihr ideales Ambiente in der Gesellschaft des Scheins, des Konsums, in der häufig Altes recycelt wird, Hauptsache es wirkt neu, anziehend, betörend. Auch die Wahrheit ist geschminkt. Wir bewegen uns in der sogenannten „flüssigen Gesellschaft“: ohne Fixpunkte, aus dem Koordinatensystem herausgefallen, ohne solide, stabile Bezugspunkte. In der Kultur des Ephimeren, des Wegwerfens nach Gebrauch.

Diesem weltlichen „Karneval“ steht deutlich das Gegenszenario gegenüber, das wir in den Worten Jesu finden, die wir gerade gehört haben: „euren Vater verherrlichen, der im Himmel ist“ (vgl. Mt 5,16). Und wie kommt es zu diesem Übergang von der scheinbar ausgelassenen Oberflächlichkeit zum Verherrlichen? Das geschieht durch die guten Werke derer, die Jünger Jesu werden und damit auch „Salz“ und „Licht“. „So soll euer Licht unter den Menschen leuchten“, sagt Jesus, „damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater verherrlichen, der im Himmel ist.“

Inmitten des „Karnevals“ von gestern und heute ist dies die Antwort Jesu und der Kirche, dies ist die sichere Stütze mitten in diesem „flüssigen“ Ambiente: die guten Werke, die wir dank Christus und seinem Heiligen Geist vollbringen können und die im Herzen Dank an Gottvater aufsteigen lassen, Lob – oder zumindest das Sich-Wundern und die Frage: Warum? Warum benimmt dieser Mensch sich so? Also die Unruhe der Welt angesichts des Zeugnisses des Evangeliums.

Aber damit dieser „Stoss“ gelingen kann, darf das Salz nicht seinen Geschmack verlieren und das Licht nicht unter den Scheffel gestellt werden. Jesus sagt das sehr deutlich: Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, dient es zu nichts mehr. Weh dem Salz, das seinen Geschmack verliert! Weh der Kirche, die ihren Geschmack verliert! Weh dem Priester, dem Ordensmenschen, der Gemeinschaft, die ihren Geschmack verliert!

Heute danken wir dem Vater für das Werk des hl. Dominikus, das er voll Licht und Salz Christi vor 800 Jahren gewirkt hat: ein Werk im Dienst am Evangelium, gepredigt mit dem Wort, aber auch mit dem Leben. Ein Werk, das durch die Gnade des Heiligen Geistes dazu geführt hat, dass viele Männer und Frauen Hilfe bekamen, um sich nicht zu zerstreuen angesichts des „Karnevals“ der weltlichen Neugier, sondern um den Geschmack der gesunden Lehre zu spüren, den Geschmack des Evangeliums, und um ebenfalls Licht und Salz zu werden, Handwerker guter Taten… und wahre Brüder und Schwestern, die Gott verherrlichen und andere lehren, Gott zu verherrlichen, mit den guten Taten des Lebens.

(rv 21.01.2017 sk)

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