Den Glauben bewahren und ihn wachsen lassen

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Eucharistiefeier mit Kindertaufe in der Sixtinischen Kapelle
am Fest der Taufe des Herrn

Predigt von Papst Franziskus am 8. Januar

Papst Franziskus hat am Sonntag, 8. Januar, 28 Säuglinge in der Sixtinischen Kapelle getauft, unter ihnen vier mit dem Vornamen »Francesco«. Vor der berühmten Darstellung des Jüngsten Gerichts von Michelangelo goss der Papst den Kindern von Vatikan-Angestellten Wasser über den Kopf und sprach dazu die Taufformel. Das übliche Kindergeschrei kommentierte Franziskus in seiner Predigt scherzhaft mit den Worten »Ah, das Konzert hat angefangen?« Auch Jesu erste Predigt im Stall von Bethlehem sei das Weinen gewesen, so der Papst weiter. Zugleich ermunterte er die anwesenden Mütter dazu, Kinder, die vor Hunger schrien, zu stillen so wie es Maria mit Jesus getan habe.

Liebe Eltern!

Ich habt für eure Kinder den Glauben erbeten, den Glauben, der in der Taufe geschenkt wird. Glaube: das bedeutet ein Leben des Glaubens, denn der Glaube muss gelebt werden; den Weg des Glaubens gehen und Zeugnis geben vom Glauben. Glaube besteht nicht darin, sonntags, wenn wir in die Messe gehen, das »Glaubensbekenntnis« aufzusagen: es ist nicht nur das. Glaube bedeutet an die Wahrheit zu glauben: an Gottvater, der seinen Sohn und den Heiligen Geist gesandt hat, der uns lebendig macht. Aber Glaube bedeutet auch, sich Gott anzuvertrauen, und das müsst ihr sie lehren durch euer Beispiel, durch euer Leben. Und der Glaube ist Licht: Im Taufritus wird euch eine brennende Kerze überreicht werden wie in den frühen Zeiten der Kirche. Und daher hieß die Taufe in jenen Zeiten »Erleuchtung«, weil der Glaube das Herz erleuchtet und die Dinge in einem anderen Licht sehen lässt. Ihr habt den Glauben erbeten: Die Kirche schenkt euren Kindern mit der Taufe den Glauben, und ihr habt die Aufgabe, ihn wachsen zu lassen, ihn zu bewahren, damit er Zeugnis wird für alle anderen. Das ist der Sinn dieser Zeremonie. Und nur das ist es, was ich euch sagen wollte: den Glauben bewahren, ihn wachsen lassen, dass er ein Zeugnis für die anderen sein möge.

Und dann… Das Konzert hat begonnen! [Die Täuflinge schreien.] Das ist so, weil die Kinder an einem Ort sind, den sie nicht kennen, und weil sie heute morgen früher aufgewacht sind als sonst. Einer fängt an und gibt den Ton vor und dann »folgen ihm die anderen nach«… Einige weinen bloß, weil der andere geweint hat… Jesus hat dasselbe getan, wisst ihr? Ich denke gerne, dass die erste Predigt Jesu im Stall ein Weinen war, die erste… Und dann, weil die Zeremonie ein wenig lang ist, weint jemand auch vor Hunger. Wenn das so ist, dann stillt sie ruhig, ohne Furcht, ganz normal. Wie die Muttergottes Jesus gestillt hat…

Vergesst nicht: Ihr habt den Glauben erbeten, eure Aufgabe ist es, den Glauben zu bewahren, ihn wachsen zu lassen, dass er ein Zeugnis für alle sei, für uns alle: auch für uns Priester, Bischöfe, alle. Danke.

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Quelle: Osservatore Romano 2/2017

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