„Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“

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Kreuz, Gebetswache WJT 2016 / CCEW – Mazur, CC BY-NC-SA

Zusammenfassung des vorbereitenden Dokuments
zur XV. Generalversammlung der Bischofssynode im Oktober 2018

Im Oktober 2018 wird die XV. Generalversammlung der Bischofssynode zum Thema „ Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“ stattfinden. Heute veröffentlichte der Vatikan ein vorbereitendes Dokument, in dem die Beweggründe zu dieser Themenwahl, die Situation der Jugendlichen und die Herausforderungen dargelegt werden.

Während sich die Synode über die neue Evangelisierung und das Apostolische Schreiben Evangelii gaudium damit beschäftigten, „wie diese Sendung in der Welt von heute verwirklicht werden kann“, die beiden Synoden über die Familie und das nachsynodale Apostolische Schreiben Amoris laetitia mit „der Begleitung der Familien auf diese Freude hin“, soll in der Synode 2018 der Frage nachgegangen werden, „wie die Jugendlichen begleitet werden können, um die Berufung zur Liebe und zum Leben in Fülle zu erkennen und anzunehmen“. Unter Jugendlichen werden Personen im Alter von 16 bis 29 Jahren verstanden.

In dem Dokument wird deutlich gemacht, dass „keine vollständige Analyse der Gesellschaft und der Welt der Jugendlichen vorgelegt werden“ solle, sondern „einige Ergebnisse der Sozialforschung gegenwärtig zu halten“. Die jugendlichen Welten seien vielfältg durch regionale, demographische, historisch und geschlechtsspezifische Unterschiede.

Schnellebigkeit, Flexibilität, Wegwerfkultur, Umweltzerstörung, Arbeitslosigkeit, Unsicherheit sieht sich die junge Generation gegenüber. Die Jugend von heute zeichne durch die Globalisierung eine zunehmende Homogenisierung aus. Viele lebten in einer multikulturellen Realität, die besondere Anforderungen stelle. Das Dokument nimmt auch die grausame Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen in den Blick, die zu Opfern des Menschenhandelns und der Sklaverei, von Zwangsheiraten werden oder zu Soldaten ausgebildet werden.

Viele Jugendliche möchten sich aktiv in die Gesellschaft einbringen und austauschen. „Sie suchen nach Menschen, die in der Lage sind, Gleichklang zum Ausdruck zu bringen und Unterstützung, Ermutigung und Hilfe zur Erkenntnis der eigenen Grenzen anzubieten, ohne ihr Urteil aufzudrängen. In dieser Hinsicht bleibt die Rolle der Eltern und der Familien weiterhin entscheidend, wenn auch manchmal problematisch.“ Die Kirche wünschen sie sich näher am Menschen, so das Dokument. Eine besondere Herausforderung der Kirche liegt darin, sich den neuen Kommunikationsmitteln zu stellen, derer sich die Jugendlichen im Alltag bedienen.

Die Jugendlichen müssen sich schwierigen Problemen stellen: „Die Fähigkeit der Jugendlichen, Entscheidungen zu treffen, ist durch Schwierigkeiten behindert, die mit dem Zustand der Unsicherheit in Zusammenhang stehen: die Schwierigkeit, Arbeit zu finden oder ihr dramatischer Mangel; die Hindernisse, wenn es darum geht, wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erreichen; die Unmöglichkeit, den eigenen Berufsweg stabil vorauszusehen.“ Viele Jugendliche wandern aus, um sich eine Existenz aufbauen zu können.

„Wenn wir wollen, dass in der Gesellschaft oder in der Gemeinschaft der Christen etwas Neues geschieht, müssen wir Raum schaffen, damit neue Menschen handeln können. Mit anderen Worten: den Wandel nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit zu planen, macht es erforderlich, den neuen Generationen zuzugestehen, ein neues Modell der Entwicklung auszuprobieren. Dies ist vor allem in den Ländern und institutionellen Kontexten problematisch, in denen das Alter derjenigen, die Verantwortung tragen, hoch und der Rhythmus des Generationswechsels verlangsamt ist.“

Die Kirche selbst muss sich zur Diskussion stellen und „ihre Berufung zum Behüten“ neu entdecken. Der Glaube vermag die „universale Brüderlichkeit zwischen den Frauen und Männern aller Zeiten“ zu stärken. Der Kirche stellen sich daher vielgestaltige Fragen: „Wie kann die frohe Botschaft des Evangeliums gelebt und eine Antwort auf den Ruf gegeben werden, den der Herr an all jene richtet, denen er entgegenkommt: durch die Ehe, das Weiheamt oder das Ordensleben? Und in welchem Bereich können die eigenen Talente fruchtbar gemacht werden: im Berufsleben, im Volontariat, im Dienst an den Letzten, im politischen Einsatz?“

Für Jugendliche werde die Situation noch erschwert durch den Umstand, dass sie in der Phase der persönlichen Reifung seien. Das eigene Handeln erkennen und interpretieren und eine Entscheidung treffen, nennt das Dokument als die entscheidenen Phasen. Der Gläubige müsse darauf verzichten wollen, „mit den eigenen Bedürfnissen im Mittelpunkt zu stehen“, dann „öffnet sich der Raum, um das Projekt Gottes anzunehmen, das im Familienleben, im Weiheamt oder im Ordensleben bestehen kann oder darin, gewissenhaft den eigenen Beruf auszuüben und ernsthaft das Gemeinwohl zu suchen“.

Der Geist Gottes handle im Herzen jedes Mannes und jeder Frau durch Gefühle und Wünsche, das menschliche Herz werde durch die eigene Schwäche und durch die Sünde normalerweise geteilt, der Lebensweg lege auf jeden Fall eine Entscheidung auf, so das Dokument zu Berufung und Unterscheidung. Für die Kirche heißt das: „Es geht darum, die Beziehung zwischen dem Menschen und dem Herrn zu fördern und daran mitzuarbeiten, das zu beseitigen, was sie behindert. Hier liegt der Unterschied zwischen der Begleitung zur Unterscheidung und der psychologischen Unterstützung, die sich jedoch, wenn sie zur Transzendenz offen ist, oft von fundamentaler Bedeutung erweist.“

Jugendpastoral und Berufungspastoral setzten die Begleitung der Jugendlichen voraus, d.h. sie ernst zu nehmen, ihre Freiheit anzusprechen, „der Neuheit echten Raum zu geben, ohne sie in dem Versuch, sie in Schubladen zu stecken, zu ersticken“. Hinausgehen, verweilen und zuhören sowie alle Jugendlichen begleiten, ihnen zum Nächsten zu werden, „ist ein besonderes Geschenk des Geistes, das in der Lage ist, den Stil einer Kirche, die aus sich herausgeht, aufleuchten zu lassen“. Die Kirche muss von den Jugendlichen lernen und die ganze Gesellschaft sich an ihrer Erziehung beteiligen. „Schließlich gilt es, die Möglichkeiten der Beteiligung der Jugendlichen in den Organen der diözesanen und pfarrlichen Gemeinschaft, angefangen mit den Pastoralräten, wertzuschätzen. Sie laden die Jugendlichen ein, den Beitrag ihrer Kreativität zu leisten und nehmen ihre Ideen an, auch wenn sie provokativ erscheinen.“

Glaubwürdige Erwachsene, „angesehene Gläubige mit einer klaren menschlichen Identität, einer festen kirchlichen Zugehörigkeit, einer sichtbaren spirituellen Qualität, einer starken erzieherischen Leidenschaft und einer tiefen Fähigkeit zur Unterscheidung“ seien erforderlich. „Innerhalb der Familie sind es in erster Linie die Eltern, die in der Liebe, die sie untereinander und mit ihren Kindern verbindet, jeden Tag die Sorge Gottes für jeden Menschen zum Ausdruck bringen.“

Die Kirche ist aufgefordert, die Jugendlichen auch sprachlich zu erreichen: „Manchmal wird uns bewusst, dass sich zwischen der kirchlichen Sprache und der Sprache der Jugendlichen ein Abstand bildet, der schwierig zu überbrücken ist, auch wenn es viele Erfahrungen einer fruchtbaren Begegnung zwischen den Sensibilitäten der Jugendlichen und den Vorschlägen der Kirche im biblischen, liturgischen, künstlerischen oder im Medienbereich gibt. Wir träumen von einer Kirche, die es versteht, der Welt der Jugendlichen und ihren Sprachen Raum zu geben sowie ihre Kreativität und Talente wertzuschätzen.“

Für die Zukunft gilt: „Gegenüber der Vergangenheit müssen wir uns an Wege der Annäherung an den Glauben gewöhnen, die immer weniger standardisiert und mehr auf die persönlichen Charakteristiken des Einzelnen abgestimmt sind.“

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Quelle

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