Generalaudienz: Hoffnung – dem Anschein nach unvernünftig

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Ungewöhnlicher Gast: Zirkuskünstler setzten dem Papst einen Papagei auf den Arm

Hoffen gegen alle Hoffnung: Um dieses grundlegende christliche Paradox ging es an diesem Mittwoch bei der Generalaudienz des Papstes. Franziskus ging vom Römerbrief des heiligen Paulus aus, der im vierten Kapitel von einer solchen Hoffnung gegen alle Hoffnung spricht, und schwenkte dann den Scheinwerfer zurück zu Abraham: „Der heilige Paulus bezieht sich auf den Glauben, mit dem Abraham dem Wort Gottes glaubte, als der ihm einen Sohn versprach. Das war tatsächlich ein Hoffen gegen alles Hoffen, denn das, was ihm der Herr ankündigte, war so unwahrscheinlich, er war ja schon so alt, und seine Frau war unfruchtbar. Aber: Gott hatte es gesagt, also glaubte Abraham. Und im Vertrauen auf diese Verheißung macht er sich auf den Weg…. Abraham glaubt. Sein Glauben öffnet sich auf eine Hoffnung hin, die dem Anschein nach unvernünftig ist.“

So sei das mit der Hoffnung: Sie öffne neue Horizonte und lasse uns „Dinge träumen, die kaum vorstellbar sind“. „Hoffnung lässt uns in die Dunkelheit der unsicheren Zukunft hineingehen… Schön, diese Tugend der Hoffnung! Sie gibt uns so viel Kraft, um vorwärtszugehen im Leben. Aber das ist kein einfacher Weg. Auch für Abraham kommt da eine Krise. Er hat vertraut, hat alles zurückgelassen, ist aufgebrochen, ist in das von Gott verheißene Land gekommen… Zur damaligen Zeit reiste man nicht wie heute mit dem Flugzeug, damals dauerte das Monate oder Jahre! Die Zeit ist vergangen, aber der Sohn kommt nicht, der Schoss Saras bleibt in seiner Unfruchtbarkeit verschlossen.“

In dieser Krise wende sich Abraham klagend an Gott. „Und das lernen wir von unserem Vater Abraham: Sich beim Herrn zu beschweren, ist eine Form des Betens. Manchmal höre ich, wenn ich jemandem die Beichte abnehme: Ich habe dem Herrn mein Herz ausgeschüttet… und ich sage dann: Nur zu, beschwer dich, er ist ein Vater! Auch das ist eine Art des Betens: sich beim Herrn beschweren, das ist gut.“

Gott habe auf Abrahams Klagen reagiert – mit einer erneuten Verheißung von großer Nachkommenschaft. „Und trotz allem glaubt Abraham weiter an Gott und hofft, dass noch etwas passieren könnte. Warum sollte er sonst noch den Herrn anrufen, warum sonst sollte er ihn noch an seine Verheißungen erinnern? Der Glaube ist nicht nur ein Schweigen, das alles akzeptiert, ohne zu antworten. Die Hoffnung ist keine Sicherheit, die dich vor dem Zweifel rettet. Viele Male ist die Hoffnung dunkel… und trotzdem bringt sie dich vorwärts. Glaube ist auch ein Kampf mit Gott: Wir zeigen ihm unsere Bitterkeit, ohne fromme Fiktionen. Ich bin wütend auf Gott und habe ihm dies und das gesagt – aber er ist ja Vater, er hat dich verstanden, geh in Frieden! Diesen Mut haben. Das ist die Hoffnung.”

(rv 28.12.2016 sk)

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