MENSCHEN

20923rn

Papst Franziskus

Explizit.net: Dr. Eckhard Bieger SJ

Jorge Bergoglio hat sich den Namen Franziskus als Programm gegeben. Er will für die Armen da sein. Ist er deshalb franziskanisch geworden oder lebt sein Engagement aus den Wurzeln des Jesuitenordens? Als Jesuit wird man das öfters gefragt. Die Jesuiten sehen ihn weiterhin als einen der Ihren an, es ist die gleiche Wellenlänge. Das heißt aber nicht „un-franziskanisch“, denn für den Ordensgründer Ignatius waren Franziskus wie auch Dominikus Vorbilder.

Theologie der Befreiung

Jorge Bergoglio gehört zu der neuen Jesuitengeneration, die in Lateinamerika den vom Konzil ausgelösten Aufbruch mit gestaltet hat. Dieser bestand, gerade für die Jesuiten, in einer Hinwendung zu den Unterschichten. Bis dahin bildeten die Jesuiten an ihren Schulen und Universitäten die Kinder der Oberschicht aus, aus denen sich dann auch die Mitglieder des Ordens rekrutierten. Mit der Theologie der Befreiung, die sich an dem in Ägypten versklavten Nachkommen Jakobs orientierte, war eine für die Befreiung aus der Armutsfalle gemeint. Die argentinische Ausprägung dieser Theologie setzt auf die Volksfrömmigkeit. Das Volk ist Gott zugewandt, es könnte selbstbestimmt und mit genügend Einkommen für die Familien leben, wenn die Reichen sich nicht alle Geld- und Produktionsmittel für sich vorbehielten.

Die Jesuitenreduktionen in Lateinamerika

Diese Hinwendung zu den sozial Marginalisierten der lateinamerikanisch Theologie wurde für den Orden bestimmend, so dass die Generalversammlung 1974  formulierte: „Der Auftrag der Gesellschaft Jesu heute besteht im Dienst am Glauben, zu dem die Förderung der Gerechtigkeit notwendig dazu gehört.“  Das geschah auf Drängen der lateinamerikanischen Delegierten dieser Generalversammlung. Ganz ohne historische Wurzeln ist diese Theologie nicht. Waren im 19. Und 20. Jahrhundert die Schüler der Ordensschulen weitgehend spanischer Herkunft, gab es im 17. Jahrhundert bis zur Bekämpfung des Ordens im 18. Jahrhundert ein groß angelegtes Sozialinitiative für die Indios. Um sie vor dem Zugriff der Eroberer und deren Krankheiten zu schützen, wurden Siedlungen mit Schulen, Kultureinrichtungen gegründet, an deren Verwaltung die Kaziken beteiligt wurden. Diese Reduktionen breiteten sich aus und hätten sich zu einem Vatikanstaat entwickeln können. Die inzwischen antikirchlichen  Regierungen in Portugal und dann in Spanien vernichteten diese große Sozialwerk ab Mitte des 18. Jahrhunderts.

Die Akzentuierung der Armut

Während für Franz v. Assisi die Armut die Lebensform ist, die den Menschen mehr in die Nähe zu Jesus bringt, ist sie für den Jesuiten eher die Hinwendung zu den Armen und die tatkräftige Veränderung ihrer Situation. Wie bereits die Reduktionen beinhaltet auch das Sozialkonzept des Papstes die Überwindung des Kapitalismus in dem Sinne, dass nicht der Gewinn, sondern der Mensch das Ziel der Ökonomie sein muss.

Es geht auch um die Finanzierung der Schulen und Universitäten. Anders als bei Franz v. Assisi hat Ignatius für seine Prälogischen Einrichtungen eine Finanzierung gewählt, die einen dauerhaften Betrieb ermöglichen soll. Franz v. Assisi hinterließ seiner Gründung einen jahrzehntelangen Streit darüber, wie die Einrichtungen des Ordens finanziert werden können. Zwar folgte Ignatius den Idealen der Bettelorden, indem er die Schüler von einem Entgelt für Unterricht und Unterbringung freistellte. Die Schulen wurden durch den Ertrag landwirtschaftliche Güter unterhalten. Die der Seelsorge dienenden Niederlassungen sollten sich wie die der Franziskaner durch Betteln unterhalten.

Die Kunst der Unterscheidung

Das zentrale Erbe des Ignatius sind seine Exerzitien. Papst Franziskus ist in ihnen verwurzelt. Er verehrt aus der Gründergeneration vor allem den Savoyaden Petrus Faber, der als erster Jesuit im von der Reformation aufgewühlten Deutschland wirkte. Mit seiner Ansprache vor der Ordensversammlung am 24. Oktober 2016 sprach der Papst nicht wie von außen, sondern wie ein Mitglied des Ordens und zeigte dabei eine detaillierte Kenntnis der Ordensgeschichte. Die Ansprache wurde von den Jesuiten als authentisch rezipiert und kann als authentische Einführung in die Spiritualität des Ignatius v. Loyola gelesen werden. Die Jesuiten fühlen sich im Geist ihres Gründers angesprochen. Eine Passage sei hier zitiert: „Immer kann man noch einen Schritt weiter vorwärts gehen, indem wir das Gute im guten Geist tun, im Fühlen mit der Kirche, wie Ignatius sagt. Zur Gesellschaft Jesu gehört auch der Dienst, die Art und Weise, wie wir die Dinge angehen, zu unterscheiden. Faber formulierte dies, als er um die Gnade bat, „dass alles Gute, was ich je tun, denken, anordnen … werde, vom guten Geist angeregt werde und nicht vom bösen.“ Diese Gnade zu unterscheiden, dass es nicht genügt, das Gute zu denken, zu tun oder anzuordnen, sondern man es im guten Geist tun muss, verankert uns in der Kirche, in der der Geist tätig ist und seine verschiedenen Charismen für das Gemeinwohl verteilt. Faber sagte, in vielen Dingen hätten diejenigen Recht, die die Kirche reformieren wollten, aber Gott wollte sie nicht auf deren Art und Weise korrigieren.“
Diese Kunst der Unterscheidung, im Blick auf Gott zuerst genauer hinzuschauen und dann abzuwägen, irritiert nicht wenige an dem Schreiben des Papstes zu Ehe und Familie. Das Vorgehen besteht nicht darin, dass allgemeine Richtlinien und Gebote auf den konkreten Fall angewandt werden, sondern wie aus der Situation, in der der einzelne oder einer Gruppe sich befinden, der jeweils nächste Schritt zu einem größeren Guten gegangen werden kann.

Franziskanisch im Umgang

Vergleicht man Franz v. Assisi und Ignatius von Loyola in ihrer Gestik und wie sie mit Menschen kommuniziert haben, dann ist Ignatius schon eher ein Vertreter der Oberschicht, der sein Verhalten kontrolliert und die Jesuiten dazu anhält. Auch soll kein unbedachtes Wort aus dem Mund eines Jesuiten zu hören sein. Hier ist der Papst dann nicht ignatianisch, sondern viel mehr an Franziskus orientiert.

Die Ansprache des Papstes vor der Generalversammlung des Jesuitenordens im Oktober 2016
Über diesen Link ist auch die vollständige Übersetzung der Ansprache zu erreichen.

2 Kommentare zu “MENSCHEN

  1. @Vollswtrecker: Der Frevler Bergolgio ist ein weiterer Vollstrecker des vom Frevler Roncalli eingeleiteten Zerfalles der katholischen Identität.
    Roncalli beging den Ehebruch, Montini sprach die Scheidung aus und Woytila legalisierte das Konkubinat mit der modernen Welt. Das Schuldbekenntnis des Frevlers Woytila sowie die Seligsprechung des Frevlers Roncalli waren für mich Anlass, aus der Konzilssekte auszutreten. Keinen Augenblick habe ich diesen Schritt bereut und ich bin sich, dass man eines Tages Anklage erheben wird gegen Roncalli, Montini und Woytila. Wahrscheinlich werde ich es nicht überlegen. Vielleicht gehen dem Frevler Bergolgio die Augen auf bevor er vor Gottes treten wird.

  2. aus gloria.tv – heute, 19.12.2016 – zu AMORIS LAETITIA
    https://gloria.tv/article/Cr7L3uU7ES6u3VjMqjjzZTUCg
    Michael Matt, Christopher Ferrara und John Vennari: „Mit brennender Sorge: Wir klagen Papst Franziskus an“

    Ein schwerer sittlicher Irrtum wird nun ausdrücklich genehmigt
    Und nun, um die hinterhältige Verwendung einer Mehrdeutigkeit hinter sich zu lassen, haben Sie hinter den Kulissen ausdrücklich zugelassen, was Sie in der Öffentlichkeit zweideutig tolerierten. Ihr „vertraulicher“ Brief an die Bischöfe der Pastoralregion Buenos Aires hat ein Licht auf die Regelung geworfen, in der Sie als Erzbischof bereits Sakrilegien in den Heiligen Messen in den villas (Slums) genehmigten.

    In diesem Brief loben Sie das Dokument der Bischöfe über die „Grundlegende Kriterien der Anwendung von Kapitel Acht von Amoris Laetitia“ – als gäbe es die Pflicht, dieses Dokument anzunehmen und so eine Änderung der 2000jährigen kirchlichen Sakramentendisziplin zu erzeugen. Sie schreiben: „Das Dokument ist sehr gut und erklärt vollständig die Bedeutung von Kapitel VIII von Amoris Laetitia. Es gibt keine andere Interpretation.“ Ist es ein Zufall, dass diese Dokument gerade von der Erzdiözese kommt, in der Sie als Erzbischof schon längst öffentliche Ehebrechern und in eheähnlichen Verhältnissen Lebende zur Heiligen Kommunion zugelassen haben?

    Was vorher nur angedeutet war, ist nun eindeutig geworden, und diejenigen, die darauf bestanden, dass sich durch Amoris Laetitia nichts ändert, haben sich lächerlich gemacht. Das Dokument, das Sie als die einzig korrekte Interpretation von Amoris Laetitia loben, unterminiert radikal die von Ihren Vorgängern verteidigte Lehre und Praxis der Kirche. Erstens reduziert sie den moralischen Imperativ – dass geschiedene und „wiederverheiratete“ Paare „in völliger Enthaltsamkeit, d.h. die Akte, die Ehepaaren vorbehalten sind, meidend, leben sollen.“ – zu einer bloßen Möglichkeit. Nach Ansicht der Bischöfe von Buenos Aires – und mit Ihrer Zustimmung – ist es nur noch „möglich, vorzuschlagen, dass diese Paare die Absicht haben, enthaltsam zu leben. Amoris Laetitia ignoriert nicht die Schwierigkeiten dieser Option.“
    __

    Alles recht und gut. Wir würden die ehrenwerten Herren sehr schätzen, wären sie längst aufgestanden gegen das unselige Konzil und die neue Liturgie (das waren ja die Wurzeln aller Übel); hätten sie ihre Stimme erhoben gegen diese verbrecherischen Verschwörungen gegen die Dogmen! Toleriert wurden jene Zweideutigkeiten des Konzils, der Verstoß gegen den Antimodernisteneid, gegen den Krönungseid, gegen „Quo primum“ und alle anderen Frevel. Alle diese Schuldscheine sind vor Gott noch offen und das kommende Strafgericht wird sie begleichen müssen.

    „Ist es ein Zufall, dass diese Dokument gerade von der Erzdiözese kommt, in der Sie als Erzbischof schon längst öffentliche Ehebrechern und in eheähnlichen Verhältnissen Lebende zur Heiligen Kommunion zugelassen haben?“

    Aber was? Ja so was! Hat dann der HEILIGE GEIST im sog. Konklave doch prompt gefügt, daß ein Befürworter von Ehebrechern und von Sakrilegien den Stuhl Petri besteigt? Nein, keiner der sog. Konzilspäpste war ein wahrer Nachfolger des heiligen Petrus und hat rechtmäßig den Stuhl Petri bestiegen. Vielleicht könnten das die werten Herren aufgrund des kirchlichen Lehramts wenigstens jetzt publik machen?

    Und was sagt zu all dem unser weltkluger und findige Generalobere der Piusbruderschaft über seinen Papst „voll Glauben“:

    „Und das wäre kein geringes Gut; es ist noch nicht der Glaube, aber wenn man beginnt, die Sitten zu verbessern, wäre das ein guter Anfang. Das ließe auf weiteres hoffen. Man wird sehen. … Er ist klug, er überstürzt die Dinge nicht, er hat niemanden abgeschoben, er läßt sich die völlige Freiheit, jedermann wegzuschicken, egal wohin, und sich zu nehmen, wen er will. Das ist nicht schlecht, das ist kein schlechtes Zeichen.

    Auf dem Gebiet der Moral könnte er standhalten. … In seinen Predigten sieht man, daß er den Glauben hat, … man sieht noch nicht die konkrete Anwendung, aber die Predigten sind nicht schlecht, er sagt bisweilen sehr gute Dinge; man sieht, daß er den Glauben hat, wenn er sagt, daß „derjenige, der nicht Unseren Herrn predigt, den Teufel predigt“; ja, das ist nicht übel. Dem können wir nur voll beipflichten.“
    Auf der gleichen Wellenlänge!

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