Der Sanierer auf dem Papstthron

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Papst Franziskus hat Wegmarken gesetzt, hinter die ein Nachfolger nur schwer zurück könnte.

Zum 80. Geburtstag von Franziskus am 17. Dezember ist auch Zeit für eine Bilanz: Der Papst aus Argentinien hat das Gesicht der Kirche verändert – tiefgreifender, als jede Enzyklika es vermöchte.

Vielleicht besser, dass der Papst zum Achtzigsten keinen Sektempfang für die Kardinäle gibt. Einige würden sich womöglich schwertun, für Franziskus einen überzeugenden Toast auf viele weitere Jahre im Amt auszubringen. Seit seiner Wahl im April 2013 hat er einige Unruhe in die Kirche gebracht – und Wegmarken gesetzt, hinter die ein Nachfolger nur schwer zurück könnte.

Da ist etwa das Schreiben „Amoris laetitia“ zu Ehe und Familie, um das in der Kirche eine lebhafte Debatte entstanden ist. Dem Streit, ob wiederverheiratete Geschiedene zu den Sakramenten zugelassen werden können, liegt dabei ein grundsätzliches Problem zugrunde: Ob für seelsorgliches Handeln an der Basis letztlich moralische und rechtliche Normen ausschlaggebend sind oder der Wunsch von Menschen nach Annahme und Versöhnung. Franziskus steht hier für eine mehr situationsbezogene Ethik als für klare Grundsatzentscheidungen.

Dass ein Papst bekennt, strenges Schwarz-Weiß-Denken in Moralfragen mache ihm Angst, klingt vor dem Hintergrund seiner unmittelbaren Vorgänger ungewöhnlich. Franziskus, der Jesuit, macht die „Unterscheidung“ stark – ein Element der inneren Führung in seinem Orden; es geht gleichwohl nicht um die Aufweichung von Regeln, aber um ein Abwägen, eine differenzierte Anwendung. Das stellt einfache Gläubige wie altgediente Kardinäle in eine neue Verantwortung.

Er macht die Menschen von Objekten zu Subjekten

Der vielleicht entscheidende Zug bei Franziskus: Er macht die Menschen, für deren Heilssorge die Kirche antritt, von Objekten zu Subjekten. Deutlich wird dies, wenn er Grundsatzreden zu sozialer Gerechtigkeit vor Kleinbauern- und Landlosen-Initiativen vorlegt – auch auf die Gefahr hin, von den Mächtigen ungehört zu bleiben.

Was er zu dem Thema zu sagen hat, hat Franziskus indes im Wesentlichen in „Laudato si“ (2015) niedergelegt. Die Enzyklika ist eine zweite große Wegmarke seines Pontifikats: Die Verbindung zwischen nachhaltiger Entwicklung und sozialer Gerechtigkeit, die er dort betont, wird künftig in der katholischen Lehre schwer zu entkoppeln sein.

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Dieses Graffiti mit Papst Franziskus als Superman prangte 2014 an einer Hauswand in Rom.

Ein Mehr an Beteiligung propagiert Franziskus auch innerhalb der Kirche. Ein drittes Kennzeichen seiner Amtszeit ist die Synodalität. Statt eine „pyramidenförmige Kirche, wo man das macht, was Petrus sagt“, will der Papst eine gemeinschaftliche Leitung fördern. Auch hier geht es wieder um Hören und Unterscheiden. Die Bischofsversammlung wird mehr als bei den Vorgängern zu einem Führungsinstrument.

Dies berührt wiederum die Kurienreform – ein Projekt, das Franziskus schon im Vorkonklave gefordert hatte und weshalb er wohl auch von einigen gewählt worden ist. Er hat die Finanz- und Medienorganisation des Vatikan gestrafft, Arbeitsbereiche für Menschenrechte, Umwelt und Soziales sowie für Familien und Laien gebündelt. Offen ist, ob dies der Kirchenleitung zu mehr Effizienz verhilft oder ob es ein Kurieren von Symptomen bleibt.

Ein Akzent auf rechtlicher Ebene ist die Novellierung des Eheprozessrechts. Die Einführung von Schnellverfahren, dort wo die Sachlage hinreichend klar ist, dient wieder dem seelsorglichen Anliegen, bürokratische Hürden niedrig zu halten und Menschen eine Teilhabe am kirchlichen Leben zu ermöglichen. Für nachlässige Bischöfe hat Franziskus eine Art Dienstaufsichtsverfahren eingeführt – bei aller Synodalität weiß er auch die Karte als oberster Richter der Kirche auszuspielen.

Mit seinen Kardinalsernennungen hat Franziskus ebenfalls das Gesicht der Kirche verändert. Das Gremium, das den nächsten Papst zu wählen hat, ist in seinen knapp vier Amtsjahren deutlich globaler geworden. Von den 44 papstwahlberechtigten Kardinälen, die er ernannte, sind nur acht Europäer.

Nicht zu ermessen ist indessen, wie Franziskus das Image des Papstamtes selbst verändert hat: War nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. von einer Entmythisierung die Rede, so hat Franziskus diese noch vorangetrieben. Ein Papst, der eine arme Kirche für die Armen predigt und persönlich vorlebt – das wird die Kirche länger und tiefer prägen als jede Enzyklika. Die konservativen Kritiker des Papstes haben das begriffen.

Burkhard Jürgens

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Quelle

2 Kommentare zu “Der Sanierer auf dem Papstthron

  1. @Die konservativen Kritiker des Frevlers Bergoglio haben es begriffen. Hoffentlich unternehmen sie endlich etwas, denn was sich dieser Frevlers alles erlaubt schreit zum Himmel. Allein sein Vorgehen gegen die Franziskaner der Immaculata reicht dazu aus, um sich von ihm abzuwenden. Möge es jene Kräfte innerhalb der Konzilssekte, denen der Sinn für das Katholische nicht völlig abhanden gekommen ist, endlich die Worte des grössten Papstes des letzten Jahrhunderts beherzigen und einsehen, „dass schweigen und allem in falscher Milde seinen Lauf lassen“ nichts anderes als grobe Pflichtvergessenheit ist.

  2. “ Allein sein Vorgehen gegen die Franziskaner der Immaculata reicht dazu aus, um sich von ihm abzuwenden. “

    Wie wahr, wie wahr!!

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