« JESUS CHRISTUS IST DERSELBE (…) IN EWIGKEIT » (Hebr 13, 8)

9786070706776

Die Kirche besteht seit zweitausend Jahren. Wie das Senfkorn im Evangelium wächst sie zu einem großen Baum heran, der mit seinen Zweigen ein Dach für die ganze Menschheit zu bilden vermag (vgl. Mt 13, 31-32). Das II. Vatikanische Konzil formuliert das in der dogmatischen Konstitution über die Kirche bei der Behandlung der Frage der Zugehörigkeit zur Kirche und des Auftrags an das Volk Gottes so: „Zu dieser katholischen Einheit des Gottesvolkes … sind alle Menschen berufen. Auf verschiedene Weise gehören ihr zu oder sind ihr zugeordnet die katholischen Gläubigen, die anderen an Christus Glaubenden und schließlich alle Menschen überhaupt, die durch die Gnade Gottes zum Heile berufen sind“. (35) Paul VI. erläutert seinerseits in der Enzyklika Ecclesiam suam die universale Einbeziehung der Menschen in den Plan Gottes und hebt dabei die verschiedenen Runden des Heilsdialogs hervor. (36)

Im Lichte dieses Ansatzes kann man den Sinn des Gleichnisses vom Senfkorn noch besser verstehen (vgl. Mt 13, 33). Christus dringt als göttlicher Sauerteig immer tiefer in die Gegenwart des Lebens der Menschheit ein und verbreitet dabei das im Ostergeheimnis vollbrachte Heilswerk, das ausschließlich sein Werk ist. Er nimmt überdies auch die gesamte Vergangenheit des Menschengeschlechts, von Adam angefangen, in seine heilbringende Herrschaft hinein. (37) Ihm gehört die Zukunft: „ Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“ (Hebr 13, 8). Die Kirche ihrerseits „bestimmt nur dies eine: unter Führung des Geistes, des Trösters, das Werk Christi selbst weiterzuführen, der in die Welt kam, um der Wahrheit Zeugnis zu geben; zu retten, nicht zu richten; zu dienen, nicht sich bedienen zu lassen“. (38)

Und darum geht seit den Zeiten der Apostel die Mission der Kirche in der gesamten Menschheitsfamilie ohne Unterbrechung weiter. Die erste Evangelisierung war vor allem auf den Mittelmeerraum ausgerichtet. Im ersten Jahrtausend brachten die von Rom und Konstantinopel ausgehenden Missionen das Christentum auf den gesamten europäischen Kontinent. Gleichzeitig wandten sie sich dem Herzen Asiens zu und gelangten bis Indien und China. Das Ende des 15. Jahrhunderts, mit der Entdeckung Amerikas, bezeichnete den Anfang der Evangelisierung im Süden und Norden jenes riesigen Kontinents. Während in Afrika die Küsten im Süden der Sahara das Licht Christi annahmen, gelangte zur selben Zeit der hl. Franz Xaver, Patron der Missionen, bis Japan, und um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert brachte ein Laie, Andreas Kim, das Christentum nach Korea; in jener Zeit erreichte die Verkündigung des Evangeliums die indochinesische Halbinsel sowie Australien und die Pazifik-Inseln.

Das 19. Jahrhundert hatte eine große Missionstätigkeit unter den Völkern Afrikas zu verzeichnen. Alle diese Werke haben Früchte getragen, die bis heute fortdauern. Das II. Vatikanische Konzil trägt dem in dem Dekret über die Missionstätigkeit Ad Gentes Rechnung. Nach dem Konzil wurde die Missionsfrage in der Enzyklika Redemptoris missio unter Bezugnahme auf die Probleme der Missionen in diesem letzten Abschnitt unseres Jahrhunderts behandelt. Die Kirche wird auch in Zukunft weiterhin missionarisch sein: denn der missionarische Charakter gehört zu ihrem Wesen. Mit dem Zusammenbruch großer antichristlicher Systeme auf dem europäischen Kontinent, zunächst des Nationalsozialismus und dann des Kommunismus, erscheint die Aufgabe dringend nötig, den Männern und Frauen Europas erneut die befreiende Botschaft des Evangeliums anzubieten. (39) Außerdem wiederholt sich, wie die Enzyklika Redemptoris missio ausführt, in der Welt die Situation des Areopags von Athen, wo der hl. Paulus gesprochen hat . (40) Heute gibt es viele und sehr verschiedene „Areopage“: es sind die weiten Bereiche der modernen Zivilisation und Kultur, der Politik und der Wirtschaft. Je mehr sich der Westen von seinen christlichen Wurzeln lossagt, um so mehr wird er zum Missionsgebiet in der Gestalt unterschiedlichster „Areopage“.

Die Zukunft der Welt und der Kirche gehört den jungen Generationen, die, noch in diesem Jahrhundert geboren, erst im nächsten, dem ersten Jahrhundert des neuen Jahrtausends, reife Menschen sein werden. Christus nimmt sich der jungen Menschen an, wie er sich des jungen Mannes annahm, der ihm die Frage stellte: „Was muß ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ (Mt 19, 16). Auf die wunderbare Antwort, die Jesus ihm gab, bin ich in der jüngsten Enzyklika Veritatis splendor ebenso eingegangen wie zuvor in dem Schreiben an die Jugend der ganzen Welt von 1985. Die jungen Menschen, und zwar in jeder Situation, in jeder Gegend auf der Erde, hören nicht auf, Fragen an Christus zu richten: Sie begegnen Ihm und suchen Ihn, um Ihn weiter zu fragen. Wenn sie dem Weg zu folgen vermögen, den Er angibt, werden sie zu ihrer Freude ihren Beitrag zu seiner Gegenwart im nächsten und in den darauffolgenden Jahrhunderten, bis zum Ende der Zeiten, leisten können. „Jesus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“.

Als Abschluß passen die Worte der Pastoralkonstitution Gaudium et spes: „Die Kirche glaubt, daß Christus, der für alle starb und auferstand, dem Menschen durch seinen Geist Licht und Kraft schenkt, damit er seiner höchsten Berufung nach kommen kann; es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem sie gerettet werden sollen. Sie glaubt ferner, daß in ihrem Herrn und Meister der Schlüssel, der Mittelpunkt und das Ziel der ganzen Menschheitsgeschichte gegeben ist. Die Kirche bekennt überdies, daß allen Wandlungen vieles Unwandelbare zugrunde liegt, was seinen letzten Grund in Christus hat, der derselbe ist gestern, heute und in Ewigkeit. Im Licht Christi also, des Bildes des unsichtbaren Gottes, des Erstgeborenen vor aller Schöpfung, will das Konzil alle Menschen ansprechen, um das Geheimnis des Menschen zu erhellen und mitzuwirken dabei, daß für die dringlichsten Fragen unserer Zeit eine Lösung gefunden wird“. (41)

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Quelle (Hervorhebungen von mir [POS])

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