„Ratzinger-Preisträger“: Von Regensburger Rede angetan

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von links: Prof. Kourempeles, Galgano und Athanasiou

Er ist einer der beiden diesjährigen „Ratzinger-Preisträger“: der griechisch-orthodoxe Theologe Ioannis Kourempeles wird an diesem Samstag für seine Studien über den Theologen Josef Ratzinger geehrt. Kourempeles doziert in Thessaloniki „Dogmatische und Symbolische Theologie“ an der Theologischen Fakultät der Aristoteles Universität. Mit „Symbolische Theologie“, ist die Theologie der dogmatischen Lehrsätze der Kirche gemeint, also alle ihre Symbole und Quellen des Glaubens.

Unser Kollege Mario Galgano hat den orthodoxen Theologen in Rom getroffen.

Herr Professor Kourempeles, Sie beschäftigen sich schon seit geraumer Zeit mit dem theologischen Denken  von Joseph Ratzinger. Welche Aspekte und Themen finden Sie am interessantesten; welche haben Ihre Arbeit am meisten beeinflusst?

„Auf die Theologie Joseph Ratzingers bin ich schon in meinen Studienjahren in Heidelberg aufmerksam geworden. Nach meiner Rückkehr nach Griechenland (1998) konnte ich mich durch Studium verschiedener Schriften weiter in sein theologisches Denken vertiefen. Erst als ich dann an die Theologische Fakultät der Aristoteles Universität von Thessaloniki zum Professor berufen worden bin (November 2001), konnte ich durch einige von mir gehaltene Seminare, wie z.B. zum Thema „Ekklesiologie und Dialog“, wo z.B. das Lehrschreiben Dominus Iesus (2002) oder andere westliche theologische Strömungen im 20. Jahrhundert behandelt wurden, nochmals mit der Theologie Joseph Ratzingers in Kontakt kommen, was mir eine weitere Vertiefung in sein theologisches Denken ermöglichte. Eine besondere Möglichkeit, mich mit der Theologie Joseph Ratzingers vertieft auseinanderzusetzen, ergab sich, als der wissenschaftliche Assistent an der Theologischen Fakultät der Universität von Bern, Stefanos Athanasiou in seiner Masterarbeit die „Die Christologie Joseph Ratzingers“ behandelt hat. In dieser Zeit war ich besonders intensiv mit den theologischen Werken von Joseph Ratzinger beschäftigt, wobei ich nun die Gelegenheit hatte, seinen christologischen Ausdruck in ein intimes Gespräch mit meinen eigenen historisch-dogmatischen Kenntnissen zu bringen. Besonders angetan war ich damals von seiner sogenannten Regensburger Rede, die ein Hymnus auf den Gott-Logos ist und ein Lied auf die Fähigkeiten unseres menschlichen Logos, wenn wir uns vom Liebenden Gott-Logos öffnen lassen.“

In den vergangenen Jahren haben Sie bekanntlich an der Begegnung des „Neuen Ratzinger Schülerkreises“ teilgenommen: der neuen Generation von Gelehrten und Forschern, die ein gemeinsames Interesse am Werk Joseph Ratzingers haben. Tragen Sie sich mit dem Gedanken an neue Forschungsprojekte – persönlicher Art oder mit anderen Gelehrten gemeinsam –, die vom Denken  Joseph Ratzingers inspiriert sind?

„Ich erinnere mich sehr gerne an die Begegnung mit dem Neuen Schülerkreis, wo ich die Gelegenheit hatte, mit Theologen des Neuen Schülerkreises zusammenzuarbeiten. Unser Treffen im Theologischen Seminar auf der Insel Chalki, aber auch im Ökumenischen Patriarchat mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Bartholomaios im Phanar, war ein Treffen von hochwissenschaftlicher Bedeutung auf allen Ebenen. Es hatte eine große Bedeutung für mich, dass ich zu meinem Vortrag die große Gelegenheit hatte, die positive Reaktion von Seiten des sehr gelehrten Kardinals Kurt Koch zu hören, der als Gegenredner zu meiner Rede reagieren sollte.

Ich genoss wahrhaftig die Diskussionen mit den Theologen und Theologinnen des Neuen Schülerkreises, die alle ein sehr hohes wissenschaftliches Niveau in die theologische Forschung und den theologischen Dialog bringen. Der Neue Schülerkreis besitzt in sich eine Dynamik für die Zukunft, die sehr viel zum theologischen Dialog beitragen kann. Dass im Neuen Schülerkreis auch zwei Orthodoxe Theologen Mitglieder sind, finde ich besonders wichtig, da dies unter anderem auch das Theologische Werk und den dialogischen Sinn Joseph Ratzingers widerspiegelt. Die dogmatisch-theologische Diskussionen, die in Freundschaft, aber auch in gegenseitiger Transparenz und Akzeptanz stattfinden, sollen ein Beispiel des wahren Dialoges sein, der auf der wissenschaftlichen Theologie und der theologischen Wissenschaft, aber auch auf der zwischenmenschlichen Beziehung sich entwickeln soll.

Bei seiner theologischen Reflexion konnte Josef Ratzinger immer aus seiner gründlichen Kenntnis der Kirchenväter schöpfen. Seine Predigten und Katechesen haben dazu beigetragen, den Gläubigen die Kirchenväter näher zu bringen. Glauben Sie, dass das einer der Gründe ist, warum die Orthodoxie ein so großes Interesse an der Theologie Ratzingers hat? Schließlich ist die Wertschätzung der Kirchenväter in den Kirchen des Ostens besonders groß!

„Die Theologie der Kirchenväter ist heute, meines Erachtens nach, die Quelle heutiger Theologie und unseres christlichen Reichtums. Sie stellt im Leben Christi das Leben der Heiligen dar und steht als wahrhaftiges Beispiel des Lebens in der Liebe Gottes, nicht in der Pseudoliebe des relativierenden und gespaltenen Menschen. Hierbei habe ich in Ratzinger/Benedikt XVI. einen Mitstreiter der christlichen Spiritualität gefunden, in Abgrenzung zu einer entspiritualisierenden Theologie der postmodernen und scheinprogressiven Zeit, die die „einzig wahre Revolution“ der Menschwerdung Gottes und ihre soteriologische Bedeutung fürs ganze Menschsein nicht wahrnimmt und so die wahre Ökumenizität und ihre Ontologie vernachlässigt.

Wir, sowohl im Osten als auch im Westen, sollten die „Gelegenheit Ratzinger“ theologisch erkennen. Ich glaube, dass der Theologe Josef Ratzinger den zentralen Nerv der Theologie gefunden hat, nicht um ihn zu verletzen, sondern ihn als bedeutend in der Neuzeit zu hegen. So werden jüngere Generationen, die Liebhaber der Theologie, Ort und Raum für theologische Diskussionen finden, wo sie sich nicht pessimistisch von der Beeinträchtigung der Theologie in der Neuzeit prägen lassen werden.“

(rv 25.11.2016 mg)

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