Papst Franziskus über Barmherzigkeit, Abtreibung, Schmeichler und seine eigenen Versuchungen

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Interview mit dem italienischen Fernsehsender TV2000

Anlässlich des Abschlusses des außerordentlichen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit hat Papst Franziskus dem italienischen Fernsehsender TV2000 ein Interview von 40 Minuten gegeben. Während des Gesprächs mit Senderchef Paolo Ruffini und Nachrichtenchef Lucio Brunelli ging der Papst auf eine Reihe von Themen ein: das Heilige Jahr, die Situation der Gefangenen, die Achtung vor dem Leben. Der Papst sprach auch über persönliche Fragen: seine Versuchungen, seinen Blick auf Schmeichler, seine Mittel gegen Stress sowie den Nutzen eines Sinns für Humor.

Es gibt eine vollständige Abschrift des Interviews, das durch den Fernsehsender der italienischen Bischofskonferenz veröffentlicht wurde. Der Papst sagte über das Jahr der Barmherzigkeit: „Die Tatsache, dass sich das Jubiläum nicht nur in Rom, sondern in jeder Diözese in der Welt ereignete, (…) hat es ein wenig globalisiert … Und das tat so gut, weil es die ganze Kirche war, die dieses Heilige Jahr begangen hat.“

Die Liebe zum Leben, unabhängig von der Situation

Er betrachtet dieses Jahr als„einen Segen des Herrn“ und als „einen großen Schritt“ in der Entwicklung, die bereits von seinen Vorgängern initiiert wurde. Barmherzigkeit sei ein Bedürfnis der Welt, die an der Krankheit der geschlossenen Herzen, am Egoismus leide. Auf die Frage nach den Früchten dieses Jahres antwortete der Papst, dass der Herr mit dem Samen, der gesät sei, gute Dinge wachsen lasse, einfach, jeden Tag, im Leben der Menschen, aber nicht spektakulär.

Der Papst erinnerte auch an seine Gesten der Barmherzigkeit an jeweils einem Freitag pro Monat, und formulierte zwei Gedanken in diesem Zusammenhang. Der Erste entstand bei seiner Begegnung mit ehemaligen Prostituierten: „Ich habe an die gedacht, die diese Frauen bezahlen: Sind es nicht sie mit diesem Geld, die daraus sexuelle Befriedigung erlangen, die den Ausbeutern helfen?“

Eine zweite wichtige Begegnung war sein Besuch auf einer Entbindungsstation, wo eine Frau, die Drillinge entbunden hatte, über den Tod eines der Säuglinge weinte: „Ich habe an die Gepflogenheit gedacht, Kinder vor der Geburt zu entfernen, ein schreckliches Verbrechen: wir bringen sie um, weil es so bequemer ist (…) – es ist eine sehr schwere Sünde. Diese Frau, die drei Kinder hatte, weinte um das, das gestorben ist.“ Der Papst tritt dafür ein, für die Liebe zum Leben zu plädieren, wie auch immer die Situation ist.

Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sind eine Sache

Während des langen Interviews versicherte der Papst, dass der größte Feind Gottes das Geld sei: So komme der Teufel immer in die Taschen. „Das ist seine Haustür.“ Er betonte: „Wir müssen um eine arme Kirche für die Armen kämpfen, gemäß dem Evangelium.“

Er kritisierte auch „moralische Rigidität“ und stellte fest, dass Gerechtigkeit nicht von der Barmherzigkeit zu trennen sei. „Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sind bei Gott eine Sache.“ Die Barmherzigkeit sei gerecht und die Gerechtigkeit barmherzig. Für den Papst ist die Krankheit dieser Zeit die „Kardiosklerose“, das heißt, „die Unfähigkeit, Zärtlichkeit zu fühlen, (…) das harte Herz“ und die Barmherzigkeit sei das Medikament gegen diese Krankheit.

Franziskus prangerte zum wiederholten Mal den „Dritten Weltkrieg auf Raten“ und die Tatsache, dass ein Menschenleben für die Waffenproduzenten nicht den geringsten Wert habe, an. Er appellierte zudem an die Wiedereingliederung von ehemaligen Strafgefangenen. Das Gefängnis müsse gleichsam wie ein Fegefeuer die Wiedereingliederung vorbereiten.

Der Papst ging auch auf persönliche Fragen ein, einschließlich seiner Versuchungen: Die Versuchungen des Papstes seien die Versuchungen einer Person. Der Teufel versuche die Schwächen der Persönlichkeit als Einfallstor zu verwenden, die da wären „Ungeduld, Egoismus, Faulheit … Versuchungen, die uns bis zum letzten Moment begleiten“.

„Der Sinn für Humor ist eine Gnade, um die ich jeden Tag bitte“, sagt der Bischof von Rom. Die Fähigkeit, über einen Witz zu lachen, sei die Fähigkeit, vor Gott ein Kind zu sein, den Herrn mit einem Lächeln und einem guten Witz zu loben.

Franziskus räumte ein, dass er „auf Schmeichler allergisch“ reagiere: „Kritiker sprechen schlecht von mir, und ich verdiene es, weil ich ein Sünder bin (…). Ich verdiene es dafür, was [der Kritiker] nicht kennt“. Aber für einen Zweck einer Person zu schmeicheln, versteckt oder sichtbar, um etwas für sich selbst zu bekommen, sei unwürdig.

Der Papst sprach auch über das Geheimnis, nicht gestresst zu werden. Er bete, so lautete seine Antwort. Es helfe, beim Herrn zu bleiben. „Ich zelebriere die Messe, bete das Brevier, spreche mit dem Herrn, ich bete den Rosenkranz …. Dann schlafe ich gut: Es ist eine Gnade Gottes, dass ich wie ein Klotz schlafe.“ Und zum Thema Gesundheit: „Ich tue, was ich kann und nicht mehr: Ich mäßige mich ein wenig“„, sagte Franziskus, der am 17. Dezember seinen 80. Geburtstag feiert.

Das vollständige Interview ist hier (auf Italienisch) abrufbar.

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