Generalaudienz: Gottes Liebe hat keinen Rückwärtsgang

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Generalaudienz mit Papst Franziskus

„Das Heilige Jahr ist zu Ende, kehren wir zurück zur Normalität“: So begrüßte der Papst an diesem Mittwoch die Teilnehmer an seiner Generalaudienz, drei Tage nachdem er die Heilige Pforte des Petersdoms feierlich geschlossen hatte. „Nicht verschlossen“ habe sich allerdings „das barmherzige Herz Gottes für uns Sünder“, bemerkte Franziskus: „Und genauso mögen sich auch unsere Herzen niemals schließen und mögen auch wir nicht aufhören, Werke der Barmherzigkeit zu tun!“

Um solche Werke der Barmherzigkeit drehte sich ansonsten alles, was der Papst den Pilgern sagte. Über zwei Werke speziell sprach Franziskus: Zweifelnden recht raten und Unwissende lehren – beide seien eng miteinander verbunden. „Denken wir doch zum Beispiel daran, wieviele Kinder heutzutage noch Analphabeten sind – das ist nicht zu begreifen, dass es in einer so fortgeschrittenen Welt immer noch Kinder gibt, die nicht lesen und schreiben können! Das lässt sich nicht begreifen, es ist eine Ungerechtigkeit!“

Seit jeher habe sich die Kirche im Bereich der Bildung engagiert. Ihr Auftrag, das Evangelium zu verkünden, schließe nämlich mit ein, den Armen und Benachteiligten ihre Würde zurückzugeben, und dazu gehörten gerade auch Schule und Erziehung. „Wieviele Christen, ob Laien, Ordensleute oder Priester, haben doch ihr ganzes Leben dem Unterrichten, dem Erziehen von Kindern und jungen Leuten verschrieben! Das ist großartig! Ich lade Sie ein, Ihnen einmal zu applaudieren!“ Franziskus selbst war früher selbst einmal Lehrer an Jesuitenschulen in Argentinien.

Viele Heilige zu allen Zeiten, etwa Don Bosco, seien „Pioniere der Bildung“ gewesen und hätten so die Gesellschaft selbst verändert. Die Bildung sei, so formulierte der Papst, „eine besondere Form der Evangelisierung“.

Zweites Werk der Barmherzigkeit, das an diesem Mittwoch im Fokus stand: Zweifelnden recht raten. Das bedeute, „Schmerz und Leid zu lindern, die von der Angst und Furcht als Folge des Zweifels kommen, und den Mitmenschen in seiner Schwäche und Unsicherheit zu unterstützen“. Franziskus kam hier auch auf Zweifel am Glauben zu sprechen: Das lasse sich „positiv als Zeichen annehmen, dass wir Gott und seine Geheimnisse besser kennen lernen wollen“.

„Jemand könnte mich fragen: Padre, aber ich habe soviele Zweifel am Glauben, was soll ich tun? Zweifeln Sie denn niemals? – Na ja… Ich habe auch viele solcher Zweifel, viele… In bestimmten Momenten beschleichen doch jeden Zweifel! Zweifel, die an den Glauben rühren… Ich suche, studiere, frage um Rat… Solche Zweifel lassen einen wachsen. Es ist etwas Gutes, wenn wir uns Fragen zu unserem Glauben stellen, denn dadurch werden wir gedrängt, ihn zu vertiefen. Allerdings muss man die Zweifel dann auch überwinden. Dazu ist es nötig, auf das Wort Gottes zu hören und zu begreifen, was er uns lehrt.“

Dabei solle der Zweifelnde aber nicht stehenbleiben; Franziskus riet zum Sprung ins Praktische. „Machen wir den Glauben nicht zu einer abstrakten Theorie, bei der sich die Zweifel vervielfältigen – machen wir aus dem Glauben lieber unser Leben! Versuchen wir ihn zu praktizieren, indem wir unseren Geschwistern helfen, vor allem den Bedürftigen. Dann werden sich viele Zweifel verflüchtigen, weil wir in der Liebe, die wir mit anderen teilen, die Präsenz Gottes spüren und die Wahrheit des Evangeliums.“

Da sehe man doch, dass auch diese zwei Werke der Barmherzigkeit „nicht weit weg sind von unserem Leben“, fuhr der Papst fort. Jeder könne sie tun. „Die tiefste Lehre, die wir anderen also weitergeben können, ist die Liebe Gottes – eine große, unentgeltliche Liebe. Aber Gott legt bei seiner Liebe nie den Rückwärtsgang ein, nie!“

(rv 23.11.2016 sk)

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