Österreich: Wissenschaft, ein Gespräch mit Gott

afp5788238_articolo

Kardinal Christoph Schönborn

Auf einmal war es wieder wie zu Zeiten von Benedikt XVI. Vielleicht, weil es um das Thema Glaube und Vernunft ging, eines der zentralen Themen des mittlerweile emeritierten Papstes. Die Wissenschaft sei „immer ein Gespräch mit dem Schöpfer“, formulierte an diesem Wochenende der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, ein Ratzinger-Schüler.

Auch wenn der Forscher nicht daran denke oder nicht bewusst religiös sei, finde bei seiner Tätigkeit immer ein Dialog statt zwischen der geheimnisvollen und erforschbaren Welt, „die hinter sich einen Schöpfer hat, der den Menschen anspricht“, und dem menschlichen Forschergeist, der zu verstehen versuche. Das sagte der Wiener Erzbischof bei der Verleihung der Kardinal-Innitzer-Preise in Wien. Dieser ständige Dialog sei das Faszinierendste an der Wissenschaft.

Wissenschaft und Glaube „gehören unbedingt zusammen“ und würden völlig zu Unrecht als Gegensatz gesehen, betonte Schönborn. Weder treffe die Annahme mancher Wissenschaftler zu, „dass Glauben nichts wissen heißt“, noch die Angst mancher Gläubigen, „dass die Wissenschaft vielleicht den Glauben infrage stellen könnte“.

Die Wissenschaft müsse sich „genügend tiefe Fragen“ stellen, betonte der Kardinal. Dazu gehörten die Fragen danach, warum man überhaupt forschen könne, woher die dafür nötige Vernunft des Menschen komme und warum die Natur Antworten auf Fragen des Menschen geben könne. Schönborns Antwort: „Weil sie erforschbar und vernünftig ist.“ Grund dafür könne nur jener sein, dass Gott die Welt in und mit Vernunft geschaffen habe. Dass am Anfang reiner Zufall, Beliebigkeit und Unsinn stehe, sei somit auszuschließen. „Die Bibel sagt uns: Am Anfang war der Logos, das Wort, die Vernunft“, verdeutlichte der Erzbischof.

Schönborn verlieh am Samstag den Kardinal-Innitzer-Preis 2016 an den Immunologen Christoph H. Huber (72). Mit dem in Wien geborenen Spezialist für Tumorabwehr, Onkologie und Stammzelltransplantation werde ein heimischer Top-Wissenschaftler, der Bahnbrechendes für die Medizin weit über sein Forschungsgebiet hinaus geleistet habe, für sein Lebenswerk geehrt, sagte sein Laudator, Verfassungsrichter Christoph Grabenwarter. Huber ist emeritierter Ordinarius für Innere Medizin und Leiter der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz.

Angesehener Preis

Der nach dem Wiener Erzbischof Kardinal Theodor Innitzer (1875-1955) benannte Wissenschaftspreis ist eine der angesehensten Auszeichnungen dieser Art in Österreich. Er wird seit 1962 von der Erzdiözese Wien verliehen und vom Wissenschaftsministerium, mehreren Bundesländern sowie von Banken, Versicherungen und der Wirtschaftskammer unterstützt. Neben dem Großen Preis für ein Lebenswerk werden auch Würdigungspreise in den Kategorien Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft und Publizistik vergeben sowie acht Förderpreise für junge österreichische Wissenschaftler ausgelobt.

(kap 14.11.2016 sk)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s