Irak: Patriarch Sako besucht befreite Dörfer

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In den befreiten Dörfern: Patriarch Sako

Man kann es sich kaum vorstellen, was für einen Eindruck es machen muss, wenn man in einst blühende Dörfer kommt, die nach zwei Jahren Besetzung durch die Milizen des selbst ernannten Islamischen Staates nun geschändet und zerstört sind. „Trauer und Leid“, aber auch „große Hoffnung“: Das sind die Worte, mit denen der chaldäische Patriarch Louis Sako seine Gefühle beschreibt, nachdem er einst christliche Dörfer der Ninive-Ebene besucht hat, die erst vor kurzem durch die alliierten Truppen auf ihrem Vormarsch auf die IS-Hochburg Mossul befreit worden sind.

Sechs Dörfer, unter ihnen das einst 40.000 Bewohner zählende Karakosh, habe er besucht, erklärt der Patriarch im Interview mit Radio Vatikan: „Die Zerstörung ist sehr groß, ich denke, etwa dreißig Prozent sind zerstört. Auch die Kirchen sind verbrannt oder entweiht worden: Da sind Sprüche gegen Christen und so weiter. Aber die Kirchen stehen noch, und das ist wichtig. Auch die Straßen sind zerstört: Wir haben zwölf Stunden gebraucht, um hin und zurück zu kommen.“

Die Christen, die größtenteils in die irakische Kurdenmetropole Erbil geflohen sind und im Exil die Nachricht von der Befreiung ihrer Dörfer erhalten hatten, können eine Rückkehr in ihre Heimat kaum erwarten. Doch nun gehe die Arbeit erst los, sagt der Patriarch: „Das Problem ist, dass die Minen entfernt werden und die Ruinen freigelegt werden müssen, damit die Menschen dort hinkönnen und nachsehen, in welchem Zustand ihre Häuser sind, was geblieben ist, um eine Rückkehr zu planen. Doch jetzt ist das sehr schwierig, und auch gefährlich. Auch wir konnten uns nicht entfernen, denn die Minen sind so gut wie überall. Die Milizen haben auch Kilometer lange Tunnel gegraben, all das muss erst beseitigt werden.“ Er sei fassungslos, so der Patriarch, angesichts des logistischen und finanziellen Aufwandes, der hinter diesen ausgetüftelten Tunnelsystemen stecke.

Doch besondere Sorge mache ihm nun die Situation der Bewohner in der belagerten Stadt Mossul. „ Wir haben große Angst um Mossul. Es kann ein Massaker geben…“ Eine Begleiterscheinung des Sturms auf die IS-Hochburg: Tausende aus der Stadt geflohene Zivilisten könnten auf der Suche nach Obdach auch die Häuser in den christlichen Dörfern besetzen. „Und das stellt ein großes Problem dar. Wie soll man sie nachher wieder dazu bringen, die Häuser zu verlassen? Wir arbeiten daran, dass sie gleich in für sie bereitstehende Flüchtlingscamps ziehen können.“

Auf der Fahrt durch die zerstörten und nach wie vor gefährlichen Gebiete sei der Konvoi des Patriarchen auf kurdische, sunnitische und schiitische Befehlshaber der alliierten Streitkräfte getroffen, die den Besuch der Delegation begrüßt hätten. Sie selbst hätten dafür gesorgt, dass die Kreuze und Glocken der verwüsteten Kirchen schnellstmöglich wieder an ihren angestammten Platz kommen konnten, zeigt sich der Patriarch beeindruckt. Doch wichtig sei es nun, weitere konkrete Taten folgen zu lassen, damit das Jahr 2017, wie von den Kirchenführern im Irak erhofft, tatsächlich ein Jahr des Friedens und der Versöhnung für das Land werden könne.

(rv 29.10.2016 cs)

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