„In Schweden wächst die katholische Gemeinschaft jedes Jahr“

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Bischof Anders Arborelius / WIkimedia Commons – Frankie Fouganthin, CC BY-SA 4.0 (Cropped)

ZENIT-Interview mit Bischof Anders Arborelius von Stockholm

In früheren Zeiten führte in Schweden das Bekenntnis, zur katholischen Kirche zu gehören, zum Verlust der Bürgerrechte. Inzwischen schreitet dort die gesellschaftliche Säkularisierung erheblich voran; zugleich nimmt die Zahl der Katholiken deutlich zu. Einer der Schweden, die zum Katholizismus übergetreten sind, ist Anders Arborelius, der jetzige katholische Bischof von Stockholm, und auf diesem Stuhl der Erste schwedischer Abstammung seit der Reformation. Federico Cenci sprach mit ihm über den bevorstehenden Besuch Papst Franziskus‘.

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Exzellenz, gibt es große Erwartungen in Schweden an den Besuch Papst Franziskus‘?

Bischof Arborelius: Viele Menschen, seien sie katholisch oder nicht, freuen sich auf den Besuch. Natürlich ist er etwas sehr Wichtiges für die Katholiken, die hier leben, von denen viele aus verschiedenen Teilen der Welt kommen. Der Papst ist das Symbol für unsere Einheit im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. Aber viele weitere Menschen, die nicht katholisch sind, schauen auf ihn als moralische und geistliche Autorität, die für den Frieden und die Solidarität auf Weltebene wirkt.

In der Vergangenheit wurden Katholiken in Schweden diskriminiert. Ist diese Feindseligkeit endgültig vorüber?

Bischof Arborelius: Während der Jahrhunderte der Verfolgung war die Situation für Katholiken sehr schwierig. Heutzutage haben wir gleiche Rechte. Es gibt sehr heute viel weniger Feindseligkeit, aber man muss feststellen, dass es immer noch einige anti-katholische Vorurteile unter bestimmten Leuten gibt.

Wie ist die Situation der katholischen Kirche in Schweden heute? Wächst sie?

Bischof Arborelius: Aufgrund der Migration wächst die katholische Kirche um einige Tausend Mitglieder jedes Jahr. Schweden hat viele Flüchtlinge aufgenommen und viele, die aus Eritrea und Syrien kommen, sind katholisch. Es gibt auch eine dauernde Einwanderung aus Polen und so weiter. Es gibt immer noch Katholiken, die nicht als solche registriert sind, so dass es unmöglich ist, die genau Anzahl der Gläubigen zu kennen. Rund 115.000 sind in unseren Pfarreien registriert.

In Ihrer Gemeinschaft gibt es auch viele Konvertiten. Was denken sie, sind die Gründe, die viele Schweden dazu bewegen, von der Kirche von Schweden zum Katholizismus überzutreten?

Bischof Arborelius: Es gibt jedes Jahr ein paar Konvertiten von der Kirche von Schweden, einige von ihnen stehen im kirchlichen Dienst, Männer wie Frauen. In jüngster Zeit aber, kommt eine beachtliche Zahl von Konvertiten von den Freikirchen. Die Konvertiten haben unterschiedliche Gründe für ihren Übertritt. Einige werden durch die katholische Spiritualität angezogen, durch die Treue zur ursprünglichen Tradition, durch die Soziallehre, durch den universalen Charakter der Kirche. Es gibt nur rund einhundert Übertritte jedes Jahr.

Was ist das „kyrkoavgift“? Ist das eine Steuer für schwedische Katholiken?

Bischof Arborelius: Bis zum Jahr 2000 zahlten Katholiken die sogenannte Abweichlersteuer an die Kirche von Schweden, wie alle, die dort nicht Mitglied waren. Im Jahr 2000 wurde alle religiösen Einheiten in Schweden gleiche Rechte und Möglichkeiten gewährt. Das schloss die Möglichkeit für Mitglieder der katholischen Kirche mit ein, die Gebühr, die kyrkoavgift genannt wird, an ihre eigene Kirche zu zahlen, ein Prozent ihres Einkommens durch das offizielle Steuersystem. Katholiken können davon freigestellt werden, wenn sie einen Antrag an den Bischof ohne Angabe von Gründen senden. Das war für Bedürftige gedacht, aber manchmal haben wir das Gefühl, dass die Wohlhabenden noch eiliger um eine Dispens ersuchen als die Menschen in Not.

In seinem Dokumentarfilm „Eine schwedische Theorie über Liebe“ hat der italienisch-schwedische Filmemacher Erik Gandini die schwedische Gesellschaft als sehr individualistisch beschrieben. Kennen Sie diesen Film? Trägt die Säkularisierung dazu bei, dass Schweden so wird?

Bischof Arborelius: Ich habe über diesen Film gelesen und er wurde in den Medien diskutiert. Es stimmt, dass der Individualismus in Schweden deutlich zutage tritt. Gleichzeitig gibt es ein tiefes Verlangen nach Gemeinschaft und tiefen menschlichen Beziehungen. Unglücklicherweise haben viele Menschen nicht die psychische Stabilität für lebenslange und treue Beziehungen. Viele Ehen zerbrechen, viele alte Menschen fühlen sich verlassen und einsam. Auf der anderen Seite gibt es auch ein starkes Verlangen nach Gerechtigkeit und Solidarität mit denen in Not, in der Heimat sowie auf weltweiter Ebene.

Ursprünglich war nicht geplant, dass der Papst während seines Aufenthaltes eine Heilige Messe feiert. Nun wissen wir, dass er dies tun wird. Gibt es viel Vorfreude auf dieses liturgische Ereignis?

Bischof Arborelius: Es trifft zu, dass der Hauptgrund des Besuchs des Heiligen Vaters die Teilnahme an den Gedenkfeiern der Reformation war. Aber schon bald teilte uns der Papst mit, dass er eine Messe mit den Gläubigen feiern möchte. Diese Tatsache wurde natürlich mit Dankbarkeit und Freude aufgenommen. Als kleine Minderheit in einem post-protestantischen und säkularisierten Land sehen wir die Papstmesse als prophetisches Zeichen und ein Symbol der Einheit aller Gläubigen, die ihre Wurzeln in verschiedenen Teilen der Welt haben.

(Übersetzung aus dem Englischen: Michaela Koller)

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