Kardinal Walter Kasper „Amoris laetitia“: Bruch oder Aufbruch? Eine Nachlese

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Immer wieder Objekt des Studiums und der Kommentare: Das Papstschreiben Amoris Laetitia – AP

Kaum ein anderes päpstliches Schreiben ist so sehr erwartet worden wie das nachsynodale Apostolische Schreiben „Amoris laetitia“, das Papst Franziskus als Ergebnis der Außerordentlichen Bischofssynode 2014 und der Ordentlichen Bischofssynode 2015 zum Thema Familie unter dem Datum vom 19. März 2016 veröffentlicht hat. Nach den teilweise kontroversen Debatten während des synodalen Prozesses waren die Erwartungen an die definitive Antwort des Papstes hoch.

Streit um die Deutungshoheit

Wie zu erwarten, setzten sich die Auseinandersetzungen, die während der Synode ausgetragen wurden, nachsynodal in einem Streit um die Deutungshoheit über das vom Papst vorgelegte Ergebnis der Synode fort. Kardinal Raymond Leo Burke bestritt rundweg den lehramtlich verbindlichen Charakter von „Amoris laetitia“ und wertete es als Ausdruck der persönlichen Meinung des Papstes. Diese Position widerspricht sowohl formal dem Charakter eines Apostolischen Schreibens wie seinem Inhalt nach.

Die meisten Stellungnahmen gehen nicht auf seinen Gesamtinhalt ein, sondern beißen sich am achten Kapitel über die irregulären Situationen fest und reduzieren dieses Thema nochmals auf die Frage der Zulassung zur Kommunion für die wiederverheiratet Geschiedenen. Das wird dem reichen biblischen und pastoralen Gehalt des Schreibens in keiner Weise gerecht1. Denn: „Wichtiger als die Seelsorge für die Gescheiterten“ – so der Papst – „ist heute das pastorale Bemühen, die Ehen zu festigen und so den Brüchen zuvorzukommen.“ (AL 307)

Bei den Stellungnahmen zu Kapitel 8 gibt es nicht nur mehr „konservative“ und mehr „progressive“ Interpretationen. Sowohl die „konservative“ wie die „progressive“ Seite sind gespalten. Auf der erstgenannten Seite gibt es solche, welche „Amoris laetitia“ als Bruch mit der lehramtlichen Tradition sehen (Robert Spaemann); andere, welche sagen, durch dieses Schreiben habe sich an der lehramtlichen Position nichts geändert (Kardinal Gerhard Müller); und schließlich eine Interpretation, welche eine lehramtliche Weiterentwicklung feststellt, aber sagt, sie liege auf der von Papst Johannes Paul II. vorgezeichneten Linie (Rocco Buttiglione). Auf der anderen Seite erkennen viele eine vorsichtige Weiterentwicklung, die sie jedoch mehr oder weniger in zwei Anmerkungen versteckt sehen; sie bedauern darum, dass keine konkreten Weisungen gegeben werden. Andere sehen die Tür offen für eine neue pastorale Praxis, welche es den zivil wiederverheiratet Geschiedenen überlässt, in ihrem Gewissen selber zu entscheiden, ob sie an der Kommunion teilnehmen können (Norbert Lüdecke).

Als maßgebend kann die Interpretation von Kardinal Christoph Schönborn OP gelten, die er bei der offiziellen Vorstellung des Schreibens am 8. April 2016 im Auftrag von Papst Franziskus vorlegte2 und die von diesem ausdrücklich gutgeheißen wurde3. Seine Interpretation stimmt grundsätzlich mit der Position von Rocco Buttiglione überein, der als vorzüglicher Kenner der Theologie von Johannes Paul II. gilt; sein Beitrag wurde in voller Länge im „L’Osservatore Romano“ veröffentlicht4. Beide werden unterstützt von der sorgfältigen Analyse des Schreibens durch Antonio Spadaro SJ, einem engen Mitarbeiter des Papstes, in der offiziösen Zeitschrift „La Civiltà Cattolica“5. Diesen gemäßigt konservativen (oder auch gemäßigt progressiven) Positionen kann ich mich grundsätzlich anschließen.

Der Papst hat sich präzise an die Vorgaben in den abschließenden, mit Zwei-Drittel-Mehrheit abgestimmten Voten der Synode gehalten, und er hat den Glaubenssinn der großen Mehrheit der Gläubigen auf seiner Seite. Durch die offiziösen Interpretationen ist für die, welche hören und nicht nur Recht behalten wollen, für die notwendige Klarheit gesorgt. Die angebliche Verwirrung kommt von dritter Seite, die sich vom Glaubenssinn und vom Leben des Volkes Gottes entfremdet hat.

Ein neuer realistischer, biblischer und pastoraler Ton

„Amoris laetitia“ ist geprägt von einem neuen, frischen, geradezu befreienden Ton, wie man ihn aus Lehrschreiben kaum kennt6. Es spricht nicht von einem am Schreibtisch ausgedachten abstrakten Familienbild, sondern realistisch von den Freuden wie Schwierigkeiten im Leben der Familien heute. Es will nicht kritisieren und moralisieren, auch nicht indoktrinieren, sondern spricht Sexualität und Erotik offen und unverkrampft an, drückt Verständnis und Wertschätzung für das Gute aus, das sich auch in Situationen finden kann, die der kirchlichen Lehre und Ordnung nicht oder nicht voll entsprechen. Es will auf der Grundlage der Heiligen Schrift Mut machen und einen Weg nach vorne, zum Glück und zur Freude der Liebe, weisen. Charakteristisch für die biblische Orientierung ist das vierte Kapitel, dem Papst zufolge das Herz des ganzen Schreibens, mit der eindrücklichen Auslegung des Hohelieds der Liebe (1 Kor 13).

Aus dieser Grundlegung folgt eine pastorale Konzeption, für die nicht der erhobene Zeigefinger, sondern die ausgestreckte helfende Hand charakteristisch ist. Hinhören, wertschätzen, begleiten, integrieren, ist für diese Pastoral maßgebend. Dazu gibt „Amoris laetitia“ viele hilfreiche Anregungen, die von einer reichen pastoralen Erfahrung und Weisheit wie von tiefer, biblisch geprägter Spiritualität zeugen. Besonders die Ausführungen über die pastorale Vorbereitung und Begleitung der Ehe verdienen Beachtung. In dieser Hinsicht ist Deutschland, verglichen mit Erfahrungen, die man in den USA wie in einzelnen römischen Gemeinden machen kann, weitgehend noch ein Entwicklungsland!

Hinter dem pastoralen Ton steckt eine theologisch durchdachte Position. Das zeigen die vielen Verweise auf Thomas von Aquin, in denen Papst Franziskus die thomistische Lehre von denpassiones, den Leidenschaften, aufgreift7. In einer ganzheitlichen Sicht wertet er die Leidenschaften als vom Schöpfer dem Menschen gegebenen Kräfte. Sexualität und Erotik sind positive Gaben, welche den Menschen aus sich herausführen, ihn für die Partnerschaft sowie zum Dienst am Fortleben der Familie, des Volkes und des Menschengeschlechts öffnen. Cum grano salis kann man sagen: „Amoris laetitia“ nimmt Abstand von einer vorwiegend negativen, augustinischen Sicht der Sexualität und wendet sich der schöpfungsbejahenden thomistischen Sicht zu.

Zur ganzheitlichen Sicht kommt eine dynamische Sicht des Mensch- und Christseins: Für Papst Franziskus ist das biblische Weg-Motiv maßgebend. Christsein bedeutet, sich mit Jesus auf den Weg zu machen. Dabei gilt das Gesetz der Schritte (lex gradualitatis), was keine nur schrittweise Gültigkeit des Gesetzes (gradualitas legis) bedeutet8. Das Gesetz gilt immer. Es ist kein fernes Ideal; es orientiert jeden einzelnen Schritt auf das Ziel hin. Nach aristotelisch-scholastischer Lehre ist es die Zielursache (causa finalis), die alle anderen Ursachen ins Werk setzt, sie leitet und bestimmt. Meist können Menschen – und wir alle sind solche Menschen – nicht das Optimum, sondern nur das in ihrer Situation Bestmögliche tun; oftmals müssen wir das kleinere Übel wählen. Im gelebten Leben gibt es nicht nur schwarz oder weiß, sondern sehr unterschiedliche Nuancen und Schattierungen.

An dieser Stelle erheben sich grundsätzliche Fragen und Einwände. Hart auf den Punkt gebracht: Gibt es nur das relativ Gute, das auch in jeder Unvollkommenheit steckt, oder gibt es nicht auch ein auf jeden Fall auszuschließendes sündhaftes Verhalten und Tun? Gibt es nicht auch die Sünden, welche vom Reich Gottes ausschließen, zu denen der Ehebruch gehört (vgl. 1 Kor 6,9 f.)9? Das sind ernstzunehmende Fragen.

Rückbesinnung auf Thomas von Aquin

Man wird „Amoris laetitia“ nur verstehen, wenn man den Paradigmenwechsel nachvollzieht, den dieses Schreiben unternimmt. Ein Paradigmenwechsel ändert nicht die bisherige Lehre; er rückt sie jedoch in einen größeren Zusammenhang. So ändert „Amoris laetitia“ kein Jota an der Lehre der Kirche und ändert doch alles. Der Paradigmenwechsel besteht darin, dass „Amoris laetitia“ den Schritt tut von einer Gesetzes- hin zur Tugendmoral des Thomas von Aquin. Damit steht das Schreiben in bester Tradition. Das Neue ist in Wirklichkeit das bewährte Alte.

Nach Thomas liegt Tugend in der Mitte zwischen den Extremen, auch zwischen den Extremen des Rigorismus und Laxismus10. Diese Überlegung war bereits in meinem Vortrag vor dem Konsistorium leitend. Als dann die Kontroverse heftiger wurde, habe ich zwischen den beiden Synoden versucht, auf der Grundlage des Thomas von Aquin, der als doctor communis gilt, über eine Basis für einen möglichen breiten Konsens nachzudenken. Ich suchte das Gespräch mit Thomas-Fachleuten11 und war überrascht, als ich gesprächsweise den Konsens mit Kardinal Christoph Schönborn entdeckte, der seinerseits mit Kardinal Georges Cottier (langjähriger Theologe des Päpstlichen Hauses) im Gespräch war. Beide sind Dominikaner und hervorragende Thomas-Kenner12. Im deutschsprachigen Synodenkreis fand dieser Ansatz allgemeine Zustimmung und ist dann in das achte Kapitel von „Amoris laetitia“ eingegangen.

Thomas unterscheidet zwischen der spekulativen und der praktischen Vernunft. Die spekulative Vernunft leitet aus den Prinzipien logisch stringent Folgerungen ab. Im praktischen Bereich ist das nicht möglich. Denn im praktischen Bereich sind die objektiven Normen immer unvollständig, da sie nie alle konkreten Umstände berücksichtigen können. Die Anwendung geschieht darum nicht durch zwingende logische Deduktion, sondern vermittelst der Tugend der Klugheit. Sie ist die recta ratio agibilium, die Maßgabe der Vernunft für das Handeln13. Als solche ist die Klugheit Wurzel, Maß, Richtschnur und Mutter aller Tugenden14. Sie wendet das durch die Vernunft erkannte Ziel des Menschen, das Gute, in den konkreten Situationen an15.

Josef Pieper, den wohl niemand des Relativismus bezichtigen wird, nennt die Klugheit das Situationsgewissen16. Das hat mit Situationsethik nichts zu tun17. Denn die Klugheit begründet die Norm nicht aus der Situation; die Klugheit schafft keine Norm, sie setzt sie voraus und bringt sie in der konkreten Situation zur Anwendung. Die Klugheit will sagen, was die Norm im Hier und Heute bedeutet. Sie tut das mit Verantwortung im Blick auf die Norm wie im realistischen Blick auf die Wirklichkeit.

Letztlich ist die Klugheit von der Liebe geleitet. Gleich zu Beginn des Traktats über die Klugheit handelt Thomas über das Verhältnis von Klugheit und Liebe18. Er legt dar, dass die Ausrichtung der Vernunft auf das Gute ein Akt der Liebe zum Guten ist. So ist es letztlich die Liebe, welche die Klugheit innerlich bewegt und inspiriert. Sie ist Wurzel und prägende Form aller Tugenden19.

Die Liebe ist Freundschaft mit Gott20 und Freundschaft mit dem Nächsten21. Die Liebe steht darum den menschlichen Situationen nicht kalt berechnend gegenüber; sie wendet sich ihnen mit Empathie und Sympathie zu; sie lässt sich von der Situation betreffen, um das Gute in bestmöglicher Weise zu verwirklichen. Die Barmherzigkeit, die Thomas im Traktat über die Liebe behandelt22, ist die Grundtugend des Christen und, soweit es die äußeren Werke betrifft, die Summe der christlichen Religion23. Sie ist kein Weichspüler, sondern Augenöffner für das, was in einer Situation wirklich gerecht ist und dem Guten entspricht.

All das wird im achten Kapitel von „Amoris laetitia“ breit ausgeführt und mit vielen Thomaszitaten belegt. Als Fazit ergibt sich: Die Norm lässt sich nicht gleichsam mechanisch auf jede Situation anwenden. Für ihre angemessene Anwendung bedarf es des Augenmaßes der Klugheit und der Augen der Liebe und der Barmherzigkeit.

Ein Bruch mit der Tradition?

Die von der Liebe und Barmherzigkeit inspirierte Klugheit hebt das Evangelium nicht auf, aber sie inspiriert dessen konkrete Anwendung. Sie hebt die Worte des Evangeliums über den Ehebruch (Mt 5,31 f.; 19, 3-12 parr.) nicht auf, sondern wendet sie an. Darum ist auch die Aussage von Johannes Paul II. unumstößlich gültig, wonach eine zivile Ehe bei Fortbestand einer ersten gültigen sakramentalen Ehe in objektivem Widerspruch steht zum unauflöslichen sakramentalen Band der ersten Ehe (vgl. FC 84). Das ist unverrückbare katholische Tradition, die in „Amoris laetitia“ nicht bestritten, sondern bekräftigt wird (AL 73, 77, 123, 214, 297, 319 u. a.).

Dieser Grundsatz ist keine folgenlose abstrakte Aussage. Aus ihr folgt, dass eine zivile Ehe bei Fortbestand der ersten sakramentalen Ehe keine sakramentale Ehe sein kann. Um Missverständnisse und Zweideutigkeiten zu vermeiden, sollte man eine zivile Wiederheirat nicht mit einer nichtsakramentalen liturgischen Segenshandlung verbinden; das würde den Eindruck einer kirchlichen Trauung zweiter Klasse erwecken und die Unauflöslichkeit der Ehe ins Zwielicht rücken.

Wer die Geschichte der Theologie der Ehe kennt, weiß freilich, dass diese grundsätzliche Position schon in der bisherigen Geschichte nicht ausgeschlossen hat, in der pastoralen Anwendung den wandelnden Situationen Rechnung zu tragen. Wiederverheiratet Geschiedene galten lange Zeit als exkommuniziert und wurden als ehrlose Bigamisten betrachtet; noch im CIC/1917 (can. 2356) wurden sie mit der Exkommunikation bedroht. Der CIC/1983 kennt solche Strafandrohungen nicht mehr. Heute wird ausdrücklich betont, solche Christen seien nicht exkommuniziert, sondern vielmehr eingeladen, sich als lebendige Glieder am kirchlichen Leben zu beteiligen (vgl. FC 84)24.

Papst Benedikt XVI. hat an der Entscheidung von Johannes Paul II. festgehalten, wiederverheiratet Geschiedene nicht zur Kommunion zuzulassen; er tat dies, indem er von einer Ermutigung der zivil wiederverheirateten Geschiedenen zu einem enthaltsamen Leben sprach. Damit setzte er auf einen Prozess der Reifung und des geistlichen Wachstums25. In dieser dynamischen Sichtweise geht nun Papst Franziskus einen Schritt weiter, indem er das Problem in den Prozess einer umfassenderen Pastoral des stufenweisen Integrierens stellt. Entsprechend gibt „Amoris laetitia“ zu überlegen, welche Formen des Ausschlusses von kirchlichen, liturgischen, pastoralen, erzieherischen, institutionellen Diensten überwunden werden können (vgl. AL 297, 299).

Zuvor hatte schon Johannes Paul II. die Tür ein Stück weit geöffnet. Er hat dem genannten Grundsatz die Klausel angefügt, wonach wiederverheiratet Geschiedene dann zur Absolution und Kommunion zugelassen werden können, wenn sie in ihrer bürgerlich geschlossenen Ehe wie Bruder und Schwester leben. Diese Klausel ist im Grunde ein Zugeständnis. Denn die Enthaltsamkeit gehört dem Intimbereich an und hebt den objektiven Widerspruch zwischen dem fortbestehenden Eheband der ersten sakramentalen Ehe und der öffentlich rechtlich geschlossenen zweiten Ehe nicht auf. Diese Klausel hat offensichtlich nicht das gleiche Gewicht wie der genannte Grundsatz; jedenfalls ist sie keine letztverbindliche lehramtliche Aussage. Sie zeigt vielmehr, dass es in der konkreten Ausgestaltung der praktischen pastoralen Konsequenzen des dogmatischen Prinzips einen Spielraum gibt26.

Um diesen Spielraum auszuloten, greift „Amoris laetitia“ nochmals mit Thomas auf die traditionelle Unterscheidung zwischen der objektiv schweren Sünde und deren subjektiven schuldhaften Anrechnung zurück (vgl. AL 304 f.). Diese Unterscheidung war selbstverständlich auch Johannes Paul II. geläufig27. Unterschiedlich ist nur, dass dieser in Auseinandersetzung mit damaligen moraltheologischen Tendenzen (teleologische Moral) den Nachdruck auf den objektiven Charakter der ethischen Normen legte. Franziskus dagegen spricht aus der reichen Erfahrung und Weisheit des Beichtvaters und hebt mehr den subjektiven Aspekt hervor, ohne dabei den objektiven Aspekt zu übergehen (vgl. AL 297, 307).

Beide Päpste nehmen auf die Frage des irrigen Gewissens Bezug und wissen, dass es sich dabei oft nicht nur um einen persönlichen Irrtum handelt, sondern um einen unüberwindbaren Irrtum, der durch die soziale und kulturelle Mentalität mitbedingt ist (vgl. AL 37, 42, 222, 305). Wahrscheinlich hat schon jeder Seelsorger einmal die Erfahrung gemacht, dass es Situationen gibt, in denen man, auch wenn man mit Engelszungen reden könnte, Menschen von der objektiven Norm nicht überzeugen kann, weil ihnen diese unüberwindbar als welt- und wirklichkeitsfremd vorkommt. Das Gewissen vieler Menschen ist oft gleichsam blind und taub für das, was man ihnen als Gebot Gottes darzustellen versucht. Das bedeutet keine Rechtfertigung des Irrtums, wohl aber Verständnis und Barmherzigkeit mit dem Irrenden (vgl. AL 307 f.).

Was bleibt, ist der Weg der Gewissensbildung und der persönlichen Gewissenserforschung (vgl. AL 302 f.). Das bedeutet, dass ein Christ seine objektive Sünde nicht gleichsam zur Schau stellen und so tun darf, als ob sie kirchliche Lehre sei oder dass er sie gar als solche durchzusetzen versucht. Er muss der Einladung des Evangeliums zur Umkehr Gehör schenken (vgl. AL 297). Das Gespräch im Forum internum soll ihm zur Bildung einer rechten Beurteilung helfen, was die Möglichkeit einer volleren Teilnahme am Leben der Kirche behindert und Wege zu finden, diese zu begünstigen und wachsen zu lassen. Der Priester hat die Aufgabe, einen solchen Christen entsprechend der Lehre der Kirche und den Richtlinien des Bischofs auf dem Weg der Unterscheidung zu begleiten, in der Gewissenserforschung zum Nachdenken und zur Reue zu bewegen und ihn sich seiner Situation vor Gott bewusst werden zu lassen (vgl. AL 300). Aber niemals kann sich der Seelsorger an die Stelle des Gewissens setzen (vgl. AL 37). Die Ehrfurcht vor dem persönlichen Gewissen als „verborgenste Mitte und Heiligtum im Menschen“ (GS 16) ist für „Amoris laetitia“ maßgebend.

Zulassung zur Kommunion der wiederverheiratet Geschiedenen?

„Amoris laetitia“ legt Prämissen zugrunde, welche im begründeten Einzelfall eine veränderte pastorale Praxis erlauben. Doch das päpstliche Schreiben zieht aus diesen Prämissen an keiner Stelle klare praktische Folgerungen. Papst Franziskus sagt sogar ausdrücklich, dass er solche Normen nicht vorlegen kann (vgl. AL 296, 300; vgl. AL 2). Das Schreiben gibt kein Patentrezept an die Hand, das es in Wirklichkeit auch gar nicht geben kann (vgl. AL 298). Es lässt die konkrete Frage der Zulassung zur Absolution und Kommunion offen. Damit ist der Papst dem Weg einer bewährten Tradition des Lehramts gefolgt, manche strittige Fragen nicht übers Knie zu brechen, sondern sie um der Einheit der Kirche willen offen zu lassen. Das bedeutet nicht, wie manche meinen, dass das Lehramt sich selbst abschafft; eine Frage offen zu lassen, ist selbst eine lehramtliche Entscheidung von großer Tragweite28.

Die Richtung, in welche Papst Franziskus weisen möchte, scheint indessen klar: Man braucht dazu nicht auf zwei Anmerkungen zu verweisen29. Viel wichtiger ist, dass die schrittweise Integration, die als Schlüssel zur Lösung der Frage bezeichnet wird, von ihrem Wesen her auf Zulassung zur Eucharistie als Vollform der Teilnahme am Leben der Kirche ausgerichtet ist. Am deutlichsten hat sich Papst Franziskus geäußert, als er auf dem Rückflug von Lesbos am 16. April 2016 auf die Frage eines Journalisten, ob nach „Amoris laetitia“ unter bestimmten Bedingungen die Zulassung von wiederverheiratet Geschiedenen zur Kommunion möglich sei, geantwortet hat: „Ja. Punkt.“30 Das ist eine Antwort, die sich in dieser Klarheit in „Amoris laetitia“ nicht findet, die aber dem Gesamtduktus des Schreibens entspricht.

Diese Interpretation lässt sich ohne Schwierigkeiten mit dem gültigen Kirchenrecht vereinbaren. Der maßgebende Canon 915 CIC/1983 schließt die von der Absolution und Kommunion aus, welche „hartnäckig in einer offenkundigen schweren Sünde verharren“. Diese Bestimmung ist inhaltlich völlig einleuchtend; sie bedarf, was die quaestio iuris angeht, keiner Änderung, sondern im Lichte von „Amoris laetitia“ lediglich der Interpretation hinsichtlich derquaestio facti. Denn die Frage, ob tatsächlich Hartnäckigkeit in der schweren Sünde vorliegt oder trotz allen guten Willens immer wieder neue menschliche Schwäche, ergibt sich nicht aus der Norm selbst. Ebenso verhält es sich mit dem Urteil, ob tatsächlich schwere Sünde (schwerwiegende Sache, Bewusstsein der Sündhaftigkeit, Absicht gegen Gottes Gebot zu handeln, gegebenenfalls mildernde Umstände) vorliegt oder ob nicht Zeichen für ein Leben aus und in Gottes Gnade und ernsthafte Sehnsucht nach dem Brot des Lebens sichtbar sind.

In dem zuletzt genannten Fall stellt sich die Frage: Mit welchem Recht darf die Kirche Christen die Hilfe der Gnadenmittel verweigern, die sich, von der Gnade bewegt, nach besten Kräften durch Gebet, christliche Erziehung der Kinder, Mitarbeit in der Pfarrei, karitativ-sozialen Einsatz usw. um ein christliches Leben bemühen? Sicher muss man Ärgernis und Missverständnisse vermeiden. Aber es gibt auch Situationen, in denen nicht die Zulassung, sondern die Verweigerung der Sakramente von vielen als Skandal empfunden wird. In solchen Fällen stehen wir vor einer ähnlichen Situation wie Petrus, als er von Joppe nach Caesarea gerufen wurde: Er erkannte, dass Heiden den Heiligen Geist empfangen haben. Wie konnte er also denen das Sakrament der Taufe verweigern, welche den Heiligen Geist schon empfangen haben (Apg 10,47)? Auf unsere Frage angewandt: Kann es sein, dass der Geist Gottes sich als wirkkräftig gegenwärtig erweist, die Kirche aber wie Pilatus die Hände sich in Unschuld wäscht und bedauert, nichts tun zu können? Gilt es in solchen Situationen nicht auch für die Kirche, barmherzig zu sein, wie unser Vater barmherzig ist (vgl. Lk 6,36)?

Künftige pastorale Aufgaben

„Amoris laetitia“ gibt kein Jota der traditionellen Lehre der Kirche auf. Und doch verändert dieses Schreiben alles, indem es die traditionelle Lehre in eine neue Perspektive stellt. Dieses päpstliche Schreiben ist kein Traditionsbruch, sondern die Erneuerung einer großen Tradition. Es handelt sich um Kontinuität in der Reform, wie sie Benedikt XVI., auf der Spur von John Henry Newman, dargelegt hat31.

Die Ortskirchen stehen nun vor der Frage, wie sie den Weg, den „Amoris laetitia“ grundsätzlich eröffnet hat, pastoral konkret beschreiten können. Dabei dürfen sie sich nicht allein auf das Problem der wiederverheiratet Geschiedenen fixieren. Vorrangig ist, das katholische Ehe- und Familienverständnis vor allem jungen Menschen in seiner ganzen Schönheit neu zu Bewusstsein zu bringen und sie auf diesem Weg zu begleiten. Vor allem Ehevorbereitung und Ehebegleitung müssen im Sinne von „Amoris laetitia“ neu geordnet werden. Außerdem dürfen wir in der gegenwärtigen Krise der Pastoral das Potenzial, das in dem Verständnis der Familie als Hauskirche steckt, nicht gering schätzen.

In der Pastoral bei irregulären Situationen, besonders bei wiederverheiratet Geschiedenen, stellt uns „Amoris laetitia“ vor keine leichte Aufgabe. Das Schreiben führt uns nicht auf den bequemen Weg von Patentrezepten, die es in Wirklichkeit nicht geben kann. Aus dem verantworteten Gewissen in christlicher Freiheit zu entscheiden, ist im Vergleich zu einer Praxis nach kasuistischen Regeln nicht das Leichtere, sondern das weit Schwerere. Das stellt an Bischöfe, Priester und pastorale Mitarbeiter, besonders an Beichtväter, hohe Anforderungen. Geistliche Unterscheidung verlangt geistliche Kompetenz. Sie ist eine Gabe des Heiligen Geistes (1 Kor 12,10; 1 Joh 4, 1-6) wie eine Frucht geistlicher Erfahrung und des Lernens von den großen Meistern des geistlichen Lebens. Diesem Anliegen wird man in der Aus- und Fortbildung des Klerus und der pastoralen Mitarbeiter künftig verstärkt Rechnung tragen müssen.

Das alles wird Zeit brauchen: Zeit zum Umdenken und Zeit zum Umsetzen. Wir können die Synode noch lange nicht abhaken. Es bleibt noch viel zu tun. Die Synode ist vorbei, die heftigen Debatten werden hoffentlich auch bald vorbei sein, die konkrete Arbeit beginnt jetzt. Wir müssen „Amoris laetitia“ zu einem Aufbruch der Familienpastoral machen. Ehe und Familie müssen in der Pastoral zum Schwerpunktthema werden. Denn die Familie ist der Weg der Kirche.

 

ANMERKUNGEN

1 Dieselbe Reduktion und partielle Wahrnehmung ist auch meinem Vortrag vor dem Konsistorium am 20. / 21. Februar 2014 widerfahren (Walter Kardinal Kasper, Das Evangelium von der Familie. Die Rede vor dem Konsistorium. Freiburg 2014). Er hatte fünf Kapitel, bei denen die ersten vier ausführlich die biblische und kirchliche Lehre über Ehe und Familie darlegten; auf dieser Grundlage trug das fünfte Kapitel Überlegungen (nicht Forderungen, wie teilweise behauptet wurde) zur Pastoral der wiederverheiratet Geschiedenen vor. Er überließ die Entscheidung darüber ausdrücklich der Synode in Gemeinschaft mit dem Papst. Zur nachfolgenden Diskussion habe ich Stellung genommen: Walter Kardinal Kasper, Nochmals: Zulassung von wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten?, in: Stimmen der Zeit 233 (2015) 435-445.

2 Vgl. Präsentation des Nachsynodalen Apostolischen Schreibens „Amoris Laetitia“ von Papst Franziskus durch Kardinal Christoph Schönborn, in: Papst Franziskus, Amoris Laetitia. Freude der Liebe. Nachsynodales Apostolisches Schreiben Amoris Laetitia über die Liebe in der Familie. Freiburg 2016, 19-30; zuvor: Christoph Kardinal Schönborn (Hg.), Berufung und Sendung der Familie. Die zentralen Texte der Bischofssynode. Mit einem Kommentar von P. Michael Sievernich SJ. Freiburg 2015.

3 „Ich empfehle Ihnen allen, die Präsentation zu lesen, die Kardinal Schönborn gehalten hat, der ein großer Theologe ist. Er ist Mitglied der Kongregation für die Glaubenslehre und kennt die Lehre der Kirche gut.“ Zit. nach: http://w2.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2016/april/documents/papa-francesco_20160416_lesvos-volo-ritorno.html›.

4 Rocco Buttiglione, La gioia dell’amore e lo sconcerto dei teologi, in: L’Osservatore Romano, 20. 7. 2016, 7 (deutsche Fassung: L’Osservatore Romano. Wochenausgabe in deutscher Sprache. Nr. 30/31, 29. 7. 2016, 12: „Die Freude der Liebe und die Bestürzung der Theologen“). Ein weiterer Artikel im gleichen Sinn: Rodrigo Guerra López, Fedeltà creativa (Kreative Treue), in: L’Osservatore Romano, 22. 7. 2016, 5.

5 Antonio Spadaro, „Amoris laetitia“. Struttura e significato dell’Esortazione apostolica post-sinodale di Papa Francesco, in: La Civiltà Cattolica (no. 3980) 167 (2016/II) 105-128.

6 Vgl. Heiner Koch, Amoris Laetitia. Eine Erläuterung, in: Stimmen der Zeit 234 (2016) 363-373.

7 Vgl. Thomas v. Aquin, Summa theologiae I/II q. 22-48.

8 Vgl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben „Familiaris consortio“ (1981), 34 [= FC]; AL 293-295, 300.

9 Zu den in sich schlechten Handlungen vgl. Katechismus der Katholischen Kirche (1993), 1755-1761; Johannes Paul II., Enzyklika „Veritatis splendor“ (1993), 78-83 [= VS].

10 S. th. I/II q. 64 a. 1; De Virtutibus a. 13.

11 Vgl. Adriano Oliva, Essence et finalité du mariage selon Thomas d’Aquin. Pour un soin pastoral renouvelé, in: Revue des sciences philosophiques et théologiques 98 (2014) 601-668. – Es liegen auch ein einschlägiges Gutachten von Eberhard Schockenhoff sowie ein Gutachten von Peter Walter zu Eucharistie und Sündenvergebung nach dem Konzil von Trient vor, in denen auf Thomas von Aquin (S. th. III q. 80 a. 4) Bezug genommen wird.

12 Georges Cottier / Christoph Schönborn / Jean-Miguel Garrigues, Verità e misericordia. Conversazioni con p. Antonio Spadaro. Milano 2015.

13 S. th. I/II q. 57 a. 4; II/II q. 47 a 2 s.c.; a. 6; vgl. dazu: Deutsche Thomasausgabe, Bd. 17 B. Heidelberg 1966, 383 (Nr. 73).

14 S. th. I/II q. 57 a. 6; q. 58 a. 4; vgl. Josef Pieper, Das Viergespann. Klugheit – Gerechtigkeit – Tapferkeit – Maß. München 1964, 21.

15 S. th. II/II q. 47 a. 2-6.

16 Pieper (Anm. 14) 25.

17 Zu Klugheit und Situationsethik vgl. Deutsche Thomasausgabe, Bd. 17 B, 502-504; zu Klugheit und Kasuistik: ebd. 524-526.

18 S. th. II/II q. 47 a. 1 ad 1; vgl. Pieper (Anm. 14) 56-61.

19 S. th. q. 23 a. 8.

20 20 S. th. q. 23 a. 1.

21 S. th. q. 25, a. 1.

22 S. th. II/II q. 30.

23 S. th. q. 30 a. 4 ad 2.

24 Benedikt XVI., Nachsynodales Apostolisches Schreiben „Sacramentum caritatis“ (2007), 29 [= SC]; AL 299.

25 SC 29.

26 Viele Exegeten zeigen solche Spielräume schon innerhalb des Neuen Testaments auf, in Bezug auf die Überlieferungsvarianten des Herrenwortes, besonders in Bezug auf die sogenannten Ehebruchsklauseln: Mt 5,32; 19,9; Mk 10,11 f.; Lk 16,18; 1 Kor 7,10 f.

27 Wichtig die Enzyklika „Veritatis splendor“, vor allem die differenzierten Ausführungen im Kapitel II/2 „Gewissen und Wahrheit“, wo u. a. vom unüberwindbar irrenden Gewissen gesagt wird, dass ihm eine objektive Schuld subjektiv nicht anrechenbar ist (vgl. VS 62 f.).

28 Die Praxis, Kontroversen offen zu lassen, entspricht lehramtlicher Tradition, von der auch Konzilien Gebrauch gemacht haben. So hat das Konzil von Trient gehandelt in der damals höchst kontroversen Frage des Primats, ebenso das Zweite Vatikanum in vielen Fragen, was dann Ursache vieler, teilweise bis heute nicht abschließend geklärter nachkonziliarer Diskussionen wurde. Man denke vor allem an die kluge Entscheidung von Papst Paul V. im Gnadenstreit von 1607 (vgl. DH 1997).

29 Es scheint mir verwegen, die Schlussfolgerung in zwei Anmerkungen (AL 300, Anm. 340 u. 305, Anm. 355) versteckt finden zu wollen. Auch ein Papst kann nicht im Handumdrehen in einer Anmerkung bestehende Regelungen außer Kraft setzen. Beide Anmerkungen sind zudem allgemein gehalten; sie beziehen sich nicht ausdrücklich auf die wiederverheiratet Geschiedenen, sondern auf die irregulären Situationen allgemein.

30 Vgl. ‹http://w2.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2016/april/documents/papa-francesco_20160416_lesvos-volo-ritorno.html›; der Papst antwortete dabei auf eine Frage von Francis Rocca vom „Wall Street Journal“.

31 Ansprache an das Kardinalskollegium und die Mitglieder der römischen Kurie beim Weihnachtsempfang am 22. Dezember 2005: ‹http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/speeches/2005/december/documents/hf_ben_xvi_spe_20051222_roman-curia.html›. – Praktisch hat sich Papst Benedikt XVI. damit weitgehend die Position von John Henry Newman (An Essay on the Development of Christian Doctrine, 1878) zu eigen gemacht.

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Quelle

16 thoughts on “Kardinal Walter Kasper „Amoris laetitia“: Bruch oder Aufbruch? Eine Nachlese

  1. Ein vielsagender Kommentar ist in
    https://gloria.tv/video/RSfkWQ9Z2CSc1Dd1Hw3jXtTn6
    zu finden:

    das Anathem, welche die Heilige Mutter Kirche einmal ausgesprochen hat, besitzt für alle Zeit Gültigkeit
    allein durch die Behauptung oder Aussage ist der Handelnde ausgeschlossen und kann erst nach Reue, sakramentaler Beichte wieder vom Kirchenbann gelöst werden
    da uns die Kirche sagt was wir zu glauben haben, kann sich jeder Gläubige selbst die Antwort geben welcher angebliche Hirte bereits dem Anathem unterworfen ist
    auch die Frage kann sich jeder Gläubige, aber nur der welcher der Mutter Kirche [ange]hört, beantworten: liegt Rotarius Franziskus auch unter einem Anathem, wenn ja, kann er dann Papst sein?

    Das ist die Frage vor der Frage der Sedisvakanz!
    Es ist also nicht nötig, unausgesetzt von Sedisvakanz zu sprechen. Es geht vielmehr darum, völlige Distanz zu wahren gegenüber jenen, die mit dem Kirchenbann belegt sind.
    Nun sagt aber Bischof Fellay, dieser mit dem Kirchenbann Belegte ist der wahre Pontifex. Mit ihm will er sich verbrüdern. Diese Tat macht ihn selbst zum Gebannten aufgrund des unfehlbaren Apostolischen Schreibens »Cum ex Apostolatus« von Papst Paul IV.:
    „Überdies sollen jene, die solche, welche als derartige ertappt wurden oder sich bekannt haben oder überführt wurden, wissentlich irgendwie aufnehmen oder verteidigen oder begünstigen oder ihnen Glauben schenken oder ihre Lehren als Dogmen auszugeben wagen, diese sollen eo ipso der Exkommunikation verfallen, sie sollen ehrlos sein und kein Wahlrecht haben, sei es persönlich oder schriftlich mittels eines Boten oder eines Bevollmächtigten für öffentliche oder private Aufgaben oder für beratende Ausschüsse…“

    Tatsache ist
    – Eine einzige Abweichung im Glauben macht eine ganze Predigt zunichte
    – Eine Bibelübersetzung eines Ketzers und Häretikers macht die ganze Bibel kaputt
    – Eine einzige Leugnung einer Glaubenswahrheit hebt die Verbindlichkeit eines
    Apostolischen Schreibens auf und kann nicht als ein solches bezeichnet werden.
    – Eine einzige Leugnung eines Dogmas macht das ganze Konzil ungültig.
    Deswegen war dieses Konzil von Anfang an kein rechtmäßiges Konzil!

    Immer wieder wird aufgrund von Amoris laetitia fieberhaft auf Familiaris Consortio von Johannes Paul II. verwiesen!

    Mit Nachdruck sei daran erinnert, daß alle Lehrschreiben, ob nun „Familiaris Consortio“ von Wojtyla, die Antrittsenzyklika über das bevorstehende Konzil („Ad Petri cathedream“) von Roncalli, oder „Aeterna Dei sapientia, ebenfalls von Roncalli (= „Der Heilige Stuhl von Petrus als Zentrum der christlichen Einheit“, wobei zu erkennen ist, daß dieses Schreiben schon ganz auf der Linie der Konzilsirrlehre liegt und es nicht zutrifft, daß der Heilige Stuhl als Zentrum der christlichen Einheit betrachtet werden kann. Hier werden alle christlichen Gemeinschaften bereits in die Katholische Kirche hineingenommen. Der Heilige Stuhl ist das Erkennungszeichen allein der Katholischen Kirche, und sie wiederum trägt das Privileg, das Kriterium der EINHEIT als eine der vier Merkmale an sich), oder die Antrittsenzyklika „Über die Wege der Kirche, ihre Identität und den Dialog“ von Montini oder die Sozialenzyklika von Ratzinger „Über die ganzheitliche Entwicklung des Menschen in Liebe und Wahrheit“, allesamt – auch die hier nichtgenannten – sind für Katholiken anzunehmen verboten. Wahre Katholiken haben sich davon zu distanzieren. Sie sind alle zu verwerfen auch dann, wenn sie etwas Katholisches enthalten.

    Alle von den Konzilspäpsten verfaßten „Enzykliken“, „Apostolische Schreiben“, „Päpstliche Rundschreiben“ sind absolut zu verwerfen, denn sämtliche stammen von nichtkatholischen Häretiker und Ketzer.

    Als zeitlich letzte für einen Katholiken verbindliche Lehrschreiben sind die von Papst Pius XII. aus den Jahren 1957/1958:

    „Le pèlerinage de Lourdes“ (Zum 100. Jahrestag der Erscheinung der Muttergottes von Lourdes) vom 2. Juli 1957

    „Miranda Prorsus“ (Zweite Medienenzyklika über Film, Funk und Fernsehen) vom 8. September 1957

    Ein Päpstliches Lehrschreiben eines wahren Pontifex der Katholischen Kirche bedarf keiner Interpretation. Es entbehrt weder einer klaren Sprache noch der Genauigkeit. Es braucht nicht umschrieben und veranschaulicht werden, denn es ist in verständlicher und deutlicher Sprache geschrieben.

  2. Sehr aufschlussreiche und ausgezeichnete Nachlese von POS. Mit grossem Interesse und aufmerksam gelesen. Die Entwicklung bleibt zu beobachten.

  3. @ Alexius:

    „auch die Frage kann sich jeder Gläubige, aber nur der welcher der Mutter Kirche [ange]hört, beantworten: liegt Rotarius Franziskus auch unter einem Anathem, wenn ja, kann er dann Papst sein?“
    Diese Frage kann EBEN NICHT JEDER GLÄUBIGE beantworten, was sich schon darin zeigt, daß es unter den Gläubigen völlig unterschiedliche Meinungen dazu gibt. Ob ein Katholik unter einem Anathem liegt und ob ein Papst Papst ist, entscheidet ausschließlich die Kirche durch dazu befugte Institution.

    „Es geht vielmehr darum, völlige Distanz zu wahren gegenüber jenen, die mit dem Kirchenbann belegt sind.“
    Keiner der zweitkonziliaristischen Päpste wurde (bisher) mit Kirchenbann belegt, und Sie sind in keiner Weise befugt, einen Kirchenbann zu verhängen.

    „Nun sagt aber Bischof Fellay, dieser mit dem Kirchenbann Belegte ist der wahre Pontifex. Mit ihm will er sich verbrüdern.“
    Erstens ist der Bergoglio bisher nicht mit Kirchenbann belegt, zweitens ist er auch deswegen der wahre Papst, und drittens will sich Fellay bei allen seinen Fehlern nicht mit dem Bergoglio verbrüdern.

    „Überdies sollen jene, die solche, welche als derartige ertappt wurden oder sich bekannt haben oder überführt wurden …“
    In der Ihnen eigenen Schlampigkeit übersehen Sie genau diese Aussage. Das Bekenntnis zum Irrglauben muß schon von dem Irrgläubigen selbst kommen, und das Ertappen und Überführen selbstverständlich von dazu befugter kirchlicher Institution. Ihre Privatmeinung ist in dieser Angelegenheit völlig belanglos.

  4. „„Amoris laetitia“ ist geprägt von einem neuen, frischen, geradezu befreienden Ton, wie man ihn aus Lehrschreiben kaum kennt“

    Ach, demnach wären also die bisherigen Lehrschreiben der Kirche altmuffig und versklavend gewesen. Schon alleine der oben zitierte Satz Kaspers ist infam und zeigt in aller Deutlichkeit, wes Ungeistes Kind der Kasper und was für ein Kasper er ist.

  5. Seefeldt 24. Oktober 2016 um 07:12: „Keiner der zweitkonziliaristischen Päpste wurde (bisher) mit Kirchenbann belegt, und Sie sind in keiner Weise befugt, einen Kirchenbann zu verhängen.“

    Ein Papst kann nicht mit Kirchenbann belegt werden. Ein Papst kann nicht gerichtet oder seines Amtes enthoben werden. Nicht einmal ein allgemeines Konzil wäre dazu fähig (Papst Pius IX., Erstes Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Pastor aeternus, Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes, 18. Juli 1870, Kapitel 3).

    Seefeldt 24. Oktober 2016 um 07:23: „Schon alleine der oben zitierte Satz Kaspers ist infam und zeigt in aller Deutlichkeit, wes Ungeistes Kind der Kasper und was für ein Kasper er ist.“

    Inwiefern sind Sie „befugt“, einen Kardinal Ihrer Kirche als „infam“, „Ungeistes Kind“ und „Kasper“ zu bezeichnen?

    Sie schreiben oben um 07:12: „Das Bekenntnis zum Irrglauben muß schon von dem Irrgläubigen selbst kommen, und das Ertappen und Überführen selbstverständlich von dazu befugter kirchlicher Institution. Ihre Privatmeinung ist in dieser Angelegenheit völlig belanglos.“

    Sie messen mit zweierlei Maß, und vor allem sind Sie gemäß Can. 1325 § 2 ein Schismatiker: „Man muss als […] Schismatiker jenen [betrachten], der sich weigert, sich dem Papste zu unterwerfen, oder der es ablehnt, in Gemeinschaft mit den Gliedern der Kirche zu leben, die sich dem Papste unterziehen„.

    Papst Pius XI., Mortalium Animos (Nr. 11), 6. Januar 1928: In dieser Kirche Christi kann niemand sein und niemand bleiben, der nicht die Autorität und die Vollmacht Petri und seiner rechtmäßigen Nachfolger anerkennt und gehorsam annimmt. So auch Papst Pius IX., Amantissimus (Nr. 3), 8. April 1862 und Papst Clemens VI., Super quibusdam, 20. September 1351.

    Sie sind aber auch ein Häretiker, weil Sie hartnäckig die automatische Exkommunikation leugnen.

    Papst Pius VI., Apostolische Konstitution Auctorem fidei, 27. August 1794, XLII., erledigt: „Ebenso die, welche lehrt, es sei gemäß der natürlichen und der göttlichen Rechte notwendig, daß der Exkommunikation und der Suspension eine persönliche Untersuchung vorhergehen müsse, und daß mithin die „unmittelbar als Tatfolge“ ( „ipso facto“) eintretenden Urteile keine andere Gewalt haben, als die einer ernstlichen Verwarnung ohne jede tatsächliche Wirkung, als FALSCH, VERWEGEN, DIE KIRCHENGEWALT BELEIDIGEND, IRRIG.

  6. @Ci-devant
    Wenn der Papst nicht gerichtet werden kann, dann ist auch das Kirchenrecht nicht auf ihn anwendbar. Wie sie richtig sagen und das alte Kirchenrecht hält es im CIC 1556 fest: „Prima Sedes a nemine iudicatur“ Und jetzt behaupten sie, dass Sie mit Ihrem privaten Urteil ein solches über den Papst sprechen können? Wo und wann hat die Kirche im ordenltichen oder ausserordentlichen „Magisterium“ gelehrt, dass ein subjektives Urteil einen Papst absetzen kann?
    Sie verdrehen auch die Bedeutung der Apostolischen Konstitution „Auctorem Fidei“. Die Verurteilung bezieht sich darauf, dass „eintretende Urteile keine Gewalt haben“ d. h. die Synodenteilnehmer von Pistoia gingen davon aus, dass („ipso facto“) Verurteilungen keine unmittelbare Rechtswirkung haben. Dazu möchte ich den 10. Canon des IV Konzils von Konstantinopel 869 – 870 anführen: „Folglich erklärt dieses heilige und universelle Konzil und legt zu Recht und passend fest, dass kein Laie oder Mönch oder Kleriker sich von der Gemeinschaft seines eigenen (Bischofs) Patriarchen trennen sollte, bevor es nicht zu einer sorgfältigen Untersuchung und Urteil durch eine Synode kommt (subjektives Urteilen über einen Papst (Bischof von Rom), Bischof oder Priester wird somit ausgeschlossen) […]“ und weiter erklärt das Konzil […] Wenn sich jemand über diese heilige Synode hinwegsetzt, soll er von allen priesterlichen Funktionen und Status ausgeschlossen werden, auch wenn er ein Bischof oder Kleriker ist; ob ein Mönch oder Laie, er muss von der Gemeinschaft und Versammlungen der Kirche ausgeschlossen werden, bis er nicht durch Reue und Versöhnung umkehrt.“

    Der „ipso facto“ Amtsverlust eines Papstes ist eine Hypothese, welche seit dem 16. Jahrhundert bis Heute von den Theologen diskutiert wird, aber noch nie von kirchlicher Autorität definitiv entschieden wurde. Konsens bei den Theologen herrscht nur ‚über eine vorherige Feststellung eines Verbrechens der Häresie durch die kirchlichen Autoritäten‘ und nicht im Sinne eines richterlichen Urteils, sondern dem Papst seine Häresien unter zweifacher Warnung vorhalten (siehe Titus 3,10). Wenn dann der Papst nach zweimaliger Warnung auf die Vorwürfe nicht dementsprechend seine Häresien widerruft, dann verliert der Papst sein Amt. Nicht weil die Kirche ein Urteil über ihn ausspricht, sondern die kirchliche Autorität das Verbrechen der Häresie feststellt und danach tritt der Amtsverlust durch Christus ein, welche sie Vollstreckt! Seefeldt hat völlig recht, wenn er sagt, es „entscheidet ausschließlich die Kirche durch dazu befugte Institution“. Der Hl. Bellarmin lehrt im Buch „De Romano Pontifice“: „Denn die Jurisdiktion wird zwar dem Papste von Gott verliehen, aber unter Beihilfe der Menschen (Kardinalskollegium beim Konklave). Weil der Mensch, welcher vorher nicht Papst war, den Menschen verdankt, dass er Papst zu sein anfängt, sonach wird er von Gott bloss durch den Menschen verworfen.“ Er äussert dies in der 3. Meinung im Buch „De Romano Pontifice“. Die Sedisvakantisten übersehen diese Stelle jedesmal. Der Hl. Thomas erklärt das Urteilen so: „[…] dass drei Bedingungen Voraussetzung für ein Urteil sind, sodass es ein Akt der Gerechtigkeit sei.

    Es muss aus der Hinneigung der Gerechtigkeit hervorgehen und
    es kommt von jemanden der Autorität besitzt und
    es nach dem richtigen Urteil der Klugheit ausgesprochen wird.

    Urteilt deshalb der Mensch gegen die Richtschnur der Gerechtigkeit, so ist das Urteil verkehrt oder ungerecht; urteilt er, wo er keine Autorität hat, so ist das Urteil ein angemaßtes; urteilt er, wo nichts feststeht, also aus schwachen Gründen, leichtsinnig, so ist das Urteil verdächtig oder vorurteilsvoll.“ (Summa Theologiae II-II q.60, a. 2)

    Weiter erklärt der Hl. Thomas:
    […] Also kann auch das Urteil nur von jemandem ausgehen, der mit öffentlicher Autorität für das betreffende Gemeinwesen bekleidet ist. Wie es also ungerecht wäre, wenn jemand den anderen zur Beobachtung eines Gesetzes zwingen wollte, das keine öffentliche Autorität besäße; so ist es gleichermaßen ungerecht, daß jemand den anderen zwingen will, einem Urteile sich zu unterwerfen, welches von keinem, der öffentliche Autorität genießt, ausgeht.
    (Summa Theologiae II-II q.60, a. 6)

    Das Dilemma unserer Zeit sind die leichtsinnig vorgebrachten subjektiven Urteile über andere Menschen, obwohl diejenigen, welche diese Urteile aussprechen mit keiner Autorität ausgestattet sind. Interessanterweise besitzen viele eine Seelenschau und können das „forum internum“ eines Menschen beurteilen. Mit dem Verstand kann man die Handlungen und Worte des „Häretikers“ interpretieren und mit moralischer Gewissheit ein unfehlbares Urteil der Öffentlichkeit präsentieren. Die Unterscheidung zwischen materieller und formeller Häresie, zwischen öffentlicher, notorisch (weitere synonyme sind: beharrlich, hartnäckig) Häresie und das theologische Verständnis was eine Häresie im „forum internum“ oder „forum externum“ ist, scheint verloren gegangen zu sein.

  7. @ Ci-devant:

    Sie sind schon wieder einmal schlampig. Am 24.X.2016 um 7:23 Uhr bezeichnete ich nicht Kasper als infam, sondern seinen von mir zitierten Satz. Und da ich selbsverständlich zu eigener Privatmeinungl befugt bin, steht mir auch der Teilsatz zu, „wes Ungeistes Kind der Kasper und was für ein Kasper er ist“. Die Begründung für diesen Teilsatz liegt in dem Satz vom Kasper vor.

    Sie sind des weiteren schlampig, indem Sie Widerspruch gegen päpstliche Irrtümer mit verweigerter Unterwerfung gleichsetzen. Also nochmals für Sie: Katholischer Gehorsam ist KEIN Kadavergehorsam, Widerspruch gegen päpstliche Irrtümer ist erlaubt, wie in der Papstbulle „Cum ex apostolatus officio“ festgestellt und beispielsweise von den Heiligen Paulus und Athanasios ausgeführt.

    Dagegen verweigern Sie selbst sich total der Unterwerfung unter von der Kirche eingesetzten Päpsten (derzeit Bergoglio). Somit sind Sie selbst ein Schismatiker (meiner Meinung nach, das rechtsgültige Urteil steht natürlich nur der Kirche zu).

    Und nochmals: Es gibt keine automatische Exkommunikation. Die Ursache für eine Exkommunikation muß erst einmal befugt festgestellt werden – wie ebenfalls in der Bulle „Cum ex apostolatus officio“ beschrieben. Außerdem wies ich unlängst auf die Exkommunikation des australischen Expriesters Greg Reynold hin, die vom Papst angeordnet und deren Inkrafttreten vom Papst festgesetzt wurde.

    s. http://www.kath.net/news/42981

    Quod erat demonstrandum

  8. @ Salvatore:

    Auch meinerseits herzlichen Dank und Anerkennung für Ihren ausgezeichneten Kommentar.

    *

    @ POSchenker:

    Eigentlich verdient der Kommentar Salvatores doch, etwas bearbeitet auf Allgemeingültigkeit (also mit Streichung der ausdrücklich an Ci-devant gerichteten Stellen) als Beitrag dieser Seite gesetzt zu werden.

  9. Salvatore 25. Oktober 2016 um 00:45: „Und jetzt behaupten sie, dass Sie mit Ihrem privaten Urteil ein solches über den Papst sprechen können? Wo und wann hat die Kirche im ordenltichen oder ausserordentlichen „Magisterium“ gelehrt, dass ein subjektives Urteil einen Papst absetzen kann?“

    Was soll diese Frage? Ich habe oben Seefeldt darüber aufgeklärt, daß der Papst nicht gerichtet werden kann. Der Papst kann nicht gerichtet werden, weil er oberster Richter der Kirche ist, VON NIEMANDEM, auch nicht von der Kirche (Can 1556. Prima Sedes a nemine iudicatur). Warum setzen Sie Magisterium in Anführungszeichen?

    Salvatore 25. Oktober 2016 um 00:45: „Sie verdrehen auch die Bedeutung der Apostolischen Konstitution „Auctorem Fidei“.“

    Versuchen Sie etwa auch die automatische Exkommunikation zu leugnen?

    Die Lehre der Kirche ist eindeutig.

    Papst Pius IX., Bulle Inefabilis Deus zur Erklärung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis Mariens vom 8. Dezember 1854: „Wenn also jemand, was Gott verhüten wolle, anders, als von Uns entschieden ist, im Herzen zu denken wagt, der soll wissen und wohl bedenken, daß er sich selbst das Urteil gesprochen hat, daß er im Glauben Schiffbruch erlitten hat und von der Einheit der Kirche abgefallen ist.“

    Papst Leo XIII., Enzyklika Satis cognitum, 29. Juni 1896: „So hat die Kirche stets gehandelt, gestützt auf das einstimmige Urteil der Väter; diese waren immer der Überzeugung, es sei aus der katholischen Gemeinschaft ausgeschlossen und von der Kirche abgefallen, wer auch nur im geringsten von der durch das beglaubigte Lehramt vorgetragenen Lehre abgewichen sei.

    Papst Pius XII., Mystici Corporis Christi, Nr. 23, 29. Juni 1943: „Keine Schuld, selbst eine schwere Sünde, hat in sich wie Schisma, Häresie oder Apostasie zur Folge, daß sich der Mensch vom Körper der Kirche entfernt.“

    Im Falle eines solchen ipso facto (automatisch) eintretenden Urteils wäre eine gerichtliche Verurteilung nichts weiter als die bloße Bestätigung dessen, was ohnehin schon eingetreten ist. Ansonsten hätten ipso facto eintretende Urteile keinen Sinn.

    Papst Pius VI., Apostolische Konstitution Auctorem fidei, 27. August 1794, XLII.: „Ebenso die, welche lehrt, es sei gemäß der natürlichen und der göttlichen Rechte notwendig, daß der Exkommunikation und der Suspension eine persönliche Untersuchung vorhergehen müsse, und daß mithin die „unmittelbar als Tatfolge“ ( „ipso facto“) eintretenden Urteile keine andere Gewalt haben, als die einer ernstlichen Verwarnung ohne jede tatsächliche Wirkung, als FALSCH, VERWEGEN, DIE KIRCHENGEWALT BELEIDIGEND, IRRIG.
    http://www.kathpedia.com/index.php?title=Auctorem_fidei_(Wortlaut)

    Can 188. Ob tacitam renuntiationem ab ipso iure admissam quaelibet officia vacant ipso facto et sine ulla declaratione, si clericus:
    4º A fide catholica publice defecerit;

    Can 188. Jedes beliebige Amt wird durch stillschweigenden Amtsverzicht, der aufgrund des Gesetzes selbst eintritt, von selbst und ohne jede Erklärung vakant, nämlich dann, wenn ein Kleriker: 4° öffentlich vom Glauben abfällt;

    Can 2314 §1. Omnes a christiana fide apostatae et omnes et singuli haeretici aut schismatici:
    1º Incurrunt ipso facto excommunicationem;

    Can 2314 §1. Alle vom christlichen Glauben Abgefallenen und alle und jeder einzelne Häretiker oder Schismatiker:
    1° ziehen sich
    von selbst die Exkommunikation zu;

    Papst Pius XII., Enzyklika Mystici Corporis, über den mystischen Leib Christi, 29. Juni 1943: „Den Gliedern der Kirche aber sind in Wahrheit nur jene zuzuzählen, die das Bad der Wiedergeburt empfingen, sich zum wahren Glauben bekennen und sich weder selbst zu ihrem Unsegen vom Zusammenhang des Leibes getrennt haben, noch wegen schwerer Verstöße durch die rechtmäßige kirchliche Obrigkeit davon ausgeschlossen worden sind.“

    Ein Nichtkatholik kann keine Ämter in der Kirche innehaben.
    Es ist einfach unsinnig zu glauben, es könne jemand in der Kirche Vorsteher sein, wenn er selber außerhalb der Kirche steht (Papst Leo XIII., Satis Cognitum (Nr. 15), 29. Juni 1896). Wir können feststellen, daß Gegenpapst Franz und die vergangenen Gegenpäpste keine Päpste sind, weil sie keine Glieder der Kirche sind.

    EUGEN IV., Konzil von FLORENZ, Bulle Cantate Domino, 1442:
    „Sie glaubt fest, bekennt und verkündet, daß niemand, der sich außerhalb der katholischen Kirche befindet, nicht nur keine Heiden, sondern auch keine Juden oder Häretiker und Schismatiker, des ewigen Lebens teilhaft werden können …“ (DH 1351)

    Papst Pius IV., Bulle Iniunctum nobis über die tridentinische Eidesformel des Glaubensbekenntnisses,
    13. November 1564, ex Cathedra: „Diesen wahren, katholischen Glauben, außer dem niemand kann selig sein …“
    http://www.kathpedia.com/index.php?title=Iniunctum_nobis

    Papst Pius IX., Dogmatische Konstitution Dei filius, Erstes Vatikanisches Konzil, über den katholischen Glauben, 24. April 1870: „Weil es aber ohne den Glauben unmöglich ist, Gott zu gefallen (Hebr 11,6) und in die Gemeinschaft seiner Kinder aufgenommen zu werden, darum hat noch niemand ohne ihn die Rechtfertigung erlangt; auch wird niemand das ewige Leben erreichen, wenn er nicht bis an sein Ende im Glauben verharrt (vgl. Mt 10,22; 24,13).“
    http://www.kathpedia.com/index.php/Dei_filius_(Wortlaut)

    Ich kann Ihnen gerne noch mehr Zitate zukommen lassen, falls Sie interessiert sind.

    Der 10. Canon des IV Konzils von Konstantinopel sagt, daß man sich nicht von seinem Bischof lossagen sollte, nur weil man glaubt daß er ein schweres Verbrechen begangen hat. Von Häresie sagt der Canon nichts.

    Salvatore 25. Oktober 2016 um 00:45: „Der „ipso facto“ Amtsverlust eines Papstes ist eine Hypothese, welche seit dem 16. Jahrhundert bis Heute von den Theologen diskutiert wird, aber noch nie von kirchlicher Autorität definitiv entschieden wurde.“

    Da gebe ich Ihnen sogar recht. Papst Honorius steht in der Liste der Päpste, obwohl er ja vierzig Jahre nach seinem Tod im III. Konzil von Konstantinopel anathematisiert wurde. Er hatte nach seiner nicht öffentlichen Häresie nur noch 3,5 Jahre regiert und keine Ex-Cathedra-Entscheidungen gefällt. Das Konzil sah offenbar keine Veranlassung dieses Faß zu öffnen und festzustellen, daß er sein Amt verloren hatte. So ist diese Frage nach meiner Meinung tatsächlich ungeklärt. Möglicherweise schließt die Unfehlbarkeitsverheißung ein, daß ein Papst sein Amt nicht durch Häresie aufgeben kann, wie auch Alexius meint. Im Falle der V2-Päpste stellt sich diese Frage aber gar nicht, weil alle schon vor ihrer ungültigen Wahl Häretiker und deshalb nie Päpste waren.

    Sie zitieren den Hl. Bellarmin. Sie sollten nicht verschweigen, zu welcher Conclusio der Hl. Robert Bellarmin gelangte, De Romano Pontifice, II, 30: „Wahr ist demnach die fünfte Ansicht, daß ein offensichtlich häretischer Papst von selbst aufhört, Papst und Oberhaupt zu sein, wie er auch von selbst aufhört, Christ und Mitglied der Kirche zu sein; deshalb kann ihn die Kirche richten und strafen. Das ist die Ansicht aller alten Väter.

    So auch Papst Paul IV., Bulle Cum Ex Apostolatus Officio, 15. Februar 1559: „In Anbetracht dieser so schwierigen und gefahrvollen Angelegenheit hat der Römische Pontifex, der Gottes und unseres Herrn Jesus Christus Stellvertreter auf Erden ist, über die Völker und Reiche unbeschränkte Vollmacht und entscheidet richterlich über alle, ohne selber in dieser Welt richterlichem Urteil zu unterliegen; jedoch darf ihm widersprochen werden, wenn er als vom Glauben abgewichen erfunden wird.

    Salvatore 25. Oktober 2016 um 00:45: „Das Dilemma unserer Zeit sind die leichtsinnig vorgebrachten subjektiven Urteile über andere Menschen…“

    Das ist wahr, aber bezüglich der Feststellung, daß die V2-„Päpste“ Apostaten sind, können Sie das nicht behaupten. Wir haben tonnenweise formelle und sogar erklärte Häresie. Bei diesen Pseudopäpsten ist es offensichtlich. Selbst die unsinnige Annahme, sie wären etwas dumm und wüßten es nicht besser, wären also gutgläubig irrend, zieht nicht, weil zum Beispiel die Behauptung, die Moslems beteten mit uns zu einem Gott, der die Menschen am Jüngsten Tag richten würde (LG 16), die grundlegenden Glaubenswahrheiten leugnet, die man notwendig wissen muß.

    Hl. Papst Pius X., Enzyklika Acerbo nimis, 15. April 1905: „Mit Recht hat darüber Unser Vorgänger Benedikt XIV. geschrieben: Wir behaupten, dass ein großer Teil derjenigen, welche ewig verdammt werden, dieses endlose Unglück deswegen erleiden, weil sie die Glaubenswahrheiten nicht kannten, welche man notwendig wissen und glauben muss, um unter die Auserwählten gezählt zu werden.“

    Papst Benedikt XIV., Enzyklika Cum Religiosi, 26. Juni 1754:
    „Wir können jedoch nicht darüber erfreut sein, wenn Uns nachfolgend berichtet wird, daß es häufig der Fall war, daß im Gefolge des Religionsunterrichts in der Vorbereitung zur Beichte und Heiligen Kommunion diese Leute in Unwissen über die Glaubensgeheimnisse waren, sogar über solche Dinge, welche mit Notwendigkeit des Mittels [necessitas medii] gewußt werden müssen; folglich sind sie nicht zu den Sakramenten zuzulassen.“

    Wer Trinität und Inkarnation nicht versteht und im Stand der Vernunft ist – Sie wollen ja Ihren V2-„Päpsten“ nicht echten Schwachsinn unterstellen -, war niemals Katholik.

    Papst Eugen IV., 22. November 1439, Konzil von Florenz, 8. Sitzung, Athanasische Glaubensregeln, ex cathedra: „Wer auch immer gerettet sein will, muß vor allem den katholischen Glauben festhalten. Wer ihn nicht ganz und unverletzt bewahrt, wird ohne Zweifel auf ewig verloren sein. Der katholische Glaube besteht darin, daß wir den einen Gott in der Dreiheit und die Dreiheit in der Einheit verehren Zum ewigen Heil ist es aber auch notwendig, die Inkarnation unseres Herrn Jesus Christus treu zu glauben.“

    Es ist deshalb ausgeschlossen, daß zum Beispiel B16, der in Synagogen und Moscheen mit Juden und Moslems gebetet hat, katholisch ist. Objektiv.

    Salvatore 25. Oktober 2016 um 00:45: „…das theologische Verständnis was eine Häresie im „forum internum“ oder „forum externum“ ist, scheint verloren gegangen zu sein.“

    Sie werden nicht leugnen, daß die V2-„Päpste“ auf dem forum externum, öffentlich sichtbar Häresie begehen.

  10. @ Ci-devant:

    „Der Papst kann nicht gerichtet werden, weil er oberster Richter der Kirche ist, VON NIEMANDEM, auch nicht von der Kirche“
    Und dann maßen Sie als bloßer Laie sich an, die zweitkonziliaristischen Päpste zu richten, sie nicht nur als Apostaten und Häretiker zu verdammen, sondern ihnen auch noch das Amt abzusprechen … Gröber als Sie kann man sich kaum selbst widersprechen.

    Daß „ipso facto“ als Rechtsbegriff (und auch im Kirchenrecht ist das ein Rechtsbegriff) eine ganz andere Bedeutung hat als Sie sich das einbilden oder von Ihren Gurus eintrichtern ließen, wurde hier nun wirklich oft genug gezeigt.

    Wer Katholik ist, wer Häretiker, Schismatiker oder Häretiker ist, bestimmt ausschließlich die Kirche durch dazu befugte Institution, nicht Sie. Musterbeispiel Häresie: Was Sie für Häresie halten, wird noch lange nicht von jedem Katholiken für Häresie gehalten. Zur Verurteilung eines Häretikers als Häretiker bedarf es folglich zwingend der entsprechenden Befugnis – die Sie in keiner Hinsicht haben.

    Und abschließend nochmals zum Thema „automatische Exkommunikation“:
    Wie unlängst gezeigt, wurde die Exkommunikation des australischen Expriesters Greg Reynold durch den Papst angeordnet, und auch der Zeitpunkt des Inkrafttretens der Exkommunikation wurde vom Papst festgesetzt. Also: Keine Rede von automatischer Exkommunikation, die gibt es nicht.

  11. @ Ci-devant:

    „Sich selbst verurteilen“ ist noch lange keine rechtswirksame Verurteilung durch die Kirche. Im übrigen wird kaum ein Häretiker von der Falschheit seines Irrglaubens überzeugt sein. Dazu bedarf es schon unwirksam gebliebener kirchlicher Mahnung.

    „es sei aus der katholischen Gemeinschaft ausgeschlossen“
    Das ist Konjunktiv, nicht Indikativ, worauf ich Sie schon öfters hinwies. Mit dem Konjunktiv wird hier ein Soll ausgedrückt, aber kein Ist. Das Ist wird mit dem Indikativ bezeichnet.

    „daß sich der Mensch vom Körper der Kirche entfernt“
    Das gilt vor Gott, ist aber keine kirchliche Rechtssetzung.

    „daß mithin die „unmittelbar als Tatfolge“ ( „ipso facto“) eintretenden Urteile keine andere Gewalt haben, als die einer ernstlichen Verwarnung ohne jede tatsächliche Wirkung“
    Urteil ist Urteil, von befugter Institution gesprochen. Und selbstverständlich kann es sich bei einem Urteil nicht um eine bloße Verwarnung handeln, denn mit Tatstrafe (ipso facto) belegte, als solche verurteilte Kirchenstraftaten haben unausweichlich die entsprechende Kirchenstrafe zur Folge.

    „sine ulla declaratione“ – auch das verstehen Sie falsch. Es bedeutet lediglich, daß keine förmliche, öffentliche Deklaration verkündet werden muß. Doch selbstverständlich müssen sowohl der (Ex-) Amtsträger als auch die betroffenen Amtszugehörigen von dem Amtsverlust benachrichtigt werden.

    „Alle vom christlichen Glauben Abgefallenen und alle und jeder einzelne Häretiker oder Schismatiker:
    1° ziehen sich von selbst die Exkommunikation zu“
    Aber Glaubensabfall, Häresie oder Schisma müssen erst einmal befugt festgestellt werden. Wie schon gezeigt: Man kann durchaus unterschiedlicher Meinung sein, was Häresie ist und was nicht. Daher ist eine befugte Feststellung von Glaubensabfall, Häresie oder Schisma zwingend erforderlich.

    „Den Gliedern der Kirche aber sind in Wahrheit nur jene zuzuzählen, die das Bad der Wiedergeburt empfingen, sich zum wahren Glauben bekennen und sich weder selbst zu ihrem Unsegen vom Zusammenhang des Leibes getrennt haben, noch wegen schwerer Verstöße durch die rechtmäßige kirchliche Obrigkeit davon ausgeschlossen worden sind.“
    Das zitieren Sie – wie bringen Sie es bloß fertig, dieses „durch die rechtmäßige kirchliche Obrigkeit“ zu überlesen?

    „Ein Nichtkatholik kann keine Ämter in der Kirche innehaben.“
    Wie nun schon oft genug geschrieben: Wer Katholik ist und wer nicht, bestimmt ausschließlich die Kirche durch dazu befugte Institution – Sie nicht.

  12. Pingback: Der Sedisvakantismus widerlegbar? | POSchenker

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