Leitartikel: Schlechte Zeiten für den IS

magazine-dabiq

Von Oliver Maksan

Es sind – Gott sei Dank – schlechte Nachrichten für den „Islamischen Staat“: Erst knüpfen Rebellen den Dschihadisten den nordsyrischen Ort Dabiq ab, wo nach einem Ausspruch des Propheten die endzeitliche Schlacht zwischen den Kämpfern des IS und den Ungläubigen stattfinden soll. Und dann beginnt die irakische Armee ihre lang erwartete Offensive gegen die IS-Hochburg Mossul im Nordirak. Nicht nur die zehntausenden vom IS 2014 vertriebenen Christen warten sehnsüchtig auf eine Vertreibung der Terroristen. Seit Montagmorgen sind zehntausende Soldaten, Kurden und Freiwillige dabei, den Dschihadisten Mossul zu entreißen.

All das sind gute Nachrichten, mag die Schlacht um Mossul auch kein Kinderspiel werden, wie Experten fürchten. Der IS hat sie schwer befestigt und mit Sprengfallen versehen. Und die verbliebenen Kämpfer haben eigentlich nichts mehr zu verlieren und werden entsprechend erbittert kämpfen. Zudem werden die Kämpfe wohl eine gewaltige Welle von Binnenflüchtlingen aus der Stadt spülen und damit die ohnehin angespannte humanitäre Situation im Irak weiter verschärfen. Dennoch ist alles gut, was dem Spuk IS ein Ende macht. Der IS ist ein Krebsgeschwür, das ausgemerzt werden muss. Politischem Dialog oder rationaler Politik ist er nicht zugänglich. Selbst im an Grausamkeiten gewöhnten Nahen Osten hat er neue Maßstäbe der Brutalität gesetzt.

In beiden Ländern, Syrien wie dem Irak, konnte er indes nur gedeihen, weil ein Machtvakuum ihm den Raum gab, in dem er sich binnen kürzester Zeit entfalten konnte. Im Irak war das möglich wegen der Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten. Diese sind kaum geringer geworden. Aber die Desillusionierung vieler Sunniten durch die Terrorherrschaft des IS wird möglicherweise dafür sorgen, dass sich der Sommer 2014 nicht mehr wiederholen wird, als sich die Miliz – vielfach unter dem Zuspruch der lokalen Bevölkerung – wie ein Flächenbrand ungehindert ausbreiten konnte.

Dennoch wird die dhschihadistische Bedrohung im Irak nicht einfach verschwinden. Die radikal-sunnitischen Kräfte haben sich seit der Öffnung der Büchse der Pandora durch die Amerikaner 2003 immer wieder neu formiert. Aus einer Terrormiliz mit territorialer Basis und staatlichem Anspruch wird wahrscheinlich wieder eine Terrormiliz. Und nach wie vor ist es so, dass es keinen nationalen Konsens über die Zukunft des Vielvölker- und -religionenstaats Irak gibt. Der aber wäre die Voraussetzung für die Stabilisierung des geschundenen Landes. Wie in Syrien ist die Einflussnahme der Nachbarn auch hier massiv. Schon die Schlacht um Mossul zeigt dies. Erdogans Türkei will einen Fuß in der Tür haben und hat im Irak stationierte Truppen gen Mossul in Gang gesetzt, obwohl die Bagdader Regierung dies unter Protest ablehnt. Erdogan will aber die ihm vor allem aus wirtschaftlichen Gründen verbündeten irakischen Kurden stärken und Einfluss in der Provinz Mossul haben. Dies dürfte dem Iran kaum gefallen. Die Schiiten des Landes laufen jetzt schon Sturm dagegen. Und so drohen auch mit dem Anfang vom Ende des IS, den wir in diesen Tagen hoffentlich erleben, neue Verwicklungen, die es sehr schwer machen, dass sich das gespaltene Land erholt und zu neuer Einigkeit findet.

_______

Quelle

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s