Irak: Angst und Hoffnung auf die Befreiung von Mosul

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Weihbischof Schlemon Warduni

Mit Angst und Bangen aber auch mit großen Hoffnungen blicken die irakischen Christen auf die „Befreiung“ der Stadt Mosul von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Aus mehreren Richtungen stießen irakische Truppen und kurdische Kämpfer am Montag auf Mosul vor, wie die internationalen Medienagenturen berichten. Dabei hätten die Kämpfer des IS mit Selbstmordattentate versucht, den Vorstoß zu stoppen. Die Peschmerga, wie die Kurden die Kämpfer ihres Teilstaats nennen, hätten zwanzig Dörfer eingenommen und 200 Quadratkilometer Territorium erobert, sagte ein kurdischer Kommandant.

„Wir wollen eine befreite Stadt und eine befreite Ninive-Ebene“, sagt im Gespräch mit Radio Vatikan der chaldäische Weihbischof von Bagdad, Shlemon Warduni. Es sei die Zeit gekommen, dass die von den Terroristen vertriebenen Christen und Muslime wieder in ihre Häuser zurückkehren sollten, fügte der Weihbischof an.

„Wir wollen eine Befreiung, aber eine Befreiung ohne Waffen! Das scheint jedoch unmöglich zu sein. Der Mensch kann zum Täter werden und zwar wenn er Gott nicht liebt und kein Gewissen hat. Da denkt er nicht an die Kinder, an die Frauen. Was wir brauchen, ist eine Befreiung, die vor allem wieder Sicherheit und Ruhe bringt. Zu lange haben wir in den Städten und Dörfern gelitten. Wenn wir von Befreiung sprechen, dann meinen wir auch Sicherheit für die Zukunft.“

Die Angst vor einem zweiten Aleppo, also einer von den internationalen Großmächten umkämpften Stadt, sei gegenwärtig. Es müsse also vor der endgültigen Befreiung vom IS auch klargestellt werden, dass die Stadt ihren ursprünglichen Bewohnern gehöre und sie über die Zukunft befinden sollten. „Das müssen alle mit dem Gewissen hinnehmen und daran denken, dass es Gott gibt, der Liebe ist und nicht ein Gott der Rache. Ich hoffe sehr, dass es keine Racheakten geben wird. Das wird aber wohl sehr schwierig sein und hoffe zumindest, dass es nicht zu noch mehr Blutvergießen kommt. Ein weiteres Aleppo darf nicht geben.“

Auch der für die katholischen Ostkirchen zuständige Kurienkardinal Leonardo Sandri, der derzeit christliche Flüchtlinge in Jordanien besucht, reagiert „hoffnungsvoll“ auf die Nachrichten aus Mosul, wie er im Gespräch mit Radio Vatikan sagt:

„Diese Nachricht erweckt in der Tat Hoffnung, aber sicherlich ist es eine Hoffnung, die mit Leid gebunden ist, weil es Opfer gibt und geben wird. Wir befürchten alle, dass es viele unschuldige Opfer geben wird, die als ,Schutzschilder´ benützt werden. Wir hoffen also, dass diese Befreiung so wenige Opfer wie möglich verursachen wird, insbesondere keine Kinder und Kranke.“

(rv 18.10.2016 mg)

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